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HERBST/WINTER 2014/2015

NR. 7 08.07.2014

NORMAL FASHION / TRENDS / INTERVIEWS


FRÜHJA HR / SO M M E R 2 0 1 5



         



   

 

  

  

 

WWW.PREM IU M E X HIB IT IO N S.CO M


SO WAS VON NORMAL

B

Fotograf: Maximilian Port, maximilianport.com I Produktion & Styling: Elisa Gianna Gerlach, elisagerlach.de I Haare & Make-up: Katharina Eckert mit Make-up-Produkten von MAC, phoenix-agentur.de Models: André @ kultmodelagency.com, Alina @ munich-models.de I Alina: Trenchcoat SPORTALM, Kragen ALLUDE, Ohrring SWAROVSKI I André: Mantel SOPOPULAR

erlins Hipster sind müde. Sie haben es satt, sich länger dem Trenddiktat angesagter Fashion-Blogs zu beugen. Der Druck, jeden Tag besonders cool sein zu müssen, weicht dem Wunsch nach Normalität. Zur Schau gestellte Individualität ist out. Man hat es nicht mehr nötig, sich gegen Touristen oder Angestellte, die einem jeden Tag in der U-Bahn begegnen, abzugrenzen. Der Hipster von heute hat keine Angst, in der Masse unterzugehen. Doch wie kleidet sich der Durchschnitt überhaupt? Die Mehrheit kauft ihre Mode in Kaufhäusern, Einkaufsstraßen und Shopping-Malls. Sie ist weder besonders hip noch cool noch avantgardistisch. Aber wer sagt, dass sie nicht lässig und chic sein kann? Seit Januar 2013 bietet die Modemesse Panorama Mainstream-Marken eine Plattform. Vorher war Düsseldorf ihr Umschlagplatz. Seitdem das Zugpferd CPD, einst die größte Modemesse der Welt, im Februar 2012 eingestellt wurde, ist auch Berlin

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NEW BALANCE

für solche Labels interessant geworden. Nach drei erfolgreichen Saisons am Flughafen Schönefeld ist die Panorama jetzt ans Messegelände unterm Funkturm gezogen. Die Legende, in Berlin würde nur Show und in Düsseldorf nur Business stattfinden, gehört damit der Vergangenheit an. Das hat ohnehin nie gestimmt. In Berlin wurden schon immer Geschäfte mit der Mode gemacht. Seit Jahrzehnten ordern Händler von der Ostsee bis zum Erzgebirge in der Fashion Gallery Berlin. Dort haben rund 100 kommerzielle Marken das ganze Jahr über ihre Showrooms. Viel Spaß beim Lesen unserer neuen Ausgabe von VUE/Berlin wünscht Ihnen Ihr WOLFGANG ALTMANN Chefredakteur

INHALT

Das ML-574-Modell mal nicht in Bunt, sondern in Schwarz-Weiß

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ZUGEREIST Hier zeigen nicht nur Berliner, sondern auch Designer von außerhalb

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NEWS & TIPPS

SNEAKER

Die wichtigsten Termine rund um die Berliner Fashion Week

Turnschuhe für jede Gelegenheit – ob für die Stadt oder zum Date

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FASHION GALLERY BERLIN

MODESTRECKE

WINTERTRENDS

Rund 100 Modefirmen stellen in Showrooms im Ullsteinhaus aus

Kaufhof statt Kenzo – Normcore heißt der neue Anti-Fashion-Trend

Capes, Parka und Mäntel für jeden Geschmack und jede Wetterlage

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s. 30

ROCK’N’ROLLI Die altbekannte Kombi erlebt im Winter eine Renaissance

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BEAUTYLICIOUS

Produkte, die Sie und Ihr Badezimmer verschönern

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BLING BLING Je teurer der Schmuck, desto höher die Styling-Investition

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JÖRG WICHMANN

REBEKKA RUÉTZ

DAS LETZTE WORT

Der Panorama-Chef über sein Messekonzept und seinen Umzug

Die Tirolerin zeigt ihre Winterkollektion auf dem höchsten Laufsteg der Alpen

Michael Michalsky über das richtige Männer-Outfit im Sommer

IMPRESSUM

VUE/Berlin ist ein Produkt der Berliner Verlag GmbH, www.vueberlin.de GENERAL MANAGERS Michael Braun, Stefan Hilscher ADVERTISING DIRECTOR Jens Kauerauf ADDRESS Postfach 02 12 84 10124 Berlin ADVERTISEMENT Tel. +49 30 23 27–55 18, vueberlin@berliner-verlag.de PRODUCTION Raufeld Medien GmbH, Tel. +49 30 69 56 65–0, info@raufeld.de, www.raufeld.de EDITOR-IN-CHIEF Wolfgang Altmann MANAGING EDITORS Arne Gniech, Marcus Jürgens FASHION & BEAUTY EDITOR Elisa Gianna Gerlach ART DIRECTION Anna Trautmann LAYOUT Nastasja Schäfer PRINT Druckhaus Schöneweide GmbH, Ballinstraße 15, 12359 Berlin

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VOM HUHN ZUM SCHUH

U

m im hart umkämpften Sneaker-Markt bestehen zu können, braucht man nicht nur coole Styles, sondern auch eine Geschichte. New Balance hat beides: Die Firmengründung geht zurück bis ins Jahr 1906. William J. Riley, ein englischer Schuhmacher, der nach Boston ausgewandert war, hatte es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen mit Fußproblemen zu helfen. Er fertigte Einlagen an und entwickelte dafür das passende Schuhwerk. Sein Vorbild sollen Hühner gewesen sein. Er war fasziniert davon, wie sie es schafften, mit nur drei Krallen das Gleichgewicht zu halten. Die Geburtsstunde von New Balance. 1938 entwickelte er den ersten Sportschuh. Sein erster Laufschuh mit Rillensohle kam 1960 auf den Markt.

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1972 übernahm Jim Davis, der noch immer amtierende Chairman, New Balance. Er sprang auf den damaligen Jogging-Boom auf und führte das Unternehmen an die Spitze der Sportschuhhersteller. 1988 launchte er mit dem ML 574-Modell einen Klassiker. Bis weit in die 90er-Jahre war er „der“ angesagte Sneaker. Im Zuge des 90er-Revivals kam er wieder zu neuen Ehren. Die Retro-Version, erhältlich in vielen verschiedenen Farbkombinationen, ist nah dran am Original und wird heute in Leder, Wildleder, aber auch als Mesh-Edition angeboten. Für den kommenden Winter empfehlen wir das „Winterized“-Modell in klassischem Schwarz-Weiß – aus schwarzem Leder, gefüttert mit flauschigem Fell und mit der für New Balance typischen Logo-Applikation.

Foto: New Balance, Fotolia: Tony Campbell

Mal nicht in Bunt, sondern in klassischem Schwarz-Weiß – das „Winterized“-ML 574-Modell von New Balance


             


ϭ NEWS & TIPPS

FASHION ON THE ROCKS Die Mercedes-Benz Fashion Week findet in dieser Saison im Erika-Heß-Eisstadion statt. Grund für den einmaligen Umzug vom Brandenburger Tor nach Wedding ist die Fußball-Weltmeisterschaft. Die Straße des 17. Juni steht dann der Öffentlichkeit für Public Viewing zur Verfügung. Neben dem Stadion als Location gibt es im Außenbereich das berühmte Zelt. Wie immer können sich Jungdesigner als Alternative zum Catwalk auf der multifunktionalen „Stage“-Fläche präsentieren. Die interessantesten Newcomer sind diesmal Clemens en August, Aleks Kurkowski und Dare by Johny Dar. (EGG)

Foto: Mercedes-Benz Fashion Week Berlin

MERCEDES-BENZ FASHION WEEK BERLIN (NUR MIT EINLADUNG) Erika-Heß-Eisstadion, Müllerstraße 185, Wedding Di 8.7. – Fr 11.7. www.fashionweek-berlin.mercedes-benz.de

Die Russin Alena Akhmadullina war Gastdesignerin bei der letzten Mercedes-Benz Fashion Week

AUFGESTOCKT Die Skate- und Streetwear-Messe Bright, seit letzter Saison im Warenhaus Jandorf, hat eine weitere Etage in Beschlag genommen. Auf 30 Prozent mehr Fläche zeigen unter anderem Marken wie Reebok, Kangaroos, King Apparel, Dope Obey und Converse. Wie immer finden jeden Abend Skateboard-Events statt: am Dienstag das „Bright Death Race“ präsentiert von C1RCA. Am Mittwoch geht die Ausstellung „LB Project“ an den Start. Am Donnerstag endet die Bright mit einer großen Party, die für alle zugänglich ist. Ab 19 Uhr werden beim „Cons Project Berlin“-Contest die besten Skate-Figuren prämiert, gefolgt von einem Life-Act, der noch nicht verraten wird.

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Foto: Bright

BRIGHT (FÜR FACHBESUCHER) Warenhaus Jandorf, Brunnenstraße 19–21, Mitte Di 8.7. – Do 10.7., 10–18 Uhr www.brighttradeshow.com


Kreativdirektor Oliver Seek-Look

Foto: Juergen Schabes

Interessierte Einkäufer begutachten die Mode

VOGUE SALON

SEEK (FĂœR FACHBESUCHER) KĂźhlhaus, Luckenwalder StraĂ&#x;e 3, Kreuzberg Di 8.7. + Mi 9.7., 10–19 Uhr & Do 10.7. 10–17 Uhr www.seekexhibitions.com

Im Sommer 2011 rief Vogue-Chefredakteurin Christiane Arp ihren Salon zur FĂśrderung des deutschen Modedesigns ins Leben. Zum siebten Mal bietet er ausgewählten Designtalenten die MĂśglichkeit, ihre Kollektionen den wichtigsten Einzelhändlern zu präsentieren. VOGUE SALON (NUR MIT EINLADUNG) Hotel de Rome, BehrenstraĂ&#x;e 37, Mitte Mi 9.7., 13–15 Uhr

No 6

Foto: Seek

Saunders im

Die Modemesse Seek, in direkter Nachbarschaft zur Premium, ist zu 90 Prozent auf Männerlabels spezialisiert. Neben etablierten Marken wie Barbour, Cheap Monday oder Dr. Martens präsentieren sich dort auch visionäre Brands wie Christopher RĂŚburn, Berthold und Ucon Acrobatics. Insgesamt werden knapp 120 Kollektionen gezeigt. „Es dominiert ein klarer und cleaner Look mit klassischen Schnitten und Formen“, sagt Kreativdirektor Oliver Saunders und prophezeit fĂźr nächsten Sommer vor allem gedeckte Farben und Muster. Im fĂźnften Stock finden erstmals Talks und Workshops statt. Täglich gibt es einen Live-Gig im Innenhof und eine groĂ&#x;e Opening-Party am ersten Messetag.

Foto: Julia Malysch fĂźr VOGUE Deutschland

URBAN MEN

           

 !  KRAFTWERK BERLIN MITTE KĂ–PENICKER STR. 70 . 10179 BERLIN

    

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ϭ NEWS & TIPPS

Hilfe, meine Perücke ist

Foto: Prestel Verlag

Foto: Heiko Laschitzk

verrutscht

PRONTO FASHION Zur sechsten Show&Order eröffnet ein neuer Bereich für hochwertige SofortProgramme: die „Show & Buy“-Area. Dort stellen rund 25 Labels aus, zum Beispiel Made for Loving, No-Na, View und Biancoghiaccio. Passend zum Bedarf der laufenden Saison, liefern diese Marken schnelle Ware. „Wir möchten Kollektionen präsentieren, mit denen der Handel auch kurzfristig Umsätze erzielen kann“, erklärt Messechefin Verena Malta. Als zusätzliches Highlight wird es einen Pop-Up-Store mit „Prontofashion“-Labels geben.

DEUTSCHE IN DER MODE Autorin Martina Rink („Isabella Blow“) stellt in ihrem neuen Buch „Fashion Germany“ Mode-Persönlichkeiten aus Deutschland vor, darunter Fotograf Peter Lindbergh, Premium-Chefin Anita Tillmann und Graphikdesigner Mirko Borsche. In ihrem Werk kommen nicht nur Designer zu Wort, sondern vor allem Protagonisten, die oft im Hintergrund agieren. Mit persönlichen Interviews, handschriftlichen Beiträgen und hochkarätigen Fotos zeichnet sie ein Bild der Deutschen im internationalen Modebusiness. „FASHION GERMANY“ VON MARTINA RINK, PRESTEL VERLAG 2014

SHOW & ORDER (FÜR FACHBESUCHER) Heizkraftwerk, Köpenicker Straße 70, Mitte Di 8.7., 10–19 Uhr & Mi 9.7., 10–21 Uhr & Do 10.7., 10–17 Uhr www.showandorder.de

Zum Auftakt der diesjährigen Fashion Week am 8. Juli 2014 ging bereits vergangenes Wochenende der neunte Wedding Dress an den Start. Auch diesmal präsentierten sich auf dem „Festival of Urban Fashion and Lifestyle“ etwa 150 Designer mit Ständen auf dem Fashion-Markt und in den Lofts entlang der Brunnenstraße. Initiiert wird das Modespektakel von Berlins größtem Wohnungsunternehmen Degewo. Diesmal hatte es sich zur Aufgabe gemacht, vor allem Kinder, die im Brunnenviertel leben, einzubeziehen. Die Schülerinnen und Schüler der ansässigen Vineta- und Gustav-Falke-Grundschule gingen auf Fotosafari, um die skurrilsten Ecken des Stadtteils zu fotografieren. Zudem organisierten sie eine Modenschau und übten ein Musical und eine Trommelperformance ein. Neben den Life-Acts und DJ’s, die für die musikalische Unterhaltung sorgten, waren die Kids die Stars auf der Bühne.

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Foto: granma I berlin

KIDS ON STAGE


Markenvielfalt auf der Premium

Foto: Laura Deschner

SERVICE & TRENDS Dass Mode einem immerwährenden Wandel unterliegt, weiß niemand besser als das Premium-Team, das jede Saison bis zu 30 Prozent neue Kollektionen präsentiert. Um globale Trends und innovative Marken aufzuspüren, reist es um die ganze Welt. In New York hat es das Label Rag & Bone entdeckt, das erstmals auf der Premium ausstellt. Doch auch der Service-Gedanke wird groß geschrieben. Das Premium-Buyers-Management steht mit dem Handel das ganze Jahr über in Kontakt, um herauszufinden, wie sein Messebesuch noch effizienter gestaltet werden kann. Für ihn wurde jetzt das „Brand-Match“ entwickelt, ein Service-Tool, das gezielt Besucher mit Marken

vernetzt. Bereits bei der Registrierung werden relevante Informationen zum Shop und zum Sortiment abgefragt. Das System schlägt dann die passenden Kollektionen vor und erstellt eine Navigationsroute über die Messe. Wer eine persönliche Begleitung wünscht, kann einen Concierge-Service in Anspruch nehmen. PREMIUM (FÜR FACHBESUCHER) Station-Berlin, Luckenwalder Straße 4–6, Kreuzberg Di 8.7. + Mi 9.7., 10–19 Uhr & Do 10.7., 10–18 Uhr www.premiumexhibitions.com


ϭ NEWS & TIPPS

GRÜNE WELLE Zum zehnten Mal stellt der Green Showroom nachhaltige High-Fashion-Labels vor. Die Fachmesse kehrt zurück zur alten Location und zeigt ihre Kollektionen wieder in den Räumlichkeiten des Hotel Adlon. Die Partnermesse Ethical Fashion Show Berlin präsentiert wie gewohnt umweltfreundliche Street- und Casualwear. Am Donnerstag wird bei einem Frühstück über das Thema Öko-Siegel debattiert. Außerdem finden folgende öffentliche Events statt: Der Lavera Showfloor gibt sich international mit Labels wie Ivana Basilotta aus London, David Andersen aus Kopenhagen oder Prophetik aus Tennesse. Der Showfloor Berlin beweist besonders mit norwegischen Designern wie kreativ die grüne Szene ist. (EGG) GREEN SHOWROOM (FÜR FACHBESUCHER) Hotel Adlon Kempinski, Unter den Linden 77, Mitte Di 8.7. + Mi 9.7., 10–20 Uhr & Do. 10.7., 10–18 Uhr www.greenshowroom.com ETHICAL FASHION SHOW BERLIN (FÜR FACHBESUCHER) E-Werk, Wilhelmstraße 43, Mitte Di 8.7. + Mi 9.7., 10–20 Uhr & Do. 10.7., 10–18 Uhr www.ethicalfashionshowberlin.com

Andrea Schelling zeigt ihre zarten Entwürfe auf dem Lavera Showfloor

Foto: Jürgen Angelow

LAVERA SHOWFLOOR Umspannwerk Alexanderplatz, Voltairestraße 5, Mitte Mi 9.7. – Fr 11.7., Fashionshows Mi + Do jeweils ab 18 Uhr, Fr ab 17 Uhr Gäste akkreditieren sich online oder vor Ort, begrenzte Platzanzahl www.lavera-showfloor.de SHOWFLOOR BERLIN Magazin der Heeresbäckerei, Köpenicker Straße 16/17, Kreuzberg Di 8.7. – Do 10.7., Fashionshows jeweils ab 18 Uhr Gäste akkreditieren sich unter showfloorberlin.de/tickets www.showfloorberlin.de

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Die Boutique in Schöneberg ist die angesagte Adresse für Frauen, die etwas zum Anziehen brauchen oder sich etwas Gutes tun wollen. In entspannter Wohlfühl-Atmosphäre finden sie dort ein breites Angebot an tragbaren und ausgefallenen Kollektionen sowie extravagante Accessoires mit sehr gutem PreisLeistungs-Verhältnis. Das freundliche Personal nimmt sich viel Zeit, um die Modeträume ihrer Kundin zu erfüllen – typgerechte und kompetente Beratung inklusive. MODETRÄUME Winterfeldtstraße 44, Schöneberg Mo–Fr 11–19 Uhr, Sa 11–16 Uhr www.modetraeume.com

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Artwork: Yoh Nagao für Collect

SHOW IN SHOW Zum zweiten Mal ist der Collect Showroom Gast auf der Premium. Als Teil der Dissonance Area präsentiert er eine facettenreiche Auswahl an internationalen Newcomern und deutschen Designern, unter anderem Frisur, Funtime und Starstyling. Das Artwork hat der japanische Künstler Yoh Nagao entworfen. Seine Collagen setzt er sehr dekorativ mit Schnipseln aus Modemagazinen zusammen. Kaum zu glauben, dass er damit eigentlich die Gesellschaft kritisieren will. COLLECT (FÜR FACHBESUCHER) Premium, Dissonance Area, Station-Berlin, Luckenwalder Straße 4–6, Kreuzberg Di 8.7. + Mi 9.7., 10–19 Uhr & Do 10.7., 10–18 Uhr www.arneeberle.de/collect/about

BEWÄHRT Der Ableger der New Yorker Capsule Show hat sich in Berlin etabliert. Zur siebten Issue werden diesmal verstärkt progressive Frauenkollektionen gezeigt. Der Donut Shop ist wieder mit dabei. Dort gibt es nicht etwa Süßes, sondern handgefertigte Produkte von Berliner Manufakturen. Zum Beispiel Schnaps von Fräulein Brösel, Kosmetik von Wheadon und Duftwasser von Frau Tonis.

Foto: Capsule

CAPSULE SHOW (FÜR FACHBESUCHER) Postbahnhof, Straße der Pariser Kommune 8, Friedrichshain Di 8.7., 10–19 Uhr + Mi 9.7., 10–18 Uhr www.capsuleshow.com

Auf der Capsule kann man auch mal die Zeit vergessen

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ϭ NEWS & TIPPS

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SALT

CARNAVAL DO BRASIL

Kalifornischer Lifestyle gepaart mit bester japanischer Handwerkskunst, zeitlosem Design, inspiriert von der Schönheit der Natur. Weitere Infos unter www.saltoptics.com

Bei der Bread & Butter steht diesmal alles im Zeichen der Fußball-Weltmeisterschaft. Unter dem Motto „Carnaval do Brasil“ veranstaltet die Messe auf dem Tempelhofer Feld ein farbenfrohes Fest. Der Außenbereich Lunapark wird in ein brasilianisches WM-Dorf verwandelt. Dort präsentieren sich Marken mit Ständen im Rio-Look. Außerdem lädt der Copacabana-BBBeach zum Entspannen ein. Am Dienstag- und Mittwochabend können nicht nur Fachbesucher das Halbfinale auf einem gigantischen Bildschirm verfolgen, sondern jeder, der mitfiebern will. Ab 22 Uhr öffnet die Bread & Butter ihre Pforten für alle. Abgerundet werden die Abende mit verschiedenen Live-Acts, DJ’s, Favela Funky Tunes und brasilianischem BBQ.

ERHÄLTLICH BEI BRILLEN IN BERLIN Bötzowstraße 27, Prenzlauer Berg Mo–Fr 10–20 Uhr, Sa 10–16 Uhr www.brillen-in-berlin.de

Foto: BREAD & butter GmbH

BREAD & BUTTER (FÜR FACHBESUCHER) Flughafen Tempelhof, Platz der Luftbrücke 5, Tempelhof Di 8.7. + Mi 9.7., 10–19 Uhr & Do 10.7., 10–18 Uhr Carnaval Do Brasil Di 8.7. + Mi 9.7., ab 19 Uhr, Public Viewing ab 22 Uhr www.breadandbutter.com

MICHALSKY FEAT. ESTHER PERBANDT

MICHALSKY STYLENITE (NUR MIT EINLADUNG) Tempodrom, Möckernstraße 10, Kreuzberg Fr 11.7., 20:30 Uhr www.michalsky.com

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Esther Perbandt zeigt auf der Michalsky StyleNite

Foto: Claudia Weingart

Esther Perbandt ist in dieser Saison Gastdesignerin bei der Michalsky StyleNite. „Ich freue mich riesig, meine Sommerkollektion 2015 mit einer ganz besonderen Performance präsentieren zu dürfen“, sagt die Designerin und ergänzt, dass sie das Motto des Abends sofort angesprochen habe. Unter dem Eindruck des NSA-Skandals greift Michalsky diesmal das Thema Privatsphäre auf. „Important Secrets“ lautet das Motto seiner kommenden Sommerkollektion. „Es ist ein wichtiges Thema unserer Gegenwart“, meint Esther Perbandt. Sie findet es richtig, dass solche Fragestellungen auch in kreative Prozesse mit einfließen.


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INTERVIEW

DIE STÄNDIGE (MODE-)VERTRETUNG Centermanagerin Kerstin Freiberg über die Fashion Gallery Berlin und warum es sich gerade für junge Labels lohnen würde, hier präsent zu sein

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enn die Fashion Week vorüber ist, fängt die Arbeit von Kerstin Freiberg (48) erst richtig an. „Dann bringen unsere Kunden ihre Kollektionen hierher.“ Die Kunden der Fashion Gallery Berlin sind Firmen, unter anderem Bogner, FTC Cashmere, Gerry Weber, Pierre Cardin, Schiesser und Tamaris, die dort das ganze Jahr über ihre Showrooms haben. Im denkmalgeschützten Ullsteinhaus stellen rund 100 Modefirmen an die 450 Kollektionen aus. Hier ordern sowohl kleine Boutiquen als auch große Modehäuser wie P&C, KaDeWe und Galeria Kaufhof. Frau Freiberg, von woher reisen Ihre Händler zum Ordern an? Unser Einzugsgebiet erstreckt sich von der Ostsee bis ins Erzgebirge. Es kommen aber auch Händler aus Niedersachsen oder Hessen. Manche reisen auch aus dem Ausland an: aus Polen, Russland etc. – je nachdem, welche Verbindungen sie zu unseren Marken haben. Welches modische Segment decken Sie im Center ab? 80 Prozent unserer Marken stellen auf der Panorama aus und bewegen sich im kommerziellen Bereich. Aber nicht alle. Wir decken viele Segmente ab. Belegen ausschließlich Modemarken Ihre Showrooms? Nein, manche Hersteller sind auch durch Agenturen mit vier oder fünf Kollektionen präsent oder durch freie Handelsvertreter,

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wie die Hemdenfirma Olymp. Sie hat ihren Showroom in Düsseldorf und zeigt hier ihre Kollektion auf der Berliner Durchreise.

So ein Showroom ist teuer. Wenn man startet, könnte man sich zusammentun und sich eine Fläche teilen. Das wäre zum Beispiel auch eine Möglichkeit.

Die Berliner Durchreise? Das ist sozusagen unsere Messe, eine regio nale Order- und Verkaufsmesse, die zum 192. Mal vom 9. bis 11. August stattfinden wird. Früher war sie auf dem Messegelände. Seit 15 Jahren ist sie hier. Neben Modeagenturen und Firmen, die bei uns das ganze Jahr über präsent sind, zeigen zudem auf der Berliner Durchreise über 70 Gastaussteller.

Könnte man ihn auch temporär mieten? Diese Möglichkeit gibt es auch. Wir vermieten manchmal nur für bis zu zwei Monate. Ein anderes Mal kommt eine Kollektion nur für eine Woche.

Wie nutzen Ihre permanenten Mieter die Showrooms? Das ist unterschiedlich. Manche steuern von hier aus alles und haben hier auch ihr Büro. Manche kommen nur, wenn die Kollektionen geschrieben werden oder wenn sie ihre Geschäftspartner treffen wollen. Zum Beispiel während der Fashion Week. Eines Ihrer langfristigen Projekte ist es, Jungdesigner ans Haus zu binden. Welchen Nutzen hätten Sie davon? Junge Labels haben es am Anfang oft schwer, ihre Entwürfe in den Handel zu bringen. Ein Messeauftritt reicht oft dafür nicht aus. Was diese Labels bräuchten, wären eine B-2-B-Plattform und Partner, die sich darüber Gedanken machen, wie und an wen sie verkaufen. Man gründet ja ein Label, um Geld damit zu verdienen.

Welchen Service bieten Sie noch? Wir haben als Instrument eine Besucherdatei, in der sämtliche Händler, die zu uns kommen, registriert sind. Ihnen schicken wir einmal im Monat einen Newsletter und informieren sie über die neuesten Trends und weitere Neuigkeiten. Über dieses Tool können wir auch Aufmerksamkeit generieren. FASHION GALLERY BERLIN Mariendorfer Damm 1–3, Eingang Ullsteinstraße, Tempelhof, Tel. 030 / 70 09 50 info@fashion-gallery-berlin.de www.fashion-gallery-berlin.de

Kerstin Freiberg ist seit August 2012 Centermanagerin der Fashion Gallery Berlin

Fotos: Fashion Gallery Berlin

Das 1927 fertig gestellte Ullsteinhaus beherbergt das ganze Jahr über Showrooms von etwa100 Modefirmen

Wie könnten Sie diese Labels unterstützen? Über Handelsvertreter, die Kontakte in den Verkauf haben. Die wissen genau, in welche Läden ein Label passt und wer ein potenzieller Kunde für sie ist. Ich glaube, es wäre ganz vernünftig, an jemand mit Erfahrung anzudocken, der über ein Netzwerk verfügt. Die Händler, die zu uns kommen, sind immer wieder auf der Suche nach etwas Neuem. Eine Präsentation zur Berliner Durchreise könnte ebenfalls der Beginn einer Zusammenarbeit sein.


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EWA HERZOG

GUIDO MARIA KRETSCHMER

Fotos: Mercedes-Benz Fashion Week Berlin/2014

VLADIMIR KARALEEV

SCHUMACHER

SCHUMACHER

FILIPPA K


ROCK’N’ ROLLI KILIAN KERNER

Die altbekannte Kombination aus Rock und Pulli erlebt einen modernen Aufschwung – feminin und cool zugleich

BARRE NOIRE

LAURÈL

LAURÈL

PERRET SCHAAD

HIEN LE

REDAKTION: ELISA GIANNA GERLACH

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INTERVIEW

Der Panorama-Chef bietet kommerziellen Marken eine Plattform

DER STRATEGE Die Modemesse Panorama hat sich nach drei erfolgreichen Saisons am Flughafen Schönefeld etabliert. Jetzt findet sie zum ersten Mal unterm Funkturm statt. VUE/Berlin traf Messechef Jörg Wichmann und sprach mit ihm über sein Konzept, Berliner Mode und welche Chancen er für den klassischen Einzelhandel sieht INTERVIEW WOLFGANG ALTMANN

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örg Wichmann (43) ist in Berlin kein Unbekannter. Wer die hiesige Designszene kennt, bringt seinen Namen noch mit dem Shop Berlinomat in Verbindung. Der gebürtige Berliner eröffnete 2003, zusammen mit seiner heutigen Frau Theresa, seinen Concept-Store in der Frankfurter Allee. Dort verkaufte er 180 Berliner Designerlabels unter einem Dach und setzte sich auch für deren Vermarktung ein, unter anderem über Gemeinschaftsstände auf Messen. So kam es, wie es kommen musste: Er lernte die Macher der Premium kennen. Gemeinsam stellten sie fest, dass in Berlin eine Plattform für marktrelevante Marken fehlt. Aus dieser Idee entwickelte er das Konzept für die Panorama. Bereits zur ersten Veranstaltung im Januar 2013 waren die Hallen am Flughafen Schönefeld ausgebucht, das Interesse der Fachbesucher war groß. Nach drei Ausgaben findet sie erstmals auf 33 200 m2 unterm Funkturm statt. Das Messegelände bietet Platz für knapp 500 Marken, unter anderem Marc Cain, Pierre Cardin, Baldessarini, Timezone und Desigual.

Foto: Katharina Poblotzki

Herr Wichmann, warum sind Sie mit Ihrer Messe an den Funkturm gezogen? Das lag daran, dass wir in Schönefeld an unsere Kapazitäten gestoßen sind. Schon vergangenen Januar konnten wir 80 Firmen nicht berücksichtigen. Die Nachfrage war größer als das Flächenangebot. Und selbst jetzt sind wir schon wieder komplett ausgebucht, obwohl wir am Funkturm 40 Prozent mehr Fläche haben. Hätten wir in Schönefeld bleiben wollen, hätten wir mindestens eine, eigentlich zwei neue Hallen bauen müssen, was unter jetzigen Gesichtspunkten absurd gewesen wäre. Denn keiner weiß, wann der Flughafen eröffnen wird. Eine derartige Investition hätte sich für die Messe Berlin nicht gelohnt. Welche Rolle spielt die Messe Berlin in Ihrem Unternehmen? Eine ganz entscheidende: Die Messe Berlin ist unser Kooperationspartner. Sie kümmert sich um die ganze Infrastruktur. Mit den Inhalten hat sie aber nichts zu tun. Die bestimmen wir selbst.

Welche Marken stellen auf der Panorama aus? Bei uns inszenieren sich im Handel erfolgreiche Marken, mit denen er einen Großteil seines Umsatzes macht. Dabei bilden wir das gesamte Preissegment ab – von Einstiegspreislagen über mittlere bis hin zu Endpreislagen. Diese Marken, mit denen der Handel sein Geld verdient, sind quasi der Motor, der die Branche antreibt.

DIE ZUKUNFT LIEGT IN DER BALANCE AUS VERTIKALEM UND INHABERGEFÜHRTEM EINZELHANDEL Was ist das Besondere an Ihrer Messe? Wir wollen keine typische Messe sein, sondern verstehen uns als Marktplatz, wo ein richtiger Austausch stattfinden soll. Wir möchten dem Handel Orientierungshilfe bieten. Das setzt natürlich voraus, dass wir die Bedürfnisse des Marktes kennen. Nur so kann man für den Handel die richtigen Angebote schaffen. Was meinen Sie mit Angebote? Zum Beispiel unser Mall-Konzept, das wir vergangenen Januar etabliert haben. Auf dieser Fläche zeigen verschiedene Brands ihre komplette Markenwelt in Form von Flagshipstores oder Shop-in-Shop-Konzepten. Damit reagieren wir auf die wachsende Anzahl von Retail-Flächen weltweit. Für kleinere Labels, die sich keinen eigenen Standbau leisten können, haben wir das Hotel-Konzept kreiert. Eine Fläche, wo sie sich auf 25 m2 großen Ständen präsentieren können. Auf unserer neuen Fläche Now stellen Marken ihre Flashprogramme vor, die in sechs bis acht Wochen geliefert werden können. 500 Marken auf über 33 000 m² – da muss man gut zu Fuß sein …

Von den Laufwegen her ist der neue Standort sogar günstiger, weil die Hallen kompakter beieinanderliegen. Deshalb sind wir auch sehr froh, dass wir die Möglichkeit bekommen haben, das Messegelände am Funkturm zu nutzen. In der Vergangenheit gab es schon mehrere Versuche, dort eine Modemesse zu etablieren. Was macht Sie so sicher, dass der Standort funktioniert? Dass die Versuche gescheitert sind, lag sicher nicht am Standort. Denn idealer kann die Lage gar nicht sein: Der Kurfürstendamm liegt direkt vor der Haustür, das Gelände hat einen eigenen S-Bahn-Anschluss und der Flughafen Tegel ist nur zehn Minuten mit dem Auto entfernt. Seit Jahrzehnten veranstaltet dort die Messe Berlin zig international renommierte Messen. Es gibt überhaupt keinen Grund, da skeptisch zu sein. Messen ja, aber keine mit Mode. Für den Inhalt sind wir ja zuständig. Und dass wir das organisieren können, haben wir bereits in Schönefeld bewiesen. Nur weil wir jetzt an einem Ort sind, der schon zwei, drei Versuche hinter sich hat ...? Da mache ich mir überhaupt keine Sorgen. Entscheidend sind doch die Inszenierung und das Flair. Was bieten Sie außer dem Fokus auf Business noch? Damit sich die Leute wohlfühlen, arbeiten wir mit den Kreativgastronomen der Markhalle Neun in Kreuzberg zusammen. Sie bieten verschiedene Slow- und StreetFood-Konzepte an. Es finden auch Events am Rande statt, etwa der Auftritt von Berliner Kleinkünstlern, die wir engagiert haben. Doch im Vordergrund stehen ganz klar das Business und der Austausch zwischen den Ausstellern und den Besuchern. Welche Rolle spielen auf der Panorama vertikale Anbieter wie H&M und Zara? Uns ist natürlich wichtig, besonders Handelsmarken eine Plattform zu geben und diese zu promoten. Trotzdem haben wir auch vertikale und halbvertikale Marken in unserem Portfolio. Denn auch sie sind ein entscheidender Teil des Marktes und gehören zum modischen Bild jeder Stadt. Was ich aber kritisch sehe, ist, dass sie heute auf

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INTERVIEW

den großen Einkaufsstraßen dominieren. Diese Gleichmacherei stört mich, weil ich finde, dass Mode von Vielfältigkeit geprägt sein sollte. Und wenn in den Einkaufsstraßen nur noch H&M und Zara die Mieten zahlen können, ist das natürlich schade. Ich denke, die Zukunft liegt in der Balance aus beidem: dem vertikalen und dem inhabergeführten Einzelhandel.

Sehen Sie darin kein Problem, dass H&M und Zara viel günstiger sind? Dass sie oft sehr preisaggressiv sind, muss eine Marke nicht unbedingt tangieren. Der Konsument ist heute viel besser informiert als noch vor 20 Jahren. Er weiß genau, dass Qualität und Preis im Verhältnis stehen müssen. Besonders für Lieblingsstücke ist er bereit, Geld auszugeben. Was muss eine Marke heute bieten, um mit den Vertikalen konkurrieren zu können? Sie muss eine eigene Identität und einen Markenkern haben, der auch eine Geschichte transportiert. Wie beurteilen Sie den wachsenden Online-Markt: Ist er eine Gefahr für den stationären Handel? Ich sehe da weniger eine Gefahr, sondern betrachte es als Wettbewerb, bei dem der stationäre Handel nicht zwingend den Kürzeren ziehen muss. Entscheidend ist doch, dass ein Händler seine Kunden dort abholt, wo das Internet aufhört. Und zwar im Laden, wo der Kunde persönlich beraten wird. Im Internet kann man zwar jederzeit und überall auf der Welt einkaufen, aber eines kann man dort nicht: den Kunden wirklich emotional berühren. Und darin liegt die Chance. Denn das Gefühl, ich habe jetzt genau das Richtige gekauft, vermittelt man im Shop und nicht im Internet, wo man anonym bestellt. Die Umsätze im

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Foto: Panorama Berlin

Der klassische Einzelhandel ist für Sie also kein Auslaufmodell? Auf keinen Fall. Er war immer der Innovationsgeber, der bereit war, Mode zu testen, zu mischen und zu verändern. Ich glaube, sein entscheidender Vorteil gegenüber den Vertikalen ist, dass der inhabergeführte Einzelhandel schneller und flexibler auf Markteinflüsse in den verschiedenen Städten reagieren kann.

Die vierte Panorama findet erstmals auf dem Messegelände unterm Funkturm statt

Online-Bereich werden sicherlich noch steigen. Und ich fürchte auch, dass es weiterhin eine Verdrängung geben wird. Aber überrunden wird das Internet den klassischen Handel nicht. Wie wichtig ist für Sie der Standort Berlin? Berlin ist per se ein natürlicher Magnet. Viele Leute kommen hierher – nicht nur wegen der Mode, sondern auch wegen all der anderen kreativen Impulse. Berlin hat sich mittlerweile zur Weltstadt gemausert und braucht sich nicht mehr hinter anderen Metropolen zu verstecken. Welche Berliner Labels stellen auf der Panorama aus? Das sind zum Beispiel Blacky Dress, Jean Paul, Concept K., Headcakes oder Evelin Brandt – schon eher die großen Namen. Mit Berlinomat hatten Sie es sich zur Aufgabe gemacht, jungen Labels aus Berlin unter die Arme zu greifen. Wie unterstützen Sie sie jetzt? Wir könnten ihnen schon parallel zu den Schauen eine Fläche zur Verfügung stellen.

Erste Überlegungen dazu gab es bereits. Aber allein eine Präsentation – das habe ich in meiner Zeit bei Berlinomat gelernt – reicht nicht aus. Was sie bräuchten, sind konkrete Projekte, um sich noch stärker mit der Industrie zu vernetzen. Ich weiß aus Gesprächen, dass da vonseiten der Industrie durchaus Interesse besteht. Wie so eine Kooperation aussehen kann, darüber sollten sich aber alle Beteiligten Gedanken machen. Nach unserem Umzug unter den Funkturm werden wir dafür erste Ideen liefern und ein Konzept entwickeln. Wie hat sich Ihrer Meinung nach die Berliner Mode in den letzten Jahren entwickelt? Bei Berlinomat haben wir oft gesehen, wie schwierig es ist, als junges Label in den Markt zu kommen. Deshalb freut es mich, dass es mittlerweile etliche Namen gibt, wie Kaviar Gauche, Lala Berlin oder Frida Weyer, die bis über die Grenzen Berlins hinaus bekannt geworden sind. Ich wünsche mir aber, dass der deutsche Handel noch etwas mutiger wird und mehr Vertrauen in die Arbeit dieser jungen Kreativen legen würde.


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MIT HERZLICHEM DANK FÜR DIE BEREITSTELLUNG DER LOCATION AN DEN ZOO PALAST BERLIN UND FÜR DIE LEIHGABE DES FOTO-LICHT-EQUIPMENTS AN FOTO MEYER


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REPORTAGE Unten: Der höchste Laufsteg der Alpen im „Top Mountain Star“. Rechts: Schneeraupe als alpines Fortbewegungsmittel

DER BERG RUFT Seit drei Jahren steht Rebekka Ruétz auf dem Schauenplan der Mercedes-Benz Fashion Week. Jetzt zeigt sie ihre zehnte Kollektion. Wir haben sie im Ötztal besucht, wo sie vor ein paar Wochen außer der Reihe ihre aktuelle Winterkollektion präsentierte – eine Hommage an ihre Heimat Tirol VON WOLFGANG ALTMANN

Die schneebedeckten Berge glitzern in der Nachmittagssonne. Wir sind auf 2 000 Metern Höhe und die Kurven werden immer steiler. „Vor Kurzem sind hier Felsen auf vorbeifahrende Autos geknallt“, dramatisiert Deggi und betont, dass wir uns hier in tödlicher Gefahr befinden. Offenbar hat er einen Heidenspaß daran, einem Piefke wie mir Angst einzujagen. Doch bei der Schönheit der Berge kommt kein Unbehagen auf. Wir erreichen Untergurgl, dann Obergurgl und kommen wohlbehalten im Skiort Hochgurgl an. Von dort führt später eine Gondel zum höchsten Laufsteg der Alpen, wo Rebekka Ruétz ihre Winterkollektion 2014/15 präsentieren wird. Sie erteilt letzte Anweisungen vor der Show im Hotel mit dem passenden Namen „Top“, gleich neben der Talstation. Visagisten schminken den Models „smoky eyes“ und legen Wasserwellen im 20er-Jahre-Stil. Assistentinnen packen Goodie-Bags, die sie nachher an die Gäste verteilen. „Die nächste große Herausforderung wird sein, alles nach oben zu schaffen“, sagt die Designerin und lacht. Von Nervosität ist bei ihr nichts zu spüren. Ruétz strahlt eine Ruhe aus, die nur Leute aus den Bergen besitzen. Die 29-jährige Tirolerin trägt eine schwarz-weiß gestreifte

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Seidenbluse, dazu schwarze Skinny Jeans. Ihre goldene Brosche am Kragen passt perfekt zu ihren langen, roten Haaren. Ihr kosmopolitischer Look lässt vermuten, dass sie schon weit in der Welt herumgekommen sein muss. Wir machen es uns in der Hotelbar unter einem präparierten Elchkopf bequem und genießen die schöne Aussicht durchs Panoramafenster. „Kennst du schon die ‚latest news‘?“, fragt sie. „Alena Gerber, die später die Show eröffnen wird, hat sich von Sven Hannawald getrennt.“ Ihr erster Auftritt nach dem LiebesAus. Und noch ein „Starmodel“ hat die Designerin engagiert: Marie Nasemann, bekannt aus der vierten Staffel von „Germany’s Next Topmodel“. Auch sie wird, neben acht weiteren Mädchen, Ruétz’ Wintermode in 3 000 Meter Höhe vorführen. „Ein Heimspiel“, sagt die Tirolerin. „Meine Oma kommt aus dem Ötztal, das man auch ‚Diamant der Alpen‘ nennt.“ „Black Diamonds“ heißt deshalb ihre Kollektion, in der sie tatsächlich schwarze Steine verarbeitet hat: Granat, ein Halbedelstein, gewonnen aus tiefen Bergspalten, der auch im hiesigen Trachtenschmuck zu finden ist. Aufgewachsen ist Ruétz im benachbarten Inntal in der TausendSeelen-Gemeinde Fiss. Ihre Eltern haben dort ein Intersport-Geschäft. „Meine Begeisterung für Mode war schon von klein auf da“, erzählt sie. Mit 14 zog sie nach Innsbruck, um dort ihre Matura, das österreichische Abitur, zu machen. Sie lacht, als sie den Namen der Schule nennt: Ferrarischule. Warum die so heißt, weiß sie selber nicht genau. Es sei eine Art Berufsfachschule für Mode und Bekleidungstechnik, wo man auch die Hochschulreife erwerben kann. Neben den Abiturfächern belegte sie dort auch die Kurse Schnitttechnik und Nähen. Danach studierte sie an der AMD, Akademie Mode & Design, in München. Bei ihren Vorkenntnissen war das ein Kinderspiel für sie. 2008 machte sie ihren Abschluss als Jahrgangsbeste.

Fotos: Getty Images (3), Sylwia Makris (4)

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nderthalb Stunden dauert der Transfer vom Flughafen Innsbruck ins Ötztal. Ich habe Glück. Mein Fahrer Degenhard Schagowetz, ein pensionierter Eisenbahner, ist sehr gesprächig. Während Bauernhöfe und Kuhweiden an uns vorüberziehen, erzählt „Deggi“, wie ihn hier alle nennen, dass er ein weit gereister Globetrotter ist. In Saudi-Arabien, einer seiner letzten Trips, sagt er, wäre er fast wegen Spionage „hopsgenommen“ worden. Mit einer Delegation hatte er die dortige Milchwirtschaft erkunden wollen – für einen Tiroler ganz normal. Er hatte ja nicht ahnen können, dass er damit gleich eine halbe Staatsaffäre heraufbeschwören würde.


Links: Model Alena Gerber eröffnet die Show

Die gebürtige Tirolerin liebt ihre Heimat

„Ich wollte immer ganz weit weg“, erinnert sie sich. Schon während der AMD packte sie das Fernweh und sie absolvierte ihr Praktikumssemester in Neu-Delhi bei einem Streetwear-Hersteller. Nach dem Studium ging sie nach London zum angesagten Modeduo Peter Pilotto. Namensgeber Pilotto kommt ebenso wie sie aus Tirol. Doch obwohl es ihr in London gut gefiel, vermisste sie irgendwann die Berge. „Die vielen Menschen, die vielen Eindrücke – ich habe gemerkt, dass ich da am besten funktioniere, wo wenig Trubel ist.“ Sie beschloss, nach Tirol zurückzukehren, und gründete 2009 in der Nähe von Innsbruck ihr Label. Gleich wird sie ihre neunte Kollektion präsentieren und der Mode-Trupp setzt sich langsam in Bewegung. Jetzt heißt es „Auffi aufn Berg“ und alle nehmen nacheinander in einer Gondel Platz: erst die Helfer, dann die Models, dann die Familie Ruétz. Zum Schluss Freunde, Journalisten und Kooperationspartner. Die Gaudi dauert zehn Minuten. Alle steigen aus und stapfen durch den meterhohen Schnee zum 100 Meter entfernten Sessellift. „Der bringt uns zur Wurmkogel-Spitze“, sagt ein Helfer. Von dort könne man über das gesamte Ötztal bis hinüber zu den Dolomiten sehen. Wagemutige steigen in die bereitgestellte Schneeraupe, auf deren Schaufel eine Plattform befestigt ist. Zehn Leute klettern in das Provisorium, dann fährt die Raupe los. Eine wacklige Angelegenheit. Deggi hatte wohl doch recht, als er meinte, dass wir uns hier in tödlicher Gefahr befinden. Doch die Eiseskälte lässt das Adrenalin gleich wieder im Blut gefrieren. Wir erreichen den Sessellift und schweben bei strahlend blauem Himmel dem Ziel entgegen. Wie ein Ufo, das auf dem Gipfel gelandet ist, thront der „Top Mountain Star“ auf 3 000 Metern Höhe. In der futuristischen Glas-Bar, wo gleich die Modenschau beginnt, tummeln sich

So geheimnisvoll wie die Tiroler Bergwelt – die Winterkollektion 2014/15

normalerweise Wintersportler. Heute genießen dort rund 100 Modeinteressierte den sagenhaften Ausblick, dann schlägt das Wetter um. Während sich drinnen die Gäste bei Champagner und Kanapees amüsieren, warten draußen die Models im Nebel. Wie angekündigt eröffnet Alena Gerber die Show und führt ein schwarzes Kleid mit weißer Schleppe vor. Wie ein Panzer bedeckt ein Collier aus Granatsteinen ihre Brust. Das Model läuft einmal um das Gebäude herum. Die anderen Mädchen folgen. Sie tragen maskuline Pullis zu schmalen Hosen, dunkle Jacken sowie Ruétz’ Spezialität: schlichte Abendund Cocktailkleider. Die Designerin ist bekannt für ihren wilden Materialmix – grober Strick trifft auf Seide, Kunstleder auf Paillettenstoff. „Meinen Stil habe ich erst im Laufe der Zeit gefunden“, sagt sie. Heute sei ihr aber klar, für wen sie entwirft: für die „moderne Amazone“, eine Frau, die wisse, was sie will. Tapfer trotzen die Models dem rauen Bergwind. Auch Nasemann, die das letzte Kleid präsentiert. Souverän schließt sie die Modenschau ab. Wer einmal das Klum’sche Regiment überstanden hat, meistert auch den höchsten Laufsteg der Alpen.

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INTERVIEW

ZUGEREIST Auf der Mercedes-Benz Fashion Week präsentieren sich nicht nur Berliner Modemacher, sondern auch viele von außerhalb – wir stellen die Besten vor Ostertag entwirft für Frauen, die das Leben und die Mode lieben. Wie seine Mutter. Ihre Affinität für schicke Kleider begeisterte ihn schon als Kind. Der gebürtige Berchtesgadener ist in den wilden Achtzigern groß geworden. Schon als Knirps wusste er, dass er einmal Designer werden würde. Nach einem kurzen Intermezzo an der Münchner Esmod wechselte er nach London ans renommierte Central St. Martin’s College. Um nicht abgelenkt zu sein, kehrte er 2006 nach München zurück und eröffnete dort sein Atelier. Dass Ostertag weiß, was er will, sieht man seiner Mode an. Die aktuelle Winterkollektion heißt „Power“ – mit allem, was glamouröse Frauen lieben.

LENA HOSCHEK 34, GRAZ

Foto: Lupi Spuma

gegründet 2005

„Mein Standort muss nicht zwingend eine Modemetropole sein“

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MARCEL OSTERTAG 34, MÜNCHEN gegründet 2006

Foto: Frank Lübke

Die Grazerin kann sich an keinen Moment im Leben erinnern, an dem sie sich nicht für Mode begeistert hat. Zum Studieren ging sie nach Wien an die Modeschule Schloss Hetzendorf. Danach absolvierte sie in London ein Praktikum bei Vivienne Westwood. Nach acht Monaten kehrte sie 2005 in ihre Geburtsstadt zurück und gründete dort ihr Label. Heute liebt sie ihre Heimat, die Steiermark. Ihre Trachtenlinie mit Anleihen aus der Region ist ein offenkundiger Beleg dafür. Internationalität beweist sie in ihrer Prêt-à-porter-Kollektion. Ihre Trägerinnen wissen genau, wie sie mit Hoscheks Kleidern auf Männer wirken. Die aktuelle Winterkollektion trägt den passenden Titel „Femme fatale“.

„Mein Stil ist von München nicht geprägt“


31, WEIMAR

Foto: Schmott

gegründet 2010

„Meine Heimat spiegelt sich in meinen Entwürfen wider“

30, ZÜRICH gegründet 2010

„In meiner Jugend war Mode kein fassbarer Begriff“

Eigentlich sollte es nur ein Zwischenstopp für den Schweizer sein. Nie im Leben hätte er gedacht, dass er nach seinem Designstudium an der Berliner UdK in Zürich hängen bleiben würde. Heute findet er die Stadt großartig. Er schwärmt, dass er dort sehr mit der Natur verbunden sei – eine immerwährende Inspiration. Aufgewachsen ist er in der 6 000-SeelenGemeinde Murten. Als er dort die Schulbank drückte, war seine Beziehung zur Mode noch ambivalent. „Mein Interesse war zwar immer irgendwie da“, sagt er, „aber nie direkt.“ Ein Praktikum verschaffte Klarheit. Sein schluffiger Großstadtlook hat wenig mit der konservativen Schweiz zu tun. Der Designer denkt global, pflegt Kontakte zu internationalen Künstlern. Wie in seiner aktuellen Winterkollektion „The One and Only“, für die er mit drei Pariser Grafikern zusammengearbeitet hat. Auf Giorgio Armanis Einladung wurde die Kollektion sogar auf den letzten Männerschauen in Mailand gezeigt.

Fotos: Getty Images (2), Piero Biasion, Frazer Harrison & Peter Michael Dills

ANNE GORKE

JULIAN ZIGERLI

Foto: Jonas Hegi

„Ich brauche Weimar als schöpferisches Umfeld“, sagt die Designerin. Wie sehr, erkannte sie erst, als sie ihre Heimatstadt verließ. Nach dem Abitur führte sie ihr Weg nach Verona. Dort arbeitete sie beim Sportswearlabel Franklin & Marshall. Nach anderthalb Jahren dürstete sie es nach einer neuen Herausforderung. Sie beschloss, Medienkultur an der Weimarer Bauhaus-Universität zu studieren, und kehrte in ihre Geburtsstadt zurück. Nach ihrem Abschluss 2008 gründete sie zusammen mit einer Freundin ihr Label. 2010 machte sie alleine unter eigenem Namen weiter. Heute fühlt sie sich stärker denn je mit Weimar verbunden. Dies drückt sie auch in ihren Entwürfen aus. In ihrer Mode folgt sie dem Bauhaus-Prinzip. Sie ist aufs Wesentliche reduziert und verzichtet auf überflüssiges Dekor. In ihrer Winterkollektion „Yo Madame“ spielt sie mit Hip-Hop-Elementen, die sie mit klassischen Looks kombiniert.

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GIB GUMMI Bei der Haute-Couture-Schau von Chanel im Januar trugen die Models Turnschuhe – na dann! REDAKTION: ELISA GIANNA GERLACH Leicht wie Luft – der Air Max für Frauen. Von Nike

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DAS LETZTE WORT

GIRL FROM IPANEMA

Wolfgang Joop hat einmal gesagt: „Wenn Sex überall ist, gibt es keinen mehr. Wenn Mode überall ist, gibt es keine mehr.“ Dem stimme ich nicht zu. Lassen wir die Metaphern beiseite, dann sehen wir, dass Sex überall ist. Und Mode auch. Denn Mode ist Sex, besonders im Sommer. Und wir lieben es! Als in den 60er-Jahren das Mädchen von Ipanema am Strand von Rio die Männer ignorierte, hatte das einen einfachen Grund: Es gab keine modische Freiheit. Stil war fest definiert. Individualität und persönlicher Ausdruck waren damals noch nicht in der Männerwelt angekommen. Die Männermode folgte vorgegebenen Mustern und schlaue Mädchen erkannten das. Frauen verlieben sich in die Persönlichkeit, die Intelligenz und den Humor eines Mannes. Männer verlieben sich in den Körper einer Frau. So einfach ist das. Deshalb haben es Frauen im Sommer sehr leicht: Sie kleiden sich luftig und werden automatisch sexy. Doch auch wir Männer haben unsere Chance und können es geschickt ausnutzen, dass Frauen an der Person und nicht an unserem Waschbrettbauch interessiert sind. Manche zumindest. Unser Look ist ein Ausdrucksmittel der Persönlichkeit. Im heißen Sommer muss man für ein stylishes Outfit nur ein paar Regeln beachten:

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Michael Michalsky ist einer der einflussreichsten Modemacher Deutschlands. Nach Stationen als Chefdesigner bei Levi’s und Adidas gründete er 2006 sein Label in Berlin. In seinen Kollektionen setzt er sich mit gesellschaftlichen Themen und Fragestellungen unseres modernen Lebens auseinander. Damit beschäftigt er sich auch in unserer Kolumne.

T-Shirts und Polos können zur Arbeit nur in der Kreativbranche getragen werden. In anderen ist das ein No-Go. Es sei denn, dem Träger gehört die Firma. Das T-Shirt sollte von hochwertiger Qualität und am besten dunkelblau, schwarz oder anthrazit sein, helle Farben sind für die Freizeit. Poloshirts sollten nicht mehr mit einem Blazer kombiniert werden. Das ist wirklich over. Mittlerweile gibt es sehr schöne, hochwertige und leichte Baumwollanzüge. Die wirken am besten in Beige, Blau oder Schwarz, je nach Typ auch in einem hellen Grau. Dazu trägt man ein klassisches Hemd, zu einem besonderen Anlass gerne mit einer schmalen Krawatte. Sehr stylish sind enge Hosen kombiniert mit einem figurnahen Blazer aus Baumwolle, die Hosen ein kleines Stück zu kurz. Alternativ empfehlen sich leichte Sommer-Jeans. Die sollten von einem Designer sein und interessante Details haben. Dazu Sneaker, keine Sandalen! Sneaker ohne Strümpfe an sehr heißen Tagen sind akzeptabel. Ansonsten Hose, Socken und Sneaker Ton in Ton. Und lassen Sie das Hemd bis auf den obersten Knopf zu. Denken Sie daran: Mode ist Sex, besonders im Sommer. The Girl is watching – selbst wenn man mit ihr verheiratet ist.

Foto: Marie Staggat

VON MICHAEL MICHALSKY


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