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media cd des monats Travis

Cäthe Verschollenes Tier INDIEPOP Ihre Stimme ist auch auf dem zweiten Album so aufregend wie beim Debüt. Sinnlich, etwas kratzig, soulful. Die Musik: Rock, Pop, Indie, Songwriting, etwas Elektro, tolle Melodien. Aber dennoch tiefgängig, denn mit jedem Mal hören entdeckt man mehr in ihrer Musik. Und ganz wichtig sind die Texte – es geht wieder um die Hochs und Tiefs des Lebens: „Es läppert sich viel zusammen in ein paar Jahren / Mensch hast Du ein Glück, ich bin dein Gegenstück“ („Brandstifter“). Deag Musik MARS

Knut Björn Asphol Wilderness Exit AMBIENT JAZZ In Sachen Fortentwicklung des Jazz sind die Norweger ganz vorn. Der Trompeter Nils Petter Molvær, der Star dieser Szene, ist auch auf „Wilderness Exit“ dabei. Neben kühlen Gitarrenlicks stehen hier große Pianoklänge, Tango und Tabla. Asphol kreiert eine wahnsinnig entspannte Atmosphäre, den Soundtrackarbeiten von Mark Knopfler nicht unähnlich. Und der Norweger schafft, was selten gelingt: die Didgeridoo-Einsätze sind nicht peinlich. IMG/India Records/Rough Trade CHROM

Grant Hart The Argument KUNSTPOP Ein Doppelalbum mit der musikalischen Umsetzung einer von John Milton inspirierten Sci-Fi-Story über Erzengel von fernen Planeten aus dem Nachlass von Williams S. Burroughs. Das klingt erstmal vertrackt. Doch zum Glück nahm sich diesem Unterfangen der geniale Grant Hart an, der früher mit Bob Mould die Songs für Hüsker Dü schrieb. So gibt es hier komplexe Couplets und Zehnsilbenstruktur, aber auch erhebenden Pop zwischen David Bowie und Scott Walker. Domino CHROM 48 STADTBLATT 8.2013

Where You Stand POP Nach fünf Jahren kehren Fran Healey und seine Freunde zurück. Und schnell merkt man, wie sehr man sie vermisst hat. Die Schotten haben die rare Gabe, beinahe mühelos unaufdringliche Popsongs zu schreiben. Auf den teilweise in den Hansa Studios aufgenommenen Songs croont Healey wie Cat Stevens, das ABBA-Klavier klimpert, der Bass pluckert entspannt. In der Ruhe liegt die Kraft. Nach und nach entdeckt man die übergroßen Refrains, die Travis hier und da versteckt haben. Good to have them back. Red Telephone Box/Kobalt/Rough Trade CHROM

Deap Vally

Kirin J. Callinan

Sistronix BLUESROCK Beim diesjährigen Hurricane Festival waren Deap Vally einer der großen Abräumer. Lindey Troy (Gitarre, Gesang) und Julie Edwards (Schlagzeug, Gesang) stehen in der Tradition jüngerer Zwei-Mucker-Bands (White Stripes, Black Keys) und rumpeln sich durch ein Blues-Rock-Riffgewitter, dass es kracht. Produzent Lars Stalfors (The Mars Volta) hat die beiden L.A.-Women, die sich angeblich bei einem Häkelkurs kennen gelernt haben, ganz weit nach vorne gemischt! Virgin/Universal MARS

Embracism INDUSTRIAL POP Das Cover des Debüts des Australiers weist den Weg: Eine Nahaufnahme eines schwitzenden, verausgabten jungen Mannes. Das ist Kirin J. Callinan, Songwriter, Gitarrist und Performer. Bei den Songs meint man Callinan physisch vor sich stehen zu sehen. Textlich geht es um den ewigen Kampf des männlichen Geschlechts, heimliche Lieben und tote Freunde. Und das alles mit Blut, Schweiß und Tränen. Ernüchternde Einsicht am Ende: „We die alone“. XL/Terrible Records CHROM

SAMPLER „Kontor Top Of The Clubs Volume 59“. Wie immer ein Highlight im Sampler-reichen Sommer. Aktuelle Clubhits werden dieses Mal von Markus Gardeweg, Jerome und Jasper Forks gemixed. Primus inter pares ist Jerome mit seinem Ibiza-lastigem House. Fedde Le Grands „Rockin’N’Rollin’“ gerät ihm zum Oberknaller! Kontor BETH HART & JOE BONAMASSA „Seesaw“. Zum zweiten Mal machen die beiden gemeinsame Sache – und es ist klasse. Bonamassa nimmt sich zurück und liefert solide Blues-Riffs für Beth Hart, die stellenweise wie Amy Winehouse klingt. Gelungen auch ihr Cover vom abgenudelten „Nutbush City Limits“. Provogue/Mascot MARK OWEN „The Art Of Doing Nothing“. Die große Take-That-ReunionTour hinter sich und die 40 überschritten, hat Mark Owen inne gehalten. Und zeigt sich einmal mehr als großer Solo-Gewinner abseits seiner Überband. Großer Pop, wuchtig, aber nie too much – eher A-ha und Pet Shop Boys als Robbie Williams. Cool. Universal ISABELL SCHMIDT „Alles hat seine Zeit“. Auch wenn ihre Songs an Silbermond oder Christina Stürmer erinnern, ist es doch ein interessantes Debüt. Ihre Mentorin auf dem Weg dahin war Nena, die sie in „The Voixe of Germany“ gecoacht hat. Rockiger Deutschpop mit einigen Hymnen/Hits („Auf der Flucht“, „Perfekt“). Universal KAT EDMONSON „Way Down Low“. Zum dahinschmelzen, wie sie die Klassiker des American Songbook singt. Das finden auch Chris Isaak, Lyle Lovett und Willie Nelson, mit denen Sie tourte. Komplett unzeitgemäß – aber wer den Lana Del Rey Sound mag, der sollte es mal mit dem Original versuchen. Okeh/Sony Classical GUAIA GUAIA „Eine Revolution ist viel zu wenig“. Zwei Unangepasste aus Neubrandenburg, die lange als Straßenmusiker mit Gitarre, Posaune Beats vom Laptop und Schnauze durch die Lande zogen. Das klingt richtig gut (igendwo zwischen Seed, Deichkind und Busta Rhymes) und bringt textlich viele soziale Themen ziemlich gut auf den Punkt. Universal

Yasha Weltraumtourist SOULPOP Die Geschichte des Yasha Conen („Lila Wolken“): Mitglied der HipHopper Moabeat, Auswanderung in die USA, illegale Arbeit als Blumentopfverkäufer, Headhunter für große Modelabels. Nach knapp acht Jahren ging es zurück nach Berlin zu seinen ehemaligen Kollegen Monk und DJ Illbvibe, die sich mitlerweile als Produzententeam The Krauts (Peter Fox) einen Namen gemacht haben. Leider sind die Songs auf „Weltraumtourist“ nicht halb so interessant, wie die Geschichte dahinter.Four Music/Sony CHROM

Andrew Stockdale Keep Moving ROCK Vermutlich hat sich Andrew Stockdale jetzt jeden Riff von der Seele gerockt, den er immer mal machen wollte. Gleich 17 Songs packt er auf sein Solodebüt – Freunde der gepflegten E-Gitarre werden begeistert sein. Ob Midtempo, Groover oder HighSpeed-Rocker, der Mann hat’s drauf. Wenn man überhaupt einen Unterschied zu seiner Ex-Band Wolfmother erkennen kann, dann im Sound. Der ist noch mehr 1970er, so Richtung Lynyrd Skynyrd, Free, Allmann Brothers. Universal MARS

Sam Lee Ground Of Its Own FOLK Sam Lee ist ein Kauz. In jungen Jahren besuchte der Engländer sogenannte „traveller groups“ in Irland, Schottland und England. Von ihnen lernte Lee jahrhundertealte Melodien, die von Generation zu Generation weitergetragen werden und nirgendwo aufgeschrieben sind. Sein Lehrmeister, der 2009 verstorbene schottische Balladensänger Stanley Robertson, adelte Lee zum „Hüter der Lieder“. „Ground Of Its Own“ schafft etwas Neues: Weltmusik trifft traditionellen britischen Folk. IMG/India Records/Rough Trade CHROM

Stadtblatt 2013.08  

Das Osnabrück Magazin, August 2013.

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