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Nr. 5, Mai 2012 18. Jahrgang, SFr. 6.– www.unternehmerzeitung.ch

Zukunft EU

Kraftwerk

Professorin Christa Tobler zum Verhältnis SchweizEuropa aus der Sicht einer Europarechtlerin. Seite 30

Architekt und Stadtplaner Steffen Lehmann will Städte zu Kraftwerken umbauen. Seite 32

EUROPA WIRTSCHAFT UND POLITIK Was bringt das Swiss Economic Forum 2012? Seite 22

Interview mit Eric Scheidegger, stv. Direktor des Seco, zur aktuellen Wirtschaftslage. Seite 26

NEUE MĂ„RKTE Rund 600 Schweizer Firmen sind bereits in der TĂźrkei engagiert, die Chancen fĂźr unsere Export-Industrie sind intakt. Seite 28 10 FRAGEN AN

Die Schweizer Digitalbranche hat in den vergangenen Jahren einen grossen Sprung gemacht – leider aber nicht bis ins Ausland. Foto: zVg

Digital introvertiert Patrick Matzinger, CEO der Littlebit Technology AG Seite 75

ZĂœRCHER UNTERNEHMER 100 Jahre Pro Juventute Seite 72

Die Schweizer sind Pioniere in der Digitalbranche, sie erfanden das Internet und erhielten fĂźr bahnbrechende Forschungen Nobelpreise. Doch der Fokus bleibt auf dem

Binnenmarkt, Software wird kaum exportiert. Experten meinen, dass dies am Fachkräftemangel und an der geringen GrÜsse der Unternehmen liege. Seite 10 L

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EDITORIAL l UZ

Wo bleibt der Unternehmergeist? Bei Serono gehen die Lichter aus. Eine einstige Perle der Schweizer Biotechnologie geht verloren. 2006 verkaufte Ernesto Bertarelli das Werk seines Vaters an den deutschen Wettbewerber. Er kassierte dafür 10 Milliarden Franken – umgerechnet 80 Millionen für jeden jetzt entlassenen Mitarbeiter. Nach nur einem Jahrzehnt an der Spitze entschied er sich für den Wettbewerb auf den Weltmeeren und gegen das Unternehmertum. Mitte April meldete die Sonntagspresse, Bundesrätin Doris Leuthard wolle die auslaufenden Kernkraftwerke durch grosse Gaskraftwerke ersetzen. So schlimm kam es dann doch nicht. Die Idee war gestreut worden, um die Reaktionen zu testen. Mal abgesehen von den klimapolitischen Folgen: Warum fällt es Politikern so schwer, sich von der liebgewordenen energiepolitischen Abhängigkeit vom Ausland zu lösen? Die Schweiz hat sich so sehr daran gewöhnt, alles von aussen einzukaufen – in diesem Fall Gas -, dass sie kaum noch auf die Idee kommt, selber zu produzieren. Dabei wäre es im Fall der Energie einfach. Solardächer, Solarfassaden, Windräder, Erdwärme, Biogas, kleine Wasserkraft – das geht auch in der Schweiz. Aber dazu braucht es Leute, die vor Ort Initiative übernehmen. Die Schweiz ist bei den erneuerbaren Energien heute netto ein Importeur, obwohl sie einst bei den Innovationen einen Vorsprung hatte. Das gleiche Phänomen wiederholt sich in der Digitalen Branche, das Thema unserer Titelgeschichte: Hier wurde das Internet erfunden, hier forschten – für IBM – Physiker, die für ihre bahnbrechenden Leistungen den Nobelpreis erhielten. Doch die digitale Branche ist binnenmarktorientiert. Wenn sie exportiert, stecken ihre Lösungen in Industrieprodukten oder in Finanzdienstleistungen. Eigentliche Software wird im Ausland kaum verkauft – obwohl Kalifornien vormacht, dass dies auch Hochlohnländer können. Die Schweiz hat gute Voraussetzungen, um auch in Zukunft in Wohlstand zu leben. Aber hat sie genug Unternehmer, die aus diesen guten Voraussetzungen Geschäftsmodelle machen?

5 NEWS 6 Impressum

WIRTSCHAFT UND POLITIK 9 10 21 22 26

Persönlich TITELGESCHICHTE Schweizer Digitalbranche Rudolf Strahm über EU-Strategien Vorschau Swiss Economic Forum 2012 Interview mit Eric Scheidegger, stv. Direktor des Seco 28 Exportserie Teil IV: Türkei

E U R O PA 30 Interview mit Prof. Dr. Christa Tobler, Europarechtlerin

31 Richard Jones – Der Neue in Bern

32 Die Stadt als Kraftwerk: Steffen Lehmann, Architekt und Planer, im Gespräch 34 Hightechfasern für den Fussballplatz 35 Cleantech News

ENERGIE 36 Vorschau Jahrestagung energie-cluster.ch

GELD 38 Genossenschaften stärken die Wirtschaft 41 Experten-Tipp

K O M M U N I K AT I O N 43 Prozessmanagementstrategien für KMU 46 Erschreckende Werte bei der Industriespionage

MOBIL 50 Antriebslösungen für Dienstfahrzeuge

MANAGEMENT 52 Das IGE als Innovationsbegleiter 54 Wieviel Nutzen bringen Social Media? 57 Marke des Monats: künzli

UNTERNEHMEN 60 Streck Transport AG 64 Serie Schweizer Pioniere: Helvetia

RECHT 66 Was ist ein guter Vertrag?

ZÜRCHER UNTERNEHMER 69 100 Jahre Pro Juventute

10 FRAGEN AN 75 Patrick Matzinger, CEO der Littlebit Technology AG

DAS LETZTE

Remo Kuhn, Herausgeber

l Nr. 5 l 2012 l 3

78 Von Ruedi Stricker


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NEWS l UZ IN KÜRZE «Familie UND Beruf» Die AXA Winterthur wurde am Freitag, den13. April, als familienfreundliches Unternehmen ausgezeichnet. Die AXA Winterthur erhielt letztes Jahr von der Fachstelle UND das Prädikat «Beruf UND Familie» zugesprochen. Diese Auszeichnung ist eine Anerkennung dafür, dass die AXA Winterthur kontinuierlich Möglichkeiten schafft, damit ihre Mitarbeitenden Beruf und Familie/Privatleben besser vereinbaren können. Wettbewerbsfähigkeit In einer erstmals unter Führungskräften durchgeführten Studie zum Image des Wirtschaftsstandortes Europa erreicht die Schweiz nach Deutschland und Schweden den dritten Platz. Die grosse Mehrheit der Befragten glaubt an die dauerhafte Wettbewerbsfähigkeit Europas. Den höchsten Konkurrenzdruck erwarten die Teilnehmer der Befragung aus Asien, insbesondere aus China. Als schwach beurteilen sie dagegen das Potenzial der nordamerikanischen Regionen. Nationalrat nominiert Die Schweizerische Gewerbekammer hat an der Sitzung vom 18. April beantragt, Nationalrat Jean-François Rime zum neuen Präsidenten zu wählen. Nach Ansicht der Gewerbekammer ist Nationalrat Jean-François Rime als Persönlichkeit ein weit über die Parteigrenzen hinaus angesehener Bundespolitiker, der sich durch gradlinige und profunde Dossierkenntnisse auszeichnet. Durch sein politisches Engagement und seine Tätigkeiten im gewerblichen Verbandswesen und in der Öffentlichkeit ist er bestens vernetzt. Darüber hinaus bietet sich für den grössten Dachverband der Schweizer Wirtschaft die Chance, das Präsidium erstmals einem Vertreter der Romandie zu übertragen. Die Wahl des neuen Präsidenten erfolgt anlässlich des Schweizerischen Gewerbekongresses vom 23. Mai 2012 in Bern.

NEUES STELLENPORTAL

Chancengleichheit Zentrales Thema für Arbeitgeber ist der zunehmende Wettbewerb um Talente. Ein grosses Reservoir an Fachwissen findet man bei Arbeitnehmer/innen ab 45, trotzdem zögern noch viele Arbeitgeber. Zahlreiche Studien belegen, dass die Leistungsfähigkeit aller Altersgruppen vergleichbar ist. Ältere Arbeitnehmer sind bezüglich Arbeitsbedingungen und Arbeitszeiten sogar flexibler und dank ihrer Lebenserfahrung in der Lage, neue Kenntnisse besonders gut umzusetzen. Trotzdem gibt es auf

Arbeitgeberseite noch viele Vorbehalte. Noch rekrutieren Arbeitgeber mit Vorliebe jüngere Arbeitnehmende. Seit der Jahrtausendwende öffnet sich aber die Generationenschere zunehmend: Die Zahl der Jungen auf dem Arbeitsmarkt schrumpft. Auch verkennen Arbeitgeber, dass Fähigkeiten nicht einer bestimmten Altersgruppe zugeordnet werden können. Weitere Vorteile der 50+ Mitarbeiter: Loyal und engagiert, leisten sie gute Arbeit auch in Krisensituationen, besitzen Berufser-

Im besten Alter findet man kaum mehr eine Arbeitsstelle, das soll sich mit www.jobs50plus.ch ändern. Foto: Bilderbox.de

fahrung, sind teamfähig und als Mentor/in einsetzbar. Personen mit langjähriger Berufserfahrung sind für die Organisation, die Kundschaft und die Beleg-

KMU-EXPORTINDIKATOR

Der Optimismus ist zurück

KMU erwarten für das dritte Quartal 2012 einen Exportzuwachs. Foto: Bilderbox.de

Die Exportstimmung unter den Schweizer KMU hat sich im Quartalsverlauf deutlich aufgehellt. Zwar bleibt die künftige Entwicklung der Weltwirtschaft mit Unsicherheiten behaftet, die meisten Schweizer Exportbranchen sind aber gut positioniert, um von einer anziehenden Nachfrage aus dem Ausland zu profitieren. Die Sorgen über die Frankenstärke haben gegenüber den Vorquartalen etwas abgenommen. Das ist der Befund des

KMU-Exportindikators der Credit Suisse und der Osec. Das Exportbarometer der Credit Suisse, das die ausländische Nachfrage nach Schweizer Produkten abbildet, notiert per zweites Quartal 2012 auf einem Stand von -0,33. Es liegt damit wieder höher als im ersten Quartal und auch deutlich über der Wachstumsschwelle von -1. In den letzten Wochen ist allerdings ein leichter Rückgang zu verzeichnen. Ob dieser Rückgang bereits das Ende der jüngsten Beschleunigungsphase darstellt oder nicht, wird die Entwicklung in den nächsten Monaten zeigen. Insgesamt präsentieren sich die Wachstumsaussichten nach wie vor verhalten positiv. Auch die KMU-Exportperspektiven der Osec zeigen eine Aufhellung der Exportstimmung: Aktuell wird ein Wert von 60,2 Punkten erreicht, gegenüber 49,5 Punkten im Vorquartal. Dieser Wert errechnet sich aus der Exportstimmung der KMU für das zweite Quartal 2012 sowie den effektiven Exporten im Vorquartal. Auf der von 0 bis 100 rei-

chenden Skala signalisieren Werte über 50 steigende Exporte. Nachdem der Wert die letzten beiden Quartale unter der Wachstumsschwelle lag, ist nun ein deutlicher Sprung in die Wachstumszone gelungen. 38,0 Prozent der im

l Nr. 5 l 2012 l 5 schaft ein echter Gewinn, der sich auch finanziell auszahlt. Auf dem dreisprachigen (D/F/E) Stellenportal jobs-50plus.ch finden sich Unternehmen, die Arbeitnehmer mit langjähriger Berufserfahrung schätzen, beispielsweise: GE Money Bank, Holcim, Infonic, Prionics, Arbeitgeberverband, 3-Plan Haustechnik sowie eine Anzahl Kantone und RAVs. Auf jobs-50plus.ch können interessierte Unternehmen Stellenanzeigen (gratis während der Betaphase) und Werbebanner publizieren sowie kostenlos in der CVprofile-Datenbank suchen. Das Stellenportal ist die Chance, erfahrene Mitarbeiter zu gewinnen. www.jobs-50plus.ch

Rahmen der KMU-Exportperspektiven der Osec antwortenden Schweizer KMU erwarten für das kommende Quartal einen Exportzuwachs, gegenüber 30,3 Prozent im Vorquartal. Nur mehr 11,5 Prozent der KMU befürchten rückläufige Exporte, gegenüber 26,5 Prozent per Anfang des 1. Quartals 2012.

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l Nr. 5 l 2012

UZ l NEWS

ECONOMIESUISSE

Rechtssicherheit Die Unternehmen, Gemeinden und Einwohnerinnen und Einwohner der Schweiz sind dringend auf Klarheit im Umgang mit Baugesuchen für Zweitwohnungen angewiesen. Es steht viel auf dem Spiel: Investitionen, Arbeitsplätze, Steuereinnahmen und die Eigentumsfreiheit sind unmittelbar gefährdet. Zahlreiche Projekte sind blockiert. Die

Leitlinien des Bundes zur Umsetzung der Zweitwohnungsinitiative stiften mehr Verwirrung als Klarheit. Zudem lässt die vom Bund in Aussicht gestellte Verordnung auf sich warten. Dieser Zustand ist unhaltbar. economiesuisse fordert umgehend Rechtssicherheit. Der Bundesrat muss in einem ersten Schritt sofort verbindlich festhalten, dass Baubewil-

ligungen bis Ende 2012 nach bisherigem Recht erteilt werden dürfen. Strittigen Bewilligungsverfahren, die bis dann nicht entschieden sind, ist «Rechtsstillstand» zu gewähren. Sie müssen im neuen Jahr noch nach altem Recht behandelt werden. Diese Forderungen werden von einer Arbeitsgruppe getragen, die von economiesuisse einberufen wurde, weil die Wirtschaft in der Arbeitsgruppe des Bundes nicht reprä-

Die Zweitwohnungsinitiative ist besonders für Tourismusregionen, wie zum Beispiel Quinten/Heidiland problematisch. Foto: swiss-image.ch

sentativ vertreten ist. Die Annahme der Zweitwohnungsinitiative stellt die Wirtschaft insbesondere in den Tourismusregionen auf eine harte Belastungsprobe. Sie behindert die

betroffenen Gemeinden in ihrer Entwicklung. Oberstes Ziel bei der Umsetzung der Initiative muss deshalb die Begrenzung des volkswirtschaftlichen Schadens sein.

FFHS

D&B

Frauenklasse in der Informatik

Insolvenzen halten an

In der Schweiz ist der Frauenanteil in Informatikberufen nach wie vor sehr tief. Um dies zu ändern bietet die Fernfachhochschule Schweiz (FFHS) in den BachelorStudiengängen Informatik und Wirtschaftinformatik neu eine reine Frauenklasse an. Das soll die Eintrittsschwelle weiter senken. Die FFHS verzeichnet in den technischen Studiengängen wie alle übrigen Hochschulen einen tiefen Frauenanteil. Während im Bachelor-Studiengang Betriebsökonomie 43 Prozent Frauen sind, liegt dieser Anteil in der Informatik und Wirtschaftsinformatik deutlich tiefer, nämlich bei

Mit der neuen, reinen Frauenklasse will die FFHS mehr angehende Informatikerinnen gewinnen. Foto: Bilderbox.de

fünf bzw. 15 Prozent. Dies ist angesichts des Fachkräftemangels in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik eine unbefriedigende Situation. Im Rahmen eines vom Bund unterstütz-

ten Gender-Projekts hat die FFHS bereits diverse Massnahmen getroffen, um den Frauenanteil zu erhöhen. So wurden die Module auf Genderkonformität hin überprüft, frauenspezifische Seminare durchgeführt, und die FFHS hat versucht, vermehrt Frauen als Dozierende zu gewinnen. Die Einführung einer reinen Frauenklasse ist ein weiterer Schritt der FFHS, um mehr Frauen zu einem Studium im InformatikBereich zu bewegen. Die Klasse wird voraussichtlich im August 2012 starten. www.ffhs.ch

Im ersten Quartal 2012 gab es in der Schweiz insgesamt 1501 Firmenkonkurse. Die Insolvenzen, bei denen Firmen wegen Zahlungsunfähigkeit ihre Tätigkeit aufgeben mussten, stiegen gemäss der Analyse von D&B um sechs Prozent auf 1098 Fälle. Dies entspricht dem Trend des Vorjahres. Das grösste Insolvenzrisiko hatten Firmen aus dem Gastgewerbe, aus dem Baugewerbe sowie Handwerksbetriebe. Auch junge Firmen in der Alterskategorie bis fünf Jahre sind besonders gefährdet, verursachten diese doch mehr als die Hälfte aller Insolvenzen. Potenzielle Firmengründer scheinen die Zukunftsaus-

Das Gastgewerbe ist eine der von Insolvenzen betroffenen Branchen. Foto: Bilderbox.de

sichten zur Zeit eher kritisch als noch im Vorjahr einzuschätzen. So gingen die Neugründungen gegenüber der Vorjahresperiode um ein Prozent auf 10065 Fälle zurück. Der deutliche Wachstumstrend der vergangenen Jahre bei den Neugründungen scheint also gebrochen zu sein.

IMPRESSUM UnternehmerZeitung: 6. Jahrgang (18. Jahrgang KMU-Manager), Die UnternehmerZeitung erscheint im Verlag SWISS BUSINESSPRESS SA, Köschenrütistrasse 109, CH-8052 Zürich; Telefon 044 306 47 00, Fax 044 306 47 11, www.unternehmerzeitung.ch, info@unternehmerzeitung.ch Herausgeber: Remo Kuhn, kuhn@swissnews.ch Verlagsleitung: Urs Huebscher, huebscher@unternehmerzeitung.ch Redaktion: Peter Blattner, blattner@unternehmerzeitung.ch; Birthe Grautmann, grautmann@unternehmerzeitung.ch; Willy-Andreas Heckmann, heckmann@unternehmerzeitung.ch Layout und Produktion: Manuel Jorquera und Bruno Strupler, print@unternehmerzeitung.ch Mitarbeit an dieser Ausgabe: Franziska Buob, André Caradonna, Raphael Corneo, Martina Dalla Vecchia, Urs Gassmann, Thomas L. Gerber, Manfred Haas, Andrea Herrmann, Urs Oskar Keller, Steffen Klatt, Georg Kreis, Clemente Minonne, Claus Niedermann, Corinne Päper, Timothy Pfannkuchen, Christian Soltmann, Klaus Stapel, Raoul Stöhlker, Rudolf Strahm, Ruedi Stricker, Markus Tschanz, Stefan Vogler. Anzeigen: Maureen Malhis, malhis@unternehmerzeitung.ch, Telefon 044 306 47 00 Druckunterlagen: www.swissbusinesspress.ch/kundendaten Abonnements: UnternehmerZeitung, Postfach, 8052 Zürich, abo@unternehmerzeitung.ch, Einzelverkaufspreis: Fr. 6.–, Jahres-Abonnement Fr. 54.– Inland. WEMF-beglaubigte Auflage 2011: 52 514 Exemplare, Druck: AZ-Print AG, Aarau Nachdruck: Nur mit schriftlicher Genehmigung der Redaktion und genauer Quellenangabe © UnternehmerZeitung gestattet. Für unverlangt eingesandtes Text- und Bildmaterial wird keine Haftung übernommen Die UZ ist Medienpartner von: SVC SwissVentureClub/SVC Unternehmerpreis, sivg Schweiz - Institut für Verwaltungsräte, SVSM Schweiz - Vereinigung für Standort-Management, SwissCleantech.ch, UnternehmerForum Schweiz, Schweizer KMU-Tag, KMUSwissEvent, OSEC BusinessNetwork, Suisse Emex, CC Award, Award Corp. Communications, Fachhochschulen Nordwestschweiz FHNW Im Verlag SWISS BUSINESSPRESS SA erscheinen ausserdem: SWISS NEWS, The international Magazine of Switzerland, ATTIKA, das Zürcher Magazin, PAULI-CUISINE, das Gastronomie-Fachmagazin, sowie als Supplement zur UnternehmerZeitung: VR-Praxis und BUSINESSCLASS


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l Nr. 5 l 2012

UZ l WIRTSCHAFT UND POLITIK

Köpfe und Karrieren Country Manager Brocade hat einen neuen Country Manager für die Schweiz: Jean Marc Pfammater. Er zeichnet verantwortlich für das Schweiz-Geschäft des Netzwerkspezialisten und ist zuständig für das Sales- und VertriebsTeam, die Technologieund Channelpartner sowie die Kunden in der Schweiz. Zuvor war er Sales und Marketing Manager bei der AtrilA GmbH, einer mittelständigen IT-Networking Firma aus Zürich. Bis 2009 war er als Regional Director Central Europe bei CheckPoint Software Technologies Ltd. tätig.

Mitteilungen für diese Rubrik: Text und Foto (300 dpi; > 1MB): blattner@unternehmerzeitung.ch

Neuer CEO Roger Neininger wird CEO von KPMG Schweiz. Er übernimmt diese Position per 1. Oktober 2012 und war bisher stellvertretender CEO und Mitglied der Geschäftsleitung. Er ist Partner und Wirtschaftsprüfer und seit 1984 mit dem Unternehmen verbunden. Als weltweiter Leadpartner war er verantwortlich für zahlreiche Mandate in den Bereichen Logistik, Konsumgüter und Industrie. Neininger arbeitete mehrere Jahre bei KPMG in Australien und ist fünfsprachig. Seit 2011 ist er auch Vorstandsmitglied von economiesuisse, dem Dachverband der Schweizer Industrie.

Leiter Arbeitssicherheit Der Verwaltungsratsausschuss der Suva hat André Meier zum Leiter der Abteilung Arbeitssicherheit für die Deutschschweiz gewählt. Er tritt im August die Nachfolge von Robert Odermatt an, der nach 25jähriger Tätigkeit in den Ruhestand tritt. André Meier studierte an der Universität Fribourg Mathematik und Physik und erwarb das Gymnasiallehrerdiplom. Neben einem Nachdiplomstudium als Wirtschaftsingenieur und EKA-Lehrgängen schloss er 2008 als Master of Advanced Studies an der Universität Lausanne ab.

Head of Tax Neuer Head of Tax bei KPMG wird Peter Uebelhart, lic. oec. HSG und eidg. dipl. Steuerexperte. Er hat bis anhin nationale und internationale Unternehmen in komplexen steuerlichen Fragen beraten und war bisher Leiter des Bereichs Corporate Tax. Die Marktbearbeitung erfolgt künftig über zwei zentrale «Lines of Business». «Financial Services» fokussiert wie bisher auf Banken, Versicherungen und Assetmanagement-Gesellschaften. Die LoB «Corporates» umfasst alle übrigen Branchen, insbesondere Schlüsselsektoren wie die chemische und pharmazeutische Industrie.

Neue Verwaltungsrätin Die Modegruppe SCHILD hat an ihrer Generalversammlung Beatrix Morath, Managing Partner der Schweizer Niederlassung von Roland Berger Strategy Consultants, in den VR gewählt. Sie war seit der Gründung 1997 wesentlich am Aufbau dieser Niederlassung beteiligt. Zudem zeichnet sie verantwortlich für Roland Berger’s Partnerschaft mit den Young Global Leaders des World Economic Forums verantwortlich. In dieser Rolle unterstützt sie diverse internationale gesellschaftliche Initiativen.

Senior Client Partner Das weltweit führende Personalberatungs-Unternehmen Korn/Ferry Schweiz holt Jacques Amey als Senior Client Partner an Bord. Der international erfahrene Romand ist verantwortlich für den Bereich Global Consumer Market Practice und wird sich vor allem um Mandate im Bereich Konsumgüter und Luxusindustrie kümmern. Amey ist Experte für die Konsumgüterindustrie und kombiniert im Marketingund Sales-Bereich über fundiertes Führungswissen mit jahrelanger Erfahrung in der Personalberatung sowie im Executive Search.

Head of Innovation Development Die Avaloq Gruppe, Referenz für integrierte und umfassende Bankensoftwarelösungen, hat Thomas Beck zum Head of Innovation Development ernannt. Er war bislang bei der UniCredit Global Information Services tätig, wo er ein globales Risikomanagement- und Controllingsystem implementierte und an der Planung und Umsetzung einer globalen IT-Plattform für das Investment-Banking beteiligt war. Er erwarb 1992 an der Technischen Universität München den Doktortitel in Mathematik und Computerwissenschaften.

Neuer VR-Präsident Der vormalige Bundesrat Joseph Deiss stösst als Verwaltungsratspräsident zu Alstom Schweiz, dem weltweit führenden Unternehmen im Kraftwerksbau, der Energieübertragung und –verteilung sowie der Herstellung von Schienenfahrzeugen. Deiss wurde 1999 in den Bundesrat gewählt wo er bis 2002 dem Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten vorstand. Von 2003 bis 2006 war er Chef im Eidg. Volkswirtschaftsdepartement. Im Juni 2010 wählte ihn die 65. Vollversammlung der Vereinten Nationen zu ihrem Vorsitzenden.


WIRTSCHAFT UND POLITIK l UZ PERSÖNLICH

Zweischneidige Signalpolitik VON GEORG KREIS

GEORG KREIS

Der Autor ist Historiker an der Universität Basel und Leiter des Europainstituts. georg.kreis@unibas.ch

Der Bundesrat hat in der Personenfreizügigkeit die Ventilklausel angerufen. Das war grundsätzlich sein Recht, aber es war falsch. Es war eine einseitige Signalpolitik, die real die Zahl der Zuwanderung kaum reduzieren wird. Der offensichtliche Zweck dieser Signalpolitik besteht darin, dem «eigenen Volk» zu demonstrieren, dass man seinen Unwillen ernst nehme, dass man die rechtlich zur Verfügung stehenden Mittel nutze und gegenüber der EU eine starke Haltung einzunehmen in der Lage sei. In der internationalen Welt sind Signale in der einen zwangsläufig auch Signale in der anderen Richtung. Das genannte

Signal gegen innen heisst gegen aussen: Eure Bürgerinnen und Bürger schätzen wir als Bedrohung ein. Wie das angekommen ist, hat man zum Beispiel in den polnischen und slowakischen Stellungnahmen sehen und hören können. Zum Preis gehört eine unnötige Verärgerung von acht EU-Ländern, deren Parlamente zu späterem Zeitpunkt mit grosser Wahrscheinlichkeit über bilaterale- und zugleich auch multilaterale Abkommen mit der Schweiz abstimmen müssen. Man wird sich mit Groll und Grimm an die Haltung erinnern, welche die Schweiz im April 2012 ihnen gegenüber eingenommen hat. Vielleicht muss man

Verständnis für den armen Bundesrat haben, dem die Angst vor dem Unwillen des Volkes derart im Nacken sitzt. Mit seinem Signal trägt er aber überhaupt nichts zum Abbau von Volksängsten bei, sondern bestätigt nur deren Berechtigung und bekräftigt sie auf seine Weise. Zudem reduziert er, wie gesagt, die Zahl der Einwanderer nicht, sondern sorgt einzig für eine Umwandlung von nun beschränkter Langzeitbeschäftigung in unbeschränkte Kurzarbeit, was auch nicht im Interesse der Arbeitgeber ist. In der Schweiz ist man aber vor allem aufgefordert, Verständnis für die EU zu haben. Verständnis,

l Nr. 5 l 2012 l 9 nicht um der EU zu gefallen. Nein, Verständnis, um sich selbst etwas Gutes anzutun. Dabei geht es nicht nur um Verständnis für die frustrierten, weil direkt betroffenen EU-8. Gut wäre, man verstünde, was die EU-27 ist. Nämlich eine Union, die das Prinzip der Nichtdiskriminierung zur Basis hat und darum nicht akzeptieren kann, dass ein Teil ihrer Mitglieder (jenseits von Übergangsregelungen bei Neuestmitgliedern wie Bulgarien und Rumänien) eine Sonderbehandlung erfährt. Das käme einer Haltung gleich, die darin bestünde, dass der schweizerische Bundesrat eine Regelung guthiesse, die dem Ausland gestattete, die ganze Ostschweiz oder die zuletzt beigetretenen Kantone VS, NE und Genf zu diskriminieren.

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l Nr. 5 l 2012

UZ l TITELGESCHICHTE

A B S AT Z M A R K T D I G I TA L

Die Zukunft ist anderswo Die Schweizer Digitalbranche ist ein unbekannter Riese mit einem Milliardenumsatz. Doch sie ist vor allem auf den Binnenmarkt orientiert. Ausgerechnet eine der am stärksten globalisierten Branchen hat mit der Globalisierung Mühe. Der Mangel an Fachkräften und die geringe Grösse vieler Unternehmen hindern am Schritt ins Ausland.

TEXT STEFFEN KLATT

Hermann Arnold ist eine mehrfache Ausnahme. Der Innsbrucker ist nach dem Studium an der Universität St. Gallen (HSG) geblieben, hat ein Unternehmen gegründet und nach nur einem Jahrzehnt verkauft. Er bleibt aber Chef. Obendrein ist seine Firma umantis global tätig. «Unsere Kunden nutzen unsere Software in über 120 Ländern und über 60 Sprachen», sagt Arnold. Das ist ungewöhnlich. Viele Schweizer Software-Unternehmen konzentrieren sich auf den Heimmarkt. Soziale Netzwerke im Unternehmen Umantis setzt auf die betriebliche Nutzung sozialer Netzwerke und des Potentials aller Mitarbeiter. Das Unternehmen in St. Gallen, das heute gut 50 Mitarbeiter hat, ist aus einer Studenteninitiative hervorgegangen, die unternehmerisch denkende Studenten und Investoren vernetzen wollte. «Unsere Software will Menschen zusammenbringen», sagt Arnold. Genutzt wird sie von Personalabteilungen ebenso wie von Vorgesetzten und den Beschäftigten selbst, für das Management der im Unternehmen vorhandenen Talente wie für die Steuerung der Aus- und Weiterbildung. Auch dank des Aufstiegs von Facebook sei das Thema nun in den Unternehmen angekommen. Umantis muss nun stark investieren, um nicht von anderen überholt

zu werden. Verschiedene Varianten der Finanzierung wurden geprüft. Die Wahl fiel auf den Verkauf an die deutsche Haufe Gruppe, ein Medien- und Softwareunternehmen mit dem Schwerpunkt Personalverwaltung. Mit der Übernahme kann das Unternehmen weiter wachsen. «Ich freue mich auf die kommenden Jahre», sagt Arnold. Marktführer wächst im Heimmarkt Auch Abacus in Wittenbach SG ist eine Gründung von HSGStudenten – wenn auch schon anderthalb Jahrzehnte zuvor. Heute, im 27. Jahr seines Bestehens, ist es Schweizer Marktführer bei Standardprogrammen für die Ressourcenplanung von Unternehmen. Absolute Zahlen gebe Abacus nicht bekannt, sagt Thomas Köberl, Mitgründer und Mitglied der Geschäftsleitung. Aber das Unternehmen wachse stetig. So sei der Umsatz im vergangenen Jahr um 10 Prozent gewachsen. Im Kerngeschäft, dem Verkauf von Lizenzen für Geschäftsprogramme, habe der Zuwachs sogar 14 Prozent betragen. Auch die Zahl der Kunden habe sich erhöht, 2181 kamen im vergangenen Jahr hinzu. Dazu trägt vor allem die netzbasierte Lösung bei: Deren Nutzerzahl hat sich fast verdoppelt, um 1341 auf 2777. Zu den neuen Kunden gehören etwa Immobilienverwaltungen. «Die Software wird uns förmlich aus den Händen gerissen.» Auch in Zukunft sieht Köberl Raum zu Wachstum. Viele veraltete oder individuelle Lösungen würden derzeit durch


TITELGESCHICHTE l UZ

Standardlösungen abgelöst. Abacus habe gegenüber Wettbewerbern wie SAP, Microsoft und Sage bei der Software noch einen Vorsprung. Auch der Verzicht auf eigene Vertriebsstrukturen zahle sich aus. Der Schritt ins Ausland dagegen dauert länger als erwartet. Vor drei Jahren ist Abacus auf den deutschen Markt gegangen. Köberl spricht immer noch von einer Aufbauphase. Es seien schöne Projekte verwirklicht worden, etwa mit einer Tochterfirma des Autobauers Audi. Doch gerade die unterschiedlichen Rechtssysteme hätten den Ausbau gebremst, etwa bei der Lohnsoftware. Auch der Vertriebskanal fehle. Deutschland wird zunächst der einzige Auslandmarkt sein. «An andere Länder denken wir nicht.» Engpass Mitarbeiter Auch der Konkurrent Opacc in Kriens konzentriert sich mit seiner Geschäftssoftware auf den Heimmarkt Schweiz. «Immer mehr Kunden setzen unsere Lösungen auch an ihren Standorten ausserhalb der Schweiz ein – inzwischen auf allen Kontinenten», sagt Gründer und Chef Beat Bussmann. «Dies unterstützten und forcieren wir. Weitergehende Absichten im Ausland haben wir aber nicht. Wir sehen in unserem aktuellen Markt noch mehr als genug Wachstumschancen.» Das habe auch damit zu tun, dass Schweizer Unternehmen es schätzten, wenn der Lieferant ihrer Geschäftssoftware mit den hiesigen Eigenheiten vertraut ist. «Wir können unsere Lösungen stark an die Prozesse unserer Kunden anpassen», sagt Bussmann. «Unsere Kunden sind bereit, dafür auch einen guten Preis zu zahlen.» Doch das Wachstum hat einen Engpass: die Mitarbeiter. «Heute werden generell qualifizierte Mitarbeiter gesucht», sagt Bussmann. Opacc baut deshalb gezielt eigene Mitarbeiter auf. Zweimal im Jahr werden während fünf bis zehn Tagen künftige Mitarbeiter auf die Arbeit im Unternehmen vorbereitet. «Sie bleiben dann im Schnitt zehn Jahre.» Entwicklung teilweise ausgelagert Andrej Vckovski ist einen anderen Weg gegangen, um den Engpass zu bewältigen. Der Mitgründer und Chef von Netcetera hat vor einem Jahrzehnt eine Tochterfirma in Mazedonien eröffnet. Von den 300 Netcetera-Mitarbeitern arbeitet ein Drittel dort. Damit fängt Vckovski primär den

Fachkräftemangel, sicher aber auch die hohen Lohnkosten in der Schweiz auf. Der eigentliche Export freilich stockt auch beim Anbieter von massgeschneiderter Software. Vor fünf Jahren startete das Unternehmen mit einem Büro in Dubai. Es sollte ein erster Schritt zur Internationalisierung werden. Netcetera wollte vor allem in aufstrebende Märkte gehen. Dubai schien mit seiner starken Dienstleistungswirtschaft ein idealer Ausgangspunkt. Doch dann erreichte die Finanzkrise das Emirat am Golf. «Es wurde nicht so einfach wie gedacht», sagt Vckovski. «Wir sind aber weiterhin überzeugt, dass dies ein guter Schritt war.» Zuhause läuft das Geschäft derzeit weiter rund: Die Wachstumsraten lägen jährlich zwischen 10 und 14 Prozent, sagt Vckovski. Der Umsatz betrage knapp 40 Millionen Franken. Bis zu einem Fünftel wird exportiert Abacus, Opacc und Netcetera sind typisch für die Branche: «Für die meisten Unternehmen ist die Schweiz der wichtigste Markt», sagt Vckovski, zugleich Präsident des Branchenverbandes der Schweizer Internetwirtschaft (Simsa). Der Nachteil dieses Markts: Wegen seiner Kleinheit eigne er sich kaum als Erstmarkt etwa für Konsumprodukte. Internetunternehmen könnten nicht Produkte entwickeln, um sie wie ihre US-Konkurrenten gleich an 300 Millionen Konsumenten auszuprobieren. Vckovski schätzt dennoch, dass die Branche zwischen 10 und 20 Prozent ihres Umsatzes im Ausland erzielt, bei einem geschätzten Gesamtumsatz der Internetbranche von bis zu einer Milliarde Franken. «Die Branche exportiert mehr, als man denkt.» Exakte Zahlen gebe es allerdings nicht. Simsa sei nun daran, die Daten zu erfassen. Allerdings sei bereits die Abgrenzung der Branche schwierig. «Ist Swisscom ein Internetunternehmen oder nicht?», fragt Vckovski rhetorisch. Gerade die grossen Finanzdienstleister entwickelten hier auch Lösungen, die weltweit angewandt würden – und würden mit ihrer grossen Nachfrage und attraktiven hohen Löhnen den Arbeitskräftemangel der Branche noch akzentuieren. Auch klassische Industrieunternehmen wie der Hörgerätehersteller Sonova seien heute vor allem Softwarehersteller. Umgekehrt drängten zunehmend ausländische Softwareanbieter auf den Schweizer Markt. «Immer mehr von ihnen nehmen an Ausschreibungen teil.» Vckovski wünscht sich jedenfalls für seine Branche eine öffentliche Exportförderung, so wie

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Die Schweizer Digitalbranche hat von 32-Bit zu Web 3.0 einen grossen Sprung gemacht – leider aber nicht bis ins Ausland.

Fotos und Illustrationen: zVg


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sie andere Branchen bereits erhalten haben – etwa Medizintechnik, Architektur und Design, Cleantech. Binnennachfrage bremst Exporte Aus der Sicht von Ruedi Noser ist der geringe Exportanteil allerdings letztlich auch eine Folge des Erfolgs der Branche. Die Nachfrage der Industrie, des Finanzplatzes und der Verwaltung nach IT-Lösungen sei so stark, dass die Branche kaum nachkomme, sagt der Chef der Noser Gruppe, Zürcher FDP-Nationalrat und Präsident des Branchendachverbandes ICT Switzerland. «Es ist uns fast nicht gelungen, die in der Schweiz bestehende Nachfrage zu befriedigen, so dass sich keine Exportindustrie entwickeln konnte.» Und was exportiert werde, stecke vor allem in IT-Lösungen in Industrieprodukten. Vielleicht verschenke die Schweiz damit eine Chance. Aber daran werde sich vorderhand nichts ändern. Denn jährlich brauchte es 6000 neue qualifizierte Fachkräfte. Doch nur 3500 würden hier ausgebildet. «Wir können das bis auf 4500 steigern, aber mehr nicht.» Allein bis 2017 dürften mehr als 30.000 qualifizierte Mitarbeiter in Pension gehen - bei nur 170.000 Mitarbeitern in der Branche insgesamt. Viele Verkäufer Wie stark die Orientierung auf den Binnenmarkt ist, wird deutlich, wenn die ganze digitale Branche betrachtet wird. «Unsere Mitglieder sind vor allem Verkaufsorganisationen», sagt Paul Brändli, bis Ende April Geschäftsführer des Wirtschaftsverbandes für die digitale Schweiz (Swico). Die 400 Mitglieder des Verbandes erzielen einen Umsatz von insgesamt rund 20 Milliarden Franken. Zur «digitalen Schweiz» gehören auch Druckunternehmen, Konsumelektronikanbieter, Anbieter von Informatikhardware und aus der Fotoindustrie. Brändli, der ein halbes Jahrhundert in der Branche tätig war, sieht einen starken Trend zur Internationalisierung und Globalisierung. Die lokale Produktion von Geräten, wie sie anfangs üblich war, ist weggefallen. «Die Marge selber wird von Jahr zu Jahr dünner.» Immer mehr Produkte, die früher getrennt gewesen seien, würden zusammengeführt. Was eben noch utopisch gewirkt hat, wird nun Standard. Auch die Trennung von Geschäfts- und privater Welt löse sich in der Informatik- und der Kommunikationsbranche auf.

Die Arbeitswelt wird mobiler Einer, der das bestätigen kann, ist Bernhard Gysi. Der Geschäftsführer des Computerbedarfshändlers ARP Schweiz macht einen starken Trend hin zu einer Benutzung privater Geräte im Unternehmensalltag aus. Noch seien es vor allem internettaugliche Telefone und Tablets. Für die IT-Abteilungen bedeute das auch einen empfindlichen Kontrollverlust. «Insbesondere im Bereich Sicherheit kommen entsprechend neue Herausforderungen auf die Unternehmen zu», sagt Gysi. Der andere starke Trend: die Mobilität. Der feste Arbeitsplatz gehöre für immer mehr Mitarbeiter der Vergangenheit an. Entsprechend brauche es mehr Lösungen, die den mobilen Zugriff auf die Unternehmensdaten ermöglichten. Schwellenländer hängen Europa ab Und dann ist da noch ein anderer Trend: die Marginalisierung. Zukunft ist anderswo. Die Innovation finde immer noch in den alten Zentren statt, sagt Dennis Pamlin, einer der internationalen Vordenker der digitalen Branche. Doch die Geschäftsmodelle würden in Kalifornien und zunehmend in den Schwellenländern entwickelt. Dort sei die Bereitschaft, Neues zu wagen, grösser als im Westen und vor allem als in Europa. Der alte Kontinent habe eine beeindruckende Tradition der Innovation. Doch wenn es an Geschäftsmodelle gehe, werde er abgehängt. Die Schweiz, die so stolz ist auf ihre Innovationskraft, bildet da keine Ausnahme. Hier hat IBM, einer der Pioniere der digitalen Branche, 1956 sein erstes Forschungszentrum ausserhalb der USA eingerichtet. Dessen Mitarbeiter Gerd Binnig und Heinrich Rohrer erhielten 1986 den Nobelpreis für die Erfindung des Rastertunnelmikroskops, nur ein Jahr später Karl Alex Müller und Georg Bednorz den Nobelpreis für ihre Forschung zur Leitfähigkeit von Keramik. Vor einem Jahr doppelte IBM nach und investierte 60 Millionen Franken in ein gemeinsames Nanotechnologiezentrum mit der ETH Zürich. Aber ansonsten ist die Schweiz für den Riesen nur ein Absatzmarkt. Ähnlich bei Google: Der Suchmaschinenriese hat sein grösstes Forschungslabor ausserhalb der Schweiz in der ehemaligen Hürlimann-Brauerei in Zürich eingerichtet. Die Nähe zu den Hochschulen, die leichte Erreichbarkeit innerhalb Europas und die Lebensqualität der Stadt haben eine grosse Rolle gespielt. Aber das Geld wird anderswo verdient.

Die Schweiz läuft in der Forschung immer noch ganz vorne mit, dennoch wird das Geld anderswo gemacht.


TITELGESCHICHTE l UZ

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DENNIS PAMLIN, 21ST CENTURY FRONTIERS

«Leben in einer neuen industriellen Revolution» Europa riskiert, in der Netzgesellschaft von den Schwellenländern überholt zu werden, sagt Dennis Pamlin, einer der wichtigsten Vordenker der Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT). Der Westen sieht eher Probleme als Chancen. Die Schwellenländer dagegen profitieren mit neuen Geschäftsmodellen von der Netzwirtschaft.

INTERVIEW STEFFEN KLATT

Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT) sind heute ein Treiber der Innovation. Wohin führen sie? Dennis Pamlin: Wir leben in einer neuen industriellen Revolution. Die erste industrielle Revolution drehte sich um Stahl und fossile Energieträger. Jetzt leben wir in einer vernetzten Gesellschaft, die auf Wissen basiert ist und darauf, wie wir Dinge interpretieren. Während der vergangenen zwanzig Jahre haben wir die Infrastruktur aufgebaut, die Fähigkeit, die alte Gesellschaft klüger zu machen. Nun schauen wir nach vorn.

«

Europa

steckt in einem der grössten Transformationsprozesse

Wer sind die Treiber des Wandels? Es gibt einen klaren Treiber. Jede neue Wirtschaft dreht sich um Netzwerke. Wer wirklich Neues schaffen will, braucht Wissen aus verschiedenen Branchen. Diejenigen, die den Wandel bringen, gehören neuen Netzwerken an. Aber das alte System hält die Leute in der alten Welt. Wo findet der Wandel heute statt? Auf der technologischen Seite sind die Epizentren noch immer in San Francisco und alten Zentren der Innovation wie Tokio. Aber wenn man sich die tatsächlichen Geschäftsmodelle anschaut, dann finden sie sich zunehmend in den Schwellenländern.

der Geschichte und muss die Möglichkeiten nutzen»

Warum? Sie sind weniger an die alte Wirtschaft gebunden. Damit ist es für sie einfacher, die Dinge auf eine neue Art zu sehen. Sie sind offen für Neues. Zweitens müssen Regierungen in Schwellenländern stärker über Ressourceneffizienz nachdenken, nicht aus Umwelterwägungen heraus, sondern

wegen der nationalen Sicherheit. China ist das einzige Land, das ich kenne, das bei der langfristigen Planung die Kosten der militärischen Sicherung in den Ölpreis einbezieht. Gibt es in einem Land wie China genug Freiheit für echte Innovation? Aus der Sicht der alten Wirtschaft: nein. Aber seit Blogs und das Internet generell eine so zentrale Rolle spielen, ist es für das alte System schwer, den Informationsfluss zu kontrollieren. Hinzu kommt, dass in China der Informationsfluss für Innovationen sogar ermutigt wird. Die Leute sind auf Wandel eingestellt. Hier dagegen im Westen haben viele Menschen Angst vor Veränderung. Das ist das grösste Hindernis für Innovationen, besonders in Europa. Wir klammern uns an das alte. Ist Europa ein verlorener Fall? Überhaupt nicht. Europa hat eine beeindruckende Geschichte der Meinungsfreiheit und der Innovation. Die Menschen in den USA, Indien und China haben zudem Mühe, über ihren nationalen Tellerrand zu schauen. In Europa denken die Menschen dagegen auf unterschiedlichen Ebenen: derjenigen ihrer Stadt, ihrer Region, ihres Landes, Europas und dann der Welt. Wenn Europäer die richtigen Rahmenbedingungen haben, dann steht ihre Chance gut, dass sie eine Rolle im globalen Wandel spielen. Aber Europa hat Mühe, neue Geschäftsmodelle zu akzeptieren. Wie können neue Geschäftsmodelle geschaffen werden? Der grösste Wandel ist derjenige von Produkten zu Dienstleistungen. Unternehmen, die heute etwa Kühlschränke anbieten, sollten künftig frische Lebensmittel bieten. Denn das ist, was die Kunden in der Küche wirklich brauchen. Ein Schritt dahin könnte sein, dass die Hersteller Kühlschränke nicht mehr verkaufen, sondern vermieten. Das würde ihnen auch erlauben festzustellen, wann es Zeit ist, neue Kühlschränke einzusetzen. In einem nächsten Schritt könnten die gleichen Unternehmen lokale Frischprodukte verkaufen. Heute leben wir in einer nicht-optimalen Wirtschaft, weil die Leute Produkte kaufen, aber nicht die Dienstleistungen bekommen, die sie eigentlich brauchen. Sie haben von einer neuen industriellen Revolution gesprochen. Hat sie gerade begonnen? Wir stehen mitten in dieser Revolution, auch wenn viele Menschen in Europa noch so tun, als stände sie uns erst bevor. Wir haben das Glück, in einer der grössten Transformationsprozesse der Geschichte zu leben. Es ist an der Zeit aufzuwachen und die neuen Möglichkeiten zu nutzen.

ZUR PERSON Dennis Pamlin ist Gründer und Chef von 21st Century Frontiers, einem unabhängigen Beratungsunternehmen. Er arbeitet für Unternehmen, Regierungen und nichtstaatliche Organisationen als ein strategischer Berater für Technologie und Innovation. Von 1999 bis 2009 war er Politikberater bei der Umweltschutzorganisation WWF. Pamlin ist Direktor des Low Carbon Leaders Project, einem Projekt im Rahmen des UN Global Compact.


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UZ l TITELGESCHICHTE JAN VOM BROCKE, WIRTSCHAFTSINFORMATIKER

Ohne Informatik keine Innovation Viele Unternehmensprozesse werden heute durch die Informatik gesteuert. Doch bevor ein Unternehmen eine IT-Lösung kauft, sollte es sich klar sein, wie damit mehr Wert geschaffen werden kann, sagt der Wirtschaftsinformatiker Jan vom Brocke. Die Informatik ist ein Werkzeug zur Innovation.

INTERVIEW STEFFEN KLATT

«

Informatik-

lösungen sollten immer zum jeweiligen Geschäftsmodell passen»

Welche Fragen muss sich ein Unternehmen stellen, wenn es eine neue Informatiklösung braucht? Jan vom Brocke: Das Unternehmen sollte berücksichtigen, dass es sich nicht nur um eine Informatiklösung handelt. Es geht dabei um Unternehmensprozesse. Viele Unternehmen machen den Fehler, IT-Lösungen nur unter technischen Gesichtspunkten anzuschauen. Der Nutzen jeder ITLösung entscheidet sich aber erst über deren Wirkung in den Prozessen, wenn diese schneller, besser oder kundenfreundlicher werden. Erst dadurch wird ökonomischer Wert geschaffen. Muss die Informatiklösung nicht einfach die Prozesse im Unternehmen so abbilden, dass das Management diese Prozesse besser im Blick hat? Das kommt darauf an, um welche Prozesse und um welche Lösungen es geht. Bei der Bewirtschaftung der Ressour-

cen eines Unternehmens ist es in etwa so. Das hat IT in den letzten 20 bis 30 Jahren auch gemacht. Heute ermöglicht IT auch ganz neue Prozesse. Welche? Etwa im Umgang mit den Kunden: Wenn mein Kunde anruft, dann können neue IT-Lösungen mir alle Informationen über ihn zur Verfügung stellen. Ich bin damit sofort im Bild und kann den Kunden ganz anders betreuen. Anderes Beispiel: Wenn ich an einem Geschäft vorbeigehe, kann ich eine Textnachricht bekommen, in der mir ein Kaffee offeriert wird. Ein drittes Beispiel sind die sozialen Netzwerke, die das Marketing schon heute dramatisch verändern. Von wem sollten im Unternehmen die Definition der Informatiklösungen ausgehen? Die Informatiklösungen sollten vom jeweiligen Geschäftsmodell ausgehen. Alle erfolgreichen Unternehmen benut-

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WIRTSCHAFT UND POLITIK l UZ

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ZUR PERSON

der, dass sich gerade kleine Unternehmen mit einer ITLösung auch bessere Prozesse einkaufen.

Jan vom Brocke ist Inhaber des Hilti Lehrstuhls für Business Process Management und Direktor des Instituts für Wirtschaftsinformatik an der Universität Liechtenstein. Er verfügt über mehr als zehn Jahre Erfahrungen in praktischen IT Projekten und hat seine Forschung in 16 Büchern und über 170 wissenschaftlichen Aufsätzen publiziert. Jan vom Brocke hat Wirtschaftsinformatik an der Universität Münster studiert und dort auch doktoriert und habilitiert. Er lehrt unter anderem auch an der Universität St. Gallen und ist Berater zahlreicher Institutionen.

Ist ein Unternehmen durch eine Informatiklösung auf Jahre in seinen Prozessen festgelegt? Die Entwicklung geht zunehmend dahin, dass es nicht eine einzige Lösung gibt, die während Jahren benutzt wird. Heute werden Systeme bevorzugt, die Applikationen von ganz verschiedenen Anbietern nach Bedarf integrieren und dynamisch nutzen. Wie können Unternehmen verhindern, dass sie ihre Mitarbeiter mit den ständigen Änderungen verunsichern? Unternehmen müssen beim IT-Management auch das Personal und die Kultur des Unternehmens berücksichtigen. IT ist nur Faktor unter mehreren – ein ganz wichtiger, aber eben auch nur einer. Vorher müssen vor allem die Prozesse bekannt sein. Das Unternehmen muss sicherstellen, dass eine Veränderung der Prozesse mehr Wert bringt. Dazu muss viel zusammenkommen: klare Zuständigkeiten, richtige Kompetenzen und Fähigkeiten, Motivation, Anreize, Vertrauen.

zen Informatiklösungen als Möglichkeit, die Geschäftstätigkeit zu unterstützen und Innovationen einzubringen. Muss ein Unternehmen sich an die Informatiklösungen anpassen oder umgekehrt? Das kommt darauf an, wie sehr ein Unternehmen seine eigenen Abläufe für wichtig hält und beherrscht. Grundsätzlich würde ich davon abraten, eine IT-Lösung zu kaufen, bevor nicht klar ist, welchem Zweck sie konkret im Unternehmen dienen soll und wie sie in die eigenen Abläufe passt. Umgekehrt erlebe ich in unserer Beratungstätigkeit immer wie-

Geht es also bei Informatiklösungen um Unternehmensführung insgesamt? Es geht bei IT um die Organisation. Heute kann man sich kein Unternehmen mehr ohne IT vorstellen, und auch die Innovation ist heute zu über 50 Prozent IT-gestützt. IT ist die zentrale Technologie unserer Zeit. Aber sie muss auch richtig genutzt werden. Es reicht nicht, sie zu kaufen.

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UZ l TITELGESCHICHTE

NICK BRAMBRING, CEO ZATTOO

Das Fernsehen für überall Zattoo ist in den USA geboren, aber in der Schweiz gross geworden. Der Grund: Die Schweiz hat als eines der ersten Länder mit einem liberalen Gesetz Internetfernsehen interessant gemacht. Heute ist es auf allen Geräten präsent. Zattoo-Chef Nick Brambring hat keine Angst vor Google & Co.

INTERVIEW STEFFEN KLATT

Wieviele Nutzer hat Zattoo? Nick Brambring: Wir haben monatlich eine Million Nutzer. Die Zahl der regelmässigen Nutzer liegt bei zwei bis drei Millionen, der grosse Teil in Deutschland und der Schweiz. Sie machen mehr als 90 Prozent der Nutzer aus. Das sind unsere beiden freien Märkte, wo die Nutzer kostenlos Zattoo nutzen können. In Spanien, Dänemark und Frankreich ist Zattoo kostenpflichtig. Die Rechte, die wir pro Nutzer pro Sender zahlen müssen, können wir dort nicht über Werbung finanzieren. Bieten Sie das gleiche Programm in Deutschland und der Schweiz an? Nein, wir haben in jedem Land ein unterschiedliches Angebot, je nachdem, wie wir die Rechte geklärt haben. In der Schweiz sind sämtliche Sender über die Verwertungsgesellschaft Suissimage vertreten. Einzelne Sender können nicht aus der Gruppe raus. Wenn sich ein Sender einmal entscheidet, dass sein Signal kostenfrei zur Verfügung stehen soll, über Satellit oder Terrestrik, dann sieht das Gesetz vor, dass ein Weiterleiter wie wir hingehen und das Signal weiterverbreiten kann. Dafür zahlen wir Geld an die Verwertungsgesellschaften. Dieses Gesetz hat die Innovationen getrieben. Für den Endnutzer ist das phantastisch. In der Schweiz gibt es je nach Zählweise bereits fünf verschiedene Anbieter; wir sind noch die grössten. In Deutschland müssen zumindest im Moment noch die Rechte mit jedem einzelnen Sender geklärt werden.

ZUR PERSON Nick Brambring, Jahrgang 1975, ist seit dem 1. Februar Chef von Zattoo. Seit Ende 2010 war er operativer Chef des Onlinefernsehdienstes. Brambring hat in Köln Volkswirtschaft und Jura studiert und in Jura promoviert. Er hat einen MBA des INSEAD in Paris.

Box auch auf dem grossen Bildschirm. Jetzt arbeiten wir an Lösungen, mit denen wir direkt auf dem smart-TV sind. Wollen Sie auch in andere Länder? Ja. Aber im Augenblick fokussieren wir uns auf Deutschland und die Schweiz. Wir haben jetzt knapp 30 Leute bei uns und bereits ziemlich viel Komplexität. Wir haben einige Länder im Blick, in denen wir sicher sind, dass wir Rechte bekommen und unser Modell starten könnten. Aber das heisst jedes Mal Zeit und Kosten auf unserer Seite.

Wie finanzieren Sie sich? Drei Viertel der Einnahmen kommen über Werbung, ein Viertel über zahlende Nutzer. Die Nutzer zahlen dafür, dass sie keine Werbung sehen, dass sie Zattoo in einer höheren Auflösung empfangen und in der Schweiz auch dafür, dass sie ein umfassendes Recording haben.

Wie wurde der Aufbau von Zattoo finanziert? Zattoo ging Mitte 2006 live. Bis dahin hatte es eine erste Startfinanzierung und bekam dann Geld von privaten Investoren und Private-Equity-Häusern in der Schweiz. Das Geld wurde genutzt, um das Team aufzubauen und Rechte in verschiedenen Ländern Europas zu akquirieren. Mitte 2008, als die Wirtschaftskrise kam, mussten wir sehr schmerzhafte Korrekturen vornehmen, das Team verkleinern, uns aus Norwegen und Belgien zurückziehen.

Wieviel Nutzer abonnieren Ihre Angebote? Ungefähr fünf Prozent.

Sind Sie in den schwarzen Zahlen? Ungefähr bei einer schwarzen Null.

Wachsen Sie? Wir sind 2011 in der Schweiz und Deutschland bei den Nutzerzahlen und damit auch beim Werbeinventar um 30 Prozent gewachsen. In der Schweiz hatten wir nicht damit gerechnet, weil der Markt bereits reif ist und immer mehr Konkurrenz dazukommt. So hat die Swisscom vor ein paar Monaten ein eigenes Angebot lanciert. Aber die Use-Cases nehmen zu. Am Anfang haben die Nutzer vielleicht nur abends im Büro oder zuhause am Computer rasch geschaut. Inzwischen schauen die gleichen Nutzer auch auf dem iPad am Frühstückstisch oder auf dem iPhone vor dem Einschlafen.

Suchen Sie neue Investoren? Wir sind nicht auf neue Investoren angewiesen. Aber wir können uns vorstellen, noch einmal an Geschwindigkeit zuzulegen, indem wir einen weiteren Investor an Bord holen. Präferenz hat ein strategischer Investor. In der Schweiz haben wir unsere Tochter ausgegründet, damit die Tamedia sich daran beteiligen kann. Wir haben mit 20 Minuten, dem Tages-Anzeiger und Edipresse in der Westschweiz konkrete gemeinsame Projekte. Das können wir uns auch in anderen Ländern vorstellen.

«

Mit der App

von Zattoo können die

Zattoo bietet also dasjenige Fernsehen, das man überall mitnehmen kann? Das ist auch unser grosses Ziel. Überall da, wo Internetempfang gegeben und ein Bildschirm vorhanden ist, soll Zattoo empfangen werden können. Wir wollen Zattoo auf alle Geräte bringen. Wir sind schon auf dem PC, auf iOS, auf Android-Geräten, auf Windows Phone 7, mit der Streaming-

Haben Sie Angst, dass eines Tages ein amerikanischer Anbieter kommt und Sie vom Platz fegt? Apple oder Google suchen nach Geschäftsmodellen, die sich weltweit starten lassen. Unser Modell muss Land für Land angepasst werden und ist mühselig, hat aber den Vorteil, dass es nicht so einfach reproduzierbar ist. Wenn Google mit dem Fernsehen kommt, dann wird das eine Plattform sein, auf der Anbieter wie wir ihre Dienste stellen können. Insofern sehe ich das als Chance.

Nutzer dank der günstigen Rechte der Verwertungsgesellschaften einige Sendungen via Smartphone oder Tablet PC schauen.»


Kurt Baumgartner, Gastgeber/Besitzer, Belvédère Hotels Scuol

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LESERKOMMENTARE l UZ

PERSÖNLICH VOM 30.3.2012

bloss am Unwillen des Souveräns orientieren sollten. Hier hat Kreis endgütig Platz auf dem Verdrehungskarussell genommen. Würde der Bundesrat wie Kreis ihm vorwirft handeln, hätte er das Beitrittsgesuch schon längst zurückziehen müssen. Leider hält der Bundesrat nur den Beitritt im Auge. Würde er alle Optionen betreuen, wäre der Souverän entscheidend und die Beitrittsräume des Bundesrates könnten endlich

Der Augenblick und die Perspektive Sehr geehrte Damen und Herren Herr Kreis scheint ein Ohrwurmlieferant für EU-Beitrittswünsche zu sein. Einmal mehr zeigt sich, dass Halbwahrheiten gefährlicher sind als direkte Lügen. Er bemängelt den Hang der Schweiz zur Gewohnheitshaltung. Ebenso fragt er sich, was der Preis sei für das Abseitsstehen. Ich kann

es ihm gerne sagen: Die Schweiz hat eine massiv geringere Verschuldung als die meisten Länder der EU. Die Arbeitslosenquote liegt mit Abstand am tiefsten. Unsere Währung geniesst den massiv besseren Ruf als der Euro. Die Kriminalität ist immer noch geringer als im

Durchschnitt der EU-Staaten. Von einer staatlichen Altersrente, wie wir sie in der Schweiz haben, kann jedes Land nur träumen. Unser Lebensstandard wird von der EU nie erreicht. Kreis meint, dass sich der Bundesrat und die politischen Kader nicht

Ökonomie, nicht Populismus im Kartellrecht In einem modernen Kartellrecht wird die Ökonomie zu Recht stärker gewichtet als die blosse Form. Dieser Grundsatz muss auch bei der eingeleiteten Revision des Schweizer Kartellrechtes beachtet werden. Auch bei Einführung eines grundsätzlichen Verbotes bestimmter Abreden muss der Einzelfall auf die volkswirtschaftlichen Wirkungen mit angemessenen Rechtfertigungsmöglichkeiten geprüft werden. Der Revisionsentwurf genügt hier noch nicht. Der Bundesrat will künftig drei Typen von horizontalen und zwei von vertikalen Abreden grundsätzlich verbieten. Hier soll künftig nicht mehr nachgewiesen werden müssen, dass sich eine spezifische Abrede auch tatsächlich auf den Wettbewerb auswirkt. Hingegen sollen Abreden weiterhin durch eine volkswirtschaftliche Effizienz gerechtfertigt werden können. Die ökonomischen Auswirkungen die-

Auch sogenannt «harte» Abreden über Preise, Mengen oder Gebiete können im Einzelfall volkswirtschaftlich gerechtfertigt sein. Foto: Bilderbox.de

ses wichtigen Systemwechsels werden in der Botschaft leider kaum dargelegt. Letztlich kann dies auch erst geschehen wenn die Verordnung mit der genauen Umschreibung der Rechtfertigungsgrü nde bekannt ist. Je nach Ausgestaltung führt der Wechsel zu erheblich stärkeren staatlichen Eingriffen oder

können etwa Einkaufsgenossenschaften von kleineren Nachfragern als Gegenstück zu starken Lieferanten zählen oder auch Abreden unter Unternehmen mit insgesamt sehr kleinen Marktanteilen. Diese stören den Wettbewerb nicht. Offen sind die Beweisführung für die Rechtfertigungsgründe

die ökonomische Veränderung ist gering. Auch im letzteren Fall würde die Veränderung immerhin zu mehr Rechtssicherheit und einer Vereinfachung der Verfahren führen. Auch sogenannt «harte» Abreden über Preise, Mengen oder Gebiete können im Einzelfall volkswirtschaftlich gerechtfertigt sein. Dazu

beerdigt werden. Wurden früher die EU-Abstimmungen in der Schweiz noch knapp entschieden, würden bei einer heutigen Wahl die EU-Turbos eine böse Abfuhr erleiden. Man tritt doch nicht einem Verein bei, der demnächst ohnehin auseinander zu brechen droht. Herr Kreis geht seit Jahren im Kreis – immerhin erspart er sich so den Rückweg. Mit freundlichen Grüssen Otto Gerber, parteilos, eidg. dipl. Bankfachexperte

und vor allem die Folgen des Fehlens von Beweisen. Da erhebliche Sanktionen im Raume stehen, wäre es nicht akzeptabel, wenn beispielsweise bei einem Streit über das Ausmass der Effizienz bei einer Einkaufsgenossenschaft die Unternehmen die Folgen des Zweifels tragen müssten. Damit würde die Unschuldsvermutung geradezu umgekehrt. Die Wettbewerbsbehörden müssen damit auch künftig den Einzelfall prüfen. Andererseits müssen die Unternehmen wohl darlegen, welche Rechtfertigungen sie geltend machen wollen, denn sie kennen ja ihre Absichten am besten. Richtig angewandt, kann auch mit dem neuen Gesetz trotz Abstellen auf formale Kriterien (Verbot gewisser Abreden) eine angemessene ökonomische Beurteilung gewährleistet werden.

Thomas Pletscher Mitglied der Geschäftsleitung economiesuisse

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WIRTSCHAFT UND POLITIK l UZ

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S T R AT E G I E N S I N D G E F R A G T

Brüssel lässt uns nicht in Ruhe VON RUDOLF STRAHM

Der Bundesrat hat Ende April 2012 ein weiteres Schrittchen gegenüber der EU angekündigt. Aber nur ein kleines, eines, das möglicherweise in Brüssel gar nicht bemerkt wird. Erstmals hat er seine Vorstellungen zu den so genannten «institutionelle Fragen» konkretisiert. Was Brüssel von uns will…. Der Katalog der Forderungen Brüssels an die Schweiz ist in den letzten Jahren immer länger geworden. Fokussieren wir uns zunächst auf die sektoriellen Fragen. Seit 2005 verlangt die EU eine Anpassung der Holdingbesteuerung der Schweiz. In fünf Kantonen müssen die Domizilgesellschaften (Konzernholdings) nur die Umsätze in der Schweiz versteuern; deren Umsätze im Ausland sind steuerbefreit. Diese Steuerpraxis ist unbestrittenermassen eine Schädigung der EU-Staaten. Seit sieben Jahren ist diese Forderung hängig und es ist verständlich, wenn in Brüssel die Geduld ausgeht. Bislang hatte der Bund nicht die Kraft, sich gegenüber den betroffenen Kantonen mit einer harmonisierten Holdingbesteuerung durchzusetzen. Bundes-Bern ist schwach, die Kantone geben den Tarif durch. Brüssel fordert von der Schweiz auch eine Erweiterung der Zinsbesteuerung auf Dividenden und anderen variablen Kapitalerträgen. Im Raum steht auch die Forderung nach einem automatisierten Bankdatenaustausch. Die Schweiz mauert und versucht Brüssels Forderung mit den bilateralen Abgeltungssteuer-Abkommen mit England, Österreich und Deutschland zu unterlaufen, um das Bankgeheimnis noch einige Jahre weiter zu führen. Doch alle wissen, dass sich die EU-Strategie durchsetzen wird, zumal der Datenaustausch auch von den USA, England und der OECD gefordert wird. Die EU will von der Schweiz bald auch eine rasche Erweiterung der Personenfreizügigkeit für ihr neues Mitgliedland Kroatien. Sie fordert die Weiterentwicklung der Freizügigkeit in Richtung Unionsbürgerschaft, was einen freien Zugang ins Sozialversicherungssystem Schweiz bewirken könnte. Brüssel verlangt im Weiteren einen neuen Milliardenbeitrag für ihre «Kohäsionspolitik» für Osteuropa, also für den Finanztransfer dorthin. Sie fordert einen erleichterten Stromtransit, einen besseren Verkehrstransit und weitere Anpassungen im Acquis communautaire. Im Vordergrund stehen jetzt auch die sogenannten «institutionellen Fragen». Die EU will eine dynamische Anpassung des Binnenmarktrechts durch die Schweiz. Sie will eine «homogene Rechtssprechung» durch ein supranationales Schiedsgericht, in welchem sie mitwirkt. In Brüssel fragt man schon gar nicht mehr, ob die Schweiz EU-Mitglied, EWR-Partner oder bloss ein Drittstaat ist. Man toleriert nicht mehr mitten in Europa eine Insel für Steuerflucht, mit Sonderregeln und Transithindernissen. Durch die ständigen Steuerfluchtaffären hat die Schweiz bei den europäischen Regierungseliten viel Kredit verloren.

DER AUTOR

Rudolf Strahm ist Chemiker und Ökonom. Er war von 1991-2004 Nationalrat und von 2004-2008 Eidgenössischer Preisüberwacher.

... und was die Schweiz will Die Schweiz mauert. Im letzten Jahr bettelte die Bundespräsidentin in Brüssel um Verhandlungsaufschub und Zeitgewinn wegen der eidgenössischen Wahlen – mit nachvollziehbaren Argumenten. Anfang dieses Jahres proklamierte der Bundesrat einseitig eine «Roadmap» für die EU-Verhandlungen und bot als «Pilotdossier» Verhandlungen nur gerade über den Stromtransit an. Man passt sich unilateral an. Wenn Anpassungen unausweichlich sind, tröstet man sich mit der Formel vom «autonomen Nachvollzug».

Ende April nun schlug der Bundesrat Lösungen für die «institutionellen Fragen» mit einem «Zwei-Pfeiler-System» ohne supranationale Instanzen vor: Einerseits eine einseitige Übernahme des weiter entwickelten EU-Rechts durch die Schweiz «im gegenseitigen Einvernehmen», wobei sich die Schweiz jeweils für die Anpassung selber Fristen setzen und beim Ausscheren «Ausgleichsmassnahmen» (sprich: Retorsionen) seitens der EU akzeptieren will. Anderseits die Schaffung einer neuen, von der Bundesversammlung gewählten, regierungsunabhängigen Überwachungsbehörde, bestehend nur aus Schweizern, die im Konfliktfall als Schiedsgericht fungiert. Ob diese einseitige «Lösung» von Brüssel akzeptiert wird, ist mehr als fraglich. Immerhin müssen sich jetzt die EU-Instanzen mit den schweizerischen Vorschlägen im Detail befassen. Was nötig wäre: eine Gesamtstrategie Bislang ist die Schweiz immer hinten nach gerannt. Die Regierung hatte gewartet, bis sie mit dem Rücken zur Wand stand. Es bräuchte eine Vorwärtsstrategie, eine Flucht nach vorn, mit einem breiten, konkreten Angebotspaket gegenüber Brüssel. Gleichzeitig sollte sie darin auch die No-goThemen festhalten: In der Personenfreizügigkeit z.B. liegen die automatische Übernahme von EU-Recht und die Weiterentwicklung zur Unionsbürgerschaft für das Hochlohnland Schweiz nicht drin. Plebiszitär nicht und wirtschaftspolitisch nicht. Aber in der Fiskalpolitik, in der Verkehrspolitik, beim ganzen Acquis communautaire des Waren-, Dienstleistungs-, Kapital- und Transitverkehrs ist eine dynamische Übernahme ans EU-Recht möglich. Es braucht eine Gesamtstrategie. Und die gibt es nirgends in der Verwaltung im Bundes-Bern. Das Problem Nummer eins: Der Bundesrat hat keine versierten Unterhändler. In früheren Verhandlungsphasen verhandelten erfahrene Diplomaten wie Franz Blankart (1992), Jakob Kellenberger (1999) oder Michael Ambühl (2003). Der heutige Chef des Integrationsbüros, Henri Gétaz, ist ein schmalbrüstiger Karrierediplomat. Der neue Staatssekretär in der Politischen Direktion des EDA, Yves Rossier, ist als neuer oberster Chefdiplomat ab 1.Mai Quereinsteiger und komplett neu in der Diplomatie. Und die Staatssekretärin im Seco, Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch, hat zwar Erfahrung in der Handelsdiplomatie, ist aber unbedarft in der Binnenwirtschaft. Die Verhandlungen mit Brüssel werden heute vor allem sektoral von den Direktoren der Bundesämter für Migration, für Energie, für Verkehr usw. geführt. Dies meist mit hoher Sachkompetenz. Die EDADiplomaten wirken jeweils als Grüssaugust. Aber eine kompetente Entwicklung und Verhandlungsdurchsetzung einer Gesamtstrategie fehlt. Problem Nummer zwei ist die zunehmende Bremskraft der Kantone. Sie blockieren eine Lösung im Streit um die Holdingbesteuerung. Sie wollen immer mehr Aussenpolitik betreiben. Und nun muss der Bundesrat noch die selbsternannte, in der Verfassung nicht vorgesehene Konferenz der Kantonsregierungen KdK konsultieren, bevor er Brüssel einen Verhandlungsvorschlag für die institutionellen Fragen unterbreiten kann. Man mag es aus political correctness nicht so sagen, aber: das ist die Restauration, ein zunehmender Bremsklotz! Er wirkt noch stärker als die politischen Lobbys aus Partikularinteressen, zum Beispiel der Banken und der Landwirtschaft. Deren Blockierung ist das Problem Nummer drei. In der Aussenpolitik ist die Regierung immobilisiert. Doch Brüssel wird uns nicht in Ruhe lassen.


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SWISS ECONOMIC FORUM 2012

Impulse geben und nachhaltig Das Swiss Economic Forum (SEF) vernetzt Entscheidungsträger aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft und setzt sich aktiv für Jungunternehmen ein. Dieses Jahr steht die Konferenz unter dem Motto «Stärken stärken». An zwei Tagen referieren und diskutieren international bekannte Persönlichkeiten über die Erfolgsfaktoren in einer veränderten Welt.

Während zwei intensiven Tagen thematisieren 1250 Firmenchefs und führende Experten aus der ganzen Welt die Frage, wie konkret man vorhandene Stärken stärken kann und welches die Erfolgsfaktoren der Zukunft sind. Zahlreiche Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Medien werden ihre Erfahrungen, Einschätzungen und ihr Praxiswissen einbringen und neue Impulse und Denkanstösse vermitteln. Gegründet wurde das Swiss Economic Forum 1998 von Stefan Linder und Peter Stähli. Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich die Initiative zur national führenden Wirtschaftsveranstaltung und Plattform für Unternehmertum und Innovation mit grosser internationaler Ausstrahlung. Das Swiss Economic Forum fördert unternehmerisches Gedankengut, vernetzt Entscheidungsträger aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft und setzt sich aktiv für Jungunternehmen ein.

STEFAN LINDER & PETER STÄHLI, INITIANTEN DES SEF

«Etwas wagen und neue Wege gehen» INTERVIEW PETER BLATTNER

Zum diesjährigen ForumThema: Ist «Stärken stärken» tatsächlich wichtiger als «Schwächen ausmerzen»? Peter Stähli: Stärken zu stärken und darauf gezielt aufzubauen haben wir in der westlichen Welt etwas verlernt. Wir sprechen oftmals lieber über Schwächen und bringen dies als Entschuldigung, weshalb etwas nicht geht oder funktioniert. «Stärken stärken» heisst auch etwas zu wagen, neue Wege zu gehen und die vorhandenen Potenziale gezielt einzubringen und zu erschliessen. Wie kommen Sie eigentlich zu Ihren Forum-Themen, wer ist an der Themenfindung involviert? Stefan Linder: Peter Stähli und ich erstellen jeweils eine Liste mit rund vier bis sechs möglichen Themen. Dann sprechen wir mit ganz vielen Leuten, Partnern und Unterneh-

mern aus unserem Beziehungsnetz und grenzen aufgrund der Rückmeldungen aus, bis nur noch ein Thema übrig bleibt. Uns ist es wichtig, dass zum besetzten Thema der Puls der Zeit widergespiegelt wird und alle Referenten das Thema aufnehmen können, ob Politiker, Querdenker, Unternehmer oder auch Wissenschaftler. Die Broschüre mit den Keynote Referenten wurde bereits Ende 2011 gedruckt. Gibt es wichtige Änderungen gegenüber dem gedruckten Programm? Stähli: Bis Weihnachten haben wir das Programm zu 90 Prozent beisammen. Den Frühling benutzen wir ganz gezielt, um das Programm auf die Aktualität hin zu optimieren. In diesem Jahr ist Philipp Hildebrand drei Tage nach dem Versand des Programms zurückgetreten. Diese Lücke mussten wir entsprechend wieder schlies-

sen. Für das Podium zu Europa konnten wir Oskar Lafontaine gewinnen. Für Spannung ist gesorgt, in Interlaken trifft die politische Rechte auf die politische Linke. Das SEF hat sich innert kürzester Zeit als das Top-Wirtschafts-Meeting der Schweiz etabliert, worauf führen Sie diesen Erfolg zurück? Linder: Seit Jahren setzen wir kompromisslos auf Qualität. Wir wollen den über 1000 Unternehmerinnen und Unternehmern ein attraktives Programm bieten. Uns ist es enorm wichtig, dass der Nutzen für die Entscheidungsträger aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik hoch ist und es sich lohnt, zwei Tage nach Interlaken zu reisen. Ich denke der Erfolg liegt darin, dass wir einen grossen Fokus auf die Bedürfnisse unserer Zielgruppe setzen.


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ÜBERBLICK SEF 2012 Datum: 07. Juni 2012, von 13.30 Uhr bis 08. Juni 2012, um 17.30 Uhr Thema: «Stärken stärken» Teilnehmer: 1250 Entscheidungsträger aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Medien Referenten: 40 bis 45 Referenten aus dem In- und Ausland Medien: 80 bis 125 Journalisten Ort: Congress Centre Kursaal Interlaken, Strandbadstrasse 44, CH-3800 Interlaken Weitere Informationen zum Swiss Economic Forum: www.swisseconomic.ch; facebook.com/swisseconomic; twitter.com/swisseconomic

inspirieren

Foto: Interlaken Tourismus / swiss-image.ch / Markus Zimmermann

Das Forum war in den letzten Jahren immer überbucht. Ist das auch dieses Jahr der Fall? Stähli: Ja, die Nachfrage war auch in diesem Jahr enorm. Gegenüber dem Vorjahr ist das Interesse nochmals um knapp 30 Prozent gestiegen. Es schmerzt uns, wenn wir über 600 Personen absagen müssen. Wir haben in Interlaken 1300 Plätze, diese werden seit 2006 notariell zugelost. Können Sie uns sagen, wie hoch der prozentuale Frauenanteil der Teilnehmerliste in den vergangenen Jahren war? Haben Sie sich schon einmal Gedanken gemacht, wie man die Anzahl der partizipierenden Damen erhöhen könnte? Linder: Der Frauenanteil liegt bei rund 11 Prozent. Dies ist bei uns ein wichtiges Thema. Aus diesem Grund stehen wir in regelmässigem Kontakt mit den führenden Frauen-Netzwerken. Mit unserer Jury-Präsidentin Carolina Müller-Möhl haben wir eine tolle Unterstützung in diesen Fragen.

Ist Interlaken als Veranstaltungsort auf Jahre hinaus gesetzt?

nung der drei besten Jungunternehmen der Schweiz.

Stähli: Wir schliessen jeweils Drei-Jahres-Verträge mit Interlaken ab. 2013 und 2014 sind bereits definiert. Der grösste Knackpunkt in Interlaken ist die Hotel-Situation. In der Hauptnacht buchen wir für unsere Gäste rund 1000 Zimmer. Im 4-Sterne-Bereich haben wir viel zu wenig verfügbare Angebote.

Die Jury zur Beurteilung der Kandidaten für den Award 2012 wird präsidiert von Carolina Müller-Möhl. Wer bestimmt die Jury-Mitglieder und nach welchen Kriterien? Stähli: Uns ist es ein wichtiges Anliegen, dass wir alle Kompetenzen und viel Erfahrung in der Jury vertreten haben. Insgesamt investieren wir pro Jahr rund 1500 MannStunden. In der ersten Stufe werden rund 120 Bewerbungen analysiert. In der zweiten Stufe besucht eine hochkarätige Experten-Jury während einer Woche 15 nominierte Start-up-Firmen in der ganzen Schweiz. Am Schluss präsentieren sich die neun Finalisten vor der Jury. In diesem Jahr haben wir mit Stefan Borgas eine weitere Person in die Jury aufgenommen, welche den Bereich Bio-Tech optimal abdecken kann.

Sie haben Amag als neuen Premium-Partner gewonnen. Was erhält ein Premium-Partner für sein finanzielles Engagement? Linder: Das Swiss Economic Forum konnte sich als führende Wirtschaftsveranstaltung für mittlere, zukunftsgerichtete und innovative Unternehmen positionieren. Unseren Premium-Partnern erhalten einen einzigartigen Zugang und Visibilität zu dieser spannenden Zielgruppe. Zudem fördern wir mit dem Swiss Economic Award auch ganz gezielt das Unternehmertum im Land mit der Auszeich-

Wie haben sich die Unternehmen der bisherigen

Stefan Linder und Peter Stähli, Gründer des Swiss Economic Forums. Foto: zVg Preisgewinner entwickelt? Sind alle weiterhin auf der Erfolgsstrasse? Linder: Wir verfolgen natürlich die weitere Entwicklung der Preisgewinner sehr genau. Bis auf zwei Firmen haben sich alle Award-Gewinner prächtig entwickelt. Es kommt auch mal vor, dass ein Unternehmen auf den Märkten nicht nachhaltig bestehen kann. Das gehört dazu und ist gelebtes Unternehmertum.

Welches sind die wichtigsten Kriterien, nach denen der Award vergeben wird? Stähli: Im Zentrum von unserem Preis steht die unternehmerische Leistung, das zukünftige Geschäftspotenzial und die Unternehmerpersönlichkeit. Die Jury und die Experten beurteilen jedoch auch die Innovationskraft, Idee und Vision die Differenzierung am Markt (USP).


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Auch 2013 und 2014 wird das SEF in Interlaken stattfinden.

Foto: Interlaken Tourismus / swiss-image.ch / Markus Zimmermann

DIE REFERENTEN Auch dieses Jahr bieten wieder bekannte Persönlichkeiten neuestes Wissen aus erster Hand:

Paul Bulcke, Chief Executive Officer, Nestlé S.A.: Nestlé ist der grösste Lebensmittelkonzern der Welt und das grösste Industrieunternehmen der Schweiz. Im April 2008 wurde Paul Bulcke zum CEO ernannt.

Wolfgang Franz, Vorsitzender der Wirtschaftsweisen und Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung: Er ist seit 2009 Vorsitzender der Wirtschaftsweisen und gehört dem wissenschaftlichen Beirat des Ministeriums für Wirtschaft und Technologie der Deutschen Regierung an.

Dr. Myles Munroe, Minister, Pastor, Unternehmer und Bestseller Autor: Er zählt heute zu den erfolgreichsten Leadern und Impulsgebern. Er berät seit Jahren Regierungen und Fortune 500 Firmen auf der ganzen Welt.

Hansjörg Wyss, Unternehmer, Mäzen, Gründer & Chairman Synthes AG: Mit einem Umsatz von 3.7 Milliarden Franken und einem Gewinn von 900 Millionen im 2010, gehört Synthes zu den erfolgreichsten Unternehmen an der Schweizer Börse.

Steve jr. Forbes, Chairman, CEO und Chefredaktor, Forbes Inc.: Er zählt zu den erfolgreichsten Verlegern der Welt. Unter seiner Führung hat sich Forbes Media zu einer der erfolgreichsten Mediengruppen entwickelt.

Oskar Lafontaine, Bundesfinanzminister a.D. / Chef der LINKEN: Europa – Ein Kontinent in der Sackgasse? Er wird als Gegenpool zu Europakritiker Nigel Farage auftreten.

Prof. Dr. Richard Wiseman, Psychologe, Verhaltensforscher, Wissenschaftler, Autor: Richard Wiseman ist Leiter der Psychologie-Abteilung an der Universität von Hertfordshire. Sein Hauptforschungsgebiet, welches ihn international bekannt machte, ist neben Glück und Täuschung insbesondere das Paranormale.

Doris Leuthard, Bundesrätin, Vorsteherin UVEK: Als Vorsteherin des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) ist Doris Leuthard für die Politik-Bereiche Umwelt, Verkehr, Energie, Kommunikation sowie Raumentwicklung verantwortlich.

Ausserdem referieren und diskutieren Andreas Rickenbacher, Nigel Farage, Oskar Schwenk, Monika Walser, Stefan Borgas, Fotos: swisseconomic.ch / Didier Martenet (D. Leuthard, u. r.) Beat Kappeler, Natalie Rickli und Cédric Wermuth.


WIRTSCHAFT UND POLITIK l UZ SWISS ECONOMIC AWARD

Vom Käse bis zum Wi-FiPflanzensensor Die neun Finalisten für den Swiss Economic Award sind bekannt. Ein Spiegelbild der Schweizer Wirtschaft. Zu den Kandidaten zählen sowohl innovative Industrieunternehmen als auch dynamische Start-ups aus der Game-, Software- und InternetIndustrie. Sogar eine auf Käse und Fleisch spezialisierte Jungfirma zählt zu den Finalisten.

TEXT CLAUS NIEDERMANN

Das meistverkaufte Videospiel in Deutschland 2010 und letztes Jahr in Frankreich heisst «Landwirtschafts-Simulator» und stammt vom Unternehmen GIANTS Software. Jetzt gehören die Zürcher Game-Hersteller zu den Finalisten für die Endausscheidung des Swiss Economic Award. Mit dabei sind auch der Internet-TV-Anbieter Zattoo und das über ein Management-Buy-out verselbständigte Unternehmen Teseq AG, ein globaler Anbieter von Prüf- und Messgeräten. Zudem schaffte es ein Pionier der Vision «Internet der Dinge» mit seinem Wi-Fi-Pflanzensensor in den Final. Einen Platz in der Endausscheidung holten sich auch ein junger Metzger und ein junger Käser aus dem Kanton Bern, die mit ihren exklusiven Fleisch- und Käseprodukten die Gourmets in den Nobelhotels, aber auch auf den Märkten in Bern und in London verwöhnen. Insgesamt haben sich rund 100 Jungfirmen aus der ganzen Schweiz für den diesjährigen Swiss Economic Award beworben. «Der Jahrgang 2012 zeichnet sich durch Beharrlichkeit und kontrolliertes Wachstum aus», kommentiert Jurypräsidentin Carolina Müller Möhl. «Ich bin überzeugt, dass einige dieser Unternehmen sehr nachhaltig und erfolgreich ihren Weg gehen und auch Gipfel erklimmen werden, die sie jetzt selber noch kaum anzuvisieren mögen. Die Unternehmervielfalt in ‹Entrepreneurial Switzerland› ist gewaltig.» Fotos: Interlaken Tourismus / swiss-image.ch/Marcus Gyger / swisseconomic.ch (r.)

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K AT E G O R I E D I E N S T L E I S T U N G

GIANTS Software GmbH, Buchberg (SH): Die Jungfirma setzt auf den richtigen Trend. Sie zählt zu den Herstellern der sogenannten Independent Games, die Computerspiele nicht nur entwickeln, sondern auch selber vertreiben. Die Schaffhauser Firma mit Büros in Schlieren und in Deutschland beschäftigt 25 Mitarbeiter und verkaufte bereits über zwei Millionen Games. Das Erfolgsprodukt des im Jahr 2007 gegründeten Start-ups heisst «Landwirtschafts-Simulator». www.giants-software.com

Livesystems AG, Belp (BE): Die Jungfirma, seit fünf Jahren aktiv, ist in der Schweiz bereits Marktführerin für multimediale Bildschirm-Informationen und -Werbungen im öffentlichen Verkehr. Damit erreicht die Firma mit ihrem passengertv täglich über eine halbe Million Fahrgäste vom Boden- bis zum Genfersee, von Basel bis Lugano. Livesystems beschäftigt neun Mitarbeitende. www.passengertv.ch

Zattoo International AG, Zürich: Das im Jahr 2006 gegründete Unternehmen Zattoo machte das Internet-Fernsehen salonfähig und schuf damit die Basis für die heutige TV-Nutzung mit mobilen Geräten, dies sogar in HD-Qualität. Zattoo ist in der Schweiz, in Deutschland und in vier weiteren europäischen Ländern präsent, zählt 10 Millionen registrierte Nutzer und bietet in der Schweiz über 100 Live-TV-Sender sowie umfangreiche Aufnahmefunktionalitäten an. www.zattoo.com

K AT E G O R I E P R O D U K T I O N / G E W E R B E

Jumi AG, Gysenstein (BE): Die Jungfirma produziert und vertreibt hochwertige Schweizer Käse- und Fleischprodukte. Der Direktvertrieb erfolgt über eigene Marktstände in Bern und in London. Über ein eigenes Vertriebsnetz werden das Gastgewerbe, insbesondere Nobelhotels, und Delikatessenläden beliefert. Bekanntestes Produkt ist der tennisballgrosse, kugelförmige Belper Knollen-Käse. Die 2006 gegründete Firma beschäftigt 19 Personen. www.jumi.lu

SwissRTec AG, Kreuzlingen (TG): Der Hersteller von Recycling-Anlagen und Maschinen für Verbundstoffabfälle, insbesondere für Elektro- und Elektronikschrott, entstand über einen Spin-off durch Mario Zöllig und Walter Grubenmann im Jahr 2006. Die Hauptmärkte von swissRTec sind Europa, Asien und Nordamerika. Die Firma beschäftigt sieben Mitarbeiter. www.swissrtec.ch

WINFORCE AG, Menzingen (ZG): Die Sportnahrung der Marke WINFORCE deckt den Energiebedarf von Leistungssportlern während aller Wettkampfphasen ab. Die Sportnahrungs-Supplemente von WINFORCE überzeugten auch Langlauf-Olympiasieger Dario Cologna, der als WINFORCEBotschafter agiert. Die WINFORCE wurde 2007 gegründet und beschäftigt zehn Mitarbeitende. www.winforce.ch

K AT E G O R I E H I G H T E C H / B I O T E C H

Devirex AG, Walchwil (ZG): Vorbeugen ist besser als heilen, sagt ein Sprichwort. Die im Jahr 2006 gegründete Devirex AG bringt in diesen Tagen mit dem rezeptfreien Lipivir ein Gel auf den europäischen Markt, das vorbeugend wirkt und den Ausbruch von labialem Herpes, im Volksmund Fieberbläschen genannt, verhindert. www.devirex.ch

Koubachi AG, Zürich: Das Start-up mit Sitz im Technopark Zürich, 2009 gegründet, realisiert die Vision vom «Internet der Dinge». Im Zentrum steht die Kommunikation zwischen Mensch und intelligenten Objekten. Als erstes Produkt brachte die Jungfirma, die zehn Mitarbeitende beschäftigt, den Wi-Fi Plant Sensor auf den Markt. www.koubachi.com

Teseq AG, Luterbach (SO): Der Bereich Testsystem für elektromagnetische Verträglichkeitsmessungen und -prüfungen der Schweizer Schaffner Gruppe wurde 2006 über ein Management-Buy-out von Divisionsleiter Johannes Schmid zusammen mit einer Investorengruppe übernommen. Teseq ist weltweit aktiv und beschäftigt gegen 200 Mitarbeiter. www.teseq.com


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E R I C S C H E I D E G G E R , S T V. D I R E K T O R D E S S E C O

«Reform-Elan vorantreiben» Die gegenwärtige Schuldenkrise in Europa ist nicht ausgestanden. Der Euro-Franken-Kurs bleibt niedrig, aber die Verunsicherung, wie kalkuliert werden soll, ist weg, sagt Eric Scheidegger, der stellvertretende Direktor des Seco und Leiter der Direktion für Wirtschaftspolitik.

INTERVIEW PETER BLATTNER

Herr Scheidegger, was ist Ihre Haupttätigkeit als Chefökonom des Bundes? Eric Scheidegger: Bei dieser Bezeichnung muss ich schmunzeln, denn dieser Titel existiert formal gar nicht. Aber ich stelle fest: «Chefökonomen» werden heutzutage an vielen Orten beschäftigt wie etwa bei Verbänden, Banken, ja selbst Medien haben einen. Das Seco gilt als Kompetenzzentrum der Wirtschaftspolitik, innerhalb dessen ich

die Direktion für Wirtschaftspolitik leite. Mit einem starken gut 40-köpfigen Team müssen wir für eine Vielzahl von Bundesgeschäften ökonomische Expertise sicherstellen. Wir verantworten die Konjunkturbeobachtung und erstellen mit anderen Experten des Bundes eine eigene Konjunkturprognose. Ich muss sodann die Gesamtschau haben über die mittel- und langfristige Entwicklung der Schweizer Wirtschaft, wie zum Beispiel das langfristige Wirtschaftswachstum der Volkswirtschaft. Wir sind auf Stufe der Bundesverwaltung ferner wichtige Partner, wenn es beispielsweise um die

Foto: zVg / Priska Ketterer, Luzern


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Wir haben

die letzte Krise gut überstanden und sind in Sachen Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft führend auf der Welt»

ZUR PERSON Dr. Eric Scheidegger ist Botschafter und stellvertretender Direktor des Staatssekretariats für Wirtschaft SECO und Leiter Direktion für Wirtschaftspolitik. Nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Basel promovierte er am Wirtschaftswissenschaftlichen Zentrum der Universität Basel. Ab 1994 war er in der Wirtschaftsredaktion der NZZ tätig, wobei er von 1996 bis 1998 NZZ-Wirtschaftskorrespondent in Wien war. Bis Mitte 2002 wirtschaftspolitischer Berater von Bundesrat Pascal Couchepin im Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartement (EVD) und ab Juni 2002 Mitglied der Geschäftsleitung im SECO sowie bis 31. Januar 2012 Leiter der Direktion für Standortförderung im SECO.

Energiepolitik 2050 geht. Da stellen sich Fragen rund um die Versorgungssicherheit oder um die Investitionssicherheit nach dem Ausstieg aus der Kernenergie. Bei der Umsetzung der viel beschworenen «Energiewende» muss darüber hinaus auch zwischen gesamtwirtschaftlich sinnvollen, effizienten Massnahmen einerseits und unsinnigen, ineffizienten Massnahmen anderseits unterschieden werden. Wo sehen Sie die grössten Gefahren für das Wirtschaftswachstum? Im Moment sehe ich kurz- und mittelfristig als Gefahr die internationale Verschuldung. Vor allem die hochgradige Verschuldung in den Euro-Ländern. Unsere Volkswirtschaft ist klein, offen und profitiert von den Verbindungen mit den Auslandmärkten. Das umfasst auch die Internationalisierung im Finanzsektor. Wenn es auf den Finanz- und Kapitalmärkten Erschütterungen gibt, sind wir auf Gedeih und Verderben mitbetroffen. Ich erinnere an die Wirtschaftsund Finanzkrise 2008/9. Unsere Volkswirtschaft war – mit Ausnahme einer Grossbank - in sehr guter Verfassung und wurde trotzdem in die Krise mit einbezogen. Die gegenwärtige Schuldenkrise ist nicht ausgestanden. Das Problem vieler Euro-Länder ist, dass sie ihre Haushalte sanieren müssen und damit verbunden Konjunktureinbrüche erleiden. Gleichzeitig müssen sie den Bankensektor stärken. Das sind schwierige Zielkonflikte, die es in verhältnismässig kurzer Zeit zu überwinden gilt. Ist es überhaupt möglich – Beispiel Griechenland – ein Wachstum zu erzielen, wenn gleichzeitig XMilliarden Defizite abgebaut werden müssen? Es gibt keine Alternative zur glaubwürdigen Schuldensanierung. Die Frage ist wie und über welchen Zeitraum. Zudem stellt sich die Fragen, inwieweit die Gläubiger und in welchem Umfang andere Euro-Mitgliedstaaten an der Schuldensanierung partizipieren müssen. Die Aufstockung des Europäischen Stabilitätsmechanismus hat vorerst zu einer gewissen Beruhigung der Märkte geführt. Es gibt aber berechtigte Zweifel, ob damit mittelfristig die Solvenzprobleme von exponierten Euro-Ländern gelöst werden können. Länder wie Griechenland, Portugal, aber auch Spanien und Italien, müssen so rasch als möglich wieder Vertrauen auf dem Finanzmarkt herstellen. Sehen Sie sonst noch Gefahren für das Wirtschaftswachstum der Schweiz? Wir haben die letzte Krise gut überstanden und sind in Sachen Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft führend auf der Welt. Hüten wir uns aber davor, selbstgefällig zu werden. Unsere Standorttrümpfe müssen gepflegt werden. Wir alle müssen leistungsfähig und flexibel bleiben, nicht zuletzt auch im Hinblick auf aufstrebende Volkswirtschaften in Asien oder Südamerika. Forschung und Entwicklung müssen auch in zehn Jahren top sein. Wir müssen gesunde öffentliche Haushalte sichern sowie den Erhalt einer angemessenen Steuerpolitik und finanziell gesunde Sozialwerke anstreben. Es gibt keinen Grund, auf den Lorbeeren auszuruhen. Wir müssen vielmehr die Bereitschaft zu Reformen ständig aufrecht erhalten. Machen wir uns nichts vor: Die Globalisierung ist ebenso wie der Strukturwandel ein dauerhafter Prozess, dem wir uns mit Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen stellen müssen. Befürworten Sie ein Konjunkturprogramm, hätten wir überhaupt die Mittel dazu? Wir haben grosse Vorbehalte gegenüber solchen Programmen. Die Erfahrung zeigt, dass diese oft zu spät kommen und so geschnürt sind, dass sie nicht ursachengerecht wirken können. Grundsätzlich wirken in der Schweiz mit der Arbeitslosenversicherung und dem Spielraum der Schuldenbremse kräftige sogenannte automatische Stabilisato-

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ren. Sie wirken ohne weiteres politisches Zutun gesamtwirtschaftlich stimulierend. Anders war es bei der Krise 2008/9, die eine ausgeprägte weltwirtschaftliche Krise war. Die Aufträge aus dem Ausland waren in vielen Bereichen der Exportwirtschaft eingebrochen. Die Binnenwirtschaft dagegen blieb intakt. Die damalige Finanzkrise war jedoch derart ausserordentlich, dass Konjunkturstabilisierungsmassnahmen unausweichlich waren. Auch bei den damaligen Konjunkturstabilisierungsmassnahmen musste man sich fragen, was sinnvoll ist, wo man ansetzen muss, um eine grösstmögliche Wirkung zu erzielen ohne öffentliche Mittel ineffizient verpuffen zu lassen. Neben der Geldpolitik und den ausserordentlichen Massnahmen zur Stabilisierung des Schweizer Bankensektors waren sicherlich auch die Massnahmen rund um die Kurzarbeit von besonderer Bedeutung. Warum kann die Nationalbank die Euro-Franken-KursUntergrenze nicht höher als CHF 1.20 ansetzen? Wir kommentieren grundsätzlich die Politik der Nationalbank nicht. Die Nationalbank hat am 6. September die Kurspolitik unmissverständlich und glaubwürdig kommuniziert. Das Problem der raschen und starken Frankenaufwertung ist für die Schweizer Wirtschaft seither nicht mehr so drückend. Es bleibt eine Herausforderung. Aber wenn ich mit Unternehmern oder Verbänden spreche, so höre ich, dass diese Kursgrenze eine wichtige Planungssicherheit gegeben hat. Der Franken ist noch immer hoch bewertet, was eine Herausforderung für die Exportindustrie ist, aber die Verunsicherung, wie kalkuliert werden soll, fällt weg. Droht uns bald eine Immobilien-Blase? Das ist sehr schwierig zu beantworten. Immobilienspezialisten sehen Tendenzen zur Überhitzung in gewissen Regionen z.B. im Metropolitanraum Zürich, am Genfersee oder auch in top positionierten Feriendestinationen. Ein Teil der Preisentwicklung lässt sich auch auf die anhaltenden Zuwanderungen zurückführen. Alles in allem sind aber Ingredienzen zu beobachten, welche eine Überhitzung des Immobiliensektors begünstigen. Die anhaltend tiefen Zinsen, die grosse Liquidität, die in einer Zeit der Verunsicherung nach Anlagewerten sucht, sorgen für weitere Nachfrage. Eine hausgemachte Immobilienkrise wäre wohl das Letzte, was unsere Volkswirtschaft angesichts des internationalen Umfeldes brauchen könnte. Würde nach Ihrer Auffassung die Schweizer Wirtschaft von einem Beitritt zum EWR oder zur EU profitieren? Ein EU-Beitritt ist zurzeit schlicht undenkbar. Die Alternative einer EWR-Option muss der Politik der bilateralen Abkommen gegenübergestellt werden. Mit den bilateralen Abkommen haben wir in wesentlichen Bereichen unserer Wirtschaft EWR-ähnliche Vorteile erreicht; ich denke da insbesondere an die Personenfreizügigkeit. Im Warenverkehr haben wir Freihandel und gegenseitige Anerkennung z.B. von unterschiedlichen Normen. Was fehlt, ist ein Abkommen im Dienstleistungsbereich. Dazu hat aber bisher die politische Unterstützung gefehlt. Ist der schweizerische Ausstieg aus der Kernenergie aus Sicht des Seco wirtschaftlich tragbar und in der geplanten Frist bis 2050 realisierbar? Der Bundesrat hat den Ausstieg im letzten Jahr beschlossen. Jetzt stellt sich die Frage, wie die Energiepolitik neu ausgerichtet werden muss, damit der Schritt machbar ist. Da geht es auch um Versorgungssicherheit, Investitionssicherheit und Umweltverträglichkeit. Der Ausstieg wird gestaffelt bis Mitte der 2030er Jahre erfolgen. Die Vorarbeiten zu einer neuen Energiepolitik 2050 laufen. Eine entsprechende Vernehmlassung ist für den Herbst angekündigt.


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EXPORTMARKT TÜRKEI

Der Bosporus lockt Die türkische Wirtschaft floriert. Das haben auch Schweizer Unternehmen entdeckt und wollen vom Aufschwung profitieren. Neben vielen Chancen gibt es aber auch Stolpersteine für ausländische Unternehmen.

Rund 600 Schweizer Firmen sind bereits in der Türkei tätig und der Importbedarf der Türkei steigt jährlich. Foto: Bilderbox.de

TEXT UND INTERVIEW RAPHAEL CORNEO

Die Schweiz möchte teilhaben am türkischen Erfolg. Das Land hat in den vergangenen Jahren mit einem beeindruckenden Wirtschaftswachstum überzeugen können. «Die Türkei präsentiert Wachstumsraten, die fast schon chinesische Verhältnisse aufweisen. Im Jahr 2011 betrug das Wachstum wieder über zehn Prozent», sagt Alberto Silini, Berater für den Bereich Nahe Märkte bei der Osec. Und auch die Wirtschaftskrise konnte dem Aufschwung nichts anhaben: Als einziges OECD-Land konnte die Türkei ihr Kredit-Rating während der Wirtschaftskrise verbessern. Die Wirtschaft brummt Wirtschaftsexperten gehen davon aus, dass das Land am Bosporus in den nächsten Jahren zu den zehn wichtigsten Wirtschaftsmächten aufsteigen wird. «Auch die Staatsfinanzen hat das Land in den vergangenen Jahren immer besser in den Griff bekommen», sagt Silini. Mit der guten wirtschaftlichen Lage steigt auch der Importbedarf des Landes. «Die Importe sind im letzten Jahr auf einen Rekordwert von 181 Milliarden Euro (220 Milliarden Franken) gestiegen. Das ist auch für die Schweiz erfreulich», so Silini. Der Wert entspricht einem Plus von 80 Milliarden Euro. Längst haben auch Schweizer Unternehmen die Türkei entdeckt und wollen von der florierenden Wirtschaft profitieren. Rund 600 Firmen sind heute schon in der Türkei aktiv. Neben den grossen Unternehmen wie Novartis, Roche oder Nestlé sind auch kleinere wie der Messtechnik-Hersteller

Endress+Hauser, die Bühler Group oder das Managementunternehmen Tomato AG in der Türkei aktiv. «Die internationalen Schweizer Grosskonzerne sind schon seit Jahren vor Ort. Doch auch kleinere Firmen, die mit einheimischen Partnern arbeiten, nehmen Tag für Tag zu», sagt Ümit Özeflatun, Präsident der Schweizerischen Handelskammer in der Türkei und Geschäftführer von OTTO’S Türkei. Ein Markt mit vielen Chancen Am stärksten vertreten ist dabei die Pharmaindustrie. Mehr als 30 Prozent der Schweizer Exporte in die Türkei stammen aus diesem Sektor, gefolgt von Maschinen und chemischen Erzeugnissen. Importiert werden aus der Türkei vor allem Textilien und landwirtschaftliche Produkte. Özeflatun sieht gerade für Schweizer KMU ein grosses Potenzial in der Türkei: «Für sie ist die Türkei auch deshalb interessant, weil die Lohnkosten gegenüber der Schweiz viel kleiner sind und das Land zudem auch strategisch gut positioniert ist, um den ganzen nahen Osten zu beliefern», sagt er. Das sieht auch Silini so. «Die Einflussnahme in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht hat stark zugenommen». Türkische Firmen dienen als ideale Plattform, wenn es in Richtung Nordafrika, Mittlerer und Naher Osten geht. Zudem nimmt mit dem wirtschaftlichen Aufschwung die Kaufkraft in der Türkei immer weiter zu. «Vor allem bei der jüngeren Bevölkerungsschicht», sagt Silini. Mit 75 Millionen Einwohnern ist das Land fast so gross wie Deutschland. «Die geografische Nähe zu Europa, das dynamische Geschäftsumfeld, die junge produktive Bevölkerung und


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NEUE MÄRKTE ungesättigte Märkte machen das Land auch attraktiv für internationale Investoren». sagt Türkeiexpertin Devrim Yetergil (siehe Interview). Die Schweizer Investitionen beliefen sich per Ende 2010 insgesamt auf 2,9 Milliarden Franken. Dabei beschäftigten Schweizer Unternehmen 15 360 Mitarbeiter. Schneider-Ammann betont Gemeinsamkeiten Gerade weil das Land ein grosses Potenzial für Schweizer Unternehmen darstellt, ist es nicht verwunderlich, dass Ende März auch Bundesrat Johann Schneider-Ammann das Land am Bosporus besucht hat. Auf seiner Reise nach Ankara und Istanbul wurde der Bundesrat von 15 Vertretern aus der Schweizer Wirtschaft begleitet. Dabei betonte Schneider-Ammann die Gemeinsamkeiten der beiden Länder, die beide nicht Mitglied der EU sind. Nachdem die Türkei lange darauf gedrängt hat, Mitglied zu werden, ist heute diese Bestrebung nicht mehr so zwingend wie auch schon. Die Türken seien sich ihres Erfolgs der letzten Jahre sehr bewusst und hätten ein grosses Selbstbewusstsein, sagte Schneider-Ammann. Doch auf der Wirtschaftsreise, auf der auch Treffen mit Vertretern der türkischen Regierung sowie von verschiedenen türkischen Organisationen auf dem Programm standen, ging es auch darum, Differenzen auszuräumen. Die Pharmaindustrie klagt über zu lange Zulassungsfristen, die Maschinenindustrie über die Bevorzugung einheimischer Firmen. Der Landwirtschaft machen die hohen Zölle zu schaffen. Ausserdem werden viele Schweizer Produkte in der Türkei gefälscht, da der Schutz für geistiges Eigentum noch Lücken

aufweist. Trotz alledem betonte aber auch SchneiderAmmann das grosse Potenzial für Schweizer Unternehmen. Infrastruktur, Automatisierung, Cleantech Besonders grosses Potenzial macht die Osec in Infrastrukturbereich aus, da dort grosse Investitionen geplant sind. «Zudem bestehen noch grosse Chancen für Automatisierungsanbieter. Auch da ist in der Türkei doch noch ein massiver Nachholbedarf auszumachen», sagt Silini. Auch Cleantech wird in der Türkei immer mehr zum Thema. Gerade dort hat die Schweiz einiges zu bieten und versucht dies auch in der Türkei bekanntzumachen. «Schon im November 2009 wurde eine Absichtserklärung zwischen unseren beiden Staaten unterzeichnet, welche die Kooperation im Cleantech-Sektor vorantreiben soll», sagt Silini. So sieht es auch Özeflatun. Man spüre in der Türkei die Bestrebungen der Politik, in diesem Bereich voranzukommen. Man muss sich vorbereiten Ein Einstieg will aber gut überlegt sein. Die Rückmeldungen der Firmen, die den Schritt gewagt haben, sind gemischt. «Ich habe von einigen Firmen auch über Probleme wie Importbestimmungen, Steuern, langsame Bürokratie und ähnliches gehört», sagt Özeflatun. Gleichzeitig bestätigen Unternehmen jedoch, dass es nicht mehr so schwierig ist, wie in der Vergangenheit. Auch bei der Osec gibt es die ganze Bandbreite von Rückmeldungen. «Zu wenig vorbereitete Firmen bezahlen immer wieder ein teueres Lehrgeld in der Türkei», sagt Silini. Deshalb sei vor einem Einstieg eine gute Vorbereitung so wichtig.

«Vertrauen ist wichtig» Schweizer Geschäftsleute müssen einige Verhaltensregeln beachten, wenn sie in der Türkei aktiv werden wollen. Die Mentalitätsunterschiede zur Schweiz sind nicht sehr gross, sagt Devrim Yetergil. Doch gerade auf das Ehrgefühl sollte Rücksicht genommen werden. Sie kennen die Türkei sehr gut. Wo sind die grössten Mentalitätsunterschiede zur Schweiz? Devrim Yetergil: Es gibt zwischen den beiden Ländern eigentlich keine frappierenden Unterschiede. Die Geschäftskultur in der Türkei ist eine sehr westliche. Deshalb finden sich Geschäftsleute in der Türkei meist sehr schnell zurecht. Wo gibt es dennoch Unterschiede? Die Unterschiede sind subtilerer Art. Die Türken sind ein sehr stolzes Volk. Der Stolz auf die eigene Kultur, die eigene Geschichte und der Patriotismus

sind stärker als in der Schweiz. Mit dem geht auch die Wichtigkeit von Respekt und Ehre in der türkischen Kultur einher. Geschäftsleute, die in der Türkei aktiv werden wollen ist, müssen immer darauf achten, dass der Geschäftspartner nie sein Gesicht verliert. Dafür braucht es etwas Fingerspitzengefühl. Auch wenn sich die beiden Länder auf den ersten Blick sehr ähnlich sind, so gibt es doch auch diese kleinen und doch wichtigen Unterschiede. Wo sind denn die Gemeinsamkeiten? Neben Ehre und Respekt ist auch in der Türkei die Höflichkeit sehr wichtig. Auch Schweizer sind sehr höflich, somit kommt dies den Schweizern entgegen. Zudem werden auch in der Türkei Dinge meist indirekt und nicht fordernd angesprochen. Eine weitere Gemeinsamkeit ist die persönliche Beziehung, die auch bei Geschäften gepflegt wird. Wenn man eine Geschäftsbeziehung aufbaut, muss man auch eine

persönliche Beziehung aufbauen. Viele verkennen die Wichtigkeit dieses Umstands. In der Türkei hat eine Geschäftsbeziehung meist wenig Bestand, wenn nicht auch eine persönliche Beziehung vorhanden ist. Vertrauen aufzubauen, ist deshalb sehr wichtig. Wo kann es zu Schwierigkeiten kommen? Wenn der Partner das Gesicht verliert, kommt keine Geschäftsbeziehung zustande. Die Gründe dafür können vielfältig sein. Man spricht Fehler in der Türkei nicht direkt und bei einem Vorgesetzten schon gar nicht vor den Untergebenen an. Die Hierarchie in einem Unternehmen hat in der Türkei einen höheren Stellenwert als hier in der Schweiz. Diese Hierarchie muss man einschätzen können. Bei Verhandlungen werden oft nur Leute aus den oberen Hierarchiestufen akzeptiert. Wo lauern Fettnäpfchen? Der Komm unikationsstil ist ein anderer als hier. Eigentlich ist er nicht harsch und forsch, dies

kann sich aber beispielsweise bei einer Verhandlung ändern und er kann auch intensiv und expressiv werden. Die Türken haben eine harte Verhandlungsmentalität. Ausserdem ist die physische Distanz in der Türkei geringer. Wenn sie das Vertrauen eines Geschäftspartners gewonnen haben, gehören sie fast zur Familie. Im Zuge dessen wird die Beziehung auch körperlich sehr nahe. Es kann sein, dass ihr Geschäftspartner sie beispielsweise küsst – auch unter Männer. Oder sie bei der Hand nimmt und ihnen seinen Betrieb zeigt. Daran muss man sich als Schweizer gewöhnen. Was raten Sie einem Unternehmen, das in der Türkei aktiv werden will? Es ist wichtig, dass man sich mit der Kultur auseinandersetzt. Man muss sein Interesse zeigen. Die Türkei ist kein Land, in das man schnell gehen kann, um ein Geschäft abzuschliessen. Man muss bereit sein, sich auf das Land und die Menschen einzulassen und eine persönliche Beziehung aufzubauen. Dann ist aber sehr viel

Die UnternehmerZeitung stellt interessante Exportmärkte in einer Serie vor.

AUFSTREBEND Der bilaterale Handel mit der Türkei ist 2008 und 2009 eingebrochen. 2009 gingen die Exporte um rund 27 und die Importe um 18 Prozent zurück. Die letzten zwei Jahre zeigen aber eine klare Erholung. So konnten die Exporte in die Türkei 2010 um rund 17 Prozent und die Importe um rund 10 Prozent zulegen. Dieser Trend setzte sich auch 2011 fort. Die Exporte in die Türkei erreichten im vergangenen Jahre einen Wert von 2,1 Milliarden Franken. Die Importe beliefen sich auf 771 Millionen Franken. Damit erzielt die Schweiz im Handel mit der Türkei einen klaren Handelsüberschuss.

ZUR PERSON Dr. Devrim Yetergil bietet interkulturelle Managementberatungen für Unternehmen und Geschäftsleute an, die in der Türkei aktiv werden oder das Marktpotential umfassender erschliessen möchten. Türkeispezifische Marktanalysen und Strategien, Beratungen und Projektbegleitungen sowie Seminare und Trainings ermöglichen einen erfolgreichen Markteintritt. Dr. Yetergil ist Official Osec Expert für die Türkei. www.yetergil-kiefer.ch

möglich. Es braucht Zeit und persönliche Kontakte. Diese Beziehungen müssen aber auch gepflegt werden.


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UZ l EUROPA

C H R I S TA T O B L E R , E U R O PA R E C H T L E R I N

Keine Angst vor dem EWR Das Abkommen über den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) ist vor 20 Jahren unterzeichnet worden. Die bilateralen Abkommen sind aus Sicht der Europarechtlerin Christa Tobler kein echter Ersatz für den vom Volk abgelehnten EWR. Der bilaterale Weg wird nehmend schwieriger.

INTERVIEW UND TEXT STEFFEN KLATT

Die bilateralen Abkommen waren als Notlösung gedacht, um trotz des EWR-Neins von 1992 eine Anbindung der Wirtschaft an den EU-Binnenmarkt zu ermöglichen. Haben sie diese Aufgabe erfüllt? Christa Tobler: Die bilateralen Abkommen haben diese Aufgabe zum Teil erfüllt. Sie gehen in manchen Bereichen über den EWR hinaus. Das sind aber nicht die wirtschaftlich wichtigen Bereiche. Dort bleiben die Bilateralen deutlich hinter dem EWR zurück. Das betrifft die Dienstleistungsfreiheit, ein umfassendes Wettbewerbsrecht und flankierende Politiken wie das wirtschaftsrelevante Sozialrecht. Hat es nicht auch Vorteile für die Schweiz, dass bestimmte Bereiche ausgeklammert sind? Die Schweiz laviert in ihrer Haltung oft. So hat sich die Schweizer Meinung zum EWR immer wieder geändert. Heute ist etwa economiesuisse im Gegensatz zu früher nicht mehr dafür. Zur Dienstleistungsfreiheit sind die Meinungen geteilt. Der Schweizerische Versicherungsverband wäre für ein bilaterales Finanzdienstleistungsabkommen, die Banken sind aber nur teilweise dafür. Kann man von einer Anbindung an den EU-Binnenmarkt sprechen, wenn mit den Dienstleistungen zwei Drittel der Schweizer Wirtschaft davon ausgeschlossen sind? Ich bezweifle, dass man ganz ohne eine Anbindung bei den Dienstleistungen auskommen kann. Sie hören von den Banken ja immer wieder Klagen über Diskriminierungen auf dem EU-Markt, weil sie nicht den gleichen Zugang und die gleichen Bedingungen haben wie Banken innerhalb in der EU. Der EWR wurde auch abgelehnt, weil er die Souveränität der Schweiz einschränken würde. Sichern die bilateralen Abkommen mehr Souveränität? Formell gesehen schon. Die Schweiz muss weniger übernehmen und ist insofern freier. Das ist aber eine Freiheit auf dem Papier. Weil wir unter dem Druck der Umstände sehr viel sogenannt autonom nachvollziehen, haben wir schon lange nicht mehr die völlige Souveränität. Faktisch ist die Souveränität nicht grösser als im EWR. Welche Vorteile hat der EWR für die Teilnehmer? Er hat insbesondere den grossen Vorteil der Mitgestaltung bei der Gesetzgebung. Die EWR-Mitglieder haben das Recht, bei der Schaffung von auch für sie geltenden künftigen Richtlinien und Verordnungen der EU mitzureden. Ich höre von den EWR-Ländern, dass dieses Mitgestaltungsrecht für sie enorm wichtig ist und sie einen echten Einfluss haben. Die Schweiz hingegen ist im Rahmen der bilateralen Verträge zwar nicht gezwungen, neues Recht dynamisch zu übernehmen – mit ein paar Ausnahmen wie bei Schengen und Dublin (Abkommen zur Aufhebung der Personenkontrollen und zur Asylpolitik, stk) -, aber sie kann umgekehrt auch nicht mitwirken. Sie übernimmt dann über bilaterale

Ohne den Einbezug der Dienstleistungen, z.B. der Banken, bleibt die Anbindung der Schweiz an den EU-Binnenmarkt unvollständig.

Abkommen oder über den autonomen Nachvollzug ein EURecht, an dessen Ausarbeitung sie nicht beteiligt war. Können kleine Länder wie Norwegen ausreichend mitwirken? Die Frage stellt sich auch innerhalb der EU. Die Erfahrung zeigt, dass kleine Länder sehr wohl Einfluss nehmen können. Sehr oft tun sie das, indem sie Koalitionen schmieden. Das würde auch für die Schweiz gelten.

RICHARD JONES, EUROPA BOTSCHAFTER

Kulturbruch am Bubenbergplatz ZUR PERSON Christa Tobler ist Professorin für Europarecht der Universitäten Basel und Leiden in den Niederlanden. Sie hat an der Universität Zürich Recht studiert und dort auch doktoriert.

Der Brite Richard Jones hat Anfang des Jahres den Österreicher Michael Reiterer als EU-Botschafter in Bern abgelöst. An die Stelle des Kenners der Schweiz und der EU-Interna tritt ein Diplomat, der den Mittleren Osten und den Balkan besser kennt als die bilateralen Beziehungen. Die Botschaft, die er überbringt, ist dennoch klar. Richard Jones hat in seinen ersten Wochen in Bern vor allem eines überrascht: «In der Schweiz regnet es so wenig.» Jones steht formell als Diplo-

Fotos: zVg

mat im Dienste ihrer Majestät. Anfang des Jahres ist er an den neuen diplomatischen Dienst der EU «ausgeliehen» worden. Seine neue Chefin, die EU-Aussenministerin Catherine Ashton, hat ihren Landsmann gleich als Botschafter auf die «Insel» mitten in Europa geschickt. Auch sonst findet Jones nur lobende Worte für die Schweiz, jedenfalls, solange es nicht um die bilateralen Beziehungen geht. «Die Schweiz ist ein schönes und interessantes Land», sagte er bei seinem ersten Auftritt vor den Medien Mitte März in der EU-Vertretung am


EUROPA l UZ Dem EWR wird vorgeworfen, zu bürokratisch zu sein. Zu recht? Als die Schweiz sich auf den dann nicht zustande gekommenen EWR-Beitritt vorbereitete, entwickelte sie die sogenannte Eurolex, um das Schweizer Recht anzupassen. Damals wurde festgestellt, dass eine bestimmte Zahl von Bundesgesetzen durchaus betroffen wäre, aber vor allem Verordnungen – also Dinge, für die der Bundesrat zuständig ist. Man soll sich keinen Illusionen hingeben: Alles, was der EWR regelt, regeln wir selber auch. Es wäre nicht so, dass mit dem EWR plötzlich Regelungen auf uns kämen, von denen wir bisher nichts wussten. Die Flut von Regelungen, vor der gewarnt wird, ist längst bei uns angekommen. Es gibt heute ganz generell eine Tendenz zur Verrechtlichung – und zur Anpassung des Schweizer Rechts an das Recht der EU, und damit auch des EWR. Das ist eine Tatsache. Schränkt das die Volksrechte ein? Das sehen wir schon jetzt. Wenn das Volk befragt würde, ob es das Bankgeheimnis behalten wolle, dann könnte es ja oder nein sagen. Aber faktisch sehen wir, wie auf Druck von aussen das Bankgeheimnis Schritt für Schritt verändert wird. Diesmal kommt der Druck nicht einmal zuerst von der EU, sondern stärker von den USA. Auch dabei zeigt sich, dass die Schweiz ein kleines Land ist in einer Welt, die immer mehr zusammenarbeitet. Der EWR wurde vor über zwei Jahrzehnten ausgehandelt. Ist er noch zeitgemäss? Aus der EU-Sicht ist der EWR ein hervorragendes Modell für Länder, die nicht die volle Integration in die EU wollen. Sie hören keine kritischen Stimmen der EU gegen den EWR. Der EWR funktioniert eben ähnlich wie die EU: Er ist dynamisch, abgesichert und inhaltlich abgerundet. Ich sehe den EWR keineswegs als ein überholtes Modell an. Die EU war zur Zeit der Aushandlung des EWR wenig demokratisch. Inzwischen hat sich das unter anderem mit der Aufwertung des EU-Parlaments geändert. Wird damit nicht die gestaltende Mitwirkung entwertet, die Sie als grossen Vorteil des EWR bezeichnet haben? Im EU-Parlament, das nun deutlich stärker mitentscheidet,

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haben die EWR-Länder in der Tat keine gestaltende Mitwirkung. Allerdings ist der EWR eine klassische internationale Organisation, die an die EU angehängt ist. Deshalb habe ich Mühe, mir vorzustellen, wie man den EWR demokratisieren könnte. Der EWR selber hat kein Parlament. Wäre die Entsendung nationaler Parlamentarier aus den EWR-Ländern in die Ausschüsse des EUParlaments eine Möglichkeit? Darüber liesse sich vielleicht diskutieren. Im EU-Reformvertrag von Lissabon haben die nationalen Parlamente der EU-Länder ja das Recht erhalten, das Subsidiaritätsprinzip (die EU soll nur tätig werden, wo dies wirklich nötig und sinnvoll ist, stk) in der EU zu überwachen. Kann der EWR nach zwei Jahrzehnten nachverhandelt werden? Das kann man theoretisch immer. Die EFTA (Europäische Freihandelszone mit der Schweiz, Norwegen, Island und Liechtenstein, stk) hat sich ebenfalls erneuert. Aber das bedeutet Aufwand. Die EU wird nicht viel Wert darauf legen, den EWR nachzuverhandeln, der aus ihrer Sicht gut funktioniert. Wäre es für die Schweiz leichter, in einen erneuerten EWR einzutreten? Vielleicht könnte eine Ausweitung der Mitgestaltungsrechte, zum Beispiel wie erwähnt im EU-Parlament, hier tatsächlich helfen. Ich könnte mir vorstellen, dass die EU nicht so grosse Probleme hätte, wenn es nur um diesen Punkt ginge. Sie könnte sich ausrechnen, dass sie sich damit viel Arbeit ersparen könnte, wenn sie dafür die Schweiz in den EWR bekäme. Die Mehrheit in der Schweizer Politik geht davon aus, dass der bilaterale Weg wie bisher weitergegangen werden kann. Ist das realistisch? Nein, das ist unrealistisch. Der bilaterale Weg kann in kleinen technischen Punkten weitergeführt werden. Aber die EU sagt seit 2006 dauernd das gleiche, nämlich dass sie das System nicht mehr für zeitgemäss hält. Ich habe den Eindruck, dass dies eine klare Position der EU ist, von der sie nicht mehr abweichen wird. Foto: Keystone

Berner Bubenbergplatz. «Es ist faszinierend, wie dieses Land funktioniert. Alles ist auf einem menschlichen Niveau, gerade wenn man es mit einer Grossstadt wie London vergleicht.» Die Stimmung sei entspannt. Der Wechsel zu Jones ist ein Kulturbruch. Sein Vorgänger Michael Reiterer, seit 2007 der erste Botschafter der EU in der Schweiz, kannte nicht nur wie viele österreichische Diplomaten die Schweiz bestens. Der Tiroler hatte bereits 1985 ein Diplom in internationalen Beziehungen am HEI in Genf gemacht und später dort an der Vertretung seines Landes beim GATT gearbeitet, dem Vorgänger der Welthandelsorganisation. Vor allem aber war er auch ein intimer Kenner der Brüsseler Verhältnisse. Bevor die damalige EU-Aussenkommissarin, die Österreicherin

Benita Ferrero-Waldner, ihn nach Bern schickte, war er stellvertretender Leiter der EUDelegation in Tokio gewesen, davor hatte er bei der EU-Kommission in Brüssel gearbeitet. Die intime Kenntnis beider Seiten erlaubte es Reiterer, seine Meinung offen zu sagen, ohne jemanden wirklich vor den Kopf zu stossen. Anders Jones. Er hat bis Ende 2011 sein Land als stellvertretender Leiter der Ständigen Vertretung in Brüssel repräsentiert. Seine Aufgabe bestand also darin, für Grossbritannien vorteilhafte Kompromisse mit anderen EU-Ländern auszuhandeln – oft auch gegen die EU-Kommission. Doch den grösseren Teil seines Diplomatenlebens hat er anderswo verbracht – in Irak, Albanien, in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Er spricht

arabisch und albanisch. Deutsch lernt er derzeit vor Beginn seiner Arbeitszeit – ein harter Start in den Arbeitstag. Jones muss sich in seine neue Aufgabe erst einarbeiten. Wenn er sagt, die Beziehungen zur Schweiz seien wie die zu guten Freunden, «und die sagen sich, was sie denken», klingt das noch ein wenig hölzern. Die Vorstellung, dass er eines Tages wie Reiterer seine Meinung freundlich, aber bestimmt in aller Öffentlichkeit darlegt, wirkt noch fremd. Jones ist damit der Normalfall eines Botschafters: Er überbringt die Botschaft seiner Dienstherrin. Und diese Botschaft ist klar: Der bilaterale Weg ist zu Ende. So sehr, dass die EU nicht einmal mehr das Wort «bilateral» in den Mund nehmen will. Sie nennt die Beziehungen zur Schweiz nun

«sektoriellen Ansatz», also einzelnen Branchenlösungen statt einer Gesamtlösung. Jones sagt faktisch, dass dieser Ansatz aus der Sicht der EU von Anfang an ein Fehler war. Aber er ist Diplomat genug, um es zu umschreiben: «Wir haben unsere Regeln für den sektoriellen Ansatz geändert.» Aber damit sei es jetzt vorbei. «Wir wollen nun einen klassischen Zugang, so wie innerhalb der EU oder innerhalb des EWR.» Die Schweiz habe Zeit, eine Lösung zu präsentieren. «Wir setzen keine Frist.» Doch die EU werde keine bruchstückhaften Lösungen mehr akzeptieren. Michael Reiterer war manchmal laut, aber in seiner Zeit in Bern hat sich in den Beziehungen zwischen der kleinen Schweiz und der grossen EU nur wenig bewegt. Richard

ZUR PERSON Der Brite Richard Jones, der seit Januar 2012 der neue EU Botschafter in Bern ist, sieht keine Chancen mehr für den Bilateralen Weg.

Jones ist leise, aber der gegenwärtige Stillstand dürfte nicht mehr lange anhalten. Der Brite Richard Jones, der seit Januar 2012 der neue EU Botschafter in Bern ist, sieht keine Chancen mehr für den Bilateralen Weg.


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Freiburg im Breisgau, Deutschland, hat mit dem Umbau des Stadtteils Vauban ein sozial und ökologisch nachhaltiges Wohnquartier geschaffen.

S T E F F E N L E H M A N N , A R C H I T E K T U N D S TA D T P L A N E R

Kraftwerk statt Verschwender Nullenergiehäuser oder sogar Plusenergiehäuser sind technisch heute kein Problem mehr. Nun kommt die nächste Stufe: die Stadt als Kraftwerk. Dabei sind die Politik, die Energieversorger, die Hochschulen und die Bürger gleichermaßen gefordert, sagt der Architekt und Stadtplaner Steffen Lehmann.

INTERVIEW STEFFEN KLATT

Die Welt verstädtert. Sind die heutigen Städte aber überhaupt zukunftsfähig? Steffen Lehmann: Die Zukunft der Menschen liegt in der Stadt. Die integrierte Stadtentwicklung mit einem energetischen und klimabezogenen Schwerpunkt wird in der Zusammenarbeit mit der Politik eine Schlüsselrolle übernehmen, um den Energie- und Ressourcenverbrauch radikal zu reduzieren. Es gilt, das Konzept von «Stadt» weiterzudenken. Dadurch erhalten Städte neue Aufgaben und Handlungsfelder, die entscheidend dazu beitragen werden, die sogenannte «Low Carbon City» umzusetzen, also die Stadt mit niedrigem Kohlendioxidausstoß. Die sich hieraus ergebenden Herausforderungen sind Teil des, wie ich es nenne, postindustriellen Zustands. Wir finden heute schrumpfende, undynamische Städte Seite an Seite mit unzureichenden Investitionen und veralteten Infrastrukturen neben Städten mit Quartieren schnellen Wachstums.

Hier benötigen wir umfassende Strategien, wie mit solch demografischen und strukturellen Veränderungen künftig umgegangen werden soll. Sie haben in Deutschland studiert und als Architekt gearbeitet, jetzt lehren Sie in Australien. Stellt sich die Herausforderung weltweit gleich? Eine Handlungsnotwendigkeit gilt für Städte weltweit. Der Kontext mag in Australien und in der Asien-Pazifik-Region, in Ozeanien, Amerika und in Europa jeweils ein anderer sein; aber die Frage, wie eine klima- und energiegerechte Stadt aussehen soll, stellt sich heute überall. Im asiatischen Raum stehen die rapiden Wachstums- und Verstädterungsprozesse und die damit zusammenhängenden Migrationsbewegungen im Mittelpunkt. In den USA und in Australien sind es die Strategien zur Bekämpfung und Umkehr der wenig nachhaltigen städtischen Zersiedelung und einer enormen Abhängigkeit vom Personenwagen. In Deutschland und anderen Ländern Europas ist es in erster Linie die energetische

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Fotos: Stadt Freiburg / www.vauban.de (rechts)

ZUR PERSON Dr.-Ing. Steffen Lehmann ist Professor an der Universität von South Australia in Adelaide und Inhaber des UNESCO-Lehrstuhls für Nachhaltige Stadtentwicklung in Asien und der Pazifikregion. Er leitet das Research Centre for Sustainable Design and Behaviour (sd+b). Seit 2006 ist er Herausgeber des Journal of Green Building. In den 90er Jahren hat er unter anderem an der Gestaltung des Potsdamer Platzes und des Hackeschen Markts sowie der Französischen Botschaft in Berlin mitgewirkt.

Anpassung des Baubestandes und die Optimierung der Material- und Energieflüsse. Die Städte sind bereits gebaut. Die Neubaurate liegt bei nur etwa einem Prozent. Wie kann der Übergang zur «postindustriellen Stadt» erfolgen? Grüner Urbanismus ist ein ganzheitliches Konzept für die Stadt von morgen, dessen Basis der konsequent ressourcenschonende Umgang mit Energie, Land, Wasser, Materialien und Mobilität ist. Das langfristige Ziel heißt dabei Zero-Emission und Null-Abfall, also eine Stadt ohne Treibhausgase und Verschwendung. Erreicht wird es über die Zwischenstufe der «Low Carbon City». Dabei geht es aber immer auch um die Förderung von sozial und ökologisch nachhaltigen Stadtteilen und –quartieren. Ähnliche Prinzipien wurden in den Stadtteilen Vauban in Freiburg im Breisgau und in Hammarby-Sjöstad in Stockholm, bereits erfolgreich umgesetzt. Trotzdem werden Städte Energie brauchen . . . Klar ist, dass Städte weiterhin die Orte sind, an denen die meiste Energie und ein Großteil der Rohstoffe verbraucht wird und der meiste Abfall entsteht. Die Größenvorteile der Städte geben uns aber zugleich die Möglichkeit, erneuerbare Energiequellen rentabel zu machen.

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Wie? Der Energiebedarf in Städten ist enorm. Es ist deshalb notwendig, unsere Energie- und Verkehrssysteme schnell so umzuwandeln, dass sie weitestgehend – mindestens aber zu 50 Prozent – aus lokalen erneuerbaren Energiequellen gespeist werden können. Der Energiemix sollte dabei auch die Kosten und die Verfügbarkeit der Technologien berücksichtigen. Die Stromproduktion und Energiespeicherung vor Ort kann über ein intelligentes Stromnetz, Smart Grid, übertragen und verteilt werden. In der Zero-Emission-City wandeln sich Stadtteile vom Energieverbraucher zum Energieproduzenten. Sie werden zu lokalen Kraftwerken und machen sich solare Photovoltaik, solare Wärme und solares Kühlen, Windenergie, Biomasse, Geothermie, Energie aus Kleinstwasserkraftwerken und andere neue Technologien zunutze. Dabei wird sich auch die bisherige Rolle der großen Energieversorger ändern müssen, vom Monopolisten zum Dienstleister. Selbst wenn Sie das Energieproblem so lösen können, brauchen die modernen Städte nicht dennoch massiv andere Ressourcen? Ein weiterer wichtiger Aspekt ist hier das Null-Abfall-Konzept, das ein Stopp der Materialverschwendung und die 100 prozentige Ressourcen-Rückgewinnung beinhaltet. Abfall wird dabei als wertvolle Ressource angesehen, die nicht verbrannt oder vergraben werden darf, sondern vollständig der Wiederverwendung zugeführt wird. Der Materialverbrauch muss vom wirtschaftlichen Wachstum entkoppelt werden. Null-Abfall muß bereits ganz am Anfang, bei der Entwicklung von Produkten und Prozessen berücksichtigt werden.

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TA G U N G D E R F I B E R S O C I E T Y

Arbeit nicht vergebens gewesen. Denn das Wissen, das während dieser Arbeit gewonnen wurde, stehe weiter zur Verfügung.

Vor neuem Frühling Die Textilindustrie hat am Anfang der Industrialisierung der Schweiz gestanden. Nun sind nur noch Reste geblieben. Doch gerade technische Textilien erhalten nun eine neue Chance. Eine internationale Konferenz in St. Gallen diskutiert mögliche Anwendungen.

TEXT STEFFEN KLATT

Kunstrasen ist allwettertauglich und im Unterhalt günstiger als natürlicher Rasen. Doch je nach Materialwahl konnte es zu Schürfungen bei Stürzen oder zu Abplattungen des Spielfelds kommen. Das könnte sich nun ändern: Die Empa St. Gallen hat mit einem Ausserrhoder Hersteller von Kunstrasen eine Variante entwickelt, bei der keine Schürfungen auftreten und die künstlichen Grashalme sich nach dem Bespielen trotzdem wieder erholen. Die Lösung: Der Kern der Faser besteht aus erholfähigem Polyamid. Eingehüllt wird er durch einen Mantel aus hautfreundlichem Polyethylen. Fünf Jahre hat die Entwicklung gedauert. Inzwischen ist der fussballtaugliche Kunstrasen auf dem Markt. Die Faser wird flüssig Die Entwickler um Rudolf Hufenus, Gruppenleiter Polymere und Verarbeitung an der Empa St. Gallen, forschen noch an anderen Themen. So arbeiten sie an einer Faser, die für Schutzjacken benutzt werden kann. Die Faser soll Widerstand leisten, wenn sie schnell belastet wird, aber nachgeben, wenn sie langsam verformt wird: Ein Schlag wird abgewehrt, sanftes Drücken nicht. Die Faser soll gleichzeitig Schutz und Elastizität bieten. «Auf der Ebene der Textilien gibt es das bereits», sagt Hufenus. «Wir wollen das auf der Ebene der Faser erreichen.» Ein flüssiger Kern der Faser soll das möglich machen. Die Forscher, deren Projekt vom Nationalfonds finanziert wird, müssen dabei auch an die Herstellbarkeit denken. Die Fasern müssen von herkömmlichen Maschinen verarbeitet werden können. Das auf drei Jahre angelegte Projekt hat nun seine Halbzeit erreicht. Zwischen Technik und Mode Manchmal erreichen die Forscher andere Ziele als erwartet. So hat Marcel Halbeisen eine Fasernstruktur gesucht, die Flüssigkeiten nur in eine Richtung leiten. Das wäre perfekt etwa für den Abfluss von Schweiss in funktionalen Textilien gewesen. Dafür wurden Mikrostrukturen auf Faseroberflächen getestet. Die behandelten Fasern schillerten nach dem Versuch

in allen Regenbogenfarben – und begeisterten Designer. In einem von der KTI, der Innovationsförderagentur des Bundes, unterstützten Projekt wurde ein Gewebe entwickelt, das nun in der Mode eingesetzt werden kann. Nicht alle Projekte enden in Produkten. «Die Projekte werden bis zum Prototyp gefördert», sagt Hufenus. Für die Entwicklung des Endprodukts gebe es keine Förderung mehr. «Und manchmal reicht es dann nicht zum Produkt. Dann sind auch wir enttäuscht.» Doch auch dann sei die

Internationale Tagung kommt nach St. Gallen Hufenus fordert interessierte Unternehmen auf, sich nach einer möglichen Zusammenarbeit zu erkundigen – mit möglichst konkreten Fragen. «Wir brauchen die konkreten Problemstellungen.» Diese Kompetenz der Empa ist auch über die Schweiz hinaus anerkannt. Nicht zufällig kann Hufenus im Mai schon zum zweiten Mal eine Halbjahrestagung der internationalen Fiber Society nach St. Gallen bringen. Bei der Konferenz gehe es um praktische Anwendungen der heutigen Faserforschung, also um die Textilien der Zukunft. Vom 23. bis zum 25. Mai treffen sich die besten Forscher ihres Fachs in der Ostschweiz. Die Textilindustrie stand am Anfang der Industrialisierung. Inzwischen ist die Massenproduktion längst aus der Schweiz verschwunden. Doch das schafft Platz für Spezialtextilien, die in kleineren Mengen hergestellt werden. Die wissenschaftliche Infrastruktur dafür ist vorhanden.

HERSTELLER TISCA TIARA

Der neue Kunstrasen, der seinem Vorbild Naturrasen optisch sehr nahe kommt, wurde bereits auf mehreren Fussballfeldern in der Schweiz verlegt - zur vollsten Zufriedenheit der Spieler und Spielerinnen.

Empa-Forscherin Laura Gottardo simuliert in einer Glaskanüle, wie die Fasern mit Flüssigkeit gefüllt werden können. Ziel ist es, miteinander verbundene Tröpfchen zu erzeugen.

Farbeffekte durch mikrostrukturierte Faseroberflächen. So soll die flüssigkeitsgefüllte Faser im Schnitt aussehen: Ein unregelmässiger Hohlraum zieht sich durch die ganze Faser und enthält eine dilatante Flüssigkeit. Diese wird bei schnellen Bewegungen immer zäher und versteift die Struktur. Bei langsamer Bewegung bleibt die Faser dagegen biegsam.


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CLEANTECH NEWS Mit Innnovation im Ausland erfolgreich Zürich - V-Zug und Trunz Water Systems AG haben den diesjährigen Export-Award des Schweizer Aussenwirtschaftförderers Osec erhalten. Trunz mit Sitz in Steinach ist spezialisiert auf die Entwicklung von autarken Wasseraufbereitungssowie Wasserentsalzungsanlagen und hat im Nordosten Brasiliens ein Projekt umgesetzt, heisst es weiter. V-Zug ist Schweizer Marktführerin für Haushaltgeräte und expandiert nach Russland. (ce) Erneuerbare Energien studieren Uster - Die Höhere Fachschule Uster hat den neuen Studiengang HF «Erneuerbare Energien» entwickelt. Der Studiengang startet im nächsten Januar zum ersten Mal. Er schliesst mit dem Diplom «dipl. Techniker HF Systemtechnik/Erneuerbare Energien» ab. Die Studierenden sollen

befähigt werden, praxisorientiertes und tiefgreifendes Wissen zur Thematik Energieeffizienz und Energiestrategie im Unternehmen einzubringen und umzusetzen. Die Vernetzung innerhalb der unterschiedlichen Bereiche eines Unternehmens bildet dabei eine wichtige Komponente. (ce)

Foto: Philip Plisson

Solar-Katamaran beendet Weltumrundung Monaco/Yverdon-les-Bains Der Solar-Katamaran MS TûrWärmeverbund ersetzt anor PlanetSolar wird seine Ölheizungen Weltreise am 4. Mai in MonaGommiswald – Die gommisco beenden. Danach ist eine WALDKraft AG baut mit Unter- zweitägige Feier geplant, mit stützung der Klimastiftung der die erfolgreiche WeltumSchweiz in Gommiswald eine rundung des grössten je geHeizzentrale mit zwei Holzkesbauten Solar-Bootes begangen seln. Damit können 300.000 Li- werden soll. Auch ein Teil des ter Öl im Jahr eingespart werStrombedarfs für die Festlichden. Das Wärmenetz an verkeiten wird durch Solarstrom sorgt verschiedene öffentliche gedeckt, den die Photovoltaikund private Liegenschaften mit Module auf dem Solar-KataWärme für Heizung und maran während der 19-monaWarmwasser. Für die Wärmeer- tigen Fahrt produziert haben. zeugung wird Holz aus der Re- Im September 2010 ist die Begion verwendet. Die Anlage satzung mit dem 35 Meter lansoll im Winter 2012/13 in Begen und 23 Meter breiten Boot trieb genommen werden. (ce) zur Weltumrundung aufgebro-

chen. Auf dem Boot befinden sich 38 000 Solarzellen mit einem Wirkungsgrad von 18,8 Prozent. (ce) Effizienter Motor ausgezeichnet St. Erhard – Die Innomot AG in St.Erhard hat für eine neue Antriebstechnologie den Innovationspreis des Networks of Automotive Excellence erhalten, ein internationales Expertennetzwerk für die Automobil- und Zuliefererindustrie. Der Hüttlin-Kugelmotor ist einfacher herzustellen und braucht weniger Bauteile als andere Verbrennungsmotoren. Damit kann der Verbrauch gesenkt werden. Der Preis wurde am 17. April in Düsseldorf vom deutschen Wirtschaftsminister Philipp Rösler übergeben. (ce) Umweltpreis für Solarskilift Tenna - Die Schweizerische Umweltstiftung zeichnet den weltweit ersten mit Solarkraft betriebenen Skilift in Tenna

Foto: solarskilift.ch

aus. Preisverleihung ist am 13. Mai in Luzern. Entstanden ist die Solaridee vor zwei Jahren während der Suche nach Geldgebern für einen neuen Skilift in Tenna. Im Dezember vergangenen Jahres konnte der Solarlift in Betrieb genommen werden. (ce)

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Foto: Bilderbox.de

J A H R E S TA G U N G E N E R G I E - C L U S T E R . C H , 1 5 . M A I 2 0 1 2

Mit Innovationen zur Energiewende Die Jahrestagung 2012 des energie-cluster.ch nimmt zwei aktuelle Themen auf und beleuchtet sie in engem Zusammenhang mit den energiepolitischen und wirtschaftlichen Realitäten der Schweiz sowie mit den Visionen einer nachhaltigen Energiezukunft, auf der Grundlage von zielorientierten Innovationen und angewandter Forschung.

J A H R E S TA G U N G 2 0 1 2 DES ENERGIE-CLUSTER.CH Mit Innovationen und ökologischer Steuerreform zur Energiewende 15. Mai 2012, 9.30 bis 17.00 Uhr BERNEXPO, Bern Information und Anmeldung: www.energie-cluster.ch oder andrea.herrmann@energie-cluster.ch oder Andrea Herrmann, Tel. 031 381 24 80 Im Anschluss findet der Berne Cluster Day 2012 statt. Separates Programm unter www.berneinvest.com

beiden Bereichen Gebäude und Mobilität sind noch grosse Anstrengungen nötig, um die Energieeffizienzziele zu erreichen und den Gesamtverbrauch an Energie und anderen Ressourcen zu vermindern. Seit einem Jahr ist die Energiewende in der Schweiz ein breit diskutiertes Thema. Was zuvor an den bestehenden Konventionen abprallte, darf nun als Hoffnung für die Energiezukunft des Landes gelten: Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Der energie-cluster.ch befasst sich seit seiner Gründung im Jahr 2004 intensiv mit den damit verbundenen Fragen und setzt sich für mehr Innovation und Weiterbildung ein. Die Jahrestagung 2012 wird am 15. Mai in Bern auf zwei aktuelle Brennpunkte der Schweizer Energiewende eingehen: Innovationskraft und ökologische Steuerreform. Wege, Hindernisse und Auswege An der Jahrestagung 2012 werden diese beiden Schwerpunkte von kompetenten Referierenden behandelt und dabei Wege und Hindernisse aufgezeigt. In welchem Kontext stehen die beiden Begriffe «Innovation» und «ökologische Steuerreform» zu den konkreten Energieperspektiven? Dr. Walter Steinmann, Direktor des Bundesamts für Energie (BFE), wird die neue Energiepolitik des Bundesrates vorstellen und die Frage stellen: Was erwarten wir von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft in Bezug zur Energiestrategie 2050? Es geht also auch um Konkretisierungen der Massnahmen auf dem Weg zur Energiewende. Prof. Dr. Beat Hotz-Hart, ETH-Rat, stellt die Strategie der Energie-

forschung des ETH-Bereichs, also der massgeblichen Forschungsinstitutionen für Energiefragen, vor. Zwei Vertreter dieser Forschungskompetenzen, die Professoren Dr. Göran Andersson und Dr. Massimo Filippini, werden Erkenntnisse zu intelligenten Netzen und Last Management als zentrale Elemente der zukünftigen Energieversorgung sowie eine ökonomische Analyse zu Massnahmen präsentieren, welche die Effizienz im Gebäudebereich fördern. Innovationen aus der Privatwirtschaft Innovationen sind der Schlüssel für Veränderungen und Chancen für neue Lösung sowie mehr Wettbewerbsfähigkeit auch in der internationalen Zusammenarbeit. Darüber berichten Dr. Jochen Ganz, AWTEC AG, Dr. Jeanette Müller, Technologievermittlung energiecluster.ch, accelopment AG, sowie weitere Vertreter von KMU. Prof. Gerhard Zweifel, HSLU, wird die neuen Standards der EU im Gebäudebereich und ihren Weg über die Normierungen in die Schweiz vorstellen und dabei einen wichtigen Aspekt für Innovationen und Massnahmen zur Energiewende behandeln. Die Jahrestagung 2012 des energie-cluster.ch wird sowohl auf die Chancen neuer Standards eingehen als auch vorhandene Hindernisse bezeichnen und deren Überwindung diskutieren. Gerade in den

Ökologische Steuerreform als Chance Das einer der möglichen Auswege über eine ökologische Steuerreform gehen kann, ist seit Langem unbestritten. Wie diese aber konkretisiert und umgesetzt werden soll, bleibt ein politisches Fragezeichen. Kurt Dütschler, Eidg. Steuerverwaltung ESTV in Bern, wird auf den Umbau des Steuersystems durch eine ökologische Steuerreform eingehen. Dr. Rolf Iten, INFRAS in Zürich, berichtet über Stand, Erfahrungen, Perspektiven der ökologischen Steuerreform. In der anschliessenden Diskussion mit Henrique Schneider, Schweiz. Gewerbeverband, Josias F. Gasser, Nationalrat und Unternehmer, Walter Steinlin, KTI, Dr. Walter Steinmann, BFE, sowie Josef Jenni, Jenni Energietechnik AG werden die aufgeworfenen Fragen zu Auswirkungen und Perspektiven einer ökologischen Steuerreform auf das Gewerbe, auf KMU und auf die Innovationskraft der Schweizer Industrie besprochen. Die Jahrestagung 2012 nimmt diese aktuellen Themen nicht nur auf theoretische Weise auf, sondern beleuchtet sie in engem Zusammenhang mit den energiepolitischen und wirtschaftlichen Realitäten der Schweiz sowie mit den Visionen einer nachhaltigen Energiezukunft, auf der Grundlage von zielorientierten Innovationen und angewandter Forschung.


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PUBLIREPORTAGE E CO - D R I V E

Sprit sparen, Nerven schonen Fast jedes Unternehmen nutzt Fahrzeuge. Wer diese gut wartet und die Benutzer in einer sparsamen Fahrweise schult, reduziert den Treibstoffverbrauch allein schon durch das Fahrverhalten um 10 bis 15 Prozent. Zudem sitzen die Mitarbeitenden weniger gestresst am Steuer.

Ob PW, Transporter oder Lastwagen, für die meisten Firmen sind Fahrzeuge unersetzlich. Doch nicht nur die Anschaffung geht ins Geld. Auch Unterhalt und Treibstoffverbrauch schlagen teuer zu Buche, gleichzeitig belasten Motorenlärm und Abgase die Umwelt. Ein Drittel des Schweizer Energieverbrauchs entfällt auf den Verkehr, ein guter Teil davon auf die Nutz- und anderen Firmenfahrzeuge. Will ein Unternehmen seinen Diesel- und Benzinverbrauch senken, hat es mehrere Möglichkeiten: Man achtet bei der Flottenbeschaffung auf sparsame Modelle, setzt die Fahrzeuge intelligent ein und nutzt die Angebote von Eco-Drive: In Eco-Drive-Kursen lernen die Fahrer, dass zügiges Beschleunigen, niedertouriges Fahren sowie ein gleichmässiges und vorausschauendes Fahrver-

halten nicht nur sicherer, sondern auch wirtschaftlicher sind. Bis zu 15 Prozent Treibstoff lassen sich mit Eco-Drive einsparen, ohne deswegen langsamer unterwegs zu sein. Wegen der entsprechend geringeren Schadstoff- und CO2-Belastung freut das zudem Umwelt und Klima. 2011 machten 20 000 mit Seit 2005 ist Eco-Drive Bestandteil der Fahrprüfung. Dabei geht es beispielsweise darum, wie man intelligent bergabwärts fährt: in einem Gang, in dem man kein Gas geben und gleichzeitig wenig bremsen muss. Bergauffahren erfordert dagegen ein besonderes Gespür: Man fährt mit viel Gas so lange im hohen Gang, wie der Motor Gas annimmt. Die von EnergieSchweiz unterstützte Schulung ist beliebt: Im letzten Jahr nahmen schweizweit 20 000 Perso-

nen an Eco-Drive-Kursen teil, 2 000 davon mit Liefer- und Lastwagen. Insgesamt reduzierte das Schulungsprogramm 2011 den CO2-Ausstoss um 42 000 Tonnen. Das entspricht über 330 000 Tankfüllungen. Unfallrisiko sinkt Bekanntlich ist bei Firmen die für Weiterbildung verfügbare Zeit knapp. Statt einzelne Mitarbeiter an die Eco-Drive-Kurse zu schicken, können deshalb auch Schulungen direkt im Unternehmen gebucht werden. «Wir arbeiten dabei mit Simulatoren, mit denen die Grundprinzipien von Eco-Drive einfach vermittelt werden können. Auch Kurse in Fahrzeugen vor Ort sind möglich», erklärt Eco-Drive-Geschäftsführer Reiner Langendorf. Zur Verbesserung des Fahrstils gehören auch Hinweise, dass man zum Beispiel den Motor nicht unnötig laufen

B E R AT U N G U N D V E R N E T Z U N G EnergieSchweiz ist die nationale Plattform, die alle Aktivitäten im Bereich erneuerbare Energien und Energieeffizienz koordiniert. Dies erfolgt in enger Zusammenarbeit mit Bund, Kantonen, Gemeinden und zahlreichen Partnern aus Wirtschaft, Umweltverbänden und Konsumentenorganisationen sowie privatwirtschaftlichen Agenturen. EnergieSchweiz wird operativ vom Bundesamt für Energie geleitet.

www.energie-schweiz.ch

lässt, die Reifen richtig pumpt und die Klimaanlage bewusst einsetzt. Sowieso schont ein Unternehmen, das auf Fahrschulungen setzt, nicht nur sein Benzinbudget und die Umwelt, sondern auch die Gesundheit der Mitarbeitenden. Denn mit Eco-Drive fährt es sich leiser, und durch die vorausschauende und gleichmässigere Fahrweise kommt

es weniger oft zu unvermittelten Beschleunigungen und abrupten Bremsmanövern. Damit sinken auch Unfallrisiko und Stress – allein schon deshalb lohnt sich der Aufwand für einen EcoDrive-Kurs. Kursangebot: www.eco-drive.ch Auto- und Reifenkauf: www.energieetikette.ch

T I P P S F Ü R S T R E I B STO F F S PA R E N Mit einer Reihe weiterer einfacher Massnahmen kann der Spareffekt auf bis zu 30 Prozent erhöht werden: – Ballast abwerfen: Entrümpeln Sie das Fahrzeug. Inspizieren Sie das Firmenauto regelmässig auf Ersatzteile, Abfall und andere Güter, die nicht zwingend an Bord sein müssen. – Windschnittig fahren: Verwenden Sie Dachträger und andere Aufsätze nur, wenn diese tatsächlich benötigt werden. – Druck machen: Prüfen Sie monatlich einmal den Reifendruck und pumpen Sie bei Bedarf. Dabei können Sie den empfohlenen Mindestdruck um bis zu 0,5 Bar erhöhen. Jedes zweite Auto fährt mit zu wenig Luft und verbraucht so unnötig Treibstoff; gleichzeitig sinkt die Verkehrssicherheit. – Abschalten: Bei Rotlicht und anderen Stopps Motor abstellen – es lohnt sich schon ab zehn Sekunden Wartezeit. – Prima Klima: Klimaanlage unter 18 Grad ausschalten, das spart zirka fünf Prozent Treibstoff. – Kurzcheck: Der Auto Gewerbe Verband Schweiz (AGVS) bietet kompakte Informationen zum Thema an. In der Region Basel offerieren die Garagisten derzeit für 49 Franken einen Kurzcheck. www.autoenergiecheck.ch www.autoklima18.ch

Auch bei Lastwagen bringt eine umsichtige Fahrweise deutliche Treibstoffersparnisse.

Foto: zVg


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UZ l GELD

Fotos: zVg

I N T E R N AT I O N A L E S J A H R D E R G E N O S S E N S C H A F T E N 2 0 1 2

Genossen im Aufwind Die zehn grössten Genossenschaften in der Schweiz erwirtschaften einen Umsatz von 58 Milliarden Franken. Das sind über zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukt BIP. Warum Genossenschaften ein etwas verstaubtes Image haben, erklärt Prof. Dr. Franco Taisch.

INTERVIEW URS OSKAR KELLER*

9 980 Genossenschaften gibt es in der Schweiz. Sie sind erfolgreich und die heimliche Macht im Land. Nach der Finanzkrise stehen sie für die alten Unternehmenswerte – die neuerdings wieder modern sind. Herr Taisch, was macht die Genossenschaft als Rechtsform so interessant? Franco Taisch: Die Genossenschaft ist eine rechtliche Plattform unternehmerischen Handelns, die ihren unternehmensrelevanten Anspruchsgruppen in erster Linie direkt entlang ihrer Wertschöpfungskette wirtschaftlichen Nutzen erbringen will. Damit unterscheidet sie sich von anderen rechtlichen Vehikeln wie der AG, wo nicht ein mehrdimensionaler Nutzen angestrebt wird, sondern die eindimensionale Gewinnmaximierung rechtsformtypisch ist. Diese mehrdimensionale Nutzenausrichtung ist zentral. Weiter entsprechen lokale Verankerung und damit verbundene Kundennähe und soziale Kontrolle, der Kunde, der auch Eigentümer ist, die wirtschaftliche Solidarität und ein demokratischer Entscheidfindungsprozess heutigen gesellschaftlichen Wertetendenzen mit Blick auf Sinn und Zweck unternehmerischen Handelns. Wo liegen die Vor- und Nachteile? Spielen Haftungsfragen eine besondere Rolle? Haftung ist nicht ein Differenzierungsaspekt zu anderen juristischen Personen wie der AG. Als Nachteil erweist sich

für Start-up wohl etwas die Mindestzahl von sieben Mitgliedern. Daneben würde ich nicht von eigentlichen Vor- und Nachteilen sprechen. Es kommt primär darauf an, für welche unternehmerische Tätigkeit man diese Plattform nutzen will. Für die einen passt sie perfekt, für die anderen überhaupt nicht. Das Schweizer Recht kennt darum verschiedene unternehmerische Formen. Wo sind sie in der Landwirtschaft noch weit verbreitet? Von Fenaco mit Landi und Agrola, der grossen netzwerkartig verbundenen Genossenschaftsgruppe, über Alpgenossenschaften bis zu ganz kleinen Käsereien. Werden die Genossenschaften in Zukunft attraktiv bleiben? Ich denke, dass mit den genannten typischen Merkmalen die Genossenschaft für die künftigen Herausforderungen sehr gut aufgestellt ist. Sie ist eine alte Rechtsform, die gleichzeitig hochmodern den Puls der Zeit trifft. Es gilt nun aber zukunftsgerichtete Rahmenbedingungen zu erhalten, weiterzuentwickeln und zu optimieren. Am häufigsten gibt es heute neben dem Verein entweder die AG oder die GmbH. Warum wohl? Die Genossenschaft ist offensichtlich nicht mehr «zeitgemäss» aber keinesfalls ungeeignet, sondern eben nur «aus der Mode». Kennen Sie Leute, die kürzlich eine Genossenschaft gründeten?


GELD l UZ

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GENOSSENSCHAFTEN «Einer für alle – alle für einen», so lautet das Motto von Genossenschaften. Eine Genossenschaft ist eine Art Selbsthilfeorganisation. Ziel ist es, die Mitglieder zu fördern und zu unterstützen. Robert Owen und 28 englische Flanellweber von Baumwollspinnereien in Rochdale bei Manchester gründeten am 24. Oktober 1844 mit der «Rochdale Society of Equitable Pioneers» die erste moderne (Arbeiter-)Genossenschaft. In der Mitte des 19. Jahrhunderts gab es eine grosse genossenschaftliche Bewegung, und Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818-1888) aus Neuwied gründete eine der ersten Genossenschaften zur Unterstützung von Landwirten in Deutschland. Die Ideen von Friedrich Wilhelm Raiffeisen und Hermann Schulze-Delitzsch, insbesondere der Selbsthilfegedanke wurden in Europa mit Interesse aufgenommen und fanden vor allem in ländlichen Gebieten viele Nachahmer. Auf Initiative von Pfarrer Johann Traber entstand 1899 im thurgauischen Bichelsee die erste Raiffeisenkasse der Schweiz. Lange waren sie eher unpopulär, doch heute sind Genossenschaften attraktiver denn je. Auch im Wohnungsbau sind sie verbreitet. Die Vereinten Nationen haben 2012 zum «Internationalen Jahr der Genossenschaften» ausgerufen. Sieben Personen können bereits eine Genossenschaft gründen. In der Schweiz gibt es nach Angaben des Eidgenössischen Amtes für das Handelsregister in Bern 9 980 Genossenschaften und – zum Vergleich – rund 539 000 eingetragene Aktiengesellschaften, Einzelunternehmen, Stiftungen, Kommanditgesellschaften und andere Rechtsformen (Stand: 1.1.2012). Es gibt in den Ostschweizer Kantonen folgende Zah len von eingetragenen Genossenschaften: Appenzell Ausserrhoden AR (54), Appenzell Innerrhoden AI (18), St. Gallen (561), Thurgau (310). In Graubünden liegt die Zahl bei 337, in Schaffhausen sind es 92 und Zürich zählt 1 214 Genossenschaften – und ist damit Leader in dieser Rechtsform in der gesamten Schweiz. (uok)

«

Grosse

erfolgreiche Unternehmen wie Coop, Migros, Raiffeisen, Mobiliar und Fenaco werden nicht als Genossenschaften wahrgenommen»

ZUR PERSON Prof. Dr. iur. Franco Taisch (53) studierte und promovierte an der Universität Zürich. Anschliessend war Taisch bis 1994 als Rechtsanwalt in Zürich, Genf und New York tätig. Bis 2009 war er in verschiedenen Funktionen in Geschäftsleitungen und Verwaltungsräten der Privatwirtschaft engagiert und Lehrbeauftragter an den Universitäten Zürich, St. Gallen und Luzern; zuletzt Titularprofessor für Legal Management sowie Finanzmarktrecht an der Universität Luzern. Seit 2009 ist er Unternehmensberater und Ordinarius für Wirtschaftsrecht und Vorsitzender des Direktoriums des Instituts für Unternehmensrecht an der Universität Luzern. Er leitet das Kompetenzzentrum für Genossenschaftsunternehmen. Franco Taisch ist Mitbegründer des Vereins «IG Genossenschaftsunternehmen» IGG (2010) mit Sitz in Luzern.

In meiner Beratungspraxis begleite ich momentan ein Projekt, wo wir einen Tourismusbetrieb retten wollen, der vor dem Aus steht, da keine Nachfolgeperspektive vorhanden ist. Hier kann eine genossenschaftliche Struktur Lösungen bieten. Verschiedene Anspruchsgruppen des Betriebs, hier vor allem die langjährigen Arbeitnehmer und Kunden, werden sich in einer Genossenschaft zusammen tun und den Betrieb durch diese Genossenschaft übernehmen. Eine Art kooperativer Buy-out als Nachfolgelösung. Start-ups schiessen aber nicht aus dem Boden. Genossenschaften haben ein etwas verstaubtes Image und moderne, innovative Unternehmen wie Mobility, oder grosse erfolgreiche Unternehmen wie Coop, Migros, Raiffeisen, Mobiliar und Fenaco werden nicht als Genossenschaften wahrgenommen. Die ganze Start-up-Beratungsindustrie sodann ist auf AG und GmbH, allenfalls Verein ausgerichtet. Sobald die Alternative Genossenschaft aber vermehrt ins Bewusstsein gerade der Berater gestossen ist, wird sich auch hier eine steigende Entwicklung zeigen. Kennen Sie die genaue Zahl von landwirtschaftlichen Genossenschaften? Kenne ich leider auch nicht. Statistische Zahlen sind sehr rar. Immerhin konnten wir erheben, dass die zehn grössten Genossenschaften in der Schweiz einen Umsatz von über zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukt (BIP) – das heisst rund 58 Mrd. Franken – erwirtschaften, was enorm ist. Was fasziniert Sie persönlich an den Genossenschaften? In der Gastronomie haben sie bislang kaum Fuss gefasst. 1973 wurde die erste Genossenschaftsbeiz, das Restaurant «Kreuz» in Solothurn eröffnet. Es ist das älteste selbständig verwaltete Gasthaus der Schweiz. Ich komme aus der Privatwirtschaft und aktienrechtlichen Konzernen. Im Rahmen meines Verwaltungsrat-Mandates bei der Raiffeisen Gruppe begann ich mich intensiv mit genossenschaftlichen Unternehmensstrukturen auseinander zu setzen. Das war der Beginn einer Faszination der Verbindung von betriebswirtschaftlicher Führung und mehrdimensionalem Nutzen. * Urs Oskar Keller ist Journalist und Fotograf BR und lebt am Bodensee. www.urs-ok.ch


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UZ l INTERVIEW

R O B E R T U N T E R E G G E R , S T I F T U N G Z U K U N F T S R AT

Längerfristig Zukunft gestalten 1996 wurde die Stiftung Zukunftsrat ins Leben gerufen. Sie will kurzzeitorientierte Arbeitsweisen in Politik und Gesellschaft mit Zukunftsräten um die Dimension der Langzeit ergänzen: «Was soll in 20 Jahren sein?» Wir unterhielten uns mit dem Mitgründer und Geschäftsleiter Robert Unteregger.

Bundesebene vorstellen. Durch die Durchführung zahlreicher Zukunftsrattage und -anlässe und kontinuierlicher Nachdenkarbeit verfügen wir inzwischen über viel Erfahrung und konzeptuelle Varianten dazu, wie ein Zukunftsrat arbeiten und wirken kann. Durch den ständigen Einbezug von Jugendlichen und Schulen in das Zukunft-Gestalten ist ein methodisch grundgelegtes Zukunft-Gestalten heute in den Schulen und auf allen Stufen möglich. Mit entwicklungspfade.ch erscheint im Juni das entsprechende Lehrmittel hierzu. Weil «Bildung für nachhaltige Entwicklung» gegenwärtig in die neuen Lehrpläne und in die Lehrerbildung kommt, stehen die Chancen gut, dass Zukunft-Gestalten bald zu einem alltäglichen Element im Schulunterricht wird. Mit tragfähigen Zukunftsperspektiven lebt und lernt es sich leichter.

INTERVIEW PETER BLATTNER

Herr Unteregger, aus welchen Gründen kam es zur Gründung der Stiftung Zukunftsrat? Robert Unteregger: In den 90er Jahren stand eine Revision der Bundesverfassung an. Dabei wurde auch der Vorschlag eingebracht, eine dritte Kammer als Zukunftsrat, in Ergänzung von Regierung und Parlament, zu installieren. Diese Pläne landeten in der Schublade und ich hörte per Zufall eine Radiosendung zu diesem Thema mit Konradin Kreuzer. Er hatte den Vorschlag eingebracht. Ich trat mit ihm in Kontakt, weil ich hier einen Ansatz sah, wie wir als Gesellschaft wieder zu längerfristig tragfähigen Leitideen kommen könnten. Was ist das Ziel der Stiftungsarbeit? Wir fördern und initiieren in Gemeinden, Kantonen und auf Bundesebene die Schaffung von Zukunftsräten – als institutionelle Einrichtungen. Sie sollen die längerfristige Entwicklung unserer Gesellschaft überhaupt erst verhandelbar und damit auch, bis zu einem gewissen Grad, gestaltbar machen. Zukunftsräte wirken in Ergänzung von Regierung und Parlament. Sie hätten zumindest ein Anhörungsrecht, so dass ihre Arbeit frühzeitig in die Meinungsbildung und Entscheidungsfindung einfliessen kann. Die Gestaltungsspielräume, um die es in unserer hoch-technisierten Gesellschaft geht, sind wirklich riesig: Rückblickend: 1950 gab es in der Schweiz noch keine Autobahnen und nur 150’000 Autos, heute über vier Mio.; der Energieverbrauch hat sich versechsfacht, damals waren Kohle, Wasser und Holz die Energieträger, heute sind es v.a. Erdöl, Uran und weiterhin das unermüdliche Wasser; die Lebenserwartung ist um 15 Jahre gestiegen. Vorausblickend: Wie gestalten und nutzen wir den begrenzten Raum? Mit welchen Techniken und Haltungen erreichen wir einen langfristig tragfähigen Energiehaushalt? Wie weit gehen wir den Weg der Spitzenmedizin? Wie gestalten wir direkte und europäische Demokratie? Wie bringen wir unser Wirtschaften in verantwortbare Kreisläufe, natürliche und finanzielle? - Wir müssen – als Gesellschaft - den Übergang vom bald 60-

Die Stiftung soll die längerfristige Entwicklung der Gesellschaft überhaupt erst verhandelbar und gestaltbar machen, sagt Robert Unteregger. Foto: zVg

jährigen Reagieren hin zum vorausschauenden Gestalten schaffen. Ständiges Krisenmanagement reicht nicht aus! Wie finanzieren Sie sich? 200 Gründungsmitglieder, vorab Private, erbringen einen Jahresbeitrag von gegen 12‘000 Franken. Viele Sachverständige erbringen ihre Einsätze unentgeltlich, mit grossem Engagement. Den Hauptteil an Geldmitteln haben wir bisher für Jugendprojekte (Jugend-Zukunftsrats-Tage, Expo02-Projekt, Baustelle Zukunft etc.) zusammenbringen können, bisher über vier Millionen Franken. Was wurde in den vergangenen 16 Jahren erreicht? Den bisher grössten Erfolg erzielten wir im Kanton VD, als unsere Überlegungen 2002 in der Verfassung festgeschrieben wurden. Dort gibt es jetzt ein Prospektivorgan in der Präsidialabteilung. In verschiedenen Kantonen (GR, SG, TG) sind inzwischen weitere zukunftsratsähnliche Einrichtungen installiert worden. Noch kleine Pflänzchen – aber schon viel mehr als nichts. Im Januar 2011 konnten wir der staatspolitischen Kommission des Ständerates den Vorschlag zur Schaffung eines Zukunftsrates für Geld und Wirtschaft auf

Findet Ihre gemeinnützige Stiftung auch Unterstützung in politischen Kreisen? Indirekt. Wir betreiben keine Parteipolitik, aber viele Exponenten, Persönlichkeiten, die parteipolitisch engagiert sind, teilen unsere zukunftsgerichteten Überlegungen, unter ihnen oft Ärzte, Lehrer und Naturwissenschaftler. Welches sind die nächsten Schritte in der Stiftungsarbeit? Im Anschluss an die sechstägige nationale Konferenz «haushalten&wirtschaften – Bausteine für eine tragfähige Wirtschaftsund Geldordnung», die wir im Januar auf dem Berner Hausberg Gurten durchführen konnten, werden wir versuchen, den Vorschlag zur Schaffung eines (Wirtschafts-) Zukunftsrates auf Bundesebene via Parlament, evtl. auch Bundesrat, voranzubringen. - Nachdem die Schweizer Diplomatie auf UNO-Ebene die Schaffung eines globalen Nachhaltigkeitsrates vorschlägt, sollte es der Bundesversammlung nicht mehr allzu schwer fallen, auch im eigenen Land eine solche Einrichtung zu schaffen. Kontakt: Stiftung Zukunftsrat, Robert Unteregger, Grand’Rue 2, 1588 Cudrefin, Telefon 026 677 07 90 www.ds1.zukunftsrat


Foto: Bilderbox.de

GELD l UZ

VON MARCEL TSCHANZ

MARCEL TSCHANZ

Der Autor ist CEO der VP Bank (Schweiz) AG. marcel.tschanz@vpbank.com.

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ANLAGE

Der Private Banker als Hafenlotse Was haben ein Hafenlotse und ein Private Banker gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht viel. Bei näherer Betrachtung offenbaren sich jedoch erstaunliche Gemeinsamkeiten.

Die heutige Schifffahrt ist geprägt von Hightech-Ausrüstungen für Navigation und Sicherheit. Tank-, Fracht- und Passagierschiffe liessen sich sogar via Satellit über die Weltmeere und direkt an ihren Anlegeplatz im Hafen steuern – ohne menschliches Zutun. Doch wie sieht die Realität aus? Wie vor hundert Jahren wird auch heute noch ein grosses Schiff vor

der Hafeneinfahrt von einem Lotsen empfangen. Dieser geht an Bord und begleitet auch erfahrene Kapitäne mit konkreten Geschwindigkeits- und Ruderanweisungen bis zu ihrem Anlegeplatz. Dabei sorgt er dafür, dass auch schwer erkennbare oder neue Hindernisse nicht in einer Katastrophe für Mensch und Fracht enden. Modernste Technologie ist wichtig, reicht aber schlicht nicht aus, um Situationen individuell und umfassend zu analysieren. Ausschlaggebend ist jahrelange Erfahrung, mit der verschiedene Sachverhalte parallel verarbeitet und so die richtigen Schlüsse gezogen werden können.

Ebenfalls seit mehr als 100 Jahren hat sich in der Schweiz das Private Banking erfolgreich entwickelt. Heute finden sich im Internet zu beinahe jeder Finanzdienstleistung und jedem Produkt detaillierte Informationen über Umfang, Preis, Risiko und Qualität – teilweise aber auch widersprüchliche Meinungen. Gleichzeitig verändert sich das regulatorische Umfeld fast täglich. Unabhängige Beratung Die Kunst des Private Banking ist es, den um Rat suchenden Kunden in seiner aktuellen Situation ganzheitlich zu erfassen, die Fragestellung und Zielsetzung zu erarbeiten und letztendlich zusammen mit

Fachspezialisten die für ihn beste Lösung zu finden – sprich den richtigen Kurs und die angepasste Geschwindigkeit zu wählen. Genau so will sich die Kundenberatung der VP Bank verstanden wissen. Die offene ProduktePlattform der Bank sorgt dafür, dass der Berater nicht in Versuchung gerät, bankeigene Produkte zu bevorzugen. Den Beratern stehen zudem Spezialisten in diversen Fachgebieten zur Verfügung. Wir sehen unsere Kundenberater als Lotsen im Nebel – sie sind Finanzarchitekten für die individuellen Pläne von Privatpersonen, Unternehmern und Familien über mehrere Generationen hinweg.

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Frühzeitig an die Zukunft denken Die Langlebigkeit stellt die Rentensysteme vor immense Herausforderungen. Deshalb gilt es, die individuelle Altersvorsorge zu optimieren, damit auch im Rentenalter der gewohnte Lebensstandard aufrechterhalten werden kann. Europäische volatile Finanzmärkte und ein historisches Niedrigzinsumfeld – die Marktbedingungen sind weiterhin von Unsicherheiten geprägt. Hinzu kommt die demographische Entwicklung: Hohe Lebenserwartungen und alternde Gesellschaften sind in vielen Ländern Realität. Die vorhandenen Vorsorgegelder müssen für einen immer längeren Zeitraum ausreichen. Was bedeutet dies für die berufliche Vorsorge?

Berufliche Vorsorge anpassen Die politischen Rahmenbedingungen in der beruflichen Vorsorge sind mit dem gesetzlich fixierten Umwandlungssatz und dem Mindestzins gegeben. Dennoch besteht auch in der beruflichen Vorsorge die Möglichkeit, die Rentenminderung abzufedern. Arbeitgeber und Arbeitnehmer können den Sparprozess anpassen, indem die Sparbeiträge erhöht werden, um so die Altersleistungen zu stärken.

Zudem stellt auch eine Anpassung der Lohndefinition eine Option dar, wenn beispielsweise Bonuszahlungen oder die Versicherung des gesamten AHV-Einkommens in die Berechnung mit einbezogen werden. Entsprechend höher fallen die Sparleistungen aus. Ein Beispiel: Ein 35-jähriger Angestellter mit einem Jahreslohn von 100 000 Franken spart derzeit gemäss BVG-Gesetzgebung 5916 Franken für die Altersvorsorge an. Wird der gesamte AHV-Lohn betrachtet, bliebe nach dem Koordinationsabzug von derzeit 24 360 Franken ein zu versichernder Lohn von 75 640 Franken. Der Sparbetrag beliefe sich dann gesamthaft auf 7564 Franken – und läge somit um fast 20 Prozent höher. Mit einer einfachen Anpassung der Vorsorge kann die Altersleistung deutlich erhöht werden.

Individuell vorsorgen Grundsätzlich hat jeder einzelne Versicherte in der beruflichen Vorsorge die Möglichkeit, einen persönlichen Einkauf von Beitragsjahren prüfen zu lassen. Damit können auf der einen Seite die Altersleistungen verbessert und auf der anderen Seite steuerliche

Vorteile erzielt werden. In der privaten Altersvorsorge (Säule 3a) besteht die Möglichkeit, jährlich eine Maximalsumme (derzeit 6682 Franken) einzuzahlen, um eine eventuelle Vorsorgelücke im Alter zu schliessen und gleichzeitig von steuerlichen Erleichterungen zu profitieren.

Umfassend beraten lassen Ob in der beruflichen oder in der privaten Altersvorsorge: Es bestehen zahlreiche Optionen. Um den Überblick nicht zu verlieren, empfiehlt sich für Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer eine umfassende Beratung durch Vorsorgespezialisten.

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KOMMUNIKATION l UZ

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STUDIE ZHAW

Prozess folgt Strategie Viele Unternehmen sind heutzutage bestrebt, ihre Geschäftsprozesse mittels eines bewussten und strukturierten sowie konsequenten Prozessmanagements zu optimieren und dadurch die organisationale Produktivität, die Qualität ihrer Dienstleistungen und Produkte sowie ihre Innovationsfähigkeit zu steigern. Doch die essentielle Frage ist: Wie?

PROZESS-MANAGEMENT In welchem Entwicklungsstadium schätzen Sie in Ihrer Organisation heute aus Sicht der Anwendung von BPM (Business Process Management) zu sein? Stufe 4 Richtlinien und Methoden grösstenteils eingeführt sowie kontinurliche Verbesserung grösstenteils etabliert

7%

Stufe 3 Bestimmte BPM-Methoden eingeführt sowie kontinurliche Verbesserung teilweise etabliert Stufe 2 Ausgewählte BPM-Themen adressiert sowie Bewusstsein für kontinurliche Verbesserung vorhanden Stufe 1 Generelles Bewusstsein für BPM sowie Sensibilisierung für kontinurliche Verbesserung vorhanden

32 %

23 %

38 % Grafikquelle: zhaw

TEXT CLEMENTE MINONNE

Eine aktuelle empirische Untersuchung des Zentrums für Wirtschaftsinformatik (ZWI) der School of Management and Law (SML) der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), ergab, dass sich insbesondere die strategische Perspektive des Prozessmanagements in der KMUPraxis wesentlich komplexer gestaltet, als dies auf den ersten Blick zu vermuten ist. Vielerorts scheinen Unternehmen das Potenzial noch nicht vollumfänglich zu nutzen, das ihnen Methoden und unterstützende Werkzeuge für das Prozessmanagement bieten. Der Marktspiegel zeigt auch, dass der Reifegrad von Prozessmanagement in Unternehmen noch keine signifikante Stufe erreicht hat – unabhängig von ihrer Grösse. Es besteht jedoch ein generelles Bewusstsein für diese neuzeitliche Managementdisziplin. Doch Bewusstsein allein wird kaum genügen, um die Anforderungen, die an die Unternehmen gestellt werden, erfolgreich zu meistern. Prozessmanagement soll gelernt sein Hand aufs Herz! Wer der Leserinnen und Leser wurde während seiner Karriere in der Disziplin «Prozessmanagement» aus- oder weitergebildet? Wem wurde das Handwerk beige-

bracht, wie sich aus der soeben neu erarbeiteten Unternehmensstrategie ganz konkrete Handlungsmassnahmen für die Prozessperspektive der Organisation ableiten lassen. Und wer verfügt sogar über die Fähigkeit, diese Massnahmen so feinkörnig zu definieren, damit diejenigen Mitarbeitenden des Unternehmens auch ganz konkret handeln können? Wie machen es die anderen? Die Frage zum Reifegrad von Prozessmanagement der in der Studie befragten Unternehmen zeigt Erstaunliches auf: 61 Prozent der Befragten antworteten, dass deren Organisation gerade mal die Reifegradstufen 1 und 2 erfüllen (von 4), was dem Vorhandensein eines generellen Bewusstseins und der Thematisierung einzelner Prozessmanagement-Aspekte entspricht. Weitere 32 Prozent gaben an, dass bestimmte Prozessmanagement-Methoden zwecks kontinuierlicher Verbesserungen eingeführt und betrieben werden. Lediglich sieben Prozent bestätigen heute das Vorhandensein von dedizierten Methoden und Richtlinien für das Prozessmanagement. Die branchenspezifische Betrachtung lässt in diesem Zusammenhang die Aussage zu, dass die Reifegradstufen 3 und 4 insbesondere durch Vertreter des Banken- und Informatiksektors erreicht werden. Abgesehen von den Spitzen-

Es ist wichtig, dass es Personen gibt, die sich gezielt auf das Prozessmanagement im Unternehmen konzentrieren. Foto: Bilderbox.de


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UZ l KOMMUNIKATION reitern in der Banken- und Informatikbranche ergibt sich bei der Anwendung von Prozessmanagement im deutschsprachigen Europa ein durchaus ernüchterndes Bild. Alltag: «Prozessmanagement» Nach der Definition des Autors «unterstützt das Prozessmanagement Unternehmen – in Abstimmung mit den aus den strategischen Zielen abgeleiteten prozessorientierten Umsetzungsmassnahmen – bei der Analyse, Modellierung, Implementierung, Ausführung und kontinuierlichen Verbesserung von Geschäftsprozessen. Verfolgt wird damit die Steigerung der organisationalen Produktivität, Qualität und Innovationsfähigkeit.» Die eingangs erwähnte Studie bestätigt diese Aussage insofern, als dass für die Hauptzielsetzung des Prozessmanagements eine angestrebte Qualitätsverbesserung (76 Prozent), die Prozessoptimierung mittels einhergehender Standardisierung von Prozessen (73 Prozent) sowie die Steigerung der organisationalen Produktivität (61 Prozent) genannt werden. Die generelle Steigerung der Kostentransparenz und die explizite Ermittlung kostenkritischer Prozessaktivitäten (Arbeitsschritte) wurden lediglich von 27 Prozent der Befragten in diesem Kontext als wichtig erachtet. Nur gerade ein Fünftel (19 Prozent) der befragten Unternehmen wollen mit dem Einsatz von Prozessmanagement den Innovationsgrad erhöhen. Das Auffinden prozessualer Engpässe (12 Prozent) sowie die Unterstützung von In- und Outsourcing-Entscheidungen (9 Prozent) scheinen diesbezüglich eine untergeordnete Rolle zu spielen.

Kosten und Nutzen Die grössten Hindernisse scheinen bei der Umstellung auf ein prozessorientiertes Unternehmen die mangelnde Unterstützung seitens des Führungsteams (50 Prozent) sowie fehlende bzw. ungenügende Vorgaben, die sich aus der Unternehmensstrategie ableiten lassen (46 Prozent), zu sein. Nun, dieses Ergebnis ist nicht besonders überraschend, da Organisationsentwicklungen bzw. Transitionen – per Definition – im Einklang mit der Unternehmensstrategie stehen sollten. Allerdings wurden als weitere Hindernisse auch der fehlende Ausweis des finanziellen Nutzens von Prozessmanagement (43 Prozent), die fehlende Fachkompetenz (42 Prozent) bzw. mangelnde Ressourcen-Allokation (38 Prozent) erwähnt. Hohe Investitions- oder operative Kosten scheinen laut der Angaben der befragten Unternehmen dagegen keine besonderen Hürden für die Einführung des Prozessmanagements zu sein. Es wurden Erfolgsfaktoren ermittelt, welche für die Studienteilnehmer mit Blick auf die erfolgreiche Einführung und Umsetzung des Prozessmanagements entscheidend sind. An erster Stelle steht die Unterstützung durch die oberste Führungsebene. Darauf folgen die Festlegung klarer Verantwortlichkeiten sowie die Anpassung der Unternehmenskultur. Es fällt auf, dass alle drei Erfolgsfaktoren den Führungsbereich betreffen und die Wichtigkeit der engen Einbeziehung des Führungsteams unterstreichen, damit Prozessmanagement erfolgreich umgesetzt werden kann. Geschäftsprozesse konkret ableiten Bei der Frage, wer denn nun wirklich ihre Prozesse von den

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KOMMUNIKATION l UZ Vorgaben der Unternehmensstrategie ableitet, gaben 78 Prozent der befragten Unternehmen an, dass bei ihnen Geschäftsprozesse nicht oder wenn, dann nur teilweise aus der Strategie abgeleitet werden. Lediglich 14 Prozent gestalten oder optimieren Geschäftsprozesse vollständig oder mindestens mehrheitlich aus den Vorgaben der Unternehmensstrategie. Da heutzutage in der Phase der Strategieumsetzung vielerorts das Instrument der Balanced Scorecard (BSC) angewendet wird, besteht hier natürlich entsprechender Erklärungsbedarf. Eine mögliche Erklärung für die Diskrepanz könnte aus der Sicht des Autors bei der mangelnden Feinkörnigkeit strategischer Vorgaben im Sinne von Zielformulierungen und konkreten Massnahmenbeschreibungen im Zusammenhang mit der BSC liegen. Wer nimmt sich dem an? Im Rahmen einer nachhaltigen Unternehmensentwicklung ist es natürlich besonders wichtig, dass auch spezielle Stellen in der Aufbauorganisation der Firma verankert werden, welche die prozessorientierte Entwicklung vorantreiben. Betrachtet man Prozessmanagement selbst als «Führungsprozess», so zeigen die Resultate der empirischen Untersuchung, dass die Hälfte der befragten Untenehmen über eine eigens für das Prozessmanagement verantwortliche Stelle verfügt. Die übrigen Organisationen haben entweder keine verantwortliche Stelle oder waren nicht in der Lage, diesbezüglich eine Aussage zu machen. Es fällt allerdings auf, dass insbesondere Unternehmen, die über eine solche dedizierte Stelle verfügen, im Prozessmanagement am weitesten entwickelt sind. Dies deckt sich mit den Ergebnissen

zum Reifegrad der Unternehmen. 79 Prozent der Befragten gaben an, dass diese Stelle in ihrer Unternehmensstruktur zentralisiert existiert. 12 Prozent gaben eine dezentrale Ausprägung an. Die restlichen 9 Prozent erwähnten andere strukturelle Formen, wie z. B. die Matrixorganisation. Des Weiteren wurde eruiert, dass diese Stelle bei zwei Dritteln der betroffenen Unternehmen zumeist im organisationalen Bereich des Prozessmanagements (31 Prozent), der Organisationsentwicklung (19 Prozent) und des Qualitätsmanagements (17 Prozent) anzutreffen ist. Bei 13 Prozent ist die für das Prozessmanagement verantwortliche Stelle in der Informatikabteilung angesiedelt. Fazit Bei der intensiveren Auseinandersetzung mit Prozessmanagement als eigenständige neuzeitliche Managementdisziplin wird einem bewusst, dass sich insbesondere die strategische Perspektive in der Praxis wesentlich komplexer gestaltet, als dies auf den ersten Blick zu vermuten ist. Vor dem Hintergrund der (globalen) Vernetzung und des damit einhergehenden intensiven Wettbewerbs unterliegen die unternehmerischen Randbedingungen einem kontinuierlichen Wandel. Dieser Wandel führt in vielen Fällen dazu, dass z. B. automatisierte Geschäftsprozesse und der daraus resultierende Nutzen (Wertschöpfung) nur für eine beschränkte Zeit erbracht werden können. Eine kontinuierliche Anpassung der Geschäftsprozesse ist daher erforderlich. Viele Unternehmen scheinen das Potenzial noch nicht im vollen Umfang zu nutzen, welches ihnen Methoden und Werkzeuge des Prozessmanagements heutzutage bieten.

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DER AUTOR Dr. Clemente Minonne ist stellvertretender Leiter des Zentrums für Wirtschaftsinformatik der School of Management and Law, der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Er nimmt 20 Jahre Praxiserfahrung mit und ist als Forscher, Unternehmensberater und Dozent tätig. Zu seinen Disziplinen zählen Strategisches Management, Prozessmanagement sowie Wissens- und Informationsmanagement. clemente.minonne@zhaw.ch

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UZ l KOMMUNIKATION

ANDREAS WISLER, GESCHÄFTSLEITER VON GO OUT PRODUCTION

«Industriespionage auch in der Schweiz» Die Werte der Industriespionage, begünstigt durch mangelnde IT-Sicherheit, haben in der Schweiz erschreckend zugenommen.

Am 7. März fand zum siebten Mal der SwissSecurityDay, der nationale Tag der Computer-Sicherheit, statt. Ziel war es, die Bevölkerung für den sicheren Umgang etwa beim E-Banking und in Sozialen Netzwerken zu sensibilisieren. Im Interview zeigt Andreas Wisler die Handlungsmöglichkeiten von Unternehmen diesbezüglich auf.

Foto: Bilderbox.de

INTERVIEW MARTINA DALLA VECCHIA

Andreas Wisler, in den Medien wird fast wöchentlich von den Risiken im Internet und den Angriffen auf Unternehmensnetzwerke berichtet. Braucht es da noch einen SwissSecurityDay? Andreas Wisler: Die Gefahren und Risiken haben tatsächlich massiv zugenommen. Auch das organisierte Verbrechen hat den Weg ins Internet gefunden. Dabei geraten vor allem die Privatpersonen ins Visier. Daher versucht der SwissSecurityDay auf die Gefahren aufmerksam zu machen und Lösungsmöglichkeiten zu zeigen. Mit welchen Sicherheitsthemen sollten sich Unternehmen heute beschäftigen? Was sind Ihre Empfehlungen? Die Bundesstelle MELANI (Melde- und Analysestelle Informationssicherung) zeigt, dass Industriespionage in der Schweiz erschreckende Werte angenommen hat. Daher gilt es, die eigene IT-Umgebung immer auf dem aktuellsten Stand zu halten, die Firewall konsequent zu warten, sich mit einem soliden Backup-Konzept inklusive Notfallplanung auf einen Zwischenfall vorzubereiten und mittels ITStrategie, IT-Konzept und Weisungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter klare «Spielregeln» aufzustellen. Mittlerweile gibt es einige Standards, die Unternehmen dabei unterstützen, Sicherheitsaspekte umfassend einzuführen. Das BSI Grundschutzhandbuch aus Deutschland ist eines davon. Ist das für Schweizer Unternehmen ein guter Weg?

In Deutschland ist dies tatsächlich ein Standardwerk, das oft genutzt wird und für die öffentlichen Ämter sogar verbindlich ist. In der Schweiz sind diese Handbücher weniger bekannt. Trotzdem lohnt sich ein Blick in das umfassende Werk. Es komplett umzusetzen, macht keinen Sinn, aber als Referenz und Nachschlagewerk kann ich es sehr empfehlen. In der Schweiz wurde 2005 von der InfoSurance das 10Punkte-Programm für Unternehmen lanciert. Kann man dieses immer noch als Leitfaden nehmen? Der Verein InfoSurance wurde 1999 gegründet und hat das Ziel, Privatpersonen und KMUs für das Thema IT-Sicherheit zu sensibilisieren. Da sich die IT-Umgebungen sehr schnell verändern, wurde das 10-Punkte-Programm so aufgestellt, dass es auch heute noch seine Gültigkeit hat. Werden die zehn Punkte konsequent umgesetzt, kann die ITSicherheit stark erhöht werden. In jedem Unternehmen sollte eine Person für die Sicherheit der Daten und der Infrastruktur verantwortlich sein. Häufig ist dies der Finanzchef oder der IT-Leiter. Sollte man zusätzlich eine externe Firma mit einem Sicherheits-Check beauftragen? Die heutige IT ist geprägt von Zeit- und Kostendruck. Zudem ändern sich Hard- und Software sowie deren Möglichkeiten sehr schnell. Da ist es möglich, dass nicht alles umgesetzt oder konfiguriert wird, was möglich ist. Ein externer Sicherheits-Check soll einem Unternehmen helfen, Schwachstellen und Möglichkeiten zur Behebung zu kennen.


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ZUR PERSON Andreas Wisler war nach seinem Informationstechnologiestudium als IT- Sicherheitsspezialist bei der Swisscom AG tätig. Diverse Fortbildungen im IT-Sicherheitsbereich, wie z.B. CISSP, legen ein breites Fundament. Seit 1997 ist er Mitglied der Geschäftsleitung der GO OUT Production GmbH, welche sich durch IT-Security Audits, Penetration Tests und Beratungen mit der ganzheitlichen Betrachtung der IT-Sicherheit auseinandersetzt. Er publiziert regelmässig Fachberichte in KMU- und technischen Zeitschriften und ist Dozent im CAS Information Security & Risk Management.

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Welchen Nutzen haben Unternehmen von einem solchen Sicherheits-Check? In sehr kurzer Zeit und mit wenig eigenem finanziellen sowie zeitlichen Aufwand kann die IT-Sicherheit erhöht werden. Es geht nicht darum, den bösen Finger zu zeigen, sondern die IT-Umgebung ganzheitlich zu untersuchen und zu verbessern. Eine hersteller- und produkteneutrale Drittmeinung kann hier viele wertvolle Tipps liefern. Was sind die häufigsten Mankos, die Sie bei derartigen Prüfungen vorfinden? Im organisatorischen Bereich fehlen die verbindlichen Vorgaben an die IT. Was ist der Zweck? Welche Mittel werden verwendet? Wie wird die IT-Sicherheit erhöht? Welche Anforderungen an die Verfügbarkeit stellt das Business an die IT? Was geschieht bei einem Zwischenfall? Wie ist der Umgang mit den IT-Mitteln? Dies sind nur einige Fragen, die geklärt werden müssen. Anhand der Antworten kann die IT die entsprechenden Umsetzungen tätigen. Im technischen Bereich sind es vor allem Systeme, bzw. die darauf installierten Drittapplikationen, die oft nicht aktuell sind. Dies stellt leider eine gravierende Bedrohung für ein Unternehmen dar, wie auch schon namhafte Unternehmen erfahren mussten. Daher gilt auch hier: Die IT-Sicherheit muss stetig kontrolliert und erhöht werden, um nicht Gefahr durch einen Schaden zu nehmen.

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UZ l KOMMUNIKATION

EQUIPMENT

Home Office Day 2012 VON ANDRÉ CARADONNA

DER AUTOR André Caradonna ist Produktspezialist von Swisscom und beantwortet Fragen zur Informationsund Kommunikationstechnologie. vernetzt@unternehmerzeitung.ch

Ich habe kürzlich vom Home Office Day gehört und möchte nun ebenfalls daran teilnehmen. Was brauche ich alles, um von zu Hause aus effizient arbeiten zu können bzw. am Home Office Day mitzumachen?

aus auch effizient gearbeitet werden kann, müssen gewisse Vorkehrungen getroffen werden.

Voraussetzung: Internetverbindung Um von zu Hause aus arbeiten zu können, ist eine schnelle und vor allem auch zuverlässige Internetverbindung unverzichtbar. Am 10. Mai wird eine Vielzahl von Personen schweiz- Geeignet ist beispielsweise eine Breitband-Standortverweit Ihrem Beispiel folgen und von zu Hause aus arbei- netzung, wie sie von Unterten. Die Initiative «Home Of- nehmen zum Teil bereits eingesetzt wird. Diese binfice Day» findet dieses Jahr bereits zum dritten Mal statt det verschiedene Standorte und fördert das Arbeiten von in das Firmennetzwerk ein und ermöglicht den Mitarzu Hause aus. Mit dem nationalen Tag der Heimarbeit beitenden jederzeit den Zugriff auf die Firmendasoll unter anderem das Beten. Eine andere Variante wusstsein für weniger CO2bieten sogenannte Remote Ausstoss gefördert werden. Acess Services (RAS): Damit aber von zu Hause

Anders als bei der Standortvernetzung, kann dabei über eine beliebige Internetverbindung auf das Firmennetzwerk zugegriffen werden. Voraussetzung hierfür: das Firmennetzwerk muss für diese entsprechende Option ausgerüstet sein. Austauschmöglichkeiten sicherstellen Eine gute Datenverbindung ist auch für die ortunabhängige Zusammenarbeit und Kommunikation untereinander unerlässlich. Um sich mit den Arbeitskollegen auszutauschen, beispielsweise bei kurzen Rückfragen, eignen sich online basierte Hilfsmittel wie Instant Messaging – Chats also - besonders gut. Hingegen für längere Gespräche sind Telefonate nachwievor unersetzlich. Diese können auch übers Netz geführt werden.

Dadurch ist man auch zu Hause unter der Firmennummer erreichbar und kann Meetings als Telefonkonferenzen durchführen. Probieren Sie es aus! Zu Hause arbeiten bedeutet keineswegs, dass man sich über fehlende Dokumente oder E-Mails ärgern müsste. Mit wenigen technischen Voraussetzungen kann von zu Hause aus fast wie im Büro gearbeitet werden. Der Home Office Day bietet eine ideale Gelegenheit, um diese Arbeitsform einmal auszuprobieren. Interessenten können sich unter homeofficeday.ch anmelden und gleichzeitig ihr Klimaschutz-Potential berechnen lassen.

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BUSINESS-TRAVEL

Wachstumsmarkt China VON KLAUS STAPEL

DER AUTOR Klaus Stapel ist Geschäftsführer von AirPlus International AG (Schweiz), einem führenden internationalen Anbieter von Lösungen für das tägliche Geschäftsreise-Management. www.airplus.com/ch/de/

Das Reich der Mitte unterscheidet sich vom Westen nicht nur in Verhaltensweisen und Bräuchen, sondern auch beim Reisen, vor allem bei Geschäftsreisen, wie das White Paper «Travel Management in China» von AirPlus zeigt.

Der chinesische Geschäftsreisemarkt steckt noch in den Kinderschuhen, obgleich die Wachstumskurve steil nach oben zeigt: Laut WTO weltweit an Stelle drei, bis 2020 sogar auf Platz zwei. Bedingt ist dieser Boom durch das starke Wirtschaftswachstum. 2011 verzeichnete das Land einen Zuwachs um 9,47 Prozent. Bis 2032 soll

China zur weltweit grössten Wirtschaftsmacht aufsteigen. Mittlerweile unterhält fast jede grosse Firma und auch KMU Geschäftsbeziehungen zu China. So sind die Geschäftsreiseausgaben im heimischen Markt von 18 Mrd. in 2000 auf 62 Mrd. US-Dollar in 2010 gestiegen. Bis 2025 wird China 219 Städte mit jeweils einer Population von einer Million vorweisen. Um den Handel zwischen diesen «Bevölkerungsclustern» zu entwickeln, werden Geschäftsreisen stark anziehen. All diese Faktoren bergen grosses Potenzial für professionelle Travel Management-Anbieter, denn Geschäftsreisemanagement westlicher Prägung ist chinesischen

Firmen nahezu unbekannt. 90 Prozent der in China für die Geschäftsreiseorganisation Zuständigen verwenden nur ein Viertel ihrer Arbeitszeit für diese Aufgaben. Die chinesische Wirtschaft ist so rasant gewachsen, dass Firmen sich zu sehr auf das Verkaufswachstum fokussiert haben, ohne dass der Kostenkontrolle eine hohe Priorität eingeräumt wurde. So verwenden nur 13 Prozent der chinesischen Unternehmen für Reiseausgaben Firmenkreditkarten. Aus traditionellen Gründen bevorzugen viele noch die Barbezahlung. Reisesicherheit spielt keine grosse Rolle, dennoch ist Travel Tracking möglich. Generell

ist die Kriminalitätsrate in China aber niedrig. Auch Reiserichtlinien sind weniger üblich als im Westen. Nur 51 Prozent der chinesischen Firmen verfügen über eine Policy, die alle Aspekte des Travel Managements abdeckt. Für prosperierende Geschäftsbeziehungen ist «Guanxi», das in der chinesischen Kultur elementar verankert ist, das Wichtigste: Persönliche Beziehungen, Netzwerke und Kontakte. Des Weiteren ist es wichtig, dass Geschäfte nicht nach einem Treffen abgeschlossen werden, sondern wenn eine Beziehung etabliert ist. Darum sollte man bis zum Abschluss physisch vor Ort sein.

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Dschungel der Systeme Die Frage «Benziner oder Diesel?» sorgt bei der Wahl des richtigen Firmenautos oft für langes Grübeln – zumal heute auch Gas-, Hybrid- und Elektroantrieb alternativ in Frage kommen. Ein Überblick.

TEXT TIMOTHY PFANNKUCHEN

Der Streit ist so alt wie das Auto selbst: Seit 1886 die ersten Autos im heutigen Sinne lostuckerten, konkurrieren Antriebssysteme. Noch in den ersten Jahren musste sich der Benziner des Elektroantriebs erwehren, ehe der in den 1920er Jahren nicht mehr mithielt und verschwand – nun aber wieder als Zukunft gilt (siehe Kasten). Erst 1936 starteten Dieselpersonenwagen. Von dreckig, laut, lahm reiften sie zu sauber, kräftig, kultiviert. Geblieben sind die tieferen Verbrauchswerte und vorbildliche Langlebigkeit. Benziner oder Diesel? Vor Fahrgefühl und Image entscheiden in Unternehmen aber die Kosten. Geht es um den tiefsten Anschaffungspreis und leisen Lauf, bleiben Benziner erste Wahl. Vor allem bei geringer Kilometerleistung sind sie unschlagbar. In der jüngsten Generation mit downgesizten Motoren – Turbo statt Hubraum, dazu Stopp-Start-Systeme – sinkt der Verbrauch nochmals, so dass Benziner nach einer Phase des Dieselfortschritts wieder auf Augenhöhe wetteifern. Der Dieselanteil dümpelt bei den Neuzulassungen (PW) bei 33 Prozent (2011) – mehr als im Jahr 2000 (neun Prozent), aber weniger als in Nachbarländern mit bis zu über 70 Prozent. Vor allem, weil Dieseltreibstoff bei uns mehr kostet, da er im Gegensatz zum Gros Europas keine Steuervergünstigungen (eingeführt zur Förderung des Transportgewerbes) geniesst. Zudem macht die sehr aufwendige Abgasreinigungsanlage Dieselmotoren teurer. So gilt als Faustregel,

Der Opel Ampera erhielt den Titel «Auto des Jahres 2012».

dass sich der Mehrpreis ganz nach Abschreibungsdauer frühestens ab 20 000, eher 30 000 Kilometern im Jahr rentiert. Ein Beispiel: Der Audi A4 kostet als 1.8 TFSI mit 120 Benzin-PS 38 200 Franken; als 2.0 TDI mit 120 Diesel-PS ist er 3550 Franken teurer. Beim Normverbrauch von 6,5 respektive 4,6 Liter auf 100 Kilometer und 1,84 bzw. 1,96 Franken pro Liter Bleifrei 95 bzw. Diesel (Marktmittel März 2012) betragen die Treibstoffkosten auf 100 Kilometer also zwölf bzw. neun Franken: Der Erwerb des TDI gegenüber dem Benziner lohnt also erst nach 120 000 gefahrenen Kilometern. Dafür punkten Diesel oft mit längeren (meist variablen) Service-Intervallen, sind langlebiger und finden mit hoher Laufleistung eher Käufer als Benziner. Dank seines höheren Wirkungsgrades bietet der Diesel mehr Sparpotenzial. Die Reichweiten sind enorm – im Diesel reicht eine Tankfüllung auch mal 1000 Kilometer. Und nicht zuletzt täuscht die PS-Zahl, weil Diesel mit gleicher Leistung dank höheren Drehmoments temperamentvoller wirken. Ob der – heute dezente Ton – gefällt: Geschmackssache. Der geringe Verbrauch erfreut jedoch auch noch, wenn der Aufpreis vergessen ist. Hybridhype Doch lieber zum Hybridantrieb greifen? Jein. Die Kombination aus Verbrennungs- und Elektromotor verleiht Firmenautos ein ökologisches, fortschrittliches Image und sorgt nicht nur bei Luxusautos für einen sozialverträglichen Auftritt. Kein Wunder, sind neben Pionieren wie Toyota

Der Mercedes E 300 BlueTec Hybrid ist ein Dieselhybrid.


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E L E K T R I S I E R E N D E A LT E R N AT I V E (Yaris, Auris, Prius sowie bald Prius+ und Prius als Plugin) samt Lexus (CT, GS, LS und RX) oder Honda (Jazz, Insight und CR-Z) nun weitere Hersteller wie Audi (A6, A8, Q5) und BMW (5er, 7er und demnächst 3er) mit Hybriden aktiv. Hinzu kommen nach Benzin- erste Dieselhybriden, wie Citroën DS5 HYbrid4 und Peugeot 3008 HYbrid4 und 508 RXH oder der Mercedes E 300 BlueTec Hybrid. Wunder sollte man nicht erwarten. Der europaweite Normzyklus erweist sich gerade bei Hybriden als unrealistisch. Nutzungsformen, die dem unterstützenden E-Motor das Sparrevier nehmen, schlagen in hohen Werten nieder. Viel Autobahn und flotte Fahrt rächen sich. Wird im Alltag mehr verbraucht, ist das meist immer noch weniger als beim normalen Benziner, selten aber weniger als beim Diesel – und die Ernüchterung angesichts des Mehrpreises der Technologie grösser. Richtig ist die Hybridwahl, wenn Pioniergeist, Image und Technik mehr zählen als der Mehrpreis. Ein Beispiel: Der Toyota Auris Hybrid verspricht 3,8 Liter je 100 Kilometer für 4400 Franken mehr als der vergleichbare Benziner mit seinem Normwert von 6,6 Liter. Ökologisch unterwegs Im Hype um Hybrid- und E-Antrieb oft übersehen wird eine weitere, in der Schweiz etablierte Alternative. Im Gegensatz zu manchem Nachbarland entpuppt sich zwar Flüssiggas (LPG oder Autogas) mangels Tankstellendichte und Automodellen als genau so unsinnig als Alternative wie Bioethanol (E85). Doch CNG, als Erd-/Biogas vermarktet und recht breit verfügbar, lockt mit bis zu 40 Prozent weniger CO2, mit guter Modellpalette (www.erdgasfahren.ch) von Ford Fiesta über Opel Zafira Tourer und VW Passat Variant bis Mercedes E-Klasse, und mit Kostenvorteilen. Gegenüber Benzinern liegen die Treibstoffkosten ein Drittel niedriger. Obendrein sind Gasautos bivalent, also notfalls mit Benzin zu betreiben. Liegt eine Gastankstelle in der Nähe, kann Gas als Alternative dienen. Doch wie so oft will die Anfangsinvestition getätigt sein. Ein Beispiel: Der Fiat Doblò Panorama ist als 1.4 T-Jet mit 120 PS ab 25 000 Franken, als gleich starker 1.4 T-Jet Natural Power für Benzin-/Erdgasbetrieb ab 29 000 Franken zu haben. Auch hier muss man eine Weile fahren, um wirtschaftlich zu punkten – aber dafür locken teils kantonale Steuerreduktionen und vor allem ein nachhaltiges Image, das in Zeiten der Energiewende quasi unbezahlbar sein kann.

Das Auto der Zukunft fährt elektrisch, weil E-Motoren Energie effizienter verwerten. Bis E-Autos die Verbrenner ablösen, ziehen zwar noch mindestens zwanzig Jahre ins Land. Doch sind E-Autos eine Alternative als perfekter Imageträger für Firmen: Grüner geht es nicht, zumal der hiesige Strommix «sauber» und das Argument, E-Autos würden bald neue AKW nötig machen, schlicht unsinnig ist. Zudem bereitet das Fahren mit voller Kraft ab der ersten Motorumdrehung verblüffend viel Spass in leisen, abgasfreien Stromern mit wachsender Modellpalette (www.e-mobile.ch). Die Kernnachteile sind Preis und Reichweite. Ein E-Kompaktwagen wie der Nissan Leaf etwa kostet 49’950 Franken, kommt aber maximal 175 Kilometer. Unabhängig vom Modell entpuppt sich die Reichweite im Alltag als geringer als gedacht. Gelobte 150 Kilometer sind in der Praxis eher 120, im Winter wegen der Heizung auch mal unter 100 Kilometer. Und alle E-Autos ziehen beim Laden mehr Strom, als der Akku fasst – unter anderem wegen der Akkukühlung beim Laden. Unter dem Strich steigen die

Treibstoffkosten von oft angegebenen knapp zwei auf drei bis über vier Franken je 100 Kilometer – je nach Typ und Stromtarif. Das ist aber noch immer sehr günstig. Wer eine Ladestation (Steckdosen sind dauerhaft ungeeignet) einrichtet und mit den Reichweiten leben lernt, verblüfft Kunden positiv – etwa mit Citylieferwagen wie dem Renault Kangoo Express Z.E. (28 404 Franken plus Akkuleasing ab 103 Fr./Monat). Sogar für längere Strecken attraktiv sind neue Modelle, die das Reichweitenproblem schlicht lösen – wie die Technikzwillinge Chevrolet Volt (50 490 Franken) und Opel Ampera (52 900 Franken), die als Elektroautos mit Reichweitenverlängerer den Titel «Auto des Jahres 2012» tragen. Das Prinzip: 60 Kilometer weit fährt man mit zuvor geladenem Strom. Bei leerem Akku setzt ein Benziner ein: Nicht primär als Antrieb, sondern vor allem, um Strom für den 150-PS-EAntriebsmotor zu erzeugen. Damit kommt man weitere 500 Kilometer; der Durst mit Stromerzeuger liegt im Test bei gut fünf Liter. Keine im Erwerb günstige, aber innovative und grüne Flottenalternative.

Der Fiat Doblò Panorama fährt mit Bio- bzw. Erdgas

Toyota war der erste Hybridhersteller: Auris Hybrid.

Der Audi A4 mit Dieselmotor.

Fotos: zVg


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INSTITUT FÜR GEISTIGES EIGENTUM (IGE)

Die Innovationsbegleiter Kundenorientierung ist Trumpf: Das Institut für Geistiges Eigentum (IGE) positioniert sich als Kompetenzzentrum für die Schweizer Wirtschaft und bietet Umfeldanalysen an, die KMU einen patentbezogenen Überblick über bestimmte Technologiebereiche verschaffen.

TEXT CHRISTIAN SOLTMANN

Im Sitzungszimmer der Luzerner Weinhandelsfirma Bataillard bleiben die Lichter manchmal länger brennen. Dann sitzen dort Produktmanager, Verkaufsleute, Einkäufer und Önologen an einem Tisch und fragen sich, wie man den Geschmack der weintrinkenden Schweizerinnen und Schweizer noch besser treffen könnte. Das Ziel besteht in der Entwicklung neuer Cuvées. Eigenmarken wie Marquês de Pombal oder Senza Parole tragen zurzeit rund 50 Prozent zum Bataillard-Umsatz bei; der Rest geht auf das Konto des Imports von ausländischen Markenweinen wie zum Beispiel Freixenet. Insgesamt umfasst das Sortiment rund 2000 Artikel. «Der Markenführung kommt in unserem Geschäft eine hohe Bedeutung zu», erklärt Corinne Fischer, die den Betrieb zusammen mit ihrem Bruder Marc im Jahr 2000 von den Eltern übernommen hat. Der Grund: Der Weinmarkt ist von unzähligen meist kleinen Anbietern geprägt, die Ernte unterliegt jedes Jahr anderen Wettereinflüssen und Qualitätsurteile sind oft nicht einmal in den Kreisen der Kenner unumstritten. Da sorgen Handelsmarken für hochwillkommene Orientierung. Die Marke ist entscheidend Die Bataillard-Spezialisten denken deshalb bei der Entwicklung eines neuen Weinkonzepts immer auch über entsprechende Wort- oder Bildmarken nach, und es stellt sich jeweils die Frage, ob sie im nationalen Markenregister hinterlegt werden können. Denn ohne offiziellen Eintrag gibt es keinen ausreichenden rechtlichen Schutz gegen Trittbrettfahrer. An diesem Punkt kommt das Institut für Geistiges Eigentum (IGE) ins Spiel: Bataillard schickt mehrmals im Jahr ein Dossier mit Markenideen nach Bern und fordert

eine so genannte Ähnlichkeitsrecherche an. Dabei klären die Spezialisten des IGE zum Beispiel ab, ob eine potenzielle Marke nach Schriftbild, Klang oder Sinngehalt eine Ähnlichkeit mit bereits bestehenden Marken aufweist. Nach wenigen Tagen erhält Corinne Fischer einen detaillierten Recherchebericht mit Marken zurück, bei denen möglicherweise Verwechslungsgefahr besteht. Das Dossier dient schliesslich als Entscheidungsgrundlage für das weitere Vorgehen. IGE als Kompetenzzentrum Das Beispiel zeigt, dass das IGE schon lange keine bloss registerführende Behörde mehr ist. Das Institut, 1996 aus der Bundesverwaltung ausgegliedert, versteht sich als nationales Kompetenzzentrum für gewerbliche Schutzrechte und Geistiges Eigentum; Englisch Intellectual property oder kurz IP. Einen konkreten Ausdruck fand dieser Anspruch in dem 2010 abgeschlossenen Projekt «KMU-IP». Das Projekt wurde vom IGE angestossen, um noch besser auf die Bedürfnisse von KMU und Erfindern eingehen zu können. Seither haben die Verantwortlichen nach und nach den telefonischen Helpdesk für Erstauskünfte ausgebaut, ein massgeschneidertes Internetportal für KMU geschaffen sowie ein dezentrales Beratungsnetzwerk mit Patentanwälten für eine kostenlose Erstberatung aufgebaut. Ausserdem wurde die interne Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter durch Kommunikationskurse und eine gezielte Sensibilisierung für die Belange der KMU erweitert. «Je schneller wir das Geschäft des Kunden begreifen, desto besser können wir ihn beraten», kommentiert Patentexperte Catalin Cris. Der studierte Physiker ist seit 2009 beim IGE. Er doktorierte an der Abteilung für medizinische

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MANAGEMENT l UZ nis tatsächlich neu ist, oder ob es schon irgendwo auf der Welt bekannt ist. Über 2000 begleitete Recherchen haben die Experten des IGE schon durchgeführt. Das Angebot wird vom Gesetzgeber als Dienst an der Schweizer Wirtschaft gewollt. Sie wird deshalb für eine Gebühr von gerade einmal 300 Franken angeboten. Zusammen mit den Optimierungen im Zuge des Projektes «KMU-IP» gehört die Einführung der begleiteten Recherche im Jahr 2004 zu den Meilensteinen auf dem Weg der Kundenorientierung. DAS IGE Das Eidgenössische Institut für Geistiges Eigentum (IGE) in Bern ist die zentrale Anlaufstelle des Bundes für alle Fragen zu Patenten, Marken, Herkunftsbezeichnungen, Designschutz und Urheberrecht. Es ist in diesen Gebieten für die Vorbereitung der Gesetzgebung zuständig und vertritt die Schweiz in internationalen Organisationen sowie in Verhandlungen zum Geistigen Eigentum mit Drittstaaten. Zu seinen Aufgaben gehört es auch, darüber zu informieren, wie Unternehmen die Schutzrechtssysteme des Geistigen Eigentums und die ihnen zustehenden Freiräume für ihren wirtschaftlichen Erfolg optimal nutzen können. Das IGE bietet zudem auf kommerzieller Basis Technologieund Patentrecherchen an, sowie Markenrecherchen und Ausbildungsveranstaltungen zum Geistigen Eigentum. Interessierte erhalten Informationen auf der Homepage www.ige.ch, auf der Internetplattform speziell für KMU und Einzelerfinder kmu.ige.ch sowie telefonisch beim IGE-Contact Center unter der Nummer 031 377 77 77. Das IGE hat rund 250 Mitarbeitende und gehört zum Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement (EJPD). Seit 1996 verfügt es allerdings über eine eigene Rechtspersönlichkeit und ist vom Bundeshaushalt unabhängig.

Strahlenphysik des Berner Inselspitals, schlug zunächst eine Forscherkarriere ein und arbeitete in der F+E-Abteilung der Roche-Tochter Disetronic. Beim IGE ist er heute schwerpunktmässig für Anfragen aus dem Gebiet der Medizinaltechnik zuständig. Zu Cris‘ Aufgaben gehört unter anderem die Durchführung von «begleiteten Recherchen». Dabei kommen Unternehmer, aber auch Wissenschaftler, Ingenieure und Erfinder für einen halben Tag an den IGE-Sitz im Business Park Bern und bearbeiten zusammen mit dem Experten einen IP-Aspekt ihres beruflichen Schaffens. Es wird zum Beispiel abgeklärt, ob ein technisches Verfahren oder ein Erzeug-

Den Bedürfnissen entsprechend Doch die Zeit bleibt nicht stehen. Die Bedürfnisse der Schweizer Unternehmen verändern sich. Vor allem im Zuge der fortschreitenden Globalisierung von Märkten und Zulieferverhältnissen tauchen rund um den Schutz des Geistigen Eigentums laufend neue Fragen auf. Entsprechend ist das IGE bestrebt, auch seine Dienstleistungspalette laufend anzupassen und auszubauen. Ein aktuelles Beispiel dafür ist die so genannte Umfeldanalyse. Sie verschafft dem Kunden einen patentbezogenen Überblick über die ihn interessierenden Technologiegebiete; und zwar auf der Basis einer Softwareplattform, welche die weltweit verfügbare Patentliteratur nach definierten Stichworten durchsucht, automatisch Überbegriffe nach typischen technischen Merkmalen generiert und die Suchresultate graphisch als IP-Landkarte darstellt. In der Markteinführungsphase arbeitete das IGE eng mit Pilotkunden zusammen. Einer von ihnen war die in Stäfa beheimatete Sonova-Gruppe mit dem dazu gehörenden Hörgerätehersteller Phonak. Die Stäfer hatten per Anfang 2010 die kalifornische Advanced Bionics übernommen und bündelten das Know-how im Bereich der so genannten Cochlea-Implantate; es sind dies elektronische Hörprothesen, bei denen eine Stimulationselektrode chirurgisch in die Hörschnecke des Patienten eingeführt wird. «Das Angebot des IGE kam wie gerufen», erinnert sich Matthias Riepenhoff, Mitglied im IP-Team in Stäfa. Denn die Umfeldrecherche versprach einen neuartigen Blick auf das Patentportefeuille der Sonova sowie auf dessen Stellung in der globalen IP-Landschaft. Für ein Unternehmen wie Sonova sind solche Daten doppelt wertvoll: Auf der operativen Ebene erleichtern sie die Suche nach Kooperationspartnern sowie externen Knowhow-Trägern. Und auf der strategischen Ebene, so Matthias Riepenhoff, «geben sie Anhaltspunkte für künftige Weichenstellungen». www.kmu.ige.ch www.ige.ch/ip-netz

DER AUTOR Christian Soltmann ist promovierter Materialwissenschaftler und besitzt einen MAS in Geistigem Eigentum von der ETH Zürich. Zur Zeit ist er Patentexperte am Eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum und spezialisiert in Patentstatistik und Data-Mining.

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SOCIAL MEDIA

Im Gleichgewicht? Social Media gilt als «Must-Have». Doch lohnt sich der Aufwand die neuen Medien zu füttern? Erreichen die Unternehmen ihre Dialoggruppen und nutzen diese die neuen Medien so, wie dies eingeschätzt wird? Oder handelt es sich ganz einfach um einen «Hype»? Der ODEC hat eine Umfrage mit 2 015 Mitgliedern durchgeführt.

TEXT URS GASSMANN UND CORINNE PÄPER

Bereits die erste Auswertung überrascht; denn von 2‘015 Teilnehmenden gaben 43 Prozent an, soziale Medien «nie» zu nutzen. «Nur» 37 Prozent aller Befragten sind nach eigenen Angaben täglich oder mehrmals pro Woche in den neuen Medienkanälen anzutreffen. Einen Zusammenhang zwischen Altersgruppe und Nutzung der sozialen Medien zeigt Erstaunliches: so ist es die Altersgruppe der 50-jährigen, welche die sozialen Medien am häufigsten – nämlich täglich (31 Prozent) nutzt und nicht jene der 20-jährigen (27 Prozent), wie man annehmen würde. Die grösste Gruppe der «Nicht-Nutzer» findet sich bei den 40 bis 49-jährigen. 46 Prozent von ihnen geben an, soziale Medien «nie» zu nutzen. Stellenwert «Professionelles Netzwerken» Wer eine Kaderposition inne hat oder zwischen 40 und 59 Jahren alt ist, nutzt Xing weitaus häufiger als Facebook oder Twitter. Die beiden letztgenannten Kanäle werden am häufigsten von Sachbearbeitern im Bereich Marketing eingesetzt. Mit steigender Position und zunehmendem Alter gewinnen professionelle Netzwerke somit an Gewicht und verlieren «private» Plattformen an Bedeutung. Die aktuelle Lebenssituation hat hingegen kaum einen Einfluss darauf, wie Social Media genutzt werden. Personen, die Ihren Job als eher gefährdet betrachten, nutzen Social Media in gleichem Ausmass, wie jene, die sich sicher fühlen. Weiterbildungswillige unterscheiden sich in ihrem Nutzungsverhalten kaum von Personen, die sich nach ihrem HF-Studium nicht weitergebildet haben. In Widerspruch zu ihrem persönlichen Nutzungsverhalten schätzen 44 Prozent aller Teilnehmer, dass die Bedeutung der Social Media zukünftig zunehmen wird. Nur 20 Prozent glauben, dass dies nur ein vorübergehender «Hype» ist. Eingeschränkter Zugang Für Kleinstunternehmen (1-10 Personen) haben Social Media als Werbe- und Absatzkanal eine weitaus grössere Bedeu-

tung als für grössere Unternehmen. Kleinfirmen haben in der Regel kein oder ein sehr geringes Werbebudget, können sich jedoch dank der Social-Media-Kanäle breit vernetzen und ihre Produkte und Dienstleistungen mit sehr geringen Werbekosten bekannt machen. Das bestätigt sich auch in der Umfrage. 31 Prozent aller Beschäftigten in Kleinstunternehmen nutzen Social Media täglich, während dies bei Unternehmen mit 200 bis 1000 Angestellten «nur» 19 Prozent sind. Wer angibt, selbständig zu sein, nutzt soziale Medien weitaus häufiger als Angestellte. Rund 64 Prozent der Selbständigen sind täglich oder mehrmals wöchentlich in den sozialen Medien präsent, während dies bei Geschäftsleitungs- oder Direktionsmitgliedern «nur» bei 44 Prozent zutrifft. Personen auf den unteren «Karrieresprossen» setzen soziale Medien weniger häufig ein, als Kaderangestellte oder Geschäftsleitungs-/Direktionsmitglieder. Dies deutet darauf hin, dass der Zugang zu den Social Media in vielen Unternehmen nach wie vor hierarchisch stark eingeschränkt wird. Rekrutierung Verwaltungsangestellte setzen sich am häufigsten (30 Prozent täglich) mit Social Media auseinander. Erst an dritter Stelle folgt das Marketing, wo immerhin noch 27 Prozent der Beschäftigten die neuen Medien täglich nutzen. Am seltensten sind Angestellte im Bereich Einkauf und Forschung und Entwicklung in den neuen Medien anzutreffen.

Social Media wird doch nicht so häufig genutzt wie angenommen – Ergebnis der Umfrage des ODEC.

Foto: zVg

ODEC Der Schweizerische Verband der dipl. Absolventinnen und Absolventen Höherer Fachschulen und vertritt deren Interessen in Wirtschaft und Politik. Der ODEC setzt sich für die nationale und internationale Positionierung der HF-Titel sowie die berufliche Mobilität seiner Mitglieder ein und fördert durch seine Aktivitäten den Bekanntheitsgrad der HF-Titel. Weitere Informationen: www.odec.ch, www.odec-edu.ch.

Kluft zwischen Wahrnehmung und Nutzung Die Umfrage-Ergebnisse des ODEC zeigen deutlich, dass Wahrnehmung und damit die Bedeutung eines Themas wie «Social Media» oft sehr stark durch die öffentliche Meinung geprägt wird. Die tatsächliche Nutzung der Social Media scheint jedoch vom Idealbild des Nutzers, der dauernd online ist und möglichst viele Daten von sich preisgibt, in vielen Fällen abzuweichen. Künftige Untersuchungen sollten sich deshalb weniger stark darauf konzentrieren, wie Unternehmen soziale Medien einsetzen, als vielmehr festzuhalten, welche Bedürfnisse die Dialoggruppen tatsächlich haben und wie sie sich in der Online-Welt verhalten. Dabei gilt, auch gesellschaftliche Strömungen mit einzubeziehen (demographischer Wandel, sinkende Bereitschaft vieler Menschen, ihre Daten ins Netz zu stellen, Informationsflut und damit zunehmende Verweigerung der Nutzer). Bei Vernachlässigung solcher Faktoren steht zu befürchten, dass aufgrund subjektiver Einschätzungen falsche Schlüsse gezogen und Ressourcen am falschen Ort eingesetzt werden. * Urs Gassmann ist Geschäftsführer des ODEC. Corinne Päper ist beim ODEC verantwortlich für das Marketing.


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K M U S W I S S V E R A N S TA LT U N G E N : 09. & 10.05.2012 KMU SWISS Jubiläum & Forum 2012 Erleben Sie ehemalige Referenten am Jubiläum und geniessen Sie anschliessend ein feines Dinner. Am Forum werden u.a. Reinhold Messner, Wolfgang Grupp, Pierin Vinzenz und Urs Riedener das Thema «Risiko versus Status Quo» aus verschiedenen Perspektiven beleuchten. Sind Sie live mit dabei am KMU SWISS Jubiläum und am Forum 2012 und der Übergabe des SWISS Lean Awards! 24.05.2012 KMU SWISS Infotable 05-12 «Fuhrparkmanagement im KMU Betrieb». Am Beispiel von Hyundai wird aufgezeigt, was sowohl Hersteller als auch Detailhandel für die Bedürfnisse von Fuhrparkbesitzern anbieten. Anhand der Referate werden diese Risiken durchleuchtet. Ebenfalls gibt es zur Kostenstruktur TCO (Total Cost Of Ownership) interessante Informationen eines Experten. 21.06.2012 KMU SWISS Infotable 06-12 «Similasan – der homöopathische Weg». Bei einem Rundgang und spannenden Referaten lernen Sie die Firma Similasan näher kennen und erhalten einen Einblick in die Homöopathie.

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K A P I TA L E I N L A G E P R I N Z I P

Die Meldefrist läuft bald ab! Mit der Unternehmenssteuerreform II ist auf den 1. Januar 2011 auf nationaler und kantonaler Ebene eine neue Bestimmung in Kraft getreten, welche Kapitalgesellschaften in der Jahresrechnung 2011 die Möglichkeit bietet, gewisse Einlagen der Kapitalanteilseignern als steuerfrei rückzahlbare Kapitaleinlagen auszuweisen.

TEXT THOMAS L. GERBER

Mit dem Wechsel vom Nennwert- zum Kapitaleinlageprinzip können Kapitalgesellschaften seit dem 1. Januar 2011 die direkt von den Kapitaleignern eingebrachten Kapitaleinlagen einkommensund verrechnungssteuerfrei zurückbezahlen. Bisher waren Rückzahlungen von Kapitaleinlagen (wie Agios, Zuschüsse oder Sanierungsbeiträge) wie Gewinnausschüttungen steuerbar. Mit der Einführung des Kapitaleinlageprinzips unterliegen fortan nur noch Dividendenzahlungen und Liquidationsüberschüsse aus den übrigen Reserven der Besteuerung. Der Wechsel zum Kapitaleinlageprinzip gilt rückwirkend für Einlagen, Aufgelder und Zuschüsse, die nach dem 31. Dezember 1996 geleistet wurden allerdings nur dann, wenn diese in der Handelsbilanz auf einem gesonderten Konto ausgewiesen werden und jede Veränderung desselben der ESTV gemeldet wird (Art. 20 Abs. 3 DBG, Art. 125 Abs. 3 DBG und Art. 5 Abs. 1bis VStG). Dabei müssen insbesondere offene Kapitaleinlagen, die von Inhabern der Beteiligungsrechte nach dem 31. Dezember 1996 und vor dem Inkrafttreten des Kapitaleinlageprinzips am 1. Januar 2011, also im Zeitraum vom 1. Januar 1997 bis 31. Dezember 2010 geleistet wurden, spätestens in der handelsrechtlichen Schlussbilanz des Kalender-

Die Meldefrist für die Rückzahlung von einkommensund verrechnungssteuerfreien Kapitaleinlagen läuft Ende Juni ab. Foto: Bilderbox.de

KLAUSUR VERWALTUNGSRAT UND GESCHÄFTSLEITUNG Für Mitglieder der obersten Leitungsebenen (Verwaltungsrat und Geschäftsführung) von kleineren und mittleren Unternehmen. KLAUSUR RECHNUNGSLEGUNG UND REVISION Für Fachleute aus den Bereichen Treuhand und Wirtschaftsprüfung, welche eingeschränkte bzw. ordentliche Revisionen durchführen. 12./13. Juni 2012, im Palace Hotel Luzern Weitere Informationen und Anmeldung unter www.unternehmerforum.ch.

jahres 2011 auf einem gesonderten Konto ausgewiesen werden. Der Geschäftsbericht oder die unterzeichnete Abschrift der Jahresrechnung 2011 (bzw. 2010/2011) mit dem gesonderten Ausweis von Einlagen, Aufgeldern und Zuschüssen müssen der ESTV unaufgefordert innert 30 Tagen nach der Genehmigung der Jahresrechnung eingereicht werden. Dabei erfolgt die Meldung mittels Formular 170 sowie einer von der ESTV vorgegebenen Excel-Tabelle.

einlagen, welche nach dem 31. Dezember 1996 geleistet und mit Verlusten verrechnet wurden, nicht mehr steuerfrei an Aktionäre zurückgeführt werden können. Zudem gilt gemäss ESTV, dass auch die Verrechnung von Sanierungsleistungen von Aktionären (z.B. à-fonds-perdu Zuschüsse) mit dem bestehenden Verlustvortrag den Untergang der Kapitaleinlagen bewirkt. Eine Anerkennung von steuerfrei rückzahlbaren Kapitaleinlagen der Jahre 1997 bis 2010 kann somit noch im Geschäftsjahr, welches im Kalenderjahr 2011 endet, erreicht werden. Dazu müssen diese Kapitaleinlagen auf einem separaten Unterkonto der gesetzlichen Reserven als «Reserven aus Kapitaleinlagen» in der Jahresrechnung 2011 (bzw. 2010/2011) ausgewiesen werden (ordentliche Erstdeklaration). Eine spätere Offenlegung dieser Kapitaleinlagen wird steuerlich nicht anerkannt und führt zu einer Verwirkung der steuerfreien Rückzahlung. Im Anschluss an die ordentliche Erstdeklaration ist der ESTV jährlich die Jahresrechnung nach ihrer Genehmigung innert 30 Tagen einzureichen. Ferner sind sämtliche Veränderungen des Bestandes der Kapitaleinlagen mittels Formular 170 zu melden. Nach Überprüfung der gemeldeten Kapitaleinlagen wird der Bestand der anerkannten Kapitaleinlagen durch die ESTV der jeweiligen Gesellschaft mitgeteilt. Kapitalgesellschaften, welche ihren Jahresabschluss am 31. Dezember 2011 hatten, wird empfohlen, die Kapitaleinlagereserven sobald als möglich zu bestimmen sowie die entsprechende Umbuchung zu veranlassen und erst danach die Generalversammlung innerhalb der gesetzlich vorgesehenen Frist (d.h. bis 30. Juni 2012) abzuhalten.

DER AUTOR

Vorsicht bei Kapitaleinlagen nach 1996 Bei der Ermittlung der Kapitaleinlagereserven ist zu beachten, dass die Verrechnung von erwirtschafteten Verlusten mit Kapitaleinlagen nach Auffassung der ESTV zum definitiven Untergang der Kapitaleinlagen führt, d.h. dass Kapital-

Thomas L. Gerber, lic. oec. publ., ist diplomierter Steuerexperte und Partner der PrimeTax AG, Zürich.


MARKETING l UZ

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M A R K E D E S M O N AT S : K Ü N Z L I NEWS AUS DER M A R K E N W E LT

Klötzli statt Streifen VON STEFAN VOGLER

DER AUTOR

Stefan Vogler berichtet über die aktuelle Markenführung einer grossen oder kleinen, globalen, nationalen oder lokalen, altbewährten, aufgefrischten oder neuen Marke. www.markenexperte.ch.

Marke des Monats im Mai 2012: www.künzli-schuhe.ch

ner Zielgruppen erobert. Doch dieser Erfolg freute nicht alle. Die Lancierung der Sneakers rief Konkurrentin K-Swiss auf den Plan. Diese Firma ging 1967 aus dem Export von Künzli Sportschuhen in den USA hervor. K-Swiss hatte bereits das Patent auf die Sportschuhschnürung von Künzli in den USA angemeldet und liess die fünf Streifen 1974 auch als Markenzeichen in den USA und später in Deutschland registrieren. Künzli hat ihr Markenzeichen nie als Marke registrieren lassen, aber stets benützt. Diese, wie sich im Nachhinein herausstellte, sträfliche Unterlassung führte

Lange bevor Künzli mit fünf Streifen modischtrendige Edel-Sneakers zierte, haben Sportgrössen den Künzli-Sportschuhen zu Ruhm und Ehre verholfen. Der Sohn des Firmengründers, Kurt Künzli hat in den 50er Jahren die «Sportschuhschnürung» erfunden. Daraus ist das international bekannte Schweizer Markenzeichen «künzli» mit den fünf Streifen entstanden. Vor acht Jahren nutzte Künzli geschickt den SneakersHype und lancierte «Classic». Fernab von Sportplätzen wurden damit auch Einkaufsstrassen, Trendlokale, VIP-Discotheken und die Herzen stilbewusster, jugendlich-modisch-urba-

schliesslich zu langwierigen Markenstreitigkeiten. Nun hat Künzli zum Befreiungsschlag ausgeholt: Die legendären fünf Streifen wurden verbannt bzw. durch fünf Klötzli ersetzt. Einem aufwändigen Markenstreit mit einem neuen Zeichen den Wind aus den Segeln zu nehmen, ist clever und weitsichtig. Den klobigen Quadraten sieht man die «Notlösung» aber leider an. Jegliche Eleganz und das sportlich-dynamische der Künzlistreifen ist weg. Gegen den Swosh von Nike oder den springenden Puma wirken die künzli-Klötzli gebastelt und statisch. Das Schweizer Qualitätsprodukt hätte ein besseres Signet ver-

Vertrauenswürdigste Marken in der Schweiz, 2012, gemäss der Studie «European Trusted Brands» von Reader‘s Digest. Auto: VW PC: HP Handy: Nokia Telco: Swisscom Reisen: Kuoni Bank Raiffeisen Kreditkarte: Visa Lebensversicherung: SwissLife Versicherung: Die Mobiliar Benzin/Diesel: Coop Kosmetik: Nivea Waschmittel: Ariel. Ist Ihre Marke schon registriert? Alle Infos auf www.ige.ch und das Schweizer-Markenregister ist öffentlich: www.swissreg.ch

dient. Zum Glück bleiben die Produkte top und schmeicheln den Füssen beim Tragen. Hopp Künzli!

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C H R I S T I A N V E T S C H U N D F L AV I O D E N A N D O , AV I A N D O

Risiko versus Status quo In diesem Jahr feierte die KMU SWISS AG am 09. und 10. Mai ihr zehnjähriges Bestehen mit einer Jubiläumsveranstaltung mit anschliessendem Forum, bei dem die Referenten und Unternehmer einen Blick zurück wagten. Dass es sich manchmal lohnt einen neuen Weg einzuschlagen, sich neuen Chancen, aber auch Risiken zu stellen, zeigt die Aviando Professionals AG.

INTERVIEW BIRTHE GRAUTMANN

Herr De Nando, Herr Vetsch, mit der Übernahme der Personal Sigma Zürich AG (seit 1986) im Jahr 2010, die zur Aviando Professionals AG umbenannt wurde, verfügen Sie zusammen über langjährige Erfahrung. Was ist Ihrer Meinung nach das Geheimnis einer erfolgreichen Unternehmens- und Personalberatung? Christian Vetsch: Der erfolgreiche Unternehmens- und Personalberater ist ein Dienstleister, der in einer Scharnierfunktion die Interessen der Unternehmen und der Stellensuchenden ausgewogen wahrnimmt. Dies umfasst die Gestaltung und Begleitung bei strategischen, konzeptionellen und operativen Fragestellungen in der Personalarbeit. Ein Garant für eine langfristige Kundenbeziehung kann eine qualifizierte Grund- und Weiterbildung in Personalmanagement und Betriebswirtschaft, sowie entsprechende Markt- und Führungserfahrung sein. Flavio De Nando: Das Erfolgsrezept sehe ich im gegenseitigen Vertrauen und in der Kombination und Konzentration verschiedener Kompetenzen, die dem Kunden zu seinem Nutzen aus einer Hand zur Verfügung gestellt werden. Unsere Kunden äusserten bei der Umsetzung von Projekten vermehrt den Wunsch, sie auch bei der Besetzung von Kaderpersonal und Fachkräften zu unterstützen. Mit der

Übernahme der Personal Sigma Zürich AG konnten wir unsere Kompetenz um den Bereich der Kaderselektion erweitern, entsprechend profitieren unsere Kunden davon, dass Aviando Professionals AG aus einer Hand Lösungen zu Kaderselektion, Unternehmensführung und Management auf Zeit bietet. Herr Vetsch, was bewog Sie, 2010 Ihr Unternehmen an Herrn De Nando zu verkaufen? Vetsch: 2010 habe ich das Pensionierungsalter erreicht und mich bereits vorher - flankiert durch ein spezialisiertes Beratungsunternehmen - mit dem Thema Firmennachfolge beschäftigt. Aus Interessenten verschiedenster «Couleur» überzeugte Unternehmer Flavio De Nando mit seiner pragmatischen und klaren Vorstellung der Integration meines Unternehmens in seine Organisation und mit dem strategischen Entwicklungsansatz.

KMU SWISS Zum zehnten Mal fand das KMU SWISS Forum statt. Am Jubiläum traten ehemalige Referenten auf, die in einer Rückschau auf die Jahre seit ihrem Auftritt bis heute Bezug nahmen und diese aus unternehmerischer und wirtschaftlicher Sicht betrachteten. Am Forumstag war das Grundthema «Risiko versus Status quo». Nach den Referaten wurde bereits zum zweiten Mal der Swiss Lean Award vergeben. Den Abschluss des Tages bildete der Marktplatz Baden. Kommende Events siehe UZ S. 55 und unter www.kmuswiss.ch.

Wie gestaltete sich die Integration der Personal Sigma Zürich AG in die Organisation der Aviando? Vetsch: KMU werden entscheidend von Menschen geprägt, welche die Nachfolgequalität ausmachen. Bei meinem Nachfolger habe ich konstruktive, ehrliche und offene Kommunikation erlebt. Er hat mir das Gefühl vermittelt, dass mein Wissen, mein Erfahrungsschatz und das bestehende

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MANAGEMENT l UZ Netzwerk geschätzt und weiterhin gebraucht werden. Mit dieser Einstellung und diesem Vorgehen hat er den nicht zu unterschätzenden Prozess des Loslassens psychologisch geschickt unterstützt. De Nando: Wir erleben in unseren Projekten immer wieder Patrons, die nicht loslassen können, was die Nachfolge erschwert. Herr Vetsch konnte sofort loslassen und mir sein Vertrauen schenken. Ein weiterer Baustein für die erfolgreiche Integration war, dass wir von Anfang an klare Verhältnisse bezüglich Aufgaben, Verantwortungen und Kompetenzen geschaffen haben. Unser Schwerpunkt lag in konsequenter Ausrichtung des Teams auf das zukünftige Tun und der Neupositionierung am Markt. Herr Vetsch unterstützt und berät unser Team weiterhin mit seinem ausgezeichneten Branchen-Know-how, seinen Ideen und guten Kundenbeziehungen. Herr De Nando, Aviando engagiert sich bei KMU SWISS. Wie sieht dieses Engagement aus? De Nando: Ich finde die Initiative der KMU SWISS und ihren Plattformen gut. Deshalb engagieren wir uns als CoSponsor bei der KMU SWISS Plattform. Zudem sprechen wir den gleichen Kundenkreis an: Unternehmer und Entscheidungsträger, die alle die gleichen Sorgen und Nöte haben. An diesen Anlässen kann man sich gegenseitig austauschen. Das diesjährige Jubiläumsforum hat das Thema «Risiko versus Status Quo». Auch Sie haben sich gegen den Status quo entschieden. Mit welchen Risiken sahen Sie sich bei der Geschäftsübernahme konfrontiert? Vetsch: Der Verkauf einer Unternehmung beinhaltet neben Chancen immer auch Risiken. Flavio De Nando hat sich klar zum Risiko bekannt, Synergien ausgemacht und mit der Entscheidung, die Personal Sigma Zürich AG zu übernehmen, seinem bestehenden Dienstleistungsportfolio ein weiteres, ergänzendes Element angegliedert. De Nando: Eines der grössten Risiken bei der Geschäftsübernahme war sicher der Namenswechsel einer etablierten Marke. Zudem bestand die Unsicherheit bezüglich Marktpositionierung und Marktakzeptanz. Schnell konnten wir unsere Kunden durch Leistung und Lösungskompetenz überzeugen und unsere Marke Aviando etablieren.

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ZUR PERSON

Christian Vetsch (l.) ist Senior Consultant der Aviando Professionals AG. Er absolvierte eine kaufmännische / technische Aus- und Weiterbildung in der Medienbranche und hatte verschiedene Führungspositionen in der Finanzdienstleistungsbranche inne. Ab 1995 baute er die Personal Sigma Zürich AG mit Fokus Spezialisten / Kader auf. Flavio De Nando (r.) ist seit 2005 Unternehmer und Geschäftsführer der Aviando Professionals AG mit Sitz in Wettingen und Zürich. Er ist Betriebsökonom HWV und Energietechniker TS. www.aviando.ch

Welche neuen Chancen haben sich durch die Übernahme aufgetan? Wie sehen die weiteren Pläne aus? De Nando: Die erfolgreiche Nachfolgeregelung hat aus heutiger Sicht für alle Beteiligten eine Win-Win-Situation und die Grundlage für weiteres Wachstum und Expansion der Aviando Professionals AG geschaffen. Mit der Kombination unserer technischen und betriebswirtschaftlichen Kompetenzen im Bereich Unternehmensführung, Kaderselektion und Management auf Zeit sind wir in der Lage, strategische und operative Herausforderungen unserer Kunden gesamtunternehmerisch anzugehen. Je nach Aufgabenstellung können wir unsere Kunden beraten und unterstützen bei Überbrückungs-, Entlastungs- und Entwicklungsaufgaben, z.B. als Sparringpartner für VR-, Management- und HR-Themen, Troubleshooter oder bei der Umsetzung strategisch wichtiger Projekte. Unsere Ambition haben wir so auf den Punkt gebracht: Aviando - Professionals zu jeder Zeit.

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UZ l UNTERNEHMEN

Q U A L I T Ä T U N D R E P U TAT I O N

Qualitätsoffensive Wenn sich Produkte, Services und Preise in einem wettbewerbsintensiven Umfeld kaum noch unterscheiden, bleiben Qualität und Reputation eine der wenigen Unterscheidungsmerkmale. Das Beispiel Streck Transport AG zeigt, wie eine Qualitätsoffensive in einem KMU erfolgreich angestossen und umgesetzt werden kann.

TEXT MANFRED HAAS*

Im Speditionsgewerbe unterscheiden sich Produkte, Services und Preise nur noch geringfügig. Es fällt den Unternehmen zunehmend schwerer, sich von einander abzuheben. Die Streck Transport AG versucht, sich über Qualität und einen starken Kundenfokus zu positionieren, gemäss dem Motto: «Die Qualität unserer Leistungen ist Ihr Erfolg!» Eine bemerkenswerte Kundentreue und verschiedene Auszeichnungen belegen, dass die Streck Transport AG ihren Kunden ein qualitativ hohes Serviceniveau bietet und dies auch honoriert wird. Trotzdem startete Streck Transport 2011 eine Qualitätsoffensive, um der kontinuierlichen Qualitätsverbesserung neuen Schwung zu verleihen. «Denn wer aufhört, besser zu werden, hat aufgehört, gut zu sein!» Ziele der Initiative waren nicht nur die fachliche Qualifikation der Mitarbeitenden sowie die Verbesserung der internen und externen Kommunikation. Im Fokus stand auch ganz klar die Steigerung der Qualität. Zur Unterstützung holte sich Streck Transport einen fachlich versierten Berater ins Haus, Jens Schmitz von der TMI Training und Consulting GmbH. Zusammen mit ihm und den Mitarbeitenden wurden acht Service-Qualitätspunkte erarbeitet. Anschliessend wurden 20 Teambotschafter ernannt, die die acht Service-Qualitätspunkte in den Arbeitsalltag umsetzen sollen. Es wurde ausserdem ein mehrstufiges Messsystem entwickelt, das quartalsmässig Leistungen anhand der Qualitätspunkte prüft. Die jeweiligen Ergebnisse bestimmen im Wesentlichen die Schwerpunkte der weiteren Aktivitäten. Viele kleine Schritte Viele der diskutierten und umgesetzten Massnahmen klingen banal. Doch wie Mosaiksteine formen sie zusammen ein Ganzes und machen Streck Transporte kunden- und arbeitnehmerfreundlicher. Das Telefon hat auch im digitalen Zeitalter in der Spedition eine grosse Bedeutung. Um die Erreichbarkeit zu verbessern, wurde beispielsweise die personelle Besetzung der Telefonzentrale und der einzelnen Abteilungen mit Kundenkontakt, die so genannten «customer touch points» optimiert. Der Kundenanruf soll nicht ins Leere laufen respektive soll der Kunde nicht von einem zum anderen verbunden werden und erleben, dass sich niemand seines Problems annimmt. Der Kunde erreicht jetzt auch in Randzeiten, morgens früher, über Mittag und abends später, einen kompetenten Ansprechpartner. Das von den Mitarbeitenden selbst gesetzte Ziel ist, das Telefon spätestens nach dem dritten Klingelton zu beantworten. Darüber hinaus wurde eine Arbeitsgruppe eingesetzt, um eine Kosten-Nutzen-Analyse für den Einsatz zusätzlicher technischer Ausrüstung der Telefonzentrale zu erstellen. Eine moderne Telefonzentrale könnte mit dem Streck CRM (Customer Relationship Management)-System verknüpft werden und eine statistische Auswertung der Anrufe ermögli-

chen. Sie würde beispielsweise Schwankungen der Anrufvolumina aufzeigen. Dadurch könnte der Personaleinsatz weiter optimiert werden. In Workshops wurde das Zusammenspiel der Disponenten in den verschiedenen Filialen in der Schweiz diskutiert und hieraus bereits verschiedene Massnahmen zur Optimierung des eigenen Netzwerkes in die Wege geleitet und teilweise umgesetzt. In den Grenzbüros wurde das Rotationsprinzip der Deklaranten verbessert, um auch hier die Präsenzzeiten für die Kunden zu verbessern. Schriftliche Anfragen sollten mindestens in einem Zwischenbescheid noch am gleichen Tag beantwortet werden. Rückmeldungen auf eingehende E-Mails und Faxe wurden thematisiert und ein einheitliches Vorgehen verabredet. Überhaupt zeigte die E-Mail-Kultur viele Ansätze für Verbesserungen. Um neuen Mitarbeitenden beim «Ankommen» zu helfen, wurden neue Grundsätze für die Gestaltung des ersten Arbeitstags erarbeitet. Messen und motivieren Die Erfahrung zeigt, dass viele Firmeninitiativen irgendwann im Sand verlaufen. Um den Kessel dauerhaft am Kochen zu halten, versucht die Streck Transport AG ihre Mitarbeitenden auch durch das Messen der Fortschritte zu motivieren. So können alle den Nutzen der eigenen Anstrengungen erkennen. Beispielsweise wird quartalsmässig innerhalb der betroffenen Bereiche überprüft, ob die bessere Erreichbarkeit wirklich gewährleistet ist und ob die Disponenten der einzelnen Filialen wirklich besser zusammenarbeiten. Das heisst, welche spürbaren Verbesserungen es wirklich gibt. So zeigen erste Ergebnisse, dass die Qualitätsinitiative eine höhere Erreichbarkeit der AnsprechpartnerInnen in allen relevanten Abteilungen gebracht hat. Die Mitarbeitenden machen gegenüber den Kunden noch besser verständliche, fachlich präzisere Aussagen – eigentlich eine Selbstverständlichkeit für jeden guten Service. Vor allem liefert Streck Transport die richtigen Waren in der richtigen Zeit an den richtigen Ort, stets begleitet von angemessener Freundlichkeit. Dies wird von den Kunden registriert und gelobt. Die Kundenzufriedenheit ist belegbar gestiegen. Kundenbefragungen haben dies eindeutig gezeigt. Qualitätskultur Bei seinem oben beschriebenen Verbesserungsprogramm ist Streck Transport von einem hohen Qualitätsniveau gestartet, denn sie verfügte bereits übe ein ausgefeiltes Qualitätsmanagementsystem. Streck Transport AG ist HACCP (Hazard Analysis and Critical Control Points), ISO 9001:2008, ISO 14001:2004 (International Organization for Standardization) und SQAS (Safety & Quality Assessment System) zertifiziert. Ausserdem ist Streck Transport ein zugelassener LuftfrachtSpediteur und erwarte noch in diesem Frühjahr die Zulassung als AEO (Authorised Economic Operator).

Streck hat kürzlich das erste EURO 6-Wechselbrückenfahrzeug für den internationalen Verkehr in Dienst gestellt. Der neue Motor mit der Abgasstufe EURO 6 ist wesentlich emissionsärmer und damit umweltfreundlicher als ein EURO 5-Motor. Foto: zVg


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STRECK TRANSPORT AG Fuhrpark Wechselbrücken: Schweiz 110, Deutschland 290 Fernverkehrsfahrzeuge international: Schweiz 60, Deutschland 200 Flächenfahrzeuge national: Schweiz 110, Deutschland 150 Unternehmensgruppe Schweiz: Streck Transport AG, Möhlin, System-Gut Logistik Service AG, Embrach Deutschland: Streck Transportges. mbH, Lörrach Streck Transped GmbH, Freiburg E.F.K. Gütertransport GmbH, Lörrach www.streck-transport.ch

Die verschiedenen Zertifikate bescheinigen ein transparentes, integriertes und standardisiertes Qualitätsmanagement über alle Bereiche hinweg, einschliesslich der kaufmännischen, operativen und finanziellen Aspekte. Die Normen bieten Kunden eine Orientierungshilfe, um jene Unternehmen ausfindig zu machen, die nach messbaren Qualitätsstandards arbeiten. Track & Trace Jede Sendung, die bei Streck Transport ankommt, respektive beim Kunden abgeholt wird, wird gescannt, so dass eine Sendungsverfolgung bis zum Empfänger gewährleistet ist. Beim Eingang im Lager wird die Sendung zusätzlich über ein Kamerasystem optisch erfasst und Import- und Inlandsendungen werden durch eine vollautomatische Mess- und Wiegestation gemessen und gewogen. Fehler- und Schadensquoten sind äusserst minimal und liegen im PromilleBereich. Einer der Gründe hierfür ist auch das gut geschulte Personal mit langjähriger Firmenzugehörigkeit auch im Umschlag- und Lagerbereich. Die Sendungsverfolgung hat mehrere Nutzen. Sie dient der Überwachung und zur Analyse von möglichen Optimie-

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rungen bei Logistikprozessen. Ausserdem kann der Kunde jederzeit seine Sendung lokalisieren. Im Fall von Verlust oder Beschädigung seiner Sendung lassen sich Haftungsansprüche dank der nachträglichen visuellen Kontrollmöglichkeit leichter klären. Das Wiegen dient unter anderem unterstützend für die Zolldeklaration, die am «eigenen Zollamt» in Möhlin vorgenommen wird – denn die Zollgebühren sind gewichtsabhängig. Da die Streck Transport auch in Zukunft zu den Branchenführern in der Schweiz gehören möchte, muss sie auch künftig die Kundenanforderungen erfüllen können, insbesondere in den Kernbereichen, wie z.B. der Steuerung qualitativ anspruchsvoller Versandabläufe, Erreichbarkeit und Konformität mit den gesetzlichen Bestimmungen. Dazu braucht es moderne Technik und qualifiziertes, engagiertes Personal. «Wir sind davon überzeugt, dass wir bereits heute die richtigen Mitarbeitenden haben. Diese mit der richtigen Technik zu unterstützen und gemeinsam mit ihnen neue Massstäbe zu setzen, das ist unser Ziel.» Der Logistikdienstleister Die Streck Transport AG, mit Hauptsitz in Möhlin, ist ein Unternehmen der Streck Transport-Gruppe. Sie beschäftigt 365 Mitarbeitende in sechs Niederlassungen in der Schweiz. Es werden 25 000 Platten-stellplätze bewirtschaftet und jährlich über 400 000 Sendungen bewegt. Die Geschäftsfelder umfassen nationale und internationale Distribution und Beschaffung mit einem eigenen Netzwerk in der Schweiz und einem europäischen Kooperationsnetzwerk sowie weltweite See- und Luftfrachten. Diese Leistungen werden durch Logistiklösungen für Industrie- und Konsumgüter, pharmazeutische Waren sowie Kühl- und Gefahrengutlogistik ergänzt. Die Streck-Transportgruppe unterhält 16 Niederlassungen mit über 1 000 Mitarbeitenden in Deutschland und der Schweiz. Es wird ein Umsatz von rund 300 Mio Franken erzielt. Jährlich werden ca. 1,43 Mio Sendungen transportiert. Die Lagerkapazitäten umfassen rund 92‘700 Paletten-Stellplätze. *Manfred Haas ist Direktor Schweiz der Streck Transport AG.


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Contrinex ASIC, ein eigener Chip als Herzstück von Sensoren.

Vollmetallsensor zum Einsatz in rauen Umgebungen.

40 JAHRE CONTRINEX AG

Von der Automobilindustrie zur Am 20. April feierte die Contrinex AG aus Givisiez bei Freiburg ihr 40-jähriges Jubiläum. Das Unternehmen ist führend im Bereich Miniatursensorik und wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, zuletzt erst 2010 mit dem Export Award der Osec.

TEXT RAOUL STÖHLKER

Er ist immer Pionier und Unternehmer gewesen. Jetzt feiert sein Lebenswerk den 40. Geburtstag, die Contrinex AG von Dipl.Ing. ETH Peter Heimlicher. Aus einem Ein-MannBetrieb wurde ein weltweit erfolgreiches Unternehmen, das über 500 Mitarbeiter beschäftigt und in mehr als 60 Ländern vertreten ist. Contrinex ist Weltmarktführer für Miniatursensorik und Technologieführer im Bereich der induktiven Sensoren. Contrinex produziert in der Schweiz, Ungarn, China und Brasilien. Unternehmerisches Gespür Peter Heimlicher ist Forscher, Entwickler und Unternehmer mit mehreren bahnbrechenden Patenten, z.B. ein Patent für Sensoren, die einen gegenüber der geltenden Norm dreifachen Schaltabstand ermöglichen. Fachleute sagten, das sei technisch gar nicht möglich. Aber der Forschergeist von Heimlicher machte es dennoch wahr. Dieser technische Vorsprung machte Contrinex zum Pionier in der Sensorik. Vom Unternehmergeist angetrieben wagte Heimlicher 1992 den Schritt ins Ausland, um für den internationalen Wettbewerb konkurrenzfähig produzieren zu können. «In Ungarn hatten wir ein Zehntel der Produktionskosten. So konnten wir im internationalen Wettbewerb kompetitiv bleiben.» Früh begann er, eigene Vertriebsgesellschaften zu gründen, mit denen er seine Strategien in den Märkten umsetzen konnte. Externe Handelsgesellschaften, die Produkte vermarkten, haben Interesse an hohen Margen. Heimlicher aber hatte Interesse an hohen Marktanteilen und der Schaffung eines neuen Marktes für technisch hochstehende Produkte. Mehrfach prämiert 2003 wurde Peter Heimlicher mit dem Innovationspreis des Kantons Freiburg ausgezeichnet, 2005 war er Unternehmer des Jahres und 2010 erhielt er den Export Award der Osec, der Schweizerischen Exportförderung. Die Osec verlieh den Preis für «die systematische, zielgerichtete und konsequente Vorgehensweise bei Ihrem Markteintritt in Brasilien und den entsprechenden Markterfolg». Geleitet hat die Expansion nach Brasilien Annette Heimlicher, Direktorin und

Tochter des Firmengründers. «Die grössten Probleme waren, wie zu erwarten, administrative Schwierigkeiten. Das brasilianische Zoll- und Steuersystem ist äusserst komplex», sagt Annette Heimlicher. Nun steht ein Generationenwechsel an. Der 66-jährige Heimlicher möchte kürzer treten und sich vor allem von den administrativen Aufgaben befreien. Er wird die CEOPosition an Friedrich Keglowich, der derzeit die Position des Chief Business Officers wahrnimmt, übergeben und sich ganz dem Research and Development widmen. Später wird Annette Heimlicher das Unternehmen führen. Innovation als treibende Kraft Für ein High-Tech Unternehmen wie die Contrinex sind eine gesunde Mischung aus Forschung und Entwicklung sowie Investitionen in den Vertrieb und die Erschliessung neuer Märkte zentral. Die gute Positionierung in den Märkten Brasilien, Indien und Südostasien sowie der überdurchschnittliche Markterfolg in China und Japan sind für eine gesunde Entwicklung des Unternehmens ausschlaggebend. Das jüngste Beispiel für den Innovationsgeist der Contrinex ist die Entwicklung von Vollmetallsensoren. Das Vollmetallgehäuse dient zum Schutz des Sensors vor Schäden durch Maschinenbewegungen, z.B. von Roboterarmen. Die Sensoren sind durch das starke Gehäuse fast unzerstörbar. «Dieses Prinzip dürfte eigentlich gar nicht funktionieren, aber 1999 habe ich das Produkt auf eigenes Risiko lanciert und konnte gleich einen spektakulären Erfolg verbuchen», meint Heimlicher. Die konsequente Ausrichtung auf schwierige Anwendungen erwies sich als der richtige Weg. Contrinex ist heute im Markt als «last resort» bekannt, wenn es um scheinbar unlösbare Kundenanwendungen geht. Dies ist z.B. der Fall in einer groben, dreckigen, heissen, kalten, kleinräumigen oder druckbelasteten Umgebung. Spezifische technologische Lösungen sind die klare Ausrichtung der Contrinex und generierten durch grossen Kundennutzen nachhaltigen Erfolg. Der Wandel ins Informationszeitalter wurde von Contrinex mit dem Entwickeln von intelligenten Sensoren vorweggenommen. Heimlicher hat den Trend zur vernetzten und immerzu kommunizierenden Welt schon früh erkannt und dies auf Sensoren übertragen. Mit der Entwicklung von eigenen ASIC’s (Application


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Geschäftsleitung: Friedrich Keglowich, Annette Heimlicher, Peter Heimlicher.

Raumfahrt

ZUM UNTERNEHMEN Contrinex ist Weltmarktführer für Miniatursensorik und Sensoren mit grossen Schaltabständen sowie für Geräte für hohe Temperaturen und Drücke. Contrinex ist ausserdem führender Hersteller von induktiven und optischen Sensoren sowie Sicherheits- und RFID-Systemen. Die Angebotspalette umfasst rund 8000 Varianten. Firmensitz: Umsatz: Mitarbeiter: Alleinaktionär und CEO: Niederlassungen:

Die Sensorenherstellung benötigt die selbe Sorgfalt wie die Arbeit eines Uhrmachers.

Givisiez, Nähe Freiburg, Schweiz (s. Foto oben) ca 70 Millionen CHF in 2011 mehr als 500 weltweit Peter Heimlicher Europa: Schweiz, Frankreich, Italien, Deutschland, Grossbritannien, Portugal, Belgien / Niederlande, Amerika: USA, Mexiko, Brasilien, Asien: China, Indien, Japan, Singapur Produktionsstätten: Schweiz, Ungarn, China, Brasilien Vertriebsnetz: In 60 Staaten

Specific Integrated Circuits), im Grunde kleine SiliziumChips, wie man sie von Intel kennt, hat er den Grundbaustein zu intelligenten Sensoren gelegt. Die Sensoren werden so zu digitalen Geräten, welche nicht nur messen können, sondern auch Informationen der Steuerung empfangen und zurücksenden können. Diese intelligenten Sensoren können zudem auch bei Einsatz in engen und schwierig erreichbaren Orten einer Maschine schnell reagieren und die Steuerung rechtzeitig vor Ausfällen warnen. Intelligente Sensoren leisten somit ihren Beitrag zu einem reibungslosen Produktionsprozess und sind Teil eines grossen vernetzten Ganzem: der intelligenten Fabrik. Die Entwicklung solcher ASIC’s ist sehr zeit- und kostenintensiv. Aber sie sind kopiersicher. «Ich habe schon früh auf intelligente Sensoren gesetzt, weil es absehbar war, dass sich der Markt einst teilen wird. Intelligente Sensoren zu entwickeln ist heute unsere Kernkompetenz», sagt Heimlicher. Um Technologieführer zu bleiben, gibt Contrinex überproportional viel des Umsatzes für Forschung und Entwicklung aus. Global tätig Bei der Expansion in ausländische Märkte verlässt sich Heimlicher auf ein Grundprinzip: «Wir gehen auf die sprachlichen und kulturellen Besonderheiten unserer Kunden ein. Dazu gehört auch, dass die Chefs Einheimische sind, welche die Gepflogenheiten des Landes und des Mark-

INDUKTIVE SENSOREN Induktive Sensoren arbeiten nach dem Induktionsgesetz. Dazu ist grundsätzlich eine Spule (Wicklung), ein Magnetfeld und «Bewegung» erforderlich. Durch dieses Messprinzip lassen sich berührungslos und somit verschleißfrei Winkel, Wege und Geschwindigkeiten messen. Der Sensor sendet ein elektromagnetisches Feld aus, welches in einem vorbeigeführten, elektrisch leitenden Material Wirbelströme hervorruft. Dem Oszillator wird Strom entzogen; dieser benötigt mehr und ein Schmitt-Trigger merkt die Veränderung des Magnetfeldes; der Sensor schaltet.

tes kennen. Unsere Erfahrung zeigt, dass Kunden in China ein ganz anderes Kaufverhalten haben als Kunden in Mexiko.» Heimlicher ist stolz darauf, dass es seine Kataloge in 16 verschiedenen Sprachen gibt. «Sogar auf Chinesisch, Japanisch und Arabisch.» Die Standorte der globalen Produktionsstätten hat Heimlicher optimiert. In Givisiez sind die Spitzentechnologie und die Fertigung neuer Produkte angesiedelt. In Ungarn werden High-Tech-Produkte hergestellt und in China die Standard-Lösungen. «Diese strategische Ausrichtung erlaubt uns in allen Segmenten gewinnbringend zu fertigen und gleichzeitig Währungsrisiken abzusichern.» Strategisch ausgerichtet sind auch die 14 weltweiten Vertriebsniederlassungen. Breiter Absatzmarkt Die Kunden von Contrinex sitzen in vielen Branchen und Bereichen, denn Sensoren sind wie die Augen von Maschinen. Abnehmer sind in erster Linie die Maschinenindustrie, aber auch die Lebensmittel-, Pharma- und Verpackungsindustrie. Contrinex Sensoren finden sich in Autofabriken und Flugzeugen, Baumaschinen, Windenergie-Anlagen und sogar im All, in der internationalen Weltraumstation. 1985 war das Unternehmen hauptsächlich im induktiven Markt tätig; aber auch da bereits führend bei den kleinen Sensoren und grossen Schaltabständen (etwa 3-fach gegenüber der geltenden Norm). 1996 kamen kleinste optische Geräte hinzu, 1998 die aus einem Edelstahl-Stück gefertigten Sensoren, die den Markt der rauen Umgebungen erschliessen, zum Beispiel die Baumaschinen-Branche. 2002 begann die Entwicklung von RFID-Geräten (Radio-Frequency Identification). Diese Methode ermöglicht die kontaktlose Kommunikation und Identifizierung zwischen Steuerung und Kontrollmarke (Tag). 2008 stieg Contrinex mit eigenen Lichtgittern in die Sicherheitstechnik ein. Im Jahr 2011 wurde die Analog-Familie ausgeweitet, und die Ganzmetalltechnologie wurde auch im RFID Bereich eingesetzt.


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WIRTSCHAFTSPIONIERE

Appenzellische Querdenker Der eine Bruder ist Gründer der Helvetia-Versicherung, der andere Bankier, Gründer der Basler Missions-Handlungs-Gesellschaft und damit Vorkämpfer des «Fair Trade»-Gedankens. Salomon und Ulrich Zellweger gelten als Wegbereiter der offenen Wirtschaftsgrenzen.

TEXT BIRTHE GRAUTMANN

Über die Geschichte der appenzellische Kaufmannsfamilie Zellweger fehlt bis heute eine Gesamtdarstellung. Das umfangreiche Quellenmaterial, das hauptsächlich in der Kantonsbibliothek Trogen und im Staatsarchiv Herisau liegt, muss erst noch erschlossen werden. Dennoch ist es Hugo P. Salvisberg, dem Urenkel von Salomon Zellweger und Autor des Bandes über die Brüder Salomon und Ulrich Zellweger in der Reihe «Schweizer Pioniere der Wirtschaft und Technik», gelungen, ein kompaktes Werk über die Biographien seiner Vorfahren zu verfassen. Das historische Umfeld Schon in den vergangenen Jahrhunderten galten die Appenzeller als Querdenker und waren in aller Welt anzutreffen. Da die Landwirtschaft nur wenig Gewinn abwarf, verlegte man sich auf das Söldnerwesen und auf die exportorientierte Textilindustrie. Das Appenzell war durch den Textilhandel und das Gewerbe bereits früh industrialisiert, was durch die Gewerbe-, Handels- und Abgabenfreiheit immens begünstigt wurde. Die Blütezeit lag im 18. und 19. Jahrhundert, als Appenzell Ausserrhoden hauptsächlich von Textilhandel- und produktion lebte. Wichtigster Handelsplatz war in dieser Zeit das dörfliche Trogen. Nach der Teilung des Appenzell während der Reformation mussten die reformierten Zellweger nach Ausserrhoden umziehen, wo sie sich in Trogen niederliessen. Salomon und Ulrich Zellweger stammten in achter Generation von einer Familie ab, die ihre Ursprünge im 16. Jahrhundert hat. Kaufmann wider Willen 1807 wurde Salomon Zellweger als elftes Kind des reichen und angesehenen Kaufmanns Jakob und seiner Frau Anna Barbara Zellweger-Zuberbühler in Trogen geboren. Seine Jugend war nach dem Tod der Mutter sehr bewegt. Salomon wurde mit seinen Brüdern Ulrich und Eduard nach Ludwigsburg gebracht und lebte ein Leben voller Entbehrungen. 1821 verstarb dann auch der Vater und Salomon wurde von zwei Onkeln und seinem Schwager unterstützt. Genauso wie sein Bruder Ulrich musste Salomon eine Kaufmannslehre absolvieren, jedoch wider Willen. Nach der Lehrzeit begab sich Salomon auf Wunsch seines Schwagers nach Brüssel, um dort das Geschäftshaus der Familie zu vertreten. Als die Belgische Revolution ihn 1830 zum Aufbruch zwang, siedelte er mit seinem Partner Ochsner nach Amsterdam um, wo beide erfolgreich mit fertigen Textilien für Baumwolle und Garn handelten. 1837 kehrte Salomon Zellweger nach Trogen zurück und heiratete die wohlhabende Anna Walser von Heiden. Bis 1874 betrieb Salomon Zellweger ein Export-, Kommissions- und Fabrikationsgeschäft mit Textilwaren. Risiken eindämmen Die überseeische Handelstätigkeit brachte Salomon Zellweger hohe Transportrisiken, besonders bei der Überschif-

fung von Europa nach Westafrika. In Hafenstädten wie Bremen, Triest oder Genua hatte man die Möglichkeit, sich durch ausländische Versicherungsgesellschaften gegen Schäden oder Verlust abzusichern. Dies war aber kostspielig und umständlich. Deswegen plante Salomon Zellweger, sich selbst gegen Transportrisiken zu Land und Wasser zu versichern. Das Transportversicherungsunternehmen sollte in Form einer Aktiengesellschaft gegründet werden, was ebenso pionierhaft war. Vorbild war die in Paris ansässige und von Schweizern 1855 gegründete «Réunion». Zellwegers Projekt wurde vor allem von Gründungsmitgliedern und Verwaltungsräten der Deutsch-Schweizerischen Kreditbank in St. Gallen unterstützt, die er mit dem schlagenden Argument überzeugte, dass er das Kapital in der Schweiz halten wolle, um damit wiederum die boomende Wirtschaft zu unterstützen. Anhand von Schätzungen der Ein- und Ausfuhr der wichtigsten Güter legte Salomon Zellweger die Prämiensummen fest. Die Versicherung, gegründet 1858, erhielt den Namen «Allgemeine VersicherungsGesellschaft Helvetia», wurde bereits drei Jahre später um eine Feuerversicherungs-Gesellschaft erweitert und feiert dieses Jahr ihr 154-jähriges Bestehen. Salomon Zellweger starb 1887. Ulrich der Philanthrop Salomons älterer Bruder Ulrich Zellweger-Ryhiner, geboren 1804, erkannte die günstigen Bedingungen seiner Zeit. Denn die Schweiz pflegte schon im 19. Jahrhundert eine klare Freihandelspolitik, getreu dem Prinzip der NichtIntervention des Staates im länderübergreifenden Warenaustausch. Die Abwehrbemühungen der europäischen Staaten, die sich in ihren Schutzzöllen äusserten, wirkten sich besonders förderlich auf die Schweizer Wirtschaft aus. Die Eidgenossenschaft war gezwungen sich vor allem in Übersee neue Märkte zu suchen und war dadurch früh globalisiert. Ulrich Zellweger war ein mutiger, global tätiger Händler mit ernsthaftem sozialem Engagement. Doch auch seine Anfänge waren schwierig. Nachdem er nach seiner Kaufmannslehre von Marseille nach London gezogen war, gründete er zusammen mit einem Freund eine Firma, die mit Hornkämmen für Damen handelte. Diese brachte jedoch nur wenig Ertrag, weswegen er sein Glück in Übersee suchte und sich nach Havanna einschiffte, dem wichtigsten Handelsplatz der karibischen Inseln. 1835 wurde Ulrich Zellweger Teilhaber bei einem Zuckerexporteur. Trotz des Lebens in Übersee pflegte der Schweizer Händler seine Kontakte zu Hause, aus denen er geschäftlich profitierte, wie z.B. den Austausch von Seidenbändern der Firma Burckhardt-Wildt & Sohn in Basel gegen Zigarren und andere Kolonialwaren. Handelsbeziehungen führten ihn nach Nordamerika, wo sich Ulrich Zellweger zu einem gesetzten und tief religiösen Menschen entwickelte und Kontakte zu führenden Personen der Wirtschaft knüpfte. Er fühlte sich als Unternehmer und christlicher Missionar zugleich und war daher philanthropisch engagiert. Nach der Entfremdung von sei-

Der Schoner «Palme», das erste Segelschiff der Basler Missions-Handlungs-Gesellschaft, ca. 1867, mit der Schweizerflagge am Hauptmast und der preussischen Flagge als Zeichen des Eintrags im preussischen Schiffsregister. (o.) Salomon ZellwegerWalser und Ulrich Zellweger-Ryhiner. Firmenschild der Helvetia-Versicherung. Fotos: Familienarchiv Hugo P. Salvisberg, G.A. Wanner (1959), Archiv Helvetia


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CH PIONIERE Sie stehen für Innovation und unternehmerisches Gespür – die Schweizer Pioniere. Die UnternehmerZeitung gibt in einer Reihe Einblick in die Biografie ausgewählter Schweizer Pioniere, die sich grossen Verdienst in Wirtschaft und Technik erworben haben.

ner Frau Elisabetha zog Ulrich Zellweger wieder zurück in seinen Heimatort Trogen, an dem er missionarisch wirkte. Das Bedürfnis, zu missionieren Zellwegers Haus in Trogen wurde zur Zuflucht für Bedürftige. Niemand musste mit leeren Händen gehen. Dem weitgereisten Händler war bewusst, dass man den Menschen am besten helfen konnte, wenn ihre Arbeits- und Erwerbstätigkeit durch eine höhere Bildung verbessert würde. Deshalb gründete er eine «Erziehungs- und Webanstalt», eine Kleinkinder-Schule, ein Waisenhaus, eine höhere Schule für Töchter und entwickelte einen modernen Landwirtschaftsbetrieb. Damit ermöglichte er jungen Appenzellern eine gute Ausbildung. Zudem brachte er Rinder aus dem Kanton Schwyz ins Appenzell, kreuzte sie mit einheimischen Rindern und züchtete so eine leistungsfähigere Brauntierrasse. Durch Viehmärkte, die sich mit der Zeit zu Volksfesten entwickelten, machte er sich bei der Bevölkerung äusserst beliebt. Ausserdem förderte er die Milch- und Forstwirtschaft, die Bienenzucht und heimische Käsereien. Über seine missionarische Tätigkeit hinaus gründete er in Paris das Bankhaus «Ulrich Zellweger & Cie.», mit dem er sich einen hervorragenden Ruf verschaffte. Das Missionieren wird zur Haupttätigkeit 1858 wurde Ulrich Zellweger Mitglied des Komitees der Basler Mission. Deren Hauptanliegen waren: Entwicklungshilfe für Bedürftige, Überwindung der Sklaverei durch die

Schaffung von Handelsstationen und Förderung der einheimischen Baumwollkultur in Afrika. In Westafrika sollte durch die Förderung der Agrarkultur die Sklaverei bekämpft werden. Dazu wurden die Anbaumethoden verbessert, Handwerksbetriebe gegründet und Lehrlinge ausgebildet, um die wirtschaftliche Position der Einheimischen zu stärken. Die Basler Mission sah darin ein Wiedergutmachungsprojekt zum Sklavenhandel durch die Europäer. Natürlich sollte nebenbei auch der christliche Glaube verbreitet werden. Es war aber nicht vorgesehen, europäische gegen einheimische Waren zu tauschen. Jedoch zeigte es sich, dass viele Produkte aus Europa beschafft werden mussten, und so war die Gründung einer MissionsHandlungs-Gesellschaft unausweichlich. Vorteil war, dass sich die Geistlichen ganz auf die Verbreitung des Glaubens konzentrieren konnten. Nach und nach entwickelten sich Handelsbeziehungen mit geschäftstüchtigen, einheimischen Händlern, die Palmöl, Goldstaub und Elfenbein verkaufen wollten. Die Vorteile, die seine missionarische Tätigkeit brachten, gab Zellweger an seinen Bruder Salomon und auch an andere Schweizer Unternehmer weiter. 1859 war es so rentabel, dass die «Aktiengesellschaft der Missionshandlung» gegründet werden konnte. Nach ein paar Jahren trat der missionarische Gedanke in den Hintergrund und Ulrich Zellweger zog sich in seine Heimat zurück. 1866 nahm er dann sein letztes Projekt in Angriff und gründete die «Bank für Appenzell A.Rh», die bis 1909 bestand. Ulrich Zellweger starb 1871 im Alter von 66 Jahren.

VEREIN FÜR WIRTSCHAFTSHISTORISCHE STUDIEN Der Verein für wirtschaftshistorische Studien hat 2011 eine Publikation über die wechselhafte Geschichte des Zoo Zürich veröffentlicht. Darin wird die Entwicklung des Unternehmens anhand seiner Direktoren, ihrer Herausforderungen und Meilensteine beleuchtet. Entstanden sind vielschichtige Portraits der ZooPersönlichkeiten. Die einzelnen Bände der Reihe «Schweizer Pioniere aus Wirtschaft und Technik» können auch online bezogen werden. www.pioniere.ch


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VERTRAGSRECHT

Was ist ein guter Vertrag? Eine Vielzahl von Verträgen wird ohne den Beizug von Juristen ausgehandelt und abgeschlossen. Man verwendet Standardverträge oder behilft sich mit Mustersammlungen, die frei erhältlich sind. Solche Musterverträge können je nach Qualifikation ihrer Autoren sehr hilfreich sein, insbesondere für die Erstellung eines Vertragsgerüstes oder für die Übernahme von Standardklauseln. Doch Vorsicht ist geboten, denn den Standardvertrag, der auf jeden Geschäftsabschluss passt, gibt es nicht.

TEXT FRANZISKA BUOB

Als erste Voraussetzung für einen guten Vertrag muss sich jede Partei darüber im Klaren sein, was sie vom konkreten Geschäft erwartet, und diese Erwartung muss der anderen Vertragspartei offen und transparent kommuniziert werden. Das klingt banal, ist es aber keineswegs. Es bedeutet nämlich, dass die Parteien den erwarteten Ablauf des Geschäftes gemeinsam besprechen und dabei nicht nur die einzelnen Rechte und Pflichten, sondern auch mögliche Leistungsstörungen identifizieren müssen. Für diese sollten bereits bei Vertragsschluss Regeln vorgesehen werden, auch wenn solche Negativpunkte bei Aufnahme einer Geschäftsbeziehung nur ungern thematisiert werden. Bei Dauerschuldverhältnissen müssen zudem die Veränderungen besprochen werden, die der Zeitablauf mit sich bringen kann: Preise muss man anpassen, Bestellmengen variieren, Mietflächen vergrössern oder verkleinern und eine Zusammenarbeit überdenken können, ohne dass daraus ein Streitfall wird. Auch für diese Fälle müssen Modalitäten, Rechte und Pflichten geschaffen werden. Vertragsgestaltung dokumentieren Erwartungen und Absichten sollten nicht nur offengelegt, sondern auch dokumentiert werden. Der Inhalt eines Vertrages kann nämlich unklar sein, z.B. weil sich die Parteien bei Vertragsschluss über einen bestimmten Punkt – bewusst oder unbewusst – nicht einig waren. Kommt es zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung, so wird das Gericht den Vertrag nach dem sog. Vertrauensprinzip auslegen. Dabei stellt das Gericht die Frage, wie der Empfänger einer Willenserklärung im Zeitpunkt des Vertragsschlusses unter Würdigung aller ihm erkennbaren Umstände das Erklärungsverhalten der andern Partei (als verständig und redlich Urteilender) verstehen durfte und musste. Massgebend ist dann nicht mehr das, was eine Partei wirklich erklären wollte, sondern das, was Vertrauensschutz verdient. Je besser daher die Umstände des Vertragsschlusses dokumen-

tiert und die Ziele der Parteien belegt werden können, desto besser stehen die Chancen, dass sich diese objektivierte Auslegung dem subjektiven Parteiwillen annähert. Sodann soll ein Vertrag nach Möglichkeit die tatsächlich gelebte (künftige) Vertragsrealität spiegeln. Wenn die Parteien bereits bei Vertragsschluss davon ausgehen, dass die Vertragsurkunde lediglich «Juristenfutter» sei und man sich in der Praxis sowieso nicht an die schriftlich vorgesehenen Abläufe halten werde, so wird das wichtigste Ziel des schriftlichen Vertrages verfehlt. Einem solchen Vertrag lassen sich im Konfliktfall nämlich mit Sicherheit keine Regeln entnehmen, wie die Parteien mit der konkreten strittigen Frage umgehen wollten. Frontleute und (interne oder externe) Juristen sollten daher den Prozess der Vertragsgestaltung von der Aufnahme der Verhandlungen bis zur Vertragsunterzeichnung als gemeinsame Aufgabe verstehen, die einen laufenden Austausch und viel gegenseitige Übersetzungsarbeit erfordert. Aufbau eines Vertrages Ein klarer Aufbau des Vertrages sowie eine sorgfältige Vertragsredaktion zahlen sich immer aus, auch wenn dies aufwendig und zeitintensiv ist. Traditionell werden Verträge wie folgt aufgebaut: – Vertragsingress (Identifikation der Parteien) – Präambel (Absichts- und Grundsatzerklärung) – Hauptteil des Vertrages (Umschreibung der Leistungen und Vertragsdurchführung) – Weitere Bestimmungen und Schlussbestimmungen – Unterschriften und Beilagen Widersprüche innerhalb eines Vertrages oder zwischen verschiedenen Vertragsbestandteilen sollten unbedingt vermieden werden, da sie die spätere Auslegung unnötig erschweren. Auch sollte die Terminologie einheitlich verwendet werden.

Musterverträge bieten einen guten Einstieg für einen guten Vertrag. Wichtig ist aber auch, dass langfristige Verträge periodisch der neuen Gesetzeslage angepasst werden. Foto: Bilderbox.de

Vertragsingress Die klare und eindeutige Identifikation der Parteien ist wichtig, vor allem bei Konzernen mit mehreren Gruppengesell-

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tragsschlusses fest und bringen mit einfachen Worten ihre Vertragsziele zum Ausdruck. So enthält die Präambel oft eine Umschreibung der Vertragsparteien, die Vorgeschichte des Vertragsschlusses, die Interessen, welche die Parteien zum Vertragsschluss bewegen sowie die Zielsetzung und den Regelungsbereich des Vertrags. Damit dient sie vorab der bereits erwähnten Rechenschaftsablegung der Parteien. Gleichzeitig stellt sie im Streitfall für das Gericht eine wichtige Auslegungshilfe dar. Die Vertragsbezeichnung und die Wahl der Bezeichnung der Parteien (z.B. als «Agent» oder «Partner») ist zwar ein Indiz dafür, was für einen Vertrag die Parteien abschliessen wollten (z.B. einen Agenturvertrag oder einen Gesellschaftsvertrag). Die Rechtsnatur des Vertrages wird jedoch im Streitfall vom Gericht unabhängig von der von den Parteien gewählten Bezeichnung bestimmt. So kann das Gericht z.B. einen sog. «Agenturvertrag» aufgrund der tatsächlich gelebten Vertragsrealität als Arbeitsvertrag qualifizieren mit der Folge, dass der vermeintliche Auftraggeber nachträglich die Sozialversicherungsbeiträge oder die Ferien des vermeintlichen Agenten bezahlen muss. Auch für diese Qualifizierung sind die Umstände des Vertragsschlusses und die Absichten der Parteien bedeutsam. Hauptteil des Vertrages Das Kernstück des Vertrages bildet die Leistungsumschreibung der Parteien, denn daraus ergeben sich ihre Rechte und Pflichten. In diesem Hauptteil werden die Sach- und Geldleistungen umschrieben und die Einzelheiten der Vertragsdurchführung geregelt wie z.B. Vertragsgebiet, Lieferund Zahlungsmodalitäten, Erfüllungszeitpunkt, Erfüllungsort und Mechanismen für die Überprüfung und Anpassung des Vertragsinhaltes. Auch die Leistungssicherung ist in diesem Teil enthalten, also Regeln zu Gewährleistung, Haftung, Sicherheiten, Versicherung usw. Die Struktur kann dabei den zu regelnden Themen oder den Rechten und Pflichten der Parteien folgen. Bei komplexeren Verträgen ist oft eine Kombination davon sinnvoll.

schaften. Oft werden auch Verpflichtungen von Gesellschaften und solche von Einzelpersonen vermischt, was dazu führen kann, dass sie nicht durchgesetzt werden können, weil sie gegenüber einer Person geltend gemacht werden müssen, die gar nicht Vertragspartei ist. Anhand eines Auszuges aus dem Handelsregister soll sodann sichergestellt werden, dass der Vertrag von Personen unterzeichnet wird, die tatsächlich zeichnungsberechtigt sind. Präambel In den einleitenden Grundsatz- und Absichtserklärungen halten die Parteien die Ausgangslage im Zeitpunkt des Ver-

Weitere Bestimmungen und Schlussbestimmungen Je nach Vertragsart ergeben sich zahlreiche weitere Bestimmungen, die geregelt werden müssen. Zu erwähnen sind bspw. Konkurrenzverbot, Geheimhaltungspflichten, Pflichten nach Vertragsauflösung oder Konventionalstrafen. Separat geregelt werden sodann oft Vertragsdauer und Vertragsbeendigung. In den Schlussbestimmungen finden sich schliesslich Vorschriften für Änderungen und Ergänzungen des Vertrages, Klauseln betreffend Teilnichtigkeit sowie Gerichtsstand und anwendbares Recht. Abschliessend sei daran erinnert, dass das Recht ein dynamisches System ist, das sich laufend verändert. Langfristige Verträge oder immer wieder verwendete Standardverträge sollten daher periodisch fachkundig überprüft werden um sicherzustellen, dass sie der neuesten Rechtsentwicklung Rechnung tragen.

DIE AUTORIN Dr. Franziska Buob ist Partnerin in der Zürcher Wirtschaftskanzlei Ruoss Vögele Partner. U.a. berät sie Unternehmen und Unternehmer im Gesellschaftsund Vertragsrecht sowie bei der Nachfolgeplanung. Ausserdem ist sie prozessierend tätig.

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PRO JUVENTUTE

Bauen für die Zukunft Stephan Oetiker ist seit 2009 Direktor von Pro Juventute. Damals schrieb die Stiftung noch rote Zahlen. Die Erwartungen an den Sanierungsexperten waren entsprechend hoch. Seine neue Aufgabe begann er direkt mit einer Reorganisation. In diesem Jahr feiert Pro Juventute nun ihr 100-jähriges Bestehen. Und Stephan Oetiker kann auf das Jubiläumsjahr hin eine ausgeglichene Bilanz präsentieren.

INTERVIEW URS HUEBSCHER

Herr Oetiker, dieses Jahr feiert die Pro Juventute das 100-jährige Bestehen – und schreibt wieder schwarze Zahlen. Was bedeutet Ihnen das Jubiläum? Stephan Oetiker: 2012 ist ein sehr wichtiges Jahr. Unsere Organisation unterstützt jedes Jahr über 300 000 Kinder und 100 000 Eltern und gestaltet somit direkt die Zukunft der Schweiz mit. Das 100Jahre-Jubiläum ist der ideale Anlass, an die Öffentlichkeit zu treten und die Arbeit für Kinder und ihre Eltern in der Schweiz zu zeigen. Und symbolisch werden wir sogar tatsächlich die Schweiz der Zukunft präsentieren. Wie muss man sich das vorstellen? Unter dem Motto «Kinder bauen die Schweiz der Zukunft» führen wir Aktivitäten zugunsten von Kindern durch. Im Juni 2012 setzen Kinder und Jugendliche die Visionen ihrer Kantone der Zukunft in Zürich, Vevey und Locarno als grösstes 3D-Lego-Mosaik der Welt zusammen. Hierfür erwarten wir über 2 000 Kinder. Mit der Schweizer Karte als Sujet wollen sie der Schweiz zeigen, wie sie sich ihr Land wünschen. Beim grossen Finalevent an der Swisstoy vom 3. – 6. Oktober werden die Fragmente als Schweiz der Zukunft zusammengeführt und der Antrag um Aufnahme als Weltrekord gestellt. Als weiteres Highlight freue ich mich auf den 1. August. Dann werden Kinder auf dem Rütli kurz vor der offiziellen Feier ihren Kanton präsentieren und ihre Wünsche an die Zukunft der Schweiz zum Ausdruck bringen. Das klingt spannend, aber auch aufwändig. Wie werden diese Anlässe finanziert? Manor und Lego finanzieren als Presenting Partner alle Aktivitäten für die Kinder im Rahmen des Jubiläumsprojekts, und setzen sich so für die Zukunft der Schweiz ein. Mit den Aktionen im Jubiläumsjahr tragen die Kinder ihre Stimme in die Bevölkerung. Wie wichtig dies ist, sehen wir bei unseren Angeboten: der Pro Juventute Beratung + Hilfe 147, mit der wir täglich 400 Rat suchende Kinder und

Stephan Oetiker, Direktor von Pro Juventute.

Jugendliche unterstützen, den Pro Juventute Elternbriefen oder den Lehrmitteln, die Kindern Medien- und Finanzkompetenz vermitteln. Einige Hürden sind nun genommen; welche waren die wichtigsten? Den Turn-Around konnten wir schaffen, weil die eingeleiteten Massnahmen der Restrukturierung, Professionalisierung der Mittelbeschaffung, der inhaltlichen Positionierung und der Weiterentwicklung der Angebote gelungen ist – und insbesondere dank der Zuwendungen aus der Bevölkerung und unseren Partnerschaften mit Unternehmen. Welche Herausforderungen stehen noch an? Die Reorganisation ist inzwischen abgeschlossen. Statt der früheren 187 Bezirke gibt es nun 25 rechtlich unabhängige, meist kantonal organisierte Organisationen. Das Ziel, nach dem 2009 eingeleiteten 3-Jahres-Programm ein ausgeglichenes Ergebnis zu schaffen, haben wir erreicht. Eine wichtige Etappe ist damit geschafft. Nun liegt unser Fokus auf neuen Strategien zur Mittelbeschaffung.

Foto: zVg

Wir konzentrieren uns in Zukunft neben den Zuwendungen aus der Bevölkerung auch auf Unternehmenspartnerschaften, um gemeinsame Projekte oder Produkte zu entwickeln. Fokus dabei sind neben Produkten zur Förderung der Medienund Finanzkompetenz von Kindern besonders Projekte zur Unterstützung von Eltern und Familien. Ein entsprechendes Projekt lancieren wir dieses Frühjahr. Wie können Unternehmen mit Pro Juventute zusammenarbeiten? Unternehmen können mit uns zusammen Projekte oder Produkte entwickeln oder unterstützen. Als Werbepartner können sie die Kommunikationskanäle von Pro Juventute in den Zielgruppen Eltern und Familien nutzen und gleichzeitig die Kinder- und Jugendprojekte unterstützen. Und als Servicepartner führen Unternehmen wichtige Aufgaben von Pro Juventute unentgeltlich oder zu reduzierten Ansätzen durch. So unterstützen sie nicht nur die Arbeit von Pro Juventute, sondern ermöglichen den Mitarbeitenden einen sehr effektiven Einsatz für Kinder, Jugendliche und Familien in der Schweiz.


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ZÜRCHER UNTERNEHMER

STEUERWETTBEWERB

Kanton auf Platz 15 zurückgefallen Beim Vergleich der Steuerbelastung kommt der Kanton Zürich nur noch auf den 15. Platz. Das Ranking belegt, dass die Stadt für sehr hohe, aber auch sehr tiefe Einkommen unattraktiv ist.

Der Staatssteuerfuss 2010 ist unverändert geblieben. Hingegen hat jede dritte Gemeinde im Kanton die Steuern gesenkt. Das Steuerbelastungsmonitoring, das die Finanzdirektion von BAK Basel Economics durchführen lässt, zeigt eine Verschiebung vom 11. auf den 15. Rang. Dies liegt nicht daran, dass die Steuerbelastung im Kanton gestiegen wäre, aber andere Gemeinden haben die Steuern stärker gesenkt. So überholten Glarus und St. Gallen den Kanton Zürich. Am wenigsten Steuern verlangen Zug, Schweiz und Genf, obenauf schwingen Solothurn, Obwalden und Neuenburg. Ein lediger und kinderloser Einkommensmillionär muss fast einen Viertel seines Bruttoeinkommens an Kanton, Stadt und Kirche abliefern. Die Finanzdirektorin des Kantons, Ursula Gut, hält fest, dass es niemandem egal sein könne, wenn Gutverdienende nicht zu uns kommen oder die Stadt verlassen, denn sie trügen überdurchschnittlich zu den Steuererträgen bei. Andererseits wurde es von den Stimmbürgern abgelehnt, höhere Einkommen verstärkt zu entlasten. Auch bei der Besteuerung von Aktiengesellschaften ist Zürich nicht sehr attraktiv. Vergleicht man hingegen mit den internationalen Wirtschaftszentren, so kommt Zürich auf einen sehr guten 8. Rang. Pauschalsteuer Inzwischen liegt eine erste Zwischenbilanz vor. Einst wurden 201 Personen nach

Aufwand besteuert (2008), per 1. Januar 2010 lebten noch 102 im Kanton Zürich und wurden ordentlich veranlagt. Die übrigen zogen teilweise ins Ausland vor allem aber in die Kantone Schwyz, Zug

und Graubünden. Durch den Wegzug der Pauschallbesteuerten entgingen Kanton und Gemeinden knapp 12 Millionen Franken. Von den Verbliebenen kamen aber knapp 14 Millionen Franken in die Kasse.

STEUERFÜSSE RAUF UND RUNTER

In Zollikon muss nach über Jahre niedrigem Steuerfurss der Sparkurs eingeschlagen werden. Die Goldküste stellt fünf der sieben finanzstärksten Gemeinden im Kanton. Um die Jahrtausendwende begannen sie, gute Steuerzahler anzulocken, in dem sie die Steuerfüsse absenkten. Nebst Zollikon waren auch Zumikon, Erlenbach und Herrliberg ganz vorne dabei, die Steuern um bis zu 20 Prozentpunkte zu senken. Nach wenigen Jahren mussten sie zurückbuchstabieren,

wenn das Finanzvermögen aufgezehrt, die Liegenschaften verkauft waren und schrieben rote Zahlen. Es fehlt an Geld für Investitionen in die Infrastruktur. Der Ruf nach Sparmassnahmen wird laut, wo aber damit beginnen? Bei der Wohlfahrt, dem Klimaschutz? Es zeigt sich, dass es für den Steuerwettbewerb eben das richtige Augenmass braucht.

Mit Kohle gegen Gift Mit einem neuartigen Verfahren werden in der Kläranlage Wetzikon Chemikalien und Medikamente aus dem Abwasser gefiltert. Kohlepulver bringt die Lösung.

Mikroverunreinigungen können mit Filtern oder Chemikalien nicht aus dem Abwasser entfernt werden. Sie setzen sich langsam im Grundwasser fest und gelangen so wieder in Trinkwasser. Das sind z.B. Stoffe aus der Antibabypille, aber auch Schmerzmittel, Röntgenkontrastmittel aus den Spitälern. Der Leiter der Wetziker Stadtentwässerung setzt Koh-

lepartikel ein, die sich mit den Schadstoffen verbinden. Später wird dieses aus dem Wasser gefiltert und vernichtet. Momentan ist man noch an der Testphase, es gilt auch, die richtige Menge einzusetzen. Regen könnte das Ganze zunichte machen. Ferner gilt es, dafür zu sorgen, dass keine Kohle im Wasser zurückbleibt. Das ideale Kohlepulver soll die Hochschule Rapperswil entwickeln. Herausgefiltert wird das Kohlepulver mit Quarzsand. Wenn Kohle ausläuft, schaltet sich die Maschine der Kläranlage automatisch ab. An den Kosten von 650 000 Franken teilen sich der Bund, der Kanton und die

Foto: zVg

Der Aabach (hier bei Uster) soll nicht stärker belastet werden. Foto: zVg

Gemeinde Wetzikon. Ein Jahr lang wird experimentiert, funktioniert die Kohlebeigabe nach Wunsch, wird sie auf die ganze Klärmenge ausgedehnt.


ZÜRCHER UNTERNEHMER NACHHALTIG

Hoher Mobilitätsanspruch Die LeasePlan (Schweiz) AG hat das erste Elektromobil in ihrer Gesamtflotte an die SADA AG übergeben. Es handelt sich um einen Opel Ampera, der sofort als Poolfahrzeug bei der SADA AG zum Einsatz kommt. Vor einem Jahr hat die SADA AG die Gesamterneuerung ihrer Fahrzeugflotter zusammen mit LeasePlan vollzogen. Die SDA AG ist im Bereich Sanitär-, Heizungsund Lüftungstechnik tätig und verfügt über einen bereichsübergreifenden 24Stunden-Service. Das ergibt einen hohen Mobilitätsanspruch. Mit dem Einsatz des ersten Elektrofahrzeuges reduziert die SADA AG ihren Emissionsausstoss. Auch für LeasePlan bedeutet die Übergabe des Opels Ampera, die bei der Ernst Ruckstuhl AG in Kloten, Garagenpartnerin von LeasePlan, stattfand, eine Premiere. So hält Rogelio Valdivia, Director Sales und Marketing bei LeasePlan fest: «Wir wollen einen Beitrag leisten an den Durchbruch von Elektrofahrzeugen auf breiter

v.l.n.r.: Marco Zweifel (LeasePlan), Jean-Claude Bregy (CEO SADA-Gruppe) und Kurt Giger (Verkaufsleiter Neuwagen Ruckstuhl-Gruppe). Foto: zVg

Front. Mit der Übergabe des ersten Elektrofahrzeugs machen wir einen wichtigen Schritt in diese Richtung.» Im Zuge der kürzlichen ISO 14001 Zertifizierung hat sich die SADA AG entschieden, auch die Fahrzeugflotte weiter zu optimieren. Da die Firma bereits eine reine Opel-Flotte betreibt, war der Entscheid für den Ampera naheliegend. Nun werden erste Erfahrungen mit dem neuen Fahr-

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zeug gesammelt. Das Fahrzeug wird keinem bestimmten Mitarbeiter zugeordnet, alle Mitarbeiten können ihn benutzen. Rein elektrisch und komplett emissionsfrei lassen sich 40 bis 80 Kilometer zurücklegen, was für die am häufigsten zurückgelegten Distanzen absolut genügt. Bei längeren Fahrten dient ein Verbrennungsmotor als Generator, der die Reichweite auf über 500 Kilometer vergrössert. Ist eine 100-Prozent-Tochter der LeasePlan Corporation N.V. in den Niederlanden und wurde 1986 gegründet. Als markenunabhängiger Anbieter im Bereich Flottenmanagement und Operational Full Service Leasing kümmert sich LeasePlan von der Beschaffung über die Hilfestellung im Schadenfall bis zum Treibstoffmanagement alle Dienstleistungen um den Fuhrpark. LeasePlan hat die Plattform GreenPlan lanciert, hier werden Flotten mit geringem CO2 Ausstoss aufgeführt. Nebst sparsamen Benzinmotoren gibt es Hybrid-, Autogas- und Elektroantriebe. Finanziert und verwaltet werden ca. 13 000 Fahrzeuge. Der Hauptsitz befindet sich in Urdorf. www.leaseplan.ch, www.greenplan.ch

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ZÜRCHER UNTERNEHMER

«ZKB PIONIERPREIS TECHNOPARK»

Vom Bagger zur Pinzette Der Preis würdigt technologische Innovationen, die dank unternehmerischer Pionierleistung kurz vor dem Markteintritt stehen. Sieger wurde die Cytosurge AG für die Entwicklung von FluidFM®, einer High-Tech-Spritze für die Analyse auf Mikro- und Nanoebene.

Es handelt sich um ein auswechselbares Werkzeug für Rasterkraftmikroskope, die sich vielseitig einsetzen und präzise steuern lassen. Es ermöglicht Forschenden neuartige Arbeitsmöglichkeiten in der Mikro- und Nanowelt. Erste Seriengeräte werden bereits ab Mitte 2012 an Universitäten und Forschungslabors ausgeliefert. Die beiden Inhaber und Geschäftsführer, Pascal Behr und Dr. Michael Gabi vermarkten damit ein

stark nachgefragtes Werkzeug, das nutzerfreundlich und einfach umzurüsten ist. Das Spin-off-Unternehmen der ETH konzentriert sich auf ihre Kernkompetenz dank enger Zusammenarbeit mit erfahrenen Firmen auf dem Sektor der Rasterkraft-Mikroskopie. Konkret: Will man die Ausbreitung einer Krankheit untersuchen, muss beobachtet werden, wie die Erkrankung von einer Zelle zur anderen wandert. Das Experiment ver-

langt, dass nur eine einzige Zelle infiziert werden darf. Mit der geschilderten Technologie ist es möglich, das Medikament im Labor an Gewebeproben des Patienten zu testen, indem man den Wirkstoff gezielt in einzelne Zellen spritzt. Dies ist ausserordentlich wichtig, denn teure Krebsmedikamente wirken lediglich bei 30 Prozent der Patienten. www.cytosurge.com, www.technopark.ch

Pascal Behr, Dr. Michael Gabi, Johann Wolf und Stephan Jud erhielten den ZKB Pionierpreis Technopark. Foto: Technopark.ch.

GRÜNDERORGANISATION WÄDENSWIL

Auf Erfolgskurs grow war im vergangenen Jahr sehr erfolgreich. Neun neue Firmen kamen in die Gründerorganisation, die nunmehr 16 Mitglieder aufweist. Die meisten dieser Start-up haben ihren Sitz im Tuwag-Areal in Wädenswil. Die nicht profitorientierte Gründerorganisation bietet Jungunternehmen

professionelle Unterstützung. Dazu gehören Infrastruktur, Beratung, Coaching sowie finanzielle Unterstützung. Die operative Tätigkeit wurde vor zehn Jahren aufgenommen. Zu den Initianten zählen die Stadt Wädenswil, die Hochschule Wädenswil (heute ZHAW), die Tuwag Immobilien AG, die Standortförde-

rung Zimmerberg Sihltal (heute Zurich Park Side), der Industrie- und Arbeitgeberverein Wädenswil (heute AZZ) sowie der lokale Handwerker- und Gewerbeverein. Seit 2010 ist Prof. Dr. Dolf van Loon Geschäftsführer von grow. Am 11. Juni 2012 findet ein Jubiläums-Apéro statt, die grow-Firmen präsentieren sich im Rahmen einer Tischmesse. www.grow-waedenswil.ch

Kuratorin Bice Kuringer und Musikerin Sophie Hunger. Fotos: zVg

Kulturelle Auszeichnungen des Kantons Auf Vorschlag der kantonalen Kulturförderungskommission verleiht der Regierungsrat den Kulturpreis des Kantons Zürich an die Kuratorin Bice Curiger. Der Förderpreis im Bereich Musik, Tanz und Theater geht an die Musikerin Sophie Hunger. Bice Curiger studierte an der Universität Zürich Kunstgeschichte, Volkskunde und Literaturkritik. 1984 war sie Mitbegründerin der Zeitschrift «Parkett», deren Chefredaktion sie übernahm. Seit 1993 ist sie feste Kuratorin am Kunsthaus Zürich. Seit 2005 gibt sie die Zeitschrift «Tate etc.» der Tate Gal-

lery in London heraus. Sie war auch Direktorin der Kunst-Biennale 2011 in Venedig. Die Sängerin, Songwriterin, Komponistin und Musikerin Sophie Hunger gehört zu den vielseitigsten jungen Musikerinnen der Schweiz. Sie hat auch schon Filmmusik komponiert und als Filmschauspielerin debütiert. Unter anderem schreibt sie Kolumnen in «Die Zeit». Bekannt wurde sie mit den CD’s «Monday’s Ghost» und «1983». 2010 gewann sie den «Swiss Award» in der Kategorie «Show». Ende 2011 tourte sie mit ihrer Band durch die USA.

Arbeitsmarkt leicht besser Im März sank die Zahl der Arbeitslosen im Kanton Zürich um 558 Personen, die Arbeitslosenquote stagnierte bei 3,3 Prozent. Die Abnahme erfolgte wetter- und saisonbedingt vor allem im Bau und im Gastgewerbe. Ende März waren 23‘640 Personen bei den RAV des Kantons Zürich als arbeitslos gemeldet. Insbesondere Männer, Ausländer und 20-35-Jährige profitierten von der Besserung. Die Anmeldun-

gen zur Stellensuche wie auch die für Kurzarbeit sind rückläufig. Verbessert hat sich die Situation in verschiedenen Industrieberufen wie bei den Maschinisten, in der Elektrotechnik/Elektronik, in der Metallverarbeitung und bei Ingenieur- und Technikerberufen. Weniger optimistisch ist die Situation im Gastgewerbe, bei Reinigung und Hygiene, kaufmännischen Berufen und im Verkauf und Handel.


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UZ l BÜCHER NEUERSCHEINUNGEN

Erfolgsplanung

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Wie man führt, ohne zu dominieren Das mit dem «Führen» ist so eine Sache. Wer nicht aufpasst, der stösst schnell an Grenzen, an die eigenen und die der anderen. Führung fordert Kooperation im Erreichen der gesetzten Ziele. Das bedingt Kontexte. Es geht um Beziehungsgestaltung, um die Stärkung der Eigendynamik von Gruppen oder Teams. Machtworte sind fehl am Platz, der Einsatz von Machtmitteln erst recht. Ein Risiko bleibt damit verbunden, denn man bewegt sich nicht in einer klaren Welt der Wenn-dann-Gewissheiten. Der Autor präsentiert das Handwerkszeug für eine Gestaltung «typischer» Führungsanforderungen und stützt sich dabei auf Erkenntnisse aus der Forschung und seine umfangreiche Praxiserfahrung. Als Berater und Supervisor konnte er während fast 30 Jahren in verschiedenen Führungsfunktionen Erfahrungen sammeln. Er versteht die von ihm aufgestellten 29 Regeln nicht als Rezept, sondern als Aufforderung zur Selbstreflexion.

Einführung in das Campaigning Moderne Kampagnen sind systemische Eingriffe in Politik, Gesellschaft oder Marktgeschehen mit dem Ziel nachhaltiger Veränderung: Campaigning for Chance. Es geht nicht um Veränderung um der Veränderung willen, schon gar keine Revolution oder radikale Systemveränderung. Das avisierte System soll verändert werden. Bei einem solchen subversiven Campaigning werden momentane Situationspotenziale taktisch genutzt. Der ehemalige Kampagnenleiter von Greenpeace kennt das Handwerkszeug für eine optimale Kampagnengestaltung. Er liefert ein Kriterienset für die Planungsarbeit bis hin zur Abschlussbewertung. Zahlreiche Übungen ergänzen den theoretischen Teil. Von besonderem Interesse sind die bebilderten Berichte zu exemplarischen Kampagnen mit entsprechender Wirkung.

Prof. Dr. Rolf Arnold Wie man führt, ohne zu dominieren Carl Auer Verlag, Heidelberg, 2012 180 Seiten, kartoniert CHF 25.90 ISBN 3-89670-833-5

Andreas Graf von Bernstorff Einführung in das Campaigning Carl Auer Verlag, Heidelberg, 2012 128 Seiten, kartoniert CHF 20.40 ISBN 3-89670-831-1

Einführung in die Theorie des Familienunternehmens Familienunternehmen sind in unserer Wirtschaft stark vertreten. Die Betriebswirtschaftslehre bietet aber keine tragfähigen Modelle zur Beschreibung dieser besonderen Einheit aus Familie und Unternehmen. Der Autor liefert eine verständliche Theorie für alle, die mit Familienunternehmen zu tun haben, sei es als Familienmitglied, als Mitglied eines solchen Unternehmens oder als Berater. Familie und Unternehmen werden als soziale Systeme beschrieben mit ihrer eigenen Kommunikation und Dynamik. Das kann zu Paradoxien und Doppelbindungen führen, die nicht unproblematisch sind. Es gilt, die Spielregeln der Systeme zu verstehen, die Widersprüche zu managen und Erfolg versprechende Handlungsanweisungen abzuleiten. Das Buch bietet Ori- Fritz B. Simon entierung für den Einführung in die Umgang mit Kon- Theorie des Familienflikten und Macht- unternehmens kämpfen und – last Carl Auer Verlag, but not least – Tipps Heidelberg, 2012 für eine erfolgrei- 126 Seiten, kartoniert che Nachfolgerege- CHF 20.40 lung. ISBN 3-89670-843-4

Die Geheimnisse der CHEFS Der Vorgesetzte ist oft ein unbekanntes Wesen. Wenn man aber versteht, wie er tickt, hat man leichtes Spiel frei nach dem Motto «Es ist egal, welcher Chef unter mir arbeitet»… so zumindest die Meinung des Autors Martin Wehrle. Wehrle ist in Deutschland als Karrierecoach bekannt. «Die Zeit» zitiert: «Martin Wehrle kennt sämtliche Abwehrstrategien aus den Chefetagen, aber er kennt auch alle Gegenargumente, mit denen der Chef am Ende doch Martin Wehrle noch zu schlagen Die Geheimnisse der ist.» Er plaudert das CHEFS aus, was Vorgesetz- Orell Füssli Verlag, te ihren Mitarbei- Zürich, 2012 tenden nie verraten 256 Seiten, broschiert würden und gibt CHF 19.90 Tipps, wie man ele- ISBN 3-28005-455-0

gant zu einer Gehaltserhöhung kommt. Jede Enthüllung geht mit konkreten Ratschlägen einher. Dazu gibt es einen witzigen Test zur Einschätzung des Vorgesetzten.

Muslime in Europa Das neue Buch von Saïda Keller-Messahli ist ein Plädoyer für einen fortschrittlichen Islam und benennt die wahren Ursachen der Integrationsprobleme. Die Au- Saïda Keller-Messahli torin kämpft gegen Muslime in Europa Zwangsehen, für Orell Füssli Verlag, ein Burkaverbot Zürich, 2012 und für Minarette, 192 Seiten, auch in Europa. gebunden Und dies trotz CHF 26.90 Todesdrohungen. ISBN 3-28006-123-7 Sie nimmt Stellung zu den umstrittesten Positionen der Islamdebatte, was auch Ehrenmorde und das Verbot von Homosexualität einschliesst. Es stellt sich die Frage, welche muslimischen Traditionen zugunsten von Demokratie und Menschrechten aufgegeben werden sollten. Sie zeigt aber auch auf, wo falsche Toleranz herrscht.

Was Sie über Geldanlagen wissen sollten Einst bewies einer, der Geld anstatt auf einem Sparkonto in Kassenobligationen der Hausbank anlegte, buchstäblich finanziellen Wagemut. Die weltweite Liberalisierung der Finanzmärkte hat einen veritablen In- Michael Ferber novationsschub im Was Sie über GeldanFinanzsektor be- lagen wissen sollten wirkt. Nicht nur Verlag Neue Zürcher Vermögensverwal- Zeitung, Zürich, 2011 ter sondern auch 311 Seiten. Private können be- Kartoniert reits mit relativ klei- CHF 67.90 nen Summen in ISBN 3-03823-725-6 spezifische Branchen, Schwellenländer oder Wachstumsbranchen investieren. Die Finanzkrise hat aber vielen Sparern deutlich vor Augen geführt, dass die neue Vielfalt auch ihren Preis hat. Der Autor gibt einen Überblick übe die in der Schweiz vertriebenen Geldanlageprodukte. Der Leitfaden ist Ratgeber für Privatinvestoren, Private Bankingund Altersvorsorge-Kunden. Er unterstützt Klienten auch für ihr Gespräch mit dem Bankberater. Finanzwissen wird immer wichtiger, wenn Privatanleger nicht auf der Verliererseite landen wollen.


10 FRAGEN AN l UZ

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«Umwälzungen sind Chancen» 1. Warum sind Sie Unternehmer geworden? Es fasziniert mich täglich komplexe Entscheidungen zu treffen. Als sich 2002 die Gelegenheit bot, die Firma, in welcher ich als Geschäftsleiter tätig war, mittels eines MBOs in die Littlebit Technology AG zu überführen, habe ich die Chance wahrgenommen.

3. Was mögen Sie nicht an Ihrer Branche? Kurzfristiges Denken und Handeln prägen unsere Branche, dies macht es manchmal schwer sinnvolle langfristige Entscheide zu treffen und umzusetzen. 4. An welches Ereignis in Ihrer Karriere erinnern Sie sich am liebsten? Es gab mehrere schöne Ereignisse, das MBO 2002 war aber wohl das Schönste und Befreiendste, denn es folgte auf eine lange Zeit der Ungewissheit und

2. Wenn nichts unmöglich wäre, was wäre Ihr Traumjob? Unternehmerisch tätig zu sein ist meine Bestimmung und Erfüllung. Foto: zVg

PAT R I C K M AT Z I N G E R Unternehmen: Littlebit Technology AG / Littlebit Technology Group (Schweiz, Deutschland, Österreich) Position: President & CEO Erster Job: Radio-/TV-Elektroniker Werdegang: Nach dem Lehre begann ich als Verkäufer von PC’s, arbeitete dann als Produkt Manager, Abteilungsleiter Produkt Management, schliesslich Geschäftsführer und dies innerhalb von sieben Jahren. Ausbildung: Elektroniker, Handelsschule, Marketingplaner, diverse Führungs- und Management Seminare, aber vor allem das Leben. Liebste Hobbies: Skifahren, Tauchen, Länder und Kulturen kennen lernen Zivilstand: verheiratet

Probleme innerhalb eines Konzerns, der am Abgrund stand. 5. Was war Ihr grösster Fehlentscheid? Etwas auf Anweisung ausgeführt zu haben, was Jahre zur Korrektur brauchte. 6. Welche Persönlichkeit hätten Sie schon immer einmal gerne getroffen? Als Schweizer ist es sicher etwas enorm Spannendes Roger Federer persönlich kennen zu lernen. 7. Worüber können Sie sich ärgern? Negatives, intolerantes, vergangenheitsbezogenes Denken und Verhalten. 8. Wie erholen Sie sich vom Stress? Süsses Nichtstun, etwas unternehmen mit den Kindern, einen guten Rotwein, ein guter Film, es gibt einiges womit ich Stress abbauen kann, primär muss man sich Zeit nehmen. 9. Was zeichnet die Schweizer Wirtschaft aus? Die Basis ist unsere Zuverlässigkeit und Beständigkeit, dazu kommt hohes Wissen und der flexible Arbeitsmarkt, was es zu erhalten gilt. 10. Was wünschen Sie sich für die Schweiz? Dass wir uns weniger klein reden, uns auf unsere Stärken konzentrieren und dass wir die Umwälzungen in der Welt als Chance und nicht als Bedrohung anschauen.

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Leitung übernehmen und Lehrer und Honorarkräfte anstellen. Oder Sie unterrichten selbst, werden aber nur in geringem Umfang tätig, indem Sie vier oder mehr Schülergruppen unterrichten. Während Ihrer Tätigkeit werden Sie ständig betreut. Sie erhalten einen umfassenden Teacher’s Guide, in welchem jede Unterrichtsstunde bereits vorbereitet ist und Ihnen die Arbeit mit unserem Lehrmaterial ermöglicht. Mortimer versorgt Sie mit ansprechendem Lehrmaterial verschiedener Stufen, so dass Sie über Jahre Ihre kleinen und großen Schüler unterrichten können. Beratungsunternehmen im Pflegebereich (DL) (1532) Der ideale Bewerber ist zwischen 35 bis 5O/55 Jahre alt und verfügt idealerweise über Erfahrung des Alten- und Pflegemarktes. Vorstellbar ist auch, daß sich ein bestehendes Unternehmen dieses Objekt als Servicegesellschaft aufbaut. Verkaufspreis EURO 50 000.–. Verkauf Gewerbebetrieb Metallbau (1981) Dem Käufer bietet sich die Gelegenheit, ein modernes und gut etabliertes Unternehmen mit der dazugehörenden Marktstellung zu erwerben. Die seriöse Einführung durch den heutigen Inhaber wird sichergestellt. Eine Weiterbeschäftigung des Verkäufers ist auf Wunsch des Käufers denkbar. Verkaufspreis CHF 600 000.–. Weiter Informatio-

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UZ l DAS LETZTE

Der «Fall Hefti» Aus dem Tagebuch eines Verkaufsleiters.

VON RUEDI STRICKER

Montag: Hefti ist der beste Kandidat, gibt allerdings um keinen Franken nach. Dienstag: Der GL erklärt, dass Heftis Forderung marktgängig ist. Mittwoch: Wenn Hefti freigestellt wird, fängt er am Montag an.

Mittwoch: Metzger von der NAF ruft an, Hefti ist unerreichbar. Behauptet, er hätte Hefti noch nie gesehen. Sicher ein Missverständnis. Donnerstag: Hefti gefragt, was in Stuttgart los sei. Macht einen verstörten Eindruck.

Samstag: Zufällig Hefti mit seiner sympathischen Freundin in der Stadt getroffen. Freut sich auf den Start am Montag.

Freitag: Dr. Neubauer von der NAF angerufen. Ist ein Sachbearbeiter, hat mit dem neuen Projekt nichts zu tun. Es wird Zeit, dass Hefti mich kennenlernt.

Sonntag: Golf gespielt.

Samstag: Heftis Rapporte seziert. Es ist schlimmer, als ich befürchtet hatte. Muss mich wohl bei Frau Aschwanden entschuldigen.

Dienstag: Sales Meeting. Hefti präsentiert seine Strategie für das Key Account Management. Mittwoch: Telefon mit dem CEO; die Strategie des Neuen sei zu riskant. Der CEO wird langsam alt. Donnerstag: Hefti ist bei NAF in Stuttgart; in der Höhle des Löwen. Wenn nur sein Vorgänger so viel Mumm gehabt hätte. Freitag: Hefti hat’s umgehauen. Wahrscheinlich vom verdorbenen Sushi in Stuttgart. Samstag: Hefti angerufen, er kommt wieder auf die Beine. Montag: Hefti erscheint nicht, offenbar hat’s ihn doch recht erwischt.

Der Autor ist Inhaber der Beratungsfirma Stricker Consulting in Speicher AR. www.stricker-consultung.ch

Dienstag: Wieder der Buchhalter. Missgönnt Hefti immer noch den grösseren Motor. Reitet jetzt auf seinen Spesen herum.

Donnerstag: Die Garage kann kurzfristig nur einen Dreiliter disponieren. Der Buchhalter motzt, aber was versteht der schon von Verkäufermotivation...

Montag: Hefti und das Team zum Mittagessen eingeladen.

RUEDI STRICKER

Montag: Lunch mit Hefti. Er kommt zügig voran, erhält allerdings wenig Unterstützung vom Innendienst. Höchste Zeit, um mit Kellerhans zu reden.

Sonntag: Heftis Auto beim Golfplatz gesehen. Hefti ist kein Golfspieler, vergnügt sich todsicher im Saunaclub gegenüber. Montag: Mit Frau Aschwanden gesprochen. Sie soll Hefti anweisen, ab sofort einen detaillierten Wochenplan zu erstellen. Dienstag: Hefti parkiert wieder auf dem Platz des Buchhalters. Wieso weiss der nach fast einem Monat immer noch nicht, wer wo parkiert? Mittwoch: Sales Meeting. Motto: Zügel anziehen. Quantitative Ziele an alle herausgegeben. Besuche, Offerten, Telefongespräche usw. Donnerstag: Hefti geht mir aus dem Weg. Hat auch allen Grund dazu.

Dienstag: Trotz Schmerzen und einem Unfall im Gubrist erscheint Hefti pünktlich im Sales Meeting. Zäher Bursche.

Freitag: Frau Aschwanden findet Interessantes auf Heftis Telefonrechnung.

Mittwoch: Hefti kann nochmals zur NAF. Die Stuttgarter haben Grosses mit uns vor.

Samstag: Golf gespielt mit Mauro. Heftis Auto steht wieder da. Ob seine Freundin weiss, was der treibt?

Donnerstag: Der CEO will wissen, mit wem Hefti bei der NAF verhandelt. Werde ihn am Montag fragen.

Montag: Heftis Offerten strotzen vor Fehlern. Hätte mich früher darum kümmern müssen.

Montag: Dem CEO mitgeteilt, bei der NAF sei Dr. Neubauer zuständig. Was der alles wissen will . . .

Mittwoch: Sales Meeting. Hefti windet sich wie ein Wurm.

Dienstag: Die NAF schickt ein Pflichtenheft. Grossartig. Unterschrieben hat Erwin Metzger. Ist wahrscheinlich der Chef von Neubauer.

Donnerstag: Mittagessen mit dem Head Hunter. Thema: Heftis Nachfolge.

Mittwoch: Hefti fliegt nach Mailand. Will mit der Messeleitung abklären, ob wir doch noch einen Stand bekommen.

Freitag: Heftis Spesen kontrolliert. Das Sushi in Stuttgart kostet die Firma 237 Euro. Hefti wird es den Kopf kosten.

Donnerstag: Hefti verpasst den Rückflug, wir verschieben unser Treffen auf den Montag.

Sonntag: Golf gespielt mit dem Head Hunter. Heftis Auto ist nicht da. Hat wahrscheinlich den Saunaclub gewechselt.

Freitag: Frau Aschwanden beschwert sich, Hefti sei nie erreichbar. Werde mal mit ihrem Chef ein ernstes Wort reden.

Montag: Head Hunter hat schon drei Kandidaten für den Ersatz von Hefti. Hefti habe sich auch beworben. Illoyal ist er also auch noch.


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