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musik

„Das war wie eine starke Droge“ Selig sind zurück! Eine der erfolgreichsten deutschen Bands der 90er Jahre. STADTBLATT-Autor Olaf Neumann traf die Jungs in Hamburg. STADTBLATT: Faith No More,

g Blur, The Prodigy – es gibt einen regelrechten Reunion-Trend. Hat das eure Entscheidung beflügelt? JAN PLEWKA: Nein. Diese Wiedervereinigung passierte nicht aus Jux und Dollerei. Eigentlich können wir gar nichts dafür. Wir haben einfach gemerkt, dass selbst nach zehn Jahren Pause jeder von uns noch ein Stück von Selig in seiner Seele trägt. Außerdem wurde man ständig mit dieser Band konfrontiert, egal wo man hinkam. Trotzdem waren wir lange Zeit nicht bereit, mal miteinander zu telefonieren. Das brauchte einfach seine Zeit. STADTBLATT: Wie schwierig war es, wieder ein Gefühl füreinander zu bekommen? CHRISTIAN NEANDER: Die erste Phase mit Selig war sehr intensiv. Dieses totale Aufgehen in Musik habe ich in der Form nur in dieser Band erlebt. Das war wie eine starke Droge. Gleich bei den ersten Sessions hoben wir gemeinsam ab. Das waren unheimliche, aber auch heilige Momente. Leider verpassten wir damals den Punkt, Halt zu sagen. Es gab auch keinen von außen, der auf uns aufgepasst hätte. Dadurch konnten sich viele Spannungen aufbauen, die irgendwann nicht mehr zu kitten waren. Umso schöner, dass die Lust am gemeinsa-

Romantiker mit Grunge-Riffs

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men Musikmachen jetzt wieder da ist. Fast alle Songs waren noch präsent. Es war wie Fahrradfahren. STADTBLATT: Anfangs saht ihr euch in der Tradition von Jimi Hendrix und Led Zeppelin. Sind die 70er noch immer Quelle eurer Inspiration? STEFAN „STOPPEL“ EGGERT: Jeder von uns hat seine eigene musikalische Persönlichkeit. Kann sein, dass die auch etwas mit der genannten Zeit zu tun hat. Aber wir haben uns nicht vorgenommen, wie der gute alte Rock der 70er zu klingen. Natürlich könnten wir auch mit Samples und Elektronik rumexperimentieren, das wollen wir aber gar nicht. Unsere neuen Stücke sind aus Jamsessions entstanden. STADTBLATT: Selig waren nie Politrocker. Seid ihr eher für die Romantik zuständig? JAN PLEWKA: Es stimmt schon, dass man bei uns einen Hauch von Sehnsucht entdecken kann. Meine Aufgabe ist es, diesen erfüllenden Moment zu umschreiben. Die größte Schwierigkeit ist, die Worte der Musik anzupassen.

STADTBLATT: Haben Selig-Lieder wie „Sie hat geschrien“, „Ist es wichtig“ oder „Arsch einer Göttin“ die Zeit überdauert? CHRISTIAN NEANDER: Anfangs hatte ich diese Bedenken auch, bis wir dann einzelne Titel spielten. Ich kann sagen: Es hat funktioniert. Wir haben uns auch nicht neu erfunden, sondern einfach nur diese Pause beendet. STADTBLATT: Jan Plewka singt umjubelte Rio-Reiser-Abende. Christian Neander produziert und schreibt Songs für Pohlmann, Heinz Rudolf Kunze und Cinema Bizarre. Stefan Eggert trommelt bei James Last und Tempeau. Leo Schmidthals produziert Heinz Rudolf Kunze und kom-

poniert für Theater und Film. Malte Neumann studiert Meteorologie. Bleibt da überhaupt noch Zeit für Selig? JAN PLEWKA: Selig ist uns ganz wichtig, aber trotzdem braucht jeder ein Nebenprojekt, sonst drehen wir irgendwann wieder durch. Wir sind alle Workaholics und Perfektionisten. Deshalb ist es ganz wichtig, auch mal eine Pause voneinander zu haben. Das funktioniert am besten, indem man sich neben Selig noch anderen musikalischen Dingen widmet. Das gibt einem eine positive Kraft. Ich weiß nicht, woran das liegt, aber es ist immens, was ein menschlicher Körper leisten kann. 21.9., Bielefeld, Ringlokschuppen 24.9., Hannover, Capitol 1.10., Bremen, Aladin

STADTBLATT 2009 09  
STADTBLATT 2009 09  

Das Osnabrück Magazin

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