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Natur+Umwelt www.bund-naturschutz.de Heft 4-2015  97. Jahr  4. Quartal

Säen, ernten, essen Wie unsere Lebensmittel entstehen, geht uns alle an


WIR SAGE N DAN KE

JANDA+ROSCHER, Die WerbeBotschafter

Foto: BN-Archiv, Thomas Stephan, Willner, iStockphoto.com, fotolia.de, mauritius-images.com

DANKE! Am Ende des Jahres halten wir Rückschau und freuen uns über unsere Erfolge für Mensch und Natur: In den Erlen- und Birkenbruchwäldern der Vilsauen finden zahlreiche Tier- und Pflanzenarten Rückzugsraum. Fast ausgestorbene Haustierrassen, wie das Rhönschaf grasen wieder auf Bergwiesen. Unsinnige naturzerstörerische Projekte wie das Pumpspeicherwerk am Osser im Bayerischen Wald werden dank guter Argumente nicht gebaut. Gemeinsam mit Menschen wie Ihnen, die den BUND Naturschutz mit Ihrer Mitgliedschaft, Ihrer Spende und Ihrem ehrenamtlichen Engagement unterstützen, haben wir 2015 viel Gutes bewirkt. Dafür danken wir Ihnen ganz herzlich!

Ein Tipp, wenn Sie noch ein Geschenk suchen: ökologisch sinnvolle Präsente finden Sie im BUND Naturschutz Online-Shop: service.bund-naturschutz.de Die passenden Geschenkanhänger sind hier beigeheftet.

www.bund-naturschutz.de

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Natur + Umwelt 4-2015

Inhalt BUND Naturschutz Bayern 4/5 Intern

6 Leserbriefe

7 Porträt

8 Gut leben Umweltfreundlich mobil

9 Reise Skilanglauf im ­Böhmerwald

10  –  23 Titelthema

24 Pflanzenporträt Rotbuche

25 Fotoseite

26/27 BN vor Ort aktiv Karpfen pur Natur

28 Raus in die Natur Auf den ­geretteten Osser

29 Aktuell

Landwirtschaft

30/31 Naturschutz Hilfe für den ­Sonnentau

Inhalt BUND

32/33 Ökospot

B1 Editorial und Inhalt

B2 Magazin Kurznachrichten

B4 Kommentar 25 Jahre ­deutsche Einheit

34 Aktuell Von Dieseln und ­anderen Luftverpestern

35 Buchtipps

36/37 Junge Seite 38 –45 30 Jahre Rhönschaf und mehr Regionales

B6 – B13 Titelthema Ist unser Klima noch zu retten? B16/B17 Natura 2000 B18 Aktion Auf zur Agrardemo!

46 Bildung

47 Service

B20 – B23 Zur Zeit 250 000 gegen TTIP und CETA – und mehr Aktuelles B24 – B27 Aktiv B28/B29 Internationales

Liebe Leser

B30 Persönlich Jobst Kraus

Im Dezember werden sich Regierungen aus aller Welt in Paris treffen, um einen international gültigen Klimaschutzvertrag auszuhandeln. In den Jahren zuvor sind mehrere UN-Klimakonferenzen gescheitert. Deshalb ist es nicht übertrieben zu sagen: Vom Ausgang dieser Konferenz kann unsere Zukunft abhängen. Wird es der Staatengemeinschaft gelingen, sich endlich auf wirk­ same Maßnahmen für Klimaschutz und Klimagerechtigkeit zu einigen? Es gibt Anzeichen, dass einige Länder anfangen, das Richtige zu tun. Aber wird das genug sein? Machen wir Druck auf die Politik, damit 2016 gute Nachrichten für den Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen mit sich bringt! In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein glückliches, frohes und erfolgreiches neues Jahr! Ihre Luise Frank, Redakteurin Natur+Umwelt

Landwirtschaft ist Grundlagenarbeit im wahrsten Sinn des Wortes: Zum einen arbeitet sie mit Allgemeingütern wie Boden, Wasser oder unserer Kulturlandschaft, zum anderen produziert sie die Nahrung, die wir zum Überleben brauchen. Deshalb lohnt es sich, für eine Landwirtschaft einzutreten, die allen gut tut: den Bäuerinnen und Bauern, uns allen als Verbrauchern, den Nutztieren – und der Natur. Seiten 10 – 23

Artenschutz im Aischgrund »Karpfen pur Natur« heißt das Projekt von BN-Aktiven im fränkischen Aischgrund. Sie zeigen, dass Teichwirtschaft auch naturnah und extensiv funktioniert. Natur+Umwelt war beim ­alljährlichen Abfischen mit dabei. Seite 26/27

Wunschzettelproduzierer

Bis Ende 2015 soll der neue Bundesverkehrswegeplan unter Dach und Fach sein. Es wäre eine Chance für ein Umdenken. Stattdessen profiliert sich die Bayerische Staatsregierung als Wunschzettelproduzierer. Die meisten eingereichten Projekte sind naturzerstörerisch, teuer und schlicht überflüssig. Seite 29

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Hubert Weinzierl wird 80 Jahre alt

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Foto: Toni Mader

er BN, der BUND und der Nationalpark Bayerischer Wald hätten nicht die heutige Wirkung, wenn nicht einer sich schon vor Jahrzehnten weitsichtig und engagiert dafür eingesetzt hätte: Hubert Weinzierl. Der langjährige Vorsitzende des BN und Mitbegründer des Bundesverbandes BUND kann am 3. Dezember seinen 80. Geburtstag feiern. Er ist eine der großen Persönlichkeiten des Natur- und Umweltschutzes in Deutschland. Unter seinem Vorsitz (von 1969 bis 2002) entwickelte sich der BN von der staatsnahen Organisation zu einem modernen, basis-

demokratischen Verband. Es entstanden Kreis- und Ortsgruppen in ganz Bayern. An vielen großen Erfolgen des Naturschutzes war Weinzierl herausragend beteiligt, so an der Schaffung des Nationalparks Bayerischer Wald oder der Wiedereinbürgerung des Bibers in Bayern. Trotz gesundheitlicher Probleme ließ er es sich zur Freude vieler Gäste nicht nehmen, im Juli an der Jubiläumsfeier zum 40-jährigen Bestehen des BUND am Gründungsort in Marktheidenfeld teilzunehmen. Der Landesvorstand gratuliert im Namen das ganzen Verbandes!

Runder Geburtstag Hubert Weinzierl, langjähriger Vorsitzender des BUND Naturschutz und seine Frau Beate beim Festakt zum 100-jährigen Bestehen des BN 2013 in München.

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Liebe Mitglieder

isher kannte man ihn als BNVorstandsmitglied, das aus den Reihen der JBN in den Landesvorstand gewechselt war. Jetzt hat Martin Geilhufe (Foto) die neue Stelle des Referenten für politische Kommunikation übernommen. Sein ­Tätigkeitsspektrum umfasst die Entwicklung von politischen Kampagnen- und Kommunikationskonzep-

Protest wirkt

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as war wirklich etwas ganz Großes: Im Oktober sind in Berlin eine Viertelmillion Menschen auf die Straße gegangen, um zu sagen: Wir wollen keine Freihandelsabkommen, die unsere demokratischen Rechte untergraben und Verbraucherschutz- und Umweltschutzstandards abbauen. Auch zahlreiche BN-Aktive waren dabei. Dass viele von Ihnen ein Wochenende opfern, um den Protest gegen TTIP und CETA auf die Straße zu tragen, ist nicht selbstverständlich. Vielen Dank dafür! Auch wenn manche Politiker, allen voran EUHandelskommissarin Cecilia Malmström, nach wie vor so tun, als könnten sie einen derart massiven Protest ignorieren, so zeigt er doch

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Natur + Umwelt BN-Magazin [4-15]

Martin Geilhufe ist neuer BN-Referent ten im Austausch mit den Fachreferaten. Auch die Unterstützung der ehrenamtlich geführten Arbeits­ kreise ist eine zentrale Aufgabe, insbesondere in Hinblick darauf, wie die Arbeitskreisthemen in politisch wirksame Kampagnen umgesetzt werden können. Ziel ist es, so neue Zielgruppen anzusprechen. In den kommenden Monaten liegt der

bereits Wirkung. Die USA sollen jetzt davon überzeugt werden, in den TTIP-Text die Definition gewisser Mindeststandards aufzunehmen. Ob sie sich darauf einlassen, ist sehr fraglich. Ein breites Bündnis, dem auch der BUND angehört, fordert nach wie vor: CETA nicht unterzeichnen und die Verhandlungen für TTIP abbrechen. Wir brauchen keinen Freihandel für Konzerne. Dass eine gesunde Skepsis gegenüber dem Schalten und Walten internationaler Konzerne angebracht ist, zeigt der Abgasskandal bei VW. Mit betrügerischen Machenschaften wollte man sich dort über geltendes Umweltschutzrecht hinwegsetzen. Dabei ist das nur die Spitze des Eisbergs: Schon seit Jahren ist bekannt, dass die offiziellen Zahlen der Automobilindustrie zu

Spritverbrauch und Emissionen von den real auf der Straße erfahrbaren Werten deutlich abweichen. Das liegt unter anderem daran, dass die Messverfahren, mit denen die Werte ermittelt werden, unrealistisch sind. Se werden unter optimierten Bedingungen im Labor ermittelt, nicht in einer wirklichkeitsgetreuen Fahr­ situation. Der BN kämpft gemeinsam mit dem BUND für bessere Luft und gegen solche Machenschaften. Skandalös finden wir es auch, dass auf Betreiben der Bayerischen Staatsregierung die Einrichtung eines Geschützten Landschaftsbestandteils im Steigerwald wieder aufgehoben wurde. Der BN hat gemeinsam mit dem LBV dagegen Klage eingereicht. Mit derselben Hartnäckigkeit werden wir von Umweltministerin


Ehrung für guten Journalismus Foto: Tom Konopka

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Verleihung der Reichswaldmedaille Bei der Übergabe der Reichswaldmedaille: (vo. li.) BN-Vor­ sitzender Hubert Weiger, der Leiter der NN-Lokalredaktion Michael Husarek, der BN-Landesbeauftragte Richard Mergner und Bayerns Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Helmut Brunner

uf dem diesjährigen Reichswaldfest in Nürnberg wurde Bruno Schnell, Herausgeber und Verleger der »Nürnberger Nachrichten« (NN) und der »Nürnberger ­Zeitung« (NZ), mit der Reichswald­ medaille geehrt. Bereits seit 1947 ist Bruno Schnell im Verlag Nürnberger Presse tätig. In seiner Laufbahn hat er den Grundstein für den Aufstieg der »Nürnberger Nachrichten« zu einer der großen deutschen Re­ gionalzeitungen gelegt und sich für eine freie Berichterstattung und

eine Aufarbeitung von Nürnbergs NS-Vergangenheit engagiert. Doch auch um den Naturschutz hat er sich verdient gemacht: Aufgrund Schnells Überzeugung, dass der Schutz des Reichswaldes nur mit demokratischen Mitteln und einer Bürgerbewegung möglich ist, war seine Zeitung von Anfang an berichtend dabei und hatte wesentlichen Anteil daran, dass in Nürnberg eine der ersten deutschen Umweltbürgerbewegungen entstehen konnte.

Der neue BN-Webshop ist da

E i­ nhaltliche Schwerpunkt auf der Verhinderung der geplanten Freihandelsabkommen und der Klimakonferenz in Paris. In den BUND Naturschutz kam Martin Geilhufe über die JBN und war viele Jahre im Landes- sowie im Bundesvorstand der BUNDjugend und der Jugendvertreter im BN-­ Landesvorstand, des Weiteren ist er aktuell Mitglied im Präsidium des Deutschen Naturschutzrings.

s ist so weit: Der neue Shop der BN Service GmbH ist online! Von der Postkarte bis zur Regenjacke, ob biologisch abbaubares Geschirr oder interessanter Pilzführer – für jeden Freund der Natur hält er altbewährte wie neu ins Sortiment aufgenommene Produkte und Geschenkideen bereit. Besonders für aktive Mitglieder dürften auch unsere kostenlosen Infobroschüren und Plakate interessant sein. Doch auch wenn das Angebot stark gewachsen ist, die Bedienung wurde nicht komplizierter. Ganz im Gegenteil: Neue Kategorien und eine verbesserte Suchfunktion erleichtern es, schnell und einfach das Produkt ­seiner Wahl zu finden und in die i­ ndividuell

Ulrike Scharf weiter die Einrichtung einer überregionalen Sonderermittlungseinheit zur Verfolgung von Wildereidelikten fordern. Es zeigt sich immer wieder, dass die Polizei vor Ort nicht mit dem nötigen Engagement ermittelt. Zudem sind nicht selten die Beamten befangen, denn viele sind selbst Jäger. Da wundert es nicht, dass im Bayerischen Wald nicht eine einzige der illegalen Luchstötungen aufgeklärt werden konnte. Bitte unterstützen Sie uns mit Ihrer Unterschrift für den Luchs (www.bund-naturschutz.de/rettetden-luchs). Mit beeindruckenden rund 10 000 Unterschriften haben sich Bürgerinnen und Bürger aus ganz Bayern für die Bewahrung der bayerischen Kulturlandschaft stark gemacht. Die vom BN gestartete

­ assenpetition »Bayerns SchönM heit bewahren« fordert die Baye­ rische Staatsregierung auf, Politik im Sinne einer nachhaltigen und flächensparenden Siedlungsstruktur zu betreiben (mehr Infos auf unserer Homepage unter »Aktionen«). Das Thema Flächenschutz wird auch im kommenden Jahr unseren Einsatz e­ rfordern, denn in den vergangenen Wochen wurden von den Bundesländern Projekte für den Bundesverkehrswegeplan eingereicht. Bayern hat sich dabei als der größte »Wunschzettelproduzierer« erwiesen. Der BN fordert hier eine intelligente, zukunfts­ fähige Mobilität statt noch mehr Asphalt und Beton. Investitionen in die Sanierung der vielerorts ­maroden Verkehrsinfrastruktur müssen Vorrang haben vor un­

erstellbare Wunschliste aufzunehmen. Der Warenkorb bleibt dabei selbst nach zwischenzeitlicher Abmeldung erhalten, auch vergangene Bestellungen können abgerufen und zum Beispiel zur Nachbestellung von Infomaterial neu übernommen werden. Also: Einfach mal unter www.service.bund-naturschutz.de reinschauen und ausprobieren!

Foto: Roggenthin

nötigen oder überdimensionierten Neubauprojekten. Der BUND Naturschutz geht stark wie nie in das Jahr 2016: Schon über 219 000 Menschen sind Mitglied des BN. Das ist Anerkennung und Aufgabe zugleich. Ihnen allen wünschen wir ein gutes, glückliches und erfolgreiches neues Jahr!

Ihr Prof. Dr. Hubert Weiger, Vorsitzender des BN Ihre Doris Tropper, stv. Vorsitzende des BN Ihr Sebastian Schönauer, stv. Vorsitzender des BN

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Foto: Wolfgang Willner

Rettet den Luchs! Mit großer Betroffenheit äußert sich dieser Leser zum Bericht in N+U 3/2015 über die illegalen Luchs­ tötungen im Bayerischen Wald: Mit großem Entsetzen habe ich Ihren Bericht über die bestialische Tötung des Luchses vernommen. Wie können angebliche Jäger so eine abscheuliche Straftat begehen? Man muss sich doch mit großem Ernst fragen, ob man es noch länger verantworten kann, dass solche Ver-

Schreiben Sie uns!

Wir freuen uns auf Ihre Meinung: BN-Magazin »Natur+Umwelt«, Dr.-JohannMaier-Str. 4, 93049 Regensburg, oder an nu@bundnaturschutz.de Leserbriefe können gekürzt werden. Sie geben nicht die Meinung der Redaktion wieder.

brecher noch einen Jagschein be­ sitzen? Nein! Es ist höchste Zeit, dass diese Verbrecher von der Justiz ermittelt werden und mit der mög­ lichen Höchststrafe ihre Grenzen aufgezeigt bekommen. Was geht in diesen Menschen vor, dass sie sogar öffentlich im Fernsehen diese Taten gut heißen? Müssen diese Jäger verhungern, weil ihnen der Luchs ihre Nahrung wegnimmt? Ist dieses wunderbare Tier wirklich eine Bedrohung für die Jäger? Die einzige Bedrohung sind die Jäger für dieses wunderbare Tier! Ich würde vorschlagen, dass erstens für dieses Gebiet ein generelles Jagverbot erlassen wird. Zweitens muss diesen offensichtlich ­moralisch nicht zur Jagd geeigneten Wildtötern jegliches Jagen zum Schutze unserer ohnehin schon bedrohten wunderbaren und für das Gleichgewicht in der Natur so wich-

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Natur + Umwelt BN-Magazin [4-15]

tigen Tiere bei Strafe verboten ­werden! Ich glaube, mit diesen Forderungen spreche ich vielen Tierfreunden und Tierschützern aus dem Herzen. Es hat sich immer wieder gezeigt, sobald der »schlaue« Mensch ­Eingriffe in die Natur vornimmt, entstehen große, oft nicht mehr ­reparable Schäden. Der Luchs und die Wildkatzen gehören schon seit vielen Hundert Jahren in unsere Wälder. Und das hat der Natur nie geschadet, bis der Mensch anfing, sie auszurotten. Der Rehbestand nimmt dadurch keinen Schaden. Und keiner dieser Jäger muss deshalb verhungern. Heinz Gerard, Forchheim

Heizen mit Holz Zum Ratgeber »Richtig heizen« in N+U 4/2014 und den Leserbriefen dazu erreichte uns diese Zuschrift: Es wird niemand »kriminalisiert«, weil er mit Holz heizt. Aber es ist an der Zeit, dass der BN die Probleme erkennt, die das Heizen mit Holz mit sich bringt. Fakt ist: Die Feinstaubbelastung (vor allem der Nachbarn!) durch eine »saubere« Pelletheizung und besonders durch die zunehmende Zahl von Einzelöfen ist nachweisbar um Größenordnungen höher als bei einer Öloder gar Gasheizung. Und dies legitimiert durch die neueste Immissionsschutz-Verordnung und bei »vorschriftsmäßiger« Nutzung. Daher ist es leider Tatsache, dass durch die Umstellung bisheriger Heizungen auf Biomasse die Feinstaubbelastung weiter steigen wird. Rainer Keilwerth, Neuendettelsau Lob für BN-Artenexperten Am 18. Juli habe ich an dem Seminar über Libellen aus der Seminarreihe: »Artenkenntnis für Einsteiger – Grundlagen« teilgenommen. Diese Veranstaltung wurde vom Institut für Biodiversitätsinforma­ tion in Ebern durchgeführt. Das Wetter, was bei der Beobachtung von Libellen natürlich entscheidend ist, hat weitgehend mitgespielt. Die Landschaft rund um Ebern, vor allem der ehemalige Truppenübungsplatz, zeigte sich in wunderschöner Vielfalt.

Foto: Wolfgang Willner

Lebendige Flüsse Zum Titelthema der N+U 3/2015, »Lebendige Flüsse«, erreichte uns dieses Lob: Dem Chefredakteur und allen ­Redaktionsmitgliedern gilt mein ­respektvolles Kompliment für Inhalt und Gestaltung samt Bildern in ­diesem Heft. Man merkt, dass alle mit Herz und Hirn begeistert und begeisternd dabei sind. Siegfried Schwab, Illertissen

Es wurden zwei kleine Exkur­ sionen gemacht, bei denen es gute Gelegenheiten gab, Libellen aus nächster Nähe zu betrachten und vor allem auch zu bestimmen. Für mich als Laie war die Kompetenz der beiden Referenten, Dr. Klaus Mandery und Justus Vogt, ­absolut beeindruckend. Das bezog sich natürlich primär auf Libellen, es war faszinierend zu sehen, wie man mit diesen so zerbrechlich ­wirkenden Insekten umgehen kann, ohne sie zu verletzen. Den größten Eindruck hat auf mich allerdings das weit über die ­Libellen hinausgehende Wissen der beiden Referenten gemacht. Es gab keine Pflanze, keine Hummel, Biene oder Schmetterling, zu denen es nichts zu sagen gab. Für mich ist das Umweltbildung im besten Sinn. Spezialistenwissen ist sicherlich ganz wichtig, aber bei einer solchen kleinen Wanderung die ganze Fülle der Wunder in dieser Natur zu erleben, war ein großes Erlebnis. Herzlichen Dank noch einmal an die beiden Referenten, Dr. Klaus Mandery und Justus Vogt. Dr. Lothar Haake

Pflanzenporträt Efeu Zum Pflanzenporträt Efeu in N+U 4/2014 erreichte uns folgender Brief: Was ich vermisst habe zum Thema »Efeu im Herbst« ist der herrliche Duft rundum, noch in einigen ­Metern Entfernung um den efeuumrankten Baum. Da kommt kein Parfüm mit – und ein Naturkonzert von nicht Tausend, vielleicht Zig­ tausend Bienen, Wespen und Hummeln, alles, was klein ist und Flügel hat. Ich kann den Duft hören. Efeu soll helfen bei Allergien und unterstützt die Atmungsorgane. Paul-Detlef Schmidt, Kreisgruppe Rottal-Inn, Ortsgruppe Kollbachtal


Helgard Gillitzer

Bienen machen Schule

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omen est omen, heißt es. Was aber selten in einer so auffallenden Weise zutrifft wie bei Helgard Gillitzer (57). Denn schon in ihrem Vornamen scheint all das vereint zu sein, was das Leben der Gymnasiallehrerin bis heute bestimmt. »Hel« und »gard« sind althochdeutschen Ursprungs und stehen für den Heilgarten. Wer diesen Namen trägt, ist demnach Hüterin der Pflanzenwelt und des Wissens um deren Wirkkraft, also zugleich Gärtnerin und Beschützerin der Unversehrtheit des ­Lebens. Allein der Besuch in Gillitzers Haus und Garten belegt, wie sehr bei ihr der Name zum Programm geworden ist. Vor 15 Jahren hat die alleinstehende Mutter dreier Kinder hier am äußeren Rand des zum niederbayerischen Vilshofen gehörenden Dorfes Schönerting ein kleines Anwesen mit Wildpflanzen, Kräutergarten und Gemüsebeeten angelegt. Entstanden ist daraus ein ökologisches Kleinod, eingerahmt von dichter Hecke und starkem Granitstein, um nicht schutzlos den angrenzenden Maisäckern mit ihren wiederkehrenden chemischen Keulen ausgeliefert zu sein – eine trutzige Bio-Burg inmitten der modernen Agrarlandschaft, die keinen Platz mehr für Vielfalt duldet. Helgard Gillitzer hält dagegen – in Wort und Tat. Schüler betreuen Bienenvölker So ist sie als Vorsitzende der BN-Ortsgruppe Vilshofen eine anerkannte Ansprechpartnerin für alle Fragen rund um den Natur- und Umweltschutz – und das nicht nur in ihrem Dorf, sondern in der ganzen Region. Zusammen mit Karl Haberzettl, dem langjährigen Kreisvorsitzenden des BUND Naturschutz in Passau, bildet sie darüber hinaus ein standhaftes »Greenteam«, wie sie es selbst nennt. Gemeinsam kämpfen sie beispielsweise um den hochsensiblen Galgenberg in Vilshofen,

Foto: Christoph Markl-Meider

Naturschutz lebt – aus einer Haltung, wie sie der Dichter Ovid vor 2000 Jahren in einem einzigen Satz unübertrefflich beschrieben hat: »Glücklich, wer, was er liebt, tapfer zu verteidigen wagt.« Auch die Umweltaktivistin und Biologielehrerin Helgard Gillitzer schöpft daraus, wie sie bekennt, ihre Zuversicht und Zufriedenheit im täglichen Ringen um mehr Naturschutz und Nachhaltigkeit. Von Christoph Markl-Meider

der von einem Straßenbauprojekt bedroht ist, und klagen gegen ein neues Gewerbegebiet im Herzen des Landkreises Passau, für das einmal mehr wertvolle Natur mit zwei schützenswerten Quellmooren geopfert werden soll. Aber auch im Unterricht will die engagierte Gymnasiallehrerin für Biologie und Chemie mehr nachhaltiges Wissen vermitteln. »Da genügt eine Schulstunde natürlich nicht«, weiß sie aus Erfahrung. »Bienen machen Schule« heißt die Antwort, die ihr Maristengymnasium in Fürstenzell darauf gefunden hat. Ab der 5.  Klasse können die Schülerinnen und Schüler dort einen Wahlkurs Bienenkunde besuchen, betreuen eigene Bienenvölker im Klassenzimmer, pflegen artenreiche Bienenweiden und erschließen sich darüber die ganze Wunderwelt der Imkerei. Längst hat das von einem Team aus mehreren Lehrkräften getragene Projekt überregionale Ausstrahlung erlangt und war erfolgreich auf mehreren internationalen Jungimkerwettbewerben vertreten. »Statt auf Schulbücher und Tafelbilder sollten wir viel öfter auf die Kraft der Natur vertrauen«, schwärmt Helgard Gillitzer. Zum Naturschutz fand die gebürtige Oberpfälzerin aber über die Jagd. Ihre Ausflüge mit dem Großvater, der passionierter Jäger war, trägt sie jedenfalls als in­ tensive Erlebnisse des Einsseins mit Wald und Wild in ­Erinnerung. Vielleicht ist daraus auch die Kraft für all das Engagement innerhalb und außerhalb ihres Berufs erwachsen – als Biologielehrerin, Gärtnerin, Imkerin und Naturschützerin. Und vielleicht war es auch die Grundlage jener Haltung, die Helgard Gillitzer in dem Satz von Ovid so einzigartig wiedergegeben sieht: »Glücklich, wer, was er liebt, tapfer zu verteidigen wagt«.

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Von der Donau stark berührt Helgard Gillitzer fand über den ­Widerstand gegen die Kanalisierung der frei fließenden Donau zum BUND Naturschutz, in dem sie seit fast 15 Jahren den Vorsitz der Ortsgruppe Vilshofen innehat.

Kontakt

Helgard Gillitzer, Vorsitzende der BN-Ortsgruppe Vilshofen, info@ bn-vilshofen.de, www.bn-vilshofen. de


Mobil sein mit gutem Gewissen

Unterwegs ohne Auto Der Verkehr ist eine der größten Quellen von CO2 und diversen Schadstoffen. Während andere Bereiche seit Jahrzehnten ihre Emissionen verringern, hat sich im Verkehr seit 1990 nur wenig verbessert. Helfen Sie mit, dies zu ändern!

Illustration: Frauke Weinholz

engem Takt, die Wege sind kurz. Aufgabe der Stadt- und Verkehrsplanung muss es sein, den öffentlichen Nahverkehr und die nichtmotorisierte Mobilität als rundum vorteilhafteste Fortbewegungsart zu etablieren. Auch Reisen lassen sich ohne Auto planen: Die Bahn ist lange schon unser Favorit bei Fernreisen. Je mehr grünen Strom sie nutzt, umso besser wird ihre Klima­ bilanz. Daneben haben sich als Ergänzung die Fernbusse etabliert. Sie sind in der Regel ebenfalls umweltfreundlicher als die Fahrt mit dem Privatwagen und somit eine sinnvolle Alternative. Vor allem, wenn die Busstationen am Stadtrand liegen, so dass kein zusätzlicher Verkehr (und damit Abgase) ins Zentrum dringt.

Ü Der Autor Arne Fellermann arbeitet im BUNDReferat für Verkehrspolitik an Themen wie Luftreinhaltung und städtischer Mobi­ lität.

ber die Hälfte der Verkehrsemissionen stammt aus unseren Autos, gefolgt vom Transportgewerbe und dem internationalen Flugverkehr. Wird ein Auto regelmäßig genutzt, ist es allein für durchschnittlich 2,4 Tonnen CO2 pro Jahr verantwortlich – ganz zu schweigen von diversen Schadstoffen, von Lärm, Platzverbrauch und Unfallrisiko. Der aktuelle VW-Skandal macht einmal mehr deutlich, wie Autos Gesundheit und Umwelt schädigen. Nachhaltige Mobilität fängt deshalb damit an, wenig oder gar nicht Auto zu fahren. Autos ersetzen Münster ist bekanntlich die deutsche Fahrradstadt. Aber auch in Berlin und anderen Städten wird Radfahren immer beliebter: Ob klassischer Stahl- oder Alurahmen, trendige Rahmen aus Holz oder sogar Pappe – das Fahrrad bewegt uns nahezu kostenfrei und ohne Emissionen. Und es ist gerade auf kurzen Wegen unschlagbar schnell. Zudem ist es gesund und leise. Dank Lastenfahrrädern und Anhängern wird auch der Transport von Großeinkäufen und die Mitnahme von Kindern immer einfacher. Wer sich dem kräfte­ mäßig nicht gewachsen fühlt, kann heute auf immer ausgereiftere Elektroantriebe zugreifen. Besonders in der Stadt lässt es sich aufs Auto fast immer verzichten. Hier gibt es neben dem eigenen Rad alle Alternativen: Busse und Bahnen verkehren in

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Autos teilen Natürlich ist die Nutzung eines Auto manchmal alternativlos, etwa bei Pendlern vom Land. Hier wäre zu fragen: Wie viel Energie verbraucht Ihr Auto, geht es nicht eine Nummer kleiner? Können Sie es mit anderen gemeinsam nutzen? Und reicht es vielleicht, das Auto nur bis zum nächsten Bahnhof zu nutzen und den Rest der Strecke mit dem Zug zu erledigen? In den vergangenen Jahren haben sich verschiedene Carsharing-Modelle entwickelt, nicht nur in Großstädten. In ländlichen Regionen bieten sich private Ausleihbörsen wie Tamyca und Drivy oder private Arrangements zum Teilen von Fahrzeugen an (Vordrucke für Verträge gibt es im Internet). Sie bieten Anreize, das eigene Auto zu teilen oder ganz abzuschaffen. Besser ans Ziel Vielerorts fällt es nicht schwer, umweltfreundlich mobil zu sein. Ohne Auto leben Sie stressfreier und insgesamt kostengünstiger – indem Sie … ▶ … öfter Radfahren. Pedelecs erhöhen Ihren Radius. ▶ … Fahrgemeinschaften gründen – egal ob zur ­Arbeitsstelle oder in der Freizeit. ▶ … sich ehrlich fragen: Warum ein eigenes Auto? Oft ist Carsharing weit günstiger. ▶ … mit dem ÖPNV pendeln oder zumindest das Auto nur für einen Teil des Weges nutzen. ▶ … für Fernstrecken nachhaltig und bequem die Bahn oder Fernbusse nutzen. Arne Fellermann


ir gleiten stetig zwischen den verschneiten Bäumen bergan. Zu hören ist nur das gleichmäßige Schsch…Schsch unserer Skier in der gespurten Loipe. Neben uns gurgelt der Lusenbach, der Luzenský potok. Dann weicht der Wald zurück und ein Hochmoor, bewachsen mit kleinen Fichten, tut sich auf. Über die weite Schneedecke ziehen sich Spuren von Tieren. »Da denkt man ja, man ist in Kanada oder Skandinavien«, staunt ein Mitreisender. Aber wir sind nicht im hohen Norden, sondern an einem der eindrucksvollsten Plätze im Böhmerwald, im Nationalpark Šumava. Wir stehen auf der Hochebene des Pürstling, dem Bˇrezník, und unser Blick fällt über das Moor hinweg auf den Gipfelkegel des Lusen auf der bayerischen Seite. Gestern, am ersten Tag, haben wir uns entlang eines idyllischen Bachs eingelaufen, auf den weiten Bergwiesen vor unserem gemütlichen Hotel in Modrava, das auf knapp 1000 Metern Höhe mitten im Nationalpark liegt. Šumava bedeutet übrigens auf Tschechisch »Die Rauschende«, und das Bild von im Wind rauschenden Baumwipfeln trifft das Wesen dieser Gegend – auch wenn Sprachforscher sagen, Šumava bedeute etymologisch einfach nur »Wald«. So menschenleer der Böhmerwald wirken kann, er ist uraltes, aufgelassenes Kulturland und der Wechsel von Wald und Lichtungen das Ergebnis von Menschenhand. Ab dem 18. Jahrhundert blühten hier die Glas­ hütten auf, deren Öfen viel Holz verschlangen. Die ­gerodeten Flächen wurden später von Landwirten genutzt. Welche enorme Bedeutung der Rohstoff Holz hatte, begreifen wir am Ufer des fast 90 Kilometer langen Schwarzenberger Schwemmkanals, der vor über 200 Jahren gebaut wurde. Unmengen an Holz wurden über diesen künstlichen Wasserweg bis zur Donau geschwemmt, dank der Ingenieurskunst und zahlreicher Schleusen teils sogar bergauf. Einstmals streng bewachtes Niemandsland Während des Kalten Krieges war der böhmische Waldstreifen streng bewachtes Niemandsland, viele ­ Orte waren unzugänglich, so wie Dobra Voda mit seinem einzigartigen, transparenten Glasaltar. »Auch wir Tsche­chen mussten die Gegend nach der Wende erst wiederentdecken«, erklärt Jiˇrí Franc, unser einheimischer Wanderführer. Neben dem Naturerlebnis will er seinen Gästen ein Gefühl für diese alte Kulturgegend

Fotos: Ahoj Tours

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Winterparadies im tschechischen Nachbarland

Tief im Böhmerwald Skilanglauf im tschechischen Nationalpark Šumava – das bedeutet weiß bedeckte Hochmoore, schneegebeugte Tannen, dunkle Bäche und Spuren von Fuchs und Hase im Schnee.

vermitteln. Er erzählt uns von vergangenen Zeiten, von Goldgräbern und Glasbläsern. Am literarischen Abend klappt Jiˇrí Franc seinen Bücherkoffer auf, und wir lesen aus Adalbert Stifters und Karel Klostermanns Werken. Heiter ist der Abend, an dem wir versuchen, etwas Tschechisch zu lernen. Am Ende können wir alle ein paar kurze Sätze und bis fünf zählen. Sportlich sind wir auf der knapp 20 Kilometer langen ˇ Runde zur Moldauquelle über Cerná Hora, zu deutsch Schwarzenberg, unterwegs. Bei gutem Wetter sieht man von unterwegs aus die Alpen. Wir haben Glück, dicke Schneepolster erlauben es uns, auf Skiern durch das schluchtartige Tal der Vydra zu wandern. Ihr wildschönes, mit Felsen durchsetztes Bachbett hatte Smetana zur »Moldau« inspiriert. In der urigen Turnerova Chata, der Turnerhütte, knistert ein Kaminfeuer. Hm, jetzt eine heiße Steinpilzsuppe! Bei dieser Reise stehen das Erleben und Durchgleiten der Winterlandschaft im Vordergrund, nicht der sportliche Ehrgeiz. Trotzdem sollte man als Teilnehmer dieser Tour über eine gute körperliche Verfassung verfügen, denn man ist bei Winterwetter den ganzen Tag draußen und in Bewegung. Bei guter Schneelage spurt Jiˇrí auch mal abseits der Loipen durch den Wald. »Das hat dann kurz mal Expeditionscharakter,« wie er sagt. Lucia Vogel

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Reisetermin 20. – 27. Februar 2016 Infos zu Reisepreis und Anmeldung bei BUND-Reisen, ReiseCenter am Stresemannplatz Stresemannplatz 10 90489 Nürnberg Tel. 09 11- 5 88 88-20 Fax 09 11- 5 88 88 22 www.bund-reisen.de

Winterspaß in und abseits der Spur Skilanglauf lüftet den Kopf, die herrlichen Sonnenuntergänge beflügeln die Seele.


Im Jahr 1950 mussten die Deutschen ­ im Schnitt fast die Hälfte ihres Ein­ kommens für Lebensmittel aufwenden, heute sind es unter 14 Prozent. Doch sparen wir wirklich, wenn wir so billig einkaufen? Salmonellenverseuchte Eier und mit ­Antibiotika belastetes Fleisch landen dann vielleicht im Einkaufskorb. Nitrat aus zu viel Gülle belastet unser Trinkwasser, und unsere Landschaft verliert immer mehr an Natur, weil Mais- ­ und Getreidefelder bis zum Wegrand stehen. Kein bunter Lebensraum an den Feldrändern bietet mehr Nahrung für Schmetterlinge und Bienen oder ein Zuhause für Feldtiere. Es läuft so Manches schief in diesem System einer Landwirtschaft, die immer mehr abhängig ist von Subventionen und Futtermittelimporten aus Übersee; die immer mehr abhängig ist von ­Exporten in alle Winkel der Welt und damit die Märkte vor Ort kaputt macht. Im System der EU-Landwirtschafts­ politik können Großbetriebe der Agrarindustrie hohe Gewinne machen, ­während bäuerliche Familienbetriebe ums Überleben kämpfen – oder aufgeben. Es gibt die ökologische Alternative, die achtsamer mit unseren Nutztieren, mit Landschaft und Ressourcen umgeht. Doch warum bleibt der Ökolandbau immer noch in der Nische stecken? Was kann die Politik tun und was ­können wir alle als Verbraucher tun? Lesen Sie mehr auf den folgenden ­Seiten.

Hoffnung oder Fehlentwicklung? Dieser zarte ­Sojakeimling steht für beides. Er steht für alle ­Probleme, die mit den riesigen Plantagen mit ­Gentech-Soja in Übersee verbunden sind. Aber er steht genauso für Biosoja auf europäischen ­Feldern, das als Biotofu auf unseren Tellern landet.


S채en, ernten, essen

Foto: Somsak Sudthangtum/123rf

Wie unsere Lebensmittel entstehen, geht uns alle an


Warum Landwirtschaft uns alle angeht

Foto: Fotolia/Tilo Grellmann

Wollen wir Industrie auf dem Speiseplan?

Der Schein trügt Was hier so farbenfroh aussieht, zeigt die Probleme ­konventioneller Landwirtschaft: riesige Mono­ kulturen, auf denen große Mengen Pestizide versprüht werden.

Landwirtschaft ist lebenswichtig – im wortwörtlichen Sinne. Landwirtschaft produziert die Dinge, die wir Tag für Tag essen. Ohne Landwirtschaft gäbe es kein Brot mehr beim Bäcker, kein Fleisch beim Metzger, kein Gemüse im ­Supermarkt. Wir können uns nicht für oder gegen die Produkte der Landwirtschaft entscheiden, so wie wir uns für oder gegen Flug­ reisen oder den Kauf eines neuen Smartphones entscheiden können. Deshalb lohnt es sich, für eine Landwirtschaft einzutreten, die allen ­Beteiligten gut tut: den Bäuerinnen und Bauern, uns allen als Verbrauchern, den Nutztieren – und der Natur.

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etzt also Bayern-Ei. Der Skandal um salmonellenverseuchte Eier aus niederbayerischen Großbetrieben reiht sich nahtlos ein in eine lange Kette von Lebensmittelskandalen. Dem Image der Landwirtschaft sind solche Endlosschleifen von Negativmeldungen nicht gerade zuträglich. »Es gibt mittlerweile dichte Kritik der Gesellschaft an der Landwirtschaft«, sagt auch Stephan Kreppold, Sprecher des BN-Arbeitskreises Landwirtschaft und selbst Bio-Bauer (siehe Seite 21). »Da muss viel aufgebrochen werden in der Art und Weise, wie die Landwirtschaft ihre Arbeit kommuniziert.« Bei vielen Bauernfunktionären hat sich angesichts der anhaltenden Kritik eine Art Wagenburgmentalität breitgemacht. Dabei wäre es höchste Zeit, dass Landwirte und Verbraucher eine ehrliche Debatte darüber beginnen, wie es so weit kommen konnte. So weit, dass der Faktor »billig« in den meisten Fällen einzig ausschlaggebend für die Kaufentscheidung bei Lebensmitteln ist. So weit, dass die Erzeugung billiger Lebens-


mittel inzwischen millionenfaches Tierleid zur Folge hat und massiv die Umwelt schädigt. Selbst Großstädter haben Pestizide im Urin In den vergangenen Jahrzehnten wurde die konventionelle Landwirtschaft immer stärker industrialisiert, mit der Folge, dass die Landschaft und die Nutztiere an diese neuen Erfordernisse angepasst wurden. Kühe geben heute so viel Milch (bis zu 10 000 Liter pro Jahr!), dass sie schon nach wenigen Lebensjahren ausgelaugt und reif für den Schlachthof sind. Es gibt Putenzüchtungen, die so viel Brustfleisch ansetzen, dass sie vornüberkippen. Es werden immer größere Ställe für immer größeren Viehbestand gebaut. Die Tiere werden an die Haltungsbedingungen angepasst statt umgekehrt. So werden Ferkeln die Schwänze kupiert und Hühnern der empfindliche Schnabel – ohne Betäubung. Immer mehr Tiere, regional konzentriert, produzieren aber auch immer mehr Gülle, die auf den Feldern landet und unser Trinkwasser belastet. Die Felder wurden vergrößert und mit immer schwereren Maschinen befahren. Die Folge: »ausgeräumte« Landschaften, verdichtete, humusarme Böden und Chemikalienrückstände im Trinkwasser. Eine Studie des BUND von 2013 zeigte: Sieben von zehn Großstädtern in Deutschland haben Rückstände des Pestizids Glyphosat im Urin. In den intensiv bewirtschafteten Agrargebieten nimmt die Artenvielfalt dramatisch ab. Frühere Allerweltsarten wie Feldhamster und Lerche stehen heute auf der Roten Liste. Die politischen Rahmenbedingungen verfestigen diese Strukturen. Die EU-Agrarreform 2013 ging mit vielen guten Ideen an den Start, wurde aber auf Druck der mächtigen Agrarindustrie-Lobby immer weiter verändert und verwässert, bis praktisch nichts mehr davon übrigblieb. »Die Direktzahlungen sind fast wie vorher«, sagt Stephan Kreppold. Das heißt: »Wer viel hat, dem wird dazugegeben.« Die Zahlungen für Umweltleistungen wurden, so der AK-Sprecher, »zurückgestutzt bis zur Marginalie«. Diese Leistungen müssen nach Ansicht des BUND Naturschutz deutlich mehr Gewicht bekommen: Die Politik muss Leistungen der Landwirte für die Umwelt honorieren und nicht wie bisher die Tatsache, dass sie Land besitzen. Dramatisches Höfesterben Stephan Kreppold rechnet damit, dass etwa die Hälfte der Bauernhöfe in Deutschland die nächsten 15 Jahre nicht überstehen, weil sie dem Wettbewerbsdruck nicht standhalten. Das kann nicht ohne Folgen für die Kulturlandschaft und das Leben auf den Dörfern bleiben. Andere Landwirte versuchen, sich dem »Wachseoder-weiche«-Trend anzupassen. So liest sich manche Beschreibung eines landwirtschaftlichen Betriebes eher wie die Schilderung eines Industrieunternehmens. Dabei sind die gesellschaftlichen Sympathien eindeutig auf Seiten der kleinen und mittleren familiengeführten Bauernhöfe. Wenn diese aber für hochwertige Produkte auch höhere Preise berechnen müssen, sind viele Verbraucher nicht bereit, tiefer in die

Tasche zu greifen, weil sie seit Jahren von Handel und Werbung zu Schnäppchenjägern erzogen werden. Die entscheidende Frage für die Landwirtschaft der Zukunft wird deshalb sein: Wie können die Verbraucherinnen und Verbraucher überzeugt werden, für ökologische Qualität mehr zu bezahlen? Information und Aufklärung sind ein guter Anfang. »Durch mangelnde Information konnte sich die Schnäppchenjägermentalität erst bilden«, sagt Stephan Kreppold. Angepasstes Einkaufsverhalten – bio, saisonal und regional – möglichst vieler Verbraucher wäre noch besser. Die breite gesellschaftliche Debatte um Massentierhaltung oder Fleischkonsum zeigt, dass sich etwas bewegt. Der Bio-Bauer Kreppold ist sich sicher: »Was wir fördern müssen, ist ein Bewusstsein für Gemeinwohlnutzen ökologisch erzeugter Lebensmittel.« Ein Bewusst-

115 Milliarden Euro Umsatz machte der Agrarsektor 2014 in Bayern. sein dafür also, dass der Billigkäse und das Billigobst den eigenen Geldbeutel kurzfristig entlasten, der Gesellschaft, den Nutztieren und der Natur aber schaden. »Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe«, sagt Stephan Kreppold, »und letztlich nicht nur bezogen auf die Ernährung. Damit wir uns nicht zu einer Gesellschaft von Egoisten entwickeln.« Luise Frank

Ziele des BN für eine naturnahe Lebensmittel­ erzeugung auf dem Acker und im Stall 1. Ökologische landwirtschaftliche Produktion. Damit ist der Verzicht auf Agrarchemie gemeint sowie ­ der Verzeicht auf riskante Medikamentierung der Nutztiere durch Antibiotika und Hormone.

2. Der höchstmögliche Schutz

­ nseres Fließ- und Trinkwassers u vor landwirtschaftlich bedingtem Schadstoffeintrag in Form von ­Nitrat und Rückständen der Agrarchemie.

3. Die Wiederherstellung intakter,

strukturmäßig vernetzter Landschaften. Die Wiederherstellung von guten Lebensbedingungen für Feldvögel, Insekten und Schmetterlinge.

4. Die Haltung, Fütterung, Betreu-

ung der Nutztiere in einem System, welches den Bedürfnissen und der Würde der Tiere in einem hohen

Maße entspricht. Dies bedeutet die grundsätzliche Verbesserung der Aufstallungsbedingungen, Liegeflächen auf Strohunterlage, Auslauf ins Freie und das Unterlassen von Kupieren der Schwänze bei Schweinen und der Schnabelspitzen bei Geflügel. Gegenwärtig ­diskutierte »Tierwohl«-Maßnahmen reichen bei Weitem nicht aus. Darüber hinaus ist die Fütterung weitgehend auf eine inländische und generell gentechnikfreie ­Futterbasis umzustellen.

5. Die Bewirtschaftung des Betrie-

bes ist im Ziel auf die Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern auszurichten. Alle genannten Zielvorstellungen bedeuten eine wesentliche Verteuerung der Erzeugung.

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Ökologische Landwirtschaft

Nachweislich besser

Foto: Annette Stefan

Die ökologische Landwirtschaft schont Boden, Pflanzen und Tiere – so viel steht fest. Dass trotzdem immer wieder Zweifel an dieser umweltfreundlicheren Art des Landbaus laut werden, liegt an einem weit verbreiteten Missverständnis.

Bewusst genießen Biolebensmittel, am besten regional und saisonal ein­ gekauft, tun der Umwelt und der ­eigenen Gesundheit gut.

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io auch nicht gesünder« – so oder so ähnlich titeln Zeitungen immer wieder gerne. Das Ärgerliche daran: Die Botschaft, die dadurch beim Leser ankiommt, ist falsch. Die ökologische Landwirtschaft mit ihren strengen Kontrollen garantiert nicht unbedingt, dass Biogemüse, -obst oder -milchprodukte mehr gesunde Inhaltsstoffe enthalten. Sie garantiert aber, dass ihre Lebensmittel umweltschonender erzeugt wurden: ohne Pestizide, ohne synthetische Dünger und ohne gentechnisch veränderte Organismen. Das ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch für die Verbraucher, denn belegt ist, dass Obst und Gemüse aus ökologi-

schem Anbau nur sehr wenig Rückstände von Pestiziden aufweist. Traurig daran: Gänzliche Pestizidfreiheit kann auch die Biolandwirtschaft nicht garantieren. Der Nebel aus Nachbars Giftspritze macht vor Biofeldern nicht Halt. Und für alle, denen der Gesundheitaspekt beim Bioeinkauf besonders wichtig ist: Inzwischen gibt es auch Untersuchungen, die bei Ökoware einen höheren Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen belegen oder eine höhere Nährstoffdichte. Bezüglich Vitaminen und Mineralstoffen sind die Unterschiede schwierig auzumachen, da diese von Sorte und Frischegrad abhängen. Weitere positive Effekte der Biolandwirtschaft: Sie verbraucht weniger Energie, unter anderem, weil sie auf Industriedünger verzichtet. Mineraldünger muss energieaufwändig hergestellt werden, und die Futtermittelimporte aus fernen Ländern schlagen in der Energiebilanz zu Buche. Deshalb schneidet der Ökolandbau trotz rund 20 Prozent geringerer Erträge und tierischer Leistungen immer noch besser ab. Außerdem sorgt ökologischer Landbau für mehr Artenvielfalt. Erstens, weil auf den ungespritzten Äckern und den Feldrändern mehr Leben möglich ist. Zweitens, weil viele überzeugte Ökolandwirte beim Anbau von Obst- und Gemüse auf Sortenvielfalt achten oder bewusst auf althergebrachte Tierrassen setzen. Zudem setzen sie oft auf alte Getreidesorten wie Emmer, Einkorn und bodenaufbauende Kulturen wie Klee, Erbsen oder Bohnen. Auch die Böden kommen bei Bio in der Regel besser weg: Die schonenderen Verfahren sorgen dafür, dass mehr Humus entsteht, was wiederum klimaschädliche Gase bindet. Bio ist nicht gleich Bio Auch wenn die im Infokasten formulierten Regeln für alle Biowaren in der EU gelten: Bio ist nicht gleich Bio. Natürlich wäre es schön, mit billigen Ökoprodukten »die Welt zu retten«. Doch leider geht diese Rechnung nicht auf. Eine gesündere Landwirtschaft gibt es nicht zum Discounttarif. Die intensive Landwirtschaft kommt uns schließlich nicht so teuer zu stehen, ob­ wohl, sondern weil unsere Lebensmittel so billig sind.

Bioware von Verbänden wie Bioland, Naturland oder Demeter (oben) ist nach strengeren Richtlinien hergestellt als Lebensmittel mit dem deutschen oder dem EU-Biosiegel (unten).

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212 000 Hektar wurden 2014 in Bayern ökologisch bewirtschaftet.

Weil weder Landwirt noch Verbraucher den Schaden unmittelbar bezahlen müssen, der durch Pestizide und Nitrat im Grundwasser, ausgestorbene Pflanzen und Tiere oder ausgelaugte Böden entsteht. Müssten wir diese Folgekosten der intensiven Landwirtschaft an der Ladenkasse begleichen, wären Lebensmittel so teuer wie nie zuvor – und Bioprodukte schlagartig konkurrenzfähig. Wer also mit ökologischen Lebensmitteln der Umwelt etwas Gutes tun möchte, der muss einen »ehr­ lichen« Preis dafür bezahlen: Beikräuter mit der Maschine, statt mit der Giftspritze zu regulieren, Masthähnchen 80 statt 40 Tage wachsen zu lassen und ­Gemüse mit langsamer verfügbaren Düngern zu produzieren – all das braucht Zeit und kostet damit Geld. Wenn Billig-Bio von Aldi und Co also die gleichen Kontrollverfahren durchläuft, wie jedes andere Bioprodukt in der EU, woher kommt dann der Preisunterschied? Der Unterschied liegt oft im Anspruch oder Engagement der Produzenten und Verarbeiter begründet. So gehen die Richtlinien, nach denen große deutsche Bioverbände wie Bioland, Naturland und Demeter arbeiten, deutlich über den EU-Ökostandard hinaus. Hier sind tatsächlich viele Idealisten am Werk. Es gibt keine Betriebsteile, die konventionell geführt werden dürfen. Tiere haben mehr Platz, Landwirte müssen mehr eigenes Futter produzieren und dürfen weniger Dünger zukaufen. Auch für die Verarbeitung gelten strengere Regeln, beispielsweise, was Aromen und Zusatzstoffe anbelangt. Oft hängt der Preisunterschied auch damit zusammen, wo die Verarbeiter einkaufen: Ukrainisches Biogetreide fürs Müsli kostet nur einen Bruchteil von dem, was ein deutscher Biolandwirt Biolandwirte arbeiten … • ohne chemische Pestizide • ohne chemisch-synthetische Dünger • ohne Gentechnik • ohne vorbeugenden Einsatz von Arzneimitteln • Tiere haben Platz und Auslauf im Freien • Tiere werden artgerecht gefüttert, auf »Turboleistungen« wird verzichtet

… umweltschonender, weil … • weniger Gift in Wasser und Boden • mehr Tier- und Pflanzenarten auf den Äckern • weniger Nitrateintrag ins Grundwasser

v­ erlangen muss, um rentabel zu arbeiten. Wer kurze Lieferwege, faire Erzeugerpreise und die heimische Biolandwirtschaft unterstützten möchte, muss also oft tiefer in die Tasche greifen, so absurd dies auch ­klingen mag. Einkaufen als Wissenschaft Jeder, der versucht, sich halbwegs verantwortungsvoll zu ernähren, wird schon einmal ratlos vor den Lebensmittelregalen gestanden sein: Biohonig aus Ecuador versus konventionelle Ware vom Nachbarn? Fairen Rohrohrzucker aus Brasilien oder doch lieber Süd­ zucker? Verantwortungsvoll einzukaufen kann heute zur nervenzehrenden Halbtagsbeschäftigung ausarten. Woran kann sich also orientieren, wer möglichst nachhaltig einkaufen möchte? Einige grundlegende Tipps: ▶ Bioladen statt Discounter-Bio Unterstützen Sie lieber örtliche Bioläden als Discounter, die Erzeuger gerne im Preis drücken. Gute Landwirtschaft gibt es nicht zum Billigtarif. ▶ Verbandsware statt Billig-Bio Produkte der großen Anbauverbände Demeter, Bioland und Naturland garantieren strengere Umwelt- und Tierwohlvorschriften als Bioware, die nur das EU-Biologo trägt. Oft engagieren sich die Hersteller zusätzlich für faire Preise, Artenvielfalt oder soziale Belange. ▶ Am besten regional und saisonal Lebensmittel über weite Strecken zu transportieren, kostet Energie. Ebenso, Gemüse oder Obst in beheizten Treibhäusern anzubauen. Das gilt auch für Biowaren. Greifen Sie also zu regionalen und der Saison angepassten Lebensmitteln – am besten natürlich in Bioqualität. ▶ Weniger tierische Erzeugnisse Sich von Bioprodukten zu ernähren, ist teurer. Verbraucher können ihre Gesamtausgaben aber im Rahmen halten, wenn sie mehr pflanzliche und weniger tierische Produkte wie Fleisch, Käse oder andere Milchprodukte essen. Das kommt auch Umwelt und Nutztieren zugute. Die Produktion tierischer Kalorien verbraucht immer mehr Ressourcen als jene von pflanzlichen. Und schließlich: Fleisch, Wurst und Milcherzeugnisse in so riesigen Mengen, wie wir sie derzeit verbrauchen, umwelt- und tiergerecht zu erzeugen, ist nicht möglich. Heidi Tiefenthaler

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Die Grundlage der Zukunft

Mehr tun für besseren Bodenschutz 2015 ist das Jahr des internationalen Bodenschutzes. Fruchtbarer Boden ist lebenswichtig, trotzdem gehen wir sehr verschwenderisch mit dieser wertvollen Ressource um. Gewerbegebiete und Straßenbau versiegeln Ackerland. Intensivlandwirtschaft mit schweren Maschinen und viel Chemieeinsatz schädigt die Böden. Ökologischer Landbau hingegen ist nachhaltig, denn er stärkt die Bodenorganismen und verbessert so die Bodenfruchtbarkeit.

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Foto: Toni Mader

ruchtbare Böden sind ein unbezahlbares Kapital. Die aktuelle Konkurrenz um landwirtschaftliche Flächen macht nicht nur den Böden, sondern auch den Bauern zu schaffen. Fast die Hälfte ihrer Böden müssen Landwirte in Bayern heute zupachten. Verpächter sind die aufgebenden Betriebe oder deren Erben. Inzwischen gibt es eine starke Konkurrenz in den Dörfern und nicht zuletzt einen Preiskampf, wenn die »Biogaser« dem Verpächter mehr Pacht auf den Tisch blättern können, als es der Milchviehbetrieb kann, der eigentlich mehr Fläche bräuchte, um auf Ökolandbau umzustellen. Bezüglich der Bodenfruchtbarkeit schneiden ein Milchviehbetrieb oder ein Ökobauer sicher besser ab als ein Biogasbetrieb. Der Grund: Für Biogaserzeugung wird vor allem Mais verwendet, und Maisfelder sind besonders erosionsgefährdet. Fruchtbarer Ackerboden wird weggeschwemmt Überhaupt schadet die konventionelle Intensivlandwirtschaft in vielerlei Hinsicht den Böden. Das Befahren mit schweren, immer größeren Fahrzeugen führt zu massiven Boden und Unterbodenverdichtungen. Dadurch können die Böden nicht mehr so viel Wasser aufnehmen. Auch der massive Einsatz von Mineraldünger, Pestiziden und Gülle belastet die Böden – und letztlich auch unser Trinkwasser.Ein Riesenproblem der Intensivlandwirtschaft ist Erosion. Ein Viertel der Ackerflä-

Foto: Fotolia/Andrey Kuzmin

Die Autorin Marion Ruppaner ist die Referentin für Landwirtschaft des BUND Naturschutz.

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chen Deutschlands sind winderosionsgefährdet und auf einem Drittel der Äcker wird fruchtbarer Ackerboden, und damit wertvoller Humus und Nährstoffe, von Niederschlägen weggeschwemmt. Die Bodensedimente und Nährstoffe landen, wo sie nicht hinsollen: In ­Gewässern und im Grundwasser. Prognosen des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU) zur künftigen Belastungssituation des Grundwassers bis 2021 zeigen, dass ein guter ökologischer Zustand des Grundwassers in vielen Regionen Bayerns wegen zu hoher Nitrat- und ­­Pesti­zid­belastung voraussichtlich nicht erreicht wird. Durch Erosion leidet auch die Ertragsfähigkeit der Böden. Eine neue Studie der Technischen Universität München zeigt, dass in mehreren EU-Ländern inzwischen die Ernteerträge bei Getreide stagnieren. Niedrige Humusgehalte der Böden sind dafür wohl mitverantwortlich, denn mit sinkendem Humusgehalt lässt die natürliche Fruchtbarkeit der Böden nach. Die EU-Agrarpolitik hat dies mit verursacht, weil immer weniger boden­aufbauende Ackerkulturen wie Kleegras oder Ackerbohnen angebaut werden. In Deutschland beträgt die mittlere jährliche Boden­ abtragsrate auf Ackerflächen etwa 15 Tonnen pro Jahr, was einem Bodenverlust von etwa einem Millimeter entspricht. Demgegenüber steht eine jährliche Bodenneubildungsrate von selten mehr als 0,1 Millimeter. Es dauert also meist mehr als 100 Jahre, bis ein Zentimeter neuen Bodens sich entwickeln kann. So verlieren wir buchstäblich den Boden unter den Füßen. Böden mit einem hohen Humusgehalt sind bedeutende Speicher für Kohlenstoff und dienen damit als CO2-Senke. Werden Wiesen und Weiden entwässert und in Äcker umgewandelt, wird auch der im Humus eingelagerte Kohlenstoff frei. Ganz besonders drastisch ist das auf Moorböden der Fall. Aus entwässerten Moorböden, die weltweit nur 0,3 Prozent der Landfläche bedecken, werden rund 6 bis 7 Prozent der weltweiten klimarelevanten Gase emittiert. Auch in Bayern gibt es viele be-


Immer mehr Wiesen verschwinden Wiesen und Weiden sind ein wichtiger Beitrag für die Erhaltung der natürlichen Bodenfruchtbarkeit. Zudem sind sie ein Teil unserer abwechslungsreichen Kulturlandschaft. Doch in Bayern ist es nicht gut um sie bestellt: Immer mehr Wiesen wurden in den vergangenen Jahrzehnten in Äcker verwandelt, überbaut oder aufgeforstet. Davon waren auch viele der artenreichsten Wiesen betroffen. Wiesenblumen haben heute gar keine Zeit mehr, zum Blühen zu kommen und ihre bunte Vielfalt auszuprägen. Durch hohe Düngergaben können sie heute alle vier bis sechs Wochen, fünfmal und öfter im Jahr gemäht werden. Das Mähen beginnt oft schon Ende April. Im Durchschnitt wachsen nur noch 19 Pflanzenarten in bayerischen Wirtschaftswiesen. Eine artenreiche Wiese bringt es auf 60 bis 80 verschiedene Kräuter und Gräser. Wiesen und Weiden haben vielfältige ökologische Funktionen wie Erosionsund Artenschutz. Sie schützen aber auch die Menschen, denn die bessere Wasserrückhaltefähigkeit von Wiesen und Weiden verringert die Hochwassergefahr. Bei der Erhaltung artenreicher Wiesen gehen Naturschutz und Landwirtschaft Hand in Hand, genauso bei den vielfältigen Beweidungsprojekten, die von BNKreisgruppen unterstützt und betreut werden. Gemein­ sam ist Projekten wie dem Frankenwald-Weiderind, der Hutangerbewirtschaftung im Nürnberger Land oder dem Freisinger Moos-Weiderind, dass Rinderbeweidung mit Naturschutzanliegen gekoppelt wird. Die »Ergebnisse« finden sich dann auch als Rinderbraten auf der Speisekarte von Restaurants wieder oder im Metzgerfachgeschäft als Frankenwaldsalami. Ohne die Wiederkäuer könnten Bayerns Wiesen und Weiden nicht erhalten werden. Hier macht die Haltung von

Foto: Inge Steidl

BN-Wiesenmeisterschaft

Der BUND Naturschutz veranstaltet seit sieben Jahren gemeinsam mit der Landesanstalt für Landwirtschaft in Bayern eine Wiesenmeisterschaft. Dazu wird jedes Jahr ein Naturraum ausgewählt. Landwirte aus der ­Region können sich mit artenreichen Wiesennutzungen bewerben. Die schönsten, artenreichsten Grünlandflächen werden ausgezeichnet. In diesem Jahr fand die Wiesenmeisterschaft im bayerischen Spessart und Odenwald statt. Unser Bild zeigt eine der Siegerwiesen. Ziel der Wiesenmeisterschaft ist es, eine neue Partnerschaft von Landwirtschaft und Naturschutz aufzubauen und auch wirtschaftlich sinnvolle Perspektiven für die Nutzung ökologisch wertvoller Grünlandflächen stärker ins öffentliche Bewusstsein zu bringen. Die geehrten Landwirte sind ausnahmslos stolz auf ihre schönen Wiesen. Das Wiesenfutter können sie an ihre Tiere verfüttern und so deren Gesundheit durch bestes Kräuterheu fördern.

Weidetieren Sinn. Doch in der modernen Intensivlandwirtschaft leben Kühe meist nicht allein von Gras und Heu, sondern vor allem von Kraftfutter wie Getreide und Soja, damit sie mehr Milch geben können. Was können und sollen wir tun zum Schutz unserer Böden? Der BN fordert verbesserte Maßnahmen zur Eindämmung der Bodenerosion und ein bayerisches Grünlandschutzgesetz, um zu verhindern, dass artenreiche Wiesen immer noch in »Grasäcker« umge­ wandelt werden dürfen, selbst in Vogelschutzgebieten. Verbraucher können Lebensmittel aus bayerischer Bio­ erzeugung kaufen; das sichert hochwertige ökologische Bewirtschaftung. Marion Ruppaner

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1000 Jahre dauert es, bis 10 Zentimeter Boden neu entstehen.

troffene Gebiete, zum Beispiel das Donaumoos. Dort ist inzwischen eine »Moorsackung« von fast einem Zentimeter pro Jahr festzustellen. Wenn jährlich bis zu zweihundert Kubikmeter Moor pro Hektar und Jahr verschwinden, verlieren die Landwirte damit in Jahrhunderten aufgebautes Ertragskapital. Der BN fordert daher Konzepte zur verstärkten ­Wiedervernässung von landwirtschaftlich genutzten Moorböden und deren Umwandlung in Wiesen oder Weideflächen.


Wie steht die Politik zu den Brennpunktthemen der Landwirtschaft? ­ Wir haben Vertreter zweier Parteien gebeten, uns ihren Standpunkt zu den Stichworten Massentierhaltung, Pestizide und Ökolandbau mitzuteilen.

Massentierhaltung Wir stehen in Bayern an einem Wendepunkt. Das traditionell durch kleinbäuerliche Betriebe bewirtschaftete Land befindet sich in einer Phase des schleichenden und dennoch unerbittlichen strukturellen Wandels: Der durch Industrie, Handel und Politik vorgegebene Kurs, möglichst viel zu möglichst billigen Preisen herzustellen, drängt bäuerliche Familienbetriebe in den Ruin. Das Resultat sind wenige große Tierfabriken, die jeglicher ethischen Grundlage im Umgang mit Lebewesen entbehren. Darunter leiden die Tiere, die Qualität unserer Lebensmittel, die Umwelt, unser Trinkwasser und immer öfter auch unsere Gesundheit. Deswegen fordern wir: Klasse statt Masse.   Pestizide Viele tausend Tonnen Gift landen jährlich auf unseren Feldern. Beim Bienensterben spielen Pestizide eine fatale Rolle. Das wohl berüchtigtste Pestizid Glyphosat ist inzwischen von der Weltgesundheitsorganisation als »wahrscheinlich krebserregend« eingestuft worden. Die Bayerische Staatsregierung muss endlich aufhören, dieses Allzweckgift zu verharmlosen. Wir fordern ein Verbot von Glyphosat auf Ackerflächen, bei der NeuanHelmut Brunner, saat von Grünland und in Privatgärten. Ein GlyphosatCSU verbot muss Hand in Hand mit Bildungsangeboten beBayerischer Staatssonders für angehende Landwirte gehen, um den Jungminister für Ernähbauern Alternativen zu Gift auf den Feldern zu vermitrung, Landwirtschaft und Forsten teln.

Foto: Bündnis 90/Die Grünen Bayern

Sigi Hagl, Die Grünen Vorsitzende des bayerischen ­Landesverbandes

Ökolandbau Davon wollen wir mehr in Bayern! Denn beim ökologischen Landbau stehen ein verantwortungsvoller Umgang mit Tieren, der Schutz natürlicher Ressourcen und der Erhalt der Artenvielfalt an erster Stelle. Bislang schaffen wir es in Bayern nicht, genügend Biomilch für unseren eigenen Bedarf zu erzeugen und müssen auf Importe zurückgreifen. Der Biomilch-Preis ist fair und stabil, ganz im Gegensatz zu den Dumpingpreisen für konventionelle Milch. Die Umstellung auf den Ökolandbau bietet für viele kleinbäuerliche Betriebe die Chance, fit für die Zukunft zu sein. Dabei müssen wir sie unterstützen. Unser Ziel ist »20 Prozent Bio bis 2020«. Unsere Nachbarn in Österreich zeigen schon lange, dass das geht.

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Pestizide Ganz ohne Pflanzenschutzmittel geht es in der konventionellen Landwirtschaft nicht. Die Bauern wären sonst nicht wettbewerbsfähig. Das Pflanzenschutzrecht schreibt aber vor, den Einsatz auf das unbedingt notwendige Maß zu beschränken. Ausbringen dürfen die Mittel nur sachkundige Personen mit geprüften Geräten. Wir halten die Betriebe im Rahmen von Bildung und Beratung an, sorgsam mit Pflanzenschutzmitteln umzugehen. Zudem treiben wir die Züchtung resistenter Sorten voran, um den Mittelbedarf zu verringern. Daneben unterbreiten wir den Bauern mit unseren Agrar­umweltprogrammen attraktive Angebote für eine extensivere Bewirtschaftung, etwa wenn sie auf flächendeckenden Mitteleinsatz verzichten oder in wasserwirtschaftlich sensiblen Gebieten keine »Intensivfrüchte« wie Raps oder Winterweizen anbauen. Ökolandbau Jeder dritte Bio-Betrieb Deutschlands steht in Bayern. Trotzdem wird auch bei uns noch zu wenig Bio produziert. Weil die Nachfrage boomt, sind wir immer stärker auf Importe aus Ländern wie China oder Ägypten angewiesen. Ob dort ähnlich hohe Standards gelten wie bei uns, ist fraglich. Auch, ob so weite Transporte zum Grundgedanken von Bio passen. Deshalb habe ich 2013 ein Landesprogramm aufgelegt, um die Ökoproduktion bis 2020 zu verdoppeln. Ich habe Forschung, Bildung und Beratung gestärkt und die Ökoprämien auf den Höchstsatz angehoben. Das zeigt Wirkung: Seit Jahresbeginn ist die Zahl der Biobetriebe in Bayern um 600 auf 7350 gewachsen. Weitere Impulse verspreche ich mir vom neuen bayerischen Bio-Siegel, das wir noch im Herbst in den Handel bringen. Damit im Laden jeder zielsicher nach Bio aus Bayern greifen kann. Foto: StMELF

Standpunkt

Massentierhaltung Ob es den Tieren gut geht, ist zwar weniger eine Frage der Anzahl, sondern eher des Stallsystems und der Betreuung. Dennoch: Megaställe entsprechen nicht ­ meinem agrarpolitischen Leitbild. In Bayern sind die Betriebe im Durchschnitt kleiner als in den anderen Bundesländern. Das soll auch so bleiben. Ich will keine industriellen Strukturen, sondern bäuerliche Betriebe mit überschaubaren Tierbeständen und transparenten Vermarktungswegen. Deshalb haben wir bei der Investitionsförderung  finanzielle Obergrenzen geschaffen, für besonders tiergerechte Haltung bieten wir hohe ­finanzielle Anreize. So sorgt jeder neu gebaute Stall für ein Plus an Tierwohl. Der Mehraufwand muss sich für die Bauern aber auch rechnen. Deshalb geht es nicht ohne die Verbraucher: Denn sie bestimmen mit ihrem Einkauf maßgeblich über Betriebsstrukturen und Haltungsverfahren mit.


Tierhaltung in Bayern

Höchste Zeit für Klasse statt Masse

Foto: Bioland Kempten

Die Massentierhaltung war in jüngster Zeit oft in den Schlagzeilen, meist begleitet von schreck­ lichen Bildern. Die Probleme der Tierhaltung ­liegen am System: Bayerische Bauern, die Fleisch und Milch erzeugen, sind abhängig von den großen Handelsunternehmen und der Fleischbranche. Diese drücken die Preise und verdienen an der Ausweitung der Produktion. Deutsche Landwirte produzieren heute ein Drittel mehr Masthühnchen, als wir bräuchten und bayerische Bauern mehr als dreimal so viel Käse!

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as Problem der industriellen Agrarfabriken hat Bayern erreicht. Die kleinen Betriebe halten den Preiskampf nicht durch und geben auf. Die Tierhaltung wandert in immer größere Betriebsstrukturen. Hähnchenmastställe à la Wiesenhof umfassen pro Einheit 40 000 Mastplätze, dort werden die Hühnchen wie am Fließband alle sechs Wochen zum Schlachthof gekarrt und die Ställe neu »bestückt«. Mehr als 300 000 Hähnchen können pro Jahr in einem solchen Stall gemästet werden. Erkrankt ein Tier, wird der gesamte Bestand über die Futtertränken mit Antibiotika behandelt. Neue Schweineställe werden für 1000 bis 2000 Mastschweine geplant, und auch die Milcherzeugung wandert in immer größere Ställe von 100 und mehr Kühen. Hiergegen richtet sich dann der Protest vor Ort. Denn je größer die Ställe werden, umso mehr tierischer Dung fällt an. Tiere werden hin und her transportiert, ebenso das Futter. Die Anwohner protestieren gegen Gestank und Staub, erhöhtes Verkehrsaufkommen, die Belastung des Trinkwassers und gegen die Haltungsbedingungen. Auch Landwirte fürchten um ihre Existenz, wenn agrarindustrielle Unternehmen wie der inzwischen in Sachsen-Anhalt mit einem Tierhaltungsverbot belegte Niederländer Strathof bei ­Donauwörth einen Stall für 3000 Zuchtsauen mit 9000 Ferkelmastplätzen baut. In der Initiative: »Stopp den Saustall« in Donauwörth kämpft ein breites Bündnis für Möglichkeiten, solchen Ställen die Genehmigung zu versagen. Gesundheitsgefahr durch resistente Keime Niederbayern gehört zu den Regionen, in denen in den vergangenen Jahren besonders viele Schweine- und Hähnchenmastställe gebaut wurden und immer noch beantragt werden. Die anhaltenden Proteste zeigen, dass es den Verbrauchern eben nicht »Wurst« ist, was sich vor der Haustür abspielt. Im Raum Landshut mussten bereits mehrere Wasserversorger ihre Brunnen schließen oder an Fernwasser anschließen, weil

die Nitratkonzentration im Grundwasser über den Wühlen erlaubt ­EU-Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter ange- Im Freiland oder auf Stroh fühlen stiegen war. Die Folgekosten der Wassersanierung wer- sich Schweine am den auf die Steuerzahler abgewälzt. wohlsten. Das ist Der BN unterstützt Initiativen gegen solche Mega­ aber teurer als die ställe mit Öffentlichkeitsarbeit und Rechtstipps. Der Haltung auf engsBN setzt sich für einen Stopp der Förderung aller Stall- tem Raum und neubauten ein, die lediglich auf Basis der gültigen Tier- Vollspaltenböden. haltungsverordnung beantragt werden. Denn nur mit besseren Haltungsbedingungen kann es gelingen, den Tierschutz zu verbessern. Denn eigentlich will niemand, dass Nutztiere leiden müssen, oder dass wir unsere Gesundheit durch resistente Keime gefährden, die eine Folge des massiven Antibiotikaeinsatzes sind. Dies lässt sich aber nur mit anderen Strukturen erreichen, die Klasse statt Masse fördern: weniger Tiere auf mehr Fleisch essen? Platz, artgerechte Haltung und ein Ende der grotesken Artgerechte Tierhal­ tung und Fütterung Hochleistungszüchtungen. wird im Biobereich Doch unsere Massentierhaltung wirkt sich auch vorbildlich umge­ ­außerhalb Bayerns aus: Auf 400 000 Hektar Fläche wird setzt. Zu Weide­ Futter für Bayerns Nutztiere in Drittländern produziert. fleisch gibt es Tipps Besonders problematisch ist der Import von gentech- auf den Seiten 20/21. nisch verändertem Soja. Bei dessen Anbau werden Unmengen an Herbiziden versprüht. Der Gifteinsatz per Flugzeug führt auch zu massiven gesundheitlichen Problemen bei der Land- Ein Durchschnittsbevölkerung in den südamerikanischen Exportländern. Für die Sojaflächen wer- deutscher isst im den Kleinbauern von ihrem Land vertrie- Laufe seines Lebens: ben und Savannen und Regenwald ge- 4 Rinder schädigt. Soll man überhaupt noch Fleisch 4 Schafe essen? Das ist eine persönliche Entschei- 12 Gänse dung, doch klar ist: Es gibt unterschied­ 37 Enten liche Qualitäten und Haltungsformen. 46 Schweine Lieber weniger und dafür Biofleisch aus 46 Puten artgerechter Haltung. Marion Ruppaner 945 Hühner [4-15] Natur + Umwelt BN-Magazin 

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Foto: Thomas Stephan

Mehr Biolandbau für Bayern

Die Ökoregionen machen vor, wie’s geht Die Staatlich anerkannten Ökomodellregionen in Bayern sind eine wichtige Etappe auf dem Weg zu mehr Bio. Zwölf davon gibt es bereits. Lebendige Vielfalt In den bayerischen Ökomodellregionen soll natur­ gemäße Landwirtschaft gefördert werden.

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ayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner will die ökologische Landwirtschaft in Bayern fördern. In seinem Programm »BioRegio 2020« hat er das Ziel vorgegeben, dass der Ökolandbauanteil bis 2020 verdoppelt werden soll. Es müssten jedes Jahr tausend Betriebe neu umstellen, um die Zielmarke 13 Prozent bis 2020 zu erreichen. Das ist keine leichte Aufgabe. Im Jahr 2015 haben bislang immerhin rund 700 Betriebe in Bayern neu auf Bio umgestellt. Der Umbau von Forschung, Beratung und Bildung in Richtung Ökolandbau und der Einsatz von Biolebensmitteln in der Gemeinschaftsverpflegung in Bayern sind große Herausforderungen. Da fehlt noch die Willensbekundung aus dem Wirtschafts- und Kultusministerium und der Staatskanzlei und natürlich auch der größere Finanzrahmen. Schließlich soll der Ökolandbau auch nach 2020 weiterwachsen. Die Nach­ haltigkeitsstrategie der Bundesregierung hat einen Flächenanteil von 20 Prozent Ökolandbaufläche zu ­ einem wichtigen Ziel erklärt. Deutschlandweit lag der Bio­anteil 2014 bei 8,2 Prozent der Betriebe, aber nur 6,4 Prozent der Fläche. Minister Brunner hat in Bayern »Staatlich anerkannte Öko-Modellregionen« ausgelobt, mit dem Ziel, dass diese Modellregionen Mittel und Wege aufzeigen, wie der Bioanteil wirksam erhöht werden kann. Der Freistaat Bayern finanziert anteilig das Projektmanagement der Ökomodellregionen für mehrere Jahre und unterstützt die Regionen über die integrierte ländliche Entwicklung und die Landesanstalt für Landwirtschaft. Zwölf Regionen in Bayern wurden in den vergangenen

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beiden Jahren ausgewählt – vom Oberallgäu im Südwesten bis zum Steinwald im Nordosten. Für die Mehrung von Biobetrieben gibt es kein Patentrezept. Aber es gibt eine ganze Reihe kreativer und engagierter Menschen und Initiativen, die sich seit vielen Jahren für den Ökolandbau stark machen. Es macht Sinn, über die Ökomodellregionen diese Kompetenzen zu stärken und zu vernetzen, um damit den Ökolandbau in diesen Regionen zu mehren und die Ideen und Methoden auch für andere Gebiete nutzbar zu machen. Tagwerk e. V., eine Erzeuger-Verbrauchervereinigung im Münchener Umland, hat das Projektmanagement für die Ökomodellregion Isental (Gemeinden Einkaufstipps ▶  Prüfen Sie selbst, wie sie ihren Einkauf so natur­ verträglich wie möglich gestalten können, ökologisch, regional, bäuerlich, gentechnikfrei und fair:  www.bund-naturschutz.de/oekologischleben/essen-und-trinken/einkaufscheck.html ▶  Der BN gibt regionale Einkaufslisten heraus: »Bio – wo? Her damit!« ▶  Mehr Infos auch auf unserer Homepage, ­ zum Beispiel: www.bund-naturschutz.de/oekologischleben/essen-und-trinken/einkaufscheck/ bio-­einkaufsfuehrer.html www.bund-naturschutz.de/oekologisch-­leben/ essen-und-trinken/einkaufscheck/bn-informiertgesunde-ernaehrung.html


Foto: Thomas Stephan

Naturschutz und Landwirtschaft als Partner Etwa die Hälfte der rund 2700 Blütenpflanzen in Mitteleuropa ist auf den Lebensraum extensives Grünland angewiesen. Oft sind es sehr trockene oder sehr feuchte Lebensräume, auf denen Landwirtschaft ohne weitere Unterstützung nicht rentabel ist. Deshalb hat der BN großes Interesse, Landwirte zu unterstützen, die diese Wiesen unter Naturschutzgesichtspunkten bewirtschaften. Das schmackhafte Weidefleisch gehört mit zum Besten, was man am Rindfleischmarkt bekommen kann. Und die Artenvielfalt ist ein Ergebnis dieser ­Zusammenarbeit. Doch es braucht kaufwillige Verbraucher, die Naturschutz mit dem Einkaufskorb betreiben. Einige Beispiele, wo es Fleisch von Beweidungsprojekten gibt: ▶ Das Projekt der BN-Kreisgruppe Hof umfasst sechs größere Weidegebiete im Naturraum Frankenwald (Foto unten). Rund 100 Hektar wertvoller Standorte konnten in bestehende Weidebetriebe naturschutzfachlich integriert werden. Sechs Metzgereien vertrei-

Biobauer aus Überzeugung

E

in schöner alter Einödhof inmitten idyllischer Landschaft im Landkreis Aichach-Friedberg – das ist das Zuhause der Familie Kreppold. Stephan Kreppold ist Biobauer aus Überzeugung. Vor 33 Jahren hat er auf ökologische Landwirtschaft umgestellt. Seit 2013 ist der 69-Jährige Sprecher des BN-Arbeitskreises Landwirtschaft. Der Bioland-Hof ist ein Beispiel dafür, dass ökologische Landwirtschaft ein Erfolgsmodell sein kann. Zum Einen stimmen die Voraussetzungen: gute Böden und Klima­bedingungen, die Flächen um den Hof herum gelegen. 100 Hektar bewirtschaftet die Familie, die Hälfte davon zugepachtet. Zum anderen stimmt aber auch das »Management«: Der Hof lebt von einer Vielzahl von Ackerfrüchten wie Weizen, Roggen, Dinkel, Sonnenblumen und vermehrt auch Soja. Die Sojabohnen haben den trockenen Sommer sehr gut überstanden. Hinzu kommen Kleegras und 20 Hektar Wiesen als Futtergrundlage für die Mutterkuhherde von Deutsch-Angus-Rindern, 30 Kühe mit ihren Kälbern und den Jungtieren. Ihr zartes Fleisch wird bei Feinschmeckern sehr geschätzt. Es liegt aber nicht zuletzt an der Familie. Der Hof ist bereits an Sohn Johannes übergeben, die Nachfolge also gesichert. Stephan Kreppold arbeitet neben seinem ehrenamtlichen Engagement beim BN nach wie vor viel auf dem Hof mit. Seine Frau Teresia betreut den beliebten ­Hofladen und fasziniert als Märchenerzählerin Groß und Klein mit ihren Geschichten, auch die Kindergartengruppen und Schulklassen, die gerne auf den Hof zu Besuch kommen. Der Kreppold-Hof ist das hundertprozentige Gegenmodell zur Agrarindustrie mit ihrem »Wachse oder weiche«-Anspruch: ein Zuhause, das sorgsam gepflegt und bewahrt und von Generation zu Generation weitergegeben wird. (lf ) Foto: Luise Frank

Buchbach und Schwindegg im Landkreis Mühldorf ) übernommen. Der Markt für Biolebensmittel ist hart umkämpft. Viele Verarbeiter beziehen einen erheblichen Anteil ihrer Rohstoffe aus Kostengründen aus dem Ausland. Bayerischen Biobauern fällt es oft schwer, sich an den Weltmarktpreisen zu orientieren. Sollen mehr landwirtschaftliche Betriebe für den Öko-Landbau gewonnen werden, ist es daher wichtig, dafür zu sorgen, dass die Nachfrage mit heimischer Ware gedeckt wird – und zwar zu einem angemessenen Erzeugerpreis. Gespräche der beiden Ökomodellregionen »Isental« und »Waginger See/Rupertiwinkel« in Südostbayern zeigen, dass regionale Warenbezüge auch für größere Bioverarbeiter immer interessanter werden. Die Verarbeiter versprechen sich davon nicht nur nachvollziehbare Produktqualitäten und Imagegewinn, sondern auch die Stärkung und Mehrung des Ökolandbaus vor Ort. Eine solche regionale Erzeuger-Verarbeiter-Partnerschaft klappt, wenn beide Seiten davon profitieren. Wenn sie gelingt, ist das ein Gewinn für die Region, für den Schutz von heimischer Natur und Umwelt und für die bäuerliche Landwirtschaft. Marion Ruppaner

ben mit Erfolg unter der Marke »Weiderind Frankenwald« die Erzeugnisse. Es ist gelungen, die Vermarktung auch nach Ende des fünfjährigen Förderzeitraums durch den Bayerischen Naturschutzfonds weiterzu­ führen. www.weidewelt-frankenwald.de ▶ Oft sind es Biolandwirte, die für die Kooperation mit gezielter Naturschutzbeweidung gewonnen werden können. Die BN-Kreisgruppe Freising arbeitet seit ­Jahren mit dem Ökolandwirt Kratzer zusammen, der Flächen im Freisinger Moos naturschutzgerecht beweiden lässt. www.freising.bund-naturschutz.de/natur-vor-der-tuer. html?id=4215 ▶ Galloways beweiden eine 10 Hektar große Kiesgrube im Landkreis Mühldorf am Inn. www.muehldorf.bund-naturschutz.de/projekte/bundnaturschutz-kiesgrube

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Mit der Kuh auf Du und Du Biobauer Stephan Kreppold schaut jeden Tag bei s­ einen Deutsch-AngusRindern auf der Weide vorbei.


Wer bestimmt, was auf unseren Teller kommt?

Landwirtschaft in der Freihandelsfalle Die geplanten Freihandelsabkommen TTIP und CETA sind ein Angriff auf bäuerliche Landwirtschaft und Gentechnikfreiheit in Bayern.

Foto: Toni Mader

I

ch finde, die Standards in Europa haben ein unbegründet hohes Niveau, das wissenschaftlich nicht fundiert ist. … Was für eine amerikanische Familie gutes Essen ist, sollte auch für eine europäische Familie gutes Essen sein.« Diese Interview-Aussage des ehe­ maligen US-Botschafters und jetzigen Unternehmenslobbyisten Stuart Eizenstat im Bayerischen Fernsehen ist repräsentativ für die aktuelle TTIP-Verhandlungs­ Der Autor posi­tion der USA. Sie wurde auch in den Gesprächen Richard Mergner von BN-Vorstandsmitgliedern mit US-Regierungs­ver­ ist der Landes­ tretern in Washington und München bestätigt. Aus öfbeauftragte des BUND Naturschutz. fentlichen Äußerungen und Positionspapieren aus den Bereichen Agrochemie, Gentechnik, Futtermittel und Fleischindustrie ist eines klar ersichtlich: Die geplanten Abkommen TTIP zwischen der EU-Kommis­sion und

TTIP

WAS VERBRAUCHER GAR NICHT MÖGEN

VerbraucherInnen in der EU wollen wissen, was in Lebensmitteln steckt, und wünschen sich strengere Lebensmittelstandards. Mit TTIP würden existierende Standards jedoch abgesenkt.

IN DER EU VERBOTEN, IN DEN USA ERLAUBT Werden in der EU mit TTIP auch amerikanische Lebensmittelstandards anerkannt, kommt Klon-Fleisch und mit Wachstumshormonen produzierte Milch auch zu uns. TTIP berührt also ganz unmittelbar das Leben von uns allen. Gen-Food muss nicht gekennzeichnet werden C FLAORN KES

Antibiotika zur Wachstumsförderung erlaubt

CHLOR

Hühner werden nach Schlachtung in Chlor gebadet

Fleischproduktion mit Wachstumshormonen Fleisch und Milch von geklonten Tieren dürfen als Lebensmittel gehandelt werden

Grafik: BUND

Milchproduktion wird durch den Einsatz von Hormonen erhöht

Mehr Infos:

bund.net/ttip

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den USA sowie das ausverhandelte Abkommen CETA zwischen Kanada und der EU würden das mühsam erkämpfte gentechnikanbaufreie Bayern sowie die ­ letzten Reste einer bodengebundenen, bäuerlichen ­ Landwirtschaft gefährden. Bayerischer Käse für Amerika? Deswegen engagieren sich auch der Bund Deutscher Milchviehalter und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) ebenso wie die ökologischen Landbauverbände gemeinsam mit Umweltverbänden, Gewerkschaften und Entwicklungsorganisationen wie »Brot für die Welt« gegen diese Abkommen. Warum wird dieses kritische Engagement jedoch vom Bayerischen Bauernverband als »pauschale Blockadehaltung« kritisiert? Dessen Präsident Walter Heidl wie auch die zumindest bislang einstimmige Position der BBV-Kreisobmänner lautet nahezu deckungsgleich wie bei der CSU: »Rote Linien einhalten, Standards schützen, Chancen ausloten«. Die europäische Landwirtschaft und das gesamte Agrobusiness seien daran interessiert, Marktpotenziale für die in der EU erzeugten Lebensmittel zu erschließen. Auch die USA böten Marktpotenziale, zum Beispiel für Käse aus Bayern, heißt es offiziell. Doch diese Position wird von vielen Bauern an der Basis immer mehr kritisiert. Denn nach allem, was aus den TTIP-Geheimverhandlungen wie dem veröffentlichten CETA-Vertragstext bekannt ist, drohen wertvolle Standards und Qualitäten in der Landwirtschaft und beim Verbraucherschutz verwässert und notwendige Verschärfungen wie beispielsweise ein Verbot des ­Pestizides Glyphosat blockiert zu werden. Der Kon­ kurrenzdruck mit Produkten aus tierquälerischer, industrieller Tierhaltung unter Einsatz von Hormonen, Antibiotika und Gentechnik würde massiv zunehmen. Ein Beleg hierfür ist die Passage aus CETA, wonach die »Förderung effizienter, wissenschaftsbasierter Genehmigungsverfahren für Produkte der Biotechnologie« in Artikel X.03 im Rahmen der bilateralen Kooperation vereinbart wurde. Daher fordert der BUND Naturschutz von der verantwortlichen Politik, CETA nicht ­zuzustimmen und die TTIP-Verhandlungen abzubrechen. Es ist nur zu hoffen, dass sich diese Position zum Schutz der bayerischen Landwirtschaft endlich auch bei der Spitze des Bauern- und des Raiffeisenverbandes durchsetzt. Richard Mergner


Wie werden alle satt? Journalist Stefan Kreutzberger und Filmemacher Valentin Thurn begeben sich auf eine weltweite Suche nach zukunftsfähigen Lösungen für eine Nahrungsmittelproduktion, ­die Mensch und Tier respektiert und die knappen Ressourcen schont. Sie zeigen den ganz normalen Wahnsinn unserer indus­ trialisierten ­Agrarproduktion. Die Autoren ­kommen zu dem Schluss, dass wir nur mit bäuerlicher Landwirtschaft die Welt ernähren können. Valentin Thurn hat auch schon durch Filme wie »Taste the Waste« oder »10 Milliarden« auf die Thematik aufmerksam gemacht. Valentin Thurn, Stephan Kreutzberger: Harte Kost. Wie unser Essen produziert wird. Auf der Suche nach Lösungen für die Ernährung der Welt, Verlag Ludwig, 16,99 Euro Lebensgrundlage Warum wird Land immer teurer? Wie viel Boden geht jedes Jahr verloren? Wie viele Quadratkilometer Acker- und Weideflächen »importieren« wir für unsere Ernährung? Wem gehört das Land? Zum internationalen Jahr des Bodens 2015 präsentiert der Bodenatlas Daten und Fakten über die Bedeutung und den Zustand von Land, Böden und Ackerflächen in Deutschland, Europa und weltweit. In zahlreichen Grafiken und Textbeiträgen bietet der Bodenatlas einen ­aktuellen Einblick in den Z ­ ustand und die ­Gefährdung der Böden, von denen wir leben. Heinrich-Böll-Stiftung, BUND, Le Monde (Hsg.): Bodenatlas, kostenlos, kann angefordert werden bei der Heinrich-Böll-Stiftung, Download unter: http://kurzlink.de/bodenatlas Das Experiment Karl Ludwig Schweisfurth wurde 2014 mit dem Bayerischen Naturschutzpreis des BN ausgezeichnet. Der Visionär des ökologischen Landbaus und der artgerechten Nutztierhaltung hat sich vor zehn Jahren an ein Experiment gewagt, an dessen Gelingen kaum jemand geglaubt hat: die symbiotische Landwirtschaft. Verschiedene Arten sollten auf gleichem Raum friedlich und zu gegenseitigem Nutzen zusammenleben, in diesem Fall Hühner und Schweine. Der Erfolg gab dem experimentierfreudigen Visionär Recht. Die E­rkenntnisse aus zehn Jahren hat er nun in einer Veröffentlichung für alle Interessierten zur ­Verfügung gestellt. Karl Ludwig Schweisfurth: Symbiosen. Zum ­Nutzen unserer Nutztiere, 5 Euro, zu bestellen bei cthomas@schweisfurth.de Ein Interview mit Karl Ludwig Schweisfurth zur symbiotischen Landwirtschaft lesen Sie unter www.bund-naturschutz.de/magazin

Zum Weiterlesen Immer mehr, immer schneller? Die deutsche Landwirtschaft produziert immer mehr Milch, Fleisch und Eier in immer kürzerer Zeit. Tanja Busse begibt sich auf Spurensuche in diesem durchindustrialisierten System. Sie zeigt auf, dass Rinder zu Wegwerfware werden, ebenso die männlichen Brüder der Legehennen. So manche Dinge, die man in diesem Buch erfährt, wollte man lieber gar nicht wissen. Tanja Busse rüttelt aber nicht nur auf, sie stellt der vermeintlich alternativ­losen Effizienz der Agrarindustrie eine andere These entgegen: Diese Landwirtschaft ist nicht effizient, denn sie verschwendet enorme Mengen an Energie und Ressourcen. Lesenswert! Tanja Busse: Die Wegwerfkuh. Warum unsere Landwirtschaft Tiere verheizt, Bauern ruiniert, Ressourcen verschwendet und was wir dagegen tun können, Karl Blessing Verlag, 16,99 Euro Tiere als Nahrungsmittel Unser Essen hat eine politische und ethische Dimension. Nachdem der Fleischatlas 2013 gezeigt hat, welche Auswirkungen ­Europas Fleischkonsum auf die Schwellenund Entwicklungsländer und auf das Klima hat, bringt der Fleischatlas 2014 Licht ins Dunkel des »Big Business« Fleisch – von ­Europa über die USA bis hin zu den aufstrebenden Volkswirtschaften China und Indien. Wie viele Tiere werden in Deutschland und der Welt jährlich geschlachtet? Wer profitiert vom billigen Fleisch? Welche Hormone landen ungewollt auf unserem Teller, und wie viele Pestizide werden eingesetzt? Heinrich-Böll-Stiftung, BUND, ­Le Monde (Hsg.): Fleischatlas 2014, kostenlos, kann angefordert ­werden bei der Heinrich-Böll-Stiftung, Download unter: https://www.boell.de/de/2014/01/07/ fleischatlas-2014 Vermeidbarer Hunger Felix Prinz zu Löwenstein vertritt als Vorstandsvorsitzender des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft die Interessen der Biobranche. In seinem neuen Buch liefert er fachkompetente Argumente auf die Frage: Ist Ökolandbau Luxus für ­reiche Leute oder Problemlösung für die globale Ernährungskrise? Er zeigt auf, dass das »Immer mehr«Credo der industriellen A ­ grarproduktion eben keine Lösung ist, sondern neue Probleme schafft. Eine gute Zusammenfassung, mit der man für alle Debatten gerüstet ist. Felix Prinz zu L ­ öwenstein: Es ist genug für alle da. Wie wir den Hunger bekämpfen, nicht die Natur, Verlag Droemer Knaur, 12,99 Euro

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Rotbuche Im Herbst lassen die Rotbuchen (Fagus sylvatica) ihre Früchte zu Boden fallen. Die rotbraunen, dreikantigen Bucheckern ­stecken meist zu zweien in einem weich­ stacheligen Fruchtbecher, der sich zur Reifezeit mit vier Klappen öffnet. Alle paar Jahre werden Früchte in großer Menge gebildet. In solchen »Mastjahren« können sich Wildtiere wie Häher, Eichhörnchen, Mäuse oder Wildschweine satt essen. Früher trieb man zu diesen Zeiten die Schweine in den Wald, auch wenn Konrad von ­Megenberg in seinem »Buch der Natur« (um 1350) anmerkt: »des paums fruht macht niht sô keckez flaisch an den sweinn, sam die aicheln tuont.«

Foto: privat

B

Die Autorin Dr. Gertrud Scherf hat mehrere ­P flanzenbücher verfasst.

esonders in Notzeiten stellten die Menschen aus den Samen Mehl- und Kaffee-Ersatz her, pressten Öl daraus und verwendeten sie als Nuss- und MandelErsatz (siehe Kasten). Bucheckern enthalten aber Stoffe, die für Menschen und manche Tiere giftig sind. Daher sollte man die schmackhaften Nusskerne mit Vorsicht genießen (siehe Kasten). Mit den Buchenblättern füllte man Matratzen, benutzte sie als Tabak-Ersatz und als Viehfutter, gelegentlich als Nahrung für Menschen. Das rötliche Holz, früher wie heute ein geschätztes Brenn-, Bau- und Werkholz, nutzte man auch zur Papier- und Holzkohleherstellung. Aus Buchenholzasche hat man Pottasche gewonnen, auch die früher zum Waschen verwendete ätzende Holzaschenlauge wurde größtenteils oder ganz aus Buchenholzasche hergestellt. Buchenrinde war Gerbemittel. Der bis zu 40 Meter hohe Baum kann ein Alter von etwa 300 Jahren erreichen. Eindrucksvolle alte Buchen sieht man in Wäldern, Parks und Gärten, auf Weiden und an Straßenrändern. Buchen und Buchenwälder sind unersetzliche Lebensräume. Anders als früher oft angenommen, bieten naturnahe Buchenwälder vielen, darunter auch seltenen Arten wie dem Juchtenkäfer (Osmoderma eremita) Lebensmöglichkeiten. Im Mythos zeigt die Rotbuche ein zwiespältiges Wesen. Die Legende mancher Wallfahrtsorte (beispielsweise Mariabuchen im Spessart) berichtet von einem an einer Buche aufgehängten Muttergottesbild. »Rastbuche« heißt die Wallfahrtskapelle bei Gratters-

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Bucheckern-Makronen 70 – 80 g Bucheckern 1 Eiweiß 70 g Zucker Backoblaten (Durchmesser 4 cm) ▪ Bucheckern in einer Pfanne (ohne Fett) bei mäßiger Hitze rösten. ▪ Bucheckern schälen. ▪ Eiweiß steif schlagen, Zucker zugeben und weiterschlagen, bis eine feste Creme entstanden ist. ▪ Bucheckern-Samen mahlen und vorsichtig unter die Masse heben. ▪ Oblaten auf dem mit Backpapier belegten ­Backblech verteilen. ▪ Mit Hilfe von 2 Teelöffeln Teighäufchen auf die Oblaten setzen. ▪ Makronen im vorgeheizten Backofen bei 140 °C auf mittlerer Schiene etwa 20 Minuten backen. Achtung! Wegen des Gehalts an Oxalsäure, Saponinen und anderen giftigen Stoffen, die durch Erhitzen teilweise abgebaut werden, Samen nicht roh und nicht in größeren Mengen verzehren. Auf Schimmelbefall achten.

Zeichnung: Claus Caspari; aus »Der BLV Pflanzenführer für unterwegs«, BLV Buchverlag

Porträt

dorf im Bayerischen Wald nach der längst gefällten, großen alten Buche. Christus soll dort im Schatten einer Buche gerastet haben. Dabei hätten seine in den Stein gedrückten Knie die beiden Schalensteine hinterlassen, die sich vor dem Altar befinden. Es gibt aber auch Buchen, in denen angeblich gern der Teufel sitzt und auf nächtliche Wanderer lauert. Erst vor etwa 7000 Jahren begann die eiszeitlich verdrängte Rotbuche, sich wieder in Mitteleuropa zu verbreiten; vor rund 2000 Jahren war das Gebiet von Buchenwäldern bedeckt. Heute ist in Deutschland die Rotbuche mit etwa 15 Prozent der häufigste bestandbildende Laubbaum. Ohne Eingriffe des Menschen würden Buchenwälder etwa zwei Drittel der Landfläche Deutschlands bedecken. 2011 hat die UNESCO fünf Gebiete als »Alte Buchenwälder Deutschlands« in die Welterbe-Liste aufgenommen. Das weltweite Verbreitungsgebiet der Rotbuche ist auf Mitteleuropa konzentriert. Ein Viertel des Verbreitungsgebiets liegt in Deutschland. Auf dessen und auch auf Bayerns besondere Verpflichtung, dieses gefährdete ­ Naturerbe zu bewahren, weist der BUND Naturschutz hin und fordert eine ­naturnahe Bewirtschaftung der Buchen-Wirtschaftswälder, den Schutz der wenigen noch vorhandenen alten Buchenwälder sowie ein Mindestmaß an nutzungsfreien Schutzgebieten. Er setzt sich daher auch für die Ausweisung eines Buchenwald-Nationalparks im nördlichen Steigerwald mit seinen ökologisch wertvollen Laubmischwäldern ein.


Foto: Dirk Jansen

Gerettete Landschaften

Seit über 30 Jahren kämpft der BUND in NordrheinWestfalen gegen den Braunkohle-Tagebau Garzweiler II bei Köln. Nach der vom BUND gewonnenen Verfassungsbeschwerde beschloss die Landesregierung, den ­Tagebau zu verkleinern. Den Einwohnern des 1200 Jahre alten Dorfs Holzweiler bleibt damit die Zwangsumsiedlung erspart.


Fotos: Petra Weller

Ehrenamt im BUND Naturschutz

Karpfen pur Natur Zwischen Bamberg, Nürnberg und Neustadt an der Aisch erstreckt sich eine der größten Teichlandschaften Mitteleuropas, der Aischgrund. BN-Aktive haben dort mit Mut und Beharrlichkeit ein kluges Artenschutzprojekt entwickelt, das hilft, alte Gräben zu überwinden. Unsere Autorin Heidi Tiefenthaler hat sich mit ihnen unter die Fischer begeben.

I

rgendwo zwischen Regensburg und Nürnberg: Es ist halb acht und trotzdem kaum heller als vor einer Stunde. Ein Regenstakkato trommelt gegen die Scheiben und ich komme ins Sinnieren: Was passiert wohl, wenn diese Wassermassen stundenlang von oben in eine wasserdichte Wathose laufen? Die Vorstellung von einem glucksend sich vorwärts bewegenden ­Michelin-Männchen heitert mich vorübergehend auf.

Wer am lautesten schreit … Kurz vor acht passiert dann das Wunder. Der Regen hört auf und eine dampfende Morgenlandschaft in herbstlichem Orange-Rot taucht auf. Siegfried Liepelt wartet an der Abfahrt zum Blätterweiher. Der Geschäftsführer der Kreisgruppe Höchstadt-Herzogenaurach ist ein unaufgeregter Mitsechziger, Biologe und seit mehr als 35 Jahren beim BN aktiv. Als wir zum Teich kommen, geht es dort schon zu wie auf dem Wochenmarkt. Zwei Männer in wasserdichtem Grünzeug ziehen ihr Netz um die Ausstiegsstelle zusammen. Das Wasser zwischen den Schwimmerkugeln scheint zu kochen. Silbrige Schwänze peitschen auf und ab und Siegfried Liepelt hinterlassen Schlammspritzer auf Gesichtern und Er hat gemeinsam Kleidung. Zwei andere Fischer und eine Frau käschern mit der inzwischen zappelnde Leiber in riesige Eimer. Im Handumdrehen verstorbenen BNist einer voll und es braucht vier starke Männerarme, Aktiven Elisabeth um ihn zum Sortiertisch zu schleppen. Dort verteilen Bahr das Projekt Männer mit Händen wie knotiges Fichtenholz in ra»Karpfen pur Natur« entwickelt. sender Geschwindigkeit Karpfen, Barsche, Waller und Hechte in vier gewässerte Auffangnetze. Alle rennen, alle schreien. Das muss wohl alles unglaublich schnell

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gehen, denke ich und versuche, nicht im Weg zu ­stehen. Nur Siegfried Liepelt hat die Ruhe weg. Die Hektik, das Rufen und die Frotzelei, sie sind fester ­Bestandteil dieser Veranstaltung. »Wer am ­lautesten schreit, hat recht«, sagt einer der Teichwirte. Einmal Intensivierung und zurück Die Karpfenzucht im Aischgrund hat eine lange, eine sehr lange Geschichte. Im frühen Mittelalter legten Mönche der Bamberger Zisterzienserklöster, fränkische Königshöfe und gläubige Kleinbauern dort Teiche an, um ­Fische für die Fastenzeit zu produzieren. An die 7200 Weiher gibt es heute noch, früher sollen es etwa 10 000 gewesen sein. Über die Jahrhunderte hinweg hat sich diese Kulturlandschaft zu einem Vogel­ paradies mit bis zu 240 Arten entwickelt: Watvögel wie Bekassine, Kampfläufer und Grünschenkel sind dort zu Gast. Lachmöwe, Blesshuhn, Tafel- und Reiherenten brüten in den weitläufigen Verlandungszonen. Der Schwarzhalstaucher kommt mit 50 bis 100 Brutpaaren so oft vor wie nirgendwo sonst in Mitteleuropa. Früher wuchsen die Spiegelkarpfen in dem fränkischen Teichgebiet langsam heran, ernährt von dem, was sie im Wasser vorfanden. Das funktionierte bis in die 1960er-Jahre hinein. Dann sanken die Preise und die Teichwirte setzten auf Intensivierung. Aus 300 ­Fischen pro Hektar wurden bis zu 800. Es wurde mit Korn gefüttert und die ökologisch wichtigen Verlandungsbereiche verschwanden, um die Teiche zu vergrößern. Natürlich gerieten sich Naturschutz und Teichwirtschaft hierüber in die Haare. 1971 kaufte der BUND Naturschutz deshalb den Blätterweiher, um ihn extensiv zu bewirtschaften und damit als Vogellebensraum zu erhalten. Die Fische werden seither nicht mehr gefüttert und die Schilf­ bereiche nur vorsichtig zurückgeschnitten, wenn im Winter das Eis trägt. Die Ehrenamtlichen der Kreisgruppe helfen beim Abfischen und Vermarkten der Karpfen, mähen die angrenzenden Streuwiesen, ­rücken der Problemart »Herkules-Staude« auf den Leib und bieten Führungen im Teichgebiet an. 2002 haben Siegfried Liepelt und die inzwischen verstor­ bene BN-Aktive Elisabeth Bahr das Projekt »Karpfen pur Natur« entwickelt.


Abfischen am Blätterweiher Für die Teichwirte ein aufregender Tag, für die Silberreiher und Möwen ein Festessen.

sen nach Basel, die anderen gehen in ein bayerisches Nachzuchtprojekt. Wiedersehen, ihr Schlammpeitzger, denke ich fast ein wenig wehmütig.

Auf der »Jagd« nach Schlammpeitzgern Inzwischen ist der Weiher fast leer. Auf dem silbrig glänzenden Boden haben sich Schwärme von Möwen und ein Dutzend Silberreiher niedergelassen. Sie freuen sich über das Festmahl. Jetzt schlägt die Stunde der Naturschützer. Schon seit dem frühen Morgen warten Vertreter der Höheren und Unteren Naturschutz- und der Fischereibehörde am Ufer auf ihren Einsatz: die Schlammpeitzger-­ Suche. Der Schlammpeitzger ist zurzeit wohl der ­seltenste Fisch in Bayerns Gewässern und streng geschützt. Weil er gerne in langsam fließenden Gräben lebt, haben ihm Grabenfräsungen arg zugesetzt. Intensiv bewirtschaftete Teiche sind oft kein geeigneter ­Lebensraum. Hier im BN-Weiher fühlt er sich hingegen wohl. Claus Rammler von der Höheren Naturschutzbehörde weist mich in die Kunst der SchlammpeitzgerJagd ein. Punkt 1: Den Schlick am Uferrand mit beiden Händen Richtung Füße baggern und dabei nicht aus den Augen lassen. Wo es sich bewegt und blubbert, da sitzt der Schlammpeitzger. Punkt 2: Wenn es sich bewegt, zugreifen. Der Schlammpeitzger ist ebenso schnell wie glitschig. Punkt 3: Wenn es sich nicht bewegt, weitergraben. Bis ins Wurzeldickicht des Schilf­

Auf der Seite »BN aktiv« berichten wir über unsere Aktiven und ihre vielseitigen Naturschutzaktionen in ganz Bayern. streifens arbeitet sich das Tier in einer enormen Geschwindigkeit vor und verschwindet dort gerne auf Nimmerwiedersehen. Wie ein Fisch in dieser Schlammbrühe überleben kann, ist mir ein Rätsel, denke ich laut, während ich mich bis über beide Ellbogen hinaus einsaue. Darmatmung, erklärt Herr Rammler. Aha, sage ich und ­verkneife mir ein Lachen. Geraume Zeit buddeln die Herren von den Behörden und ich wortlos vor uns hin. Um die 30 der muntere Tierchen schwimmen schließlich im Eimer, als die Uferbereiche fertig durchwühlt sind. Einige davon rei-

Man redet miteinander Oben am Nachbarteich hat das große Verteilen begonnen. Fische werden mit Käschern aus den Netzen geholt, auf verschiedene Eimer verteilt, gewogen und in Wassertanks gewuchtet. Einer schreit Zahlen und Siegfried Liepelt notiert. Ein Teil des heutigen Fangs geht an den BN und wird als »Karpfen pur Natur« verkauft oder bei verschiedenen Anlässen verköstigt. Den Rest kaufen Teichwirte und Fischhändler aus der Region – was Herr Liepelt mit einem tiefen Seufzer quittiert. Er träumt davon, den gesamten Fang über den BN zu vermarkten und so dem regionalen Naturprodukt zu dem Ansehen zu verhelfen, das es ­eigentlich verdient hat. Bisher fehlen jedoch die Mittel dazu. Jetzt steht mir noch eine letzte Mutprobe bevor: Karpfen essen. Als gebürtige Oberbayerin bin ich nicht auf Fischverzehr sozialisiert. Und dann noch Karpfen. Worte wie »mooseln« und »grundeln« schwirren mir durch den Kopf. Doch da liegt er schon auf meinem Teller, der Karpfen, oder besser gesagt, ein Viertel davon. Denn mehr kann ein normaler Mensch von diesen Riesenburschen unmöglich essen. Ich stecke die erste Gabel in den Mund und… Erstaunlich lecker, denke ich. Der hiesige Landrat, der mittlerweile mit am Tisch sitzt und die Naturschutz-Herren freuen sich, mir in immer neuen Ausführungen zu erklären, warum diese Naturkarpfen soviel leckerer sind als alle anderen. Und während ich so an der langen Tafel sitze, mit Naturschützern, Behördenvertretern, ­Wissenschaftlern, Politikern und Teichwirten, wird mir klar, dass das die eigentliche Sensation dieses Pro­ jektes und das große Verdienst der BN-Aktiven von Höchstadt-Herzogenaurach ist. Dass Teichwirte und Naturschützer heute nicht nur miteinander arbeiten, sondern auch am gleichen Tisch sitzen. Man redet miteinander – und das ist gut so. Ich schiebe den leeren Teller weg, da kommt schon die nächste Überraschung auf mich zu. »Ingreisch« oder so ähnlich sagen die Einheimischen zu dem ­frittierten Etwas, das sich auf der Servierplatte vor mir kringelt. Was das denn wohl sei, frage ich glücklicherweise, bevor ich zur Gabel greife. Die Herren lächeln und mir kommt da so ein Verdacht. Diesen Teil des männlichen Karpfens werde ich auf keinen Fall essen, fränkische Spezialität hin oder her.

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Schwierige Suche Schlammpeitzger haben ihren Namen nicht von ungefähr.


Fotos: Winfried Berner

Das bleibt so! Die einzigartige Schönheit des ­Ossers bleibt erhalten – dank engagierter Bürger wie Guido Kollross und Paul Winterstetter von der Schutzgemeinschaft Osser.

Gerettete Landschaften entdecken

Auf den Gipfel des Osser Im Grunde müsste man ihnen ein Denkmal auf der Osserwiese setzen, den engagierten Lamer Bürgerinnen und Bürgern, die sich mit dem örtlichen BN zu dem »Aktionsbündnis gegen das Pumpspeicherwerk am Osser« zusammengeschlossen haben. Wenn sie nicht wachsam gewesen wären und ihren Hausberg entschlossen verteidigt hätten, wäre der Osser über Jahre hinweg im Staub und Lärm einer Großbaustelle versunken.

D

Die Autoren Winfried Berner, Mitglied des Landesvorstandes, hat mit seiner Frau ­Ulrike Rohm-Berner den Wanderführer »Gerettete Landschaften« ­verfasst. 14,90 Euro, im Buchhandel oder bei der BN Service GmbH, Tel. 0 91 23- 9 99 57 20

as wären schlechte Aussichten gewesen für die Luchsfamilie, die dort umherstreift, für die Auerhähne, Haselhühner und viele andere seltene Tier- und Pflanzenarten, die dort oben auf über 1100 Meter Höhe ein Rückzugsgebiet gefunden haben. Ausgerechnet in der Gipfelmulde unterhalb der beiden Ossergipfel wollte ein Münchner Projektentwickler das Oberbecken für ein Pumpspeicherwerk (PSW) errichten lassen – und der Chamer CSU-Landrat Franz Löffler tat alles, um dieses Vorhaben möglichst unbemerkt voranzutreiben. Während er noch abwiegelte und behauptete, offiziell gebe es keinen Antrag, hatte seine Behörde nach Aussage des Investors bereits die wasserwirtschaftliche Genehmigung für die Wasser­ entnahme aus dem Lambach (einem Wildbach der Gewässergüteklasse 1) in Aussicht gestellt. Aber die Lamer Bürger ließen sich nicht übertölpeln. Nachdem schon länger Gerüchte kreisten, gründeten sie im Frühjahr 2014 ein Aktionsbündnis, das sich ein Jahr später als »Schutzgemeinschaft Osser e.V.« konstituierte. Sie recherchierten selbst und fanden beispielsweise heraus, dass die vorgesehene 30 Meter hohe Staumauer keineswegs aus herausgesprengten Natursteinen, sondern aus Stahlbeton hätte errichtet und 20 Meter tief im Fels verankert werden müssen, um dem Wasserdruck standzuhalten. Und dass diese Mauer eine Basisbreite von 70 bis 80 Metern benötigt hätte. Und dass bei den Bauarbeiten radioaktiver Aushub angefallen wäre, weil im Osser Uranadern (»Pechblende«) verlaufen. Und dass bei den notwendigen Sprengungen strahlender Feinstaub freigesetzt worden wäre.

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Mit einem Protestmarsch zum Osser, der Übergabe von über 8000 Unterschriften an Staatsministerin Ilse Aigner und vielen Veranstaltungen trat die Schutzgemeinschaft für »ihren« Berg ein. Der Marktgemeinderat Lam ließ die Bürger schließlich in einem Ratsbegehren entscheiden. Die Abstimmung wurde zum überwältigenden Plädoyer der Lamer für den Osser: 85 Prozent votierten gegen das Pumpspeicherwerk – bei einer Wahlbeteiligung von 78 Prozent. Wie verheerend die Landschaftseingriffe gewesen wären, sieht man am besten, wenn man vom Wanderparkplatz Sattel den Hauptweg Richtung Osser und von dort weiter zum Kleinen Osser geht. Wo nach einem guten Kilometer der Weg nach rechts zur Osserwiese abzweigt, wäre der Fuß der 30 Meter hohen Staumauer gestanden. Bis fast zur Osserwiese wäre man entlang der Staumauer gegangen, und von der Pracht der dortigen Borstgraswiesen wäre wohl nicht viel übrig geblieben. Vom Kleinen Osser, von dem man heute einen traumhaften Blick über die Osserwiese auf Lam und die weite Umgebung hat, hätte man die Zerstörung dann im Panorama betrachten können. Mit einem tiefen Gefühl der Erleichterung lassen wir vom Kleinen Osser den Blick über die Osserwiese und den Bayerwald schweifen. Dann gehen wir hinüber zum Großen Osser, der uns einen ebenso eindrucksvollen Blick auf den Sumava, die tschechische Seite des Böhmerwalds bietet. Wie gut, dass die Schutzgemeinschaft Osser und der BN diesen herrlichen Berg für uns und unsere Nachfahren bewahrt haben! Winfried Berner, Ulrike Rohm-Berner Ausgangspunkt: Wanderparkplatz Sattel (zu Fuß zum Beispiel von Lam über die Mariahilf-Kirche oder mit dem Auto von Lam) Gehzeit: ab Wanderparkplatz Sattel etwa 2,5 Stunden Höhenunterschied: circa 350 Meter (ab Parkplatz) Wegcharakter: Markierte, teilweise felsige Wander­ wege und Steige Einkehr: Osserschutzhaus (2. November bis 30. April geschlossen, außer Weihnachten)


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Bundesverkehrswegeplan 2015

ayerisches Absurdistan: Obwohl das Verkehrsaufkommen im Güter- und Personenverkehr seit über 20 Jahren nicht mehr zunimmt, werden immer mehr Straßen gebaut. Die unzähligen Groß- und Neubauprojekte führen aber nicht zu mehr Mobilität, sondern nur zu mehr Verkehr. Sie verhindern, dass genug Geld in den Erhalt der Infrastruktur fließt. »Wenn Sie diese Ortsumfahrung wollen, müssen Sie zeitnah einen entsprechenden Stadtratsbeschluss herbeiführen und sich auf Bundes-, Landes- und Kreisebene Verbündete im politischen Raum suchen, die sich für eine vordringliche Einstufung des Projekts im neuen Bedarfsplan für die Bundesfernstraßen einsetzen.« So werben Baulobbyisten derzeit in Bayern für ein »weiter so« in der Verkehrsinfrastrukturpolitik. Denn nach 15 Jahren ist es in dieser Legislaturperiode unter der großen Koalition von CSU/CDU und SPD wieder soweit: Mit dem neuen Bundesverkehrswegeplan (BVWP) 2015 wird die Bundesregierung die Investitionsprioritäten für die Entwicklung der Verkehrsinfrastruktur bis zum Jahre 2030 festlegen. Der Bundestag wird im Laufe der nächsten beiden Jahre per Gesetz über den »Bedarf« für hunderte neuer Infrastrukturprojekte von der achtspurigen Autobahn über neue Bahnstrecken bis hin zu regionalen Ortsumfahrungen entscheiden.

Mitreden!

Sie sind in Ihrer Region mit einem unnötigen oder überzogenen Verkehrsinfrastrukurprojekt konfrontiert? Nehmen Sie Kontakt zu Ihrer Kreisgruppe auf. Die Ansprechpartner finden Sie unter www.bund-naturschutz.de/bund-naturschutz.html Weitere Infos zum Thema: www.bund/net → Verkehr → Infrastruktur → Bundesverkehrswegeplan Die Öffentlichkeitsbeteiligung findet voraussichtlich im Dezember statt. Infos auf der Homepage des ­Bundesverkehrsministeriums www.bmvi.de (Suchbegriff Bundesverkehrswegeplan eingeben)

Fehlplanungen und Versäumnisse prägen die ­Verkehrsinfrastrukturpolitik der vergangenen Jahrzehnte gerade in Bayern. Der BUND Naturschutz fordert eine intelligente, zukunftsfähige Mobilität statt noch mehr Asphalt und Beton in Bayern durch den Bundesverkehrswegeplan 2015!

Foto: Klaus Leidorf

Bayerische Wunschliste würde 17 Milliarden kosten Es wäre eine Chance für eine zentral koordinierte, an nachhaltigen verkehrspolitischen Zielen orientierte und verkehrsträgerübergreifende Netzstrategie für den Fernverkehr. Doch auch mit dem 14. Bundesverkehrsminister in 40 Jahren, Alexander Dobrindt (CSU), droht der Bundesverkehrswegeplan wieder zur Wunschzettelveranstaltung zu verkommen. Auf der Wunschliste: Prestigeprojekte und Ortsumfahrungen, Projekte, die den egoistischen Interessen der Baulobby dienen, ­Projekte für die Bundesländer und Projekte für die ihren vermeintlichen Wahlkreiswohltaten verpflichteten Bundestagsabgeordneten. Besonders sinnlose, naturzerstörende Straßenbauprojekte auf der bayerischen Wunschliste: der geplante Weiterbau der »Autobahn« B 15 neu von der A 92 bei Landshut bis zur A 8 bei Rosenheim, der geplante Maximalausbau der A 8 mit sechs Fahrstreifen vom Inntal­ dreieck bis zur Grenze, Abschnitte der B 388 östlich von

Im Land der Wunschzettelproduzierer

Passau inklusive einer Nordumgehung, eine Osttangente Augsburg, die B 26 neu zwischen der A 7 und der A 3 im Spessart. Der BUND Naturschutz hat mit seinen Kreis- und Ortsgruppen und dem Arbeitskreis Verkehr die Länderanmeldungen zum BVWP intensiv überprüft und fordert von Bundesverkehrsminister Dobrindt sowie Ministerpräsident Horst Seehofer eine völlige Neuorientierung. Denn mit fast 400 Straßenprojekten und einem Finanzvolumen von über 17 Milliarden Euro ist Bayern Spitzenreiter der »Wunschzettelproduzierer«. Bei den derzeit verfügbaren Aus- und Neubaumitteln des Freistaats würde die Umsetzung dieser Vorhaben rund 160 Jahre dauern. Mit aller Kraft wird sich der BUND Naturschutz gegen diese Wunschliste wehren, damit die Instandhaltung des bestehenden Straßennetzes und schnell umsetzbare Alternativen für stark belastete Ortsdurchfahrten sowie die Stärkung von Bahn und Bus endlich Priorität bekommen. Richard Mergner

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Teuer und ­überflüssig Ein Beispiel für Fehlplanung und Geldverschwendung: die B 15 neu, hier die Baustelle im Landkreis Landshut. Das Projekt würde eine ­europäische Verkehrsachse von Italien bis zur Nordsee schaffen – und wird der Bevölkerung dreist als Entlastung verkauft.


»Immer wieder ein Kraftakt«

Fotos: Wolfgang Willner/Kreisgruppe Traunstein

Der BUND Naturschutz besitzt im Landkreis Traunstein 16 Hektar Moorfläche. Dort sind seltene Pflanzen wie der Sonnentau sicher. Dass das auch so bleibt, darum kümmern sich Beate Rutkowski und »ihre« Ehrenamtlichen.

Foto: privat

N+U: Der BN pflegt in Traunstein Hochmoore, Niedermoore und sogenannte Kalkquellmoore. Fühlt sich der Sonnentau in all diesen Mooren wohl? Beate Rutkowski: Nein, der Sonnentau ist eigentlich eine typische Hochmoorpflanze. Hochmoore sind reine Regenmoore, sie haben keine Verbindung zum Grundwasser und sind deswegen sehr nährstoffarm. Im klassischen Niedermoor taucht der Sonnentau nicht auf. Diese werden vom Grundwasser gespeist und sind dadurch nährstoffhaltiger. Wir haben hier im Voralpenland aber schon sehr alte Niedermoore, die sich jetzt langsam zum Hochmoor hin entwickeln. Dort gibt es dann in nährstoffärmeren Bereichen auch

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den Sonnentau, eine seltene fleischfressende Hochmoorpflanze. Selbst in unseren Kalkquellmooren kann sie vorkommen. Wenn sich die Moore in Traunstein noch entwickeln, heißt das, sie sind weitgehend intakt? Ja, zum Teil. Aber nur wenn der Wasserhaushalt in Ordnung ist, kann ein Moor in die Höhe wachsen. Wir hoffen, dass der Klimawandel für unsere Moore keine zu große Verschlechterung mit sich bringt. Wir werden ja wahrscheinlich längere Trockenperioden bekommen. Trockenheitsempfindliche Pflanzen wie der Sonnentau können da durchaus Schaden nehmen, selbst wenn sich die Niederschläge nur

Sonnenanbeter Wie alle Artgenossen braucht auch der Rundblättrige Sonnentau viel Licht. Deshalb haben die Aktiven vom BN Traunstein alle Hände voll zu tun. Sie entbuschen regelmäßig die Moorflächen.


Die fleischfressende Schönheit

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Sonnentau (Drosera L.) Ordnung: Kannenpflanzenartige (Nepenthales Lindle) Familie: Sonnentaugewächse (Droseraceae) Verbreitung: Schutzstatus: in Deutschland besonders geschützt Gefährdung: in ganz Zentral­ europa gefährdet

zeitlich verschieben sollten. Die Hochmoorvegetation ist eben komplett vom Regenwasser abhängig.

Sieht man schon Veränderungen beim Sonnentau? Doch, wir sehen, dass sich der Sonnentau in manchen Randbereichen dieses Jahr nur sehr schwach ent­ wickeln konnte. Auch in den letzten Jahren sind immer wieder Bereiche ausgetrocknet und der Sonnentau ist verschwunden. Aber insgesamt nimmt der Sonnentau auf den BN-Flächen zu? Ja, wir haben sogar Flächen, auf denen er wieder zurückgekehrt ist. Vor 20 Jahren haben wir begonnen, ein Waldhochmoor zu renaturieren. Damals standen dort ausschließlich Fichten. Man hat nur an dem federnden Boden bemerkt, dass hier mal ein Moor war. Wir haben die Gräben verschlossen und die Fichten gerodet. Jetzt haben wir dort mit Rauschbeere, Moosbeere, Rosmarinheide, Wollgras und Sonnentau wieder alle typischen Hochmoorpflanzen.

Ein sehr schöner Erfolg für die Moorschützer von Traunstein … Ja, genau. Da sieht man auch, dass die Pflanzen sehr zäh sind. Wenn man ihnen die Chance gibt, kommen sie auch wieder. Welche Bedeutung haben die ­Flächenkäufe des BN für den ­Sonnentau? Hier in Traunstein eine sehr große. Dem BN gehören in der Region 16 Hektar, der Großteil davon ist moorig. Wir kaufen landwirtschaft­ liche Flächen, die wir wirklich nur schützen können, wenn sie uns auch gehören. So können wir Arten wie den Sonnentau erhalten und fördern. Manche dieser Flächen sähen heute schon ganz anders aus, wenn der BN nicht eingesprungen wäre. Und Sie pflegen diese Flächen nur mit Ehrenamtlichen? Ja, größtenteils. Es ist jedes Jahr wieder ein Kraftakt, genügend Leute zu finden, aber wir schaffen es. Dieses Jahr haben wir auch mit Asylbewerbern zusammengearbeitet, die sich sehr gefreut haben, hier helfen zu können. Die Arbeit hat ihnen und uns sehr viel Spaß gemacht. Und sie haben eine ganze Menge gelernt, denn Moore gibt es in Eritrea oder Somalia nicht. Text und Interview: Heidi Tiefenthaler

ie schönste Pflanze der Welt soll Darwin ihn einmal genannt haben. Die Blätter wie von roten Wimpern gerahmt und mit glitzernden ­Tränen besetzt. Ja, man kann schon ins Schwärmen kommen, wenn man das Glück hat, dem Sonnentau im rechten Licht zu begegnen. Wer es lieber prosaisch mag, der kann sich auf die spezielle E ­ rnährungsweise der Pflanze konzentrieren: Alle Vertreter der etwa 200 Arten starken Gattung Drosera sind Fleischfresser. Um ihren Stickstoffhaushalt aufzubessern, locken sie mit den im Sonnenlicht funkelnden Tröpfchen an ihren Blättern Insekten an. Die »Tränen« bestehen in Wahrheit aus einem klebrigen Sekret, an dem Fliege, Falter und Co. hängenbleiben. Ist ein Opfer in die Falle gegangen, neigen sich ihm sogleich die ­benachbarten Tentakel zu und umschließen es noch fester. Das arme Tier sitzt damit endgültig in der Falle. Es stirbt an Erschöpfung oder erstickt an dem zähen Sekret, das in seine Tracheen einsickert. Die Tentakel sondern derweil Enzyme ab, die das Opfer nach und nach zersetzen und so die Nährstoffe für den Sonnentau verfügbar ­machen. Tja, so unromantisch lebt also dieses schöne Wesen.

Durch Torfabbau dezimiert Die Gattung Sonnentau kommt nahezu überall auf der Welt vor. In Europa gibt es neben dem ­Naturhybriden Drosera x obovata drei Arten der fleischfressenden Schönheit: den Rundblättrigen, den Langblättrigen und den Mittleren Sonnentau (Drosera rotundifolia, Drosera longifolia, Drosera intermedia). Alle drei sind auch in Bayern zu ­finden. Sie leben vor allem dort, wo es sonnig und feucht ist und Konkurrenten wegen der extremen Nährstoffarmut passen müssen – also zum Beispiel in Hochmooren. Das erklärt auch ihre spezielle Art der Ernährung. Die Wurzeln des Sonnentaus sind nur schwach ausgeprägt, weil sie bei der Ernährung keine große Rolle spielen. Mit drei bis 20 Zentimetern Höhe zählen die heimischen Drosera-Arten eher zu den kleinen Pflanzen und werden deshalb oft übersehen. Schon im Herbst ziehen sie sich in eine sogenannte Überwinterungsknospe (Hibernakel) zurück und treiben erst im nächsten Frühjahr wieder aus. Dass bis ins 20. Jahrhundert hinein auch in Deutschland intensiv Torf abgebaut wurde, hat dem Sonnentau sehr zugesetzt. Der Mittlere und der Langblättrige Sonnentau gelten in Bayern ­ als stark gefährdet, der Rundblättrige und der ­Naturhybride Drosera x obovata als gefährdet.

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Teilerfolg für Schutzgebiet im Steigerwald

Großdemo: 250 000 Menschen fordern »Stoppt TTIP und CETA!«

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nter dem Motto »TTIP & CETA stoppen – Für einen gerechten Welthandel« haben am 10. Oktober in Berlin etwa 250 000 Menschen gegen die beiden Freihandelsabkommen protestiert. Nie zuvor sind in Europa mehr Menschen zu diesem Thema auf die Straße gegangen. »Mit einem bis dahin in seiner zivilgesellschaftlichen Breite noch nie dagewesenen Bündnis haben die Menschen eindrucksvoll bewiesen, dass sie diese Freihandelsabkommen ablehnen. TTIP und CETA haben keinen fairen Handel zum Ziel, sondern dienen kurzfristigen Gewinninteressen von Konzernen. Es ist ein unüberhörbares Signal an Horst Seehofer und die bayerische Staatsregierung, endlich aus den vermeintlich roten Linien eine klare Ablehnung zu machen«, bekräftigte der BN- und BUNDVorsitzende Hubert Weiger. Aus Bayern waren über 100 Busse und ein Sonderzug gekommen. Der BN-Landesbeauftragte Richard Mergner erklärte: »Bis Anfang Oktober haben wir in Bayern mit einem großen Bündnis über 300 000 Unterschriften gegen TTIP gesammelt. Jetzt waren wir mit Tausenden Umweltund Verbraucherschützern, Landwirten und Gewerkschaftern in Berlin. Besonders die Auswirkungen auf die bayerische Landwirtschaft und den Verbraucherschutz lassen den Protest in Bayern immer größer werden«. 

Rettet den bayerischen Löwen!

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Foto: iStock/trubinistochphoto

ilderei in Bayern? Leider ja: Seit Jahren töten Wilderer die streng geschützten Luchse und drängen sie damit hierzulande an den Rand des Aussterbens. Mitte Mai findet man vier abgeschnittene Luchsbeine im Wald. Zwei Tiere wurden dafür getötet und verstümmelt. Es sind die Überreste von Leo und Leonie, einem Luchspärchen, das sich erst kürzlich in dem Waldgebiet niedergelassen hat. Im Jahr 2013 schießt ein Unbekannter bei Bodenmais eine trächtige Luchsin ab. Den Kadaver der Luchsin legt der Täter so an einen Weg, dass er gefunden werden muss. Ein makabres Zeichen gegen die Rückkehr des Luchses. Eine andere Luchsin, sie hieß Tessa, wurde vergiftet. Der Täter benutzte Carbofuran, ein hierzulande verbotenes Gift, das Wilderer weltweit für ihre Untaten verwenden – etwa in Afrika, um damit Löwen zu töten. Der Luchs ist Bayerns »Löwe«. Bitte helfen Sie ihm und unterschreiben Sie bei der BN-Aktion »Stoppt die Wilderer, rettet den Luchs!« Schon über 15 000 Menschen unterstützen uns. Schließen Sie sich an! ww.bund-naturschutz.de/rettet-den-luchs

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nde August hatte die Regierung in einem skandalösen Vorgang Nordbayerns größtes Waldschutzgebiet aufgehoben, um die Holznutzung in dem ökologisch überaus sensiblen Areal zu sichern. Damit waren auch dicke Altbäume, auf die bedrohte Tiere wie der Mittelspecht (Bild) angewiesen sind, im großen Stil zum ­Fällen freigegeben worden. In dem Gebiet gibt es Tausende solcher Bäume, wie eine GPS-Kartierung des BUND Naturschutz belegt. Der BN hatte daraufhin gemeinsam mit dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) eine Klage und einen Eilantrag

Foto: Thomas Stephan

Foto: Heinrich Inkoferer

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gegen dieses Vorgehen eingereicht. Mit Erfolg: Die Bäume im »Hohen Buchenen Wald« dürfen vorerst nicht gefällt werden, zumindest bis zur Entscheidung des Gerichts im anstehenden Prozess. Die Bayerischen Staatsforsten haben sich zudem selbst verpflichtet, bis Ende 2015 keine Bäume in dem Gebiet zu fällen. Unsere einheimischen Buchenwälder zählen zu den weltweit am stärksten bedrohten Waldökosystemen überhaupt. Der BUND Naturschutz fordert deshalb, zehn Prozent des Staatswalds als Naturwald ohne Holznutzung zu schützen. Teile des Steigerwalds sollen zu einem Nationalpark werden. Damit wäre im Steigerwald auch eine Bewerbung als UNESCOWeltnaturerbe möglich, was die Bayerische Staatsregierung aber ablehnt. Mehr Infos unter: www.ja-zum-national­ park-steigerwald.de


Aus für Pumpspeicherwerk: Osser gerettet as am Osser geplante Pumpspeicherwerk mit zwei riesigen Speicherbecken ist seit Mitte August vom Tisch. Damit bleibt die Schönheit eines der markantesten Berge im Bayerischen Wald erhalten. Nachdem die Bürger vor Ort bei einem Ratsbegehren mit überwältigender Mehrheit das Monsterprojekt abgelehnt hatten und sich auch der Bischöfliche Stuhl in Regensburg gegen eine Grundabtretung entschieden hatte, hatte die Regierung der Oberpfalz das Raumordnungsverfahren eingestellt. Der BUND Naturschutz sieht darin einen Sieg der Demokratie und der Vernunft, wie der BN-Vorsitzende Hubert Weiger erklärte. Der großartige Erfolg ist umso erfreulicher, als dass BN-Aktive zusammen mit der Schutzgemeinschaft Osser fast zwei Jahre lang gegen die drohende Natur- und Heimatzerstörung gekämpft hatten. Mit dem Aus für das ebenso überflüssige wie unsinnige Pumpspeicherkraftwerk konnte zudem ein klares Signal zugunsten technisch weit sinnvollerer Energiewendetechnologien wie die dezentrale Kraftwärmekopplung gesetzt werden. Der BN bedankt sich bei allen Aktiven vor Ort für ihren unermüdlichen Einsatz und beim B ­ ischöflichen Stuhl in Regensburg dafür, dass er sich in einem Konfliktfall zu seiner Schöpfungsverant­ wortung bekannt hat.

Riedberger Horn: Skischaukel im Schutzgebiet?

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Foto: Wolfgang Willner

nfang 2015 sah es noch gut aus: Das Umweltministerium wollte einen Ausbau der Skigebiete am Riedbeger Horn im Oberallgäu trotz massivem politischen Druck aus der Region nicht zulassen. Das Riedberger Horn, an dem auch ein bedeutendes Brutgebiet des hoch bedrohten Birkhuhns (Bild) liegt, schien der Rettung nahe. An der Haltung der Umweltministerin hat sich bis heute auch nichts geändert, was der BUND Naturschutz ausdrücklich begrüßt. Doch inzwischen plädiert die CSULandtagsfraktion mit ihrem Fraktionschef Thomas Kreuzer offen für den schnellen Ausbau der Skischaukel im Schutzgebiet. Mit einer Genehmigung des Projektes würde ein Präzedenzfall für einen Skigebietszusammenschluss in der Ruhezone des Alpenplanes geschaffen. Diese Ruhezone ist dem Naturschutz und der naturnahen Erholung vorbehalten. Um das zu verhindern, demonstrierten BN-Aktive, Vertreter von Partnerorganisationen und Bürger Anfang Oktober vor der Staatskanzlei. Der BN wird auch weiterhin konsequent für den Schutz des Riedberger Horns eintreten.

Foto: travelpeter/clipdealer.de

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Nature Alert: starkes Signal für euro­päischen ­Naturschutz

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ehr als eine halbe Million Europäer haben sich in einer von der EU-Kommission initiierten Befragung gegen die Aufweichung des Naturschutzes in der EU ausgesprochen. Nie zuvor verzeichnete eine EU-Konsultation eine solche Resonanz. Dies ist vor allem auf die Mobilisierungsaktion »Nature Alert« von 120 Umweltorganisationen zurückzuführen, bei der 520  325 Menschen für eine Beibehaltung der bisherigen Naturschutzrichtlinien stimmten. In Deutschland hatten unter anderen der BUND und der BN die Bürger aufgerufen, sich an der Konsultation­ zu beteiligen. Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hatte mit der Befragung den Weg für ein Naturschutzrecht ebnen wollen, das sich stärker an den Interessen der Wirtschaft orientiert – eine enorme Gefahr für den europäischen Naturschutz und damit die Natur vor unserer Haustür. Es zeichnet sich jedoch ab, dass eine überwältigende Mehrheit der teilnehmenden ­Bürger Junckers Plänen eine klare Absage erteilt hat. Anfang 2016 will die EU-Kommission beschließen, ob sie die Rechtsvorschriften ändern wird oder von den EU-Ländern eine bessere Durchsetzung der Regeln und mehr Finanzmittel einfordert.

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Fotos: Fotolia, Ingo Batrussek, Trescaminos

Schadstoffe in der Luft – ein Dauerthema

Diesel und andere Luftverpester Seit dem Abgasskandal bei VW ist auch hierzulande einer ­breiten Öffentlichkeit wieder bewusst geworden, dass gesundheitsgefährdende Schadstoffe in der Luft nicht nur in Shanghai ein Problem sind. Woher kommen die schädlichen ­Immissionen und was kann man dagegen tun?

Foto: privat

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ange erschienen Dieselautos als vernünftige Anschaffung: geringerer Kraftstoffverbrauch und wegen der niedrigeren Besteuerung auch geringere Spritpreise. Doch seit dem Abgasskandal bei VW ist der Dieselmotor als vermeintlich »saubererer« Antrieb endgültig entzaubert. Das Diesel-Problem: Er stößt kaum we­ niger CO2 aus als Benziner, aber zum Beispiel große Mengen schädlicher Stickoxide. Die Verschärfung der EU-Abgasnormen sollte Abhilfe bringen. Niedrigere Grenzwerte einzuhalten, ist aber nur mit Aufwand und Kosten erreichbar, bei höherem Verbrauch und geringerer Leistung. Schon lange wurde kritisiert, dass die Messmethoden der Autobauer wenig mit dem realen Fahrbetrieb zu tun haben. Um Sauberkeit vorzutäuschen, wurde darüber hinaus in VW-Dieselmotoren eine Software eingebaut, die sich beim Prüfzyklus automatisch umschaltet. Im Fahrbetrieb sind daher die Stickoxide oft 20 Mal höher als angegeben und zulässig (siehe auch der Beitrag auf Seite B29). Was tun? Der BUND fordert ein Verbot für nicht nachbesserbare Fahrzeuge in den Umweltzonen, Rückstufungen der Abgasklasse und praxisnahe Testmethoden. Dann aber kostet und verbraucht der Diesel deutDer Autor lich mehr und wird unrentabler. Trotzdem bleibt er Heinz Horbaschek ist Sprecher der Ar- schmutziger als der Benziner. Wenn Auto, dann also lieber Benziner, Gas oder Elektroantrieb. Und generell beitsgruppe Neue gilt natürlich: das Auto so oft wie möglich stehen lassen Energie der Kreisgruppe Erlangen. und sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln bewegen Er befasst sich seit oder aus eigener Kraft mit dem Fahrrad oder zu Fuß. Jahrzehnten kriUnd was ist mit den Kraftwerken, für die Umwelttisch mit Emissioschützer früherer Jahrzehnte mit viel Engagement nen von Autos und ­saubere Technologien forderten? Glücklicherweise sinHeizungen und fährt seit acht Jah- ken aufgrund des Einsatzes der regenerativen Energien ren mit Flüssiggas. die CO2-Belastungen pro erzeugter Kilowattstunde. Ein

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Abgasproblem Der BUND Naturschutz setzt sich für schärfere Grenzwerte ein, um unsere Luft sauber zu halten.

neues Problem ist die gestiegene Nutzung der Braunkohle. Kohlekraftwerke stoßen mehr als doppelt so viel Kohlendioxid pro Kilowattstunde aus als Gaskraftwerke. Extrem sind aber Gesundheits- und Umweltschäden durch die übrigen Luftschadstoffe wie Radioakti­ vität, Quecksilber und Feinstaub. Leider schaffte es die Politik nicht, eine Klimaabgabe für alte Kohlekraftwerke durchzusetzen. Sie will die Leistung der BraunkohleKraftwerke bis 2020 nur um 10 Prozent reduzieren. Positiv sind dagegen viele Anstrengungen zur dezentralen Stromversorgung auf kommunaler Ebene, zum Beispiel bei den Erlanger Stadtwerken, die bereits den gesamten Strom ihrer Haushaltskunden mit Kraft-WärmeKopplungsanlagen (KWK) erzeugen. Der BN fordert seit Jahren die verstärkte Nutzung dezentraler KWK. Bewusstsein entwickeln bei Biomasse-Heizungen Die Zahl der Heizungen für Biomasse wie Scheitholz, Hackschnitzel oder Pellets steigt. Doch die saubere Verbrennung komplexer Feststoffe ist schwieriger als die von gasförmigen, chemisch weitgehend reinen Brennstoffen wie Gas und Öl, auch wenn bei deren ­Gewinnung Umweltprobleme entstehen und die Verbrennung CO2 freisetzt. Die Novellierung der Bundesimmissionsschutz-Verordnung (BImSchV) 2010 sollte wenigstens den Anstieg von Feinstaubemissionen begrenzen, die heute bereits höher sind als die des gesamten Kfz-Verkehrs. Die Lobbys bestanden aber auf hohen Grenzwerten. Obwohl der Grenzwert von 20 Milligramm Feinstaub pro Kubikmeter Abgas bei Pelletsanlagen oder größeren Anlagen mit Filtern glaubhaft ist, steigen dadurch die Emissionen weiter an, da die ersetzten ­Anlagen mit Öl oder Gas praktisch rußfrei waren. Vor allem die Einzelöfen mit Holz können in Wohngebieten zu Geruchsbelästigung und Gesundheitsgefährdung führen. Jeder Bürger sollte sich der Verantwortung für seine Mitmenschen bewusst werden. Heinz Horbaschek Mehr Infos zum Thema unter: www.erlangen. bund-naturschutz.de/aktiv-beim-bn.html


Tödliche Machenschaften Regionalkrimis liegen im Trend. Leonhard F. Seidl legt nach »Genagelt« seinen zweiten Krimi aus Oberbayern vor, der sich mit Umweltthemen auseinandersetzt, diesmal mit der Landwirtschaft. Die Polizei sagt, Bauer Luidinger sei von einem Zuchtstier auf die Hörner genommen worden. Ein tödlicher Unglücksfall. Privat­ detektiv Freddie Deichsler glaubt an einen Mord und ermittelt im gar nicht so idyllischen oberbayerischen Bauernmilieu. Er stößt auf geldgierige Geschäftsleute und korrupte Regionalpolitiker, die sich an bäuerlichen Existenznöten und Tierleid eine goldene Nase verdienen. Leonhard F. Seidl: Viecher, Emons Verlag, 9,90 Euro Wälder entdecken Ein wunderbares Weihnachtsgeschenk nicht nur für Waldfreunde ist dieser Bildband, der die Leser mitnimmt in Deutschlands schönste »wilde Wälder«. Die Bilder des Naturfotografen Norbert Rosing zeigen unsere heimatlichen Wälder in ihrer ganzen Pracht – von beeindruckenden Baumveteranen über undurchdringlichen Urwald bis hin zu lichten Birkenhainen. Ein Schwerpunkt sind die berühmten deutschen ­Buchenwälder. Informativ und unterhaltsam erzählt Wissenschafts­ autorin Monika Rößiger, wie es um ihren Schutz steht und sie schreibt, was sich an einem Tag im Wald alles erleben lässt. Perfekt zum Schmökern an langen Winterabenden – und als Reiseinspiration für 2016. Monika Rößiger (Autor), Norbert ­Rosing (Fotograf ): Deutschlands Wilde Wälder. Eine Liebeserklärung. National Geographic, 39,95 Euro

Vögel ­bestimmen Kein Buch-, sondern ein DVDTipp ist »Die ­Vogelwelt am Futterplatz«. Die Winterfütterung ist für das Überleben der Vögel nicht zwingend nötig, aber Blaumeise, Kohlmeise oder Grünfink am Futterplatz zu ­beobachten ist Umweltbildung im eigenen Garten. Wer die gefiederten Freunde erkennen und bestimmen möchte, für den ist diese DVD genau richtig. Der Film zeigt die häufigsten heimischen Vögel am Futterplatz. Jede der 26 Arten wird in einem eigenen Kurzfilm vorgestellt. Fachkundige Texte erläutern das Gezeigte und liefern wichtige Hintergrundinformationen. Der ideale Film für Einsteiger und ­Vogelfreunde, auch für Kinder. Die Vogelwelt am Futterplatz (ein Film von Susanne Hoffmann), Musikverlag Edition Ample, 14,95 Euro, auf tierstimmen.de Vorhandenes nutzen Hier ein neuer Bürokomplex, dort eine weitere Shoppingmeile oder eine schicke Wohnanlage für Gutverdienende. In vielen deutschen Städten wird gebaut wie verrückt. Die letzten Grünflächen müssen weichen, das Stadtbild wird immer gesichtsloser. Obwohl soviel Neues entsteht, steigen die Mieten immer weiter. Es geht auch anders und besser, sagt Daniel Fuhrhop in seiner Streitschrift. Er liefert viele Argumente dafür, alte Substanz zu erhalten, Leerstand zu beseitigen und unsere Städte neu zu beleben. Eine gute ­Argumentationshilfe für BN-Aktive in Städten, die immer häufiger mit diesem Thema konfrontiert sind. Daniel Fuhrhop: Verbietet das Bauen. Eine Streitschrift, oekom-Verlag, 17,95 Euro

Leben mit Bäumen Horst Schunk hat ein Herzensanliegen: Seit Jahrzehnten leistet er beharrlich Überzeugungsarbeit für Bäume. Für Bäume, die weg sollen, weil sie im Weg sind, Schatten werfen und (oh Schreck!) im Herbst Laub verlieren. Die Geschichte seines unermüd­ lichen Engagements von den 70erJahren bis in die Gegenwart erzählt er in diesem Buch. Es verdient Beachtung weit über Schunks Heimatstadt Coburg hinaus, denn die vermeintlichen Anti-Baum-Argumente sind überall dieselben. Und es verdient Beachtung nicht zuletzt auch als »Mutmacher« für andere Naturund Baumfreunde, weil Horst Schunk trotz mancher Niederlage und Anfeindung den Mut nicht verloren hat. Horst Schunk: Über den Tag hinaus – Leben mit Bäumen, Veste Verlag, 9,80 Euro, im Buchhandel oder bei www.veste-verlag.de Ernährung Vegane Kochbücher gibt es zurzeit wie Sand am Meer. Dieses Buch enthält auf über 350 Seiten kein einziges Rezept. Statt Modetrend gibt es hier solide und ausführliche Grundlageninformationen zum Thema Ernährung. Alexandra Kuchenbaur, selbst BN-Mitglied, ist als Heilpraktikerin oft mit ernährungsbedingten Gesundheitsproblemen ihrer Patienten konfrontiert. Deshalb hat sie ein umfassendes Grundlagenwerk zur Ernährung vorgelegt. Egal, ob man auf eine Ernährung ohne tierische Bestandteile umstellen will oder einfach interessiert ist an gesunder Kost: Hier finden sich alle Informationen dazu, von Vitaminen über den Umgang mit Fetten bin hin zur Eiweißversorgung. Alexandra Kuchenbaur: Vegan. Warum vegane Ernährung uns und die Welt heilt. Trias Verlag, 29,99 Euro

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Fotos: Helge Bendl

Weiterreichen Die BUNDjugend betreibt in Erlangen einen Umsonstladen. Im »Free Willy« gibt es Kleidung, Bücher, Spiele und noch viel mehr. Und das alles kostenlos.

Wann sie das letzte Mal Kleidung einge-

kauft hat? Bei vielen Leuten käme die Antwort wohl wie aus der Pistole geschossen. Sophia Herold dagegen muss länger überlegen. Sicher ist sie sich nicht – es ist jedenfalls schon eine Weile her. Der Blick in den Spiegel hilft auch nicht weiter. Denn für fast alles, was sie heute trägt, hat die 23-Jährige nichts bezahlt. Und sie musste dafür weder Altkleidercontainer plündern noch Vogelscheuchen fleddern: Was sie brauchte, hing an den Kleiderbügeln des Erlanger Umsonstladens. Sophia Herold hat sich bereits während ihrer Schulzeit in der BUNDjugend engagiert. In einem Waldkindergarten macht sie derzeit eine Ausbildung zur Erzieherin. Bei ihrer Arbeit muss sie auf alle Wetterkapriolen gefasst sein, vor allem jetzt im Herbst. Doch weder für die dicken Wandersocken noch die Jeans, weder für den Gürtel noch den nagelneuen Fleecepulli, weder für den Schal noch das bunte Stirnband musste sie das Portemonnaie zücken. Es ging auch ohne Geld. Kleider, Workshops, Konzerte ... »Sogar Nagellack hat jemand kürzlich bei uns abgegeben, damit er eine andere glücklich macht – und das war eben ich«, grinst sie. Wäre das Projekt ein sportlicher Wett­ bewerb, hätte sie heute 7: 3 gegen ihre Mitstreiterin Simone Körner gewonnen: Bei deren Outfit stammen nämlich »nur« die Schuhe, der Rock und die Jacke aus den Spenden, die der Laden der BUNDjugend erhalten hat. In zentraler Lage, unweit von Fußgängerzone und Bahnhof, hat der Umsonstladen »Free Willy« ein früheres Fotogeschäft be-


www.freewillyerlangen.de

zogen. Die BUNDjugend veranstaltet hier auch Ausstellungen, Workshops, Konzerte und Seminare. An der schicken Bar wird sogar Kaffee serviert. »Wir arbeiten alle ehrenamtlich: Der Laden soll eine Plattform sein für Leute, die sich engagieren wollen«, so Timo ­Waidhas, einer der Aktiven. Auch eine Siebdruckwerkstatt und ein Nähsalon sind eingezogen. Im Selbstversuch  In den Hinterzimmern schlägt das Herz des Ladens: Ordentlich sortiert warten hier Kleidungsstücke auf neue Besitzer. Außerdem gibt es Spiele, Bücher, Geschirr, Lampen und vieles mehr. »Am meisten Zeit kostet es, Stück für Stück die abgelieferte Ware durchzuschauen. Wir wollen schließlich nur gute Qualität – und nicht, dass Leute ihren Müll abladen«, erzählt Simone Körner. Die 22-Jährige lässt sich gerade zur Maßschneiderin ausbilden und gestaltet viele Kleider selbst. Manchmal packt aber auch sie etwas ein: »Immer wieder finde ich schöne Sachen, und sei es was Schräges zum Verkleiden. Später bringe ich es zurück, damit auch andere zugreifen können.« Vor sieben Jahren öffnete der erste ­Erlanger Umsonstladen seine Türen. »Wir haben die Idee bei einem Besuch in Erfurt kennengelernt und beschlossen, das selbst zu versuchen«, erzählt Sophia ­Herold. Einige von ihnen nahmen sich damals vor, ein Jahr lang nichts Neues zu kaufen. Das Regal mit Klamotten wurde so zur internen Tauschbörse. Publikumsverkehr gab es kaum, der Laden lag ab vom Schuss und versteckt im dritten Stock. Zukunft gesichert  Später klappte es mit einem Raum im Parterre – auch hier mussten sie irgendwann weichen. Immer wieder stand das Projekt auf der Kippe, weil dem Laden gekündigt wurde oder die Miete nicht zusammenkam. Doch dank der Überzeugungsarbeit bei Politikern und Verwaltung scheint er

nun vorerst gesichert: Die Stadt Erlangen übernimmt die Miete. »Erfolg hat man, wenn der Laden gut erreichbar und regelmäßig offen ist«, meint ­Sophia Herold. »Dann muss man noch etwas Werbung machen und alles schön und sauber präsentieren.« Weil einige Aktive wegzogen, war es eine Zeit lang schwierig, genug Mitstreiter zu finden. Der Umsonstladen ist an vier Nachmittagen pro Woche geöffnet – wer noch zur Schule geht, hat da oft keine Zeit. Doch inzwischen ist das Team wieder einsatzfähig. Auch neue Mitstreiter sind am Start. So wie Elena Rauchmann, die Medizin studiert: »Wir können nicht immer mehr konsumieren, ohne wirklich mehr zu brauchen. Der Umsonstladen ist unsere Alternative.« Free Willy ist keine Tauschbörse: Wer etwas mitnimmt, muss nicht im Gegenzug etwas dalassen. Manche kommen in den Umsonstladen, um gezielt nach Dingen für sich oder ihre Familie zu suchen. Erstaunlich viele Großmütter prüfen regelmäßig, ob für ihre Enkel etwas dabei ist. Andere bedienen sich, weil sie geldfrei leben wollen. Flyer in vielen Sprachen  »Manche haben auch gar keine Wahl. Die können sich neue Sachen ­einfach nicht leisten«, meint Elena Rauchmann. Das Team will den Laden deshalb noch bekannter m ­ achen. Ein Flyer informiert auf Deutsch, aber auch ­Arabisch, Englisch, Französisch und Russisch. Die BUNDjugend will ihre Initiative nämlich in ­ den Asylbewerberheimen der Region vorstellen – und die Flüchtlinge auffordern, nicht nur mal vorbei­zuschauen, sondern im Team mitzuarbeiten. Helge Bendl (Text und Fotos)

Klasse Klima – heißkalt erwischt

Gemeinsam mit der Naturfreundejugend Deutschlands und der NAJU will die BUNDjugend Schülerinnen und Schüler der 5. bis 10. Klasse für ein klimafreundliches Leben begeistern. Ziel ist es, eine vertrauensvolle und dauerhafte Kooperation mit ausgewählten Schulen aufzubauen, um dort den Klimaschutz mit verschiedenen Aktionen erlebbar zu machen. Interessierte Lehrer und Lehrerinnen, Schüler und Schülerinnen sowie alle an­deren sind herzlich eingeladen, die Seite zu besuchen oder sich direkt an antonia.mueller@bundjugend.de zu wenden. ▶ www.klasse-klima.de

WELTbewusst

Vom 5. bis 7. Februar 2016 lädt die BUNDjugend zur Transformationsakademie nach Hannover ein. Die bundesweite Akademie für einen sozial-ökologischen Wandel ist das Treffen für junge Menschen, die Lust haben, etwas zu bewegen: spannende Referenten und Referentinnen, vielseitige Workshops, kreative Aktionen, Diskus­ sionen & Austausch, Inspiration & Information. Ein Wochenende für alle WELTbewusst-Aktiven und BUNDjugend-Neueinsteiger! Bei Interesse wendet euch bitte an: janna.aljets@bundjugend.de ▶ www.bundjugend.de

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DIE INFOSP ALTE DER BUNDJUGEND

statt wegwerfen


Fotos: Christine Margraf

Flughafenanwohner zwischen Hoffen und Bangen

Kommt endlich das Aus für die dritte Startbahn? Kommt sie oder kommt sie nicht? Das Gezerre um die ­dritte Startbahn am Münchner Flughafen soll ein Ende haben. Für den BN ist klar: Das Projekt ist unnötig und naturzerstörerisch.

Foto: privat

Dunkle Wolken über Attaching? Diese Drachen sind die einzigen nichtlebenden Flug­ objekte, die in ­Attaching, einer Gemeinde in unmitttelbarer Flughafennähe, für gute Stimmung sorgen. Hier beim »Drachenfest« im Oktober.

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m Großraum München sind 63 Prozent der Befragten gegen und lediglich 23 Prozent für eine dritte Startbahn. In ganz Bayern sind 52 Prozent gegen die Bahn und nur 34 Prozent dafür. Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Privatsenders Sat1 Bayern. Es zeigt: Die Ablehnung einer dritten Start- und Landebahn am Münchner Flughafen findet immer breitere Unterstützung. Vor Gericht war der Versuch, das Projekt zu verhindern, bisher nicht erfolgreich. Im Juni 2015 hatte das Bundesverwaltungsgericht die Beschwerde des BN gegen die Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofes (BayVGH) vom 19. Februar 2014 abgewiesen. Die Flughafen München GmbH (FMG) hat nun einen rechtlich gültigen Planfeststellungsbeschluss für die 3. Startund Landebahn. Das bedeutet normalerweise Baurecht – nicht aber hier. Denn ein Baubeginn muss einstimmig von allen drei Gesellschaftern der FMG beschlossen werden, die Stadt München als einer der GeDie Autorin sellschafter stimmt dem aber nach Christine Margraf ist die BN-Referen- wie vor nicht zu. Münchens Obertin für Oberbayern. bürgermeister Dieter Reiter (SPD)

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fühlt sich zu Recht an das Votum des Bürgerentscheides von 2012 gebunden: Eine Mehrheit von 54 Prozent hatte damals den Bau einer dritten Bahn abgelehnt. Dieser Entscheid ist nach wie vor für die Stadt bindend und könnte nur durch einen anderslautenden Stadtratsbeschluss oder ein neues Bürgervotum aufgehoben werden. Reiter sieht für neue Befragungen jedoch keinen Anlass und hat noch am Tag der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichtes erklärt: »Dazu müssten sich die Rahmenbedingungen wie die Anzahl der Starts und Landungen grundlegend und dauerhaft ändern. Das sehe ich derzeit nicht.« Für die Mobilität der Wirtschaft und der Bürger im Raum München reichen die bestehenden zwei Bahnen auch in Zukunft völlig aus.

Seehofer will bald entscheiden Der BN und das gesamte aus mehr als 80 Gruppen bestehende Aktionsbündnis aufgeMUCkt wissen also die Unterstützung breiter Bevölkerungsteile hinter sich. Auch die in der »Schutzgemeinschaft FreisingErding Nord« zusammengeschlossenen Kommunen und Landkreise sind trotz der juristischen Niederla-

gen weiter entschlossen gegen die dritte Bahn. Der Widerstand gegen die 3. Bahn ist breiter, kreativer und stärker denn je. Sogar Papst Franziskus können die Startbahngegner mit seiner im Juni veröffentlichten Umwelt-Enzyklika »Laudato si« für besseren Klimaschutz und eine stärkere Erhaltung von endlichen Ressourcen zitieren. Die Argumente für ­Klimaschutz, Naturschutz und Lebensqualität sind nach wie vor die besseren, die Realität der Flugbe­ wegungen entfernt sich von Jahr zu Jahr weiter von den Prognosen.

BN führt Rechtsweg weiter Diese Argumente hat sich Ende September auch Ministerpräsident Horst Seehofer in einem Gespräch mit aufgeMUCkt und plane stupid ausführlich und offen angehört. Auch von den Oppositionsparteien und den Kommunen hat er viele ­Argumente gegen die Bahn gehört. Teil seiner Gesprächsreihe waren auch Lufthansa und FMG, die derzeit wieder einmal völlig unbegründete und unglaubwürdige Wachstumszahlen und angebliche Engpässe in den Raum stellen. Fällt Seehofer darauf herein? Oder entscheidet er nach Fakten, Vernunft und Verantwortung für die Zukunft? Er möchte noch in diesem Jahr eine Entscheidung fällen. Einige bishe­ rige Äußerungen Seehofers waren erstaunlich startbahn-kritisch. Eine Entscheidung war jedoch zum ­Redaktionsschluss noch nicht bekannt. Die Position von aufgeMUCkt und BN ist klar: eine sofortige und rechtlich verbindliche Entscheidung gegen die 3. Bahn und für Mensch, Natur und Klima. Der Freistaat Bayern als Hauptgesellschafter der FMG muss die Rücknahme des Vorhabens beantragen, der Planfeststellungsbeschluss von 2011 muss ungültig werden. Denn sowohl das Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofes als auch das des Bundesverwaltungsgerichtes weisen grundlegende Defizite auf (siehe N&U 3/15, S. 31). Deshalb haben nun sowohl der BN als auch Privatkläger eine Verfassungsbeschwerde eingereicht. Christine Margraf


Tierisch gut … … ist dieses hübsche Rhönschaf im Offenhalten von artenreichem Grünland.

Kreisgruppen Rhön-Grabfeld und Bad Kissingen

Jubiläum eines Landschaftspflegers

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as Rhönschafprojekt, eines der erfolgreichsten Naturschutzprojekte des BUND Naturschutz und des BUND, feierte in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen. Dieses Jubiläum hat der BN Mitte September mit zahlreichen Gästen am Schafstall bei Ginolfs begangen. Zum Grundstock der Rhönschafinitiative wurden die schon 1985 als »Schmetterlingsparadies« angekauften »Gassenwiesen« – ein 32 Hektar großer, artenreicher Lebensraumkomplex aus Magerrasen, Hochstauden und Quellfluren am Südhang des Naturschutzgebietes Lange Rhön. Ein Jahr später gelang es dem BN auf Initiative von Professor Gerhard Kneitz und mit UnterWinterquartier: Dass ehemalige

stützung der Isler-Stiftung, einen 40-köpfigen Restbestand des akut vom Aussterben bedrohten Rhönschafes zu erwerben. Der daraus von dem engagierten Schäfer Josef Kolb aufgebauten Herde von mittlerweile 400 Muttertieren dienen vor allem die vorgenannten Gassenwiesen als Futterlieferant. Mit dem Rhönschafprojekt zeigten BN und BUND, dass sich Schafbeweidung und Artenschutz durchaus miteinander vereinbaren lassen. Bayernweit war dies das erste Modellprojekt, bei dem die Symbiose von Naturschutzzielen, Landschaftspflege, Beweidung und Regionalvermarktung auch in der Praxis gelungen ist. Es wurde damit weit

burg erfuhren Kinder beim eigenhändigen Bau einer Biberburg mit Naturmaterialen (Foto) von der Umweltpädagogin Conny Flenner und dem BN-Ortsvorsitzenden Dieter Galm viel Interessantes über die Lebensweise des nütz­

Kalkbrennöfen für den Artenschutz genutzt werden können, hat die BN-Ortsgruppe Karlstadt unter Beweis gestellt. Ein 1845 errichteter Ofen wurde saniert und Mitte September der Öffentlichkeit präsentiert. Er soll künftig als ­Winterquartier für ­Fledermäuse dienen.

über Bayern hinaus zum Vorbild für mehrere Hundert Beweidungsprojekte. Der Amtschef des Bayerischen Umweltministeriums Christian Barth würdigte die Verdienste der BN-Initiative: »Natur bewahren und gleichzeitig regionale Wirtschaftskreisläufe stärken, dafür steht das Projekt Rhönschaf.« Als Hauptattraktion erwies sich die vom Rhönkünstler Manfred ­Zirkelbach geschriebene und von ihm zusammen mit Josef Kolb überaus gekonnt präsentierte Geschichte des Rhönschafes Pünktchen. Helmut Schultheiß (ht)

lichen Nagers und seinen positiven Beitrag zur Lebensraumgestaltung. Das von der BN-Kreisvorsitzenden Dagmar Förster gestaltete Teichbiotop war als blühendes ­Paradies ebenso oft umlagert. Der BN erreichte so über 30 000 Besucher, davon mehr als 3200 Kinder und Schüler.

die Naturschutzmedaille an KarlHeinz Claaßen verliehen. Gewürdigt wurde damit seine langjährige ehrenamtliche Tätigkeit als Kreisgruppengeschäftsführer, aber auch sein vielfältiges Engagement vor Ort, unter anderem bei der Öffentlichkeitsarbeit, im Kampf gegen Fernwasser und beim Einsatz der Wärmebildkamera an Schulen und in Privathäusern.

bert erwies sich auf der diesjährigen Gartenschau in Alzenau als Publikumsmagnet. Vor einem wasserblauen Pavillon erregte eine imposante Biberskulptur aus Holz das Interesse der Besucher. Am Stand der Kreisgruppe Aschaffen-

Foto: Dagmar Förster

Publikumsmagnet: Der Biber NorEhrung: Zum

Gekippt: Dem bei Langendorf im

40-jährigen Bestehen der Kreisgruppe RhönGrabfeld hat der BN-Vorsitzende Hubert Weiger

Landkreis Bad Kissingen geplanten Gewerbegebiet hat der Gemeinderat im Juni überraschend die Zustimmung verweigert. Wesentlich zu verdanken ist dies dem Engagement der Kreisgruppe.

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NATURNOTIZEN AUS UNTERFRANKEN

Foto: Josef Kolb

Als BUND und BN das Rhönschaf vor dem Aussterben retteten, gab es nur noch 40 der Tiere. Heute – 30 Jahre später – sorgen 400 der wolligen Landschaftspfleger dafür, dass wertvolles Grünland für Schmetterling und Co erhalten bleibt.


Kreisgruppe Nürnberger Land

Reichswald bleibt erhalten

Foto: Tom Konopka

Das geplante 15 Hektar große Gewerbegebiet »Moser Brücke« mitten im Wald bei Feucht ist vom Tisch. Ein Anfang 2015 eingeleitetes Bürgerbegehren war erfolgreich.

Protestpicknick Kreative Aktionen sorgten für gute Stimmung und viel Unterstützung.

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Berufung: Der BUND Naturschutz

darf gegen den Ausbau des Frankenschnellweges in Nürnberg in Berufung gehen. Das hat der Bayerische Verwaltungsgerichtshof (VGH) am 23. Juni entschieden. Der VGH sieht Klärungsbedarf, ob es sich bei der geplanten Straße

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BUND Naturschutz, Bündnis 90/ Die Grünen und die SPD. »Wir sind glücklich über die riesige Unter­ stützung und werden weiter für den Waldschutz kämpfen«, so Sophie Wurm, Vorsitzende der BN-Ortsgruppe Feucht. Und der BN-Landesbeauftragte Richard Mergner führt aus: »Die Bürgerschaft hat sich nicht von den Versprechungen über Millionen an Gewerbesteuereinnahmen täuschen lassen, sondern mit beein-

nicht eher um eine Schnellstraße als eine Kreisstraße handelt. In diesem Fall hätte eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt werden müssen. Das bestätigt die wesentlichen Argumente des BN. Am 27. Juli hatten Aktive auf das riesige Stickoxidproblem in Nürnberg mit einer Presseaktion aufmerksam gemacht (Foto). Der geplante Ausbau des Frankenschnellweges würde hier zu weiteren Belastungen führen. Foto: Jonathan Kolb

NATURNOTIZEN AUS MITTELFRANKEN

m 26. Juli stimmten 69 Prozent der Feuchter Bürgerinnen und Bürger gegen das geplante Gewerbegebiet »Moser Brücke« und retteten damit 15 Hektar Wald. Die Wahlbeteiligung lag bei 45 Prozent. Eine Genehmigung des Gewerbegebietes hätte mutmaßlich eine Lawine ­weiterer Eingriffe in den Bannwald losgetreten (siehe N+U 4/2012 und 4/2014). Initiatoren des Bürgerbegehrens waren die Ortsgruppe des

Natur + Umwelt BN-Magazin [4-15]

druckenden Mehrheiten die politisch schon beschlossenen Pläne abgelehnt. Dies ist auch ein Signal an Heimat- und Finanzminister Markus Söder, seine Pläne zur Erleichterung des Flächenverbrauchs aufzugeben.« Das geplante Gewerbegebiet sollte ein Pilotprojekt des Forstministeriums zum Verkauf staatlicher Wälder darstellen. Die Erlöse sollten in den allgemeinen Haushalt fließen. Mit Kundgebungen, Ortsterminen und kreativen Aktionen wurde seit Jahren intensiv dagegen vorgegangen. Beide christlichen Kirchen hatten das Anliegen des BN gegen teilweise massive Angriffe durch den Feuchter Bürgermeister Konrad Rupprecht (CSU) unterstützt. Die Planung war zuletzt auch von der Stadt Nürnberg unterstützt worden, weil der Markt Feucht die Gewerbefläche in einen gemeinsamen Gewerbepark einbringen wollte. Bereits vor 30 Jahren hatte der BUND Naturschutz zusammen mit der Feuchter B ­ evölkerung im Bereich der Moser Brücke und Umgebung die Errichtung eines riesigen Panzerübungsplatzes verhindert. Tom Konopka (ht)

Exerzierplatz: Der BN unterstützt

Stadtgrün: Die BN-Kreisgruppe

ein Bürgerbegehren gegen weiteren Neubau auf dem Erlanger Exerzierplatz. Der »Exer« und das darin liegende Naturschutzgebiet sind für den BN zum Dauerthema geworden. Am südlichen Rand gibt es bereits ein 15 Hektar großes Baugebiet, gegen das sich der BN gemeinsam mit der Bürgerinitia­ tive (BI) »Rettet den Exer« einsetzt. Zwei Klagen sind diesbezüglich noch in der Schwebe. Nun sorgt ein neues Bauvorhaben im west­ lichen Teil für Kritik. Dort soll ein Bürger-Begegnungs- und Gesundheitszentrum (BBGZ) entstehen, das wohl hauptsächlich den örtlichen Handballern dienen soll.

Fürth-Stadt hat einen Neubau im Südstadtpark verhindert. Eine private Hochschule plante, ein historisches Gebäude im Park durch einen Neubau zu erweitern. Unter dem Motto »Grünflächen sind keine Bauflächen« protestierte die BN-Kreisgruppe. Bei einem Lichterzug mit rund 1000 Teilnehmern startete sie ein Bürgerbegehren, das in kurzer Zeit über 4000 Bürger unterschrieben haben. Dies führte bei Stadt und Hochschule zum Umdenken. Nun soll eine ­Reservefläche außerhalb der Parkanlage für die Erweiterung genutzt werden.


Foto: Allgäu Airport GmbH & Co. KG

Klimakiller Flugzeug Das Flugzeug (im Bild ein Airbus beim Start) bleibt der mit Abstand umweltschädlichste Verkehrsträger. Daher sollte der Ausbau des Memminger Flughafens nicht aus Steuermitteln finanziert werden, findet der BN.

Kreisgruppe Memmingen-Unterallgäu

Foto: Wolfgang Weiss

Steuergeld für den Allgäu-Airport?

it dem Flugzeug zu fliegen ist etwa um den Faktor 20 klimaschädlicher, als mit dem Zug zu fahren. Besonders umweltschädlich ist die Billigluftfahrt, weil durch ihre Preise Flugverkehr erzeugt wird, der sonst nicht stattfinden würde. Doch weil die Billigfluggesellschaften am Allgäu Airport nicht genug Gebühren an den Flughafen zahlen, hat dieser in den letzten ­Jahren so viel Verlust erwirtschaftet, dass er kurz vor der Insolvenz steht. Nun soll ausgebaut werden, um die Fluggastzahlen deutlich zu steigern. Der BUND Naturschutz hat gegen

den Ausbau und die neuen Nachtflugregelungen geklagt, aber leider verloren. In den Ausbau des Airports sollen der Freistaat Bayern und die ­Allgäuer Städte und Landkreise insgesamt über 20 Millionen Euro ­stecken. Die besondere Note: Städte und Landkreise sollen dem Flug­ hafen für über 50 Euro pro Quadratmeter Grundstücke abkaufen, die dieser im gleichen Zustand für etwa 1,50 Euro vor zehn Jahren dem Bund abgekauft hat. Dagegen regt sich nun Widerstand: Die im »Bündnis für einen

Teilerfolg: In Schmähingen im

Osttangente Augsburg: Die auto-

Landkreis Donau-Ries war ein Hähnchenmaststall für 85 000 Tiere geplant. Diese Massentierhaltung widerspricht einer tierund umweltgerechten bäuerlichen Landwirtschaft; die Stickstoffemissionen bedrohen wertvolle Wacholderheiden in der Umgebung. Tierschutzorganisationen und die BN-Kreisgruppe erreichten, dass die Kapazität auf 39 000 Tiere reduziert wurde. Der BN klagte dennoch gegen die Genehmigung und erzielte einen Vergleich: Die verkleinerte Anlage darf bleiben, aber die Auswirkungen auf die als FFHGebiet geschützten Riesheiden werden nochmals untersucht.

bahnähnliche vierspurige Bundesstraße soll zwischen der A8 bei Derching und der B17 bei Königsbrunn entstehen. Die geplante Trasse führt durch die Lechauen östlich und südlich von Augsburg. Die BN-Kreisgruppen AichachFriedberg und Augsburg lehnen dies strikt ab. In mehreren Veranstaltungen und einer Online-Petition forderten sie gemeinsam mit dem Aktionsbündnis »Keine Osttangente« von Verkehrsminister Alexander Dobrindt, das Vorhaben nicht in den Bundesverkehrswegeplan aufzunehmen.

Weitere Informationen unter: www.bund-naturschutz.de/verkehr/ luftverkehr/flughafen-memmingen. html www.steuerverschwendung.bayern

Foto: Karl Geller

M

verantwortungsvollen Umgang mit Steuergeldern« zusammengeschlossenen Verbände und Parteien haben in Memmingen knapp 2500, im ­Unterallgäu über 6000 Unterschriften gesammelt. Nun dürfen die ­Bürger entscheiden. Der BUND Naturschutz ruft alle Bürger des Landkreises Unterallgäu und der Stadt ­Memmingen auf, Steuergelder für den Allgäu Airport abzulehnen. Thomas Frey (as)

Pilotprojekt: Das vom BN-Natur-

schutz- und Jugendzentrum Wartaweil entwickelte »Energiespardorf« bekommt Nachwuchs. Nach dem Vorbild des Prototypen entstehen unter der Mithilfe von Flüchtlingen vier weitere Modelldörfer, mit denen Erwachsene und

Bereit zum Entscheid Vertreter des BürgerBündnisses vor der Übergabe der Unterschriften für den Bürgerentscheid vor dem Landratsamt Unterallgäu in Mindelheim. Von links: Paola Rauscher und Michael Husch von den Grünen, Gerhard Schmalz von der Initiative Bürger gegen Fluglärm Memmingen, ­Konrad Lichtenauer und Helmut Scharpf vom BN und Thomas Riederle von der SPD.

Jugendliche praktisch erproben können, wie sich die Energiewende in einem Gemeinwesen umsetzen lässt. Das Projekt wird vom Bayerischen Wirtschaftsministerium gefördert. Beim Bau der Modelle arbeitet der BN zusammen mit der Caritas Landsberg und den Asylklassen der Berufsschule Mindelheim. Jugendliche Flüchtlinge (siehe Bild) stellten dort unter Anleitung von Karl Geller im Sommer ein weiteres Exemplar des Energiespardorfes fertig.

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NATURNOTIZEN AUS SCHWABEN

Ein Bündnis aus BUND Naturschutz, Bürgerinitiativen und Parteien will eine Steuerfinanzierung des Allgäuer Flughafens verhindern. Dazu wurden Unterschriften für Bürgerentscheide in Memmingen und dem Landkreis Unterallgäu gesammelt. Die Abstimmung findet am 22. November statt.


Fotos: Wolfgang Hascher

Ortstermin Dr. Jürgen Riedler (re.) von der BNKreisgruppe und Gutachter Dr. Manfred Holzner machen sich ein Bild vom Ausmaß der Gülleverseuchung am Zeller Bach, der unzählige Fische zum Opfer fielen.

Kreisgruppe Rottal-Inn

Schwerer Biogasunfall tötet Tausende Fische Der Landkreis Rottal-Inn ist von Gewässerverunreinigung durch ­Biogasanlagen besonders betroffen: Seit 2007 wurden bei einem ­Bestand von 98 Anlagen 50 Unfälle registriert. Trauriger Höhepunkt war die Biogas-Havarie eines landwirtschaftlichen Betriebs bei ­Arnstorf im Juni dieses Jahres.

NATURNOTIZEN AUS NIEDERBAYERN

und 350 000 Liter stark ammo­ niakbelastete Hühnergülle flossen zunächst in den Zeller Bach und dann in die Kollbach, ein fischfaunistisches Vorranggewässer. Auch ein angrenzendes FFH-Gebiet bei Jägerndorf wurde kontaminiert. Auf einer Länge von 30 Kilometern, bis zur Vilsmündung, wurde das gesamte Gewässerökosystem massiv geschädigt – mehr als sechs Tonnen tote Fische waren die Folge. Betrof-

Grüne Engel: Im Rahmen eines

festlichen Empfangs bei der Regierung von Niederbayern am 9. September zeichnete Umweltministerin Ulrike Scharf elf Ehrenamtliche aus dem Regierungsbezirk für ihr großes Engagement im Natur- und Umweltschutz mit dem »Grünen Engel« aus, darunter auch vier Aktive des BN: Franz Anneser, Anna Maria Aschenbrenner, Professor Herbert Jans und Wolfgang Saß. Seit 31 Jahren ist Franz Anneser aktives BN-Mitglied und gründete 1990 die Ortsgruppe Moosthenning. Im Kreisgruppenvorstand bündelt er seit 1999 die naturschutzfachlichen Aktivitäten des BN im Landkreis Dingolfing-

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fen waren auch besonders geschützte Arten wie Mühlkoppe oder Bachmuschel. Die BN-Kreisgruppe Rottal-Inn bemühte sich umgehend um eine fachlich fundierte Dokumentation der Schäden: Auf Initiative ihres zweiten Vorsitzenden Dr. Jürgen Riedler wurde der Gewässerbiologe Dr. Manfred Holzner tätig. Zudem forderte der BN ein umfassendes gewässerökologisches Gutachten

Landau, sein praktischer Schwerpunkt ist das Wiesenbrütergebiet »Königsauer Moos«. Auch Anna Maria Aschenbrenner ist seit langem bei der Ortsgruppe Moosthenning aktiv. Sie engagiert sich beim Schutz des Königsauer Mooses, bei der Biotoppflege und führt Kinder an den Naturschutz heran. Neben seiner 26-jährigen Tätigkeit als Vorsitzender der Ortsgruppe Geisenhausen wurde Prof. Dr. Herbert Jans vor allem für seinen herausragenden Einsatz zur Nutzung Erneuerbarer Energien im Landkreis Landshut ausgezeichnet. Wolfgang Saß, der frühere Vorsitzende der BN-Ortsgruppe Ortenburg, erhielt die Auszeich-

Natur + Umwelt BN-Magazin [4-15]

nung unter Anderem für die Gründung von Bachpatenschaften und seine Aktivitäten beim Fleder­ mausschutz. Seltener Nachwuchs: Bei einer

Kontrolle des »Eulenbrutkastens« im Stadl des Meindl-Hofes in

Foto: Franz Meindl

R

und erreichte, dass das Landratsamt gemäß Umweltschadensgesetz dies vom Verursacher einforderte. Als Gutachter beauftragt wurde Dr. Holzner, der in Absprache mit dem Gewässerzweckverband ein Konzept für Sofortmaßnahmen erstellte. Ziel ist es, den Gewässerzustand nach der Havarie als Grundlage für ein anschließendes Sanierungskonzept zu bewerten. Der BN hofft auf eine weitere gute Kooperation mit den zuständigen Behörden und wird die Erstellung des Gutachtens intensiv begleiten und sich für eine nachhaltige Renaturierung der Gewässer einsetzen. »Es muss aber auch auf politischer Ebene endlich etwas geschehen, um solche BiogasUnfälle durch bessere gesetzliche Vorgaben zu verhindern«, forderte Dr. Riedler. Kurt Schmid (as) Großköllnbach fanden Aktive der BN-Kreisgruppe DingolfingLandau Anfang Juli acht junge Schleiereulen. Beim Öffnen des Kastens flüchteten die Jungeulen bis auf eine (siehe Foto), es wurden aber alle flügge. Der Brutkasten war vor über zehn Jahren vom Landauer »Eulenprofessor« Christof Ambros dort angebracht worden. Ein absoluter Erfolg, denn die Schleiereule ist ausgesprochen selten – in ganz Niederbayern gibt es nur fünf bis sechs Brutpaare.


Kreisgruppe Ebersberg

Teure Fehlplanung auf Kosten der Natur Fünf Jahre nach Einweihung der umstrittenen Südumfahrung Ebersberg im Dezember 2010 macht die Kreisgruppe des BUND Naturschutz die Rechnung auf: Das Laufinger Moos ist zerstört, die Baukosten haben sich verdoppelt, die Straße ist baufällig und es gibt kaum Verkehrsentlastung für die Stadt.

im Juli auch noch die neue Brücke über die Umgehungsstraße gesperrt werden, weil die Benutzung wegen massiver Absenkung der Dämme zu gefährlich wurde. Eine traurige Bilanz, zumal es mit einer Tunnelstrecke eine schonendere und letztlich günstigere Variante gegeben hätte. Kurt Schmid (as)

Foto: privat

Nachruf: Die BN Kreisgruppe

­ osenheim trauert um Bernhard R Pichler, der im August verstarb. Über viele Jahrzehnte setzte er sich beispielhaft für seine geliebte Heimat im Inntal und die Bewahrung von Natur und Landschaft ein. Als Bergwachtler galt seine besondere Liebe stets den Bergen und als ­Naturschützer beschäftigte er sich in herausragender Weise mit dem Amphibienschutz. Viele, gerade auch junge Leute machte er mit dieser Tiergruppe vertraut. Auch der vom Straßenbauamt angelegte Amphibienübergang bei Kirnstein geht auf seinen jahrelangen Einsatz für diesen bayernweit bedeutsamen Amphibienwanderweg zu-

Negativrekord Begleitet vom Protest der Naturschützer, wurde die Umfahrung Ebersberg am 9. Dezember 2010 eröffnet. Die Bilanz nach fünf Betriebsjahren fällt verheerend aus.

rück. Viele Stunden verbrachte er zudem mit dem Schutz der Inn­ auen und mit der Betreuung der Enzianwiese auf der Gritschen am Samerberg. Bernhard Pichler war Gründer und von 1983 bis 1992 auch erster Vorsitzender der BNOrtsgruppe Brannenburg. Dem Vorstand der Kreisgruppe gehörte er von 1984 bis 1996 in mehreren Funktionen an. Seine praktische Erfahrung im Naturschutz und seine freundliche, ausgleichende Art waren dort stets willkommen und wertvoll. Neues Gewerbegebiet: In Gauting

im Landkreis Starnberg ist ein ­Gewerbegebiet mit 79 Hektar Ge-

samtfläche geplant. Laut Gemeinde besteht die Fläche aus knapp 30 Hektar Wald und 50 Hektar Ackerund Buschland. Zwei Drittel der Waldfläche wären von der Bebauung betroffen. Der BN ist bestürzt über die Größe des geplanten ­Gebietes und dass so viel Wald verschwinden soll, den momentan viele Menschen als Erholungsund Naturraum schätzen und nutzen. Dass in dem Gebiet sogenanntes »ökologisches« Gewerbe mit Wald und Ausgleichsflächen »zur Steigerung der Lebensqualität der Bevölkerung« entstehen soll, trägt nicht zur Beruhigung des BN bei, der die Planungen genauestens verfolgen wird.

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NATURNOTIZEN AUS OBERBAYERN

reißig Jahre dauerte der Kampf der BN-Kreisgruppe Ebersberg, der Ebersberger Grünen und der Ini­tiative Laufinger Moos (ILM) gegen die Umgehungsstraße. Zu wertvoll war den Gegnern der Trasse das Moor, zu schützenswert die seltenen Arten, zu gering die Verkehrsentlastung und zu problematisch der Untergrund, als dass sie so einfach aufgegeben hätten. Doch obwohl sich der BN damals gegen den Planfeststellungsbeschluss bis vor das Bundesverwaltungsgericht geklagt hatte, wurde die Trasse im Dezember 2010 eingeweiht – unter Protest. »Seither haben sich all unsere Bedenken als berechtigt erwiesen«, sagt Olaf Rautenberg, der erste Vorsitzende der Kreisgruppe. Die Baukosten haben sich aufgrund der Probleme mit dem Moorboden fast verdoppelt, ein Geotextilvlies zur Stabilisierung des Untergrunds musste eingebracht und sogar eine einjährige Baupause eingelegt werden. Trotz der teuren Maßnahmen senkt sich die Trasse in dem Moorboden immer weiter ab, gefährliche Bodenwellen sind entstanden. ­Mehrere Hundert Meter Fahrbahn mussten bereits abgefräst werden, um die Unebenheiten mehr schlecht als recht auszugleichen. Nun wird bereits an eine weitere Umgehung für Ebersberg gedacht, nachdem nicht einmal das Ziel, den Verkehr aus der Stadt zu bekommen, erreicht wurde. Zuletzt musste

Foto: Philipp Goldner

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Kreisgruppe Forchheim

Keine B 470 neu durch das Wiesenttal!

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Erfolg: Der Möbelriese XXXLutz

darf nicht in Himmelkron an der A 9 bauen. Mit Pressegesprächen, Ortsterminen und Schreiben an den Heimatminister Markus Söder hatte die BN-Kreisgruppe Kulmbach agiert, um die Ansiedlung zu verhindern. Die Aktiven kämpften entschlossen gegen eine weitere Fehlplanung mit Flächenfraß, Verkehrsmaximierung und Aushöhlung der Raumplanung zugunsten von Großinvestoren. Mit Erfolg: Die von der Gemeinde erhoffte Ausnahmegenehmigung für den Bau wurde nicht erteilt. Festtag: Ende Juni feierte die

Kreisgruppe Coburg ihr 40-jähri-

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wird und der Fremdenverkehr in der Region zusammenbricht. Die BIWO fordert den Kreistag deshalb auf, auf die Ostspange zu verzichten. Unterstützt wird die Initiative vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) und Regionalpolitikern aller Couleur. Bei einer Demonstration in Pinzberg machten mehr als 200 Aktive Anfang August mit einem Modell die Ausmaße der in sieben Metern Höhe geplanten vierspurigen Straße sichtbar (Foto). Ende 2015 oder ­Anfang 2016 soll entschieden werden, ob die Ortsumgehung Forchheim und die Nordumfahrung Ebermannstadt mit dem zugehörigen Tunnel in den vordringlichen ­Bedarf des Bundesverkehrswegeplans 2015 aufgenommen werden. ­

ges Bestehen. Etwa 100 Freunde und Mitglieder waren ins Coburger Naturkundehaus geladen. Vorsitzender Stefan Beyer spann in seinem Bildervortag einen Bogen von 1975, als der Widerstand gegen das Müllheizkraftwerk anstand, über den Kampf gegen die ICEStrecke und die A 73 bis hin zum

Foto: Kai Frobel

NATURNOTIZEN AUS OBERFRANKEN

nfang Juli hat die »Bürgerini­ tiative pro Wiesenttal ohne Ostspange« (BIWO) Staatssekretär Gerhard Eck eine Petition zum Erhalt des wertvollen Wiesenttals überreicht. 4972 Unterschriften und 375 Postkarten, adressiert an die Minister Joachim Herrmann und Markus Söder, hatte die Initiative bis dahin gesammelt. Inzwischen sind es 5029 Unterschriften und die Postkartenaktion »Stoppt Ostspange, kein Neubau B 470« wird weiter fortgesetzt. Die BIWO kämpft gemeinsam mit weiteren Bürgerinitiativen und dem BUND Naturschutz gegen den Ausbau der Bundesstraße 470 als sogenannte Ost-Ortsumfahrung Forchheim-Süd. Sie befürchtet, dass durch die geplante Straße das ökologisch wertvolle Wiesenttal zerstört

Foto: Kreisgruppe

Seit 1992 kämpft die BN-Kreisgruppe gegen die geplante Ortsumgehung Forchheim. Ende dieses Jahres soll sich nun entscheiden, ob künftig eine riesige Straße das schöne Wiesenttal durchquert oder nicht.

Natur + Umwelt BN-Magazin [4-15]

Monsterstraße Ein Ballonband verdeutlicht die geplanten Ausmaße der Bundesstraße 470 bei Pinzberg.

Die BIWO wird bis dahin alle demokratischen Mittel ausschöpfen, um dies zu verhindern. Die B 470 neu soll Bayern in OstWest-Richtung durchqueren, beginnend in Weiden in der Oberpfalz über Auerbach, Forchheim und Neustadt an der Aisch bis zur Anschlussstelle Bad Windsheim an der A 7. Von dem Straßenbau wären vier Natura-2000-Gebiete betroffen. Dem Unteren Wiesenttal drohen sieben Kilometer Betonflächen. Als Gesamtkosten werden 138,1 Millionen Euro veranschlagt. Heinrich Kattenbeck (ht)

aktuellen Bürgerentscheid gegen den geplanten Flughafen Coburg. Der Landesvorsitzende Hubert Weiger dankte den Aktiven, die trotz mancher verlorener Kämpfe den Mut nicht verloren hätten. ­Gabriele Künzler, Künstlerin am Landestheater und BN-Vorstandsmitglied, sowie der Chor Vokale Contakte sorgten für einen festlichen Rahmen. Zusammen mit Kindern und Jugendlichen der Untersiemauer JBN-Gruppe pflanzten die Festgäste eine Linde im Schlosspark (Foto).

Umzug: Näher zum Rathaus rückte

die Kreisgruppe Hof mit ihrer neuen Geschäftsstelle in der Auguststraße. Bei einem Empfang am 10. Mai hob BN-Regionalreferent Tom Konopka in seiner Ansprache die außergewöhnliche Stärke der oberfränkischen Kreisgruppe hervor, die in einer Gegend mit Be­ völkerungsrückgang nicht nur die Schönheit der Frankenwaldlandschaft, sondern auch die Zukunftsfähigkeit der Region wie keine ­andere Institution verkörpere. Und dass man der Stadtspitze jetzt auch räumlich »auf die Pelle rücke«, sei nur konsequent.


Kreisgruppe Neustadt a. d. Waldnaab

Bürgerwald statt Gewerbe-Moloch

eit Jahren kämpfen die BN-Kreisgruppe Neustadt a. d. Waldnaab und die Ortsgruppe Weiden gegen das geplante Gewerbegebiet am westlichen Stadtrand von Weiden. Für das Bauprojekt soll ein 75 ha großer Waldkomplex gerodet werden, der ein wichtiges Naherholungsgebiet ist und seltenen Arten wie den Baumpieper oder den Abendsegler beheimatet. Auszeichnung: Die Biodiversitäts-

gemeinde Tännesberg ist seit Juli offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt. Diese Ehrung wird an Initiativen verliehen, die sich in nachahmenswerter Weise für die Erhaltung der biologischen Vielfalt einsetzen. Der BN war ­Mitinitiator dieser ersten Biodiversitätsgemeinde Bayerns. Auf einer Pressefahrt würdigte der BUNDNaturschutz-Vorstand die besonderen Verdienste des BN-Aktiven Toni Wolf für dieses Projekt. Moorfest: Das schon zur Tradition

gewordene Moorfest der Kreisgruppe Neumarkt lockte Ende Juni wieder zahlreiche Naturfreunde

Mitte August hat sich der BN deshalb mit einer Petition an den Bayerischen Landtag gewandt und darin detailliert erläutert, dass es im Umfeld der Stadt bereits etwa 200 Hektar voll erschlossene Gewerbeflächen gibt und die neue Ausweisung deshalb unnötig ist. Auch der BNLandesvorstand hat sich der Sache angenommen. Bei einer Oberpfalzbereisung am 10. Juli besuchten

zum Ollertshof. Bei einer fast 90-minütigen Führung durch das gerettete Deusmaurer Moor konnten sie jede Menge seltener Pflanzen aus der Nähe bewundern und auch viele interessante Details über die wechselvolle Geschichte dieses einzigartigen Lebensraumes erfahren. Kulinarische Köstlichkeiten rundeten das Erlebnis ab. Recycling-Pionier: Die BN-Orts-

gruppe Alteglofsheim im Landkreis Regensburg war schon immer gut im Ressourcensparen. Die beste Müllvermeidung ist die Wiederverwertung: Gemäß dieser Devise haben die Alteglofsheimer

schon vor 18 Jahren mehrere Initiativen gestartet, die bis heute nicht nur sehr gute Resonanz bei vielen Bürgern gefunden, sondern angesichts des Klimawandels und der dadurch gebotenen Energie- und Ressourceneinsparung auch an Aktualität gewonnen haben. Seit Mai 2015 hat die Gemeinde eine »Buch­haltestelle«. Die BN-Ortsgruppe hat mitten im Ort einen Bücherschrank in einer Bushaltestelle aufgestellt und mit einem viel­fältigen Buchsortiment bestückt (Foto). Herrenlose Schmöker finden so schnell neue Leser. Weitere vorbildliche Initiativen sind der jährliche Fahrrad­basar, der Gartentag mit Pflanzentausch-

Widerstand Der BN-Vorstand ist sich einig: Hier darf es kein neues Gewerbegebiet geben.

börse und die wöchentliche Wertstoffbörse. Dort als wiederverwendbar aussortierte Artikel finden über den Adventsbasar und den Porzellanmarkt problemlos Abnehmer. Mit dem Erlös der verschiedenen Initiativen finanziert die Ortsgruppe Projekte und die Arbeit mit Kindergruppen.

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NATURNOTIZEN AUS DER OBERPFALZ

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mehrere seiner Mitglieder das betroffene Waldgebiet (Foto). »Der BN sieht in dem Bauprojekt einen umso größeren Skandal, als das betroffene Waldareal aufgrund seiner hohen Strukturvielfalt und seiner guten ­Erreichbarkeit für die Naherholung von unschätzbarer Bedeutung ist, zumal in diesem ›Bürgerwald‹ vielfältige Formen der Freizeitnutzung, gerade auch für junge Familien, möglich sind«, betonte der BN-Landesvorsitzende Hubert Weiger. Angesichts der überregionalen Bedeutung des Konfliktes versicherte Richard Mergner als Landesbeauftragter, dass der BN auch weiterhin alles daran setzen werde, das Mega-Gewerbegebiet Weiden-West zu verhindern. Es dürfe nicht zu einem landesweiten Präzedenzfall werden. »Auch künftige Generationen sollen sich in ihrem dann sicher noch attraktiveren und wertvolleren ›Bürgerwald‹ erholen können«, erklärte er. Helmut Schultheiß (ht)

Foto: Christina Murrmann

Foto: BN

Die Stadt Weiden versucht seit Jahren, ein neues Gewerbegebiet am westlichen Stadtrand durchzusetzen. 75 Hektar Wald sollen dafür weichen. Der BUND Naturschutz wird alles daran setzen, das Megaprojekt zu verhindern.


Trickkiste Natur er neue BN-Taschenführer »Trickkiste Natur« erscheint am 1. Februar im oekom-Verlag. Die BNUmweltpädagogen haben dafür einiges aus ihren Schatzkisten geholt. Der Ausflugsbegleiter im Westentaschenformat eignet sich für Jung und Alt. Er enthält 40 Naturphänomene, die sich auf das ganze Jahr verteilt entdecken und bestaunen lassen. Ob beim Familienspaziergang, im Urlaub oder in der Kindergruppe – die Trickkiste Natur steht jedem offen. Sie eignet sich für Eltern, die mit ihren Kindern den Weihnachtsdüften im Wald auf die Spur kommen wollen, oder für Lehrer, die ihren Schülern zeigen wollen, wie viele Regenwürmer im Boden die Humusbildung fördern. Alle Natur­ phänomene werden mit einem Text und Zeichnung vorgestellt. Gut ergänzt mit Fotos und Hintergrund­ informationen steht auch dem Genuss eines Brenn­ nesselbonbons oder der Erforschung einer Zombiepflanze nichts mehr im Wege. Die Leser profitieren von den Erfahrungen aus über 20 Jahren Umweltbildung in unserem Verband. Die ideale Anwendung ist ganz einfach: rausgehen, die Wunder vor der Haustür entdecken und sich über die Vielfalt und Schönheit unserer Tier- und Pflanzenwelt freuen. »Mit diesem Buch in der Tasche fühle ich mich wie mit einem gut gelaunten, humorvollen Biologen an der Hand, der frech und forsch und genial Wissen vermittelt«, so schreibt Willi Weitzel in seinem Vorwort. ▶ 9,95 Euro, Vorbestellung bei der BN-Service-GmbH, Tel. 0 91 23-99 95 70, www. service.bund-naturschutz.de KLEINER BN-TASCHENFÜHRER

TRICKKISTE

NATUR= 40 Naturwunder vor deiner Haustür entdecken–staunen–ausprobieren

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Kein Vorwissen oder Spezialausrüstung nötig.

Vogelbeobachtungen ein Besuch im MaxPlanck-Institut für Ornithologie und die Besichtigung der zoologischen Staatssammlung in München. ▶ Jugend- und Naturschutzzentrum Wartaweil, Anmeldung bis 3. Februar, Tel. 0 81 52 -96 77 08, wartaweil@ bund-naturschutz.de Foto: BN Wartaweil

FLÜSSE & VOGELWELT

Ein Ausflugsbegleiter für Groß und Klein mit illustrierten Anleitungen, Fotos und Hintergrundinfos

Für junge Vogelfreunde

Bei der dreitägigen Ferienfreizeit für Kinder und Jugendliche vom 10. bis 12. Februar 2016 steht die Beobachtung und ­Bestimmung der Wintergäste am Ammersee im Mittelpunkt. Höhepunkte sind neben den

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Welche Vögel sind noch da? Wenn die Tage kälter und die Nächte länger werden, fliegen viele Vögel in wärmere Länder. Doch so mancher Flattermann

Natur + Umwelt BN-Magazin [4-15]

Foto: Ulli Sacher-Ley

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Umweltbildung feiert Jubiläum

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m September hatte Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf in die Residenz eingeladen, um mit Vertretern aus Umweltverbänden, Kirchen, Kommunen und Politik zu feiern. Anlass waren 20 Jahre Förderung der Umweltbildung in Bayern. Die Gäste, unter ihnen Vertreter vieler BN-Kreisgruppen, hörten mit Freude, dass inzwischen rund 3,4 Millionen Euro Fördermittel für die außerschulische Umweltbildung zur Verfügung stehen und die Förderung auch in den nächsten Jahren auf hohem Niveau fortgesetzt werden soll. Qualitativ hochwertige Bildungsangebote zu fördern und auch besonders auszuzeichnen, hat sich bewährt. Allein die 134 mit dem Qualitätssiegel »Umweltbildung. Bayern« ausgezeichneten Partner, erreichten im vergangenen Jahr fast 800 000 Teilnehmer. Scharf dankte in ihrer ­Ansprache allen Menschen, die durch ihren Einsatz vor Ort die Bildung für Umwelt und Nachhaltigkeit in ­Bayern zu einem Erfolgsprojekt gemacht haben. Dazu beigetragen haben auch die 17 ausgezeichneten BN-Kreisgruppen. Menschen für Umweltfragen zu sensibilisieren und nachhaltige Lebensstile zu implementieren, das wird die Aufgabe in der Bildungsarbeit auch in Zukunft sein. Der Landesarbeitskreis Umweltbildung wird die Entwicklung konstruktiv begleiten. Unser Bild zeigt Gerhard Brunner vom AK Umweltbildung mit Ministerin Ulrike Scharf. ▶ Kontakt: BN Bildungswerk Regensburg, Tel. 09 41-2 97 20-42, bildungswerk@bund-naturschutz.de

trotzt der Kälte. Gemeinsam erkunden Groß und Klein bei dieser Familienführung, welche Vögel bei uns bleiben und wie sie es schaffen, den Winter zu überleben. ▶ Würzburg, 17. Januar 2016, Anmeldung erforderlich bis 14. Januar 2016, Kontakt: Kreisgruppe Würzburg, Tel. 09 31 -4 39 72, info@bnwuerzburg.de

Perspektiven für Europas Flüsse

Flutpolder und Deichrückverlegung, Hochwasserschutz und Auenschutz – wie geht das an der bayerischen Donau zwi-

schen Straubing und Vilshofen zusammen? Was muss für einen wirksamen Hochwasserschutz im gesamten Einzugsgebiet passieren? Außerdem: Wie kann und soll der geplante Ausbau der Wasserstraße weiter ökologisch optimiert werden? Beim 24. Internationalen Donaukongress in der Landvolkshochschule gibt es die Möglichkeit, sich zu informieren und mit Fachleuten und Politikern zu diskutieren. ▶ Niederalteich, 5./6. Dezember 2015, Kontakt: Kreisgruppe Deggendorf, Tel. 09 91 -3 25 55, bund-naturschutz@degnet.de


Ihre Ansprechpartner beim BN

BN-Studienreisen, Tel. 09 115 88 88 20, www.bund-reisen.de

Mitgliederservice (allgemeine Fragen zur Mitgliedschaft, Adressänderung) Tel. 09 41-2 97 20-65 mitglied@bund-naturschutz.de

Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen Hier kann man auf naturverträglich geführten Wanderungen die herrliche Schneelandschaft der Allgäuer Alpenentdecken. Auf die Teilnehmer warten eindrucksvolle Naturerlebnisse und Schneeschuhwanderungen im artenreichsten Hochgebirge Deutschlands. Standortquartier ist das urige »Berghaus am Söller«. • Deutschland, 21. – 26. Februar 2016

Spendenbescheinigungen Tel. 09 41-2 97 20-66 spenderservice@bund-naturschutz.de Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Redaktion Natur+Umwelt Referentin: Luise Frank Tel. 09 41-2 97 20-22 natur+umwelt@bund-naturschutz.de

Haus- und Straßensammlung Ehrenamtlich aktiv werden Christine Stefan-­Iberl Tel. 09 41-2 97 20-11 christine.stefan@bund-naturschutz.de BN-Bildungswerk Referentin: Ulli Sacher-Ley Tel. 09 41-2 97 20-42 ulrike.sacher-ley@bund-naturschutz.de

IMPRESSUM

BN-Stiftung Christian Hierneis Tel. 09 41-2 97 20-35 christian.hierneis@bund-naturschutz.de

Herausgeber: BUND Naturschutz in Bayern e. V. (BN), vertreten durch Peter Rottner, Landes­ geschäfts­führer, Dr.-Johann-Maier-Str. 4, 93049 Regensburg, www.bund-naturschutz.de Leitende Redakteurin (verantw.): Luise Frank (lf), Tel. 09 41-2 97 20-22, Fax -31, natur+umwelt@ bund-naturschutz.de Redaktion: Holger Lieber (hl), Heidi Tiefenthaler (ht), Andrea Siebert (as) Mitglieder-Service: Tel. 09 41-2 97 20-65 Gestaltung: Gorbach GmbH, Utting a. Ammersee (Layout: Waltraud Hofbauer) Titelfoto: Somsak Sudthangtum/123rf Titelgestaltung: Gorbach GmbH Redaktion BUND-Magazin: Severin Zillich (verantw.), Am Köllnischen Park 1, 10179 Berlin, Tel. 0 30-27 58 64-57, Fax -40 Druck und Versand: Brühlsche Universitäts­ druckerei Gießen Anzeigenverwaltung: Ruth Hansmann, Runze & Casper Werbeagentur GmbH, Tel. 0 30-2 80 18 -145, Fax -400, hansmann@runze-casper.de. Es gelten die Mediadaten Nr. 23.

Verlag: BN Service GmbH, Eckertstr. 2, Bahnhof Lauf (links), 91207 Lauf an der Pegnitz, Tel. 0 91 23-9 99 57-30, Fax -99, info@service.bund-naturschutz.de Druckauflage 3-2015: 131.521 Bezugspreis: Für Mitglieder des BN im ­Beitrag ­ent­­halten, für Nichtmitglieder Versandgebühr ISSN 0721-6807 BN-Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft München, IBAN DE27 7002 0500 0008 8440 00, BIC: BFSWDE33MUE Mit Namen gezeichnete Artikel geben nicht unbedingt die ­Meinung der R ­ edaktion oder des BN wieder. Nachdruck nur mit Geneh­migung des BN. Für unverlangt e ­ ingesandte Artikel oder Fotos keine Gewähr. Die Redak­tion behält sich das Recht vor, Leserbriefe zu kürzen. »Natur+Umwelt« wird auf 100 % ­Recycling­­­­papier gedruckt.

Foto: Birgit Eder

Beratung zu Spenden, Anlassspenden und Vermächtnissen Claudia Ciecior-­Bordonaro Tel. 09 41-2 97 20-34 claudia.ciecior@bund-naturschutz.de

Schneeschuhwandern in Südtirol Das Ultental ist ein noch ursprünglich gebliebenes Tal mit vielen alten Höfen inmitten unberührter Natur und fantastischer ­Bergwelt. Auf Schneeschuhwanderungen erkunden Sie dieses Tal zwischen Tradition und Moderne. • Italien, 12. – 19. März 2016 Wandern im Nationalpark Cinque Terre Felsige Küstengebirge, malerische Dörfer und eindrucksvolle ­Terrassenlandschaften – das sind die Cinque Terre in Ligurien, Nationalpark und UNESCO-Weltkulturerbe. Das milde ­medi­­ter­rane Klima lässt Feigen, Zitronenbäume, Oliven und Wein ­gedeihen. Auf mittelschweren Wanderungen erkunden die Teilnehmer die Schönheit dieses einmaligen Küstenstrichs. • Italien, 18. – 26. März 2016 Provence und Camargue Die Landschaft der Provence mit ihrem milden Licht, ihrem ­Blumenreichtum und den malerischen Dörfern hat schon viele Künstler inspiriert. Die Camargue dagegen ist eines der bedeutendsten Feuchtgebiete Europas inmitten der beiden Mündungsarme der Rhône. Hier begegnet man frei laufenden weißen ­Pferden, schwarzen Stieren und sieht die Brutgebiete der Rosaflamingos und verschiedener Reiherarten. • Frankreich, April 2016, genauer Termin wird noch mitgeteilt Wandern auf Elba Ein genuss: Wandern durch blühende Macchia, schattige Steineichen­wälder und über steinige Maultierpfade hinab zu hübschen kleinen Buchten mit kristallklarem Wasser. Die Wanderer sehen geschichtsträchtige Bergdörfer und genießen dabei immer den Blick auf das tiefblaue Mittelmeer. Eine interessante Reise für alle aktiven und neugierigen Genießer. • Italien, 4. – 14. Mai 2016

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WEIHNACHTSSPENDE

DANKE! MIT IHRER HILFE HABEN WIR VIEL ERREICHT!

JANDA+ROSCHER, Die WerbeBotschafter

Fotos: Thomas Stephan

BITTE UNTERSTÜTZEN SIE UNS AUCH 2016 • Seltene Tiere & Pflanzen schützen • Kulturlandschaften bewahren • Energiewende retten • Flächenfraß stoppen • Gesunde Umwelt einfordern

BITTE HELFEN SIE mit Ihrer Spende, dass wir auch weiterhin Tiere, Pflanzen und Landschaften retten können. Überall in Bayern! SPENDENKONTO BUND NATURSCHUTZ IBAN: DE45 700 205 009 300 000 510 BIC: BFSWDE33MUE

• Umweltbildung fördern BUND Naturschutz in Bayern e. V. Landesgeschäftsstelle Dr.-Johann-Maier-Str. 4, 93049 Regensburg, info@bund-naturschutz.de

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Natur+Umwelt 4-2015