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NEUER

WESTEN

BERLI NE R ZEI TUNG/PA ULU S PO NI ZAK

Außergewöhnlich und ein bisschen luxuriös: An diesem Donnerstag eröffnet das Bikini-Haus in der Budapester Straße. Eine Ikone der West-Berliner Nachkriegsmoderne wird wieder lebendig

LESEN SIE IN DIESER BEILAGE ❖

IN MODE

HÜBEN UND DRÜBEN

IM DSCHUNGEL

Das neue Haus für junge Designer hat eine große Tradition. Wer kommt und wer war in den Wirtschaftswunderjahren hier? Seiten 2, 3 und 4

Seit jeher hatte die Stadt zwei Zentren. In Mitte wurde gearbeitet und regiert, im Westen gefeiert. Seite 8

Auch wer in der City West ausgeht, kann sich bis zum frühen Morgen amüsieren. Eine Nachttour Seite 10


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Berliner Zeitung · Nummer 78 · Mittwoch, 2. April 2014

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Bikini-Haus

Haus mit Aussicht

Die Terrasse: Von hier aus hat man einen schönen Blick auf den Zoo, wie die Simulation zeigt, und sie ist von der Straße aus zugänglich. BAYERISCHE HAUSBAU

Das neue Bikini Berlin positioniert sich als einzigartiges Einkaufszentrum für Mode und Design. Die Vorgaben des Denkmalschutzes waren ähnlich wichtig wie die Auswahl der Geschäfte

S V ON E LMAR S CHÜTZE

Schon vor der Eröffnung sind alle des Lobes voll: „Da steht ein Unikat, das in jedem Reiseführer und allen Magazinen der Welt stehen wird“, sagt Andreas Murkudis, Designverkäufer in Berlin und Berater der Investoren. „Das Gesamtkonzept soll zeigen: Lebe anders!“, sagt Kai-Uwe Ludwig vom Investor, der Bayerischen Hausbau aus München. „Wir bewerben das Haus nicht, wir positionieren eine Attitüde“, sagt Werbemann Christian Boros aus Wuppertal. Und noch einmal Geldgeber Ludwig: „Wir renovieren das Haus nicht, wir rehabilitieren es.“ Große Worte, gemünzt auf das denkmalgeschützte Bikini-Haus an der Budapester Straße. Am 3. April wird das Einkaufszentrum für Mode und Design nach drei Jahren Bauzeit unter dem Namen Bikini Berlin eröffnen und der City West einen neuen Ort für Einkauf und Verweilen bescheren. Sollte das neue Haus auch nur annähernd so begeistert angenommen werden wie seine Nachbarn, müssen sich die Herren keine Sorgen machen, ob ihre großen Worte auch gehört werden. Am westlichen Ende des Hauses steht der Zoo Palast. Nach jahrelangem Umbau ging das traditionsreiche Kino vergangenen November – rundumerneuert und technisch auf höchstes Niveau gebracht – wieder an den Start. Seitdem kommen die Besucher aus dem Staunen kaum heraus. Es dürfte nicht viele Kinosäle im Lande geben, in denen es Applaus für Licht und Sound gibt, noch bevor ein Film angefangen hat. Am anderen Ende des zweihundert Meter langen Bikini-Hauses befindet sich das Hotel 25hours, das seit Ende Januar Gäste beherbergt. Aus einem banalen 50er-Jahre-Bürohochhaus wurde ein Hotel gezimmert, das mit einer Mischung aus Beton und Grün auf das Motto „urban jungle“ setzt: „urban“, das sind die Zimmer mit Blick auf die Budapester Straße, „jungle“, das sind die mit Blick auf den Zoo. Als Krone thront auf dem Dach ein Pavillon mit Rundum-Blick, in dem das Restaurant Neni mit seiner orientalischen FusionsKüche und die Monkey-Bar mit einem Riesen-Fenster zum Zoo zum Ausgehen einladen. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung schwärmt: „Eine der schönsten Bars Berlins, (…) weil es so aussieht, als ob Berlin genau zwischen Manhattan und Ostafrika läge,“ um sich dann einen Seitenhieb Richtung Hauptstadt zu gönnen: „Und die Orte, an denen sich Berlin so weit weg von sich selbst wünschte, waren schon immer die besten dieser Stadt.“ Nun also das Bikini-Haus selbst, das Herzstück dieses aufgehübschten Gebäudeensembles. Zur Budapester hin ist die denkmalgeschützte Fassade dieser Ikone der West-Berliner Nachkriegsmoderne wieder

auferstanden. In den unteren Etagen ebenso wie in einem neuen Baukörper hinter dem Haus ziehen auf drei Stockwerken sechzig Geschäfte ein. Kein x-beliebiges Shopping-Center soll es sein, sondern eine Concept Mall mit außergewöhnlichen Läden, nicht vordergründig luxuriös, aber auf keinen Fall billig. Sondern eben speziell. Namen wie Premiata, Aspesi oder Grifoni haben bei Kennern italienischen Designs einen guten Klang, aus Berlin kommen die Labels Odeeh, adddress, Umasan oder Riccardo Cartillone dazu, aber zum Beispiel auch der Berliner Gestalten Verlag, der auf 530 Quadratmetern neben Büchern Geschenkartikel anbieten will. Für viele von ihnen wird der Laden im Bikini Berlin der erste eigene überhaupt sein. Ketten wie Zara oder H&M wollen die Investoren nicht haben. „Wir vermieten nicht, wir kuratieren“, beschreibt Geschäftsführer Ludwig die Idee. Als Berater hat sich Ludwig unter anderem Andreas Murkudis ge-

„ W I R V E R M I E T E N N I C H T , W I R K U R A T I E R E N . “ G E SC H Ä F T SF Ü H R E R K AI - U W E L U DW I G . holt. Der 52-Jährige zog vor zwei Jahren mit seinem Designladen aus Mitte in die Potsdamer Straße in Tiergarten. Der gebürtige Dresdner – seine Eltern flohen vor der Junta aus Griechenland in die DDR – glaubt an West-Berlin und investiert dort „ein paar Millionen Euro“. Mit drei Geschäften will Murkudis dabei sein, unter anderem mit einem Schiesser-Revival-Store für edles Feinripp. Doch der Clou des Bikini Berlin wird sicher die Terrasse werden. Auf dem Dach des neuen hinteren Baukörpers erstreckt sich über 7 000 Quadratmeter eine 24 Stunden am Tag begehbare Terrasse, die über eine große Freitreppe von der Budapester Straße aus erreicht werden kann. „Wir wollen der City-West eine grüne Oase schenken, einen Ruhepol“, sagt Bauherr Ludwig. Die eigentliche Sensation ist der Blick: Ein paar Meter unterhalb tummeln sich die Zoo-Tiere. Nur ein wenig Geduld, dann streckt einem ein Pavian seinen roten Hintern entgegen.

ab 3. April 2014 vis-à-vis Gedächtniskirche

Die Mall: Eine hundert Meter lange Halle mit grünem Stahltragwerk ist das Zentrum des Bikini Berlin. BLZ/PAULUS PONIZAK

Das Hotel: Im 25hours gibt es 149 Zimmer, je nach Lage „urban“ (zur Straße hin) oder „jungle“ (mit Blick zum Zoo). DAVID OLIVEIRA

Der Berater: Designverkäufer Andreas Murkudis glaubt an den Westen. Im Bikini Berlin ist er mit drei Läden dabei. AKUD/LARS REIMANN

Verkaufsoffener Sonntag 6. April 2014 13–18 Uhr

www.bikiniberlin.de


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Bikini-Haus

25hours Hotel

Geschossfläche 90 000 m2 Mietfläche 51 100 m2 Gastronomie und Einzelhandel 17 000 m2 Penthouses

Dachterrasse 7 000 m2

Zoologischer Zool Zo olog ol Garten Treppe zum Bikini Berlin Pool im Untergeschoss

Panoramafenster im Untergeschoss mit Blick in den Zoo

Bud

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Treppe von der Budapester Straße zur Terrasse, die rund um die Uhr zugängig ist

25hours Hotel

TS AL AP

GRUNDRISS

Unterhalb der Terrasse entsteht der Bikini Berlin Pool, eine Mall auf 3 Etagen mit 3 300 m2 Fläche, genug Platz für 60 Läden und 20 sogenannte Boxen. Das sind 40 m2 große Verkaufs- und Präsentationsräume, die temporär vermietet werden und deren Mieter häufiger wechseln sollen.

begehbare Terrasse

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Bik

Zoo

O O Z

ße Fenster zum Zoo

Zoo Palast

Bahnhof Zoo

Geschäfte Treppe von der Terrasse ins Untergeschoss

B E R L I N E R Z E I T U N G / R I TA B Ö T T C H E R

Oberlichter

Einst zweigeteilt wie ein Bikini Die Geschichte: Das Bikini-Haus entstand in den Jahren 1955 bis 1957 als Teil des Zentrums am Zoo. Später setzte sich der Name Zoobogen durch. Zum mittlerweile denkmalgeschützten Ensemble gehörten das Hochhaus am Hardenbergplatz, das Kino Zoo Palast und das sogenannte Kleine Hochhaus am nordöstlichen Ende (das heutige Hotel 25hours), ebenso ein Parkhaus. Das Bikini-Haus wurde als langgezogener Flachbau entlang der Budapester Straße mit sechs Etagen errichtet. Die Architekten: Paul Schwebes und Hans Schoszberger gehörten zu den wichtigsten Architekten im Berlin der Nachkriegszeit. Schwebes entwarf unter

Kunsthalle untergebracht, die dort bis 1994 existierte. Im Erdgeschoss siedelten sich Poster- und Dritte-Welt-Läden an. Am östlichen Ende hielten sich lange die Diskothek Linientreu und ein Fernsehstudio mit einer markanten blauen Kuppel, in der Sabine Christiansens Talkshow produziert und gesendet wurde.

anderem das Bristol Hotel Kempinski an der Fasanenstraße/Ecke Kurfürstendamm und das Haus Hardenberg (ehemals Kiepert) in der Nähe des Ernst-Reuter-Platzes. Zusammen mit Schoszberger zeichnete er für das ehemalige Berlin Hilton (heute Interconti) in der Budapester Straße und das Telefunken-Hochhaus am Ernst-Reuter-Platz verantwortlich. Der Name: Bikini wurde das Haus genannt, als es im mittleren Geschoss noch einen offenen Laubengang hatte, das Gebäude also zweigeteilt – wie ein Bikini – wirkte. Der Gang wurde 1978 gefüllt. Die Nutzung: Neben Büros wurde 1978 im neu geschaffenen Geschoss die

BERLINER ZEITUNG/BENJAMIN PRITZKULEIT

Aus Alt mach Neu: Bikini-Haus (r.) an der Budapester Straße mit prominenten Nachbarn, dem Waldorf Astoria und der Gedächtniskirche.

Der Verkauf: Im März 2002 wurde das Gebäude an die Bayerische Hausbau verkauft. Sie ist eine Nachfolgegesellschaft des Bauträgerunternehmens Bavaria Hausbau, das 1954 von Josef Schörghuber in München gegründet wurde. Zu Schörghubers bekanntesten Projekten gehört der Arabellapark, eine Stadt in der Stadt, die Leben, Arbeiten und Wohnen

vereint. 1979 erwarb Schörghuber die Brauereien Hacker-Pschorr und Paulaner. Der Umbau: Erst acht Jahre nach dem Kauf begannen die Bauarbeiten zum Bikini Berlin, einem Einkaufszentrum für Mode und Design. Eröffnung wird am 3. April gefeiert. Ebenfalls der Bayerischen Hausbau gehören der Zoo Palast und das Kleine Hochhaus. Das Kino wurde im November 2013 wiedereröffnet, im Kleinen Hochhaus nahm des Hotel 25hours Ende Januar dieses Jahres den Betrieb auf. Pläne für den Umbau des Hochhauses am Hardenbergplatz sind bereits in der Schublade. Doch noch haben Mieter wie die Verbraucherzentrale und die Bundespolizei Mietverträge.


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Bikini-Haus

ULLSTEIN

Fein am Bein: Helga Grosskurth, Miss Berlin 1952, präsentiert das Sortiment der Berolina-Strumpffabrik.

DPA/KONRAD GIEHR

Der Glanz von Berlin: Der Modeschöpfer Heinz Oestergaard entwarf große Roben wie 1963 dieses Abendkleid, aber 1971 dann außerdem die Uniformen der Polizei.

Ein Bienenkorb mit vielen Waben

für den Berufsalltag und zartere Gebilde für den Ausgeh-Abend. Alles strategisch und stilistisch möglichst so ausgerichtet, dass man in dieser noch unbehausten Gegend etwas einfangen konnte vom Glanz des nahen Kurfürstendamms – da, wo die großen Modehäuser wie Horn, Staebe-Seger oder Gehringer & Glupp residierten, wo sich der aufstrebende Couturier Uli Richter sein Atelier einrichtete. So „hochmodellig“, wie man seinerzeit zum gehobenen Trend sagte, sollte idealerweise der Anspruch der Konfektion sein. „Wir machen Weltmode mit dem gewissen Etwas aus Berlin“, formuliert 1962 stolz und ein wenig defensiv zugleich der Fachverband der Berliner Bekleidungsindustrie. Denn es galt, einen Neuanfang zu wagen – einen, der einer Auferstehung gleichkommen musste. Die bei aller Offenheit doch kühle Modernität der Architektur des Bikini-Hauses bildete den größtmöglichen Kontrast zu den Ruinen des einstigen Zentrums der Berliner Bekleidungsindustrie am Hausvogteiplatz. Die Gebäude hatte der Zweite Weltkrieg zerstört, die Firmen hatten die Nationalsozialisten arisiert, die jüdischen Geschäftsleute und ihre Angestellten waren vertrieben oder deportiert worden, 4 000 wurden ermordet. Man konnte hier nur an eine Tradition anknüpfen: dass die Stadt immer eine Metropole der Konfektion, der Kleidung von der Stange gewesen war. So passte es ohnehin besser zum vorgegebenen Tempo – wer wollte in Berlin mit seinem Baustellenlärm schon auf eine Couture-Robe warten? 1956 gab es in Berlin 450 im DOB-Verband organisierte Betriebe mit 60 000 Beschäftigten, die Umsätze stiegen zwischen 1950 und 1960 von 210 Millionen Mark auf fast eine Milliarde. Mit dem Mauerbau jedoch wurden 7 000 Näherinnen im Ostteil von ihren Arbeitgebern rechts und links des Kurfürstendamms abgeschnitten – für den Westen der Stadt begann danach die Abwanderung der Betriebe in Richtung Düsseldorf, trotz Solidaritätsadressen wie dieser aus der Stuttgarter Fachzeitschrift Textil-Woche Manufacturist von 1962: „Berlin hat bis heute den Charakter einer

Alles auf Anfang, dafür stand das Bikini-Haus schon einmal. Als es 1957 fertig gebaut war, zogen die Berliner Konfektionäre mit der Mode ein – um den Glanz des Kurfürstendamms einzufangen

D V ON C ARMEN B ÖKER

„Die eleganten jungen Berlinerinnen mit 52 Zentimetern Taillenweite, gazellenlangen Beinen und einem natürlich hervorragenden Make Up auf hübschen Gesichtern, die das sorgsam ausgewählte Schaubild des Berliner Chic vorführten, wurden ungläubig bestaunt.“ So ist in der Kulturzeitschrift Berlin im Spiegel Ende der Fünfzigerjahre beschrieben, wie die Mode sich mitsamt ihren Inszenierungen ausbreitet in dieser Stadt. Und spätestens, wenn der Leser beim ungläubigen Staunen angekommen ist, fühlt er sich ganz in die Gegenwart Berlins versetzt. Denn dieVerwunderung über die Mondänität der Kleidung, die hierherkommt; das ewige Zweifeln daran, ob man anderswo auf Erden überhaupt wartet auf diese Entwürfe: All das ist heute immer noch der Tenor. Die Klagen über den schweren Stand der Mode sind anno 2014 genauso routiniert wie 1957 – jenem Jahr, in dem der Berliner Konfektion mit dem Bikini-Haus ein neues Zentrum erschaffen wurde. „Oben was, unten was, in der Mitte nischt“, so leitete man damals einen Spitznamen her, der sich schnell etabliert hatte. Das Nichts, die Taille, ein nach allen Seiten offenes „Luftgeschoss“, wurde 1978 erst geschlossen. Das Haus, das durch seinen Namen das neumodische Accessoire und damit seinen Modernitätsanspruch gewissermaßen mit sich trug, war ursprünglich Hauptquartier der Damenoberbekleidungs-Industrie,

WIR M ACHE N WE LT M ODE M IT DE M GE WISSE N E T WAS

OBE N W A S , UNTE N W A S , I N D ER MIT TE NI S C H T wenn auch nur für wenig mehr als ein Jahrzehnt. Die heute für diese Stelle wieder so beliebten Metaphern vom betriebsamen urbanen Dschungel bemühte die Journalistin Cordula Moritz bereits kurz nach Einweihung des Bikini-Hauses, wiederum in Berlin im Spiegel: „Längst hatte man ein neues DOB-Zentrum geschaffen, einen neuen Bienenkorb mit vielen Waben, der sich nun lang und schmal und mit einem Trakt hochgereckt an der Front des Zoologischen Gartens erstreckt. Das zornige Gebrüll der Löwen, die schrillen Schreie der Pfauen, die Trompetensignale aus dem Elefantengehege dringen bis in die Ateliers und Geschäftsräume – eine Berliner Tradition ist der anderen wert.“ Das Richtfest fand statt am 17. November 1956 mit 10 000 Gläsern Bier und 2 000 Portionen Eisbein, danach sollte es dann generell etwas schlanker vor Ort zugehen: 50 DOB-Firmen zogen in der Folgezeit ein, von Abromeit und Stiller („Elegante Damenmäntel und Kostüme“) bis Herbert Ziegler („Das modisch gepflegte Kleid – auch in großen Weiten“), es gab Teenager-Mode und praktische Pullover, Kombinierbares

INTERFOTO

Berlin ist schon ein Schlager: Sängerin Dalida posiert Ende der 50er vor einem Wahrzeichen der Stadt.

RICO PUHLMANN

Um die Ecke vom Bikini-Haus: Mode von Uli Richter, fotografiert 1959 von Rico Puhlmann in der Budapester Straße am heutigen Hotel Intercontinental.

Weltstadt nicht verloren und ist in vielem eine Hauptstadt geblieben. Was die Berliner DOB-Industrie für die Versorgung der Frauen und Mädchen in der Bundesrepublik bedeutet, brauchen wir hier nicht zu betonen. Aber dass darüber hinaus nicht die reine Quantität, sondern vor allem der Berliner Chic eine Rolle spielt, muss hervorgehoben werden.“ Der Glanz hielt nicht – und die Mode blieb nicht im Bikini-Haus, obwohl einige der Konfektionäre bis Anfang der Siebzigerjahre ausgeharrt hatten. Das Haus hatte in dieser Zeit keine anhaltende Anziehungskraft entwickeln können. Doch es hatte sie ab den späten Fünfzigerjahren gegeben: jenen Jahren, in denen es um Schnitte und Rocklängen und auch um eine Haltung ging, um ein Berliner Alleinstellungsmerkmal. Was damit gemeint war, verkörpert die nebenstehende Fotografie von Rico Puhlmann geradezu idealtypisch – die moderne Architektur bildet die Kulisse für die neue Eleganz des Auftritts und eine wiederwachte Lebenslust. Die Aufnahme entstand in den Arkaden des Berlin Hilton an der Budapester Straße, dem heutigen Hotel Intercontinental, entworfen von Paul Schwebes und Hans Schoszberger, den damaligen Architekten des Bikini-Hauses – und man möchte sofort hineinspringen in diese grafisch aufgeräumte Bildkomposition. Nichts an dieser Szene entspricht den steifen Mannequin-Präsentationen in gedämpfter Salon-Atmosphäre, das weibliche Model trägt die luxuriösen Entwürfe Uli Richters 1959 so lässig wie Jeans. Viele Fotografen knüpften zu jener Zeit an jenes Bild einer Berlinerin an, das die Dreißigerjahre und die Neue Sachlichkeit einst geprägt hatten: elegant, aber auch ein bisschen schnodderig; chic, aber nicht steif; weltoffen, aber im Herzen ganz in Berlin.


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Bikini-Haus

IMAGO/CARO

Kaufrausch-Zone: In der Gegend rund um Kurfürstendamm und Tauentzien werden jährlich pro Quadratmeter 5 300 Euro umgesetzt – wenigstens 1 000 Euro mehr als in anderen Gebieten der Stadt. Boss, Apple, Armani und andere große Label sind dort vertreten. Auch das spricht für die Attraktivität der City West.

„Die Stadt der zwei Herzen“ Klaus-Jürgen Meier ist eine Art Cheflobbyist für die City West. Ein Gespräch über Ladenmieten, das Verschwinden kleiner Traditionsgeschäfte und den Traum von einer Seilbahn in den Osten

Herr Meier, ist der Westen noch zu retten? Ach herrje. Eine dieser typischen Journalistenfragen. Was sind denn typische Journalistenfragen? Fragen, die sonst niemand stellt, und die oft einen konstruierten Hintergrund haben. Das heißt? Wenn auf dem Kurfürstendamm ein Geschäft aufgegeben wird und zwei Wochen später noch eins, dann wird dahinter sofort das Ende der West-Berliner City vermutet. Das Gegenteil ist der Fall. Die City West ist quicklebendig und wird immer attraktiver. Es ist doch aber unbestritten, dass dem einstigen Zentrum West-Berlins mit dem Fall der Mauer seine Alleinstellung abhanden kam. Berlin ist größer geworden. Das ist richtig. Die Gegend musste sich tatsächlich neu finden, und das brauchte seine Zeit. Aber es hat sich viel getan. Am Tauentzien zum Beispiel ist jedes zweite Haus seit der Wende neu gebaut worden. Was macht den modernen Kudamm aus? Die vitale Mischung aus Arbeit, Wohnen, Shoppen und Kultur. Hier findet das geballte Leben statt. Es gibt

die schönsten Geschäfte, und oben drüber wird gewohnt. Anderswo brodelt tags das Leben, und abends ist der Bereich tot. Das ist am Kudamm nicht so.

Ihre Lobbyarbeit für die City West ist ehrenamtlich. Warum tun Sie das? Aus Überzeugung. Und ich habe in der Arbeitsgemeinschaft viele sehr interessante Menschen kennengelernt. Alle wollen der Gegend einen Push geben, und sie reden nicht nur, sie machen und bewegen.

Der Boulevard ist vor allem eine Shopping-Meile. Er ist die Shoppingmeile. Nimmt man beide Straßenseiten zusammen, sind das achteinhalb Kilometer Ladenzeile. Das ist eine Strecke wie vom Brandenburger Tor bis fast zum Olympiastadion oder vom Alexanderplatz bis zum Tierpark. Laden an Laden. Nirgendwo in Deutschland gibt es einen vergleichbaren Boulevard. Da muss man schon nach Paris, London oder Barcelona gehen.

Sie spielen Golf. Immerhin im selben Club wie Klaus Wowereit. Hilft dies, das eine oder andere zu bewegen? Wieder so eine Journalistenfrage. Nein, es hilft nicht. Aber die AG City ist auch ohne Golf ein gut funktionierendes Netzwerk. Allerdings ist das Golfspiel eine gute Schule. Denn es verlangt Zeit, man muss sich gut konzentrieren, sehr effektiv organisieren, und man lernt Demut, weil sich die Dinge oft nicht so entwickeln, wie es eigentlich gedacht war.

Zur Person

Und es ist ein teures Pflaster. Die Ladenmieten liegen bei 280 bis 350 Euro pro Quadratmeter. Dafür bekommt man in der Rosenthaler Straße und der Neuen Schönhauser leicht drei bis vier Quadratmeter. Das spricht doch für die Attraktivität der City West. Nike zum Beispiel hat am Tauentzien gerade erst einen hohen einstelligen Millionenbetrag investiert, um ein weltweit neuartiges Verkaufskonzept hier in Berlin zu etablieren. Boss, Apple, Armani und andere sind hergekommen. Mehr und mehr große Label nutzen den Kudamm, um ihre Visitenkarte zu hinterlassen.

Was lief denn in der City West nicht so? Ein Riesenrad am Zoo hätte ich schon gern gesehen, auch eine Seilbahn von dort bis nach Mitte. Das wäre eine tolle Attraktion und ein interessantes Verkehrsmittel außerdem. Aber ich bin hoffnungsvoll.

Klaus-Jürgen Meier, Jahrgang 57, ist gebürtiger Bayer. Mit 19 Jahren kam er nach Berlin, um nach der Lehre bei Siemens zu arbeiten. Vier Jahre später machte er sich als Versicherungsmakler selbstständig. Seit 2007 ist Meier im Ehrenamt Vorstandsvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft City e.V.

Sie wollen Kudamm und Mitte enger verbinden? Wo schlägt denn nun eigentlich das Herz dieser Stadt? In der City West natürlich, aber in Mitte ebenso. Diese Stadt ist zu groß, um sich mit einem Zentrum zu begnügen. Berlin hat ein Doppelherz, ist die Stadt der zwei Herzen. Ich mag mir Berlin nicht ohne die City West mit dem Kudamm vorstellen, aber auch nicht die Mitte ohne Hackeschen Markt und Museumsinsel. Wenn es davon etwas nicht gäbe, würde was fehlen.

Die AG City gibt es seit 1976. Sie ist ein Netzwerk aus Ladenbesitzern, Gastronomen, Firmen und Kulturschaffenden, das sich der Förderung der Gegend rund um den Kurfürstendamm verschrieben hat. Die AG City hat derzeit 310 Mitglieder.

Dafür sind die inhabergeführten Geschäfte fast völlig verschwunden. Das ist der Trend. Im Einzelhandel entscheidet der Markt.

Das Gespräch führte Jochen Knoblach.

BLZ/GERD ENGELSMANN

W

Wenn Klaus-Jürgen Meier aus seinem Büro auf die Dachterrasse tritt, liegt ihm der Kurfürstendamm zu Füßen. Meier liebt diese Aussicht, und er mag den Boulevard. Seit fast zehn Jahren engagiert sich der 56Jährige für das alte Zentrum West-Berlins.

Lohnt sich die Präsenz für die Marken denn? Im Berliner Einzelhandel sind Kurfürstendamm und Tauentzien mit großem Abstand die Nummer eins. Dort werden pro Stunde rund 8 000 Passanten gezählt und auf über 200 000 Quadratmetern Verkaufsfläche im Jahr mehr als eine Milliarde Euro umgesetzt. Das sind 5 300 Euro pro Quadratmeter und wenigstens 1 000 Euro mehr als in anderen Gebieten der Stadt.


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Berliner Zeitung · Nummer

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Bikini

MUSEUM FÜR FOTOGRAFIE

BAHNHOF ZOO Klassische Verbindung: Der 27. Mai 2006 war ein trauriger Tag für den Westen. Zum letzten Mal fuhr ein ICE vom Bahnhof Zoo ab. Das wurde nicht nur als Zeichen für den Niedergang des Quartiers gewertet, auch eine Ära ging zu Ende, die den Mythos der Halbstadt mitbestimmte: Über das Bahnhöfchen mit nur je einem Gleis nach Ost wie West war die Mauerstadt mit der Welt verbunden. Das galt auch in Zeiten, in denen der Kalte Krieg besonders kalt war. Geblieben ist das städtebauliche Problem Hardenbergplatz. Noch immer gibt es keine Lösung für den Verkehr dort.

Berühmter Meister: Als der Fotograf Helmut Newton 2003 in seiner Heimatstadt Berlin eine Stiftung gründete und einen Vertrag mit der Stiftung Preußischer Kulturbesitz schloss, galt das als historischer Glücksfall. Kurz darauf starb der Meister bei einem Unfall. Im Jahr darauf eröffnete das Museum für Fotografie im alten Landwehr-Kasino in der Jebensstraße 2. Seitdem ist es ein Lichtblick in der wegen der vielen Obdachlosen traditionell schwierigen Umgebung hinter dem Bahnhof. Allein schon wegen Newtons „Big Nudes“ zieht es Fotografiebegeisterte aus aller Welt an.

AMERIKA-HAUS C/O-GALERIE

Mittendrin

Es geht voran in der City West. Nach dem Waldorf Astoria und dem Zoo Palast eröffnet jetzt ein weiteres Highlight. Das Bikini-Haus sorgt für neues Leben. Die Karte zeigt das Viertel zwischen Wittenbergplatz und Savignyplatz mit einigen seiner Institutionen.

Uhlandstraße

Fasanenstraße

Industrieund Handelskammer

Ca rm ers tra ße

aßee aß Knesebeckstraße

ße tra nns lma Gro

Charakteristische Fassade: Im Jahr 1957 für das Kultur- und Informationszentrum des United States Information Service (USIS) gebaut, war das Amerika-Haus, Hardenbergstraße 22, mit seiner charakteristischen blau-weiß-roten Fassade in seinen Anfangsjahren Bibliothek, Veranstaltungsort und ein Zeichen der Verbundenheit mit dem eingemauerten West-Berlin. Mit der Zeit änderte sich die USA-Rezeption in der Halbstadt. Während der Studentenbewegung wurde die Schutzmacht zunehmend als kriegführende Großmacht empfunden – das Amerika-Haus galt als ihr Propagandazentrum. Es wurde Ziel vieler, auch militanter Demonstrationen. In den Jahren danach herrschte gespenstische Ruhe im scharf gesicherten Haus. Zum Beginn des Irak-Kriegs 2003 gab’s noch mal Krawalle, 2006 übergaben die Amerikaner das nutzlos gewordene Gebäude der Stadt Berlin. Die ließ es erst mal leerstehen. Derzeit baut die Fotogalerie C/O das Amerika-Haus zu ihren Zwecken um. Die Neu-Eröffnung ist für Herbst geplant.

Bleibtreustraße

V ON E LMAR S CHÜTZE

Amerika-Haus C/O-Galerie

Theater des Westens

Savignyplatz

Kantstraße

Leichte Muse: Es war Sensation und Segen zugleich, als 1984 Intendant Götz Friedrich und sein künstlerischer Direktor Helmut Baumann das Transvestiten-Musical „La Cage aux Folles“ auf die Bühne des Theater des Westens brachten. War das Ende des 19. Jahrhunderts im Stil des wilhelminischen Historismus eröffnete Haus in der Kantstraße 10-12 in den Jahrzehnten zuvor doch zu einem Sinnbild des verschnarchten (und verschuldeten) West-Berlins geworden, in das sich immer weniger Zuschauer verloren. Mit dem Auszug der Deutschen Oper 1961 in deren neu errichtetes Haus an der Bismarckstraße hatte der Niedergang an der Kantstraße begonnen. Schon in Vorkriegszeiten hatten sich Erfolge und Pleiten im Haus der leichten Muse, die dort stets untergebracht war, munter abgewechselt. Doch auch auf die Wiedergeburt 1984 folgten schwere Jahre. Schließlich übernahm die Stage-Holding aus den Niederlanden das Gebäude vom Land Berlin und zeigt seitdem dort Shows und Musicals.

Uhlandstraße

Knesebeckstraße

ße tra nns lma Gro

Bleibtreustraße Bleibtreustraß

THEATER DES WESTENS

mm enda t s r ü Kurf

Kudo

ZOOLOGISCHER GARTEN

WALDORF ASTORIA Leuchtendes Vorbild: Schon weit vor seiner Eröffnung am 3. Januar 2013 war das Hotel Waldorf-Astoria, Hardenbergstraße 28, mehr als ein Hotel. Und noch immer gilt es als Vorbild für die gesamte westliche Innenstadt. Weil ein Investor Millionen in einen 119 Meter hohen Neubau steckte, mit dem die bleierne Nachwendezeit endete. Die ästhetische Qualität des Hauses ist egal. Hauptsache: Fünf Sterne! Im Westen!! Dass dafür das von Architekturfreaks geschätzte Schimmelpfeng-Haus weichen musste, werden viele eher erleichtert zur Kenntnis genommen haben.

Berühmte Tiere: Mit seinen mehr als 17 000 Tieren in fast 1 600 Arten ist er der artenreichste Zoo der Welt. Ganz sicher macht der Zoologische Garten Berlin die meisten Schlagzeilen: Ankunft des Pandas Bao Bao 1980, Geburt des Eisbären Knut 2008 und Knuts Tod 2011, Bao Baos Tod ein Jahr später und zuletzt der skurrile Streit um den scheidenden Direktor Bernhard Blaszkiewitz. Dessen Nachfolger Andreas Knieriem muss sich nun um die altehrwürdige Institution aus dem Jahr 1841 ebenso kümmern wie um den Tierpark Friedrichsfelde im Osten der Stadt.


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i-Haus

EUROPA-CENTER Großes Kino: Als die Berlinale im Februar den Zoo Palast in ihr Programm aufnahm, war das eine Rückkehr zu den Anfängen. Jahrzehntelang war das Haus am Hardenbergplatz 8 das Premierenkino des Westens gewesen. Dort präsentierte sich das nach internationaler Geltung gierende West-Berlin der Welt. Doch die Kinoszene wandelte sich. 1999 verabschiedete sich die Berlinale vom Zoo, der Potsdamer Platz wurde zum Zentrum. Umso größer ist der Andrang, seit der Zoo Palast im November 2013 wiedereröffnet wurde – mit neuer Technik im alten Glanz.

Hoher Stern: Die Eröffnung des Europa-Centers 1965 sollte West-Berlin endgültig Weltruhm verschaffen. Das Center galt mit seinem 86 Meter hohen Büroturm samt Stern oben drauf für seine Zeit als modernstes Einkaufszentrum weit und breit. Doch: The Times They Are A Changing! Man weiß gar nicht so genau, wann es losging, seit Jahrzehnten hinkt das Europa-Center den Ansprüchen an ein zeitgemäßes Einkaufszentrum hinterher. Größere Eingänge müssten her, interessantere Geschäfte und Restaurants und ein pfiffigeres Gesamtkonzept.

Museum für Fotografie

Bahnhof Zoo

Aquarium

en ologischer Gart

Zo Zoo Palast

Ha rde nbe rgs tra ße

Waldorf Astoria

e aß str n e raf rgg Bu

25hours Hotel BIKINI BERLIN Budapester Straße

Europacenter

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GEDÄCHTNISKIRCHE

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Europa-Center

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Weltkugelbr unnen

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Gedächtniskirc

GRAFIK: BER LINER Z EI TUN G/ ANJA K ÜHL, FO TO S:IMA GO / SC HÖNING (4); IMAGO/F. BERGER, BLZ/M. GÜNTHER, IMAGO/BROKER,IMAGO/PEMAX,IMAGO/R. MÜLLER, IMAGO/SCHÖNING (2), BLZ/M. GÜNTHER, IMAGO, IMAGO/CARO

ZOO PALAST

KADEWE Eigenwilliger Charakter: Die Bombennacht des 23. November 1943 hat sich tief eingebrannt in die Geschichte des Berliner Westens. Es war die Nacht, in der viele Menschen starben – und die Kaiser-WilhelmGedächtniskirche zur Ruine wurde. Ihren heutigen Charakter erhielt sie durch das vierteilige KirchenbauEnsembles von Egon Eiermann aus den 60er-Jahren. Zurzeit wird der historische Turm auf dem Breitscheidplatz saniert. Den Kaiser im Namen braucht schon lange keiner mehr: Gedächtniskirche reicht – als Mahnmal und Zeichen gegen den Krieg.

Purer Luxus: Schon in seinen Anfängen im Jahr 1907 war das Kaufhaus des Westens am Wittenbergplatz ein Luxus-Warenhaus. Heute ist das KaDeWe nach dem Harrod’s in London das größte Warenhaus Europas und hat eine der größten Lebensmittelabteilungen weltweit. Für manch einen ist das KaDeWe auch das zweitwichtigste russische Kaufhaus nach dem Gum in Moskau, so viele Russen kaufen dort ein. Für Aufsehen sorgte ein Millionenraub 2009. Zwar wurden Verdächtige geschnappt, da diese aber eineiige Zwillinge waren, konnte keiner verurteilt werden.


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Bikini-Haus

Käme der Satan auf den Kudamm … Lange vor der Teilung der Stadt hatte Berlin zwei Zentren, die miteinander konkurrierten. In die Mitte ging man zum Arbeiten und Regieren, in den Westen, um sich zu amüsieren. Auf Teufel komm raus

S V ON H ARALD J ÄHNER

Schuld war der Westwind. Weil in Berlin der Wind zu 75 Prozent aus westlichen Richtungen weht, sammelten sich die wohlhabenderen Berliner westlich der Stadtmitte. Im Westen kommt noch die gute Luft vom Lande an. Über der Stadtmitte nimmt sie all deren Ausdünstungen und Abgase auf und verbreitet den konzentrierten Mief dann weiträumig über den östlichen Gebieten der Stadt. Deshalb sind in unseren Breiten Westlagen meistens teuer, östliche billig. Heute mag das kaum noch eine Rolle spielen, aber zu Zeiten der Kohle- und Holzöfen in den Wohnungen, der vielen Fabriken und Werkstätten im engeren Stadtgebiet war der Westen gleichbedeutend mit guter Luft, entsprechender Gesundheit und dem Wohlstand, der dazu nötig ist, beides zu bezahlen. In vielen europäischen Städten haben Orte wie Westend einen guten, Eastends dagegen einen schlechten Klang. In Berlin kann man das besonders gut studieren, da die Stadt in den zwei Generationen nach 1871 in einer Geschwindigkeit wuchs, die man heute von China kennt. Zum sogenannten „Alten Westen“, der Gegend um den Potsdamer Platz, kam ab der Gründerzeit der „Neue Westen“ hinzu – und zwar mit einer Wucht, dass man bald von zwei Stadtzentren sprechen musste. 1882 hatten Investoren begonnen, den alten Knüppeldamm namens Kurfürstendamm zu erschließen. Nur zwanzig Jahre später ging hier die Post ab: Der „Neue Westen“ wurde zu der Herausforderung an die ebenfalls turbulente Mitte auf dem Gebiet des historischen Stadtkerns. In Mitte ging man arbeiten, zum Amüsieren strömte nun alles in den Westen. Der Berliner Schriftsteller Edmund Edel schrieb 1906: „BerlinW. war noch nicht erfunden. Da eines Tages war es da. Es war da wie eine Seifenblase, die schillernd, gleißend, lüstern aus dem biederen, weißen, gediegenen Seifenschaum sich aufbläht.“ Es war eine merkwürdige Mischung aus Wohnen und Vergnügen. Den Maßstab gab der Lunapark in Halensee vor, der 1904 eröffnet wurde, ein hochmoderner Vergnügungspark nach dem Vorbild von Coney Island in New York. Ein märchenhafter Palast am Eingang,

eine lange Wackeltreppe, an deren Ende ein Gebläse die Röcke hochpustete, eine Wasserrutschbahn, Tanzlokale verschiedenster Couleur, überall viel nackte Haut – das zog 50 000 Besucher täglich an. Am anderen Ende des Kurfürstendamms lockte eine riesige „American Roller Skating Halle“ Sportbegeisterte und Modebewusste an. Der junge Vladimir Nabokov, der mit seiner Familie immer in Berlin Station machte, wenn man im Sommer von Moskau an die Riviera reiste, versäumte nie einen Besuch dort. Er erinnerte sich später sogar an den leicht salzigen Mokkakuchen, der dort serviert wurde, gleich gegenüber des Musikpavillons, dessen Kapelle den Skatern zusätzlichen Schwung gab. Der Zoologische Garten bildete eine weitere Attraktion, zumal auch dort spektakelhafte Völkerschauen und Freiluftkonzerte mit Tanz für Amüsement sorgten. Die vielen Varietés und Bars, die Straßenprostitution, die Schiebereien in den Seitenstraßen des Kudamms, wo viele aus Russland geflüchtete Reiche abgestiegen

SC H O N V O R DE M K R I E G BAH N T E SI C H DI E DO P P E L- C I T Y A N

waren und nach und nach ihre Wertsachen verhökerten – all das zusammen machte den Neuen Westen zum Symbol einer aus den Fugen geratenen Welt. „Käme der Satan auf den Kurfürstendamm“, schrieb 1921 der Schriftsteller Christian Bouchholtz, „überall würde er hereinfallen, geneppt und geprellt, ein für solche Welt zu dummer Teufel, und er müsste mit eingezogenem Schwanz zur Hölle zurück.“ Für den Westen musste man schlau sein, denn Traditionen halfen hier nicht weiter. Bouchholtz weiter:

Der Lunapark in Halensee um 1910. Der Vergnügungspark nach dem Vorbild von Coney Island in New York bot eine Wackeltreppe, eine gigantische Wasserrutschbahn und jede Menge nackter Haut. ULLSTEIN

„Hier wirken Moralgesetze, zusammengeschweißt aus Snobismen, Bluff, Paradoxie, Sensationslüsternheit, Abgebrühtheit, Überlegenheit. Moralgesetze jedenfalls, die durch keinerlei alte Überlieferungen kristallisiert und normiert sind.“ Klingt ganz wie der ostdeutsche Blick auf den Westen nach der Wende. Kein Wunder, dass die Gegend Künstler anzog. Die Szene bewegte sich von Mitte weg in den Neuen Westen. Man traf sich zunächst im Café des Westens am späteren Kranzlereck. 1913 flog ein Teil der Künstler wegen unbezahlter Rechnungen wieder raus, der andere verdrückte sich, als der Laden zwei Ecken weiter in offenbar ungemütliche Räumlichkeiten zog. Da schlug die Stunde des Romanischen Cafés. Es bestand aus zwei hohen Hallen in einem scheußlichen neoromanischen Gebäude, ungefähr dort, wo sich heute das Europa-Center befindet. Als „Wartesaal derTalente“ beschrieb es Erich Kästner:„Man wartet, daß das Glück hinter den Stuhl tritt und sagt: ‚Mein Herr, Sie sind engagiert!‘.“ Junge Frauen traf man hier in großer Zahl; das Romanische war ein echter Anmachschuppen und Verschiebebahnhof. Es stimmt, es waren auch die bekannteren Schriftsteller und Künstler da, die das Café zu einem überstrapazierten Mythos machten. Für die Anwesenheit der Arrivierten machte Kästner jedoch niedere Motive geltend: Sie hielten es„für einen mit einer Tasse Kaffee nicht zu teuer erkauften Genuß, die Schar der Verunglückten und Aussichtlosen zu betrachten, und sich selber, den Erfolgreichen, betrachten zu lassen.“ Im östlichen Zentrum gab es nicht minder viele Bars, aber für das Warten auf Glück bestand hier wenig

Anlass. Es war längst gründlich verspielt. Hinter den Gleisen des Bahnhofs Alexanderplatz endete für die Berliner der feine Teil ihrer Stadt. Die Tische, auf denen man hier tanzte, waren mit Sand gescheuert, die Gegend östlich vom Alex war kleinteilig, verrufen, armselig und ziemlich kriminell. Doch der Osten Berlins holte zum Gegenschlag aus: Stadtplanerisch war der Umbau des Alexanderplatzes zu einem weltstädtischen Verkehrsknotenpunkt mit neusachlich-dynamischer Architektur ab 1927 in Angriff genommen geworden, ein Schlag gegen den allmählich seinen Glanz verlierenden Westen. Ende der Zwanzigerjahre hatte der Osten die Nase wieder leicht vorn. Hier schien der Zeitgeist zu Hause zu sein, während der Fassadenprunk am Kurfürstendamm binnen zweier Jahrzehnte ästhetisch schon wieder in Misskredit geraten war. Der kollektive Geschmackswandel ließ sogar einen so bedachtsamen Flaneur wie Franz Hessel die BelleÉpoque-Bauten des Kudamms als „Geschwürhäuser“ empfinden. „Die schlimmste Zeit des Privatbaus“, so Hessel 1929, habe hier „viel greulich Getürmtes, schaurig Ausladendes und Überkrochenes“ hinterlassen, das erst allmählich verdrängt werden könne, vorerst am besten durch davorgehängte Reklame. So konkurrierten die Zentren Ost wieWest also schon in der Weimarer Republik, lange vor der Teilung der Stadt, um die Gunst der Berliner und den Beifall der Besucher. Natürlich ist Berlin polyzentrisch, wie von seinen kiezorientierten Bewohnern gern betont wird. Aber mit den vielen historischen Kernen der im Laufe der Zeit zu Groß-Berlin zusammengewachsenen Dörfer

Aller Achsen entrückt Moderne als Standpunkt. West-Berlin baute sein neues Stadtzentrum, um im Kalten Krieg überleben zu können

M V ON N IKOLAUS B ERNAU

Manchmal braucht es den brutalenVerlust, um zu verstehen, was wichtig ist. In Berlin, genauer, in West-Berlin, war es der 2009 durchgesetzte Abriss des Schimmelpfeng-Hauses, der deutlich machte: Die seit den späten 1960ern mit zunehmend fundamentalistischer Lautstärke als nur kalt, nur funktional und unmenschlich geziehene Architektur der Nachkriegsmoderne ist genauso ein wichtiger, lebenswerter Teil der Stadtgeschichte wie das barocke Berliner Schloss, die Prachtbauten der Kaiserzeit oder die Siedlungen der Weimarer Republik. Wer verstehen will, warum die Sanierung und der Umbau des Bikini-Hauses jetzt trotz der erheblichen Verluste – die grandiose Rückansicht wurde verbaut, die rückwärtigen Treppentürme fielen, der Dach-Aufbau ist weithin zu sehen, die breite Passagenhalle wurde zum Gänglein –

letztlich zu Recht als normalesWeiterbauen der Stadt betrachtet werden sollte, muss sich mit dem Trauma des Abrisses seines städtebaulichen Pendants beschäftigen. Das bis zu zehngeschossige Schimmelpfeng-Haus wurde zwischen 1957 und 1960 quer über den Zugang der Kantstraße zum Breitscheidplatz errichtet. Architekten waren das Büro von Franz-Heinrich Sobotka und Gustav Müller. Die Verkleidung mit Travertin verkündete bürgerliche Seriosität, die mächtigen Piloti-Stützen internationale Modernität. Der Bau hatte genau wie das Bikini-Haus, das Kant-Kino, das Kranzler-Eck, die Hochhäuser am Ernst-Reuter-Platz, das neue Hansaviertel und später das Europa-Center vielerlei Bedeutungen. Ihre Wichtigste war: Sie standen gegen den Niedergang der einstigen Reichshauptstadt und für den Durchhalte-

willen, der seit der Abstimmung der freien SPD gegen die Zwangsvereinigung mit der KPD 1946 inWest-Berlin zum politischen Mantra geworden war. Auch der Schimmelpfeng-Riegel quer zur straffen kaiserzeitlichen Achse der Kantstraße gehörte zu dieser Botschaft: Nie wieder sollte Deutschland sich solchen Machtgesten unterwerfen. Dass gleichzeitig in Ost-Berlin die Stalinallee genau als eine solche Achse entstand, war den Zeitgenossen Beleg dafür, dass die SED-Führung um Ulbricht letztlich nur, wie es der SPD-Führer Kurt Schumacher 1946 sagte, die Politik„rotlackierter Faschisten“ betreibe. Heute wird der sture West-Berliner Antikommunismus oft als nur reaktionär verunglimpft. Er war sicher auch genau das: „Geh doch nach drüben, wenn’s dir nicht passt“. Aber er war eben auch das Instrument eines neuen Freiheitswillens. Dass schon am Bau des Hansaviertels zur Interbau 1957 einst von den Nazis verfolgte Architekten teilnahmen, war ein Signal: WestBerlin wurde als etwas anderes betrachtet als das restliche Deutschland, als freier, offener, demokratischer. Zu diesem Freiheitswillen gehörte eine Architektur, die sich der Geschichte zu entziehen versuchte. So war etwa das Schimmelpfeng-Haus Teil der überaus großzügigen städtebaulichen Komposition von hochgereckten Häusern und lagernden Riegeln, zu der auch das BikiniHaus gehört. Allenfalls in Köln entstanden in Deutschland vergleichbar durchkomponierte Anlagen, und in Warschau findet man sie wieder, auch dort als Zeichen der kulturellen Behauptung gegen sowjetische Machtansprüche. Das Haus war zudem der ästhetische Fond für die neue Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Auch deren Anlagen sind von ihrem Architekten Egon Eiermann


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Bikini-Haus

und Kleinstädte ist die Attraktivität des Neuen Westens eben doch nicht zu vergleichen. So bahnte sich schon vor dem Krieg die „Doppel-City“ an. Als Berlin dann tatsächlich geteilt wurde, fanden die beiden Stadthälften praktischerweise gleich zwei Zentren vor. Der Westen hatte zwar noch einige Mühe, die City-West mit allen Funktionen eines echten Zentrums auszustatten, aber ein Großteil der Arbeit war bereits in den Goldenen Zwanzigern erledigt worden. Die City West verfügte zwar nicht über die repräsentativen Bauten einer historischen Mitte, dafür war sie durchsetzt mit Wohnbauten aller Art. Das ersparte den Menschen jene Öde, die Unmassen von Regierungsund Bürobauten oder reine Einkaufszentren mit sich bringen. Die West-Berliner Innenstadt genoss für viele Jahre den in anderen Metropolen weitgehend unbekannten, äußerst charmanten Umstand, noch im absoluten Zentrum dicht bewohnt zu sein – und das zu niedrigen Preisen. Sogar die Kommune 2 und der SDS, der Sozialistische Deutsche Studentenbund, konnten sich den Kudamm leisten. Ostberlin dagegen verfügte über das klassizistische Zentrum und damit über den preußischen Modellversuch einer idealen gesellschaftlichen Mitte: Kunst, Kirche, Schloss, Universität, Oper und Bibliothek lagen mit ihren Tempeln dicht beieinander. Es brauchte einige Zeit (und den fatalen Abriss des Schlosses), bis die DDR in ihrer letzten Dekade begann, mit dem klassischen Erbe ihrer Hauptstadt selbstbewusst aufzutrumpfen im Versuch, die City West als neureiches, geschichtsloses Provisorium verblassen zu lassen.

systematisch aus allen Achsen gerückt worden. Das West-Berliner Bürgertum setzte zwar durch, dass der Turmstumpf der alten Kirche erhalten blieb. Doch der Entwurf von Werner March, das Kirchenschiff auf den alten Mauern wieder aufzubauen, wurde weithin abgelehnt. Egon Eiermanns radikaler Neuanfang entsprach mehr dem Willen der Zeit, die Vergangenheit

W ES T- BER L I N W URD E A L S E TWA S A N D ERES B ET RACHTET, A L S FR EIER , O F F ENER, D EMOKR ATI S C HER hinter sich zu lassen. Der blau schimmernde Kirchenraum und die elegante Kapelle wurden zu zeitenübergreifenden Meisterwerken religiöser Architektur. West-Berlin konnte bei seinem Wiederaufbau, so ironisch es klingt, von den ErfahrungenWest-Deutschlands profitieren. Dort war der Wiederaufbau bereits Ende der 1940er-Jahre in die Gänge gekommen. Die Zehntausenden von gerasterten Rahmenfassaden von Kiel über Duisburg bis Lindau erregten schon den Unmut der Zeitgenossen. Man forderte mehr Kreativität, mehr Wagemut. In West-Berlin konnte sich dieser oft durchsetzen. Architektur musste hier auch gesellschaftspolitische Werbung für die neue Demokratie sein.

Der wiedervereinte Staat nahm die preußische Mitte gern als kulturelle Bühne in Besitz, errichtete sein neues Machtzentrum aber salomonisch zwischen den beiden Stadtzentren. In der Gunst des Publikums ging das Pingpong zwischen Ost undWest weiter. Erst Ping: Die Museumsinsel wurden neu inszeniert, die großen Theater in Mitte neu definiert, der Gendarmenmarkt als schönster Platz Europas gefeiert. Ein Club nach dem anderen öffnete in den morbiden, aufgegebenen oder zwischengenutzten Objekten der Treuhand. Dann Pong: Das Geld nivelliert die Stadtquartiere. In Prenzlauer Berg gehe es zu wie in Stuttgart, heißt es.

Derzeit ist wieder der „Neue Westen“ am Zug und behauptet sich am Breitscheidtplatz und rund um den Bahnhof Zoo mit neuer Authentizität, an alte Traditionen anknüpfend. Indessen schickt sich der Osten bereits an, am Alexanderplatz und am Leipziger Platz mit neuen Kräften in eine erst noch kommende Runde zu starten. Den Berlinern insgesamt kann das nur Recht sein. Sie beobachten den Wettkampf von Kreuzberg, Friedrichshain, Steglitz oder Pankow aus mit der Gelassenheit jener, die auch noch ein eigenes Zentrum in ihrem Bezirk haben. In Kreuzberg sogar zwei.

Die einen sahen es als ein Symbol des Freiheitswillens, andere fanden es einfach nur hässlich: das Schimmelpfeng-Haus im Jahre 2009. Wenig später musste es dem Waldorf Astoria weichen. BERLINER ZEITUNG/MARKUS WÄCHTER


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Bikini-Haus

Nachts im Dschungel Wer einen Sonnabendabend rund um den Kudamm verbringt, genießt interessante Ausblicke. Und gewinnt womöglich neue Einsichten. Zum Beispiel diese: Es gibt ein richtiges Nachtleben im Westen

K

V ON C HRISTINE D ANKBAR UND E LMAR SCHÜTZE

Bis in den Morgen Romanisches Café Waldorf Astoria Hardenbergstr. 28 Tägl. 8–22 Uhr Monkey Bar Budapester Str. 40 Mo.–Fr. 15–1 Uhr Sa./So. 15–2 Uhr Paris Bar Kantstr. 152 Tägl. 12–1 Uhr The Pearl Fasanenstr. 81, Fr./Sa. Bar ab 21 Uhr, Club ab 24 Uhr Do. After Work Bar 18 Uhr, Club 21 Uhr Nightclub First Joachimstaler Str. 26; Do. 0–6 Uhr, Fr. 23–7 Uhr, Sa. 0–8 Uhr Kudorf/Q-Dorf Joachimstaler Str. 15 Di.–Do. 21–7 Uhr Fr./Sa. 20–7 Uhr Puro Sky Lounge Tauentzienstraße 9–12 Do. 21– 3 Uhr, Fr. 22–4 Uhr, Sa. 23–5 Uhr

Kurz nach drei Uhr am Morgen steht unsere Meinung fest: Ja, es gibt ein Nachtleben im Herzen der westlichen City. Die Clubs hier sind anders als in Mitte, Kreuzberg. oder Neukölln Aber man kann rund um Kudamm und Tauentzien die Nacht auf kurzweilige Art verbringen. Möglich, dass uns der Highball in unseren Gläsern so friedlich mit der Umgebung stimmt. Vielleicht ist es auch die Aussicht. Wir sitzen in der Puro Sky Lounge und blicken hinaus auf die Lichter der Stadt. Erklommen haben wir diesen Ort über eine am Abend stillgelegte Rolltreppe bis zur Garderobe im ersten Stock des Europa-Centers und dann im vollgequetschten Aufzug bis ins oberste Stockwerk. Das Puro ist zweigeteilt. Im Club wird House und Electro gespielt, aber es ist so voll und stickig, dass wir uns lieber in der Bar im Nebenraum platzieren. Auf den schwarzen Ledersofas ist noch Platz und die Aussicht recht ansprechend. Vor den Panoramafenstern breitet sich zwar keine Skyline aus – das hat schon die berühmte BerlinerTraufhöhe verhindert – doch immerhin fällt unser Blick auf einen recht belebten Boulevard. Wir wissen jetzt: Man muss den Kudamm nicht den Touristen überlassen. Ein Grund dafür ist die jüngst eröffnete Monkey Bar im Hotel 25hours, die zu Recht ziemlich angesagt ist. Es empfiehlt sich, vorher zu reservieren, sonst läuft man Gefahr, sogar am frühen Abend schon von den beiden Türstehern abgewiesen zu werden. Sie lügen nicht, wenn sie sagen, alles sei voll. Auch hier geht es mit dem Fahrstuhl nach oben. Die Musik, die gespielt wird, ist eher unspektakulär, stört aber auch nicht. Denn die Monkey Bar hat das Zeug, die Tradition des Sundowners in voller Blüte aufleben zu lassen. Hier gehen die Panoramafenster auf den Zoologischen Garten hinaus. Man blickt direkt ins Affengehege, was natürlich am meisten Spaß macht, wenn die Sonne noch nicht ganz untergegangen ist. Das Publikum ist das gemischteste, das wir an diesem Abend antreffen werden. Junge und nicht mehr ganz junge Menschen, die schick, weniger schick und auch mal ganz casual angezogen sind, sitzen auf niedrigen Hockern, am Fenster zum Zoo wie im Amphitheater aufgereiht oder direkt an der Bar. Bei Letzterem sollte man es aber aushalten können, vom Personal lange ignoriert zu werden.

Deutschlands erste Concept Mall

Wir gratulieren zur Eröffnung AM

14 0 2 l i r 3. Ap all ept M

Eröff

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BERLINER ZEITUNG/BENJAMIN PRITZKULEIT

Die Bar der Puro Sky Lounge in der 20. Etage des Europa-Centers

Etwas freundlicher aufgenommen wird man im Romanischen Café im HotelWaldorf Astoria. Dort hat unser Abend begonnen. Das Romanische Café ist ideal, um der großen, wilden Zeit am Kudamm nachzutrauern, die ja nun auch schon etliche Jahrzehnte zurückliegt. Aber der Name, der ja schließlich an das legendäre Künstlercafé erinnert, zwingt einen geradezu in die Melancholie. Das neue Romanische Café wirkt eher wie ein Kuchenwartesaal für Laufkundschaft. Wobei man sagen muss, dass sich das Publikum auch über das historische Café oft beschwert hat. Außerdem gibt es im Waldorf Astoria auch noch die gemütliche Lang-Bar ein Stockwerk höher.

M AN K AN N DIE N AC HT AUF SE HR K UR Z WE ILIGE AR T V E R BR IN GE N Da wir beim Kapitel „Ehrwürdige Institutionen“ angekommen sind, zieht es uns aber weiter in die Paris Bar. Vor der Tür steht Restaurantleiter Michel Würthle im Jackett und mit modisch geknotetem dunklen Wollschal und begrüßt die Gäste. Pleite? Steuerhinterziehungsprozesse? Die Paris Bar wird’s immer geben, ganz sicher. Auch an diesem Sonnabendabend ist kein Sitzplatz mehr zu kriegen. Das Durchschnittsalter an den Tischen liegt augenscheinlich im Rentenalter. Doch den Künstlern, die dort tafeln, ist jeglicher Ruhestand natürlich fremd. Einen Rotwein später gehen wir Perlentauchen.

The Pearl liegt im Untergeschoss des Kant-Dreiecks von Kleihues, eine Straßenecke von der Paris Bar entfernt. Und hat Happy Hour bis ein Uhr nachts. Zwei Getränke zum Preis von einem, der auch nicht so hoch ist. Das Publikum folgerichtig: Azubis, Studenten, junge Leute, die sich richtig schick gemacht haben, um jemanden kennenzulernen. Wir fragen uns, wie das gehen soll, wo doch wirklich niemand tanzt, und gehen dann weiter ins First. Der Club an der Lietzenburger Straße war jahrzehntelang eine wichtige Nummer im Nachtleben am Kudamm. Bis Chef Jochen Strecker erstochen in seiner Badewanne aufgefunden wurde. Danach stand das First monatelang leer. Seit Herbst 2013 versucht ein neuer Geschäftsführer den Laden in Schwung zu bringen. Aber es scheint so, dass es noch eine Weile dauern wird, bis sich die Gäste den Wodka (pro Flasche 699 Euro) wieder schmecken lassen. Die Jugendlichen, die sich hier um Mitternacht tummeln, leisten sich gerade mal ein Bier. Ausgelassener geht es da im Q-Dorf zu. Dort lassen jedes Wochenende Tausende sehr junger Leute die Sau raus. Es gibt viel Remmidemmi und gerne auch mal eine Schlägerei. Das Niveau der Darbietungen und der vom Band abgespielten Musik pendelt sich verlässlich auf Ballermann-Niveau ein. Die Vorstellung, dass die eigenen Kinder hier in wenigen Jahren ebenfalls mit Luftschlangen um den Hals von Tresen zu Tresen und Tanzfläche zu Tanzfläche ziehen könnten, stimmt einen etwas traurig. Aber mal ehrlich: Die Touristen und Teenager, die dort feiern, scheinen sich bestens zu amüsieren. Die Getränke sind billig, der Lärm infernalisch, und morgen können alle ausschlafen. Bezahlen muss man an der Kasse am Ausgang. Da stehen dann alle brav Schlange und zücken ihre Karten, auf denen der Verzehr in Ein-Euro-Schritten abgehakt wird.


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Bikini-Haus

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Die Pläne waren so schön. Ein 175 Meter hohes Aus- ein. Die Komödie und das Theater am Kurfürstensichtsrad hätte sich seit Ende Oktober 2011 an der damm mit zusammen 1 400 Plätzen sollen im Zuge der Hertzallee am Bahnhof Zoo drehen sollen. Mit Blick Umgestaltung abgerissen werden. Dafür ist eine neue über die City West, den Potsdamer Platz und den Tier- Spielstätte mit 650 Plätzen geplant. Das Problem: Die Iren suchen einen Finanzierungsgarten. Doch die Investoren kamen über die Planung nicht hinaus. Das Great Berlin Wheel scheiterte an der partner für das Projekt. Solange sie keinen finden, Finanzierung. Auf dem Riesenrad-Grundstück wu- kommt das Vorhaben nicht voran. Ballymore hatte die chern zurzeit nur Büsche. Jeden Tag fahren Tausende Immobilie im Jahr 2007 vom britischen Finanzinvestor Menschen in der S-Bahn an der 13 000 Quadratmeter Fortress für 155 Millionen Euro erworben. Seit 2009 großen Brache vorbei. Der einzige Gewinner des ge- wollen die Iren den Komplex umgestalten, doch es gab, platzten Projekts ist der Zoo. Weil der alte Wirtschafts- insbesondere wegen der lange nicht geklärten Zukunft hof für das Riesenradprojekt abgerissen werden für die Bühnen, zunächst Widerstand im Bezirk. Nachmusste, erhielt der Zoo ein neues Wirtschaftsgebäude dem 2010 weitgehend Einigkeit erreicht wurde, war im Wert von rund 17 Millionen Euro. Der Bau wurde nur noch wenig von Ballymore zu hören. Denn der Inaus einem Teil des Verkaufserlöses finanziert. Was aus vestor hatte im Zuge der Finanzkrise Schwierigkeiten, dem Riesenrad-Grundstück werden soll, ist indes un- Kredite für sein Projekt zu bekommen. Gegenüber früklar. Das Land Berlin will die Fläche nicht zurückkau- heren Vorstellungen von Ballymore gibt es seit verganfen. Dabei gäbe es einen interessierten Nutzer. Die genem Jahr einige Neuerungen. So sind nicht mehr Technische Universität (TU) würde das Grundstück nur Geschäfte und Büros geplant, sondern auch Wohgerne für eine Erweiterung ihres Campus nutzen. nungen. Diese sollen vor allem im ursprünglich als BüNach einem Wettbewerbsverfahren der Stadtent- roturm konzipierten Hochhaus entstehen, aber auch wicklungsverwaltung, das 2011 in einen Masterplan in Wohn- und Geschäftshäusern an der Uhlandstraße. für das Gelände zwischen Hertzallee und Müller-Bres- Zwischen 270 und 300 Eigentumswohnungen könnten lau-Straße mündete, soll auf dem Erweiterungsge- es werden, heißt es. Für Einzelhandel ist eine Verkaufslände zum Beispiel ein großer Neubau für das Mathe- fläche von 33 000 Quadratmetern geplant. Gastronomatik-Institut entstehen, weil das alte Institut mie (7 700 Quadratmeter) und Büros (3 200 Quadratsanierungsbedürftig ist. Zudem will das Deutsche meter) sind ebenfalls vorgesehen. Durch die Verlegung Zentrum für Luft- und Raumfahrt ein neues For- des bisherigen Parkhauses an der Uhlandstraße in eine schungsgebäude errichten, in dem auch für den Vor- Tiefgarage mit 750 Stellplätzen wird Raum für öffentlistand eine Etage reserviert ist. Weitere Erweiterungs- che Wege durch das 1,9 Hektar große Areal gewonnen. bauten könnten errichtet werden, um teure Das neue Theater soll im dritten Stock eines GeschäftsMietobjekte aufzugeben. Der hauses liegen. Der EinMasterplan sieht zudem vor, gang wird sich, gut sichtbar, am Kudamm dass der Busbahnhof an die Sbefinden. Bahntrasse verlegt wird und auf Abschreiben sollte dem Areal wissenschaftsnahe niemand die Baupläne, Einrichtungen, ein Tagungshomanchmal dauert es eintel sowie Gebäude für studentifach etwas länger, bis sie sches Wohnen entstehen. realisiert werden. Dafür Im Gegensatz zu den Wünist das Zoofenster das schen der TU stehen Vorschläge beste Beispiel. Die ersten des Berliner Architekten Jan Pläne für das Hochhaus, Kleihues, der für das Gelände die noch vom britischen zwischen Hardenbergstraße Architekten Richard Round Müller-Breslau-Straße auf gers stammten, wurden eigene Initiative den Bau von Anfang der 1990er-Jahre mehreren Hochhäusern und vorgestellt. Bis der Bau Wohntürmen vorgeschlagen im vergangenen Jahr ferhat. Sechs Hochhäuser könnten tiggestellt wurde, verginentstehen, in denen 800 Wohgen mehr als 20 Jahre. nungen geplant sind. Ein Wolkenkratzer mit 161 Metern ist Auch das Bürohaus dabei. So hoch, wie das Riesenauf dem Kant-Dreieck, rad geplant war, soll aber keiner das durch das Segel auf der Türme werden. dem Dach bekannt ist, Das Riesenradprojekt ist eisollte eigentlich mal aufnes von vielen Bauvorhaben, gestockt werden. Die GREAT BERLIN WHEEL die in der City West geplant, Gescheitert: ein Aussichtsrad am Zoo. Pläne wurden aber ebenaber nicht realisiert wurden. falls nicht realisiert. Weitere Projekte, die derzeit Nicht voran kommt aunicht vorankommen, sind die Neugestaltung des Har- ßerdem die Planung für den Hardenbergplatz am denbergplatzes und der Umbau des Kudamm-Karrees. Bahnhof Zoo, auf dem eigentlich eine Tiefgarage geDer irische Investor Ballymore hat im vergangenen plant war. Deren Bau ist gestoppt. Darüber ärgert sich Jahr seine überarbeiteten Pläne für das Kudamm-Kar- die Industrie- und Handelskammer (IHK). „Bezirk und ree vorgelegt. Nach einem Entwurf des britischen Ar- Land können sich nicht ihrer Verantwortung entziechitekten David Chipperfield sind fünfgeschossige hen, indem sie jetzt das Thema einfach beiseitewiHäuser vorgesehen, die teilweise durch Brücken mit- schen. Angeblich wurde kein Investor für eine Tiefgaeinander verbunden sind und Fassaden aus hellem rage gefunden – in der Tat ist nie einer gesucht Naturstein haben. Zum bisherigen Hochhaus führt worden“, erklärte der Stellvertretende IHK-Hauptgeeine offene Passage, neue Plätze laden zum Verweilen schäftsführer Christian Wiesenhütter.

Was lange währt ...

Von Riesenrad bis Kudamm-Karree: Die Liste der geplanten und gescheiterten oder immer wieder verschobenen Projekte in der City West ist lang V ON U LRICH P AUL

Geplant: das neue KudammKarree in der überarbeiteten Version. IMAGO/ECOMEDIA/ ROBERT FISHMAN

Gestoppt: Eine Tiefgarage am Hardenbergplatz wird es nicht geben. REGIONALMANAGEMENT CITY WEST


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Berliner Zeitung · Nummer 78 · Mittwoch, 2. April 2014


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