Page 66

hörtest HAMBURGER SCHULE

hörenswert MISS PLATNUM „The Sweetest Hangover“. Geiler Mix aus Neosoul und Beats. Die Schittmenge aus Amy Winehouse und Lady GaGa. Kaufen! Downloaden! Besorgen! Four Music/Sony FELIX DA HOUSECAT „He Was King“. Elektro-Pop von einem anderen Stern. „We All Wanna Be Prince“ ist die ultimative 80s-Hommage an Tafkap. Nettwerk APE SCHOOL „Ape School“. Ape School ist Michael Johnson, der auf einem originalen Moog-Synthesizer ein KonzeptAlbum über eine Liebesaffäre zwischen Maschinen und Menschen geschrieben hat. Schön. Ninja Tune DISCOVERY „LP“. Synthie-Electro-PopProjekt des Vampire-Weekend-Keyboarders Rostam Bamanglij und Ra Ra Riot-Sänger Wes Miles. Vampire-Weekend-Sänger Ezra Koenig ist mit von der Partie. XL Recordings SAMPLER „Eis am Stiel: Strand-Hits“. Wer zu den Osnabrücker Swing Ska La Bim Partys geht, wird diese Klassiker des Rock’n’Roll und Surf lieben. Edel LABANA „White“. Latino-Rap-Metal aus Kuba. Für Fans von Molotov oder den Smokin’ Suckaz Wit Logic. Timba/Edel JUICE ALEEM „Jerusalaam Come“. Straighter Brit-Rap über Electro Dub des Ex Gamma-Mitglieds. Gedanken über Martial Arts, Internationalismus und Bibelverse. Rough Trade THE PASTELS/TENNOSCOATS „Two Sunsets“. Die schottische Twee-Legende im Verbund mit einer japanischen Psychedelic Folk-Band. Gastauftritt von Jim Reid (The Jesus & Mary Chain). Domino LAURA VANE & THE VIPERTONES. RetroPower Soul mit einer charismatischen Sängerin, die u. a. mit The Streets und MJ Cole gearbeitet hat. Ungeschliffen, funky und schnell. Unique/Groove Attack THE CAVE SINGERS „Welcome Joy“. Zweites Album der Band um Derek Fudesco (Ex-Pretty Girls Make Graves). Folk, dem sich mit Mitteln des Punks angenähert wird. Matador THE BIG PINK „A Brief History Of Love“. Angesagtes Neo-Wave-Duo aus England, um den ehemaligen Alec-EmpireGitarristen Robbie Furze. 4AD/Beggars Group KIM? „Allez! Allez! Allez!“. Bochumer Punk-Trio, das Die Toten Hosen beerben könnte. Die Songs sind klassisch kurz: knapp unter drei Minuten. Sony RAMONA FALLS „Intuit“. Dahinter steckt der US-Songwriter Brent Knopf. Großes Talent! Schräge Indie-Collagen á la Devendra Benhart. Souterrain Transmissions/Rough Trade MARIHA „Another Lover“. Zarte Songs, warme Stimme – Sängerin Mariha ist nicht nur ein h von Maria Mena entfernt. Columbia

66 STADTBLATT≈9.2009

cd des monats

Jan Delay Wir Kinder vom Bahnhof Soul F Auf seinem dritten Studio-Solo-Album treibt der ExBeginner Delay die Perfektionierung seines Funk’n’SoulSounds weiter voran, wie immer unterstützt von Disko No.1. Die üblichen Verdächtigen (Medien, Internet, Billig-Discounter) bekommen ihr Fett weg. Allerdings kommt die Kritik nicht moralinsauer, sondern gewitzt und ehrlich rüber. Ausserdem wird hart gearbeitet („Showgeschäft“) und hart gefeiert („Disko“). Und Delays Vorstöße ins Balladen-Terrain gelingen hervorragend. „Ein Leben lang“ ist eine Art Neubearbeitung des Lindenberg-Klassikers „Baby, wenn ich down bin“, in „Hoffnung“ wird die Heilkraft der Musik beschworen, ohne eine Sekunde in seichte Untiefen abzurutschen. Und wer immer schon wissen wollte, wofür der Name Jan Delay steht, kriegt hier Antwort: „Schwarze Mucke, Schwarzer Block, schwarzer Humor, schwarze Zahlen.“ CHROM

ROCK-HIPHOP

Street Sweeper Social Club Street Sweeper Social Club F Die neue Band von und mit Tom Morello. Nach der Reunion von Rage Against The Machine hatten viele Fans auch auf ein neues Album spekuliert – wird wohl erstmal nichts. Gitarrist Tom Morello schiebt nach Audioslave und The Nightwatchman sein nächstes Projekt an. Den Part am Mikro übernimmt Boots Riley, bekannt als Kopf der HipHop-Indies The Coup (die mit dem 9/11-Cover). Schlagzeug spielt Stanton Moore (Drum-Ikone in den USA). Das Trio versucht gar nichts Neues, sondern entscheidet sich ohne Stress für eine funkige Ausgabe von RATM. Und das kommt geil! Morellos Riffs (Gitarre und Bass!) grooven so fett wie zu seligen „Bombtrack“-Zeiten, und Boots Riley rappt cool drauf. Die Chili Peppers feat. Outkast – das könnte auch so klingen. OSCH Cooking Vinyl

Hamburg City Produktionen/Universal

BRITPOP 2.0

Arctic Monkeys Humburg F Über das dritte Album einer Band könnte man Romane schreiben. Für das zweite gibt’s noch gute Reste vom ersten, doch das dritte fordert fast immer eine Neuorientierung, eine Veränderung im Sound. Die Arctic Monkeys sind da keine Ausnahme. Schon optisch ist vieles neu bei den Sheffieldern, die Haare sind länger. Dann der Sound: Das ganze Album durchweht ein satter Schuss TwangGitarren, manches gerät ihnen sogar spooky. Sicherlich auch ein Einfluss von Josh Homme (Queens Of The Stone Age), der sieben der zehn Songs in der US-Wüstenregion Joshua Tree aufgenommen hat. Man muss sich mit Songs wie „Potion Approaching“ oder „Cornerstone“ etwas anfreunden, keine Frage. Doch es gibt schlimmere dritte Alben. Aber auch bessere Richtungswechsel. MARS Domino/Indigo KATZENMUSIK

Karpatenhund Der Name dieser Band ist Karpatenhund F Diese Kölner Band ist mit ihrem 2007er Debüt zumindest schon mal ein bisschen aufgefallen. Das Personal ist zum Teil das gleiche wie bei den

ungefähr ebenso auffälligen Locas in Love. Und jetzt das hier: eine Neuausrichtung, heißt es. Weg vom Gitarren-Poprock hin zu mehr 80s und New Wave, heißt es. Ein wunderbares Album voller überraschender Wendungen und Textzeilen, die wie in Stein gehauen sind, heißt es. Tatsächlich legt sich das Teil aber schon beim Eröffnungssong „Anfang“ richtig auf die Klappe. Sängerin Claire Oelkers scheint das Anchorgirl von Karpatenhund zu sein. Bei ihr liegt das Problem: sie verfügt über ein unscheinbares Stimmchen und singt miserabel getexteten Befindlichkeitsquark über Popliedchen. Im zweiten Song „Wald“ läuft es besser, aber im Jahr eins nach Peter Fox muss schon ein bisschen mehr kommen, wenn man Applaus kriegen will, ehrlich mal. ECKI Wanderlust/BMG REGGAE-HIPHOP-POP

Culcha Candela Schöne Neue Welt F Im siebten Jahr bringen die sieben Berliner ein reichlich unhomogenes Album auf den Markt – was gut ist, denn wenn jeder Song anders klingt, bleibt die Langeweile schmollend im CD-Regal sitzen. Die Qualität der Songs variiert von „Ja, nicht aufhören mit dem geilen Scheiß!“ bis „O.K., ich zapp dann mal weiter...“. Alles, was nach Reggae klingt, überzeugt. Das Stück „Somma“ ist eine witzige Hym-

ne über die Schattenseiten eines geilen Sommers: warmes Bier, nackte unhübsche Menschen, jede Menge Schweiß usw. Im Vergleich dazu sind die eher poppigen Stücke unglaublich schwach! Beispielsweise die Gähn-Nummer „Manchmal“ oder das kitschig-melancholische Stück „Nobody“. LF Universal POP OHNE GRENZEN

A Fine Frenzy Bomb In A Birdcage F Ihre Single „Almost Lover“ von ihrem Debüt war sowohl Indieclub- als auch Charterfolg. Das ist selten. Alison Sudol hat sich mit ihrem Projekt A Fine Frenzy (schöner Wahnsinn) schnell einen Namen gemacht. Das führte zu ausgedehnten Tourneen, u. a. mit Rufus Wainwright. Und das wiederum führte zu neuen Impulsen für ihre Musik. Und dann entdeckte die 24-jährige Sängerin aus Seattle auch noch die Talking Heads für sich, Dylan und Cash. Sudol: „Ich fing an, meinen Geschmack auszuweiten und hörte so viel Musik wie ich irgendwie in die Finger kriegen konnte.“ So ist das zweite Album wesentlich leichter, luftiger und am Ende auch rockiger. „Electric Twist“ hat einen betörenden Dancepop-Groove, „Stood Up“ ist Frauenpower pur. Daneben gewohnt Lyrisches á la Tori Amos, mit dem das erste Album so gepunktet hat. Doch „Bomb In A Birdcage“ ist kompletter. MARS Virgin LUSTIGE TEXTE

Funny van Dannen Saharasand F Ah! Funny van Dannen! Aus Berlin! Geadelt durch Wiglaf Droste, der „Gutes tun“ in sein Programm aufnahm, und Zusammenarbeit mit den Toten Hosen. Muss doch super sein. Ist aber in Konserve nur so lala. Es handelt sich um Liedermache mit Klampfe und teils lustige, teils nachdenkliche und teils gaga Texte. Für einen Konzertabend bestimmt unterhaltsam, aber als CD ergibt es für mich keinen Sinn. Es sei denn, jemand ist daran interessiert, sich den gleichen Witz immer und immer wieder erzählen zu lassen. Oder man steht auf Schrammelei zwischen Pfadfinderlager und christlicher Jugendgruppe. Aber da wir schon mal von Konzertabenden sprechen: im Dezember wird Funny van Dannen im Rosenhof auftreten. Das kann man doch dann schon mal empfehECKI len. JKP/Warner

STADTBLATT 2009 09  

Das Osnabrück Magazin

STADTBLATT 2009 09  

Das Osnabrück Magazin

Advertisement