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kino

Promis ausnehmen als ultimativer Thrill: Emma Watson in „The Bling Ring“

Spaß an der Sünde

Emma Watsons neues Leinwandimage: Von der Musterschülerin im Potter-Universum zum frechen Früchtchen. In „The Bling Ring“ und „Das ist das Ende“ treibt sie ihr Unwesen hinter den Kulissen Hollywoods.

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m zarten Alter von elf Jahren zum Star eines millionenschweren Kinoerfolges zu werden, ist traumhaft, kann aber auch zur Bürde werden. Es klingt wie ein Klischee, lässt sich indes belegen: Viele ehemalige Kinderstars gerieten als Erwachsene in schwere Krisen, wurden depressiv, alkoholkrank, kriminell. Die 1990 geborene Emma Watson hatte insofern Glück, als sie ihrem ersten Blockbuster ohne Mühe weitere folgen lassen konnte. Watson hatte bereits eine Schauspielausbildung genossen und einige Bühnenerfahrung, als sie im Zuge eines langen Entscheidungsprozesses für die Rolle der Hermine Granger in den „Harry Potter“-Verfilmungen engagiert wurde. An der Kinokasse ein Selbstläufer, und für die Hauptdarsteller eine sichere Bank. Als 2011 der letzte Teil der Serie abgedreht war, war Emma Watson 21 Jahre alt und mehrfache Millionärin. Vermutlich hatte es ihr bei den Vertragsverhandlungen nicht geschadet, dass beide Elternteile dem Anwaltsberuf nachgehen. Watson könnte somit den Rest ihres

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Lebens genießen. Doch wie es aussieht, hat sie sich weder durch ihre Prominenz noch durch ihren Wohlstand korrumpieren lassen, sondern ihre schulische Ausbildung mit Bravour abgeschlossen und ein Studium begonnen. Ehrgeiz beweist sie auch auf schauspielerischem Gebiet. Obwohl ihr sicherlich besser dotierte Angebote unterbreitet werden, übernahm sie 2011 eine Rolle in dem Jugendfilm „Vielleicht lieber morgen“, dessen gesamte Produktionskosten Watsons Gage für ihren letzten „Potter“-Film deutlich unterschritten. Ihre Mitwirkung ist verständlich: Sie fand das Buch überzeugend, und es bot ihr Gelegenheit, sich von der Figur der Hermine Granger zu emanzipieren. Diesen Weg beschreitet sie weiter. Im August ist sie in gleich zwei auf je eigene Weise abseits des Mainstreams angesiedelten Filmen zu sehen. „The Bling Ring“ basiert auf realen Begebenheiten. 2008 und 2009 raubte eine

Horrorspaß über Hollywoodstars: Emma Watson in „Das ist das Ende“

Gruppe von Teenagern die Villen bekannter Hollywood-Stars aus. Das Internet verriet ihnen, wer gerade abwesend war. Besonders auf den Besitz von Boulevardikonen wie Lindsay Lohan, Megan Fox und Paris Hilton hatten sie es abgesehen. Hilton wurde gleich fünf Mal heimgesucht – ohne es zu bemerken. Nicht das einzige erstaunliche Detail in dieser Geschichte. Die jungen Diebe waren vom Medienruhm ihrer Opfer fasziniert, wollten von deren Nimbus profitieren, ihnen nahe und ebenbürtig sein. Was auf gewisse Weise auch gelang. Das Bandenmitglied Alexis Neiers wurde tatsächlich zum Star einer Reality Show. Und erwies sich als Glücksfall für den produzierenden Sender, als ihre Verwicklung in die Hollywood-Raubzüge publik wurde. Der Stoff ist wie gemacht für die Autorin und Regisseurin Sofia Coppola, die sich seit ihrem Erstlingsfilm immer

wieder mit der Orientierungs- und Identitätssuche jugendlicher Protagonisten auseinandersetzt. „The Bling Ring“, in dokumentarischem Stil teils an Originalschauplätzen gedreht – Emma Watson räkelt sich an Paris Hiltons eigener Tanzstange -, hat groteske Züge, vermittelt aber als filmische Wahrheitssuche einiges über den Jahrmarkt der Oberflächlichkeiten, auf dem Medienpräsenz, Körper- und Modekult zum Maß aller Dinge werden. Auch „Das ist das Ende“ wirft einen Blick hinter Hollywoods Kulissen – auf gänzlich andere Art. Die Autoren und Regisseure Seth Rogen und Evan Goldberg haben einige befreundete Schauspieler versammelt. Jonah Hill, Michael Cera, Jay Baruchel und andere treten unter eigenem Namen auf, treffen sich zu einer Party bei James Franco, man frotzelt frech und treibt es ziemlich wild – als draußen plötzlich die Apokalypse losbricht. Die Sendboten der Hölle stürmen durch Hollywood, und manch ein prominenter Tunichtgut fährt zum Teufel. Verfallen auch Rihanna, die Backstreet Boys, Channing Tatum und Emma Watson ewiger Verdammnis? Der anarchische Horrorspaß verrät es. HARALD KELLER Das ist das Ende, USA 2013. R: Seth Rogen, Evan Goldberg. D: Seth Rogen, James Franco, Jonah Hill, Jay Baruchel, Rihanna, die Backstreet Boys u. a. P ab 8.8., Filmpassage The Bling Ring, USA 2013. R: Sofia Coppola. D: Katie Chang, Israel Broussard, Claire Julien, Taissa Farmiga, Paris Hilton u. a. P ab 15.8.

Stadtblatt 2013.08  

Das Osnabrück Magazin, August 2013.

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