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Jahresbericht 2012

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Vorwort des Präsidenten Fridolin Eberle, Präsident der Caritas St. Gallen-Appenzell

Mit der Eröffnung der Regionalstellen Sargans Mitte 2011 und der Regionalstelle Uznach im August 2012 konnte die Regionalisierung der Caritas St.GallenAppenzell erfolgreich umgesetzt werden. Es war ein Anliegen des Vorstandes, nicht nur in St.Gallen, sondern näher bei den Menschen in den Regionen vertreten zu sein. Dies, um die Dienstleistungen wie Schuldenberatungen oder kirchliche Sozialberatungen vor Ort anzubieten und zusammen mit Seelsorgeeinheiten, Pfarreien und Freiwilligen Projekte zu entwickeln, umzusetzen und sich noch stärker zu vernetzen. Es zeigt sich, dass der eingeschlagene Weg richtig ist: Die Regionalstellen werden von kirchlichen und wie auch politischen Gremien als Partner wahr- und auch ernst genommen. Eine erfreuliche Situation, für die wir dankbar sind. Unbefriedigend für uns ist hingegen, dass in Parlamenten, Gemeinderäten und verschiedenen Unternehmungen intensive Sparmassnahmen ergriffen werden, wovon auch unsere Caritas betroffen ist. So hat der Kanton St.Gallen zum Beispiel den Leistungsauftrag „Fachstelle Gesundheit und Integration“ gekündigt oder eine Bankengruppe hat ihre Beteiligung an der Finanzierung unserer niederschwelligen Schuldenberatung halbiert. All das geht nicht spurlos an uns vorüber. Wir müssen kämpfen, um unsere wertvollen Dienstleistungen weiterhin anbieten zu können.

So hat der Vorstand beschlossen, einen externen Berater beizuziehen. Er wird in Zusammenarbeit mit dem Vorstand und der Geschäftsleitung eine Expertise erarbeiten, welche Wege aus der finanziellen Schieflage aufzeigen soll. Zudem soll die Organisation der Caritas analysiert und Grundlagen für strategische Entscheide geschaffen werden. Damit die Caritas St.Gallen-Appenzell ihre wichtigen Aufgaben weiterhin wahrnehmen kann, ist sie nach wie vor auch auf die Mithilfe von Freiwilligen, Gönnern und Spendern angewiesen. Denn unsere Arbeit für Menschen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen, geht weiter. Mit den Caritas-Märkten beispielsweise: Unser Titelbild zeigt Bruder Karl, der sich als Freiwilliger im CaritasMarkt Wil engagiert. Meinen Kolleginnen und Kollegen im Vorstand danke ich ganz herzlich für ihre wertvolle und konstruktive Zusammenarbeit, auch in schwierigeren Zeiten. Dem Katholischen Konfessionsteil, Kollegium und Administrationsrat, sowie unserem Bischof von St.Gallen, Markus Büchel und dem Ordinariatsrat, für die grosszügige finanzielle und ideelle Unterstützung. Der Geschäftsleitung und allen Mitarbeitenden der Caritas St.Gallen-Appenzell für ihre tägliche Arbeit und ihr immenses Engagement im Dienste benachteiligter Menschen. Machen wir weiter und leisten wir gemeinsam unseren kleinen Beitrag für eine bessere Welt.

Bilanz per 31. Dezember in CHF Aktiven Umlaufvermögen Flüssige Mittel Forderungen Vorräte Aktive Rechnungsabgrenzung Anlagevermögen Sachanlagen

2012 982 557 421 757 161 387 140 080 34 000 86 290 560 800 560 800

2011 1 080 347 456 347 113 411 131 620 17 000 194 316 624 000 624 000

Passiven Kurzfristiges Fremdkapital Kreditoren Sonstige Verbindlichkeiten Passive Rechnungsabgrenzung Langfristiges Fremdkapital Finanzverbindlichkeiten Rückstellungen

982 557 804 772 771 473 0 33 299 811 000 750 000 61 000

1 080 347 875 222 513 370 300 000 61 852 358 500 300 000 58 500

208 617 -841 832

318 330 -471 705

Fondskapital Organisationskapital

Bilanz

2500000

Caritas St. GallenAppenzell im Jahr 2012 Rolf Steiner, Geschäftsleiter

2012 war ein Jahr der Konsolidierung. Wir konnten bei den Caritas-Betrieben die Betriebsumsätze und Programmplatzbelegung kontinuierlich steigern. Heute zählen die Gemeinden der Regionen Toggenburg, Fürstenland, St.Gallen-Bodensee und Rheintal, sowie die Gemeinden des Appenzeller Vorderlandes zu unseren Kunden. Der Aufbau gestaltete sich aber aufgrund der einsetzenden Sparwellen von Kanton und Gemeinden schwieriger als geplant. Die mit dem Vorstand geplanten Sparmassnahmen wurden umgesetzt. Der Erfolg wird sich finanziell allerdings erst 2013 zeigen. Gleichzeitig können wir nach einem Jahr Betrieb der drei Regionalstellen in St.Gallen, Sargans und Uznach von einer erfolgreichen Regionalisierung sprechen. Mit unserer kirchlichen Sozial- und Schuldenberatung erreichen wir armutsbetroffene, ausgegrenzte Menschen und in Not geratene Menschen. Unsere Angebote sind in den Regionen bekannt und werden rege genutzt. Dank der Unterstützung der beiden Wiler Kirchgemein­ den, der Kantonalkirchen, der Stadt Wil und des Lions Clubs Wil sowie vieler Freiwilliger und Spender konn­ten

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wir einen zweiten Caritas-Markt eröffnen. Wir werden zusammen mit Kirchgemeinden die Diakonie – sprich das soziale Engagement der Freiwilligen – vor Ort fördern und stärken. Und, wir werden in weiteren Regionen soziale Projekte wie «Mit mir-Patenschaften», den Stromspar-Check für einkommensschwache Haushalte oder einen weiteren Caritas-Markt zusammen mit Kirchgemeinden und Freiwilligen umsetzen. Leider ist unser langjähriger Leistungsauftrag «Fachstelle Gesundheit und Integration» den Sparmassnahmen des Kantons St.Gallen zum Opfer gefallen. Dank des neuen Finanzierungsmodells durch den Kanton und die Gemeinden kann das Projekt FemmesTISCHE – Elternbildung mit Migrantinnen – aber weiterhin in Rapperswil, Wil, Uzwil, Flawil, Gossau und Rorschach angeboten werden.

Leistungsbericht

2000000

1500000

1 000 000

500000

0

Spenden Beiträge Verkaufserlöse und übrige Gesamtertrag Gesamtaufwand

Zentrale Projekte

Regionalstellen

Caritas-Betriebe

Geschäftsstelle

95 869 1 126 424 54 818 1 277 110 1 277 110

106 819 193 150 767 420 1 067 388 1 067 254 

224 323 1 023 250 764 575 2 012 149 2 382 410

0 335 200 3 374 338 573 338 573

427 011 2 678 023 1 590 187 4 695 221 5 065 348

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Betriebsrechnung

Ertrag Betriebliche Erträge Spenden / Zuwendungen Beiträge Verkaufserlöse / Projekterlöse Finanz- und übriger Ertrag Finanzertrag Übriger Ertrag Aufwand Operativer Aufwand Direkte Projektzahlungen Personalaufwand Sachaufwand Reise- und Repräsentationskosten Abschreibungen Administrativer Aufwand Sammelaufwand Personalaufwand Sachaufwand Reise- und Repräsentationskosten Finanz- und übriger Aufwand Finanzaufwand Übriger Aufwand Fonds- Organisationskapitalzuweisungen Zuweisung an Fonds Entnahme aus Fonds Zuweisung an Organisationskapital Sammelaufwand Administrationsaufwand Jeweils gemessen am Gesamtaufwand

01.01. – 31.12.2012 4 597 508 4 595 582 427 011 2 678 023 1 490 548 1 926 1 696 230

01.01. – 31.12.2011 4 025 495 3 991 660 558 772 2 101 469 1 331 419 33 835 3 818 30 017

-5 065 347 -4 720 565 -784 285 -2 794 759 -952 436 -12 514 -176 571 -338 573 -26 187 -186 952 -117 092 -8 343 -6 209 -2 493 -3 717

-4 348 669 -3918 617 -785 050 -2 348 139 -670 216 -13 314 -101 898 -420 378 -51 973 -232 233 -127 660 -8 512 -9 674 -925 -8 749

-467 840 -46 109 143 822 -370 127

-323 174 -138 495 169 053 -292 616

0.52  % 6.68 %

1.19  % 9.66 %

2012 2011 in CHF in CHF -467 840 -323 173 176 571 101 898 2 500 -39 780 -8 460 69 062 -17 000 8 626 108 026 -135 032 -53 898 630 025 -28 552 48 803 -288 653 360 428

Geldfluss aus Investitionstätigkeit Investitionen Zu-/Abflüsse aus Finanzanlagen

-113  371 -710 523 0 0     

B Geldfluss aus Investitionstätigkeit -113 371 -710 523 Geldfluss aus Finanzierungstätigkeit Zu-/Abnahme langfristiger Finanzverbindlichkeiten 450 000 0 C Geldfluss aus Finanzierungstätigkeit 450 000 0 Total Geldfluss Bestand flüssige Mittel per 1.1. 113 411 463 506 Bestand flüssige Mittel per 31.12. 161 387 113 411 D Total Veränderung der flüssigen Mittel

47 976

-350 095

* Der Fonds «LEGI» über CHF 12 000.-- wurde auf die Kreditoren umgebucht, da er retour bezahlt wird.

Zuweisung / Interner Fonds- Anfangsbestand Entnahmen Transfer Endbestand Organisationskapital -179 089 -292616 0 -471 705 Einbezahltes Kapital 260 665 0 0 260 665 Erarbeitetes freies Kapital - 439 754 -292 616 0 - 732 370 Fondskapital 318 330 -109 713 0 208 617 Jahresergebnis -292 616 -77 511 0 -370 127 Total -153 375 -479 840 0 -633 215

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Geldflussrechnung

Geldfluss aus Betriebstätigkeit Ergebnis (vor Fondsveränderung) Abschreibungen Veränderung Rückstellungen Zu-/Abnahme Forderungen Zu-/Abnahme Vorräte Zu-/Abnahme aktive Rechnungsabrenzung Zu-/Abnahme kurzfr. Verbindlichkeiten * Zu-/Abnahme passive Rechnungsabgrenzung A Geldfluss aus Betriebstätigkeit

Rechnung über die Veränderung des Kapitals

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Anhang zur Jahresrechnung

Grundlagen der Rechnungslegung Die Jahresrechnung 2012 der Caritas St. Gallen-Appenzell wurde in Übereinstimmung mit dem gesamten Regelwerk der Fachempfehlungen zur Rechnungslegung Swiss GAAP FER unter Einhaltung folgender Grundsätze dargestellt: • Die Rechnungslegung nach Swiss GAAP FER vermittelt ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ergebnislage (true & fair view). • Die Swiss GAAP FER stellen ein Gesamtregelwerk dar. Es sind alle Standards integral angewendet worden, wobei die Bestimmungen von Swiss GAAP FER 21 (Rechnungslegung für gemeinnützige soziale Nonprofit-Organisationen) den übrigen Fachempfehlungen vorgehen. Die Jahresrechnung entspricht dem schweizerischen Gesetz, den Statuten und den Richtlinien der Stiftung ZEWO (Fachstelle für gemeinnützige, Spenden sammelnde Organisationen). Es gelten die allgemeinen Bewertungsgrundlagen gemäss Rahmen­ konzept von Swiss GAAP FER.

Fondskapital und Organisationskaptial Einzelheiten finden sich in der «Rechnung über die Veränderung des Kapitals».

Transaktionen mit nahestehenden Organisationen Als «nahestehende Organisationen» im Sinne von FER 15 können die regionalen Caritas-Organisationen, die Caritas Schweiz sowie die Cartias-Markt-Organisation bezeichnet werden. Wo nötig, ist in den folgenden Anmerkungen jeweils vermerkt, welcher Anteil auf diese Organisation entfällt.

Ereignisse nach dem Bilanzstichtag Es sind keine Ereignisse nach dem Bilanzstichtag bekannt, welche die Rechnung 2012 wesentlich beeinflussen könnten.

Bilanzierungs- und Bewertungsgrundlagen Für die Rechnungslegung gilt das Anschaffungs- bzw. Herstellungskonstenprinzip. Dieses richtet sich nach dem Grundsatz der Einzelbewertung von Aktiven und Passiven. Für die in der Bilanz ausgewiesenen Positionen gilt Folgendes: • Flüssige Mittel zum Nominalwert und Wertschriften des Umlaufvermögens zum Kurswert • Forderungen zum Nominalwert abzüglich notwendiger Wertberichtigungen • Vorräte zum Anschaffungswert abzüglich notwendiger Wertberichtigungen • Sachanlagen zum Anschaffungswert abzüglich notwendiger Wertberichtigungen • Finanzanlagen zum Anschaffungswert abzüglich notwendiger Wertberichtigungen Alle Werte werden in Schweizer Franken angegeben. Sachanlagen Die Abschreibungen werden linear von den Anschaffungswerten berechnet. Die angenommenen Nutzungsdauern pro Anlagekategorie sind folgende: Maschinen und Apparate Betriebseinrichtungen, Mobiliar Fahrzeuge Geschirr IT, Kommunikation Liegenschaftsumbau

In der Regel 5 Jahre In der Regel 5 Jahre In der Regel 5 Jahre In der Regel 4 Jahre In der Regel 4 Jahre 5 Jahre, analog der Dauer des Mietvertrages

Der Brandversicherungswert der Sachanlagen beträgt CHF 700 000 (Vorjahr: CHF 700 000).

Revisionsbericht Claudia Andri Krensler, PricewaterhouseCoopers

Ausserordentlicher Ertrag / Aufwand Der ausserordentliche Ertrag umfasst die CO2-Rückvergütung. Die ausserordentlichen Aufwände beinhalten u.a. eine halbe Monatsmiete der Teufenerstrasse 11. Personalvorsorge Alle Mitarbeiter sind bei der Pensionskasse des Katholichen Konfessionsteils für die Diözese St.Gallen gegen die wirtschaft­ lichen Folgen von Alter, Invalidität und Tod versichert. Bei der Pensionskasse des Katholischen Konfessionsteils betrug der Deckungsgrad per 31.12.2011 97.41 % (Vorjahr 100.67%). Der Abschluss per 31.12.2012 der Pensionskasse des Katholischen Konfessionsteils liegt noch nicht vor.

Risikobeurteilung Die vorhandenen organisatorischen Risiken sind erkannt. Die notwendigen Rückstellungen und Massnahmen wurden im Vorstand der Caritas St.Gallen-Appenzell mit dem Geschäftsleiter besprochen und eingeleitet.

Bericht der Revisionsstelle zur eingeschränkten Revision an die Vereinsversammlung der Caritas St. Gallen - Appenzell St. Gallen Als Revisionsstelle haben wir die Jahresrechnung (Bilanz, Betriebsrechnung, Geldflussrechnung, Rechnung über die Veränderung des Kapitals und Anhang) der Caritas St. Gallen - Appenzell für das am 31. Dezember 2012 abgeschlossene Geschäftsjahr geprüft. In Übereinstimmung mit Swiss GAAP FER 21 unterliegen die Angaben im Leistungsbericht nicht der Prüfpflicht der Revisionsstelle. Für die Jahresrechnung ist der Vorstand verantwortlich, während unsere Aufgabe darin besteht, diese zu prüfen. Wir bestätigen, dass wir die gesetzlichen Anforderungen hinsichtlich Zulassung und Unabhängigkeit erfüllen. Unsere Revision erfolgte nach dem Schweizer Standard zur eingeschränkten Revision. Danach ist diese Revision so zu planen und durchzuführen, dass wesentliche Fehlaussagen in der Jahresrechnung erkannt werden. Eine eingeschränkte Revision umfasst hauptsächlich Befragungen und analytische Prüfungshandlungen sowie den Umständen angemessene Detailprüfungen der bei der geprüften Stiftung vorhandenen Unterlagen. Dagegen sind Prüfungen der betrieblichen Abläufe und des internen Kontrollsystems sowie Befragungen und weitere Prüfungshandlungen zur Aufdeckung deliktischer Handlungen oder anderer Gesetzesverstösse nicht Bestandteil dieser Revision. Bei unserer Revision sind wir nicht auf Sachverhalte gestossen, aus denen wir schliessen müssten, dass die Jahresrechnung nicht ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage in Übereinstimmung mit Swiss GAAP FER 21 vermittelt. Ferner sind wir nicht auf Sachverhalte gestossen, aus denen wir schliessen müssten, dass die Jahresrechnung nicht dem schweizerischen Gesetz und den internen Richtlinien entspricht. Ferner bestätigen wir, dass die einschlägigen Bestimmungen der Zentralstelle für Wohlfahrtsunternehmen (ZEWO) eingehalten sind. PricewaterhouseCoopers AG

Bruno Räss

Claudia Andri Krenlser

Revisionsexperte Leitender Revisor

Revisionsexpertin

St. Gallen, 9. April 2013 Beilage: -

Jahresrechnung (Bilanz, Betriebsrechnung, Geldflussrechnung, Rechnung über die Veränderung des Kapitals und Anhang)

PricewaterhouseCoopers AG, Neumarkt 4 / Kornhausstrasse 26, Postfach, 9001 St. Gallen Telefon: +41 58 792 72 00, Telefax: +41 58 792 72 10, www.pwc.ch PricewaterhouseCoopers AG ist Mitglied eines globalen Netzwerks von rechtlich selbständigen und voneinander unabhängigen Gesellschaften.

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Das Jahr 2012 bei der Caritas St.Gallen-Appenzell

Der Dienst am Menschen ist nach wie vor «in» Mit der Eröffnung der Regionalstellen Sargans Mitte 2011 und der Regionalstelle Uznach im August 2012 konnte die vom Vorstand und der Geschäftsleitung lange gewünschte Regionalisierung im vergan­ genen Jahr erfolgreich umgesetzt werden. Damit können unsere Dienstleistungen wie Schuldenberatung oder kirchliche Sozialberatung im Sarganserland, im Linthgebiet sowie im Raum St.Gallen-Appenzell vor Ort angeboten werden. Die tägliche Arbeit zeigt, dass der Dienst am Menschen nach wie vor modern oder anders gesagt «in» ist. Caritas St.Gallen-Appenzell hat im November 2012 das erste eigene Magazin «punkt.» herausgegeben. Ziel dieser Publikation ist es, in den Regionen über die regionale Tätigkeit des katholischen Hilfswerks zu informieren. Wir bringen es auf den Punkt.

Unser erstes Magazin punkt.: Es erscheint zwei Mal jährlich.

täglichen Arbeit. Sie wissen, dass Menschen an der Armutsgrenze – sogenannte Working Poor - sich sehr oft schwer tun, sich bei Ämtern zu melden und Hilfe anzufordern. Armutsbetroffenen fällt es leichter, bei den Regionalstellen anzuklopfen. Deshalb arbeiten die Sozialberatenden vermehrt mit den umliegenden Betreibungs- und Steuerämtern sowie Sozialämtern zusammen. Caritas ist der Puffer vor der Sozialhilfe. Schuldenberatung Caritas Schweiz und die Aduno-Gruppe finanzieren zusammen eine niederschwellige Schuldenberatung, die wir als einer der Leistungsauftragnehmer in unserer Region umsetzen. Gemäss Caritas Schweiz leben 600 000 Menschen in der Schweiz am Existenzminimum und weitere 400 000 sind armutsgefährdet. Besonders betroffen sind Familien mit mehreren Kindern, Alleinerziehende und Menschen mit wenig Bildung. Schuldenberatungen werden in allen drei Regionalstellen angeboten. Unsere zwei Schuldenberaterinnen Nicola Siemon, Monika Knellwolf sowie unser Schuldenberater Lorenz Bertsch haben im vergangenen Jahr 96 Kurzzeit- und 183 Langzeitberatungen durchgeführt. Von diesen 183 waren 98 Schweizer und 85 Menschen mit Migrationshintergrund. Die meisten hatten Steuerschulden. Leider steht für 2013 nur noch die Hälfte der finanziellen Mittel zur Verfügung. Ohne Freiwillige geht’s nicht Das Netz der Freiwilligen ist nach wie vor stabil. Die vielen Freiwilligen sind das Kapital. Die gegen 30 Frauen und Männer im Projekt Stromspar-Check haben bis Ende 2012 mehr als 100 einkommensschwache Haushalte besucht, Stromspar-Tipps gegeben und wo nötig, Geräte ausgewechselt. Ein schöner Erfolg! Das bestätigt auch eine Gruppe der Fachhochschule St.Gallen, Fachbereich Soziale Arbeit. Sie hat Kunden des Stromspar-Checks befragt. Ergebnis: Alle Befragten äussern sich zufrieden bis sehr zufrieden mit der Dienstleistung der Caritas. Sie schätzen es, dass sie dabei etwas über den sinnvollen Umgang mit Energie und Wasser lernen konnten.

Die Netzwerker Caritas St.Gallen-Appenzell erfüllt einen Leistungsauftrag des Bistums St.Gallen: Sie fördert den «Dienst am Menschen im kirchlichen Rahmen». Oder im weiteren Sinn den Dienst an allen Menschen. Damit in den Kirchgemeinden und Seelsorgeeinheiten Wirkung erzielt werden kann, braucht es personelle, finanzielle und fachliche Ressourcen. Es braucht eine Vernetzung im und über den kirchlichen Raum hinaus. Die Mitarbeitenden sind Netzwerker. Sie beraten und begleiten, pflegen Kontakte, bauen Brücken. Sie bieten Schulungen für Freiwilligengruppen an, laden zusammen mit der evangelischen Kirche zum ökumenischen Seminar «Soziales Engagement» ein. Sie wirken als Dozenten im Zertifikationslehrgang «Diakonieanimation» der Fachhochschule St.Gallen mit, der sich an Personen richtet, die im kirchlichen Umfeld tätig sind. Sie arbeiten aber auch in vielen Projekten wie beispielsweise dem Patenschaftsprojekt «mit mir» partnerschaftlich mit Seelsorgeteams in den Regionen zusammen. Kirchliche Sozialberatung Die kirchliche Sozialberatung als Leistungsauftrag des Bischofs gehört nach zwei Jahren Unterbruch wieder zu den Dienstleistungen der Caritas St.Gallen-Appenzell. Dass sie einem Bedürfnis entspricht, erfahren Nicola Siemon, Monika Knellwolf und Lorenz Bertsch in ihrer

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Daumen hoch für den Caritas-Markt: Die Freiwilligen des Caritas-Marktes in Wil.

«Ohne Freiwillige geht bei uns nichts:» Diese Aussagen machen Karina Barp, Leiterin des Caritas-Marktes in St.Gallen, und Rita Borner, Leiterin des Caritas-Marktes in Wil, der Mitte 2012 mit einem kleinen Fest eröffnet wurde. Er liegt an der Bronschhoferstrasse 16a. Unterstützt wird der Caritas-Markt von beiden Kirchgemeinden in Wil, von bei­den Kantonalkirchen, dem Lions Club Wil sowie der Stadt Wil. In beiden Märkten stellen sich je rund 30 Freiwillige in den Dienst armuts­betroffener Menschen. Im Caritas-Markt St.Gallen kaufen täglich durchschnittlich 160 Personen ein, in Wil sind es bereits 45.

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Das Jahr 2012 bei der Caritas St.Gallen-Appenzell

Integration im Auftrag der Kantone und Gemeinden FemmesTISCHE Caritas St.Gallen-Appenzell leistet Integration im Auftrag von Kanton und Gemeinden. Grossen Zulauf hat «FemmesTISCHE», das Eltern­ bildungsprogramm mit Migrantinnen. Es bringt Mütter mit Migrationshintergrund zusammen, die sich in Gesprächsrunden mit Fragen zu Erziehung, Rollenverhalten und Gesundheit auseinandersetzen. Die Frauen werden unter Anleitung einer Moderatorin ermutigt, auch persönliche Fragen und Anliegen in die Runde zu tragen. Die Diskussionen werden in der jeweiligen Muttersprache der Frauen geführt. Femmes­ TISCHE werden inzwischen regelmässig in Wil, Uzwil, Flawil, Gossau und Rapperswil-Jona angeboten. Im 2012 fanden 179 Femmes­ TISCHE an 22 Orten, in 14 verschiedenen Sprachen statt. Insgesamt nahmen 1116 Frauen und zwei Männer an den Gesprächsrunden teil. Rorschach ist im Aufbau.

Speziell wurde auch das Programm für junge Erwachsene entwickelt, um ihnen mit Begleitung und Jobcoaching eine Chance im ersten Arbeitsmarkt zu eröffnen. Wir vermitteln unseren Programmteilnehmenden Wissen und Bildung in einem geregelten Arbeitsumfeld. Wir ermöglichen ihnen soziale Kontakte und zeigen Perspektiven auf. Mit all diesen Massnahmen wachsen ihre Chancen auf eine nachhaltige Arbeitsintegration.

Unser Liegenschaften-Service auf Achse: Er arbeitet täglich an verschiedenen Orten.

Hohe Zufriedenheit Die Rückmeldungen der zuweisenden Stellen auf unsere qualifizierenden Arbeits- und Bildungsprogramme sind positiv und zeigen eine grosse Zu­friedenheit. Wir konnten den Kundenstamm weiter ausbauen. Aufgrund der Spardebatten und -massnahmen sowie der daraus resultierenden «Marktlage» ist es schwierig, die finanziellen Ziele zu erreichen. Es zeigt sich, dass es Zeit braucht, die Caritas-Betriebe nachhaltig zu positionieren.

Eine Moderatorin leitet die Gesprächsrunde in der Muttersprache der anwesenden Frauen.

Nicht erfreulich war, dass der Kanton St.Gallen den Leistungsauftrag «Gesundheit + Integration» gekündigt hat. Er ist den Sparmassnahmen zum Opfer gefallen. Miges Balù im Appenzeller Vorderland «Migrantenfamilien profitieren von der Mütter- und Väterberatung der Pro Juventute»: Dieses Ziel formuliert das Amt für Gesundheit des Kantons Appenzell Ausserrhoden. Dabei werden die Mitarbeitenden der Mütter- und Väterberatung geschult und lernen, wie das Angebot gegenüber der Migrationsbevölkerung besser bekannt gemacht und das Sprachverständnis durch interkulturelle Dolmetscherinnen verbessert werden kann. Die Projektleitung liegt bei der St.Gallen-Appenzell.

Koch und Agogin Eva Friedrich (rechts) kocht täglich mit Programmteilnehmenden in der Cantinas.

Die Caritas Betriebe Flüchtlinge, junge Sozialhilfebezüger und Langzeiterwerbslose arbeiten in qualifizierenden Arbeits- und Bildungsprogrammen. Caritas St.Gallen-Appenzell führt in St.Gallen sechs handwerkliche Betriebe, die Platz für 60 Teilnehmende bieten: Verkauf im REBAU-Markt, Demontagen für den REBAU-Service, Küchenarbeit in der Cantinas, Hauswartarbeiten im Liegenschaften-Service, Produktion in der Holz-/ Metall-Werkstatt, Administratives im Office-Service. Für Flüchtlinge wurde das Programm «Deutsch und Arbeit», eine Kombination aus qualifizierendem Arbeitseinsatz und Sprachkurs, erarbeitet.

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« Wir vermitteln unseren Programm­ teilnehmenden Wissen und Bildung in einem geregelten Arbeitsumfeld.» 11


Caritas St. Gallen-Appenzell und Regionalstelle St. Gallen Zürcherstrasse 45  |  9000 St. Gallen  |  Telefon: 071 577 50 10 Caritas-Betriebe Zürcherstrasse 45  |  9000 St. Gallen  |  Telefon: 071 220 13 10 Caritas-Markt St. Gallen Davidstrasse 44  |  9000 St. Gallen  |  Telefon: 071 244 79 29 Caritas-Markt Wil Bronschhoferstrasse 16a  |  9500 Wil  |  Telefon: 071 577 50 23 Regionalstelle Sargans St. Gallerstrasse 16  |  7320 Sargans  |  Telefon: 081 725 90 20 Regionalstelle Uznach Zürcherstrasse 21  |  8730 Uznach  |  Telefon: 055 285 14 60 www.caritas-stgallen.ch |  www.caritas-appenzell.ch Spendenkonto: PC 90-155888-0

Im Dienste von Benachteiligten Mit drei Regionalstellen, zwei Caritas-Märkten und sechs Betrieben ist die Caritas St.Gallen-Appenzell zu einem beachtlichen Unternehmen gewachsen. «Bei allem was wir machen, steht das Wohl von armutsbetroffenen, ausgegrenzten und in Not geratenen Menschen im Vordergrund», sagt Rolf Steiner, Geschäftsleiter der Caritas St.Gallen-Appenzell. Hinter ihm und seiner Aussage steht die Geschäftsleitung mit Fredy Bihler (Stv. Geschäftsleiter und Leiter der Regionalstelle St.Gallen), Nicola Siemon (Leiterin der Regionalstelle Uznach), Lorenz Bertsch (Leiter der Regionalstelle Sargans), und Heinz Brander (Leiter der Caritas-Betriebe).

Geschäftsleitung der Caritas St.Gallen-Appenzell  Von links nach rechts: Fredy Bihler, Nicola Siemon, Lorenz Bertsch, Heinz Brander, Rolf Steiner


Jahresbericht 2012 Caritas St.Gallen-Appenzell  

Jahresbericht 2012 Caritas St.Gallen-Appenzell

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