Page 22

wahlkampf

ahl W B O 2013aten ndid D i e Ka o d e I I I s i Ep

Robert Seidler, alter Güterbahnhof: Den Ringlokschuppen aufpeppen und einen Mix aus Kultur, Freizeit und Sport etablieren

„Als OB will ich die Probleme lösen“ Handeln statt verwalten – so könnte man die Maxime von Robert Seidler zusammenfassen. Der Oberbürgermeister-Kandidat der FDP will nicht nur den alten Güterbahnhof zum Stadtpark umwandeln, auch die politische Kultur muss sich ändern. TEXT | FOTO MARIO SCHWEGMANN

d

as Interesse an Politik entstand 1972 mit 18 Jahren, als er das erste Mal wählen durfte. Kurz danach tritt er in die FDP ein. „Mir geht es um die liberalen Grundsätze in unserer Gesellschaft. Politik gestalten für die Gemeinschaft – mit dem größtmöglichen Freiraum für den Einzelnen, der aber da endet, wo der Freiraum des Anderen beginnt. Die Balance zwischen diesen beiden Polen und Anliegen in eine gemeinsame Zielrichtung hin zu entwickeln, das ist immer wieder das Ziel meines politischen Handelns.“ Als OB will er mit den Bürgern sprechen, offen sein für Ideen. Und er kann auf Erfahrung in der Kommunal- und Landespolitik verweisen: Von 1982-93 Kreisvorsitzender, 1999-2002 Mitglied im Osnabrücker Rat, von 2001-2002 Bürgermeister und zuvor von 1990-94 im Landesvorstand als Schatzmeister der FDP. Robert Seidler ist seit 1982 in Osnabrück als Rechtsanwalt tätig, Schwerpunkt Baurecht, seit 1979 mit einer Osnabrückerin verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Wobei die Entscheidung für den Anwaltsberuf nicht leicht war: „Entweder Anwalt oder Architekt, und dann hatte ich plötzlich zwei Studienplätze,

22 STADTBLATT 8.2013

Architektur in Bremen und Jura in Freiburg.“ Schließlich hat er sich für Jura entschieden – das Lösen von Problemen liegt ihm. „Ich arbeite seit einigen Jahren auch als Baurecht-Schlichter. Das sind oft Kommunikationsprobleme, die man in außergerichtlichen Gesprächen beilegen kann. Das ist sicherlich eine Fähigkeit, die ich für das Amt des OB nutzen kann. Ich bin jemand, der gerne handelt und die Dinge löst, nur zusehen ist nicht mein Ding.“ Ein Ort, der einer großen Lösung bedarf, ist der alte Güterbahnhof. Schon als Ratsherr hat er sich mit dem Gelände beschäftigt. „Das Grundstück ist ein Sahnestück, das muss die Stadt selbst gestalten!“ Sein Vorschlag: Den Ringlokschuppen aufpeppen und auf dem Areal dahinter einen Mix aus Kultur, Freizeit und Sport etablieren, zum Beispiel mit einer umlaufenden Inliner-Strecke, Spazierund Radwegen, einer Eiswiese im Winter etc.

„Nur zusehen ist nicht mein Ding.“ Auch Osnabrücks Mitte ist für ihn ein OB-Thema. „Die FDP hat bereits 2000 einen Gestaltungsvorschlag vorgelegt, indem wir den Neumarkt – von der Großen Straße aus gesehen – um zwei Spuren verengen. So schaffen wir einen Platzcharakter, der zum Beispiel mit Dauer-Marktständen eingerichtet werden kann. Wie das funktioniert, kann man etwa in Würzburg sehen.“ Den Teil des Neu-

markt-Busverkehrs, der nur dem Umsteigen dient, könnte man zum Bahnhofsvorplatz delegieren. Neben den städtebaulichen Veränderungen, liegen dem Rechtsanwalt benachteiligte Kinder am Herzen. 2006 gründete er den Verein „Kinder in Not“, um bedürftigen Kinder das Schulmaterial zu finanzieren. „Bis heute haben wir Spenden von über 400.000 Euro eingenommen. In etwa 7.000 Fällen konnten wir helfen. Wir haben so einige Kinder bis zum Abitur gebracht.“ Den OB-Kandidaten treibt im Wahlkampf auch die politische Kultur in Verwaltung und Stadtrat um. „Dass Herr Brickwedde durch den späten Wahltermin von einer OB-Kandidatur ausgeschlossen wurde, ist kein guter Stil. Seine nationalen und internationalen Kontakte hätten ihn zu einem ausgezeichneten Kandidaten gemacht.“ Auch das Taktieren im Vorfeld der Ernennung des neuen Stadtbaurats, darüber kann Robert Seidler nur den Kopf schütteln. „Wenn das Schule macht, bewerben sich in Osnabrück zukünftig nicht mehr die qualifiziertesten Bewerber – weil sie sich sagen: Die machen das schon vorher aus.“ Doch die Bürger haben in der Verwaltung die bestmögliche Person verdient. Wenn Robert Seidler keine Probleme löst, ist er gerne mit seiner Frau im Nettetal unterwegs – dahin hat der Haster es nicht weit. Eine besondere Leidenschaft des Rechtsanwalts ist die Aquarellmalerei. „Ich male zum Beispiel die Orte, an denen wir waren – Nordsee, Côte d’Azur, Toskana. Sie können sich gerne mal meine Bilder in der Kanzlei anschauen!“ Ein künstlerisch versierter Oberbürgermeister – eine interessante Kombination.

Stadtblatt 2013.08  

Das Osnabrück Magazin, August 2013.

Advertisement