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Natur+Umwelt www.bund-naturschutz.de Heft 4-2017  99. Jahr  4. Quartal

Gut leben – nur wie? Maß halten: Warum Suffizienz so wichtig ist


WIR SAGE N DAN KE

JANDA+ROSCHER, Die WerbeBotschafter

Foto: Thomas Stephan, fotolia.de, istockphoto.com, gettyimages.de

DANKE! HERZLICHEN DANK FÜR IHRE UNTERSTÜTZUNG! Rund 228 000 Menschen tragen die Arbeit des BUND Naturschutz mit ihrem Mitgliedsbeitrag, ihren Spenden, mit ehrenamtlicher Arbeit und Engagement. Sie alle sind der BUND Naturschutz. Sie alle sind Teil einer großen Gemeinschaft, die ihren Teil dazu beiträgt die Welt ein bisschen besser zu machen. Vielen, vielen Dank dafür und bleiben Sie uns weiter treu!

Hier beigeheftet finden Sie unsere beliebten Geschenkeanhänger. Hinten im Heft wartet eine Weihnachtskarte darauf, verschickt zu werden. Ein Tipp, wenn Sie noch ein Geschenk suchen: ökologisch sinnvolle Präsente finden Sie im BUND Naturschutz Online-Shop: service.bund-naturschutz.de

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Natur + Umwelt 4-2017

Inhalt BUND Naturschutz Bayern 4–5 Intern

6 Leserbriefe

7 Porträt

8 Raus in die Natur

9 Reise Schneeschuhwandern in Südtirol

10–21 Titelthema

22 Pflanzenporträt Christrose

23 Fotoseite

24 Natur in der Stadt

25 Vor 25 Jahren wurde der Rhein-Main-Donau-Kanal eröffnet

26/27 Aktuell Flächenschutz

Gut leben – nur wie?

28/29 Naturschutz  Grünes Band 30/31 Ökospot

Inhalt BUND

32/33 BN vor Ort aktiv  Als Biberberater im Einsatz

34–41 Riedberger Horn und mehr Regionales

42 Bildung

43 Service

B1 Editorial und Inhalt

B2/B3 Magazin Kurznachrichten

Unser Ressourcenverbrauch ist zum globalen Problem geworden. Was also tun? Manche Menschen versuchen sich bewusst in Minimalismus, was Konsum und Behausung anbelangt, wie auf unserem Titelbild. Doch wir brauchen auch die richtigen Weichenstellungen durch die Politik. Seiten 10 – 21

B4 Kommentar  ... zur Bundestagswahl B6/B7 Zur Zeit  Deutscher Umweltpreis, Grünes Band B8/B9 Aktionen B10–B15 Zur Zeit Dieselskandal und mehr Aktuelles

B18/B19 Internationales  Klimaschutz, Interview mit Karin Nansen B20/B21 Junge Seite

Liebe Leser

B22 Persönlich  Christoph Hassel

Zu Redaktionsschluss stand noch nicht fest, was die Klimakonferenz 2017 in Bonn beschließen wird. ­Vermutlich weniger als notwendig. Wirksame Maßnahmen durchzusetzen erscheint schwierig in einer Zeit, in der der amerikanische Präsident den Klimawandel für einen PR-Coup der Chinesen hält. Aber auch in populistischen Kreisen in Europa bedient man sich gerne »alternativer Fakten«, um den Klimawandel zu leugnen. Wir stehen also vor gleich zwei enormen Herausforderungen: zum einen, wie wir den Klimawandel abbremsen können, zum anderen, wie wir Menschen erreichen, die sich geistig in ein Parallel­ universum verabschiedet haben und immun gegen Wahrheit und Fakten geworden sind. Ihre Luise Frank, Redakteurin Natur+Umwelt

Flächenschutz

Tagtäglich verschwindet ein Stück Bayern unter Asphalt und Beton. Gewerbegebiete prägen ganze Regionen. So kann es nicht weitergehen. Der BUND Naturschutz macht sich stark für den Schutz von Bayerns Schönheit. Seite 26/27

Foto: DBU/Himsel

B16/B17 Natura 2000  Kehdinger Marsch

Hohe Auszeichnung

Gleich zwei Naturschützer des BUND Naturschutz erhielten im Oktober den Deutschen Umweltpreis für ihre Verdienste um das Grüne Band: der Vorsitzende Hubert Weiger und der Artenschutzreferent Kai Frobel. Seite B6

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Foto: Toni Mader

Beiratssprecher im Amt bestätigt

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Foto: Natascha Winter

m Rahmen der Delegiertenversammlung fand dieses Jahr die Neuwahl des BN-Beirates statt, die alle vier Jahre abgehalten wird. Dieses Gremium hat 36 Mitglieder und unterstützt den Vorstand fachlich und inhaltlich, man könnte es als eine Art verkleinerte Delegiertenversammlung bezeichnen. Mit der

Liebe Mitglieder

Im Bild (vo. li.): Detlef Fischer, Geschäftsführer des VBEW, BN-Landes­ beauftragter Richard Mergner, Herbert Barthel, BN-Referent für Energie und Klimaschutz, und Wolfgang Brandl, Vorstandsvorsitzender des VBEW.

Gespräche für Mobilität mit Zukunft

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m Sommer hatte der BN Vertreter des Verbandes der Bayerischen Energie und Wasserwirtschaft e. V. (VBEW) zu Gast. Diskutiert wurden Themen der Energiewende – zum Teil kontrovers, zum Teil auch mit gleichem Ziel und Bewertung. Der VBEW sieht die Notwendigkeit, für den Klimaschutz eine Kohlendioxidsteuer auf den Verbrauch von Energieträgern zu erheben. Der BN fordert dies seit Langem. VBEW und BN sehen in der Elektromobilität einen wichtigen Schritt der Verkehrswende für den Klimaschutz.

Ja zum Flächenschutz!

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in ereignisreiches Jahr neigt sich dem Ende entgegen – ein Jahr, in dem in Sachen Natur- und Umweltschutz viele Entwicklungen begonnen haben. Manche sind erfreulich, andere besorgniserregend. Wer hätte Anfang des Jahres vermutet, dass die Bayerische Staatsregierung sich klar für einen dritten Nationalpark aussprechen würde? Die Freude darüber wird ­allerdings getrübt von der politisch motivierten Entscheidung, die geeignetsten Gebiete, nämlich die wertvollen Wälder im Steigerwald und im Spessart, auszuschließen. Der BUND Naturschutz wird dennoch die Konzeptionierung des dritten Nationalparks konstruktiv begleiten, aber es muss

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Neuwahl des Beirates verbunden ist auch die seines Sprechers. Hier wurde in der ersten Sitzung Manfred Engelhardt, der dieses Amt bereits innehatte, in seiner Position bestätigt, bei seinem Stellvertreter setzt man ebenfalls auf erfahrene Kräfte: Diese Funktion wird weiterhin Reinhold König wahrnehmen.

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auch klar sein: Das Kapitel Steigerwald und Spessart ist für uns noch lange nicht abgeschlossen! Nach den Bundestagswahlen wartet das ganze Land gespannt darauf, welche Koalition Deutschland in den kommenden vier Jahren regieren wird. Ob nun Jamaika oder ein anderes Bündnis: Wir fordern die nächste Bundesregierung auf, mit Energiewende und Klimaschutz endlich ernst zu machen. Sonst wird der einstige Energiewende-Hoffnungsträger Deutschland an seinen eigenen Klimazielen krachend scheitern! Und die neue Regierung muss sich für einen gerechten Welthandel einsetzen. Der BN und sein Bundesverband werden sich auch dafür stark machen, dass die neue Regierung die längst überfällige

Naturbotschafter sammelten Spenden

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ie Sammelwoche für Bayerns Natur verlief 2017 in einigen Orten etwas anders als sonst. Denn dort waren die BN-Naturbotschafter unterwegs. Sie baten nicht nur um Spenden für den Umweltschutz, sondern überbrachten eine kleine Naturbotschaft in Form eines Naturgedichts oder eines schönen Spruches. Diese neue Form der Haus- und Straßensammlung machte den jungen Naturbotschaftern viel Spaß und wird nächstes Jahr fortgesetzt. Auch dort, wo BN-Aktive auf die altbewährte Durchführung der Sammelwoche setzten, zeigten sich die Bürgerinnen und Bürger großzügig. Rund 520 000 Euro kamen insgesamt zusammen. Geld, das der BUND Naturschutz für seine vielen großen und kleinen Projekte mehr als gut gebrauchen kann. Besonders fleißig waren die Schülerinnen und Schüler der Realschule Taufkirchen. Sie sammelten 6886,84 Euro. Den höchsten Betrag als einzelner Sammler erzielte Josef Baumgartner aus Kiefersfelden. Seit 1980 ist er jedes Jahr unterwegs, um Spenden für die Natur zu sammeln. Dieses Jahr übergab er dem BN die stolze Summe von 4335,62 Euro. Herzlichen Dank! ­ grarwende in Angriff nimmt. Die A Menschen wollen eine Landwirtschaft, in der Bauern mit Respekt vor der Natur und den Nutztieren gesunde Lebensmittel produzieren – zu Preisen, die dem Wert ihrer ­Arbeit entsprechen. Ebenso werden wir uns weiterhin einsetzen für eine lebendige, starke Demokratie – auf bayerischer, deutscher und europäischer Ebene. Der Einzug von rechtspopulistischen Abgeordneten in den Bundestag und der zunehmende Nationalismus in mehreren europäischen Ländern erfordern eine starke Zivilgesellschaft, welche sich für ein Europa der Vielfalt und der Menschenrechte einsetzt. Eine der besorgniserregendsten Entwicklungen der vergangenen Jahre in Bayern ist der anhaltend


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ayern sähe anders aus, gäbe es den BUND Naturschutz nicht. Viele Landschaften wie der Königssee im Süden, das Hafenlohrtal im Norden oder die Waldnaab-Aue bei Gumpen würden in ihrer jetzigen, ursprünglichen Form nicht mehr existieren. Die Donau wäre in ihrem letzten frei fließenden Abschnitt im Gebiet der Isarmündung schon lange kanalisiert und gestaut, auch den Weltenburger Donaudurchbruch bei Kelheim gäbe es nicht mehr. In oft Jahre und Jahrzehnte

hohe Flächenverbrauch. Mit der weiteren Aushöhlung der Gesetze zum Schutz vor Zersiedelung hat die Regierung einen Frontalangriff auf die Reste bayerischer Natur eingeleitet. Aus dem Ministerium von Heimatminister Markus Söder kommt die Planung für eine Änderung des Landesentwicklungsprogramms. Besonders die weitere Lockerung des Anbindegebots würde einer ungehemmten Zersiedelung des Freistaats Tür und Tor öffnen. Als Reaktion darauf haben die Grünen in Bayern gemeinsam mit der ödp und der »Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft« ein Volksbegehren gegen Flächenverbrauch auf den Weg gebracht. Dieses Volksbegehren ist eine wichtige Initiative. Der BUND Na-

Ihr Peter Rottner Landesgeschäftsführer

turschutz kann sich diesem Vorhaben aber in der aktuellen Form aufgrund seiner Überparteilichkeit nicht anschließen. Dank vieler Erfahrungen mit Volksbegehren wissen wir im BN, dass für einen Erfolg ein guter Gesetzentwurf und ein breites gesellschaftliches Bündnis erforderlich sind. Deshalb gibt es derzeit im Verband eine breite Diskussion im Vorstand, im Beirat und in den Kreisgruppen, ob sich der BN dem Volksbegehren der Grünen anschließen soll. Als Alternative haben wir einen umfassenderen Gesetzentwurf zum Schutz wertvoller Landschaften in Bayern und zum Schutz des Alpenplans entwickelt, der mit potenziellen Bündnispartnern diskutiert wird. Ein so bedeutendes Thema wie Flächenschutz

Sie brauchen sich um nichts zu kümmern – wir erledigen alles für Sie Wir ziehen die neuen Beiträge ab 2018 über das vor­ liegende SEPA-Mandat ein. Die Fälligkeitstermine Ihrer Beiträge bleiben unverändert. Sie erkennen unsere Lastschrift an unserer Gläubiger-Identifikationsnummer DE52 0010 0000 2840 19. Als Mandatsreferenz verwenden wir Ihre Mitgliedsnummer. Sie finden diese Nummer auch auf Ihrem ­Adressaufkleber dieser Mitgliederzeitung direkt über Ihrer Anschrift. Sie nehmen noch nicht am Lastschriftverfahren teil? Das ist schade. Denn eine Rechnungsstellung macht mehr Arbeit, belastet die Umwelt und kostet jedes Mal einen Anteil Ihres Mitgliedsbeitrages. Dieses Geld fehlt dann der Naturschutzarbeit. Wenn Sie am Einzugs­ verfahren nun gerne teilnehmen möchten, informieren Sie bitte die zentrale Mitgliederverwaltung. Kontakt: Tel. 09 41-2 97 20 - 65 Mail: mitglied@bund-naturschutz.de Online: www.bund-naturschutz.de/ mitgliedsdaten-aendern

neuer Beitrag

Einzelmitgliedschaft

ab 60,00 Euro

Familien, (Ehe-)Paare

ab 72,00 Euro

Ermäßigte Mitgliedschaften

ab 24,00 Euro

Gemeinden und Kommunen

unverändert

Schulen, Vereine, Firmen

unverändert

betrifft alle, deshalb sollte ein Volksbegehren dazu in einem breiten gesellschaftlichen Bündnis vorangetrieben werden. Darauf arbeiten wir hin. Die letzte Entscheidung trifft in einem basisdemokratisch aufgebauten Verband wie dem BUND Naturschutz die Delegiertenversammlung im kommenden Frühjahr.

Foto: Roggenthin

Foto: Toni Mader

Liebe Mitglieder des BUND Naturschutz!

dauernder Arbeit konnte der BN diese Natur- und Landschaftsschätze vor der Zerstörung retten. Und es gibt leider weiterhin viel zu tun. ­Aktuell setzen wir uns beispiels­ weise am Riedberger Horn für die Bewahrung unserer Alpen ein. Dies alles kostet nicht nur direkt Geld, sondern erfordert auch eine politische und finanzielle Unab­ hängigkeit des BUND Naturschutz. Ein Garant für diese Unabhängigkeit sind Ihre Mitgliedsbeiträge. Die Höhe dieser Beiträge konnten wir die letzten sieben Jahre trotz verschiedener Kostensteigerungen ­stabil halten. Jetzt kommen wir aber nicht mehr umhin, sie entsprechend anzupassen. Bitte bleiben Sie auch bei einem monatlichen Beitrag von nun fünf Euro für eine Einzelmitgliedschaft an der Seite der Natur, als Mitglied im BUND Naturschutz. Wir danken Ihnen dafür von ­Herzen. Sollten Ihre finanziellen Möglichkeiten dies nicht erlauben, so lassen Sie es uns bitte wissen; wir werden gemeinsam eine Lösung finden, Sie dem BN als Mitglied zu erhalten.

Ihr Prof. Dr. Hubert Weiger, Vorsitzender des BN Ihre Doris Tropper, stv. Vorsitzende des BN Ihr Sebastian Schönauer, stv. Vorsitzender des BN

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Foto: privat

Hilfreiche Broschüre Eine Leserin bedankt sich für die neue Broschüre des BN. Für die gelungene Broschüre »Wilde Pflanzen vor der Tür« möchte ich mich bei den Bearbeitern ganz herzlich bedanken. Sie ist bestens geeignet, um sie Nachbarn in die Hand zu drücken, die mit etwas ­unsicherem Blick die »Wildnis« in unserem Garten betrachten. Wer es wagt, Wildnis im Kleinen zuzulassen, wird Vielfalt und Schönheit entdecken. Einheitsgrün und Gar-

tencenterdeko sind dagegen langweilig und leblos. Bei uns zirpt, singt, krabbelt und fliegt es überall und wir haben sehr viel Freude daran. Barbara Merkel, Bayreuth

Autonomes Fahren Zum Gastbeitrag »Technologische Entwicklungen intelligent nutzen« erreichte uns diese Zuschrift: Mit Befremden lese ich den Beitrag, der für eine Technologie wirbt, die für stressvermeidendes und entspanntes Fahren sorgen soll. Ich s­elber fahr nur mit dem Rad und ÖPNV bzw. Bahn. Jetzt sollte ich mir wohl so ein neues intelligentes Techno-Wunder zulegen, denn fahren mit dem Rad ist dank des flächendeckenden Autoverkehrs alles andere als stressfrei und entspannt.

Schreiben Sie uns!

Buchkauf Zu unseren Buchtipps erreicht uns folgender Vorschlag: Vielen Dank für Ihre Zeitschrift, die ich immer mit großem Interesse lese. Eine kleine Anmerkung hätte ich aber: auf S. 20, Buchtipp, steht »erhältlich im Buchhandel oder im Internet«. Wäre es nicht sinnvoller zu schreiben »erhältlich im Buchhandel oder zur Not im Internet«? Verpackung und Versand sind ja weiß Gott kein Beitrag zum Umweltschutz. Und den Geschäften vor Ort geht auch irgendwann die Luft aus. Caroline Krüger, München Wildnis wagen Zum Titelthema »Wildnis wagen« sandte uns ein Leser ein Gedicht: Gratulation zum sehr gelungenen Heft 2/2017 von Natur+Umwelt zum Thema »Wildnis wagen – warum unser Land wieder wilder werden muss«. Eine Anregung hätte ich aber noch: Ich bin der Meinung, dass ­literarische Beiträge, insbesondere Lyrik, die Artikel in Natur und Umwelt ideal ergänzen könnten. Gera-

de mit lyrischen Texten, aber auch mit kleinen Satiren, lässt sich ja so manches so richtig auf den Punkt bringen.

waldwirtschaft 1 der wald soll in quadraten wachsen rechtwinklig aufgeteilt mit ­rückegassen im gitternetz der waldwegachsen sind nur noch gerade linien zugelassen berge und hügel werden eifrig ­abgetragen das gibt dann reichlich material wenn man’s von allen steilen ­höhenflächen zum füllen nimmt für schlucht und tal nur noch was schnell wächst ist ­erlaubt ein baum soll schließlich kerzen­ grade sein und dass er taugt gilt überhaupt die ästebildung lässt er möglichst lange sein mit maschineneinsatz riesengroß kann dann akkordarbeit beginnen und schließlich wird man mühelos in baumplantagen reichlich geld ­gewinnen als unser herrgott einst die wälder schuf hat offensichtlich viele fehler er ­gemacht nun forstminister war nicht sein beruf sonst hätt er profitableres sich ­ausgedacht

Foto: iStock/chomsosan

Wir freuen uns auf Ihre Meinung: BN-Magazin »Natur+Umwelt«, Dr.-JohannMaier-Str. 4, 93049 Regensburg, oder an nu@bundnaturschutz.de Leserbriefe können gekürzt werden. Sie geben nicht die Meinung der Redaktion wieder.

Wenn das Autofahren wirklich so bequem wird, dann ist das geradezu eine Einladung, aufs unintelligente Fahrrad zu verzichten. Noch mehr Verkehr, noch mehr Straßen, noch mehr Parkplätze, noch mehr gesperrte Wege, zugeparkt und befahren, noch mehr Lärm, noch mehr Abgase. Alles auf Kosten der Natur und der Lebensqualität nichtautofahrender Menschen. Und wie ökologisch ist eigentlich so ein tonnenschweres, intelligentes Technik-Wunder, mit dem lächerliche 75 Kilo Mensch spazieren gefahren werden? Marianne Fromm, Augsburg

ps: unter waldwirtschaft versteh ich etwas anderes Hans Schütz, Peiting

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Karsten Schultz-Ninow

»Man braucht einen langen Atem« Seit 40 Jahren ist Karsten Schultz-Ninow im Vorsitz der Kreisgruppe Günzburg. Das Schwäbische Donaumoos und das AKW in Gundremmingen waren in diesen Jahrzehnten seine großen Themen.

igentlich unvorstellbar, was Karsten Schultz-Ninow da berichtet. Zu schön ist hier das Donauried: Ein Wald, in dem herbstliches Gelb und Orange aufflammen, eine offene Kieslandschaft mit langhalmigem Gras. In dem dunklen See spiegeln sich Wolken. Am Ufer herrschen Geschnatter und Flügelschlag: Hunderte von Graugänsen rasten heute hier, sammeln Kräfte vor ihrem Weiterflug nach Süden. »Da wäre wohl die Regattastrecke gewesen mit der Zuschauertribüne am Ufer«, erklärt Schultz-Ninow und weist aufs Wasser hinaus: »Und da drüben wären Hotel und Restaurant gebaut worden, dazu Parkplätze und eine Zufahrtsstraße.« 1985, als genau hier der ­massive Kiesabbau endete, glaubten Stadtpolitiker und Sportvereine, es sei ein Gewinn für Günzburg, zwei Baggerseen in eine 80 Hektar große Wassersportanlage zu verwandeln. Dazu hätte man weitere Moorflächen trockenlegen müssen. Wo doch schon über Jahre hinweg Zehntausende Liter Grundwasser abgezapft und nach Baden-Württemberg verkauft worden waren! Gleichzeitig hätte die künstliche Wasserfläche nahe Felder vernässt. »Unsere Kreisgruppe hat eine Interessengemeinschaft gegründet und auch die Jäger, Angler, Fischer und Landwirte an einen Tisch getrommelt, um für eine Renaturierung des Rieds zu werben«, erzählt Schultz-Ninow. Er selbst war damals Stadtrat für eine Bürgerliste, die den Umweltschutz ganz oben auf der Agenda hatte. Die Naturschützer hatten Erfolg. Heute bietet das Naturschutzgebiet Donauried vielen Vögeln Lebensraum, darunter so bedrohten wie der Bekassine und dem Großen Brachvogel. Der Bayerische Staat ­unterstützt heute die Arbeitsgemeinschaft Donaumoos und lässt trockengelegte Moorwiesen wieder bewässern. Die Liebe zur Natur im Schwarzwald entdeckt Schultz-Ninows Großmutter legte ihm die Liebe zur Natur schon ins Bubenherz. In den Nachkriegsjahren wanderte sie mit ihrem Enkelsohn, den der Krieg zur Halbwaise gemacht hatte, durch die Waldlandschaften des Harz und des Schwarzwalds. »Die trage ich als

Foto: Margarete Moulin

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wunderbare Bilder in mir«, sagt der heute 75-Jährige. »Vielleicht trifft es mich deswegen so, wenn Landschaften für angeblichen Fortschritt zerstört werden.« Aber als Jurist weiß er auch: »Ein langer Atem lohnt sich.« Zehn Jahre lang kämpfte die Kreisgruppe gegen eine Bundesstraße, die das Günztal verhunzt hätte – und verhinderte sie schließlich. Sie rief außerdem die Günzburger Naturschutztage ins Leben oder organisiert Energieberatung. Bitterste Niederlage: der Bau des AKW Gundremmingen Die bitterste Niederlage gab es 1977, das Jahr, in dem sich die Kreisgruppe gründete, um gegen den Bau des Kernkraftwerks in Gundremmingen zu protestieren. Keine Chance, das AKW wurde gebaut. »Gleich im ersten Betriebsjahr gab es dort einen schweren Störfall«, erinnert sich der Vorsitzende. Seither sitze bei ihm das Misstrauen tief, auch jetzt, wo die Energiewende Tat­ sache ist. »Unsere größte Sorge ist, dass hier ein Zwischenlager für die Brennstäbe entsteht und dann erneut ein Unfall passiert«, sagt Schultz-Ninow. Neben seiner Vollzeittätigkeit in seiner Kanzlei leitet der Jurist seit 29 Jahren auch das Schiedsgericht des BN und regelt interne Konflikte. Was treibt ihn an, sich gesellschaftlich so zu engagieren? Die Antwort kommt schnell: »Wer sich nicht einbringt, muss sich nicht wundern, wenn sich die Welt so verändert, wie er sie eigentlich nicht haben will.« Margarete Moulin

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Gerettete Landschaften entdecken

Biberteich statt Odelgrube

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or zwanzig Jahren wäre der Biber naserümpfend weitergezogen. Der Bach führte damals so viele Güllereste aus seinem Einzugsgebiet mit, dass das Landratsamt das Baden und Angeln im Tüttensee verbieten musste. Mit einer Art Ringkanal sollte das Problem gelöst oder besser gesagt in Richtung Chiemsee weitergereicht werden. Die BN-Kreisgruppe hatte eine bessere Idee und überzeugte auch die Behörde. 1995 konnte sie eine große Fläche zum Teil langfristig pachten, zum Teil kaufen (darunter auch die besagte Waldfläche) und ein großes Feuchtbiotop mit Klärteichen anlegen. Nur ­Baggerarbeiten waren dazu nötig. Schilf und Binsen haben sich in den eingetieften Stellen von selbst angesiedelt und reinigen jetzt das Wasser des Hiensdorfer Grabens, bevor es über den Biberdamm in den Tüttensee fließt.

Die Autoren Winfried Berner, Mitglied des Landesvorstandes, hat mit seiner Frau ­Ulrike Rohm-Berner den Wanderführer »Gerettete Landschaften« ­verfasst. 14,90 Euro, im Buchhandel oder bei der BN Service GmbH, Tel. 0 91 23- 9 99 57 20

Seltene Arten wurden wieder heimisch Aber nicht alle Probleme waren damit gelöst. Bei starkem Regen wurden trotzdem noch zu viele Nährstoffe aus den umliegenden Wiesen in den Bach und das Feuchtbiotop hineingespült. Das konnte nur gestoppt werden, wenn das übermäßige Düngen – im Volksmund auch Odeln genannt – aufhörte. Zum Glück konnte die Kreisgruppe weitere Wiesen, auch Streuwiesen, am Bach entlang und um die Feuchtfläche herum pachten. Die notwendige Pflege der übrigen Flächen, zum Beispiel das Mähen des Schilfs in den Klärteichen, übernimmt regelmäßig die Kreisgruppe. So entstand um den Tüttensee herum wieder eine Naturlandschaft mit vielen seltenen Tieren und Pflanzen. Zwei Irisarten, sieben verschiedene Orchideen, Ringelnattern und Kreuzottern, Wasserfrösche und seltene Schmetter-

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Foto: Winfried Berner

Schlau ausgesucht hat ein Biber im Landkreis Traunstein seinen neuen Siedlungsplatz: Den Hiensdorfer Graben hat er kurz vor der Einmündung in den Tüttensee aufgestaut und ein kleines Waldstück unter Wasser gesetzt. Die Bäume werden wegen der Nässe absterben, wenn der Biber sie nicht vorher umlegt. Aber der Grundstückseigner hat nichts dagegen. Der Platz gehört nämlich dem BUND Naturschutz. Stimmungsvoller Herbstspaziergang Am Tüttensee lässt sich besichtigen, wie aus einem einstigen »Güllefass« ein kleines Paradies werden konnte.

lingsarten gehören dazu. Im See wachsen in einem geschützten Bereich Teichrosen. Der Weg um den Tüttensee herum dauert höchstens eine halbe Stunde und man findet ihn leicht. Wir sind aber dem Zulauf gefolgt und nach dem Biberteich weiter auf dem Weg hangaufwärts geblieben. Ungefähr auf halber Hanghöhe zweigt ein Trampelpfad nach rechts ab durch den Wald und quert die anschließende Wiese bis zum nächsten befestigten Fahrweg. Dem folgen wir nach rechts bis zur gegenüberliegenden Hügelkuppe. Von dort aus geht es wieder nach rechts zwischen Wiesen. Die meisten davon sind von der Kreisgruppe an einen Biobauern unterverpachtet worden. Wir folgen einfach den Schlenkerern des Weges an Weiden und Streuobstwiesen vorbei, durch einen kleinen Hohlweg und durch einen Bestand mit mächtigen Buchen. Wenn wir wieder den Seerundweg erreicht haben, folgen wir ihm nach links, um die Runde zu vervollständigen. Eine Abkühlung im Strandbad bei passendem Wetter oder eine Stärkung im Strandcafé ist möglich, bevor wir wieder den Parkplatz erreichen. Winfried Berner, Ulrike Rohm-Berner Ausgangspunkt: Wanderparkplatz am Tüttensee (Straße von Grabenstätt nach Traunstein – ab Marwang beschildert) Länge: ca. 4 Kilometer Höhenunterschied: gering (ca. 40 Meter) Wegcharakter: Wald- und Feldwege, Steige Einkehr: Tüttensee, Grabenstätt


Fotos: Birgit Eder

Sonnenschein und glitzernder Schnee Bei der Reise ins Südtiroler Villnösstal zeigt sich die winterliche Bergnatur von ihrer schönsten Seite.

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alte Luft um die Nase, Eiskristalle stieben auf. Jetzt kommt eine Biegung. Gewicht verlagern, Fuß in den Schnee stemmen, und schon saust der Rodel in die Kurve und weiter bergab durch die Winterwelt. Die Rutschpartie – oder wer’s ruhiger mag, die Talfahrt mit der Seilbahn – sie stehen am Ende einer Runde, die wir über das Hochplateau der Raschötz ­gedreht haben. Von hier erblickt man die Dolomiten­ prominenz: Langkofel, Rosengarten, Sellastock und Marmolada. Nach Norden fällt der Blick hinab ins ­Villnösstal, unser eigentliches Tourengebiet. Das Villnöss, das sind Almwiesen, in die kleine Ortschaften gebettet liegen. Darüber erheben sich die Geislerspitzen wie in den Himmel gesägt. Im Sommer ist das Tal gut besucht, im Winter mangels Skizirkus deutlich ruhiger. Viele Hütten sind geöffnet, dort finden wir die alpenländische Südtiroler Küche mit Kaiserschmarrn und Nocken, aber auch italienische Speisen wie Carpaccio und Pasta. Wir starten im Naturpark Puez Geisler. Ein Naturparkführer zeigt uns Tierspuren im Schnee. Im Blau des Himmels suchen wir nach dem Adlerpaar, das in den Felsen seinen Horst hat. Auf einer Alm genießen wir auf der Terrasse die Sonne. Anderntags streben wir immer höher bis zu einem kleinen See auf dem Würzjoch, der nun unter einer Eisschicht ruht. Innehalten, Ausatmen. Wir können ­ ­hinüber ins ladinischsprachige Gadertal und auf den mächtigen Peitlerkofel blicken. Burgen und Klöster, Mohnkuchen und Buchteln Einmal begleitet uns Günther Pernthaler, der »Vater« des Brillenschaf-Projekts. Südtirols älteste Schafrasse erlebt ein Comeback und bietet auch Jungbauern wieder eine Perspektive. Bald treffen wir auf die schönen Tiere mit der schwarzen Fellzeichnung um die Augen. Ihre Wolle wird im Tal verarbeitet. Sie stehen für das Bestreben der Einheimischen, eine nachhaltige Re­ gion zu bleiben, mit Energieautonomie und ohne Skischaukel.

Schneeschuhwandern im Villnösstal

Die ruhige Seite der Dolomiten In einer schneeweißen Zauberwelt winterliche Bergnatur entdecken und zwischendurch Südtiroler Schmankerl schlemmen – das bietet die BUND-Winterreise nach Südtirol.

Über alte Wege wandern wir zurück bis nach Teis, wo wir in einem der Gasthäuser ein Glas des lokalen, feinen Weins trinken können. Südtirol ist Durchzugsland. Burgen, Klöster und Kunstwerke erzählen von vielen Einflüssen. Ein Einheimischer zeigt uns das alte Klausen, und wir wandern mit ihm zum trutzigen Kloster Säben, wo er uns in den Kirchen kunsthistorische Schätze zeigt. Der letzte Tag gehört noch einmal ganz der Berg­ natur. Auf Schneeschuhen nähern wir uns den Geislerspitzen, die wie Wächter über dem Tal thronen. Über das Schneelaken haben Gämsen eine Diagonale gezogen. Am Himmel der spitze Schrei eines Greifvogels. Göttlich schmecken in der Geisler Alm Mohnkuchen und Buchteln. Ja, Südtirol ist nichts für Asketen. Auch wenn das Gehen im Schnee anstrengend ist – für Kalorienzufuhr ist gesorgt. Unser Zuhause in dieser Woche ist ein familiengeführtes Hotel, es ist modern und gemütlich zugleich und bietet einen wunderbaren kleinen Luxus: Abends können wir unsere müden Muskeln in Sauna und Whirlpool entspannen. Lucia Vogel

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Reisetermin 4. Februar – 11. Februar 2018 Infos zu Reisepreis und Anmeldung bei BUND-Reisen, ReiseCenter am Stresemannplatz Stresemannplatz 10 90489 Nürnberg Tel. 09 11- 5 88 88-20 Fax 09 11- 5 88 88 22 www.bund-reisen.de


entsch

Foto: www.kleineheimat.bayern

Gut leben


… statt viel haben: ein schönes Lebensmotto, wer

wollte es nicht unterschreiben? Doch lassen Sie uns ehrlich sein: Die Mehrheit von uns Deutschen hat viel und mehr als genug, selbst wenn wir gar nicht nach materiellem Reichtum streben. Mit Blick auf die begrenzten Ressourcen unserer Erde haben wir alle sogar deutlich zu viel. Damit unser Hunger nach Rohstoffen, Fläche und Energie kleiner werden kann, muss die Politik die Weichen neu stellen. Der BUND Naturschutz fordert von der nächsten Bundes­ regierung, die Suffizienz (lateinisch: sufficere = ausreichen) zu einem neuen Leitmotiv ihrer Politik zu erklären.

Wege zur Suffizienz

Mehr Lebensqualität! An guten Tipps und kreativen Ideen fehlt es nicht. Was liegt also näher, als sich vom Zwang zum »Immer mehr« und »Haben statt Sein« durch eigenes Handeln zu befreien – so gut es eben geht? Doch damit wir besser (= suffizienter) leben können, ist vor allem die Politik gefordert. eniger ist mehr: Dieses Motto bringt immer häufiger Menschen zusammen. Menschen, die neue Ansätze eines nachhaltigen Wirtschaftens und Lebens praktisch umsetzen wollen. Die – auch im BN – Angebote wie Reparatur-Cafés und Leihläden schaffen, um Dinge gemeinschaftlich zu nutzen und weniger zu konsumieren. Oder die Ernährungsräte gründen, um Städte gesund und regional zu ernähren und zugleich die bäuerliche Landwirtschaft im Umland zu erhalten. Auch im eigenen Alltag pflegen immer mehr Menschen nachhaltige Lebensstile – indem sie auf Ökostrom umsteigen, weniger Fleisch essen oder Carsharing betreiben, statt selbst ein Auto zu besitzen. Oder indem sie öfter aufs Fahrrad steigen. Ein Beispiel, das anschaulich zeigt, wie essenziell gute Rahmen­ bedingungen sind: Zugeparkte Radwege, zu schnell fahrende Autos, keine Abstellmöglichkeiten – dies und anderes trübt vielerorts die Freude am Radfahren. Dabei wünschen sich 79 Prozent der Deutschen bessere Alternativen zum Auto. Laut einer neuen Studie des Umweltbundesamtes ist eine große Mehrheit derer, die hauptsächlich Auto fahren, bereit aufs Rad oder auf ­Öffentliche umzusteigen. An diese Bereitschaft sollten Städte und Gemeinden stärker anknüpfen. Sie sollten die Nahversorgung verbessern, für einen preiswerten öffentlichen Verkehr mit guter Anbindung sorgen und mehr und bessere Rad­ wege ausweisen. Die neue Bundesregierung muss die Kommunen dabei unterstützen. Man stelle sich vor, sie

Foto: pixabay.com

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streiche die (jährlich!) 28,6 Milliarden Euro umweltschädlicher Verkehrssubventionen – und beschließe stattdessen, eine klimaschonende Mobilität zu fördern: mit einer Investitionsoffensive für den Rad- und Fußverkehr und einer Politik, die für deutlich weniger Autos in unseren Städten sorgt. All das würde unsere Lebensqualität spürbar erhöhen. Klare Regeln – gute Angebote Auch in anderen Bereichen fordert der BN Maßnahmen, um unseren Ressourcenverbrauch zu senken – und gleichzeitig die Lebensqualität zu verbessern. Wer wünscht sich nicht länger haltbare Geräte, leicht zu re-

hleunigen

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Zukunftsträchtig Ein dreistöckiges Parkhaus für Fahrräder in Amsterdam.


parieren? Wer hätte nicht gern klare Regeln gegen kalkulierten Produktverschleiß, sprich: dagegen, dass Hersteller ihre Produkte bewusst mit Schwachstellen versehen, um deren Lebensdauer zu verkürzen? Und wer möchte seine Kinder mit Fleisch aus der Massentierhaltung versorgt wissen, wo es doch möglich ist, das Angebot in Kitas, Schulen, Kantinen und Mensen umzustellen – auf regionale, saisonale und fair gehandelte Lebensmittel aus ökologischem Anbau? Politik ist gefragt Bislang wird die Verantwortung für einen Lebensstil, der weniger Ressourcen verbraucht, noch allzu oft als rein persönliche Entscheidung angesehen. Tatsächlich aber ist hier die Politik gefragt. Sie muss den Rahmen Die Autorinnen setzen für zukunftsfähige Lebensstile und Suffizienz. Jenny Blekker beDenn unsere großen Ziele – der Schutz des Klimas und treut die Nachhalder biologischen Vielfalt – machen es nötig, unseren tigkeitskommuniEnergie-, Material- und Flächenverbrauch absolut zu kation, Christine Wenzl die Themen begrenzen. Nachhaltigkeit und Mehr Effizienz und technische Lösungen allein reiSuffizienz in der chen nicht, um unseren stetig steigenden Energie- und BundesgeschäftsMaterialverbrauch zu stoppen und die Wachstums­ stelle des BUND. spirale zu durchbrechen. Auch wenn in der Gebäude­ sanierung, in effizienteren Geräten und Autos enormes Potenzial liegt: Unsere Klimaschutzziele bleiben außer Reichweite, wenn parallel die Zahl der Autos, ihre Größe und Leistungsstärke weiter ungebremst wachsen. Oder wenn immer neue Wohn- und Gewerbegebiete entstehen, selbst bei sinkender Einwohnerzahl. Mutig gegensteuern Die neue Bundesregierung muss also Mut zeigen und politisch konsequent gegensteuern. Sie muss den gesellschaftlichen Wertewandel befördern und politische Weichen stellen. Denn die natürlichen Ressourcen und die Aufnahmekapazität der Erde für Abfälle und Schadstoffe sind begrenzt. Phänomene wie die Klimakrise – diesen Herbst reihte sich in der Karibik eine nie dagewesene Zahl schwerer Wirbelstürme aneinander –, die

Überfischung der Meere oder das Artensterben führen uns vor Augen, dass wir die planetaren Grenzen längst überschritten haben. Ginge es so weiter wie bisher, bräuchten wir schon im Jahr 2030 mindestens zwei Erden, um den weltweiten Bedarf an natürlichen Ressourcen zu decken. Nachhaltigkeitsziele umsetzen Nachhaltige Entwicklung bedeutet, verantwortungs­ bewusst mit unseren Lebensgrundlagen umzugehen. Nur so werden heutige und zukünftige Generationen weltweit ein Leben in Würde führen können, gemäß ihren Bedürfnissen. 2015 haben die Vereinten Nationen die globalen Nachhaltigkeitsziele beschlossen. Sie sollen unter anderem Hunger und Armut beenden, die weltweite ­Ungleichheit verringern und allen Menschen Zugang zu nachhaltiger Energie verschaffen. Die Bundesregierung muss diese Ziele zügig umsetzen und dabei besonders die weltweiten Folgen unserer Politik und Lebensweise in den Blick nehmen. Denn von globaler Gerechtigkeit ist unser westlicher Lebensstil weit entfernt – und wird es ohne Suffizienz auch bleiben. Welche Schritte kann und muss die Politik dafür auf kommunaler und Bundesebene in An­griff nehmen? Wie sind Wirtschaft und Gesellschaft so zu verändern, dass niemand mehr auf Kosten anderer leben muss? Diesen Fragen will sich der BUND noch stärker widmen. Klar ist: Zuallererst müssen wir uns von einer Politik verabschieden, deren Hauptanliegen noch immer das Wirtschaftswachstum ist. Jenny Blekker und Christine Wenzl Mehr dazu unter: → www.bund.net/suffizienz

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Illustrationen: Annika Huskamp

Der Weltacker

schen

Jeder Erdbürgerin und jedem Erdbürger stehen etwa 2000 Quadratmeter zur Verfügung. Würden sie exakt so genutzt wie die weltweite Ackerfläche, wäre über die Hälfte mit nur vier Früchten bestellt: mit Weizen und Mais, Reis und Soja. Auch bei den Erdfrüchten und sonstigen ­Getreiden und Ölpflanzen dominieren wenige Kulturen. Alle weiteren Arten – und das sind Hunderte – nehmen zusammen nur einen kleinen Teil dieses Weltackers ein. Abgesehen vom Reis dienen die großen Monokulturen weniger als Lebensmittel denn zur Erzeugung von Tierfutter, Energie oder Sprit.

Mit 2000 Quadratmetern kommen wir in der EU nicht aus. Obwohl unsere Äcker dank Klima, Wasser und Bodenfruchtbarkeit ­zumeist ergiebiger sind als in anderen Weltregionen und wir alle Möglichkeiten nutzen, um ihren Ertrag zu steigern, beanspruchen wir viel zusätzliche Fläche: pro Person 700 m2 speziell in Latein- und Nordamerika, aber auch Asien. Sie dienen hauptsächlich dem Anbau von Soja als Futter für die Massentierhaltung. Und diese Fläche dürfte sich ausweiten, wenn wir unseren Sprit mit noch mehr nachwachsenden Rohstoffen herstellen. Mehr dazu: → www.2000m2.eu


Foto: DIE

ren oder Geschäftsmodelle. Allerdings sind die politischen Widerstände enorm. Wir können ja in Deutschland – in einer Gesellschaft, die über politische, technische, finanzielle und Wissensressourcen verfügt, um den Wandel voranzubringen – nicht einmal sachlich über unseren Fleischkonsum sprechen. Und auf internationaler Ebene nutzt man eben seine Verhandlungsmacht, um den eigenen Beitrag möglichst klein zu halten und dem Gebot der Suffizienz auszuweichen – auf Kosten der Entwicklungsmöglichkeiten im Süden.

Internationale Gerechtigkeit

Mitten im Wandel Imme Scholz ist stellvertretende Direktorin des Deutschen Instituts für Entwicklungs­politik – und Mitglied des Rats für nachhaltige Entwicklung. Natur+Umwelt sprach mit ihr darüber, inwiefern die internationale Zusammenarbeit mit Fragen der Gerechtigkeit und Suffizienz ­verbunden ist.

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Frau Scholz, was versteht man auf internationaler Ebene unter ökologischer Gerechtigkeit? Arme Länder verfügen über nur wenige Ressourcen, um etwa den Folgen des Klimawandels vorzubeugen. Wenn solche Länder unter den globalen Umweltveränderungen leiden, die zu einem Großteil wir verursacht haben, dürfen wir sie bei deren Bewältigung nicht alleinlassen. Wir haben aber wenig Erfahrung, dieses Verursacherprinzip im globalen Kontext anzuwenden. Es gibt dafür keinen Gerichtshof, und schwache Länder lassen sich leicht ignorieren. Ein anderer Aspekt ist: Wie verteilt man die Kosten der Umstellung? Will ein armes Land statt der üblichen klimaschädlichen Technologien bessere neue nutzen, so wäre es ungerecht und auch unklug, es dabei nicht zu unterstützen. Welche Rolle spielt das Konzept der Suffizienz bei dieser Gerechtigkeitsfrage? Wir können uns schlecht auf dem erreichten Wohlstand ausruhen und ihn anderen mit Verweis auf die planetaren Grenzen versagen. Suffizienz ist sicher ein Teil dessen, womit sich die Industrieländer angesichts ihres enormen Umweltverbrauchs beschäftigen müssen – mit Blick auf die Privathaushalte, auf Infrastruktu-

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Suffizienz, das rechte Maß – das ist also vor allem etwas, worum sich die reichen Länder zu kümmern haben? Vor 20 Jahren hieß es: Ändert der Norden seine Konsum- und Produktionsmuster, ist ein großer Teil dessen er­bracht, was nötig ist, um die globale Umweltbelastung zu vermindern. Ganz so pauschal können wir das heute nicht mehr sagen. Selbst wenn wir unsere Emissionen auf null stellten, wäre nur ein Teil des Problems gelöst. Wir müssen auch definieren, welchen fairen Beitrag die Entwicklungsländer leisten können, um die plane­ ta­ren Grenzen zu wahren. Gerade in großen dynamischen Entwicklungsländern ist der Umweltverbrauch stark angestiegen. China ist das Paradebeispiel. Natürlich ist hier der Verbrauch pro Kopf noch nicht so hoch wie in den USA. Doch durch die schiere Zahl seiner Bewohner liegt er – absolut gesehen – längst höher. Sind sich die Akteure in der Entwicklungszusammen­ arbeit heute bewusst, wie sehr unser Lebensstil die Bedingungen in vielen armen Weltregionen prägt und diktiert? Oder geht es nicht am Ende doch mehr um Deutschlands Exportbilanz als um globalen Umwelt­ schutz und Fragen der Gerechtigkeit? Wenn Sie die deutschen Außenbeziehungen betrachten, werden Sie ganz viele Inkonsistenzen feststellen. Das Umweltministerium hat andere Prioritäten – und vielfach die gleichen wie das Entwicklungsministerium – als etwa das Wirtschaftsressort. Sie finden aber auch dort Leute, die sich für Erneuerbare Energien und nachhaltige Wertschöpfung einsetzen. Unsere Situation heute ist gekennzeichnet dadurch, dass wir mitten in einem Prozess des Wandels sind und viele Auseinandersetzungen erst noch führen müssen. Auf jeden Fall müssen wir in Deutschland klären, warum eine sozial-ökologische Transformation in unserem Interesse ist. Und wie wir unsere wirtschaft­ lichen Verflechtungen mit den Entwicklungsländern gestalten müssen, damit dieser Wandel auch deren Chancen erhöht. Das deutsche Gemeinwohl lässt sich nicht ohne das europäische und globale Gemeinwohl sichern. (sz)

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n

Herr Lohner, zuerst einmal: Was meint Umwelt­ gerechtigkeit? Und warum setzt sich der BUND dafür ein? Das ist vorrangig ein Aspekt der nachhaltigen Stadt­ entwicklung. Umweltgerechtigkeit verknüpft Umwelt-, Sozial- und Gesundheitspolitik. Wir unterstützen die ­Vision, dass jeder Mensch in der Stadt in gleicher Weise von der Natur, von sauberer Luft und wenig Lärm profitiert – unabhängig von seinem sozialen Status.

Umweltgerechtigkeit

Ein Recht auf Natur Herbert Lohner ist der Naturschutzexperte des Landesverbands Berlin – und Ansprechpartner des BUND zum Thema »Umweltgerechtigkeit«. Was hat die mit dem Gebot der Suffizienz zu tun?

Wie könnten sich die Städte diesem Fernziel nähern? Zuerst brauchen wir eine Datenbasis: Wo leiden besonders viele Leute unter Lärm, schlechter Luft oder sozialer Benachteiligung? In einem zweiten Schritt müssen Fördermittel gezielt in diese Gebiete geleitet werden. Projekte für mehr Umweltgerechtigkeit können derzeit mit den Programmen »Soziale Stadt« und »Zukunft Stadtgrün« gefördert werden. Doch bislang nehmen die Kommunen diese Option kaum wahr – der Begriff Umweltgerechtigkeit ist einfach noch zu unbekannt. Warum ist der Baustein Suffizienz hier bedeutsam? Zum einen gibt es Hinweise, dass in Gesellschaften, die sehr ungleich, sehr hierarchisch strukturiert sind, der Ressourcenverbrauch insgesamt höher ist als in Gesellschaften, die sozial relativ homogen sind. Vor allem aber glaube ich, dass in einer Gesellschaft, wo alle das Gefühl gleicher Chancen und Lebensbedingungen für sich und ihre Kinder haben, das Leitbild der Suffizienz auf viel fruchtbareren Boden fällt. Wer in seiner Nachbarschaft Menschen erlebt, die offen­kundig materiell viel besser gestellt sind, dürfte weniger bereit dazu sein, selbst einen Anfang zu machen und seinen Lebensstil suffizienter zu gestalten. In Berlin hat kürzlich ein Volksentscheid zum Flug­hafen Tegel für Schlagzeilen gesorgt. In der ­Einflugschneise haben die am meisten vom Lärm geplagten mehrheitlich für den Verbleib des Flughafens gestimmt, wohl aus Angst, sie könnten

Fair einkaufen.

verdrängt werden, wenn nach der ge­planten Schließung die Mieten steigen. Das kann ich den Menschen nicht verdenken. Daraus folgt: Das Konzept der Umweltgerechtigkeit muss eng verknüpft sein mit einer sozialen Stadtentwicklung. Hat Umweltgerechtigkeit eine globale ­Perspektive? Sicher. So hat der BUND das in Berlin entwickelte Konzept unter anderem mit den Stadtverwaltungen von Peking und Mexico-City diskutiert – und dabei viel Offenheit und Interesse erlebt. Zudem betrachtet auch unser Netzwerk »Friends of the Earth« weltweit Städte auf den Aspekt »environmental justice« hin. (sz)

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Gute Argumente

Kritische Fragen klug beantworten

Foto: Victoria 1/shutterstock.com

Wer für »Weniger ist mehr« wirbt, stößt oft auf Skepsis oder gar Ablehnung. Hier einige Anregungen, wie Sie typischen Gegenargumenten und kritischen Gesprächs­ partnern begegnen können.

Ist Suffizienz notwendig? Reichen denn Erneuerbare Energien und ­Energieeffizienz nicht aus? Auch Solaranlagen verschlingen Ressourcen bei der Herstellung, der Anbau von Biomasse benötigt Fläche. Und Produkte, die effizient hergestellt werden, bieten wenig Vorteil, wenn sie dafür häufiger gekauft und ge­ nutzt werden – etwa spritsparende Autos. Dieser »Reboundeffekt« hebt dann die technische Einsparung wieder auf. Wollt ihr zurück in die Steinzeit? Wir brauchen ­technische Innovation, nicht Verzichtspredigten! Suffizienz richtet sich nicht gegen den technischen Fortschritt. Doch bringt der oft neue Risiken mit sich. Und soziale Innovationen wie das Carsharing haben schon gar nichts mit Verzicht zu tun, sondern mit cleverer Nutzung, die Umwelt und Geldbeutel schont. Nur weil ich persönlich suffizient lebe, ändert das doch unsere Konsumgesellschaft nicht? … und deshalb mache ich weiter wie bisher? Dieses ­Argument kann Ausrede für die eigene Bequemlichkeit sein, Zweifel an der Wirksamkeit ausdrücken oder ­Zeichen von Resignation sein. Da lohnt es sich zu diskutieren: dass Einzelne durchaus zeigen können, wie es anders geht, und so mehr Menschen überzeugen. Dass

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individuelle Schritte tatsächlich nur begrenzt wirken und die Politik darum helfen muss, suffiziente Lebensstile zu erleichtern. Zudem kann man sein Gegenüber motivieren, sich auf wirksame Stellschrauben (wie seltener fliegen) zu konzentrieren, statt viel Energie in wenig Wirksames zu stecken (wie Kartoffeln statt Reis essen).

Ist Suffizienz praktikabel? Wo bleiben da Spaß und Genuss? ­ Ich will mir auch mal etwas gönnen! … was ja nicht immer viel Konsum bedeuten muss: ein leckeres Essen aus dem Gartengemüse, ein Konzertbesuch mit Freundinnen, ein ausgedehnter Spaziergang, mal im Bett frühstücken oder in Ruhe ein dickes Buch lesen. Genuss ist oft eine Frage der Haltung, Konsum eine Frage des rechten Maßes. Aus gutem Anlass ein rauschendes Fest zu feiern, verspricht allemal mehr Genuss als täglich das Besondere zu suchen. Suffizienz ist unbequem und braucht mehr Zeit … Das mag ja manchmal sein. Doch hat sie auch positive Effekte: Radfahren zur Arbeit dauert oft länger – tut aber der Gesundheit gut und sorgt für einen freien Kopf. Essen selbst zubereiten kostet mehr Zeit als Fast Food oder Tiefkühlkost – ist aber meist gesünder und


schmeckt besser. Weniger shoppen spart Zeit und Nerven. Und Reisen mit der Bahn lassen sich zum Arbeiten oder Entspannen nutzen. Suffizienz kann eben auch bequem sein und helfen, Zeit zu gewinnen.

Schränkt Suffizienz nicht ein? Suffizienz schränkt unsere Freiheit ein, in einer ­liberalen Gesellschaft können wir nicht ständig etwas verbieten! Gegenfrage: Welche Freiheiten schränkt der Status quo ein, wessen Interessen gewichtet er wie? Suffizienz schafft einen Rahmen für verschiedene Lebensentwürfe. Dazu zählt auch: »Niemand soll immer mehr haben wol­len müssen.« (Uta von Winterfeld). Deshalb ermöglicht Suffizienzpolitik mehr Selbstbestimmung. Wie die Freiheit, kein Auto zu haben oder in Teilzeit zu arbeiten. Meine Freiheit ist beschränkt, wenn fliegen teurer wird! Es gibt kein Recht auf Billigflüge zulasten anderer Menschen und der Umwelt. Fliegen schränkt die Freiheit der Menschen ein, die jetzt schon oder in Zukunft von der Klimaerwärmung betroffen sind. Wir werden uns darauf einstellen müssen, dass sich Preise verändern, wenn darin auch der Umweltschaden eines Produkts abgebildet ist. Dinge werden auch teurer, wenn bei ihrer Produktion der Arbeitsschutz und faire Löhne gewährleistet sind. Wer kann sich anmaßen, über das rechte Maß für alle zu bestimmen? Über das rechte Maß wird vielerorts be­stimmt: In der Familie über das Taschengeld, in der Kommune, wie viel Raum für den Auto-, Rad- und Fußverkehr zur Verfügung steht, in der Bundespolitik, welches Tempolimit auf Autobahnen gilt, oder auf den internationalen ­Klimakonferenzen, wie viel CO2 die Weltgemeinschaft ausstoßen darf. Wir müssen demokratisch und transparent über den Zugang zu und die Verteilung von begrenzten Ressourcen diskutieren und entscheiden. Dabei sollten möglichst viele Freiheitsräume gewahrt bleiben, um das ­jeweils individuell rechte Maß zu bestimmen. Die politischen Maßnahmen reichen von Kennzeichnungen über ökonomische Instrumente wie Steuern und Subventionen bis hin zu Verboten.

Hat Suffizienzpolitik eine Chance? Wenn so viel für Suffizienz spricht, wird sie sich doch von allein durchsetzen – warum braucht es da die Politik? Fußgängerzonen und Shoppingmalls oder Statistiken unseres Konsums und Ressourcenverbrauchs zeichnen ein ernüchterndes Bild: All die gut gemeinten individuellen Ansätze verändern die Konsumgesellschaft nicht wesentlich und bewirken kaum ökologische Entlastung. Gegen den (Konsum-)Strom schwimmen, das kann beleben. Doch es kostet Energie und wird wohl nie zu einem Massensport. Individuelle Strategien oder gemeinschaftliche Projekte und Initiativen für Suffizienz sind Vorreiter. Nur mit politischer Unterstützung können sie sich verbreiten und unseren Lebensstil spürbar suffizienter gestalten. Suffizienzpolitik ist zu komplex! Komplex ist sie tatsächlich. Sie ist vernetzt zwischen verschiedenen politischen Ebenen und Themenfeldern, sie ist langfristig und weltweit orientiert, sie bezieht unterschiedliche Akteure mit ein und verlangt verschiedenste Maßnahmen. Suffizienzpolitik muss in allen Ministerien umgesetzt werden. Gerade weil eine wirklich nachhaltige ­Politik so komplex ist, benötigt sie klare Visionen und konkrete Projekte. Sie ist angewiesen auf eine verständliche und anschauliche Kommunikation und viel politischen Durchsetzungswillen. Die Autorinnen Katharina Ebinger, AG Suffizienz des BUND Baden-Württemberg; Angelika Zahrnt, Ehrenvorsitzende des BUND und Fellow des ­Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung.

Fragen und Antworten sind Teil eines Argumentariums in der Broschüre »Ein gutes Leben für alle« von BUND und BUNDjugend Baden-Württemberg. Es gibt sie für drei Euro (plus Porto) bei der BUND-Service GmbH, Tel. 077 32 -1507-0, bund.service-gmbh@ bund.net; und kostenlos online: → www.bund-bawue. de/gutes-leben

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Erstmals formuliert wurden die Fragen und Antworten im Rahmen einer digitalen Landkarte unter → www.postwachstum.de/suffizienzpolitik

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Anliegen der kommenden Generationen Berlin: Aktion der BUNDjugend zum diesjährigen Erdüberlastungstag.

Aktiv werden

Damit’s für alle reicht

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m Grunde ist es ja so: Der Wunsch, Ressourcen wie Strom und Wasser, Lebensmittel oder Papier sparsam zu verwenden, dürfte den Alltag der allermeisten BUND-Mitglieder prägen. Und der Gedanke des »rechten Maßes« schwingt bei vielen Aktivitäten des BUND immer mit. Insofern ist Suffizienz ein integraler Be­ standteil unserer Arbeit – ob in der Energie-, der Agrarund Verkehrspolitik oder etwa in der Umweltbildung. Sie prägt die konzeptionelle Arbeit des Vorstands wie die fachlichen Positionen der Arbeitskreise. Sie durchdringt die Lobbyarbeit des Bundesverbandes wie auch das lokale Umweltengagement der BUND-Gruppen.

Vielfältige Aktivitäten Zudem zielen einige unserer Projekte direkt darauf, die üblichen Konsumzwänge zu unterlaufen. So fragt ein neues Portal des BUND Berlin (remap-berlin.de): Was tun mit ausgedienten, kaputten oder un­geliebten Gegenständen? Als Alternative zum Wegwerfen verweist es auf Angebote im Kiez für Reparatur, Secondhand, Leihen und Tauschen. Repair-Cafés betreibt der BUND auch selbst – so in Heidelberg, Frankfurt, Kassel, Saarbrücken, Neubrandenburg oder Marktheidenfeld. Ein anderes Beispiel gelebter Suffizienz sind die »Urbanen Gärten«, die BUND-Gruppen vielerorts etabliert haben – um die Selbstversorgung und die Kenntnis regionaler und saisonaler Lebensmittel zu fördern. Darüber hinaus verdienen zahlreiche Veranstaltungen und Publikationen zum Thema Suffizienz genauso Erwähnung wie fachliche Projekte und Arbeitsgruppen auf regionaler, Landes- und Bundes­ebene. Weil ihre Aufzählung diesen Rahmen sprengen würde, stellen wir Ihnen beispielhaft drei Akteure der Suffizienz­ arbeit im BUND näher vor.

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Foto: Jörg Farys

Dafür, dass Suffizienz so sperrig klingt und ein so komplexes Thema ist, engagieren sich ­erstaunlich viele Menschen im BUND und im BN dafür.

Die Erde entlasten! Für die BUNDjugend hat der sozial-ökologische Wandel mit dem Baustein Suffizienz eine be­sondere Be­ deutung. Davon zeugen Aktivitäten wie die jährliche Transformationsakademie, einschlägige Bildungsbroschüren, Kleidertauschpartys etc. Und ihre Aktion zum Erdüberlastungstag. Am 2. August war es wieder so weit: Die Weltbevölkerung hatte alle natürlichen Ressourcen für dieses Jahr verbraucht. Sprich: die, die ihr rechnerisch zur Verfügung stehen, wenn sie nur so viel nutzen dürfte, wie sich binnen einem Jahr wieder regenerieren kann. Seitdem leben wir also auf Pump. Das »Global Footprint Network« berechnet diesen Tag jedes Jahr: aus der biologischen Kapazität der Erde zum Aufbau von Ressourcen und zur Aufnahme von Abfall und Emissionen. Und aus dem Bedarf an Fläche, Wasser, Nutztieren etc., der sich aus der Lebens- und Wirtschaftsweise der Menschheit ableitet. Kein Onlineshop Auch 2017 trat die BUNDjugend (mit INKOTA, Germanwatch und anderen) an diesem Tag wieder in Aktion: Vor dem Brandenburger Tor ratterte ein leerer Einkaufswagen übers Pflaster. Dazu zeigte ein Banner die Webseite eines Versandhandels, auf der das Produkt »Erde (Unikat)« als »nicht verfügbar« und erst »ab 1. 1. 2018 wieder lieferbar« annonciert war. »Die Erde ist kein Onlineshop« lautete das Motto. Will heißen: In begrenzten Systemen kann es kein stetiges Wachstum, keine Dauerverfügbarkeit geben. Der Erdüberlastungstag rückt ständig vor: vom 19. 12. 1987 über den 23. 9. 2000 bis nun auf den 2. August. → Kontakt: info@bundjugend.de


Alles begann mit dem Wachstum. Seit Gründung des BUND beschäftigt sich der AK Wirtschaft mit der Frage, wie das Wachstum von Ressourcenverbrauch, Abfall und Emissionen verringert bzw. beendet werden kann. Die Standardantwort: durch mehr Effizienz. Doch das gilt nur kurzfristig. Denn Effizienz erhöht das Wachstum – und so wieder den Ressourcenverbrauch. Deshalb braucht es die Suffizienz: nicht effizienter »höher, schneller, weiter« und mehr produzieren und konsumieren; sondern genug Arbeit, Einkommen und Konsum für ein gutes Leben ohne Exzesse. Als Gegenkonzept zu Wachstum und Beschleunigung ist Suffi­ zienz auch mit Gerechtigkeit verknüpft: »Suffizienz, damit’s für alle reicht«. Und mit guter Arbeit, Selbst­ bestimmung und Entschleunigung. Suffizienz ist eine politische Querschnittsaufgabe. → Kontakt: joachim.spangenberg@bund.net

Illustration: A. Huskamp

Zentrales Anliegen Mit der BUND­jugend hat der Arbeitskreis 2016 die Bundesdelegierten überzeugt, Suffizienz zu ei­nem zentralen Anliegen des BUND zu erklären. Seitdem diskutiert der BUND darüber auf al­len Ebenen und überarbeitet schrittweise seine Positi­onen, um das Ziel als Querschnittsthema zu verankern. Noch liegt viel Arbeit vor uns: Gespräche mit Kirchen, Gewerkschaften, Entwicklungsgruppen etc.; das stetige Sammeln guter lokaler Beispiele; und vor allem die Beeinflussung der politischen Diskussion. Suffizienzpolitik ist eine machbare und realistische Alternative zu politischen Wunschträumen. Nur wenn wir uns von Wolkenkuckucksheimen wie dem »grünen Wachstum« verabschieden, wird Deutschland die Pariser Klimaziele und globalen Nachhaltigkeitsziele erreichen. Der Arbeitskreis liefert die nötige Expertise, um Suffizienz nach innen wie außen zu konkretisieren, in Kooperation mit der BUNDjugend. In Kürze präsentiert unser Dachverband »Friends of the Earth Europe« seine erste Position zur Suffizienzpolitik, angeregt und unterstützt von Mitgliedern des Arbeitskreises.

Illustration: BUND BW

Ein Arbeitskreis als Pionier

Bunte Welt Vision einer suffizienten Gesellschaft.

Vielfalt als Stärke Seit 2014 besteht die gemeinsame AG Suffizienz von BUND und BUNDjugend Baden-Württemberg, initiiert von der BUNDjugend. Ihren Kern bilden etwa zehn Menschen im Alter von 20 bis 70. Zwölf Treffen fanden bisher statt, die jeweils mit einem Gastvortrag starteten. So diskutierte die AG mit einem Forscher der Uni Stuttgart über Lebensmittelverschwendung, einer Unternehmensberaterin über psychologische Ressourcen für Genügsamkeit und einem Sozialpädagogen über Zeitwohlstand. Die Treffen bieten einen Rahmen, um lokale Aktivitäten kennenzulernen, Ideen zu teilen und weiterzuentwickeln und sich über Erfolge und Stolpersteine offen auszutauschen. Auf kommunaler Ebene, bei Freiwilligenseminaren und in Schulen ist die so gewachsene Expertise sehr gefragt: Viele der AG-Mitglieder halten regelmäßig Vorträge oder führen Workshops durch. Außerdem veranstaltete die AG einen Workshop für Multiplikatoren zur Gründung von Repair-Cafés. Eine kleine Suffizienz-Konferenz ist geplant. Politisch sprechfähig werden Die AG Suffizienz wirbt dafür, das Thema Suffizienz überall auf die Tagesordnung zu setzen. Und das nicht nur bei den »üblichen Verdächtigen«, sondern auch in Dörfern, Städten, Unternehmen und auf Landesebene. Ein erster Schritt in diese Richtung war die Broschüre »Ein gutes Leben für alle! Eine Einführung in Suffizienz«, deren erste Auflage bereits verteilt ist. Sie soll Mut und Lust machen, viele Antworten darauf zu finden, wie wir unser Recht durchsetzen können, nicht auf Kosten anderer zu leben. Eine suffiziente Gesellschaft kann nur als plurale Gesellschaft existieren. Je mehr verschiedene Menschen sich zusammen auf die Suche begeben, desto bessere Antworten werden wir finden. Dazu möchte die AG Suffizienz ihren kreativen Beitrag leisten. → Kontakt: katharina.ebinger@bund.net

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Suffizienz begreifbar machen

Foto: Ortsgruppe Gröbenzell

Weitergeben statt wegwerfen Hier startet die ­B N-Ortsgruppe Gröbenzell mit Vorsitzender Ariane Zuber (2. vo. re.) ­gerade ihre Stoff­ taschenaktion. Alte Stoffbeutel werden gesammelt, gewaschen, gebügelt und an die Geschäfte im Ort verteilt. Das spart Plastiktüten.

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ut leben statt nur viel haben. Ressourcen schonen. Gerechter Welthandel. Reparieren statt wegwerfen. Viele Kreis- und Ortsgruppen des BUND Naturschutz beschäftigen sich intensiv mit Suffizienz. Unter anderem ist das Thema in der Kreisgruppe Fürstenfeldbruck besonders im Fokus. Das an sich eher abstrakte Konzept »nachhaltig leben« wird hier durch eine Vielzahl von kleineren Projekten alltagstauglich vermittelt. So findet in Gröbenzell in Kooperation mit der Volks-

Mehr zum Thema

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Gemeinwohlökonomie Eine Wirtschaftsform, die sich nicht an immer höheren Gewinnen, sondern vor allem am Gemeinwohl orientiert – geht das? Ja, sagt Christian Felber, ein bekannter Globalisierungskritiker aus Österreich. In seinem Bestseller »Gemeinwohlökonomie« stellt er ein alternatives Wirtschaftsmodell vor. Es beruht – wie eine Marktwirtschaft – auf privaten Unternehmen und individueller Initiative, jedoch streben die Betriebe nicht in Konkurrenz zueinander nach Finanzgewinn, sondern sie kooperieren mit dem Ziel des größtmöglichen Gemeinwohls. Mehr als tausend Privatpersonen, Politikerinnen und Politiker, Initiativen und Unternehmen haben sich der Idee in nur einem Jahr angeschlossen, nach vier Jahren waren es bereits 1700 Unternehmen und

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hochschule fünf Mal im Jahr ein Repair-Café statt. Die Besucher können defekte Gegenstände mitbringen. Gemeinsam mit einem Fachmann oder einer Fachfrau machen sie sich an die Reparatur und können dabei viel lernen. So wird ermöglicht, dass Geräte länger benutzt statt weggeworfen werden. Zum Thema »Plastik – Fluch oder Segen?« hat die Ortsgruppe Gröbenzell eine Ausstellung zusammengestellt, die auf großes Interesse in der Bevölkerung stieß. In der Grundschule Puchheim-Süd gab es zudem das Projekt »Plastik vermeiden«, bei dem die Schüler viel über die Umweltprobleme gelernt haben, die Plastik verursacht. Beim Vermeiden von Plastikabfällen hilft auch der beliebte Geschirrverleih der Ortsgruppen Gröbenzell und Puchheim mit 100 Gedecken, Gläsern sowie Pavillons. Zum Ressourcenschonen animiert das Projekt »In die Schule GEH ich gern«. Einige Ortsgruppen im Landkreis Fürstenfeldbruck werben an Grundschulen dafür, dass Kinder den Schulweg zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Bus zurücklegen statt im »Elterntaxi«. Das spart nicht nur Sprit, es tut auch der Gesundheit der Kinder gut. Die BN-Aktiven blicken aber auch über den heimischen Tellerrand hinaus: So engagiert sich die Ortsgruppe Gröbenzell in der Steuerungsgruppe für die Fair-Trade-Gemeinde. Wer Gefallen an einer dieser schönen Aktionen findet: Nachmachen erlaubt! Die Ausstellung zum Thema Plastik kann ausgeliehen werden. → Kontakt: Ariane Zuber, Tel. 0 81 42-5 35 76 zuber@abiszreisen.de

weitere 200 Organisationen aus der ganzen Welt, die das Modell unterstützen. Christian Felber: Gemeinwohlökonomie (überarbeitete Neuauflage), Deuticke-Verlag, 2014, 17,90 Euro

Es geht auch ohne Plastik Nach dem großen Erfolg ihres Buches »Besser leben ohne Plastik« legt die Autorin Nadine Schubert nach und zeigt mit noch mehr Tipps und Tricks, wie ein Leben ohne Plastik funktioniert. Als neues Thema greift sie Mikroplastik auf. Die Industrie mischt es gerne in Shampoos, Hautcremes und Zahnpasta; da macht es unser Haar seidig, schafft ein gutes »Hautgefühl« oder sorgt für »strahlend weißen Glanz«. Für die Umwelt ist


Fotos: Markt Perlesreut

Wo sich’s gut leben lässt Einige Kommunen haben erkannt, dass immer mehr Baugebiete nicht automatisch Lebensqualität schaffen. Die Marktgemeinde Perlesreut mit Bürgermeister Manfred Eibl beschreitet erfolgreich neue Wege.

In die Zukunft gedacht

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ine kleine Gemeinde abseits der großen Verkehrsadern, ohne große Industrie – viele Kommunen versuchen in dieser Lage, mit immer neuen Bau- und Gewerbegebieten ihre Einwohnerzahl zu halten, oft vergeblich. In Perlesreut im Landkreis Freyung-Grafenau besinnt man sich auf andere Konzepte. Mit Erfolg, wie Bürgermeister Manfred Eibl (Freie Wähler) berichtet: »Wir arbeiten mit elf Gemeinden in der Region Ilzer Land zusammen bei der Innenraumentwicklung.« In Perlesreut heißt das konkret: keine Genehmigungen für Fachmärkte auf der grünen Wiese, um den Einzelhandel im Ort zu stärken. Dementsprechend gibt es noch einen Lebensmittelladen, Bäcker, Metzger, Ärzte und Fachgeschäfte im Ortskern. Außerdem hat die Gemeinde Wohnhausbestand aus den 60er-Jahren analysiert und mit Architekten überlegt: Wie können diese Häuser für den heutigen Bedarf angepasst werden? Käufer erhalten eine baubegleitende Beratung. Die ersten Häuser sind bereits verkauft. Für eine neue ­ ­Bebauung hat man sich sogar komplett vom Modell

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Einfamilienhaus verabschiedet. Im Projekt »Lebendige Nachbarschaft« entstehen Wohnungen im Geschossbau für Mehrgenerationenwohnen. Es gebe immer mehr Singles und ältere Menschen, die kein Haus bräuchten, so Manfred Eibl. Über die harten Fakten des Flächensparens hinaus hat man in Perlesreut auch die »weichen« Faktoren im Blick und fördert das Gemeinwesen: das Vereinsleben oder ein »Haus der Kinder«, in dem Betreuung für die Kleinen fast das ganze Jahr über gewährleistet ist. Offenbar leben die Menschen gerne hier, denn die Prognosen eines deutlichen Bevölkerungsrückgangs sind nicht eingetreten, im Gegenteil: Die Tendenz geht leicht nach oben. Für seine umfassende Gemeindeentwicklung und Aktivität zur Sicherung der Daseinsvorsorge wurde der Markt Perlesreut in diesem Jahr mit der Goldmedaille beim Wettbewerb »Unser Dorf hat Zukunft« ausgezeichnet.

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Mikroplastik jedoch zur enormen Bedrohung geworden. »Noch besser leben ohne Plastik« zeigt, was jede und jeder Einzelne gegen Mikroplastik tun kann, und präsentiert darüber hinaus viele neue Ideen – vom Plastikfasten bis hin zu plastikfreiem Schenken.

Nadine Schubert: Besser leben ohne Plastik, oekom Verlag, 2016, 12,95 Euro Nadine Schubert: Noch besser leben ohne Plastik, oekom Verlag, 2017, 13 Euro

Tipps für einen nachhaltigen Lebensstil finden Sie auf der BN-Homepage unter: → www.bund-naturschutz.de/oekologisch-leben Mehr Hintergründe zu nachhaltiger Wirtschaft unter: → www.bund-naturschutz.de/oekonomie-oekologie. html Weiteres Beispiel für ein Flächenspar-Projekt bayerischer Kommunen: Gemeinde-Allianz im Hofheimer Land (Landkreis Haßberge): → www.hofheimer-land.de

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Christrose Wie verzaubert erscheinen winterliche Bergwälder, wenn am Boden zwischen dürrem Laub und Schneeflecken die großen, hellen Blüten der Christrose (Helleborus niger) leuchten. Wegen ihres Blühens im Dunkel zwischen Jahresende und Neubeginn, der grün überwinternden Blätter und der Seltenheit in der heimischen Natur betrachtet man sie seit alter Zeit als besondere Pflanze.

Foto: privat

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Die Autorin Dr. Gertrud Scherf hat mehrere ­P flanzenbücher verfasst.

er Theologe, Arzt und Botaniker Otto Brunfels (1488  –  1534) schrieb 1532 über die Christrose: »Würt genannt Christwurtz / darumb / das sein blum / uff die Christnacht sich uffthut / und blüet, welchs ich auch selb wahrgenommen und gesehen, mag für ein gespött haben, wer da will.« Die fünf weißen bis rosa Blütenhüllblätter werden zur Fruchtzeit grünlich oder rötlich. Reichlich Nektar bieten die gelbgrünen Honigblätter. In dieser blüten­ armen Jahreszeit ist das lebenswichtige Nahrung für Bienen, Schmetterlinge und insbesondere für die auch bei tieferen Temperaturen, bedecktem Himmel und Wind fliegenden Hummeln. Während sich Volksnamen wie Schneerose oder Schneekaterl auf die Blütezeit beziehen, ist der deutsche Name Schwarze Nieswurz von der Farbe des Wurzelstocks und dessen in pulverisiertem Zustand zum Niesen reizender Wirkung abgeleitet. Seine Zugabe zu Niespulvern und Schnupftabaken war einst üblich und ist heute wegen der Giftigkeit verboten. Früher wurden Zubereitungen aus dem getrockneten Wurzelstock unter anderem bei Geisteskrankheiten, Schwermut und als Herzmittel eingesetzt. Heute verzichtet man auf die gefährliche Verwendung. Achtung! Die Christrose ist, auch in ihren Gartenformen, in allen Pflanzenteilen sehr stark giftig. Im Volksglauben wurden der Schnee und Frost trotzenden Pflanze starke Kräfte zugetraut, etwa für den Erhalt der Jugendlichkeit und ein langes Leben. Bereits im Mittelalter hat man die Christrose in Gärten ge-

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pflanzt. Als Symbol des Überdauerns und der Hoffnung wurde sie auch zur Grabpflanze. Der Dichter Eduard Mörike (1804 – 1875) erblickte in einem »öd und winterlich« daliegenden Kirchhof eine Schneerose und widmete ihr das Gedicht »Auf eine Christblume«. In Deutschland nur in den Ber­ch­tesgadener Alpen zu finden Die Schwarze Nieswurz braucht kalkreichen Boden und besiedelt lichte Buchen- und Buchenmischwälder. Ihre natürlichen Verbreitungsgebiete liegen in den östlichen Nord- und Südalpen, Kroatien und auf dem Apennin. In Deutschland ist die Pflanze nur in den Berchtesgadener Alpen heimisch. Das nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützte Hahnenfußgewächs steht in den Roten Listen Deutschlands und Bayerns als »gefährdet« (Kategorie 3). Früher dezimierten ausgrabende »Pflanzenfreunde« die Bestände der Christrose. Heute ist die Bergwaldbewohnerin von den Belastungen und Bedrohungen mitbetroffen, denen ihr Lebensraum ausgesetzt ist: Schadstoffeintrag, Klimaerwärmung, Wildverbiss, übermäßiger Holzeinschlag, Forststraßenbau, Rodungen für Freizeiteinrichtungen. Bergwälder bieten Lebensraum für viele Arten und Schutz vor Lawinen, sie fördern die Grundwasserbildung, Wasserreinhaltung, dienen der Luftreinigung und der Speicherung von Kohlendioxid. Der BUND Naturschutz weist auf die Bedeutung intakter Bergwälder hin und fordert deren verstärkten Schutz, etwa durch Verringerung der Verbissschäden, konsequente Weiterführung der Schutzwaldsanierung, Erschließungsstopp sowie naturschonende Bewirtschaftung und Pflege.

Buchtipp: Zauberpflanzen Hexenkräuter

Von Alraune und Königskerze bis ­Eisenhut und Tollkirsche: In diesem Buch stellt unsere Autorin Gertrud Scherf die Geheimnisse magischer Pflanzen vor – eine spannende Symbiose aus alten Überlieferungen und modernem Pflanzenwissen. Zu jeder Pflanze gibt es einen botanischen Steckbrief, ­Mythos, Magie, Geschichte, Brauchtum, Nutzung und Heilwirkung. BLV-Verlag, ISBN-Nr. 978-3-8354-1240-8, 24,99 Euro

Zeichnung: Claus Caspari; aus »Der BLV Pflanzenführer für unterwegs«, BLV Buchverlag

Porträt


Gerettete

Landschaften

Foto: K. Brückmann

2006 wollte der damalige Landkreis ­Demmin 146 Alleebäume fällen, darunter 90 alte Linden. Die Allee zwischen Gessin und Basedow prägt das Landschaftsbild, ihre Bäume bieten auch streng ge­schützten Tieren wie dem Eremit einen L­ ebensraum. Mit engagierten Menschen vor Ort konnte der BUND die Allee retten – ein erster Schritt, um die Basedower Parklandschaft zu bewahren.


Foto: Fotolia/Satori

Natur in der Stadt BN-Schwerpunktthema

stark für den Schutz und die Würdigung der grünen Lunge der Stadt. Bei einem Stadtbaum-Symposium im Oktober ging es um Bäume in Ingolstadt, um Artenschutz, aber auch um fachgerechte Baumpflege. Andernorts gibt es Baumpatenschaften oder Auszeichnungen für die schönsten alten Bäume in Privatgärten.

Naturschutz mitten in der Stadt? Ja, unbedingt! In Zeiten von Bauboom und Artensterben spielen Grünflächen in den Städten eine immer wichtigere Rolle. Seit einem Jahr hat der BUND Naturschutz das Thema Stadtnatur besonders in den Fokus genommen. Eine erste Bilanz.

Neue Chancen für alte Bäume Die Kreisgruppe Würzburg konnte gemeinsam mit einem breiten Bündnis erreichen, dass es eine Abstimmung über die Gestaltung des Kardinal-FaulhaberPlatzes gab. Mit einer Mehrheit von 72 Prozent stimmten die Bürgerinnen und Bürger für die Schaffung eines Parks am Theater (siehe Seite 39). Die Ortsgruppe Wasserburg hatte die Idee, gemeinsam mit Schülern Bäume zu beschildern. Mittels eines QR-Codes kann man jetzt online mehr Informationen zur Baumgeschichte oder der jeweiligen Art abrufen. Vom BN-Landesverband gibt es einen neuen Flyer »Freund Baum«, der über die positiven Auswirkungen von Bäumen auf Stadtklima und Gesundheit informiert. Im August startete zudem das auf drei Jahre angelegte BN-Projekt »Neue Chancen für alte Bäume«, das vom bayerischen Naturschutzfonds gefördert wird. Ziel ist es, das gefährdete Stadtgrün zu erhalten und zu mehren, die Verbandsaktivitäten zu vernetzen und praxis­ orientierte Mitmachaktionen zu entwickeln. Projekt­ inhalte sind unter anderem die Errichtung eines Bürgertelefons für den Großraum Nürnberg nach Münchner Vorbild, wo dies schon seit einigen Jahren angeboten und von den Bürgern gut angenommen wird sowie die Erstellung einer Wanderausstellung über die Bedeutung von alten Bäumen für den urbanen Raum. Zwei Projektmitarbeiter, Christopher Busch und Dr. Daniel Mühlleitner, koordinieren das bayernweite Projekt von Nürnberg aus. Es ist also viel in Bewegung gekommen in Sachen Stadtnatur. Der BUND Naturschutz wird am Thema dranbleiben, denn ein Umdenken passiert weder bei Privatgartenbesitzern noch bei Planungs- und Bauämtern über Nacht. (lf )

Foto: Kreisgruppe Ingolstadt

Prachtbaum Für diese herrliche Weide erhielt ­Ulrich Beer eine Urkunde für den »Stadtbaum des Jahres« 2017. Lena Maly-Wischhof von der Kreisgruppe Ingolstadt überreicht die Auszeichnung.

I Kontakt:

stadtbaum@bundnaturschutz.de

Die BN-Broschüre »Freund Baum« gibt es zum Download unter: www.bund-naturschutz.de/presseaktuelles/publikationen.html

nitialzündung war die Kampagne »StadtNatur« des bayerischen Umweltministeriums, an der sich im vergangenen Jahr auch der BUND Naturschutz beteiligte. »Freund Baum« war der Schwerpunkt des BN-Projekts: vielfältige, fantasievolle Sympathiewerbung für Bäume in Städten und Gemeinden lief an. Zielgruppe waren politische Entscheidungsträger in Städten und Gemeinden, aber auch die Bewohnerinnen und Bewohner von Bayerns Städten. Viele BN-Kreis- und Ortsgruppen kennen den Handlungsbedarf. Gerade in den boomenden Städten und Gemeinden ist der Nutzungsdruck auf die Flächen seit Jahren sehr hoch. Nachverdichtung ist umweltschonender als das Ausweisen immer neuer Baugebiete auf der grünen Wiese, führt aber oft dazu, dass Grünflächen und Bäume in der Stadt verloren gehen. Hier galt es, bei Stadtplanern und Bürgern mehr Bewusstsein dafür zu schaffen, dass eine grüne Stadt lebenswerter ist als eine graue Betonwüste. Natürlich gab es das Thema Naturschutz im urbanen Raum schon vorher im BN. Seit Beginn des Projekts haben aber mehrere Kreisgruppen das Thema neu für sich entdeckt oder ihr Engagement verstärkt. Die Kreisgruppe Ingolstadt zum Beispiel macht sich unter dem Motto »Gemeinsam für Ingolstadts Bäume«

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And the winner is … Skippy!

In Natur+Umwelt 3/2016 hatten wir dazu aufgerufen, dem Symboltier unserer »Natur in der Stadt«-Aktionen einen schönen Namen zu geben. Unserer Jury fiel angesichts der vielen kreativen Vorschläge die Auswahl schwer. Schließlich fiel aber doch eine Entscheidung – nämlich für den schönen Namen Skippy, der so gut zum putzigen und quirligen Eichhörnchen passt. Vorgeschlagen wurde er von unserer Leserin Carmen. Vielen Dank an alle, die mitgemacht haben! Die Preise werden in den ­nächsten Wochen zugeschickt.

Foto: Fotolia/nelik

Grün statt Grau für unsere Städte


25 Jahre Rhein-Main-Donau-Kanal

Fotos: Karlheinz Heinlein, Reinhard Scheuerlein

Heute wie damals ein Desaster

Es war eines der ehrgeizigsten deutschen Bau­ projekte – und es erwies sich in ökologischer und ökonomischer Hinsicht als Desaster. Die Rede ist vom Bau des Rhein-Main-Donau-Kanals. Für 171 Kilometer Kanal zwischen Bamberg und Kelheim wurden 600 Hektar wertvolle ökologische Flächen irreparabel geschädigt oder zerstört.

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ls im September 1992 mit großem Getöse die Einweihung des Rhein-Main-Donau-Kanals gefeiert wurde, mussten viele engagierte Naturschützer diese bittere Niederlage erst einmal verdauen. Es war nicht gelungen, ein Mammutprojekt mit gewaltigen Eingriffen in die Natur zu verhindern. Die Warnungen vor nicht umkehrbaren Schäden auf ökologisch wertvollen Flächen wurden nicht ernst genommen. Heute steht fest: Alle Befürchtungen der Experten des BUND Naturschutz haben sich bewahrheitet. Der Rhein-Main-Donau-Kanal südlich von Nürnberg führt über die europäische Wasserscheide Rhein/ Donau. Der Höhenanstieg von Nürnberg nach Hilpoltstein beträgt 94 Meter. Dies hatte alleine auf diesem ­Abschnitt vier gewaltige Schleusenbauwerke und damit Auffüllungen zur Folge. Zwischen Bamberg und Kelheim mussten 16 Schleusen gebaut werden. »Naturzerstörendes Prestigeprojekt« Die Bauarbeiten bedeuteten das Aus für uralte Naturund Kulturlandschaften, so zum Beispiel die Altmühl. Sie schlängelte sich damals durch Auenlebensräume, wunderschöne Wiesenlandschaften und bedeutende Feuchtgebiete wie den Irrle-Wiesen. Nicht nur das Altmühltal zwischen Kelheim und Dietfurt als Herzstück des Naturparks Altmühltal war bundesweit bekannt. Auch das Ottmaringer Tal zwischen Beilngries und Dietfurt, ein ehemaliges Urstromtal der Donau, und das Sulztal zwischen Pollanten und Beilngries gehörten zu den schutzwürdigsten Tälern der südlichen Frankenalb. Allein die Irrle-Wiesen am Fuß des Wolfsberges waren ein 30 Hektar großes, zusammenhängendes Feuchtgebiet. Dort gab es vor dem Kanalbau das Breitblättrige Knabenkraut; in den Entwässerungsgräben wuchs die Sumpfschwertlilie. Hier war das einzige Wiesenbrütervorkommen in der südlichen Frankenalb mit Bekassine, Braunkehlchen und Sumpfrohrsänger. In

den Hecken fanden Dorngrasmücke, Neuntöter und Rebhuhn ihren Brutplatz. Ringelnatter, Springfrosch und Gelbbauchunke besiedelten die Tümpel, die auch Laichplätze für Berg- und Teichmolch waren. Und heute? Das einst hochwertige Niedermoor im Ottmaringer Tal ist zerstört und die Altmühl unterhalb von Dietfurt hat aufgehört, als Fluss zu existieren. Die Ausgleichsmaßnahmen konnten keinen Ersatz für die vielen verlorenen Lebensräume bieten. Auch die wirtschaftliche Prognose, dass der Kanalbau zu einem Aufschwung der Binnenschifffahrt führen würde, hat sich als völlig falsch herausgestellt. »Der Rhein-Main-Donau-Kanal steht beispielhaft für ein unsinniges und naturzerstörendes Prestige­ projekt. Der politische Traum wurde zum ökologischökonomischen Alptraum«, so BN-Vorsitzender Hubert Weiger. Und doch war das Engagement der mutigen Frauen und Männer für die Natur und die Kulturlandschaft des Altmühltals ein Meilenstein in der Geschichte des Naturschutzes. Und es war Wegbereiter für den inzwischen gesicherten, sanften Donauausbau zwischen Straubing und Vilshofen ohne Staustufen, einen großen Erfolg des Naturschutzes. (lf )

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Drastischer Eingriff Diese Bilder von Meihern im Altmühltal von 1983 und 2017 zeigen, wie sich die Flächennutzung durch den Bau des RMDKanals verändert hat: Feucht- und Extensivwiesen sind fast verschwunden, Ackerflächen (dunkelgrün und braun) nehmen ihren Platz ein.


Flächenschutz: bei der Regierung kein Thema

Foto: Klaus Leidorf

Wunden in der Landschaft Gewerbegebiete mit riesigen Parkflächen und verschwenderischer Straßenbau wie hier in Gersthofen bei Augsburg zerstören immer ­größere Teile von Bayerns Kulturlandschaft.

Bayern verschwindet unter Beton und Asphalt

Foto: Toni Mader

Der Flächenverbrauch und damit der Verlust von nicht vermehrbarem Boden ist eines der zentralen ungelösten Umweltprobleme unserer Zeit. In Bayern verschwinden Tag für Tag über 13 Hektar unter Asphalt und Beton. Damit ist der Freistaat unter den Spitzenreitern im bundesdeutschen Durchschnitt. Kommt 2018 ein Volksbegehren gegen Flächenverbrauch?

Foto: Toni Mader

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Die Autoren Peter Rottner ist der Landesgeschäftsführer, Richard Mergner ist der Landesbeauftragte, Martin Geilhufe der Referent für politische Kommunikation des BN.

ie Zeit, alle politischen Mittel auszuschöpfen, ist reif, denn: In den vergangenen Jahren ist der Flächenverbrauch trotz umfangreicher Öffentlichkeitsarbeit und großem Engagement des BN gegen Eingriffsprojekte jeglicher Art weiter vorangeschritten. Aktuell läuft – noch bis Ende des Jahres – der parlamentarische Prozess zur Änderung des Landesentwicklungsprogramms. Wenn diese Gesetzesänderung so verabschiedet wird wie von Heimatminister Markus Söder vorangetrieben, wäre einer hemmungslosen Verbauung der bayerischen Landschaft Tür und Tor geöffnet. Vor allem die Aufweichung des Anbindegebotes und die Aufweichung des Alpenplans würden den Flächenverbrauch weiter anheizen. Deshalb begrüßt der BUND Naturschutz grundsätzlich alle Initiativen, die zur Begrenzung des Flächenverbrauchs führen. Gespräche zu Volksbegehren laufen Die Bundesregierung hat sich das Ziel gesetzt, bis 2030 den Flächenverbrauch in Deutschland auf 30 Hektar pro Tag zu verringern. Auf Bayern würde ein Anteil von ca. 4,7 Hektar pro Tag entfallen. Mit aktuell 13 Hektar pro Tag ist der Freistaat meilenweit von diesem Ziel

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entfernt. Dabei sollte eigentlich allen klar sein: Boden ist nicht vermehrbar. Wenn wir einfach weitermachen wie bisher, wird nicht nur die Schönheit der bayerischen Landschaft dem Erschließungswahn zum Opfer fallen. Auch immer mehr wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen gehen verloren. Und wer möchte in bis zur Unkenntlichkeit erschlossenen und verbauten Regionen noch Urlaub machen? Im September haben die Grünen in Bayern gemeinsam mit der ödp ein Volksbegehren zur Eindämmung des Flächenverbrauchs auf den Weg gebracht. Ziel des Volksbegehrens ist es, diesen Raubbau durch eine Änderung des Bayerischen Landesplanungsgesetzes einzudämmen. Ab dem Jahr 2020 soll die Flächeninanspruchnahme auf maximal 5 Hektar pro Tag begrenzt werden. Der BUND Naturschutz hat große Erfahrungen mit Volksbegehren und weiß, dass für einen Erfolg ein guter Gesetzentwurf und ein breites gesellschaftliches Bündnis erforderlich ist, das auch von Parteien unterstützt werden kann. Deshalb gibt es derzeit im Verband eine breite Diskussion im Vorstand, im Beirat und in den Kreisgruppen, ob sich der BN dem Volksbegehren der Grünen anschließen soll. Als Alternative haben wir einen umfassenderen ­Gesetzentwurf zum Schutz wertvoller Landschaften in Bayern und zum Schutz des ­Alpenplans entwickelt, der mit potentiellen Bündnispartnern diskutiert wird. Ob es 2018 zu einem Volksbegehren kommt, bei dem sich in der zweiten Stufe knapp eine Million Wahlberechtigte innerhalb von 14 Tagen in den Rathäusern für einen Volksentscheid zum Flächenschutz aussprechen müssen, ist daher noch offen. Peter Rottner, Richard Mergner, Martin Geilhufe


BN-Landesvorstand in Niederbayern

Wo Moore verbaut und Auen zerstört werden

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Foto: BN

Das Thema Flächenschutz stand Ende Juli bei der Reise mehrerer Mitglieder des BN-Landes­ vorstands nach Niederbayern im Mittelpunkt. In diesem Regierungsbezirk gibt es immer wieder völlig überzogene Straßenbau- und Gewerbe­ ansiedlungsprojekte. ie Tour führte die Mitglieder des Landesvorstandes am ersten Tag in den Bayerischen Wald. Hier machten sich die Reisenden in Sachen Flächenschutz ein Bild von den überdimensionierten Straßenausbauprojekten im Landkreis Regen. Jüngstes Beispiel hierfür ist die Verlegung der B 11 bei Schweinhütt. Derzeit läuft dafür das Planfeststellungsverfahren. Der BUND Naturschutz lehnt dieses Projekt ab. Danach ging es nach Landshut zur viel diskutierten Trasse der Westtangente. Diese würde das wunderschöne Naherholungsgebiet »Obere Isarau und Flutmulde« zerstören. Der BN hat die Gründung einer BI gegen die Westtangente unterstützt. Bei zwei Bürgerbegehren haben sich seither die Landshuter Wählerinnen

und Wähler zwar für den Bau der Westtangente, aber auch für die Erhaltung der Isarau ausgesprochen. Ein Lichtblick dann am zweiten Tag: Die Mitglieder des Landesvorstands besuchten die BN-Ortsgruppe »Kleines Vilstal«, dort wurden durch kontinuierliche Pflanzungen der Ortsgruppe neue Lebensräume mit höherer Biodiversität für den Artenschutz geschaffen. Am Nachmittag ging es ins Königsauer- und Großköllnbacher Moos. Dort stehen Wiesenbrüter unter enormem Druck durch Zersiedelung und Flächenverbrauch. Entlang der A 92 wurden mehrere Industriegebiete ausgewiesen, die sich negativ auf die im Isarmoos lebenden Wiesenbrüter auswirken. Es bleibt also viel zu tun für die BN-Kreis- und Ortsgruppen in Niederbayern.

Wie viele denn noch? Hier im Landkreis Dingolfing-Landau soll eine Logistikhalle entstehen – in einem wertvollen Lebensraum für Wiesenbrüter.

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Naturschutzgroßprojekt am Grünen Band

Stabiles Rückgrat für den Artenschutz

Foto: Dr. Otmar Fugmann

Rund um Coburg ist eines der größten Naturschutzprojekte Deutschlands angelaufen. Auf mehr als 8000 Hektar Fläche werden am Grünen Band wertvolle Lebensräume gepflegt, aufgewertet und miteinander vernetzt. Ohne den BUND Naturschutz hätte es dieses Projekt nie gegeben.

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er Ausdruck »Großprojekt« hat für Naturschützer schnell einen bedrohlichen Beigeschmack, erinnert er doch an gigantische Bauvorhaben wie Autobahnen oder Schifffahrtskanäle. Wenn es sich jedoch um Naturschutzgroßprojekte handelt, ist die Freude groß. Denn Großprojekt bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Artenschützer – selten genug – ausreichend Zeit, Geld und Fläche zur Verfügung haben, um wirksamen und nachhaltigen Naturschutz zu betreiben. So auch bei dem aktuellen Großprojekt am Grünen Band bei Coburg. Das Vorhaben »Grünes Band ­Rodachtal-Lange Berge-Steinachtal« schließt einen fast 130 Kilometer langen Abschnitt der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze, angrenzende Flusstäler und den Höhenzug Lange Berge ein. Mehr als 8200

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Hektar ist das Fördergebiet groß. Artenreiche Wiesen und Heideflächen sowie naturnahe Wälder und Flüsse machen es zu einem Eldorado für bedrohte Arten wie Bechsteinfledermaus, Bekassine, Raubwürger, Gelbbauchunke, Gemeine Fluss­ muschel und Grünes Koboldmoos.

Wertvolle Lebensräume verbinden 2002 hatte der BN die Idee zu dem Projekt. Von 2010 bis 2013 wurde es dann endlich konkret: Fachleute sondierten das Fördergebiet und überlegten, wie die wertvollen Biotope im und am Grünen Band optimal gepflegt und vernetzt werden können. Ziel ist, seltenen Arten mehr Lebensraum und bessere Korridore zum Wandern und sich Ausbreiten zu bieten. Das Grüne Band soll dabei als »grünes Rückgrat« des

gesamten Projektgebietes fungieren. An ihm entlang werden Verbindungen zu wertvollen Lebensräumen hergestellt und gepflegt. Flächen, die ihre Naturnähe verloren haben, sollen wieder aufgewertet werden, beispielsweise, indem man Flussgebiete renaturiert und Feuchtwiesen, Magerrasen sowie Zwergstrauchheiden entbuscht oder extensiv beweiden lässt. Die große Frage nach der Planungsphase war, wie die verschiedenen Landnutzer, Eigentümer, Kommunen und die Bevölkerung auf das Naturschutzvorhaben und besonders auf den geplanten Flächenankauf reagieren würden. Tatsache ist: Es war nicht einfach, alle mit ins Boot zu holen, aber es ist ­gelungen. Den Durchbruch brachte unter anderem ein Gremium, in dem Naturschützer und Landwirte


Der Kreis schließt sich

Das Projekt in Kürze Ziel:

Biotopverbund zahlreicher ­naturschutzfachlich wertvoller ­Lebensräume am Grünen Band

Gebiet:

8206 Hektar

Dauer:

Projekt I: 2010 bis 2013 (Planung) Projekt II: 2016 bis 2026 (Umsetzung)

Förderer: 

Bundesumweltministerium, ­Bundesamt für Naturschutz, Freistaaten Thüringen und Bayern, Bayerischer Naturschutzfonds, Zweckverband Grünes Band Rodachtal-Lange Berge-Steinachtal

Fördersumme:

ca. 9 Millionen Euro (Phase II)

Träger:

Zweckverband Grünes Band ­Rodachtal-Lange Berge-Steinachtal, fachliche und finanzielle Unter­ stützung: BUND, LBV

gemeinsam entscheiden, welche Flächen für das Projekt angekauft werden.

Vision wird Realität Im Februar 2016 begann schließlich die Umsetzungsphase – für den BUND Naturschutz ein großartiger Erfolg. Nicht nur, dass der »Erfinder« des Grünen Bandes, Kai Frobel, aus den eigenen Reihen kommt. 14 Jahre lang hatten die BN-Experten angeschoben, erklärt, diskutiert und vermittelt. Ein langer Atem, gute Nerven, viel Überzeugungsarbeit und gute Argumente haben schließlich dazu beigetragen, dass aus der Vision Realität wurde. Der Mut, in großen Dimensionen zu denken, hat sich in diesem Fall bewährt. Weitere Infos zum Projekt: → www.ngpr-gruenes-band.de

Foto: BN

Lebensader Das Grüne Band zwischen Mitwitz und Neustadt

Für den BN-Artenschutzexperten Kai Frobel ist das Projekt bei Coburg eine Herzens­ angelegenheit. Vor 42 Jahren hat er als Schüler den Grundstock dafür gelegt – und für einen der größten Erfolge des Naturschutzes in der ­Geschichte der Bundesrepublik.

N+U: Herr Frobel, wie würden Sie jeman­ dem, der von Naturschutz keine Ahnung hat, erklären, was uns dieses Projekt bringt? Kai Frobel: Das Grüne Band ist ein ganz wichtiger Rückzugsraum für viele bedrohte Tiere und Pflanzen. Es ist bundesweit das einzige Vorbild für den dringend nötigen Biotopverbund in Deutschland, für ein Netz des Lebens. Das Projekt soll zeigen, wie man Lebensräume im und am Grünen Band vorbildlich pflegt und vernetzt. Es war ja nicht ganz einfach, die Land­ nutzer vor Ort für das Naturschutzprojekt zu gewinnen. Welche Ängste waren da? Die Bauernverbände befürchteten, dass ihnen durch den Flächenankauf außerhalb des Grünen Bandes landwirtschaftliche Nutzflächen verloren gehen. Wir sind dann auf die Landwirte zugegangen und haben Zugeständnisse gemacht, etwa das Projektgebiet verkleinert und ein gemeinsames ­Gremium für den Flächenankauf geschaffen. Das hat sich bewährt. Mittlerweile koope­ rieren wir sehr gut und auch die Bauernverbände loben das Projekt. Hat dieses Projekt für Sie als »Erfinder« des Grünen Bandes besondere Bedeutung? Nicht nur für mich, für den ganzen BN! Genau dort, wo heute das Naturschutzgroßprojekt realisiert wird, hat die Geschichte des Grünen Bandes vor mehr als 40 Jahren begonnen. Das freut mich natürlich besonders, weil sich der Kreis damit sozusagen schließt. 1975 habe ich dort als Schüler die Vogelarten erfasst. Das war bundesweit die erste Kartierung am Grenzstreifen. Für einen Jugendwettbewerb des Umweltministeriums habe ich die Ergebnisse 1977 zusammengefasst und damit im deutschen Naturschutz erstmals dargestellt, welchen naturschutzfach­ lichen Wert der sogenannte Todesstreifen hat. 1979 bis 1984 haben dann vor allem fünf Jugendliche der BN-Kreisgruppe Coburg unter Leitung eines inzwischen verstorbenen Biologielehrers ehrenamtlich das Gebiet ­Coburg, Lichtenfels und Bamberg inklusive

Grenzstreifen flächendeckend erfasst. Damit hatten wir den Vergleich, was im Grenzstreifen vorkam und was in der normalen bayerischen Landschaft. Es stellte sich heraus, dass über 90 Prozent vieler seltener Vogelarten nur noch an der innerdeutschen Grenze vorkamen. Konnte man denn vor der Wiedervereini­ gung den Grenzstreifen kartieren? Von der Westseite aus war das kein Problem. Wir konnten ja bis an die Landesgrenze heran, um die oft auf dem Zaun balzenden Vögel zu erfassen. Damals erschien die Entscheidung, fremdes Staatsgebiet zu kartieren, allerdings fast unsinnig. Aus heutiger Sicht war sie ein wahrer Glücksgriff, denn die ­Kartierung war die spätere Grundlage für das Grüne Band Deutschland und Europa. Entwickelt sich das Grüne Band so, wie Sie es sich damals erhofft haben? Es ist ein Riesenerfolg, dass es uns überhaupt gelungen ist, das Grüne Band für den Naturschutz zu erhalten. Hätte der BN nicht schon vor der Grenzöffnung wissenschaftlich und in der Öffentlichkeit belegt, wie unersetzbar dieser Biotopverbund ist, gäbe es heute nur noch ein braunes oder graues Band. In unserer schnelllebigen Zeit wäre der ehemalige Grenzstreifen längst umgeackert oder asphaltiert. Dass es das Grüne Band gibt, verdanken wir tatsächlich dem Engagement des BUND Naturschutz. Der Raum Coburg hat ja seit der Grenz­ öffnung viele große Bauprojekte ertragen müssen … Ja, vor allem die A 73 nach Erfurt, parallel dazu die ICE-Trasse und dann noch die neue 380-KV-Hochspannungsleitung. Ich stamme ja aus der Region und es tut schon unheimlich weh, diese ganzen massiven Eingriffe in die Landschaft zu sehen. Es ist ein Trost, dass in der Region jetzt auch im großen Stil etwas für den Naturschutz passiert. Text und Interview: Heidi Tiefenthaler

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Ökolandbau in Bayern weiter stärken!

Foto: Wolfgang Willner

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Meilenstein für Naturschutz an der Donau

io« befindet sich in Bayern auf einem guten Weg: Im Freistaat wirtschaften 9000 Betriebe auf einer Fläche von rund 280 000 Hektar nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus. Immer mehr Betriebe stellen um und auch die Zahl der Bio-Unternehmen in Verarbeitung und Handel ist in den letzten Jahren auf über 3000 angestiegen. »Die Umstellungszahlen machen deutlich, dass die Initiative BioRegio Bayern 2020 Wirkung zeigt«, bewertete Josef Wetzstein, Vorsitzender der Landesvereinigung für den ökologischen Landbau (LVÖ), die Entwicklung bei einem Treffen der Vorstände von LVÖ und BUND Naturschutz Mitte Oktober. Trotz dieser positiven Entwicklung ist das Poten­zial für Bio aus Bayern aber nach wie vor groß, da die Nachfrage nach heimischen Bio-Produkten immer noch größer ist als das Angebot. Deshalb forderten die Vorstände die Fortführung und den Ausbau der BioRegio-Initiative. »Der ökologische Landbau schützt Böden, Grundwasser und Klima, erhält die Artenvielfalt und fördert das Tierwohl«, betonte der BN-Vorsitzende Hubert Weiger. »Mit dieser Wirtschaftsweise lassen sich positive Umweltwirkun-

ie Landschaften an der Donau zählen zu den vielfältigsten und artenreichsten in Bayern. Ein Masterplan des Umweltministeriums soll jetzt den Naturschutz an Bayerns großem Strom fördern. Der BUND Naturschutz begrüßt den Plan, da er erstmalig eine ­naturschutzfachliche Zustandsbeschreibung mit Zielen und Projekten verbindet. »Es ist europäische Verantwortung, die Lebensader Donau zu erhalten und ökologisch weiterzuentwickeln. Auf Jahrzehnte der Flusskorrektur und Fehlentwicklungen aus ökologischer Sicht müssen nun Jahrzehnte der Renaturierung folgen«, erklärte der BN-Vorsitzende Hubert Weiger. Der Masterplan nehme diese Verantwortung auf. »Davon werden nicht nur die Natur und das Leben an der Donau profitieren, sondern auch der Mensch: Natürlicher Hochwasserschutz, Nährstoffrückhalt und faszinierende Erholungsräume sind ein Gewinn für uns alle. Wir hoffen nun, dass die Projekte zügig umgesetzt werden«, ergänzte Weiger. Die Initiative für den Masterplan ging von BUND Naturschutz, Auenzentrum Neuburg-Ingolstadt und Umweltministerium aus.

Foto: Bartussek/fotolia.com

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gen mit wirtschaftlichen Entwicklungschancen für die bäuerlichen Betriebe in Bayern optimal verbinden.« Ansatzpunkte für eine Weiterentwicklung des BioRegio-Programms wären unter anderem der Ausbau von Forschung und Wissenstransfer im ökologischen Landbau und die Einrichtung einer dritten ÖkoFachschule mit Schwerpunkt auf ökologischem Gartenbau.

Salzach: Demo für ein Naturjuwel

D Foto: Dominik Meyer

ie Salzach, auf 60 Kilometern Grenzfluss zwischen Bayern und Österreich, ist der einzige Voralpenfluss, der nicht durch Staustufen unterbrochen ist. Auch wenn die Salzach ab der Mitte des 19. Jahrhunderts begradigt und gezähmt wurde, blieben Fluss und Aue doch bis heute vom Staustufenbau verschont. Damit das so bleibt, setzt sich der BUND Naturschutz zusammen mit vielen

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Erster Wolfsnachwuchs in Bayern seit 150 Jahren

ine großartige Nachricht kam im August aus dem Bayerischen Wald: Erstmals seit über 150 Jahren hat ein frei lebendes Wolfspaar in Bayern Nachwuchs bekommen. Der BN freut sich sehr über diese Entwicklung und heißt die Wolfsfamilie herzlich willkommen. Landwirtschaftsminister Helmut Brunner hingegen redete kurz darauf schon über den Abschuss von Wölfen. Doch anstatt eine verbale Treibjagd zu veranstalten, sollte Brunner seine Hausaufgaben machen: »Landwirtschaftsund Umweltministerium müssen sich jetzt endlich auf eine ­finanzielle Förderung von Herdenschutzmaßnahmen einigen und ein leistungsfähiges Wolfsmanagement einrichten. Nur so hat der Wolf eine echte Chance in Bayern«, erklärte der BNLandesbeauftragte Richard Mergner. Einen Bärendienst erwiesen dem Wolf Anfang Oktober unbekannte Täter: Sie brachen ein Gehege des Nationalparks Bayerischer Wald auf, so dass sechs Wölfe entlaufen konnten. Im Gegensatz zu wilden Wölfen haben Gehegewölfe ihre natürliche Scheu vor Menschen abgelegt, so dass es zu unberechenbaren Situa­tionen kommen kann. Der Nationalpark versucht seither alles, um die Wölfe wieder einzufangen, was zu Redaktionsschluss leider nur in einem Fall gelungen war. Fakten und Hintergründe zum Wolf gibt es unter → www.bund-naturschutz.de/wolf. Beim BN-Service ist ein Taschenführer Wolf erhältlich: → www.service.bund-naturschutz.de

Foto: Ralph Frank

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Schluss mit schmutzig – für saubere Luft in Bayerns Städten

Foto: BN

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Partnern seit Jahrzehnten intensiv für den Schutz der Salzach ein. So auch Anfang Juli dieses Jahres: Trotz strömendem Regen fuhren mehr als 60 Kanuten bei einer Bootsdemo von Tittmoning nach Burghausen. Mit dabei waren der BN-Vorsitzende Hubert Weiger und die stellvertretende Landeshauptfrau von Salzburg Astrid Rössler. Weiger erklärte: »Wir brauchen einen solchen Fluss, damit die Leute wissen, was frei fließend überhaupt bedeutet.« Jüngst melden die Stromerzeu-

ber den Sommer jagte ein Dieselgipfel den nächsten, denn kurz vor der Bundestagswahl sollte in den smogbelasteten Innenstädten Ruhe einkehren. Da in Großstädten wie München oder Stuttgart Fahrverbote drohten, lud Ministerpräsident Horst Seehofer mehrmals in die Staatskanzlei und Bundeskanzlerin Angela Merkel ins Kanzleramt ein. Der BUND Naturschutz protestierte vor der Staatskanzlei und hängte der Bavaria ein überdimensionales Transparent mit der Forderung nach sauberer Luft um. Zudem schrieb der BN die Oberbürgermeister aller betroffenen bayerischen Städte an, um gemeinsam Lösungen zu erarbeiten, so dass öffentlicher Personennahverkehr und Fahrräder das Stadtbild bestimmen und die Menschen wieder durchatmen können. Erste Gespräche mit Oberbürgermeistern haben bereits stattgefunden.

ger allerdings wieder Begehrlichkeiten an. Im Fahrwasser einer falsch verstandenen Energiewende machen sie Stimmung für neue Kraftwerke. Ermutigt werden sie dabei durch einen Ministerratsbeschluss aus dem Jahr 2016. Weiger forderte deshalb, diesen Beschluss zurückzunehmen. Die Salzach sollte vielmehr renaturiert werden. Das Land Salzburg ist dafür bereits aktiv geworden.

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Foto: Heidi Tiefenthaler

Weggeräumt Biberberater Wolfgang Schießl an den Resten eines Biberdammes.

Ehrenamt im BUND Naturschutz

Foto: BN-Archiv

Von Baumeistern und Bauern

Gestaltungsfreudig Seit der Biber nach Bayern zurückgekehrt ist, gibt es wieder mehr »Wildnis«.

W

Wolfgang Schießl ist ist beim BN aktiv und ehrenamtlicher Biberberater im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen. Also, ­eigentlich berät er natürlich nicht die Biber, sondern ­die ­Bauern. Die rufen ihn an, wenn ein Feld überflutet oder ein Fraßloch im Maisacker ist. Dann versucht Schießl, Brücken zu bauen und Frieden zu stiften. Meistens gelingt es ihm. ­Unsere Autorin Heidi Tiefenthaler hat ihn begleitet.

enn Wolfgang Schießl redet, sind seine Hände immer in Bewegung. Und reden ist wichtig in seinem Job, manchmal auch schweigen. »Wenn einer gerade so richtig loswettert, dann darf ich eines nicht – altklug rüberkommen und sagen, ist doch alles nicht so schlimm«, erklärt Schießl. Und nicht nur er, auch seine Frau ist in dieser ersten Stufe der Deeskalation gefragt. Zu Hause hält sie die Stellung. Wenn dann ein aufgeregter Bauer anruft, ist ihre ruhige Art genau richtig. »Dann ist schon mal die erste Luft raus«, sagt Wolfgang Schießl und man hört, wie froh er um dieses gute Teamwork ist. Schießl ist 69 Jahre alt, groß, braun gebrannt und hager. In kurzer Sporthose, Achselshirt, Turnschuhen

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und blauem Leinenbeutel über der Schulter hätte ich ihn eher für einen Marathonläufer auf dem Weg zum Training als für den ehrenamtlichen Biberberater gehalten, den ich heute treffen sollte. Verständnis für Bauern und Biber Wenn Wolfgang Schießl vor Ort geschädigte Bauern trifft, dauert es manchmal noch fünf oder zehn Minuten, bis der größte Frust raus ist. Dann sieht er sich die Sache in Ruhe an, lässt den Landwirt erzählen und holt schließlich seine Liste raus, das wahrscheinlich wichtigste Instrument bei seiner Arbeit. Auf ihr steht, wie viel Raps, Mais, Weizen und so weiter durchschnittlich auf einem Hektar wächst und wie viel der


Bauer dafür auf dem Markt bekommen würde. Schießl überschlägt dann, welche Entschädigung der Landwirt für einen gemeldeten Schaden zu erwarten hat. Manchmal hat der Biber einen Bach gestaut und so ein anliegendes Feld unter Wasser gesetzt, manchmal hat er sich auch direkt an Mais, Raps & Co. gütlich getan. »Wichtig ist, dass auf der Liste ›Bauernverband‹ und nicht etwa ›Landratsamt‹ steht«, erklärt Schießl und grinst. Nach zehn Jahren im Einsatz kennt er seine »Kundschaft« ziemlich gut, die Bauern ebenso wie die Biber. Verständnis für beide zu haben, ist sein Job – sein ehrenamtlicher wohlgemerkt. 28 Stunden im Monat steckt er da hinein. Dass ihm beim Biber das Verständnis leicht fällt, kann ich unschwer heraus­ hören. Das Fleißige, aber auch das leicht Anarchische am Biber gefallen ihm. »Der baut einfach und fragt keinen.« Landschaftsgestaltung nach Biberart Heute hat es Schießl mit einem überfluteten Weizenfeld zu tun. Bevor er dort in zwei Tagen einen Vor-OrtTermin mit der Unteren Naturschutzbehörde und dem Landwirt hat, will er sich selbst ein Bild von der Situation machen. Wir fahren also kreuz und quer durch die Felder und landen schließlich an einem unscheinbaren Rinnsal. Etwa 40 bis 50 Zentimeter breit, fließt es, gesäumt von Gebüschen und Bäumen, in einem unsichtbaren Betonbett schnurstracks durch die landwirtschaftlichen Flächen. Da hält Wolfgang Schießl, inzwischen mit Gummistiefeln ausgestattet, plötzlich inne und hebt den Finger ans Ohr. »Da plätschert’s, da is’ was,« sagt er. Wir finden ein paar abgebissene Äste im Wasser, ein kleines Querbauwerk und schon fließt das Bächlein nicht mehr schnurgerade, staut sich ein bisschen und macht einen Bogen, ehe es wieder in die menschengemachte Spur zurückwechselt. Der Biber nutzt die kleinen Seitenbäche der Altmühl gerne, um sich eine Wasserlandschaft ganz nach seinem ­Geschmack zu gestalten. Ein Stück weiter vorne haben wir den Schadensfall entdeckt: Ein paar biberbreite Fraßwege führen in das angrenzende Weizenfeld und eine Schlammschicht zeigt, dass hier vor kurzem noch das Wasser stand. Matschige Traktorspuren und ein Berg von Ästen, Laub und Schlamm zeugen davon, dass der Bauer das Problem bereits auf seine Art gelöst hat. Der Bach fließt jetzt wieder relativ zügig ab, aber eine ausladende Kurve im Bachverlauf beweist, dass der Biber hier fleißig an einem Damm gebaut hat, um das Wasser zu einem kleinen Teich aufzustauen. Zum Schwimmen haben Biber gerne Gewässer mit mindestens einem halben Meter Tiefe. Wo diese fehlen, schaffen sie sich eben welche. Sisyphusarbeit Schnell ist klar, dass der Fall wohl unterhalb der Bagatellgrenze liegen wird. Was den Landwirt in Rage gebracht hat, macht auf dem Papier summa summarum voraussichtlich keine 50 Euro Schaden aus. Manchmal sieht es im ersten Moment eben schlimmer aus, als es

dann tatsächlich ist. Da heißt es für Schießl, klug und empathisch kommunizieren. Großzügig sein, zuhören, Verständnis zeigen. Das hat er in den BiberberaterKursen gelernt und aus der Erfahrung. Es ist wichtig, dass die Landwirte sich gehört fühlen. Dann besteht weniger die Gefahr, dass sich Konflikte verschärfen.

Auf der Seite »BN aktiv« berichten wir über unsere Aktiven und ihre vielseitigen Naturschutzaktionen in ganz Bayern. Und vielleicht wächst dann auch eine nächste Bauerngeneration heran, die den Biber als Mitbewohner dieser Landschaft sieht und nicht mehr als Feind. Klar ist, dass der Biber an diese Stelle zurückkehren und unverdrossen weiterbauen wird. Schießls Job ist also in gewisser Weise der eines Sisyphus, aber das macht ihm nichts aus. »Nein, frustrierend ist die Arbeit nicht – sie geht halt nie aus.« Weil der Biber im Landkreis bleiben und seinen Lebensraum immer weiter gestalten wird. »Er will bauen, das ist sein Instinkt«, sagt Schießl. Dann zeigt er mir noch einen seiner Lieblingsbäche: Drei Dämme innerhalb von wenigen hundert Metern hat der Biber dort angelegt, einer davon mehrere Meter hoch, die obere Baukante sauber mit Schlamm verputzt. »Sehn’ Sie des? Sehn’ Sie des?« Schießl stürmt jetzt mit großen Schritten voran, sodass ich kaum mehr hinterherkomme. »Des macht der alles mit seine kleinen Händchen.« So viel Begeisterung kann man einfach nicht widerstehen und ich freue mich an der kleinen Urlandschaft, die hier entsteht – kostenlos und als wertvoller Lebensraum für zig gefährdete Arten. Lieber mal offline Mittagspause. Wir sitzen auf der »Ingrid-Bank« neben einer kleinen Streuobstwiese, die Wolfgang Schießl »nebenher« mit BN-Kollegen der Ortsgruppe pflegt. Circa 15 Stunden im Monat gehen mit Wiesenpflege, Fledermausschutz und Kindergruppe sicher auch nochmal drauf. Ingrid heißt seine Frau und ein kleines silbernes Schild gibt der Bank ihren Namen. Ruhig ist es hier und man kann weit ins Land schauen. Schießl streckt die langen Beine aus. Das Handy hat er wie meistens ausgeschaltet, weil er es nicht leiden kann, immer »online« zu sein. Für Erreichbarkeit sorgt ja seine Frau zu Hause in der Einsatzzentrale. »Das macht die gut«, sagt er nochmal. Und dass es gut ist, ein gemeinsames Hobby zu haben, jetzt, wo die Kinder längst groß sind.

Sie wollen sich auch zum ehrenamtlichen Biber­ berater ausbilden lassen? Fragen Sie die BN-Biberberater (→ www.kurzlink.de/biberberater) oder Ihre Untere Naturschutzbehörde.

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Mehr Wissenswertes zum Biber: www. bund-naturschutz. de/tiere-in-bayern/ saeugetiere/biber. html


Foto: BN

BN verteidigt Ruhezonen in den bayerischen Alpen

Riedberger Horn hat viele Freunde

Die Bayerische Staatsregierung will den Alpenplan, ein bewährtes Instrument zum Schutz der Alpen, ändern. Das würde die Rechtsgrundlage für einen Skigebietszusammenschluss am ­Riedberger Horn schaffen. Aus der Bevölkerung kommt immer mehr Protest gegen dieses Vorhaben.

Foto: privat

Foto: Toni Mader

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m Allgäu hat sich ein Freundeskreis Riedberger Horn gegründet, der sich für den Erhalt des Ried­ berger Horns als Wanderberg ausspricht und gegen die Liftbaupläne kämpft. Innerhalb von nur drei Wochen traten rund 2000 Allgäuerinnen und Allgäuer dem Freundeskreis bei. Bei einer Demo mit über 1000 Teilnehmern skandierten die Freunde des Riedberger Horns beim Besuch von Ministerpräsident Horst Seehofer zum Auftakt der Allgäuer Festwoche im August in Kempten: »Hände weg vom Alpenplan!« (siehe Die Autoren Bild). 1500 Personen unterschrieben Richard Mergner einen Appell an den Ministerpräsiist der Landesbeauftragte, Thomas denten, der dann in den regionalen Zeitungen veröffentlicht wurde. Frey der RegionalDer BUND Naturschutz rüstet referent für Schwaben des BUND sich derweil für die rechtlichen Aus­Naturschutz. einandersetzungen. Sehr hilfreich sind dafür die vielen Spenden von Naturschützern zum Erhalt des Riedberger Horns. Damit können nun fachliche Gutachten erstellt und die Rechtsanwälte für die kommenden gerichtlichen Auseinander-

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setzungen bezahlt werden. Als erstes stehen die Verfahren zu Pisten und Lift im Grasgehren-Kessel an.

Birkhühner brauchen Schutz Der Grasgehren-Kessel wird im neu veröffentlichten Arten- und Biotopschutzprogramm (ABSP) für den Landkreis Oberallgäu als Lebensraum mit landesweiter Bedeutsamkeit eingestuft, was der wertvollsten Kategorie der Biotoptypen entspricht. Ebenso wird aus fachlicher Sicht dort festgestellt, dass der »Erhalt unzerschnittener, störungs­ armer Lebensräume zum Schutz der Birkhuhnpopulation« geboten ist. Das bedeutet: »Unterlassen weiterer touristischer Erschließungsmaßnahmen, keine Ausweitung des Skibetriebs.« (ABSP Oberallgäu 2017) Die Betreiber der Grasgehrenlifte planen außerdem einen neuen Speicherteich für den Ausbau der künstlichen Beschneiung. Erster Standortvorschlag war ein alpines Hochlagenmoor von internationaler Bedeutung. Sollten diese Planungen

Widerstand aus der Bevölkerung Im Allgäu hat sich der Freundeskreis Riedberger Horn gegründet, der gegen die Liftbaupläne kämpft. Minister­ präsident Horst Seehofer wurde in Kempten mit einer Demo empfangen.

fortgesetzt werden, müsste der BN auch hier mit allen rechtlichen Möglichkeiten vorgehen. Der BN fordert die Staatsregierung, die Landtagsabgeordneten und die planenden Gemeinden im Allgäu auf, sich für einen zukunftsfähigen Alpentourismus in Zeiten des Klimawandels einzusetzen. Neue Lifte und beschneite Pisten, insbesondere auf Südhanglagen wie am Riedberger Horn, die dann auch noch mit bis zu 30 Prozent mit bayerischen Steuermitteln unterstützt werden, sind der falsche Weg. Der BN ist davon überzeugt, dass die Zukunft des Alpentourismus in einem naturorientierten Ganzjahrestourismus liegt. Dazu sind keine großen Infrastrukturen in der Landschaft notwendig, im Gegenteil, sie zerstören das wertvollste touristische Kapital. Die alpine Natur- und Kulturlandschaft selbst bietet genug Attraktionen – im Sommer wie im Winter. Der bayerische Alpenraum kann mit viel intakter Natur noch ein Alleinstellungsmerkmal bieten, das in den meisten Regionen Deutschlands mit der massiven ­Erschließung verloren­gegangen ist. Richard Mergner, Thomas Frey


Halbzeit für die Waldbahn: Mitte September ging der Probebetrieb für die Waldbahn auf der Strecke Gotteszell –Viechtach im Landkreis Regen in die zweite Runde. Seitdem der 25 Kilometer lange Abschnitt ein Jahr zuvor testweise freigegeben wurde, verbindet die Bahn im Stundentakt Viechtach und Teisnach über den Fernverkehrsknoten Plattling wieder mit

Kreisgruppen Passau und Freyung-Grafenau

BN macht sich für Mischwald stark Nach dem verheerenden Sturm, der Mitte August durch Niederbayern zog, verzeichnen die Waldbauern der Landkreise Freyung-Grafenau und Passau Schäden in Millionenhöhe. Bei der nun anstehenden Aufforstung setzt sich der BUND ­Naturschutz für naturnahe Mischwälder mit Laubbäumen und Tannen ein.

pektive für zukunftsfähige und dem Klimawandel gewachsene Wälder aufzuzeigen. Zusätzlich fand eine Pressefahrt mit dem BN-Vorsitzenden Hubert Weiger statt, um auch den Medien die Bedeutung gesunden Mischwalds in Zeiten des Klimawandels zu veranschaulichen. Annemarie Raeder (as)

der Welt. Damit die Strecke in den Regelbetrieb gehen kann, fordert die Bayerische Eisenbahngesellschaft, dass mindestens 1000 »Personenkilometer« erreicht werden, dies entspricht 1000 Fahrgästen, die die gesamte Strecke fahren. Die Zwischenbilanz im Juli lag zwar bei 820 Fahrgästen, doch entspricht dies nur 539 Passagieren pro Streckenkilometer, also gut die

Schadensbesichtigung Rund ein Drittel des Waldbesitzes von Christian Böhm (2. von links) fiel dem Orkan zum Opfer. Auf einer Pressefahrt machten sich Vertreter des BN ein Bild von den Schäden und forderten von der Staatsregierung mehr Finanzmittel für die Aufforstung ­klimastabiler Mischwälder. Von links: Karl Haberzettl, BN-Kreisvorsitzender ­Passau, Waldbesitzer Christian Böhm, Michael Held, Waldreferent der Kreisgruppe Passau, BN-Landesvorsitzender H ­ ubert Weiger und Peter Mayer, BN-Kreisvorsitzender Freyung-Grafenau.

Hälfte des geforderten Werts. Im zweiten Probejahr kommt es für den Landkreis Regen nun darauf an, die Fahrgastzahlen deutlich zu steigern, soll der Betrieb nicht ab September 2018 eingestellt werden. 25 Jahre Ökomarkt: Schon seit

einem Vierteljahrhundert organisiert die BN-Kreisgruppe Straubing-Bogen zusammen mit der Bioland-Gärtnerei Justland den Straubinger Ökomarkt, um regionale Bio-Produkte zu vermarkten und einen umweltbewussten, ökologischen Lebensstil zu fördern. Zum Jubiläumsmarkt waren die Bundestagskandidaten des Land-

kreises zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Moderator Johann Meindorfer, der zweite Kreisvorsitzende des BN, fühlte ihnen auf den Zahn, was sie und ihre Partei im Falle ihrer Wahl in den Bundestag für Klimaschutz, ökologisch nachhaltige Energie-, Agrar- und Konsumwende und mehr soziale Gerechtigkeit tun würden. Nun kommt es auf die gewählten Kandidaten an. Zu Redaktionsschluss waren dies Alois Rainer, der für die CSU das Direktmandat des Wahlkreises holte, und Erhard Grundl, der für die Grünen über die Landesliste in den Bundestag einziehen wird.

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NATURNOTIZEN AUS NIEDERBAYERN

Foto: Hans Schlieper (Wikimedia)

nnerhalb von nur 20 Minuten schlug Orkan »Kolle« eine Schneise der Verwüstung durch Niederbayerns Wälder. Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 208 Stunden­ kilometern verursachte er schwere Schäden nicht nur an Gebäuden, sondern auch an rund 12 000 Hektar Waldfläche. Vor allem Fichten-­ Monokulturen wurden von den Böen einfach umgemäht; insgesamt entstand ein Kahlschlag von 3200 Hektar Fläche. Die durch Windbruch verursachte Menge an Schadholz liegt bei 2,3 Millionen Festmetern. Die Aufräumarbeiten in den Wäldern werden mindestens ein Jahr dauern und die Wiederaufforstung dürfte sich bei Kosten zwischen zehn und 20 Millionen Euro über die nächsten fünf bis sieben Jahre hinziehen. Angesichts des fortschreitenden Klimawandels werden solch starke Stürme häufiger werden. Umso wichtiger ist es, dass auf den vom Sturmwurf betroffenen Flächen stabile Mischwälder mit Laubholz und möglichst viel Tanne gegründet werden. Solche Wälder halten Stürmen besser stand, verzeichnen weniger großflächige Schäden und regenerieren sich durch ihren Bestand an Jungbäumen besser und aus ­eigener Kraft. Dies zeigte sich bei einer Begehung der Waldschäden im Oktober, die die BN-Kreisgruppen organisiert hatten, um Mitgliedern, Interessierten und betroffenen Waldbauern der Region eine Pers-

Foto: Kreisgruppe Passau

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Kreisgruppe Pfaffenhofen

Harter Kampf gegen Hähnchenmast In der Gemarkung Eschelbach entsteht derzeit eine gigantische ­Geflügelmastanlage, mit rund 145 000 Plätzen eine der größten in Bayern. Per Klage und Eilantrag will der BUND Naturschutz das ­Vorhaben noch stoppen.

Foto: Lisa Munz

Hallertauer Hühnerknast Mit neuen Ortsschildern für die Gemeinde Eschelbach protestieren Tier- und Naturschützer gegen die dort im Bau befindliche Hähnchenmastanlage. Sie fürchten auch um den touristischen Ruf der Region.

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Trauer um Michael Behringer: Der

langjährige Vorsitzende der BNOrtsgruppe Freilassing verstarb im August nach schwerer Krankheit im Alter von 65 Jahren. Michael Behringer führte 16 Jahre lang die Ortsgruppe und hinterlässt eine

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der BN Klage vor dem Verwaltungsgericht München eingereicht. Nachdem das Landratsamt Pfaffenhofen jedoch sofortigen Vollzug angeordnet hatte, begannen die Bauarbeiten. Dagegen wurde Klage eingereicht und auch beantragt, dass die Bauarbeiten bis zu einer Entscheidung über die Klage ruhen.

große Lücke in den Reihen der ­Naturschützer. Sein Wissen und Engagement waren gefragt. Besondere Verdienste erwarb er sich bei der Renaturierung des Ainringer Moores nach Beendigung des Fräs­torfabbaus. Seinem Verhandlungsgeschick und seiner Ausdauer ist es zu verdanken, dass auf dieser Fläche heute seltenste Vögel brüten und Zugvögel vor der Alpenüberquerung rasten. Im Bichelner Hangquellmoor sorgte er für sachgerechte Pflege und so für den Erhalt Foto: privat

NATURNOTIZEN AUS OBERBAYERN

ür die Anlage wird die bestehende Maststation erweitert und um zwei neue Ställe ergänzt. Dort sollen dann alle fünf Wochen 145 000 Hähnchen auf Schlachtgewicht gebracht werden, pro Jahr über eine Million Tiere. Im Sommer war die Anlage überraschend genehmigt worden, daraufhin hatte

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Der BN kämpft seit Bekanntwerden gegen das Vorhaben, zum einen aus Gründen des Tierschutzes: Die Hähnchen sollen nicht nur im Schnellverfahren gemästet, sondern auch in einer Dichte von 21 Tieren pro Quadratmeter eingepfercht ­werden. Verbunden ist das Leid der Tiere mit negativen Auswirkungen auf Mensch und Natur: Bei der Genehmigung wurden die Abluft- und Abwasserprognosen der Anlage unterschätzt; so rechnen die vom BN herangezogenen Gutachter für die Anwohner mit Geruchsbelästigung und Gesundheitsrisiken durch ­multiresistente Keime und mit zu hohem Stickstoffeintrag in den angrenzenden geschützten Quellwald. Ein Unding ist es für den BN-Landesbeauftragten Richard Mergner, dass die Anlage als »landwirtschaftlich privilegiert« genehmigt wurde. Dies gilt, wenn Betriebe selbst erzeugte Futtermittel in der Tiermast verfüttern. Für Mergner ist das »mehr als fraglich«, verfeuert der Betrieb doch seine Rohstoffe in einer Biogasanlage und kann sie daher nicht als Hähnchenfutter verwenden. Der BN setzt nun auf den Rechtsweg, um den »Hühnerknast« doch noch zu verhindern. Christine Margraf (as)

von Sumpfgladiole, Schachbrettblume und vielen weiteren Pflanzen- und Tierarten. Über die Region hinaus war Michael Behringer auch als Verkehrsexperte bekannt. Sein besonderer Einsatz galt dabei dem Ausbau der Bahnlinie München–Mühldorf–Freilassing und der S-Bahn von Salzburg nach Berchtesgaden. Kurz vor seiner ­Erkrankung gelang es ihm noch, einige Bäume vor der Motorsäge zu retten, darunter eine dreihundertjährige Eiche, die jetzt als Naturdenkmal ausgewiesen wurde. Lindenallee: Noch säumen an die

250 mächtige alte Lindenbäume die Kreisstraße zwischen Warten-

berg und Schröding im Landkreis Erding. Angelegt 1906, wurde die Allee 1982 als Naturdenkmal geschützt. Weil viele Bäume durch Verkehr geschädigt sind, plant das Bauamt Freising ab Oktober Fällungen in großem Umfang. Eine Nachpflanzung ist nicht vorgesehen. Mit einer Petition an den Landtag will die BN-Kreisgruppe Erding das drohende Aus für die Allee verhindern. Gefährdete Bäume sollen geschützt und neue Bäume gepflanzt werden. Ende September wurde die Petition mit 1250 Unterschriften an den Vorsitzenden des Umweltausschusses im Landtag, Dr. Christian Magerl, übergeben.


Biotop-Architekt Das vom Biber gestaltete Tälchen des Holderbachs bei Cham.

Kreisgruppe Cham

Foto: Reinhard Scheuerlein

Den Biber als Verbündeten fördern Am Holderbach bei Cham hat die BN-Kreisgruppe mit gezielten Grundstückskäufen den ansässigen Bibern Flächen zur Verfügung gestellt. So konnten diese ihr Revier weitgehend ohne Konflikte mit der angrenzenden Landnutzung gestalten.

Erfreuliche Entwicklung: Auf seiner diesjährigen Sitzung in der Oberpfalz hat das bayerische Kabinett beschlossen, das Naturschutz­ projekt Grünes Band im Regierungsbezirk gezielt zu fördern. ­Immerhin beträgt die Länge des Oberpfälzer Grenzstreifens zu Tschechien rund 200 Kilometer. Ziele sind dabei, den Biotopverbund entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs zu entwickeln, naturnahen Tourismus zu fördern und besondere Kulturlandschaften zu erhalten. Dazu wird nun eine Machbarkeitsstudie erstellt, deren Ergebnisse anschließend umgesetzt werden sollen.

Tätigkeit unterstützt der Biber nun die Renaturierung des Bachtälchens zusätzlich. Die damit entstandenen Biotope bieten heute einer Vielzahl bedrohter Arten einen neuen ­Lebensraum (etwa Waldwasserläufer, Eisvogel, Silberreiher, Schwarzstorch, Pirol, Schwarzspecht, Sumpfschrecke). Biberdämme sorgen dafür, dass Wasser zurückge­ halten wird und der Grundwasserspiegel auch in Trockenzeiten nicht absackt. Zudem nutzt die Kreis­ gruppe das Projektgebiet für ihre Umweltbildungsarbeit, etwa für ­Exkursionen oder Seminararbeiten örtlicher Gymnasien. Auch Schüler der Landwirtschaftsschule hatten dort schon ihre Projekttage.

Schatzsuche: Einen großartigen

Nachmittag verbrachten zwölf Kinder und Jugendliche, die im Rahmen des Kinderferienprogramms der BN-Ortsgruppe ­Regenstauf im August auf Geocaching-Tour unterwegs waren. Dazu begaben sie sich mit ihren Betreuern auf Schatzsuche in Regenstaufs Wäldern. Noch ehe man den eigentlichen Schatz gefunden hatte, gab es in der Natur schon viel zu entdecken. Schließlich ­fanden die jungen Teilnehmer mithilfe des Navigationssystems eine kleine im Laub versteckte Dose mit Muscheln und Gummibärchen und konnten sich eine Belohnung aussuchen.

Wie Bibermanager Horst Schwemmer betonte, liege der gesamtwirtschaftliche Nutzen des ­Bibers, etwa für kostenlose Renaturierungsleistungen, eine bessere ­Wasserqualität und mehr Wasserrückhalt, in Bayern wohl um ein Zigfaches höher als die entsprechenden Schäden bei Land-, Forstoder Teichwirten. Dies zeige, dass die vom BN geforderte Erhöhung staatlicher Ausgaben für die Entschädigung bei Biberkonflikten gut investiertes Geld sei. Die Grundstücksankäufe wurden mit Spendengeldern finanziert und vom Bayerischen Naturschutzfonds sowie mit Mitteln des Landkreises Cham gefördert. Reinhard Scheuerlein (ht)

Alternativen gefragt: Mit Unverständnis reagiert der BUND Naturschutz auf die Absicht der Gemeinde Seubersdorf (Landkreis Neumarkt i. d. Opf.) und der Straßenbauverwaltung, trotz einer Schlappe vor Gericht an den Plänen einer Ortsumfahrung festzuhalten. Für eine fragwürdige Entlastungswirkung sollen dabei mehr als 40 000 Quadratmeter Wald ­abgeholzt und ein ökologisch wertvoller Waldrand auf etwa 900 Metern Länge zerstört werden. Bei einer Ortsbegehung Mitte August sicherte Reinhard Scheu-

erlein, BN-Regionalreferent für die Oberpfalz, den Mitgliedern der Ortsgruppe (siehe Bild) die weitere Unterstützung des Verbands zu. Das Staatliche Bauamt Regensburg und die Gemeinde wurden dazu aufgerufen, anderweitige Lösungen und Verbesserungen an der Ortsdurchfahrt ins Auge zu fassen.

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NATURNOTIZEN AUS DER OBERPFALZ

N-Kreisvorsitzender Robert Kurzmann und Vorstandsmitglied Christian Vogl sowie Biber­ manager Horst Schwemmer betonten Mitte August bei einem Ortstermin den ökologischen Wert der vom Biber gestalteten Flächen. Neben Vertretern der Presse ließ sich auch der örtliche CSU-Landtagsabgeordnete Dr. Gerhard Hopp hierüber ­informieren. Bereits im Jahr 2006 hatte die BN-Kreisgruppe Cham ein Konzept entwickelt, wie Biberkonflikte am Holderbach entschärft werden können. Durch den Ankauf von fünf Grundstücken und eine anfängliche Biotopgestaltung konnte die ökologische Qualität des Baches dauerhaft gesteigert werden. Durch seine

Foto: BN

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Foto: Karl Paulus

Foto: Jürgen Fischer

Idyllisch Blick vom Schlossberg Thierstein über das Dangesbachtal zum Steinberg.

Schützenswert Auch der Violette Feuerfalter kommt im Dangesbachtal vor.

Kreisgruppe Wunsiedel

Großes BN-Projekt für Dangesbachtal Das Dangesbachtal bei Thierstein hat aus Sicht des Arten- und Biotopschutzes großes Entwicklungspotenzial. Experten des BUND­ Naturschutz erfassen dort seit Anfang 2017 die vorkommenden Pflanzen, Vögel und Tagfalter. Sie wollen herausfinden, inwieweit Bach und Tal renaturiert werden können.

NATURNOTIZEN AUS OBERFRANKEN

onkret soll auch untersucht werden, ob die vor 15 Jahren vom BN durchgeführten Maßnahmen zum Biotopverbund erfolgreich waren und inwieweit sich die Vertragsnaturschutzflächen im DangesFilm zum Aktionsbachtal positiv auf die Biodiversität frühstück unter auswirken. Im Fokus stehen dabei → www.bund-­ die wiesenbrütenden Vogelarten naturschutz.de/ verkehr/strasse.html Braunkehlchen, Wiesenpieper und Belohnung: Ende August hat sich

in Kronach eine gut gelaunte Fahrradgruppe von 16 Kindern und ihren Betreuern auf den Weg gemacht. Die jungen Teilnehmer hatten bei der diesjährigen Hausund Straßensammlung erfolgreich für die BN-Kreisgruppe gesammelt und wurden nun mit einem Zelt­ lager in Lichtenfels belohnt. Mit Baden, Fledermaus-Nachtwanderung mit Bat-Detektor, Grillen am Lagerfeuer und Radwanderung zum Staffelberg verging die Zeit viel zu schnell. Genauer hingeschaut: Bei großen

Bauprojekten wie der ICE-Trasse Nürnberg-Erfurt müssen für euro-

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Bekassine sowie die Tagfalter des Offenlandes mit der Leitart Violetter Feuerfalter. Außerdem will der BN ermitteln, ob weitere Grundstücke im Sinne des Arten- und Biotopschutzes optimiert werden können. Gefördert wird das Projekt durch den Bayerischen Naturschutzfonds aus Mitteln der Glücksspirale. Mit der umfangreichen Untersuchung

päisch geschützte Arten vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen durchgeführt werden. Südlich von Forchheim, wo derzeit zwei Gleise neben der Bestandstrasse verlegt werden, geht es um Zauneidechse, Kreuzkröte, Fledermäuse und ­Bodenbrüter wie Kiebitz und Rebhuhn. Die dort angelegten Trockenlebensräume, Tümpel, Fledermauskästen und Ackerbrachen müssten längst funktionieren und von den entsprechenden Tieren »bewohnt« sein. BN-Mitglied Ole Draeger hat einmal genauer hingeschaut: Tümpel waren um 90 Prozent kleiner als vereinbart, Sandlebensräume fehlerhaft an­ gelegt. Tiere waren dementspre-

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chend nicht zu entdecken. Auf Nachfrage der Kreisgruppe wiegelte das Eisenbahn-Bundesamt ab, es sei alles in bester Ordnung. Da bleibt der BN besser mal dran! Frühstücksfernsehen: Mit einem

Frühstück auf der Staatsstraße im Kelbachgrund bei Ebensfeld (siehe Bild) machten Aktive der BN-­Jugendorganisation (JBN) Untersiemau und der Ortsgruppe Ebensfeld Ende ­August die extrem niedrige Verkehrs­belastung dort zum Thema. ­Minutenlang konnten sie gemütlich Foto: Tom Konopka

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betraut ist Karl Paulus, Diplomingenieur der Landespflege und Naturschutzexperte des BN. Er wird im Rahmen der Untersuchung auch das Gespräch mit den Grundbesitzern und Pächtern suchen. Das weiträumige Wiesental war in den Jahren 1926 bis 1930 kultiviert und der Dangesbach begradigt und in einen monotonen Vorfluter zur Wasserableitung verwandelt worden. Dennoch existieren dort auch heute noch botanisch wertvolle Einzelflächen mit Buschnelke, Mondraute und Katzenpfötchen. Und in dem östlich von Thierstein im inneren Fichtelgebirge gelegenen Tal ziehen gefährdete Vogelarten wie Braunkehlchen, Wiesenpieper, Baumpieper, Schwarzstorch und Rotmilan ihre Kreise. Fred Terporten-Löhner (ht) ­ irekt neben der Straße speisen, d ohne von einem Auto gestört zu werden. Trotzdem plant das Staatliche Bauamt Bamberg eine ­flächenfressende Neubautrasse. Der BN strebt deshalb eine Beschwerde beim Verwaltungsgerichtshof München an. Die vom BN vorgeschlagene Alternative würde deutlich weniger Landschaft kosten.


Kreisgruppe Würzburg

Foto: Klaus Isberner

Der zähe, fast zwei Jahre dauernde Einsatz des BUND Naturschutz für einen »echten« Park am Kardinal-Faulhaber-Platz in Würzburg hat sich gelohnt: Am 2. Juli stimmten die Würzburger mehrheitlich (72 Prozent) für das Konzept des Aktionsbündnisses »Grüner Platz am Theater«.

Ehrung: Für seine vielfältigen eh-

renamtlichen Tätigkeiten im Umweltschutz ist dem Vorsitzenden der Kreisgruppe Bad Kissingen, Franz Zang, Anfang Juli das Bundesverdienstkreuz verliehen worden. Landrat Thomas Bold würdigte bei der Überreichung dessen Engagement für die Sinnallianz und die Energiewende bei Hausbesitzern (Wärmebildkamera), aber auch die Bandbreite der von Zang initiierten Umweltaktionen. Auszeichung: Umweltministerin

Ulrike Scharf hat Alfred Dill von der Ortsgruppe Karlstadt für sein jahrzehntelanges Engagement in der Landschaftspflege und bei

Park statt Parkplatz Dafür warb der BN in Würzburg ­fantasievoll, unter anderem mit einem Infostand und einem »Baum«.

scheidung zwischen den unterschiedlichen Gestaltungsvorschlägen plädierten dann auch fast 60 Prozent für die Schaffung eines richtigen Parks und lehnten damit die im kont-

Artenhilfsprogrammen am 1. Juni den Grünen Engel verliehen. Diese Auszeichnung betrachtet der BN gleichzeitig als Würdigung des langjährigen Engagements seiner vielen Tausend Ehrenamtlichen. Nachahmenswert: Die »Hofheimer Allianz« im Landkreis Haßberge war in diesem Jahr Ziel der Bereisung des BN-Landesvorstandes. Sieben Kommunen mit 53 Gemeindeteilen haben sich hier zu einer »Allianz für lebendige Ortskerne« zusammengeschlossen. Durch gezielte Beratung und Fördermittel wurde erreicht, dass das Bauen und Renovieren in den Ortskernen günstiger geworden ist

Foto: Stephan Humel

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n einem breiten Bündnis aus 13 Gruppierungen – Bürgerinitiativen, Vereinen und Parteien – hatte sich die BN-Kreisgruppe Würzburg dafür eingesetzt, dass das bisher ­autodominierte zentrale Areal am Theater in eine grüne innerstädtische Erholungs- und Freizeitfläche mit großen Bäumen umgewandelt und weder oberirdisch noch unterirdisch bebaut wird. Bei der Ent-

rären Stadtratsbegehren propagierte Teilbebauung mit einem »zurückhaltenden Gebäude« und einer Unterkellerung für eine Tiefgarage ab. Selbst die energischen Last-MinuteAktionen des Stadtrates konnten die Mehrheit der Bürgerschaft nicht davon überzeugen, dass in diesem Quartier eine weitere Tiefgarage unbedingt erforderlich sei und man diese wie eine bodenoffene Grünfläche mit 26 Großbäumen bepflanzen könne. Damit ist in Würzburg nicht nur ein echter Zugewinn an Wohn- und Lebensqualität an einem Verkehrsbrennpunkt erreicht worden. Mit diesem gewonnenen Bürgerentscheid wurden weit über Würzburg hinaus die Weichen für ein grundsätzliches Umdenken bei der innerstädtischen Verkehrspolitik und für eine wirklich nachhaltige Stadtplanung gestellt. Der BN freut sich über diesen ­Erfolg umso mehr, als er schon seit Jahren für eine komplette Begrünung dieser Visitenkarte Würzburgs vor dem Stadttheater plädiert und seine Forderungen bei einer Reihe von Veranstaltungen und auf zwei Aktionstagen vor Ort eindrucksvoll verdeutlicht hatte. Gerda Rösch (ht)

als der Neubau. So konnte auf fast 100 schon ausgewiesene Bauplätze verzichtet werden. Eine Initiative, die bayernweit als Vorbild dienen kann. Demo: Den Frankentag am 2. Juli

und den dort angekündigten Besuch von Ministerpräsident Horst Seehofer nutzte auch der Verein Nationalpark Nordsteigerwald für einen eindrucksvollen Demons-

trationszug. Fast 300 Teilnehmer – darunter viele BN-Mitglieder aus der Region – forderten in Kitzingen mit Fahnen und Transparenten eine »Faire Chance für den Steigerwald« (siehe Bild). Diese Forderungen konnten Innen­ minister Joachim Hermann und Landtagspräsidentin Barbara Stamm am Ende der Demo auch persönlich vorgetragen werden.

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NATURNOTIZEN AUS UNTERFRANKEN

Erfolgreich für mehr Grün


Kreisgruppen Dillingen und Donau-Ries

Zerstörerische Zuschüsse Mitten im Donauried, zwischen Buttenwiesen und Tapfheim, soll eine Gemeindestraße auf dreifache Breite ausgebaut werden. Die Trasse verläuft durch geschützte und vom Bund geförderte Lebensräume von Amphibien und Wiesenbrütern. Doch der Freistaat Bayern fördert lieber den Straßenbau.

Foto: Gernot Hartwig

Weniger Platz für Erdkröte und Co. Bis zu 600 Amphibien pro Tag überqueren in der Laichzeit die kleine Straße. Mit deren Ausbau würde der Lebensraum der Tiere weiter ­beschnitten.

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Kraftwerk Oberau: Im Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen wollen Investoren ein Wasserkraftwerk an der Trettach bauen. Dies würde dem Wildbach auf einem Kilometer Länge bis zu 80 Prozent des Wassers entziehen und den Bach und seine Auen stark beeinträchtigen. Die BN-Kreisgruppe

gen pro Tag wäre eine Sanierung des Sträßchens völlig ausreichend. Doch dafür erhält die Gemeinde Buttenwiesen kein Geld. Den ­Straßenausbau bezuschusst Bayern

Kempten-Oberallgäu hat gegen das Vorhaben im August 2017 beim Verwaltungsgericht Augsburg Klage eingereicht. Über eine weitere Klage, gegen das geplante Wasserkraftwerk am Naturdenkmal Eisenbreche, ebenfalls im Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen gelegen, hat das Verwaltungsgericht Augsburg noch nicht entschieden. Osttangente Augsburg: Foto: Julia Wehnert

NATURNOTIZEN AUS SCWABEN

ür den BUND Naturschutz sind die Zuschussrichtlinien im Straßenbau verantwortlich für diesen Widersinn: Bei einem Verkehrsaufkommen von 800 bis 1000 Fahrzeu-

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Der Bundesverkehrs­ wegeplan sieht im Osten der Stadt eine neue ­autobahngleiche Bundesstraße vor, die wertvolle Naturräume zer-

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dagegen zu 60 Prozent. Also wird geklotzt: Per Gemeinderatsbeschluss Mitte Juli soll die Straßenbreite von viereinhalb Metern auf sechs Meter erweitert und seitlich ein drei Meter breiter Teerweg angelegt werden. Mit Bankett und Seitenböschung misst die Trasse dann 14 Meter Breite. Obwohl die Kosten bereits bei 6,2 Millionen Euro liegen, ist der überdimensionale Ausbau für die Gemeinde lukrativer – dank der ­üppigen Zuschüsse. Die Leidtragenden sind Natur und Landschaft im ohnehin von Straßen- und Siedlungsbau gebeutelten Donauried. Die ausgebaute Straße wird als Zubringer zur B 16 mehr Verkehr ins Ried lenken. Dabei ist der Schutz des Donaurieds eigentlich das erklärte Ziel der Politik. So lehnt das Landesamt für ­Umweltschutz in seinem Gutachten eine weitere Zerschneidung des Rieds ab. Das Bundesamt für Naturschutz fördert dort ein bundes­ weites Großprojekt. Der BN, der im Ried ebenfalls viele Schutzflächen hat, will seinen Widerstand gegen den Straßenausbau notfalls bis vor die EU-Kommission fortsetzen. Gernot Hartwig, Vorsitzender der Ortsgruppe Buttenwiesen und Sprecher des Landesarbeitskreises Verkehr, fordert: »Die Bayerische Staatsregierung muss ihre Zuschussrichtlinien beim Straßenbau dringend ökologisch ausrichten.« Thomas Frey (as)

stören und noch mehr Verkehr auf die Straße bringen würde. Die BNKreisgruppen Aichach-Friedberg und Augsburg kämpfen seit Langem gegen das Projekt. Das Aktionsbündnis gegen die Osttangente hat nun ein Alternativkonzept zu dem monströsen Vorhaben erarbeitet. Es sieht vor, mehr Güterverkehr auf die Schiene zu verlagern, den öffentlichen Nahverkehr zu verbessern und einen Fahrradschnellweg zu errichten. Für die vom Straßenverkehr betroffenen Ortsdurchfahrten gibt es Vorschläge zur Verkehrsberuhigung. Auf einer BN-Veranstaltung zur Bundestagswahl am 14. September in Mering machte der BUND-Ver-

kehrsreferent Werner Reh deutlich, dass im Raumordnungs- und Planfeststellungsverfahren für die Osttangente auch die Alternativen geprüft werden müssen. Therme Lindau: In einem Bürger­ entscheid hatte sich die Bevölkerung der Stadt Lindau für eine neue Thermen- und Bäderlandschaft ausgesprochen, die das bestehende »Eichenwaldbad« am Bodenseeufer ersetzen soll. Ende August nun entschied sich die BN-Kreisgruppe Lindau mit 167 zu 113 Stimmen dazu, gegen das 40 Millionen Euro teure Projekt im Landschaftsschutzgebiet zu klagen.


Geehrt: Beim diesjährigen Reichs-

waldfest hat der BN die langjährige Vorsitzende der Ortsgruppe Schwanstetten, Elke Küster-Emmer, mit der Reichswaldmedaille

Kreisgruppe Nürnberg

Gut gejätet … … ist halb gegärtnert. Teilnehmer der Kinderackergruppe beim Vorbereiten der Beete.

Gemüseacker für Kinder Ende Juli feierte die BN-Ackergruppe für Kinder ihr großes ­Sommerfest. Gemeinsam mit den Eltern ließen sich die jungen Gärtner ihre selbst angebauten Biosalate schmecken. ber Gemüse und haben mehr Interesse an Lebensmitteln und der Zubereitung von Speisen. Das gemeinsame Arbeiten und Essen fördert das soziale Lernen und das Ernten des selbst angebauten Gemüses stärkt das Selbstbewusstsein. Auch spielerisch-kreative Methoden kom-

geehrt (siehe Bild). Der Landesvorsitzende Hubert Weiger betonte, die Übersetzerin und Dolmetscherin habe entscheidenden Anteil am Schutz des Reichswaldes und an der hohen Wertschätzung, den sowohl der Bannwald als auch der Vogelschutz in der Bevölkerung genießen. Elke Küster-Emmer hat während ihrer 27-jährigen Vorstandschaft gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen jährlich mindestens 50 Exemplare des jeweiligen Baumes des Jahres mit gepflanzt, insgesamt also etwa 1300 Bäume. Außerdem veranstaltete sie Vogelstimmenwanderungen, Exkursionen und Radtouren zur Erkundung des Reichswaldes.

men zum Einsatz, etwa beim Bau von Vogelscheuchen oder bei der kunstvollen Gestaltung des Ackers mit selbst bemalten Schildern und Stöcken. Auch 2018 will die Kreisgruppe Nürnberg wieder Kinder­ ackergruppen anbieten. Cornelia Rotter (ht)

Insgesamt hat Küster-Emmer wohl mit mehreren Hundert Veranstaltungen ehrenamtlich für den Wald, seine Bewohner und seinen Schutz geworben. Sie kämpfte gegen Bannwald-Abholzungen für Tennisplätze und baute viele Nistkästen für den Reichswald. Durchgesetzt: Der BN-Vorsitzende

Hubert Weiger konnte Anfang Juni bei einem Gespräch mit Staats­ minister Joachim Herrmann erreichen, dass es nun doch Amphibiendurchlässe unter der Staatsstraße 2253 bei Rüdisbronn geben wird. Seit über 20 Jahren betreuen dort BN-Aktive einen Amphibienübergang. Zwischen den beteilig-

ten Behörden und den Helfern war immer klar gewesen, dass beim geplanten Bau der Ortsumfahrung ein Amphibientunnel eingebaut und die Hin- und Rückwanderung durch ein Leitsystem mit Tunnel gesteuert würde. Als vor drei Jahren die Planungen für die Ortsumfahrung begannen, herrschte deshalb auch schieres Entsetzen, als plötzlich auf Vorschlag des Staatlichen Bauamtes ein Laichgefängnis mit Ersatzlaichgewässern und beidseitiger Zäunung entlang der Staatsstraße geplant wurde. Erst nach intensiven Gesprächen zeigte sich das Staatliche Baumt nun bereit, beim Amphibienschutz nachzubessern.

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NATURNOTIZEN AUS MITTELFRANKEN

Foto: Tom Konopka

ereits zum vierten Mal fand 2017 das Gemüseackerprojekt der Kreisgruppe Nürnberg statt. Dieses Jahr stellte der Bio-Erlebnisbauernhof »Holzhobelhof« in Greuth die Äcker dafür zur Verfügung. Unter der Leitung der Umweltpädagoginnen Cornelia Rotter und Claudia Porschert trafen sich dort zwei Gruppen im 14-tägigen Wechsel, um gemeinsam Biogemüse anzubauen. Ab Mai säten, pflanzten, jäteten und gossen die jungen Gärtner ­unermüdlich. Trotz Hasenfraß im Frühling, starker Regenfälle und Hitzeperioden konnten sie im Sommer stolz Zucchini, Mangold, Bohnen, Tomaten und Salat ernten. Im Herbst gab es dann eine reichhaltige Ernte alter Nutzpflanzensorten: rote Kartoffeln, Bamberger Hörnchen, Bischofsmützen (Kürbis) und die berühmten Ochsenherztomaten, aus denen dann beim abschließenden Erntedankfest ein leckerer Eintopf am Feuer gekocht wurde. In den Ackergruppen erhalten die Kinder wertvollen Einblick in die ökologischen Zusammenhänge von Wetter, Pflanzen, Boden und Anbautechniken. Sie lernen Grundlagen des biologischen Gemüseanbaus und entwickeln einen persönlichen Bezug zu den Pflanzen. Meist essen sie nach dieser Erfahrung lie-

Foto: Cornelia Rotter

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Erinnerung an die Kata­strophe

Film ab für den Klimaschutz

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ilme sind bewegte Bilder und erzählen bewegende Geschichten. Gute Filme berühren uns, erklären, ohne zu belehren. Was liegt also näher, als die Winterzeit für einen Filmabend zu nutzen? Der Landesmediendienst Bayern hat in Kooperation mit dem BN-Bildungswerk ein Filmbildungsprojekt auf den Weg gebracht und sein Filmangebot deutlich erweitert. Die Zuschauer können sich in die Eiswelt der Arktis begeben, über die Machbarkeit der Energiewende diskutieren oder Filmautoren bei der Suche nach einem angeblich sicheren Endlager begleiten. Für viele Filme stehen zusätzliche Materialen zur Verfügung. Die aktuellen Filme zum Thema Klimawandel und Energie sind ab sofort beim Landesmediendienst in Bayern erhältlich. Sie sind mit dem Recht zur nicht gewerblichen öffentlichen Vorführung ausgestattet und können daher in Schulen, in der außerschulischen Jugendbildung und in der Erwachsenenbildung von Vereinen, Verbänden und Parteien eingesetzt werden. Ein Tipp für Schnellentschlossene: Bis Jahresende 2017 können geschulte Filmmoderatoren bei der Planung und Durchführung unterstützen. ▶ Filmverleih und Filmmoderatoren:

Gruppenleiterkurs

Matschen, auf Bäume klettern, Hütten bauen, Nistkästen kontrollieren, Bäche stauen, durch den Wald streifen, Hecken pflanzen, Stockbrot grillen und Gruselgeschichten am Lagerfeuer hören …

Eine JBN-Kindergruppe zu leiten, bedeutet Kindern Er­ lebnisse zu ermöglichen, die elementar, aber nicht mehr selbstverständlich sind. Sie möchten Kinder und Jugendliche für die Natur begeistern und das mit Spaß und Freude verbinden? Eine neue Gruppenleiterausbildung der JBN vermittelt fachliche, methodische und pädagogische KomFoto: Lioba Degenfelder

JUNGE HÜPFER & ALTE SORTEN

Landesmediendienst Bayern; www.mediendienste.info, Tel. 0 89-38 16 09-15 Filmliste: www.bund-naturschutz.de/umweltbildung; Filmbildung Ausgabe 21

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er BUND Naturschutz engagiert sich – auch mit seinem Netzwerk Friends of the Earth – weltweit für den Ausstieg aus der Atomenergie. Die Ka­ tastrophe von Tschernobyl brachte Tod und unermessliches Leid über Hunderttausende Menschen. Vor allem in der Ukraine und Belarus waren sie direkt und indirekt der Strahlung und dem radioaktiven Fallout ausgesetzt. Viele verzehrten verstrahlte Lebensmittel, weil die Behörden sie nicht davor warnten. Die gesundheitlichen Folgen wurden vertuscht oder nicht anerkannt. Bis heute sind die am stärksten verseuchten Gebiete nicht bewohnbar. Noch in der Sowjetunion ergriffen mutige Menschen die Initiative, um den Betroffenen zu helfen. Das Professorenpaar Irina und Genadij Gruschewaja aus Minsk gründeten die Stiftung »Den Kindern von Tschernobyl«. Mithilfe vieler tausend Landsleute schafften sie es trotz staatlicher Repression, ein beispielloses Programm für erholungsbedürftige Kinder ins Leben zu rufen. Das Buch »Der Tschernobyl-Weg« gibt einzigartige Einblicke in die erste zivilgesellschaftliche Bewegung Weißrusslands. Es lässt viele Betroffene zu Wort kommen und verknüpft ihr Schicksal mit der heute vernetzten Anti-Atombewegung bei uns, in Japan und Belarus. ▶ Irina Gruschwaja und Alexander Tamkowitsch: Der Tschernobyl-Weg – Von der Katastrophe zum Garten der Hoffnung, 2017. 510 Seiten, 25 €, RMF.berlin

petenzen, um gerüstet zu sein für das Abenteuer Kindergruppe. Eine gültige Erste-HilfeAusbildung sollten Interessenten mitbringen. Modul I findet vom 26. bis 28. Januar 2018 in Windisch­eschenbach statt, Modul II vom 2. bis 4. März 2018 bei ­Ingolstadt ▶ Kontakt: Lioba Degenfelder; Tel. 0 89 - 15 98 96 36; degen­ felder@jbn.de, www.jbn.de

Alte Gemüsesorten im Hausgarten

Rübstiel und Navetten, Buttersalate und Steckrüben – die Vielfalt alter Gemüsesorten ist enorm. Für den Erwerbsanbau

mögen sie uninteressant sein, für den Hausgarten spricht ihre hohe Widerstandsfähigkeit und die Vielfalt der Geschmacksrichtungen. Im Ökohaus Würzburg stellt die Saatguthändlerin Gaby Krautkrämer alte Sorten vor und gibt Tipps für Anbau, Ernte und Vorratshaltung. Informieren Sie sich, der nächste Frühling kommt bestimmt. ▶ Würzburg, 30. November 2017 Kontakt: BN-Ökohaus Würzburg; Klaus Isberner, Tel. 09 31 -4 39 72; info@bn-wuerzburg.de


Ihre Ansprechpartner beim BN

BN-Studienreisen, Tel. 09 115 88 88 20, www.bund-reisen.de

Mitgliederservice (allgemeine Fragen zur Mitgliedschaft, Adressänderung) Tel. 09 41-2 97 20-65 mitglied@bund-naturschutz.de

Schneeschuhwandern im Böhmerwald Mit Dalibor Hiric oder Jurí Franc – den kompetenten und engagierten Guides aus dem Böhmerwald – erkunden die ­Teilnehmer auf Schneeschuhen die waldreiche Winterlandschaft des Nationalparks Šumava/Böhmerwald. Auf beschauliche Art gewinnt man hier Einblick in eine landschaftlich und kulturell faszinierende Region. • Tschechien, 20. – 27. Januar 2018

Spendenbescheinigungen Tel. 09 41-2 97 20-66 spenderservice@bund-naturschutz.de

Verschneite Wildnis der Slowakischen Karpaten Die Mala Fatra ist ein Mittelgebirge im Nord-Westen der Slowakei – hier findet sich noch »echte Wildnis«. Die Slowakei beherbergt ca. 500 Wölfe, 600 Luchse und um die 1000 Braunbären. Mit Schneeschuhen wandern wir durch die verschneite Wildnis der Slowakischen Karpaten auf der Suche nach frischen Spuren. • Slowakei, 10. – 17. Februar 2018 Foto: Vlado Turik

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Redaktion Natur+Umwelt Luise Frank Tel. 09 41-2 97 20-22 natur+umwelt@bund-naturschutz.de Beratung zu Spenden, Anlassspenden und Vermächtnissen Claudia Ciecior-­Bordonaro Tel. 09 41-2 97 20-34 claudia.ciecior@bund-naturschutz.de Haus- und Straßensammlung Ehrenamtlich aktiv werden Christine Stefan-­Iberl Tel. 09 41-2 97 20-11 christine.stefan@bund-naturschutz.de

Eine Winterreise in den Schwarzwald Wegen seiner Undurchdringlichkeit mieden die Römer einst den Schwarzwald, der spätere Kaiser Vespasian sorgte dann dafür, dass er auf einer Straße durchquert werden konnte. Auch die späteren Erzfunde zogen immer mehr Menschen an. Heute ist es umgekehrt, die Naturräume müssen geschützt werden. So wurde ein Teil des Südschwarzwaldes 2016 als Biosphärengebiet Schwarzwald geschützt. Mit der Ökostadt Freiburg und dem Schluchsee erleben die Teilnehmer auf dieser Reise etwas Besonderes. • Deutschland, 10. – 16. Februar 2018

BN-Bildungswerk Ulli Sacher-Ley Tel. 09 41-2 97 20-42 ulrike.sacher-ley@bund-naturschutz.de

Herausgeber: BUND Naturschutz in Bayern e. V. (BN), vertreten durch Peter Rottner, Landes­ geschäfts­führer, Dr.-Johann-Maier-Str. 4, 93049 Regensburg, www.bund-naturschutz.de Leitende Redakteurin (verantw.): Luise Frank (lf), Tel. 09 41-2 97 20-22, Fax -31, natur+umwelt@ bund-naturschutz.de Redaktion: Holger Lieber (hl), Heidi Tiefenthaler (ht), Andrea Siebert (as) Mitglieder-Service: Tel. 09 41-2 97 20-65 Gestaltung: Gorbach GmbH, Utting a. Ammersee (Layout: Waltraud Hofbauer) Titelbild: www.kleineheimat.bayern Titelgestaltung: Gorbach GmbH Redaktion BUND-Magazin: Severin Zillich (verantw.), Am Köllnischen Park 1, 10179 Berlin, Tel. 0 30-27 58 64-57, Fax -40 Druck und Versand: Brühlsche Universitäts­ druckerei Gießen

Anzeigenverwaltung: Ruth Hansmann, Runze & Casper Werbeagentur GmbH, Tel. 0 30-2 80 18 -145, Fax -400, hansmann@runze-casper.de. Es gelten die Mediadaten Nr. 25. Verlag: BN Service GmbH, Eckertstr. 2, Bahnhof Lauf (links), 91207 Lauf an der Pegnitz, Tel. 0 91 23-9 99 57-30, Fax -99, info@service.bund-naturschutz.de Druckauflage 3-2017: 137.494 Bezugspreis: Für Mitglieder des BN im B ­ eitrag ­ent­­halten, für Nichtmitglieder Versandgebühr ISSN 0721-6807 BN-Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft München, IBAN DE27 7002 0500 0008 8440 00, BIC: BFSWDE33MUE Mit Namen gezeichnete Artikel geben nicht unbedingt die ­Meinung der R ­ edaktion oder des BN wieder. Nachdruck nur mit Geneh­migung des BN. Für unverlangt e ­ ingesandte Artikel oder Fotos keine Gewähr. Die Redak­tion behält sich das Recht vor, Leserbriefe zu kürzen. »Natur+Umwelt« wird auf 100 % ­Recycling­­­­papier gedruckt.

Genusswandern im Bregenzerwald Die Farbenpracht des Bergfrühlings im Bregenzerwald, kulinarische Gaumenfreuden und die liebenswerte Lebensart seiner Bewohner erwarten die Reisenden auf der traumhaften Sonnenterrasse über dem Bodensee inmitten des Naturparks Nagelfluhkette. • Österreich, 20. – 25. Mai 2018

Foto: Outward Bound

IMPRESSUM

BN-Stiftung Christian Hierneis Tel. 09 41-2 97 20-35 christian.hierneis@bund-naturschutz.de

Familienprogramm vor den Bergen und Seen Schloss Neuschwansteins Die Idee dieser Reise: »Miteinander Neues entdecken« und dabei die Möglichkeiten gemein­ samen Tuns voll ausschöpfen. Spaß haben, schöpferisch und in Bewegung sein. Eltern und Kinder werden gemeinsam aktiv, sei es beim Floßbau, beim Klettern im Hochseilgarten oder bei Interaktionsübungen und Abenteuerspielen. • Deutschland, 22. – 27. Mai 2018

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JANDA+ROSCHER, Die WerbeBotschafter

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• Umweltbildung fördern

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• Flächenfraß stoppen

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