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Jahresbericht 2013


Vorwort des Präsidenten Fridolin Eberle, Präsident der Caritas St. Gallen-Appenzell 2010-2013

Caritas St.Gallen-Appenzell hat in den vergangenen Jahren viel bewegt: Projekte lanciert und Betriebe aufgebaut. Mit ihren Arbeits- und Bildungsprogrammen für Flüchtlinge, Langzeiterwerbslose und junge Sozialhilfebezüger bewegt sie sich aber in einem sehr volatilen Geschäftsfeld. Der Kostendruck und die Sparmassnahmen von Gemeinden und Kantonen machen zu schaffen; die Sparprogramme und die geänderten Rahmenbedingungen im Flüchtlingswesen hatten 2013 direkten Einfluss auf unser Hilfswerk. Konkret heisst das, dass die Gemeinden immer weniger Flüchtlinge in die qualifizierenden Programme der CaritasBetriebe überwiesen haben. Die intensivierten Akquirierungsbemühungen bei den Be­ hörden fruchteten leider nicht. Trotzdem erfüllte die Caritas motiviert und mit viel Freude und Engagement den Auftrag des Bistums und des Katholischen Konfessionsteils, sich für benachteiligte Menschen einzusetzen. Der Vorstand setzte bereits 2012 einen Lenkungsausschuss ein. Dieser nahm das katholische Hilfswerk unter die Lupe und durchleuchtete die verschiedenen Bereiche und Betriebe. Nach intensiver Arbeit wurde die Lösung im Herbst 2013 präsentiert: Ein Verbundmodell mit der Caritas Schweiz. Sie wird auf den 1. Januar 2014 zusammen mit dem Katholischen Konfessionsteil und dem Bistum St.Gallen in der Trägerschaft der Caritas St.Gallen-Appenzell mitwirken. Ich danke dem Lenkungsausschuss für die grosse und für das katholische Hilfswerk enorm wichtige Arbeit ganz herzlich.

«Die Regionalstellen in St.Gallen, Sargans und Uznach sind gut verankert.» Auch wenn das «Unternehmen Caritas» in den letzten Jahren mit finanziellen Schwierigkeiten kämpft, hat es sich stets motiviert armutsbetroffenen, ausgegrenzten und in Not geratenen Menschen angenommen. So ist die Caritas St.Gallen-Appenzell mit ihren Regionalstellen in St.Gallen, Sargans und Uznach gut verankert und kann mit der kirchlichen Sozialberatung und der Schul­ den­beratung vor Ort helfen.

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Die Caritas-Betriebe haben 2013 die neuen Programme «Arbeitstraining», «Praxischeck» und «Teillohn» initiiert, das Konzept für ein Mentoring-Programm wurde überarbeitet und lanciert. Auch ist die Bewilligung eingetroffen, die hauseigene Kantine «Cantinas» als öffentliches Restaurant zu führen. Und schliesslich hat der Lotteriefonds Gelder für das Projekt KulturLegi gesprochen. Trotz allen Schwierigkeiten eine doch sehr erfreuliche und positive Entwicklung! Für die Caritas St.Gallen-Appenzell beginnt mit dem Verbundmodell mit Caritas Schweiz ein neues Kapitel. Um der Caritas St.GallenAppenzell einen Neustart zu ermöglichen, hat sich der Vorstand entschieden, zurückzutreten. Meinen Vorstandskolleginnen und -kollegen danke ich herzlich für die stets engagierte Arbeit zum Wohle der Caritas und die sehr angenehme und intensive Zusammenarbeit. Dem neuen Vorstand wünsche ich Gottes Segen und möge es gelingen, «unsere» Caritas in sichere und ruhige Bahnen zu lenken. Für die immer sehr grosszügige finanzielle Unterstützung und das Vertrauen in den vergangenen vier Jahren danke ich dem Katholischen Konfessionsteil, dem Kollegium und dem Administrationsrat wie auch dem Bischof von St.Gallen, Mgr. Markus Büchel, und dem Ordinariatsrat, herzlich. Mein Dank geht auch an die Geschäftsleitung und die Mitarbeitenden der Caritas St.Gallen-Appenzell für die stets positive Zusammenarbeit und ihre tägliche Arbeit im Dienste benachteiligter Menschen. Ich bin überzeugt, mit all den getroffenen Massnahmen ein stabiles Fundament für die Caritas St.Gallen-Appenzell gebaut zu haben. Weiterhin von Herzen alles Gute, viel Glück und Gottes Segen!

Bilanz per 31. Dezember 2013 in CHF Aktiven Umlaufvermögen Flüssige Mittel Forderungen Vorräte Aktive Rechnungsabgrenzung Anlagevermögen Sachanlagen Passiven Kurzfristiges Fremdkapital Verbindlichkeiten Passive Rechnungsabgrenzung Langfristiges Fremdkapital Finanzverbindlichkeiten Rückstellungen Fondskapital Organisationskapital

2013 685 901 551 499 182 935 259 121 38 000 71 443 134 402 134 402

2012 982 557 421 757 161 387 140 080 34 000 86 290 560 800 560 800

685 901 285 037 127 805 157 232 1 515 360 1 460 000 55 360

982 557 804 772 771 473 33 299 811 000 750 000 61 000

125 071 -1 239 567

208 617 -841 832

Bilanz

2 500 000

Leistungsbericht 2 000 000

1 500 000

1 000 000

500 000

0

Spenden Beiträge Verkaufserlöse und übrige Gesamtertrag Gesamtaufwand

Zentrale Projekte

152 392 1 115 535 34 196 1 302 123 1 301 924

Regionalstellen

Caritas-Betriebe

Geschäftsstelle

107 830 224 510 127 802  642 547 845 323 815 474 1 080 955 1 682 531 930 621  2 230 799

0 335 000 6 045 341 045 341 045

484 732 2 220 884 1 701 038 4 406 654 4 804 389

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Betriebsrechnung

Ertrag Betriebliche Erträge Spenden und Legate Beiträge Verkaufserlöse / Projekterlöse Finanz- und übriger Ertrag Finanzertrag Übriger Ertrag Aufwand Operativer Aufwand Direkte Projektzahlungen Personalaufwand Sachaufwand Reise- und Repräsentationsaufwand Abschreibungen Administrativer Aufwand Sammelaufwand Personalaufwand Sachaufwand Reise- und Repräsentationsaufwand Finanz- und übriger Aufwand Finanzaufwand Übriger Aufwand Fonds- Organisationskapitalzuweisungen Zuweisung an Fonds Entnahme aus Fonds Zuweisung an Organisationskapital Sammelaufwand Administrationsaufwand Jeweils gemessen am Gesamtaufwand

01.01. – 31.12.2013 4 444 761 4 350 879 484 732 2 220 884 1 645 263 93 882 116 93 766

01.01. – 31.12.2012 4 597 508 4 595 582 427 011 2 678 023 1 490 548 1 926 1 696 230

-4 894 389 -4  551 172 -809 480 -2  541 670 -744 775 -12 191 -443 056 -341 045 -106 470 -23 190 -203 257 -8 128 -2 172 -2 172 0

-5 065 347 -4 720  565 -784 285 -2 794 759 -952 436 -12 514 -176 571 -338 573 -26 187 -186 952 -117 092 -8 343 -6 209 -2 493 -3 717

-449 628 -22 670 74563 -397 735

-467 840 -46 109 143 822 -370 127

2.17  % 6.97 %

0.52  % 6.68 %

Geldfluss aus Betriebstätigkeit Jahresergebnis vor Fondsveränderung Abschreibungen Veränderung Rückstellungen Zu-/Abnahme Forderungen Zu-/Abnahme Vorräte Zu-/Abnahme aktive Rechnungsabrenzung Zu-/Abnahme kurzfr. Verbindlichkeiten Zu-/Abnahme passive Rechnungsabgrenzung * Zu-/Abnahme langfristige Verbindlichkeiten A Geldfluss aus Betriebstätigkeit Geldfluss aus Investitionstätigkeit Investitionen Zu-/Abflüsse aus Finanzanlagen

2013 2012 in CHF in CHF -449 628 -467 840 443 056 176 571 -5 640 2 500 -93 452 -8 460 -4 000 -17 000 14 847 108 026 -669 256 -53 898 92 280 -28 552 -90 000 0 -761 793 -288 653

-16  658 -113 371 0 0     

B Geldfluss aus Investitionstätigkeit -16 658 -113 371 Geldfluss aus Finanzierungstätigkeit Zu-/Abnahme langfristiger Finanzverbindlichkeiten 800 000 450 000 C Geldfluss aus Finanzierungstätigkeit 800 000 450 000 Total Geldfluss Bestand flüssige Mittel per 1.1. 161 387 113 411 Bestand flüssige Mittel per 31.12. 182 935 161 387 D Total Veränderung der flüssigen Mittel

21 549

47 976

* Der Fonds Spenden BILL über CHF 31‘653.34 wurde auf die passive Rechnungsabgrenzung umgebucht, da er retour bezahlt werden muss.

Zuweisung / Interner Fonds- Anfangsbestand Entnahmen Transfer Endbestand Organisationskapital -471 705 -370 127 0 -841 832 Einbezahltes Kapital 260 665 0 0 260 665 Erarbeitetes freies Kapital -732 370 -370 127 0 -1102 497 Fondskapital 208 617 -83 546 0 125 071 Jahresergebnis -370 127 -27 608 0 -397 735 Total -633 215 -481  281 0 -1 114 496

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Geldflussrechnung

Rechnung über die Veränderung des Kapitals

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Anhang zur Jahresrechnung

Grundlagen der Rechnungslegung Die Jahresrechnung 2013 der Caritas St.Gallen-Appenzell wurde in Übereinstimmung mit dem gesamten Regelwerk der Fachempfehlungen zur Rechnungslegung Swiss GAAP FER unter Einhaltung folgender Grundsätze dargestellt: • Die Rechnungslegung nach Swiss GAAP FER vermittelt ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ergebnislage (true & fair view). • Die Swiss GAAP FER stellen ein Gesamtregelwerk dar. Es sind alle Standards integral angewendet worden, wobei die Bestimmungen von Swiss GAAP FER 21 (Rechnungslegung für gemeinnützige, soziale Nonprofit-Organisationen) den übrigen Fachempfehlungen vorgehen. Die Jahresrechnung entspricht dem schweizerischen Gesetz, den Statuten und den Richtlinien der Stiftung ZEWO (Fachstelle für gemeinnützige, Spenden sammelnde Organisationen). Es gelten die allgemeinen Bewertungsgrundlagen gemäss Rahmenkonzept von Swiss GAAP FER. Transaktionen mit nahestehenden Organisationen Als «nahestehende Organisationen» im Sinne von FER 15 können die regionalen Caritas-Organisationen, die Caritas Schweiz sowie die Caritas-Markt-Organisation bezeichnet werden. Wo nötig, ist in den folgenden Anmerkungen jeweils vermerkt, welcher Anteil auf diese Organisationen entfällt. Bilanzierungs- und Bewertungsgrundlagen Für die Rechnungslegung gilt das Anschaffungs- bzw. Herstellungskostenprinzip. Dieses richtet sich nach dem Grundsatz der Einzelbewertung von Aktiven und Passiven. Für die in der Bilanz ausgewiesenen Positionen gilt Folgendes: • Flüssige Mittel zum Nominalwert und Wertschriften des Umlaufvermögens zum Kurswert • Forderungen zum Nominalwert abzüglich notwendiger Wertberichtigungen • Vorräte zum Anschaffungswert abzüglich notwendiger Wertberichtigungen • Sachanlagen zum Anschaffungswert abzüglich notwendiger Wertberichtigungen • Finanzanlagen zum Anschaffungswert abzüglich notwendiger Wertberichtigungen

Revisionsbericht

Fondskapital und Organisationskaptial Einzelheiten finden sich in der «Rechnung über die Veränderung des Kapitals».

Claudia Andri Krensler, PricewaterhouseCoopers

Übriger / Ausserordentlicher Ertrag / Aufwand Der ausserordentliche Ertrag umfasst die CO2-Rückvergütung sowie eine Entschädigung der Swisscom für den Schadenaufwand betreffend falsch gemeldeter Telefonnummer. Der Forderungsverzicht umfasst den Erlass des gewährten Darlens der Bischöflichen Kanzlei. Personalvorsorge Alle Mitarbeiter sind bei der Pensionskasse des Katholichen Konfessionsteils für die Diözese St.Gallen gegen die wirtschaft­ lichen Folgen von Alter, Invalidität und Tod versichert. Bei der Pensionskasse des Katholischen Konfessionsteils betrug der Deckungsgrad per 31.12.2012 93.01% (Vorjahr 97.41%). Der Abschluss per 31.12.2013 der Pensionskasse des Katholischen Konfessionsteils liegt noch nicht vor. Ereignisse nach dem Bilanzstichtag Es sind keine Ereignisse nach dem Bilanzstichtag bekannt, welche die Rechnung 2013 wesentlich beeinflussen könnten. Die Jahresrechnung 2013 wurde am 17. März 2014 durch den Vorstand genehmigt. Risikobeurteilung Die vorhandenen organisatorischen Risiken sind erkannt. Die notwendigen Rückstellungen und Massnahmen wurden im Vorstand der Caritas St.Gallen-Appenzell mit dem Geschäftsleiter besprochen und eingeleitet.

Bericht der Revisionsstelle zur eingeschränkten Revision an die Vereinsversammlung der Caritas St. Gallen - Appenzell St. Gallen Als Revisionsstelle haben wir die Jahresrechnung (Bilanz, Betriebsrechnung, Geldflussrechnung, Rechnung über die Veränderung des Kapitals und Anhang) der Caritas St. Gallen - Appenzell für das am 31. Dezember 2013 abgeschlossene Geschäftsjahr geprüft. In Übereinstimmung mit Swiss GAAPFER 21 unterliegen die Angaben im Leistungsbericht nicht der Prüfpflicht der Revisionsstelle. Für die Jahresrechnung ist der Vorstand verantwortlich, während unsere Aufgabe darin besteht, diese zu prüfen. Wir bestätigen, dass wir die gesetzlichen Anforderungen hinsichtlich Zulassung und Unabhängigkeit erfüllen. Unsere Revision erfolgte nach dem Schweizer Standard zur eingeschränkten Revision. Danach ist diese Revision so zu planen und durchzuführen, dass wesentliche Fehlaussagen in der Jahresrechnung erkannt werden. Eine eingeschränkte Revision umfasst hauptsächlich Befragungen und analytische Prüfungshandlungen sowie den Umständen angemessene Detailprüfungen der beim geprüften Verein vorhandenen Unterlagen. Dagegen sind Prüfungen der betrieblichen Abläufe und des internen Kontrollsystems sowie Befragungen und weitere Prüfungshandlungen zur Aufdeckung deliktischer Handlungen oder anderer Gesetzesverstösse nicht Bestandteil dieser Revision. Bei unserer Revision sind wir nicht auf Sachverhalte gestossen, aus denen wir schliessen müssten, dass die Jahresrechnung nicht ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage in Übereinstimmung mit Swiss GAAP FER 21 vermittelt. Ferner sind wir nicht auf Sachverhalte gestossen, aus denen wir schliessen müssten, dass die Jahresrechnung nicht dem schweizerischen Gesetz und den internen Richtlinien entspricht.

Alle Werte werden in Schweizer Franken angegeben.

Wir weisen darauf hin, dass der Verein Caritas St. Gallen – Appenzell per 31. Dezember 2013 mit CHF -1'239'567 buchmässig überschuldet ist. Bezüglich der vorgesehenen Sanierungsmassnahmen verweisen wir auf die Ausführungen in Ziffer A6 im Anhang der Jahresrechnung.

Sachanlagen Die Abschreibungen werden linear von den Anschaffungswerten berechnet. Die angenommenen Nutzungsdauern pro Anlagekategorie sind folgende:

Ferner bestätigen wir, dass die einschlägigen Bestimmungen der Zentralstelle für Wohlfahrtsunternehmen (ZEWO) eingehalten sind.

Maschinen und Apparate In der Regel 5 Jahre Betriebseinrichtungen, Mobiliar In der Regel 5 Jahre Fahrzeuge In der Regel 5 Jahre Geschirr In der Regel 4 Jahre IT, Kommunikation In der Regel 4 Jahre Liegenschaftsumbau Im 2013 wurde der Liegenschaftsumbau frühzeitig vollständig abgeschrieben. Dies in Übereinstimmung mit der Vereinbarung der neuen Trägerschaft ab 2014. Der Brandversicherungswert der Sachanlagen beträgt CHF 900 000 (Vorjahr: CHF 700 000).

PricewaterhouseCoopers AG

Bruno Räss

Claudia Andri Krensler

Revisionsexperte Leitender Revisor

Revisionsexpertin

St. Gallen, 9. April 2014 Beilage: - Jahresrechnung (Bilanz, Betriebsrechnung, Geldflussrechnung, Rechnung über die Veränderung des Kapitals und Anhang) PricewaterhouseCoopers AG, Vadianstrasse 25a/Neumarkt 5, Postfach, 9001 St. Gallen Telefon: +41 58 792 72 00, Telefax: +41 58 792 72 10, www.pwc.ch PricewaterhouseCoopers AG ist Mitglied eines globalen Netzwerks von rechtlich selbständigen und voneinander unabhängigen Gesellschaften.

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Das Jahr 2013 bei der Caritas St.Gallen-Appenzell

Caritas St.Gallen-Appenzell hat ein schwieriges Jahr hinter sich. Als Fachstelle Diakonie im Bistum St.Gallen hat sie aber trotz finanzieller Schwierigkeiten ihren Auftrag, das soziale Engagement der Kirchgemeinden, Pfarreien und Freiwilligengruppen mit Knowhow und Zeit zu unterstützen, nie aus den Augen verloren. Zentrales Thema in den drei Regionalstellen St.Gallen, Sargans und Uznach war und ist es, sich für armutsbetroffene, ausgegrenzte und in Not geratene Menschen zu engagieren.

__ Lenkungsausschuss eingesetzt Das katholische Hilfswerk hat in den vergangenen Jahren verschiedene handwerkliche Betriebe aufgebaut, in denen anerkannte Flüchtlinge, junge Sozialhilfebezüger und Langzeiterwerbslose in verschiedenen Arbeits- und Bildungsprogrammen beschäftigt werden. Im Bereich der Flüchtlinge haben sich die politischen Rahmenbedingungen in letzter Zeit massgeblich geändert. Caritas St.Gallen-Appenzell als Leistungserbringer in diesem Umfeld hatte mit dem Kostendruck und den Sparmassnahmen von Gemeinden und Kantonen zu kämpfen. Die Folge davon waren finanzielle Schwierigkeiten. Ein Lenkungsausschuss nahm deshalb das «Unternehmen Caritas» unter die Lupe. Die Lösung wurde im Herbst präsentiert: Ein Verbundmodell mit Caritas Schweiz. Sie wird auf den 1. Januar 2014 zusammen mit dem Katholischen Konfessionsteil und dem Bistum St.Gallen in der Trägerschaft mitwirken.

__ Kirchliche Sozial- und Schuldenberatung In der Schweiz leben 600‘000 Menschen in Armut und weitere 400‘000 sind armutsgefährdet. Die Arbeit und der Austausch mit diesen Menschen zeigt, dass die kirchliche Sozialberatung und die Schuldenberatung ganz wichtig sind. Die Beratungen werden auf allen drei Regionalstellen der Caritas St.Gallen-Appenzell – in Sargans, St.Gallen und Uznach – angeboten und entsprechend ist die Zuständigkeit regional aufgeteilt. Insgesamt stehen für die Schuldenberatung 65 Stellenprozente und für die kirchliche Sozialberatung 216 Stellenprozente zur Verfügung.

Für eine kirchliche Sozialberatung verweisen Pfarreien, Sozialämter und weitere Stellen Menschen, die in Not geraten oder Working Poor sind, an uns. Working Poor sind Familien, Alleinerziehende und Einzelpersonen, die trotz einer vollen Erwerbstätigkeit über ein Einkommen verfügen, das am Existenzminimum liegt. Working Poor haben keinen Anspruch auf staatliche Hilfe. «Wir müssen im Bereich Working Poor noch vermehrt Aufklärungsarbeit betreiben, damit betroffene Menschen auch selbst zu uns finden», sagt Lorenz Bertsch. Er und die beiden Beraterinnen Nicola Siemon und Monika Knellwolf haben im vergangenen Jahr 888 Schulden- und Sozialberatungen durchgeführt. Arbeitslosigkeit ist die grösste Schuldenfalle, Krankheit/Unfall sowie Scheidung stehen auf Platz 2 und 3. Die meisten Ratsuchenden sind alleinstehende Schweizer Männer, die zwischen 41 und 50 Jahre alt sind. Entgegen der Schuldenberatung sind es bei der kirchlichen Sozialberatung vermehrt Frauen, die Working Poor sind, am Existenzminimum leben und Unterstützung benötigen. Am meisten betroffen sind alleinerziehende Frauen und Paare mit Kindern. Die am meisten betroffene Altersgruppe liegt zwischen 31 und 50 Jahren.

__ Grosses Engagement unserer Freiwilligen Caritas St.Gallen-Appenzell misst der Freiwilligenarbeit grosse Bedeutung zu. Ohne Freiwillige hätten die 100 Stromspar-Checks nicht bewältigt werden können: Im Interreg-Projekt Stromspar-Check werden einkommensschwache Haushalte besucht, Stromspar-Tipps gegeben und wo nötig und gewünscht, Geräte ausgewechselt. Dutzende von Freiwilligen haben die Caritas-Aktion «Eine Million Sterne» sichtbar gemacht. In 26 Gemeinden im Einzugsgebiet der Caritas St.GallenAppenzell wurden Kerzen angezündet und wurde so die Solidarität mit Menschen in schwierigen Lebenssituationen ins helle Licht gerückt.

Caritas-Aktion «Eine Million Sterne» in Schmerikon.

Monika Knellwolf (St.Gallen), Lorenz Bertsch (Sargans) und Nicola Siemon (Uznach, v.l.)

Die kirchliche Sozial- und Schuldenberatung ist in allen drei Regionen gut verankert, wird als professionelle Fachstelle anerkannt und entsprechend beigezogen. Zudem kommen Klienten über die Schuldenhotline 0800 708 708 zur Caritas, die für viele erste Anlaufstelle ist.

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Auch unseren Freiwilligen in den Caritas-Märkten gebührt ein grosses Dankeschön. Ohne sie wäre vieles nicht möglich gewesen: Wir haben im Frühjahr in Wil das einjährige Bestehen mit einem Tag der offenen Tür des Caritas-Marktes gefeiert und waren gleichzeitig mit einem Stand an der oberen Bahnhofstrasse vertreten. Die Freiwilligen haben uns tatkräftig unterstützt, es konnten viele neue und gute Kontakte geknüpft werden. In St.Gallen kaufen täglich etwa 160 Kunden ein, in Wil werden täglich rund 60 gezählt – Tendenz steigend.

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Integration im Auftrag der Kantone und Gemeinden __ Femmes-Tische

Das Jahr 2013 bei der Caritas St.Gallen-Appenzell

Das Elternbildungsprogramm «Femmes-Tische» ist nach wie vor erfolgreich. 1108 Frauen haben im vergangenen Jahr an 171 FemmesTischen teilgenommen. Themen waren unter anderem «Stark für das Leben», «Gesund sein – gesund bleiben», «Ernährung und Bewegung» oder «Bewegung ist Leben». Der Bereich Gesundheit ist ein wichtiger Bestandteil der Integrationsarbeit. Femmes-Tische werden in Rapperswil-Jona, Wil, Flawil, Gossau, Rorschach und Uzwil angeboten.

Die freiwilligen Helferinnen und Helfer im Caritas-Markt in Wil.

Zum ersten Mal haben wir in den Caritas-Märkten und den Regional­ stellen St.Gallen, Sargans und Uznach eine Weihnachtsaktion durchgeführt. Wir sammelten Weihnachtsschmuck. Und die Katholische Administration schenkte uns 55 Christbäume. Unser Anliegen war, dass auch Menschen mit wenig Einkommen Weihnachten mit einem Tannenbaum und Weihnachtsschmuck feiern können. Die Resonanz war gigantisch: Wir wurden mit Weihnachtsschmuck überhäuft. Am 18. und 19. Dezember wurden Schmuck und Bäume verschenkt. In den CaritasMärkten ging es wie in Basaren zu und her. Das Medieninteresse war gross und wir erhielten viele Komplimente für diese Aktion.

Weihnachtsaktion im Caritas-Markt St.Gallen.

__ Gut informiert

Ein portugiesischer Femmes-Tisch in Rapperswil.

__ Die sechs Caritas-Betriebe Caritas St.Gallen-Appenzell engagiert sich seit Jahren im Bereich «Arbeitsintegration» und erfüllt in den Caritas-Betrieben Leistungsaufträge für Gemeinden und Kantone. Die Betriebe bieten qualifizierende Arbeits- und Bildungsprogramme für anerkannte Flüchtlinge, junge Erwachsene und Langzeiterwerbslose an. Qualifizierend heisst, dass die Programmteilnehmenden von Fachpersonen gecoacht werden – qualifizierende Programme sind eine Spezialität der Caritas St.Gallen-Appenzell. Mit drei neuen Programmen (Arbeitstraining, Praxis-Check und Teillohnmodell) wurde die Angebotspalette erweitert. Schöne Meldungen dann gegen Ende Jahr: Im Kanton Appenzell Ausserrhoden wird in Zusammenarbeit mit der Beratungsstelle für Flüchtlinge und im Kanton St.Gallen in Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum für Integration das Mentoring-Programm wieder aufgenommen. Und noch eine erfreuliche Nachricht: Unsere Kantine «Cantinas», in der vor allem junge Erwachsene auf den ersten Arbeitsmarkt vorbereitet werden, darf als öffentliches Restaurant geführt werden.

Positive Reaktionen haben wir auf unser noch junges Magazin punkt. erhalten, das wir auch im vergangenen Jahr im Juni und im November verschickt haben. Die Informationen über unsere Projekte und Arbeiten in St.Gallen und in den Regionen werden sehr geschätzt. Wir haben zudem im Magazin «Nachbarn», das von den regionalen Caritas-Organisationen verlegt wird, zwei Regionalteile verfasst. Das «Nachbarn» erscheint jeweils im April und Oktober und ist thematisch aufgebaut. Im 2013 wurden «Bildung gegen Armut» und «Am Rand der Gesellschaft» aufgearbeitet.

Mittagszeit in der Cantinas: Die Speisen werden geschöpft.

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Caritas St. Gallen-Appenzell und Regionalstelle St. Gallen Zürcherstrasse 45  |  9000 St. Gallen  |  Telefon: 071 577 50 10 Caritas-Betriebe Zürcherstrasse 45  |  9000 St. Gallen  |  Telefon: 071 220 13 10 Caritas-Markt St. Gallen Davidstrasse 44  |  9000 St. Gallen  |  Telefon: 071 244 79 29 Caritas-Markt Wil Bronschhoferstrasse 16a  |  9500 Wil  |  Telefon: 071 911 72 45 Regionalstelle Sargans St. Gallerstrasse 16  |  7320 Sargans  |  Telefon: 081 725 90 20 Regionalstelle Uznach Zürcherstrasse 21  |  8730 Uznach  |  Telefon: 055 285 14 60 www.caritas-stgallen.ch |  www.caritas-appenzell.ch Spendenkonto: PC 90-155888-0

Geschäftsleitung der Caritas St.Gallen-Appenzell

Thomas Studer

Fredy Bihler

Vorsitzender der Geschäftsleitung

Stellvertretender Geschäfts­ leiter, Leiter der Regionalstelle St.Gallen

Lorenz Bertsch Mitglied der Geschäfts­ leitung, Leiter der Regionalstelle Sargans


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