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FOTO: JUDITH KANTNER

„Wir machen das jetzt öfter, auch in anderen Städten“

Fast anstrengender als ein Konzert Sieben Musiker machen die Probe aufs Exempel und versuchen sich als Straßenmusiker. Wir begleiten sie bei ihrer Premiere. Montag, 10.8., 10.30 Uhr.

g Schwere Wolken verhängen den Himmel über der Fußgängerzone. Unter ihm packen sieben Musikstudenten ihre zum Teil sehr geräumigen Instrumente vor dem L+T-Schaufenster aus: Jakob Volz (Gitarre und Gesang), Hannes Neumann (Bass, Gitarre und Ukulele), Michael Hemmersbach (Percussion), Frauke Buß (Euphonium), Christian Lange (Trompete), Matthias Lahrmann (Saxophon) und Daniel Sieverding (Bass). Sie bilden einen Teil der Osnabrücker Band Der wahre Jakob. Im Vorfeld gab es Rechtliches zu klären: Ein Anruf beim OS-Team ergab, dass Straßenmusik generell erlaubt ist. Einzige Bedingung: Alle halbe Stunde muss ein Standortwechsel stattfinden. In anderen Städten müssen Straßenmusiker zum Teil eine Gebühr zahlen oder vorab – wie in München – eine begehrte Lizenz durch ein vorher stattfindendes Casting erlangen (kein Witz!). Als die Bläser ertönen, versammeln sich die ersten Zuschauer. Passant Max: „Ich bin zufällig hier und dachte: Cooler Bläsersatz, da bleibste mal stehen.“ 11 Uhr: Die Sonne kämpft sich durch die Wolkendecke. Der erste 28 STADTBLATT≈9.2009

Standortwechsel wird ordnungsgemäß vollzogen und man passiert dabei die Akkordeon spielende Konkurrenz. Am Nikolaiort kommt die Band richtig in Fahrt. Teilweise lauschen knapp 30 Leute den stimmungsvollen deutschen Popliedern über Tupperpartys oder Tourismus. Kleine Kinder bleiben mit großen Augen stehen, ältere Damen kramen ein paar Geldstücke aus ihrem Portemonnaie, Studenten wackeln mit den Hüften. Den meisten gefällts. Wie Eva und Anna: „Straßenmusik macht Atmosphäre!“ 11.40 Uhr: Pause mit Keksen, bei der das OS-Team dazu stößt und darauf hinweist, dass das Spielen mit Verstärker nicht gestattet sei. Also geht es nach einem weiteren Umzug recht ausgelassen a capella vor der Stadtbibliothek weiter – schließlich müssen nun alle Musiker Sänger Jakob Volz gegen die Bläser unterstützen. Die finanzielle Bilanz der eineinhalb Stunden Straßenmusik: 31,09 Euro und 50 türkische Lira. Und sonst? „Es hat Spaß gemacht. Atmosphärisch hat es mir trotz Baustelle am Nikolaiort am besten gefallen“, findet Christian Lange. Hannes Neumann: „Das werden wir jetzt öfter machen. In anderen Städten, wo man

mit dem Semesterticket hinfahren kann.“ Aber auch Erschöpfung macht sich breit. Jakob Volz: „Das ist fast anstrengender als ein Konzert, weil man

gegen Lastwagen oder schreiende Kinder ansingen muss.“ Zur Stärkung geht es geschlossen in die Mensa. JUDITH KANTNER

Sie gehört zum Stadtbild. Hubert S. und Detlef S. vom OS-Team haben Straßenmusik nicht nur in den Ohren, sondern auch im Blick. STADTBLATT: Macht Straßenmusik die Arbeit schöner? DETLEF S.: Sie gehört zum Stadtbild und kommt gut an. Wir hören sie aber nur im Vorbeigehen. STADTBLATT: Haben Sie persönliche Lieblinge? DETLEF S.: Ich mag die Laura mit ihrer Gitarre und den Mann, der Entspannungsmusik macht. HUBERT S.: Und diese russische Vierergruppe mit Sängerin. Hin und wieder spielt auch eine gute Jazz-Band. STADTBLATT: Was sind erfahrungsgemäß die begehrtesten Plätze für Straßenmusiker? HUBERT S.: Vor L+T in der Großen Straße. Dort ist es zum Teil überdacht, was für gewisse Instrumente von Vorteil ist. Bei schönem Wetter ist auch der Nikolaiort sehr begehrt. DETLEF S.: Die Musiker haben so ihre An-

gewohnheiten. Ein Akkordeonspieler wandert beispielsweise immer auf der gleichen Seite der Großen Straße von Bank zu Bank. STADTBLATT: Gab es schon mal ernsthafte Probleme? DETLEF S.: Es gibt ab und an einzelne Beschwerden von Anwohnern. Mit den Musikern selber gibt es eigentlich keine. Außer, wenn sie verbotenerweise ihre Verstärker benutzen oder CDs verkaufen wollen. Dann bauen sie eben ab. INTERVIEW: JUDITH KANTNER

STADTBLATT 2009 09  
STADTBLATT 2009 09  

Das Osnabrück Magazin

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