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68. 70. Jahrgang | Nr. 01 202| 07./09. | 30./31.August2013 August 2014

DIE

MACHER

Alexandra Klatt (links) mit Kollegin Kathi im Potsdamer Büro.

Neu im Kizuco-Sortiment ist das Schlafsofa von dessaudesign –

Linkes Bild: Die „Mägegg“-Eierbecher von Markus Witte

jedes der beiden Module ist für sich allein Sitz- und Schlafmöbel

Bilder: kizuco, CaraMel-Fotohandwerk (Mitte)

Transparenz schaffen. Regional und nachhaltig, so das Credo von Kizuco. Designer aus Berlin und Brandenburg also, die ausschließlich mit Materialien arbeiten, deren Herkunft ebenso klar definierbar ist. „Dabei kommt es uns nicht auf die bekannten Prüfsiegel an – denn die sind erstens oft teuer erkauft und garantieren auch nicht immer die Qualität, die ich mir wünsche.“ Außerdem legt Klatt Wert darauf, selektiver als die bekannten großen Designplattformen zu sein. „Ich treffe jeden Designer persönlich, bevor seine Produkte bei Kizuco angeboten werden.“ Sie überlegt kurz. „Nein, tatsächlich gibt es einen, den ich nicht selbst getroffen habe. Aber das war die Ausnahme.“ Diese Idee kommt an bei den Kunden – mittler-

weile sind knapp 60 Labels bei Kizuco vertreten, Klatt hat den Vertrieb auf ganz Europa ausgeweitet und plant aktuell die Übersetzung der Seite ins Englische. Außerdem sollen künftig auch Designer aus München, Hamburg oder MecklenburgVorpommern vertreten sein.

Ich kann nicht einfach drei Wochen nicht erreichbar sein So einfach wie das alles klingt, war es natürlich nicht. Klatts Partner ist nach einem Jahr abgesprungen, denn „natürlich schreibt so ein Unternehmen nach so kurzer Zeit noch keine schwarzen Zahlen. Man muss erst mal reinbuttern, auch finanzell“, so Klatt. Und vor allem stecken unzählige Arbeitsstunden in dem Projekt. Gepaart mit ihrem Zweitjob als Mitinhaberin von LUV, mit dem Klatt und Engel auch die Designtage Brandenburg ausrichten, sowie als Mutter dreier Kinder gilt es, perfekt organisiert zu sein. Ihr Büro hat sich Klatt in ihrem Haus in Potsdam eingerichtet. Kein notdürftig zusammengebasteltes Homeoffice, sondern ein großes, perfekt ausgestattetes Arbeitszimmer mit drei Arbeitsplätzen, das sie sich regelmäßig mit ihrer „rechten Hand“ Kathi teilt – denn ganz allein ließen sich die Terminkoordination, die Pflege der Seiten und die Anfragen von Designern und Käu-

fern nicht bewältigen. Mindestens acht Stunden am Tag verbringt sie an ihrem Schreibtisch – übrigens ein Original Eiermann, ihr Mann ist Architekt –, dazu kommen regelmäßige Außentermine. „Meistens arbeite ich so bis 16 Uhr, dann stehen die Kinder auf der Matte und ich möchte erst mal Zeit mit ihnen verbringen. Dann hänge ich abends nochmal zwei, drei Stunden dran.“ Ruhiges Umfeld schaffen. Wenn Klatt von ihrem Alltag erzählt und entspannt in ihrem Latte rührt, wirkt sie alles andere als gestresst. Dazu trage die gesunde Einstellung zum Job, aber auch ihr Wohnort bei – nach wie vor ist das beschauliche Potsdam ihr Zuhause. Ein eigenes Haus mit Garten ist ein Argument, kurze Wege und ein angenehmes Umfeld für die Kinder ebenfalls. „Vielleicht würde ich in Berlin leben, wenn ich keine Kinder hätte. Aber ich bin ja auch in 20 Minuten mit dem Regio am Bahnhof Zoo.“ Ein bisschen unentspannt klingt dafür ein Problem, das Klatt mit vielen Freiberuflern teilt: „Ich kann nicht einfach mal sagen, jetzt bin ich drei Wochen nicht erreichbar. Deswegen nehme ich meinen Laptop sogar mit in den Urlaub“, erzählt sie. „Es gab mal eine Ausnahme, da haben wir in einer abgelegenen Hütte übernachtet, ohne Strom, ohne Empfang. Das war toll.“ Deswegen noch ein Ziel auf der Agenda, für dass man gleich mit die Daumen drücken möchte: „Eine Urlaubsvertretung finden. Das wäre sicher eine gute Idee.“  www.kizuco.de

3 Fragen an …

Alexandra Klatt, Kizuco Bild: CaraMel-Fotohandwerk

Deswegen war es eigentlich gar nicht geplant, Kizuco schon 2010 zu gründen. „2009 war gerade mein jüngster Sohn geboren, deswegen wollte ich mir noch etwas Zeit lassen. Aber dann habe ich erfahren, dass jemand anders eine ähnliche Idee auf den Markt bringen wollte. Das hieß für mich: Jetzt oder nie.“ Und dann ging alles relativ flott: Mit ihrem damaligen Partner erarbeitete sie einen Businessplan, besuchte Gründer-Coachings – „denn das Kaufmännische war für uns beide Neuland“ –, gestaltete die Homepage nebst Online-Shop und griff auf ihr Netzwerk von jungen Designern zurück. „Ich glaube, wir haben mit etwa 20 Labels mit dem Schwerpunkt auf Interieur-Design angefangen. Mode kam erst später dazu.“

1. Was zeichnet Sie als Unternehmerin aus, in Charaktereigenschaften ausgedrückt? Ich denke, ich bin gut organisiert. Organisation macht einen großen Teil meiner Arbeit aus. Außerdem muss man bei meiner Arbeit flexibel sein, auf neue Situationen entsprechend reagieren können. Und Gelassenheit gehört ebenfalls dazu, insbesondere, wenn man wie ich Mutter und Freiberuflerin ist. Man darf sich nicht zu sehr unter Druck setzen, auch nicht finanziell. 2. Was ist das nächste große Ziel, dass Sie erreichen möchten? Die Übersetzung der kompletten kizuco-Seite ins Englische. Das ist eine ziemlich komplexe Aufgabe und wird sich wahrscheinlich bis ins nächste Jahr hineinziehen. Und im November stehen die Brandenburger Designtage wieder an, die wir mit LUV ausrichten. 3. Und was machen Sie, um den Kopf mal richtig frei zu bekommen? Das ist ziemlich schwer, weil mich die Arbeit schon permanent begleitet. Aber wichtig ist mir auf jeden Fall Yoga. Das baue ich in meinen Alltag ein, denn ohne würde es mir nicht so gut gehen. (isi)

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