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Stadtwanderung durch Christiansfeld verspeiste jeder seinen halben Teil. Auch heute werden noch Honigkuchen gebacken und an vielen Stellen in der Stadt verkauft. 11. Das dänische Spielzeugmuseum (das Haus wurde 1782 gebaut) Das Museum wurde Ende des Jahres 2015 eröffnet und zeigt spaßige und interessante Gegenstände, von selbstgemachten Spielzeugen aus den 1800-Jahren bis zu denen aus der langsam beginnenden Industrialisierung zu Beginn der 1900er-Jahre, geht dann über in die neuere Zeit, d.h. die mit Technik, Barbie-Puppen, elektrischen Spielen und Lego. Das Museum hat sich in die Räume, die der Brüdergemeine gehören, eingemiete. Allein seine Lage in der Lindegade bewirkt, dass die ausgestellten Gegenstände wirklich zu ihrem Recht kommen. Hier sprechen wir wirklich von einer besonderen Attraktion, denn ohne Zweifel finden die Gäste an diesem Ort noch Spielzeug, mit dem sie selbst, ihre Eltern oder die Großeltern mit den Kindern einmal gespielt haben. Eine Spielecke ist eingerichtet worden, in der die Kinder bei ihrem Besuch spielen können, sei es mit Lego, Brio u.m. Einige der ausgestellten Dinge dürfen auch gern angefasst werden ! 12. Das Kachelofenhaus, Lindegade 44 (erbaut 1781) Kurze Zeit nach der Gründung von Christiansfeld durch die Brüdergemeine gab es eine Energiekrise; die offenen Feuerstellen in den Küchen und die einfachen gusseisernen Öfen, die dazu dienen sollten das jeweilige Haus aufzuwärmen, verbrauchten zu viel Brennholz. Der Baumbestand in den Wäldern der Gemeine war dadurch im Verlauf von nur wenigen Jahren kräftig reduziert worden. Die Leitung der Brüdergemeine, der Ältestenrat, beschloss daher, nach einem tüchtigen und erfahrenen Töpfer und Ofensetzer in der Brüdergemeinestadt Neuwied zu suchen, um eine eigene Produktion von brennholzsparenden Herrnhuteröfen starten zu können. Es war dann Abraham Goll, der Leiter der Ofenfabrik des Brüderhauses in Neuwied, der das Angebot annahm. Er begann mit seiner Produktion 1777, zuerst im Brüderhaus, später überführte er die Produktion in das hierfür eingerichtete Kachelofenhaus, Lindegade 44. Das Haus wurde 1781 als ein typisches Handwerker-Familienhaus gebaut, mit der privaten Wohnung in der einen Hälfte und der Werkstatt in der anderen Hälfte. Heute betreibt Hans Dines Schmidt und seine Ehefrau Dominika Schmidt den Ofensetzerbetrieb,

sie tun dies nunmehr in der 9. Generation. Das Paar restauriert und setzt nicht nur die historischen Öfen auf, sie stellen auch neue Christiansfelder Kachelöfen her. Im Schaufenster können wir u.a. zwei neue, schöne Kachelöfen sehen, der eine wurde von Hans Dines Schmidt entworfen (der mit der Perlmutterglasur) bzw. der andere von seiner Frau (mit der Gold/Bronze Glasur). Die Kacheln dazu wurden in Böhmen (Tschechien) hergestellt, wo Hans Dines Schmidt seine Lehre absolviert hat. Christiansfelder Kachelöfen stehen heute in vielen Gutshöfen und Schlössern, sowie in privaten Wohnungen. 13. Das Museum, Kirkegårds Allé 4 (erbaut 1907) Ein Ausschuss ließ das Gebäude als Museum und Feuerwehrhaus errichten. Das linke Wappen ist das des Grafen Zinzendorf (17001760), der an der Spitze bei der Gründung der erneuerten BrüderUnität in Herrnhut stand. Das rechte Wappen ist das Stadtwappen von Christiansfeld, das in der Mitte ist nur Phantasie. Der Baustil bricht mit den übrigen Gebäuden der Stadt, wahrscheinlich weil es während der damaligen preussischen Verwaltungzeit gebaut wurde. Heute fungiert das Haus als Privatwohnung. 14. Der Gottesacker, der Kirchhof der Brüdergemeine (angelegt 1773 und eingeweiht am 2. April 1774)

Wenn man die Allee in Richtung Eingangsportal betritt, zwischen den Erdflächen auf beiden Seiten, befindet man sich auf Kirchhofsgrund. Nicht auf geweihter Erde, aber auf einer Erde, die für spätere Kirchhofszwecke vorgesehen ist, denn die Brüdergemeine schleift keine Gräber und dies erfordert Erweiterungsmöglichkeiten. Das Portal ziert der Paulustext aus dem 1. Brief an die Korinther (Kap. 15 Vers 42): »Gesät wird in Verweslichkeit« - und dann auf der Rückseite die Fortsetzung: »Auferweckt in Unverweslichkeit«. Dieser weist also auf unser Leben auf Erden hin, welches wir wohl verlieren, aber es danach ein ewiges Leben im Paradies gibt.

Der Kirchhof ist in Kreuzform angelegt und wurde bisher 2-mal erweitert. Die Schwestern liegen auf der Ost-, die Brüder auf der Westseite; die Grabplatten sind alle gleich - ein Symbol dafür, dass wir Menschen auch alle gleich sind. Alle Gräber sind nach Osten ausgerichtet, von wo aus Jesus am letzten Tag kommen wird. Etwa 2050 Gemeinemitglieder liegen bisher auf dem Gottesacker begraben, die genaue Anzahl kann man von der letzten Grabplatte ablesen, da alle Grabplatten eine Nummer haben. Die Grabstelle Nr. 1 finden wir auf der Brüderseite, Reihe 8; Hier ruht der kleine Johannes, der 1773 auf der Anreise von Zeist in Holland hierher verstarb. Sein Vater sollte sich mit seiner Familie in Christiansfeld als Arzt niederlassen. Auf dem Gottesacker befinden sich außerdem viele Soldatengräber aus den Kriegen von 1848-50, ebenso ein Gedenkstein für die gefallenen Brüder des 1. Weltkrieges. 15. Der Wiedervereinigungsplatz Westlich vom Gottesacker liegt der Wiedervereinigungsplatz, der an die Wiedervereinigung von Nordschleswig mit Dänemark am 15. Juni 1929 erinnern soll. Auf dem Platz wurde ein Gedenkstein errichtet, geschaffen von N. Skovgaard Andersen. Das Relief darauf zeigt »Mutter Dänemark«, die die geraubte Tochter, Nordschleswig entgegennimmt.

Der Stein wurde 1933 aufgestellt und trägt folgende Inschrift: Das ist die Botschaft des Steines: Hier hat der Sturm, hier haben die Flammen die versammelt, die gehören zusammen. Gott sei Dank ! Auf dem Platz wurden drei Eichenbäume gepflanzt: Einer aus Anlass des 70. Geburtstages von König Christian dem X., einer aus Anlass des 70. Geburtstages von König Frederik dem IX. und einer aus Anlass des 60. Geburtstages von Königin Margrethe der II. 16. Der Comeniusgarten, angelegt 2015 Der Garten wurde nach dem alten Bischof der Brüdergemeine, Jo-

hann Amos Comenius, benannt und stellt eine Kopie der alten Brüdergemeinegärten in Christiansfeld dar. Die Blumenbeete des Gartens mit ihren Zwiebelpflanzen und Stauden erfreuen die Besucher vom zeitigen Frühjahr an bis weit in den Spätsommer hinein. Die Kräuterbeete (Pflanzkästen) werden von den Schülern der Christiansfeld-Schule genutzt. Weitere Informationen enthält die Info-Tafel im Garten. Man beachte auch die Artikel über Comenius und den Garten an anderen Stellen hier in diesem Blatt. 17. Das Christina Friederica Stift, Gammel Kongevej 11 (erbaut 1830) Die Kammerherrin Christina Friederica von Holstein, der der Favrvråhof westlich von Christiansfeld gehörte, testamentierte vor ihrem Tode im Jahr 1812 ökonomische Mittel zur Errichtung eines Stiftes. Dies sollte als Alters-Pflegeheim für die Armen in Tystrup fungieren. 18. Die Kirche von Tyrstrup Die Kirche wurde am 3.12.1863 eingeweiht und löste eine alte mittelalterliche Kirche ab. Die Granitquadern der alten Kirche wurden für den Sockel der neuen Kirche wiederum verwendet bzw. für das Eingangsportal am Haderslevvej eingesetzt. Die Kirche wurde von dem königlichen Bauinspektor L.A. Winstrup entworfen; sie wird auch Wiedervereinigungskirche genannt, weil König Christian X und Königin Alexandrine hier an einem Dankgottesdienst am 10. Juli 1920 teilnahmen, nachdem der König auf dem weißen Pferd über die Grenze - vom Königreich hinein in das wiedergewonnene Nordschleswig - geritten war. Den knienden König Christian X. zeigt ein Relief im Waffenhaus. Der Gedenkstein für die Gefallenen des 1. Weltkrieges (19141918) aus der Kirchgemeinde Tyrstrup steht an der Südseite der Kirche. 19. Der Brunnen am Omfartsvejen Der Brunnen ist von 2001, eine Kopie der Brunnen von Christiansfeld. 20. Die alte Scheune (Bulladen), Gl. Præstegaardsvej 11 (erbaut 1668) Ein Seitengebäude des als Vierseithof angelegten alten Pfarrhofs von Tystrup unterscheidet sich wesentlich von den anderen: Es ist nämlich ganz aus Holz. Es ist eines der wenigen noch bewahrten Beispiele für eine Holzbaukunst, die früher im südlichen Jütland, in Südschweden und anderen Stellen in Europa verbreitet

69 war. Wir sprechen von Bohlenständerhäusern. Ein Bohlenständerbau oder Plankenhaus ist ein Fachwerkhaus, bei dem die Zwischenräume zwischen den Wandpfosten mit »Plankenbrettern«, d.h. mit breiten Bohlen ausgefüllt werden, wobei diese in tiefe Nuten/ Rillen der Pfosten eingeschoben werden. Um Wassereintritt zu verhindern, der Fäulnis hervorrufen kann, haben die Planken/ Bohlen in der Regel oben eine Ageformten »Rückenfuge« und die Fussrrähme sind durch ein »Wasserbrett« geschützt. Dieses 36 m lange Bohlenständerhaus ist das größte dänische Bohlenständerhaus (hier als Scheune genutzt), welches auch noch an der Stelle steht, an der es gebaut wurde. Schaut man zwischen den Spalten hinein, kann man das von der Kulturerbebehörde eingelagerte Eichenholz sehen, das zur Reparatur von Bohlen-/Plankenhäusern dienen soll. 21. Christinero Die Kammerherrin Christina Friederica von Holstein wohnte bis zu ihrem Tod im Jahr 1812 auf dem nun stillgelegten und abgerissenen »Favrvråhof« 250 m südlich von Christinero. Sie war verheiratet gewesen mit dem Kammerherrn Christian Friedrich von Holstein, der 1798 verstarb und am Hofe Christian des VII. gedient hatte. Die beiden Eheleute waren sehr unterschiedlich: er liebte die Jagd und Feste und war selten zuhause; sie beschäftigte sich eingehend mit der Welt der Literatur, der Philosophie und des Christentums, wobei sie es liebte, sich in der Parkanlage aufzuhalten, die sie in den 1780er-Jahren hatte anlegen lassen. Sie nannte die Parkanlage »Meine Gedanken«. Ursprünglich war es eine romantische Gartenanlage mit Gartenhäuschen, zwei Einsiedlerhütten mit beweglichen Puppen, einer Sägemühle - ebenfalls mit Puppen- und mit kleinen Teichen inkl. Springbrunnen, sowie Kanälen. Man kann immer noch den Pavillon sehen, in dem Christina Friederica ihre Mahlzeiten einnahm, oft in Gesellschaft mit Intellektuellen. Auch das Küchenhaus steht noch, in dem die Mahlzeiten zum Aufdecken klargemacht wurden und eine Kapelle, in der sie ihre Andachten abhielt. Ihre Grabstelle befindet sich ebenfalls hier. Vor ihrem Tod testamentierte Christina Friederica den Favrvråhof mit der Parkanlage , die nun den Namen Christinero trägt, der Brüdergemeine. Hier ein Hinweis auf den Artikel ? an anderer Stelle in diesem Blatt

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Christiansfeld Turistavis 2017  

Christiansfeld er et unikt sted at besøge, hvor du kan opleve den stringente og retvinklede byplan. De tyske gule mursten og højtryggede rød...

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