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70. | 23./24.08.2014 68. Jahrgang | Nr. 196 01 | 07./09. August2013

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Potenzial nutzen Wann darf der Keller zum Aufenthaltsraum werden?

„Wenn es darum geht, den eigenen Keller als Hobbyraum zu nutzen, gibt es keine behördlichen Bestimmungen“, schickt DiplomDesigner und Innenarchitekt Ronald Koob voraus. Gleiches gilt übrigens für Saunalandschaften und zusätzliche Badezimmer. „Möchte ich aber meinen Keller zum dauerhaften Aufenthaltsoder Wohnraum umbauen, liegt eine sogenannte Nutzungsänderung vor.“ Diese muss der zuständigen Bauaufsicht in Form einer Bauvorlage mitgeteilt werden. Bauvorlageberechtigt sind nur Architekten und Bauingenieure, die entsprechend bei einer Ingenieurkammer gelistet sind. Wenn die Nutzungsänderung nicht dem geltenden Bebauungsplan entspricht, muss sie genehmigt werden. „Berlin ist da ein spezieller Fall: In den westlichen Bezirken gilt nach wie vor der Baunutzungsplan aus den 1960er Jahren. Für einzelne Gebiete, insbesondere im Osten der Stadt, wurden dagegen Bebauungspläne aufgestellt“, sagt die Architektin Dr. Marita Radeisen, stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses Gesetze und Verordnungen der Architektenkammer Berlin. Der Bebauungsplan oder eben Baunutzungsplan legt fest, in welchem Umfang eine Bebauung und deren Nutzung auf einer Fläche zulässig sind. „Es kann also sein, dass ich die für mein Grundstück zulässige Wohnfläche bereits erreicht habe und deshalb keinen zusätzlichen Wohnraum im

Keller schaffen darf“, erklärt Dr. Radeisen. Es gibt aber auch Gegenden ohne gültigen Bebauungsplan, dann ist die Umgebungsbebauung entscheidend. „In diesen Fällen muss ebenfalls eine Genehmigung eingeholt werden, was jedoch selten problematisch ist“, so die Architektin.

Im Bebauungsplan wird die Nutzung von Flächen festgelegt Darüber hinaus gelten für Wohnräume bestimmte Bauvorschriften. Zu den wichtigsten Regelungen gehört Paragraf 33 Absatz 1 der Bauordnung für Berlin (BauO Bln): Für jedes Geschoss mit Aufenthaltsraum sind mindestens zwei voneinander unabhängige Rettungswege ins Freie Pflicht. Zudem müssen Wohnräume ausreichend belüftet und mit Tageslicht beleuchtet werden können, das Rohbaumaß der Fenster also mindestens einem Achtel der Grundfläche des Raumes entsprechen (§ 48 Absatz 2 BauO Bln). Die Raumhöhe muss mindestens 2,50 Meter (§ 48 Absatz 1 BauO Bln) betragen. Zukünftig werden Wohnräume in Dachgeschossen und Ein- und ZweiFamilien-Häusern von dieser Regelung ausgenommen sein. Die Energieeinsparverordnung (EnEV) ist maßgeblich, wenn es um die richtige Wärmedämmung und Installationen für Strom und Heizung geht. Wer seinen Keller ordnungsgemäß ausbauen will, muss sich zuvor genau informieren, besser noch einen Experten konsultieren. Dr. Radeisen weist zudem darauf hin, „dass ein ausgebauter Keller den Wiederverkaufswert einer Immobilie erheblich steigert. Daher ist es ratsam, die notwendigen Genehmigungen vorweisen zu können. Anderfalls drohen nachträglich aufwendige Genehmigungsverfahren oder gar der Rückbau“. JOSEPHINE BILK, DPA

Bild: Tthinkstock.de

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ft wird der zusätzliche Platz im untersten Stockwerk verschenkt, doch ob Fitnessraum, Werkstatt oder Gästezimmer: Mit einem Kellerausbau lässt sich so einiges aus den unterirdischen vier Wänden machen. Zunächst ist jedoch zu klären, ob eine Baugenehmigung erforderlich ist, eine einfache Mitteilung auf Basis eines Architektenentwurfes ausreicht oder direkt am Kellerraum gewerkelt werden darf.

Keller sind vielfältig nutzbar – doch sind auch baurechtliche Fragen zu klären, bevor Architekt und Bauherr ans Werk gehen.

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