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Natur+Umwelt BUNDmagazin in Bayern www.bund-naturschutz.de

Heft 4-2010 92. Jahrgang 4. Quartal

Die Rolle der Zeit f端r Mensch und Natur

Mach mal langsam


Foto: BN Service GmbH JANDA+ROSCHER, Die WerbeBotschafter

Herzlich willkommen im BN! Für Herrn Kaufmann sind Umwelt- und Naturschutz wichtig. Deshalb schätzt er die Arbeit des BN schon lange. Als Brandy ihn auf eine Mitgliedschaft im BN angesprochen hat, war er deshalb gleich dabei. Machen Sie es doch wie Brandy: Sprechen Sie einfach einmal Ihre Freunde und Bekannten auf eine Mitgliedschaft im BN an. Die kostet nicht viel, bringt aber viel für eine lebenswerte Gegenwart und Zukunft in Bayern. Sie als Werberin oder Werber haben einen zusätzlichen Vorteil: Mit jedem geworbenen Mitglied schreiben wir Ihnen einen BN-Freundschaftspunkt gut, den Sie in attraktive Prämien eintauschen können. Nähere Infos zu den Prämien bekommen Sie bei Ihrer Kreisgruppe oder im Internet:

www.bund-naturschutz.de/praemien


Natur + Umwelt 4-2010

Inhalt Bund Naturschutz Bayern 4 Abschalten Der BN-Landesvor­ stand ist stolz auf die tausenden BN-Mitglieder, die für eine echte Energiewende ohne Atomkraft demonstrieren. Und mehr »Intern« 6 Leserbriefe 7 Großzügig Karla Bauer hat zur Förderung der Umweltbildung eine eigene Stiftung ins Leben gerufen. Portrait 8 Ratgeber 9 Wanderbar! Entdecken Sie das wunderschöne Ligurien im Tempo Ihrer Schritte.

Inhalt BUND

10 Mach mal langsam Unser Ti­ telthema zur Ökologie der Zeit.

B2 Magazin Kurznachrichten

20 Keine Eile Schon die Kleinsten müssen heutzutage oft ihr Leben »entschleunigen«, und Bibo zeigt wie. 22 So nicht Der Freistaat droht an falscher Stelle zu sparen, bei Landschaftspflege und Umwelt­ bildung. Und mehr »Aktuell« 25 Vielen Dank! Ihre Spenden haben im zu Ende gehenden Jahr viel Gutes bewirkt. 28 Kein Bauchweh Richtig behan­ delt werden aus Vogelbeeren echte Köstlichkeiten. 30 Besucher begeistert 60 ehrenamt­ lich Aktive der BN-Kreisgruppe Rosenheim trugen zum Erfolg der Landesgartenschau bei. Und viel mehr »Regional«

B1 BUND-Editorial B4 Kommentar Zum Energie­ konzept der Bundesregierung B6 Bauernhöfe statt Agrarfabriken Unsere Landwirtschaft ist weit davon entfernt, nachhaltig zu sein. Die nächste EU-Agrar­ reform bietet die Chance, ab 2013 umzusteuern. B18 Aktion Wir haben es satt. B20 Nationalparks Berchtesgaden B23 Ratgeber Top-Energiesparer B24 Die junge Seite Die BUND­ jugend Hamburg testet neue Geocaching-Strecken. B27 Aktiv Grünes Band: Übertragung geglückt. B28 Internationales B30 Persönlich Achim Baumgartner

38 Bildung

Mach mal langsam

Der Beschleunigungswahn unserer Tage hat viele Umwelt­ probleme mit verursacht. Die Entkoppelung von natürlichen Rhythmen schadet dem Menschen mehr als sie ihm nutzt. Das Ende des Erdölzeitalters eröffnet die Chance zur Rück­ besinnung auf den Wert der Langsamkeit. Das Titelbild zeigt ein Landart-Werk, das die Künstlerin ­Monika Glasl eigens für »Natur+Umwelt« an der Isar ­geschaffen hat. Ab Seite 10

Die stade Zeit

Noch keine Ideen für Weih­ nachten? Dann beginnen Sie jetzt ganz entspannt, die rich­ tigen und umweltgerechten ­Geschenke zu suchen. Unser Ratgeber hilft Ihnen dabei. Seite 8

Liebe Leser

39 Termine, Impressum »Zeit macht glücklicher als Geld«, fand ich kürzlich einen Bericht über neue Forschungsergebnisse aus den USA betitelt. Auch wenn für diese Erkenntnis vielleicht gar keine Verhaltensstudien mehr nötig wären, war doch interessant zu lesen, dass die Probanden offensichtlich allein durch das Nachdenken über Zeit glück­ licher wurden, weil sie danach mehr Kontakt zu anderen Menschen suchten als solche, die über Geld nachgedacht hatten. Nun will ich ja nicht behaupten, dass das Lesen der Natur+Umwelt glücklich macht. Aber nachdem es ­diesmal vor allem um das Thema Zeit geht, wär’s ja einen Versuch wert. Auf jeden Fall wünsche ich Ihnen viel Zeit für eine anregende Lektüre und anschließend gute Gespräche mit lieben Menschen. Und noch eins wünsche ich Ihnen für die letzten Wochen des Jahres: eine schöne, eine besinnliche, eine wirklich »stade Zeit«. Ihr Manfred Gößwald, leitender Redakteur

Höchste Zeit

Keines der fünf bayerischen Atomkraftwerke wäre ­ heute noch genehmigungsfähig. Sie gehören stillgelegt, je eher desto besser. »Abschalten«, forderten deshalb 50 000 Menschen bei der größten Atom-Demo seit Wackersdorf am 9. Oktober in München. Seite 22

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BN ehrt GentechAktivisten

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ieht so ein international erfolg­ reicher Aktivist gegen die Ma­ chenschaften der Gentech-Lobby aus? Hat dieser hagere, freundliche ältere Herr wirklich den Agrar-Rie­ sen Monsanto in die Knie gezwun­ gen? Diese Frage hätten sich mehre­ re hundert Gäste vielleicht gestellt, die am 19. September in Rosenheim der Verleihung des BN-Naturschutz­ preises an Percy und Louise Schmeiser beiwohnten. Wenn, ja wenn sie die Schmeisers nicht schon seit Jahren kennen würden. Wenn sie nicht zum Beispiel in dem Film »David gegen Monsanto« er­ fahren hätten von dem aufsehen­ erregenden Prozess, in dem sich die kanadischen Farmer erfolgreich ­dagegen wehrten, für eine unver­ schuldete Verunreinigung ihrer Fel­ der mit Monsanto-Genen auch noch ­finanziell geschädigt zu wer­ den. Wenn sie die aufrechten Kämp­ fer für eine bäuerliche Agrarkultur nicht schon bei ihren vielen Auftrit­ ten auch in Bayern gesehen hätten, mit denen sie dem Kampf des BN für Gentechnikfreiheit immer wie­ der große Unterstützung geben. Mit der Verleihung des höchsten bayerischen Naturschutzpreises ehrte der BN das Lebenswerk der Schmeisers. »Wir ehren mit Percy und Louise zwei Persönlichkeiten mit außergewöhnlichem Mut, Zivil­ courage und Fantasie«, betonte ­BN-Vorsitzender Hubert Weiger in seiner Laudatio. Und zwei beschei­ dene Menschen, die auch in Rosen­ heim sofort die Sympathien der Festgäste gewannen, als sie zu den volkstümlichen Klängen der Büh­ nenmusik spontan ein Tänzchen aufs Parkett legten.

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Aktiv für Energiesparen und Klimaschutz

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as Referat Energie, Klimaschutz und Mobilfunk des BN wurde zum September mit Dr. Herbert Barthel neu besetzt. Dr. Barthel ist im Bund Naturschutz seit über 25 Jahren ehrenamtlich aktiv in der Kreisgruppe Altötting. Er ist von Beruf Chemiker und war lange Jahre in der Forschung und Entwicklung in der chemischen Industrie tätig. Unterstützt wird er von Anette Jung, die schon seit über zehn Jahren im Energiereferat arbeitet. Das Referat wird das erfolgreiche Wirken des 2009 verstorbenen Dr. Ludwig Trautmann-Popp weiterführen. Ein Schwerpunkt ist dabei die Weiter­ entwicklung politischer Strategien zur Steigerung der Energieeffizienz. Als Voraussetzung für Innovation und praktische Umsetzung sieht der BN die Förderung regionaler, loka­ ler und kommunaler Initiativen, des Handwerks und der Gewerbe – denn dies sind in Bayern die Träger eines Ausbaus der Erneuerbaren Energien. Die von Bundes- und Staatsregierung beschlossene Lauf­ zeitverlängerung der Atomkraftwer­ ke erfordert politische Gegenreak­ tionen der Bürger – denn im Betrieb der AKW stecken die Gefahren von Reaktorunfällen und die ungelöste Endlagerung des Atommülls; vor allem aber passen Grundlastkraft­ werke wie AKW und Kohlekraft­ werke im Konzept nicht zu Erneuer­ baren Energien. Klimaschutz erfor­ dert einen zielstrebigen Aufbau der Erneuerbaren und Energiesparen durch Effizienz – das geht nur mit einem baldigen Ausstieg aus Kern­ energie und Kohleverstromung.

Foto: Reuther

Foto: Gößwald

Foto: Maurer

Thank You, Percy and Louise Mit der Verleihung des Bayerischen Naturschutzpreises bedankte sich der Bund Naturschutz beim Ehepaar Schmeiser aus ­Kanada, das sich seit vielen Jahren weltweit für die Unabhängigkeit der Bauern von Gentechnikkon­ zernen einsezt.

Erste KinderKlima-Konferenz

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it den Folgen des Klimawan­ dels werden die Kinder von heute ihr ganzes Leben lang kon­ frontiert sein. Also sollen sie auch etwas darüber lernen, diskutieren und Politiker mit ihren Fragen und Forderungen konfrontieren können – dachte sich der BN und organi­ sierte gemeinsam mit der »Klima­ akademie Ammersee« Bayerns erste »Kinder-Klima-Konferenz«. Vier Tage lang trafen sich Ende Juli über 40 Schülerinnen und Schüler im BN-Naturschutz- und Jugendzent­ rum Wartaweil und widmeten sich mit Spaß und Engagement diesem ernsten Thema. Bei Vorträgen und Workshops konnten sie sich über die konkreten Auswirkungen des Klimawandels informieren und ge­ meinsam Handlungsmöglichkeiten entwickeln. Den Fragen der Kinder stellten sich unter anderem der Landtags­ abgeordnete Thomas Hartmann, Weilheim-Schongaus Landrat Fried­ rich Zeller und der BN- und BUNDVorsitzende Hubert Weiger. Auch Bayerns Umweltminster Markus Söder nahm sich ausgiebig Zeit für einen Bootsausflug (Foto) und für angeregte Diskussionen. »Was kann durch die Klimaänderung passie­ ren«, wollten die Kinder wissen, und »warum wurden die Zuschüsse für Erneuerbare Energien gekürzt?« Nicht immer wusste der CSU-­ Minister mit seinen Antworten zu überzeugen. Auch die stellvertre­ tende BN-Vorsitzende Doris Trop­ per war nach Wartaweil gekommen und machte den Kindern Mut, sich einzumischen, denn »Ihr müsst ausbaden, was die Erwachsenen entscheiden«.


und Naturschutz und BUND konnten heuer das 25-jährige Jubiläum des Rhönschafprojekts feiern, eines ihrer erfolgreichsten Naturschutzprojekte. Denn 1985 war dafür mit dem Ankauf der ­»Gassenwiesen«, eines 32 Hektar großen artenreichen Lebensraum­ komplexes am Südrand des Naturschutz­gebietes »Lange Rhön«, der Grundstock gelegt worden. Bereits im Jahr davor hatten BN und BUND auf Initiative von Prof. Gerhard Kneitz mit Unterstützung der »Islerstiftung« einen 40-köpfi­ gen Restbestand der akut vom Aus­ sterben bedrohten Rhönschafrasse gekauft. Der daraus vom Schäfer Josef Kolb aufgebauten Herde von heute 400 Mutterschafen dienen vor allem die »Gassenwiesen« als Fut­ terlieferant. Hier konnte gezeigt werden, dass sich Schafbeweidung und Artenschutz durchaus mitein­ ander vereinbaren lassen. Bayern­ weit war dies das erste Modellpro­ jekt, bei dem die Symbiose von ­Naturschutz, Landschaftspflege, ­Beweidung und Regionalvermark­ tung in der Praxis gelang. Es wurde damit weit über Bayern hinaus zum Vorbild für mehrere hundert Be­ weidungsprojekte. Gefeiert hat der BN dieses Ju­ biläum mit zahlreichen Gästen am 31. Juli mit einem Fachseminar in Oberelsbach und am 1. August am Schafstall bei Ginolfs mit einem großen Fest und Köstlichkeiten vom Rhönschaf. Der BN bedankt sich bei allen Initiatoren, Fachleuten, Förderern, Spendern und der Schäfer­familie Kolb, deren enga­ giertes Zusammenwirken diese ­Erfolgsgeschichte ermöglicht hat!

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underttausende Menschen haben im Herbst und bis in die letzten Wochen an umweltpoliti­ schen Brennpunkten für eine zu­ kunftsfähige Energiepolitik und gegen den Atomstaat, für den Erhalt der Bäume im Stuttgarter Schloss­ park und ein intelligentes Bahnkon­ zept und damit gegen ein milliar­ denschweres Prestigeprojekt »Stutt­ gart 21« demonstriert. Der Bund Naturschutz war mit tausenden Mitgliedern im September in Berlin »auf der Straße« (Foto) und war Ge­ burtshelfer und Mitorganisator der völlig friedlichen und mit 50 000 Menschen größten Anti-Atom-De­ monstration seit der Auseinander­ setzung um die Wiederaufberei­ tungsanlage Wackersdorf, am 9. Ok­ tober in München. Erstmals wurden in der Landeshauptstadt mit einer zehn Kilometer langen Menschen­ kette die Machtzentralen der Atom­ wirtschaft und ihrer Lobbyisten vom Atom- und Kohlekonzern E.on über die Parteizentralen von CSU und FDP bis zur Staatskanzlei sicht­ bar miteinander verbunden und gleichzeitig symbolisch das Band der erneuerbaren Energien in einem breiten gesellschaftlichen Bündnis mit allen oppositionellen Parteien geknüpft. Wir danken Ihnen für Ihr Engagement und sind stolz auf unseren Verband. Die Menschen wollen nicht hin­ nehmen, dass sich die Regierungs­ parteien zum Büttel der Gewinn­ interessen der Atomkonzerne ma­ chen, die natürlich kein Interesse an Stromeinsparung, Effizienz, KraftWärme-Kopplung, Stärkung der Stadtwerke und Aufbau einer de­ zentralen Stromversorgung mit Er­ neuerbaren Energien haben. Die Zivilgesellschaft hat für eine Bundesrepublik demonstriert, in der man sich politische Entschei­ dungen nicht kaufen oder mit wirt­ schaftlicher Macht erpressen kann. Denn es ist beispiellos in der Ge­ schichte dieses Landes, dass die Bundesregierung mit Unterstützung der bayerischen Staatsregierung

Foto: Farys

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Liebe Mitglieder

Foto: Kremer

25 Jahre Rhönschafprojekt

Atom-Proteste: Das Volk ist aufgewacht

vier Atomkonzernen Milliarden Ge­ winne zuschanzt, zu Lasten von pri­ vaten Energieerzeugern, Stadtwer­ ken und vielen kleinen und mittle­ ren Unternehmen, und sich die ­Bedingungen dafür von E.on, RWE, Vattenfall und ENBW diktieren lässt. Dies beweist die Abhängigkeit der Regierungskoalition und der Minis­ terpräsidenten von Bundesländern mit Atomkraftwerken. Sie zeigt ihren fehlenden Mut, die nötige Energie­ wende tatsächlich voranzutreiben. Aber dies wird, wie in Wackerdorf, den dafür Verantwortlichen auf die Füße fallen. Denn die Bevölkerung ist längst aufgewacht. Wir sprechen der Regierungskoa­ lition in Berlin und Bayern nicht die parlamentarische Legitimation, wohl aber das Recht ab, mit der Ent­ scheidung für den Weiterbetrieb der Atomkraftwerke nicht nur uns, son­ dern tausenden Generationen nach uns, noch größere Atommüllberge zu hinterlassen. Doch noch ist es nicht zu spät. Nutzen wir die Chan­ ce für eine energiepolitische Zu­ kunftsdiskussion im ganzen Land. Tragen wir dazu bei, dass der schmutzige Atomdeal nicht Wirk­ lichkeit wird. Die Demonstrationen waren und sind damit auch ein ­Signal für die Erneuerung der poli­ tischen Kultur in unserem Land und eine Ermutigung für alle, die sich für das Gemeinwohl engagieren. Ihr Prof. Dr. Hubert Weiger, Vorsitzender des BN Ihre Doris Tropper, stv. Vorsitzende des BN Ihr Sebastian Schönauer, stv. Vorsitzender des BN

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Demo-Video im Internet www.bundnaturschutz. de/atomproteste


Schreiben Sie uns! Wir freuen uns auf Ihre Meinung: BN-Magazin »Natur+Umwelt«, Dr.-JohannMaier-Str. 4, 93049 Regensburg, Tel. 09 41-2 97 20 22, Fax 2 97 20 31, nu@bundnaturschutz.de

Zum Beitrag »Taten statt Worte für eine generationengerechte Welt« in N+U 3-10 Das Wahlalter auf 14 Jahre zu sen­ ken, hieße, Kinder, die noch nicht einmal ihre Schulbildung abge­ schlossen haben, über die Geschi­ cke eines Industriestaates mitbe­ stimmen zu lassen. Wolfgang Grün­ dinger versucht, mit griffig klingen­ den Aussagen Aufmerksamkeit zu erheischen, hat aber nichts anderes zu bieten als altbekannte Phrasen. Wenn der Jugend etwas an der Um­ welt liegen würde, würde sie auf das tägliche heiße Duschbad, Wohnung mit Achtzehn, den Führerschein mit Siebzehn und das von Oma finan­ zierte Auto, auf Shoppen in New York, Loveparade, TV, Handy und Laptop verzichten. Die Alten haben eine Infrastruktur geschaffen, wel­ che die heutige Jugend bedenkenlos ausgiebig nutzt. Es ist an der Ju­ gend, ebenfalls Ideen und Initiati­ ven zu entwickeln, um die vielfach bemühte Zukunft zu gestalten. Gerhard Lettmann, Lohr am Main

PV nicht nur auf Dächern

Zur Diskussion über Solaranlagen Es wird nicht ganz ohne Freiflä­ chenanlagen gehen können, wenn

man konsequent weg von Öl, Kohle und Atom will. Viele Hausdächer sind nun mal in einem Alter, in dem absehbar ist, dass eine Sanierung nötig werden könnte. Niemand stellt eine PV-Anlage auf ein jahr­ zehntealtes Hausdach, wenn er nicht sicher sein kann, ob diese nicht schon nach kurzer Zeit wieder abgenommen werden muss. Olaf Tobiasch, Veitsbronn

CSU-»Umweltpolitiker«: pro Atom, contra Donau

Zum Interview mit ­ Dr. Christian Ruck in N+U 3-10 Wenn Herr Ruck schon als »führen­ der Umweltpolitiker der CSU« gilt, dann muss es einem wirklich angst und bange werden um die Kompe­ tenz dieser Partei in Sachen Um­ welt- und Naturschutz. In unseren Augen muss Umwelt- und Natur­ schutz umfassend gesehen werden. Ich darf daran erinnern, dass Herr Ruck in der Frage des Donau-Aus­ baus CSU-konform gegen die na­ turverträgliche Lösung entschieden hat und in der Atomfrage von ihm die Regierungsmeinung unterstützt wird, die von einem raschen Ab­ schalten nichts wissen will. Damit ist das Bemühen der CDU/CSU um mehr Umwelt- und Naturschutz in Gefahr, ein nicht weiter ernst zu

BN nimmt Abschied von langjährigem Beiratssprecher

Foto: Roggenthin

Trauer um Dr. Wolfgang Rapp

Dr. Wolfgang Rapp †

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m 24. September starb ­völlig überraschend Dr. Wolfgang Rapp. Mit ihm hat der BN einen seiner engagiertesten Mitstreiter nicht nur in seiner Kreisgruppe Starnberg, son­ dern landesweit verloren. Dr. Rapp verstand es, seine kommunalpolitische Erfahrung zum Wohle der Naturschutzarbeit seiner Kreisgruppe einzubringen, die er über mehr als drei Jahrzehnte wesentlich prägte. Er wirkte lange Jahre im BN-Kreisvorstand mit und leitete seit 1986 die Ortsgruppe Herrsching. Dabei packte er auch ganz praktisch an; viele Biotope in Herrsching und Andechs haben ihren Schutz und ihre Pflege seiner Arbeit zu verdanken.

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Die auf Kreisebene erworbene Erfahrung, seine Fähigkeit zu moti­ vieren und zu integrieren sowie sein Verständnis für strategische Frage­ stellungen brachte er auch in die landesweite Arbeit des BN ein. Dr. Rapp gehörte seit 1993 dem BNLandesbeirat an, ab 1995 als stell­ vertretender, von 2001 bis 2009 dann als Sprecher dieses wichtigen Gremiums. Hier gehörte es zu sei­ nen herausragenden Leistungen, zentrale Herausforderungen der Verbandsarbeit wie die Fortentwick­ lung der Agrarpolitik, des Klimaund Biodiversitätsschutzes, aber auch der finanziellen Absicherung der Verbandsarbeit aktiv einzubrin­ gen und zu guten Lösungen zu füh­ ren.

nehmendes Nischenanliegen zu werden. Paul Reisbacher, 1. Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Augsburg

Coburg braucht keinen Flughafen Zum Leserbrief »Betriebe brauchen Flughäfen« in N+U 3-10 Coburg ist vom internationalen Flughafen Nürnberg circa 100 Kilo­ meter entfernt und durch die A73 sowie durch die Bahn (zweigleisige Hauptstrecke ab Lichtenfels) bes­ tens angeschlossen. Ich wohne und arbeite im südostbayerischen Che­ miedreieck, und alle Chemiefirmen hier sind sogenannte Global Player. Der Flughafen in München ist auch circa 100 Kilometer entfernt, nur ist die Anbindung an diesen Flughafen vom Südosten her extrem unterent­ wickelt. Kein Mensch kommt bei uns aber auf die Idee, einen Flug­ hafen bauen zu wollen. Wir hier im Südosten wären schon zufrieden über sinnvoll ausgebaute Straßen und über zweigleisige Bahnstre­ cken. Coburg hat für weltweit tätige Firmen alles, was es verkehrsinfra­ strukturmässig braucht. Die Aus­ sagen von Herrn Lettmann an die BN-Mitglieder können nur Kopf­ schütteln erzeugen. Reinhard Preßl, Emmerting

Sein Lebenswerk für den BN aber war, das Jugend- und Naturschutz­ zentrum Wartaweil (vgl. Beitrag rechte Seite) wieder aufleben zu las­ sen. Wolfgang Rapp hat die Einrich­ tung in den 1980er- und 90er-Jahren ehrenamtlich betreut und den Umbau des Gästehauses 2002/2003 mit initiiert und federführend begleitet. Bis zuletzt war er ein wertvoller Ratgeber und aktiver ehrenamtlicher Mentor unseres Wartaweil-Teams. Mit Wolfgang Rapp hat der BN einen hoch angesehenen Naturschützer verloren. Wir be­ trauern einen liebenswürdigen Menschen von größter Einsatz­ bereitschaft, einen kundigen Be­ rater und einen tatkräftigen Motor vieler Projekte und Ideen. Prof. Hubert Weiger, für den BN-Landesvorstand

Abschied

Jugend soll verzichten statt mitbestimmen


ls die Rede auf die Bildungsstätte des Bundes Na­ turschutz kommt, beginnen die blauen Augen von Karla Bauer zu leuchten. »Wartaweil – da müssen Sie unbedingt mal mit Ihren Kindern hin!« Begeistert er­ zählt sie vom interessanten Programm, der Jugendstil­ villa und dem schönen Gelände am Ammersee. Mit 52 000 Euro aus ihrem Privatvermögen hat die zierliche alte Dame eine Stiftung für das Jugend- und Natur­ schutzzentrum gegründet. Dem Klischee einer vermö­ genden Spenderin entspricht die wache Frau, die mir gegenübersitzt, mit Sicherheit nicht. Bescheiden wirkt die über Achtzigjährige, Zinnober um ihre Person scheint ihr fremd. Sie wohnt auch nicht in einer Villa, sondern in einem ganz normalen Wohnblock direkt neben dem Murnauer Bahnhof. Lediglich der herrliche Blick aus dem Wohnzimmer über den Staffelsee ist herrschaftlich. Zur Stifterin konnte die ehemalige Hauptschulleh­ rerin werden, weil sie von ihren Eltern geerbt hatte. Das sei doch Geld, das andere verdient hätten, erklärt sie auf die Frage nach den Motiven für ihre noble Spende. Deshalb wollte sie mit einem Teil des Erbes etwas un­ terstützen, das dem Allgemeinwohl dienen und im Sinne ihrer Eltern sein sollte. Da lag ein Projekt der Natur- und Umweltbildung nahe. »Ich musste nie mit meinen Eltern sonntags schön angezogen spazieren gehen«, erinnert sich die im sächsischen Plauen Aufge­ wachsene. Stattdessen nahmen Vater und Mutter – beide begeisterte Kletterer – sie mit auf ihre Touren in die Felsen des Vogtlandes.

Schauen, was mit dem Geld geschieht

Auf Wartaweil fiel die Wahl, weil Bauer die Bildungs­ stätte und ihr Konzept gefielen. Außerdem ist diese nicht weit entfernt von Murnau, und sie kann, wenn sie will, hinfahren und sehen, was mit ihrem Geld ge­ schieht. Einmal im Jahr trifft sie sich mit Bildungsstät­ tenleiter Axel Schreiner sowie Vorstand und Beirat der Stiftung, um die Verwendung der Zinserlöse festzule­ gen. Wieder schwingt Begeisterung mit, wenn sie von den Anschaffungen erzählt. Beispielsweise habe ein Monitor mit einer 45-fachen Vergrößerung gekauft werden können. Auf diesem Bildschirm könne nun Kindern bei Wasseruntersuchungen erklärt werden, welche Kleinstlebewesen sie unter dem Binokular sehen. Seither seien sie mit viel größerem Eifer dabei als davor. Naturschutz bestimmt das Leben der pensionierten Hauptschullehrerin, seit es sie vor 40 Jahren nach ihrem politisch bedingten Weggang aus der DDR und etlichen Zwischenstationen im Westen nach Murnau verschlug. 1971 wurde sie Mitglied im Bund Natur­ schutz. Von 1984 bis 1996 war sie zunächst zweite, dann erste Vorsitzende der BN-Ortsgruppe. Prägend war die Begegnung mit der Schulleiterin und Kämp­ ferin für das Murnauer Moos Dr. Ingeborg Haeckel. »Das Murnauer Moos ist so schön, da muss man doch etwas tun«, habe sie nach der Teilnahme an einer der legendären Haeckel’schen Moos-Wanderungen ­gedacht.

Karla Bauer

Die Stifterin

Naturschutz lebt auch von der Großzügigkeit Einzelner. Als Karla Bauer erbte, machte sie nicht einen Anlageberater reich, sondern viele, vor allem junge Naturschützer glücklich. Sie gründete nämlich eine Stiftung, mit der sie das Naturschutz- und Jugendzentrum Wartaweil des BN unterstützt. Von Gerti Fluhr-Meyer

Foto: Fluhr-Meyer

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Murnaus große Kämpferinnen

Bald wurde sie wichtige Wegbegleiterin von Dr. Haeck­ el. Während Bauers Ortsvorsitz wurden das Murnauer Moos und seine umliegenden Moore als gesamtstaat­ lich repräsentative Landschaft anerkannt. Dass sie nur ein kleines von vielen an diesem Erfolg beteiligten Räd­ chen gewesen sei, ist Karla Bauer wichtig zu erwähnen. Weitere große Projekte waren die Vorbereitung eines Müllkonzepts mit Mülltrennung und Kompostierung für den Landkreis Garmisch-Partenkirchen sowie die Ortsentwicklung von Murnau. Statt auf Nobelhotel und Nachtclub zu setzen, hat die Marktgemeinde heu­ te das berühmte Schlossmuseum und wirbt mit seiner herrlichen Landschaft und dem »Blauen Reiter«. Die Aufgabe des BN-Vorsitzes 1996 bedeutete für die aktive Frau keineswegs das Ende ihres Engagements. So aktualisierte sie zum Beispiel eine alte Baumchronik der Gemeinde Murnau und fotografierte die noch vor­ handenen Bäume neu. In Kürze wird ein von ihr he­ rausgegebenes Buch mit persönlichen Erinnerungen Murnauer Weggefährten an Ingeborg Haeckel erschei­ nen. Sehr wichtig ist Karla Bauer ihre Stiftung. Uner­ müdlich ist sie auf der Suche nach Zustiftern und ver­ folgt die Arbeit in Wartaweil mit großem Interesse: »Stellen Sie sich vor, im Sommer gab es einen dreitä­ gigen Kinder-Klima-Gipfel«, sagt sie am Ende des Ge­ sprächs, »das war toll!« Und die blauen Augen begin­ nen wieder zu leuchten.

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Vorbilder In ihrem Natur­ schutzengagement eiferte sie der ­großen Ingeborg Haeckel nach. Heute möchte Karla Bauer mit ihrer Stiftung selbst Vorbild ­vieler großzügiger Spender sein.

Kontakt Karla Bauer Stiftung, Tel. 0 88 41-95 44, VR-Bank Murnau, Konto 41 889 168, BLZ 703 900 00


Illu: Blumenschein

Festtage für die Umwelt

Grüne Weihnachten mit weißer Weste

Wenn in den Konsumtempeln die Glöckchen klingen, schlägt der Umwelt eine schwere Stunde. Dabei gibt es viele Möglichkeiten, das Fest der Liebe bewusster, behutsamer und zugleich ökologisch verträglicher zu feiern.

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ichtigste Regel für alle Weihnachtsvorbereitun­ gen: Rücken Sie das Ideelle in den Vordergrund – weg vom aufwendig Gegenständlichen hin zum Fan­ tasievoll-Immateriellen. Das gilt besonders fürs Schen­ ken. Selbst Gedichtetes oder Gebackenes, eine selbst zusammengestellte MP3- oder Rezeptsammlung, Kul­ turelles und Praktisches wie ein Konzertabo, eine Mo­ natskarte oder ein Wartungsgutschein fürs Fahrrad – all das ist sehr persönlich und freut auch die Umwelt. Voll­ ständig neutral oder gar positiv ist die Ökobilanz bei weitgehend ideellen Geschen­ Rat holen – nachlesen ken. Mit Umweltpatenschaften  Label-Datenbank der Verbraucher­ wie einem Anteilschein am Grü­ initiative e. V.: www.label-online.de nen Band (siehe Kasten »Rat  Ökologisch nachhaltig schenken: holen«) oder mit ökologischen www.bundladen.de, www.service. Geldanlagen schenken Sie nicht bund-naturschutz.de, www.bn-­ nur ein gutes Gefühl, sondern tun reisen.de, www.lohas-guide.de unmittelbar etwas für Natur und  Anteilscheine am Grünen Band: Umwelt. www.bund.net/gruenes-band Alles andere als ideell sind  Gold und Schmuck: Schmuck und Edelmetalle: Deren www.faire-edelsteine.de Glanz trägt tiefe ökologische  Öko Weihnachtsbäume: Kratzer. Besonders beim Gold www.robin-wood.de führt die hohe Nachfrage derzeit

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zu massiven Rodungen und Kinderarbeit etwa in den Regenwäldern von Peru. Für jedes Gramm wird ton­ nenweise Gestein abgebaut. Überdies werden bei der Aufbereitung oft Quecksilber oder Cyanide frei. Also wenn Gold, dann lieber fair gehandeltes aus physikali­ scher Gewinnung (siehe Kasten). Manche Präsente wie Spielsachen oder elektroni­ sche Geräte sind unvermeidbar stofflicher Natur. Ach­ ten Sie darauf, nur Qualität und Passendes zu schen­ ken. So vermeiden Sie Enttäuschungen – und Müll. Hilfreich sind dafür Umweltlabels wie der Blaue Engel oder das FSC-Siegel (siehe Kasten). Bei größeren An­ schaffungen sollten Sie auf jeden Fall bei Stiftung Wa­ rentest oder Ökotest nachlesen. Auf der sicheren Seite liegen Sie mit Geschenken und Weihnachtsartikeln aus dem BUND-Laden (siehe Seite B16). Dort finden Sie schöne Dinge wie alufreie Teelichte und einen Schmelztiegel, der Wachsreste di­ rekt zu Kerzenschein recycelt. Oder wie wäre es mit einem Reisegutschein der BN Service GmbH? Nachhaltiges Schenken erfordert Nachdenken und Zeit. Sammeln Sie deshalb früh Ideen, am besten in einer Tabelle, die Sie stets dabei haben.

Wie grün sind deine Blätter?

Weihnachtsbäume mit Naturland-, Bioland- oder FSCZertifikat gibt es leider nur relativ vereinzelt. Bevor Sie Ihr CO2-Konto mit viel Autofahren belasten, lohnt es, beim örtlichen Forstamt anzuklopfen. Ein Baum aus Durchforstung ist allemal ökologischer als weit gereiste Öko-Tannen – zu schweigen von gespritzten und ge­ düngten Plantagenbäumen aus Skandinavien. Keine Kompromisse sollten Sie dagegen beim Fest­ essen eingehen. Was Sterneköchen im Alltag lieb ist, darf uns (nicht nur) an Weihnachten ruhig etwas teurer sein: Bio-Zutaten sind kulinarisch unschlagbar – und kleckern nicht auf der weißen Weste.

Zehn Tipps für grüne Weihnachten

 Keine Christbäume zum Einpflanzen – sie überleben meist nicht.  Hochwertige Geschenke aus fairem Handel kaufen.  Statt Klarsicht- oder Metallfolien lieber ­Recycling-Geschenkpapier.  Kerzen aus Bienenwachs verwenden. Paraffin stammt aus Erd- oder Palmöl.  Keine Kerzen mit Lacküberzug – sie können ­Schadstoffe freisetzen.  Lichterketten höchstens mit Zeitschaltuhr ­ und/oder LED-Technik.  Schmücken Sie den Baum mit Essbarem wie Äpfeln, Nüssen und Gebäck.  Wunderkerzen nur draußen abbrennen und von Kindern fernhalten.  Keine Weihnachtsgans aus Frankreich oder Ungarn – die kann aus Stopfleber-Mast stammen.  Familienreise zu Eltern oder Großeltern am besten mit Bus und Bahn.


Kleines Wunder am Wegesrand Wer zum richtigen Zeitpunkt wandert, sieht die Passions­ blume blühen.

Wo die Berge ins Meer fallen

Mare e Monti

Die Landschaft Liguriens im Tempo des menschlichen Schritts zu entdecken, ist das Ziel dieser BN-Reise.

er Zug rollt in den winzigen Bahnhof ein. Bremsen quietschen, die Türen springen auf. »Riomaggiore« können wir draußen auf dem Schild lesen. Rasch die Rucksäcke geschultert und hinaus auf den Bahnsteig geklettert. Es sind nur ein paar Gehminuten vorbei an rosafarbenen Häusern hinunter zum kleinen Natur­ hafen. Und vor uns tut sich das Grünblau des liguri­ schen Meeres auf. Von der französischen Grenze bis hinunter zur Tos­ kana zieht sich der ligurische Bergbogen um den Golf von Genua. An seiner Steilküste kauern Dörfer, auf Felsvorsprüngen thronen Burgen. Dahinter erhebt sich das einsame Hinterland, dessen Höhen bewachsen sind von einer Macchia aus Ginsterbüschen, Kork- und Steineichen, Erdbeerbäumen und Esskastanien. Es war eine der genialsten Ideen des 19. Jahrhunderts, all die kleinen Küstenorte zwischen Genua und La Spezia mit einer Zugtrasse zu verbinden. Das erlaubt uns BUNDReisenden nella montagna, durch die Berge, bis direkt al mare, ans Meer, zu fahren, und zwar nicht nur bis an unseren Stützpunkt Moneglia, sondern an jeden Aus­ gangspunkt für unsere Wanderungen.

Fünf Dörfer – eine Welt für sich

Von Riomaggiore aus starten wir unsere Tagestour zu den fünf Orten, die die Cinque Terre bilden. Ihre Land­ schaft, geschaffen von Natur und Menschenhand, ist Nationalpark und zählt seit 1997 zum Unesco Weltkul­ turerbe. »Nicht vom Fischfang haben die Leute gelebt, wie oft fälschlicherweise behauptet«, erklärt Reiseleiter Gerd Eisenstein, »sondern seit dem Mittelalter haben Menschen hier mit Terrassen und insgesamt 7000 Kilo­

Fotos: Eisenstein

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meter Trockenmauern den kargen Hängen ein paar Quadratmeter Erde abgerungen, um Oli­ ven, Weinstöcke und Zitrusfrüchte zu ziehen.« Die Via dell’ Amore führt immer die Felsküste entlang, nie wirklich schwierig, aber in stetem Auf und Ab. Mit den Höhenmetern verdienen wir uns den ersten Cappuccino in Corniglia, und in Vernazza machen wir Picknick auf der Piazza am Meer. Ciabatta, Käse, Oliven, Schin­ ken und die Spezialität acciughe di Monterosso, kleine Sardellen, die man im Ganzen verspeist, verschwinden in unseren hungrigen Mägen. Weniger frequentiert ist der Weg, der uns zwei Tage später durch Stein- und Korkeichenwald von der Wall­ fahrtskirche Madonna di Montenero aus hinauf ins kleine Campiglia leitet. Der Pfad durch die Felsen der Steilküste hinab nach Portovenere beschert spektaku­ läre Weit- und Tiefblicke – und manchem schwere Beine. Umso mehr genießen wir die Rückfahrt mit dem Schiff nach Monterosso. Von Deck aus können wir den Tag Revue passieren lassen. Nach dieser Tour kommt ein Pausentag recht. Den verbringt – wer mag – in Genua. Feudale Paläste erinnern daran, dass die Stadt einst eine Seemacht war. Den Abschluss unserer Woche bildet eine Wanderung ins charmante, mondäne Por­ tofino, in dessen Hafen schicke Yachten ankern. Übrigens: Es lohnt sich, Handtuch und Badezeug einzupacken, denn oft machen wir während oder am Ende einer Tour Halt an einem der kleinen Strände. Und die Espressopausen in einer Bar gehören zur ita­ lienischen Lebenslust sowieso dazu. Margarete Moulin

Ligurien wartet auf Sie

Kein Meter Waagerechte In Ligurien stürzt sich das Gebirge ins Meer, auf einem kleinen Felsvorsprung drängen sich die Häuser von Ver­ nazza.

Jetzt bestellen: der neue Katalog! Ab sofort können Sie unseren Reisekatalog 2011 bestellen – Postkarte am Heft­ ende. Neu im Programm sind die »Perlen Italiens«, eine Bahnreise zu kulturell bedeutenden italienischen Städten, außerdem eine Fahrt auf die portugisiesche Blumeninsel Madeira.

Frühjahr oder Herbst, für ganz Aktive oder etwas geruhsamer: 2011 steht Ligurien gleich dreimal auf dem Programm der BUND-Reisen:  24. April bis 2. Mai und  3. bis 11. September; jeweils zwei Ganztages-, drei Halbtageswanderungen, ein Ruhetag; Preis 1090 Euro (1390 Euro für Nichtmitglieder)  14. bis 25. Mai; sieben Halbtageswanderungen, eine Stadtbesichtigung, ein Ruhetag; Preis 1190 Euro (1490 Euro für Nichtmitglieder) Infos und Anmeldung unter Tel. 0 91 23-9 99 57-10, info@service.bundnaturschutz.de, www.bund-reisen.de.

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Mach mal langsam

Fotos: Ingo Bartussek / Fotolia (links); Foto: Visionär / Fotolia (rechts)

Fotos: atmospheric / Fotolia (links); Frank Gärtner / Fotolia (rechts)

Die Rolle der Zeit für Mensch und Natur

Wir machen die Nacht zum Tag. Auch nachts müssen wir arbeiten, unterwegs sein, etwas erleben … Überhaupt: Alles muss schneller gehen, wir müssen die Zeit besser ausnutzen. Denn Zeit ist Geld. Und mit Geld kann man alles kaufen, auch Lebensqualität und Freizeit. Ob wir uns da mal nicht täuschen? (göß)

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Weil Raserei und Pausenlosigkeit uns nicht weiter bringen

Zeit für nach­haltige Entwicklung

Foto: Willner

Erdöl und Technisierung haben viele Lebens­ bereiche stark beschleunigt, zum Schaden der Natur und oft des Menschen selbst. Im beginnenden Abschied vom fossilen Zeitalter sieht Dr. Martin Held deshalb eine Chance auf mehr Nachhaltigkeit und Gesundheit.

S

Foto: Mrozek-Abraham

ie fragen jemand »nach der Zeit«, und problemlos kommt die Antwort »es ist 8.15 Uhr«. Oder vielleicht auch, je nach Region, »viertel nach acht«. Zeit = Uhrzeit – das haben wir alle in der Kindheit gelernt und mehr oder weniger verinnerlicht. Auch die andere Vorstel­ lung von Zeit, nämlich »Zeit = Geld«, ist geläufig. Was dauert, dauert zu lange. Es könnte schneller gehen und damit noch effizienter, in der gleichen Zeit könnte man noch zusätzlich etwas anderes machen. Auch diese Zeitvorstellung haben viele verinner­ licht. Wir tun uns leicht mit der Zeit, einerseits, verstehen sie problemlos als Uhrenzeit und wirtschaftliche Ressource. Zeit ist in diesem Verständnis eindimensional, qualitätslos und zerstückelbar; sie ist als Ressource kontrollier­ bar und ausbeutbar. Andererseits plagt sie uns, Der Autor die Zeit: Klagen über Hetze und das Rennen im Hams­ Dr. Martin Held ist terrad, Rastlosigkeit, Burn-out sind verbreitet; viele an der Evangeli­ kämpfen an gegen »die Zeit«, den gefühlten Zwang zur schen Akademie Tutzing Studienlei­ ständigen Erreichbarkeit. Dementsprechend sind zur Kompensation Wellness und Auszeiten en vogue, be­ ter für Wirtschaft liebt die Ratgeber zum Zeitmanagement ebenso wie und nachhaltige Entwicklung. Er hat Lektüre über Gelassenheit und Muße. das Tutzinger Pro­ Was fehlt, und was ganz einfach wäre: sich Zeit neh­ jekt »Ökologie der men für die Zeit; genauer formuliert für die Vielfalt der Zeit« und das Zeiten und die Folgen der Erkenntnisse über unsere ei­ ­Netzwerk »Slow­ genen Zeiten und den rechten Umgang mit den Zeiten motion« mit initi­ iert und zahlreiche der Natur. Denn das gehört dazu: Die Nichtnachhaltig­ Bücher zum Thema keit des vorherrschenden Lebens- und Wirtschaftsstils verfasst (siehe wird durch die Raserei und Pausenlosigkeit mit be­ Seite 19). dingt. Wir Menschen schädigen damit nicht nur uns

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selbst, sondern ebenso Tiere und Pflanzen; die Biodi­ versität wird rasch verringert und die Ökosysteme überlastet. Es gilt also, trotz der drängenden ökologi­ schen Herausforderungen innezuhalten, um die Zeiten recht zu verstehen.

Gefährliche Lichtverschmutzung

Nehmen wir ein einfaches Beispiel: Lange strebten die Menschen danach, künstliche Beleuchtung gut regu­ lieren zu können und damit den Tag-und-NachtRhythmus überspielen zu können. Mit den Entdeckun­ gen und Erfindungen zur künstlichen Beleuchtung ist dies in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gelun­ gen: Es kam zur »Kolonisierung der Nacht«. Licht ist jedoch nach den Erkenntnissen der Chronobiologie (Lehre von der zeitlichen Organisation der Lebewesen) der wichtigste äußere Zeitgeber. Deshalb müsste mit Beleuchtung ganz anders umgegangen werden, für den Schlafrhythmus von uns Menschen ebenso wie für Tiere und Pflanzen. Lichtverschmutzung muss drin­ gend auf die Tagesordnung, im Naturschutz ebenso wie im Menschenschutz. Oder nehmen wir ein anderes, noch ebenso einfa­ ches Beispiel: Durch Tierzüchtung konnte der auf kurze Frist angelegte Ertrag, ob beim Schwein, Rind oder Huhn, deutlich gesteigert werden. Aber diese un­ geheure Beschleunigung hat ihren Preis. Deshalb sind Entwicklungen etwa in der Bio-Landwirtschaft so wichtig, in denen stattdessen auf gute mittlere Erträge über längere Zeiträume gesetzt wird. Dies verbessert die Qualität der Lebensmittel ebenso wie die Lebens­ bedingungen der Tiere (siehe Beitrag Seite 16).


Der Motor veränderte alles

Foto: iStockphoto / TommL

Das Paradebeispiel für die Thematik Zeit und Ökologie ist der Verkehrsbereich (siehe auch Beitrag Seite 15). Mit dem Übergang zu den fossilen Treibstoffen kam es zu einem Sprung in den Geschwindigkeiten und damit den erreichbaren Zielen: Dampfschiff und Eisenbahn mit Kohle, später Automobil, Diesellok, Flugzeug und Schiff mit Öl. Der Verbrennungsmotor entwickelte zu­ sammen mit den flüssigen Treibstoffen aus Erdöl eine starke Gravitation. Darauf ausgerichtet wurde in immer mehr Ländern die Infrastruktur massiv ausgebaut. Ohne diese fossilen Treiber wäre die allgemeine Be­ schleunigung der Lebensverhältnisse nicht möglich gewesen. Die ökologischen Folgen – Klima, Bodenversiege­ lung, Zerschneidung von Ökosystemen und Lebens­ räumen etcetera – sind gravierend. Was bisher jedoch

weniger beachtet wurde, diese Beschleunigung schä­ digt auch direkt uns Menschen selbst: Die Erkenntnis­ se der Wissenschaft zu Ernährung und Bewegung bele­ gen, dass sich der Mensch evolutiv so entwickelte, dass er sich nahezu täglich mindestens eine Stunde gemä­ ßigt körperlich betätigen sollte. Diese physische Akti­ vität entspricht beispielsweise dem Zufußgehen mit sechs Stundenkilometer. Der zunehmend sitzende Le­ bensstil, bei dem man zugleich immer weiter und immer schneller mit Fremdenergie angetrieben unter­ wegs ist, ist ungesund und selbstschädigend.

Die neue Kraft steckt im Körper

Zufußgehen ebenso wie das erste moderne postfossile Verkehrsmittel, das Fahrrad, sollten also die Basis der Mobilität sein. Wer mit von fremder Energie angetrie­ benen Verkehrsmitteln Zeit sparen will, verliert Zeit: In der gleichen Zeit hat er sich nicht selbst körperlich

aktiv bewegt. Diese wichtige erneuerbare Energiequel­ le wird viel zu oft übersehen: die eigene Körperkraft. Hier schließt sich der Kreis: Die Nutzung des fossi­ len Öls, des Treibstoffs der Beschleunigung, war und ist ein ungeheurer Zeitdiebstahl. Die Depots der Kohlen­ wasserstoffe haben sich in Jahrmillionen gebildet, sie werden in wenigen Generationen verbraucht. Heute, in diesen Jahren, ist diese allgemeine Beschleunigung an den Anfang vom Ende angekommen. Das wahrhaft Verrückte daran: So epochal diese Tatsache ist, wird sie aber bisher in der Öffentlichkeit und bei den Entschei­ dungsträgern in Politik und Wirtschaft noch fast kom­ plett verdrängt:  Die Ölproduktion ist seit etwa Mitte 2004 – das heißt vor nunmehr sechs Jahren! – auf ihrem Maximum an­ gekommen (»Peak Oil«).  Es ist kein steiler Gipfel, sondern eine Art Förderpla­ teau – 2004 waren es 72,476 Millionen Barrel/Tag, 2005 war mit 73,719 das absolute Fördermaximum.  Post Peak Oil, die Abnahme der Ölförderung, ist ab heuer oder 2011/2012 zu erwarten. Mit einer kleinen Verzögerung bis zum Vorliegen der Statistik wird dies auch öffentlich werden.  Die Ölpest im Golf von Mexiko hat drastisch und mit weit reichenden ökologischen Folgen erfahrbar ge­ macht, dass die Exploration und Förderung der ver­

Foto: iStockphoto / WillSelarep

Die Begradigung von Flüssen und die dadurch hö­ heren Abflussgeschwindigkeiten sind zusammen mit der zunehmenden Versiegelung der Böden eine Ursa­ che von vermehrten Hochwassern. Naturnahe Fluss­ landschaften mit Auenwäldern und Raum für den im Jahresrhythmus schwankenden Wasserhaushalt puf­ fern dagegen Extremereignisse eher ab, da die Natur­ zeiten noch wirken können.

bleibenden Öldepots mit zunehmenden Risiken ver­ bunden sind, zu schweigen von den dramatischen ökologischen Folgen des Abbaus von Teersanden.

Die Nähe nah, die Ferne fern

Mit dem Peak Oil kommt die bisherige allgemeine Be­ schleunigung, die Raserei an den Anfang vom Ende: Öl als Treiber der physischen Beschleunigung wird nicht länger Jahr für Jahr mehr angeboten, sondern weniger, von Jahr zu Jahr weniger, unabweisbar. Die Förderung ist beispielsweise in Großbritannien seit dem Maxi­ mum 1999 in zehn Jahren um etwa die Hälfte zurück­ gegangen. Die Ausbaupläne für Straßen, Flughäfen, Seehäfen beruhen auf der Annahme, dass Öl reichlich und billig sei. Diese Annahme ist falsch, und dies ist gut so: gut für das Klima, gut für die Gesundheit. Nicht Elektroautos für kurze Strecken im Nahverkehrsbe­ reich sind vorrangig – auch wenn sie für Nischen zur

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Karikatur: Liebermann

Vielfalt der Zeit verstehen

Ablösung der Pkw mit Verbrennungsmotoren wichtig werden. Vielmehr kommt es darauf an, dass die Nähe wieder näher kommt und die Ferne wieder ferner, und dass sich eine neue Balance von Nähe und Ferne, eine Balance von Schnelligkeit und Langsamkeit einstellen wird. Das menschliche Maß der Geschwindigkeit, das ge­ sundheitlich, sozial, ökonomisch vorteilhaft ist, wird für die Zukunft der postfossilen Mobilität grundlegend werden. Zufußgehen und Fahrradfahren werden nicht länger »Restverkehr« beziehungsweise negativ defi­ niert »nicht-motorisierter Verkehr« sein. Vielmehr wird aktive Mobilität aus eigener Körperkraft wie heute schon in Kopenhagen, Groningen und anderen Städ­ ten Lebensqualität verschaffen. Hybride wie das Pede­ lec, bei dem die Körperkraft durch elektrischen Antrieb unterstützt wird, und das Faltrad, das leicht mit moto­ risierten Verkehrsmitteln wie der S-Bahn, aber auch dem Pkw kombinierbar ist, können die Reichweite und Mobilitätsvielfalt weiter erhöhen. Das Netzwerk »Slow­ motion« hat dazu, vergleichbar der Ernährungspyra­ mide, für die Mobilität erstmalig eine Mobilitätspyra­ mide vorgestellt (siehe Abbildung).

Mit dem Erreichen des Fördermaximums des ersten fossilen Energieträgers, des Erdöls, kommt das fossile Zeitalter an den Anfang vom Ende. Die Nichtnachhal­ tigkeit der dadurch ermöglichten Beschleunigung und Raserei wird damit heute aktuell. Die bisher gängige Parole »Weiter so mit möglichst wenig Änderungen« ist gefährlich, denn sie stiehlt wiederum Zeit, nämlich die erforderliche Anpassungszeit zum Umsteuern aus der fossilen Welt in die postfossile. Die Befassung mit den Erkenntnissen der Zeitfor­ schung unter dem Blickwinkel der Ökologie der Zeit macht zusammenfassend deutlich: Wir sollten die ver­ einfachte Vorstellung der linearen Uhrenzeit hinter uns lassen und Zeit in ihrer Vielfalt verstehen – Rhythmen und Eigenzeiten, Anfänge und Abschlüsse, Übergänge und unterschiedliche Geschwindigkeiten. Die Abnah­ me von Erdöl erleichtert es, wieder angemessene Ge­ schwindigkeiten zu genießen, vom Verkehr, der auf »weiter, schneller, mehr« setzt, zu einer postfossilen Mobilität zu kommen, bei der Beweglichkeit ebenso wichtig ist wie Bewegung, Aktivität ebenso wie Ankom­ men und Innehalten. Die Befassung mit den Zeiten gibt viel Stoff für das, was heute auf der Tagesordnung steht, das aktive Um­ steuern von der fossil-nuklear angetriebenen Nicht­ nachhaltigkeit zum postfossilen Zeitalter. Es ist höchs­ te Zeit für Nachhaltigkeit.

Mobilitätspyramide 2010 Zeitbudget für Mobilität Passive Mobilität

Fremdenergie, motorisiert, nach Entfernungen differenziert 5. Stock: Weite Fernreisen > 600/800 km Anteil: ca. 4 %

4. Stock: Fernreisen 100/150 bis 600/800 km Anteil: ca. 6 % 3. Stock: Erweiterte Region 30/50 bis 100/150 km Anteil: ca. 8 %

Mehr Bewegung bitte Für die gesunde Ernährung kennt man einen als Pyramide gestalteten Ratgeber schon länger. Nun hat das Netzwerk »Slowmotion« in ähnlicher Form einen Vorschlag erarbeitet, wie sich unser Zeitbud­ get für Mobilität künftig auf die verschiedenen Mobilitätsformen verteilen sollte, vor allem in Hin­ blick auf den beginnenden Abschied vom Erdölzeit­ alter. Auf einen Blick zeigt sich so die große Rolle der Fortbewegung mit eigener Körperkraft – für Gesundheit und Umwelt.

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1. Stock: Nahbereich bis ca. 5 km Anteil: ca. 11 %

Aktive Mobilität

Eigene Körperkraft, alle Entfernungen Basis/Erdgeschoss: Alle Entfernungen Anteil: ca. 55 %

Flächen der jeweiligen Stockwerke bzw. der Basis/Erdgeschoss entsprechen dem Mobilitätszeitanteil

Quelle: Netzwerk Slowmotion, München 2010 Design und Gestaltung: Ingrid Schorn, Tutzing

2. Stock: Region ca. 5 bis 30/50 km Anteil: ca. 16 %


Foto: iStockphoto / Graham Heywood

Foto: Jan Haas / Fotolia

Gegen den Beschleunigungswahn ­ im Verkehr

Zeit lassen Z

eit gewinnen, Zeit verbummeln, »verlorene« Zeit wieder aufholen – in der Mobilität spielt das unter­ schiedliche Erleben der Zeit eine so große Rolle wie in kaum einem anderen Lebensbereich. Die Wunschvor­ stellung, schneller voranzukommen, findet sich schon im Märchen mit den Siebenmeilenstiefeln und endet längst nicht bei der Diskussion um neue Autobahnen, Hochgeschwindigkeitstrassen der Bahn, den Transra­ pid oder den für viele inzwischen normalen Flug in den Urlaub. Doch welche Folgen hat die Beschleunigung, einmal abgesehen von Klimawandel, Flächenverbrauch und anderen Schäden für die Umwelt? Je schneller wir un­ terwegs sind, desto geringer ist unser Kontakt zur um­ gebenden Landschaft, die wir durchmessen, umso grö­ ber die Wahrnehmung und umso weniger haben wir die Möglichkeit, mit Mensch und Natur in Kontakt zu treten. Für die Fragen der Gestaltung unserer Mobili­ täts-Infrastruktur, unserer Städte und Dörfer und für die Zuordnung beispielsweise von Wohn-, Freizeitund Gewerbegebieten sind diese Zusammenhänge von größter Bedeutung.

Auch Wissenschaftler irren

Der Wiener Verkehrswissenschaftler Prof. Hermann Knoflacher weist völlig zu Recht auf die falsche Annah­ me vieler Verkehrswissenschaftler und Politiker hin, Geschwindigkeitserhöhung müsse mit Zeitersparnis verbunden sein. »Diese These bildet die Grundlage vie­ ler Wirtschaftlichkeitsberechnungen in der Verkehrs­ planung. Tatsächlich gibt es keine Zeiteinsparung durch höhere Geschwindigkeiten. Es steigen nur die Entfernungen bei gleicher Wegzeit«, so Knoflacher. Die Idee des Mobilitätswachstums beruhe auf einer unvoll­ ständigen Betrachtung des Systems. Man nahm an,

dass mit zunehmender Motorisierung die Mobilität steige. Man weiß heute aber, dass nur die Anzahl der Autofahrten steigt, die Summe der getätigten Wege aber gleich bleibt, weil die Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln und die Fußwege gleichzeitig abneh­ men. Gerade bei Kosten-Nutzen-Berechnungen, um den »Bedarf« neuer Straßen, Fliegerstartbahnen, ICE-Tras­ sen wie die Strecke Nürnberg – Erfurt oder die mit dem Prestigeprojekt »Stuttgart 21« zusammenhängende Neubaustrecke Stuttgart – Ulm politisch zu rechtferti­ gen, hat der vermeintliche Nutzen durch die Einrech­ nung von »Zeitvorteilen« den größten Einfluss. Der Bund Naturschutz fordert daher die Korrektur dieser Berechnungen und die Neubewertung aller Projekte.

Flächenbahn Bayern braucht gute Bahnverbin­ dungen für alle Menschen (hier der Bahnhof Oberst­ dorf) statt einzel­ ner Groß­projekte wie die ICEHochgeschwindig­ keitsstrecke Nürnberg – Erfurt.

Nur so schnell wie nötig

Ein Tempolimit von 120 Stundenkilometern auf deut­ schen Autobahnen und eine Diskussion für ein Tempo­ limit im Flugverkehr hätten auch unter dem Klima­ schutzaspekt eine gesellschaftspolitische Signalfunkti­ on. Ebenso sollten wir den Grundsatz der Schweizer Bahnpolitik »so schnell wie nötig statt so schnell wie möglich« übernehmen und auf Höchstgeschwindig­ keit im Bahnverkehr auf einigen wenigen Strecken ver­ zichten – zugunsten der optimalen Reisegeschwindig­ keit und der Anschlussverbindungen. Insgesamt brauchen wir eine neue Mobilitätskultur, die der Ideologie des grenzenlosen Verkehrswachstums und den soziokulturellen Leitbildern des »flüssigen Au­ toverkehrs« oder des weltweiten Billigfliegens eine an­ dere Moderne mit Elementen der Nähe, der Entschleu­ nigung und der Mobilitätsverantwortung entgegen­ setzt. Damit ergeben sich völlig neue Chancen für die Wiederentdeckung der Wohn- und Aufenthaltsqualität in Städten und Gemeinden, für die Wiedergewinnung von Raum zum Flanieren, Spielen und Feiern und für die Verringerung von Lärm- und Abgasbelastungen. Und es lässt sich entspannter darüber nachdenken, womit wir uns die Zeit am liebsten vertreiben. Richard Mergner

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Foto: Allianz pro Schiene

Vermeintliche Zeitgewinne durch höhere Geschwindigkeiten dienen Politikern als Argument, um Großprojekte wie etwa »Stuttgart 21« durchzusetzen.

Der Autor Richard Mergner ist Landesbeauf­ trager des BN und verkehrspolitischer Sprecher des BUND.


Foto: Stefan Winkelhöfer, aus »Gesichter eines Dorfes«, s. S. 19

Sechs Wochen, 15 Cent

Der Faktor Zeit in Land- und Forstwirtschaft

Geduld mit Huhn und Blume!

Bei Tieren und Pflanzen stößt die Beschleunigungswut des wirtschaftenden Menschen an ihre Grenzen. Schneller heißt oft auch ungesünder. Der Bio-Landbau berücksichtigt das.

Foto: Gößwald

L

Die Autorin Marion Ruppaner ist BN-Referentin für Landwirtschaft und Ernährung.

ebensmittelerzeugung bedeutet immer einen Ein­ griff in die natürlichen Lebensprozesse. Im ökologi­ schen Landbau geschieht dies so schonend wie mög­ lich. Dort lässt man den Pflanzen und Tieren eine »Wahlfreiheit«. Statt die Pflanze mit einer Nährlösung im Boden über leichtlösliche Mineraldünger zwangs­ zuernähren, setzen die Ökobauern auf den Aufbau der Bodenfruchtbarkeit. Das dauert seine Zeit. Durch wechselnde Früchte am Feld, die das Bodenleben näh­ ren, wird Humus aufgebaut. Die Pflanze wählt sich die Nährstoffe, die sie braucht, und bleibt gesund. Tiere auf der Weide können sich ihre Futterzusam­ mensetzung auswählen, um so besser, je artenreicher eine Wiese ist. Die Seele des Tieres wird genährt, wenn sie »draußen« leben darf, statt im Laufstall ihre immer gleichen Kreise zu ziehen. Der »Erhaltungsaufwand« für Stalltiere ist niedriger, sagen die Ökonomen. Ein Tier, das Weidegang hat, braucht vielleicht mehr Ener­ gie für die Bewegung. Doch dafür leben, wie Vergleichs­ zahlen belegen, gesunde und angemessen ernährte Kühe auf den Öko-Betrieben länger und müssen weni­ ger oft vom Tierarzt behandelt werden.

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Das Masthühnchen in der industriellen Farm darf ge­ rade mal sechs Wochen leben, bevor es verspeist wird. Der Bauer hat, wenn seine Verlustrate nicht zu hoch ist, einen Gewinn von 15 Cent pro Hühnchen. Ein Frei­ land-Öko-Masthuhn lebt nahezu doppelt so lang und hat Kontakt zur Natur. Und die Landwirte haben neben mehr Freude an ihren Tieren eine viel höhere Gewinn­ spanne pro Tier. So viele Tiere wie ein Industriemäster können sie allerdings nicht großziehen. Wenn wir uns Zeit nehmen zum Essen, den Fest­ tagsbraten genießen, dann kommen wir auch mit we­ niger aus. Das ist notwendig, auch um den Herausfor­ derungen einer wachsenden Weltbevölkerung zu be­ gegnen. Nach den Grundsätzen der sogenannten Permakul­ turbewegung (vgl. Seite 19) soll die Landwirtschaft sich Zeit nehmen zu beobachten und wachsen zu lassen, und Systeme so gestalten, dass mit geringstmöglichen Eingriffen höchstmögliche Erträge erzielt werden. Eine Wiese, die nur ein- oder zweimal im Jahr gemäht wird, hat das Potenzial zu vielen verschiedenen Arten. Es entsteht ein Medizinalfutter für Weidetiere, Insekten finden Lebensraum und Nahrung, Vögel haben Zeit, ihre Nester zu bauen und ihre Jungen großzuziehen.

BN für blühende Wiesen

Mit seiner »Wiesenmeisterschaft« hat der Bund Natur­ schutz in den letzten beiden Jahren solche arten­

Artenreichtum statt »Umtriebszeit«

Deutschland im Naturzustand, das wären vor allem riesige Wälder aus uralten Buchen. 300 bis 400 Jahre kann die wichtigste heimische Baumart erreichen. Doch in unseren bewirtschafteten Forsten findet man nur selten einen solchen Methusalem, denn Buchen werden mit 120 bis 140 Jahren geerntet – in ihrer ­Jugend. »Umtriebszeit« nennt der Förster diese dem Baum zugestandene verkürzte Lebensdauer, sie scheint den maximalen wirtschaftlichen Ertrag zu versprechen. Aber sie raubt dem Wald seinen Artenreichtum, denn nur Baumindividuen, die den natürlichen Zyklus des Heranwachsens und Alterns bis zum Absterben und Zerfall in allen Phasen durchleben, ermöglichen die volle Vielfalt an Pilzen, Moosen und Flechten, Insekten, Vögeln und Kleinsäugern, insbesondere Fledermäusen. Deshalb setzt sich der Bund Naturschutz neben höherem Baumalter im Wirtschaftswald vor allem für mehr unbewirtschaftete Waldflächen ein, in denen Bäume alt werden und natürlich sterben dürfen – etwa in einem ersten bayerischen Buchen-Nationalpark im Steigerwald. www.ja-zum-nationalpark-steigerwald.de


reichen, landwirtschaftlich genutzten Wiesen im Baye­ rischen Wald und in der nördlichen Frankenalb unter­ stützt. Im nächsten Jahr soll die Aktion im Schwä­ bischen Hügelland zwischen Donau, Lech und Iller stattfinden. Der BN setzt sich seit den 1980er-Jahren für die För­ derung der ökologischen Landwirtschaft ein. Dass seit 1987 der Öko-Landbau in Bayern von 280 auf inzwi­ schen 6000 Betriebe angewachsen ist, ist auch den vie­ len Aktivitäten des BN auf allen Ebenen zu verdanken: Von Aufklärungsvorträgen für Landwirte über Öko­

märkte, Kochkurse und Adressverzeichnisse, Infos über gesunde Ernährung mit Bio-Lebensmitteln bis hin zu Infoständen und Messekonzepten hat der BN die Entwicklung des Öko-Landbaus erfolgreich unter­ stützt. Marion Ruppaner

Meine Heugabel Marke »Erntegold«

Ehrenamt beim BN, das heißt oft auch Handarbeit in der Natur. Und Zeit zum Nachdenken, zum Beispiel über die Zeit. Von Hermann Eschenbeck eu machen am Gaisberg ist heute angesagt, und das Mähgut am Hangfuß in Zeilen legen, damit es der Traktor abholen kann. Der Vachendorfer Gaisberg ist ein schöner Arbeitsplatz: ein steiler Südhang, einge­ rahmt von alten Eichen. Hier herauf schafft es kein Schlegel-Mähwerk und kein Strahl aus der Gülle-Kano­ ne. Darum haben wir hier auch den schönsten Halb­ trockenrasen im ganzen Landkreis. Oben an der Hang­ kante hat man die Voralpengipfel vor sich, von der Kampenwand bis zum Staufen. Und das an einem Föhntag im Oktober! Wie sich zur Alpenkette hin die Hügelsilhouetten hintereinander schichten, in allen Schattierungen von dunklem Blau und Grün! Und da­ hinter im klarsten Licht, unwahrscheinlich nah: die Berge! Da wird das Herz weit. Und du spürst, hier oben, wie sich beim Hantieren mit den bäuerlichen Werkzeu­ gen die mitgebrachte Spannung löst, du siehst, wie deine Heuzeile da unten langsam wächst. Ruhe und Gelassenheit kehren ein. »Entschleunigung« heißt der Fachbegriff. Da hältst du dann schon einmal inne am steilen Hang, stützt dein Kinn auf den Knauf deiner Heugabel Marke »Erntegold« und blickst hinaus ins Weite. Aber was siehst du? Da drüben, ameisenklein, den Band­ wurm der Lkw und Omnibusse auf der A8. Menschen, du kannst es nur ahnen, die es eilig haben nach irgend­ wohin. Doppelt so viele Autos sollen es werden in ein paar Jahren, wenn der Professor Kurzak recht hat. Schöner Chiemgau! Und oben am Föhnhimmel: Ein Gitterwerk von Kondensstreifen, gewebt zwischen den Flughäfen von München, Rom und Dubai. Arme Ozon­ schicht!

Foto: Talhammer

H

Der Autor Hermann Eschenbeck, 76, war lange Jahre Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Traunstein.

Da reißt mich ein aufgeregtes Tuckern aus meinen Gedanken. Das ist der bestellte Traktor vom Maschi­ nenring. Ganz schön schnell ist er dran. Da biegt er ein zu meiner Zeile, hält kurz an bei laufendem Motor, der Fahrer (verschwitzt, nur mit Turnhose bekleidet) springt ab, wirft krachend ein paar Hebel um, hastet im Laufschritt zurück in die Fahrerkanzel, und schon rat­ tert der Ballendreher mit unglaublicher Geschwindig­ keit über meine in Stunden zusammengerechte Zeile. Hinten fallen die Ballen heraus – einer pro Minute. Es wird mir klar: »Erntegold« gibt’s nicht mehr; das ist die industrialisierte Landwirschaft. Mir fällt ein, was Ador­ no seinerzeit uns Studenten gesagt hat: »Es gibt kein richtiges Leben im falschen.« Schon gut, Herr Adorno! Aber dass man es immer wieder versucht, davon lebt man ja schließlich.

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Foto: Alpine Coaster Imst

Foto: Achensee Tourismus

Wandern war früher Heute geht’s mit 80 Sachen runter vom Berg. Der »Airrofan« am Achensee macht’s möglich.

Wie sich Touristiker die Zukunft der Berge vorstellen

Playground Alpen

Schnell hin, schnell rauf, schnell runter. Muss doch nicht ­ groß Zeit kosten, wenn man die Faszination der alpinen Natur erleben will. Eine Satire

W

enn Touristen wie Päckchen verschnürt an einem Stahlseil talwärts sausen, dann nennt man das heute »Flying Fox« – und es hat wenig mit der umgebenden Natur, viel aber mit Beschleunigung zu tun. Die einzige Voraussetzung für ein Fahrgeschäft dieser Art ist eigentlich, dass es drunter hübsch runter­ geht, weil sonst das Kreischen nur halb soviel Spaß macht. Nun mögen diese lautstarken Erregungszu­ stände im Münchner Olympiapark niemanden stören, im Rofan aber, wo sich seit 2007 Adrenalinjunkies mit dem »Airrofan Skyglider« und mehr als 80 Stundenkilo­ metern in die Tiefe stürzen, kriegen es Wild, Bauern und Wanderer langsam mit den Nerven, hört man. Im Zugspitzgebiet und in Bayrischzell am Wendelstein da­ gegen hat man die Flying-Fox-Projekte mittlerweile aboder zumindest doch auf Eis gelegt. Ob das mit der Negativ-PR vom Achensee oder doch eher mit einer ge­ wissen Schwerfälligkeit, was Innovationen anbelangt, zu tun hat? Man weiß es nicht genau. Dass zumindest die Garmischer ein bockiges Bergvolk sein können, haben sie jüngst bei den Vorbereitungen für die Olym­ piabewerbung 2018 bewiesen. Jedenfalls, glaubt man den medial wirksamen Al­ pentouristikern, werden sie es bestimmt bald bereuen, die damischen Bayern, dass sie diese Chance verpasst haben. Die Chance, die »Marke Alpen« einer ganz neuen Generation von Touristen zu verkaufen. Die Zei­ ten des heroischen Bergsteigers näm­ lich, die sind längst vorbei. Da war sich der deutsche Markenexperte Klaus Brandmeyer bei der Kick-offVeranstaltung des neuen TourismusLobbyverbundes »TheAlps« kürzlich ganz sicher. Der Fachmann aus Ham­

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Augen zu und durch Der wahrscheinlich schnellste Weg vom Gipfel zum Parkplatz: der Alpine Coaster in Imst.

burg weiß außerdem, dass die Alpen eine gigantische, fantastische Kulisse sind, die man Touristen bequemer zugänglich machen sollte.

Eine schöne Zeit in der Natur

Diese neue Generation also, die Brandmeyer da auf das Flipchart projiziert, »geht das Ganze entspannt an. Die will einfach eine schöne Zeit in der Natur haben und fertig.« So seien die Touristen eben, sagt er, »und zu­ rückerziehen kann man sie auch nicht.« Aber – und da sind wir jetzt richtig erleichtert – man versündige sich auch nicht, wenn man die Berge für eben diese ­Klientel inszeniere. Sicher nicht, geht es doch um eine »authen­ tische Verbindung« von Lebens- und Urlaubsraum, wie wir später von den versammelten Tourismusexperten noch hören. Und darum, auf dem »Play­ground Euro­ pe« erfolgreich mitzuspielen. Wenn das nicht mal eine schöne Zukunftsvision ist! Ganz Europa ein Spielplatz. Da saust der Graubündner Bergbauer mit dem Alpine Coaster zur örtlichen Schaukäserei ins Tal, seine Milch­ kanne fest umklammert. Und der Schweizer Kollege nimmt den Flying Fox um neun zu seinem Nebener­ werbsjob in Zermatt. Dort treibt er jeden Tag um halb zehn die Kühe des Schweizer Tourismusverbands durchs Dorf. Vorbei an Gästen, die sich freuen wie die Kinder. Heidi Tiefenthaler, freie Jounalistin


Postfossile Mobilität

Wegweiser für die Zeit nach dem Peak Oil. Von Jörg Schindler und Martin Held unter Mitarbeit von Gerd Würdemann. VAS Verlag, 2009. ISBN 978-3-88864-422-1. Euro 19,80 Die Verkaufs­ zahlen von Autos und Lkw sind nach dem drastischen Einbruch wieder in schwindeler­ regende Höhen gestiegen, der mit Steuer­ milliarden subventionierte Flugver­ kehr wächst ebenfalls. Umso wichti­ ger ist ein Buch, das mit fundierten Analysen und Vorschlägen für eine zukunftsfähige Mobilität u nd gegen das Verdrängen der Endlichkeit des Erdölzeitalters aufwartet. »Postfos­ sile Mobilität« legt schonungslos verkehrspolitische Ideologien offen. Denn große Teile unseres Siedlungs­ wesens und des Verkehrsaufkom­ mens wären nur bei weiterer Ver­ fügbarkeit billigen Öls aufrechtzuer­ halten. Doch »Peak Oil« heißt, der Höhepunkt der weltweiten Ölförde­ rung ist erreicht. Wenn wir Mobilität für alle sichern wollen, sind radikale Verhaltensänderungen und völlig neue politische Weichenstellungen nötig. Eine »Renaissance der Nähe«, die Diskussion um das rechte Maß und »angemessene Geschwindig­ keiten« werden ebenso gefordert wie Lösungsvorschläge für die ge­ waltigen Herausforderungen dieser Transformation. Hubert Weiger, BN-Vorsitzender, ­Richard Mergner, BN-Landes­ beauftragter

Gesichter eines Dorfes

Menschen und Dorf im Wandel der Zeit. Von Stefan Winkelhöfer und Harald Grill. Buch & Kunstverlag Oberpfalz, 2009. 104 Seiten, ­ 52 Bilder. ISBN 978-3-935719-61-2. Euro 24,80 Den Charakter-Menschen eines Dorfes war der Fotograf Stefan Win­ kelhöfer (www.herrw.com) auf der Spur. Selbst zugezogen, wollte er

Zeit zum Lesen

mehr sein als nur »Siedler« und er­ fahren, was ein Dorf zur Heimat macht. Auf vielen Streifzügen be­ gegnete er den »Dörflern« und hat sie in ihren Lebensräumen portrai­ tiert. Entstanden sind stille und würdige Aufnahmen, die einem Dorf sein Gesicht zurückgeben. Als wären sie füreinander geschaffen, fügen sich die Bilder und die leisen, fein gesponnenen Gedichte von Ha­ rald Grill zu einem poeti­ schen Blick auf ein Dorf.

Handbuch der Permakultur-Gestaltung

Weinheim/Basel, Beltz, 2010. ISBN 978-3-407-36494-4. Euro 22,95

Zeitvielfalt

Wider das Diktat der Uhr. Von Karl­ heinz A. Geißler, Klaus Kümmerer und Ida Sabelis (Hg.). Stuttgart, Hir­ zel, 2006. ISBN 978-3-7776-1428-1. Euro 22,–

Die Entdeckung der Nachhaltigkeit

Von Ulrich Grober. München, Kunstmann, 2010. ISBN 978-388897-648-3. Euro 19,90

Ökologie der Zeit

Vom Finden der rechten Zeitmaße. Von Martin Held und Karlheinz ­ A. Geißler (Hg.). Stuttgart, Hirzel, 2. Auflage 2000. ISBN 978-3-77760989-8. Euro 19,40

Von Bill Mollison. 640 Seiten. Euro 128,–. Zu bestellen bei PermakulturAkademie im Alpenraum, sun­ shine@therapiegarten.at

Alle Bücher sind zu bestellen bei der Bund Naturschutz Service GmbH, Bahnhof Lauf (links Pegnitz), Eckertstr. 2, 91207 Lauf a. d. Pegnitz, Tel. 0 91 23-9 99 57-0, Fax 0 91 23-9 99 5799, info@service. bund-naturschutz. de, www.service. bund-naturschutz. de.

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Bill Mollisons Standardwerk ist 2010 endlich in deutscher Übersetzung erschienen. Mollison ist der Begründer der Permakulturbewegung, 1981 erhielt er für seine weg­ weisenden Studien zur Um­ weltgestaltung den alternati­ ven Nobelpreis (Livelihood Award). Sein Credo ist die ganzheitliche Betrachtung und das Gestalten nach den Systemen der Natur: Systeme sollen so langlebig wie mög­ lich sein, natürliche Prozesse soll man nutzen, statt dage­ gen zu kämpfen, die Erträge von Systemen sind zu opti­ mieren und Ressourcen zu vermehren statt sie zu ver­ brauchen.

Vom Zeitmanagement zur Zeitkompetenz

Das Übungsbuch für Berater, Trainer, Lehrer und alle, die ihre Zeitqualität erhöhen möchten. Von Elmar Hatzel­ mann und Martin Held.

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Langsam geht’s besser Illustrationen: Schellmoser

Hallo, hier bin ich wieder, Bibo, der neugierige Biber. Heute geht es um Zeit. Die man nicht hat. Die viel zu schnell vergeht. Und darum, was wirklich wichtig ist im Leben. Viel Spaß beim Langsamwerden, wünscht Euch Bibo.

Natur als Ausgleich

Jeden Tag raus gehen

Saison-Thema

Fotos: Witt

V

Nicht so schnell bitte

on Euren Eltern kennt Ihr das vielleicht. Keiner hat Zeit. Zeit ist kostbar, Zeit ist unbezahlbar. Und wie ist es bei Dir? Morgens Schule, na klar, keine Zeit, manchmal nachmittags auch noch. Aber dann! Reitstunde, Fußball, Nachhilfe, Computerspiele, noch kurz mal Klavier üben, Hausaufgaben machen, für die Schule lernen, Schwupp ist der Tag um. Und wenn Ihr überlegt, was Ihr alles gemacht habt, fällt es Euch schon nicht mehr ein. Langsa­ mer ist besser. Nimm Dir Zeit für Dich, Zeit für an­ dere. Lass was weg! Keine Hektik! Mal nichts ma­ chen, genießen. Einfach nur dasitzen. Dann kom­ men schon Ideen, was gut und richtig ist.

Stehen bleiben verboten

Langsam ist Trumpf

W

etten, das Ihr dieses Spiel gegen Eure Freunde gewinnt? Ihr stellt Euch in einer Reihe auf und geht zu einer Ziellinie, die einen Meter entfernt liegt. Wer zuletzt ankommt, hat gewonnen. Ihr müsst aber immer vorwärts gehen, dürft nicht still stehen. Und auch nicht umfallen. Das ist gar nicht so leicht.

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W

enn Ihr mal im Wald oder der Hecke verschwindet, Euch dafür Zeit nehmt, dann erlebt Ihr Unvergessliches. In einem morschen Stamm forschen, über den Bach balancieren, sich dabei trotzdem die Hose einsauen, im Schnee wühlen, kein Loch auslassen und vieles mehr. Diese Stunden wer­ det Ihr bestimmt nicht so schnell vergessen. Hättet Ihr nur vorm Bildschirm ge­ hockt, wäre die Zeit einfach weg gewesen.

Oma besuchen

Zeit verschenken

W

er Zeit hat, muss nicht immer was sagen oder ma­ chen. Er kann einfach zuhören. Besucht doch mal jemand, den Ihr mögt. Zum Beispiel im Garten mit Oma oder Opa auf der Bank sitzen und ihren Geschichten lau­ schen. Oder mit ihnen spazieren gehen durch Wald und Wiesen. Alte Menschen haben genau das, was jüngere dringend brauchen: Zeit. Die schenken sie Euch gerne.


Freunde

I

Die drei ???

hr habt doch bestimmt einen Haufen Freunde. Und was gibt es Schöneres, als mit denen durch die Ge­ gend zu streifen? Zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Erkunden, was es so alles gibt in Eurer Landschaft: Wiesen, Bäche, einen Fluss, den Wald – oder auch mal einen frischen Kuhfladen, wie auf den Fotos.

Nass macht Spaß

Regenwetter ist gutes Wetter

D

iesen Sommer hat es viel geregnet. Den nächsten vielleicht auch? Hält Euch das zurück? Natürlich nicht. Ihr seid doch echte Naturburschen und -mädchen. Also die Regenjacke an und raus. Ihr werdet nicht viele unterwegs treffen, denn die meisten glauben, dass Regenwetter Schlechtwetter ist. Falsch! Wenn Ihr erst mal draußen seid, macht es gar nichts aus. Und was Regen­ wetter alles bietet: Hüpfspiele im Pfüt­ zenreich. Wer kann am weitesten sprin­ gen, hoffentlich über die Pfütze drüber? Ein scharfer Wind geht, Tropfen peitschen ins Gesicht. Das ist lustig. Hinterher raus aus den Regenklamotten, umziehen, warme Sachen an und einen heißen Tee. War das ein schöner Nachmittag!

Sherlock Holmes auf heißer Spur hr müsst bei manchen Dingen in der Natur ganz schön aufpassen. Damit Ihr sie überhaupt entdeckt! Nun ja, natürlich seht Ihr das Tier auf dem Bild jetzt, weil es so nah fotografiert ist. Aber habt Ihr diese komi­ sche Eule schon mal bei Euch im Garten oder im Wald gesehen? Ha, jetzt habt Ihr mich aber beim Schummeln erwischt: Das ist ja gar keine Eule. Aber was denn? Die­ ser Vogel lebt eigentlich nur an Baumstämmen. Hoch und runter geht es. Mit dem Pinzettenschnabel stochert er nach Käfern, Ameisen, Spinnen. Das ganze Jahr über. Auch bei Euch. Doch man sieht ihn nur selten, da er perfekt getarnt ist. Wer ist das?

Wer das Rätsel knackt und uns die richtige Lösung schickt, kann diesmal mit ein bisschen Glück eine von drei umweltfreund­ lichen Dymamo-Taschenlampen gewinnen. Schreibt bitte an »Natur+Umwelt«, Stichwort Rätselbild, Dr.-Johann-Maier-­ Straße 4, 93049 Regensburg, Fax 09 41-2 97 20 31, nu@bund-­ naturschutz.de. Bitte vergesst nicht Eure Adresse und Euer Alter.

Zeit für neue Taten – mit der JBN

Die JBN-Termine für 2011 sind noch in Planung, das Programm erscheint am 20. Dezember. Den ­aktuellen Stand findet Ihr immer auf www.jbn.de.

Alle Infos JBN, Trivastraße 13 80637 München Tel. 0 89-15 98 96-30 Fax 089-15 98 96-33 info@jbn.de, www.jbn.de www.facebook.de/JugendorgBN

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DIE INFOECKE DER JBN | WWW.JBN.DE

I

Rätsel lösen und gewinnen


BN auf größter Atom-Demo seit Wackersdorf

Menschenkette macht Mut

50 000 Menschen setzten am 9. Oktober in München ein eindrucksvolles Zeichen für den Atomausstieg – fröhlich und gewaltfrei, obwohl der Ärger über die Politik gewaltig ist.

Starkes Signal 50 000 Menschen riefen am 9. Oktober in München ge­ meinsam »Abschalten«. Unter ihnen BUND- und BN-Vor­ sitzender Hubert Weiger, Münchens Oberbürgermeister Christian Ude, die Spitzen von SPD, Grünen, ÖPD, Linken und der Freien Wähler. Außerdem viele prominente Künst­ ler wie Haindling und die Biermösl Blosn.

Vielen Dank!

Fotos: Gößwald, BN

Dranbleiben Die Proteste gehen weiter. Auf www.bundnaturschutz.de/atomproteste finden Sie die Termine der nächsten Demos und Mahnwachen. Außerdem Videos von der Demo in München.

Neben den 50 000 Demon­stranten waren weitere 5000 Leser der Natur+Umwelt symbolisch am 9. Oktober dabei – durch ihre Unterschrift auf einer BN-Protestpostkarte. Wir danken allen, die uns die Karte »Wir wollen ein atomenergiefreies Bayern«, gerichtet an ­Minister­präsident Seehofer, geschickt haben. In einer Aktion der Jugend­ organisation JBN übergaben wir sie während der Demo an die Staatskanzlei.

M

it dem Kotau der Bundesregierung vor den vier großen Stromkonzernen droht ein massiver Ver­ lust an demokratischer Glaubwürdigkeit in Deutsch­ land und Bayern. Die Bürger sind schockiert auch ob der Schamlosigkeit der Stromkonzerne – diese kassier­ ten im Jahr 2000 die Vergünstigungen bei der Fest­ schreibung der Laufzeitbegrenzung im Atomgesetz und wollen nun 2010 mit der Laufzeitverlängerung nochmals Profite von über 100 Milliarden Euro einsa­ cken. »Die Aussage der Bundesregierung ›Wir haben zum ersten Mal ein schlüssiges Energie-Konzept‹ ist ein Missbrauch unserer Sprache«, kritisierte BUND- und BN-Vorsitzender Prof. Dr. Hubert Weiger. Denn bereits seit 25 Jahren sei klar, so Weiger, »es geht ohne Kern­ energie«. Schon vor zehn Jahren habe es ein EnergieKonzept ohne Atomenergie gegeben. 2007 erarbeitete das Umweltministerium unter Kanzlerin Angela Mer­ kel ein Ziel von minus 40 Prozent Kohlendioxid und Ausstieg aus der Atomenergie. Da dürfe man sich schon fragen, so Weiger weiter, »halten Bundesregierung und bayerische Staatsregierung das Volk für blöde?« Doch das Volk lässt sich nicht länger für dumm ver­ kaufen. 50 000 Menschen bildeten am 9. Oktober eine machtvolle Menschenkette und nahmen symbolisch die Orte der Atomlobby Bayerns »an die Kette«: CSU, Eon, Bayerische Landesbank, Staatskanzlei, TU Mün­ chen, Umwelt- und Wirtschaftsministerium. Zugleich bildete die Menschenkette ein Band der Erneuerbaren Energie, für unsere Zukunft. Hauptredner Hubert Weiger verdeutlichte, das es jetzt um eine Systementscheidung gehe: »Atomenergie oder Erneuerbare Energien, AKW oder Energieeffizi­ enz, zentrale Energiekonzerne oder dezentrale Ener­ gieversorgung vor Ort, in den Kommunen und in den Regionen, wo der Mittelstand mit Energieeffizienz und Erneuerbaren Energien Arbeitsplätze schafft«. Redner aus den Bürgerinitiativen wiesen außerdem auf die Gefahren aus der Laufzeitverlängerung hin: Ge­ fahren eines katastrophalen Reaktorunfalls und länge­ re Zeiten, während der hochradioaktive Abfälle in Was­ serbecken und Castoren kaum geschützt lagern müs­ sen, bis ins Jahr 2080! Massive Sicherheitsbedenken äußern auch führende Wissenschaftler – alle fünf AKW in Bayern wären nach heutigem Stand der Technik nicht mehr genehmigungsfähig. Herbert Barthel, BN-Energiereferent


Neue Mitgliedsbeiträge

Liebe Mitglieder des Bundes Naturschutz!

I

­n weniger als drei Jahren wird der Bund Naturschutz seinen hundertsten Geburtstag feiern. Mit seinen über 170 000 Mitgliedern und Unterstützern blickt der BN auf eine bewegte und erfolgreiche Geschichte zu­ rück. Viele Landschaften wie der Königssee im Süden, der Donaudurchbruch bei Weltenburg, das Hafenlohr­ tal im Norden oder die Waldnaab-Aue bei Gumpen konnten durch die aktive Arbeit des BN vor der Zerstö­ rung gerettet werden. Mit Ihrer Hilfe haben wir ein Netz von Biotopgrundstücken über ganz Bayern kau­ fen, pflegen und erhalten können. Aktuell setzen wir uns für den Erhalt der frei fließenden Donau oder die Bewahrung unserer Alpen vor dauerhafter Zerstörung ein. Dies alles kostet nicht nur direkt Geld, sondern er­ fordert auch eine politische und finanzielle Unabhän­ gigkeit des Bundes Naturschutz. Ein Garant für diese Unabhängigkeit sind Ihre Mit­ gliedsbeiträge, die Sie uns gewähren und deren Höhe wir sieben Jahre lang stabil halten konnten. Um auch die zukünftigen Anforderungen erfüllen zu können, ist es schon aus Gründen des Inflationsaus­ gleichs und anderer Kostensteigerungen erforderlich,

die Beiträge anzupassen (Tabelle), damit ein finanziell unabhängiger und starker Bund Naturschutz erhalten bleibt. Bitte bleiben Sie auch bei einem monatlichen Bei­ trag von nun vier Euro an der Seite der Natur, als Mit­ glied im Bund Naturschutz. Wir danken Ihnen dafür von Herzen. Sollten Ihre fi­ nanziellen Möglichkeiten dies nicht erlauben, so las­ sen Sie es uns bitte wissen; wir werden gemeinsam eine Lösung finden, Sie dem BN als Mitglied zu erhalten. Ihr Peter Rottner Landesgeschäftsführer Die neuen Mitgliedsbeiträge

bis 2010

ab 2011

Einzelmitglieder

40 Euro

48 Euro

Familien

52 Euro

60 Euro

Mitglieder mit geringem Einkommen (reduzierter Beitrag)

20 Euro

22 Euro

Ehepaare mit geringem Einkommen

30 Euro

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Alles, was einen Brief ausmacht – ganz bequem im Internet. In Zukunft nutzen wir das Internet nicht nur selbstverständlich, sondern auch mit selbstverständlicher Sicherheit. Ob Abschluss einer Versicherung, Beauftragung eines Handwerkers oder Korrespondenz mit Behörden. Der E-POSTBRIEF ist so sicher und verbindlich wie ein Brief mit der Deutschen Post. Denn dank persönlicher Identifizierung wissen Sie beim E-POSTBRIEF immer, mit wem Sie kommunizieren. Und er erreicht genauso zuverlässig jeden Adressaten – auch die Empfänger ohne elektronischen Briefkasten. Besitzt der Empfänger noch keine E-POSTBRIEF Adresse, drucken wir Ihre Mitteilung aus und stellen sie wie gewohnt auf dem Postweg zu. Sichern Sie sich jetzt kostenlos Ihre persönliche E-POSTBRIEF Adresse unter www.epost.de

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BN kämpft gegen drohende Kürzung im Staatshaushalt

Fotos: Liebert (r.), Stoll

Naturschutz nicht kaputtsparen

Nicht alleinlassen Umweltbildung und Biotoppflege sind auch Aufgabe des Staates. Er darf sie nicht allein den Ehrenamtlichen überlassen.

Schon bislang ist dem Freistaat allein die Pflege seines Staßennetzes mehr wert als der gesamte Naturschutz und die Umweltbildung. Die Mittel für diese Aufgaben müssen deshalb erhöht ­werden und nicht noch gekürzt.

D

ie Milliardenverluste durch unfassbare Misswirt­ schaft bei der bayerischen Landesbank und die Ab­ sicht Ministerpräsident Horst Seehofers, den Staats­ haushalt 2011 und 2012 ohne noch höhere Neuver­ schuldung vorzulegen, führen zu drastischen Sparplä­ nen in allen bayerischen Ministerien. Auch dem ohne­ hin kümmerlich ausgestatteten Umweltbereich drohen schwerwiegende Kürzungen (Stand Ende Oktober 2010). Dabei gibt die Staatsregierung für Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege pro Kopf der bayerischen Bürger schon jetzt weniger als drei Euro im Jahr aus, für Umweltbildung gar nur rund 20 Cent. Angesichts dreistelliger Millionenbeträge, die sich beispielsweise allein beim Neubau von Staatstraßen ein­sparen ließen, sind Kürzungen zentraler Natur­ schutzinstrumente nach Meinung des Bundes Natur­ schutz nicht zu rechtfertigen. »Wir appellieren ein­ dringlich an Ministerpräsident Horst Seehofer und die Landtagsabgeordneten, dem Naturschutz und der Um­­w­eltbildung endlich mindestens den gleichen fi­ nanziellen Stellenwert einzuräumen wie etwa der Pfle­ ge des Staatstraßennetzes«, fordert BN-Landesvorsit­ zender Hubert Weiger. Schon mit der Streichung weni­ ger Kilometer unnötiger neuer Straßen könne dies leicht finanziert werden.

Wenig gespart, viel kaputt

Das drohende Sparprogramm im Bereich der Umwelt­ bildung sei Sparen am falschen Platz, betont auch die BN-Bildungsreferentin Ulrike Sacher-Ley. Angesichts der Herausforderungen, die sich unserer Gesellschaft auf dem Weg zur Nachhaltigkeit stellten, sei Umwelt­ bildung das beste Mittel, um den weiten Weg vom ­Wissen zum Handeln abzukürzen. Konkret zur Dispo­ sition stehen außerdem Gelder für die Landschafts­

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pflege und der sogenannte Vertragsnaturschutz. Dabei standen im Jahr 2010 für die Landschaftspflege, für die auch die Orts- und Kreisgruppen des BN zigtausende Stunden ehrenamtlich arbeiten, ohnehin nur acht Mil­ lionen Euro an staatlichen Mitteln zur Verfügung, er­ gänzt durch europäische Fördermittel. Mit diesen Gel­ dern wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche Artenschutzmaßnahmen durchgeführt, für die Förder­ programme im Agrarumweltbereich nicht anwendbar sind. »Ob es die händische Pflege einer Streuwiese für die gefährdete Sumpfgladiole, das bedrohte Waldwiesen­ vögelein mit seinen besonderen Lebensraumansprü­ chen oder die landesweite Durchführung von Amphi­ bienschutzmaßnahmen durch den BN ist – immer pro­ fitieren von diesen Maßnahmen besonders gefährdete Arten, vielfach auch Landwirte, die den BN bei den Maßnahmen ­unterstützen«, erklärt BN-Artenschutzre­ ferent Dr. Kai Frobel. Auch für die erfolgreich entwi­ ckelten »BayernNetzNatur«-Projekte und die neuen »Biodiversitätsprojekte« sind Landschaftspflege und Vertrags­naturschutz unabdingbar. Und schließlich braucht auch die bayerische Biodiversitätsstrategie eine verlässliche Finanzierung.

Idealismus stärken

Der Staat kann von Verbänden wie dem BN nicht er­ warten, aus Idealismus alle Maßnahmen rein ehren­ amtlich durchzuführen. Naturschutz ist Staatsaufgabe und eine Teilentschädigung zumindest von Kosten für Maschinen und externe Helfer mehr als gerechtfertigt. Gerade der Amphibienschutz an Bayerns Straßen, bei dem Tausende ehrenamtliche BN-Aktive jedes Jahr über 700 000 Frösche, Kröten und Molche vor dem Ver­ kehrstod retten, ist anstrengend und zeitaufwendig und kann nicht allein ehrenamtlich geleistet werden. Mit den Kürzungen würde nicht nur die Natur ver­ lieren, sondern auch die Glaubwürdigkeit des bayeri­ schen Naturschutzes bei Landwirten, wenn Natur­ schutzprogramme nur noch nach Kassenlage angebo­ ten werden können. Richard Mergner, BN-Landesbeauftragter


Weihnachts spende Bitte unterstützen Sie uns auch 2011: Seltene Tiere und Pflanzen schützen

Historische Ku l t u r l a n d s c h a f t e n b e w a h re n

Die Natur sagt Natur mit allen Sinnen erlebbar machen

Hoffnung schenken Danke für Ihre Unterstützung im vergangenen Jahr 2010:

Für eine gesunde Umwelt einsetzen

! e k Dan für Ihre Hilfe.

Die Schönheit großartiger Naturlandschaften, das Leben geretteter Tiere und Pflanzen, die Gewissheit, dass der Einklang von Mensch und Natur möglich ist – dieses Stück friedlichen Miteinanders ist Ihr und unser Lohn für den Einsatz zum Schutze der Umwelt. Auch im neuen Jahr wollen wir uns für den Schutz unserer einmaligen Heimat einsetzen.

Dafür brauchen wir Ihre Hilfe. Spendenkonto 93 00 000 510, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 700 205 00, Überweisungsvordruck im Heft


Foto: Mergner

Umweltminister Söder fasziniert von frei fließender Donau Auf einer Fahrt mit der Takatuka, dem ­Umweltbildungsschiff des Bundes Natur­ schutz, von Deggendorf nach Niederalteich machte sich der bayerische Umwelt­ minister Dr. Markus Söder (im Bild links) am 30. Juli ein Bild vom Herzstück des um­ kämpften Donau-Abschnittes zwischen Straubing und Vilshofen. Der frei fließende Fluss mit seinen Auwäldern und die natur­ nahe Isarmündung faszinierten den Staats­ minister. Auch von den BN-Umweltbil­ dungsprojekten an der Donau war Söder begeistert. Der BN-Vorsitzende Prof. Dr.

Hubert Weiger (im Bild rechts), das BN-­ Vorstandsmitglied Dieter Scherf, der BN-Landesbeauftragte Richard Mergner und der Deggendorfer BN-Kreisvorsitzende Georg Kestel erläuterten dem Minister die besonderen Qualitäten der Auenlandschaft und thematisierten den geplanten DonauAusbau. Söder bekräftigte, dass für ihn die Bedeutung der Donau für die Artenviel­ falt in Bayern und den Erhalt der natürli­ chen Ressourcen ebenso wie als Grundlage für einen sanften Tourismus im Vorder­ grund stehe.

Anfang August hat das baye­ rische Kabinett mit einigen Korrekturen an der »Forst­ reform« einen ersten Schritt in die richtige Richtung getan. Der BN-Vorsitzende Hubert Weiger begrüßte vor allem die Aufgabe der maß­ los überzogenen Rendite­ ziele, die stärkere Berück­ sichtigung des Gemein­ wohls und den Verzicht auf

den Abbau weiterer Forst­ reviere. Vorausgegangen war massive Kritik des BN an der einseitig gewinnorien­ tierten Ausrichtung der ­Bayerischen Staatsforsten seit der sogenannten Forst­ reform von 2004, gegen die sich der BN mit dem Volks­ begehren »Aus Liebe zum Wald« eingesetzt hatte. Der BN wertet die Kurskorrek­

turen der Regierung als gro­ ßen Erfolg: »Wir freuen uns, dass ein Teil unserer kon­ struktiven Vorschläge im ­Interesse des Waldes und damit der Bürger aufgegrif­ fen wurden. Jetzt müssen Sie sie auch konsequent umsetzen«, appellierte ­Hubert Weiger an Bayerns Forstminister Helmut ­Brunner.

oto: Berg / fotolia.com

Kabinett korrigiert »Forstreform«

Reinheitsgebot für Saatgut in Gefahr Die bayerische Regierung hat bei der Agrarministerkonferenz in Lübeck im Oktober von der Bundesregierung gefordert, eine »für Wirtschaft und Über­ wachung praktikable Anwen­ dung der Nulltoleranz« von gentechnisch veränderten Or­

ganismen in Futtermitteln und Saatgut zu ermöglichen. Der Bund Naturschutz sieht darin den Versuch, die tatsächliche Nulltoleranz aufzuweichen und der Gentechnik damit Zugang zu Saatgut und Futtermitteln zu gewähren. Für die Gentechnik­

konzerne kommt die Formulie­ rung einer Einladung gleich, ihrer Sorgfaltspflicht zur Rein­ haltung des Saatgutes letztlich nicht mehr nachkommen zu müssen. Bei einem Pressege­ spräch forderte der BN-Vorsit­ zende Hubert Weiger deshalb,

dass es weder für Saatgut noch für Futtermittel eine Ver­ schmutzungslizenz geben dürfe. Saatgut ohne Gentechnik sei eine der wichtigsten Grund­ lagen für ein dauerhaft gentech­ nikfreies Bayern.

Bärenstarkes Zeltlager

Foto: JBN

Beim JBN-Zeltlager »Bärencamp« in Königsdorf (Landkreis Bad Tölz – Wolfratshausen) im August war für jeden Geschmack etwas dabei: Die zwölf- bis 15-jährigen »Müpfe« wan­ derten durch die Nacht, fuhren mit dem Schlauchboot auf der Isar (Bild), begaben sich auf die Spuren von Bär, Wolf und Luchs, versuchten sich im Action-Painting und Slacklinen und trugen eine riesige Wasserschlacht

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aus. Die 40 Teilnehmer lernten, dass ökologisch und regional produzierte Lebensmittel, eine Mitmach-Küche und Rituale rund ums gemeinsame Essen richtig Spaß machen können. Einige Müpfe hielten mit einer Video­ kamera das Zeltlagergeschehen fest. Nach lustigen Interviews wurde das gefilmte Material zum Schluss zu einem tollen Film zusammenge­ schnitten. Ein bärenstarkes Camp!


BN schlägt Buchenwaldzentrum im Steigerwald vor waldzentrum würde hier einen ersten Impuls setzen«, erklärte der BN-Vorsitzende Hubert Weiger bei der Vorstellung der Initiative. Der BN nimmt dafür selbst einen stattlichen Betrag in die Hand. Inzwischen hat die OnlineAktion »Ja zum Nationalpark Steigerwald« ihr erklärtes erstes Ziel von 11 000 Unterschriften fast dreifach übertroffen: Rund 30 000 Menschen haben bis An­ fang Oktober unterschrieben, und es werden immer noch mehr. Helfen auch Sie mit unter www.ja-zum-nationalpark-steigerwald.de!

Foto: Stephan

Der Bund Naturschutz und seine Partner im »Freundeskreis pro Nationalpark Stei­ gerwald« verstärken ihr Engagement im Steigerwald: Gemeinsam schlugen sie ­Anfang Oktober vor, in Ebrach ein Buchen­ waldzentrum zu errichten. Das Zentrum wäre das erste seiner Art in Bayern und soll vor allem Bildung und Erlebnis dienen, der Information über die internationale Bedeutung der im Steigerwald erhaltenen alten Buchenwälder und deren Erfor­ schung. Auch als touristischem Ziel würde es dem Steigerwald Anziehungskraft verlei­ hen. »Immer mehr Menschen in der Region erkennen die Chancen, die mit einem ­Nationalpark verbunden sind. Ein Buchen­

Foto: JBN

JBN-Sommerakademie: Artenschutz mit Rat und Tat Bei der vierten Sommerakade­ mie der Jugendorganisation Bund Naturschutz (JBN) im August drehte sich alles um die Artenvielfalt. Im BN-Ju­ gend- und Naturschutzzent­ rum Wartaweil bereitete der fränkische Naturfotograf Bernd Fischer den Einstieg mit einer faszinierenden Dia­ show über die Vielfalt vor der eigenen Haustür. Ein Vortrag über das »Grüne Band« ver­ deutlichte, dass die Arbeit des Bundes Naturschutz weit über die bayerischen Grenzen

hi­nausragt. Mit dem BNWald­experten Dr. Georg Sper­ ber und der BN-Referentin für ­Artenschutz in Südbayern, Dr. Christine Margraf, disku­ tierten die Teilnehmer über Schutzstrategien und deren Erfolge. Und weil Artenschutz auch Zupacken erfordert, hal­ fen die jungen Naturschützer bei der Renaturierung des Bernrieder Filzes und des Mesnerbichls tatkräftig mit.

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Wildpflanzen im Portrait

Die Eberesche

Foto: privat

A

Die Autorin Dr. Gertrud Scherf hat mehrere ­Pflanzenbücher verfasst.

usdauernd wirbt die Eber­ esche (Sorbus aucuparia) mit ihren orange- bis scharlachroten Früchten. Im Sommer leuchten sie aus dunkelgrünem, im Herbst aus gel­ bem Laub, und noch jetzt vor Winterbeginn schmücken sie oft die kahlen Zweige. Die »Vo­ gelbeeren« sind bei vielen Säugetieren und bei über 50 heimischen Vogelarten so beliebt, dass man sie früher beim Vogelfang zum Anlocken einsetzte. Bereits zum Frühlingsende hatte die Eberesche für Bienen, Hum­ meln, Schwebfliegen, Käfer und andere Insekten den Tisch gedeckt, als sich die cremefarbenen, stark duf­ tenden Blüten entfalteten. Die Eberesche steigt bis zur Waldgrenze auf, be­ gnügt sich mit nährstoffarmem Boden, braucht aber ausreichend Luftfeuchtigkeit und Licht. Seit alten Zei­ ten ist der kleinwüchsige Baum oder Strauch eng mit den Menschen verbunden. Rinde, Zweige, Blätter und unreife Früchte wurden bisweilen zum Gerben ver­ wendet, das harte Holz ist ein gutes Werkholz. In der Volksmedizin nimmt man das Fruchtmus bei Magen­ verstimmung und Appetitlosigkeit, den Tee aus den ge­ trockneten Früchten als mildes Abführmittel. In neue­ rer Zeit schätzt man die herb-sauren, vitamin- und mineralstoffreichen Früchte auch wieder in der Küche. Ungekocht sollte man sie nicht in größeren Mengen verzehren, da sie den Magen-Darm-Trakt reizen kön­ nen. Während man für Kompott, Mus, Konfitüre und Likör die vom ersten Frost etwas erweichten und im Geschmack gemilderten Früchte sammelt, nimmt man

Buchtipp: Wildpflanzen

Mit »Wildpflanzen neu entdecken« hat unsere Autorin im blv-Verlag einen ganz besonderen Naturführer veröffentlicht. 150 Arten stellt sie dort nicht nur mit ihren Merkmalen, sondern vor allem mit ihrer Bedeutung für den Menschen vor. ISBN 978-3-8354-0062-7, Euro 7,95. Bestellen unter Tel. 0 91 23 - 99 95 70, info@service.bund-naturschutz.de

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für die Bereitung von Saft und Gelee die noch harten und saftigen. Es empfiehlt sich, die »Beeren« – bota­ nisch betrachtet sind es Apfelfrüchte – vor der Weiter­ verarbeitung zu entbittern (siehe Kasten). Für den Gar­ ten gibt es Zuchtformen mit milder und süßer schme­ ckenden Früchten. Wahrscheinlich leitet der Name sich weder vom Eber noch von »Aberesche« (falsche Esche) ab, sondern hängt mit einem keltischen Wort für Eibe zusammen. Schon die Kelten sollen die Eberesche als Glück brin­ gend und Unheil abwehrend verehrt, die Germanen sie

Ebereschen-Birnen-Gelee

Dieses herb-süße Gelee passt auf Semmel oder Brot, zu Waffeln oder auch zu deftigen Fleischgerichten, insbesondere Wild.  Vogelbeeren verlesen, über Nacht in Essiglösung (3 Esslöffel auf 1 Liter Wasser) einlegen.  Früchte sorgfältig waschen, in einem Topf knapp mit Wasser bedeckt zum Kochen bringen.  Geschälte, entkernte und in Stücke geschnittene Birnen in etwa gleicher Gewichtsmenge zugeben.  Masse weichkochen, Saft durch ein Tuch ab­fließen lassen.  Saft und Zucker im Verhältnis 5:4 mischen, also beispielsweise auf 500 ml Saft 400 g Zucker.  Ein wenig Zitronensaft zugeben und Flüssigkeit bis zur positiven Gelierprobe kochen.  Gelee in Schraubdeckelgläser füllen und sofort verschließen.

ihrem rotbärtigen Wettergott Thor gewidmet haben, der sich einst an einem Ebereschenbäumchen aus rei­ ßendem Fluss gerettet haben soll. Die Eberesche steht für wichtige Anliegen im Natur­ schutz: Als traditioneller Hausbaum weist sie auf die Vorteile einer naturnahen Gartengestaltung für Natur und Mensch hin. Als robuster Straßenbaum zeigt sie die ästhetische und ökologische Bedeutung von Bäu­ men im Siedlungsbereich und entlang von Straßen. Als Pioniergehölz auf Flächen, deren von Nadelhölzern dominierter Wald durch Sturm, Schnee oder Insekten zusammengebrochen ist, demonstriert sie die regene­ rative Kraft der Natur und mahnt, diese möglichst oft Natur sein zu lassen – nicht nur in Nationalparks.

Zeichnung: Claus Caspari; BLV Buchverlag

Vogelbeeren machen Bauchweh, bläut man Kindern ein. Doch diese Halbwahrheit wird der vielseitigen Pflanze nicht gerecht.


AllerWelt Arten

Foto: Wolfgang Willner

Einst h채ufig, heute mancherorts selten geworden: die giftige Herbstzeitlose (Colchicum autumnale). Wir setzen uns daf체r ein, dass unser aller Welt bunt und lebendig bleibt. Bund Naturschutz.


Fotos: BN Rosenheim und Gößwald

Zahlreiche Besu­ cher interessierten sich für das Biotop am Mangfall-Ufer.

BN erfolgreich auf Landesgartenschau Rosenheim

Bilderrahmen und Messstäbe lenken die Blicke der Besu­ cher – hier auf die beeindruckenden Dimensionen der Auwaldbäume.

Besucher für den Auwald begeistert

S

eltene Pflanzen, Frösche, Insek­ ten oder ein Biber, wer genau hinschaut entdeckt im Auwald die Wunder der Natur. Denn hier, wo sich Bäume und Wasser treffen, ent­ steht ein einzigartiger Lebensraum. Die BN-Kreisgruppe Rosenheim ­ermöglichte den Besuchern der diesjährigen Landesgartenschau i­nteressante Einblicke in dieses Ökosystem. Unter dem Motto »Am Fluss ist Leben!« zeigten die Aktiven der Kreisgruppe vom 23. April bis zum 3. Oktober rund um ihren Pavillon an der Mangfall ein umfangreiches Programm zum Thema Auwald. Bunte Bilderrahmen in der Natur lenkten die Blicke der Besucher auf die verschiedenen Teilbereiche des Biotops. Themenführungen erklär­ ten die Bedeutung des Auwaldes für

den Menschen. Kinder freuten sich über die nachgebaute Biberburg und die »Schule im Grünen«: Mit der Umweltpädagogin Ulla Fees gingen sie auf Entdeckungsreise und tauschten für einen Tag ihr Klassenzimmer gegen die freie Natur. Besonders bemerkenswert war die Aktion »Schüler führen Schüler«, in der Kinder aus einem sozialpädagogischen Förderzent­ rum anderen Schülern das Leben des Bibers näherbrachten (Foto unten rechts). »Der Pavillon und alle Angebote des BN waren sehr gut be­ sucht, die harte Arbeit der rund 80 ehrenamtlichen Helfer hat sich ­gelohnt«, fasst Projektleiter Michael Hertel den Erfolg auf der Garten­ schau zusammen. Stars der Präsentation waren die Biber Plitsch und Platsch. Täglich von einer Vielzahl von Biberbetreu­ ern umsorgt, fühlten sich die Nager in ihrem artgerechten 300 Quadrat­

Natur erleben: Die Mitmach-­ Angebote begeisterten Kinder aller Altersgruppen.

Die beiden Biber ließen sich von dem Rummel am Stand nicht stören. Immer gut besucht: der Pavillon mit V­ideo-Übertragung aus der Biberburg.

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meter großen Freigehege sichtlich wohl. Die Videoübertragung aus der Biberburg auf einen Bildschirm im Pavillon ermöglichte den Besuchern Einblicke in das Leben der für den Auwald äußerst wichtigen Tiere. »Das Biberprojekt war ein Publi­ kumsmagnet«, berichtet Robert Haidacher, der das Konzept der Prä­ sentation mit anderen erstellt hatte. »Über diesen Anknüpfungspunkt kamen wir Tag für Tag mit unzähli­ gen Besuchern ins Gespräch und konnten sie für unsere Themen be­ geistern.« Plitsch und Platsch übri­ gens, für die nach dem Ende der Gartenschau ein Umzug in ein eng­ lischen Freigehege geplant war, wollten lieber in Bayern bleiben und nahmen am letzten Tag Reiß­ aus.


Foto: Stock

S

eit Jahren prangern Politiker aller Couleur den Flächenver­ brauch in Sonntagsreden an. Ge­ ändert hat sich leider wenig. Noch immer werden in Bayern 16,4 Hek­ tar Freifläche pro Tag für Siedlungsund Verkehrszwecke geopfert, ­obwohl die Bevölkerung Bayerns kaum wächst. Ohne einschneiden­ de gesetzliche Änderungen kann das Ziel der Bundesregierung, den Flächenverbrauch zwischen 2002

Streuobst-Wanderwege: Die BNKreisgruppe Lindau eröffnete Ende September im gesamten Landkreis Lindau sieben Wander­ routen mit unterschiedlichen Schwerpunkten rund um das Thema Streuobst. Auf den vom EU-Programm LEADER geförder­ ten Tafeln werden Informationen von der Ökologie der Streuobst­ wiesen bis zur Regionalvermark­ tung gegeben. Eine begleitende Broschüre erscheint im Frühjahr. Näheres unter www.lindau. bund-naturschutz.de

und 2020 um 75 Prozent zu reduzie­ ren, in Bayern nicht erreicht wer­ den. Doch die Entscheidungsträger vor Ort setzen andere Prioritäten. Selbst in der Öko-Energie-Vorzeige­ gemeinde Wildpoldsried im Ober­ allgäu wird ein Gewerbegebiet an der Bundesstraßenausfahrt in ­beeindruckender Aussichtslage ge­ plant. Die Kreisgruppe Lindau macht schon seit Jahren Front gegen den ungebremsten Landschaftsver­ brauch. In einer gemeinsamen Akti­ on mit der örtlichen Bevölkerung im August dieses Jahres protestierte die Kreisgruppe gegen die Erschlie­ ßung eines 22 Hektar großen Ge­ werbegebietes in der Gemeinde Weißensberg-Rothkreuz. Dort sol­ len ein Verbrauchermarkt und eine Mercedes-Niederlassung ohne An­ bindung zu einer Siedlung angesie­ delt werden. Bei der Aktion wollte

Solarmeister: Im August kürte der BN zusammen mit dem Energieund Umweltzentrum Allgäu die Allgäuer Solarmeister. Bei dieser Meisterschaft, einer Regionalwer­ tung der Solarbundesliga, werden die Kommunen ausgezeichnet, die pro Einwohner den meisten Solar­ strom produzieren und die meis­ ten Solarwärmeanlagen in ihrem Gemeindegebiet installiert haben. Gewonnen hat bei den kleinen ­Gemeinden Rettenbach am Auer­ berg im Landkreis Ostallgäu bei Gemeinden über 5000 Einwohner Bad Grönenbach und bei den Städten über 20 000 Einwohner Memmingen. Infos: www.solarbundesliga.de/allgaeu

Sonderbauprogramm: Die BNKreisgruppe Dillingen wehrt sich gegen überdimensionierte Stra­ ßenbauvorhaben, die aus einem staatlichen Sonderbauprogramm gefördert und deshalb in Kürze umgesetzt werden sollen. So soll in Bachhagel für eine Verkehrsbelas­ tung von nur 2800 Fahrzeugen pro Tag eine Umgehungsstraße errich­ tet werden. In Wertingen ist ein riesiger Kreisel mit Brücken­ überführung der Hauptstraße geplant. Durch Stellungnah­ men, Teilnahme an Podiums­ diskussionen und ein Bürger­ begehren in Wertingen versucht die Kreisgruppe auf das Thema aufmerksam zu machen.

Biomonitoring: Seit drei Jahren bietet German Weber von der BNKreisgruppe Unterallgäu am Bern­ hard-Strigel-Gymnasium in Mem­ mingen einen Kurs an, der Schü­ lern Einblicke in professionelle Naturschutzarbeit gibt. In Projekt­ arbeiten werden botanische, zoo­ logische und Biotopstrukturkartie­ rungen durchgeführt. Infos: www. germanweber.de

Foto: Weber

Überall in Bayern kämpfen BNKreis- und Ortsgruppen gegen überdimensionierte Gewerbe­ gebiete auf der grünen Wiese und unnötige Straßenplanungen. Bei einer Protestaktion im August setzte die Kreisgruppe Lindau im Rahmen der Kampagne »Heimat Ade« ein Zeichen gegen die ­drastischen Fehlentwicklungen in ihrer Region.

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NATURNOTIZEN AUS SCHWABEN

Heimat Ade: Stopp dem Flächenverbrauch

die Kreisgruppe vor allem darauf aufmerksam machen, dass das im Landesentwicklungsprogramm ­festgelegte Anbindungsgebot von neuen Baugebieten an bestehende Siedlungen sträflich vernachlässigt wird. Ähnliche Proteste von Kreisgrup­ pen des Bundes Naturschutz (BN) laufen derzeit in Wildpoldsried, in Königsschlösserdorf Schwangau, in Kaufbeuren, wo ein Bannwald ­bedroht ist, oder in Ges­ sertshausen, Ichenhau­ sen, Höchstädt und Kis­ sing. Um Lokalpolitiker von der Wichtigkeit des Flächensparens zu über­ zeugen, veranstaltet der BN spezielle Fachsemi­ nare. Am 5. November waren schwäbische Lo­ kalpolitiker nach Roggenburg im Landkreis Neu-Ulm eingeladen, um über die aktuellen Probleme der ­regionalen Entwicklung und Hand­ lungsmöglichkeiten für eine flä­ chensparende Siedlungsentwick­ lung zu diskutieren. Thomas Frey (jtw) Foto: Frey

Kreisgruppe Lindau und andere

Protest gegen neue Gewerbegebiete Die BN-Kreisgrup­ pe Lindau setzt sich mit der Kam­ pagne »Heimat Ade« dagegen ein, dass immer mehr Landschaftsflächen zugebaut werden. In Gessertshausen kämpft der BN gegen eine neue Umgehungsstraße.


Kreisgruppe Garmisch-Partenkirchen

BN kritisiert Kehrtwende bei Bergwaldschutz

Aufgrund einer Initiative der ­CSU-Bundestagsfraktion wurde mit massiver Unterstützung der Bayerischen Staatsregierung Ende Juli das Bundeswaldgesetz geändert. Danach verlieren etwa 7000 Hektar, zumeist staatliche Bergwälder, in Bayern ihren Waldstatus. Sie werden zu Weideland umgewidmet, um Fördergelder von insgesamt circa 5 Millionen Euro für die Waldweide lang­ fristig zu sichern.

Wald schützt Mensch Der Klimawandel erfordert mehr in­takte und möglichst stabile Gebirgswälder, auch zum Schutz von Siedlungen (im Bild: Bergwald bei Garmisch-Partenkirchen).

80. Geburtstag: Am 29. Juni feierte Dr. Friedrich Schutz seinen 80. Ge­ burtstag. Von 1978 bis 1995 prägte er die Kreisgruppe Starnberg. Unter seiner Führung entwickelte sich die klassische Naturschutz­ arbeit zum Schwerpunkt. Von den neun Naturschutzgebieten des Landkreises gehen sechs auf die Bemühungen des BN zurück. Durch die Weitsicht von Friedrich Schutz sind 72 Flächen als Naturdenkmäler ausgewiesen worden. Er vertrat den BN lange Jahre im Naturschutzbeirat der Regierung von Oberbayern.

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er Verlust von bis zu 7000 Hek­ tar an Bergwald, davon große Teile Schutzwälder, bedeutet eine substanzielle Schwächung der Schutzfunktionen des Gebirgswal­ des im bayerischen Alpenraum. Ob­ wohl es sich dabei auch um Schutz­ wälder und sogar Schutzwaldsanie­ rungsflächen handelt, wurde der Schutz des Waldgesetzes für diese beweideten Bergwälder gestrichen. Der BN kritisiert, dass die Sub­ ventionierung der Waldweide nun Vorrang vor dem Schutz des Berg­ waldes erhält. »Die Bundesregie­ rung und die bayerische Staatsre­ gierung konterkarieren die bisheri­ gen millionenschweren Sanierungs-

Erfolg für die Ammer: Wo ein Was­ serkraftwerke geplant war, dürfen nun wieder die Fische frei schwim­ men: Im Mai 2010 konnte die ­Ammer-Allianz den Umbau einer ersten Rampe an der Ammer bei Weilheim feiern. Auch der Umbau drei weiterer Wehre steht unmittel­ bar bevor. 2009 lagen insgesamt ­ 14 Anträge auf Wasserkraftnutzung vor, die den naturfernen Zustand der Ammer auf Jahrzehnte zemen­

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Foto: Botsch

Foto: Kreisgruppe Starnberg

NATURNOTIZEN AUS OBERBAYERN

Foto: fotorena / fololia.com

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und Schutzmaßnahmen in Bayern, mit denen intakte Schutzwälder ­ in den Alpen geschaffen werden ­sollen«, kritisierte der BN-Landes­ vorsitzende Hubert Weiger bei einer Pressefahrt ins Estergebirge. Die Almwirtschaft leistet aus Sicht des BN wichtige Dienste für die Erhaltung der Kulturlandschaft und für Erholung und Naturschutz im Gebirge. Eine staatliche Förde­ rung hierfür ist gerechtfertigt, muss aber so gestaltet werden, dass Nach­ teile für den Bergwald vermieden werden. Durch den jahrzehntelangen starken Verbiss durch Schalenwild und Weidevieh sind viele Schutz­ wälder so stark aufgelichtet, dass deren Schutzfähigkeit massiv be­ einträchtigt ist. Doch anstatt ihre Sanierung zu intensivieren und dafür zu sorgen, dass sie die Berg­ hänge und die Täler schützen, streicht man mit einem Federstrich einfach mehrere Tausend Hektar Bergwald. »Wir kritisieren diese neue Sparpolitik der bayerischen Staatsregierung, die Schutzwälder einfach wegdefiniert«, betonte Hans Kornprobst, der Sprecher des BNArbeitskreises Wald. Für die betrof­ fenen Bergwälder bedeutet das, dass sich die Umweltgefährdungen mittel- bis langfristig verschärfen, die von Hochwasser, Muren, Stein­ schlag oder Lawinen ausgehen. Dr. Ralf Straußberger (us)

tiert hätten. Doch die AmmerAllianz wollte die Renaturierung. Vernetzung gesucht: Seit gut einem Jahr bietet die Kreisgruppe Altötting im Internet GoogleMaps-gestützte Ausflüge zu Natur und Kultur im Landkreis an. Hier lässt sich die Route genau verfol­ gen, Hintergrundinfos zu einzel­ nen Punkten sind direkt verlinkt. Dr. Ernst Spindler, Initiator des Projektes, möchte nun andere Kreisgruppen dazu anregen, sich mit diesem Service zu verlinken und freut sich über Kontakte und weitere Vorschläge zum Ausbau des Angebotes. www.altoetting. bund-naturschutz.de

Geehrt und gefeiert: Am 10. Juni beging die BN-Ortsgruppe Kolber­ moor ihr 25-jähriges Jubiläum. Mit dabei war die »Biermösl Blosn«, weshalb die Ausstellungs­ halle B ­ ad Aibling, in der die Feier stattfand, schon Wochen vorher ausverkauft war. Im Rahmen der Veranstaltung wurde Katharina Meidinger mit der goldenen Eh­ rennadel des Bundes Naturschutz für ihren langjährigen, unermüd­ lichen Einsatz ausgezeichnet. ­ Sie hatte sich zum Beispiel für das ­Naturschutzgebiet Kalten oder den Stopp des Frästorfabbaus in drei Filzen eingesetzt. Seit 1990 kämpft sie auch gegen die Westtangente Rosenheim.


Kreisgruppe Kulmbach

SchlöNZ ist auf dem Weg

Jüngstes Projekt der Kreisgruppe Kulmbach ist das Schlömener Naturschutzzentrum, kurz »SchlöNZ« genannt. Eingebettet zwischen herrlichen, geschützten Heckenzeilen direkt am Weißen Main lädt ein neuer scheunenähnlicher Holzbau dazu ein, die Natur zu erforschen und mit allen Sinnen zu be­ greifen.

den Bauamtsprognosen liegen, stellte der BN-Kreisvorsitzende Anton Reinhardt (rechts) am 4. Au­ gust in einem Pressegespräch vor. Sie bestätigen, dass der BN schon 2008 zu Recht gegen die geplante Trasse geklagt hat, und werden nun an die zuständigen Stellen weitergeleitet. B303: Bei einer Kundgebung der »Bürgerinitiative gegen die Fichtel­ gebirgsautobahn Gefrees und Um­ gebung« am 27. Juni in Wülfers­ reuth bekräftigte der Landesvor­ sitzende des Bundes Naturschutz, Hubert Weiger, die Ablehnung eines weiteren Ausbaues der be­ stehenden Bundesstraße B303

pädagogen trägt sowohl beim SchlöNZ als auch beim Umweltmo­ bil der Landkreis. Am 4. September wurde die Um­ weltschule der Öffentlichkeit vor­ gestellt. Günter Krell vom Landes­ arbeitskreis Umweltbildung des Bundes Naturschutz wünschte der Kreisgruppe nachhaltigen Erfolg mit SchlöNZ und mahnte die Staatsregierung, die Geldmittel für außerschulische ­Umweltbildung nicht zu kürzen. Informationen und Anmeldung: schulamt@landkreis-kulmbach.de Wolfgang Schenker (us)

durch das Fichtelgebirge. Der Unterstützung des Bundes Naturschutz, auch gegen eine zehn Kilometer lange Neubautrasse über Gefrees zur Umfahrung von Bad Berneck, könne sich das Fichtel­gebirge sicher sein. »Raus mit den Planungen aus dem Bun­ desverkehrswegeplan« war des­ halb die Hauptforderung bei der Kundgebung. Seit Jahren geht der Verkehr auf der B 303 zurück, ent­ gegen den Prognosen der staat­ lichen Planer, die von riesigen Zu­ wächsen ausgingen.

Auf geht’s Nach gut zwei Jah­ ren Vorbereitung, Planung und Arbeit wurde die neue Umweltschule in Holzbauweise ihrer Bestimmung über­ geben. Zur Einwei­ hung kamen Politi­ ker, beteiligte Fir­ men und fleißige Helfer.

Zeltlager: Vom 24. bis 26. Juli lud die Kreisgruppe Kronach 25 Real­

schüler zu einem verlängerten Zeltwochenende nach Wallenfels ein. Die Schüler hatten an ihren Schulen im Rahmen der Hausund Straßensammlung 2010 am eifrigsten Euros für den Natur­ schutz gesammelt. Nach der An­ reise mit dem Fahrrad besuchten die Jugendlichen den idyllisch ­gelegenen Floßweiher im oberen ­Lamitztal und entwickelten am abendlichen Lagerfeuer Ideen zum Naturschutz.

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NATURNOTIZEN AUS OBERFRANKEN

Falsche Zahlen: Die vom Staatli­ chen Bauamt zu Grunde gelegten Verkehrszahlen, die eine neue Straße zur Anbindung des Kel­ bachgrunds an die A73 rechtfer­ tigen sollen, sind viel zu hoch. Dies hat eine von der Ortsgruppe Ebensfeld und der Kreisgruppe Lichtenfels vom 29. Mai bis 23. Juni durchgeführte Fahrzeugzäh­ lung ergeben. Das Messgerät hier­ zu hatte Fernmeldetechniker Hel­ mut Gunreben (im Bild links) kon­ struiert und in ein Vogelhäuschen integriert. Die ermittelten Daten, die um mehr als ein Viertel unter

gen des Projekts beigetragen haben. Hier sind die Dorfgemeinschaft Schlömen, der Landkreis Kulmbach, die Gemeinde Neuenmarkt, der ­Verein Franken helfen Franken, die Kulmbacher Bank, die Sparkasse und viele andere mehr zu nennen. Ein ganz besonderer Dank geht an den Agenda 21-Arbeitskreis des Landratsamtes Kulmbach, der auch mit einem Umweltmobil in die ­außerschulische Umwelterziehung einsteigt und hierfür mit dem Bund Naturschutz ein gemeinsames Kon­ zept erarbeitet hat. Mit der Garten­ meisterin und Kräuterpädagogin Sabine Fischer und dem Umwelt­ pädagogen Oliver Leimenstoll steht ein engagiertes Team für beide Ein­ richtungen in den Startlöchern. Die Honorarkosten für die Umwelt­

Foto: Längenfelder

Foto: Deller

as Verständnis für ökologische Zusammenhänge zu wecken und Verantwortung für die Schöp­ fung zu übernehmen sind die Ziele der Umweltschule, die sich an die Jahrgangsstufen eins bis sechs rich­ tet. Die angebotenen Themen sind lehrplankonform aufbereitet und reichen vom Lebensraum Wald und Wiese über den Wasserkreislauf bis hin zum Anbauen, Ernten und Zu­ bereiten von Obst und Gemüse. Für Schulklassen aus dem Land­ kreis Kulmbach ist die Umweltschu­ le kostenlos. Andere Schulen kön­ nen die Angebote ebenfalls nutzen, die auf Wunsch auch Projekte, ­Expeditionen und Klassenausflüge beinhalten können. Die Kreisgruppe Kulmbach be­ dankt sich bei allen, die zum Gelin­

Foto: Leimenstoll

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Kreisgruppe Rotttal-Inn

Ortstermin Das BN-Grundstück »Seibersdorfer Brenne« in den Innauen (kleines Bild): Auf dem ehemaligen Maisacker kommen heute wieder viele seltene Arten vor – anders als in den riesigen Mais-Monokulturen (v. links: Richard Mergner, BN-Landes­ beauftragter, Marianne Watzenberger, Geschäftsstellenleiterin der Kreisgruppe, Matthias Schmöller, 1. Vor­sitzender, Walter Sage, Artenschutzexperte der Kreisgruppe).

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Geschützt und doch bedroht: Diese Eiche bei Kirchdorf ist als Natur­ denkmal geschützt, weil sie das Ortsbild prägt und stattliche Stieleichen im Bayerischen Wald selten sind. Die Ortsstraße, die an der Eiche vorbeigeht und im Be­

Foto: Fuchs

NATURNOTIZEN AUS NIEDERBAYERN

iogasanlagen erzeugen Energie aus natürlichen Rohstoffen und tragen damit einerseits zum Um­ weltschutz bei. Andererseits sind die Anlagen im wahrsten Sinne des Wortes sehr hungrig. Gefüttert wer­

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Immer mehr Biogasanlagen stehen auch im Landkreis Rottal-Inn. Durch ihre Verbreitung nimmt jedoch auch der Maisanbau zu und dies hat Folgen für die Umwelt. Der Bund Naturschutz warnt vor Schäden durch den Maisintensivanbau und setzt sich mit der Renaturierung eines Maisackers in der Innaue gegen diesen Trend ein. den sie hauptsächlich mit Mais, denn die Biogaserzeugung erfolgt zu mehr als 60 Prozent auf der Basis dieser Nutzpflanze. Die dafür nöti­ gen gewaltigen Maisflächen beein­ trächtigen jedoch das Landschafts­ bild und die Vielfalt der Tierwelt, zudem könnten sie zum Einfallstor für Gen-Mais werden. Durch den Einsatz gefährlicher Spritzmittel drohen Schäden für Gewässer, Trinkwasser und Böden. Die BN-Kreisgruppe Rottal-Inn setzt sich gegen den Maisintensiv­ anbau ein und hat das Thema in diesem Jahr als einen Arbeits­ schwerpunkt gewählt. »Grundsätz­ lich ist die energetische Nutzung von Biomasse durchaus ein wichti­ ger Baustein zur dezentralen, zu­ kunftsfähigen Energieversorgung. Entscheidend ist aber, welche Subs­ trate verwendet werden, woher sie kommen und wie der Anbau er­ folgt«, sagte Matthias Schmöller, der Vorsitzende der Kreisgruppe, bei einem Pressetermin im August. Im Landkreis Rottal-Inn sind derzeit 89

reich des Baumes auf Privatgrund verläuft, soll saniert werden. Dage­ gen hat der Grundstücksbesitzer geklagt, so dass die Straße verlegt werden müsste. Kommt es zu kei­ ner Einigung mit der Gemeinde, würde dies wohl das Aus für die Eiche bedeuten. Das Landratsamt möchte deshalb die Schutzverord­ nung vorsorglich aufheben. Der BN hat dies im August mit einer Stellungnahme abgelehnt und kämpft weiter für die Eiche. Widerstand wächst weiter: Anfang August fand in Geisenhausen ein Treffen des BN Landshut und der Kreisgruppe Mühldorf mit Bürger­ initiativen gegen die B15 neu statt.

Natur + Umwelt BN-Magazin [4-10]

Ziel des Widerstands ist die ­Beendigung dieser neuen Autobahn an der A 92 bei Landshut. Da von einem Weiterbau auch der Land­ kreis Mühldorf betroffen wäre, beginnt hier im Herbst die Gründung von Bürgerinitiativen.

Biogasanlagen in Betrieb oder im Bau. Er hat damit eine Spitzenposi­ tion in Bayern. Die Nutzfläche, auf der der Energiemais angebaut wird, umfasst hier bereits 9750 Hektar. So darf es nicht weitergehen, ­fordert die Kreisgruppe: Der Mais­ anbau darf sich nicht ausweiten, in ökologisch sensiblen Gebieten muss er tabu sein. Um dazu einen Beitrag zu leisten, hat die Ortsgrup­ pe Simbach bereits vor vier Jahren im Rahmen des Projekts »Seibers­ dorfer Brenne« einen Maisacker ­direkt am Inn erworben und erfolg­ reich renaturiert. Das Grundstück umfasst einen Hektar und bietet durch seinen trockenen und kiesi­ gen Standort nahe einer Fluss-Aue wärmeliebenden Tieren wie Eidech­ sen und speziellen Pflanzenarten einen Lebensraum. Schon nach kurzer Zeit haben sich hier wieder charakteristische Arten wie Neuntö­ ter, Gelbbauchunke oder das Helm­ knabenkraut angesiedelt. Kurt Schmid (jtw)

Foto: Kreisgruppe

Foto: Schmid

Foto: Alta / Fotolia.com

Biogas-Boom: Landschaft »vermaist«

Kampf gegen den Staudenknöterich: Bei sechs Arbeitseinsät­ zen mit fast 150 Arbeitsstunden haben engagierte Aktive der Kreis­ gruppe Straubing im Sommer die­ ses Jahres die Bestände des Stau­ denknöterichs auf der Donauinsel des BN bei Entau bekämpft. Der Staudenknöterich verdrängt als

Neophyt die auen­typische Vege­ tation in dem wertvollen WeidenAuwald. Im kommenden Jahr sol­ len auf den befreiten Flächen hei­ mische Schwarzpappeln gepflanzt und die natürliche Verbreitung der Bäume gefördert werden. Nur so kann die Insel als Lebensraum ­seltener Arten bewahrt werden.


Foto: Neumann

Natur-Oase auf ehemaligem Truppenübungsplatz gesichert Nach Jahren zähen Ringens konnte die Kreisgruppe Aschaffenburg mit der Unterschutzstellung des ehemaligen Truppenübungsplatzes Schweinheim in diesem Herbst einen großartigen Erfolg erzielen. Auf über 287 Hektar entsteht dort eines der größten Naturschutz­ gebiete Unterfrankens.

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Bächen und Tümpeln ab. Daneben gibt es auch Streuobstwiesen, lichte Kiefernwälder und Mischwaldbe­ stände. In dieser Natur-Oase wur­ den bislang 300 seltene und vom Aussterben bedrohte Arten doku­ mentiert wie Kreuzkröte, Abend­ segler, Ziegenmelker, Schwarzkehl­ chen, Steinkauz, 22 Libellenarten und 24 Tagfalterarten, darunter sogar der in Bayern bislang als ver­ schollen eingestufte kurzschwänzi­ ge Bläuling. Bei den Pflanzen gesel­

nde 2006 begann der stufenwei­ se Abzug der US-Streitkräfte. Im Juli 2007 beantragte die Kreisgruppe Aschaffenburg die Unterschutzstel­ lung dieser »Arche Noah«, im Herbst desselben Jahres erhielt die Stadt Aschaffenburg das Areal zurück. Besonders kennzeichnend ist das enge Nebeneinander vieler ver­ schiedener Landschaftsstrukturen: trockene und sandige Böden mit Heideflächen, Magerrasen und ­Ruderalfluren wechseln sich mit feuchten Standorten wie Auwald,

dend zum Erfolg der Aktion beige­ tragen. Für den BN ist diese posi­ tive Resonanz Ansporn, sich weiter für die Ausweisung des National­ parks einzusetzen.

densten Themen wie Kröten, Ameisen, Waldboden und Wasser Naturerfahrung mit allen Sinnen genießen.

Foto: Orta

Bürger lehnen Westumgehung ab: Mit 58 Prozent Nein-Stimmen wurde der Ende August in Karl­ stadt im Landkreis Main-Spessart durchgeführte Bürgerentscheid zu einer klaren Abfuhr für die auto­ bahnähnlich geplante West­ umgehung Würzburg (B26n). Der BN wertet dies als deut­ liches Signal aus der Region für eine bessere Verkehrspo­ litik und gegen ein naturzer­ störendes Prestigeprojekt. Foto: Ernst Bohlig

Ja zum Nationalpark Steigerwald: Die Unterschriftenaktion für einen Nationalpark im Steigerwald am 24. Mai in der Schweinfurter Fuß­ gängerzone war ein voller Erfolg. Viele Passanten unterstützen das Anliegen mit insgesamt 250 Unter­ schriften. Der stellvertretende BNVorsitzende Sebastian Schönauer, die »Buche Emma«, Christian Grzimek (Bild v. l.), und Mitglieder der Kreisgruppe hatten entschei­

Natur erleben, Tiere schützen Wo Erholungs­ suchende durch­ atmen können, fin­ den auch gefähr­ dete Arten wie die Ödlandschrecke einen Rückzugs­ raum. Damit das ­ so bleibt, soll ein Wegenetz die Spa­ ziergänger davon abhalten, sensible Bereiche zu stören, ihnen aber auch Schautafeln und Beobachtungs­ möglichkeiten bie­ ten.

Zehn Jahre Naturerlebnistage: Zum zehnten Mal hat die Kreis­ gruppe Miltenberg ab Ende Mai den ganzen Sommer über mehrere Natur­erlebnistage für Kinder und Jugendliche organisiert. Mehr als 1000 Teilnehmer konnten in den zehn Jahren ihre Freizeit mit Mate­ rialien aus der Natur gestalten, auf Pferden reiten und zu verschie­

Infotafel: Dass weidende Schafe die Artenvielfalt sichern können, hat der BN mit seiner Rhönschaf­ herde auf den schon 1985 bei Ober­elsbach gekauften »Gassen­ wiesen« im Landkreis Rhön-Grab­ feld gezeigt. Über dieses Bewei­ dungsprojekt und die Artenvielfalt der Gassenwiesen können sich jetzt Wanderer und Naturfreunde auf einer großformatigen Tafel in­ formieren. Bei einem Pressetermin im Mai stellte der BN die Tafel der Öffentlichkeit vor.

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NATURNOTIZEN AUS UNTERFRANKEN

Foto: Schröder

Kreisgruppe Aschaffenburg

len sich zu den seltenen Vertretern der Trockenlebensräume auch Feuchtigkeit liebende Arten wie Sumpfquendel und Tausendgülden­ kraut. Möglich wurde diese Vielfalt, da während des militärischen Übungs­ betriebes weder der Boden umge­ brochen noch Dünger oder Pesti­ zide eingesetzt wurden. Auch in ­Zukunft müssen Düngereinträge vermieden und Flächen vor Ver­ krautung und Verbuschung bewahrt werden, zum Beispiel durch den Einsatz von Schafen. Darüber hin­ aus sind ein attraktives Wegenetz und ein Naturschutzzentrum vorge­ sehen, in dem der BN mitwirkt. In den vorhandenen Gebäuden am Rand des Geländes zeigte die Kreis­ gruppe Aschaffenburg von Mitte Juni bis Ende September bereits die Ausstellung »Im Reich des Ameisen­ löwen« und machte damit auf die Besonderheiten der Tier- und Pflan­ zenwelt des ehemaligen Militärge­ ländes aufmerksam. Attila Sargin (us)


Foto: Lorenz

Kreisgruppe Roth

»Energiebündel« will Region zur Energie-Autarkie führen

Nachruf: Am 31. Juli verstarb bei einem tra­ gischen Berg­ unfall Sabine Flierl (49), Vorsitzen­ de der Ortsgruppe Rothenburg und Umweltpädagogin der ersten Stunde. Sie hat viele Angebote für Kinder koordiniert und Umwelt­ bildungsprojekte wie »Der Energie auf der Spur« auf die Beine gestellt. Das »Klassenzimmer Natur« wird im Landkreis Ansbach mit ihrem Namen verbunden bleiben. Ihre Fachkompetenz, ihre freundliche Art und der klare Blick, mit dem sie für den BN und die Umwelt­ bildung gearbeitet hat, werden nicht nur in Ansbach fehlen.

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ie Initiative ging aus einem Par­ teiengespräch der Kreisgruppe Roth hervor. Auf Anregung von ­Hermann Lorenz aus Roth lud der BN-Kreisvorsitzende Michael Stöhr während des Bundestagswahl­ kampfs im August 2009 Interessierte aus Verbänden und Parteien in die Geschäftsstelle ein, um das Thema »Klima- und Energiekrise« zu be­ handeln. Dabei entstand die Idee zur Gründung des »Energiebün­ dels«. Es wurde eine Erfolgsge­ schichte, die zu einer bemerkens­ werten und erfolgversprechenden Allianz führte. Heute sind in der ­Initiative CSU, SPD, Grüne, Freie Wähler, FDP, ÖDP und L ­ inke ebenso vertreten wie Bund Naturschutz,

Eilantrag nötig: Die Schotter- und Steinwerk Weißenburg GmbH und Co. KG provoziert einen Macht­ kampf. Die BN-Kreisgruppe Wei­ ßenburg-Gunzenhausen hatte im März 2010 gegen die Genehmi­ gung eines riesigen Steinbruches am Hohlbeerbuck bei Rothenstein Klage beim Verwaltungsgericht eingereicht. Der Konzern stellte Anfang Mai Antrag auf Sofortvoll­ zug, den das zuständige Landrats­ amt am 29. Juni genehmigte. Mit einem Eilantrag will der BN die Rodungen von 30 Hektar Wald, zum Teil in der Schutzzone des Naturparks Altmühltal, aufhalten (s. N+U 2-10).

Natur + Umwelt BN-Magazin [4-10]

Bürgerentscheide gewonnen: Er­ freut hat die Kreisgruppe Erlangen die Ergebnisse der beiden Bürger­ entscheide vom 4. Juli im Land­ kreis Erlangen-Höchstadt in ­Sachen Flächenverbrauch aufge­ nommen. In Bubenreuth wurde mit mehr als 60 Prozent der Stim­ men ein Gewerbegebiet auf der grünen Wiese gestoppt (siehe Bild). In Uttenreuth stimmten über 73 Prozent der Bürger gegen die

Foto: Rubruck

In den Landkreisen Schwabach und Roth entstand dieses Jahr die Initiative »Energiebündel Roth-Schwabach e.V.«. Ihr Ziel ist es, die Region zur Energie-Autarkie zu führen. Durch intelligente Planung, Energieeinsparung und den Einsatz regenerativer Energieträger wie Sonne, Wind, Wasser, Erdwärme und Biomasse will die Region Roth-Schwabach 2030 ihren Energiebedarf alleine durch lokale regenerative Energieträger decken.

NATURNOTIZEN AUS MITTELFRANKEN Foto: KG Ansbach

Ministerbesuch Der erste Vorsit­ zende des »Ener­ giebündels«, Wer­ ner Emmer von der BN-Ortsgruppe Schwanstetten (5. v. l.), stellte dem Umweltminister Dr. Markus Söder (Bildmitte) die Ini­ tiative vor. Mit dabei waren auch der CSU-Kreisvor­ sitzende Volker Bauer, MdL Helmut Neuweg, Manfred Weiß von der Orts­ gruppe, Hartmut Siegling und ­Pressesprecher Herrmann Lorenz.

Landesbund für Vogelschutz und Bauernverband. Die Wärme- und Stromgemeinschaft Schwabach und die Energieagentur des Landkreises sowie die Kommunen Büchenbach, Greding, Kammerstein, Wendel­ stein, Allersberg, Rednitzhembach, Röttenbach, Roth, Schwabach und Schwanstetten sind ebenfalls mit dabei. Die erste große Veranstaltung war die Filmpräsentation »Die 4. Revolution«. Der Film zeigt eine Weltgemeinschaft, deren Energie­ versorgung zu 100 Prozent auf ­Erneuerbaren Energien basiert. Die Premiere lockte am 15. April 120 ­Besucher in das Luna Theater in Schwabach. Bei der Grundstein­ legung zur Umweltstation am Roth­ see am 26. April konnte sich das »Energiebündel« in einer kurzen Gesprächsrunde dem Staatsminis­ ter Dr. Markus Söder vorstellen. In der Mitgliederversammlung des »Energiebündels« Anfang Sep­ tember wurde ein auf GIS-Daten basierendes Solardach-Kataster vor­ gestellt. Das System kann geeignete Flächen aufzeigen und wichtige ­Planungsgrundlagen liefern. Wenn Verein, Kommunen, Landkreis und potenzielle Sponsoren an einem Strang ziehen, könnte der Service in der Region genutzt werden und be­ reits Anfang 2011 eine entsprechen­ de Auswertung vorliegen. Richard Radle, Stefan Schäffer (us)

Rodung eines Wäldchens für einen Supermarkt. Sommerfest: Am 25. Juli jährte sich zum 20. Mal das Sommerfest der Ortsgruppe Langenzenn, das sich durch ein reichhaltiges Programm zu einem beliebten Ausflugsziel ge­ mausert hat. Für Kinder gab es ein vielfältiges Angebot von Ponyreiten bis zum Musikinstrumentenbau, Erwachsene konnten sich an zahl­ reichen Ständen informie­ ren. Heuer wurde das Thema Artenvielfalt unter anderem anhand von über 200 ver­ schiedenen Apfelsorten und mehr als 30 Minzsorten ver­ anschaulicht.


AKW Temelin: Ausgelegte Pläne skandalös

Auch in Tschechien wird unvermindert an Atomkraft festgehalten, auch dort mit der Mär, man wolle die Stromversorgung gewährleisten und die Umwelt schützen. Obwohl das grenznahe Atomkraftwerk ­Temelin für seine schlechten Sicherheitsstandards berüchtigt ist, ­sollten ausgerechnet dort zwei weitere Reaktorblöcke gebaut werden. Diese Pläne sind jetzt auf Eis gelegt. Irrweg Der Bund Natur­ schutz lehnt den geplanten Ausbau des AKW Temelin entschieden ab. Er fordert die tsche­ chische Regierung auf, stattdessen die Energieverschwen­ dung drastisch zu verringern und die Erneuerbaren Ener­ gien auszubauen.

gen, die er im September nach Prag übersandte. Auch wenn die Temelin-Verant­ wortlichen eine Klagewelle aus Bay­ ern trickreich verhindert haben, können sie jetzt ihre Augen nicht länger davor verschließen, dass ein weiterer Ausbau der Atomkraft von immer mehr Bürgern entschieden abgelehnt wird – in Tschechien

Wohnen und leben: An über 100 Orten ist die Wanderausstellung »Wie wohnen? Wo leben?« in Bay­ ern schon gezeigt worden. Von Mai bis November war sie im Freiland­ museum Neusath-Perschen im Landkreis Schwandorf zu sehen, um dort Werbung für das Wohnen im Ortskern zu machen und so einen Beitrag gegen den anhalten­ den Flächenverbrauch und die Zersiedelung zu leisten. Der Zeit­ punkt war günstig, ergaben sich doch etliche Bezüge zur dort parallel laufenden Ausstel­ lung »Heimat, deine Bauten«. Fledermauskästen: Die Fleder­ mäuse sollen sich wieder hei­

ebenso wie in Bayern. Mitte Okto­ ber stoppte der Betreiber des AKW dann den Ausbau, aus finanziellen Gründen. Eine gute Nachricht, die belegt, dass es in Europa keinen Energie-Engpass gibt und die ­»Renaissance der Atomkraftwerke« ­Unsinn ist. Attila Sargin, Helmut Schultheiß (us)

misch fühlen in Schnaittenbach und Umgebung. Normalerweise suchen sie Baumhöhlen in alten Bäumen und Totholz auf. Da diese flächendeckend fehlen, findet die Fledermaus keine geeigneten Brutplätze. Deshalb hatte die Orts­ gruppe Schnaittenbach im Land­ kreis Amberg-Sulzbach im Früh­ jahr 2009 50 Nistkästen aufge­ hängt. Bei regelmäßigen Kontrol­ len haben die BN-Aktiven seither bereits Männchen von Zwerg­ fledermaus, Bechstein­ fledermaus und Fran­

senfledermaus in den Kästen an­ getroffen. Jubiläum: Ihr 25-jähriges Bestehen feierte Ende Juni die BN-Ortsgrup­ pe Pettendorf im Landkreis Re­ gensburg. Sie hatte sich zur trei­ benden Kraft für eine nach­haltige Entwicklung in den Gemeinden Pettendorf, Pielenhofen und Wolfs­egg entwickelt. Dort wurde schon in den 80er-Jahren die ­Mülltrennung eingeführt. Auch die ­Rettung des N ­ aturschutz- und FFH-Gebietes Greifenberg, des Amphibienbiotops Kneitinger Tümpel und der Trollblumenwiese Wolfsegg ist dem Engagement ihrer Mitglieder zu verdanken.

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NATURNOTIZEN AUS DER OBERPFALZ

Orchideen-Exkur­ sion: Am 22. Mai haben Mitglieder der Kreisgruppen Cham und Schwandorf eine Ex­ kursion zum Naturdenkmal Hvoz­ danska louka in den tschechischen Teil des Böhmerwaldes unternom­ men. Das Orchideenparadies, eine Wiese von 6,75 Hektar, beherbergt auf kleiner Fläche mehr als 241 Pflanzenarten, darunter seltene Arten wie das Kleine Knabenkraut. Damit bietet die Wiese auch vielen Insekten und Schmetterlingen Le­ bensraum. Bedroht ist diese im­ mense Artenvielfalt jedoch durch den Dünger- und Pestizideintrag aus benachbarten Äckern.

Kreisgruppe Neustadt an der Waldnaab

Foto: Schuller

Foto: Kaiser

ilig hatten es die Temelin-Verant­ wortlichen in diesem Sommer mit dem Genehmigungsverfahren – auch weil sie den strikteren und bürgerfreundlicheren Vorgaben des neuen EU-Rechtes zuvorkommen wollten, das auch Anliegern aus an­ deren Staaten ein Klagerecht ein­ räumt. Vor allem dem Druck der Naturund Umweltschutzverbände ist es zu verdanken, dass die Genehmi­ gungsunterlagen aber doch schon jetzt in den grenznahen bayerischen Landkreisen öffentlich ausgelegt werden mussten. Allerdings waren die Texte so umfangreich und mit so viel »Fachchinesisch« angereichert, dass viele Details nur für Fachleute zu verstehen waren. Dagegen such­ te man vergeblich nach Angaben zum geplanten Anlagentyp oder zur Anlagengröße. Zudem wurden die Pläne ausgerechnet in den Schulfe­ rien ausgelegt. Umso wichtiger war es dem BN, durch Presse­arbeit, Newsletter und Rundmails auf die Möglichkeit, Ein­ wendungen zu erheben, aufmerk­ sam zu machen. Entsprechende Mustereinwendungen stellte unter anderem die Plattform gegen Atom­ gefahr zur Verfügung. Im August sammelte der BN Privateinwendun­

Foto: wikimedia

E


WINTERABENTEUER

Foto: Willner

EU-Strategie: Chance für die Donau?

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m Februar dieses Jahres wurde in Ulm die neue EU-Strategie für die Donauregion vorgestellt. Sie bietet Weitere Termine Die aktuelle die Chance, den Fluss als ökologi­ Termin­übersicht des sches Rückgrat des gesamten euro­ BN-Bildungswerkes päischen Donaugebiets zu revitali­ bis zum Frühjahr sieren. Den noch frei fließenden 2011 gibt es unter Flussabschnitten als besonders www.bund-naturwertvollen Bereichen in allen Anrai­ schutz.de/umweltbildung. nerstaaten kommt dabei besondere Bedeutung zu, unter anderen dem Abschnitt der bayerischen Donau zwischen Straubing und Vilshofen. Gleichzeitig läuft aber eine weitere,

noch von der CSU-Alleinregierung in Auftrag gegebene Untersuchung zum Ausbau des frei fließenden Flusses. Wie sieht die Zukunft des »bayerischen Amazonas« vor die­ sem Hintergrund aus? Was kann die neue EU-Strategie bewirken? Mit diesen Fragen befasst sich der 19. Donaukongress in Niederal­ teich. Wie jedes Jahr nehmen auch heuer wieder internationale Exper­ ten teil, die informieren, diskutieren und für Fragen zur Verfügung ste­ hen. Alle Interessierten sind herz­ lich eingeladen!  Niederalteich, 11. / 12. Dezember 2010 Kontakt: BN-Kreisgruppe Deggendorf, Tel. 09 91-3  25 55, bund-naturschutz@degnet.de

Frauen im Dialog

Zukunftsfähiges Deutschland im Allgäu

Foto: Staiger

W

as bedeutet Zu­ kunftsfähigkeit in einer globalisierten Welt? Was stärkt eine Region wie das Allgäu? Welche Prozes­ se müssen angestoßen werden, welche Akteure lassen sich gewinnen? Bei der Veranstaltung in Kempten refe­ rieren die BUND-Ehrenvorsitzende Prof. Dr. Angelika Zahrnt (Bild) und Dr. Dorothea Deneke-Stoll, Präsi­ dentin der Landessynode der Evan­ gelisch-Lutherischen Kirche in ­Bayern, speziell aus Sicht der Frau­ en. Dabei thematisieren sie die ­Studie »Zukunftsfähiges Deutsch­ land« von BUND, Brot für die Welt

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Natur + Umwelt BN-Magazin [4-10]

und Evangelischem Entwicklungs­ dienst. Begleitet wird die Veranstal­ tung von der Foto-Wanderausstel­ lung »Mensch, Milch, Macht«, die den Arbeitsalltag von Milchbäuerin­ nen in Deutschland, Frankreich, Holland und Burkina Faso darstellt. Frauendialog und F ­ otoausstellung sind ein Projekt der BN-Ökostation Schwaben, des Dekanats der evan­ gelischen Kirchen im Allgäu, des Bio-Rings Allgäu und der Weltläden in der Region Kempten-Oberallgäu.  Kempten, 17. Dezember 2010 Kontakt: BN Ökostation Schwaben, Tel. 08 31-1 51 11, kempten-oberallgaeu@bund-naturschutz.de

Wildtieren auf der Spur

Selbst größere Tiere wie Reh, Dachs oder Waldohreule sind im Wald gar nicht so einfach zu entdecken. Sie leben versteckt und sind gut getarnt. Aber sie hinterlassen Spuren: Trittsiegel, Fraßspuren, Höhlen, Gewölle und Losung. Bei dem Seminar begeben sich Eltern, Erzieher, Lehrer und andere interessierte Erwach­ sene zusammen mit einer Biologin auf Spurensuche.  Würzburg, 25. November 2010 Kontakt: Ökohaus Würzburg, Tel. 09 31-4 39 72, info@bn-würzburg.de

Foto: Avetisyan / fotolia.com

Donaukongress 2010

Leben im Schnee

Winterschwammerl

Wer bisher der Meinung war, dass Pilze nur im Sommer und Herbst wachsen, wird überrascht sein, welch seltene Schönheiten man auch im Winterwald entdecken kann. Bei der winterlichen Pilz­ wanderung erfahren die Teilnehmer außerdem, welche Rolle die Pilze im Ökosystem Wald spielen.  Passau, 12. Dezember 2010 Kontakt: Ökologisches Zentrum Passau-Stelzlhof, Tel. 08 51-9 66 96 30, info@stelzlhof.de

Kauf einer Solaranlage

Ein Abend für alle, die überlegen, in solare Warmwassererzeugung und Heizungsunterstützung zu ­investieren. Welche KollektorbauArten und Speichertypen gibt es? Welche Faktoren sind für die Aus­ legung der richtigen Anlagengröße wichtig? Hier gibt es Antworten, Kostenbeispiele und Infos zu den staatlichen Förderprogrammen.  Würzburg, 26. Januar 2011 Kontakt: Ökohaus Würzburg, Tel. 09 31-4 39 72, info@bn-würzburg.de


BN-VERANSTALTUNGEN UND WEITERE TERMINE Wartaweil, Tel. 0 81 52-96 77 08, wartaweil@bund-naturschutz.de

Für Architekten, Bau- und Ener­ gieberater, Denkmalschützer und Eigentümer älterer oder denkmal­ geschützter Gebäude.  Nabburg, 4. Februar 2011 Kontakt: BN-Bildungswerk, Tel. 09 41-2 97 20 42, bildungswerk@ bund-naturschutz.de

Vgl. Beitrag linke Seite  Niederalteich, 11. / 12. Dezember 2010 Kontakt: BN-Kreisgruppe Deggendorf, Tel. 09 91-3 25 55, bund-naturschutz@degnet.de

Foto: BN-Archiv

Donaukongress

und regionaler Vermarktung.  Nürnberg, 2. – 3. März 2011 Kontakt: BN-Regionalreferat, Tel. 09 11-8 18 78 14, inge.kremer@ bund-naturschutz.de

Energetische Sanierung

Foto: PhotoDisc

Wir wollen keine Gentechnik im … und wie wir Essen! Wir wollen keine weitere uns dagegen Industrialisierung von Landwirt­ wehren kön­ schaft und Tierhaltung! nen. Der Work­  Berlin, 22. Januar 2011 shop behan­ Kontakt: BUND Berlin, Tel. delt neue Stu­ 0 30-2 75 86 40, kontakt@bunddien, die aktu­ berlin.de elle politische und rechtliche Lage sowie erfolgrei­ che Aktionen gegen Gentechnik.  Landshut, 26. November 2010 Kontakt: BN-Landwirtschaftsreferat, Tel. 09 11-8 18 78 21, marion. ruppaner@bund-naturschutz.de

Von Bibern und Menschen

Umweltbildung rund um den Biber: Exkursionsdidaktik für P ­ ädagogen, Freizeit-Messe Naturparkranger und Biberführer. Messe für Freizeit und Garten –  Wartaweil, 29. Januar 2011 mit BN-Infostand zu Streuobst Kontakt: BN-Naturschutzzentrum

Umweltpolitischer ­Aschermittwoch

Auf ein Wort! Es gibt klare Ansagen zur Umweltpolitik und Musik, für das leibliche Wohl ist gesorgt.  Plattling, 9. März 2011 Kontakt: BN-Kreisgruppe Deggendorf, Tel. 09 91-3 25 55, bund-naturschutz@degnet.de

BN-STUDIENREISEN | TEL. 0 91 23 - 9 99 57 10

Hallig Hooge und Husum

Inmitten des Nationalparks Wat­ tenmeer liegt die Hallig Hooge mit 120 Einwohnern. Rundherum leben und rasten mehr als drei Millionen Vögel.  Deutschland, 26. April – 3. Mai 2011

Donaudelta

Mit einem Hausboot gleiten die Reiseteilnehmer auf gewundenen Flussarmen durch das größte Schilfgebiet der Welt, ein Vogel­ paradies.  Rumänien, 6. – 15. Mai 2011

Blumeninsel Madeira

Die Blumenpracht und das üppige Grün der steilen Atlantikinsel sind legendär. Meer, Steilküste und Hochgebirge faszinieren durch starke Kontraste.  Portugal, 26. April – 16. Mai 2011

BN-Konto: Bank für Sozialwirtschaft, Konto 8 885 000, BLZ 700 205 00 BN-Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft, Konto 8 844 000, BLZ 700 205 00

Foto: Gross

Felsige Küstengebirge, malerische Dörfer, romantische Burgen – das ist Ligurien. Hier gedeihen Feigen, Palmen, Oliven und Wein. Die Wanderungen erschließen Italien für die Sinne(s. Seite 9).  Italien, 24. April – 2. Mai 2011

Foto: Franzen / fotolia.com

Ligurien und Cinque Terre

Herausgeber: Bund Naturschutz in Bayern e. V. (BN), vertreten durch Peter Rottner, Landes­ geschäfts­führer, Dr.-Johann-Maier-Str. 4, 93049 Regensburg, www.bund-naturschutz.de Leitender Redakteur (verantw.): Manfred Gößwald (göß) Redaktion: Holger Lieber (hl), Christoph MarklMeider (cm), Ursula Schulte (us), Tel. 09 412 97 20-22, Fax -31, nu@bund-naturschutz.de Mitglieder-Service: Tel. 09 41-2 97 20-29 und -20 Gestaltung: Gorbach GmbH, Utting a. Ammersee (Layout: Waltraud Hofbauer) Titelfoto: Wolfgang Willner, Landart von Monika Glasl, www.landart-naturkunst.de Litho: Fotosatz Amann, Aichstetten Redaktion BUND-Magazin: Severin Zillich (verantw.), Am Köllnischen Park 1, 10179 Berlin, Tel. 0 30-27 58 64-57, Fax -40 Druck und Versand: Brühlsche Universitätsdruckerei Gießen Verlag und Anzeigen: BN Service GmbH, Eckertstr. 2, Bahnhof Lauf (links), 91207 Lauf an der Pegnitz, Tel. 0 91 23-9 99 57-30, Fax -99, info@service.bund-naturschutz.de Auflage: 103. 000 Bezugspreis: Für Mitglieder des BN im Beitrag ­ent­­halten, für Nichtmitglieder Versandgebühr ISSN 0721-6807

Mit Namen gezeichnete Artikel geben nicht un­ bedingt die Meinung der Redaktion oder des BN wieder. Nachdruck nur mit Geneh­migung des BN. Für unverlangt eingesandte Artikel oder Fotos keine Gewähr. Die Redaktion behält sich das Recht vor, Leserbriefe zu kürzen. »Natur+Umwelt« wird auf 100 % ­Recycling­­papier gedruckt.

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Großdemo gegen Gegentechnik

Foto: Schultheiß

Risiken der Gentechnik


Natur+Umwelt 4-2010