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Natur+Umwelt Bund Naturschutz Magazin www.bund-naturschutz.de

Hallo Schmetterling Wie wir den bedrohten Schรถnheiten eine Heimat geben

Heft 3-2005 87. Jahrgang 3. Quartal


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Wachstum neu denken Eine neue Start- und Landebahn für den Großflughafen München, eine Transrapidstrecke und neue Autobahnen, Gentechnik auf Feld und Teller, neue Atomkraftwerke: All dies soll angeblich die Wirtschaft wachsen lassen. Und nur damit könnten Massenarbeitslosigkeit und Zukunftsprobleme unseres Landes gelöst werden. Diese undifferenzierte Forderung nach Wachstum wird derzeit von vielen Parteien und Wirtschaftsverbänden zur Ideologie unserer Zeit erhoben. Und das, – obwohl sich das Wachstum des Bruttosozialprodukts weitgehend von der Schaffung von Arbeitsplätzen entkoppelt hat, – obwohl das Bruttosozialprodukt als Wohlfahrtsmaßstab ungeeignet ist – und obwohl die entwickelte Wirtschaft in Deutschland natürlich nicht mehr so schnell wachsen kann wie etwa in China, wo 1,3 Milliarden Menschen gerade die Hälfte des deutschen Bruttosozialprodukts erwirtschaften. Jeder muss wissen, dass es in einer begrenzten Welt kein unendliches Wachstum geben kann. Die Entkopplung unserer Sozialsysteme vom Wirtschaftswachstum ist daher die zentrale Aufgabe. Die ökologische Steuerreform war hier ein guter Anfang. Unsere Wirtschaft benötigt gerade in Zeiten der Globalisierung einen ökologisch-sozialen Rahmen und einen Staat, der das Gemeinwohl sichert, statt sich als Förderer der Gewinnmaximierung internationaler Konzerne zu Lasten der mittelständischen, regionalen Wirtschaft zu verstehen. Für den Bund Naturschutz ist es eine zentrale Aufgabe, die kritische Wachstumsdebatte der 70er Jahre neu zu führen. Ich bin sehr auf Ihre Meinungen zu diesem Thema gespannt und freue mich über Ihre Zuschriften.

Foto: J. Weiger

EDITOR IAL

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Intern Delegierte fordern Atomausstieg Leserbriefe Nachrufe Aktuell Naturschutz steht zur Wahl BN-Forderungen – ParteienAntworten Titelthema Hallo Schmetterling Kennen Lernen, Schützen Einsatz fürs Falterland Portrait Prof. Gerhard Kneitz Fotoseite Totholz lebt Kids + Tricks Gaukler der Lüfte Aktuell Schwerpunkt Alpen Interview Karl Stankiewitz Kurznachrichten Regional BN-Erfolg: Natura 2000 Niederbayern Oberfranken Oberpfalz Oberbayern Schwaben Unterfranken Mittelfranken Bildung Ideen für’s Apfelfest Termine

Hallo Schmetterling Die federleichten Falter haben es schwer. Fast zwei von drei der zarten Arten stehen in Bayern auf der Roten Liste. Mit großem Einsatz sichert der Bund Naturschutz ihre Lebensräume. Ab Seite 10

Richtungswahlen Der Ausgang der Bundestagswahl wird die Weichen für Umwelt und Natur neu stellen. Lesen Sie, was die Parteien vorhaben. Senden Sie Postkarten an Stoiber und Müntefering! Ab Seite 7 + Seite B4 + Beihefter in der Heftmitte

Abschied

Multitalent

BN vor Ort

Der Bund Naturschutz hat zwei großartige Menschen und Freunde verloren. Zum Tod von Birgit Unger und Carl Amery. Seite 6

Der Zoologie-Professor Gerhard Kneitz hat Naturschutzgeschichte geschrieben und schöne Naturbilder gezeichnet. Seite 18

Graugänse in Gefahr, Steuergelder für Startbahnen, Kahlschlag im Klimawald: Naturund Umweltschutz aus allen Teilen Bayerns. Seite 26

Ihr Prof. Dr. Hubert Weiger Vorsitzender des Bundes Naturschutz

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BN-Delegiertenversammlung fasst wichtige Beschlüsse

Naturschutz ist Zukunftsinvestition

Foto: Fenske

Volles Programm Die BN-Delegierten waren auf ihrer Landesversammlung in Lindau zwei Tage lang voll gefordert.

Foto: Bisping

Gegen jedes Gerede von Naturschutz als Standortnachteil macht sich der Bund Naturschutz weiter für den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen stark. Dazu gehört die Forderung nach einem Sofortausstieg aus der Atomenergie, die die Delegierten auf ihrer Jahresversammlung 2005 bekräftigten. Von Peter Rottner

I Der Autor Peter Rottner ist Landesgeschäftsführer des BN.

n diesem Jahr fand die Delegiertenversammlung des BN in Lindau in der wunderbaren Umgebung des frühlingshaften Bodensees statt. Die über 200 Delegierten, die aus allen Teilen Bayerns angereist waren, berieten in der Versamm-

Einnahmen der Umweltbildungs-Einrichtungen 255.500 Euro

Sonstige Einnahmen 101.000 Euro

Beiträge von Mitgliedern und Förderern 5.000.000 Euro

Zuschüsse für Ankäufe, Artenschutz, Projekte 2.208.000 Euro

Gesamt-Einnahmen Erbschaften 1.165.000 Euro

(abzügl. Rücklagenzuführung)

10,02 Mio. Euro

lung, die von der Kreisgruppe Lindau hervorragend unterstützt wurde, über die Arbeitsschwerpunkte und Politik des BN für das Jahr 2005. Der Landesvorsitzende des BN, Prof. Dr. Hubert Weiger, machte in seiner Grundsatzrede »Naturschutz ist Investition für unsere Zukunft« deutlich, dass der BN mehr denn je gefordert ist, die Lebensgrundlagen für die kommenden Generationen zu verteidigen, insbesondere bei der Sicherung einer gentechnikfreien Landwirtschaft. Durch Ausbringung von gentechnisch veränderten Pflanzen drohe nämlich eine nicht mehr rückholbare Veränderung des

Spenden inkl. Hausund Straßensammlung 1.293.000 Euro

Zehn Millionen für Bayerns Natur Der Haushalt 2005 des Bundes Naturschutz ist gekennzeichnet durch eine weitere Konsolidierung gegenüber den schwierigen Vorjahren sowie durch die Schwerpunktsetzung auf konkrete Maßnahmen für Umwelt und Natur.

Rücklagenzuführung 291.200 Euro

Bund Naturschutz-Stiftung 110.000 Euro Investitionen, Baumaßnahmen 53.000 Euro Verwaltung, Miete und sonstige Ausgaben 1.151.709 Euro

Arten- und Biotopschutz 1.730.228 Euro

Verbandsorgane, Delegiertenversammlung, Naturschutz-Veranstaltungen 290.221 Euro

Ankauf ökologisch wertvoller Grundstücke 638.000 Euro

Unterstützung der Jugendarbeit 245.000 Euro Deutschlandweiter und Internationaler Umweltschutz 567.000 Euro

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Gesamt-Ausgaben 10,02 Mio. Euro

Natur- und Umweltschutz, ohne Arten- und Biotopschutz 653.934 Euro

Information, Öffentlichkeitsarbeit, Pressearbeit, Internet, Mitglieder- und Spendenwerbung 1.101.217 Euro

Unterstützung der Kreis- und Ortsgruppen 1.810.289 Euro

Mitgliederservice, »Natur+Umwelt« 462.554 Euro

Bildungsarbeit 917.800 Euro

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noch gentechnikfreien Saatgutes mit unkalkulierbaren Folgen. Der Landesvorstand dankte allen Aktiven für ihren großartigen Einsatz beim Volksbegehren »Aus Liebe zum Wald«: »Auch wenn wir unser Ziel mit 9,3 Prozent, das heißt 854 000 Eintragungen, knapp verfehlt haben, haben wir mit dem Volksbegehren das Schlimmste verhindert«, erklärte stellvertretende Landesvorsitzende Doris Tropper in ihrem Tätigkeitsbericht. Ausführlich diskutierten die Delegierten die Arbeitsschwerpunkte und die Politik des BN für 2005. Besondere Beachtung fanden der Leitantrag des Landesvorstands zum Sofortausstieg aus der Atomenergie, verschiedene Anträge zur Sicherung der Senkung des Primärenergieverbrauchs im Energiebündnis des BN mit der Staatsregierung und die Überschreitung der Feinstaubwerte in Bayern. Einstimmig beschlossen wurde die von stellvertretendem Landesvorsitzenden Sebastian Schönauer begründete Resolution des BN an die Bayerische Staatsregierung zur Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie(vgl. N+U 2-05). Insgesamt gab die Delegiertenkonferenz mit ihren sachlichen und vielfältigen Beiträgen dem Landesvorstand wertvolle Denkanstöße für die anstehende Arbeit. Verabschiedet wurde ferner der Landeshaushalt des BN (vgl. Graphiken). Hier konnte Landesschatzmeister Helmut Steininger eine weitere Konsolidierung vermelden. Die Versammlung beschloss auf Antrag des Vorstandes und des Landesgeschäftsführers, eine eigene BN-Stiftung ins Leben zu rufen. Für ihre besonders verdienstvolle Arbeit im Natur- und Umweltschutz zeichnete der Bund Naturschutz Hans Müller, Elke Englert, Josef Kreuzer, Paul Reisbacher und Pia Mayer-Gampe mit der Bayerischen Naturschutzmedaille aus. Abgerundet wurde die Delegiertenversammlung durch eine gemeinsame Schifffahrt und Exkursion ins schöne Wasserburg, so dass auch der Naturgenuss und die Freude an der schönen Natur nicht zu kurz kamen.


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Sehr gelungen Zum Titelthema »Im Wasser lebt die Hoffnung« in N+U 2-05 Es freut mich sehr, dass sich der Bund Naturschutz in Bayern des Themas »Schutz der Flüsse« in dieser Deutlichkeit angenommen hat. Die Abhandlung des Titel-Themas in der aktuellen »Natur+Umwelt« halte ich für sehr gelungen. Besonders gefreut hat es mich, dass auch Bilder von bedrohten Fischarten abgedruckt wurden, zeigt es doch, dass sich der BN auch für den Lebensraum unter Wasser mit verantwortlich fühlt. Jürgen Krosta, Mittelsinn Bei der Lektüre des sehr interessanten Artikels zum Fließwasser- und Fischartenschutz habe ich einen Fehler festgestellt. Auf Seite 15 geben Sie an, die Broschüre über die Ergebnisse der Artenkartierungen in den Fließgewässern Bayerns sei vom »Bayerischen Umweltministerium«. Diese Broschüre wurde jedoch vom Bayerischen Staatsministerium für Landwirtschaft und Forsten als oberste Fischereibehörde herausgegeben. Dr. Franz Geldhauser, Bayerisches Staatsministerium für Landwirtschaft und Forsten, Referat für Fischerei und Fischwirtschaft

Nichts Neues Zu »Taten statt Warten« in N+U 2-05 Der Feinstaub ist ein altes, seit Beginn des Industriezeitalters stetig

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zunehmendes Belastungspotenzial. Anbei sende ich eine Fotomontage »Luftverschmutzung« von 1970, die in »München Heimat und Weltstadt« veröffentlicht wurde. Der Grund dieser Ausarbeitung war die Mitteilung von Mercedes und BMW, alle Fahrzeuge für den Export in die USA mit Katalysatoren auszustatten, während die Fahrzeuge in Deutschland diese Technik nicht erhielten. Es hat bei uns in Europa dann ziemlich lange gedauert, bis der Kat serienmässig eingebaut wurde. Da der Dieselruß, Industrieabgase, Abriebe und Abgase von Fahrzeugen, Staubaufwirbelungen der Straßen und Wüsten, Hausbrandemmisionen und weltweit verursachte Waldbrände, kriegsbedingte Abschussemisionen eine wirkliche Veränderung der Atmosphäre verursachen, müsste an der Reduzierung dieser Ursachen gearbeitet werden. Leider geschieht hier sehr wenig. Karl Schillinger, Bad Kohlgrub

Gute Dienste Zum Ratgeber »Wasser Sparen im Haushalt« in N+U 2-05 Die Wasser sparenden Dichtungen aus dem Baumarkt tun mittlerweile bei uns in der Wohnung gute Dienste. Ich bin zwar sehr energiebewusst von Kind auf erzogen, bei den Tipps

Hohe Auszeichnung für Georg Meister Dr. Georg Meister, im Bund Naturschutz seit vielen Jahren als Forst-Fachmann und Sprecher des Arbeitskreises Alpen engagiert, darf sich über eine hohe Auszeichnung freuen. Am 1. Juli erhielt er den renommierten »Bruno H. Schubert-Preis«, den mit insgesamt 100 000 Euro – verteilt auf mehrere Preisträger – höchstdotierten privaten Preis für Natur und Umwelt in Deutschland. Dr. Meister steht damit in einer Reihe mit so bedeutenden Preisträgern wie Jacques Cousteau, Prof. Klaus Töpfer, Prof. Bernd Lötsch und Hubert Weinzierl.

in der Natur+Umwelt lerne ich trotzdem ab und zu Neues. Anja Wesner, München Die Errichtung eines parallelen Wassersystems für Regen- und Leitungswasser kann zu einem erheblichen Ressourcenverbrauch führen, weil Rohre etcetera ja auch unter Material-, Energie- und Wassereinsatz hergestellt werden müssen. Die einfachste und ökologisch wie ökonomisch sinnvollste Nutzung von Regenwasser funktioniert meines Erachtens immer noch über die Regenklappe und ein altes Wasserfass für die Gartenbewässerung. Der BUND Baden-Württemberg hat 53 Tipps zum nachhaltigen Umgang mit Wasser zusammengestellt. Die Tipps gibt es online oder per Broschüre, beides unter www.jazum-wasser.de. Bernd Schott, per E-Mail

Schreiben Sie uns! Leserbriefe kommen bei uns gut an: BN-Magazin »Natur+Umwelt«, Dr.-JohannMaier-Str. 4, 93049 Regensburg, Tel. 09 41-2 97 20 22, Fax 2 97 20 31, nu@bundnaturschutz.de

Keine Scheu! Zu »Attacke auf das Ehrenamt« in N+U 2-05 Als BUND-Mitglied und Leser des Magazins möchte ich nur kurz mitteilen, dass ich die Thematisierung des Einflussnahme-Versuchs der CSU-Abgeordneten sehr gut finde. Die Mitglieder (und Wähler) sollen schon wissen, wer sich wie für oder gegen den BUND ausspricht. Insofern: Dankeschön und bitte weiterhin klare Worte und keine Scheu vor der Politik (egal, um welche Partei es sich handelt). Günter Keil, per E-Mail

In seiner Laudatio würdigte Prof. Wolfgang Haber neben dem fachlichen Können besonders den kritischen Geist Dr. Meisters. Der staatliche Forstmann habe sich »lebenslang mit dem Wald als ›Lehrmeister der Natur‹ beschäftigt und dessen Lehren ernster genommen als die Vorschriften seiner Vorgesetzten«. Mit seinem kürzlich erschienenen Werk »Die Zeit des Waldes« (siehe Natur+ Umwelt 3-04; Foto: privat

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erhältlich bei der BN Service GmbH), einem laut Haber »einzigartigen Buch«, habe Meister »die Krönung eines beispielhaften, unverdrossenen Lebenswerks als naturschutz-motivierter Forstmann erreicht.« Der Bund Naturschutz und die »Natur+Umwelt« schließen sich dem hohen Lob an und gratulieren herzlich! (göß) Preisträger unter sich Mit Dr. Georg Meister, neuer Träger des »Bruno H. SchubertPreises«, freut sich sein Vorgänger Prof. Klaus Töpfer, Direktor der UN-Umweltbehörde.

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Hubert Weinzierl erinnert an Carl Amery

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Am 4. Juli starb der langjährige BN-Landesrevisor Leonhard Rupprecht. BN-Vorsitzender Hubert Weiger wird in der nächsten Natur+Umwelt an ihn erinnern.

licken wir 33 Jahre zurück. Ein Treffen der Gruppe Ökologie auf einem niederbayerischen Bauernhof in Heiligenstadt. Die Thesen von den »Grenzen des Wachstums« werden diskutiert. Die meisten der anwesenden hochrangigen Naturwissenschaftler argumentieren eben naturwissenschaftlich, bis Carl Amery eingreift: »Mit den Beweismitteln der linken Gehirnhälfte, mit Artenschwund und Abgasgrenzwerten allein kommen wir nicht weiter. Wir müssen uns mehr mit dem Menschen befassen, der Ökologiebewegung fehlt eine Zukunftsvision, es fehlt uns am Mut zu Emotionen, und es fehlt uns eine zukunftsfähige Philosophie.« Carl Amery hat sie formuliert und fortan auch gepredigt und ist mit seinen zahlreichen Büchern und in immerwährender persönlicher Präsenz zum Verkünder und Propheten geworden: »Der Ideolo-

gie, dass nur Wirtschaftswachstum die Zukunft sichern könne, muss ein Ende bereitet werden, denn wir laufen Gefahr, in unseren eigenen Abfällen zu ersticken«, sagt Amery im Wahljahr 1972 und fordert, Natur als Politik aufzufassen. Er verlangt, die Ökonomie als irrationale Leitwissenschaft durch die Disziplin der Ökologie und durch die sozialen Komponenten zu erweitern, welche die gesamte Erde und die Nachgeborenen mit im Blick haben. Das war zwei Jahrzehnte vor Rio. Christian Mayer, alias Carl Amery, ist mit seinem oftmals so plastisch vorgetragenen Gleichnis von der Bierhefe, die sich zu Tode wächst, zum Mahner wider die Ideologie des Wachstums geworden, er hat der Umweltbewegung das gegeben, was er schon vor einer Generation angemahnt hat – eine ganzheitliche Philosophie, die nicht an Zahlen, Daten und Fakten endet,

Foto: gezett

Abschied

Das Bierhefe-Prinzip

Carl Amery † Der Schriftsteller und Publizist starb am 24. Mai 2005 im Alter von 83 Jahren in München. Der Bund Naturschutz hat mit ihm einen wichtigen Vordenker und Freund verloren. Der engagierte Umweltschützer Amery setzte sich nicht nur in zahlreichen Schriften unermüdlich für eine zeitgemäße Umweltpolitik ein; er unterstützte auch aktiv viele Anliegen des BN, zuletzt etwa das Volksbegehren »Aus Liebe zum Wald«. Wir danken ihm von Herzen. Der BN-Landesvorstand

sondern die gemeinsame Heimat Erde im Blick hat. Meine Frau und ich, lieber Christian, behalten Dein herzhaftes Lachen und Deine Fröhlichkeit der Habenichtse in dankbarer Erinnerung.

Danke, Birgit Unger Abschied von einer engagierten Tier- und Naturschützerin Foto: Karlowski

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Danke

Birgit Unger †

nsere ehemalige Kollegin im BNLandesvorstand Birgit Unger ist in der Nacht vom 13. auf 14. März 2005 an einem schweren Krebsleiden verstorben. Mit ihr verlieren wir einen Menschen, der sich in voller Hingabe und mit Sensibilität und Liebe allem Schwachen zuwandte, obdachlosen Menschen gleichermaßen wie der geschundenen Kreatur und der Natur. Sie hat unsere Arbeit im Landesvorstand des Bundes Naturschutz und in vielen Tierschutzorganisationen mit ihrem einfühlsamen Denken bereichert. Dafür danken wir ihr. Birgit Unger war eine der engagiertesten Tierschützerinnen Bayerns. Ihre Arbeit war vielschichtig. Ob Aktionen gegen Lebendtiertransporte, Tierversuche, Jagd, Tierschutz in die Verfassung, Massentierhaltung – ob in Eschlkam, Mün-

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chen, Berlin oder am Walserberg – sich über die eigene Artgrenze immer war sie auf der Seite der hinaus für die Mitgeschöpflichkeit Tiere und der Tierschutzbewegung. aller Wesen einsetzte. Birgit Unger war eine Frau, die alle  Der Symbolbaum der NaturFelder des Tierschutzes umfasste. schützer ist die mütterliche, die Sie war praktische Tierschützerin sanfte, weibliche Linde. Eine solche und half vielen Tieren direkt. Sie Trostspenderin haben wir zu war politische Tierschützerin, orgaDeinem Gedenken, liebe Birgit, an nisierte und beteiligte sich an vielen einem von Dir verehrten Ort Demonstrationen, schrieb eine Vielgepflanzt und mit der folgenden zahl von Briefen an die verantwortWidmung versehen, die Ina Seidel lichen Politiker. Sie war Tierrechtformuliert hat. lerin, die der festen Überzeugung Liebe Birgit, wir danken Dir. war, dass wir den Tieren kein MitHubert Weiger und Hubert Weinzierl leid, sondern Gerechtigkeit schulfür den BN-Landesvorstand den. Und sie engagierte sich in vielen TierschutzUnsterblich duften die Linden – organisationen, Vereinen was bangst du nur? und Tierheimen. Du wirst vergehn und deiner Füße Spur Die Tiere und alle, die wird bald mit seinem süßen Atemwehn in ihnen Brüder und gelind die arme Menschbrust entbinden. Schwestern sehen, haben Wo kommst du her? Wie lang bist du noch hier? eine warmherzige, engaWas liegt an dir? gierte und tolerante Unsterblich duften die Linden. Freundin verloren, die


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B U N D E S TA G S WA H L 2 0 0 5 + + + B U N D E S TA G S WA H L 2 0 0 5 + + + B U N D E S TA G S WA H L 2 0 0 5 + + + B U N D E S TA G S

Keine falschen Wahl-Parolen!

Naturschutz schafft Arbeitsplätze Der Bundestags-Wahlkampf wird drei große Themen haben, heißt es: Arbeit, Arbeit und Arbeit. Wenn man schon alles andere ausblendet, dann sollte man wenigstens richtig rechnen. Ein Wahl-Appell von Hubert Weiger

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mfassender Naturschutz sichert die natürlichen Lebensgrundlagen, spart der Gesellschaft Milliarden Euro an Sanierungskosten für Umweltschäden und schafft zukunftsfähige Arbeitsplätze in Bayern und

Foto: J. Weiger

diese tatsächlich unser Leben existenziell betreffenden Fragen in die politischen Debatten einzubringen und der dummen politischen Aussage »sozial ist, was Arbeit schafft«, die Aussage »nur das ist sozial, was umwelt-

Foto: Riederer

Der Autor Prof. Dr. Hubert Weiger ist 1. Vorsitzender des Bundes Naturschutz in Bayern e. V.

Deutschland. Der Bund Naturschutz warnt daher gerade in Bayern vor einem Bundestagswahlkampf, bei dem Arbeitsplatzsicherung und Wirtschaftsentwicklung gegen Natur- und Umweltschutz ausgespielt werden. Denn gerade konsequenter Natur- und Umweltschutz hat drastische Verminderungen des Energieverbrauchs und des Verbrauchs nicht erneuerbarer Ressourcen als zentrales Ziel. Dazu sind aber nicht nur energie- und ressourcenschonende Verhaltens- und Konsumweisen notwendig, sondern vor allem auch Investitionen zum Beispiel im Bereich der Wärmedämmung von älteren Gebäuden, Erneuerung der Heizungsanlagen und deren Ersatz durch Blockheizkraftwerke, Sonnenkollektoren und Photovoltaikanlagen auf den Dächern oder Investitionen in eine zukunftsfähige Mobilität durch Förderung des ÖPNV gerade auch im ländlichen Raum und der Bürgerbahn, das heißt der Schiene in der Fläche. Alle diese Investitionen sind vor allem wegen ihrer Dezentralität arbeitsplatzintensiv: Umweltentlastung und Schaffung zukunftsfähiger Arbeitsplätze sind also keine Gegensätze – ganz im Gegenteil. So können allein durch die vom Bund Naturschutz geforderten Maßnahmen zur Sicherung des Naturhaushaltes über eine Million neuer Arbeitsplätze in einer Nettobilanz entstehen, das heißt der Verlust von Arbeitsplätzen in der Atomkraftindustrie, PestizidChemie oder in der Agro-Gentechnik wird weit überkompensiert. Es geht deshalb gerade auch in diesem Wahlkampf und bei der Wahl selbst um eine Herausforderung auch für uns als überparteilicher Verband,

Zukunftsfragen Wo liegt die Zukunft unseres Landes: in der »Renaissance« der Atomkraft oder im Erhalt einer gesunden Umwelt für unsere Kinder und Enkel? Am 18. September steht noch mehr zur Wahl als die Themen Arbeit und Wirtschaft.

verträgliche und zukunftsfähige Arbeit schafft« entgegenzusetzen. In Bayern sind wir natürlich auch gefordert, die Zukunft der noch frei fließenden Donau zwischen Straubing und Vilshofen, den Weiterbetrieb der Atomkraftwerke, den vom Münchner Hauptbahnhof zum Flughafen geplanten Transrapid oder die verfehlte Verkehrspolitik mit neuen Autobahn- und Flughafenplanungen zu einem Thema zu machen. Bitte fragen Sie an den Infoständen aller Parteien nach diesen Themen und natürlich nach den weiteren in unserem Forderungskatalog genannten Positionen. Die folgenden Parteienantworten darauf sollen Ihnen als Entscheidungshilfe für die Bundestagswahl dienen.

Mehr zum Thema Lesen Sie das Spezial unseres Bundesverbandes zur Wahl, Seite B4 bis B10: Was fordert der BUND? Was sagen die Parteien dazu? Wie sieht die schwarz-gelbe Praxis nach dem Wechsel in Niedersachsen aus? Und wie schafft die Öko-Branche Arbeitsplätze? Neben Bundesthemen wirkt sich die Wahl auch auf spezielle bayerische Fragestellungen aus, etwa den Erhalt der freien Donau. Und bayerische Politiker werden wohl künftig wieder kräftig in Berlin mitmischen. Lesen Sie deshalb auf den folgenden Seiten, was der Bund Naturschutz von der Politik fordert, und wie sich die Bayern-Zentralen der Parteien dazu stellen.

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BN-Forderungen – Parteien-Antworten

Das Kreuz mit dem Kreuzchen Es ist schwer, eine Wahlentscheidung zu treffen, wenn einem die Umwelt besonders am Herzen liegt, diese aber im Wahlkampf kaum vorkommt. Damit Sie, liebe BN-Mitglieder, sich trotz fehlender bis vager Politiker-Aussagen orientieren können, haben wir die Parteien mit unseren Kernforderungen konfrontiert und um klare Aussagen gebeten. Machen Sie sich ein Bild. ++ + --

Kernforderungen des Bundes Naturschutz zur Naturschutzund Umweltpolitik; Wahlen zum Deutschen Bundestag 2005

Volle Zustimmung Überwiegende Zustimmung Überwiegende Ablehnung Komplette Ablehnung

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Grüne

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Linkspartei

Der Bund Naturschutz fordert einen echten Sofortausstieg aus der lebensbedrohenden und umweltgefährlichen Atomenergienutzung.

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Der Bund Naturschutz fordert den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien unter anderem durch die Fortführung der ökologischen Steuerreform und des Erneuerbare-EnergieenGesetzes.

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Der Bund Naturschutz fordert Gentechnikfreiheit auf dem Teller und in der Landschaft und einen Anbaustopp von genmanipulierten Pflanzen in Deutschland und in der EU, da die Risiken für Verbraucher, Landwirtschaft und Umwelt nicht ausgeschlossen werden können.

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Der Bund Naturschutz fordert angesichts des Abschmelzens der Gletscher und der klimabedingten Wetterextreme aktive Klimaschutzmaßnahmen und eine stärkere Förderung der Energieeinsparung auf allen Ebenen, vor allem bei der Gebäudedämmung, zum Beispiel durch Umwidmung der Eigenheimpauschale.

Der Bund Naturschutz fordert den ökologischen Hochwasserschutz und die Erhaltung der frei fließenden Donau zwischen Straubing und Vilshofen ohne den Bau Gewässer zerstörender Staustufen; er akzeptiert ökologisch verträgliche Verbesserungen für die Schifffahrt.

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CSU*

SPD

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FDP

Linkspartei

Der Bund Naturschutz fordert den Ausbau des öffentlichen Verkehrs und der Flächenbahn verbunden mit einem ökologisch notwendigen und ökonomisch vernünftigen Stopp von reinen Prestigeprojekten wie dem Milliarden teuren Transrapid; er fordert den Ausbau der vorhandenen Eisenbahnstrecke Nürnberg-Berlin anstatt der geplanten ICE-Neubaustrecke Nürnberg-Erfurt, die Streichung der Klima zerstörenden Flughafenfördermillionen und den Stopp neuer Bundesfernstraßen und gigantischer Autobahnprojekte (mit Ausnahme von Ortsumfahrungen nach Einzelfallprüfung).

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Der Bund Naturschutz fordert den Abbau von Flächenverbrauch fördernden Subventionen, Vorrang für Modernisierung des Siedlungsbestandes und Flächenrecycling sowie die Umsetzung der Ziele des Bundesnaturschutzgesetzes.

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Der Bund Naturschutz fordert einen flächendeckenden Grundwasserschutz und damit echten Trinkwasserschutz durch Begrenzung der Düngung und Verringerung des Pestizideinsatzes sowie den Einsatz gegen die Privatisierung der Trink- und Abwasserentsorgung.

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Der Bund Naturschutz fordert die Sicherung der Bürger- und Umweltrechte zur Erhaltung unserer Natur- und Kulturlandschaften. Das bedeutet Beibehaltung der Verbandsklage, der Pflicht zu Erörterungsterminen in den Planungsverfahren sowie die Garantie des bisherigen Rechtsweges bei Verwaltungsgerichten in zwei Instanzen.

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Der Bund Naturschutz fordert eine soziale und ökologische Rahmensetzung für die Marktwirtschaft und den Abbau der Arbeitsplatz vernichtenden und umweltschädlichen Subventionen.

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Der Bund Naturschutz fordert die Sicherung einer mittelständischen, bäuerlichen Landwirtschaft durch Obergrenzen bei den Fördergeldern für landwirtschaftliche Betriebe, orientiert an der Zahl der Arbeitsplätze pro Betrieb, und die vorrangige Förderung des ökologischen Landbaus.

* Die CSU ist als einzige Partei unserer Bitte um eine klare Stellungnahme im Zustimmung- /Ablehnung-Schema nicht nachgekommen, sondern hat die Fragen ausführlich verbal beantwortet. Die obigen Kurzfassungen stellen eine Bewertung dieser verbalen Aussagen dar. Leider wollte sich die CSU gerade bei der Frage nach dem Erhalt der frei fließenden Donau nicht eindeutig für oder gegen Staustufen festlegen, obwohl hier alle Fakten seit Jahren bekannt sind; daher die Sonderbewertung mit »+ -«. Die vollen Antworten der CSU und die Anmerkungen der anderen Parteien können Sie im Internet unter www.bund-naturschutz.de nachlesen. Auf Anfrage schicken oder faxen wir sie Ihnen auch gerne zu: Tel. 09 41 -2 97 20 22.

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Wer Schmetterlinge lachen hรถrt, der weiรŸ, wie Wolken schmecken. Novalis

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Hallo Schmetterling Foto: Willner

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Wie wir den bedrohten Schönheiten eine Heimat geben Beim Spaziergang nimmt man es eher unbewusst wahr: schon wieder weniger Schmetterlinge? Tanzten hier nicht früher bunte Falter um tausend Blüten? Die jüngste »Rote Liste« bestätigt diese Eindrücke. Von 172 Tagfalterarten in Bayern finden sich 104 auf diesem Negativkonto der gefährdeten Arten wieder. Bei Nachtfaltern und Kleinschmetterlingen sieht es nicht viel besser aus. Dr. Kai Frobel über die Sorgenkinder des Artenschutzes

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ei manchen Arten unserer Heimat – bei Wanderfalken etwa, bei Kolkraben, Bibern oder einigen Vogelarten der Feuchtgebiete – erfreuen uns in letzter Zeit positive Entwicklungen. Doch die Rote-Liste-Bilanz der Schmetterlinge bleibt negativ. Die Gründe kennen wir auch von anderen Artengruppen: Die allgemeine Nährstoffanreicherung in der Landschaft durch Stickstoff aus Autoabgasen und Massentierhaltung trägt dazu bei wie botanisch völlig verarmtes Silage-Grünland. Wo früher eher nährstoffarme und damit bunte, schmetterlingsreiche Bauernwiesen blühten, dominieren heute Löwenzahn-Reinbestände, deren protziges Frühjahrsgelb Ausdruck von Gülle-Flut und Intensivnutzung ist. Von den Mais- und Rapsäckern der bayerischen Agrarlandschaft flieht das Tagpfauenauge ebenso wie der Grasfrosch oder die Feldlerche. Was auf der einen Seite ein viel zu viel an Nutzung ist, fehlt anderswo: Aus hängigen Lagen in den Mittelgebirgen zieht sich die Landwirtschaft zurück. Trockene Hänge zum Beispiel auf Muschelkalk, über Jahrtausende mit Schafen, Ziegen oder Rindern beweidet und als Kulturlandschaftsbiotop ein Schmetterlings-Eldorado ohnegleichen, werden nur noch über Landschaftspflegemaßnahmen gestützt, falls sie nicht schon mit Fichten aufgeforstet sind. Diese Trocken- und Magerrasen zusammen mit benachbarten wärmebegünstigten Saumstrukturen beherbergen

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Distelfalter

Schwalbenschwanz

in Bayern weit über die Hälfte aller schutzwürdigen Kleinschmetterlinge. In Wäldern lebende Schmetterlinge hätten bessere Chancen, auch dank der Fortschritte beim naturnahen Waldbau und zunehmend aufgeschlossener staatlicher Förster. Die Forst-»Reform« der Staatsregierung mit ihrem Vorrang der Gewinnorientierung birgt nun aber neue Gefahren für alle anspruchsvollen Tier- und Pflanzenarten des grünen Drittels Bayerns.

Komplizierte Ansprüche Leicht kann man Schmetterlingen im Siedlungsbereich helfen (siehe rechte Seite), zumindest den weit verbreiteten Arten. Die größten Sorgenkinder sind allerdings die Spezialisten. Viele Arten haben ausgesprochen komplizierte und fein differenzierte Ansprüche an ihre Umwelt. Schmetterlinge nutzen in ihrem Entwicklungszyklus viele unterschiedliche Biotopelemente: Baumwipfel oder exponierte Felsen zur Balz, oft unscheinbare Pflanzenarten mit ganz speziellem Mikroklima zur Ablage der Eigelege. Die schlüp-

fenden Raupen benötigen mitunter andere Pflanzen, die erwachsenen Falter nutzen wieder andere Lebensräume zur Nahrungssuche. Schmetterlinge sind damit hervorragende Zeigerarten für intakte Komplexlebensräume, wie vielfältig strukturierte natürliche Auen, beweidete und felsdurchsetzte Magerrasen oder Übergangsbereiche zwischen Wald und Offenland. Diese komplizierten Ansprüche erschweren den Schmetterlingsschutz. Bei anderen Artengruppen sind die Hilfsmaßnahmen einfacher: Ein Nistkasten ist schnell angebracht, ein neuer Amphibientümpel wird rasch angenommen, eine Feuchtwiesenorchidee braucht einen klaren Mahdrhythmus. Einer spezialisierten Schmetterlingsart aber, mit diversen, in der Landschaft mosaikartig verstreuten Fraß-, Eiablageund Paarungsorten, ist mit klassischen Einzelmaßnahmen des Artenschutzes nur schwer zu helfen. Sorgfältige ökologische Grundlagen- und insektenkundliche Begleituntersuchungen sind daher bei Schmetterlingsprojekten noch wichtiger als bei anderen Arten. In Bayern laufen daher auch gemessen an der Zahl der vor-

So helfen Sie den Schmetterlingen

anderen ihre Beobachtungen – denn »Schmetterlinge sammeln« geht heute ohne Aufspießen (Bild rechts). Auch Ihre Kreisgruppe freut sich über Ihre Anfrage.

Kennen Lernen, Schützen Jeder kann mit Hilfe des BN mehr über die bunten Schmetterlinge erfahren. Und jeder kann helfen, dass die zarten Wesen nicht aus unserer Welt verschwinden. Tipps für Schau-Lustige

können (Bild unten links). Der BN im Kreis Schwandorf lädt zur Exkursion in von Ziegen beweidete Schmetterlings-Biotope und zum alljährlichen Ziegenabtrieb (Bild Mitte) am 9. Oktober; anmelden unter Telefon 0 96 06-16 22. Die Kreisgruppe Forchheim notiert zusammen mit Schulklassen und

Foto: Herbst

Foto: Rettelbach, KG Schwandorf

Überall in Bayern können Sie mit Hilfe des BN die wunderbare Welt der Schmetterlinge kennen lernen. Die BN-Kreisgruppe Traunstein zum Beispiel bietet für interessierte Schulen und Kindergärten Führungen an, bei denen die Kinder Schmetterlinge hautnah erleben

Tipps für Leseratten

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Werden Sie Schmetterlingsforscher! Schnell die richtige Literatur gekauft – und dann nichts wie raus ins Gelände.  Kosmos-Schmetterlingsführer Heiko Bellmann, 2003, 26,90 Euro Über 300 Schmetterlingsarten und fast 200 Futterpflanzen in über 1100 Farbfotos.  Schmetterlinge Josef Settele u. a., Ulmer, 2005, 14,90 Euro; Alle Tagfalter Deutschlands außerhalb der Alpen in 750 Farbfotos und 340 Grafiken.  BLV Naturführer Schmetterlinge Wolfgang Dierl, 2005, 4,95 Euro; 150 Farbfotos für ein besonderes einfa-

Fotos: Witt

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Segelfalter

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kommenden Arten nur wenige spezielle Artenhilfsprogramme bei Schmetterlingen: so für den Apollofalter und den Hochmoor-Gelbling. Daran wirkt der Bund Naturschutz engagiert mit, Beispiele finden Sie in den folgenden Beiträgen.

Schwierige Hilfe Am meisten profitieren Schmetterlinge aber von der breit angelegten Biotopschutzarbeit der Kreis- und Ortsgruppen des BN: Hunderttausende jährlich investierte Arbeitsstunden bei der Mahd von Streuwiesen, der Pflege von Halbtrockenrasen, der Renaturierung von Moorgebieten helfen eben bewusst oder unbewusst auch den Schmetterlingen. Jährlich drei Millionen Euro Investitionen des BN in den Ankauf von Biotopen und Naturschutz-Modellprojekte sind ein unverzichtbarer Baustein im bayerischen Schmetterlingsschutz. Und über das Engagement des Verbandes für mehr ökologische Landwirtschaft und für die Erhaltung traditioneller Bewirtschaftungsformen freuen sich Schmetterlinge ebenso wie der Mensch, der die

Aurorafalter

erhaltenen Landschaften genießt! Schmetterlinge brauchen wie alle anderen Arten Investitionen in die Erhaltung bayerischer Kultur- und Naturlandschaft. Wenn der Freistaat auch weiterhin für Erhalt und Pflege der bayerischen Biotope nur ein Viertel der Steuermittel aufbringt, die er jährlich allein für Unterhalt und Säuberung seines Staatsstraßennetzes investiert, dann werden sich die Schmetterlinge nicht erholen können. Auch die ökologische Freilandforschung zu den Lebensansprüchen der Arten ist völlig unzureichend, die Wissenslücken sind groß. Im Rahmen des Projektes »Abenteuer Schmetterling« unseres Bundesverbandes BUND wurde auch für Laien ein einfaches Erfassungsprogramm gestartet, bei dem Schmetterlingsfreunde mit unterschiedlichem Artenwissen in den nächsten Jahren vielfältig mitwirken können (siehe Seite 15). Dazu möchten wir Sie herzlich einladen! Machen Sie mit beim Schmetterlingsschutz – aktiv beim Biotoppflegen oder mit Ihrer Ankaufsspende. Damit Kinder und Enkel wieder bunte Schmetterlingswolken beim Sommerspaziergang erleben.

ches Bestimmen der heimischen Tagund Nachtfalter. Zu bestellen im NationalparkLaden der BN Service GmbH, Böhmstraße 35, 94556 Neuschönau, Tel. 0 85 58-97 43 04, Fax 0 85 58-97 43 05, info@npladen.de, www.service. bund-naturschutz.de

für Skat, Romme und andere Spiele. 5,10 Euro Zu bestellen im NationalparkLaden, siehe links

Tipps für Verspielte

Tipps für Gartenfreunde

 Schmetterling aus Holz Der Körper ist aus Ahornholz gefertigt, an dem ein durchsichtiger Perlonfaden befestigt ist. Erhältlich in den Farben rot, orange und blau. Größe ca. 60 mm: 3,20 Euro Größe ca. 90 mm: 4,80 Euro  Spielkarten »Schmetterlinge« 54 der bekanntesten Schmetterlinge werden in diesem farbig illustrierten Kartenspiel vorgestellt. Geeignet

Schmetterlingen im eigenen Garten zu helfen, ist nicht schwer. Mit etwas Mut zur Wildnis und zum Nichtstun ist der erste Schritt getan. Wer mit speziellen Pflanzen bunte Falter-Vielfalt anlocken möchte, der findet Tipps zum Beispiel auf der BUND-Website www.abenteuerschmetterling.de oder in der Broschüre »Schmetterlinge zu Besuch«, anzufordern beim BUND e. V., Am Köllnischen Park 1, 10179 Berlin, Fax 0 30-27 58 64 40.

Wertvolle Tipps erhalten Sie auch im Buch von Reinhart Witt »Ein Garten für Schmetterlinge«, Kosmos Verlag, Stuttgart, 2001, zu bestellen beim BN-Nationalparkladen (siehe links). Wer am besten aus guten Beispielen lernt, der ist herzlich eingeladen in den neuen Schmetterlingsgarten des BN-Bildungswerks in Wiesenfelden (siehe Seite 15).

Tipp für Spender Ende Juni haben Sie von uns unter dem Titel »Alarmstufe Rot« eine Bitte um Spenden für die bedrohten Falter erhalten. Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung. Jeder Euro hilft uns, Biotop-Flächen anzukaufen, Lebensräume dauerhaft und fachmännisch zu pflegen und damit das Überleben der faszinierenden Tiere zu sichern. Bitte geben Sie den Schmetterlingen auch weiterhin Ihre Unterstützung: Spendenkonto 93 00 000 800, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00. Vielen Dank!

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Foto: Mader

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Foto: Joswig

Fotos: Werle, Witt

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Der Autor Dr. Kai Frobel, 45, ist Referent für Arten- und Biotopschutz beim BN. Kontakt: Tel. 09 118 18 78-19, kai.frobel@bundnaturschutz.de


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Fünf Projekte von vielen, mit denen der Bund Naturschutz den Schmetterlingen hilft

Einsatz für’s Falterland Die Schmetterlingsbestände Bayerns schwinden, weil ihre Lebensräume verloren gehen. Darum kämpft der BN für den Erhalt der Biotop-Vielfalt, oft auf Grundstücken, die er mit Hilfe von Spenden erwerben konnte. Von Tino Schlagintweit

W

o Biotopschutz und -pflege draufsteht, ist auch Schmetterling drin. Auf diese Formel könnte man bringen, was der Bund Naturschutz für die Schmetterlinge tut. Weil nämlich die Ansprüche der Falter an ihre Lebensräume meist sehr komplex sind, zielen die Projekte des BN immer auf den Naturraum selbst; die Schmetterlinge sind »nur« Nutznießer. Im Fokus stehen dabei Biotope, die sich durch ungewöhnliche Gelände-, Wasser- und Klimaverhältnisse auszeichnen. In den folgenden Beispielen sind es Sandböden, Felsabbrüche, Überschwemmungsflächen oder Hochmoore. Viele davon stehen in Bayern schon lange unter Schutz. Das konnte aber den Rückgang der Schmetterlinge nicht verhindern. Nicht nur Pflug und Gülle nivellieren die Landschaft, auch ihr Zuwachsen, wenn traditionelle Nutzungen aufgegeben werden. Deshalb heißt Schmetterlingsschutz heute vor allem angepasste extensive Nutzung von Sonderstandorten. Mit Naturromatik oder subventionierter Museumslandschaft hat das nichts zu tun.

Der Autor Tino Schlagintweit, 45, Biologe, arbeitet als freier Umwelt- und Wissenschaftsjournalist in München.

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Foto: Leidorf

In der Mertinger Höll, dem größten außeralpinen Niedermoor Bayerns, konnte der BN wertvolle Flächen durch Ankauf schützen.

Naturschutz auf Teufel komm raus Auch Höllen und Teufel brauchen zuweilen Schutz. Bis in die siebziger Jahre drohte der Mertinger Höll – dem größten außeralpinen Niedermoor Bayerns – einiges an Grausamkeiten: Fliegerhorst, Flugplatz, Atomkraftwerk. Doch nichts davon wurde wahr. Statt dessen brüten hier Großer Brachvogel und Bekassine, flattern Falter wie Färberscharteneule und, passend, der Riedteufel (siehe Foto). Lange vor der Ausweisung der Mertinger Höll als Naturschutzgebiet hat der Bund Naturschutz hier Grundstücke erworben. Heute bildet die Höll mit ihren 142 Hektar den Kern eines fünfmal so großen Niedermoorkomplexes aus ehemaligen Torfstichen, Streuwiesen, Feuchtgebüschen und Wiesen. Als europaweit wichtiges Rast-, Brut- und Überwinterungsgebiet für seltene Vögel besitzt er FFH-Status. Entsprechend weit reichen die Pläne von Alexander Helber und Jürgen Scupin. Sie leiten in der BN-Ortsgruppe Tapfheim das Projekt Mertinger Ried. Über Höll und FFH-Gebiet hinaus wollen sie das gesamte Mündungsgebiet zwischen Donau und Zusam naturnah entwickeln, insgesamt etwa zwölf Quadratkilometer. Das wichtigste Ziel ist dabei die Wiederherstellung des niedermoortypischen Wasserhaushalts: hohe Grundwasserpegel und natürliche Überschwemmungsdynamik. Voraussetzung ist jedoch, dass auch der letzte Flächeneigner innerhalb einer hydrologischen Einheit zustimmt. Das kostet viel Überzeugungsarbeit. Erst im vergangenen Jahr hat die Kreisgruppe eine Ausstellung erarbeitet, die den Bürgern die Einzigartigkeit ihrer Riedlandschaft nahe brachte. Aktuell sind an der Pflege 25 Bauern aus der Umgebung beteiligt. Außerdem bemüht sich die Ortsgruppe um die Schaffung ökologischer Trittsteine. Auf BN-eigenen Flächen wurden beispielsweise Flachmulden bis ins Grundwasser ausgehoben. Durchziehende Vögel können hier rasten und im Schlick nach Würmern, Schnecken und Larven stochern. Wo es für den Biotopverbund wichtig ist, erwirbt der BN auch weiterhin Grundstücke. Insgesamt besitzt er jetzt 74 Hektar – viele davon finanziert aus Spenden hilfsbereiter BNMitglieder. 2002 hatte der BN in einem landesweiten Spendenaufruf darum gebeten.


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Foto: Willner

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Ohne Moos nix los

Der Riedteufel (auch Blaukernauge oder Blauäugiger Waldportier, Minois dryas) leidet darunter, dass Niedermoore, seine bevorzugten Lebensräume, immer seltener als Streuwiesen genutzt werden. In der Mertinger Höll konnte der BN Flächen kaufen und sorgt für deren optimale Nutzung.

Ein großer Bruder des Mertinger Rieds ist das Murnauer Moos. Mit seinen rund 32 Quadratkilometern ist es der größte naturnahe Moorkomplex Mitteleuropas. Mitten in einem weiträumigen Patchwork aus niedermoortypischen Wiesengesellschaften finden sich hier gleich mehrere Hoch-, Übergangs- und Quellmoore. Weithin sichtbar ragen aus der Ebene bewaldete Felsrücken, die Köchel hervor. 1800 Tierarten, darunter etwa 70 Tag- und 450 Nachtfalterarten, sowie rund 1000 höhere Pflanzenarten machen das Murnauer Moos zu einem der bedeutendsten Naturräume Bayerns. Und das alles vor grandioser Alpenkulisse. Dennoch musste der Bund Naturschutz über 50 Jahre gegen die unmittelbare Zerstörung des Mooses, vor allem durch Gesteinsabbau und Intensiv-Landwirtschaft, kämpfen. Schon in den 20er Jahren begann am Langen Köchel der Abbau von Naturstein. Bald war der Bergrücken von Süden her zu einem Drittel abgetragen. Dass 1940 der Übergriff auf die Nordseite verhindert – und damit das touristisch bedeutsame Alpenpanorama des Werdenfelser Landes bewahrt – werden konnte, ist ein persönlicher Erfolg der beiden Moosschutz-Pioniere des BN Ingeborg Haeckel und Max Dingler. Ein weiterer Etappensieg gelang 1980 nach vielen Grundstückskäufen und gerichtlichen Auseinandersetzungen: die Ausweisung von 24 Hektar als Naturschutzgebiet. Doch nach wie vor donnerten im Zweiminutentakt 30-Tonnen-Laster durchs Hochmoor. Erst Anfang der Neunziger Jahre kam die Wende. Der Landkreis erhielt ein Naturschutzgroßprojekt bewilligt, üppig finanziert aus Bundes- und EU-Mitteln. Für die Aktiven des BN ging damit der Handlungsbedarf etwas zurück. Sie kümmern sich heute eher um Themen wie Lichtverschmutzung, die Nachtfaltern zu schaffen macht, oder um Auswüchse in der touristischen Erschließung. Auch ein Segelflugplatz im Wiesenbrütergebiet steht noch auf der BN-Agenda.

Mitglieder der Ortsgruppe untersuchten auch systematisch die Schmetterlingsfauna auf zehn verschiedenen Grünlandtypen. Die Untersuchung unterstrich einmal mehr, dass Grün nicht gleich Grün ist. Auf zwei ehemaligen Äckern mit Einsaatgrünland kamen nur wenige Allerweltsfalter vor. Die mit Abstand meisten – und wertvollsten – Arten flogen auf einer verbrachten Streuwiese. Insgesamt wurden 38 Schmetterlingsarten gefunden, darunter fünf der Roten Liste. Eine der besonderen Pretiosen ist die Färberscharteneule, eine tagaktive Nachtfalterart. Sie ist in Bayern vom Aussterben bedroht und kommt nur noch an zwei Standorten vor. Die vom Bund Naturschutz ausgehagerten Flächen im Mertinger Ried gehören dazu.

Zwischen Gartenzauber und wilder Natur

Der Hochmoorgelbling (Colias Palaeno) ist auf die – immer seltenere – Nachbarschaft zwischen Moorfläche (Larvenfutter) und Streuwiesen oder Uferflächen (Nektarpflanzen) angewiesen. Im Murnauer Moos, für dessen Erhalt der BN jahrzehntelang gekämpft hat, findet er noch diese Lebensraumkombination.

Foto: Willner, Schlagintweit

Der neue Schmetterlingsgarten in Wiesenfelden Auf einem Stich von 1700 ist rund um das Schloss Wiesenfelden ein wohl gestalteter Barockgarten zu sehen. Der Glanz dieser Zeit mit gut geschulten Bediensteten der adeligen Schlossherren ist vorbei. Dafür haben andere, zeitgemäße Themen den romantisch verwilderten Schlossgarten eingeholt. Im Rahmen des Projekts »Sehnsucht Wildnis« konnte im Jahr 2005 mit Unterstützung des Bayerischen Umweltministeriums ein Schmetterlingsgarten angelegt werden. Ein angrenzendes Steinlabyrinth – eine Metapher für die verschlungenen Lebenswege der Menschen – mündet in den Schmetterlingsgarten: ein Erinnerungsmal an die schwindende Vielfalt der Geschöpfe. Der Schmetterlingsgarten in Verbindung mit dem sich unmittelbar anschließenden »Wildnisgelände« soll den Hobbygärtner ermuntern, die wilden Brennnesselecken in seinem Garten zu dulden und sie zu chemiefreien Zonen zu erklären. Dort stehen die »Stammtische« der Schmetterlinge. Kontakt: BN-Bildungswerk Wiesenfelden, Tel. 09966 -12 70 Beate Seitz-Weinzierl, Leiterin des BN-Bildungswerks

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Abenteuer Schmetterling Die gleichnamige Aktion von BUND, ZDF und UFZ läuft weiter. Nehmen Sie teil an einem der Wettbewerbe, erleben Sie Ihren persönlichen Faltertag, oder stellen Sie Ihr Fachwissen für das »Tagfalter-Monitoring« zur Verfügung. Alles Wichtige erfahren Sie beim BUND, Tel. 0 30-27 58 64-0, Fax -40, schmetterling@bund.net, www.abenteuerschmetterling.de.

Das Murnauer Moos beherbergt etwa 70 Tag- und 450 Nachtfalterarten.


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Sand ist ein toller Lebensraum – das zeigt das Projekt SandAchse auch mit künstlerischen Aktionen.

Foto: Niedling

Der Besenginster-Saumbindenspanner (Isturgia roraria) ist so selten, dass selbst Spezialisten kein aktuelles Foto von ihm kennen. Der tagaktive »Nachtfalter« kommt nur noch im Tennenloher Forst im Bereich der SandAchse vor und ist damit auf die erfolgreiche Arbeit des BNProjekts angewiesen.

Sand erlauben – Sand erleben Die Akteure der SandAchse Franken haben es im Prinzip leichter als Naturschützer in Moorgebieten. Bei dem größten BN-Projekt entlang der Pegnitzachse zwischen Bamberg und Weißenburg geht es zwar ebenfalls um Schutz und Regeneration seltener Lebensräume, doch lassen sich faltertaugliche Vegetationstypen auf Sandböden relativ schnell herstellen. Oft genügt es, künstlich gepäppelten Bewuchs und Oberboden zu entfernen, damit sich blütenreiche Silbergrasfluren, Magerrasen oder Zwergstrauchheiden entwickeln. Selbst aufgedüngte Wiesen und Äcker lassen sich auf dem unwirtlichen Substrat schnell aushagern. Das größere Problem sind die schieren Dimensionen, denn die »SandAchse« ist eine rund 2000 Quadratkilometer große, teils dicht besiedelte Region. Ihr ökologisches Potenzial steckt in Zigtausenden ganz normaler öffentlicher und privater Flächen, die allein den sandigen Untergrund gemein haben. Leider gilt Sand im Vorgarten oder Park weithin als lästig oder unschicklich. Deshalb ist es eine kleine Kulturrevolution, was der Bund Naturschutz gemeinsam mit dem Deutschen Verband für Landschaftspflege, dem Landesbund für Vogelschutz und den Kreisen und Gemeinden in Gang gebracht hat. Finanziert vom Bayerischen Naturschutzfonds und EU-Mitteln wurden in den vergangenen fünf Jahren rund 1500 Aktionen und Maßnahmen realisiert. Das reichte von Vorträgen, Großveranstaltungen und PRKampagnen über Flächenankäufe und Kartierungen bis hin zu einem PC-Lernspiel und einem eigens gebrannten Sand-Korn vom Sandacker. Besonderes Augenmerk legt Projektleiter Andreas Niedling auf Multiplikatoren. Über 200 Lehrerinnen und Lehrer konnte er mit dem Fortbildungsprogramm

der SandAchse bereits erreichen. Auch Grünprofis wie Fachhochschulen, Gartenbaubetriebe und Landschaftsarchitekten zeigten sich gegenüber der Sandidee aufgeschlossen. Trotz der erfreulichen Resonanz und Erfolge ist, so Niedling, »die Flächenbilanz noch lange nicht positiv. Der allgemeine Flächenverbrauch geht ja weiter. Da kann man noch ganz viel tun.« Das unterstreicht der seit vielen Jahrzehnten gut dokumentierte Rückgang der artenreichen Schmetterlingsfauna der Region. Für viele Sandspezialisten ist die Gegend aber noch immer der wichtigste Schwerpunktraum Bayerns. Generell gut zu helfen ist Lockersand-Spezialisten wie dem Silbergraszünsler, weil ihre Habitate leicht regenerierbar sind. Nachweisbar profitiert hat vom Sandachsenprojekt bereits der Besenginster-Saumbindenspanner, ein tagaktiver »Nachtfalter«, der in Bayern als stark gefährdet gilt und nur noch im Bereich der SandAchse vorkommt. Erfreulicherweise beschloss der Stiftungsrat des Bayerischen Naturschutzfonds am 23. Juni dieses Jahres, das Projekt SandAchse für ein weiteres Jahr zu fördern. Die SandAchse geht also in die nächste Runde (siehe auch Seite 16).

Der Randring-Perlmuttfalter (Boloria oder Proclossiana eunomia) leidet unter der Umwandlung von Feuchtwiesen in Wirtschaftsgrünland. Er profitiert vom großen RhönschafProjekt des Bundes Naturschutz, das einst als Schutzaktion für Schmetterlinge begonnen hatte.

Wer hat sich nicht schon mal über das Wort Schmetterling gewundert? Mit roher Gewalt hat es nichts zu tun, dafür mit Diebstahl. Denn es geht auf das ostmitteldeutsche »Schmetten« zurück, ein Lehnwort aus dem tschechischen »Smetana« und bedeutet schlicht Sahne. Dem Volksglauben nach verwandelten sich Hexen in »Schmetterlinge«, um heimlich Rahm zu klauen – ganz wie die englische »Butterfliege«.

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Foto: Steiner

Smetana und die Butterdiebe


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Foto: Schlagintweit

Weit größere offene Flächen sind das Markenzeichen einer prägnanten Landschaft am Nordende Bayerns, das »Land der offenen Fernen«. So nennen Wanderer und Segelflieger die Rhön. Dass die weiten Höhenzüge auch ein Paradies für kleine Segler wie den Großen Perlmuttfalter oder den Lilagoldfalter bleiben, dazu trägt das Rhönschaf-Projekt des Bundes Naturschutz bei. Gestartet wurde es in den achtziger Jahren. Schmetterlinge waren dabei vor allem Sympathieträger für ein noch ungewohntes Naturschutzkonzept. Das Ziel war klar: Retten Sie ein Schmetterlingsparadies! So lautete das Motto einer Spendenaktion zur Bewahrung der Offenland-Biotope in der Hohen Rhön. Doch der Weg war selbst unter Naturschützern umstritten. Gerhard Kneitz, damals stellvertretender BN-Vorsitzender (siehe Portrait auf Seite 18), favorisierte das Rhönschaf als Landschaftspfleger. Ein Job, den das robuste und zugleich edle Schaf trotz des rauen Klimas und der kargen Vegetation Jahrhunderte lang perfekt erledigt hatte. Arbeitslos wurde es, als Kunstdünger und moderne Agrartechnik Einzug hielten. Das Rhönschaf drohte auszusterben und benötigte selber Schutz. Ein Haustier schützen? Das ging manchem Artenschützer zu weit. Sie befürchteten, seltene Pflanzen würden gefressen und zertreten, und wollten die Schafe lieber schlachten. Dazu kam es zum Glück nicht. Vielmehr erwarb der BN mit den Spendengeldern eine kleine Herde Rhönschafe und westlich des Dorfes Ginolfs 33 Hektar Weideland. Als Schäfer engagierte der BN Josef Kolb, einen staatlich geprüften Landwirtschaftsmeister – der bis dahin in der Fensterfabrik arbeiten musste. Heute ist er überzeugter Rhönschäfer und Biobauer, der nicht mehr per Werkvertrag sondern als Pächter nahezu kostendeckend wirtschaftet. Seine Herde von rund 400 Tieren hält er in einem geräumigen Stall und treibt sie nur bei Bedarf auf die Gassenwiesen. Was anfangs niemand vermutet hätte: Das Rhönschaf wurde durch entsprechende Vermarktung und Zusammenarbeit mit Wirten, Hotels und Metzgern von der bloßen Delikatesse zu einem zugkräftigen Werbeträger für die Region. Auch auf hessischer und Thüringer Seite der Rhön erlebt das Schaf seine Renaissance. Insgesamt dürfte der Bestand auf 4000 Tiere gewachsen sein. Die Schmetterlinge gerieten darüber etwas in Vergessenheit. Selbst als Sympathieträger stehen sie heute im Schatten des Schafs. Immerhin hat die Untere Naturschutzbehörde kürzlich eine Untersuchung zur aktuellen Schmetterlingsfauna in Arbeit genommen. Die Ergebnisse werden zeigen, wie sehr die Schmetterlinge von »ihrem« Projekt profitiert haben. Vom Rhönschaf-Projekt des BN profitieren Schäfer, Schaf und Schmetterling.

Foto: Klieber, Beck

Renaissance des Rhönschafs

Der Apollofalter (Parnassius apollo) verschwindet aus seinen offenen, felsigen Lebensräumen, wenn diese etwa nach Aufgabe der Beweidung zuwachsen. In die Arnsberger Leite könnte er dank der Entbuschungsaktionen der BN-Aktiven bald wieder zurückkehren.

Steiniger Weg für den Apollo Schafe als Landschaftspfleger und kulinarisches Wahrzeichen einer Region – das funktioniert seit einigen Jahren auch im Altmühltal. Zumindest dort, wo die Weidegründe nicht zu unwirtlich sind. Genau das ist aber das Besondere am Naturschutzgebiet Arnsberger Leite. Der steile Felsabbruch im Altmühl-Bogen von Arnsberg ist so unwegsam, dass sich früher fast nur Naturfreunde hineinwagten. Hier auf Trespen-Trockenrasen und Wacholderheide fanden sie eine Fülle seltener und gefährdeter Arten wie Brand-Knabenkraut, Federgras oder Apollofalter (siehe Foto). Die Schäfer aber ließen den unergiebigen Steilhang links liegen. Spätestens fünf Jahre nach jedem der seltenen Auftriebe verbuschte der Hang, die Artenfülle brach zusammen und Beweidung wurde vollends unmöglich. Dem Gestrüpp rückt die BN-Kreisgruppe Eichstätt seit etwa 1980 mit Astschere und Säge zu Leibe. Erst zaghaft, dann immer beherzter. 1995 gelang es schließlich, die BN-eigene Fläche von 8,2 Hektar im Zentrum des Naturschutzgebiets stark auszulichten und die Felsen wieder freizulegen. Sogar ein Triftweg wurde angelegt, um den Schäfern den Auftrieb zu erleichtern. Doch keiner, der bisher vorbeikam, ließ seine Schafe ausreichend grasen. Zu verlockend sind Konkurrenzstandorte wie die Gungoldinger Heide. So verbuscht die Fläche erneut. Als Folge beobachten die Naturschützer seit geraumer Zeit einen Rückgang der seltenen Falter, allen voran der Apollo. Er ist eine Charakterart für felsige Landschaften. Mit Verbuschung oder Aufforstung verschwindet aber der Weiße Mauerpfeffer, die Futterpflanze der Apolloraupen. Heute leben nur noch isolierte Populationen, die sich wegen zu großen Distanzen nicht mehr mischen können. Auf der Arnsberger Leite wurde der Apollo zuletzt vor acht Jahren gesichtet. Ihn als verschollen oder gar ausgestorben zu bezeichnen, wäre zu früh. Doch sein Verschwinden zeigt deutlich, wie empfindlich einst sehr verbreitete Arten auf den Landschaftswandel reagieren. Für die Eichstätter Schmetterlingsfreunde heißt das vor allem: Ansporn für weitere Aktionen und Warten – auf Schäfer und Apollo. Und sollte der Falter die acht Kilometer vom nächsten Habitat nicht aus eigener Kraft schaffen, könnte ja vielleicht doch ein »echtes« Schmetterlingsprojekt helfen.

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Für die Rückkehr des Apollofalters räumen BN-Aktive alle Hindernisse aus dem Weg.


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ls Gerhard Kneitz im Jahr 1986 die Teilnehmer des ersten Deutschen Umwelttags in Würzburg als Gastgeber und Koordinator begrüßen durfte, hatte die Öko-Bewegung ihren Höhepunkt erreicht. Der Zustrom an umweltbewegten Menschen, jungen wie alten, schien nicht abzureißen. Kein Wunder, hatte doch die atomare Katastrophe von Tschernobyl erst wenige Wochen vorher dafür gesorgt, dass die ökologische Frage zur Überlebensfrage geworden war.

stellvertretender Landesvorsitzender des BN. Ein Höhepunkt ist 1976 die Gründung des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), an der Kneitz aktiv mitwirkt. Später leitet er den wissenschaftlichen Beirat des BUND, integriert dort die unterschiedlichsten fachlichen Positionen und initiiert als Sprecher des Arbeitskreises Naturschutz eine Reihe bundesweit bedeutender Projekte. Eines der bekanntesten ist die Rettung des Rhönschafes, einer alten Haustierrasse, die 1985 kurz vor dem Aussterben steht (siehe Seite 17).

Professor Gerhard Kneitz

Die Evolution in Person

Mit Herz, Verstand und Zeichenstift Gerhard Kneitz, 71, habe »Naturschutzgeschichte geschrieben«, sagt BN-Vorsitzender Hubert Weiger über den Artenschützer, Wissenschaftler und Künstler. Das »Rote Ordensband« ist ein Beispiel seiner beeindruckenden Tierportraits.

Naturschutz basiert auf Wissen und braucht Visionen. Gerhard Kneitz bereichert die deutsche Umweltbewegung um beides – und das seit 30 Jahren. Ein Portrait des Würzburger Zoologie-Professors von Christoph Markl-Meider

Foto: Markl-Meider

Kontakt Prof. Dr. Gerhard Kneitz, HansGebhardt-Str. 40, 97280 Remlingen, Tel. 0 93 69-13 97, gerhard.kneitz@ bund.net

Dennoch war es nicht allein dem Zeitgeist der 80er Jahre zuzuschreiben, dass die Menschen für eine Veranstaltung, die man sich wie einen alternativen Kirchentag vorstellen kann, massenhaft nach Unterfranken pilgerten. Das hatte seinen ganz speziellen Grund nämlich darin, dass Würzburg zu einer der ökologischen Hauptstädte Deutschlands herangereift war. Und dafür wiederum hatte nicht zuletzt Gerhard Kneitz gesorgt. Seit Anfang der siebziger Jahre war der aus Unterfranken stammende Professor für Zoologie Vorsitzender der Würzburger Kreisgruppe des Bundes Naturschutz (BN). Von den anfänglich 300 Mitgliedern wuchs die Gruppe unter seiner Leitung auf über 3500 an. »Menschen für die Natur zu begeistern«, so beschreibt es BN-Vorsitzender Hubert Weiger, sei »das Erfolgsgeheimnis von Gerhard Kneitz«.

Würzburg und Rio Mit einer »Prozession der aussterbenden Arten«, einem Dosenspektakel, mit überraschenden Aktionen und persönlichem Engagement besetzt die Würzburger Kreisgruppe die Umweltthemen der Region. Sie kämpft gegen Flurbereinigung und Müllverbrennung, rettet das Zeubelrieder Moor und gründet Bayerns erste Ökoläden, sie investiert in Orts-, Kinder- und Jugendgruppen und baut mitten in der Stadt ein Ökohaus zum anerkannten Umweltzentrum aus. Kneitz’ Kompetenz, da ist sich Weiger sicher, habe eine »hohe Akzeptanz des Naturschutzes in der Stadt« geschaffen. Das Wirken des Würzburger Wissenschaftlers geht aber bald über die Heimat hinaus – zum Beispiel als

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Sucht man in all den Umweltaktionen und Naturschutzprojekten, die Kneitz in den vergangenen drei Jahrzehnten initiiert, organisiert und unterstützt hat, einen »grünen Faden«, so findet man den am ehesten in der direkten Begegnung mit dem so sanftmütig wie weise wirkenden Menschen. Dann gelingt es dem visionären Wissenschaftler, die Augen für bislang nicht gesehene Zusammenhänge zu öffnen. Und die reichen von Ernst Haeckels Anfängen der Ökologie vor fast 150 Jahren bis zur aktuellen Beendigung des »rot-grünen Projekts« durch Bundeskanzler Gerhard Schröder.

Aktiv und doch gelassen Spätestens seit seiner Teilnahme am »Erdgipfel« in Rio 1992 ist der Zoologie-Professor Verfechter eines evolutionären Naturschutzbegriffs. »Damals ist mit der Anerkennung des Eigenwerts der Arten als biologisches Gedächtnis der Evolution ein Meilenstein markiert worden«, zeigt er sich überzeugt. Heute dagegen sieht er den Umweltschutz in einer extrem schwierigen Situation. »Manche sagen, es sei schon so wahnsinnig viel passiert. Und meinen: zu viel«, mahnt er. Auch ein wichtiges Rio-Nachfolgeprojekt in Deutschland könnte nach dem »Cut« des Kanzlers scheitern. Zahlreiche Experten, darunter Gerhard Kneitz für den BUND, hatten sich im Auftrag des Bundesumweltministeriums daran gemacht, bis Ende 2005 erstmals eine umfassende Naturschutzstrategie für Deutschland vorzulegen. »Jetzt sind die Befürchtungen groß«, gesteht er, »dass uns ein Wechsel zurückwirft.« Obwohl dies nicht der erste Rückschlag im Leben des Naturschützers wäre, ist ihm Resignation fremd. »Dazu haben wir keinen Grund«, gibt sich Kneitz optimistisch. Dann zieht er Zeichenstift und Papier heraus und widmet sich als Künstler ganz gelassen den schönen Seiten der Natur.


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Totholz lebt Weil sich die Fruchtkörper des Pilzes Bulgaria inquinans – im Bild unten aufbrechend, oben voll geöffnet – später schwarz färben, holt man sich beim Anfassen schmutzige Finger. Daher stammt der »ungerechte« deutsche Name Schmutzbecherling für dieses lebende Farbtöpfchen, hier fotografiert auf Buchenrinde im Gramschatzer Wald bei Würzburg.

Foto: Thierfelder

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Illustrationen: Schellmoser

Hallo, hier bin ich wieder: Bibo, der neugierige Biber. Ich bin überall dort, wo uns die Natur mit spannenden Merkwürdigkeiten überrascht. Heute geht es um Schmetterlinge. Die bunten Gaukler der Lüfte. Viel Spaß beim HinterherGucken wünscht Euch Reinhard Witt.

Schmetterlinge Heimische Kolibris

Saison-Thema

Von fliegenden Schätzen

Fotos: Witt

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enn Ihr irgendwo viele verschiedene Schmetterlinge seht, dann ist die Welt noch in Ordnung. Wo die orange-weißen Aurorafalter fliegen, gibt es feuchte Wiesen, wo das Schachbrett im Wind spielt, hat es artenreiche Trockenrasen. Und auch wo ein Schwalbenschwanz segelt oder der hübsche Bläuling, muss noch jede Menge Natur sein. Denn das sind seltene Arten. Wo man aber nur Kohlweißlinge, Tagpfauenaugen und Kleine Füchse findet, da geht es der Natur nicht so gut. Wer Schmetterlingen helfen will, kann das leicht im eigenen Garten tun. Einige Futterpflanzen oder sogar ein Stück Blumenwiese nützen ihnen. Helft auch ihr?

Wildpflanzen

Ein Garten für Schmetterlinge

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in Sommerflieder, der bekanntlich ein echter Schmetterlingsmagnet ist, reicht noch nicht für einen Garten voll bunter Schmetterlinge. Denn der bietet nur Faltern Nektar. Viel wichtiger wäre es, Futterpflanzen für die Raupen im Garten zu haben. Zitronenfalter brauchen Faulbaum oder Kreuzdorn, Bläulinge den Hornklee. Wer Schwalbenschwänze züchten will, sät Wilde Möhre, und das Taubenschwänzchen liebt Labkraut. Viele dieser Pflanzen kann man in einer Wildsträucherhecke oder einem Stück Blumenwiese ansiedeln.

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Taubenschwänzchen

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iele Erwachsene glauben, sie sehen in ihrem Garten im Sommer Kolibris und rufen aufgeregt beim Bund Naturschutz an. Ihr wisst das natürlich besser, es handelt sich um einen Schmetterling, der so gut fliegen kann wie sein Vorbild aus Südamerika. Taubenschwänzchen sind ungewöhnliche Schmetterlinge. Eigentlich gehören sie zu den Nachtschwärmern, fliegen aber tagsüber. Und am liebsten saugen sie den Nektar von Spornblumen. Mit dieser wunderschönen Pflanze kann man sie regelrecht in den Garten locken. Also bitteschön fürs nächste Jahr auf die Einkaufsliste setzen! Die Eier werden aber an Pflanzen in der Blumenwiese abgelegt, vor allem auf Labkräutern. Das kann man gut beobachten. Wer also etwas für das wunderbare Taubenschwänzchen tun möchte, sollte ein Beet mit Wiesenblumen anlegen, in denen Echtes und Wiesen-Labkraut zu finden sind. Eine richtiges Stück Blumenwiese wäre natürlich auch ein Geschenk, das ein Taubenschwänzchen nicht ablehnen würde.


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Kleinschmetterlinge und Nachtfalter

Heutrospaha

Vom Lebenswert der Königskerze

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eder Mensch kennt Königskerzen als hübsche, kerzenähnliche, bis zu zwei Meter große Blumen. Sie stehen gelb blühend in vielen Gärten. Diese Pflanzen haben aber auch einen besonders hohen ökologischen Wert. Über 90 Insektenarten leben von, mit, auf und vor allem in der Königskerze: Fliegen, Käfer, Wanzen, Fransenflügler und natürlich auch Schmetterlinge. Die Königskerze ist dabei wie ein Wohnhaus aufgeteilt in viele Stockwerke mit einzelnen Untermietern. So leben von der Blüte drei Schmetterlingsarten und in den Stängeln ebenfalls drei. Sogar für die Knospen und die staubfeinen Samen gibt es jeweils zwei spezialisierte Arten, die genau das mögen. Elf Arten sogar fressen von den wollig-weichen Blättern. Die meisten kennt kein Mensch, selbst ausgewachsen sind sie winzig und meistens braun, eben Kleinschmetterlinge und Nachtfalter. Aber eine der insgesamt 21 Arten habt ihr vielleicht schon mal gesehen, weil sie so auffällig ist: Den Braunen Mönch. Schaut einmal nach seinen Fraßspuren auf den Blättern, so wie auf dem Bild!

Jugendliche von 16 bis 27 Jahre  2. bis 4. September 2005 in Dingolfing Zelten in den wunderschönen Isarauen, Nachtwandern, Orientierungslauf, Tiere, Pflanzen und nette Leute kennen lernen. Anmelden bis 26. 8. 05, Preis 10 Euro (7 Euro für JBN-Mitglieder) Info und Anmeldung Diane Bartlog, Tel. 0 87 33 - 6 67

Überleben in der Wildnis Müpfe von 12 bis 15 Jahre  16. bis 18. September 2005 im BN-Bildungswerk Wiesenfelden Wir lernen in der Wildnis zu überleben: Feuer machen, einen Lehmofen und einen Unterschlupf bauen, Spuren lesen, Wildpflanzengerichte zubereiten… Anmelden bis 26. 8. 05, Preis 50 Euro (40 Euro für JBN-Mitglieder)

Lagerfeuerküche Jugendliche von 15 bis 17 Jahre  30. September bis 2. Oktober 2005 in Papiermühle/Laaber Leckeres Essen in Ökoqualität am Lagerfeuer zubereiten. Anmelden bis 15. 7. 05, Preis 25 Euro (20 Euro für JBN-Mitglieder) Info und Anmeldung Keksi KreuzerKunisch, Tel. 0 94 98 - 85 75

JBN sorgt für Schlagzeilen

Sherlock Holmes auf heißer Spur Rätsel lösen und gewinnen

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ch wette fast, dass keiner dieses Rätsel löst. Oder seid Ihr doch so gewitzt? Es geht um ein Tier, das hier auf der Blüte einer Färberkamille sitzt, einer heimischen Pflanze der Blumenwiesen. Es ist zwei bis drei Zentimeter groß und sieht mit seinem gelb-schwarzen Körper einer Hornisse täuschend ähnlich. Natürlich ist es keine. Das ausgewachsene Tier lässt sich zwischen Juni und August tagsüber gar nicht so selten auch in Gärten sehen. Die Larve frisst in Wurzeln von Himbeeren. So, jetzt wisst ihr (fast) alles. Schaut noch einmal genau hin, denn etwas, was für eine Hornisse normal wäre, ist seltsam an diesem Tier. Es hat durchsichtige Flügel. Flügel wie Glas. Folglich kann das bestimmt kein Schmetterling sein – oder?

P.S.: Hier die Auflösung vom letzten Rätselbild: Das mit Seide versponnene Gehäuse gehörte Köcherfliegen, die man oft im Bach unter Steinen findet. Allen Einsendern vielen Dank für’s Mitmachen. Viel Spaß mit den tollen Becherlupen wünschen wir den Gewinnern Michael und Rebekka Feicht aus Altfraunhofen, elf und acht Jahre, Lukas und Siegfried Stecker aus Bad Aibling, viereinhalb Jahre und Muriel Kleinschroth aus Herrieden, acht Jahre.

Wer die richtige Lösung weiß, der kann noch viel mehr über Schmetterlinge lernen. Denn wir verlosen drei Bücher von Reinhard Witt »Ein Garten für Schmetterlinge«. Schreibt bitte an »Natur+Umwelt«, Stichwort Rätselbild, Dr.-Johann-Maier-Straße 4, 93049 Regensburg, Fax 09 41- 2 97 20 31, nu@bund-naturschutz.de. Bitte vergesst nicht Eure Adresse und Euer Alter.

Für aktive JBNler und Multiplikatoren  21. bis 23. Oktober 2005, Ulm Die Fortbildung vermittelt reichhaltiges Handwerkszeug für erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit: Pressemeldungen, Pressegespräche, Interviews. Anmelden bis 10. 10. 05, Preis 60 Euro (25 Euro für JBN-Mitglieder)

Gegenargumente – Großer Umweltkongress der JBN Müpfe und Jugendliche  11. – 13. November 2005, Eichstätt GENiale Zeiten mit Gentechnik, Biopiraterie, Globalisierung? Workshops, Diskussionen und Aktionen zu den Auswirkungen dieser Entwicklungen. Anmelden bis 21. 10. 05, Preis 20 Euro (15 Euro für JBN-Mitglieder)

Infos und Anmeldung Wo nicht anders angegeben: JBN, Trivastraße 13, 80637 München, Tel. 0 89-15 98 96-30, Fax 089-15 98 96-33, info@jbn.de, www.jbn.de

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Alpenschutz ein Schwerpunktthema im BN

Berge von Aktivitäten Die Alpen sind eine der letzten großflächigen Natur- und Kulturlandschaften Europas. Um der zunehmenden Bedrohung des Hochgebirges entgegenzuwirken, verstärkt der Bund Naturschutz seine Schutzbemühungen.

Foto: Margraf

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Kompetent Die Alpenexperten des BN treffen sich seit vielen Jahren unter Führung von Dr. Georg Meister und Werner Fees in einem landesweiten Arbeitskreis. Der AK Alpen arbeitet wesentlich an der Umsetzung des BNSchwerpunktes »Alpen« mit.

atur ist das zentrale Kapital der Alpen. Der hohe Anteil an NATURA 2000-Flächen verdeutlicht den Wert der deutschen Alpen aus Sicht des Naturschutzes (vgl. Karte auf S. 26). Doch zunehmend prallen verschiedene Nutzungsansprüche aufeinander, die zu einer erheblichen Belastung dieses empfindlichen Ökosystems führen. Die Alpen sind überregionaler Verkehrsknotenpunkt und Schwerpunktgebiet unterschiedlicher Schäden am Wald. Fehlentwicklungen rächen sich hier schneller als im Flachland, wie uns Lawinen, Muren und der Rückgang der Gletscher deutlich zeigen. Der Bund Naturschutz setzt sich bereits seit seiner Gründung im Jahr 1913 für den Schutz der Alpen und die Reduktion ihrer Belastungen ein. In Konsequenz dieser Tradition hat der Verband 2005 die Alpenpolitik wieder zu einem der landesweiten Schwerpunkte der BN-Arbeit bestimmt. Im Vordergrund steht dabei die Umsetzung der BN-Alpenstudie (siehe Kasten). Durch verstärkte Fach- und Öffentlichkeitsarbeit soll erreicht werden, dass politische Entscheidungsträger, Behörden und die Öffentlichkeit sich künftig wieder mehr an den Schutzbestimmungen für die Alpen orientieren und die Alpenkonvention endlich auch in Bayern Umsetzung findet.

Wintersport braucht Konzept Angesichts der Klimaveränderung, die die Alpen besonders trifft, ist eine naturverträgliche Umorientierung des Tourismus und eine Reduzierung der Verkehrsbelastung nicht nur für die Natur, sondern auch für die Bewohner des Alpenraumes existenziell wichtig. Beispielsweise will der BN erreichen, dass für den Wintersport in den Alpen ein Gesamtkonzept entwi-

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Foto: Ges. für ökolog. Forschung / Zängl

Dramatisch Einsame Berghütte im ewigen Eis: Auf der Ferdinandshöhe am Südtiroler Stilfserjoch ist dieses Idyll wie auf vielen anderen Alpengipfeln Vergangenheit. Der Rückgang der Gletscher zeigt drastisch, wie empfindlich die Alpen auf Klimaveränderungen reagieren.

2002 Foto: Sammlung Ges. für ökolog. Forschung

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ckelt wird, das den Auswirkungen der Klimaveränderung gerecht wird und nicht in ökologisch und ökonomisch unsinnigen Schneekanonen und weiteren Kapazitätserhöhungen von Liften die Lösung sieht. Beim Verkehr geht es nicht nur um die Verstärkung des Kampfes gegen den zunehmenden Transitverkehr, sondern auch um die Reduzierung des Freizeitverkehrs. Der BN will die Sperrung von ausschließlich für die Freizeitnutzung befahrenen Straßen, wie zum Beispiel der »Roßfeldstraße« im Berchtesgadener Land, anregen. Die Umsetzung des hierzu vorliegenden Konzeptes ist einer der Schwerpunkte im Jahr 2005. Aktionen sind geplant im Rahmen von »Feuer in den Alpen«, des »ITE-Aktionstages« und von »Regionen aktiv«. Dauerbrenner der BN-Aktivitäten zu den Alpen wie Naturschutzmaßnahmen, Exkursionen, die Umsetzung von Natura 2000 oder der Wasser-Rahmenrichtlinie oder der Einsatz für die Schutzwälder und eine naturverträgliche Almwirtschaft ohne weitere Erschließungen bleiben auch im Jahr 2005 wichtige Themen. Und nicht zuletzt wurde jetzt auch der BN-Auftritt im Internet zum Thema Alpen wesentlich verbessert. Schauen Sie doch mal rein unter www.bund-naturschutz.de/ fakten/alpen! Machen Sie selbst mit und überzeugen Sie andere – damit wir gemeinsam die Vision von Alpen mit hohem Natur- und Kulturreichtum und hoher Lebensqualität verwirklichen. Dr. Christine Margraf, BN-Ansprechpartnerin für Alpenpolitik; Dr. Georg Meister, Sprecher des BN-Arbeitskreises Alpen; Werner Fees, stellv. Sprecher des BN-AK Alpen

BN-Studie zur Alpenpolitik Ende 2004 hat der BN eine umfassende Studie »Alpenpolitik in Deutschland« vorgelegt, gefördert vom Umweltbundesamt. Sie zeigt die Diskrepanzen zwischen zahlreichen nationalen Schutzbestimmungen sowie der Alpenkonvention und den tatsächlichen Entwicklungen in den Alpen. Die Studie enthält zahlreiche Vorschläge für eine nachhaltige Gestaltung der Alpenpolitik.  Bund Naturschutz: Alpenpolitik in Deutschland. BN-Forschung Nr. 8, 2004, 151 Seiten, 15 Euro zzgl. Versandkosten. Zu beziehen bei der BN Service GmbH, Tel. 0 91 23-99 95 70, info@service.bund-naturschutz.de, Download unter www.bund-naturschutz.de


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Interview mit Karl Stankiewitz

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err Stankiewitz, in Ihrem Buchtitel vergleichen Sie die Entwicklung unseres Landes mit dem Turmbau zu Babel, dem Sinnbild schlechthin für menschliche Anmaßung. Das ist starker Tobak, oder? Wenn man die Tempelstadt Babylon, deren Außenmauer hundert Tore hatte, in Vergleich zieht mit Planskizzen etwa der WAA oder des Stachusunterbaus, dann sind Unterschiede nur noch in der Architektur erkennbar, nicht in Dimension und Intention. Davon abgesehen aber bleibt das biblische Babel Sinnbild für eine Planung, die in menschenferne Höhen vorstößt und letztlich zum Scheitern verurteilt ist. Verurteilen Sie Großprojekte von vornherein, oder gibt es Kriterien, nach denen Sie hier »gut und böse« unterscheiden? Gewiss nicht will ich alle Großprojekte in diesem Sinn »babylonisch« nennen. Sie sollten sich jedoch grundsätzlich ausrichten an den wenn auch wechselnden Bedürfnissen der Gesellschaft sowie an den natürlichen und den volkswirtschaftlichen Ressourcen. Hätte es für Bayern schlimmer kommen können, ohne den Widerstand engagierter Bürger? Natürlich wären noch viel mehr fragwürdige Großbauten entstanden, wenn es den Widerstand engagierter Bürger (und ein Limit des wirtschaftlichen Spielraums) nicht gegeben hätte. Der Bund Naturschutz kann laufend von Projekten berichten, die bislang verhindert werden konnten, zum Beispiel der riesige Speichersee im schönsten Tal des Spessart. Wir vom BN nennen unsere Aktion gegen den Flächenverbrauch »Bayerns Schönheit bewahren«. Gibt es die

Das Buch Vom Flughafen im Erdinger Moos bis zur WAA, vom Rhein-Main-Donau-Kanal bis zum Transrapid: Karl Stankiewitz blickt in »Babylon in Bayern« zurück auf Großprojekte, die den umstrittenen und umkämpften Weg Bayerns vom bäuerlichen Flächenstaat zum Land von »Laptop und Lederhose« prägten. In chronologisch zusammengestellten Berichten vermittelt er kritisch ein Bayern-Bild, das Lobpreisungen vermeidet, wichtige Innovationen aber auch würdigt.  Karl Stankiewitz: Babylon in Bayern. Edition Buntehunde, Regensburg, 2004, 215 Seiten, 19,80 Euro. Zu bestellen beim Nationalparkladen der BN Service GmbH, Tel. 0 85 58-97 34 04, info@nationalparkladen.de oder im Buchhandel oder direkt vom Verlag unter www.editionbuntehunde.de, Tel. 09 41-5 67 45 10

überhaupt noch, könnte man sich fragen, wenn man in Ihrem Buch über all die Zerstörungen liest. »Flächendeckend« konnte und kann Landschaft kaum zerstört werden, wir leben gottlob nicht in Zuständen der »verbrannten Erde«. Unser Land ist so groß und birgt noch so viele Schönheiten, für die es zu kämpfen lohnt. Babylon steht auch für Sprachverwirrung. Heute sprechen Naturbewahrer und -zerstörer oft in den gleichen Begriffen und Bildern von der Schönheit Bayerns und deren Bewahrung. Wie kann der einzelne noch unterscheiden: Wer macht meine Heimat kaputt, wer schützt sie? Alarm ist überall dort angesagt, wo man so genannte »Leuchttürme« – ein Modewort der neuen Babylonier – hinklotzen möchte, mit den üblichen Versprechungen (Arbeitsplätze), ohne Rücksicht auf gewachsene Strukturen und latente Ängste. In der Regel aber vollzieht

Der Autor Karl Stankiewitz, Jahrgang 1928, beobachtete als Münchner Korrespondent mehrerer deutscher Zeitungen über fünf Jahrzehnte die Entwicklungen im Freistaat.

Foto: Thomas Stankiewitz

In seinem Buch »Babylon in Bayern« blickt der kritische Journalist Karl Stankiewitz auf zerstörerische Großprojekte aus fünf Jahrzehnten zurück. Was ist übrig von Bayerns Schönheit, wo drohen neue Gefahren, fragte »Natur+Umwelt«.

Foto: privat

Vorsicht vor »Leuchttürmen«

sich der Flächenfraß schleichend und fällt daher weniger auf. Vielleicht wird er ja durch das gemeinsame Projekt der süddeutschen Naturschützer wenigstens abgebremst. Nötig wäre darüber hinaus mehr Aufklärung vor Ort, die auch allzu fortschrittliche Bürgermeister und Gemeindevertreter vom Sinn der Landschaftsbewahrung überzeugt. Ein kurzer Ausblick aus Ihrer langjährigen Erfahrung heraus: Wo drohen Bayern aktuell die größten Gefahren? Die größten Gefahren drohen Bayern, wie ich meine, aus der in einer internationalen Studie ermittelten Tatsache, dass das Wirtschaftswachstum im Freistaat Bayern stark zurückgefallen ist, ja am Schluss der Bundesländer rangiert und deshalb in nächster Zeit wieder politisch forciert wird. Schon verkündete Minister Wiesheu, »dass auch der neue Aufschwung von Bayern ausgeht«. Bei der Eröffnung der Garchinger Neutronenquelle sprach Stoiber von einem »Leuchtturm der Innovation«. Die nächsten Atomkämpfe sind vorprogrammiert (zur Erinnerung verweise ich auf meine Buchkapitel über Ohu und Wackersdorf). Das Interview führte Manfred Gößwald

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Babel, bayerisch Modernes Bayern oder kaputte Heimat: Die riesigen Satellitenschüsseln bei Raisting südlich des Ammersees taugen auf jeden Fall als Symbol dafür, »wie aus einem Agrarland der modernste Staat Europas werden sollte« – so heißt auch der Untertitel des Buches »Babylon in Bayern«.


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Foto: Willner

Heimattag: Donau soll Welterbe werden Der Bayerische Heimattag setzt sich für die Ausweisung der frei fließenden Donau zwischen Straubing und Vilshofen als UnescoWeltkultur- und Weltnaturerbe ein. Die Städte Regensburg und Passau sollen in das Gesamtkonzept einbezogen werden. Eine entsprechende gemeinsame Erklärung gaben die Trägerverbände des Heimattages – der Bund Naturschutz in Bayern, der Bayeri-

sche Landesverein für Heimatpflege und der Verband bayerischer Geschichtsvereine – Anfang Juni bei einer Festveranstaltung des Heimattages in Straubing ab. Zur Begründung führte der Bayerische Heimattag die einmalige Verbindung von Natur und Kultur in der niederbayerischen Donau-Region an. Die Symbiose einer Vielzahl von Baudenkmälern internationalen Ranges mit der einmaligen

Flusslandschaft der noch frei fließenden Donau und dem Isarmündungsgebiet mache das Gebiet auszeichnungswürdig als Weltkultur- und Weltnaturerbe, erklärte der derzeit amtierende Präsident des Heimattages, Prof. Hubert Weiger. (hl) Mehr Infos zum Thema Donau unter www.bund-naturschutz. de/projekte/donau

Wie schon in den vergangenen Frühjahren nutzten auch heuer Gegner des Konzepts »Natur Natur sein lassen« den Befall vieler Fichtenwälder durch Borkenkäfer, um eine Aufweichung des Schutzvorschriften für den Nationalpark Bayerischer Wald zu fordern. Diesmal hat sich eine so genannte »Bürgerbewegung zum Schutz des Bayerischen Waldes e.V.« mit einer Petition an den Bayerischen Landtag gewandt, um die sich selbst überlassenen »Naturzonen« im Erweiterungsgebiet des Natio-

nalparks zurückzunehmen und flächendeckend eine Bekämpfung des Borkenkäfers zu ermöglichen. Der Bund Naturschutz hat darauf mit einer eigenen Petition reagiert, um eine Aufweichung der Nationalpark-Verordnung zu verhindern. »Der Bayerische Landtag«, so BN-Landesvorsitzender Hubert Weiger und Nationalpark-Beiratsmitglied Helmut Steininger, »ist gefordert Sorge zu tragen, dass der Begriff Nationalpark nicht zum Etikettenschwindel wird.« (göß)

Genmais-Skandal: BN erstattet Strafanzeige verschuldet hat. Behördliche Untersuchungen des Saatguts hatten zuvor eine unzulässige Verunreinigung ergeben. Nach der gültigen Rechtslage darf konventionelles Saatgut jedoch grundsätzlich keine gentechnischen Beimengungen enthalten. »Ohne Foto: PhotoDisc

Im Skandal um den im Juni bekannt gewordenen Anbau von gentechnisch verunreinigtem Mais in Bayern hat der Bund Naturschutz Strafanzeige gegen die Firma Pioneer gestellt. Der BN möchte dadurch klären lassen, ob Pioneer eine ungenehmigte Freisetzung durch ahnungslose Landwirte

zu wissen, dass sie genmanipulierte Organismen anbauen,

wurden die betroffenen Bauern faktisch als Werkzeuge der Gentechnik-Industrie zur Durchsetzung ihrer Interessen missbraucht«, kritisiert BNVorsitzender Hubert Weiger. Kurt Schmid, BN-Gentechnikreferent (hl)

Foto: SandAchse

SandAchse Franken: 5 Jahre + 1 Im Juni 2005 feierte die SandAchse Franken fünfjähriges Jubiläum. Seit Bestehen konnte das Projekt durch Ankauf und Pacht 17 Hektar wertvolle Sandgebiete sichern und 100 Hektar neue Sandlebensräume schaffen. Etwa 15 000 Schüler besuchten die Sandle-

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bensräume, über 200 Lehrer bildeten sich für die Umsetzung des Themas Sand im Unterricht fort. »Noch nie hat die Bevölkerung in der Region so viel über das Geheimnis von Blauflügeliger Ödlandschrecke und Co. erfahren«, resümiert Tom Konopka, Projektbetreuer und BN-Regionalreferent. Der Erfolg des Projekts ist auf die hervorragende Zusammenarbeit von Bund Naturschutz, Deutschem Verband für Landschaftspflege und Landesbund für Vogelschutz sowie der Landkreise und Städte zwischen Bamberg und Weißenburg zurückzuführen. Der Bayerische Naturschutzfonds hat im Juni beschlossen, das Projekt ein weiteres Jahr zu fördern. Weitere Infos zur SandAchse auf Seite 16 und unter www.sandachse.de. Annette Prechtel, Tom Konopka (hl)

Foto: Klönne

BN-Petition für Nationalpark


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Nach 31 Jahren Auseinandersetzung steht endlich fest: Die als »B 2a neu« geplante autobahnähnliche Straße durch das Rednitztal zwischen Nürnberg und Schwabach, den »Englischen Garten« der Großstädte, ist verhindert. Erreicht haben dies der Verein zum Schutz des Rednitztales, die Bürgerinitiative gegen die B 2a und der Bund Naturschutz mit Unterstützung vieler Bürger sowie der Städte Schwabach und

Nürnberg. Die Bundesregierung hat die »Rednitztal-Autobahn« aus dem Bundesverkehrswegeplan gestrichen. Beim »Erfolgsfest« Anfang Juni mitten im Rednitztal freute sich besonders die langjährige Sprecherin des Vereins, Annemarie Brouer (im Bild 3. v. l.). Gemeinsam mit ihrem Mann hatte sie über drei Jahrzehnte Petitionen und Klageschriften verfasst, Leserbriefe und Presseerklärungen abge-

Foto: Konopka

Feier zur Rettung des »Englischen Gartens«

geben uns schließlich dank Mut und Ausdauer verkehrspolitische Geschichte geschrieben. Tom Konopka, BN-Regionalreferent

Der Bund Naturschutz hat den Bayerischen Landtag aufgefordert, die Novellierung des Naturschutzgesetzes (bei Redaktionsschluss noch nicht abgeschlossen) als Chance für Bayerns Landschaft zu nutzen. Insbesondere der Artenschwund in der offenen Agrarlandschaft verlange bessere rechtliche Rahmenbedingungen. In diesem Sinne fordert das neue Bundesnaturschutzgesetz, das den Rahmen für die Ländergesetze

vorgibt, einen Biotopverbund von mindestens zehn Prozent der Landesfläche gerade in ausgeräumten Landschaften – mit Hilfe neuer Hecken, Feldgehölze oder Brachstreifen. Dagegen ist im bayerischen Entwurf nur vom Erhalten des Status quo die Rede. Außerdem bemängelt der BN, dass ein klares Umbruchverbot von Grünland in Tal-Auen fehlt, dass für FFH-Gebiete keine Schutzverordnungen erlassen werden sollen und dass die zerstörerische Grabenfräse wieder erlaubt werden soll. Dr. Kai Frobel, BN-Referent für Arten- und Biotopschutz

Auf zum Tag der Regionen Am Erntedank-Sonntag, dem 2. Oktober 2005, heißt es in Deutschland bereits zum siebten Mal: Auf zum Tag der Regionen! Heuer steht der Tag unter dem Motto »Kurze Wege – langer Genuss«. Hunderte von Veranstaltungen präsentieren jede Region mit ihren Produkten vor allem kulinarischer Natur. Der Bund Naturschutz, in ganz Bayern mit vielen Angeboten zum Tag der Regionen vertreten, hält die schmackhafte, hochwertige Vielfalt

regionaler Lebensmittel der Suche nach dem billigsten Schlachthof und Lebensmitteln mit weltweit einheitlichem Geschmack entgegen. »Es kann uns nicht egal sein, wenn die Globalisierung regionale Strukturen zunichte macht«, so Marion Ruppaner, Landwirtschaftsreferentin des BN. (hl) Die Termine aller Veranstaltungen sind im Internet unter www.tag-der-regionen.de zu finden.

BMW: Keine Rücksicht auf Naturpark Ausgerechnet an einem der schönsten Flecken im Naturpark Vorderer Bayerischer Wald will BMW ein Fahrertrainingszentrum bauen: in dem Weiler Foto: Berner

Foto: Werle

Neues Naturschutzgesetz mangelhaft

Rettenbach, Gemeinde Sankt Englmar (Foto; N+U berichtete). Davon ließ sich BMW auch durch zwei Schreiben des BN nicht abbringen. In seiner Antwort vermeidet BMW jede Festlegung und verweist auf den Bezirkstag von Niederbayern. Was wohl heißt: Wenn wir von

dort grünes Licht bekommen, werden wir die Sache ohne Rücksicht auf den Naturschutz durchziehen. Enttäuscht und verwundert zeigen sich Naturschützer und Erholungssuchende in Niederbayern vor allem darüber, dass sich BMW nicht einmal durch die inzwi-

schen über 1400 Protest-Unterschriften zur Suche eines alternativen Standortes bewegen ließ. Dabei hat(te) der Münchener Autokonzern eigentlich immer großen Wert auf einen guten Ruf in Umweltfragen gelegt. Karin Meindorfer

Links rechts unten www.espere.net Das Klimainformationsprojekt für Schule und Bevölkerung erklärt leicht verständlich, wie Luft, Eis, Wasser, Gestein, Boden und Leben zusammenwirken und wie der Mensch in das System Klima eingreift. Mit kostenloser Klima-Enzyklopädie.

www.baubiologie-regional.de Neben vielen Informationen aus allen Bereichen der Baubiologie ist besonders die Mailingliste zum Thema Elektrosmog interessant. Hier tauschen sich die Teilnehmer über Fragen wie die Abschirmung von elektromagnetischen Feldern aus.

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Europas Natura 2000: Großer BN-Erfolg

Ein Netz für die Natur

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er Schutz des europäischen Naturerbes geht auch in Bayern voran. Das lassen beispielhaft die beiden abgebildeten Karten erkennen. Die kleine zeigt, wie wenig Gebiete die bayerische Staatsregierung ursprünglich als so genannte FFH-Flächen für Natura 2000, das europäische Netz geschützter Naturflächen, melden wollte. Die große Karte verdeutlicht, wie umfangreich sie auf Druck der EU-

Quelle: www.bayern.de/lfu

Natura 2000 – verspätet aber doch … Die erste offizielle bayerische Meldung von 1996 für europäisch geschützte »FFHGebiete« enthielt praktisch nur die Naturschutzgebiete und Nationalparke (kleine Karte). Dank Druck aus Brüssel und zäher, jahrelanger Arbeit vor allem des BN kann sich Bayerns Beitrag zum Schutz des europäischen Naturerbes trotz verbleibender Defizite nun doch sehen lassen (große Karte).

Kommission, unterstützt durch die fachliche und politische Arbeit vor allem des Bundes Naturschutz letztlich »nachlegen« musste (N+U berichtete). Aus einem dürftigen Fleckerlteppich ist doch noch ein tragfähiges Netz für bedrohte Arten geworden. Statt nur 1,6 Prozent der Landesfläche 1996 stehen jetzt 9,1 Prozent unter Schutz, ein großer Erfolg für die Natur.

Die konkreten Auswirkungen dieses Erfolges sind bereits bei vielen Schutzbemühungen von BNAktiven zu spüren, haben sie doch ein gewichtiges Argument mehr, um den hohen Wert bedrohter Landschaften zu begründen. Aktuelle Beispiele zeigen die folgenden Seiten unserer Rubrik »Regional«. Der Einsatz des BN für Bayerns Natur ist oft langwierig und zäh, aber er zahlt sich aus.

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Fotos: Hirmer

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Kreisgruppe Dingolfing-Landau

Schutz für die Graugans

Illustration: Linhard

as 170 Hektar große Naturschutzgebiet »Vilstal bei Marklkofen« liegt im Landkreis Dingolfing-Landau nördlich der Gemeinde Marklkofen und umfasst den westlichen Teil des Vilstalstausees sowie den daran anschließenden Bereich mit Wiesen, Gewässern, Röhricht und Gehölzbeständen. Das seit 1984 bestehende Gebiet ist einer

Querbeet: Mit »RADULA« startete die BN-Kreisgruppe Kelheim Mitte Mai in Kooperation mit dem Landschaftspflegeverein VöF e.V. ein neues Umweltbildungsprogramm. Der Begriff steht für die Raspelzunge von Weichtieren, und so knabbert sich Maskottchen »Rolf Raspelzunge« nicht von ungefähr querbeet durchs Projektprogramm. Interdisziplinarität und Integration prägen das Angebot dieses vom Bayerischen Umweltministerium geförderten Projekts: Naturkundliche Führungen für Kinder- und Jugendgruppen in die Lebensräume

Hecke, Wasser, Wiese und Wald werden so aus dem Blickwinkel anderer Fachrichtungen betrachtet – die Natur bietet vielfältige Anknüpfungspunkte an Erdkunde, Physik oder Chemie, aber auch an vermeintlich fachfremde Disziplinen wie Kunst, Musik und Geschichte. Zusätzlich bietet »RADULA« auch Veranstaltungen zu einem jährlichen Schwerpunktthema, in diesem Jahr »Ernährung und Regionalität«. Informationen: Kreisgruppe Kelheim, Tel. 0 94 41-1319, bn.kelheim@t-online.de Alt und neu: Nachdem Karl Edenhofner im Mai aus gesundheit-

genen Winter. Noch ist darüber nicht entschieden. Der Bund Naturschutz setzt sich weiter für den Schutz der Graugänse ein. Seine Position stützt der Verband auf die in der Schutzgebietsverordnung festgelegte Funktion des Naturschutzgebietes: Es soll Lebensbereiche einschließlich der erforderlichen Nahrungsgrundlagen und Brutgelegenheiten für die dortige Tierwelt, insbesondere Vogelarten, sichern und Störungen von ihnen fernhalten. Diese Belange des Natur- und Artenschutzes müssen Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen haben. Aus der Sicht des Bundes Naturschutz muss das Abschussverbot erhalten bleiben. Peter Hirmer (asw)

lichen Gründen sein Amt als erster Vorsitzender der Kreisgruppe Freyung-Grafenau des Bundes Naturschutz niederlegen musste, übernahm Michael Haug kommissarisch die Leitung der Kreisgruppe bis zu den regulären Neuwahlen im Jahr 2006 (Foto, von links: Geschäftsstellenleiterin Heike Dülfer, scheidender Vorsitzender Karl Edenhofner, stellvertretender Vorsitzender Elmar Hartl, Landesschatzmeister Helmut Steininger,

Abschuss statt Artenschutz Graugänse sollen im Naturschutzgebiet Vilstal künftig gejagt werden dürfen.

neuer Vorsitzender Michael Haug). Bereits unter Haugs Federführung setzte die Kreisgruppe für den geplanten Autobahnzubringer von Eberhardsreuth über Thurmansbang nach Eging ein ordentliches Planfeststellungsverfahren durch. In einer Stellungnahme dazu zeigt der Bund Naturschutz detailliert auf, wie überflüssig die überörtliche Verbindungsstrasse ist. Dass eine Verbesserung der bestehenden Trasse ausreicht, meinen auch rund 50 Bürger aus den betroffenen Gemeinden, die gegenüber der Regierung gegen die Straßenbaupläne protestierten. Man darf gespannt sein auf den Erörterungstermin.

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NATU R NOTIZEN AUS N I EDER BAYER N

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der letzten repräsentativen und charakteristischen Abschnitte der Vilstallandschaft, mit zum Teil seltenen und gefährdeten Pflanzen- und Tierarten, und wurde 2001 in die bayerische Meldeliste für Schutzgebiete nach der FFH-Richtlinie aufgenommen. In diesem sensiblen Gebiet hat die Regierung von Niederbayern im vergangenen Jahr per Ausnahmegenehmigung die Graugans für die Jahre 2004 und 2005 zum Abschuss freigegeben: In den Monaten November und Dezember soll die Vogelart auch im Naturschutzgebiet bejagt werden dürfen. Begründet wird dies mit nicht näher bezifferten landwirtschaftlichen Schäden durch die Tiere. Der Widerspruch, den Naturschützer gegen die Genehmigung eingelegt hatten, verhinderte den Abschuss im vergan-

Foto: KG Freyung-Grafenau

Geht es nach der Bezirksregierung von Niederbayern, müssen die Graugänse im Vilstal Federn lassen: Obwohl die Vögel in einem Naturschutzgebiet leben, in dem die Jagd verboten ist, sollen sie dort abgeschossen werden dürfen. Eine entsprechende Ausnahmegenehmigung ist bereits erteilt.


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Kreisgruppe Hof

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Foto: Konopka

NATU R NOTIZEN AUS OBER FRAN KEN

er Flugplatz mit derzeit einer einzigen Verbindung zum Großflughafen Frankfurt ist seit seinem Bestehen unrentabel; die Betreibergesellschaft verbucht über eine Million Euro Verlust pro Jahr. Der geschätzt 35 bis 50 Millionen teure Bau der neuen Startbahn soll nun aus den roten Zahlen herausführen. Damit diese Rechnung aufgeht, operieren die Befürworter mit prognostizierten Zuwächsen beim Passagieraufkommen von über 500

Brennpunkt Waldstein: Zwar wurde die Fichtelgebirgsautobahn im Bundesverkehrswegeplan zurückgestuft, doch noch ist nicht abschließend über die 40 Kilometer lange Asphaltschneise durch das Mittelgebirge und den Bau des Waldsteintunnels entschieden. Etwa 500 Menschen folgten daher am 1. Mai dem Aufruf des BN und der Bürgerinitiative zur Demonstration gegen die geplante Autobahn. Auf der Kundgebung sorgten die Metzlersreuther Laienspiel-

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gruppe und das Freie Bierorchester Franken (siehe Foto) für beste Stimmung. Flugplatzmanie: Das Beispiel Hof macht Schule – auch die Stadt Coburg findet ihren Flugplatz nun zu klein. Mit dem Argument, ortsansässige Firmen wie der Automobilzulieferer Brose bräuchten eine neue Start- und Landebahn, wird Ersatz für den bestehenden Standort auf der Brandensteinsebene gesucht. Dabei hat die Stadt mit der im Bau befindlichen A 73 gerade erst eine neue Autobahn durchgesetzt, nicht zuletzt auf Druck von Brose und anderen Coburger Firmen; mit Bamberg und Hof gibt

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Klimakiller Flugzeug Der geplante Ausbau des Flugplatzes Hof greift nicht nur gravierend in den Natur- und Landschaftsraum ein und erhöht die Lärmbelastung für die Bürger, sondern ist auch eine fatale Fehlentscheidung vor dem Hintergrund des Klimaschutzes. Weitere Informationen: www.flughafenhof.de

Prozent im Charter- und von 300 Prozent im Linienflug. Woher die Fluggäste kommen sollen, ist unklar, denn AirBerlin, Condor und zuletzt der Touristikkonzern TUI haben Hof bereits Absagen erteilt. Trotz Förderung durch den Freistaat müssen Kosten in Millionenhöhe über lokale Steuermittel finanziert werden. Auch für die zu erwartenden Verluste im laufenden Betrieb werden die Steuerzahler wie bisher zur Kasse gebeten. Selbst Wirtschaftminister Otto Wiesheu hält das Vorhaben für ein »riskantes Unterfangen«. Gemeinsam mit der Hofer »Bürgerinitiative gegen die Startbahnverlängerung des Regionalflughafens« lehnt der Bund Naturschutz (BN) den Ausbau des Flughafens ab und fordert stattdessen eine bessere

Anbindung an den Flughafen Nürnberg durch Ausbau und Elektrifizierung der Schienenverbindung zwischen Hof und Nürnberg. »Oberfranken ist mit den Großflughäfen Nürnberg und München, dem bestehenden Flughafen Hof und den umliegenden Airports Frankfurt, Erfurt, Leipzig und Dresden ausreichend erschlossen«, so BN-Regionalreferent Tom Konopka. Andrea Siebert

es zudem zwei Regionalflughäfen in der Nähe. Für den BN ist der Neubau weder ökologisch noch ökonomisch vertretbar. Zu attraktiv: Den Trockenrasenflächen und der seltenen Felsflora auf dem »Walberla« im Landkreis Forchheim setzen Ausflügler, Kletterer und Hobbyflieger regelmäßig arg zu. Der seit 1987 als Naturschutzgebiet »Ehrenbürg« ausgewiesene und als FFH-Gebiet gemeldete Berg soll jetzt mit einem Konzept zur Lenkung der Besucherströme entlastet werden. Die BN-Kreisgruppe Forchheim, die sich seit 30 Jahren um das Ausflugsziel Foto: Konopka

Die Bayerische Staatsregierung hat dem Druck oberfränkischer Lokalpolitiker nachgegeben und will den umstrittenen Ausbau des Flughafens Hof-Plauen nun mit 32 Millionen Euro fördern. Ob eine neue Start- und Landebahn jedoch große Airlines und damit Aufschwung und Arbeitsplätze nach Hof bringt, ist mehr als fraglich. Es droht ein Millionengrab mit fataler Wirkung auf Natur und Klima.

Foto: KG Hof

Millionengrab Flughafen

kümmert, setzt sich gemeinsam mit dem Landkreis und den Anrainergemeinden dafür ein. Bei einer Bereisung der Region informierte sich der BN-Landesvorstand über die geplanten Maßnahmen (siehe Foto). Erster Erfolg: Mit Unterstützung der Bürgermeister von Wiesenthau und Schlaifhausen sowie der BN-Ortsgruppe Wiesenthau gelang es, für die Rekonstruktion einer keltischen Wallanlage einen naturverträglichen Standort zu finden.


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Kreisgruppe Neumarkt

Flechtenreiche Sandkiefernwälder zählen europaweit zu den seltensten und am stärksten bedrohten Biotoptypen. Sie sind unersetzlicher Lebensraum für viele hoch spezialisierte Pflanzen- und Tierarten, und das Bayerische Naturschutzgesetz stellt sie unter besonderen Schutz. Dennoch soll der seit zehn Jahren geduldete Sandabbau bei Pollanten im Landkreis Neumarkt, einem der letzten Gebiete mit Flechten-Kiefernwäldern, nun noch forciert werden.

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Foto: KG Amberg-Sulzbach

uf insgesamt über zehn Hektar gestattete das Bergamt Nordbayern ohne Planfeststellungsverfahren den Abbau. Anfang Juli wurde ein so genannter »Rahmenbetriebsplan« für weitere Abbauflächen genehmigt. Genehmigungsbehörde und Abbaufirmen berufen sich dabei auf ein Mitte der neunziger Jahre positiv abgeschlossenes Raumordnungsverfahren. Darin war allerdings, unter umfangrei-

Foto: KG Neumarkt

Zerstörerischer Sandabbau

chen Bedingungen und Auflagen, nur ein Trockenabbau zugestanden worden. Durch den jetzt möglichen Nassabbau sind weit gravierendere Eingriffe zu erwarten; die Standortbedingungen werden derart massiv verändert, dass sich dort nach Beendigung des Abbaus keine wertvollen Trockenkiefernwälder mehr entwickeln können. Als Ausgleich für den Eingriff sind marginale Optimierungsmaßnahmen für angrenzende Waldbiotopflächen vorgesehen – die Abbaufirmen besitzen davon allerdings bis heute keinen einzigen Quadratme-

Tag des Wassers: Aus diesem Anlass protestierten Aktive der BN-Ortsgruppe Kastl im Landkreis Amberg-Sulzbach gegen die drohende Wasserentnahme aus dem Hallerbrunnen im Lauterachtal. Bei der Aktion am festlich geschmückten Osterbrunnen waren auch zahlreiche Kinder mit selbst gemalten Transparenten dabei (siehe Foto). Nachdem die Stadt Neumarkt einen zweiten Autobahnanschluss forciert und mit diesem Prestigeprojekt ihr jetziges Trinkwasserschutzgebiet aufs Spiel setzt, liegt der Verdacht nahe,

Foto: Kober (Neumarkter Tagblatt)

dass mit der Wasserentnahme im Lauterachtal ein bequemer Ersatz geschaffen werden soll. Keine Ostumgehung: Auf einem Ortstermin haben sich Mitglieder der Neumarkter Bürgerinitiative »Freunde des Lengenbachtales« und Vertreter des BN gegen den Autobahnanschluss Frickenhofen und die damit verbundene Ostumfahrung ausgesprochen (siehe Foto). Die drohende Lärmbelastung, die Durchschneidung des

ter. An einen Skandal grenzt, dass die beantragten Abbauareale im Regionalplan weder als Vorrangnoch als Vorbehaltsflächen für Bodenabbau eingestuft sind, es gleichzeitig in unmittelbarer Nachbarschaft aber mehr als genug solcher Flächen gibt, dazu ökologisch weit weniger wertvolle. Der Bund Naturschutz hat deshalb im Verfahren selbst, aber auch beim Innen- und Wirtschaftsministerium gegen die absurde Planung protestiert. Die Genehmigung dieser Biotopzerstörung ist eine Bankrotterklärung jeglicher Regionalplanung, gleichzeitig aber auch ein Schlag ins Gesicht der Naturschutzbehörden, die für die Sandkiefernwälder sogar schon die Ausweisung als Naturschutzgebiet in die Wege geleitet hatten. Helmut Schultheiß (asw)

wertvollsten Naherholungsgebietes der Stadt, unkalkulierbare Risiken für das angrenzende Trinkwasserschutzgebiet und die Zerstörung etlicher Biotope stehen in keinem Verhältnis zum fragwürdigen Nutzen der umstrittenen Autobahnausfahrt. Ökologisch einkaufen: Über 150 Adressen sowie Fachwissen und Hintergrundinformationen liefert die BN-Kreisgruppe Regensburg seit zwei Jahren mit ihrem ÖkoEinkaufsführer, der nun in einer zweiten, aktualisierten Auflage erschienen ist. Die Broschüre liegt aus bei den Landkreisgemeinden, in Arztpraxen, Bibliotheken und

Gefährdet Der fortgesetzte Sandabbau bedroht die Flechten-Kiefernwälder in ihrer Existenz.

Sparkassen. Auch ein Blick ins Internet lohnt sich: www. naturnah-einkaufen.de Hochwasserschutz: Die Regierung der Oberpfalz hat erfreulicherweise das bei Weiden im Überschwemmungsgebiet geplante »Admira-Center« gestoppt. Sie bezieht sich dabei auf ein Urteil des Verwaltungsgerichtshofs vom Juni 2004, wonach Bebauungspläne im Bereich eines Überschwemmungsgebietes nichtig sind und eine Baugenehmigung dort auch mit umfangreichen Ausgleichsmaßnahmen nicht »erkauft« werden kann.

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Teure Umgehung: Trotz leerer Kassen wurde in Weilheim ein Gesamtverkehrskonzept erarbeitet, auf dessen Basis auch eine Entscheidung für den Trassenverlauf der seit 30 Jahren geplanten Umgehungsstraße getroffen werden soll. Während eine Westumfahrung zwei Brücken und damit eine zweifache Durchschneidung der FFH-Gebiete entlang der Ammer erfordern würde, träfe die Ostumfahrung mit einem

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Kreisgruppe Landsberg

Abgeholzt und ausverkauft? Die Forstreform der Staatsregierung ist kaum gestartet, da beginnt in Landsberg bereits der Ausverkauf des Waldes: Die österreichische Klausner-Gruppe will ein Großsägewerk mit einem Einzugsradius von 100 Kilometern errichten. Weitere Holzverarbeiter aus Österreich sitzen schon in den Startlöchern. enwald niederlassen, einem nach dem Waldgesetz geschützten Klimaschutzwald. Dennoch verkaufte die Stadt Landsberg dem Unternehmen für die erste Ausbauphase rund 30 Hektar im Herzen des Waldes. Weitere 40 Hektar sind für so genannte »Clusterfirmen« vorgesehen, und das gesamte, 190 Hektar große Areal soll als Industriegebiet ausgewiesen werden. Diese Entscheidung der Stadt versuchte die Kreisgruppe Landsberg des BN mit Hilfe der Bürgerinitiative »Bürgerwille Lands-

62 Meter breiten und 17 Meter tiefen Einschnitt das Naherholungsgebiet »Gögerl«, für dessen Magerrasen Arten wie das Schopfige Kreuzblümchen und der Wiesensalbei (siehe Foto) charakteristisch sind. Mit einem auf 1200 Meter verlängerten Tunnel ließe sich dieser Eingriff vermeiden, doch die Stadt kann den Eigenanteil von zusätzlich 10 Millionen Euro nicht aufbringen, und weder Bund noch Land noch Landkreis wollen die Kosten übernehmen. Filz renaturiert: Der vom Austrocknen bedrohte Hochmoorkomplex

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berg« aufzuhalten, leider ohne Erfolg. Beim Waldbündnis Landsberg erregte besonders die heimliche Unterzeichnung des Kaufvertrags durch Oberbürgermeister Ingo Lehmann Unmut – schließlich hatte der Rathauschef im November 2004 pressewirksam als erster Landsberger für das Volkbegehren »Aus Liebe zum Wald« unterschrieben. Ralf Stallforth (asw)

»Höfner Filz« südwestlich von Königsdorf ist vorerst gerettet. Die Kreisgruppe Tölz/Wolfratshausen des Bundes Naturschutz (BN) veranlasste die Renaturierung im Kern des rund 30 Hektar großen Gebietes, gemeinsam mit dem Maschinenring Wolfratshausen und in Absprache mit der unteren Naturschutzbehörde und den Grundstückseigentümern. Unter den kritischen Augen von Wolfgang Beigel, Marika Bernrieder sowie Kreisvorsitzender Carola Belloni machte sich Baggerführer Hans Schlickenrieder an die Arbeit (siehe Foto, v. li.). Insgesamt wurden 15 Drainagen unterbrochen, eine Geländestufe ausgeglichen

KG Tölz-W.hausen

bgesichert ist das Klausner-Vorhaben durch eine garantierte Zusage der bayerischen Staatsregierung von jährlich 500 000 Festmetern Holz aus dem Staatsforst und einem unter dem gegenwärtigen Marktpreis festgesetzten Kaufpreis, was einer indirekten Subvention von etwa 2,5 Millionen Euro pro Jahr entspricht. Dies setzt die einheimischen, meist kleineren Sägewerke massiv unter Druck, denn so billig wie die alpenländische Konkurrenz, die sich auf die Vereinbarung mit dem Freistaat stützen kann, können sie nicht produzieren. Auf der Strecke bleiben auch Umwelt- und Klimaschutz: 90 Prozent der über eine Million Festmeter Holz pro Jahr, die Klausner in Landsberg verarbeiten will, sind für den nordamerikanischen und den asiatischen Markt bestimmt – ein profitables Geschäft. Die Standortwahl gibt weitere Minuspunkte in der Öko-Bilanz, will sich der Holzverarbeiter doch ausgerechnet im Landsberger Frau-

Foto: Willner

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Kein Sägewerk im Frauenwald Als Sprecher der Bürgerinitiative »Bürgerwille Landsberg« setzen sich Ruth Satzger und BN-Kreisvorsitzender Folkhart Glaser für ein Bürgerbegehren gegen das Industriegebiet ein. Leider stimmten am 18. Juli nur 36 Prozent der Wähler gegen das GroßSägewerk.

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Foto: KG Landsberg

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und Gräben durch zehn Dämme angestaut. Die Kosten beliefen sich auf rund 20 000 Euro, davon trägt die BN-Kreisgruppe rund 3500 Euro. Inzwischen ist die Renaturierung erfolgreich abgeschlossen, die Gräben führen wieder Wasser, und das Höfner Filz befindet sich – aufgrund der starken Niederschläge Anfang dieses Jahres schneller als erwartet – auf dem Weg der Wiedervernässung.


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mfangreiche Gutachten stellten zunächst fest, dass die Verbauung des Lechs entlang der Staustufen vor allem nach einem Hochwasser den Grundwasserabfluss verzögert. Einer der maßgeblichen Gründe für den länger anhaltenden, erhöhten Grundwasserstand, so die Gutachter weiter, sei, dass aus dem in etwa tausend Metern Entfernung fließenden Lochbach im Naturschutz- und FFH-Gebiet »Stadtwald Augsburg« Wasser versickere. Um es schneller abzuführen, müsse das Bachbett abgedichtet werden. Dies schafft zwar Abhilfe für die von vernässten Kellern geplagten Königsbrunner Bürger, Naturschützer befürchten jedoch, dass eine Absenkung des Grundwasserspiegels durch die Abdichtung des Baches im FFH-Gebiet vor allem in trocke-

nen Zeiten Feuchtbiotope wie Quellfluren und Kalkflachmoore schädigen könnte. Im Rahmen einer FFH-Verträglichkeitsprüfung müssten solche Bedenken gehört werden. Doch das Bayerische Umweltministerium stufte die nun geplanten Abdich-

Foto: Wehnert

Alpines Trainingszentrum: Nachdem ein Bürgerentscheid vor zwei Jahren den Bau des Alpinen Trainingszentrums Allgäu (ATA) am Grünten verhinderte, soll es jetzt auf dem Oberjoch bei Bad Hindelang gebaut werden. Das Projekt steht bereits vor der Planfeststellung, doch die Planung weist, abgesehen von der grundsätzlichen Problematik neuer Skipisten und künstlicher Beschneiung, nach

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Kreisgruppe Augsburg

Streit ums Grundwasser Immer wieder waren Hausbesitzer in Königsbrunn nördlich von Augsburg in den letzten Jahren mit nassen Kellern durch erhöhte Grundwasserstände konfrontiert, teils über Monate hinweg. Die Anwohner glauben, versickerndes Wasser aus dem Lochbach sei der Grund dafür. Nun soll der Bach abgedichtet werden.

tungsmaßnahmen am Lochbach als »Gewässerunterhaltungsmaßnahmen« ein und lehnte eine Überprüfung ab. Zur Begründung legte sich das Ministerium die Gesetze passend aus: Die Ausleitungsrechte der Stadt Augsburg aus dem Lech in den Lochbach und die damit verbundenen Unterhaltsverpflichtungen seien vor Inkrafttreten der FFH-Richtlinie von 1992 begründet worden. Daher bedürfe es keiner nachträglichen Verträglichkeitsüberprüfung.

Ansicht der BN-Kreisgruppe Kempten-Oberallgäu gravierende fachliche Mängel auf. So soll ein Speicherteich für die Beschneiungsanlagen ausgerechnet auf einer geschützten artenreichen Magerwiese entstehen (siehe Foto: mit blühenden Orchideen). Zusätzliche Schneekanonen und eine Flutlichtanlage ziehen schwere Eingriffe in Natur und Landschaft nach sich, die billigend in Kauf genommen werden, um die Skiverbandslobby zu bedienen und vielleicht ein bisschen mehr Tourismus ins Allgäu zu locken. Die »Rüstungsspirale« touristischer Infra-

Gefährdet Die Abdichtung des Lochbachs bedroht die Biotope im Augsburger Stadtwald mit ihren seltenen Tier- und Pflanzenarten, darunter Blaukernauge und Sumpfgladiole.

Der Naturwissenschaftliche Verein für Schwaben und die Kreisgruppe Augsburg des Bundes Naturschutz haben gegen diese Rechtsauffassung massiv protestiert und setzen sich für eine ordnungsgemäße Verträglichkeitsprüfung ein, damit durch die Abdichtung nicht unwiederbringlicher Schaden im geschützten Stadtwald angerichtet wird. Barbara Zach (asw)

struktur wird so weiter gedreht – und vom ehemals werbewirksam inszenierten »Ökomodell« der Gemeinde Bad Hindelang bleibt keine Spur mehr. Zimmer frei: Ein »Hotel« für Insekten entstand im Rahmen einer Pflanzaktion, die die BN-Ortsgruppe Schwabmünchen und der Langerringer Obst- und Gartenbauverein für die neugeborenen Kinder des Jahrgangs 2004 veranstalteten. Die neue Grünanlage im Zentrum der schmucken schwäbischen Gemeinde wird nun durch einen geräumigen aufgeständerten Holzkasten bereichert, der Lebensraum für verschiedenste

Insektenarten bietet. Wenige Tage nach der Eröffnung herrschte bereits reger Flugverkehr, und etliche Nistplätzchen sind schon fest vermietet. Das Insektenhotel lockte auch viele menschliche Besucher sowie Rundfunk und Fernsehen an. Mit weiteren Aktionen, darunter einem Wettbewerb um das schönste »Insektenhotel«, wollen BN und Gartenverein dazu animieren, auch in privaten Hausgärten derartige Nistgelegenheiten zu schaffen.

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Fotos: Pfeuffer

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Foto: Zacher

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Fotos: KG Bad Kissingen

Faszination Wasser Die Kinder machten bei den angebotenen Aktionen des Umweltbildungsprojekts begeistert mit. Informationen und ein Detailprogramm können bei der Geschäftsstelle Sinntal, Fuldaer Str. 2, 97769 Bad Brückenau (Tel. 0 97 41 -93 87 58, Fax 93 87 59, BN-Badkissingen@gmx.de) angefordert werden.

Kreisgruppe Bad Kissingen

Mit allen Sinnen

NATU R NOTIZEN AUS U NTER FRAN KEN

it dem Fernglas Ausschau halten nach Gebirgsstelze und Wasseramsel, ins Reich der Wassertropfen eintauchen und mit Binokularen und Becherlupen die geheimnisvollen Wasserwelten eines Rhöner Wildbachs entdecken: all dies und noch viel mehr konnten Bad Kissinger Kinder, Jugendliche

Abgelehnt: Der BN und viele Bürger hatten sich gegen das in Dettelbach geplante Krematorium gewehrt (s. N+U 2-05). Nun scheint die Flamme für das Vorhaben erloschen zu sein. Nach dem Nein des Stadtrates folgte die Ablehnung im Landratsamt. Begründung: Nach einer Entscheidung des Verwaltungsgerichts Regensburg und des Verwaltungsgerichtshofes in München ist der Bau einer Feuerbestattungsanlage in einem Gewerbegebiet aus Pietätsgründen planungsrechtlich unzulässig. Bürgermeister Kuhn, einst Feuer und Flamme für das Krematorium, fand nun, »das Seelenheil der Stadt« hänge nicht von der Genehmigung ab.

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und Erwachsene im vergangenen Jahr im BN-Umweltbildungsprojekt »RHÖNer WASsER-LEBEN« unternehmen. »Wir wollen zeigen, dass man in der Rhöner Natur wirklich was erleben kann«, so Dr. Stephan

Autobahn: Mit Nachdruck abgelehnt hat der BN den sechsspurigen Ausbau der A3 bei Hösbach im Landkreis Aschaffenburg. Die Naturschützer kritisieren besonders die ökologischen Folgen der Trassenverlegung und die neu geplante Kauppenbrücke. Trasse und Brücke sollen genau dort entstehen, wo der Landkreis die höchste Dichte an seltenen Arten und Biotopen aufweist; zudem würden die Eingriffe ein für die Bevölkerung Waldaschaffs unersetzliches Naherholungsgebiet entwerten. Allianz: Nach 18 Jahren haben sich die Kreisgruppen

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Schweinfurt-Stadt und Schweinfurt-Land wieder zu einer mitgliederstarken und schlagkräftigen »Kreisgruppe Schweinfurt« zusammengefunden. Dem neu gewählten Vorstand gehören Erhard Weck und Volkmar Wohlfart als stellvertretende Vorsitzende, Ernst Bohlig als Erster Vorsitzender (siehe Foto, v.li., mit Landesgeschäftsführer Peter Rottner und Sebastian Schönauer vom Landesvorstand), Margit Hettrich als Finanzchefin und Mica Steinbach als Schriftführerin an.

Foto: KG Schweinfurt

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Das seit 2004 laufende Umweltbildungsprojekt »RHÖNer WASsER-LEBEN« der Kreisgruppe Bad Kissingen des Bundes Naturschutz kann auf eine erfolgreiche Bilanz für das erste Jahr seines Bestehens zurückblicken. Die Wissensvermittlung rund um das Thema Wasser wird in Kooperation mit dem Naturschutzprojekt »SINNAllianz« umgesetzt.

Kneitz, Biologe bei der Kreisgruppe. Für die Durchführung der Veranstaltungen und Aktionen wird Kneitz von einem kleinen Team erfahrener Erzieherinnen unterstützt. 300 begeisterte Teilnehmer beweisen, dass die Fördermittel des Umweltfonds des Freistaats Bayern gut angelegt sind. Familien mit »Wilde Wasser«-Tagen die Natur näherzubringen, Wissen in spielerischer Form zu vermitteln und für die Vielfalt und Faszination des Wassers zu begeistern, sind wichtige Bausteine in dem vielseitigen Projekt, für das die Kreisgruppe mit der »SiNNAllianz« zusammenarbeitet. Das Jahr 2005 steht dabei ganz im Zeichen der »Wasser-Kunst«: Aktionstage mit regionalen Künstlern in Bad Kissingen, Bad Brückenau, Hammelburg und Münnerstadt, digitale Naturfotografie, Wassererlebnis auf Leinwand oder »SaaleSinn- und Thulba-Landart« sollen das »RHÖNer WASsER-LEBEN« im gesamten Landkreis unvergesslich machen. Helmut Schultheiß (asw)

Aufgewertet: Fünf RhönLandkreise aus Bayern, Thüringen und Hessen haben ein gemeinsames Biosiegel für Naturprodukte aus der Rhön entwickelt. Die Initiative soll das Biosphärenreservat Rhön auch als Produktionsstandort für hochwertige landwirtschaftliche Produkte wie Rhönlamm und Rhöner Streuobst bekannt machen und Projekte der Regional- und Direktvermarktung stärken. Der BN hat hier mit dem Rhönschafprojekt wichtige Grundlagen geschaffen.


Gerettet: Über FFH-Gebiete der Frankenhöhe im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim verläuft eine HubschrauberTiefflugroute der US-Army. In dem Gebiet brütet auch ein Brutpaar des raren Rotmilans (siehe Foto). Im letzten Jahr wurde während Tiefflugübungen der Horst mitsamt Jungen von Hubschraubern zu Boden geworfen. Mitglieder der BN-Kreisgruppe kontaktierten die US-Militärs, die zusicherten, während der Brut- und Aufzuchtzeit die Tiefflugroute im FFH-Gebiet nicht zu nutzen. Bislang hielten sich die Hubschrauberpiloten

Foto: Groß

ktive des Bundes Naturschutz (BN), darunter Sigi Liepelt, Thomas Franke, Jörg Straßburger, Elisabeth Bahr und Teichwirt Lorenz Möhring, kümmern sich um die fünf Weiher im Besitz der Kreisgruppe. Ohne Düngen, Kalken und Zufüttern werden in den extensiv bewirtschafteten Fischteichen mit ihren naturnahen, ausgedehnten Verlandungszonen jährlich etwa 15 Zentner Karpfen erzeugt. Dieses Umfeld kommt seltenen und bedrohten Tier- und Pflanzenarten zu Gute, wie dem Moderlieschen und dem Schlammpeitzger (Misgurnus fossilis, siehe Foto), der sauerstoffarme Verlandungszonen bewohnt und auch über die Haut und den Darm atmen kann. Seit Bewirtschaftung durch den BN hat sich dieser Exot der heimischen Fischfauna im acht Hektar großen Blätterweiher erfolgreich erholt: Lag Ende der neunziger Jahre der Bestand nahe Null, gibt es dort heute wieder rund 2000 Exemplare. Die naturnahe Teichbewirtschaftung ist unter Marktbedingungen nicht rentabel. Das BN-Projekt ver-

Kreisgruppe Höchstadt-Herzogenaurach

Karpfen pur Natur Mit ihrem Naturschutzprojekt »Karpfen pur Natur« verbindet die Kreisgruppe HöchstadtHerzogenaurach des Bundes Naturschutz erfolgreich Arterhaltung, biologische Teichwirtschaft und Regionalvermarktung. Die von ihr nachhaltig bewirtschafteten Weiher im Aischgrund liefern nicht nur Karpfen für umweltbewusste Genießer, sondern bieten auch Lebensraum für andere, seltene Fischarten wie den Schlammpeitzger.

steht sich auch nicht als Konkurrenz für die konventionelle Teichwirtschaft, sondern will stattdessen möglichst viele naturnahe TeichLebensräume aufbauen und zu einem Verbundsystem für seltene Arten vernetzen. Dazu betreibt die Kreisgruppe intensive Öffentlichkeitsarbeit und informiert Teichwirte über bestehende Förderprogramme zur Umstellung der Produktionsweise. Die quasi »nebenbei« extensiv erzeugten Karpfen werden

daran, und das Rotmilanpaar hat im Frühjahr wieder mit der Brut begonnen. Storch im Netz: Die »Storchenkamera« der BN-Ortsgruppe Dinkelsbühl feierte ihren vierten Geburtstag. Aus der anfänglichen Funkübertragung vom Nest auf dem Dach des alten Rathauses ins Schaufenster einer Apotheke entstand 2001 die Live-Übertragung per »Webcam« ins Internet. Heuer, im fünften Brutjahr, überschritt die Website www.storch24.de die Traumgrenze von einer Million Besuchern. Das inzwischen auf

Fotos: KG Höchstadt-Herzogenaurach

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Aischgründer Karpfen Auch in diesem Jahr steht in den Monaten mit »R« wieder naturnah erzeugter Karpfen aus den BN-Weihern im Aischgrund auf dem Speisezettel.

als hochwertiges Nischenprodukt unter dem Label »Karpfen pur Natur« vermarktet. Umfragen zeigten, dass Verbraucher, Händler und Gastronomen bereit sind, für solche qualitativ hochwertigen Speisefische auch einen höheren Preis zu entrichten. Tom Konopka (asw)

1300 Seiten angewachsene Storchentagebuch gibt Einblick in das Tagesgeschehen am Nest und die interessante Biologie dieses Vogels.

heimer Variante diskutiert werden, die eine Verkehrsstudie sogar als »Vorzugsvariante« bezeichnet.

Verhindert: Beim Bürgerentscheid im April 2005 folgten die Treuchtlinger dem Vorschlag des Bürgerforums und lehnten mit drei Viertel der Stimmen die geplante »Nagelbergtrasse« ab. Für den Bau der Trasse gab es bereits eine Finanzierungszusage des Freistaates, doch mit dem Entscheid muss jetzt endlich die vom BN favorisierte Detten-

Ausgezeichnet: Die Freiwillige Feuerwehr Neustadt erhielt für ihren Einsatz für die Störche im Landkreis den Umweltpreis der BN-Kreisgruppe. Kreisvorsitzende Christine Wolf-Mutzke überreichte Kommandant Werner Sandmann und seiner Truppe die Auszeichnung (siehe Foto). Die Feuerwehrleute säubern Nester, beringen die Vögel und übernehmen sogar die Versorgung elternloser Jungtiere.

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Foto: Besendörfer, FLZ

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Foto: Ziegler

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Ideen für ein Apfelfest

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Foto: Schreiner

Vielfalt im Überblick Weitere Infos und das Jahresprogramm erhalten Sie beim BN-Bildungswerk, Schloss Wiesenfelden, Straubinger Straße 5, 94344 Wiesenfelden, Tel. 0 99 66-12 70, Fax 0 99 66-9 02 00 59, bw@bund-naturschutz.de, www.bnbildungswerk.de

er Apfel, Symbol der Verführung. Wer möchte widerstehen, wenn sich ihm ein praller, runder und roter Apfel zum Reinbeißen anbietet? Im Bildungswerk Schloss Wiesenfelden muss diesem Genuss niemand entsagen. Hier feiert man die schöne Frucht gleich mit einem großen Fest. Dass der Apfel dabei

weit mehr als nur den Gaumen erfreut, zeigt die bunte Palette origineller Ideen rund um das Apfelfest: Mit Begeisterung pflücken Eltern und Kinder die Äpfel von den knorrigen Obstbäumen im Schlosspark und pressen anschließend ihren eigenen Saft, den sie mit nach Hause nehmen. Am Basteltisch herrscht großer Andrang, Kreative nähen bunte Wichtelhüte aus Filz, bemalen Apfelmasken und verwandeln sich

Neues Internet-Angebot

Umweltbildung vor Ort

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ltern, Lehrer und Erzieher aufgepasst: Das neue BN-Netzwerk »Umweltbildung vor Ort« stellt auf einer ebenfalls neuen Internetseite seine Projektideen und Erfahrungen vor. Ein Besuch auf der Website vermittelt Anregungen für die Gestaltung des eigenen Unterrichts und macht auf Naturerfahrungs-Angebote der BN-Kreisgruppen für Schulklassen und Jugendgruppen aufmerksam. Damit erschließt die Internetseite eine riesige Vielfalt an Ideen für die Umweltbildung: Der Bund Naturschutz bietet jedes Jahr mehr als 1300 Bildungs-Projekte für rund 20 000 Kinder in ganz Bayern an. Die ersten beispielhaften Angebote mit Kontaktadressen sind ab sofort im Internet zu sehen. Vom rollenden Freiluft-Klassenzimmer bis zum »Abenteuer Wald, Wiese und Hecke«, von der »Reise ins Erdreich« bis zu Biber-Lehrpfad und Land-Art reicht die Palette. Zudem soll die Seite künftig Spiele und Arbeitsblätter zum Download anbieten. Reinschauen, staunen, anmelden! www.bund-naturschutz.de/kontakt/ wartaweil/UmweltbildungvorOrt.html Weitere Infos: Naturschutz- und Jugendzentrum Wartaweil, Tel. 0 81 52 - 96 7 7-08, wartaweil@bundnaturschutz.de Holger Lieber, Axel Schreiner

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DEN HERBST BEWUSST ERLEBEN

Foto: Seitz-Weinzierl

Rund, rot, Riesen-Gaudi

in Apfelwichtel-Männchen, die das rege Treiben im Schlossgarten zusätzlich farbenfroh beleben. Andere stellen sich mit viel Spaß der Herausforderung, die längste Apfelschale abzuschälen. Der Rekord liegt derzeit bei 2, 37 Metern. Die geschälten Äpfel wandern in die Schlossschänke, wo sie das üppige Apfelbüfett bereichern – oder man brät die runden Früchte selbst über dem knisternden Lagerfeuer. Lust aufs nächste Apfelfest? Im Umweltzentrum Schloss Wiesenfelden findet es am 9. Oktober 2005 statt. Wer nicht warten und sein eigenes Apfelfest feiern will, der kann sich weitere Anregungen holen im Dokumentationsheft III »Sehnsucht Wildnis« des BN-Bildungswerkes. … Damit wir morgen kraftvoll zubeißen können! Beate Seitz-Weinzierl, Holger Lieber

Wege zum Wohlgefühl Geheimnisvolle Schwarzach

Eine außergewöhnliche Flusswanderung führt zu Fuß, mit dem Bus und dem Kanu zu den Geheimnissen des urwüchsigen Flusslebewesens Schwarzach. Die Teilnehmer wandern von der Quelle bis zur Mündung, durchqueren dabei den Oberpfälzer Wald und Teile des Böhmerwaldes, begleitet von Lyrik und Musik, Wissenswertem über Flora und Fauna, Geschichte und Geschichten, Leben und Kultur am Fluss. Für Unterkunft und das leibliche Wohl wird gesorgt.  Neunburg vorm Wald, 1. – 4. September 2005 Foto: Bäumler

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Gesund durch die Jahreszeiten Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) gehört zu den ganzheitlichen natürlichen Heilmethoden und wird inzwischen auch in unserem Land erfolgreich praktiziert. Sie ist ein altes medizinisches Lehrsystem, das auf der Beobachtung von Körperreaktionen beruht und sich unter anderem auf die fünf Elemente mit ihren Wandlungsphasen stützt. Dabei spielen auch die Jahreszeiten eine große Rolle. Bei diesem Fortbildungsseminar werden neben den theoretischen Ausführungen vor allem praktische Übungen aus dem Qigong Gelegenheit geben, die naturverbundene traditionelle chinesische Medizin kennen zu lernen und selbst zu erfahren.  Wiesenfelden, 8./9. Oktober 2005


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BN-BILDUNGSWERK | TEL. 0 99 66 - 12 70 Steinzeitlager für Kinder Wiesenfelden, 6. / 7. September 2005

Fantasien aus Holz Kunstwerkstatt Wiesenfelden, 16. – 18. September und 7. – 9. Oktober 2005

Lustige Gesellen in Garten und Feld

Gesund durch die Jahreszeiten Foto: Seitz-Weinzierl

Auf den Spuren der Neandertaler

Wir basteln eine Vogelscheuche »Wilder Sonntag« für Familien Wiesenfelden, 18. September 2005

Traditionelle Chinesische Medizin und Qi Gong Wiesenfelden, 8. / 9. Oktober 2005

Vom Heimatschutz zur Nachhaltigkeit 100 Jahre Naturschutzgeschichte in Bayern Wiesenfelden, 21. / 22. Oktober 2005

Naturspielräume für wilde Kerle Naturnahe Spielplatzgestaltung in Theorie und Praxis Wartaweil, 25. – 27. Oktober 2005

Naturschutzforschung Südbayern Seefeld, 28. / 29. Oktober 2005

BN-VERANSTALTUNGEN Mainfrankenschau

Consumenta

Verbrauchermesse Kempten, 13. – 21. September 2005 Kontakt: BN-Landesfachgeschäftsstelle, Tel. 09 11-8 18 78 21

Verbrauchermesse Würzburg, 1. – 9. Oktober 2005 Kontakt: BN-Kreisgruppe Würzburg, Tel. 09 31-4 39 72

Verbrauchermesse Nürnberg, 29. Oktober – 6. November 2005 Kontakt: BN-Landesfachgeschäftsstelle, Tel. 09 11-8 18 78 21

Foto: Grabe

Allgäuer Festwoche

Rhönschaf-Fest Feier zum 20-jährigen Bestehen des BN-Rhönschafprojekts Ginolfs / Rhön, 11. September 2005 Kontakt: BN-Landesfachgeschäftsstelle, Tel. 09 11- 8 18 78 14

Hafenlohrtal-Fest Rothenbuch, 18. September 2005 Kontakt: BN-Kreisgruppe Main-Spessart, Tel. 0 93 91-43 78

Tag der Regionen Hunderte Märkte, Feste und Führungen in ganz Bayern 2. Oktober 2005 Kontakt: BN-Landesfachgeschäftsstelle, Tel. 09 11-8 18 78 21

WEITERE TERMINE Wasserzeichen

Foto: Mooser

Der vielfach ausgezeichnete Lichtbildner Bruno Mooser zeigt in der Ausstellung »Wasserzeichen« neuere Aufnahmen von der Donau bis zur Vydra. Finsterau, bis 29. September 2005 Kontakt: Freilichtmuseum Finsterau, Tel. 0 85 57-9 60 60

Obstanger in der Hersbrucker Alb Sonderausstellung über die von Obstbäumen bestandenen Weideflächen. Hersbruck, noch bis 16. Oktober 2005 Kontakt: Deutsches Hirtenmuseum Hersbruck, Tel. 0 91 51-21 61

Umweltmesse Neunburg Neues aus den Bereichen Umwelt, Gesundheit und Ernährung Neunburg, 15. – 16. Oktober 2005 Kontakt: Umweltstation FUKS, Tel. 0 96 72-92 58 38

Transsibirischer Winter

Wanderungen durch felsige Küstengebirge, subtropische Vegetation, malerische Dörfer und zu romantische Burgen. Italien, 26. September – 3. Oktober 2005

Hallig Hooge

Mit der legendären Transsibirischen Eisenbahn quer durch Russland bis zum Baikalsee: eine Winterreise von märchenhaftem Zauber. Russland, 19. Februar – 9. März 2006

Faszination Wattenmeer: »Nicht Meer, nicht Land, und doch bewohnt.« Mit über drei Millionen Vögeln, die hier pro Jahr leben oder rasten, ist es eines der vogelreichsten Gebiete der Erde. Deutschland, 22. – 28. Oktober 2005

BN-Reisen präsentiert BIO-Hotels Die attraktiven, zertifizierten BIO-Hotels nun auch im Internet. Exklusive BN-BIOHotels-Pauschalarrangements unter www.bn-reisen.de

Andalusien Afrikanisches Flair im Süden Europas erleben: römische und arabische Architektur, Halbwüsten, Hochgebirge – und die bekömmliche andalusische Küche. Spanien, 21. – 31. Oktober 2005

Foto: Bisping

Ligurien und Cinque Terre

Sie lieben den Vogel des Jahres 2005 ?! Dann schauen Sie doch einmal in

www.uhuallerlei.de

Herausgeber: Bund Naturschutz in Bayern e.V. (BN), vertreten durch Peter Rottner, Landesgeschäftsführer, Dr.-Johann-Maier-Str. 4, 93049 Regensburg, www.bund-naturschutz.de Leitender Redakteur (verantw.): Manfred Gößwald (göß) Redaktion: Holger Lieber (hl), Andrea Siebert (asw), Christoph Markl-Meider (cm), Tel. 09 41 2 97 20-22, Fax -31, nu@bund-naturschutz.de Mitglieder-Service: Tel. 09 41 -2 97 20-29 und -20 Gestaltung: Gorbach GmbH, Utting a. Ammersee (Layout: Waltraud Hofbauer) Titelfoto: Brigitte Beck Litho: PHG GmbH, Augsburg Redaktion BUND-Magazin: Severin Zillich (verantw.), Am Köllnischen Park 1, 10179 Berlin, Tel. 0 30 -27 58 64-57, Fax -40 Druck und Versand: Brühlsche Universitätsdruckerei Gießen Anzeigen: BN Service GmbH, Eckertstr. 2, Bahnhof Lauf (links), 91207 Lauf an der Pegnitz, Tel. 0 91 239 99 57- 30, Fax -99, info@service.bund-naturschutz.de Auflage: 95 000 Bezugspreis: Für Mitglieder im Beitrag enthalten, für Nichtmitglieder Versandgebühr ISSN 0721-6807 BN-Konto: Bank für Sozialwirtschaft, Konto 8 885 000, BLZ 700 205 00 BN-Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft, Konto 8 844 000, BLZ 700 205 00 Mit Namen gezeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder des BN wieder. Nachdruck nur mit Genehmigung des BN. Für unverlangt eingesandte Artikel oder Fotos keine Gewähr. Die Redaktion behält sich das Recht vor, Leserbriefe zu kürzen. »Natur+Umwelt« wird auf 100 % Recyclingpapier gedruckt.

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Natur+Umwelt 3-2005