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Natur+Umwelt Heft 1-2006 88. Jahrgang 1. Quartal

Bund Naturschutz Magazin www.bund-naturschutz.de

Ein Begriff zwischen Klischee, Landschaft und Gef端hl

Heimat


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Natur+Umwelt 1-2006

Allianzen für Mensch und Natur Der Bund Naturschutz in Bayern hat sich, liebe Mitglieder, auch im vergangenen Jahr wieder für die Bewahrung einer intakten Umwelt eingesetzt. Die Verteidigung der Schönheit und der Lebensqualität in Bayern war für uns alle ein Herzensanliegen. Dies war mit aller Konsequenz nur möglich durch die Unabhängigkeit und Überparteilichkeit unseres Verbandes. Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung und Ihre Bereitschaft, unserer Heimat eine Perspektive der Nachhaltigkeit und dem Naturschutz ein »Gesicht« zu geben. Die Mehrheit der Bürger und Bürgerinnen will weiter den beschlossenen Ausstieg aus der Atomkraft. Der Einsatz der Gentechnik in der Landwirtschaft wird ebenso abgelehnt. Dies ist gerade auch der Aktionsund Informationsarbeit des BN zu verdanken. Die Aufstockung des CO2-Gebäudesanierungsprogramms auf 9,4 Milliarden Euro im Koalitionsvertrag ist eine wichtige Weichenstellung und nicht zuletzt auf die intensiv geführten Gespräche zum Klimaschutz zwischen dem BN-Landesvorstand und der Staatsregierung zurückzuführen. Die Sicherung des »Grünen Bandes« als Teil des nationalen Naturerbes oder das klare Bekenntnis der Kommunen zur Eigenständigkeit unserer Wasserversorgung sind ebenfalls Erfolge unserer Arbeit. Die von der Kanalbaulobby geforderte Kanalisierung der frei fließenden Donau ist aufgrund des breiten Widerstandes der Umweltbewegung nicht im Koalitionsvertrag enthalten. Bei aller Freude über das gemeinsam Erreichte stehen wir im neuen Jahr vor großen Herausforderungen: Es gilt, die in der Bundes- und Landesregierung verbreitete Wachstumsgläubigkeit ebenso wie die lebensbedrohende Atomkraft und die Ressourcenknappheit als nicht zukunftsfähig zu entlarven und den angedeuteten Kniefall des CSU-Landwirtschaftsministers Horst Seehofer vor den Interessen der Agrarkonzerne und anderer in der Gentechnikfrage zu verhindern. Bitte unterstützen Sie uns weiterhin dabei. Unsere gemeinsame Aufgabe ist es, positive Beispiele einer tatsächlich zukunftsfähigen Wirtschaftsund Lebensweise den globalisierten Strukturen der Naturzerstörung entgegenzusetzen. Bitte unterstützen Sie auch unsere PostkartenAktion an Minister Seehofer »Stopp – Keine Gentechnik im Essen«! Die Karte finden Sie am Ende dieser »Natur+Umwelt«. Ihr Prof. Dr. Hubert Weiger, Vorsitzender des BN Ihre Doris Tropper, stv. Vorsitzende des BN Ihr Sebastian Schönauer, stv. Vorsitzender des BN

Heimat

Inhalt

Ein schönes Wort. Ein schwieriges Wort. Ein Wort mit tausend Assoziationen. Fünf Autoren nähern sich dem Thema Heimat aus fünf verschiedenen Perspektiven. Mit Fotowettbewerb auf Seite 17! Ab Seite 8

Intern 4 Kröten sammeln 6 Leserbriefe Portrait 7 Renate Poeschel Titelthema 8 Heimat-Begriff 10 Heimat aus BN-Sicht 12 Natur, Kultur, Nachhaltigkeit 14 Doppelte Heimat 15 Ein gutes Gefühl 16 Das Tal, das Dorf, das Leben 17 Fotowettbewerb Intern 18 Ein Haus für das Leben Fotoseite 19 Wohl ne Meise? Kids+Tricks 20 Unsere Heimat Aktuell 22 Glückwunsch Hubert Weinzierl 24 Welterbe Donau 25 Gefahren aus dem Telefon 26 Kurznachrichten 28 Reisen für BN-Mitglieder 29 Faszinierende Donau Regional 30 Desaster Dritte Startbahn 31 Mittelfranken 32 Oberbayern 33 Unterfranken 34 Oberpfalz 35 Niederbayern 36 Oberfranken 37 Schwaben Bildung 38 Wölfe, Wälder, Wildnis 39 Termine

Stark und sanft Renate Poeschel: Die 70-jährige Frau wehrt sich mutig gegen die großen Gefahren für ihren Landkreis. Seite 7

Glückwunsch Der Ehrenvorsitzende ist 70. Hubert Weinzierl hat den Bund Naturschutz 33 Jahre lang geführt und geprägt. Nachfolger Hubert Weiger gratuliert. Seite 22

Einmalige Donau Die niederbayerische Donau ist einzigartig. Bayerischer Heimattag und Donaukongress meinen: Sie soll Weltnatur- und -kulturerbe werden. Seite 24 Foto: Roggenthin

EDITOR IAL

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Mitglieder-Reisen Die BN Service GmbH hat spezielle Reisen für BN-Mitglieder im Angebot: Noch mehr Naturfaszination für weniger Geld. Seite 28

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Foto: KG Weißenburg-G.

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Foto: Willner

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Kontakt Sammelfreudige melden sich bei Ihrer Kreisgruppe. Die Adresse finden Sie unter www. bund-naturschutz.de in der Rubrik »BN vor Ort«. Oder rufen Sie uns an: 09 412 97 20 - 0.

Mit den erhaltenen Beträgen werden in erster Linie regionale Aktionen in den jeweiligen Kreisgruppen finanziert, zum Beispiel Naturerlebnisangebote für Kinder oder die Pflege von Biotopen, die bedrohten Tieren und Pflanzen eine Heimat bieten. Die Haus- und Straßensammlung ist mit ein Garant für die finanzielle Unabhängigkeit des BN, durch die der Anwalt der Natur bei brisanten Themen glaubwürdig handeln kann. Bitte seien auch Sie als Sammler dabei. Ihre Kreisgruppe freut sich über jeden zusätzlichen Helfer. Viele Hände … Und bitte unterstützen Sie die Haus- und Straßensammlung des BN mit Ihrer Spende. Egal, ob fünf, zehn oder mehr Euro – jeder Betrag zählt. Sie können auch unmittelbar auf das Konto Nr. 88 44 000 bei der Bank für Sozialwirtschaft München, BLZ 700 205 00 mit dem Hinweis »HUS 2006« überweisen. Egal auf welche Weise Sie helfen möchten, wir danken Ihnen schon jetzt für Ihre Unterstützung.

Helfen Sie beim Kröten Sammeln Ob Amphibien oder Euros – wenn der Bund Naturschutz »Kröten« sammelt, zählt jeder freiwillige Helfer. Machen auch Sie dieses Frühjahr mit. Wenn im März die Nächte milder werden und Regen einsetzt, machen sie sich wieder auf den Weg: Hunderttausende von Grasfröschen, Erdkröten, Molchen und andere Amphibien wandern nachts zum nächsten Teich, um dort einen Partner zu finden und abzulaichen. Instinktiv zieht es sie zu dem Platz, an dem sie selbst einst geschlüpft sind. Dieser Instinkt ist so stark, dass sie die tödliche Gefahr, die zum Beispiel von stark befahrenen Straßen ausgeht, nicht erkennen. Deshalb ist während dieser Zeit der Einsatz vieler helfender Hände gefragt. Landauf, landab sind an den betroffenen Orten Krötenzäune aufzustellen, Fangeimer einzugraben, die Kröten einzusammeln und über die gefährlichen Hindernisse zu tragen. Dort wieder frei gelassen, können sie sicher ihren Weg zum Laichplatz fortsetzen. Sie haben Ihr Herz für Frösche und Kröten entdeckt? Dann rufen Sie doch einfach bei der BN-Kreisgruppe in Ihrer Region an, und helfen Sie mit, diese Tiere vor dem grauenvollen Tod durch Überfahren zu retten. »Kröten der besonderen Art« sammeln in der Zeit vom 15. bis 21. Mai bayernweit zahlreiche ehrenamtlich Aktive, Schülerinnen und Schüler für den BN. Die fleißigen Helferinnen und Helfer bitten an der Haustüre oder an Infoständen in der Fußgängerzone um Spenden.

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Foto: Kleindl

Kröten sammeln so … Nächtliche Amphibien-Aktionen bescheren allen Aktiven ein faszinierendes Naturerlebnis.

… und so Auch Geld Sammeln kann Spaß machen – ist ja für die gute Sache.

Unglaubliche 77 Jahre Mitglied beim BN 93 Jahre wird der Bund Naturschutz heuer alt, mehr als die meisten Menschenleben dauern. Und doch gibt es Mitglieder, die fast von Beginn an dabei sind. Besonders viele sehr langjährige Mitglieder hat die geschichtsträchtige BN-Ortsgruppe Weißenburg in ihren Reihen. Sie konnte Ende 2005 mehrere Jubilare für 50, 60, ja sogar bis zu 77 Jahre Treue zum BN ehren. Erhard Bendig, Vorsitzender der Kreisgruppe Weißenburg, blickte nicht ohne Stolz auf die Geschichte des BN in Weißenburg zurück. Sie begann 1922, als Studienprofessor Ferdinand von Wissel die BN-Gruppe im Amtsbezirk Weißenburg gründete, erste Wanderungen organisierte und mit seinem Aufsatz »Wie erziehe ich meine Schüler zum Naturschutz« die spätere Umwelterziehung vorwegnahm. Leider konnten bei der Ehrung am 11. November 2005 gerade die längstjährigen Mitglieder nicht anwesend sein, nämlich Hans Pronold und Ida Kratsch, die bereits seit 1928 und 1929 zum BN gehören. Umso stimmungsvoller – fast andächtig – verliefen die Ehrungen der anwesenden Jubilare durch Landesschatzmeister Helmut Steininger. Unser Bild zeigt (vorne v. l. n. r.) Ada Gundel (60 Jahre im BN), Erich Pfahler (57 J. im BN), Ludwig Prager (50 J. im BN) sowie (hinten v. l. n. r.) Ortsgruppenvorsitzenden Wolfgang Federschmidt, Ludwig Pflaumer (64 J. im BN), Klaus Körzendörfer (55 J. im BN) und Helmut Steininger. Natur+Umwelt schließt sich dem Dank für die große Treue an und gratuliert herzlich.


Foto: Kleindl

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Foto: Roggenthin

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Foto: privat

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Foto: privat

Foto: Maurer

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Neue Führung Wechsel im des Arbeitskreises Arbeitskreis Energie Umweltbildung

Dankeschön-Tag für großherzige Spender

Seit mehr als 25 Jahren leitete Dr.

Jedes Jahr bedankt sich der Bund

Ludwig Trautmann-Popp (linkes Bild) den Landesarbeitskreis Energie und Klima des BN. Ende 2005 wurde nun Karin Wurzbacher (rechtes Bild) zur neuen Sprecherin gewählt, Trautmann-Popp leistet jetzt die hauptamtliche Zuarbeit. Unter seiner Leitung konnten Erfolge wie die Verhinderung der WAA Wackersdorf und des Kohlekraftwerks Franken III sowie der Ausbau der Solarenergie in Bayern verbucht werden. Die Themenbereiche des Arbeitskreises haben sich in dieser Zeit auf Klimaschutz, Energieeffizienz, Solar- und Windkraft und die nachwachsenden Rohstoffe erweitert. Trautmann-Popp, promovierter Kernphysiker, arbeitete in der Öffentlichkeit wie im Gespräch mit Spitzenpolitikern an der Verbreitung der Erkenntnis, dass nur Energieeinsparung und erneuerbare Energien eine lebenswerte Zukunft eröffnen. Unter seiner Leitung wurde die »Energievision« des BN entwickelt. Die neue AK-Sprecherin Karin Wurzbacher ist Diplom-Physikerin und anerkannte Expertin in Fragen der Reaktorsicherheit, der Atommüllentsorgung und des Strahlenschutzes. Sie spielte in der Auseinandersetzung um den Atomforschungsreaktor Garching und als Gutachterin in Sachen Atommüllzwischenlager eine tragende Rolle. In Starnberg leitet sie sehr erfolgreich den Agenda-Arbeitskreis Energie- und Klimaschutz.

Führungswechsel im Arbeitskreis Umweltbildung des BN: Seit Ende letzten Jahres fungiert Günter Krell (rechtes Bild), der auch Mitglied des BN-Landesvorstandes ist, als neuer AK-Sprecher. Sein Vorgänger, der Miltenberger BN-Kreisvorsitzende Hans-Jürgen Fahn (linkes Bild), hatte das Amt des AK-Sprechers fast 18 Jahre inne und konnte mit seiner engagierten Arbeit viele Erfolge für die Umweltbildungsarbeit des BN erzielen. Unter seiner Führung entstanden die BN-Richtlinien zur Umwelterziehung. An den heute für alle bayerischen Schulen geltenden Umweltbildungs-Richtlinien des Staatsinstituts für Bildungsforschung wirkte Fahn maßgeblich mit. Auch dass heute jede zweite weiterführende Schule im Freistaat zugunsten umweltschonenderer Alternativen auf Schulskikurse verzichtet, können sich der BNArbeitskreis und sein Sprecher an ihre Fahnen heften. Der neue AK-Sprecher Günter Krell kann reiche Erfahrungen nicht nur mit der Umweltbildungsarbeit in seiner Kreisgruppe einbringen, sondern fungiert auch seit Jahren als Fachberater für das Schulamt im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. Seine Ziele beschreibt er so: »Workshops in Wartaweil werden wie bisher der Fortbildung unserer Fachleute in den Kreisgruppen dienen. Zudem sollen Fachtagungen der weiteren Verknüpfung von Theorie und Praxis der Bildung für nachhaltige Entwicklung gewidmet werden. Durch Vernetzung der Aktiven, vielfältigen Erfahrungs- und Ideenaustausch und wirkungsvolle

Naturschutz mit einer exklusiven Einladung bei besonders großzügigen Spendern. Dieses Jahr ging es zum Grünen Band in Oberfranken. Für dieses Ziel, den zur Lebenslinie gewordenen ehemaligen Todesstreifen an der innerdeutschen Grenze, hatten sich die meisten der Großspender unter fünf Alternativangeboten ausgesprochen. Am 22. Oktober 2005 ging es für die Teilnehmer nach Mitwitz. BNVorsitzender Hubert Weiger begrüßte sie in der Bibliothek des dortigen Wasserschlosses. Artenschutzreferent Kai Frobel schilderte eindrucksvoll Geschichte und Bedeutung des Grünen Bandes, von der Entstehung 1989 bis zur heute geplanten Ausweitung auf das »Grüne Band Europa«. Gemeinsam mit Stefan Beyer, dem Projektmitarbeiter vor Ort, führte Frobel die Gruppe ins Föritztal. Dabei erfuhren die Teilnehmer viel Interessantes über die ökologischen Besonderheiten des Grünen Bandes, Beispiele für Renaturierungsarbeiten wurden vorgestellt. Alle Beteiligten baten um Fortsetzung der Idee einer jährlich wechselnden Projektvorstellung.

Darstellung des bisher Geleisteten wollen wir die breite Palette der Aktivitäten noch weiter bekannt machen und die hervorragende Umweltbildungsarbeit von Kreisgruppen, Ökostationen und Bildungswerk des BN unterstützen.

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Exklusive Führung BN-Vorsitzender Hubert Weiger (3. v. r.) führt gemeinsam mit Kai Frobel (2. v. r.) großzügige Spender am Grünen Band, dem ehemaligen innerdeutschen Grenzstreifen.

Neuer Service für Spender Unter www.bundnaturschutz.de kann jeder, der den BN finanziell unterstützen möchte, ab sofort direkt per Kreditkarte oder per Lastschrifteinzug spenden. Klicken Sie auf die Rubrik »Spenden + Helfen«.


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Steuer erhöhen! Zum Beitrag »Es trifft jeden von uns« in N+U 4-05 Der Klimaforscher Wolfgang Seiler stellt Ursachen und Folgen des Klimawandels in acht Punkten sehr gut dar. Jedoch als Konsequenz nur die persönlichen Einsparmöglichkeiten im Energieverbrauch zu nennen, wie Fahrweise oder Sparlampen, ist doch schon seit Jahrzehnten publik. Die öffentlichen Rahmenbedingungen wären doch gefordert, dass das 3-Liter-Auto Standard wäre, oder für Gebäude und Heizungswechsel ebenso einen ökologischen Standard zu postulieren. Die Kfz Steuer ist keine Strafe, sondern noch zu gering bemessen, da das Fahrzeug damit für den enormen Flächenverbrauch für Verkehrswege und beanspruchte Flächen (Deutschland 4,6 Prozent) mit herangezogen wird. In der Summe liegen die externen Kosten für Unfälle, Gesundheit und Umweltschäden etwa fünfmal höher als die Steuereinnahmen aus Mineralölund KFZ Steuer. Die Kfz Steuer ist meines Erachtens ökologisch und ökonomisch richtig und notwendig und sollte erhöht werden; belastungsneutrale Steuererleichterung sollte bei der Lohnsteuer erfolgen. Josef Fortner, Achenmühle

Schreiben Sie uns! Leserbriefe kommen bei uns gut an: BN-Magazin »Natur+Umwelt«, Dr.-JohannMaier-Str. 4, 93049 Regensburg, Tel. 09 41-2 97 20 22, Fax 2 97 20 31, nu@bundnaturschutz.de

Dem Gegner keine Blöße geben Zum Leserbrief »Anti-AtomArgumente« in N+U 4-05 Die gewiss sehr verdienstvollen Einwände gegen die Atomkraftsucht sollten dem wohlgeschulten Gegner

keine Blößen zeigen, wie sie auch einige »bekannte Anti-Atombücher«, in anderer Form, enthalten: Atomkraftanlagen »dünsten« keine Edelgase aus, sondern geben sie gezielt durch den Abluftkamin in die Umwelt ab. »Ausdünsten«, also auch Stahl und Beton durchdringen, kann der ebenfalls in bedenklichen Mengen in AKW erzeugte, alles Leben strahlenschädigende dreiwertige Wasserstoff Tritium. Radioaktive Edelgase sind weniger als Klimagase relevant als vielmehr wegen ihrer Strahlenwirksamkeit, auch derjenigen einiger ihrer Zerfallsprodukte. Noch lebensschädigender ist der mit über hundertfach größerer Aktivität als die der Edelgase von AKW als Klimagasverbindungen abgegebene, offiziell gar nicht bewertete und in alle Lebenskreisläufe sehr schädigend einwandernde radioaktive Kohlenstoff, wie unten angegebene Quelle fundiert dartut. Die übrigen Einwände Herrn Ahlborns sind gut und stichhaltig. Hinzuzufügen wäre: Zwar erzeugen AKW Unmengen von Strom, aber unter Verschwendung des äußerst hochwertigen Brennstoffs Uran mit dem bekannt dürftigen Wirkungsgrad von Wärmekraftwerken durch Wasserkochen und unter noch viel erbärmlicherer Nutzung der eigentlichen Spaltenergie, eine »hirnrissige Art, Strom zu erzeugen«, wie der Nobelpreisträger Frank Soddy einst richtig einwandte. Sie ist physikalisch so kurzsichtig wie alle so praktische Heizwärmeerzeugung mittels Elektrizität. Als Handbuch heute noch empfehlenswert »Radioaktivität und Umwelt« von P. Weish und E. Gruber, Gustav Fischer Verlag Stuttgart, zum Beispiel 2. Auflage 1979 (noch mit alten Maßeinheiten). Gerhard Döring, München

Otto – gar nicht gut Zur Meldung »Wachstum bis zum Kollaps« in N+U 4-05 Ein nettes Kuckucksei hat sich die Deutsche Bahn ins Nest geholt! Anstatt die Eisenbahn zu fördern und gegen Billigflieger zu schützen, plädiert Otto Wiesheu für den Flughafenausbau. So kann man weiterhin Benzin verplempern und auf ein Wochenende nach Hamburg, Wien und Prag fliegen, obwohl bequeme, sichere Zugverbindungen bestehen. Oder überflüssige Produkte durch die Welt hin und her schippen. Wenn eine dritte Startbahn nicht ausreicht, dann eine vierte oder eine fünfte, bis das ganze Umland zubetoniert ist. Otto finde ich nicht gut. In Zukunft wird Rohöl teuer und knapp werden, so dass Flugzeuge auf einem Flugzeugfriedhof »eingemottet« werden müssen. Na und, denken Wachstumsfanatiker und unkritische Konsumenten. Nach uns die Sintflut! Und weil immer mehr Flächen versiegelt werden, kommt die Sintflut bestimmt. Amelia Garcia, München

Foto: project photos

Die Firma Holub, Steiner und Partner GmbH (HSP) ist Spezialist für professionelle Mitgliederwerbung und arbeitet seit vielen Jahren erfolgreich mit dem Bund Naturschutz in Bayern e.V. zusammen. Die Firma HSP stellt die Teams zusammen, organisiert die Werbeaktionen vor Ort und kümmert sich um Anreise, Unterkunft und die gesamte Betreuung. Ergänzend werden kostenlose Weiterbildungsseminare angeboten. Als besondere Motivation warten Sonderzahlungen und Aufstiegsmöglichkeiten. Weitere Informationen unter: www.studentenjob.com oder unter Tel.-Nr. 0 76 43 - 9 14 14 13

Studentinnen und Studenten gesucht !

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s ist nicht ganz leicht, die große Persönlichkeit dieser kleinen Person in ein paar Sätzen zu skizzieren. Da ist Renate Poeschel, 70, so wenig fassbar wie Moni, ihre Katze und Lebensgefährtin, die mal auf dem Schoß, mal auf der Schulter und mal im Arm Platz nimmt, die mal oben, mal unten ist, mal da, mal dort – wo ist sie denn nun schon wieder? Vielleicht hat ihre Katzenliebe den Landesvorsitzenden des Bundes Naturschutz (BN), Hubert Weiger, zu dem Vergleich verleitet, dass die Erdinger Kreisvorsitzende zwar im persönlichen Umgang sehr sanftmütig, bescheiden und leise auftrete, draußen aber, wenn es um Fragen des Natur- und Umweltschutzes in ihrem vom Moloch München bedrohten Landkreis geht, kämpfen könne »wie eine Löwin«. Weiger bezog sich dabei vor allem auf die Auseinandersetzung um die berühmt-berüchtigte Autobahn A 94, die seit Jahren einer der großen verkehrspolitischen Konflikte zwischen bayerischer Staatsregierung und Bund Naturschutz ist. Auch Renate Poeschel hat sich in die Fragestellung, welche Trassenführung für Mensch und Natur noch am verträglichsten wäre, gewissermaßen »verbissen«.

Schwarzer Landkreis So wie es ihre, laut Selbsteinschätzung, »altmodische Art« ist, wichtige Dinge mit Disziplin und Sachverstand zu verfolgen, hat sie in diesem Fall ebenfalls systematisch die Alternativen gegenübergestellt. Im vergangenen Jahr erfuhr sie mit ihren Mitstreitern dafür einen ersten großen Erfolg, als der Bayerische Verwaltungsgerichtshof einen Baustopp für die vom BN abgelehnte Isentaltrasse erließ. Aber auch bei anderen Themen muss die ehrenamtliche Aktivistin in einem der »schwärzesten Landkreise Bayerns« mitunter kräftig Krallen zeigen. Vor allem der Flughafen erweise sich »wegen seines rücksichtslosen Ausgreifens ins Umland wie erwartet als problematischer Nachbar«, klagt sie. Die negativen Folgen wie Fluglärm und Zersiedelung nähmen kein Ende. Jetzt drohen sogar noch eine dritte Startbahn und der Transrapid. »Eine monströse Planung«, kommentiert sie bitter. Warum sie dennoch auch nach über zehn Jahren als Kreisvorsitzende nicht den Mut verliert? Sie sei, schreibt die Süddeutsche Zeitung einmal unter der Rubrik »Frau des Jahres«, eine »Idealistin aus Überzeugung«. Und fährt fort: »Renate Poeschel engagiert sich uneigennützig und hat Lust daran, eigenverantwortlich zu schaffen. Sie ist eine Idealistin, die ihre Kraft aus den kleinen Erfolgen zieht.« Aber, so betont sie im persönlichen Gespräch, ebenso aus der Freude an jener Mischung von »praktischer und politischer Naturschutzarbeit«, wie sie nur der BN biete.

Foto: Markl-Meider

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Sanft und stark zugleich Renate Poeschel, 70, ordnet sich zuhause gerne ihrer Katze unter – und kämpft draußen wie eine Löwin gegen Natur- und Umweltzerstörung.

Renate Poeschel

Die lächelnde Löwin Naturschutz lebt von Idealismus, Sachverstand und – »hoher Frustrationstoleranz«. Das sagt Renate Poeschel, die es wissen muss. Als Vorsitzende der seit 30 Jahren bestehenden BN-Kreisgruppe Erding verteidigt sie ihren Landkreis mutig gegen die Folgen von Flughafen, Flächenverbrauch und Verkehrsinfarkt. Ein Portrait von Christoph Markl-Meider im Wörther Moos das ehemals ausgedehnte Niedermoor zumindest im Kern zu sichern. Gleichzeitig hütet sie mit der Gfällach das älteste Naturschutzgebiet Bayerns, das seit 1932 im Besitz des BN ist. Auch das, so merkt man schnell, würde die engagierte Naturschützerin notfalls mit Zähnen und Klauen verteidigen. Es geht ihr um die Frage, was wir unseren Kindern hinterlassen. Und die hat für Renate Poeschel noch eine andere Dimension, war sie doch beruflich bis 1999 als Kinderärztin tätig. In ihrer ehemaligen Praxis hat sie heute die Geschäftsstelle der BN-Kreisgruppe untergebracht, von hier aus koordiniert sie ökologische Pflegemaßnahmen, die jährliche Spendensammlung oder aktuelle Unterschriftenaktionen. Es ist der gute Geist, für Kinder und kommende Generationen Verantwortung zu übernehmen, der hier sein Domizil gefunden hat.

Grüne Oasen Je größer die ökologischen An- und Übergriffe in der Region sind, umso wichtiger ist ihr der Erhalt der letzten grünen Oasen. Derzeit versucht die Kreisgruppe zum Beispiel durch den Kauf mehrerer Grundstücke

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Mehr Infos Mehr zur Kreisgruppe Erding und zum Isental finden Sie auf den Websites www.bund-naturschutz-erding.de und www.a94b12.de Kontakt Bund Naturschutz, Kreisgruppe Erding, Reichenbergerstr. 29, 85435 Erding, Tel. 0 81 22-1 38 01, bn-erding@gmx.de


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Ein Begriff zwischen Klischee, Landschaft und Gef端hl

Heimat Die Fotos zu unserer Titelgeschichte Heimat stammen, wo nicht anders angegeben, vom M端nchner Fotografen Harald Frey.


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Es gibt diese Wörter, die keinen kalt lassen. Die Gänsehaut machen – und zwar auf zwei Arten: durch aufregendes Kribbeln ebenso wie durch eiskaltes Frösteln. Weihnachten ist so ein Wort. Bunt bemalt mit den schönsten Erinnerungen, aber auch behaftet mit Gefühlen des Überdrusses

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an Werbung, Kommerz und Konsum. Echt und falsch in einem. Oder die Liebe natürlich: Das Beste, das einem im Leben passieren kann. Das Wort aber heute so inflationär missbraucht, dass man es kaum noch benutzen möchte. Wie spricht man unbefangen von Liebe mit »McDonald, ich liebe es« im Ohr? Auch Heimat ist für viele Menschen so ein Wort. Sagt wie kein anderes, wo man sich hingehörig, zuhause fühlt. Und

lässt doch immer auch den Kitsch des Heimatromans, die Blut-und Boden-Ideologie der Nazis, die Ausgrenzung »Nicht-Heimischer« bis heute mitschwingen. Wenn »Heimat« jetzt wieder von den Medien aufgegriffen wird, in den Feuilletons »unverdächtiger« Zeitungen oder als Titelthema großer Magazine wie GEO oder »Psychologie heute«, dann muss es

dafür gute Gründe geben – aber welche? Unsere fünf Autoren gehen dieser Frage nach. Vor allem aber erzählt jeder aus seiner persönlichen Sicht, für welche Art von Heimat er sich engagiert. (göß)

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Warum Heimat für den BN im Mittelpunkt steht

Foto: Willner

Wir ringen um jeden schönen Fleck Erde Statt von »Laptop und Lederhose« zu plappern, kämpft der Bund Naturschutz für die bayerische Heimat überall dort, wo sie bedroht ist. Ob seinerzeit am WAA-Zaun oder heute an der Donau. Hubert Weiger über den Heimatbegriff aus Sicht des BN.

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Die Zeichnungen haben wir entnommen aus »Mein erstes Bayernbuch« von Heribert Stragholz, erschienen im emons-Verlag, 2005.

eit 1950 veranstalten der Bund Naturschutz, der Bayerische Landesverein für Heimatpflege und die Bayerischen Geschichtsvereine alle zwei Jahre den Bayerischen Heimattag, um dabei aktuelle Fragen des Naturschutzes und der Heimatpflege aufzugreifen. Es mag manchen verwundern, dass kurz nach dem Ende der Nazi-Diktatur, welche den Begriff Heimat schamlos missbraucht und als Teil der Herrschaftsideologie gegen andere Völker eingesetzt hat, dieser Bayerische Heimattag begrün- Heimat det wurde. Es war dies aber ein bis kann heute wirkendes Zeichen, dass der Begriff Heimat tief in den Verbänden erworverankert ist und dass es gerade ben und wegen seines Missbrauchs notwengestaldig war, den Heimatbegriff wieder tet positiv zu besetzen. Heute erlebt der Begriff Heimat werden; eine Renaissance. »Heimat – warum sie wird der Mensch sie wieder braucht«, titelt etwa die Zeitschrift GEO in Ausgabe nicht 10-2005 – ein Beispiel von vielen. Of- einfach

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vorgefunden.

fensichtlich wächst das Bewusstsein für Heimat und Identifikation vor Ort in dem Maß, in welchem als Ergebnis des Globalisierungsprozesses immer mehr Entscheidungen und Entwicklungen für den Einzelnen nicht mehr beeinflussbar erscheinen. Heimat hat immer etwas zu tun mit dem Raum, in dem wir unsere ersten Prägungen in der Kindheit und Jugend erfahren. Heimat ist damit ein sehr subjektiver Begriff, der unsere Gefühle anspricht und Erinnerungen an Bilder, Gerüche, Geräusche hervorruft. Heimat ist immer mit Geborgen- Landheit, Vertrautheit und Identität verbunden. Wesentliche Ele- schaft mente der Heimat sind also ne- und Heiben Personen und Gebäuden mat sind auch Landschaften – und damit untrenngibt es überall Heimat, sowohl auf dem Land wie in der Groß- bar mitstadt. einander Dies unterscheidet unser Heivermatverständnis von dem Heimatbegriff des 19. Jahrhunderts, bunden. der sich als Gegenbegriff zur Verstädterung und Industrialisierung oder auch als Gegenbegriff zu anderen Nationen verstand. Heimat ist damit nichts Rückwärtsgerichtetes und Einschränkendes, sondern Ausdruck der Hoffnung auf vertraute und versichernde Bedingungen in den verschiedenen Lebensphasen und Lebensräumen. Heimat kann erworben und gestaltet werden. Sie wird nicht einfach vorgefunden. Städtische Lebensräume sind ebenso geeignet für das Gefühl von Heimat wie ländliche. Die Betonung liegt auf Lebensraum, der die natürlichen Lebensgrundlagen enthalten muss. Jeder muss Verantwortung für seine Mitmenschen und für die Natur übernehmen. Dies bedeutet im Sinne bürgerlichen Engagements, demokratische Rechte wahrzunehmen und öffentliche Angelegenheiten aktiv mitzugestalten. Der Einsatz des BN für die bayerische Heimat ist damit etwas völlig anderes als das Gerede von »Laptop und Lederhose«. Denn unser Begriff von Heimat beinhaltet den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen wie der kulturellen und geschichtlichen Identität, ohne Ausgrenzung – weder von Menschen noch von anderen


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Heimat hat immer zu tun mit dem Raum, in dem wir unsere ersten Prägungen in Kindheit und Jugend erfahren.

Lebewesen. Landschaft und Heimat sind damit zu Betonrinnen degradiert wurden, gehört geuntrennbar miteinander verbunden. nauso dazu wie Baumpflanzaktionen in den Der Einsatz des BN ist damit Teil eines Zukunft Städten oder Patenschaften für Alleebäume. sichernden Heimatschutzes. Er reicht von der SicheAus diesem aktiven Einsatz kann auch Heirung historischer Kulturlandschaften, der Erhaltung matbewusstsein erwachsen. Gerade durch diese von Feldrainen, Streuobst, Quellen und Tümpeln, bis konkreten Aktivitäten sind die betroffenen Bürzur Rettung schöner Städte und Dörfer vor der Ver- ger zu gewinnen, sich für ihre eigene Heimat einschandelung durch die McDonaldisie- zusetzen. Ohne ein derartiges Heimatverständnis Heimat rung unserer Landschaft mit ihren häss- wäre es nie möglich gewesen, den Bau der atomalichen, Boden fressenden, phantasielos ren Wiederaufbereitungsanlage in der Oberpfalz gibt es in die Gegend hineingestellten Gewer- vor 20 Jahren zu verhindern oder die Wälder um überall, beschachtelgebieten. Unser Einsatz für München und Nürnberg vor dem Kahlschlag zu auf dem die Heimat zielt auf die Sicherung bäu- retten. Damit hängt die Bewahrung unserer natürLand wie erlicher Agrarstruktur und -kultur, oder der Schiene statt eines Transrapids lichen Lebensgrundlagen im entscheidenden in der ebenso wie auf die Erhaltung stadtna- Maße von der Identifikation des Einzelnen mit Grossher Wälder oder die Rettung der letzten seiner näheren und weiteren Heimat ab. Diese noch frei fließenden Flüsse. Identifikation setzt aber einen emotionalen Zustadt. Nicht nur die inzwischen fast 2000 gang zur Natur und Kultur der eigenen Heimat Hektar Eigentums- und Pachtflächen des BN sind ein voraus. Es wird eine der wichtigsten Aufgaben des BN wichtiger Teil der so geretteten Heimat, sondern in viel sein, die dazu erforderliche Bildung und Emotionaligrößerem Umfang die zigtausend von Hektar Fläche in sierung zu vermitteln. Gerade die seit 2005 laufende Bayern, welche seit 1913 durch die Arbeit von Genera- und von der Vollversammlung der UNO beschlossene tionen ehrenamtlicher Naturschützerinnen und Na- Weltdekade der Bildung für nachhaltige Entwicklung turschützer vor der Zerstörung gerettet wurden. ist eine große Chance, die Bezüge zwischen lebensEs gibt kaum einen schönen Fleck in unserer bayeri- werter Heimat, intakter Kulturlandschaft, gesunder schen Heimat, um dessen Erhaltung nicht gerungen Lebensmittelproduktion und -verarbeitung sowie werden musste. Beispiele geretteter Heimat sind dabei eigenverantwortlicher gesunder Ernährung aufzuzeineben den Nationalparken Bayerischer Wald und gen und die Menschen zum aktiven Handeln zu Berchtesgaden / Königsee die geretteten Flussland- bewegen. schaften der Litzauer Lechschleife, die Weltenburger In erster Linie hängt die Frage Heimat-, UmweltEnge oder das heutige europäische Schutzgebiet Gum- und Naturbewahrung davon ab, ob die Wissenserosion pen in der Waldnaabaue, die Hochrhön und die in Sachen Natur und Umwelt gestoppt werden kann. Schwarzen Berge, die Naturwaldreservate im Spessart, Auch vor der eigenen Haustür erkennt man nur das, die Mohrhofweiher in Mittelfranken und das schwä- was man vorher identifiziert und mit allen Sinnen bisch-oberbayerische Donauried beziehungsweise begriffen hat. Mit dieser Aufgabe könnten Bildung und Donaumoos oder das Naturschutzgebiet GeigelErziehung neue kreative Wege beschreistein in den oberbayerischen Alpen. Alle diese Heimat ben. Ansatzpunkte lassen sich sowohl für Landschaften waren bedroht und wurden – gera»Heimatkunde« in Kindergärten und de auch durch den BN – gerettet. Ihre Schönheit ist immer Grundschulen entwickeln als auch für verdient der heutigen Landespolitik als Aushänge- mit Gebor- schiedene Formen der außerschulischen schild für die Bewerbung Bayerns als führendes genheit, Jugend- und Erwachsenenbildung. Die Tourismusland in Deutschland. Es gilt aber nicht Wiederbelebung des Heimatbegriffes ist Vertraut- auch im städtischen Raum als gesellnur die Qualität der Heimat zu erhalten, sondern auch Fehler der Vergangenheit, die zum Verlust heit und schaftliche Aufgabe zu verstehen. Dies ist erlebbarer Heimat geführt haben, rückgängig zu Identität eine besondere Herausforderung für die machen. Der Einsatz des BN für die RevitalisieMedien, die einen außerordentlich hohen verbunrung von Bächen und Flüssen, welche in den Anteil an der Bildung und Förderung von »Erzeugungsschlachten« der 30er oder 50er Jahre den. Bewusstseinsprozessen haben.

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Foto: Roggenthin

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Der Autor Prof. Dr. Hubert Weiger ist 1. Vorsitzender des Bundes Naturschutz in Bayern e. V. Er dankt Dr. Hannes Bibelriether für entscheidende Denkansätze für diesen Beitrag.


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Drei Säulen tragen »die Heimat«

Natur, Kultur und Nachhaltigkeit Hubert Weinzierl plädiert für eine Renaissance der Heimatbewegung, die gleichermaßen mystisch und lustvoll ist und den Menschen in den Mittelpunkt stellt.

M Nie war die Gefahr »heimatlos« zu werden so gross wie in unserer globalisierten Welt.

it den Worten »Heimat« und »Schöpfung« besitzt die deutsche Sprache zwei ebenso schöne wie einmalige, weil unübersetzbare Begriffe, die aber von inflationärem Missbrauch bedroht sind. Wer es also ehrlich meint mit der Heimat, der sollte sich angesichts der weltweiten Nivellierung von Identität und Regionalität um die Fortentwicklung dieses dynamischen Begriffes bemühen. Denn nie war die Gefahr, »heimatlos« zu werden, so groß wie in unserer globalisierten Welt. Und mit der Vereinsamung in dieser Welt der Großstrukturen wachsen das Bedürfnis nach Heimat und die Suche nach dem Überschaubaren. Die kleine Welt im Herzen tragen und die große Welt im Blick behalten – das ist die Herausforderung des neuen Denkens. Im Wissen um die weltfamiliären Zusammenhänge also die Umwelt vor der Haustüre bewahren und die Heimat Erde als ein gemeinsames Lebewesen betrachten, aus dem wir nicht aussteigen können. Der Heimatbegriff ist in Bewegung geraten.

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Durch Globalisierung und Migration bekommt »die Heimat« eine völlig neue Dimension und schon ist von »Heimaten« die Rede. Heimat im Sinne einer fest gefügten inneren und äußeren Welt unserer alten Vorstellungen oder Träume existiert so nicht mehr. Die Bedürfnisse der Menschen in unseren Tagen an ihre Heimat lassen sich auch schwerlich mit einem Blick in das aktuelle BrockhausLexikon erhellen: In ethologischer und anthropologischer Hinsicht reflektiert Heimat zunächst das Bedürfnis nach Raumorientierung, nach einem Territorium, das für die eigene Existenz Identität, Stimulierung und Sicherheit bieten kann. In existenzphilosophischer Hinsicht stellt Heimat in Wechselbeziehung zum Begriff der Fremde eine räumliche und auch zeitbezogene (Traditionen) Orientierung zur Selbstgewinnung bereit. In soziologischer Hinsicht zählt Heimat in Die Komplementarität zu Fremde Heimatzu den Konstitutionsbedinbewegung gungen von Gruppenidentität. Ich gestehe, dass mir das zu müsste kompliziert klingt. Wir Natur- und eine Heimatschützer kommen da von einem eher wertkonservativen Hei- Renaismatbegriff her, der sich für eine regio- sance nale Heimat stark macht, die in die erleben, große gemeinsame Heimat Erde eingebettet ist. Parameter für diese über- die schaubare, regionale Heimat ist für gleicheruns Naturschützer, wie wir mit dem massen uns anvertrauten Land umgehen, mit der Landschaft also, die unleugbar die mystisch Basis unserer Kultur bildet. Heimat und lustist mehr als Entwicklungsachse oder voll ist. Wirtschaftsstandort. Deshalb wollen wir die Heimat nicht denen überlassen, die ihr die Wurzeln abgraben, gerade weil eine intakte Natur zu den begehrtesten Standortfaktoren der Zukunft zählt. Generationengerechtigkeit ist kein rein monetärer Vorgang, denn auch intakte Natur ist schließlich Teil


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zukünftiger Rente. Was hätten künftige Generationen von mehr Wohlstand, wenn dieser in einer zerschundenen Umwelt versandet? Heimat heute bedeutet eben eine Wertediskussion, welche wir zwei Generationen lang durch Wachstum und materiellen Wohlstand ersetzt haben. Diese gesellschaftspoliMit den tische Lücke könnte eine neue Heimat-Bewegung – ein Netzwerk Heimat Worten – schließen, die das Wort Heimat an »Heimat« Inhalten misst und Heimattümelei und verabscheut, im Wissen, dass Heimat kein geographischer Vorgang, sondern »Schöpein seelischer oder sogar religiöser fung« Zustand und ein immerwährender besitzt Prozess ist. Das erfordert eine kritische Haltung die gegenüber denjenigen Pharisäern und deutsche Schwätzern, welche so viel von der Sprache Heimat reden! Sie quatschen von Heimat und haben Autobahnen, Flughäzwei fen oder Staustufen im Kopf. Sie quatebenso schen von Identität und lassen jeglischöne che Heimatverhunzung zu, sie quatwie ein- schen von Nachhaltigkeit, aber fördern die Klimaerwärmung und vermalige hindern Tempolimit, Klagerecht und Begriffe. Ökosteuer. Sie reden von Schöpfungsverantwortung und sind die Protagonisten der Atomenergie oder der Gentechnik. Sie schwärmen von bäuerlichen Familienbetrieben und fördern Agrarfabriken und Massentierhaltung. Und wenn sie über den Werteverfall klagen, dann meinen sie damit die Börsenkurse. Es scheint also überfällig, mit der Heimat ehrlicher umzugehen und das Spektrum dieses Begriffes zu erweitern. Für mich sind es drei Säulen, welche »die Heimat« tragen: Die Natur, die Kultur und die Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeit ist dabei kein technisches, sondern eben ein ethisches Prinzip und kommt daher ohne eine humane Komponente ebenso wenig aus wie ohne das magische Geflecht von Ökologie, Ökonomie und Sozialem. Diese humane Komponente hat mit dem Irrationalen, mit Kultur, mit Heimat, mit Werten und mit Glück zu tun. Wohlstandswachstum allein macht auf Dauer nicht glücklich. Nachhaltig glücklich sein bedeutet mehr als nachhaltig reich sein. Gut leben ist etwas anderes als viel haben. Und mehr Zeit haben oder mehr Gesundheit ist etwas anderes als mehr Geld besitzen.

Meine Vision von Heimat setzt eine Solidargemeinschaft von gleichgesinnten Menschen und zwischen Menschen und Mitgeschöpfen voraus.

Nachhaltigkeit mündet letztlich in der Leichtigkeit eines Lebens-Wandels, der dynamisch und lustvoll und ein Sieg des Glücks über die Last des Materiellen ist. Ein Lebensstil also, der das Brot als Lebensmittel für den Körper und den Glanz der Erde als Seelennahrung gleichermaßen schätzt. Diese Glückskomponente führt zu der vergessenen Art Mensch hin, die ohne Seelenschutzgebiete ebenso wenig auskommt wie Tiere und Pflanzen ohne Naturschutzgebiete. Denn Glück ist letztlich die Basis für einen geschwisterlichen Umgang zwischen Mensch und Schöpfung. Daher beginnt der Naturschutz bei glücklichen Menschen. Machen wir also zuerst die Menschen glücklich, denn »glückliche Menschen machen weniger kaputt« (Beate Seitz-Weinzierl). Glück wiederum strebt nach Harmonie und weckt damit die Lust auf das Bewahren und Schützen. Diese andere Art von Naturschutz fordert weder Verzicht und Askese, noch die Pflicht zur Enkelverantwortung ein, sondern lebt im Jetzt: Ich will für mich und für die jetzt lebenden Menschen und Mitgeschöpfe den Zauber des Lebens und der Wildnis und die Lust an der Natur bewahren. Damit bleibt gleichzeitig auch ein Stück Heimat der Nachwelt erhalten. Die Heimatbewegung müsste also eine Renaissance erleben, die gleichermaßen mystisch und lustvoll ist. Wir sollten uns dazu der spirituellen Kraft besinnen, welche die mystische Wurzel des Heimatschutzes war, und wir Heimat sollten ein neues Menschenbild in ist ein den Mittelpunkt rücken, um angeseelisichts des globalisierten Egoismus scher und des brutalen Neodarwinismus dieser Tage den Mut zur Emotion und oder zum Anderssein wieder zu entdesogar cken. Meine Vision von Heimat setzt relieine Solidargemeinschaft von gleichgesinnten Menschen und zwischen giöser Zustand Menschen und Mitgeschöpfen voraus. Nicht das hehre Gerede von und ein Pflicht und Verantwortung oder die Predigt über den Verzicht macht uns immerwähren- glaubwürdig, sondern unsere Gespürigkeit im Umgang untereinander der und mit allem Lebendigen.

Prozess.

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Foto: Roggenthin

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Der Autor Hubert Weinzierl ist Ehrenvorsitzender des Bundes Naturschutz und Präsident des Deutschen Naturschutzringes. Lesen Sie auch die Seiten 22/23 zu seinem 70-sten Geburtstag.


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Ich drücke mein Gesicht an seine dunkle, warme Rinde und spüre Heimat – und bin so unsäglich dankbar in diesem Augenblick. Sophie Scholl (1921– 1943) von den Nazis ermordete Widerstandskämpferin, über einen Apfelbaum

Eine geschenkte und eine erworbene Heimat Heiner Müller-Ermann liebt seine erste Heimat, die seiner Kindheit. Er hilft, seine zweite Heimat vor einer Autobahn zu schützen. Und er ist froh, dass zwischen beiden nur vier Zugstunden liegen.

Foto: privat

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es louß ich mich nije nejm. Wemme auf su a Döffla zulöäfft, unn hööd scho di Mussig ve di Kerwa – halt ein, es sollen ja auch die Altbayern verstehen und die Schwaben, die Portugiesen und Berliner und wer sonst alles in dem kleinen Freistaat des Bundes Naturschutz unterwegs ist. Also, ich bin lange gelaufen, durch Fichten und wieder Fichten – durch den Frankenwald halt, der die Heimat meiner ersten 19 Lebensjahre war. Der Wind weht mir erste Musikfetzen der Der Autor Kirchweih entgegen, echte Blasmusik sogar. Und dann Heiner MüllerErmann, 56, arbeider Duft der Bratwürscht, den jeder Frankenwäldler so tet als Redakteur tief einsaugt, ja fast schon inhaliert. Nicht durch die im Hörfunk des Lunge, der Bratwurschtduft, der geht schon eher in die Bayerischen RundRichtung, wo das Herz sitzt. funks. Seit den Das also kann mir keiner nehmen. Die Bratwürscht, 70-er Jahren beim Bund Naturschutz, die Fichtenwälder. Natürlich weiß ich um die Probleengagiert er sich matik dieser Monokultur. Und dennoch ist es für mich in seiner Ortsgrup- Heimat. Die brütende Sommerhitze auf den trockenen, pe Dorfen und in nadelbedeckten Waldwegen. Der weite Blick, bei dem der »Aktionsgeaus dem Grün der nahen Bäume in der Ferne fast meinschaft gegen schon ein Blau wird, das am Horizont mit dem Himmel die A 94« für verschmilzt. Und außerdem die Bratwürscht und a die Erhaltung des Seidla Kaiserhöfer. Isentals.

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So also geht es einem, der bisweilen heimkehrt in die alte Heimat. In eine Gegend, in der ich nur ein Drittel meines Lebens zugebracht habe, von der ich aber dennoch weiß, dass sie immer meine alte, oder soll ich sagen, meine erste Heimat bleiben wird? Aber je länger es nun her ist, dass ich vom nördlichsten Zipfel Bayerns weit in den Südosten geraten bin, umso mehr spüre ich, dass mir auch dieses kleine Städtchen Dorfen und das Isental irgendwie zur Heimat geworden ist. Zu einer neuen, einer zweiten Heimat. Und das hat offensichtlich nicht einmal etwas mit Untreue oder Verrat zu tun. Denn es wird mir immer klarer, dass man neben der geschenkten Heimat, also jenem Flecken Erde, in den man hineingeboren wurde, auch noch eine Heimat erwerben kann. Das kann zwar dauern, aber so wie man sagt, dass der Appetit ja schließlich auch beim Essen Erst die komme, so wird das Gefühl für die neue Fremde Heimat immer größer bei jedem Spaziergang, jedem Wirtshausbesuch und lehrt bei jedem Nachbarschaftsratsch. uns, was So richtig zur zweiten Heimat gewor- wir den ist mir das Isental freilich durch einen Kampf, der schon Jahrzehnte an der währt und in dem wir wohl auch noch Heimat ein paar weitere Jährchen durchhalten besitzen. müssen: Seit den 70-er Jahren wollen die Theodor FontaAutobahnplaner unbedingt mitten durch ne (1819 – 1898), dieses Land. Wollen in einer Betonorgie deutscher ohnegleichen die A 94 durch unsere Journalist, unzerstörte Landschaft treiben, anstatt Erzähler und auf die Trasse der bestehenden B 12 zu Theaterkritiker gehen. »Wir werden unsere Heimat nicht verkaufen«, sagen seitdem die Menschen entlang der geplanten Isentaltrasse. Für mich, der ich seit langem hier ein bisschen mithelfen kann, war das am Anfang doch etwas seltsam. »Unsere Heimat« und meine Heimat. Ich bin doch der mit den Frankenwaldfichten und den Bratwürschten. Ja natürlich, der bin ich. Der werde ich auch immer bleiben. Aber je länger ich mit den vielen entschlossenen Leuten hier an unserem großen Ziel arbeite, umso deutlicher spüre ich, wie mir auch diese Gegend ans Herz gewachsen ist. Man kann also tatsächlich eine neue Heimat finden. Man muss dazu die alte nicht aufgeben, muss sie nicht ersetzen durch die neue. Die zweite Heimat ist etwas, das man dazugewinnen kann. Und dann schätzt man den Auwald gerade so wie die Fichten und das Bachmeyer schmeckt so gut wie das Kaiserhöfer. Bloußne mit di Broudwöscht, dou hilft mich alles nex, wejche dännena muss ich ümme widde amoll nauffoah … Was übrigens ohne Isentalautobahn hervorragend geht. Mit dem Zug. In vier Stunden. Mehr zum Isental Mehr über den Kampf für das Isental lesen Sie auf Seite 7, im Portrait über Renate Poeschl.


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Zeitalter der Mobilität wegen Arbeit oder Partnerschaft. Weg von daheim, irgendwo hin, wo das Leben vor allem ökonomisch mehr verspricht, egal ob es einem dort gefällt oder nicht. Aber Heimat kann andererseits überall entstehen. Wo es etwas gibt, das Emotionen weckt, wo ein Bezug zur Umgebung entsteht. Wie der Wald, wo mein Großvater mir die Bäume erklärt hat. Das war mein Wald, dort fühlte ich mich heimisch. Heute gibt es ihn nicht mehr, heute ist da ein Gewerbegebiet. Das ist nicht mehr Heimat, das ist Einheitsbrei, da gibt es keinen Bezug. Hier stellt sich für mich die Frage, was im Lebensumfeld für den jeweils Einzelnen zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt seines Lebens Heimat werden kann. Das ist vielleicht dort, wo man seine Kindheit oder einen Großteil seines Lebens verbracht hat und geprägt wurde, oder auch wo man gerne einmal lebte oder heute lebt. Und gerne lebt man in einer schönen Der Wald, in dem sein Großvater ihm die Bäume Umgebung, egal ob Stadt oder Land. erklärt hat, gehört für Christian Hierneis zur Der Heimatbegriff verbindet sich jedoch nicht mit einer Autobahn oder einem Gewerbegebiet. Aber die Heimat. Das Gewerbegebiet, das jetzt an jener Autobahn und das Gewerbegebiet sind heute dort, wo Stelle steht, nicht. früher diese Emotionen, die sich vielleicht zu einem eimat ist für mich ein ambivalenter Begriff. Zum Heimatgefühl entwickeln, geweckt wurden oder heute einen mit einem konservativen Einschlag und noch geweckt werden könnten. Und die Möglichkeit, missbraucht von Kommerz und Ideologien. Zum ande- ein individuelles Heimatgefühl zu entwickeln, nehmen ren aber ist Heimat für mich vor allem ein Gefühl. Ein wir mit unserer immensen Naturzerstörung und dem positives Gefühl des Sich-Wohlfühlens. In einer 2003 in Verbrauch von potenzieller Heimat-Landschaft unseBayern durchgeführten Studie wurde gefragt, was denn ren Kindern. Wir zerstören gleichzeitig ihre Lebensdie Symbole und Bezugspunkte für Heimat sind. Dass grundlagen. Wir ruinieren das Klima, die Wasser- und die Landschaft und die Umgebung, in der man wohnt, Naturkreisläufe, vernichten die Artenvielfalt und nehneben den kulturellen und traditionellen Eigenheiten men uns die saubere Luft zum Atmen. Heimat, Natur und den sozialen Beziehungen Heimatgefühl vermit- und Umwelt gehören zusammen und müssen gemeinteln, dem stimmten 80 Prozent der Befragten zu. So sam geschützt werden, damit unsere Kinder nicht heigeht es auch mir. Die Landschaft. Nicht irgendeine. matlos und ohne Zukunft aufwachsen. Sondern meine Landschaft. Vor allem Bayern, dann die Jeder von uns hat eine andere Heimat, hat auch Berge, das Oberland, die Wälder rund um München einen anderen Heimatbegriff. Aber jedem von uns ist und meine Stadt. am Erhalt seiner Heimat gelegen. Ich möchte meine Als ich 1973 nach vier Jahren in Hamburg im Alter Heimat wenigstens so erhalten, wie sie heute noch ist. von zehn Jahren hierher zurückkam, fühlte ich mich Ich möchte, dass meine Heimat so bleibt, wie ich sie wieder daheim. Ich war wieder dort, wovon man in der schätzen gelernt habe; die Heimat, in der ich noch Fremde von »bei uns« spricht. In der heutigen Zeit ver- immer gerne lebe. Aber es verändert sich viel zum lieren viele Menschen dieses Gefühl der Heimat, im Negativen. Meine Heimat geht verloren unter Beton und Asphalt, verliert an Kraft und subjektiver Schönheit. Auch darum setze ich mich für den Erhalt der Umwelt ein. Und deshalb zeigen wir in Heimat München unseren Kindern an über 150 Kindererlebnistagen im Jahr, wie schön ist, wo es hier noch ist. Damit sie unsere und wir ihre Heimat und die Umwelt bewahren unseren lernen und auch für sich ihre Heimat in einer noch halbwegs intakten Natur finLebensden können. faden

Heimat sind die Menschen, die wir verstehen und die uns verstehen. Max Frisch (1911 – 1991), Schweizer Dramatiker und Erzähler

Heimat ist ein gutes Gefühl

festgemacht haben. Unbekannt

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Foto: Roggenthin

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Der Autor Christian Hierneis, 42, ist Vorsitzender der Kreisgruppe München des Bundes Naturschutz und Mitglied des BN-Landesvorstandes.


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Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl …

Heimat ist hier und dort – ist überall, wo Menschen uns mögen.

Foto: Roggenthin

Adalbert Ludwig Balling (*1933), deutscher Marianhiller Missionar

Der Autor Sebastian Schönauer, 62, ist stellvertretender Vorsitzender des Bundes Naturschutz in Bayern e. V. und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Hafenlohrtal.

ern, konnte bisher in seiner Einmaligkeit erhalten werden. Zwei Naturschutzgebiete sind heute das Kernstück des oberen Hafenlohrtals im Landkreis Aschaffenburg, das aus den Stauseeplänen »entlassen« wurde. Herbert GröneDer größere Teil im Landkreis meyer (*1956), Main-Spessart ist aber immer noch deutscher von dieser »großtechnischen Fanta- Liedermacher, sie« bedroht. Im September 2005 Popmusiker und konnten wir das 28. Hafenlohrtalfest Schauspieler feiern, ein Fest, das sich zum Mittelpunkt unseres Kampfes um das Tal entwickelt hat. Ökumenische Wallfahrten, von jungen Christen beider Konfessionen ausgerichtet und von vielen jungen Familien mit Kindern besucht, Hunderte von Exkursionen, unzählige Diskussionen und Vorträge haben dazu beigetragen, dass heute die Bevölkerung im Großraum zwischen Würzburg und Frankfurt den Namen »Hafenlohrtal« als Synonym für gerettete Heimat empfindet. Doch Heimat erhalten ist mehr. Dazu gehörte für mich – 1972 als junger Schullehrer in meiner zweiten Heimat Rothenbuch in den Gemeinderat und zum zweiten Bürgermeister gewählt – eine moderne, wertFür Sebastian Schönauer ist das gerettete volle Strukturen bewahrende Kommunalpolitik. GeHafenlohrtal Heimat. Und der Fußballverein und lebter Naturschutz also. Mit der Diskussion um den Wert der Erhaltung einer intakten Heimatlandschaft das »Lakenfleischessen« am Holzkohlenfeuer war in uns auch das Bewusstsein für eine organische im winterlichen Spessartwald. Siedlungsentwicklung gewachsen. Gemeinsam mit enn alles vorüber ist, wenn das Zerstörungswerk dem aufgeschlossenen Bürgermeister Günter Eich der Bayerischen Regierung vollzogen werden wurde im Gemeinderat über die Notwendigkeit einer sollte, wird die stille Landschaft stumm geworden sein. Wiederbelebung des Ortskerns diskutiert. Statt der Dann wird es die Naturlandschaft im Herzen des baye- energisch geforderten Ausweisung neuer Baugebiete rischen Spessarts nicht mehr geben. Der Fluss, die Wie- und der drohenden Verödung des Dorfkerns gelang sen und Wälder, nichts davon wird so bleiben, nichts uns in 30-jähriger Arbeit die Erhaltung einer belebten von den tausend Farben, Formen und Stimmen«. So Ortsmitte mit ihren Geschäften, mit ihrer hervorragenhabe ich am Anfang meiner naturschutzfachlichen den Wohnlage, mit warmem Kleinklima, den Gärten Tätigkeit in einer Art Aufschrei geschrieben, als wir uns hinter den Häusern am Hang, mit der Nähe zum in der Aktionsgemeinschaft HafenSchloss, Forstamt, Rathaus, zur Schule, zum lohrtal, unterstützt vom Bund Natur- Es besteht Kindergarten, zu den Gasthäusern und zur schutz, gegen die Stauseepläne der Pfarrkirche. kein Grund, Regierung stemmten und uns erfolgUnd Heimat ist für mich noch viel mehr. Ein reich für den Erhalt unserer eigenen, vor jedem funktionierendes Vereinsleben mit gemeinkommunalen Trinkwasserversorgung Fleck samen Festen, unverzichtbar bei kulturellen einsetzten. Deutschlands Anlässen das Spiel unserer Musikkapelle »Dies ist eine Landschaft, die gibt es »Spessartklänge«, die Auftritte des Männergegar nicht mehr«, schrieb Kurt Tuchol- in die Knie sangvereins »Liederkranz«, mein geliebter sky bereits 1927. Großtechnologische zu sinken Sportverein mit seinen verschiedenen FußballVorhaben wie der Bau eines Stausees und zu lügen: mannschaften, in dem mittlerweile unsere greifen zerstörerisch in eine LandEnkel mitkicken, lewie schön! … schaft ein, sie verändern ihr Bild und gendär das »Lakenihren unverwechselbaren Charakter, …wenn da fleischessen« am vernichten den Lebensraum von Pflan- aber einer Holzkohlenfeuer im zen und Tieren und rauben den Menseine Heimat winterlichen Spesschen ihre Heimat. Diese Horrorvision sartwald. Das Tal, hatte uns im Spessart aufgeschreckt. hat, dann das Dorf, das Leben, 27 Jahre sind inzwischen vergangen, hört er dort das ist Heimat für das Tal, eine der letzten ökologisch und ihr Herz unsere Enkel! biologisch noch intakten Kultur- und Naturlandschaften in ganz Nordbay- klopfen.

Das Tal, das Dorf, das Leben

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Kurt Tucholsky (1890 – 1935), deutscher Schriftsteller, Satiriker und Zeitkritiker


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Fotowettbewerb

Heimat im Fokus

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Foto: Seitz-Weinzierl

Foto: Gößwald

Foto: MEV/Holzmann

Einsendeschluss ist der 31. August 2006.

1. Preis: BN-Reise in den Harz Windumtoste Berggipfel erheben sich aus den sagenumwobenen Wäldern des Harzes. Auf den Spuren des Luchses wechseln sich Moore, Buchen- und Fichtenwälder ab. Als Hauptgewinn winkt die viertägige Erlebnisreise in den Harz oder ein Gutschein im gleichen Wert für eine andere BN-Reise.

Foto: Martens

2. Preis: Fotosafari mit Profi-Fotograf Tipps und Tricks vom Profi: Begleiten Sie den bekannten Fernsehfilmer und renommierten NaturFotografen Wolfgang Willner auf einem eintägigen Streifzug durch eine von Bayerns großen Naturlandschaften. Erfahren Sie die Geheimnisse erfolgreicher Naturfotografie.

Foto: privat

Welches Ihrer Bilder drückt für Sie am besten »Heimat« aus? So vielfältig wie die Gedanken und Gefühle zum Thema »Heimat«, so unterschiedlich können die Motive und Blickwinkel sein: originell, rührend, witzig oder kritisch – Menschen, Tiere, Pflanzen, Landschaften oder Symbole. Überzeugen Sie uns von Ihrer Perspektive und der Qualität Ihres Fotos.

Foto: MEV/Eggstein

Foto: Werle

Foto: MEV/Baeuerle

atur+Umwelt« sucht Ihr schönstes Heimat-Foto. Auf die Gewinner unseres Wettbewerbs warten eine Reise in den Harz und weitere attraktive Preise. Nehmen Sie teil, schicken Sie uns Ihr gelungenstes Foto!

3. – 5. Preis: »NaturFoto«-Abonnement Monatlich die schönsten und spektakulärsten Naturfotografien aus der ganzen Welt ins Haus geliefert: Die Zeitschrift »NaturFoto« begeistert mit erstklassigen Naturaufnahmen, spannenden Reiseberichten und vielen wertvollen Infos für den engagierten Fotografen. Gewinnen Sie eines von drei Jahresabos!

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Teilnahmebedingungen Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Eingehende Bilder dürfen in BN-Publikationen und in der Zeitschrift NaturFoto honorarfrei abgedruckt werden.


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In zahllosen ehrenamtlichen Arbeitsstunden wurde der Gedanke in die Tat umgesetzt, und so entstand ein wertvolles Kleinod mit 16 Pflanzenfamilien, das von vielen fleißigen Händen gepflegt wird. Margarete Meyer hätte an diesem Schaugarten sicher ihre Freude gehabt. 1909 in Thüringen geboren, lebte sie seit 1929 in der Gemeinde Winkelhaid. Auch wenn sie durch ein Augenleiden in den letzten Jahren nur noch über das Hören Anteil am Leben nehmen konnte – in ihren jüngeren Jahren hatte sie so vieles erlebt, dass es mühelos ausreichte, ein ganzes Leben auszufüllen. Sie konnte in Gedanken in ihren Erinnerungen spazieren gehen wie andere in der Natur. Gerne erzählte sie von herrlichen Bergwanderungen, die sie mit Freunden unternommen hatte. Vielleicht wurde da ihre außergewöhnliche Liebe zur Natur geweckt. Sie fühlte mit, wenn sie von Misshandlungen von Tieren oder von Naturkatastrophen hörte. Diese Liebe zu den Mitgeschöpfen veranlasste sie, schon zu Lebzeiten im Jahr 1978 den größten Teil ihres Vermögens dem Bund Naturschutz zu überlassen. Mit dem Tod von Margarete Meyer 1984 gingen ihr Haus und der Garten in das Eigentum des BN über. Ein mehr als großzügiges Geschenk, dem sich der Bund Naturschutz verpflichtet weiß. Im Erdgeschoss des Hauses hängen viele Fotografien von Margarete Meyer, Besucher können ihre Lebensgeschichte lesen. So bleibt ihr erfülltes Leben unvergessen; zum Gedenken wurde die Geschäftsstelle nach ihr benannt. Fotos: Kreisgruppe Nürnberger Land

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Ein Erbe macht Freude Im Garten des Margarete-MeyerHauses kann der Bund Naturschutz vielen Kindern schöne Naturerlebnisse vermitteln.

Das Vermächtnis der Margarete Meyer

Ein Haus für das Leben Natur und Menschen Gutes tun, auch über das eigene Leben hinaus – Natur+Umwelt stellt Menschen vor, denen dies mit einem Vermächtnis an den Bund Naturschutz gelungen ist. Margarete Meyer bleibt unvergessen, das von ihr vererbte Haus sprüht heute vor Leben.

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dyllisch eingebettet in einen großen Naturgarten, in einem liebevoll renovierten Haus, hat die Geschäftsstelle der BN-Kreisgruppe Nürnberger Land eine Heimat gefunden. Es ist das »MargareteMeyer-Haus«, benannt nach der Frau, die es dem BN vererbte. An zahlreichen Tagen herrscht hier reges Treiben: »Glühwürm-

Schulklassen gehen auf Unterwasser-Entdeckungsreise, Kinder mit Handicap balancieren auf Baumstämmen, Geburtstagskinder singen mit ihren Freunden am Lagerfeuer und backen Stockbrot. Sommerfeste, rege Diskussionen oder einfach nur gemütliches Beisammensein haben ebenso ihren Raum wie die individuelle Besichtigung.

Vielfalt im Garten Auch ein besonderes Juwel des Anwesens, der Schaugarten mit zwei kleinen Teichen, ist nach Anmeldung für jedermann zugänglich. Christiane Matern, die Vorsitzende der Kreisgruppe, hatte die Idee zu einem botanischen Garten, der auf kleinster Fläche einen großen Pflanzenreichtum präsentiert. Bilder eines Lebens Margarete Meyer, hier auf Fotos von 1920 und 1940, bleibt durch die liebevolle Dokumentation ihres Lebens im Margarete-Mayer-Haus des Bundes Naturschutz vielen Menschen in Erinnerung.

chen«, »Biberbande« oder »schlaue Füchse«, Kindergruppen der Kreisgruppe treffen sich, um Libellen, Käfer und Vögel zu beobachten.

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Ihr persönlicher Kontakt Möchten Sie mehr über die Möglichkeit erfahren, in Ihrem Testament den Bund Naturschutz zu bedenken? Wenden Sie sich bitte an Landesgeschäftsführer Peter Rottner, der Sie als erfahrener Jurist gerne informiert. Sie erreichen ihn jederzeit unter der Telefonnummer 09 41-2 97 20-12 Oder fordern Sie zunächst unsere kostenlosen Unterlagen an: Bund Naturschutz, Dr.-Johann-Maier-Str. 4, 93049 Regensburg, Tel. 09 41-2 97 20-40, rosemarie.kleindl@bund-naturschutz.de


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Foto: Tuschl / Willner

Wohl ne Meise?

Nur die seltene Beutelmeise kann so ein kunstvolles, frei hängendes Nest bauen. Sie braucht dafür locker stehende Büsche und Bäume in Röhrichtbeständen großer Flüsse. Der Bund Naturschutz setzt sich für frei fließende Flüsse, naturnahe Auwälder und neue Überschwemmungsgebiete ein und erhält damit die Heimat auch dieser gefährdeten Art.


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Hallo, hier bin ich wieder: Bibo, der neugierige Biber. Ich bin überall dort, wo uns die Natur mit spannenden Merkwürdigkeiten überrascht. Heute geht es um Heimat. Um Stadt und Land, Siedlung und Landschaft. Um Pflanzen und Tiere. Viel Spaß beim daheimbleiben oder rausgehen wünscht Euch Reinhard Witt.

Illustrationen: Schellmoser

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Unsere Heimat Landschaft entdecken

Bachspaziergang

Saison-Thema

Vielfalt ist Trumpf

Fotos: Witt

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eimat ist für jeden verschieden. Der eine wohnt in der Stadt, der andere auf dem Land. Der eine sieht Berge, der andere einen See. Wiesen, Felder, Straßen, Wälder, Schule, Kindergarten, der kleine Lebensmittelladen und biologische Kost vom Bauern in der Nähe, das ist Heimat. Heimat ist vielfältig, so bunt und lebendig wie die Landschaft, in der wir aufwachsen. Nur wer eine hat, weiß, wozu er gehört und wozu nicht. Unsere Heimat muss so vielfältig sein wie ihre Tiere und Pflanzen. Ein Blick auf die vielen Arten heimischer Wildrosen zeigt schnell, worum es geht: Vielfalt ist Trumpf.

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ennt Ihr schon Euren Bach oder Fluss? Nein, nicht, wie er heißt und wo er fließt. Gemeint ist, ob Ihr schon mal ganz dicht an ihm langgelaufen, seiner Spur gefolgt seid? Jetzt kann man so einen Spaziergang gut machen. Folgt dem nächsten Bach einige hundert Meter oder vielleicht sogar länger. Wie fließt er? Was wächst an seinem Ufer? Sind die Ufer steil oder flach? Windet er sich, oder bleibt er gerade? Läuft er natürlich, oder ist er eingezwängt? Welche Tiere leben wohl hier?

Heimat im Garten

Bäume als Symbol

Verwurzelt sein auf einem Fleck

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in gutes Beispiel für Heimat sind Bäume. Jeder von ihnen steht fest in der Muttererde. Angesichts eines Baumes erkennen wir: Heimat ist nicht austauschbar. Heimat ist nur da, wo man sich gut auskennt. Wo man verwurzelt ist wie eine große Fichte, wie eine Buche, Eiche, Esche oder die Vogelbeere inmitten der Stadt. Lasst Euch mal die Augen verbinden und begreift die Größe und Stärke eines Baumes mit bloßen Händen. Das ist auch die Größe und Stärke Eurer Heimat.

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Natur + Umwelt

Wildpflanzen nicht aufräumen

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er seine Heimat gern hat, liebt bestimmt auch heimische Pflanzen. Und die ernähren heimische Tiere. Sie sind natürliche Futterplätze für überwinternde Gartenvögel. Wer den Vögeln helfen will, räumt deshalb den Garten im Herbst nicht auf. Wir lassen trockene Stängel mit ihren Samenständen und Insekten als Winterfutter stehen, auch Laub bleibt liegen. Und sofort stellen sich jede Menge dankbarer Tiere ein: Zaunkönig, Heckenbraunelle und Meisen lassen grüßen. Und schön sieht das auch noch aus, wie der Blick auf einen Naturgarten im Raureif zeigt.


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Heimat im Wandel

Zukunftsbaustelle »Umwelt«

Alles ändert sich

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ragt mal Oma und Opa, wie Euer Ort vor 50 Jahren ausgesehen hat. Wie groß war er? Wie viele Straßen gab es? Wie lebte man damals? Auch Ihr selbst könnt beobachten, wie sich einiges verändert. Hier ein neues Haus, dort eine Straße, ein Gewerbegebiet. Und auch die Landschaft wandelt sich. So

wird aus der ursprünglichen, artenreichen Kulturlandschaft allmählich eine langweilige industrielle Landschaft. Doch immer mehr Menschen entdecken die Werte einer lebendigen Landschaft und kümmern sich um die Pflanzen und Tiere darin. Deshalb können wir im Frühling auf Hügeln die Küchenschelle blühen sehen. Sie wächst nur auf Wiesen, die noch von Schafen oder Ziegen beweidet werden.

Mitglieder und Aktive der JBN von 12 bis 27 Jahre  31. März bis 2. April 2006 auf Burg Rothenfels in Unterfranken Jugendvertreterversammlung über die Zukunft der JBN mit buntem Rahmenprogramm. Anmelden bis 10. 3. 06, Preis 30 Euro (kostenlos für JBN-Mitglieder)

Tagung »Aus der Praxis für die Praxis« Kindergruppenleiter  31. März bis 1. April 2006 auf Burg Rothenfels in Unterfranken Fortbildung für Kindergruppenleiter mit der Möglichkeit, eigene Projekte vorzustellen. Mit Kinderbetreuung. Anmelden bis 10. 3. 06, Preis 20 Euro (10 Euro für JBN-Mitglieder)

Aufmupf 2006 Kindergruppen (11 – 13 Jahre), ie Müpfe werden wollen  18. bis 21. April 2006 in Wartaweil am Ammersee Kindergruppen, die sich den Kinderschuhen entwachsen fühlen, wollen sich mit coolen und aufmüpfigen Aktionen für Natur und Umwelt einsetzen. Anmelden bis 28. 3. 06, Preis 85 Euro (75 Euro für JBN-Mitglieder)

Expedition ins Pflanzenreich

Sherlock Holmes auf heißer Spur Rätsel lösen und gewinnen

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er Holzscheite fürs Heizen aufrichtet, schafft damit einen Extra-Lebensraum für Tiere. Im Rätselbild ein halb abgebauter Holzstapel mit einem …? Ja was ist das denn? Es misst ungefähr 50 Zentimeter und enthält Tierhaare, Gras und Laub. Wir tippen auf eine Wohnung, vielleicht sogar ein Nest? Aber nicht von einem Vogel, denn dieses Nest lag inmitten des Stapels. Welches Tier brütete also hier? Kann man überhaupt brüten sagen, wenn das Tier wohl vier Beine hat und einen Schwanz mit schwarzer Spitze? Und wenn es jetzt im Winter gerade noch weiß ist, bald aber schon wieder braun? Nein, eine Maus lebte nicht hier, dafür ist allein schon das Nest zu groß, und Mäuse tragen kein weißes Winterfell. Ich wette, ihr kommt trotzdem auf des Rätsels Lösung.

P.S.: Hier die Auflösung vom letzten Rätselbild: Das Tier, das wie eine Hornisse aussah, war in Wirklichkeit ein Glasflügler, ein seltener Schmetterling. Allen Einsendern vielen Dank für’s Mitmachen und den Gewinnern herzlichen Glückwunsch. Viel Spaß mit dem Schmetterlingsbuch wünschen wir Ruth Bauer, zehn Jahre, Jakob Schmitz, acht Jahre und Marlena Zerrenner, drei Jahre.

Wer uns die richtige Lösung schickt, der kann das spannende Buch »33 einfache Dinge« mit den Umweltdetektiven Tim und Lena gewinnen. Schreibt bitte an »Natur+Umwelt«, Stichwort Rätselbild, Dr.-Johann-Maier-Straße 4, 93049 Regensburg, Fax 09 412 97 20 31, nu@bund-naturschutz.de. Bitte vergesst nicht Eure Adresse und Euer Alter.

Kindergruppenleiter und solche, die es werden wollen  19. bis 21. Mai 2006 in Wartaweil Interessierte erfahren, wie man sich in der Gruppe mit Spielen, Experimenten und etwas Naturkunde mit dem Thema Pflanzen beschäftigen kann. Anmelden bis 28. 4. 06, Preis 60 Euro (50 Euro für JBN-Mitglieder)

Botanik Wochenende Jugendliche von 16 bis 28 Jahre  19. bis 21. Mai 2006, Selbstversorgerhütte an der Rotwand / Spitzingsee Flower-Power-Bergwochenende mit spannendem Allroundprogramm zur Natur, den Pflanzen und dem Hüttenabend mit Kaiserschmarrn. Anmelden bis 28.04.06, bei Josef Stohhofer, Tel. 0 94 29-4 09, jstohhofer@ gmx.de; Preis 30 Euro

Infos und Anmeldung Wo nicht anders angegeben: JBN, Trivastraße 13, 80637 München, Tel. 0 89-15 98 96-30, Fax 089-15 98 96-33, info@jbn.de, www.jbn.de

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DI E I N FOEC KE DER J BN

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Fotos: BN-Archiv

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1964 Aktion Uhuschutz des Deutschen Naturschutzrings

Der BN-Ehrenvorsitzende ist 70

Glückwunsch, Foto: Lieber

Am 3. Dezember ist Hubert Weinzierl, der den Bund Naturschutz 33 Jahre lang führte, 70 Jahre alt geworden. BN-Vorsitzender Hubert Weiger gratuliert seinem Vorgänger und wirft einen dankbaren Blick auf sein erfolgreiches Wirken. Passendes Geschenk Ein passendes – und gewichtiges – Geschenk bekam Hubert Weinzierl zu seinem 70. Geburtstag vom Bund Naturschutz: einen Luchskopf aus Basalt. Im Nationalpark Bayerischer Wald leben heute wieder Luchse – ohne Weinzierls Engagement undenkbar.

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I

m Jahr 1969 wählte der Bund Naturschutz Hubert Weinzierl zu seinem Vorsitzenden. Mit dieser Wahl wurde ein neues Kapitel der BN-Geschichte aufgeschlagen. Gemeinsam mit dem langjährigen Landesgeschäftsführer Helmut Steininger und vielen Mitstreiterinnen und Mitstreitern im Landesvorstand, in den Kreisgruppen und im gesamten Verband ist es Hubert Weinzierl gelungen, eine Naturschutzwende nicht nur zu proklamieren, sondern diese Zug um Zug auch umzusetzen und damit den BN zum größten Naturschutzverband Deutschlands zu machen. Der Kampf für die Reinhaltung der Luft und der Gewässer wurde genauso zu einem Herzstück der BNArbeit wie der Einsatz für die sich selbst überlassene

1979

1981

1985

TV-Magazin »Pro und Contra« zum Thema Klagerechte

Verleihung des BUND-Preises »Der Grüne Zweig« an Gerhard Polt und Dieter Hildebrandt

Mitten im »Bürgerkrieg« in Wackersdorf

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07.03.2006

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1966

1969

1972

1972

Der erste Biber kommt aus Russland

Besprechung zum Nationalpark Bayerischer Wald mit Ministerpräsident Alfons Goppel

Verkündigung des Ökologischen Manifests mit (v. l.) Konrad Lorenz, Bernhard Grzimek und Otto König

Erste UN-Umweltkonferenz in Stockholm, mit Umweltminister Max Streibl

Hubert Weinzierl Waldwildnis im Nationalpark Bayerischer Wald, der gerade auch auf die Initiative Hubert Weinzierls zurückgeht. Eine echte Wende im Naturschutz war die Änderung der Haltung des BN zur Atomenergie. Von einem bedingten Ja noch Anfang der 70-er Jahre zu einem fast einstimmigen Nein der Delegiertenversammlung 1979 in Hof war es ein schwieriger, aber dringend notwendiger Umdenkungsprozess. Nur dadurch konnte es gelingen, dass der BN unter Leitung von Hubert Weinzierl an der Spitze der Protestbewegung gegen die WAA in Wackersdorf erfolgreich deren Inbetriebnahme verhinderte. Mit Hilfe der Gruppe Ökologie, deren Geschäftsführer Hubert Weinzierl war, gelang es in den 70-er Jahren, die Grenzen des Wachstums erstmals zu einem öffentlichen Thema zu machen. Dieser Aufgabe stellt sich der Bund Naturschutz auch heute wieder. Unkonventionell, mit gutem Gespür für die Öffentlichkeit begann der BN seine gesamte Arbeit umzustellen und sich zunehmend unabhängig von staatlicher Unterstützung zu machen. Dazu war der Aufbau des Verbandes

mit Kreis- und Ortsgruppen und einem starken Mitgliederzuwachs notwendig. Fachlich und organisatorisch unterstützt vom Landesgeschäftsführer und den Beauftragten für Nordbayern und für Südbayern gelang die Arbeit innerhalb eines Jahrzehnts – ein Erfolg, der den BN auf allen Ebenen vorangebracht hat. Neben dem engagierten, unermüdlichen Einsatz für den BN galt und gilt die besondere Liebe von Hubert Weinzierl dem in seiner Jugend an der Donau geprägten Artenschutz. Wenn heute in Bayern der Biber wieder heimisch ist und die Wildkatze heimlich durch die Laubwälder Frankens streift, dann ist dies auch ein entscheidendes Verdienst von Hubert Weinzierl. Die Liebe zur Heimat hat auch sein besonderes Engagement in der Umweltbildung und hier vor allem im BN-Bildungswerk Schloss Wiesenfelden nach sich gezogen. Die Einheit mit der Natur und der Eigenwert der Natur waren und sind sein Lebensmotto, für welches ihm der gesamte BN dankt, der stolz darauf ist, dass Hubert Weinzierl den Verband 33 Jahre als Vorsitzender und als Vordenker geprägt und mitgeformt hat.

1997

2003

2005

Heilige Drei Könige bringen Boden, Wasser und Luft, mit DGB-Chef Fritz Schösser und Pfarrer Reiner Hennig

Vereinbarung zum Grünen Band, mit Michail Gorbatschow und Jürgen Trittin

Bayerischer Verdienstorden, von Ministerpräsident Stoiber

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07.03.2006

Die großartige Landschaft an der niederbayerischen Donau hat alle Qualitäten für ein Natur- und Kulturerbe der Welt. Diese Überzeugung des Bayerischen Heimattages wurde jetzt auf dem Internationalen Donaukongress bekräftigt.

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Foto: Willner

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Die Donaulandschaft Niederbayerns soll Weltnatur- und kulturerbe werden

Einmalig, einzigartig

D

ie Kategorie »Weltnatur- und kulturerbe« gibt es seit 1972. Damals verabschiedete die UNESCO, die Kultur-Organisation der Vereinten Nationen, das »Übereinkommen zum Schutz des Natur- und Kulturerbes der Welt«, um einzigartige menschliche Kulturleistungen und Naturphänomene unter die Obhut der ganzen Menschheit zu stellen. Von derzeit 812 solchen Stätten aus 137 Nationen liegen 31 in Deutschland, darunter das Obere Mittelrheintal und das Elbtal in Dresden. Der 33. Bayerische Heimattag verabschiedete 2005 auf Vorschlag des Bundes Naturschutz eine Resolution, mit der der Bayerische Landesverein für Heimatpflege, der Verband bayerischer Geschichtsvereine und der BN bekräftigten, alle Schritte zu unternehmen, die Donaulandschaft zwischen Straubing und Vilshofen mit den Städten Regensburg und Passau und dem Isarmündungsgebiet aufgrund ihrer herausragenden kulturellen und naturräumlichen Bedeutung als Weltkulturund -naturerbe bei der UNESCO ausweisen zu lassen.

als 2850 Kilometer langen Lauf kaum eine Landschaft durchfließt, in der sich Natur, Kultur und Geschichte zu einer derart einzigartigen Symbiose vereinigen wie hier. Die Donau hat hier ihren mit 70 Kilometer längsten zusammenhängenden und nicht begradigten Flussabschnitt zwischen Donaueschingen und Györ in Ungarn. Dieser Abschnitt ist gemeinsam mit dem Isarmündungsgebiet von größter Bedeutung für die Artenvielfalt in Mitteleuropa. Auf einem Bruchteil der Landesfläche sind hier sehr viele Arten vertreten, und diese Region sichert das Überleben zahlreicher, teilweise nur in diesem Donauabschnitt vorkommender Arten. Dieser Raum ist auch von größter geschichtlicher und kultureller Bedeutung als eines der ältesten Siedlungsgebiete, als Grenzraum des römischen Reichs zu Germanien, als ein Zentrum der Christianisierung des östlichen Mitteleuropas durch Klöster wie Niederalteich und Metten, als Stätte bedeutender Entwicklungen des Mittelalters und der Neuzeit, dokumentiert durch die Stadtdenkmalensembles von Straubing oder von Deggendorf.

Sehenswerte Symbiose

Foto: Frank

Dass die Donauregion zwischen Straubing und Vilshofen etwas ganz Besonderes ist (im Bild Kloster Niederalteich), zeigt sich daran, dass der Fluss auf seinem mehr Kostbares Gut Auch die Teilnehmer des Internationalen Donaukongresses, den der Bund Naturschutz im Dezember bereits zum 14. Mal ausrichtete, diskutierten die Bedeutung und den Schutz der Heimat am Fluss. Prof. Manfred Treml, Vorsitzender der Bayerischen Geschichtsvereine, rief die Anwesenden auf, sich bewusst zu werden, welch kostbares Gut sie hier haben. Im Bild von links Prof. Manfred Treml, Niederalteichs Bürgermeister Josef Thalhammer, Deggendorfs Oberbürgermeisterin Anna Eder, Moderator Christian Schneider von der Süddeutschen Zeitung, Vilshofens Bürgermeister Hans Gschwendtner und BN-Vorsitzender Prof. Hubert Weiger.

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Natur + Umwelt BN-Magazin [1-06]

Menschen für die Heimat Um das Welterbe-Vorhaben erfolgreich umzusetzen, muss diese Initiative von der Bevölkerung vor Ort getragen werden. Es bedarf einer Kommunen und Parteien übergreifenden Basis, es bedarf Menschen, die ihre Heimat als einzigartig und wertvoll ansehen, die sich ihrer Bedeutung und ihres Wertes bewusst sind – und die sich für deren Erhaltung einsetzen. Viele positive Gespräche zwischen Vertretern des Bayerischen Heimattages und örtlichen Bürgermeistern lassen hoffen, dass dieser Einsatz der Menschen für ihre Heimat nicht ausbleiben wird. Die niederbayerische Donauregion stellt mit ihren einmaligen Kulturdenkmälern aus Jahrtausenden und ihren einzigartigen Lebensräumen ein wertvolles Erbe der Kultur und Natur dar, das uns zur Erhaltung für kommende Generationen anvertraut ist – das Heimat ist und bleiben soll. Prof. Dr. Hubert Weiger, BN-Vorsitzender


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07.03.2006

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Mobilfunk-Tagung: Ärzte warnen vor Strahlengefahren

Macht mein Telefon mich krank? Immer mehr Ärzte sehen ernste Gesundheitsgefahren durch Mobilfunk und andere hochfrequente Strahlung. Das zeigte eine erfolgreiche Tagung für Mediziner, die der Bund Naturschutz kürzlich in Fürth veranstaltete. Von Helga Krause

den von Ärzten meist nicht erkannt oder nicht ernst genommen, elektrosensible Menschen sehr schnell in die »psychische Ecke« gestellt. Dr. Horst Eger aus Naila und Dr. Gerd Oberfeld aus Salzburg widerlegten in ihren Vorträgen die Behauptung, Gesundheitsschäden durch Mobilfunk seien noch nicht nachgewiesen. Und sie zeigten auf, dass die weltweit immer zahlreicheren Warnungen kritischer Wissenschaftler ignoriert, ja bekämpft werden und wirtschaftlichen Interessen skrupellos der Vorrang gegeben wird.

Bestseller Tagungsband Der Tagungsband der Fürther Mobilfunk-Veranstaltung kann für 9,90 Euro versandkostenfrei bestellt werden unter: email@ anbus.de.

Ein »Schmankerl« war der Vortrag der Schülerin Maria Ritter aus dem baden-württembergischen Spaichingen. Sie hatte mit ihrem Klassenkameraden Wasgan Wolski den so genannten »Geldrolleneffekt« im Blut untersucht und dafür bei »Jugend forscht« den Umweltpreis erhalten. Mit wissenschaftlich exakten Methoden konnten die beiden Jung-Forscher nachweisen, dass sich nach nur 20 Sekunden Handy-Gespräch die roten Blutkörperchen der Telefonierenden wie Geldrollen zusammengeballt hatten. Sauerstoffmangel im Blut und Thrombosegefahr als Folge können nicht ausgeschlossen werden.

Fehldiagnosen gestellt Deutliche Worte fanden auch die anderen Referenten. Dr. Cornelia Waldmann-Selsam von der Bamberger Ärzteinitiative bekannte offen: »Wir haben Fehldiagnosen gestellt.« Gesundheitliche Probleme wür-

Schnurlos-Telefone? Lieber eine lange Leitung … Die meisten Schnurlos-Telefone funktionieren nach dem so genannten DECT-Standard. Ihre Basisstationen senden 24 Stunden am Tag ein Hochfrequenz-Signal, auch wenn nicht telefoniert wird. Die Strahlung ist, ähnlich wie beim Mobilfunk, gepulst; pro Sekunde werden 100 kurze Funkblitze gesendet. In Zimmern mit DECT-

Basisstation ist deren Signal fast immer stärker als das Signal selbst einer nahe gelegenen MobilfunkAntenne. Experten raten deshalb zum Telefon mit Kabel. Die Gesundheit solle jedem den Aufwand wert sein, in den wichtigsten Räumen eine Telefondose zu installieren. Wer auf schnurloses Telefonieren nicht verzichten will, sollte auf Geräte nach dem älteren CT1+

Standard ausweichen, die nur während des Gesprächs – nicht gepulst – strahlen. Diese Telefone sind im Elektronik-Fachhandel wieder gut erhältlich. Zwar soll ab 2009 der Frequenzbereich der CT1+ Geräte anderweitig vergeben werden, doch fordert zum Beispiel der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz, Wolfram König, dass die analoge CT1+ Technik darüber hinaus genutzt werden kann. (göß)

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Foto: privat

ie Fürther BN-Kreisgruppe veranstaltete die Fortbildungstagung zusammen mit einem ärztlichen Qualitäts-Zirkel, der sich mit Gefahren durch elektromagnetische Felder beschäftigt. Über 150 Besucher waren dazu am 22. Oktober gekommen, unter ihnen Fürths Oberbürgermeister Dr. Thomas Jung, der die Tagung auch finanziell unterstützte. Die referierenden Ärzte berichteten über neue, zum Teil hoch brisante Erkenntnisse. Ihren eigenen Leidensweg schilderte eine Frauenärztin aus dem Landkreis Fürth. Sie war durch hohen Blutdruck, Erschöpfungszustände, Durchfall und Schlaflosigkeit ans Ende ihrer Kräfte gelangt und dachte daran, ihre Praxis aufzugeben. Eine Odyssee von Kollege zu Kollege kostete viel Geld, brachte aber keine Hilfe. Ein Artikel über DECT-Telefone, die stark strahlen, selbst wenn nicht telefoniert wird (siehe Kasten), war schließlich der Anlass, in ihrem Haus Messungen durchführen zu lassen. Ohne eigentlich an einen Zusammenhang zu glauben, folgte sie dem Rat des Messtechnikers, das Telefon, das an der Rückwand zum Schlafzimmer stand, zu entfernen. Nach nur zwei Wochen schlief sie wieder durch, die Durchfälle hatten aufgehört, der Blutdruck begann sich zu normalisieren. Ihr Rat an alle: Verzichtet auf Schnurlos-Telefone!

Foto: Voller Ernst/Volland

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Die Autorin Helga Krause ist Mobilfunkbeauftragte des Bundes Naturschutz und fungierte als Leiterin und Moderatorin der Fürther Tagung. Ihre Website www.helga-krause.de bietet weitere Informationen zum Thema Mobilfunk. Kontakt: krause. helga@web.de.


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07.03.2006

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Ende der Waldmaut

Foto: Meister

Die Wald-Maut ist vom Tisch: Bayerns Forstminister Josef Miller schaffte im Januar Waldnutzungsgebühren für gemeinnützige Organisationen und Wandergruppen ab. Zuvor hatten die Bayerischen Staatsforste großen Ärger bei den Betroffenen verursacht, weil sie eine entsprechende Richtlinie sehr rigide umsetzten und die Gebühren zum Teil beträchtlich erhöhten. Wegen der großen Proteste und eines vernichtenden Presseechos zog Miller als verantwortlicher Aufsichtsratsvorsitzender der Staatsforste die Notbremse. Mit seinem Rückzieher reagierte er auf den Druck von

Verbänden, Gemeinden und der Bevölkerung gegen die Maut (s. Natur+Umwelt 4-2005). »Wir freuen uns, dass damit unsere Forderungen erfüllt werden«, erklärte BNVorsitzender Hubert Weiger. Während des Volksbegehrens »Aus Liebe zum Wald« hatten Miller und die Staatsregierung noch vehement abgestritten, eine solche Gebühr einführen zu wollen. Die Abschaffung der Maut ist auch ein nachträglicher Erfolg des Volksbegehrens, das 2004 viele Menschen für den Wert des Waldes und seine Gemeinwohlfunktionen sensibilisiert hatte. Dr. Ralf Straußberger, BN-Waldreferent (hl)

Angesichts der geplanten Deregulierung des deutschen Gentechnikgesetzes, mit der die Bundesregierung den Anbau von GenPflanzen erleichtern will, warnt der Bund Naturschutz vor massiven wirtschaftlichen Schäden für gentechnikfrei produzierende Betriebe. Insbesondere der gesamte Biomarkt in Deutschland und Bayern wäre dadurch gefährdet. So hat Babykost-Hersteller Klaus Hipp bereits angekündigt, die Grundnahrungsmittel für seine Produkte künftig ausschließlich aus Nachbarländern zu beziehen, wenn die gentechnikfreie Produktion in Deutschland aufs Spiel gesetzt würde. Das »Bündnis Bayern für gentech-

nikfreie Natur und Landwirtschaft«, in dem auch der BN mitwirkt, wird in den kommenden Wochen mit vielfältigen Aktionen die Forderung für eine dauerhafte Sicherung der gentechnikfreien Landwirtschaft in Bayern unterstreichen. Nach dem Motto »Wir wollen gentechnikfrei essen und produzieren« wird es in allen Teilen Bayerns Demonstrationen, Infoveranstaltungen und Diskussionen geben. Größere Kundgebungen finden unter anderem am 3. März in Ingolstadt sowie am 4. März in Marktheidenfeld und Passau statt. Nehmen auch Sie teil, kontaktieren Sie bitte Ihre örtliche BN-Kreisgruppe, und achten Sie auf

Foto: Rössle

Jetzt für Gentechnikfreiheit demonstrieren!

Ankündigungen in den Medien. Unterstützen Sie auch unsere Protestaktion gegenüber Minister Horst Seehofer! Eine ProtestPostkarte finden Sie am Ende des Hefts. Kurt Schmid, BN-Gentechnikexperte (hl)

Schweizer gegen Gentechnik Ende November haben sich die Schweizer Bürger in einem Volksentscheid für ein Verbot der Gentechnik im Agrarbereich ausgesprochen. Das Verbot gilt für fünf Jahre. Eine klare Mehrheit von 55,7 Prozent

votierte gegen den Einsatz genmanipulierter Pflanzen und Tiere. Ebenso sprachen sich alle 26 Kantone für das Moratorium aus. Diese Entscheidung der Eidgenossen ist ein klares Signal auch an die Politiker ande-

rer Länder, da es die Stimmung in der Bevölkerung europaweit widerspiegelt. Die große Mehrheit der Verbraucher und Landwirte will nach wie vor keine Gentechnik im Essen und auf dem Acker.

Die aktuellen Planungen der deutschen Regierung, die AgroGentechnik zu fördern, stehen dazu in völligem Widerspruch. Kurt Schmid, BN-Gentechnikexperte (hl)

Neuer Flyer »Wärmedämmung« Der Bund Naturschutz und Bayerns Kaminkehrer gehen gemeinsam in die Offensive zum Schutz des Klimas. Jüngstes Beispiel der Zusammenarbeit, die im Rahmen der Energiesparaktion mit der bayerischen Staatsregierung entstanden ist: Wenn Kaminkehrer älteren Wohngebäuden ihre jährliche Visite abstatten, bringen sie nicht nur ihr Know-How zum Thema Energieeinsparung und Gebäudesanierung mit, sondern auch das neue Infoblatt »Wärmedämmung«, das der Bund Naturschutz in einer Auflage von 200 000 Stück produziert hat. Die Veröffentlichung weist kompakt

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Natur + Umwelt BN-Magazin [1-06]

auf die große Bedeutung energetischer Haussanierung hin und nennt neben Tipps zur Finanzierung auch Ansprechpartner für alle, die im eigenen Haus als Klimaschützer aktiv werden wollen. (göß) Kostenlos zu bestellen bei der Bund Naturschutz Service GmbH, Tel. 0 91 23 - 99 95 70, info@service.bund-naturschutz.de


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07.03.2006

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Alpenkonvention zum Recht verhelfen über 80 Fälle, bei denen die Alpenkonvention und ihre Protokolle wichtigen Einfluss auf Verwaltungs- oder Gerichtsentscheidungen hatten. Der Bund Naturschutz prüft derzeit, welche rechtlichen Verstöße gegen die Konvention in Bayern vorliegen. Der Alpenkonvention zu ihrem Recht zu verhelfen, war auch Ziel einer sehr gut besuchten Tagung der CIPRA Deutschland im November 2005. Dr. Christine Margraf, BN-Alpenreferentin (hl)

Foto: GÖF/Baumeister

Fakt ist: Die Alpenkonvention stellt in Bayern geltendes Recht dar. Traurig ist: Offenbar weiß kaum jemand davon. In Bayern beachtet man sie weder in Genehmigungsverfahren, noch wird sie bei Verwaltungs- und Gerichtsentscheidungen unmittelbar angewendet. Besonders kritisiert der Bund Naturschutz die Missachtung der Konvention beim Ausbau von Skigebieten. Unsere Tiroler Nachbarn beweisen, dass es auch anders geht: Dort gibt es inzwischen

Zwischenlager: BN kämpft weiter

Foto:MEV/Baeuerle

Der Bund Naturschutz kämpft weiter für den sofortigen Atomausstieg und gegen atomare Zwischenlager bei Kernkraftwerken. Deshalb soll Beschwerde dagegen eingelegt werden, dass im jüngsten Urteil zum Atommüll-Zwischenlager Ohu eine Revision vor dem Bundesverwaltungsgericht nicht zugelassen ist. Am 12. Januar hatte der Bayerische Verwaltungsgerichtshof Klagen gegen die Genehmigung, Kernbrennstoffe im Zwischenlager Ohu bei Landshut aufzubewahren, abgewiesen. Die Richter fällten ihr Urteil nach Ansicht des BN ausschließlich nach den Vorgaben der Genehmigungsbehörde und der Atomkraftwerksbetreiber. Das Gericht missachtete nicht nur die geforderte Offenlegung eines Geheimgutachtens zu mög-

lichen terroristischen Angriffen. Es ignorierte auch die als Schutz bei Flugzeugabstürzen verlangte und in Norddeutschland praktizierte Verstärkung der Wände und des Daches der Castorhalle. Der BN hält die Zwischenlager und das dadurch erhöhte Atomrisiko für überflüssig. Denn der Sofortausstieg aus der Atomenergienutzung ist möglich, Engpässe bei der Stromversorgung sind nicht zu befürchten, Energieeinsparung und erneuerbare Energien können die Lücke durch einen Atomausstieg leicht schließen. (hl) Bitte unterstützen Sie unseren Kampf vor Gericht gegen die gefährlichen Zwischenlager. Spenden Sie auf unser Konto 9 300 000 900 bei der Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 700 205 00, Kennwort »Zwischenlager«.

Argumente für den Biber gibt es nur in wenigen Biberrevieren Konflikte mit Menschen. Fakten und Zahlen tun also Not. Diese sowie Argumente gegen die zehn häufigsten Vorurteile zum Biber finden sich in der neuen BNPublikation »Argumente für den Biber«. Das 20 Seiten starke Papier leistet wertvolle

Schützenhilfe, wenn es gilt, unsachlicher Berichterstattung in der Lokalzeitung oder anderen Medien zu begegnen. (hl) Bestellung: BN-Artenschutzreferat, Tel. 09 11-8 18 78 18, brigitte.mader@bund-naturschutz.de

Foto: BN-Archiv

»Der Biber vermehrt sich über die Maßen, er zerstört Ufergehölze, verursacht immense finanzielle Schäden, nur die Jagd kann hier wieder für Ordnung sorgen.« Solche Vorurteile und Todschlagargumente verbreiten manche Politiker und Medien nur allzu gerne. Tatsächlich

Links rechts unten www.BeeGood.de Die Imker-Vereinigung Mellifera lädt zu Bienen-Patenschaften ein. Wer Interesse hat, sollte sich hier umsehen. Die Site führt zudem in die Welt der Bienen ein und vermittelt Besuche bei Öko-Imkern.

www.bn-muenchen.de Neben einem Link zu den aktuellen Münchner Messwerten bieten die Seiten Hintergrundinfos zum Feinstaub. Außerdem gibt’s Briefe zum Herunterladen, damit jeder selbst aktiv werden kann.

www.nachhaltigkeit.info Seit kurzem ist die zweite Auflage des Internet-Lexikons zur Nachhaltigkeit online. 600 Seiten informieren über Geschichte, Definitionen, Ziele und Akteure.

www.bewusst-wie.de Das Projekt der Verbraucherzentrale Bayern bietet Ratschläge zu den Fragen »Wie konsumiere und kaufe ich bewusst ein?« Die Site soll einen nachhaltigen Lebensstil fördern.

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Stadt-, Land-, Fluss- und Gipfelfreuden

Reiseangebote für BN-Mitglieder

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Fotos: BN Service GmbH

chon seit Jahren organisiert die Bund Naturschutz Service GmbH naturnahe Erlebnis- und Studienreisen. Grundsätzlich stehen diese Reisen jedem offen. Ein Teil des umfangreichen Angebots richtet sich aber speziell an BN-Mitglieder. Sie erhalten hier Buchungsvorrang und Rabatte bis zu 30 Prozent. Vor allem aber orientieren sich die Vorzugsreisen stärker an den Interessen aktiver Mitglieder. Naturkundliche und naturschützerische Fragen stehen im Vordergrund. Hinzu kommt der spannende Erfahrungsaustausch mit den Reiseleitern, die sich durch jahrelange Naturschutzpraxis im Verband auszeichnen. Auch der BN-Vorsitzende Hubert Weiger und Schatzmeister Helmut Steininger betreuen einige Reisen.

Die Donau in Niederbayern: reiches Erbe der Natur und der Kultur Keine Reise – sondern drei Ausflüge von Deggendorf aus mit Rad, Bus und Schiff bieten bodenständig genug Zeit und Muße, um die Naturlandschaft des fruchtbaren Isar-Mündungsgebiets, seine Kultur und jahrtausendealte Geschichte kennen zu lernen.

Hallig Hooge – Faszination Wattenmeer Nicht Meer, nicht Land und doch bewohnt – und außerdem mitten im Nationalpark. So vermittelt die Hallig Hooge im ornithologisch nordfriesischen Wattenmeer den rauen Charme einer alten Kulturlandschaft. Als »Königin der Halligen« zählt sie zu den vogelreichsten Gebieten der Erde: Mehr als drei Millionen Vögel leben oder rasten hier. Das Fernglas muss mit.

Nationalpark Abruzzen und Majellaberge Meer, Berge, Kunst, Gastronomie, Folklore: Das sind die Abruzzen – ein Gebiet von der Adria bis zu den Felsen und mediterran Schneefeldern des Gran Sasso d’ltalia und der Majella. In der schönsten Reisezeit führen mehrere Bergtouren und Wanderungen durch das älteste Naturschutzgebiet Italiens und begeistern jeden Naturfreund mit seiner einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt.

Alpenpflanzen im Rofangebirge Die dreitägige Hüttentour führt durch die einsame Schönheit des Rofangebirges zwischen Achensee und Innbotanisch tal. Fantastische Gipfelblicke und die Begegnung mit botanischen Raritäten sind garantiert. Für anspruchsvolle Wanderer.

Suchen und Buchen Reisekatalog, Einzelprogramme und Auskünfte erhalten Sie hier: BN Service GmbH, BN-Reisen Bahnhof Lauf (links Pegnitz) Eckertstr. 2, 91207 Lauf a. d. Pegnitz Tel. 0 91 23 - 9 99 5710, Fax 0 91 23 9 99 57-99 info@bn-reisen.de www.bn-reisen.de

Rumänien – Waldkarpaten, Donaudelta, Siebenbürgen Fünfzehn Tage an den östlichen Grenzen Europas – fernab ausgetretener Touristenpfade: Zu entdecken sind hier unglaublich beschaulich vielfältige Kulturlandschaften, stille und dünn besiedelte Berg- und Waldregionen, Dorfidyllen, Klöster und Kirchen. Und natürlich die überwältigende Naturlandschaft des Donaudeltas.

Termin

Preis

MitgliederPreis

MitgliederErsparnis

Reiseleiter

Hallig Hooge – Faszination Wattenmeer

8. – 14. April

840 €

590 €

29,8 %

Karin Holluba-Rau

Rumänien – Karpaten, Donaudelta, Siebenbürgen*

3. – 17. Juni

2100 €

1790 €

14,8 %

Hubert Weiger, Dietmar Gross

Nationalpark Abruzzen und Majellaberge*

5. – 13. Juni

1110 €

860 €

22,5 %

Helmut Steininger, Richard Mergner

Alpenpflanzen im Rofangebirge*

6. – 9. Juli

300 €

210 €

30,0 %

Werner Fees, Rosemarie Kleindl

Die Donau in Niederbayern: reiches Erbe der Natur und der Kultur*

27. – 30. Juli

480 €

390 €

18,8 %

Dieter Scherf

Natur und Kultur zwischen Deggendorf und Hainburg; Donau-March-Nationalpark*

30. Juli – 5. Aug.

940 €

690 €

26,6 %

Hubert Weiger, Helmut Steininger

*Sparen Sie weitere drei Prozent Frühlingsrabatt bei Buchung bis Ende März 2006!

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Natur + Umwelt BN-Magazin [1-06]


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07.03.2006

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Passau

ie vielleicht vielseitigste Fahrt des Bundes Naturschutz speziell für seine Mitglieder ist eine einwöchige Studienreise entlang der Donau von Deggendorf nach Hainburg. Wer hier mitfährt, erlebt nicht nur die natürliche Dynamik eines faszinierenden Flusslebensraumes, sondern erfährt aus erster Hand umweltpolitische Hintergründe zum umstrittenen Donauausbau zwischen Straubing und Vilshofen. In diesem Abschnitt fließt die Donau noch frei in großen Schleifen, gefasst von intakten Auwäldern und naturnahen Ufern mit sandigen Badebuchten. Die kombinierte Schiffs- und Busreise führt durch einen Kulturraum mit wechselvoller 2000-jähriger Geschichte. Davon zeugen in Passau die großartigen Bauten aus der reichen fürstbischöflichen Vergangenheit, die bei einer Stadtführung besichtigt werden. Flussabwärts säumen den Weg des Donauschiffs die Steilhänge der Donauleiten. Auf engstem Raum wechseln hier die Lebensbedingungen für Tiere und Pflanzen, was den ungewöhnlichen Artenreichtum des Naturschutzgebiets erklärt. Danach geht es weiter zur geologisch interessanten Schlögener Schlinge in Oberösterreich: Durch Hebung des Geländes schnitten sich

Sommer, Sonne, Sonderpreis Die Reise »Natur und Kultur zwischen Deggendorf und Hainburg – Donau-MarchNationalpark« findet heuer vom 30. Juli bis zum 5. August statt. Bei sofortiger Anmeldung erhalten Sie zum Preisnachlass für BNMitglieder noch drei Prozent Frühlingsrabatt.

Dürnstein-Ruine in der Wachau

Natur und Kultur am Fluss erleben

Faszinierende Donau

Paddeln im Donau-Seitenarm

Kloster Melk

Fotos: Krell

Weißstorchkolonie bei Marchegg

die einst unsteten Mäander irgendwann in den harten Gesteinssockel und wurden so gleichsam konserviert. Hinter diesem Donaudurchbruch wartet ein weiterer landschaftlicher und kultureller Höhepunkt: die Wachau. Diese alte, klimatisch begünstigte Kulturlandschaft mit ihren vielen Weinhängen, Kulturdenkmälern und Dörfern zählt zum Weltnatur- und -kulturerbe der UNESCO (vgl. S. 24). Auf dem Besuchsprogramm stehen die berühmte Wallfahrtskirche Maria Taferl und – hoch über der Donau – das wohl größte und schönste Barockkloster Österreichs, Stift Melk. Wanderungen bei Burg Aggstein, Spitz und Dürnstein führen in die reizvolle Naturlandschaft der Wachau. Die nächste Station nach einer Busfahrt quer durch den Wienerwald ist Schloss Orth an der Donau, das Zentrum des Donaunationalparks. Eine Wanderung durch die Auwälder führt an die frei fließende Donau unterhalb Wiens. Einen großartigen Rundblick auf den Nationalpark Donau und das Marchfeld vermittelt ein Ausflug auf den Braunsberg bei Hainburg. Der etwa 180 Meter aufragende flache Berg war schon vor über 3000 Jahren wegen seiner strategisch bedeutsamen Lage besiedelt. Höhepunkt für Vogelfreunde ist der Besuch in den Marchauen, wo eine der größten Reiher- und Storchenkolonien Österreichs brütet. Bei gutem Wetter wird sich die ganze Reisegesellschaft auf ein Schlauchboot zwängen, um durch die Seitenarme der Donau zu paddeln. Den Abschluss der Reise bildet ein Besuch im Naturhistorischen Museum in Wien. Direktor Bernd Lötsch erläutert persönlich die Schätze des weltberühmten Museums, darunter die Venus von Willendorf.

Im Naturhistorischen Museum Wien

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Flughafen München: Desaster dritte Startbahn

Das Umland kriegt die Krise

BN Kreisgruppe Erding, Bnerding@gmx.de, www.bund-naturschutz-erding.de Bürgerinitiativen: www.keine-startbahn3.de

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Foto: Drobny

nde Juli 2005 hatte die Flughafen München GmbH (FMG) Planungen für eine dritte Start- und Landebahn beschlossen. Nach Überzeugung des BN erfordern nicht nur die bereits spürbare Klimaveränderung und die Lage der öffentlichen Kassen den Verzicht auf dieses Prestigeprojekt. Es geht vor allem auch um die Bewohner des Flughafenumlands, deren ohnehin immense Belastung nochmals drastisch zunehmen würde. Ursprünglich war der neue Münchner Flughafen als Ersatz für München-Riem gebaut worden und sollte primär der Befriedigung der Verkehrsbedürfnisse der Region dienen. Die maßlosen ExpansionsGemeinsamer bestrebungen der FMG mit der ForProtest derung nach einer dritten Startbahn Betroffene, von sowie zusätzlichen Erschließungen Lärm, Gestank durch neue Straßen, Schienenwege und Absiedlung bedrohte Bürger und den Transrapid dienen jedoch wehren sich geausschließlich dem Ziel, den Flugmeinsam mit dem hafen zu einer internationalen Bund Naturschutz Drehscheibe zu entwickeln. Doch gegen die drohende dritte Startbahn dafür fehlt München das Einzugsgebiet, wie selbst die FMG zugibt. des Münchner Passagiere müssen mit kleinen Flughafens.

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Karikatur: Plaßmann

Mit der geplanten dritten Startund Landebahn des Münchner Flughafens verlören unzählige Menschen Lebensqualität, viele Infos und sogar ihre Heimat. Der Bund Ansprechpartner Naturschutz setzt alles daran, BN Kreisgruppe Freising, Tel. 0 81 61- diesen neuen Großangriff auf den Münchner Norden zu 6 60 99, bn.freising @t-online.de verhindern. Maschinen ins Erdinger Moos geflogen werden, um dort die großen Flugzeuge für den interkontinentalen Flugverkehr zu füllen. Mit den beiden Terminals können derzeit schon über 50 Millionen Passagiere pro Jahr bewältigt werden. Tatsächlich waren es im Jahr 2004 gerade 26,8 Millionen. Die FMG begründet nun die angebliche Notwendigkeit einer dritten Startbahn mit dem starken Wachstum der vergangenen beiden Jahre und legte ein von ihr finanziertes Gutachten vor, welches einen Anstieg der Passagierzahlen bis zum Jahr 2020 auf 55,8 Milllionen prognostiziert. Dieses Gutachten basiert jedoch auf teilweise haarsträubenden Annahmen: So sollen beispielsweise die Kerosinpreise auf dem Niveau von 2004 bleiben.

Künstliches Wachstum aus Steuergeldern Und das bisherige Wachstum geht wesentlich auf die extrem hohen Subventionen für Flughafen und Flugverkehr zurück. Für ein Gesellschafterdarlehen haben die drei Gesellschafter Bund, Bayern und Stadt München in den letzten 25 Jahren Zinsverluste von über 2,6 Milliarden Euro hingenommen. Sie fehlen einem Staat, der gleichzeitig im Umwelt- und Sozialbereich kürzt. Zu allem Überfluss gibt der Flughafen auch noch Kerosinzuschüsse, und zwar 13 Euro je Tonne Treibstoff für Interkontinentalflüge. Dabei ist der Flugtreibstoff ohnehin steuerfrei, wodurch in Deutschland

jährlich fünf bis sechs Milliarden Euro an Einnahmen verloren gehen. Mit Steuerzahlergeldern wird somit künstlich Flugverkehr erzeugt. Zurzeit sind drei Varianten der neuen Start- und Landebahn im Gespräch, in jedem Fall würden die Ortschaften Eittinger Moos (354 Einwohner) und Schwaigermoos (35 Einwohner) zumindest teilweise zerstört – die dort wohnenden Menschen verlören ihre Heimat. Die Lärmbelastung für die Bevölkerung im Umland würde massiv ansteigen, im Westen wären insbesondere Attaching, der südliche Teil von Freising, Pulling Nord und je nach Flugroutenplanung auch der Freisinger Westen betroffen; im Osten besonders die Ortschaften Berglern und Wartenberg. Auch die jetzt schon erhebliche Abgasbelastung würde weiter zunehmen, und mit einem Flächenverbrauch von mehr als 500 Hektar ginge eine bedeutende Naturvernichtung einher. Die geplante Flughafenerweiterung wäre Heimatzerstörung, eine verkehrs- und umweltpolitische Katastrophe, eine Geldvernichtung von bis zu einer Milliarde Euro und eine große Belastung für viele Menschen. Der Bund Naturschutz wird deshalb gemeinsam mit der betroffenen Bevölkerung alles daran setzen, eine dritte Startbahn zu verhindern. Christian Magerl, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Freising Kurt Schmid, BN-Regionalreferent Manfred Drobny, Geschäftsführer der BN-Kreisgruppe Freising


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Foto: Radle

Gesichert: Im Dezember 2005 erwarb der BN die mit 15 Hektar bislang größte Schutzfläche für die SandAchse Franken. »Wir werden hier ein kleines Paradies für gefährdete Arten unserer Sandlebensräume schaffen. Der beim Sandabbau entstandene See wird zum Eldorado für Vögel wie Hauben- und Zwergtaucher«, freut sich Michael Stöhr, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Roth. Den Kauf ermöglichten Spenden, der bayerische Naturschutzfonds, Erlöse aus der Glücksspirale und die EU.

Kreisgruppe Nürnberger Land

20 Jahre Hutanger-Projekt Parkartige Eichenhaine, alte Obstbäume, blühende Magerrasen: Mit den Hutangern entwickelt sich die Hersbrucker Alb zu einer der herausragenden Naturerlebnislandschaften Deutschlands. Zum 20-jährigen Jubiläum des BN-Hutanger-Projekts gibt es jetzt sogar ein Buch. Tradition in Hochblüte Ob für ein Familienpicknick oder seltene OrchideenArten, die Hutanger genannten traditionellen Viehweiden zählen zu den landschaftlichen Höhepunkten Bayerns.

Fotos: Scholz

as Hutanger-Projekt des BNNaturschutzzentrums Wengleinpark ist eines der ältesten und erfolgreichsten Naturschutzprojekte Bayerns. Seit 20 Jahren bewahrt das Zentrum die Hutanger genannten historischen Rinderweiden und überzeugt immer wieder mit Ideen, die Naturschutz, Landwirtschaft, Umweltbildung, Regionalentwicklung und Tourismus vereinen. In brillanten Bildern und Texten dokumentiert das neu erschienene Buch »Hutanger – Natur- und Kulturerbe mit Zukunft« das Projekt und zeigt die Landschaft der traditionellen Rinderweiden mit ihren Tieren und Pflanzen. Hirschkäfer, Silberdistel, Pastorenbirne und Wangenheimer Zwetschge bezeugen als Seltenheiten die Natur schonende Nutzung ebenso wie als Symbole ein zukunftsweisendes Konzept, das auf unverwechselbare regionale Identität setzt. Nachdem die Hutanger mit dem Ende der alten Hirtenkultur seit Mitte des letzten Jahrhunderts zu verschwinden drohten, begann 1985 ihre Renaissance. Damals erfasste die Hersbrucker Ortsgruppe des BN die ersten von insgesamt 90 dieser ehemaligen landwirtschaftlichen Kulturflächen und legte einen Teil der rund 500 Hektar mit Hand und Maschine wieder frei. Bereits 1988 erhielt das Projekt den

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europäischen Umweltpreis, gefolgt vom Umweltpreis der bayerischen Landesstiftung im Jahr 1991. Ein 1999 gestarteter fünfjähriger Weideversuch mit Rindern bestätigte, dass die traditionelle Nutzung mit Weidevieh die beste Pflege bietet. Auf dieser Grundlage entstand im Rahmen eines »BayernNetzNatur«Projektes bei Happurg der erste Biotop- und Weideverbund in der Alb. In den nächsten Jahren soll das Verbundnetz auf die gesamte Hersbrucker Alb ausgeweitet werden. Und wer die Hutanger nicht

Gerettet: Mit sagenhaften 82 Prozent Zustimmung votierten im November 2005 die Bürger Oberasbachs für den Bürgerentscheid gegen ein weiteres Gewerbegebiet am Ortsrand. Gudrun Reuss, Sprecherin der Ortsgruppe: »Nicht nur in Oberasbach selbst stehen etliche Gewerbeflächen leer, im Landkreis Fürth gibt es bereits 35 Hektar ungenutzte, freie Gewerbeflächen. Die müssen zunächst mal genutzt werden.« Den Bürgerentscheid trugen BN, CSU, Freie Wähler und die Aktionsgemeinschaft Oberasbacher Bürger gemeinsam. Geführt: In Schwabach bietet die BN-Kreisgruppe auch künftig Füh-

nur erwandern möchte, der kann auch reinbeißen: Rindfleisch und Äpfel aus der Region kommen verstärkt auf den Markt. Reiner Wölfel, Michael Scholz (hl) Buchtipp »Hutanger – Natur- und Kulturerbe mit Zukunft«, herausgegeben vom Naturschutzzentrum Wengleinpark e.V., Pfeiffer Verlag, 226 Seiten, 24 Euro. Jetzt bestellen bei der BN Service GmbH, Tel. 0 91 23-99 95 70, info@service.bundnaturschutz.de, www.service.bundnaturschutz.de

rungen durch die historische Vogelschutzanlage an. Kinder, Schüler und Erwachsene erfahren bei einem Rundgang Interessantes über Vögel und ihren Lebensraum, Totholzflora und -fauna oder Biotopschutz. Die von der Kreisgruppe betreute Anlage, ein sich selbst überlassenes Stück Waldwildnis, bietet Vögeln wie der Waldohreule ungestörten Lebensraum und Brutplatz. Kontakt: BNKreisgruppe Schwabach,

Tel. 0 91 22-51 44, info@bundnaturschutz-schwabach.de Gefährdet: Der Markt Heroldsberg möchte trotz leer stehender Gewerbeflächen ein weiteres Gewerbegebiet ausweisen. Dagegen protestierten der BN, ein betroffener Biobauer, Anlieger und die örtliche Bürgerinitiative mit einer gemeinsamen Aktion. Doris Tropper, stellvertretende BN-Landesvorsitzende und Vorsitzende der Kreisgruppe Erlangen kritisiert: »Es ist doch nicht einzusehen, warum an jeder Stelle Flächen teuer erschlossen werden, während in der Nachbarschaft bereits alles vorhanden ist.«

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NATU R NOTIZEN AUS MITTELFRAN KEN

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Foto: Willner

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Kreisgruppe Bad Tölz / Wolfratshausen

Rappin-Alm: Gefahr vorerst gebannt

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ren Weg geplant hatten, weiter naturverträglich ohne Wegebau zu wirtschaften. Dabei soll dem Landwirt eine finanzielle Unterstützung beim Hüten des Weideviehs helfen. Durch Ablösung der Weiderechte an den Hängen könnten Erosionsschäden vermindert und die Beweidung auf die Talflächen konzentriert werden. Das August-Hochwasser 2005 hatte in dem Gebiet starke Schäden verursacht, was die hohe Erosionsanfälligkeit auch im Bereich des geplanten Weges drastisch vor Augen führte. Der Wegebau selbst

Heimat erwandern: Touren für Fußgänger, Radfahrer und Rollstuhlfahrer bietet der neue »Naturführer für die Stadt Waldkraiburg und Umgebung«. Den Band mit sieben bebilderten Routen stellten die BNKreisgruppe Mühldorf, der Bezirk Oberbayern und die Umwelteinrichtung »Wildland« auf den Oberbayerischen Kulturtagen vor. Die Ausflüge sollen Wanderer, Radler und Rollstuhlfahrer zum Verweilen in der Natur einladen, erklärte Gerd Ruchlinski, Umweltreferent der Stadt und BN-Kreisvorsitzender, bei der Präsentation der 40

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würde nach Ansicht des Bundes Naturschutz wertvolle Naturbereiche unmittelbar zerstören und die Tierwelt durch Instandhaltungsmaßnahmen und eine absehbare Zunahme des Besucherstroms nachhaltig stören. »Bei dem Gebiet um die Rappin-Alm handelt es sich um ein hochwertiges Kleinod von großer landschaftlicher Schönheit, das hinsichtlich seiner vielfältigen Ausstattung an Strukturen, Lebensräumen, Pflanzengesellschaften und Arten in dieser Form einzigartig ist«, betonte Carola Belloni, Vorsitzende der Kreisgruppe bei einem Ortstermin mit dem BN-Landesvorsitzenden Hubert Weiger. Die Rappin-Alm gehört zu den acht Prozent

Seiten starken Broschüre. Viele Leute wüssten heute nicht mehr über Flora und Fauna Bescheid. »Zu jeder Tour«, so Ruchlinski, »gibt es Aktionstipps. Dadurch lernt man die Natur in unserer direkten Umgebung besser kennen.« Heimat erkennen: Welches ist der Wittelsbacher königlicher Fluss? – Die Würm. Für die Region München bietet sie heute Erholung und Frischluft, für seltene Tiere und Pflanzen ein Refugium. Die Ortsgruppe Karlsfeld der Kreisgruppe Dachau erstellte eine Wanderausstellung, die bei Bürgern und Politikern einen verantwor-

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noch nicht für PKW erschlossenen Almen Bayerns. Der Bund Naturschutz hatte sich von Anfang an gegen eine Erschließung dieser Alm gewandt. Christine Margraf (hl)

tungsvollen Umgang mit dem Fluss fördern möchte. 15 Tafeln spannen einen Bogen vom Ursprung als »Kind der Eiszeit« über die ersten Siedler bis in unser Jahrtausend. Erd- und Kulturgeschichte, Naherholung, Tiere und Pflanzen, Schutz und Zerstörung wechseln sich ab. Kontakt: BN-Ortsgruppe Karlsfeld, Tel. 0 81 319 35 11, www.wasserwirtschaftsamt-münchen.de/app/download Heimat betrauern: Die Münchner Kreisgruppen von BN und Landesbund für Vogelschutz (LBV) betrauerten im November unter der Anteilnahme von rund 50 Trauergästen den Verlust von Frei-

Foto: Nützel

Gefährlich Starke Erosionsanfälligkeit führte auf der RappinAlm zu erheblichen Schäden. Ein jetzt gestoppter Wegeer BN appelliert nun an das bau hätte die Gefahren noch Landratsamt und den betroffeerhöht. nen Landwirt, die den kfz-befahrba-

Foto: KG Bad Tölz

Der Naturschutzbeirat des Landkreises Bad Tölz / Wolfratshausen hat den Bau eines Weges zur Rappin-Alm abgelehnt. Die BN-Kreisgruppe Bad TölzWolfratshausen hat damit einen wichtigen Teilerfolg zum Schutz von Natur und Heimat errungen.

flächen und Artenvielfalt durch die geplante Gewerbeansiedlung Freiham. Die Planungsfehler in Freiham verglichen die Trauernden mit sieben Todsünden der Städteplanung. 554 000 Quadratmeter sollen hier für den AutoVerkehr sowie mehrere Möbelund Baugroßmärkte geopfert werden. BN und LBV wollten mit dem Trauermarsch einen Denkanstoß geben und forderten die Verantwortlichen auf, sich in Zukunft für Flächen schonendes Bauen einzusetzen.


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Kreisgruppe Bad Kissingen

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nsgesamt 180 Quellen zählt Eva Reichert-Nelkenstock von der Kreisgruppe inzwischen. Zusammen mit Stefan Zaenker vom Landesverband für Höhlen- und Karstforscher Hessen kartiert sie seit dem Frühjahr 2004 die Quellen zwischen Zeitlofs und Oberbach. Neben den ständig fließenden Quellen der Sinnzuflüsse erfassen sie dabei auch die zeitweise trockenfallenden kleineren Grundwasseraustritte.

15 Jahre Ökomarkt: Zum 15. Mal veranstaltete die Kreisgruppe Miltenberg 2005 ihren Ökomarkt in Erlenbach. Mit seinem breiten Angebot aus den Bereichen Alternative Energien und Ökolandbau, den über 50 Ausstellern und Aktionen für Kinder und Erwachsene hat er sich zum größten Umweltmarkt am Untermain gemausert. Der Fernsehjournalist Franz Alt und der bekannte Überlebenskünstler Rüdiger Nehberg traten hier bereits auf. Kein Wunder, dass die Besucherzahlen von anfangs 1500 auf über 5000 gestiegen sind. Kreisgruppen-Jubiläum: Zahlreiche Mitglieder und Ehrengäste

Das erweist sich als notwendig. Schließlich leben in den Quellen der seltene Feuersalamander und die Rhönquellschnecke, die weltweit nur in der Rhön und am Vogelberg vorkommt. Zwar sind schon die Quellbereiche an sich laut Bundesnaturschutzgesetz geschützte Lebensräume. Doch auf Verschmutzung und Zerstörung trifft man dennoch allenthalben. Wer helfen möchte, muss sich im Gelände auskennen und um jede einzelne Quelle bemühen. Mittels GPS ermittelt Reichert-Nelkenstock die genauen Koordinaten der Quelle

feierten im Herbst 2005 das 30jährige Jubiläum der Kreisgruppe Schweinfurt. BN-Vorsitzender Hubert Weiger und mehrere Bürgermeister aus dem Landkreis würdigten die Leistungen der Kreisgruppe mit Festansprachen. Im Mittelpunkt der Vorträge und Exkursionen standen vor allem die Ökologischen Flurbereinigungen Schwebheim und Gochsheim – Modellprojekte von landesweiter Bedeutung. Besonderes Jubiläum: Die geplante Flurbereinigung war in Versbach, Landkreis Würzburg, 1970 Anstoß zur Gründung einer der bayernweit ältesten und traditionsreichs-

ten Ortsgruppen im gesamten Bund Naturschutz. Im Herbst 2005 feierte sie ihr 25-jähriges Jubiläum. Unter der Leitung von Alfred Schäflein realisierte die Ortsgruppe über viele Jahre gerade in der Landschaftspflege und im Arten- und Biotopschutz etliche erfolgreiche Projekte, zum Beispiel ein Tier-Hotel als Refugium für Fledermäuse und Vögel. In der Gemeinde ist die Ortsgruppe längst eine anerkannte gesellschaftliche Einrichtung. Natur+Umwelt gratuliert!

Schau genau Eva ReichertNelkenstock und Stefan Zaenker kartieren jede Quelle zwischen Zeitlofs und Oberbach. Das Aufspüren der Quellen und das Erfassen von Flora und Fauna verlangen genaue Beobachtung.

Foto: Berninger

Fotos: Kneitz

Müll im Quellbereich, Trittschäden durch Weidevieh, eingeleiteter Dünger – obwohl geschützt befinden sich viele heimische Quellen in bedauernswertem Zustand. Um den Missständen besser abhelfen zu können, kartiert die Kreisgruppe Bad Kissingen die Quellen im Sinntal.

und ihrer Höhenlage. Sie misst Luftund Wassertemperatur, PH-Wert sowie elektrische Leitfähigkeit und bestimmt den Gefährdungsgrad der Quelle. Auf einem Erfassungsbogen trägt sie Quellenart, Feuchtigkeitsgrad, Bodensubstrat, Umgebungslage, Gestein und Pflanzengesellschaft des direkten Quellbereichs ein. »Schau genau« heißt es bei der Tierwelt, denn die mit bloßem Auge sichtbaren Lebewesen sind oft schon schwer zu erkennen, ganz zu schweigen von den mikroskopisch kleinen im Quellwasser und im Bodensubstrat. Der Aufwand lohnt sich: Anhand der detaillierten Erkenntnisse lassen sich der Ist- und der natürliche Soll-Zustand fundiert miteinander vergleichen. Das liefert die solide Grundlage für überzeugende Argumente, um nötige Hilfsmaßnahmen ebenso fundiert zu verwirklichen. (hl)

Kindernest im Wald: Den Wald als spannenden Spielort mit vielfältigen Bewegungsanreizen erfahren –

mit diesem besonderen Angebot wendet sich die Kreisgruppe Haßberge an Eltern mit Kindern zwischen 14 Monaten und drei Jahren. Daraus wurde mittlerweile eine feste Einrichtung mit vielen begeisterten Kindern und Eltern, die sich jeden Mittwoch unter fachlicher Begleitung der Erzieherin Daniela Berninger am Waldrand bei Ebern treffen. Kontakt: Kreisgruppe Haßberge, Tel. 0 95 31-85 95, bund-naturschutz-hassberge@t-online.de

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Quellenkartierung in der Rhön


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Kreisgruppe Neustadt an der Waldnaab

Regionalvermarktung auf Erfolgskurs

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ie erfolgreiche Arbeit der Tännesberger, die diese bei einer Pressefahrt im Herbst 2005 vorstellten, könnte man mit den Worten »Wer wirbt, gewinnt« beschreiben. Gemeinsam mit den örtlichen Landfrauen präsentiert die Ortsgruppe ihre Spezialitäten in attraktiven Faltblättern, veranstaltet Regionalmärkte und hat bereits mehrere Gastwirte gewonnen, die die Bio-Lebensmittel seither auf der Speisekarte führen. Überzeugende

Matschen statt Glotzen: Da blieb selbst der heiß geliebte PC kalt. Über 20 Kinder bekamen bei einer Aktion der BN-Ortsgruppe Bernhardswald (Kreis Regensburg) die Gelegenheit, selber Mehl zu mahlen und phantasievoll gestaltete Brotgebilde zu backen. Einige Wochen zuvor konnten sie soFoto: Läpple

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Bunte Palette Mit ihrem Vermarktungskonzept machen Tännesberger BN-Aktive Fleisch vom Rotvieh, alte bunte Kartoffel-Sorten und Bier aus Urkorn zu regionalen Verkaufsschlagern.

Fotos: Ortsgruppe Tännesberg

Genuss aus der Region: Ob Streuobst-Saft, Wurst vom Rotvieh oder Bier aus Urkorn – die Ortsgruppe Tännesberg versteht es, Liebhaber für ihre Bioprodukte zu finden.

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Grundlage des Vermarktungskonzepts sind die aus eigenen Naturschutz-Projekten stammenden Erzeugnisse: Neben köstlichen Äpfeln von eigenen Streuobstwiesen und »Zoiglbier« aus Dinkel, Emmer und Einkorn gibt es zehn verschiedene, heute kaum noch erhältliche Kartoffelsorten. Den BNAktiven gelang es sogar, das vom Aussterben bedrohte, früher in vielen Mittelgebirgen heimische Rotvieh wieder einzubürgern. Das Rot-

gar mit eigenen Händen und Füßen richtig im Lehm matschen und einen voll funktionsfähigen Lehmbackofen bauen. Eine tolle Idee, die hoffentlich bei vielen anderen Ferienaktionen Nachahmer findet. Tipps für die Insel: Schon zum 17. Mal richtete die BN-Kreisgruppe Cham letzten Herbst ihre weithin bekannten Umwelttage aus. Zum Schwerpunktthema »Natur und Garten« gab es dort viele interessante Tipps, wie man mit geringem Aufwand Garten und Balkon als Naturinseln gestalten kann. Großen Zuspruch fanden auch der Schmetterlingsstand des BN und

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vieh eignet sich hervorragend zur ökologischen Landschaftspflege und ist ein attraktiver Blickfang für Wanderer und Touristen. Ende September konnten BN und Landfrauen den ersten Tännesberger Regionalmarkt mit vielen begeisterten Besuchern ausrichten. Für diesen Einklang von Ökologie und Ökonomie setzt sich die Ortsgruppe bereits seit zehn Jahren ein. Die Erfolgsgeschichte begann mit der Anpflanzung von Streuobstwiesen und der Anlage eines viel besuchten Streuobstlehrpfades. Durch intensive Zusammenarbeit mit dem Landesbund für Vogelschutz, der Firma Wildland, mit der Kommune, Naturparken und ortsansässigen Landwirten setzten die Oberpfälzer mittlerweile vier Bayern-Netz-Natur-Projekte um, die dem bayernweiten Biotop-Verbund dienen. Wer glaubt, damit gäben sich BN und Landfrauen zufrieden, irrt. In einer gemeinsamen Ideenschmiede wollen sie neue Regionalspezialitäten entwickeln, Vermarktungsaktionen planen und Absatzmöglichkeiten erschließen. Schon heute haben sie vielen Verbrauchern gezeigt, dass Naturschutz mit dem Einkaufszettel Spaß macht und hervorragend schmeckt. Helmut Schultheiß (hl)

eine Erlebnisausstellung zum Ökolandbau. Vorträge und Angebote für Kinder rundeten das Programm ab. König der Nacht: Ungestörte Brutmöglichkeiten für den Uhu, den Vogel des Jahres 2005, gibt es immer noch zu wenig. Grund genug für die BN-Kreisgruppe Schwandorf, in einem abgelegenen Steinbruch den Gehölzbewuchs auf der Steinbruchsohle und an den Wänden zu entfernen. Nachdem das Umfeld für den Uhu ideale Lebensbedingungen bietet, wird der »König der Nacht« sein neues Reich sicherlich bald in Besitz nehmen.

Foto: Willner

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Trittstein für Biber: Die BN-Kreisgruppe Neumarkt erwarb letzten Herbst mit einem weiteren BiotopTrittstein im Tal der Weißen Laaber ein neues Vorzeigeobjekt. Zusammen mit benachbarten Flächen hilft die Fläche, dem Biber einen geschlossenen Lebensraum zu sichern. Um die Bedeutung des Gebietes und das Engagement des BN dafür zu verdeutlichen, kennzeichnete die Kreisgruppe die Fläche mit einem Hinweisschild, wie es der BN seit fünf Jahren bei gekauften oder gepachteten Flächen einsetzt.


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Kreisgruppe Regen

Nationalpark in Gefahr

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islang reichte im Kommunalausschuss des Nationalparks eine Zwei-Drittel-Mehrheit der vertretenen Gemeinden. Der BN bewertet die Vorgabe der Einstimmigkeit als schwerwiegenden Fehler. Helmut Steininger, BN-Vertreter im Nationalparkbeirat, befürchtet, dass die Nationalparkgegner die Schutzziele jetzt weiterhin boykottieren. Inzwischen stellte Umweltminister Schnappauf zwar klar: Der Freistaat hält sich an die bis 2017 geplante Erweiterung der Naturzonen; der Kommunal-Ausschuss hat zudem nur empfehlenden Charakter, kein definitives Vetorecht. Bis die Naturzonen, in denen keine menschlichen Eingriffe mehr erfolgen, kon-

Foto: Riederer

Sieg für die Natur: In Landshut votierte eine knappe Stadtratsmehrheit noch im Juli dafür, drei ökologisch besonders wertvolle Gebiete nicht mehr wie bisher in vollem Umfang als geplante Landschaftsschutzgebiete auszuweisen. Da dies einer Bebauung von Josaphat- (s. Foto), Metzen- und Rosental Tür und Tor geöffnet hätte, leitete die Kreisgruppe ein Bürgerbegehren für die Schutzgebiete ein. 4412 Wahlberechtigte unterschrieben in kurzer Zeit. Dieses deutliche Votum – nur 2850 Unterschriften wären für die Gül-

Foto: Willner

Ende 2005 beschloss der Bayerische Landtag mit den Stimmen der CSU-Mehrheit: Neue Naturzonen dürfen nur mehr entstehen, wenn sich die zehn betroffenen Gemeinden einstimmig dafür aussprechen. Die internationale Anerkennung und damit der Fortbestand des gesamten Schutzgebietes ist dadurch gefährdet.

kret vergrößert werden, ist Vorsicht aber weiterhin angebracht. Die Petition gegen weitere Naturzonen hatte die Gemeinde Lindberg eingebracht. Eine Bürgerbewegung forderte darüber hinaus, die bereits bestehenden Naturzonen aufzulösen und den Borkenkäfer auch in diesen Gebieten flächendeckend zu bekämpfen. Der BN und der Verein »Pro Nationalpark« beantragten, die Natur dort wie geplant sich selbst zu überlassen. Gemäß den internationalen Kriterien müssen 75 Pro-

tigkeit des Begehrens nötig gewesen – beeindruckte den Stadtrat offenbar schwer: Nach einer hitzigen Sondersitzung im Oktober stimmte er mit klarer Mehrheit dafür, die Flächen im neuen Flächennutzungsund Landschaftsplan wieder vollständig als geplante Landschaftsschutzgebiete aufzunehmen. Die Kreisgruppe zog ihr Bürgerbegehren zurück. Ein Bürgerentscheid war nicht mehr nötig.

zent eines Nationalparks frei von menschlicher Nutzung bleiben. Im Erweiterungsgebiet umfassen die Zonen bisher lediglich etwas mehr als zehn Prozent. Das Beispiel des seit 35 Jahren bestehenden ursprünglichen Nationalparkgebiets im Landkreis Freyung-Grafenau belegt, dass sich das Konzept »Natur Natur sein lassen« bestens bewährt. Unter den toten Altbäumen wächst ohne menschliches Zutun ein vielfältiger und stabiler Wald nach. Die sich natürlich erneuernden Wälder wurden zur Touristen-Attraktion. Auch die Mehrheit der NationalparkGemeinden unterstützt das Konzept. Jetzt könnte neben der Natur auch der Tourismus unter dem »Einstimmigkeits«-Beschluss des Landtags leiden; zwei Drittel der Feriengäste haben sich in einer Umfrage gegen Eingriffe in den Naturzonen wie die Borkenkäferbekämpfung ausgesprochen. Kurt Schmid (hl)

Neuer Vorstand: Die Kreisgruppe Straubing-Bogen wählte im Oktober 2005 turnusgemäß ihren neuen Vorstand. Erster Vorsitzender blieb einstimmig Andreas Molz. Bürgermeister Hans Vicari, selbst BN-Mitglied, gratulierte. Im Bild von links nach rechts: Stellvertretender Vorsitzender Johann Meindorfer, Schriftführerin Anna Mittermeier, Beisitzer Franz Wiegand, Vorsitzender Andreas Molz, Bürgermeister Hans Vicari, Schatzmeisterin Roswitha Schanzer, Delegierte Beate Seitz-Weinzierl und Kassenprüfer Jürgen Häns. Im

Bald Etikettenschwindel? Die Nein-Stimme einer Nationalparkgemeinde könnte künftig neue Naturzonen im Nationalpark verhindern. Ohne weitere solche Zonen, wo Natur Natur sein darf, verkäme der Nationalpark zum Etikettenschwindel.

Jahresrückblick hob Molz das Raumordnungsverfahren für den geplanten Donauausbau und den Bayerischen Heimattag in Straubing hervor. Als Schwerpunkte für 2006 nannte er den weiteren Widerstand gegen Staustufen an der Donau, laufende Planungen zum Hochwasserschutz sowie den Stopp des BMW-Fahrertrainingszentrums im Naturpark Bayerischer Wald.

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Foto: Riederer

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Tiere erleben Das Tiergehege des BN soll Kindern einen behutsamen Kreisgruppen Wunsiedel und Tirschenreuth Umgang mit ihren Mitgeschöpfen nahe bringen. Das BN-Programm zur Landesgartenschau bietet aber Mit gleich zwei Programmen gehen die BN-Kreisgruppen Wunsiedel noch weit mehr.

Grenzenlose Gartenschau mit Tier-Erlebnispark

und Tirschenreuth bei der Landesgartenschau 2006 in Marktredwitz an den Start. Im »Tier-Erlebnispark Arche« lernen Familien alte Haustierrassen kennen. Die »Grenzenlose Gartenschau« bietet gemeinsame Aktionen von deutschen und tschechischen Naturschützern.

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Monsterbagger: Mit der Ruhe in Rattelsdorf, Landkreis Bamberg, ist es erst einmal vorbei. Am Ortsrand hat ein »Monsterpark« eröffnet, in dem das Kind im Manne gegen ordentliche Stundensätze Baggerführer spielen kann. Mit riesigen Maschinen, darunter der größte Bagger Deutschlands, rumpeln die Besucher über das Gelände und graben wie im Sandkasten tiefe Löcher. Der Zuspruch ist groß, allerdings kaum bei den Ortsansässigen. Foto: Maurer

NATU R NOTIZEN AUS OBER FRAN KEN

ir wollen bewusst Kinder und Familien ansprechen, um sie für einen behutsamen Umgang mit Tieren als Geschöpfe Gottes zu sensibilisieren. Deshalb schaffen wir als Anziehungspunkt für die Besucher der Landesgartenschau ein 700 Quadratmeter großes Gehege mit Taubenhaus, Rhön-Schafen, Ziegen und voraussichtlich Eseln«. Dr. Klaus Arbter und Fred Terporten-

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Löhner, die Vorsitzenden der beiden Kreisgruppen, freuen sich über das Programm, das sie gemeinsam mit Geschäftsführer Karl Paulus und vielen aktiven Helfern auf die Beine stellen. Bei den Tieren handelt es sich um alte, gefährdete Haustierrassen. Dabei ist die Arche weit mehr als ein herkömmlicher Streichelzoo. Insgesamt wird es im Rahmen des Projekts rund 50 umwelt-

Immissionsschutz eingehalten? Ölwechsel auf freiem Felde? Die Behörden fühlen sich bei diesen Fragen des BN überfordert. Keine Ruhe: Erneut wird das Steinachtal im Landkreis Kulmbach bedroht. Am Eingang des Tals ist eine Umgehungsstraße auf Betonstelzen geplant. Auch die idyllische Lage der Schneidmühle würde durch das Bauvorhaben zerstört. Anfang der 80er Jahre gelang es der Kreisgruppe, eine Straße durch das Tal zu verhindern, vor einigen Jahren vereitelte sie die Überflutung durch ein Speicherbecken. Die Steinach sucht ihren immer wieder neuen Weg frei durch das

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pädagogische Veranstaltungen geben. Dass die Aktionen Grenzen überwinden, ist den Oberfranken ein besonderes Anliegen. Aufbauend auf einer 15-jährigen, sehr fruchtbaren Zusammenarbeit mit tschechischen Naturschützern planen sie zahlreiche Veranstaltungen mit tschechischen Gruppen. Dazu gehören Exkursionen ins »Grüne Band« des Grenzstreifens und eine Fahrradtour auf dem »RegenbogenRadweg«. Terporten-Löhner will »mit unseren deutsch-tschechischen Begegnungen dem Völker verbindenden Charakter der Gartenschau in besonderem Maße gerecht werden«. Zum Glück fördert die »Euregio Egrensis« das ehrgeizige BN-Projekt. Mit Hochdruck sind die BNAktiven jetzt dabei, es organisatorisch, finanziell und baulich auf den Weg zu bringen. Was ihnen sichtlich Freude bereitet: »Das alles erfordert einen Wahnsinnsaufwand«, stöhnt Geschäftsführer Paulus, »doch es macht sehr viel Spaß«. (hl)

bei Wanderern beliebte Tal, in dem herrliche Au- und Mischwälder wachsen. Auf der Lauer: Kronachs Stadtmauern sind etwas Besonderes und ebenso die Pflanzen und Tiere, die sich dort als Spezialisten mit dem Leben an senkrechter Wand arrangiert haben. Die Kreisgruppe bietet dreistündige Exkursionen zu den Überlebenskünstlern unter dem Motto »Auf der Mauer, auf der Lauer« an. Wer Steinpicker und Zimbelkraut kennen lernen möchte, wendet sich an: Kreisgruppe Kronach, Tel. 0 92 61-9 44 04, bn-kronach@ vr-web.de

Foto: KG Kronach

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Foto: Paulus

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Hoffnung: Die Proteste könnten gefruchtet haben: Der Bezirk Oberfranken hat den vom BN geforderten dezentralen Ansatz für die Hochwasser-Freilegung Bayreuths vorgelegt. Der Ansatz sieht viele kleine Rückhaltungen sowie neue und reaktivierte Retentionsräume vor. Die Stadt plant stattdessen im Tal des Rotmains einen Speicher mit sechs Millionen Kubikmeter Fassungsvermögen und einer Dammhöhe von 24 Metern (siehe N+U 2-2004). Das Rotmain-Tal zwischen Bayreuth und Creußen ist der einzige FlussAbschnitt, den keine parallel verlaufende Straße stört.


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Kreisgruppe Kaufbeuren / Ostallgäu

Moor erfolgreich renaturiert Gemeinsam haben die BN-Kreisgruppe Kaufbeuren / Ostallgäu und die Gemeinde Nesselwang Teile des Hertinger Mooses renaturiert. Erfolgreich vernässten sie ein einst trockengelegtes Moor und öffneten eine verschlossene Quelle. Das kommt seltenen Pflanzen wie der Strauchbirke ebenso zugute wie dem Hochwasserschutz.

auch die stark gefährdete Arktische Smaragdlibelle, der Hochmoorgelbling und der Hochmoor-Perlmuttfalter. Intakte Moore reduzieren im niederschlagsreichen Allgäu zudem durch einen verringerten und verzögerten Wasserabfluss in den Bächen die Hochwasserspitzen

Foto: Strohwasser

die wertvollen Feuchtwiesen vor Ort, die Teil eines Landschaftsschutzgebietes sind. Schnell und heimlich schufen die Kur- und Verkehrsbetriebe Oberstdorf und ihr Aufsichtsratsvorsitzender, Oberstdorfs Bürgermeister Tomas Müller, Tatsachen. Sie informierten weder die Einwohner des Ortes noch Naturschutzverbände wie die hiesige BN-Kreisgruppe Kempten / Oberallgäu oder andere Träger öffentlicher Belange. Im Oberallgäu fragen sich jetzt viele Bürger: Wo bleibt der Landschaftsschutz im Landschaftsschutzgebiet? Wie stark lässt sich unsere Heimat noch belasten?

deutlich. In niederschlagsarmen Zeiten genießen die Bäche hingegen eine ausgeglichene Wasserspende aus den Mooren. Zudem verdunstet das Wasser gleichmäßig, was positiv auf das Klima wirkt. Damit hilft das Projekt Mensch und Natur gleichermaßen. Ralf Strohwasser (hl)

Fundiert: Mit großem Erfolg initiierten die BN-Kreisgruppe Lindau und die Gebietsbetreuungsstelle »Bodensee mit Hinterland« eine Sammelbestellung von hochstämmigen Obstbäumen. Insgesamt wurden 271 Bäume bestellt, viele von Bauern, die sich auch am Streuobstsaft-Projekt der Kreisgruppe beteiligen. »Wir konnten den Interessenten eine fachlich fundierte Beratung, zum Beispiel bei der Sortenauswahl, anbieten. Das ist dem enormen ehrenamtlichen Einsatz vor allem der Obstbaumeisterin Birgit Mäckle-Jansen zu verdanken«, erklärte Isolde Miller von der Kreisgruppe. Ziel des

Wasser des Lebens Das Hertinger Moos ist renaturiert. Neues Leben erhielt es, indem Torfstiche mit Wasser gefüllt und Moore wieder vernässt wurden. Davon profitiert auch der Hochmoorgelbling.

Projektes ist es, die für die Bodensee-Region einst prägenden Streuobstbestände wieder zu fördern. Auch in Hausgärten machen sich die im Frühjahr herrlich blühenden Bäume hervorragend. Zur weiteren Pflege der Obstbäume empfiehlt Mäckle-Jansen Schnittkurse, wie sie das INTERREG-Projekt zur Erhaltung alter Kernobstsorten, das eng mit dem BN zusammenarbeitet, anbietet.

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NATU R NOTIZEN AUS SC HWABEN

Fragwürdig: Am Oberstdorfer Ortsrand verschandelt erneut ein fragwürdiges Freizeitangebot die Landschaft: eine »Sommerrodelbahn«, die das ganze Jahr über in Betrieb bleibt. Die Anlage der Söllereckbahn steht auf Stelzen und befördert die Rodler elektrisch betrieben zum Startpunkt am Berg. Vollkommen unberücksichtigt blieben bei Planung und Bau

maßnahmen der Marktgemeinde Nesselwang, die drei Hektar beisteuerte, und eines zehn Hektar umfassenden Landschaftspflegeantrags des Bundes Naturschutz. Sie bewahrt hochwertige Biotope, die nach europäischem Naturschutzrecht (FFH-Richtlinie) unter strengstem Schutz stehen. So profitieren von dem Projekt neben der bis zu zwei Meter hohen Strauchbirke, einem Eiszeitrelikt,

Foto: Schultheiß

Foto: Fees

raben, fällen, freilegen: Um mehrere Torfstiche des Moores im Hertinger Moos wieder zu vernässen, verschloss ein Bagger zunächst 13 Entwässerungsgräben. Zusätzlich angelegte Dämme sorgten anschließend für einen raschen Rückstau des Wassers, wodurch sich die Torfstiche bald wieder mit Wasser füllten. Damit das Quellwasser der heute aufgelassenen Hertinger Quelle wieder an die Oberfläche kommt, ließ man den alten Brunnenschacht unversehrt und kappte lediglich das Überwasserrohr. Für das ausfließende Wasser grub man einen rund 300 Quadratmeter großen Tümpel mit verschiedenen Wassertiefen. Die zusätzlich überschwemmten Grünlandbereiche entwickeln sich allmählich zu einem Erlenbruch. Die Renaturierung erfolgte im Rahmen ökologischer Ausgleichs-

Foto: Willner

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07.03.2006

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Feriencamps für Jugendliche bieten elementare und unmittelbare Naturerfahrungen, die ein Gespür für die Schönheit der letzten Wildnisreste und ihren Wert vermitteln. »Wo der Wolf ist, lebt der Wald!« sagt ein altes russisches Sprichwort. Beate Seitz-Weinzierl (hl)

Wölfe, Wälder, Wildnis

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ehnsucht Wildnis« – wer denkt dabei nicht an Urwälder und Wolfsgeheul als Inkarnation scheinbar vergangener Zeiten. Dennoch: In Nationalparken oder entlang des »Grünen Bandes« taucht seit einigen Jahren der Wolf in Deutschland wieder auf. Mit ihm werden Mythen, Märchen und Geschichten wach. Bis heute dient er dem Menschen als Projektionsfläche für Fantasien und Wunschvorstellungen, vor allem aber für Ängste. Dies führt häufig zu einem verzerrten Bild vom Wolf, das wenig mit dem realen Tier gemein hat. »Sehnsucht Wildnis« will dem Negativ-

image des faszinierenden Wildtieres entgegenwirken und Sympathien wecken. Aufgrund der besonderen Perspektive des Projekts entwickelte es sich in den sechs Jahren seines Bestehens zu einer Erfolgsgeschichte: Von der Wildnis ausgehen, wie sie sich in den Wünschen der Menschen widerspiegelt. Der Wolf verkörpert den Inbegriff der Sehnsucht vieler Menschen nach wilder Natur. Das Seminarangebot 2006 beleuchtet Fakten, Märchen, Mythen und Geschichten der »Faszination Wolf«. Im »Theater in der Wildnis« wird der Wolf, wie der Mensch ihn sieht, bei »Peter und der Wolf« lebendig. Workshops für Erwachsene und

Nur für BN-Mitglieder

Naturerlebnis-Ferien

Foto: Schreiner

Kontakt Naturschutzzentrum Wartaweil, Tel. 0 81 5296 77 08, wartaweil@bundnaturschutz.de

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as gibt es nur für BN-Mitglieder: ein Kurzurlaub inmitten der wilden Natur des Naturschutzzentrums Wartaweil am Ammersee. Das fünftägige Pauschalangebot für Familien umfasst Übernachtung, Verpflegung und ein umfangreiches Programm. Der Park des Zentrums mit seinen versteckten Winkeln und alten Bäumen lädt zu Naturerfahrungsspielen oder zum aufregenden Baumklettern am gesicherten Seil ein. In der »WasserWeltWartaweil« kommen junge Detektive voll auf ihre Kosten. Sie fischen

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Natur + Umwelt BN-Magazin [1-06]

kleinste Tierchen aus Bach und See, um sie mit der Becherlupe oder unter dem Mikroskop zu bestimmen. Wen der Berg ruft, der macht sich bei einer eintägigen Exkursion auf ins nahe Gebirge, oder man geht es gemütlich mit einer Radtour rund um den Ammersee an. Neben diesen geführten Angeboten steht noch reichlich Zeit für eigene Unternehmungen zur Verfügung. Im See baden, wandern, Feuer machen, Stockbrot backen, Boot fahren, Eis essen – alles ist möglich in Wartaweil. Herzlich willkommen im NatUrlaub! Axel Schreiner, Holger Lieber  Wartaweil, 10. – 14. April und 18. August – 1. September 2006

Vom einfachen Leben Schafgarbe, Wolfsmilch, Katzenwurz

Der Wolf hat häufig eine schlechte Presse in unseren Märchen. Zeit, dieses Bild zurechtzurücken: In dem Seminar kommen auch die Märchen vom guten Wolf zu Wort. Und damit die Gelenke zwischen den alten Märchen nicht einrosten, stehen zwischen den Erzählungen originelle Kräutertänze auf dem Plan.  Wiesenfelden, 24. – 26. März 2006

Foto: Seitz-Weinzierl

Neu bei »Sehnsucht Wildnis«

AKTIV IN DEN FRÜHLING

Bildung mal zwei Das »Jahresprogramm« bietet Fach- und Wohlfühlseminare sowie Bildungsangebote für BN-Aktive und Multiplikatoren. Das Programm zu »Sehnsucht Wildnis« zeigt die Angebote des Projekts. Jetzt anfordern beim BN Bildungswerk, Straubinger Straße 5, 94344 Wiesenfelden, bw@bundnaturschutz.de, www.bn-bildungswerk.de

9:59 Uhr

Foto: Fritsch

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Einfach leben Ein paar Tage bewusst leben, sich Zeit lassen. Natur und Kultur genießen, wandern, gesund essen. Zur Ruhe kommen. Vielleicht einige Yoga-Übungen? Zeit und Raum, wieder zu sich zu finden, bieten die Ferientage für Körper, Geist und Seele.  Wiesenfelden, 20. – 23. April 2006

Haubentaucher und Teichrohrsänger Die Schulung zeigt das Reich unserer gefiederten Freunde. Neben der Biologie der Vögel und ihrer Biotope eröffnen Vogel-Sagen und Naturerfahrungsspiele ein tieferes Verständnis für die Welt der Vögel. Die Tricks und Kniffe der Exkursionsdidaktik runden das Seminar ab. Die Schulung wendet sich an Naturführer, Leiter von Kinderund Jugendgruppen, Erzieher oder Lehrer.  Wartaweil, 28. – 29. April 2006


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07.03.2006

10:05 Uhr

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BN-BILDUNGSWERK | TEL. 0 99 66 - 12 70 Skifahren unter Palmen?

Klimawandel und Trinkwasserschutz Erhalt der kleinräumigen kommunalen Trinkwasserversorgung Franken, 7. März 2006

Wilde Blütenträume und Schmetterlinge aus Filz

Foto: Seitz-Weinzierl

Perspektiven des alpinen Wintertourismus in Zeiten des Klimawandels Berchtesgaden, 4. März 2006

Literatur in der Wildnis

Kreativwerkstatt Wiesenfelden, 17./18. März 2006

Brecht und die wilde Natur Lesung mit der Schauspielerin Almut Grytzmann Wiesenfelden, 18. Mai 2006

Rotgetupfte und Moosrücken Kulinarisches mit Forelle und Karpfen Wiesenfelden, 8. April 2006

Die Zukunft der bäuerlichen Landwirtschaft in Bayern

Pannonischer Frühsommer Studienreise zum Nationalpark Neusiedler See / Fertö Hanság Österreich / Ungarn, 24. – 28. Mai 2006

Was kennzeichnet naturnahe Waldwirtschaft?

Positionen, Strategien, Forderungen Regen, 14. März 2006

Fachexkursionen Oberallgäu und Fichtelgebirge, Mai 2006

BN-VERANSTALTUNGEN Fachlicher Austausch für BNKreis- und Ortsgruppen sowie alle Interessierten Ebern, 25. März 2006 Kontakt: BN-Regionalreferat Unterfranken, Tel. 09 11-8 18 7814

20 Jahre Tschernobyl Zentrale Kundgebung in Bayern anlässlich der Tschernobyl-Katastrophe vor 20 Jahren

München, 29. April 2006 Kontakt: BN-Energiereferat, Tel. 09 51-5 19 06 09

BN-Delegiertenversammlung

Theorie und Praxis der nachhaltigen Entwicklung

Gemünden, 6. – 7. Mai 2006 Kontakt: BN-Landesgeschäftsstelle, Tel. 09 41-2 97 20 12

Studienwoche im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin 22. – 28. Mai und 15. – 21. Oktober 2006 Kontakt: BN-Kreisgruppe München, Tel. 0 89-51 56 76-0

Brennpunkt Waldstein Kundgebung für den Schutz des Fichtelgebirges und gegen die geplante Fichtelgebirgs-Autobahn Waldsteinhaus, 1. Mai 2006 Kontakt: BN-Regionalreferat Oberfranken, Tel. 09 11-8 18 78 14

BN-Archiv

Nordbayerischer Naturschutztag

BN-STUDIENREISEN | TEL. 0 91 23 - 999 57 10 Baikalfrühling

Ligurien und Cinque Terre Wanderungen durch felsige Küstengebirge, subtropische Vegetation, malerische Dörfer. Bei 300 Sonnentagen pro Jahr ist gutes Wetter fast garantiert. Italien, 10. – 17. April 2006

Foto: Bisping

Frühlingserwachen am ältesten, tiefsten und süßwasserreichsten See der Erde: Das klare Wasser changiert in ständig wechselnden Farben, die Artenvielfalt der Nationalparke ist sagenhaft. Russland, 27. Mai – 16. Juni 2006

Andalusien Brücke zwischen Abendland und Orient: Andalusien verzaubert mit den maurischen Palästen der alten Königsstadt Granada, den Bergen der Sierra Nevada und idyllischen Stränden. Spanien,24. April – 7. Mai 2006

Kurische Nehrung Landschaft aus Meer, Sand und Wind: »Man muss sie gesehen haben, wenn einem nicht ein wunderbares Bild in der Seele fehlen sollte«, schrieb Humboldt. Russland / Litauen, 25. Mai – 3. Juni 2006

AKTION Gegen Gen: Protestieren Sie jetzt! Sind auch Sie gegen Gentechnik auf Ihrem Teller? Dann unterstützen Sie bitte unsere Protestaktion gegen den Gentech-Anbau, den Bundesminister Horst Seehofer jetzt erleichtern will. Senden Sie am besten noch heute Ihre Protest-Postkarte ab. Seehofer erwägt eine Änderung beim Gentech-

nikgesetz und möchte das Verursacherprinzip aushebeln. Das heißt, Gen-Anbauer müssten nicht mehr für die von ihnen verursachten Schäden haften, der Gentechnik auf unseren Feldern wäre Tür und Tor geöffnet. Unsere Heimat soll gentechnikfrei bleiben. Wir wollen gesundes, unmanipuliertes Essen. Machen Sie mit, senden Sie die Postkarte jetzt ab!

Herausgeber: Bund Naturschutz in Bayern e.V. (BN), vertreten durch Peter Rottner, Landesgeschäftsführer, Dr.-Johann-Maier-Str. 4, 93049 Regensburg, www.bund-naturschutz.de Leitender Redakteur (verantw.): Manfred Gößwald (göß) Redaktion: Holger Lieber (hl), Christoph MarklMeider (cm), Tel. 09 41 -2 97 20-22, Fax -31, nu@bund-naturschutz.de Mitglieder-Service: Tel. 09 41 -2 97 20-29 und -20 Gestaltung: Gorbach GmbH, Utting a. Ammersee (Layout: Waltraud Hofbauer) Titelfoto: Harald Frey Litho: PHG GmbH, Augsburg Redaktion BUND-Magazin: Severin Zillich (verantw.), Am Köllnischen Park 1, 10179 Berlin, Tel. 0 30 -27 58 64-57, Fax -40 Druck und Versand: Brühlsche Universitätsdruckerei Gießen Anzeigen: BN Service GmbH, Eckertstr. 2, Bahnhof Lauf (links), 91207 Lauf an der Pegnitz, Tel. 0 91 239 99 57- 30, Fax -99, info@service.bund-naturschutz.de Auflage: 98000 Bezugspreis: Für Mitglieder im Beitrag enthalten, für Nichtmitglieder Versandgebühr ISSN 0721-6807 BN-Konto: Bank für Sozialwirtschaft, Konto 8 885 000, BLZ 700 205 00 BN-Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft, Konto 8 844 000, BLZ 700 205 00 Mit Namen gezeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder des BN wieder. Nachdruck nur mit Genehmigung des BN. Für unverlangt eingesandte Artikel oder Fotos keine Gewähr. Die Redaktion behält sich das Recht vor, Leserbriefe zu kürzen. »Natur+Umwelt« wird auf 100 % Recyclingpapier gedruckt.

IMPR ESSUM

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»Nicht Meer, nicht Land, und doch bewohnt«: Die Hallig Hooge im Herzen des Wattenmeer-Nationalparks ist zur Zeit des Vogelzuges eines der vogelreichsten Gebiete der Erde. Deutschland, 8. – 14. April 2006

Foto: Bisping

Hallig Hooge


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07.03.2006

10:05 Uhr

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Ein Geschenk an die

Natur

Kinderlachen erfüllt

den großen Naturgarten von Margarete Meyer. Die BNKreisgruppe Nürnberg-Land, die hier in Haus und Hof eine Heimat gefunden hat, hält dieses großzügige Geschenk stets in Ehren.

Die Natur als Erbe Margarete Meyer würde die Nutzung ihres Heims sicher sehr gefallen. Auch Sie können sich mit Ihrem Erbe für die Natur engagieren und künftigen Generationen eine lebenswerte Zukunft schenken.

Die Natur als Erbe

Wenn Sie mehr über die Möglichkeiten erfahren möchten, wie Sie den Bund Naturschutz in Ihrem Testament bedenken können, schreiben Sie uns oder rufen Sie einfach an: Peter Rottner 0941/297 20 12 Bund Naturschutz in Bayern e.V. Dr.-Johann-Maier-Str. 4 93049 Regensburg


Natur+Umwelt 1-2006