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Natur+Umwelt Bund Naturschutz Magazin www.bund-naturschutz.de

Heft 2-2006 88. Jahrgang 2. Quartal

Es ist noch nicht zu sp채t

Bayern gentechnikfrei


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„Wenn der Bund Naturschutz gegen die Gentechnik protestiert, dann sind wir natürlich dabei. Wir wollen kein Genfood und brauchen keine Anti-Matsch-Tomaten. Biss haben wir selber.“ Die Wellküren

Bitte mit Biss Mit den Wellküren gibt es immer was zu lachen. Aber beim Thema Gentechnik hört für sie die Gaudi auf. Deshalb unterstützen sie den BN und sind zum Beispiel bei der großen Anti-GenDemo in Ingolstadt aufgetreten. Bitte helfen Sie auf Ihre Weise. Sprechen Sie Ihre Freunde, Bekannten, Nachbarn darauf an, Mitglied beim BN zu werden. Gemeinsam können wir Vieles erreichen. a Ihre D

Eine Beitrittskarte finden Sie hier beigeheftet. Vielen Dank. Bitte chen freima

h für den NaturJa, ich will michutz einsetzen...

und Umweltsc

...und erkläre hiermit meinen

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in Bayern e. V. entrichSie widerruflich, die zu Hiermit ermächtige/n ich/wir meines/ bei Fälligkeit zu Lasten tenden Beitragszahlungen

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Jugendliche, Lehrlinge, Wehr- und Zivildienstleistende € 20,00 Beitrag) (ermäßigter

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(mit Jugendlichen bis einschl.

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Donau, Gentechnik: Politik empört die Menschen In Deutschland ist seit Anfang dieses Jahres der kommerzielle Anbau genmanipulierter Pflanzen erlaubt. Genetisch veränderter, für Insekten giftiger Mais darf ab April in fünf Sorten ganz legal ausgesät werden. Dies empört viele Menschen. Bei großen Demonstrationen hat das »Bündnis Bayern für gentechnikfreie Natur und Landwirtschaft«, eine breite Allianz von Naturschützern, konventionellen wie ökologischen Bauern, Imkern, Lebensmittelherstellern und aufgeklärten Verbraucherinnen und Verbrauchern, klare Forderungen erhoben:  keine Gentechnik im Essen  keine Aufweichung des geltenden Haftungsrechts im Gentechnikgesetz  Schutz der Landwirtschaft und der natürlichen Artenvielfalt vor den Gewinninteressen multinationaler Chemiekonzerne Nicht nur in Ingolstadt, dem Wahlkreis von Horst Seehofer, protestierten über 1000 Menschen gegen die »Enteignung unserer Nahrung« und zeigten »Genhofer« die Rote Karte. In Passau sprach sich sogar der Ehrenpräsident des niederbayerischen Bauernverbandes Albert Schallmoser gegen die »Agro-Gentechnik als neue Leibeigenschaft für die Landwirtschaft« und damit gegen die falsche Politik der Spitze des Bauernverbandes aus. Gerade Bayerns Landwirtschaft kann nur mit Qualitätslebensmitteln ohne Genmanipulation auf den Weltmärkten bestehen. Dies allein sichert die Artenvielfalt unserer Kulturlandschaft. Erste Erfolge sind schon zu verzeichnen (ab Seite 8). Auch die Auseinandersetzung um die frei fließende Donau geht in eine neue Runde. Mit dem Raumordnungsgutachten für eine Staustufe mit Durchstichkanal im ökologischen Herzstück »Mühlhamer Schleife« will der bayerische Wirtschaftsminister Erwin Huber die Bundes-SPD und ihren Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee zwingen, der Zerstörung des »bayerischen Amazonas« zuzustimmen. Das kann nicht sein! Die SPD darf den längst widerlegten Argumenten der Kanal-Lobby nicht auf den Leim gehen. Hunderte von Millionen Euro Steuergelder würden sinnlos »vergraben«. Sie selbst können einen persönlichen Beitrag zur Rettung der Donau leisten, wenn Sie an Christi Himmelfahrt, 25. Mai, zur Kundgebung gegen die Kanalisierung nach Niederalteich kommen (Seite 26). Nur wenn sich die Menschen schützend vor sie stellen, wird unsere herrliche Donaulandschaft erhalten. Ihr Prof. Dr. Hubert Weiger, Vorsitzender des BN Ihre Doris Tropper, stv. Vorsitzende des BN Ihr Sebastian Schönauer, stv. Vorsitzender des BN

Bayern gentechnikfrei

Inhalt

Gegenwind für die Gentechnik-Lobby. In ganz Bayern protestieren Natur- und Verbraucherschützer, Bauern, Imker und Kirchenvertreter, um Gentechnik von Tellern und Feldern fernzuhalten. Ab Seite 8

Begeisterung, die ansteckt Ute Jahn aus Weilheim-Schongau gehen die Ideen nie aus, wenn sie Kinder an die Faszination der Natur heranführt. Seite 7

Ein Erbe, das fortwirkt Ihre Villa am Ammersee hat Berta Habersack vor vielen Jahren dem Bund Naturschutz hinterlassen. Frisch renoviert, ist das Haus heute ein Paradies für Kinder und Erwachsene. Seite 18

Eine Aktion, die provoziert Die Jugendorganisation Bund Naturschutz lässt in Grafenrheinfeld ein AKW »in die Luft gehen«. E.ON schimpft, die Medien berichten, das Thema Atomgefahr erfährt neue Aufmerksamkeit. Seite 20 Foto: Roggenthin

EDITOR IAL

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Ein Skandal, der nicht überrascht Die Regierung von Niederbayern spricht sich für DonauStaustufe und Schleusenkanal aus. Ein vorhersehbarer Kniefall vor der Kanal-Lobby. Seite 26

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Intern 4 Service-Team 6 Leserbriefe Portrait 7 Ute Jahn Titelthema 8 Gentechnikfreies Bayern 10 Profite, Pollen und Proteste 11 Regionen Europa 13 Regionen Bayern 14 Parteien nehmen Stellung 15 Gefahren für die Gesundheit 16 Claus Hipp 17 Bleiben Sie »gentechnikfrei« Intern 18 Der Schatz am Ammersee Fotoseite 19 Hornissen Die junge Seite 20 AKW in die Luft Aktuell 22 JBN 30 Jahre 23 Wärmedämmung 24 Kurznachrichten 26 Donau-Skandal 27 Planvereinfachung Ratgeber 28 Öko-Reisen Regional 30 Nationalpark statt Skilift 31 Niederbayern 32 Mittelfranken 33 Oberfranken 34 Oberpfalz 35 Oberbayern 36 Unterfranken 37 Schwaben Bildung 38 Wildsein erlaubt 39 Termine


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Foto: Ciecior

Foto: PixelQuelle.de

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Foto: Günter

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Ehrung für Klaus Mandery Im Rahmen des Nordbayerischen Naturschutztages, den der Bund Naturschutz am 25. März im unterfränkischen Ebern veranstaltete, erhielt Dr. Klaus Mandery, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Haßberge, die Bayerische Naturschutzmedaille. BN-Landesvorsitzender Prof. Hubert Weiger, der die Laudatio hielt, lobte Mandery als einen »hoch geschätzten Artenschutzfachmann und begeisterungsfähigen Naturliebhaber, engagierten Streiter mit gesundem Augenmaß sowie kreativen Ideengeber und unermüdlichen Organisator.« Mandery könne immer wieder auf’s Neue ehrenwie hauptamtliche Mitarbeiter motivieren, sich aber auch ehrlich mit ihnen über ihre Erfolge freuen. Der bayernweit gefragte Fachmann für Wildbienen konnte 1987 sogar die bis dahin als verschollen geltende Sandbiene »Andrena sericata« wieder entdecken – bis heute das einzige bekannte Vorkommen dieser Art in ganz Deutschland. Die Grabwespe »Psen exearatus« wies Mandery erstmals für Bayern in den Muggenbacher Tongruben nach. Aufgrund dieser Entdeckung konnte die Errichtung einer Reststoffdeponie verhindert und die Ausweisung als Naturschutzgebiet – heute im Besitz des BN – erreicht werden. Natürlich war Mandery auf dem Naturschutztag auch als Referent aktiv. Im Rahmen des Tagungsthemas »Bayerns Schönheit bewahren – Kulturlandschaften auf der Kippe?« sprach er darüber, wie sich Veränderungen der Kulturlandschaft auf die Tierwelt auswirken. Interessante Beiträge steuerten

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Wir sind für Sie da 168.000 Mitglieder zählt der Bund Naturschutz. Was auf der einen Seite den Verband stark macht, bedeutet an anderer Stelle eine große Herausforderung, nämlich für die Mitarbeiterinnen der Mitgliederverwaltung. Bei so vielen Mitgliedern und Förderern vergeht natürlich kein Tag, an dem nicht eine Vielzahl an Wünschen und Anliegen an Kerstin Schmidmeister, Katharina Scharf, Magdalena Gebhardt und Ursula Leipold herangetragen werden. Die vier Damen, unterstützt von ihrem Chef Hermann Mulitze, Leiter der Finanzbuchhaltung und Mitgliederverwaltung, sehen sich als ServiceTeam für die Mitglieder und erledigen alle Anliegen so schnell wie möglich. Da gilt es, neu beigetretene Mitglieder schnell in der EDV zu erfassen und ihnen ein Begrüßungspaket mit dem Mitgliedsausweis zuzusenden. Jedes neue Mitglied hat ja das Recht, ab Beitritt in den Genuss der Serviceleistungen des BN zu kommen, sei es die Zusendung der »Natur+Umwelt«, vergünstigte Reiseangebote der BN Service GmbH

auch Dr. Thomas Gunzelmann vom Landesamt für Denkmalpflege und Martin Wölzmüller vom Landesverein für Heimatpflege bei. Welche neuen Gefahren die Agro-Gentechnik für Kulturlandschaft und Artenvielfalt bringe, verdeutlichte in seinem Referat BN-Vorsitzender Hubert Weiger.

Service-Team Adresse geändert? Neue Kontoverbindung? Magazin nicht bekommen? Das Service-Team der BN-Mitgliederverwaltung steht für Ihre Fragen gerne zur Verfügung. Von links: Magdalena Gebhardt, Katharina Scharf, Ursula Leipold, Kerstin Schmidmeister, hinten Hermann Mulitze.

oder die vielfältigen Bildungs- und Erlebnisangebote. Weniger erfreulich, aber ebenso notwendig ist es, auf Austritte zügig zu reagieren. Jedes Mitglied zählt, deshalb ist der BN interessiert an Kündigungsgründen, bietet Gespräche über mögliche Probleme an und stellt, wenn diese in finanziellen Engpässen bestehen, auch eine vorübergehende Beitragsfreiheit in Aussicht. Neben dem direkten Kontakt mit den Mitgliedern kümmert sich Hermann Mulitze mit seinem Team auch um eine reibungslose Zusammenarbeit mit der Finanzbuchhaltung; jeder Euro soll so schnell wie möglich für die Projekte des BN zur Verfügung stehen und so der Natur helfen. Mit Auswertungen und Statistiken stellt die Mitgliederverwaltung der Verbandsführung wichtige Hilfsmittel für ihre Entscheidungen zur Verfügung. Die Kreis- und Ortsgruppen schließlich benötigen ständig aktualisierte Verzeichnisse ihrer Mitglieder, damit beispielsweise Einladungen zu örtlichen Veranstaltungen jeden Interessenten erreichen.


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Foto: Schultheiß

Foto: Markl-Meider

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BN jetzt »Bauer«

Ulf Zeidler ist 70

Seit Januar 2006 ist der Bund

Ulf Zeidler, seit vielen Jahren Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Bad Kissingen und Sprecher des landesweiten BN-Arbeitskreises Artenschutz, feierte am 5. März seinen siebzigsten Geburtstag. Die herzlichen Glückwünsche und den Dank des BN-Landesverbandes überbrachten Landesvorsitzender Prof. Hubert Weiger und Artenschutz-Referent Dr. Kai Frobel. Sie ehrten damit einen Aktiven, der als Mann der Praxis selbst die gesamte Bandbreite des praktischen Naturschutzes beherrsche: von der Anlage eines Amphibientümpels über die Kartierung bis zum Kauf wertvoller Flächen. In seiner Laudatio stellte Weiger denn auch den engagierten Artenschützer Zeidler in den Mittelpunkt. Er habe es mit seiner ansteckenden Begeisterung geschafft, dass seine Kreisgruppe mit die meisten aktiven Artenschützer und mit das beste Exkursionsangebot landesweit zu bieten habe. Gemäß der simplen Wahrheit, dass man nur schütze, was man kenne, führe Zeidler mit den Aktiven seiner Kreisgruppe die Menschen heran an die Schönheiten ihrer Heimat. Dass ausgerechnet Truppenübungsplätze große Bedeutung für den Naturschutz haben, liegt nicht auf der Hand. Es war Ulf Zeidler, der in Deutschland als erster erkannte, wie toll sich die Natur auf diesen großen, ungedüngten Flächen entwickeln kann. In der Vereinbarung der großen Koalition werden jetzt 125 000 Hektar Bundesflächen kostenlos für Naturschutzzwecke bereitgestellt. Laut Hubert Weiger ein großartiger Erfolg, zu dessen Vätern Ulf Zeidler gehöre.

Naturschutz als landwirtschaftlicher Betrieb anerkannt und hat damit Anrecht auf EU-Fördermittel, die er für Schutz und Pflege wertvoller Flächen einsetzen kann. Immerhin über 400 Einzelflächen mit circa 250 Hektar gehören dem Naturschutzverband und werden von seinen Kreis- und Ortsgruppen landwirtschaftlich genutzt, zum Beispiel als Feuchtwiesen oder Streuobstbestände. Damit stehen dem BN die neuen EU-Prämien für artenreiches Grünland zu. Zum Hintergrund: Schon seit mehr als zwei Jahrzehnten setzt sich der BN für eine ökologisch und sozial gerechte Verteilung der landwirtschaftlichen Fördermittel ein. Landwirte, die besondere Leistungen für Naturschutz und Artenvielfalt erbringen und ihr Grünland extensiv nutzen, sollten gegenüber großen Ackerbaubetrieben nicht benachteiligt werden. Die EUAgrarreform von 2005 bedeutete hier einen Teilerfolg, denn künftig gibt es für Grünlandbewirtschaftung erstmals Ausgleichszahlungen. Allerdings bedeutet jeder Prämienantrag einen sehr hohen bürokratischen Aufwand, beispielsweise wird jede einzelne Baumreihe und Hecke akribisch berechnet und vor Ort überprüft. Für den Bund Naturschutz machten sich Agrarreferentin Marion Ruppaner und Liegenschaftsreferent Stefan Maurer (siehe Bild) diese Mühe. Sie sicherten dem Verband damit Prämienzahlungen in Höhe von heuer circa 50 000 Euro, die nun für die fachgerechte Pflege der BN-Flächen zur Verfügung stehen.

Böfflamott – Rezepte aus dem Dorfladen Der gute alte Kramerladen ist ein Stück Heimatkultur und Lebensqualität, durch neue LebensmittelDiscounter in keiner Weise zu ersetzen. Das zeigen die beiden Autorinnen Gertrud Scherf (im Bild rechts, aktiv im BN) und Anneliese Eggerstorfer in ihrem neu erschienenen Buch »Böfflamott und Hollerkoch«. Im Mittelpunkt steht der Gemischtwarenladen Eggerstorfer im niederbayerischen Gergweis im unteren Vilstal. Hier kaufte man von jeher nicht nur ein und erzählte sich Neuigkeiten, hier tauschte man auch Kochrezepte aus. Aus diesen Rezepten und den damit verbundenen Geschichten ist nun das Buch entstanden. Es belegt, dass Kochkunst früher bedeutete, mit regionalen Zutaten in kurzer Zeit ein schmackhaftes, an den Jahreszeiten orientiertes Essen auf den Tisch zu bringen. »Böfflamott und Hollerkoch« ist allerdings mehr als ein Kochbuch. Die Autorinnen haben es gewürzt mit allerlei kulturgeschichtlichen Hinweisen und ergänzt mit einem Vorspann über das fast ausgestorbene Phänomen des Dorfladens. Das macht das Werk zur profunden Quelle für Volkskundler und Nahrungsforscher. Doch auch wer sich gleich auf eines der leckeren Rezepte stürzt und zu kochen beginnt, macht nichts falsch. Wie wärs mit Hasenöhrl oder Krautknödl, Erdäpfelbratl oder Reinfleck? Zu bestellen im Nationalparkladen der BN Service GmbH, Tel. 0 85 5897 34 04, Fax 0 85 58-97 34 05, info@nationalpark-laden.de

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Zum Beitrag »Wo Unvernunft regiert« in N+U 1-06 Beim Lesen des Artikels dachte ich daran, Herrn Seehofer eine Karte zu schreiben, weil ich gentechnik-freie Lebensmittel haben will. Ich war erstaunt, als ich am Ende des Magazins bereits diese Karte fand. Danke dafür. Haben sie noch mehr von diesen Karten? Sie sehen so schön giftig aus. Anita Dahl, Dachau Jetzt bestellen! Wir haben die Karte an Bundesminister Seehofer auch in dieser Ausgabe beigeheftet. Wer Mehrexemplare zum Verteilen will, bestellt diese bei der BN Service GmbH, Tel. 0 91 23-9 99 57-20, Fax -99, info@service.bund-naturschutz.de.

Schreiben Sie uns! Leserbriefe kommen bei uns gut an: BN-Magazin »Natur+Umwelt«, Dr.-JohannMaier-Str. 4, 93049 Regensburg, Tel. 09 41-2 97 20 22, Fax 2 97 20 31, nu@bundnaturschutz.de

Kinder sind besonders gefährdet! Zum Beitrag »Macht mein Telefon mich krank?« in N+U 1-06 Sehr gut an Ihrem Artikel fand ich den deutlichen Hinweis, dass auch von schnurlosen Festnetz-Telefonen nach dem verbreiteten DECTStandard Gefahren für die Benutzer ausgehen. Immer noch ist das Wissen um die möglichen Schäden, die von verschiedenen mobilen Kommunikationsmöglichkeiten – neben Handy und DECT-Telefon, Babyphon, WLAN auch kabellose Peripherie-Geräte wie Kopfhörer, Boxen, Tastaturen, Computer-Mäuse – ausgehen, zu gering. Schon vor Jahren empfahl der Stewart-Report der »British Independent Expert Group on Mobile Phones« einen vorsichtigen Umgang mit Mobiltelefonen – vor allem bei Kindern. Sie sollten unter 16 Jahren demnach Mobiltelefone nur in Notsituationen benutzen. Anregen möchte ich, dass der Bund Naturschutz die Strahlung in vollen Schulbussen messen lässt, denn dort ist mit einer sehr hohen Sendeleistung zahlreicher Handys zu rechnen. Fridolin Dehn, Goldbach Danken möchte ich dem Bund Naturschutz, dass er sich dieses Themas angenommen hat. Die Mobilfunklobby weist kritische Studien zurück und erklärt, es gebe noch Forschungsbedarf. In der Zwischenzeit wird das Mobilfunknetz munter ausgebaut. Leif Salford von der Uni Lund in Schweden hat schon vor 25 Jahren Effekte der Mobilfunkstrahlung beschrieben: Eiweißmoleküle im Gehirn hindern normalerweise Giftstoffe daran, in Gehirnzellen einzudringen. Diese

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Foto: Voller Ernst/Volland

Postkarte gegen die Unvernunft

»Blut-Hirn-Schranke« wird schon bei einem Zwanzigtausendstel des geltenden Grenzwertes durch hochfrequente Strahlen so verändert, dass Giftstoffe die Barriere überwinden können. Eine weitere SalfordStudie vor drei Jahren identifiziert Handy-Strahlung eindeutig als Ursache von Hirnzellenschäden. Schon nach zweistündiger Bestrahlung mit einem handelsüblichen Handy ist die Öffnung der Blut-HirnSchranke noch nach 50 Tagen nachweisbar. Geschädigte, krankhafte Hirnzellen sind unter dem Mikroskop sichtbar. Bernhard Schmitt, Aschaffenburg Die Grenzwerte für Mobilfunkstrahlung in Deutschland sind reine Spekulation, schützen nur vor Erwärmung und basieren auf einer Belastung von nur sechs Minuten und nicht auf Langzeituntersuchungen. Die macht man erst jetzt – an uns allen! Ich kann von zwei Fällen berichten, wo nach dem Abschalten des DECT-Telefons Kinder erstmals durchschliefen. Als Mutter von zwei Kindern frage ich mich, wie lange unsere Bundesregierung noch zusehen will, wie unzählige Menschen leiden, ohne zu wissen, dass die Ursache vielleicht hausgemacht ist. Elke Fertig, Aschaffenburg Auch ich sah mich mit meinem Mann nach unserem Umzug mit mehreren Handymasten auf Dächern unserer Nachbarn konfrontiert. Bereits nach den ersten Monaten unseres Einzugs stellten sich bei uns Symptome ein. Schlafstörungen, starke Kopfschmerzen, Tinnitus, Ohrdruck, geringes Konzentrationsvermögen, Aufmerksamkeitsdefezite, Benommenheit, Energielosigkeit, ein Gefühl krank zu sein. Messungen in unserer Wohnung folgten, die Ergebnisse waren – leider – erschreckend hoch. Erschreckend hoch heißt aber noch lange nicht, dass sie sich nur im entferntesten in der Nähe des

gesetzlichen Grenzwertes bewegen würden. Zum Vergleich: Werte in unserem Schlafzimmer 1000 – 2000 MikroWatt pro Quadratmeter, gesetzlicher Grenzwert circa eine Million MikroWatt pro Quadratmeter! Baubiologen und Ärzte wie die genannte Dr. Waldmann-Selsam gehen davon aus, dass bereits ab 10 MikroWatt pro Quadratmeter der Mensch mit Symptomen reagiert. Unsere Geschichte endete mit dem Auszug aus dieser Wohnung in eine strahlungsfreie Wohngegend. Seither geht es uns wieder gut. Leider kann es jede und jeden treffen, denn UMTS-Masten sollen bald alle 300 Meter stehen! Wer schützt uns und unser Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit? Cornelia Liebich, Aschaffenburg

Luxus-Öko-Steuer Zum Leserbrief »Steuer erhöhen« in N+U 1-06 Was würde denn eine KFZ-Ökosteuer bewirken? Doch nur wieder mal eine Mehrbelastung für alle, die auf’s Auto angewiesen sind. Ich bin der Meinung, dass jemand, der sich eine 500-PS-Kiste leisten kann und vielleicht noch ein paar andere PKW hat, mit einer erheblichen zusätzlichen Luxus-Öko-Steuer belastet werden sollte. Und nicht jemand, der mit einem Kleinwagen zur Arbeit fahren muss. Pia Windfelder, Steinach

Schöpfung ohne Schöpfer? Ich habe die Zeitschrift »Natur+ Umwelt« wieder von vorne bis hinten ausgelesen, da ich ein Naturund Tierliebhaber bin. Aber was mir nicht gefällt, ist, dass kein einziges Wort von Gott, dem Schöpfer des Himmels und der Erde, zu lesen ist. Seid Ihr, die Ihr doch in Gottes Natur lebt und arbeitet, auch schon der Meinung, dass alles ohne Gott existieren kann? Therese Schmid, Neumarkt

Foto: MEV/Holzmann

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as Büro von Ute Jahn ist der Wald. Oder die Wiese. Oder der Feldweg. Wenn sie hier vor dem Panorama des Ammergebirges joggt, wandert oder einfach still dasteht, dann wachsen und gedeihen in ihrem Kopf die besten Ideen. Zum Beispiel für die nächsten Treffen der von ihr betreuten NaturerlebnisGruppen. Ute Jahn, 39, die mit ihrer Familie im oberbayerischen Wildsteig lebt, ist Biologin und Naturpädagogin. Sie gehört zu einer Gruppe von elf Aktiven im Weilheim-Schongauer Bund Naturschutz, die neue Wege in der Umweltbildung gehen. Sie bieten »Kunst mit und in der Natur«, »Moorgeister-Begegnungen« oder »Wind-und-Wetter-Wanderungen« und haben ihre

Will Sinne wecken Ute Jahn geht mit der BN-Kreisgruppe Weilheim-Schongau neue Wege, um Kinder für die Natur zu begeistern.

Neue Welten vor der Haustür Inzwischen konnte die emsige Naturerzieherin in Zusammenarbeit mit Gleichgesinnten im Landkreis eine ganze Reihe von Ideen und Initiativen auf den Weg bringen, damit die Kinder unmittelbar vor Ort »das Wunderbare« entdecken können. Aus ihrem Engagement sind zwei Naturerlebnis-Kindergruppen, ein privater Wald-Kindergarten und weitere umweltpädagogische Angebote für Kindergärten entstanden. Oft begeistern die Themen sogar die Eltern so sehr, dass sie am liebsten selbst mitmachen wollen – und natürlich auch dürfen. »Entscheidend ist es«, so weiß Ute Jahn, »die Liebe zur Natur, die von dir selbst gelebt wird, auf die Kinder

Ute Jahn

Foto: Markl-Meider

Die Wald- und Wiesenpädagogin

ganz unterschiedlichen Projekte unter dem Titel »Natur-Erlebnistouren« zu einem gemeinsamen Jahresprogramm »für Kinder, Jugendliche und Senioren« zusammengefasst. Weil das Angebot in Bayern seinesgleichen sucht, wird es – allerdings nur für maximal zwei Jahre – vom bayerischen Umweltfonds gefördert.

Naturschutz lebt von papiernen Programmen und komplizierten Konzepten? Nicht bei Ute Jahn. Die Öko-Pädagogin aus Weilheim-Schongau hält den ihr anvertrauten Kindern kein Buch unter die Nase, sondern eine Blume. »Meine Umweltbildung«, sagt sie, »kann man riechen, spüren und schmecken.« Ein Portrait von Christoph Markl-Meider

zu übertragen.« Deshalb begleitet sie diese durch die Jahreszeiten, um »mit Hummeln zu bummeln«, »mit Bäumen zu träumen«, »mit Wasser was zu erleben« oder »drei Haselnüsse fürs Eichhörnchen« zu sammeln. »Am schönsten ist es«, erzählt sie, »wenn dabei Begeisterung entsteht. Wie im letzten Jahr bei unserer Bachwanderung, als wir halb durch die Wiesen geschwommen sind.«

Mit Hummeln bummeln Wenn Moorgeister begeistern Dabei ist es eine simple Idee, die als pädagogisches Konzept hinter der Initiative der BN-Kreisgruppe steckt. Sie kommt am besten in einem Satz der amerikanischen Umweltpionierin Rachel Carson zum Ausdruck: »Wenn ein Kind seinen angeborenen Sinn für Wunder lebendig halten soll, braucht es die Gesellschaft wenigstens eines Erwachsenen, dem es sich mitteilen kann, der mit dem Kind zusammen die Freude, die Aufregung und das Wunderbare der Welt, in der wir leben, wiederentdeckt.« Die Frage, wer unsere Kinder heute auf diese Weise in die Natur, Heimat und (Um-)Welt begleitet, spielt für das ökopädagogische Verständnis von Ute Jahn eine entscheidende Rolle. Noch immer ist ihr in lebhafter Erinnerung, dass sie als »Zuzüglerin« einigen Kindern aus dem Dorf beibringen musste, welche Farbe der Enzian auf den Wiesen vor dem Haus hat.

Sie will alle Sinne anregen, ungeahnte Spielräume bieten und elementaren Forschergeist wecken. Um Letzteres zu unterstützen, kauft sie jetzt eigens mit Akkus ausgestattete Binokulare, die den Kindern bisher nicht gesehene Welten eröffnen sollen. Doch auch den Horizont der eigenen Arbeit zu erweitern, ist ihr wichtig. Von jedem ihrer Ausflüge bringt sie einen ganzen Strauß an frischen Einfällen mit. Zuletzt hat sie dabei den Plan entwickelt, dass die Kinder im Dorf eine Blumenwiese pflegen, betreuen und beobachten könnten. »Jetzt«, so freut sich die leidenschaftliche Naturliebhaberin, »hat mir unser Bürgermeister dafür ein Grundstück von fast 2000 Quadratmetern Größe in Aussicht gestellt.« 2000 Quadratmeter mehr, auf denen Ute Jahn mit ihren Kindern »die Freude, die Aufregung und das Wunderbare der Welt« wiederentdecken kann.

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Kontakt Mehr zu den »Weilheim-Schongauer Erlebnistouren« erfahren Sie von der BN-Kreisgruppe Weilheim-Schongau, Hofstraße 6, 82362 Weilheim, Tel. 08 81-29 95, Fax 08 81-9 27 83 45, bn.weilheim@ t-online.de, www.weilheimschongau.bundnaturschutz.de


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Foto: BN

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Im ganzen Land stehen die Menschen auf

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Ingolstadt

Foto: BN

Coburg Foto: Roggenthin

Hof

Wolfratshausen

Ingolstadt

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Foto: Roggenthin

Foto: BN

F端r ein gentechnikfreies Bayern


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Foto: BN

Wolfratshausen

Bamberg Foto: BN

Foto: Hermsdorf

Main-Spessart

Ingolstadt

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Blabla … Gentechnik auf unseren Feldern ist nicht mehr aufzuhalten … wir essen längst Gentechnik, ohne es zu wissen … blabla … ohne Gentechnik verpassen wir die Zukunft … Gentechnik ist umweltfreundlich und schafft Arbeitsplätze … blabla … Gentechnik vermindert den Hunger auf der Welt … blabla. So werden wir für dumm verkauft. Die Wahrheit sieht anders aus: Agro-Gentechnik ist ein Bereicherungsinstrument weniger Konzerne, das diese gegen den Willen der Menschen durchdrücken wollen. Und dabei von einigen Politikern unterstützt werden. Agro-Gentechnik ist teuer, riskant, umweltschädlich und überflüssig. Der Anbau genmanipulierter Pflanzen beschränkt sich weltweit im Wesentlichen auf fünf Länder, Europa ist fast gentechnikfrei. Überall wächst der Widerstand. Gerade in Bayern zeigen die heftigen Proteste der letzten Wochen, getragen von konventionellen wie ökologischen Bauern, von Naturschützern und Verbrauchern, Kirchenvertretern und Imkern, auf welch heftigen Widerstand die Gentechnik-Lobby stößt. Überall im Land gehen die Menschen auf die Straße und weisen Bauern gentechnikfreie Regionen aus. Gemeinsam haben wir noch alle Chancen, die Gentechnik von unseren Feldern und unseren Tellern fernzuhalten. (göß)

Foto: Roggenthin

Wien

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Passau


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Im ganzen Land stehen die Menschen auf

Coburg

Bund Naturschutz kämpft für Schutz von Kulturlandschaft und Artenvielfalt

Bayern muss gentechnikfrei bleiben Gentechnik bringt Probleme für viele und viel Geld für wenige. Gentechnik verspricht alles und hält so gut wie nichts. Gentechnik wird von vielen gefördert, aber von niemandem gebraucht. Hubert Weiger und Marion Ruppaner über Profite, Pollen und Proteste

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n Europa will es den Produzenten der Agro-Gentechnik nicht recht gelingen, ihre Produkte an den Mann und an die Frau zu bringen. Hauptgrund für das vorläufige Scheitern der Genfood-Konzerne ist die Ablehnung von Genfood und Genpflanzen durch die große Mehrheit der Bevölkerung und der Landwirte. Naturund Verbraucherschützer setzen der Gentech-Lobby heftigen Widerstand entgegen. In Bayern setzt sich der Bund Naturschutz seit über zehn Jahren erfolgreich für die Sicherung der gentechnikfreien Lebensmittelproduktion ein (Seite 17). Meilensteine waren das Volksbegehren »Garantiert gentechnikfrei aus Bayern« und die jahrelangen erfolgreichen Proteste gegen Freisetzungsversuche. Doch jetzt scheint sich die Politik nicht mehr um den Willen der Verbraucher zu scheren. 2004 hob die EU – vom BN heftig kritisiert – das Moratorium gegen den Anbau genmanipulierter Pflanzen auf. Und seit diesem Frühjahr ist deren kommerzieller Anbau erstmals auch in Deutschland und Bayern möglich: Fünf Sorten von gentechnisch verändertem, insektengiftigem Mais dürfen ab April ganz legal ausgesät werden. In Bayern sind bislang allerdings lediglich zehn Hektar Anbau vorgesehen – geplant waren ursprünglich 40. Der BN setzt sich dafür ein, dass es bei diesem Defacto-Anbauverzicht bleibt, und vertritt damit die Interessen von Verbrauchern und Landwirten.

Koexistenz ist unmöglich Verbraucher lehnen genmanipuliertes Essen – in England als »Frankenstein Food« verpönt, wegen der Gefahren für Mensch und Umwelt ab. Die Risiken sind weder ausreichend erforscht noch abschätzbar (Seite 15). Mit gutem Grund schließt der Bundesverband der deutschen Haftplichtversicherungen eine Versicherung von Schäden infolge Gentechnikanbaus aus; er hält die Gefahren für nicht kalkulierbar.

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Bamberg

München In unserer kleinstukturierten mitteleuropäischen Kulturlandschaft würde Gentechnik zur weiteren Ausräumung und Verarmung der Feldfluren führen. Durch den Anbau genmanipulierter Pflanzen, die als einzige auf dem Feld das Spritzen mit Unkrautvernichtungsmitteln überleben, würde der vermehrte Einsatz dieser Herbizide drohen; dies ist in den USA bereits der Fall. Insektengifte, produziert von genmanipulierten Pflanzen, machen keinen Unterschied zwischen »Schädlingen« und Nützlingen, wie zum Beispiel Florfliegen. Ein Miteinander von Gentechnikanbau und gentechnikfreier Landwirtschaft ist gerade bei unserer kleinräumigen Agrarstruktur nicht möglich. Denn einmal freigesetzt, lassen sich die Pollen genmanipulierter Pflanzen nicht mehr zurückholen. Deren Eigenschaften können auf die gentechnikfreien Kulturpflanzen übertragen werden, insektengiftiger Maispollen zum Beispiel auf Zuckermais in jedermanns Garten. Bei Raps wären die Auswirkungen noch viel weitreichender, da er auch auswildert und überwintert und sein Pollen auf viele heimische Wildpflanzen der Artenfamilie der Kreuzblütler übertragen werden kann, etwa Senf, Hederich und alle Kohlarten.

Wer Gentechnik sät, erntet Probleme Überall in der Welt, wo Landwirte Gentechnik aussäen, ernten sie große Probleme für sich und die Umwelt. In den USA hat der Anbau genmanipulierter Sojabohnen zu einem höheren Einsatz giftiger Unkrautvernichtungsmittel geführt (Benbrook; www.biotech-info.net/). Amerikanische Farmer werden von den Gentech-Konzernen wie Monsanto ausspioniert und mit Prozessen überzogen; sie verlieren teilweise ihre Existenzgrundlagen. Denn die Auskreuzung der genmanipulierten Sorten lässt sich nicht verhindern, auch auf ausgekreuzte Pflanzen aber hat Monsanto in den USA das Patentrecht! Farmer müssen also für Gentechnikanbau zahlen, den sie gar nicht wollen. In Argentinien fördert der intensive Anbau genmanipulierter Sojabohnen die Abholzung der Regenwälder.

Ladenhüter Gentechnik Den Kampf gegen den Hunger in der Welt, beliebtes Alibi-Argument der Gentech-Lobby, hat die Genmanipulation auch nicht vorangebracht. Im Gegenteil, in Indien führt Gentechnikanbau zum Ruin der kleinbäuerlichen Landwirtschaft und Subsistenz-Produktion und stößt deshalb auf immer größeren Widerstand. Hat sich die Gentechnik trotz all dieser Nachteile weltweit durchgesetzt? Keineswegs, hochgerechnet auf alle landwirtschaftlichen Nutzflächen der Welt nimmt der Gentechnikanbau mit 1,8 Prozent erst einen ver-


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Schweinfurt

Gentechnikfreie Regionen in der EU

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Europaweit haben 160 Regionen (Bundesländer, Departements, Woiwodschaften etc.), tausende von Gemeinden und Kreisen und zigtausende von Bauern ihr Land zur gentechnikfreien Zone erklärt. Nennenswerten Gentechnik-Anbau betreiben in Europa nur Spanien und Rumänien.

Quelle: www.gmo-free-europe.org | Stand Januar 2006

eutschland ist umgeben von gentechnikfreien Regionen. In Frankreich, Polen, Italien und Österreich umfasst der freiwillig erklärte Anbauverzicht fast die gesamten Landesflächen. In der Schweiz haben die Bürger sogar in einem Volksentscheid der Agro-Gentechnik die kalte Schulter gezeigt.

1,8 % Gentechnik-Anbau Gentechnikfreier Anbau, weltweit

     

davon USA 55,3 % Argentinien 19,0 % Brasilien 10,4 % Kanada 6,4 % China 3,7 % Rest 5,2 %

Gentechnik weltweit Zwar findet weltweit nach Angaben der Industrie auf 90 Millionen Hektar Gentechnik-Anbau statt (Stand 2005). Im Vergleich zur gesamten landwirtschaftlichen Fläche (inklusive Grünland) sind das aber gerade einmal 1,8 Prozent. Und die verteilen sich im Wesentlichen auf fünf Länder, neun von zehn Gentech-Hektar liegen in Nord- und Süd-Amerika. Und 99 Prozent der Anbaufläche entfällt auf nur vier Pflanzen, 60 Prozent allein auf Soja, der Rest auf Mais, Baumwolle und Raps.

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Im ganzen Land stehen die Menschen auf schwindend geringen Anteil ein. Weltweit kommen genmanipulierte Pflanzen im Wesentlichen lediglich als Futter – Soja oder Mais – und in der Baumwollproduktion zum Einsatz.

Foto: Dotterweich

Foto: Roggenthin

Gen-Bauern sollen haften …

Die Autoren Prof. Dr. Hubert Weiger ist 1. Vorsitzender des BN; im oberen Bild auf einer AntiGentechnik-Kundgebung in Ingolstadt. Marion Ruppaner ist Agrarreferentin des BN; im Bild (rechts) auf einer Presseveranstaltung zur Gentechnik in Forchheim.

Bei der Novellierung des deutschen Gentechnikgesetzes wurde im Februar 2005 eine gesamtschuldnerische, verschuldensunabhängige Haftungsregelung eingeführt. Demnach müssen alle Gentechnikanbauer in einer Region für Schäden eines gentechnikfrei produzierenden Landwirtes haften, wenn nicht zweifelsfrei geklärt werden kann, wer der Verursacher der Kontamination ist. Ermittelt werden können die potenziellen Verursacher durch das öffentlich zugängliche Standortregister des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (www.bvl.bund.de). In diesem muss drei Monate vor einer Aussaat der geplante Anbau genmanipulierter Pflanzen bekannt gegeben werden. Der betroffene Landwirt kann dann seinen Schaden gerichtlich einklagen. Aufgrund heftiger Proteste von Nachbarbauern, Verbrauchern und Umweltverbänden, wie zum Beispiel des BN, wurde in diesem Register der Großteil der ursprünglich in Bayern für 2006 gemeldeten Flächen wieder zurückgezogen – über 22 Hektar im Landkreis Deggendorf, vier Hektar in Landshut, drei Hektar in Freising und Erding sowie knapp sieben Hektar in Amberg. Die benachbarten Landwirte und Imker bangten um ihre Lieferverträge für gentechnikfreien Vertragsanbau.

… nicht der Steuerzahler! Ginge es nach den Wünschen von CDU/CSU, beziehungsweise von Verbraucherschutzminister Seehofer, dann sollte statt der gesamtschuldnerischen Haftung ein Haftungsfonds eingerichtet und damit das Verursacherprinip ausgehebelt werden. Im Gespräch sind auch immer wieder Steuergelder zur Finanzierung dieses Fonds. Ein breites Bündnis aus Verbraucher-, Umwelt- und Landwirte-Organisationen sowie Kirchenvertretern lehnt jedoch diese geplante Regelung zugunsten der Gentechnikkonzerne entschieden ab. Wer an der Gentechnik verdienen will, muss auch für die Schäden aufkommen, fordert der BN. Außerdem wehren sich die Verbände gegen eine Gesetzesänderung mit dem Ziel, die Angaben im Standortregister über den exakten Anbauort zu streichen.

Fotos: BN

Nürnberg

Breites Bündnis gegen Gentechnik Auch die großen Lebensmittelerzeuger in Deutschland und Europa setzen auf gentechnikfreie Ware. Claus Hipp, größter Hersteller von Babykost in Bayern, droht mit dem ausschließlichen Bezug seiner Rohstoffe aus dem Ausland, falls die gentechnikfreie Produktion in Deutschland nicht gesichert werden kann (Interview auf Seite 16). Alle Politiker versprechen den Verbrauchern die freie Entscheidung für oder gegen Genfood (Seite 14). Doch eine echte Wahlfreiheit kann es nur geben, wenn diese naturfeindliche Risikotechnologie generell verhindert wird. Die größte Chance dazu bietet die Ausweisung gentechnikfreier Regionen. In Bayern gibt es davon inzwischen schon über 30 (Karte rechte Seite). Sie sind bisher allerdings rechtlich nicht verbindlich. Deswegen setzt sich der Bund Naturschutz mit Nachdruck für ein gesetzlich abgesichertes Selbstbestimmungsrecht von Gemeinden, Regionen und europäischen Staaten ein, ihre Flächen für gentechnikfrei zu erklären. Bei einer großen Kundgebung in Wien anlässlich einer EU-Tagung zur Koexistenz zeigte auch der BN Flagge (Foto Seite 9). Weitere Forderungen des BN sind ein »Reinheitsgebot« für Saatgut, damit nicht schon bei der Aussaat unbemerkt – aber von den Gentech-Konzernen vielleicht gerne gesehen – eine Ausbreitung genmanipulierter Pflanzen in Deutschland und Europa stattfinden kann. Hier muss die Nachweisgrenze, also der technisch machbare Nullwert, baldmöglichst gesetzlich festgeschrieben werden, um die rechtliche Einklagbarkeit gegenüber den Verursachern dauerhaft zu sichern.

Der BN fordert  dass das Moratorium für die Zulassung gentechnisch veränderter Pflanzen in der EU wiederhergestelt wird,  dass auch Milch, Fleisch und Eier von Tieren, die mit genmanipuliertem Futter ernährt wurden, kennzeichnungspflichtig werden,  dass der Versuchsanbau mit genmanipulierten Pflanzen auf bayerischen Staatsgütern gestoppt wird und  dass keine Steuergelder für Pro-Agro-GentechnikKampagnen in bayerischen Schulen, Universitäten und der Öffentlichkeit eingesetzt werden. Noch sind so gut wie keine kennzeichnungspflichtigen Lebensmittel auf dem Markt. Damit dies auch so bleibt und die Gesetze eine echte Wahlfreiheit der Verbraucher auf Dauer sichern, müssen wir jetzt gemeinsam aktiv werden.Was Sie tun können, um selbst »gentechnikfreie Zone« zu bleiben, lesen Sie bitte auf Seite 17. (göß)

Miltenberg

Regensburg


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Gentechnikfreie Regionen in Bayern Schon 34 gentechnikfreie Regionen gibt es in Bayern. Sie umfassen eine Fläche von 808 000 Hektar beziehungsweise 410 000 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche, von über 15 000 beteiligten Landwirten, viele davon auch konventionell wirtschaftend und im Bauernverband organisiert.

Rhön

grenzüberschreitend, 63 000 Hektar, 1600 Landwirte

Bad Steben Schwebheim Nördliche Oberpfalz

Quelle: www.gentechnikfreie-regionen.de | Stand April 2006

ErlangenHüttendorf

Hartenstein/ Schmidtstadt Vorderhaslach

Amberg-Sulzbach

ThalmässingOffenbau

Fischbach-Schirndorf Ostbayern

Landkreis Ingolstadt-Eichstätt

121 400 Hektar, alle circa 2100 im Landkreis praktizierenden Landwirte

RoßbachUntergrafendorf

Dachau

Holzwinkel

Landkreis München

97 784 Hektar, alle circa 750 im BBV organisierten Landwirte

Nersingen

Passau/Freyung/ Deggendorf Dingolfing-Landau

Mühldorf

Circa 50 000 Hektar landwirtschaftliche Fläche, rund 2200 Landwirte

Maitenbeth Unterreit Wittelsbacher Land Amerang Freisinger Moos Wasserburg Taching/Törring, Tengling/Tittmoning Landkreis MiesbachRott am Inn/ Unterallgäu Bad Tölz122 920 Hektar, Albaching/ Wolfratshausen circa 2800 Landwirte Pfaffing/ 197 450 Hektar, circa 2500 Landwirte Ramersberg Chiemgau/ Inn/Salzach Kammeltal

Maierhöfen

Oberallgäu 152 797 Hektar, circa 3000 Landwirte

Gentechnikfreie Regionen/Initiativen < 1.000 ha 1.000 – 4.999 ha

Gemeinsam für ein gentechnikfreies Oberland Vertreter des BN, des Bayerischen Bauernverbandes und des Katholischen Landvolks sind sich einig in dem Ziel, in den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen, Weilheim-Schongau, Miesbach und Garmisch-Partenkirchen eine riesige gentechnikfreie Zone zu schaffen.

Königsdorf

5.000 – 19.999 ha 20.000 – 49.999 ha

> 50.000 ha

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Im ganzen Land stehen die Menschen auf Franz Maget, Vorsitzender der SPD-Fraktion

Chance Gentechnik oder Chance Gentechnikfreiheit Wie steht Ihre Partei zur Gentechnik und zu den Forderungen des BN, wollte Natur+Umwelt von den drei Fraktionen im Bayerischen Landtag wissen. Die Forderungen des BN Der Bund Naturschutz verfolgt gemeinsam mit vielen Partnern aus den Bereichen Naturschutz, Ernährung, Verbraucherschutz, Landwirtschaft, Kirchen und anderen das Ziel, dass 1. Bayern völlig frei bleibt vom Anbau gentechnisch veränderter Organismen, 2. alle Bauern in Bayern, konventionell oder biologisch wirtschaftend, auf Dauer gentechnikfrei produzieren können, 3. die bayerischen Verbraucher, wenn sie das wollen, auf Dauer sicher sein können, Lebensmittel zu essen, in denen keine gentechnisch veränderten Bestandteile verwendet wurden, beziehungsweise die von Tieren stammen, die nicht mit genmanipuliertem Futter ernährt wurden.

Foto: SPD

Unterschiedliche Haltungen der Parteien

Die Forderung nach Entscheidungsfreiheit für Bauern und Verbraucher, auf gentechnisch veränderte Organismen (GVO) verzichten zu können, teilen wir uneingeschränkt. Ebenso sind wir der Meinung, dass Bayern nur dann »Feinkostgeschäft Europas« werden kann, wenn es GVO-freie Zone wird. Um dieses Ziel zu erreichen, haben wir in einem parlamentarischen Dringlichkeitsantrag gefordert, dass Bayern Mitglied im »Netzwerk gentechnikfreier Regionen in Europa« wird, dem sich bereits 39 Regionen in 16 Staaten angeschlossen haben. Wir sind der Meinung, dass die EU-Vorgaben bei der grünen Gentechnik korrigiert werden müssen, und setzen dabei auf die derzeitige EU-Präsidentschaft Österreichs. Um zu verhindern, dass Bayern die Chance genommen wird, gentechnikfrei zu bleiben, bringen wir im Landtag ein Bayerisches Gentechnik-Vorsorgegesetz ein, das die Hürden so hoch legt, dass GVOAnbau faktisch unmöglich wird. Dies gilt für die Koexistenzfrage (ist GVO-Anbau und gentechnikfreier Anbau nebeneinander überhaupt möglich?) ebenso wie für die Haftungsfrage (mit uns nur nach dem Verursacherprinzip und auf keinen Fall eine »Gentechniksteuer«). Wir wollen nicht, dass Bayern gentechnisch verseucht wird und keine Chance besteht, dies zurückzuholen.

Ingolstadt 14

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Margarete Bause und Dr. Sepp Dürr, Vorsitzende der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen Fotos: Grüne

Der Einsatz der »Grünen Gentechnik« in der Landwirtschaft ist ein stark emotional besetztes Thema, bei dem es verständlicherweise unterschiedliche Haltungen gibt. Die CSU-Fraktion sieht in der Forschung an pflanzlichem Erbgut die Chance, zukünftige Nutzanwendungen für die Menschheit zu entwickeln. Zugleich nehmen wir aber auch die Befürchtungen vieler Menschen sehr ernst. Unsere Leitlinie: Sicherheit für Mensch und Umwelt hat oberste Priorität. Um auf noch offene Fragen die richtigen Antworten geben zu können, haben wir als CSU-Fraktion eine eigene Arbeitsgruppe zur Grünen Gentechnik eingerichtet. Vor dem Hintergrund der Entscheidung der EU für die Koexistenz aller Landwirtschaftsformen – mit oder ohne Gentechnik – müssen Verbraucher, Landwirtschaft und Industrie die Wahlfreiheit haben, sich für oder gegen die Gentechnik zu entscheiden. Dazu müssen gentechnisch veränderte Produkte auch eindeutig gekennzeichnet sein. Ein generelles staatliches Verbot der Grünen Gentechnik würde gegen EU-Recht verstoßen. Selbstverständlich können sich aber beispielsweise Landwirte auf freiwilliger Basis aktiv zu einer gentechnikfreien Anbauzone zusammenschließen. Foto: Roggenthin

Foto: CSU

Joachim Herrmann, Vorsitzender der CSU-Fraktion

Agro-Gentechnik und gentechnikfreien Anbau kann es nicht nebeneinander geben. Ein Biobauer, der in der Nähe eines Feldes mit Genmais anbaut, hat nicht mehr die Freiheit, ohne Gentechnik anzubauen: Pollen werden durch den Wind mehrere hundert Meter weit getragen. Er erleidet erhebliche wirtschaftliche Schäden, da über 70 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher gentechnisch veränderte Lebensmittel ablehnen. Die Haftungsregelung im Gentechnikgesetz darf deshalb nicht aufgeweicht werden. Wir fordern einen Anbaustopp von gentechnisch veränderten Pflanzen sowie eine rechtliche Absicherung von gentechnikfreien Regionen, in denen sich Bäuerinnen und Bauern zusammentun und zu gentechnikfreiem Anbau verpflichten. Bayern kann zu einem »gentechnikfreien Feinkostladen« werden, der auf Qualitätsprodukte setzt. Wir Grünen fordern, dass der Anbau gentechnikfreier Futtermittel (Eiweißträger) in Bayern gefördert wird. Ein europäischer Grenzwert von 0,1 Prozent beim Saatgut ist unabdingbar. Saatgut wie Futtermittel müssen stärker auf Gentech-Anteile überprüft werden. Die Kennzeichnungsverordnung soll auch auf Produkte wie Milch, Fleisch und Honig ausgedehnt werden.


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Versuchstiere zeigen unerwartete Nebenwirkungen

Gentechnik gefährdet die Gesundheit

eit Jahren lehnen die deutschen und europäischen Verbraucher gentechnisch erzeugte Lebensmittel mit großer Mehrheit ab – und das mit gutem Grund, denn sie bringen keinen Vorteil, aber jede Menge Risiken. Gentechnik ist nämlich nicht die Fortsetzung der klassischen Züchtung, sondern erlaubt den Gentransfer über alle Artgrenzen hinweg. Auf diese Weise werden gentechnisch veränderte Organismen (GVO) mit neuen Eigenschaften geschaffen, die weder in der Umwelt noch als Lebensmittel erprobt sind. Generell erfolgt der Einbau der fremden Gene in der Pflanze nach dem Zufallsprinzip, das heißt Einbauort und Anzahl der Genkopien lassen sich nicht steuern. Die Annahme aber, ein Gen wirke unabhängig von Genort und Empfängerorganismus in gleicher Weise, gilt als überholt. So können Positionseffekte – der Einbau der fremden Gene beeinflusst die Aktivität von Nachbargenen – und pleiotrope Effekte – Gene und Genprodukte zeigen Nebeneffekte – den pflanzlichen Stoffwechsel in unerwünschter Weise verändern und sich negativ auf die Qualität und Verträglichkeit von GVO-Lebensmitteln auswirken. Dabei gibt es keine angemessenen Prüfmethoden, um Derartiges im voraus sicher festzustellen. Neu gebildete Stoffe und Eiweiße können, unabhängig davon, ob sie absichtlich oder unabsichtlich in Gentech-Pflanzen vorhanden sind, sowohl toxisch als auch allergen wirken.

Veränderungen im Magen-Darmtrakt So zeigten Ratten in Fütterungsversuchen mit insektenresistenten Kartoffeln, die ein Eiweiß aus dem Schneeglöckchen produzierten, Veränderungen im Magen-Darmtrakt (www.biotech-info.net/galanthus. html). Mäuse wiesen nach Verfütterung von GentechSoja laut einer italienischen Studie Strukturveränderungen an Leberzellen auf. Jüngst berichteten australische Forscher, dass ein in Erbsen gebildetes Bohneneinweiß, das der Bekämpfung eines Schädlings dienen sollte, zu Immunreaktionen und nach Einatmen von Erbsenmehl-Aerosolen zur Lungenentzündung bei Mäusen führte. Die völlig unerwartete Immunreaktion scheint mit einer Modifizierung des Bohnenproteins in der Erbse verknüpft zu sein (www.gentechfrei.ch/pdfs/

Vier weitere GeGen-Argumente Gentechnik erspart der Umwelt keine Pestizide. Beim Anbau herbizid-resistenter Pflanzen in den USA sank der Verbrauch an Herbiziden in den ersten drei Jahren tatsächlich, stieg danach aber stark an – bedingt vor allem durch das immer massivere Auftreten herbizidresistenter Unkräuter. Gentechnik gefährdet die Artenvielfalt. Der Anbau herbizidresistenter Pflanzen dezimiert die Vielfalt der Wildpflanzen auf und neben den Äckern und bedroht damit die Vielfalt der Insekten und der von ihnen lebenden Vögel und anderen Tiere. Insektengiftige Pflanzen können auch Schmetterlinge schädigen, die keine Schädlinge sind. Gentechnik kann Arbeitsplätze vernichten. Die Agro-Gentechnik ist eine Rationalisierungs-Technologie und schafft keine nennenswerten Arbeitsplätze, in Deutschland bis jetzt gerade mal 300 bis 400. Sie gefährdet aber die Existenz der ökologischen Lebensmittelwirtschaft – mit derzeit 150 000 Arbeitsplätzen allein in Deutschland. Gentechnik hilft nicht gegen den Hunger in der Welt. Hunger beruht auf der ungleichen Verteilung der Ressourcen Land, Geld und Arbeit. In Ländern mit Hunger ist rechnerisch genug zum Essen da, aber die Armen können es sich nicht leisten. Gentechnik droht die Abhängigkeit von Bauern sogar zu verstärken.

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Foto: Roggenthin

S

erbsen.pdf). Allergische Reaktionen sind demnach auch beim Menschen nach Einatmen von GVO wie etwa Pollen denkbar. Mit der Nahrung aufgenommene DNA ist im Verdauungstrakt wohl stabiler als bislang angenommen und kann möglicherweise sogar in Körperzellen gelangen. Ob die Aufnahme von DNA aus gentechnisch veränderten Organismen zu Wirkungen führt, ist bislang unbekannt. Ein weiterer Diskussionspunkt und Risikoaspekt ist, wieweit die in vielen Gentech-Pflanzen vorhandenen Antibiotikaresistenz-Gene auf Bakterien übertragen werden können. Denn der Besitz solcher Resistenz-Gene würde Krankheitserreger unempfindlich gegen die entsprechenden Antibiotika machen und die Behandlung von Infektionskrankheiten erschweren. Angesichts all dieser unbeantworteten Fragen tun Verbraucher sehr gut daran, der riskanten Agro-Gentechnik die kalte Schulter zu zeigen.

Foto: privat

Foto: Waldhaeusl

Mäuse bekommen Lungenentzündung, nachdem sie Bestandteile gentechnisch veränderter Erbsen einatmen, und niemand weiß warum. Aus gutem Grund wollen die Verbraucher keine Gen-Versuchskaninchen sein.

Die Autorinnen Doris Tropper (oberes Bild), stellvertretende Vorsitzende des BN, war schon 1997 Vertrauensfrau für das Volksbegehren »Gentechnifrei aus Bayern«. Dr. Martha Mertens leitet als Sprecherin den landesweiten Arbeitskreis Genund Biotechnologie des BN.


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Im ganzen Land stehen die Menschen auf

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atur+Umwelt: Herr Hipp, Eltern erwarten, dass ihre Babys mit Hipp-Nahrung keine Gentechnik essen. Wie können Sie das im Augenblick garantieren? Claus Hipp: Hipp-Produkte in Bio-Qualität erfüllen die strengen Anforderungen der EU-Öko-Verordnung. Unsere Rohstoffe sind durch unabhängige Kontrollstellen Bio-zertifiziert, dies schließt aus, dass es sich dabei um gentechnisch veränderte Organismen (GVO) handelt oder sie aus diesen hergestellt wurden. Darin ist übrigens auch die Verfütterung gentechnisch veränderter Futtermittelpflanzen zum Beispiel bei der Her-

Sie haben Aufsehen mit Ihrer Ankündigung erregt, Ihre Rohstoffe künftig nicht mehr in Deutschland einzukaufen, wenn hier kein gentechnikfreier Anbau mehr garantiert werden könnte. Wann verlieren zum Beispiel bayerische Bio-Bauern die Firma Hipp als Kunden? Hipp: Zunächst einmal hoffen wir und sind zuversichtlich, dass es nicht so weit kommen wird. Andererseits: Wenn sich größere gentechnikfreie Regionen nur im Ausland, zum Beispiel Österreich, Polen oder Ungarn, manifestieren und die deutschen Regelungen zur Koexistenz der einzelnen Anbauformen die GVO-Freiheit der konventionellen und ökologischen Landwirtschaft nicht mehr garantieren können, werden wir gezwungen sein, uns im Ausland nach geeigneten Rohstoffen umzusehen. Eine persönliche Frage: Wie beurteilen Sie die »AgroGentechnik« aus ethischer oder religiöser Sicht? Hipp: Wir sollten uns der Schöpfungsordnung unterwerfen und keine Unordnung machen.

Die Weichen werden jetzt gestellt Wird in Deutschland Gentechnik angebaut, kauft seine Firma Bioprodukte nur noch im Ausland. Mit dieser Ankündigung brachte Prof. Claus Hipp kürzlich Brisanz in die Gentechnik-Diskussion. Natur+Umwelt fragte nach seinen Gründen. stellung von Fleisch oder Milch eingeschlossen. Unsere eigenen Qualitätskontrollen sichern durch Laboranalysen zusätzlich ab, dass die Bio-Rohstoffe nicht unbeabsichtigt mit solchen aus GVO-Herkunft vermischt wurden. Und in Zukunft? Glauben Sie, gentechnikfreie Produktion wird in 20 oder 50 Jahren noch möglich sein? Hipp: Das kann niemand mit 100-prozentiger Sicherheit voraussehen. Wichtig ist zu erkennen, dass jetzt die Weichen gestellt werden, wie die Zukunft der gentechnikfreien Produktion sichergestellt werden kann. Ich meine damit die Fragen der Kontrolle der Freisetzung von GVO in die Umwelt und die Regelungen zur »Koexistenz«. Es finden sich europaweit immer mehr Bürger und Landwirte zusammen, die ihre Regionen zu gentechnikfreien Regionen erklären und sich freiwillig zusammenschließen, um einen Anbau von GVO-Pflanzen zu verhindern. Diese Regionen müssen wachsen, legalisiert und stabilisiert werden.

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Nur reine Rohstoffe Sobald sich in den Produkten deutscher Bauern Gentechnik findet, sieht sich die Firma Hipp zum Einkauf im Ausland gezwungen.

Fotos: Hipp

Interview mit Babykost-Hersteller Claus Hipp

Und welche Gefahren der Gentechnik sehen Sie? Hipp: Lassen Sie mich zwischen konkreten Gefahren und unabsehbaren Risiken unterscheiden. Durch die Freisetzung von GVO in die Umwelt ist die unmittelbare Gefahr der negativen Beeinträchtigung nicht nur der jeweiligen Pflanzenarten gegeben, sondern des gesamten umliegenden Öko-Systems. Die von den GVO-Saatgutfirmen gemachten Versprechungen der Unberührtheit der umliegenden Natur können so sicherlich nicht mehr aufrecht erhalten werden. Die gentechnisch veränderten Pflanzen selbst bergen Risiken für diejenigen, die sie verzehren, ich denke dabei an Allergien oder andere mögliche Stoffwechselbeeinträchtigungen, entsprechende wissenschaftliche Hinweise und erste Erfahrungen aus anderen Ländern liegen hier ja bereits vor. Langzeitauswirkungen durch den Verzehr von gentechnisch veränderten Lebensmitteln können heute noch nicht beurteilt werden. Das sehe ich auch als ein Risiko an. Anders als umweltschädliche Chemikalien, die alle früher oder später in unschädliche Verbindungen zerfallen, ist sicher, dass eine einmal in die Umwelt entlassene überlebensfähige genetische Veränderung nie wieder zurückgeholt werden kann. Weil es zu einem vollständigen Kontrollverlust kommt, sehe ich hier die größte Bedrohung. Das Interview führte Manfred Gößwald


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Sie haben es in der Hand

Bleiben Sie »Gentechnik-freie Zone« Sie selbst entscheiden mit, ob Ihr Teller und Ihr Körper frei von Gentechnik bleiben. Nutzen Sie alle Möglichkeiten. Und unterstützen Sie bitte unseren Kampf für Ihre gesunde Ernährung.

Kaufe nie bei Frankenstein Restaurants müssen auf ihren Speisekarten auf gentechnisch veränderte Produkte hinweisen. Ob Ihr Lieblings-Italiener oder -Chinese darauf achtet? Legen Sie ihm die Karte vor, die Sie am Ende dieses Heftes finden. Wer ein gutes Gewissen hat, wird seine Unterschrift nicht verweigern.

»Frankenstein Food« ist bei uns noch kaum auf dem Markt. Seien Sie aber wachsam, achten Sie vor allem bei Mais- und Soja-Produkten auf den gesetzlich vorgeschriebenen Gentechnik-Hinweis. Unser kostenloser Einkaufsführer »Gentechnikfrei« gibt Ihnen weitere Hinweise. Zu bestellen unter Tel. 0 91 239 99 57-0, Fax -99, info@service.bundnaturschutz.de

Foto: www.BioNachrichten.de

Teste Dein Lieblings-Restaurant

Geh auf Nummer Bio-Sicher Erfolgreiche GeGen-Wehr – Wir brauchen Ihre Hilfe! Seit mehr als zehn Jahren kämpft der Bund Naturschutz gegen die Gefahren der Agro-Gentechnik – mit großen Erfolgen:  1998 unterstützen eine halbe Million Menschen das vom BN initiierte Volksbegehren »Gentechnikfrei aus Bayern«, ein Erfolg ist das Kennzeichnungsgesetz für Lebensmittel ohne Gentechnik.  1998 erlässt die EU ein Moratorium für den Gentechnik-Anbau, gültig bis 2004.  2003 gründen 30 Organisationen auf BN-Initiative das »Aktionsbündnis Bayern für gentechnikfreie Natur und Landwirtschaft«.  2004 demonstrieren über 5000 Menschen in München für gentechnikfreie Lebensmittel, immer mehr Landwirte rufen gentechnikfreie Regionen aus.  2006 finden in ganz Bayern Demonstrationen gegen Minister Seehofers Pläne statt, das Gentechnikgesetz zu verwässern. Unser Einsatz geht weiter, die Weichen werden jetzt gestellt. Unseren Spendenaufruf »Stopp – keine Gentechnik im Essen« haben bereits viele BN-Mitglieder unterstützt. Danke – für Ihre Spende und für Ihren persönlichen Einsatz! Noch sind wir nicht am Ziel. Unterstützen Sie uns bitte weiter: Spendenkonto Nr. 9 300 000 450 bei der Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 700 205 00, Stichwort »Gentechnik«.

Tierische Lebensmittel wie Milch oder Eier unterliegen nicht der Kennzeichnungspflicht für GenFood. Deshalb ist hier besonders wichtig: »Bio« heißt auch »gentechnikfrei«. Bei konventioneller Milch garantiert jetzt auch die Andechser Molkerei Scheitz, dass ihre Milch ohne genmanipuliertes Tierfutter hergestellt ist.

Mach Dich schlau

Sag’s Seehofer Bundesminister Horst Seehofer ist für den Schutz der Verbraucher zuständig. Zeigen Sie ihm mit der beigehefteten Postkarte »Stopp – Keine Gentechnik im Essen«, dass Sie als Verbraucher vor den Gefahren der Agro-Gentechnik geschützt werden wollen.

Hier verschaffen Sie sich den Durchblick:  www.bundnaturschutz.de  http://de.einkaufsnetz.org/  www.gentechnikfreieregionen.de  www.keine-gentechnik.de  Buch »Der GENaue Blick«, Fachleute stellen die Gentechnik auf den Prüfstand, 16 Euro.  Buch »Einfach GEN:ial«, Chancen und Risiken aktuell beleuchtet, 16 Euro. Zu bestellen unter Tel. 0 85 5897 34 -04, Fax -05, info@nationalpark-laden.de

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Berta Habersacks weitsichtige Hinterlassenschaft

Der Schatz am Ammersee

Wo Kinderträume wahr werden Vor den Toren Münchens eröffnet die »Villa Habersack« heute kreative Freiräume inmitten von blühender Natur.

Etwas Gutes tun, auch über das eigene Leben hinaus – »Natur+ Umwelt« stellt Persönlichkeiten vor, denen dies mit einem Vermächtnis an den Bund Naturschutz gelungen ist. Berta Habersack zum Beispiel hinterließ vor den Toren Münchens ein Naturparadies für Kinder und Jugendliche.

Foto: BN-Archiv

A

ls Berta Habersack 1959 im Alter von 88 Jahren verstarb, konnte niemand – nicht einmal sie selbst – erahnen, welch ungeheuren Wert ihr Testament einmal für die bayerische Naturschutzarbeit gewinnen würde. Damals hinterließ die Witwe eines königlich bayerischen Generals der Artillerie ihr wald- und artenreiches Anwesen am Ammersee dem Bund Naturschutz, unter dessen Obhut es sich zu einem einzigartigen Naturschutz- und Jugendzentrum entwickelte. Doch die Anfänge als Bildungs- und Begegnungsstätte reichen noch in die Lebenszeit der 1871 geborenen Tochter einer Herzenswunsch alteingesessenen Münchner Familie der Habersack In ihrem »ökologi- zurück. Mit ihrem Mann hatte sie schen Vermächt1899 in mehreren Bauabschnitten nis« verfügte Berta eine Villa am Ostufer des AmmerHabersack über ihr sees und inmitten eines herrlichen Ammersee-AnweNaturparks gebaut. Genau hier sen, »dass alles so liegt heute das Naturschutz- und bleibe und hier Jugendzentrum Wartaweil des BN, auch künftig dessen Wurzeln nicht zuletzt in geforscht und gelehrt werde.« Habersacks Verbundenheit mit der

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Heimat und in ihrer Liebe zur Natur zu suchen sind. Wie sehr sie dem Naturschutz verbunden war, zeigte sich spätestens ab 1947, als sie damit begann, ihr Anwesen für Lehrgänge des BN zur Verfügung zu stellen.

Schutz vor Zersiedelung Zehn Jahre später legte sie endgültig fest, dass ihr Seegrundstück samt Haus, Nebengebäuden, Quellen, Bächen und botanischen Seltenheiten nach ihrem Tod ganz dem Bund Naturschutz gehören sollte – allerdings mit der Auflage, alles möge so bleiben und der Ort auch künftig als Bildungsstätte dienen. Eine Bitte, die der BN seit damals beherzigt und der er gerne nach-

kommt. Immerhin bot sich auf diese Weise die sonst eher seltene Gelegenheit, ein Naturgebiet von über vier Hektar Größe und mit 800 Metern Seeufer vor dem Zugriff der fortschreitenden Besiedelung und der sich ausdehnenden Wochenendhaus-Landschaft zu bewahren. Von 2002 bis 2003 wurde die »Villa Habersack« behutsam und mit hoher finanzieller Eigenleistung des BN zu einem modernen Jugendund Naturschutzzentrum umgebaut. Integrative Ideen setzte man mit Hilfe funktioneller und ökolo-

Fotos: BN

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gischer Haustechnik um. Die Villa Habersack hat ihren Charme erhalten und ist ein Ort der Begegnung geblieben. Das breit gefächerte Angebot reicht von Abenteuer- und Erlebnisprogrammen für Kinder und Jugendliche bis hin zu Fachtagungen, Seminaren, Exkursionen und Ausstellungen. Hier, direkt am Ammersee, können Schulklassen die Natur mit allen Sinnen erkunden, in vielen Facetten erforschen und gleichzeitig Eigenverantwortung einproben. BN-Mitglieder und Gruppen organisieren selbstständig günstige Öko-Aufenthalte. Dank des Weitblicks von Berta Habersack erleben so jährlich über 6000 Kinder und Jugendliche die heimische Natur – hautnah vor der Haustür. Rosemarie Kleindl (cm)

Ihr persönlicher Kontakt Möchten Sie mehr über die Möglichkeit erfahren, in Ihrem Testament den Bund Naturschutz zu bedenken? Wenden Sie sich bitte an Landesgeschäftsführer Peter Rottner, der Sie als erfahrener Jurist gerne informiert. Sie erreichen ihn unter der Telefonnummer 09 41-2 97 20-12. Oder fordern Sie zunächst unsere kostenlosen Unterlagen an: Bund Naturschutz, Dr.-Johann-Maier-Str. 4, 93049 Regensburg, Tel. 09 41-2 97 20-40, rosemarie.kleindl@bund-naturschutz.de


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»Falke unter den Insekten« wird die Hornisse genannt, so geschickt erbeutet sie andere Insekten. Klingt gefährlich, dabei sind Hornissen Menschen gegenüber scheuer als Honigbienen. Faszinierend ist der Anblick ihrer oft einen halben Meter hohen »Burgen«. Die bauen die streng geschützten Hornissen jedes Jahr neu mit einem Brei aus morschem Holz und Speichel.

Foto: Willner

Flieg, Falke!

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Super-GAU in Unterfranken? Ein Atomkraftwerk geht in die Luft: Die Jugendorganisation des BN lässt neben dem echten Reaktor Grafenrheinfeld einen Ballon steigen und macht mit der spektakulären Aktion auf die Gefahren der Kernenergie aufmerksam. Von Helge Bendl

In die Luft geflo S

ogar das Wetter spielt mit. Der Himmel trägt heute Trauer, die Sonne ist nur zu erahnen, tief hängen die grauen Wolken. »Grafenrheinfeld lädt ein«, konnte man am Ortsschild lesen, doch besonders willkommen fühlt man sich hier nicht, trotz der barocken Zwillingstürme über der Kirche und der ländlichen unterfränkischen Idylle. Es liegt an den anderen Türmen, die in der Ferne dampfen, 140 Meter hoch und direkt am Main. Zwischen den beiden Kühlaggregaten des Atomkraftwerks Grafenrheinfeld duckt sich der Reaktor in seiner Betonkapsel. Was wäre, wenn es hier durch eine unkontrollierte Kettenreaktion zu einer Explosion käme? Auch wenn man es nicht wahrhaben will und nur zu gerne vergisst: Die Bedrohung ist real. Deswegen fliegt hier und heute tatsächlich ein Atomkraftwerk in die Luft. Die Aktivisten der Jugendorganisation Bund Naturschutz (JBN) lassen es steigen, um 20 Jahre nach dem Unfall in Tschernobyl auf die Gefahren der Kernenergie aufmerksam zu machen. Schwarz auf weiß ist es auf dem Transparent zu lesen: »Jeden Tag kann ein AKW in die Luft gehen!« 20 Ballons halten den Reaktor mit dem sechs Meter hohen Schornstein in der Luft, den ganzen Morgen schon haben die jungen Leute von der JBN geschuftet. Sie

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haben die Helium-Flaschen bis auf den letzten Rest entleert, haben unter Anleitung von JBN-Mitarbeiter Bernd Scheuerlein das Fibergestell des Reaktors wie bei einem Zelt zusammengesteckt, haben AtomZeichen auf gelbe Luftballons gemalt und geben nun Interview um Interview. Bayerischer Rundfunk, Deutsche Presse-Agentur, lokale Medien: Alle sind sie da. »Ist das eine geschmacklose Aktion?«, wird Bernd Orendt gefragt, Geschäftsführer der JBN. »Auf große Gefahren muss man auch mit spektakulären Mitteln aufmerksam machen dürfen«, sagt er selbstbewusst in die Mikrofone der Fernsehreporter. Als charmantes Detail gibt er bekannt, dass die JBN für ihre Aktion eine Versicherung abschließen musste – sechs Millionen Euro würden bei einem Schaden bezahlt. Was würde passieren, wenn der Reaktor nebenan explodierte? Für das echte Atomkraftwerk gibt es keine Versicherung. Eine radioaktive Wolke über Grafenrheinfeld – das wünscht sich nun wirklich niemand. Doch die Aktion der JBN ist genau terminiert: Am gleichen Tag kommt »Die Wolke« in die Kinos, ein Film nach dem Best-

seller von Gudrun Pausewang. Ihren Roman hat sie 1987 geschrieben, ein Jahr nach Tschernobyl. Es geht um die katastrophalen Folgen eines Störfalls, wie man den Unfall euphemistisch nennt, im Kernkraftwerk Grafenrheinfeld. Warum ausgerechnet dort? Weil das unterfränkische AKW am nächsten an ihrem Wohnort liege, erklärt die Autorin, die in der Nähe von Fulda lebt. Regisseur Georg Schnitzler hat sich vor Ort umgesehen. »Ich war für die Recherche zu diesem Film am Gelände des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld, weil dort in der Romanvorlage der Unfall geschieht, der zu der tödlichen Strahlenwolke führt. Ich war überrascht, wie nah dran man da kommt. Als ich davor stand, stellte sich die Frage plötzlich sehr konkret: Was mache ich, wenn es jetzt gerade passiert? Diese Angst war merkwürdig, da wollte ich schnell wieder weg«, sagte er jüngst in einem Interview mit dem »Tagesspiegel«. Im Film selbst heißt der Ort


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Donauaktionstag  25. Mai 2006 in Niederalteich BN und JBN kämpfen auf dem großen Donaufest wieder für den frei fließenden Strom. Mit einem Donaujahrmarkt als Kinderprogramm.

JBN sorgt für Schlagzeilen Aktive der JBN  16. bis 18. Juni 2006 in Babenhausen Seminar über professionelle Pressearbeit Anmelden bis 2. 6. 06, Preis 60 Euro (25 Euro für JBN-Mitglieder)

gen

Fotos: Bendl

Spielspaß total

aber nicht mehr Grafenrheinfeld, sondern Marktebersberg – wohl, weil man das Risiko einer rechtlichen Auseinandersetzung mit den Stromkonzernen scheute. Doch auch Marktebersberg liegt in Unterfranken, in der Nähe von Schweinfurt. Gleich nach dem Unfall sterben 38 000 Menschen, viele mehr flüchten panisch vor der »Wolke«. »Es kann jeden Tag passieren«, sagt Regisseur Schnitzler und will mit seinem sehr politischen Film explizit vor den Gefahren der Atomenergie warnen. Deshalb passte die Aktion der JBN zum Kinostart so gut ins Bild. »In nur eineinhalb Wochen haben wir das Projekt auf die Beine gestellt«, erzählt stolz Bernd Orendt. Es gab nur einen Testlauf in der Nähe von München – das letzte Mal war das fliegende Atomkraftwerk vor zehn Jahren im Einsatz und kam nun endlich wieder raus aus der Asservatenkammer. Die JBN-Aktiven Kerstin Schmitter und Carolin Stubenrauch aus Würzburg waren genauso als Helfer bei der Aktion dabei wie die FÖJler aus der JBN-Zentrale. Doch auch spontan kamen Unterstützer zum Atomkraftwerk: »Meine Mutter hat von der Aktion erfahren und mich angerufen. Ich bin gleich hingefahren, schließlich muss man ja zeigen, dass einem das Thema wichtig ist«, sagt Lisa Weber, die im Ort

Sennfeld lebt, nur zehn Kilometer vom Atomkraftwerk entfernt. Wenn sie nach den Semesterferien wieder in Bamberg studiert, wird sie sich dort nach studentischen Umweltgruppen umschauen. »Der Erfolg der Aktion hat uns gezeigt, dass wir auch künftig schnell und mit guten Ideen auf die Straße gehen sollten«, sagt Geschäftsführer Bernd Orendt. Die JBN werde zwar weiterhin über mehrere Jahre hinweg ein bestimmtes Umweltthema bearbeiten. »Gleichzeitig sollten wir aber zu aktuellen Ereignissen Stellung beziehen – so kreativ und so spektakulär wie möglich. Das sichert uns auch die Aufmerksamkeit der Medien.« Und nimmt auch diejenigen in die Pflicht, die Verantwortung tragen. Was meint eigentlich E.ON, die Betreiberfirma des Atomkraftwerks Grafenrheinfeld, zum fliegenden Reaktor der Jugendorganisation des BN? Sowohl der Film als auch die Aktion seien »verantwortungslos«, heißt es in einer empörten Stellungnahme aus dem Konzern. Und weiter: Es werde nur »mit den Ängsten von Kindern gespielt«. Über die Demonstration der Jugendorganisation Bund Naturschutz könne »kein Mensch ernsthaft diskutieren«. Wirklich nicht? Der Film »Die Wolke« gilt Juroren inzwischen als »besonders wertvoll«, und die Aktion der JBN brachte 20 Jahre nach Tschernobyl zusätzliche Aufmerksamkeit. Geht es wirklich nur um die Ängste von Kindern? Auch Erwachsene sollten sich ein wenig fürchten und dafür kämpfen, dass es keinen Ausstieg aus dem Atom-Ausstieg gibt. Und auch in Bayern sind die Atomkraftwerke einfach viel zu gefährlich, um sie Energiekonzernen zu überlassen. Einfacher kann man das mit dem Slogan sagen, der auf dem fliegenden AKW der JBN zu lesen war: E.on? E.off!

Kindergruppenleiter und solche, die es werden wollen  23. bis 25. Juni 2006 in Vorra im Nürnberger Land Seminar mit Spielen für jeden Einsatzzweck und dem grundlegenden Methodenrepertoire der Umweltpädagogik. Mit Kinderbetreuung. Anmelden bis 2. 6. 06, Preis 60 Euro (50 Euro für JBN-Mitglieder)

Geburtstagsparty: Die JBN wird 30! Alle JBNler von damals, heute und morgen und Freunde  14. bis 15. Juli 2006 in Wartaweil am Ammersee Die ultimative JBN-Geburtstagsfete mit Lifeband und einem abwechslungsreichen Programm zum Mitmachen. Anmelden bis 23. 6. 06, kostenlos

Alpentour 2006 Jugendliche von 16 bis 27  30. Juli bis 5. August 2006 in den Allgäuer Alpen Die Hüttentour startet in Oberstorf. Trittsicherheit und Kondition sind gefragt. Anmelden bis 15. 6. 06, Preis 210 Euro (190 Euro für JBN-Mitglieder) Anmeldung an Helena Pfab, Tel. 07 61-3 83 71 88

Zeltlager »Natürlich Abenteuer« Zwölf- bis 15-Jährige  4. bis 9. September 2006, Jugendzeltplatz Stockheim bei Roth Das einzigartige, nachhaltige Zeltlager der JBN Erlangen Anmelden bis 28. 7. 06, Preis 155 Euro (135 Euro für JBN-Mitglieder) Anmeldung an: JBN Erlangen, Tel. 0 91 31-97 75 33

Infos und Anmeldung Wo nicht anders angegeben: JBN, Trivastraße 13, 80637 München, Tel. 0 89-15 98 96-30, Fax -33, info@jbn.de, www.jbn.de

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DI E I N FOEC KE DER J BN

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Das ist doch der Gipfel

Fotos: JBN

Die berühmte Berggipfelbesetzung am 27. September 1986 brachte es auf die Titelseite der Bild-Zeitung und in die Tagesschau. Bei herrlichem Bergwetter besetzten knapp 700 Jugendliche vieler Verbände des Bayerischen Jugendrings unter Federführung der JBN über 50 Gipfel. Der Arbeitskreis Alpen ist heute der aktivste Arbeitskreis der JBN. Die Bergfans veranstalten jedes Jahr die bekannte Alpentour sowie mehrere Botanik- und Rodelwochenenden; sie treffen sich zu vielen Bergexkursionen – und zu Gipfelbesetzungen wie vor zwanzig Jahren!

Die JBN feiert Geburtstag

30 Jahre jung Mit 30 ist die Jugend vorbei? Ganz bestimmt nicht bei der Jugendorganisation Bund Naturschutz (JBN). Auch wenn Bayerns größter Jugendumweltverband jetzt älter ist als seine Aktiven – seine Aktionen sind jung und kreativ wie eh und je. Ein Vergleich in vier Bildern, von Bene und Bernd. Die Autoren Benedikt Bisping, 38, war in den Achtzigern Landesjugendleiter der JBN. Bernd Orendt, 24, war ebenfalls Landesjugendleiter und arbeitet heute als JBN-Geschäftsführer.

Gestörtes Klima zur Politik Der Staat hatte stets mächtig Respekt vor der JBN. Mal bespitzelte die Polizei illegal JBN’ler, die sich gegen die Autobahn A6 von Amberg nach Prag engagierten. Als Beweis tauchte ein Protokoll auf; Edmund Stoiber, damals Innenminister, musste sich öffentlich entschuldigen. Der Atom-Widerstand (im Bild JBN-Aktive am WAA-Zaun) sorgte zu Zeiten der Tschernobyl-Proteste für eine Eintragung der JBN in den Verfassungsschutzbericht. Aber auch Positives gab es im Verhältnis der JBN zum Freistaat, der führte vor zehn Jahren endlich das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) ein. Die JBN konnte direkt am Gesetz mitwirken. Heute wird die BN-Jugend für ihre FÖJ-Trägerschaft von der Staatsregierung gelobt. Doch trotz des Schulterklopfens bleibt die JBN kritisch und frech. »Wie zu DDR-Zeiten« titelte die Süddeutsche Zeitung in ihrem Leitartikel vor ein paar Wochen, als das Umweltministerium versuchte, eine Resolution der JBN zu ent-

Feiern Sie mit! Am 14. und 15. Juli 2006 feiert die JBN im Naturschutz- und Jugendzentrum Wartaweil am Ammersee mit einer großen Festveranstaltung ihr 30-jähriges Jubiläum. Ein buntes Programm für Jugendliche, Kinder, ehemalige JBN’ler und Umweltschützer des BN ist geboten. Umweltminister Werner Schnappauf, Jugendring-Präsidentin Martina Kobriger und BN-Vorsitzender Hubert Weiger sind auch dabei. Alle Freundinnen und Freunde der JBN sind herzlich eingeladen! Infos bei der JBN-Landesstelle, Trivastraße 13, 80637 München, Tel. 0 89-15 98 96-30, Fax -33, info@jbn.de, www.jbn.de

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schärfen. Die jungen Umweltschützer ziehen sich auch schon mal vor der Staatskanzlei bis auf Badehosen und Bikinis aus. »Mehr Klimaschutz!« fordern sie bei Minusgraden – damit sich auf Grund der Klimaerwärmung in Zukunft nicht alle im Winter ausziehen müssen.


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Wärmedämmung spart Energie und Heizkosten

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ährend bei Autos der Verbrauch pro 100 Kilometer seit langem eine feste Kenngröße ist, wissen die wenigsten, was ihre Wohnung pro Quadratmeter und Jahr verbraucht. Dabei verursachen Heizung und Warmwasserbereitung in bayerischen Häusern mehr als ein Drittel des CO2-Ausstoßes im Freistaat. 3,5 Millionen Wohnungen, etwa zwei Drittel des Wohnungsbestandes, sind älter als 25 Jahre und liegen im Verbrauch weit über den Mindeststandards der Energiesparverordnung. Der Altbaubestand mit rund 400 Millionen Quadratmetern beheizter Wohnfläche ist schlecht wärmegedämmt, ein Verbrauch von 20 bis 30 Litern Heizöl pro Quadratmeter gang und gäbe. Gleiches gilt für die meisten öffentlichen Gebäude und für viele Bürogebäude. Hier liegen immense Einsparpotenziale, deren Erschließung die Umwelt, den eigenen Geldbeutel und die öffentlichen Haushalte entlasten könnte. Umfangreiche Information über Wärmedämmung und energetische Gebäudesanierung ist daher ein zentraler Baustein der Klimaschutzkampagne des Bundes Naturschutz. Mehrere regionale Veranstaltungen, die der Verband in Folge der Klimaschutzvereinbarung zwischen BN und Staatsregierung speziell für Bürgermeister, Landräte und Bauverwaltungen in Oberfranken, Unterfranken und Schwaben durchführte, waren gut besucht, hat doch die »öffentliche Hand« Vorbildfunktion, wenn es um Energieeinsparung und -effizienz geht.

Lohnende Investition Auch für private Haus- und Wohnungsbesitzer gibt es attraktive Fördermöglichkeiten für Energiesparinvestitionen (siehe Kasten). Bereits ab einem Heizölpreis von 50 Cent pro Liter oder entsprechenden Gaskosten rechnet sich die energetische Sanierung der eigenen Immobilie, weil die Ausgaben für Wärmedämmung und Isolierung geringer sind als die Kosten des eingesparten Brennstoffs. Bei den aktuellen Preisen um die 65 Cent pro Liter kann ein Teil der Fassadenrenovierung von der Einsparung mitfinanziert werden. Und sollten die Preise tatsächlich auf das prognostizierte Niveau von einem Euro je Liter steigen, wird das Einsparpotenzial durch Sanierung so groß, dass die Fassadenrenovierung gleich kostenlos »mitgeliefert« wird.

Sichtbarer Unterschied Deutlich ist auf dieser Thermografie-Aufnahme der Unterschied zwischen schlecht gedämmtem Altbau (links) und gut gedämmtem Anbau mit Vollwärmeschutz zu erkennen.

Welche Maßnahmen sinnvoll sind, darüber informiert zum Beispiel die »Vor-Ort-Energieberatung« des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Ein neutraler Berater stellt den Förderantrag, besichtigt das Gebäude und erläutert seinen umfangreichen schriftlichen Bericht in einem persönlichen Gespräch. Für ältere Häuser bietet sich auch das Programm »CO2-Gebäudesanierung« der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) an, das auf zinsgünstigen Darlehen basiert und bis 2009 ein Fördervolumen von 1,4 Milliarden Euro pro Jahr vorsieht. Richard Mergner (asw), Mitarbeit: Ing.-Büro Ellinger, Roßbach

Aktuelle Förderprogramme 1. Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA)  Vor-Ort-Energieberatung: für Wohngebäude vor 1984/1989, Zuschuss zu den Beratungskosten: 300–400 c  Programm zur Förderung erneuerbarer Energien: Zuschüsse in Höhe von zum Beispiel 84 c je Quadratmeter Sonnenkollektor zur Warmwasserbereitung (bzw. 108 c wenn zur Heizungsunterstützung), 48 c pro kW für Biomasseheizungen, 3000 c Zuschuss für Photovoltaikanlagen in Schulen  Info: BAFA, Tel. 0 61 96-90 82 62, www.bafa.de

Foto: Roggenthin

Die nächste Heizkostenrechung wird vielen Haus- und Wohnungsbesitzern drastisch vor Augen führen, dass Energie knapp und teuer geworden ist. Staatliche Förderungen helfen jetzt, für den nächsten Winter vorzubeugen.

Foto: Ing.-Büro Ellinger

Entlastung für Klima und Geldbeutel

2. Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)  KfW-CO2-Gebäudesanierungsprogramm: 50 000 c zinsgünstige Darlehen* für Dämm-Maßnahmen und Heizungserneuerung im Altbau, 15 % Teilschulderlass (bis 7500 c Zuschuss!) bei Erreichen des Neubau-Niveaus  Programm »Ökologisch Bauen«: 50 000 c zinsgünstige Darlehen* für Neubauten *) Stand 31. 3. 06: 1 % fest auf 10 Jahre bzw. 1 % für Energiesparhaus 40 oder 2 % für Energiesparhaus 60 fest auf 10 Jahre  Info: KfW-Förderbank, Tel. 0 18 01-33 55 77, www.kfw-foerderbank.de

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Der Autor Richard Mergner ist Landesbeauftragter des Bundes Naturschutz.

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Um ein deutliches Zeichen für den Nationalpark Bayerischer Wald und seine vielen Unterstützer in der Bevölkerung zu geben, hat sich im März in Rinchnach unter Leitung von Helmut Steininger, im BNLandesvorstand Beauftragter für Ostbayern, der Arbeitskreis Nationalpark Bayerischer Wald gegründet. Aktuell macht sich der Arbeitskreis vor allem für die Erweiterung der Naturzonen im Park stark (s. N+U

1-2006). Mitglieder des Arbeitskreises sind die BN-Kreisgruppen Regen, Freyung-Grafenau und Passau, der Arbeitskreis Umwelt der CSU Regen, die Kreisgruppen Regen und Freyung-Grafenau des Landesbundes für Vogelschutz, die »Arge Waldwildnis« sowie »Waldzeit e.V.«, »Pro Nationalpark Regen« und »Grünes Herz Europa«, Sektion Bayern. Zum Sprecher des Arbeitskreises wurde Jens Schlüter, Diplom-Forstwirt aus

Foto: Willner

Nationalpark-Freunde gründen Arbeitskreis

dem Bayerischen Wald, gewählt. Ihm zur Seite stehen der stellvertretende Sprecher Herbert Pöhnl aus Viechtach und Irene Blendinger aus Frauenau. (hl)

Erstes Bahn- und Reisefest des BN

Foto: Schäff

Großer Besuch von Politik und zahlreichen Gästen aus dem In- und Ausland im Nürnberger Verkehrsmuseum: Dort feierte die Bund Naturschutz Service GmbH, die ein umfangreiches Programm an Urlaubsreisen mit der Bahn anbietet, am 11. Februar ihr erstes Bahn- und Reisefest. Dickes Lob für die ökologischen Reisen der GmbH gab es am Festabend von der Vorsitzenden des Tourismusausschusses im Deutschen Bundestag, Marlene Mortler (CSU), und von Christine Stahl, Landtagsabgeordnete der Grünen. Die Gäste reis-

ten aus ganz Europa an, Yana Ogarkova von der »Ökologischen Welle Baikal« sogar aus dem fernen Ost-Sibirien. Bio-Buffet, Musik, Vorträge über Nationalpark-Reisen und eine Ausstellung zur Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn sorgten für ein unterhaltsames und informatives Programm. Benedikt Bisping, Chef der BN Service GmbH, freute sich über den enormen Zuspruch der Gäste. (hl) Mehr Info: Bund Naturschutz Service GmbH, Tel. 0 91 23-9 99 57 10, info@bund-reisen.de, www.bundreisen.de

Mit dem BN ist gut Kirschen essen Ein Frühlingsspaziergang durch die blühenden Kirschgärten auf der Kalchreuther Höhe oder der Geschmack von frisch geernteten Kirschen – das sind Naturerlebnisse, die man nicht vergisst. Für den Erhalt dieser ökologisch besonders wertvollen Streuobstbestände setzt sich der Bund Naturschutz mit seinem »Kirschenpro-

jekt« ein. Ein neu entwickeltes Markenzeichen (siehe Abbildung) wirbt ab sofort für den Kauf der Kirschen aus dem Projekt. Das Logo signalisiert: Hier erwartet den Käufer ein köstliches Geschmackserlebnis. Zudem trägt der Verbraucher mit dem Erwerb des Obstes zum Erhalt der herrlichen Kirschgärten bei, die ein beliebtes Naherholungsziel

sind und seltenen Tierarten wie dem Wendehals wertvollen Lebensraum bieten. Der Bayerische Naturschutzfonds fördert das Projekt. Karin Klein-Schmidt (hl) Kontakt: BN-Kirschenprojekt, Tel. 0 91 31- 4 00 13 03, bn-kirschenprojekt@web.de, www.bund-naturschutz.de /projekte/kirschenprojekt

Noch bis Ende August: N+U-Fotowettbewerb

Foto: Gößwald

Bayerns Hobby-Fotografen aufgepasst: Noch bis 31. August 2006 können sie am N+U-Fotowettbewerb »Heimat im Fokus« teilnehmen (s. Natur+Umwelt 1-2006). Gesucht werden die überzeugendsten Bilder zum Thema Heimat. Qualität und Perspektive der Bilder entscheiden über die Gewinner. Als Prei-

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se winken eine Reise in den Harz, eine Fotosafari mit ProfiFotograf Wolfgang Willner durch eine von Bayerns großen Naturlandschaften und drei Jahresabos der renommierten Zeitschrift »NaturFoto«. Alle eingehenden Bilder werden gewertet, ob Fotoabzug, Dia oder hoch auflösende Datei.

Einsenden an: Bund Naturschutz in Bayern e.V., Redaktion »Natur+Umwelt«, Dr.-JohannMaier-Straße 4, 93049 Regensburg, nu@bund-naturschutz.de


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»Die Wolke« schafft Bewusstsein für Atomgefahr Eine radioaktive Wolke tritt aus einem deutschen AKW aus und tötet in kurzer Zeit 38 000 Menschen. Hannah, ein 16-jähriges Mädchen, und ihre große Liebe Elmar bemühen sich in dem entstandenen Chaos, dem schrecklichen Schicksal zu entkommen. Dieses Szenario beschrieb »Die Wolke«, eine Verfilmung von Gudrun Pausewangs gleichnamigem Erfolgsroman, der im März und April mit großem Erfolg in den deutschen Kinos lief. Der BN unterstützte den Start des Kinofilms tatkräftig: BN-Aktive warben auf Veranstaltungen in ganz Bayern für den Film und

verteilten in den Kinos ein eigens produziertes Faltblatt. Es informierte über die real bestehende Bedrohung durch deutsche Kernkraftwerke und den Einsatz des BN gegen die Atomgefahr. Durch die Verzahnung von Kinoerfolg und BN-Aktion erreichte der Verband mit den angesprochenen Jugendlichen eine Zielgruppe, die sonst nur schwer für Atomenergie und Naturschutz zu interessieren ist. Das Faltblatt kann bestellt werden beim BNÖffentlichkeitsreferat, Tel. 09 41-2 97 20 22, inge.leiter@bund-naturschutz.de

Landesplanung nicht zukunftsfähig Der Bund Naturschutz fordert Korrekturen am neuen Landesentwicklungsprogramm (LEP), das der bayerische Wirtschaftsminister Erwin Huber im März vorlegte. Sollte der Landtag den Entwurf ohne Änderungen verabschieden, führte das neue LEP zu einer verstärkten Zersiedelung der Landschaft. In Zukunft könnten dann auch im ländlichen Raum Einzelhan-

dels-Großprojekte auf der grünen Wiese entstehen, was dem kommunalen Wettkampf um neue Gewerbeflächen weiteren Vorschub leisten würde. Zudem geht das LEP kaum auf die künftige Bevölkerungsentwicklung ein. Damit verlässt die Staatsregierung den von ihr selbst propagierten Weg der »nachhaltigen Entwicklung« und widerspricht ihren eigenen

Zielaussagen zu einer Reduzierung des Flächenverbrauchs. Der BN spricht sich dafür aus, im ländlichen Raum und in den Verdichtungsräumen dezentrale, gemeinde- und stadtteilbezogene integrierte Handelsstandorte zu bewirken. Das LEP soll nach dem Willen der Staatsregierung am 21. Juli 2006 in Kraft treten. (hl)

Seit Ende April und noch bis 26. Mai liegen in den betroffenen Städten und Gemeinden die Planunterlagen zur geplanten Transrapidstrecke vom Münchner Hauptbahnhof zum Flughafen München aus. Bis 9. Juni haben alle Bürger Gelegenheit, Einwendungen gegen das Projekt an die Regierung von Oberbayern zu richten. Der Bund Naturschutz lehnt dieses Vorha-

Foto: Kreisgruppe München

Transrapid: Bürger haben das Wort ben der Staatsregierung ebenso ab wie zum Beispiel auch die Stadt München. Die TransrapidStrecke würde die als FFHGebiet ausgewiesenen Isarauen bei Freising schädigen. Der Bau einer beschleunigten S-Bahn oder Eisenbahn könnte eine schnelle Anbindung des Münchener Zentrums an den Flughafen ebenso sicherstellen und würde die Region mit einbezie-

hen. Dies kostete zudem nur einen Bruchteil der für den Transrapid veranschlagten rund zwei Milliarden Euro, so blieben Mittel für dringende Verbesserungen des Nahverkehrs. Eine Muster-Einwendung gibt es unter www.bund-naturschutz. de/transrapid_einwendung.html Peter Rottner, BN-Landesgeschäftsführer (hl)

Links rechts unten www.regionalbewegung.de Die neue Internetpräsenz des Bundesverbandes der Regionalbewegungen informiert über die Aktivitäten des Verbandes, Aktuelles, Veranstaltungen und Bildungsangebote.

www.umweltkids.de Wer jung und aktiv ist, findet hier spannende Berichte über internationale Umweltthemen, Mitmach-Aktionen, viele LinkTipps und tolle Angebote wie Wallpapers.

www.naturschutz-forum.de Foren sind interaktiv: Naturschutz-Experten und Interessierte diskutieren aktuelle Entwicklungen und tauschen Infos aus. Manche Bereiche der Site befinden sich noch im Aufbau.

www.donauauen.at Die Website des Nationalparks Donau-Auen in Österreich wartet mit Infos zu Tieren, Pflanzen und Lebensräumen in Auwäldern sowie herrlichen Bildern auf.

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Regierung von Niederbayern für Staustufen

Neues Kapitel im Donau-Skandal

Infos zum Donau-Fest Am 25. Mai feiern alle Donau-Freunde gemeinsam in Niederalteich. Die Kundgebung beginnt um 14 Uhr am Donauufer bei der Fähre. Information zum Fest unter www.bund-naturschutz.de oder bei der BN-Kreisgruppe Deggendorf, Tel. 09 91-3 25 55, www.bn-deggendorf.de.

Foto: Kestel

Die Autoren Prof. Dr. Hubert Weiger ist 1. Vorsitzender des BN, Dieter Scherf ist Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Deggendorf und Mitglied im BNLandesvorstand (Bild unten).

Was sich »landesplanerische Beurteilung« für den Donau-Ausbau nennt, ist in Wahrheit ein vorhersehbarer Kniefall vor der Kanal-Lobby: Die Regierung von Niederbayern plädiert für Staustufe und Schleusenkanal. Jetzt ist der Widerstand aller Donau-Freunde wichtiger denn je. Von Hubert Weiger und Dieter Scherf

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eit vielen Jahren reagieren Umweltverbände und Donauanwohner mit erbittertem Widerstand auf die Pläne der Kanal-Lobby, noch den letzten Rest frei fließender Donau zwischen Straubing und Vilshofen zu zerstören. Mit Erfolg: Ein erstes Raumordnungsverfahren für Staustufen wurde 1996 eingestellt, die Möglichkeit eines Ausbaus ohne Staustufen erstmals untersucht. Dass dieser im Vergleich zu Staustufen das bessere Kosten-Nutzen-Verhältnis bei den geringeren ökologischen Schäden bietet, bestätigte 2000 die Bundesanstalt für Wasserbau. Daraufhin entschied sich der Deutsche Bundestag, zuständig für die Finanzierung des Projekts, 2002 klar gegen Staustufen. Getrieben von der einflussreichen Baulobby hat sich die bayerische Staatsregierung mit dieser Entscheidung nie abgefunden. Zusätzlich zum Raumordnungsverfahren gemäß Bundestagsbeschluss ließ sie auf Kosten der bayerischen Steuerzahler auch Ausbauvarianten mit einer und mit drei Staustufen untersuchen. Die zuständige Regierung von Niederbayern musste das Kunststück vollbringen, die klaren Fakten contra Staustufenkanalisierung zu verschleiern, um dem Wunsch der Staatsregierung Rechnung zu tragen. Das nun seit Anfang März vorliegende Ergebnis ist ein einzigartiges Dokument innerer Zerrissenheit kompeten-

Glückwunsch Als harter DonauKämpfer von manchem gefürchtet, als leidenschaftlicher Natur- und Umweltschützer von allen geachtet: Dieter Scherf erhielt zu seinem 65-sten Geburtstag am 21. Januar viel Besuch, auch von der Politik. Im Bild von links Niederalteichs Bürgermeister Josef Thalhammer, BN-Ehrenvorsitzender Hubert Weinzierl, Hubert Weiger, SPD-MdB Bruni Irber, Dieter Scherf, Deggendorfs BN-Kreisgruppenvize Hanne Summer, Landrat Christian Bernreiter, CSU-MdL Bernd Siebler, BN-Landesschatzmeister Helmut Steininger, Grünen-MdL Eike Hallitzky und Deggendorfs 3. Bürgermeister Walter Weinbeck

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ter Fachleute und williger Staatsdiener. Laut dieser »landesplanerischen Beurteilung« entspräche nur die Variante mit einer Staustufe unterhalb der Isarmündung und einem Schleusenkanal, der die große Flussschleife bei Mühlham abschneiden würde, den Erfordernissen der Raumordnung. Keine Überraschung, wirbt doch die niederbayerische CSU mit ihrem Vorsitzenden Erwin Huber seit Jahren für die Staustufe. Mit der wunschgemäßen Beurteilung in der Hand will die Staatsregierung nun beim Bund doch noch eine Staustufe durchsetzen, im Widerspruch zum geltenden Bundestagsbeschluss.

Nicht schlüssig, widersprüchlich Wer wie die Fachleute des Bundes Naturschutz die »landesplanerische Beurteilung« genau studiert, stellt fest, dass ihr Ergebnis im Bewertungsabschnitt des selben Dokuments nicht schlüssig begründet ist, ja die Bewertung in einzelnen Abschnitten dem Ergebnis sogar eindeutig widerspricht. Außerdem sind die genannten »Maßgaben« für die Staustufenvariante gar nicht erfüllbar, die bevorzugte Variante kann also nicht realisiert werden. Schließlich würde jedes Staustufenprojekt in der frei fließenden Donau an einer ehrlichen FFH-Verträglichkeitsprüfung nach EU-Recht scheitern, die skandalöserweise bisher nicht durchgeführt wurde. Der BN fordert deshalb die SPD-Bundesminister Tiefensee, Verkehr, und Gabriel, Umwelt, auf, sich nicht dem Lobbygutachten der Kanalbefürworter zu beugen. Es liegt aber an uns allen, liebe Leserinnen und Leser, zu zeigen, dass wir eine Zerstörung des großartigen Donau-Stroms, seiner Auwälder und Stromtalwiesen, seiner Altwässer und Kiesbänke niemals hinnehmen werden. Unser großes Donaufest am Himmelsfahrtstag muss deshalb mit Ihrer Teilnahme zur eindrucksvollen Demonstration für unsere Heimat werden. Kommen Sie bitte alle am 25. Mai nach Niederalteich!


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as Bundeskabinett hat Anfang April das »Planvereinfachungsgesetz« verabschiedet. Mit diesem Gesetz soll zu Lasten von Natur und Umwelt in den Planfeststellungsverfahren für circa 100 Verkehrsprojekte – darunter auch der Ausbau der niederbayerischen Donau (s. linke Seite) – die Beteiligung der Naturschutzverbände erschwert werden. Geplant ist, dass die Verbände – also zum Beispiel der Bund Naturschutz – nicht mehr die Planungsakten erhalten, diese mühsam in den Amtsstuben einsehen müssen oder sich arbeits- und kostenintensiv Abschriften mehrerer tausend Seiten aus dem Internet herunterladen müssen. Nur mit diesen Unterlagen kann aber eine sinnvolle Stellungnahme erarbeitet werden. Diese dient dazu, den Behörden die (negativen) Umweltauswirkungen eines Projektes aufzuzeigen und beispielsweise Alternativen anzuregen. Gleichzeitig sollen die Verbände aber verpflichtet werden, alle Einwendungen innerhalb einer relativ kurzen Frist vorzutragen, wenn sie ihre berechtigten Bedenken bei einer späteren gerichtlichen Überprüfung einbringen möchten. Somit liegt der Verdacht nahe, dass das bürgerschaftliche Engagement der Umweltverbände behindert werden soll.

Raumordnung ade Außerdem soll für Großprojekte nicht mehr zwingend ein Raumordnungsverfahren vorgeschrieben werden.

»Planvereinfachungsgesetz« beschlossen

Bundesregierung bremst Umweltverbände Unter dem Vorwand des Bürokratieabbaus sollen wieder einmal die Mitspracherechte von Naturschützern bei Verkehrsprojekten beschnitten werden. Fehlplanungen wären damit vorprogrammiert. Dies bedeutet, dass planerische Vorüberlegungen, ob ein Groß-Verkehrsprojekt mit anderen Planungsbelangen – Siedlungspolitik, Naturschutz, Planungen anderer Gemeinden – vereinbar ist, nicht mehr stattfinden. Alle Konflikte mit diesen Belangen werden dann nicht frühzeitig bewältigt, sondern auf das Genehmigungsverfahren abgeschoben. Damit wird eine sinnvolle Planung, wie Landschaftsräume genutzt werden sollen und ob es bessere Alternativen zu einem Projekt gibt, endgültig zu Grabe getragen. Am 17. Mai findet voraussichtlich eine Anhörung im Umweltausschuss des Deutschen Bundestages zu dem Gesetzentwurf statt. BN-Landesgeschäftsführer Peter Rottner wird für den BN teilnehmen und sich dafür einsetzen, dass das Gesetz in den Schubladen verschwindet.

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Illustrationen: Wesner

Weg – das ist kein Ziel

Ökologisch Reisen

In die nahe Welt hinein Wollen Sie Urlaub und Ferien unbeschwert genießen? Dann sollten Sie auch den ökologischen Rucksack Ihrer Reise nicht zu voll packen. Reiseziel, Transport, Unterkunft, Aktivitäten – überall können Sie sich und die Umwelt entlasten.

Wer ließe sich nicht gerne von den Sirenen der Fernreise- und Last-Minute-Szene umgarnen: Da locken faszinierende Landschaften und Kulturen, Kreativ- und Wellnessangebote oder auch nur Palmenstrände irgendwo, weit weg vom Alltag. Das alles zum vermeintlichen Schnäppchenpreis. Die Natur aber gerät unter die Räder; gigantische Naturzerstörungen etwa durch neue Landebahnen, Lärmbelastungen und Klimaschäden sind die Folgen des Massentourismus. Vor jeder Reise sollte deshalb eine Inventur stehen: Was genau erwarte ich, brauche ich? Bekomme ich es wirklich nur an einem fernen Reiseziel? Gegen den Lockruf der Ferne hilft auch Stöbern in Ökoreise-Angeboten. Egal ob Sie Ruhe und Erholung, Sport und Nervenkitzel oder Kunst und Kultur suchen – schnell wird deutlich: Der Wert einer Reise steigt keineswegs mit der Strecke.

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Ausgezeichnete Quartiere Zu sanftem Tourismus gehört auch Umweltmanagement am Zielort. Ökologisch zertifiziert sind rund ein Prozent der touristischen Unterkünfte in Europa. Doch bei mehr als 40 Ökolabels mit sehr unterschiedlichen Kriterien fällt die Orientierung schwer. Empfehlenswert sind Mitglieder ökologischer Anbauverbände und Häuser mit dem hochwertigen österreichischen Umweltzeichen. Verlassen kann man sich auch auf das Label »BIO-Hotels«, dort bekommt man vollwertige Ökokost.

Bewusster in die Welt 10 Tipps für sanfteres Reisen  Statt Schnäppchen lieber Qualität  Je kürzer Ihre Reise dauert, um so näher sollte das Ziel liegen  Umwelt im Gastland schonen, Wasser und Energie sparen  Bequeme Bahnen und Busse bevorzugen  Ohne Auto bekommen Sie mehr Kontakt mit Einheimischen  Finden Sie Entspannung in der Natur  Wandern und Radeln – gesund und öko  Urlaub auf dem Bio-Bauernhof: besonders für Kinder ein Hit  Mit Mietrad sind Sie am Zielort mobiler  Nationalparke garantieren unvergessliche Erlebnisse für die ganze Familie

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Rat holen, nachlesen  Regionen, gut für Urlaub ohne Auto: www.reiselust-deutschland.de, www.fahrtziel-natur.de  Ökotourismus allgemein: Ökologischer Tourismus in Europa e.V., Am Michaelshof 8 – 10, 53177 Bonn, Tel. 02 28-35 90 08, www.oete.de, außerdem www.forumandersreisen.de, www.biohoefe.de, www.biohotels.info  Verreisen mit dem BN Bildungswerk, Straubinger Straße 5, 94344 Wiesenfelden, Tel. 0 99 66 -12 70, bw@bund-naturschutz.de, www.bn-bildungswerk.de

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Klimaforscher: schlechte Aussichten für den Wintersport

Mit den Folgen des Klimawandels für den Wintersport in den bayerischen Alpen befasste sich Anfang März in Berchtesgaden das BN-Fachseminar »Skifahren unter Palmen«. Trotz des Jahrhundertwinters 2005/06, so die hochkarätigen Klimaexperten, wird es langfristig weniger Schnee geben.

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ältere Winter werden nicht völlig verschwinden, aber sie werden seltener«, erklärte Professor Hartmut Graßl, Klimaforscher und Emeritus des Max-Planck-Instituts Touren statt Piste Investitionen in für Meteorologie in Hamburg. Winneue Skipisten und ter, in denen unterhalb von 1200 Schneekanonen Metern kaum Schnee liegt, werden rechnen sich nicht: dafür häufiger, was das Ende für Durch den Klimawandel verursach- viele Skigebiete bedeutet, so Graßls te wärmere Winter Prognose. Schon jetzt ist es in begünstigen einen Deutschland im Winter durchnaturnahen Skischnittlich um 1,7 Grad wärmer als tourismus, wie ihn vor 100 Jahren. hier Tourengeher Einig war sich Graßl, der aus vor dem WatzRamsau bei Berchtesgaden stammt, mann im Nationalmit Tourismusforscher Professor Dr. park BerchtesHans Elsasser von der Universität gaden genießen. Zürich, dass neue Skilifte und Beschneiungsanlagen, wie die am Götschen geplante Anlage in 900 bis 1200 Meter Höhe, im Raum Berchtesgaden nicht sinnvoll sind. Keiner der beiden Experten würde hier noch investieren. Stattdessen, so Graßl und Elsasser übereinstimmend, gelte es, einen naturnahen Ganzjahres-Tourismus in der Region zu etablieren. Dafür biete Berchtesgaden mit dem National-

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park, dem Biosphärenreservat und einer gut funktionierenden Landwirtschaft beste Voraussetzungen: »Der Nationalpark zieht die Gäste an, nicht ein weiterer Skilift«, brachte Graßl die Meinung der meisten Referenten, des BN und auch der Mehrzahl der knapp 150 Teilnehmer auf den Punkt.

Alternativen zur Schneekanone Der Naturraum Berchtesgaden sei ein einzigartiger »Diamant«, der in der Tourismuswerbung künftig eine wesentlich größere Rolle spielen müsse, lautete eine der zentralen Aussagen der Veranstaltung. Im internationalen Wettbewerb des alpinen Schneetourismus brauchen gerade die bayerischen Wintersportorte ein Alleinstellungsmerkmal, das sie deutlich von den mit Liften, Schneekanonen und Bettenburgen übererschlossenen »Skischaukeln« andernorts abhebt. Um dieses Ziel zu erreichen, genügt guter Wille vor Ort freilich nicht: Nötig wäre eine Regionalplanung, die sensible und durch Muren, Lawinen oder Überschwemmungen gefährdete Flächen strikt von Bebauung freihält, und eine Politik, die die Naturschutz-Vorgaben der Alpenkonvention beachtet und sich zu klimawirksamem Handeln in den Bereichen Energie und Verkehr durchringt. Christine Margraf (asw)

Foto: privat

IM PROFIL

Foto: Stanggassinger, Nationalparkverwaltung Berchtesgaden

Nationalpark statt Skilift

Christine Margraf

Vorbereitet wurde das Fachseminar »Skifahren unter Palmen« von Dr. Christine Margraf, Leiterin der BN-Fachabteilung München. Seit 1994 ist die 38-jährige promovierte Diplom-Biologin hauptamtlich für den BN-Landesverband tätig. Neben der Liebe zur und dem Respekt vor der Natur waren es vor allem die geplante atomare Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf und die Entwicklungen in der Gentechnik, die sie Mitte der achtziger Jahre zum Bund Naturschutz führten: »Hier, zusammen mit vielen anderen, hatte ich das Gefühl, der Naturzerstörung nicht ganz so machtlos und ohnmächtig gegenüberzustehen«, sagt die gebürtige Ingolstädterin, die sich von 1985 an in der dortigen Kreisgruppe engagierte. Seit 2000 lebt sie in Freising und ist dort seit 2006 Mitglied im Kreisvorstand. Auch den Rest ihrer knapp bemessenen Freizeit widmete sie in den vergangenen Jahren dem Naturschutz: Neben ihrer hauptamtlichen Tätigkeit beim BN arbeitete sie an ihrer Promotion über die Donau-Auen, die sie 2005 erfolgreich abschloss. Als Regionalreferentin und Artenschutzreferentin für Südbayern betreut Christine Margraf die Regionen Ingolstadt, Oberland und SüdostOberbayern und ist Ansprechpartnerin für Fragen rund um den europäischen Naturschutz sowie ihre Fachthemen Alpen, Fließgewässer und Auen. Ihr direkter Draht zu Christine Margraf: Tel. 0 89-54 82 98-89, Fax -18, christine.margraf@bundnaturschutz.de


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Kreisgruppe Deggendorf

Himmelreich in Gefahr

UNESCO-Preis: Für die Kreisgruppe Kelheim begann das Jahr 2006 mit einem Paukenschlag. Die UNESCO verlieh dem Umweltbildungsprojekt RADULA den Titel »Offizielles Projekt der UN-Dekade 2006/2007«. Mit diesem Preis zeichnet die internationale Bildungsorganisation jährlich Projekte aus, die sich in herausragender Weise dem Thema »Nachhaltigkeit« widmen. Im Rahmen eines Festaktes präsentierten am 1. März Kreisgruppe, BN-Vorsitzender Hubert Weiger und Landrat

dorf hat das Baugebiet inzwischen abgelehnt und den Eingriff als nicht ausgleichbar befunden. Auf den extensiv genutzten Flächen des Himmelreichs leben zehn Heuschreckenarten der Roten Liste, der stark gefährdete Kleine Heidegrashüpfer hat hier sein größtes bekanntes Vorkommen in Niederbayern. Mit mindestens 19 »Saftlingen« genannten Pilzarten, davon 15 gefährdeten, ist das »Himmelreich« als national bedeutsamer Grünlandlebensraum für Wiesen bewohnende Pilze zu werten. Zwei der hier vorkommenden Saftlinge erweisen sich als bundesweit vom Aussterben bedroht. Die attraktive Lage oberhalb Deggendorfs zieht schon seit Längerem die begehrlichen Blicke der

Hubert Faltermeier die Urkunde der Öffentlichkeit. RADULA ist ein Gemeinschaftsprogramm der BNKreisgruppe und des Landschaftspflegevereins VöF. Das Team um Christine Linhard und Peter Bohn bietet Kinder- und Jugendgruppen naturkundliche Führungen in die Lebensräume Hecke, Wasser, Wald und Wiese an. Sie verknüpfen die in der Natur gewonnenen Erkenntnisse mit Unterrichtsfächern wie Chemie, Biologie, Kunst oder Geschichte. Natur+Umwelt gratuliert! Kein Abschuss: Die Graugänse im Naturschutzgebiet Vilstalstausee (Landkreis Dingolfing) bleiben

Bauplaner auf sich. 1990 wurden die ersten Pläne der Stadt bekannt, hier 20 Hektar Bauland auszuweisen. Nach massivem Widerstand der Naturschutzverbände und einer Bürgerinitiative blieben circa drei Hektar Bauland übrig, die die Stadt 1999 in den Flächennutzungsplan aufnahm. Die Kreisgruppe wird sich auch gegen die aktuellen Baupläne mit aller Kraft einsetzen und das Himmelreich verteidigen. Walter Hanschitz-Jandl (hl)

künftig wieder ungestört. Das Verwaltungsgericht Regensburg meldete erhebliche Bedenken gegen die Rechtmäßigkeit eines Abschusses der Gänse an, weil die Behörden die Notwendigkeit des Abschusses unzureichend geprüft

Zuflucht Himmelreich Im Wirtschaftsgrünland sind die bunten Saftlinge kaum mehr zu finden. Die Wiesen des Himmelreichs beherbergen dagegen noch 19 Saftlings-Arten.

hatten. Zuvor hatte die Regierung von Niederbayern der Forstverwaltung den Abschuss von Graugänsen im Naturschutzgebiet Vilstalstausee genehmigt. Die Vögel hätten nahe gelegene Wiesen verkotet (siehe Natur+Umwelt 32005). Gegen diesen Eingriff in das Naturschutzgebiet hatte der Bund Naturschutz geklagt – mit Erfolg. Da die genehmigte Abschusszeit während des Gerichtsverfahrens ablief, wurde das Verfahren beendet.

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m Herbst 2006 teilte die Stadt mit, sie wolle ausgerechnet den ökologisch wertvollsten Teil des »Himmelreichs« zum Baugebiet ernennen. Über den Dächern der Stadt gelegen und von der Bundespolizei als Übungsgelände genutzt, umfasst das Himmelreich etwa 60 Hektar Magerweiden und -wiesen. Der städtische Landschaftsplan schlägt die Fläche als künftiges Naturschutzgebiet vor, Eingriffe in diesem Bereich bezeichnet der Plan als nicht kompensierbar. Eine Bebauung würde somit einen klaren Verstoß gegen das Bayerische Naturschutzgesetz bedeuten. Dennoch stellt die Höhere Naturschutzbehörde in Landshut eine solche in Aussicht. Die Kreisgruppe des Bundes Naturschutz protestiert gegen die Baupläne und fordert, die Flächen wie vorgesehen zum Schutzgebiet zu erklären. Auch der Naturschutzbeirat des Landratsamtes Deggen-

Foto: Hirmer

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Fotos: Hanschitz-Jandl

Das Himmelreich liegt in Deggendorf: Für gefährdete Heuschrecken, bedrohte Pilze und Erholung suchende Menschen ist das Gebiet mit dem himmlischen Namen ein Paradies. Die Stadt Deggendorf aber plant »Teuflisches«: Sie möchte die Wiesen als Baugebiet ausweisen.


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Foto: Konopka

Foto: Baltzer

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Kreisgruppe Fürth-Stadt

Möbel Höffner: Subventionierter Flächenfraß ? Möbel Höffner will im Knoblauchsland weiterhin ein riesiges Möbelzentrum errichten. Ein eigens angelegter Autobahnanschluss soll hinzukommen, die

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öbel-Höffner versucht seit Jahren im Fürther Knoblauchsland ein großes und höchst umstrittenes Möbelhaus mit reichhaltigem Randsortiment zu errichten (siehe N+U 4-2000). Das Vorhaben schien beigelegt, als Höffner 2005 in das Gebäude des ehemaligen »Franken-Wohnlands« zog. Doch Totgesagte leben länger. Nach wie vor will Höffner mit dem ins Boot gestiegenen »Teppich-Kibek« 14,5 Hektar Knoblauchsland opfern. Hinzukommen soll ein Autobahnanschluss eigens für die beiden Firmen, die geplante S-Bahn-Trasse Nürnberg – Forchheim soll von der bestehenden Bahnstrecke abzweigen. Insgesamt würden 33,8 Hektar, so viel wie 47 Fußballfelder, zerstört. Die Behörden stimmten den

Mehr Sehnsucht: Das umweltpädagogische Angebot »Sehnsucht Wildnis« startet dieses Jahr in Nürnberg, Erlangen, Fürth und Schwabach in seine zehnte Saison. Ob Wasservögel am Dutzendteich, Amphibien auf ihrer Laichwanderung oder Mauersegler zwischen den Häuserblocks – das Projekt hält abgestimmte Angebote für Kinder und Jugendliche vom Vorschulalter bis zum Ende der gym-

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Gigantomanie: Die »Tank und Rast AG« will ihre Autobahn-Rastanlage bei Aurach von derzeit 2,7 auf 18,6 Hektar erweitern. Proteste auch des BN haben mittlerweile aber zu einem Meinungsumschwung in den kommunalen Gremien geführt: Der Kreistagsausschuss

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S-Bahn-Trasse Nürnberg-Forchheim von der bestehenden Strecke abzweigen. Der Bund Naturschutz protestiert gegen den »subventionierten Flächenfraß«.

Plänen bereits zu. »Wir haben für die S-Bahn lange gekämpft und wollen sie unbedingt bekommen, aber nicht mit diesem unsinnigen Verlauf« betont Reinhard Scheuerlein von der Kreisgruppe FürthStadt. »Wir nennen das eine versteckte Subvention für einen Konzern, der Landschaft vernichtet und bestehende Arbeitsplätze in der Innenstadt bedroht«. Bei einer Protestaktion bedeckte die Aktionsgemeinschaft zum Schutz der Fürther Innenstadt und des Knoblauchslandes, der auch der Bund Naturschutz angehört, eine Wiese mit 300 Quadratmetern weißer Folie, um den drohenden Flächenfraß zu verdeutlichen. Täglich gehen in Bayern 106 Quadratmeter pro Minute verloren.

nasialen Ausbildung bereit. Mit 250 Veranstaltungen und 5300 Teilnehmen im Schuljahr 2004/2005 stellt »Sehnsucht Wildnis« eines der erfolgreichsten mobilen Umweltbildungsangebote des BN dar. Kontakt: Kreisgruppe NürnbergStadt, Tel. 09 11-45 76 06, www.bund-naturschutz-nbg.de

Foto: Konopka

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Zukunftsperspektiven BN-Aktive bedecken 300 Quadratmeter noch freien Knoblauchslands, um den drohenden Flächenfraß zu veranschaulichen. Wenn Höffner kommt, bleibt von der Landschaft kaum etwas übrig – wie im »ElbePark« Dresden (kleines Bild).

Dass der Möbel-Gigant am Standort Knoblauchsland festhält, obwohl er bereits ins einstige »Franken-Wohnland« zog, liegt an einer hausgemachten Fehlinvestition: Höffner kaufte in den letzten Jahren im Knoblauchsland circa 30 Hektar Flächen zu überhöhten Preisen auf. Ein betroffener Grundstückseigentümer hat jetzt Klage gegen Höffners Pläne angekündigt. Da die Enteignung dieses Privateigentümers zu Gunsten eines anderen Privaten, hier der Firma Höffner, in Deutschland bislang durch das so genannte Boxberg-Urteil ausgeschlossen ist, kommt es möglicherweise zu einer bundesweit bedeutsamen Auseinandersetzung. Tom Konopka (hl)

Erlangen-Höchstadt, der Umwelt-, Verkehrs- und Planungsausschuss der Stadt Erlangen und der Stadtrat von Herzogenaurach stimmten gegen die Ausbaupläne. Selbst der Regionale Planungsverband revidierte seine ursprüngliche Zustimmung. Nun kommt es auf die Regierung von Mittelfranken an. Erfolgreicher Einwand: Der Kalksteinbruch im Naturpark Altmühltal bei Osterdorf, Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen, wird nicht erweitert. In seiner Stellungnahme deckte der BN auf, dass die

Sprengungen das Wasserregime gefährden würden. Die Regierung von Mittelfranken entschied sich daraufhin gegen den Kalkabbau. Tangente wird gebaut: Beim Bürgerbegehren »Südosttangente« stimmten in Ansbach 76 Prozent für den Bau dieser Straße. Die Aktionsgemeinschaft »Für die Feuchtlach, für ein besseres Verkehrskonzept«, der auch der BN angehörte, hatte sich wegen der Zerschneidung des Naherholungsgebietes Feuchtlach gegen die Straße ausgesprochen. Der BN dankt allen, die sich engagiert gegen die Südosttangente eingesetzt haben.


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ur noch in zwei Regionen Bayerns kann man im Frühjahr die Schachblume (Fritillaria meleagris) bewundern: im unterfränkischen Sinn-Tal und an fünf Stellen in und um Bayreuth. »Für den Erhalt dieser Pflanze haben wir Bayreuther also eine besondere Verantwortung«, betont Peter Ille, Geschäftsführer der Kreisgruppe und Leiter des Schachblumen-Projekts. Deshalb zögerte die Kreisgruppe Anfang vergangenen Jahres nicht lange, als bekannt wurde, dass vier Flurstücke mit zusammen gut 1000 Exemplaren des Liliengewächses im Rotmain-Tal zwischen Bayreuth und Heinersreuth zum Verkauf standen. Im Rahmen des SchachblumenProjekts organisierte die Kreisgruppe die Sicherung der Grundstücke, die zusammen 17 580 Quadratmeter umfassen. Drei hoch engagierte Naturfreunde – darunter ein Ehepaar aus Südbayern, das bereits vor Jahren den größten FrauenschuhBestand in Oberfranken durch Ankauf sicherte – erwarben drei der vier Flurstücke. Die neuen Eigentümer verpachteten die Schachblumen-Wiesen anschließend an den Bund Naturschutz, der die Wiesen

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Kreisgruppe Bayreuth

BN rettet Bayerns letzte Schachblumen Die Bayreuther SchachblumenWiesen sind eines der beiden letzten Vorkommen dieser Art in Bayern. Mit der Hilfe großzügiger Unterstützer konnte die Kreisgruppe drei Viertel der Flächen auf Dauer sichern. Um auch das letzte Grundstück zu erwerben, ist das Projekt auf Spenden angewiesen.

seither pflegt. Die vierte Fläche will die Kreisgruppe so bald wie möglich dazukaufen. »Mit Ankauf und Pacht der Flächen wollen wir die Bewirtschaftung noch besser auf die Schachblume abstimmen. So soll zukünftig erst im Juli gemäht werden, da die Samen dieser Pflanze recht spät reifen. Auch wollen wir uns darum bemühen, dass das Vorkommen einen offiziellen staatlichen Schutzstatus erhält«, erklärt Ille. Um die bisherigen Kosten sowie den Ankauf des vierten Schutzgrundstücks zu finanzieren, benötigt die Kreisgruppe noch 2000 Euro. Dabei ist sie auf die Hilfe großzügiger Spender angewiesen. Wer den Ankauf unterstützt, rettet mit seiner Spende die letzten Schachblumen Bayerns. Tom Konopka (hl)

Konto: 9 023 722, Sparkasse Bayreuth, BLZ 773 501 10, Stichwort »Schachblume«

Foto: Ruppaner

die Menschen im März ebenfalls auf die Straße, um sich für eine gentechnikfreie Zukunft einzusetzen. Zwei plus eins: Die Kreisgruppe Lichtenfels und der BN-Landesverband haben das bayerische Innenministerium gebeten, beim Neubau der B 173 eine Zwei-pluseins-Lösung zu prüfen, bei der nur drei statt vier Fahrstreifen gebaut werden. In Frankreich ist diese Lösung üblich, und auch das deutsche Bundesamt für Straßenwesen empfiehlt sie. Eine dreispurige B 173 könnte den prognostizierten Verkehr bewältigen und Eingriffe im Bereich Küps sowie im Naturschutzgebiet Gaabsweiher bei

Lichtenfels vermeiden helfen. Zuvor hatte der BN die ursprünglich geplante vierspurige Neubautrasse durch das Vogelschutzgebiet am Naßanger vor dem Bundesverwaltungsgericht gestoppt. Das Straßenbauamt plant seitdem eine andere Trassenführung.

Foto: Kreisgruppe Hof

Gentechnik-Demo: In Hof demonstrierten Anfang Februar 500 Bürger, Lebensmittelverarbeiter, Kirchenvertreter, Umweltschützer und Landwirte mit 40 Traktoren gegen einen erleichterten Anbau von genmanipulierten Pflanzen. Hintergrund sind die Pläne von Bundes-Landwirtschaftsminister Seehofer, das Gentechnikgesetz aufzuweichen. In mehreren anderen bayerischen Städten gingen

Fotos: Ille

Die letzten ihrer Art Bei Bayreuth blühen mit die letzten Schachblumen Bayerns. Um ihr Überleben zu sichern, pachtet die Kreisgruppe die betroffenen Wiesenflächen an. Dabei ist sie auf die Unterstützung durch Spenden angewiesen.

Umweltpreis: Die Kreisgruppe Hof verlieh Karlheinz Meinel, dem Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Vogtland, den Umweltpreis der Kreisgruppe. »Mit ihrem EgroNet-Angebot kommt die Vogtlandbahn den Forderungen des BN nach einem Oberfränkischen

Verkehrsverbund schon sehr nahe«, lobte BN-Landesbeauftragter Richard Mergner (im Bild links, mit Meinel). Kreisgruppen-Vorsitzender Udo Benker-Wienands hob hervor, dass es dank des EgroNets heute möglich ist, zwischen Karlsbad, Weiden, Bayreuth, Bad Steben, Gera, Zwickau und Plauen einen Tag alle Verkehrsmittel des öffentlichen Personennahverkehrs mit einem einzigen Fahrschein zu nutzen und Fahrräder kostenlos mitzunehmen. Natur+Umwelt gratuliert!

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Kreisgruppe Regensburg

»Saubere« Energie oder gesunder Bach? Übermäßige Wasserkraftnutzung schädigte den Höllbach im Falkensteiner Vorwald in der Vergangenheit massiv. Künftig soll der Naturschutz wieder stärker zu seinem Recht kommen, fordert die BN-Kreisgruppe Regensburg im Zuge der neuen wasserrechtlichen Genehmigung. er »Hölle« genannte Abschnitt des Bachs – seit 1950 Naturschutzgebiet – ist ein ursprünglich von Wasserkaskaden durchtostes Blocksteinmeer. In den letzten Jahrzehnten leitete die Firma Heider das Wasser des Höllbachs jedoch überwiegend zur Stromerzeugung ab, so dass heute nur noch ein Bruchteil der ursprünglichen Wassermenge fließt. Vor rund 16 Jahren endete die wasserrechtliche Genehmigung für die Firma Heider, erst seit 2000 läuft das neue Verfahren für die drei Wasser-Kraftwerke der Firma am Höllbach. Der Bund Naturschutz fordert, dabei den Natur- und Gewässerschutz künftig stärker zu berücksichtigen. Im Bereich des Blocksteinmeeres stockt ein deutschlandweit einzigartiger Auwald aus Sommerlinden, im Höllbach selbst konnten sogar Perlmuscheln nachgewiesen werden. Trotz der massiven Schäden ist

Richtigstellung: Auf der Regionalseite Oberpfalz der Natur+Umwelt 1-2006, Seite 34, entstand im Artikel »Regionalvermarktung auf Erfolgskurs« durch einige missverständliche Formulierungen der falsche Eindruck, das dort beschriebene Rotvieh- und Regionalvermarktungsprojekt sei ein reines BN-Projekt. Richtig ist, dass es sich um ein erfolgreiches Projekt des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) handelt. An dem Projekt arbeiteten engagierte Naturschützer mit, die zugleich Mitglied im BN und im LBV sind. Autor und Redaktion haben den LBV in einem Schreiben um Entschuldigung gebeten.

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Foto: Streck

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der Höllbach wegen seiner prioritären Arten als zu schützender Lebensraumtyp inzwischen Teil eines FFH-Gebiets. Ökologisch entscheidend ist die Restwassermenge, die im Bach verbleibt. Diese schrumpfte in den amtlichen Bescheiden für die Stauanlagen bereits zwischen 1960 und 1969 von 1000 in mehreren Schritten auf 110 Liter im Sommer und 50 Liter im Winter. Die negativen Folgen: Das Wasser eutrophiert, im Bachbett bildet sich Faulschlamm, die Artenvielfalt verringert sich. Die noch vom ersten bayerischen Landesbeauftragten für Naturschutz, Otto Kraus, beschriebenen Wasserkaskaden verkümmerten zu einem kleinen Rinnsal. Professor Alwin Seifert stellte 1967 fest, dass 200

Trauer: Nach schwerer Krankheit verstarb am 12. Februar Manfred Kratochwill, der Vorsitzende der Ortsgruppe Städtedreieck (Kreisgruppe Neustadt a. d. Waldnaab / Weiden). Der Bund Naturschutz verliert mit ihm einen hoch engagierten, warmherzigen und allseits beliebten Mitstreiter. Sein Einsatz galt Biotoppflegemaßnahmen ebenso wie der Haus- und Straßensammlung oder dem Naturerlebnispfad »Bierlohweiher«. Im Frühjahr 2003 initiierte er die Gründung der Kinder- und Jugendgruppe »Pusteblume«. Seit 1998 war er

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Foto: Zeitler

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Wasser für die Hölle Große Wassermassen rauschten einst durch die »Hölle«. Seinen Namen erhielt das Naturschutzgebiet, da das Wasser teils unsichtbar durch Felsspalten gurgelte. Heute kämpft die BN-Kreisgruppe Regensburg um eine Erhöhung der verbliebenen Restwassermenge.

Liter pro Sekunde das absolute Minimum darstellen. Beim Erörterungstermin im Juni 2005 wurde deutlich, dass die Behörden sich weitgehend mit dem bisherigen Zustand zufrieden geben wollen, ein entsprechender Bescheid ist ab Frühjahr 2006 zu erwarten. Damit bliebe die Chance, die ökologischen Schäden wenigstens teilweise rückgängig zu machen, ungenutzt. Die Firma Heider konnte schon vor Jahren ihre Stromausbeute durch technische Erneuerung erheblich steigern. Angesichts dessen hält es der Bund Naturschutz für gerechtfertigt, dass auch der Bach von diesem Effizienzgewinn profitiert und die Restwassermenge künftig erhöht wird. Dr. Peter Streck (hl)

Vorsitzender der Ortsgruppe. Der BN trauert um »Mandi«. Ortsumfahrung: Zusammen mit betroffenen Bürgen protestiert die Kreisgruppe Schwandorf gegen die geplante Nordumfahrung Wackersdorf. Die Umfahrung könnte Verkehrsprobleme nur verlagern. Wohn-, Naherholungs-, FFH- und Wasserschutzgebiete würden ebenso wie das Charlottenhofer Weihergebiet massiv beeinträchtigt. Der Bund Naturschutz fordert, die bereits vorhandenen Straßen und Zufahrten auszubauen und als flächen- und umweltschonende Alternative zu nutzen.

Gentechnikfrei: »Wir haben keine Veranlassung mehr, heuer in Almesbach gentechnisch veränderten Mais auszusäen«. Diese ebenso erfreuliche wie überraschende Ankündigung von Jakob Opperer, dem Präsidenten der Landesanstalt für Landwirtschaft, quittierten in Weiden Ende Februar fast 170 Besucher mit tosendem Applaus. Zuvor hatte die Kreisgruppe ein Bündnis gegen den Anbau des Gen-Maises gegründet und gegen die Pläne der Landesanstalt protestiert. Der Erfolg beweist, dass sich öffentlicher Druck auszahlt.


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Kreisgruppe Pfaffenhofen

Zehn Jahre Grünes Klassenzimmer Rund 16 000 Kinder und Erwachsene besuchten seit seiner Gründung das »Grüne Klassenzimmer« in Scheyern. Dieses Jahr feiert das Umweltbildungsprojekt sein zehnjähriges Jubiläum. Die Kreisgruppe zieht ein erstes Resümee ihres überaus erfolgreichen und nachahmenswerten Projekts.

Spannende Einsichten Bei den Exkursionen des »Grünen Klassenzimmers« kommen kleine Mitgeschöpfe in der Becherlupe groß heraus. Das Klassenzimmer verlegt die Kreisgruppe in die Natur – sehr zur Freude der Schüler, wie der Erfolg des Projekts belegt.

Foto: Kainz

er ins Grüne Klassenzimmer eintritt, lässt die gewohnten vier Schulwände hinter sich. Raus in die Natur, heißt die Devise, weshalb Kinder und Jugendliche Hecke, Wiese, Wald und Wasser vor Ort erforschen. Sie bestimmen die Gewässergüte ihres Hausbachs, bestaunen die Tierwelt vor ihrer Haustüre durch das Vergrößerungsglas oder lernen bei einer Zeitreise das von der Natur bestimmte Leben ihrer steinzeitlichen Vorfahren kennen. Die Freude an der Natur und das Bewusstsein für ihre Verletzlichkeit stellen sich dabei ganz von selbst ein – das erklärte Ziel der Kreisgruppe. Die Veranstaltungen richten sich vor allem an Kindergärten, Förderschulen, Grund- und Hauptschulen, aber auch für Realschule und Gymnasium eignen sich die Exkursionen als Projekt- oder Wandertag. 2800 Teilnehmer allein im vergangenen Jahr belegen den Erfolg des Grünen Klassenzimmers. Ein Erfolg, der auf solidem Fundament steht: Den Grundstein für das Programm legte vor zehn Jahren der Forschungsverbund Agrarökosysteme München (FAM). Der Verbund, dem auch die Technische Universität Weihenstephan angehörte, pachtete 1996 das Klostergut Scheyern. Bald reifte

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beim FAM die Idee, sein Wissen auf naturkundlichen Exkursionen mit den Jüngsten zu teilen. Das Benediktinerkloster Scheyern stellte ein Gartenhäuschen auf der Obstwiese neben dem Klostergut als Lager für das Grüne Klassenzimmer zur Verfügung. Nachdem sich der FAM 2002 aus dem Projekt zurückgezogen hatte, übernahm die BN-Kreisgruppe Pfaffenhofen die Trägerschaft. Von Anfang an dabei ist Ulrike Kainz, die das mittlerweile fest etablierte Projekt bis heute

Foto: BN-Archiv

denkmäler ausgewiesen, zum Beispiel das Herrschinger Moos. Natur+Umwelt gratuliert!

Gratulation: BN-Vorsitzender Hubert Weiger und BN-Beiratssprecher Wolfgang Rapp überbrachten Barbara Meyer zu ihrem 95. Geburtstag Anfang März in Gauting die herzlichen Glückwünsche des Verbandes (siehe Foto). Meyer ist Mitbegründerin der Kreisgruppe Starnberg und leitete diese bis 1978. Auf ihre Initiative hin wurden unter anderem mehrere Naturschutzgebiete und Natur-

Mitfahren: Seit Januar 2006 bietet die Kreisgruppe Dachau für die Bürger des Landkreises eine Mitfahrzentrale an. Sowohl für die tägliche Fahrt zur Arbeit als auch für einmalige Fahrten ins ganze Bundesgebiet können sich Interessierte über die Website der Zentrale den richtigen Mitfahrer suchen. Die Kreisgruppe versteht das Projekt auch als Beitrag, das viel zu teure und sinnlose Umgehungsstraßen-Vorhaben der großen Kreisstadt Dachau zu verhindern. Kontakt: www.mifaz.de

leitet. Agnes Bergmeister und Martina Körner vervollständigen das Team seit drei Jahren. Mit seinen neuen Ideen macht das Team das Klassenzimmer ab 2006 auch winterfest: Die angebotenen Themen führen Kinder und Jugendliche in der kalten Jahreszeit zum Beispiel in den »Faszinierenden Winterwald«. (hl)

Zu Gast bei Freunden: Für den Betriebsausflug der Bund Naturschutz Service GmbH (BNS) bot die Ortsgruppe Berchtesgaden einiges auf: Sie organisierte für die Kollegen eine Exkursion ins Klausbachtal mit seinem erwachenden Urwald und dem Felsensturz von der Reiteralpe. Eine Bootsfahrt über den Königssee beeindruckte die BNS-Belegschaft mit dem faszinierenden Blick auf den Watzmann und die umliegenden Gebirgsstöcke. Seeadler: Nicht schlecht staunten die Aktiven der Ortsgruppe Freilassing (Landkreis Berchtesgadener Land), als Mitte Januar zwei

Männer einen ausgewachsenen Seeadler zu ihnen brachten. Sie hatten den Adler, verletzt und völlig erschöpft, an der Saalach gefunden. Dem Greifvogel fehlte die Schnabelspitze, er war unterkühlt, ausgehungert und mit Blei vergiftet. Die Ortsgruppe übergab den Seeadler sofort an den Zoo Salzburg zur intensivmedizinischen Behandlung. Die Vogelpflegestation Haringsee bereitet den majestätischen Vogel jetzt auf seine Auswilderung vor.

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NATU R NOTIZEN AUS OBER BAYER N

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Foto: Schwaiger

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Kreisgruppe Miltenberg

Umgehungsstraße spaltet Sulzbach

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er Bau von ortsnahen Umgehungsstraßen gilt vielen nach wie vor als die naheliegendste Lösung für innerörtliche Verkehrsprobleme. In Sulzbach, Landkreis Miltenberg, sorgt eine geplante Umgehungsstraße bereits seit 25 Jahren für Gesprächsstoff. Etwa die Hälfte des Sulzbacher Gemeinderats spricht sich für eine Umgehungsstraße aus, die andere Hälfte dagegen. Ebenso streiten eine Bürgerinitiative für und eine gegen den

Verdienstorden: Im Herbst 2005 ehrte die Bundesrepublik Deutschland Friedrich Mährlein (im Bild rechts) aus Hammelburg mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens. Damit würdigt die Bundesrepublik Mährleins jahrzehntelangen Einsatz für den

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Bau der Straße um das Ob und Wie. Die BN-Kreisgruppe spricht sich angesichts des hohen Quell- und Zielverkehrs in Sulzbach für die Prüfung aller sinnvollen Lösungsvarianten aus. Um die Anwohner der Haupt- und Bahnhofsstraße zu entlasten, wäre der Bund Naturschutz mit dem Bau einer Umgehungsstraße gegebenenfalls einverstanden. Entscheidend ist der Verlauf der Trasse, und genau daran scheiden sich die Geister am

Natur- und Artenschutz sowie sein besonderes Talent, Menschen bei Vorträgen und Führungen für die Schönheit der Natur zu begeistern. Fritz Mährlein ist seit vielen Jahren Vorsitzender der BN-Ortsgruppe Hammelburg (Landkreis Bad Kissingen). Natur+Umwelt gratuliert!

Foto: BN

NATU R NOTIZEN AUS U NTER FRAN KEN

Ortstermin Dr. Hans Jürgen Fahn, Vorsitzender der Kreisgruppe Miltenberg (im Bild rechts), und betroffene Bürger vor Ort: Wo kann, wo darf die geplante Umgehungsstraße verlaufen? Das FFH-Gebiet Mainauen mit seinen Vorkommen an Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulingen muss in jedem Fall unangetastet bleiben.

Foto: Kreisgruppe Miltenberg

Foto: Willner

Der geplante Bau einer Umgehungsstraße bei Sulzbach spaltet sowohl den Gemeinderat als auch die Bürger des Ortes seit Jahren in zwei Lager. Strittig ist, ob die Straße gebaut werden soll, und wo – zumal eine der diskutierten Varianten ein FFH-Gebiet bedroht.

Naturschutzmedaille: Der Bund Naturschutz (BN) würdigte im Dezember den engagierten Einsatz der »Bürgeraktion B19 / A81« gegen den Bau der A71 mit der Bayerischen Naturschutzmedaille. BNVorsitzender Hubert Weiger übergab die Medaille in Bad Neustadt anlässlich der Ausstellungseröffnung von »A71 gebaut – Heimat

Natur + Umwelt BN-Magazin [2-06]

stärksten. Im Vordergrund steht seit Längerem eine Trassenführung im Maintal westlich der Ortschaft, die nicht nur unzumutbare Lärmbelastungen für die Bewohner des Sulzbacher Ortsrands mit sich brächte, sondern auch durch ein amtlich festgesetztes Überschwemmungsund ein Wasserschutzgebiet verlaufen würde. Darüber hinaus würde dieser Trassenverlauf das Naturschutz- und FFH-Gebiet Mainauen bei Sulzbach und Kleinwallstadt gefährden. Die Mainauen zeichnen sich durch Erlen-Weiden-Bruchwälder, extensiv genutzte Mähwiesen, Schilfbestände und Hochstaudenfluren mit zahlreichen Rote-ListeArten aus. Zusammen mit einer hoch engagierten Bürgerinitiative fordert die BN-Kreisgruppe deshalb ein Gesamtkonzept. Darin sollten Verkehr vermeidende und beruhigende Maßnahmen ebenso enthalten sein wie die Detailprüfung von Trassen, die östlich des Ortes Richtung Leidersbach verlaufen. Der Vorschlag des BN fand bei der Gemeinde Gehör: Sie gab eine Machbarkeitsstudie für eine östlich verlaufende Umgehungsstraße in Auftrag. Sobald die Studie vorliegt, diskutieren Gemeinde, Bürger und Bund Naturschutz das weitere Vorgehen. Dr. Hans Jürgen Fahn (hl)

verbaut«. In der Ausstellung dokumentieren die Bürgeraktion und der BN die dramatischen Landschaftsveränderungen durch den Bau der Autobahn, den phantasievollen Protest der Bürger und die amtlich ignorierten Alternativen. Natur+Umwelt gratuliert den Geehrten! Natur aus der Kiste: Unter diesem Namen bietet die Kreisgruppe Haßberge 2006 ein neues Umweltbildungsprogramm an. Zu den Themen Wiese, Hecke, Wald, Wasser und Fledermäuse konzipierte Julia Gombert (siehe Foto) von der

Foto: Schultheiß

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Kreisgruppe je eine Kiste, mit der Lehrer eine komplette Unterrichtsstunde gestalten können. Die Kisten enthalten Aktionsvorschläge und vielfältige Unterrichtsmaterialien wie Tannenzapfen, Biberhölzer, Becherlupen, Spielund Bastelvorschläge. Der Bayerische Naturschutzfonds unterstützt das Projekt.


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Architekt der Natur Burgen, Dämme, nasse Wiesen: Mit seinen Bau-Aktivitäten sorgte der Biber in Pöttmes zunächst für Kopfzerbrechen. Intensives Werben der Kreisgruppe und Meister Bocklets Landschaftspflege selbst überzeugten die Pöttmeser letztlich doch: Der Biber gehört hierher.

I

Rückzug: Im Frühjahr 2005 verkündeten die drei Gemeinden Heimenkirch, Lindenberg und Opfenbach, Landkreis Lindau, in Mellatz ein 22 Hektar großes Gewerbegebiet ausweisen zu wollen. Mit diesem ersten interkommunalen Gewerbegebiet im Landkreis wolle man neue Arbeitsplätze schaffen, hieß es. Die Kreisgruppe prüfte nach: Elf von 19 Lindauer Gemeinden priesen ohnehin leer stehende Gewerbeflächen an. Weitere Gewerbegebiete hätten den Flächenfraß, nicht aber die Zahl der Arbeitsplätze gesteigert. Unter dem Motto »Heimat statt

Kreisgruppe Aichach-Friedberg

Freund Biber Mensch und Biber – kann das klappen? Die BN-Kreisgruppe tritt den Beweis an: Ja, die Koexistenz funktioniert mittlerweile hervorragend. Bei einer Pressefahrt präsentierten die BN-Aktiven den Erfolg ihres Einsatzes. Ein Film über Mensch und Biber im Raum Pöttmes soll folgen. die Vernässung ihrer Flächen ebenso wie die Gemeinde Pöttmes – auch das ein Verdienst nicht zuletzt des Werbens der Kreisgruppe für den zurückgekehrten Urbayern. Der hatte es sich derweil an Schimmelwiesbach, Sandrach und Erlengraben eingerichtet. Den Lamprechtsbach staute er zu einer Kette von vier kleinen Seen, mit überraschenden Folgen für den Naturhaushalt: Wildgänse, Silberreiher, Sumpf- und Teichrohrsänger sowie Eisvögel fanden sich seit Langem wieder ein, die Zahl der Amphibien und Fische nahm deutlich zu. Die

Profit« sammelten daraufhin Landwirte und Mellatzer Bürger Unterschriften gegen das Vorhaben der Gemeinden. Vier der fünf Grundstücksbesitzer im vorgesehenen Gewerbegebiet weigerten sich zudem, ihren Boden herzugeben. Die Oberhäupter der drei Gemeinden bliesen eiligst zum Rückzug. Trauer: Die Kreisgruppe Dillingen trauert um eine unerschrockene, profilierte und unermüdliche Naturschützerin. Am 8. Januar verstarb Gertraud Ballis im Alter von

Landschaft im Pöttmeser Biberrevier wurde lebendiger und vielfältiger, ihre Attraktivität für den Menschen steigerte sich zusehends. Den Bürgern aus Pöttmes und Umgebung gefiel es, das Projekt »Koexistenz von Mensch und Biber« der Kreisgruppe entwickelte sich zu einem überzeugenden Erfolg. Nach einem Pressetermin im Jahr 2005 schrieb die Augsburger Zeitung »Ein Ort hat sich mit den Bibern arrangiert. Die Nagetiere haben mehr Freunde als Feinde«. Ein Film über das Vorzeige-Biberrevier entsteht derzeit. Helmut Schenke (hl)

84 Jahren in Weilheim bei Höchstädt. Ballis, seit 1978 aktives BN-Mitglied, trat vehement für ihre Heimat und ihre natürliche Umwelt mit Gedichten, Leserbriefen und Presseartikeln ein. Im Spannungsfeld zwischen Natur-

schutz und Landwirtschaft überzeugte sie als ausgleichendes Element. Gertraud Ballis war eine stark engagierte Frau, die politische Vorgänge kritisch und mit großem Sachverstand begleitete. Natur bedeutete für sie Heimat, Refugium und Kraftquelle. Die Kreisgruppe gedenkt der Verstorbenen mit Verehrung und großer Dankbarkeit.

Foto: Gundelfinger

m Landkreis Aichach-Friedberg schwankten die Menschen zwischen herzlichem Willkommen und Missmut, als Meister Bockert ab den 90er Jahren in den Raum Pöttmes zurückkehrte. Anfangs freuten sich die Zeitungen über den wiederkehrenden Urbayern und begrüßten ihn als »kleinen Bruder« des Menschen. Als der Biber anfing, sich weiter auszubreiten, hieß es »Der Biber nagt an den Nerven der Pöttmeser Landwirte« und die Presse fragte schon »Warum leisten wir uns keinen Biber?« Die Kreisgruppe leistete sich ihn. Sie pachtete betroffene Flächen, überzeugte weitere Grundstücksbesitzer, den Biber zu tolerieren, war bei Konflikten zur Stelle und fand mit Hilfe der BN-Biberberater einvernehmliche Lösungen. Kindergartengruppen, Schüler und Vereine führten die Aktiven beinahe täglich ins Biberrevier. Die Kirche duldete

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NATU R NOTIZEN AUS SC HWABEN

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Fotos: Schwab

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benteuer erleben, Wildtiere beobachten, Neues entdecken, mit Naturmaterialien basteln, in andere Rollen schlüpfen, seine Phantasiewelten ausleben – am

Ferienangebote für Kinder

Foto: Seitz-Weinzierl

Wildsein erlaubt

Kontakt zur Wildnis BN Bildungswerk, Straubinger Straße 5, 94344 Wiesenfelden, bw@bundnaturschutz.de, www.bn-bildungswerk.de

besten draußen in der Natur. Ein Ferientraum für Kinder! Das BN-Bildungswerk erfüllt ihn: Für Buben und Mädchen zwischen sechs und zehn Jahren gibt es von Juni bis September eine ganze Palette spannender Naturerlebnisprogramme. Freiheitskämpfer und Räubertöchter machen sich auf die löchrigen Socken, um im Feriencamp »Mit Robin Hood in den Wäldern« im weitläufigen Wiesenfeldener

Wildnisgelände herumzustromern. Am Abend lockt ein Räuberschmaus am Lagerfeuer. Wie man sich mit Erdfarben und Blättern tarnen kann, lernen die jungen Waldläufer bei »Tarnen und Zaubern« ebenso wie die Kunst des sich Versteckens und Anpirschens. Aus Naturmaterialien kreieren sie Phantasietiere, die sich ihrer Umgebung perfekt anpassen. Eine Fee erzählt Geschichten im gleichnamigen Ferienangebot »Von guten Feen und Erdgeistern«. Währenddessen brauen sich die Kinder zum leiblichen Wohl eine Tasse Zwergenpunsch und basteln mit Wichtelmann-Werkzeugen Elfenschmuck. Im Camp »Auf in die Steinzeit« pirschen sich die kleinen Steinzeitmenschen an das große Mammut heran, sammeln Kräuter und backen Brot. Ob für einen oder zwei Tage, die Feriencamps im Wildnisgelände des Umweltzentrums Schloss Wiesenfelden schenken Kindern unvergessliche Erlebnisse:  Mit Robin Wood in den Wäldern, 8. / 9. Juni 2006  Grüße aus dem Donauwald, 3. August  Von guten Feen und Erdgeistern, 10. August  Tarnen und Zaubern, 24. August  Auf in die Steinzeit, 29./30. August  Im Reich der Feen, Elfen und Zauberer, 6. September 2006 Beate Seitz-Weinzierl (hl)

Theater in der Wildnis

Peter und der Wolf

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Foto: Märchenbande

llein Geige, Xylofon, Konga und die akustische Mithilfe der Zuschauer benötigt die Münchner »Märchenbande«, um Sergej Prokofjews musikalisches Märchen »Peter und der Wolf« zu erzählen. Von Anfang an bindet die Märchenbande beim »Theater in der Wildnis« das Publikum in Spiel und Handlung ein. Zusammen mit den Akteuren entsteht eine Kulisse, die singt, klatscht und zwitschert.

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Natur + Umwelt BN-Magazin [2-06]

Peter spielt mit seinen Freunden, dem kleinen Vogel, der Ente und der Katze. Der Großvater warnt Peter noch vor dem großen grauen Wolf, der sich im Wald herumtreibt. Tatsächlich taucht der Wolf kurze Zeit später auf, und die Geschichte nimmt ihren Lauf … Die Inszenierung ist ein Genuss für alle, die Märchen und Musik lieben – nicht nur für Kinder, an die sich die Aufführungen im Wiesenfeldener Schlosspark vor allem wenden. Hand in Hand mit dem Theater in der Wildnis geht ein Gartenfest, das zu Kaffee, Kuchen und kleinen Schmankerln sowie einem Spazier-

Reisen bildet Des Waldes neue Kleider

Abgestorbene Wälder eignen sich wenig als Urlaubsidylle? Doch zu beobachten, wie mit ungebremster Dynamik ein neuer Naturwald entsteht – das ist ein faszinierendes Erlebnis. Es lohnt sich deshalb, mit neuen Waldbildern in Tourismusprospekten zu werben. Das Seminar beginnt in Wiesenfelden und wird mit einer Exkursion in den Nationalpark Bayerischer Wald fortgesetzt. Die Veranstaltung richtet sich vor allem an Tourismusfachleute.  Wiesenfelden / Nationalpark, 24. / 25. Juni 2006

Foto: Bäumler

15.05.2006

UNTERNEHMUNGSLUST

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Geheimnisvolle Schwarzach Die außergewöhnliche Wanderung erschließt das urwüchsige Flusslebewesen Schwarzach. Zu Fuß, mit dem Bus und auf dem Wasser geht es immer am Fluss entlang von der Quelle im Böhmerwald, durch den Oberpfälzer Wald bis zur Mündung in die Naab. Die Teilnehmer erwartet neben Lyrik und Musik Wissenswertes über Flora und Fauna, Geschichte und Geschichten am Fluss.  Oberpfälzer Wald, 14. – 17. September 2006

Traumlandschaften Der weltberühmte Wörlitzer Park bei Dessau verzaubert mit seinen Seen, Kanälen, kunstvollen Brücken, kleinen Tempeln, einem Schloss und originellen Häusern. Ein Streifzug an der Elbe bringt die Flusslandschaft mit naturnahen Stromauen und den angrenzenden Marschen näher …  Dessau / Wörlitz, 29. September – 3. Oktober 2006

gang durch den Schmetterlingsgarten einlädt. Beate Seitz-Weinzierl (hl)  Wiesenfelden, 23. Juli 2006


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BN-BILDUNGSWERK | TEL. 0 99 66 - 12 70 Mehr Blütenreichtum in der Agrarlandschaft

Naturerlebnis Stadt

Unterfranken, 16. Juni 2006

Einblicke in sensible Lebensräume und raffinierte Strategien Kronach, 15. /16. Juli 2006

Die Welt ist rund Blüten-Mandalas mit bunten Farben gestalten Wiesenfelden, 26. Juni 2006

Born to be wild Foto: Mader

Begegnungen mit dem Luchs im Wildnisgelände des Schlosses Wiesenfelden. Wiesenfelden, 28. Mai 2006

Deutsch-tschechisches Sommerlager für Jugendliche Burg Hohenberg, 30. Juli – 13. August 2006

Von der Leichtigkeit des Seins Fasten, Tanzen, Natur erleben. Seminar zum »Wohlfühlen« und Sammeln neuer Kräfte Wiesenfelden, 2. – 9. September 2006

Färben, falten, gestalten – Pflanzenkunst Kreativwerkstatt Wiesenfelden, 28. – 30. Juli 2006

BN-VERANSTALTUNGEN

Donau-Fest

Kalchreuther Kirschkerwa

Gemeinsam die frei fließende Donau feiern. Mit buntem Programm (s. Seite 26). Niederalteich, 25. Mai 2006 Kontakt: BN-Kreisgruppe Deggendorf, Tel. 09 91-3 25 55, bundnaturschutz@degnet.de

Erlebnistag für die ganze Familie im Streuobst-Kirschgarten. Kalchreuth, 2. Juli 2006 Kontakt: BN-Kreisgruppe Erlangen, Tel. 0 9131-4 00 13 03

Foto: BN-Archiv

Plattling, 18. Juni 2006 Kontakt: BN-Kreisgruppe Deggendorf, Tel. 09 91-3 25 55

Foto: Willner

Mittelfranken, Tel. 09 11-8 18 78 14, tom.konopka@bund-naturschutz.de

Donauschifffahrt Reichswaldfest Das Waldfest für die ganze Familie. Mit Exkursionen, Brotzeit, Musik und Kinderprogramm. Nürnberg, 8./9. Juli 2006 Kontakt: BN-Regionalreferat

Donau-Radtour Isarmündung Exkursion durch die wilden Auwälder von »Bayerns Amazonas«, wo die Donau noch frei fließt.

Die traditionelle Schifffahrt des Bundes Naturschutz auf der frei fließenden Donau. Mit Informationen, Musik, Unterhaltung und Speisekarte. Deggendorf, 30. Juli 2006

Kontakt: BN-Kreisgruppe Deggendorf, Tel. 09 91-3 25 55

Rhönschaffest Die Rückkehr der schwarzköpfigen Schafe in die Rhön, das »Land der offenen Fernen«, vor über 20 Jahren ist Anlass für das alljährliche Fest mit vielen kulinarischen Schmankerln. Ginolfs, 2. September 2006 Kontakt: BN-Regionalreferat Unterfranken, Tel. 09 11-8 18 78 14, helmut.schultheiss@bund-naturschutz.de

BN-STUDIENREISEN | TEL. 0 91 23 - 999 57 10 Der Fahrt mit der legendären »Transsib« geht ein zweitägiger Aufenthalt in Moskau voraus. Anschließend durchquert die Bahn Sibiriens Weite mit ihren großen Flüssen und Wäldern bis zum Baikalsee. Russland, 13. – 31. Juli 2006

ihren Burgen und Klöstern sowie der Nationalpark Donau-Auen bei Wien. Bayern / Österreich, 30. Juli – 5. August 2006

Die Donau in Bayern und Österreich

Faszination Seidenstraße

Höhepunkte der Fahrt sind die Isarmündung, die Wachau mit

Von Moskau durch die Kasachische Steppe bis ins Tien-Schan-Gebirge:

AKTION Kein Genfood auf meinen Teller! Ich teste mein Restaurant. Ob Ihr Lieblings-Restaurant Ihnen kein Genfood auftischt, können Sie mit dieser Karte testen. Lassen Sie sie dort unterschreiben, und senden Sie die ausgefüllte Karte bitte an den Bund Naturschutz.

Gegen Gen: Protestieren Sie jetzt! Senden Sie am besten gleich heute diese Postkarte an Minister Seehofer, der mit einer Gesetzesänderung den Gentechnik-Anbau erleichtern will. Wehren Sie sich dagegen, unsere Heimat soll gentechnikfrei bleiben.

Exotische Städte, atemberaubende Landschaften, herzliche Menschen. Russland / Kasachstan / Kirgistan, 5. – 25. August 2006

Herausgeber: Bund Naturschutz in Bayern e.V. (BN), vertreten durch Peter Rottner, Landesgeschäftsführer, Dr.-Johann-Maier-Str. 4, 93049 Regensburg, www.bund-naturschutz.de Leitender Redakteur (verantw.): Manfred Gößwald (göß) Redaktion: Holger Lieber (hl), Christoph MarklMeider (cm), Tel. 09 41 -2 97 20-22, Fax -31, nu@bund-naturschutz.de Mitglieder-Service: Tel. 09 41 -2 97 20-29 und -20 Gestaltung: Gorbach GmbH, Utting a. Ammersee (Layout: Waltraud Hofbauer) Titelfoto: Peter Roggenthin Litho: PHG GmbH, Augsburg Redaktion BUND-Magazin: Severin Zillich (verantw.), Am Köllnischen Park 1, 10179 Berlin, Tel. 0 30 -27 58 64-57, Fax -40 Druck und Versand: Brühlsche Universitätsdruckerei Gießen Anzeigen: BN Service GmbH, Eckertstr. 2, Bahnhof Lauf (links), 91207 Lauf an der Pegnitz, Tel. 0 91 239 99 57- 30, Fax -99, info@service.bund-naturschutz.de Auflage: 98000 Bezugspreis: Für Mitglieder im Beitrag enthalten, für Nichtmitglieder Versandgebühr ISSN 0721-6807 BN-Konto: Bank für Sozialwirtschaft, Konto 8 885 000, BLZ 700 205 00 BN-Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft, Konto 8 844 000, BLZ 700 205 00 Mit Namen gezeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder des BN wieder. Nachdruck nur mit Genehmigung des BN. Für unverlangt eingesandte Artikel oder Fotos keine Gewähr. Die Redaktion behält sich das Recht vor, Leserbriefe zu kürzen. »Natur+Umwelt« wird auf 100 % Recyclingpapier gedruckt.

IMPR ESSUM

Wanderungen durch das südalpine Gebiet zwischen Etschtal und Gardasee: Im Frühsommer blühen hier Pfingstrose, Feuer- und Paradieslilie, Holunderknabenkraut und Tiroler Windröschen. Italien, 10. – 16. Juni 2006

Transsibirische Eisenbahn

Foto: Ermlich, Bisping

Monte Baldo

Foto: Straußberger

Foto: MEV

Pinselohr und Stummelschwanz


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15.05.2006

15:34 Uhr

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Ein Geschenk an die

Natur

Kinderlachen erfüllt

Wenn Sie mehr über die Mög-

den großen Naturgarten von Margarete Meyer. Die BN-

Die Natur als Erbe Margarete Meyer würde die

Kreisgruppe Nürnberg-Land, die hier in Haus und Hof eine Heimat gefunden hat, hält

Nutzung ihres Heims sicher

dieses großzügige Geschenk stets in Ehren.

lichkeiten erfahren möchten, wie Sie den Bund Naturschutz in Ihrem Testament bedenken

sehr gefallen.

können, schreiben Sie uns oder rufen Sie einfach an:

Auch Sie können sich mit

Peter Rottner 0941/297 20 12

Ihrem Erbe für die Natur engagieren und künftigen Generationen eine lebenswerte Zukunft schenken.

Die Natur als Erbe

Bund Naturschutz in Bayern e.V. Dr.-Johann-Maier-Str. 4 93049 Regensburg

Natur+Umwelt 2-2006  

Bayern gentechnikfrei - Es ist noch nicht zu spät.

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