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Wirtschaft

SPEZIAL | Anzeigen-Sonderveröffentlichung | 29. November 2016

BILD: THINKSTOCK/ISTOCK/MEL-NIK

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ie Schönhauser Allee ist seit Kurzem ein Forschungsobjekt. Ohnehin, sagt Eckart Schenk vom Fachgebiet Integrierte Verkehrsplanung der Technischen Universität Berlin, sei sie „eine tolle Straße für einen Verkehrsplaner“. Der Diplom-Ingenieur ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Forschungsprojektes „2Rad‒1Kauf‒0Emission ‒ Radverkehr als Perspektive für den innerstädtischen Einzelhandel“, das vom Verkehrsministerium im Rahmen des Nationalen Radverkehrsplans gefördert wird. Das Ziel: Gemeinsam mit den Einzelhändlern zwischen Eberswalder/Danziger Straße und Schivelbeiner/Wichertstraße Angebote zu entwickeln, die die Attraktivität der Schönhauser Allee für den Einkauf mit dem Fahrrad dauerhaft erhöhen. Doch ergibt es Sinn, Radfahrern den roten Teppich auszurollen, wenn sie gerade mal ein Zehntel der Kundschaft ausmachen? Einzelhandelsexperten sind sich einig: Ja, das lohnt sich. Zwar geben Fahrradfahrer im Vergleich zu Automobilisten weniger Geld pro Einkauf aus, dafür aber kommen sie häufiger in die Geschäfte ‒ vor allem in solche, die Dinge des täglichen Bedarfs oder Drogerieartikel anbieten.

Zielgruppe Radfahrer

HOFFNUNG AUF VORBILDFUNKTION. Nach dem offiziellen Start des Forschungsprojekts im April musste jedoch erst intensive Überzeugungsarbeit unter den circa 160 potenziellen Projektteilnehmern geleistet werden. „Es existiert eine sehr heterogene Einzelhandels- und Gastronomiestruktur. Ein Mix aus inhabergeführten Geschäften, Filialisten von großen Ketten, Banken und anderen Dienstleistern und einem stark frequentierten Shoppingcenter. Da mussten viele unterschiedliche Interessen und Vorstellungen unter einen Hut gebracht werden“, erklärt Schenk. Inzwischen aber hat das Forschungsteam mit den meisten Akteuren gesprochen, noch im November wird die erste gemeinsame Veranstaltung stattfinden. Wenn alles gut geht, könnte das auf zwei Jahre veranschlagte Vorhaben tatsächlich später Vorbild für das Zu-

sammenspiel von Einzelhandel und Radverkehrsfreundlichkeit in Berliner Straßen sein. Die eigentliche Herausforderung ist, dass die TU-Forscher keine fertigen Lösungen präsentieren. Schenk: „Wir möchten die Akteure motivieren, die Entwicklung der Schönhauser Allee hin zu einem radfahrerfreundlichen Standort selbst zu bestimmen und entsprechende Maßnahmen umzusetzen.“ Dazu gehört für ihn zum Beispiel, dass sich die Teilnehmer mit der direkten Umgebung ihres Geschäftes auseinandersetzen. „Wir wollen die Händler dazu bringen, die Perspektive der Fahrradfahrer einzunehmen, um diese als potenzielle Kunden überhaupt erst einmal wahrzunehmen“, erklärt Schenk. In diesem Zusammenhang berichtet der Verkehrsplaner von einem Gespräch mit dem Management der Schönhauser Allee Arcaden. Das TU-Team hatte durch Interviews mit Radfahrern herausgefunden, was diese davon abhält, in der Shoppingmall entspannt einzukaufen. Ein Hinderungsgrund sei ganz eindeutig die Angst vor Fahrradklau, die die Kunden während des Einkaufs begleitet. Wegen der vielen „vergessenen“ oder zurückgelassenen Fahrräder gäbe es zudem oft gar keine Möglichkeiten mehr, das Fahrrad sicher anzuschließen. Hier gälte es, neue Wege zu finden, wie „Fahrradleichen“ vermieden oder entsorgt werden können, da der offizielle Weg über das Ordnungsamt oft zu lang und nicht immer befriedrigend sei.

Beispiele, was Einzelhändler für ihre Radfahrerklientel tun können: Sichere Abstellmöglichkeiten Radfahrer möchten ihr Gefährt sicher und standfest abstellen. Sicher heißt, dass der Rahmen und das Vorderrad angeschlossen werden können. Standfest bedeutet, dass der Rahmen so am Fahrradständer angelehnt werden kann, dass es beim Beladen nicht umfällt. Wichtig: Abstellmöglichkeiten sollten sich in Eingangsnähe befinden und vor Nässe geschützt sein. Aufstellen einer Luftpumpe Viele Fahrradgeschäfte haben vor der Ladentür einen Kompressor installiert, mit dem sich Reifen aufpumpen lassen. Schließfächer anbieten Einkaufscenter sollten darüber nachdenken, Schließfächer für Fahrradfahrer aufzustellen, in denen sie ihre Fahrradtaschen und -rucksäcke sicher verstauen können.

Mit dem Vorhaben soll die Lücke zwischen der Wahrnehmung des Einzelhandels und dem tatsächlichen ökonomischen Potenzial des Radverkehrs nach und nach geschlossen werden. „Wir hoffen“, erzählt Schenk „am Ende eine Handvoll Einzelhändler aktiviert zu haben, die eine innovative Fahrradförderung als Teil ihrer Standortpolitik begreifen und gemeinsam an entsprechenden Lösungen entlang der Schönhauser Allee arbeiten.“

Lieferservice Auch Fahrradfahrer wollen größere Einkäufe erledigen, ohne sich zu sorgen, wie sie alles nach Hause bekommen. Deshalb ist die Einrichtung eines Lieferservice mit Sicherheit ein starkes Einkaufsargument.

Ulf Teichert

Bild: Andreas Krone

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5 FRAGEN AN ... EIN INNOVATIONSORT FÜR DIE ENERGIEWENDE Nach rund dreijähriger Bauzeit wurde nun der EMIL-Anbau an BESSY II offiziell eröffnet. Dabei handelt es sich um ein hochmodernes Präparations- und Analyselabor für die Solarenergie- und Katalyseforschung. Das Gemeinschaftsprojekt von HZB und Max-PlanckGesellschaft bietet eine einzigartige Infrastruktur, um interdisziplinär und industriekompatibel neue Materialien und Technologien zu entwickeln. Über die Möglichkeiten für die Energiewende und den Start von EMIL sprach Ina Helms mit Prof. Dr. Simone Raoux.

Digitalisierung ist ein wichtiger Trend in der Energiewirtschaft

1/4 ADV Die GASAG setzt auf Innovation Gasag Energie-Accelerator A2: Old Economy trifft auf New Economy.

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Stamm: „Die GASAG hat sich vom Gasversorger zum ie Digitalisierung revolutioniert die Energiebranche: Energiedienstleister mit breitem Produktportfolio geneue Geschäftsmodelle, dezentrale Erzeugung, hohes wandelt. Klar, dass intelligente IT-Lösungen für uns von Innovationstempo, flexible Geschäftsmodelle. Deshalb biegroßem Interesse sind.“ tet sie hervorragende Chancen für Gründer, sich mit kreativen Ideen und innovativen Produkten an diesem Wandel zu beteiligen. Für Ronny Stamm, der bei der GASAG den Intelligenter Handel. Das Start-up-Team Dezera GmbH Bereich IT-Strategie verantwortet, liegt etwa hat eine Lösung entwickelt, um Stromverbräuche von Großanlagen in daher nichts näher, als dass sich etablierdie Zeiten zu schieben, in denen viel te Unternehmen mit jungen Gründern Intelligente IT-Lösungen In erneuerbarer Strom in das Stromnetz vernetzen. Deshalb unterstützte das Bersind für die GASAG liner Energieunternehmen GASAG die eingespeist wird. Das Communityvon großem Interesse erste Runde des Adlershof Accelerator A² Modell der OEEX GmbH verbindet als Förderer und Industriepartner. Stromkunden, Erzeuger und Energieversorger und ermöglicht einen inViele Vorteile. „Unser Ziel ist, die Gründer dabei zu untelligenten, nachfrageorientierten Stromhandel in der terstützen, ihre Ideen in hohem Tempo zur Marktreife zu Nachbarschaft. Die Sunride GmbH bietet eine Lösung für Energiedienstleister zur systematischen Umsetzung bringen und tragfähige Partnerschaften aufzubauen“, sagt Stamm. Die Vorteile lägen auf beiden Seiten: seien dezentraler Mieterstrommodelle. es Pilotprojekte, der Erfahrungs- und Wissensaustausch oder ein verbessertes Kunden- und Marktverständnis. Für die GASAG war der Accelerator A² ein voller Erfolg. Neun junge Unternehmen wurden für den Energie„Auch wenn sich nicht jede Idee als unmittelbar umsetzAccelerator A² ausgewählt. Die GASAG stand drei Firbar erwiesen hat: Wir haben sehr viel voneinander gelernt men als Industriepartner zur Seite, weil sie IT-Lösungen und den Grundstock für ein Netzwerk von Old und New entwickelt haben, die die Energiewende voranbringen Economy gelegt“, bilanzierte Ronny Stamm. Dabei entsteund neue, innovative Geschäftsmodelle ermöglichen. he eine gemeinsame Vision für ein smartes Berlin.

GASAG | Henriette-Herz-Platz 4 | 10178 Berlin ) (030) 7072 0000-0 | 8 www.gasag.de | * service@gasag.de

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Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn EMIL nun offiziell startet?

Simone Raoux: Wir alle freuen uns besonders auf die externen Nutzer, die dann die volle Power von EMIL genießen können. Einige Laboranlagen sind ja jetzt schon in Betrieb, zum Beispiel die Ultra-Hochvakuum(UHV)-Präparationskammer. Aber erst mit dem Anschluss an das Synchrotronlicht von BESSY II, der jetzt unmittelbar bevorsteht, können wir das ganze Spektrum der phantastischen neuen Möglichkeiten nutzen, die EMIL bietet. Die Vorfreude vieler Forscher darauf ist riesig.

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Was macht EMIL einzigartig?

Raoux: In EMIL können wir eine unglaubliche Vielfalt an Energiematerialien herstellen und charakterisieren. Einmalig dabei ist, dass wir die Synchrotronstrahlung von BESSY II kombinieren mit In-situ-, In-System- und Inoperando-Messungen an Schichtsystemen, die in industrierelevanten Depositionsanlagen hergestellt werden. Die Proben aus diesen Anlagen schleusen wir dann direkt zu den Analysekammern – ohne dass sie das Vakuum verlassen müssen. Und dank des großen Energiebereichs des Röntgenlichts können wir zum Beispiel gleichzeitig Oberflächen von Materialien, aber auch tief vergrabene Schichten und

Grenzflächen untersuchen. Auch die Katalyseforschung – dieser Laborteil wird von der MaxPlanck-Gesellschaft betrieben – wird durch den Anschluss an BESSY II profitieren. Der Außenbau war in weniger als einem Jahr nach Planungsstart fertig. Der Innenausbau hat dann etwas länger gedauert. Worin lagen die Herausforderungen?

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Raoux: Mit EMIL decken wir eine große Breite von Forschungsthemen ab. Deshalb sind auch die Anforderungen an Infrastruktur und Sicherheit sehr hoch. Die einzelnen Systeme miteinander zu verknüpfen, war eine große Herausforderung. Ein Beispiel für diese Komplexität: EMIL verfügt über eine zentrale Versorgung für 20 Gassorten. Mehr als 80 Gassensoren wurden zur Überwachung installiert.

Blick in eine Depositionskammer im SISSY-Labor von EMIL

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