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Natur+Umwelt BUNDmagazin in Bayern www.bund-naturschutz.de

Die Vielfalt braucht unseren Schutz 2010 ist »Jahr der Biodiversität« – dem Titel müssen Taten folgen

Heft 4-2009 91. Jahrgang 4. Quartal


Fotos: istockphoto.com JANDA+ROSCHER, Die WerbeBotschafter

Die Geschenkidee 2009: Eine BN-Mitgliedschaft Für Ihre Familie, für Freunde, für Firmen – und für die Natur! Ein Geschenkpaket, das Freude macht ht – und d Gutes G t tut. t t Geschenk-Urkunde Mitgliedsausweis

3 schöne Lesezeichen

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Sie suchen ein sinnvolles Weihnachtsgeschenk für Ihre Familie, Freunde oder Mitarbeiter? Dann legen Sie ihnen doch etwas ganz Besonderes unter den Weihnachtsbaum: Ein Jahr Mitgliedschaft im BN. Damit schenken Sie 365 Tage Hilfe für bedrohte Tiere und Pflanzen, für einmalige Landschaften und gefährdete Lebensräume. Der Beschenkte freut sich zudem über vier Ausgaben der „Natur+Umwelt“ und kann die Vergünstigungen bei Reisen und Veranstaltungen des BN voll nutzen. Mit der geschmackvoll zusammengestellten Geschenkkassette überreichen Sie Ihr Präsent stilvoll. Füllen Sie einfach die beigeheftete Karte aus, und senden Sie sie bis zum 11.12.09 an uns . Wir schicken Ihnen die Geschenkkassette dann rechtzeitig vor dem Fest zu.

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Inhalt Bund Naturschutz Bayern

Natur+Umwelt 4-2009

4 Glückwunsch Zwei hoch verdiente Alpenschützer im BN feiern runde Geburtstage. Und mehr »Intern« 6 Leserbriefe 7 Profi Ehrenamtlich und zugleich professionell leitet Ulrike Geise den Arbeitskreis Artenschutz des BN. Ein Portrait 8 Luft holen Gegen Schadstoffe in Räumen hilft vor allem lüften. Was noch, sagt unser Ratgeber. 9 Unendliche Weiten Um die zu erleben, müssen Sie nicht in den Weltraum – reisen Sie lieber mit dem BN nach Norwegen.

Inhalt BUND

10 Schutzbedürftig Ein Blick auf die gefährdete Vielfalt des Lebens.

B4 Kommentar zur Bundestagswahl

20 Olympischer Ungeist München 2018? Für eine vordergründig schöne Idee darf man nicht letzte Alpennatur opfern.

B6 Umwelt und Gesundheit sind eng miteinander verbunden. Im BUND-Schwerpunkt informieren wir Sie unter anderem über Nebenwirkungen von Nanopartikeln und Energiesparlampen.

24 Gemischte Bilanz Bestätigte Befürchtungen, ansprechende Ansätze: die ersten Jahre Bayerische Staatsforsten. Und mehr »Aktuell« 28 Sticht immer Der vielfach nützliche Schlehdorn im Portrait. 29 Fotoseite 30 Breitwinkel Wer im BN aktiv ist, muss verschiedene Aspekte des Natur- und Umweltschutzes gleichzeitig im Blick haben. Und mehr »Regional« 38 Bildung

Foto: Mirwald

Liebe Leser

39 Termine, Impressum

B1 BUND-Editorial B2 Magazin

B16 Klimagerechtigkeit jetzt! Die BUND-Aktion zur UNKonferenz in Kopenhagen. B20 Politik und Pannenhilfe Ein Ratgeber zur Wahl des richtigen Verkehrsclubs. B22 Lebendiges Denkmal Ein Schwerpunkt zu 20 Jahre Grünes Band. B28 Junges Theater Mit einem selbst komponierten Musical kämpft eine Schülergruppe aus Rheinland-Pfalz gegen einen Steinbruch.

Unser gemeinsamer Einsatz gegen den Ausstieg vom Atomausstieg hat nicht verhindern können, dass die neue Berliner Koalition Laufzeiten verlängern will. Alles umsonst also? Ganz sicher nicht, denn angesichts der wiedererstarkten Anti-Atom-Bewegung wird die Regierung Zugeständnisse zugunsten der Sicherheit machen müssen (Seite 5 und B4). Alles umsonst, das dachten manche vor fünf Jahren nach dem knapp gescheiterten Volksbegehren »Aus Liebe zum Wald«. Doch unser Rückblick (Seite 24) zeigt auch hier das Gegenteil: Die Bayerischen Staatsforsten wissen um drohende Kritik und reagieren zum Beispiel mit einem neuen Naturschutzkonzept. Ihr Einsatz, liebe BN-Mitglieder, ist nie vergebens. Aktuell können Sie den wertvollen Wäldern des Steigerwaldes helfen. Bitte unterstützen Sie unsere OnlineKampagne (Seite 18). Herzlichen Dank. Ihr Manfred Gößwald, leitender Redakteur

Der Brachvogel braucht Schutz Ebenso der Violette Feuerfalter (Lycaena alciphron) von unserem Titelbild. Und unzählige weitere Arten. Lesen Sie, was der Bund Naturschutz für den Erhalt der natürlichen Vielfalt leistet, auch lange vor dem »Jahr der Biodiversität«. Ab Seite 10

Sei STEIGER-MÄN Noch nie den Wald vor der Motorsäge gerettet? Dann wird’s Zeit! Machen Sie mit bei unserer Online-Kampagne. So helfen Sie, den Steigerwald auf Dauer zu schützen – auch ohne die Kräfte eines Superhelden. Seite 18

Lebendiges Denkmal Das Grüne Band feiert in diesem Herbst seinen 20. Geburtstag. Die »Geburtshelfer« vom BN erinnern sich, wie sich der einstige Todesstreifen als Lebenslinie entpuppte. Ab Seite B22

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Manfred Engelhardt neuer Beiratssprecher

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er neu gewählte Landesbeirat des Bundes Naturschutz bestimmte in seiner konstituierenden Sitzung Manfred Engelhardt aus Dettelbach im Landkreis Kitzingen zu seinem neuen Sprecher. Das höchste BN-Gremium zwischen den Delegiertenversammlungen hat damit einen engagierten und erfahrenen Umweltschützer, der schon seit 1993 Beiratsmitglied ist, zu seinem Vorsitzenden gewählt. Manfred Engelhardt führt seit 1990 die BNKreisgruppe Kitzingen und hat vor allem im Kampf gegen den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen in seinem Landkreis die Kräfte des BN im lokalen Bündnis erfolgreich zum Tragen gebracht. Demonstrationen, Veranstaltungen mit Diskussionen und Vorträgen, Kontakte mit Ministern und den Medien gehen auch wesentlich auf seinen Impuls zurück. Außerdem sind andere Themen wie Artenschutz, Bio-Landwirtschaft und Energiesparen unter den Schwerpunkten seiner BNArbeit. Manfred Engelhardt ist 59 Jahre alt, verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder und ist beruflich als Gymnasiallehrer gefordert. Sein neues Amt reiht sich in sein vielseitiges Engagement ein und wird zu Synergien führen, die den Landesbeirat auch zukünftig als Vordenker und Mittler in einer lebendigen Verbandslandschaft agieren lassen. Auch weiterhin wird sich der Beirat in verbandspolitisch wichtige Entscheidungen einbringen und zusammen mit dem Vorstand den Verband nach vorne bringen. Dr. Wolfgang Rapp

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Foto: BN

Foto: Gößwald

Foto: privat

Neu gewählt Manfred Engelhardt, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Kitzingen und langjähriges Mitglied des BN-Landesbeirats wurde als Nachfolger von Dr. Wolfgang Rapp (N+U 3-09) zum neuen Sprecher dieses wichtigen Verbandsgremiums gewählt.

Von Amphibien bis Zwergbirke

Werner Fees 75 Jahre

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m BN-Referat Arten- und Biotopschutz dreht sich alles um den Naturschutz, einen Kernbereich der Verbandsarbeit. Die Palette der Aufgaben reicht von der Unterstützung der Naturschutzprojekte der Kreisund Ortsgruppen über Medienarbeit, BN-Lobbyarbeit in Ministerien, die Erstellung von Positionspapieren mit dem engagierten Landesarbeitskreis Artenschutz (siehe Seite 7) bis hin zur Durchführung landesweiter Modellvorhaben. Mit fast einer Million Euro ist der Fachetat des Referates der weitaus größte im Landesverband. Brigitte Mader (im Foto rechts), gelernte DB-Assistentin und Mitarbeiterin seit 17 Jahren, muss sich unter anderem täglich mit immer neuen bürokratischen Hürden bei Fördermitteln auseinandersetzen. Die Dipl. Biologin Dr. Christine Margraf, Leiterin der BN-Fachabteilung München, ist zusätzlich Ansprechpartnerin des Referates für Südbayern. Natura 2000, Fluss- und Auenschutz, botanischer Artenschutz, Alpen und Moorschutz sind seit 1994 ihre Kernbereiche. Nordbayern und Themen wie Amphibienschutz, Biber, Wildkatze, Luchs, Fischotter oder Grünes Band liegen beim Leiter des Referates, Dr. Kai Frobel, der als Dipl. Geoökologe seit 1985 beim BN arbeitet. Nur am Schreibtisch sitzen ist nichts für die beiden: Christine Margraf kartiert in der knappen privaten Zeit gerne Auwaldvegetation, Kai Frobel Libellenvorkommen. Die breite Aufgabenpalette macht Spaß, und ansteckend ist für dieses Referat das ehrenamtliche BN-Engagement vor Ort, ohne das der Naturschutz in Bayern nicht vorstellbar wäre!

m 6. August feierte Werner Fees seinen 75sten Geburtstag; der Bund Naturschutz gratuliert herzlich. Fees ist seit Jahrzehnten einer der profiliertesten und erfolgreichsten Kämpfer für die bayerischen Alpen. Der langjährige Vorsitzende der BN-Kreisgruppe Miesbach und stellvertretende Sprecher des Landesarbeitskreises Alpen von 1992 bis Anfang 2009 scheute nie eine Auseinandersetzung, wenn es galt, die Berge zum Beispiel vor neuen Straßen zu schützen. Unter anderem konnte er in den 1970er-Jahren die totale Erschließung der Rotwand, des »Münchner Hausbergs«, mit Teerstraßen verhindern. Auch dass das Wallberg-Autorennen heute nicht mehr stattfindet, ist mit Werner Fees’ Verdienst. Im Bund Naturschutz Landesverband kennt und schätzt man Fees für sein verbandliches Engagement in vielen Funktionen. Er war das wohl längstjährige Mitglied des Landesbeirats, von 1975 bis 2009, Delegierter beim BUND von dessen Gründung 1975 bis heute und nicht zuletzt auch beliebter Leiter von Pflanzenexkursionen und Bergtouren. Gerade ein umweltschonender Tourismus ist ihm ein besonderes Anliegen, mit seinen eigenen Angeboten geht er selbst vorbildlich voran; seit Jahrzehnten setzt er sich für den Schutz der Alpen vor einer touristischen Übererschließung ein. Große Verdienste hat er sich auch beim Aufbau des BN-Naturschutzund -Jugendzentrums Wartaweil erworben, wo er im WartaweilBeirat über zehn Jahre maßgeblich mitwirkte.


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m 30. Juni wurde der international bekannte Wald- und Alpenschützer Dr. Georg Meister 80 Jahre alt. Der Bund Naturschutz gratuliert seinem langjährigen Sprecher des Arbeitskreises Alpen – von dessen Gründung 1992 bis Anfang 2009 – und heutigen stellvertretenden AKSprecher herzlich. Im Arbeitskreis hat Dr. Meister die Positionen des BN zu den Alpen geprägt und die Alpen-Kreisgruppen fachlich beraten. Er war auch viele Jahre Mitglied des BN-Landesbeirats. Für sein Engagement hat der BN Dr. Meister bereits 1977 die Bayerische Naturschutzmedaille und 1994 die KarlGayer-Medaille verliehen. Einer breiten Öffentlichkeit ist Dr. Meister vor allem als unerschrockener Kämpfer für den Grundsatz »Wald vor Wild« bekannt. Schon in seiner Zeit als bayerischer Forstbeamter – er leitete unter anderem das Forstamt Bad Reichenhall und entwickelte in den 1970er-Jahren den Nationalpark Berchtesgaden – eckte er nicht selten an, indem er für eine Reduzierung der Wildbestände auf ein Maß eintrat, das ein natürliches Nachwachsen aller wichtigen Baumarten des Bergwaldes ermöglichte. Dr. Meister veröffentlichte zahlreiche Bücher, zuletzt 2004 das vielbeachtete Werk »Die Zeit des Waldes«. Für sein großes Engagement für naturnahe Mischwälder erhielt er 2005 den Bruno-H.-Schubert-Umweltpreis, den höchstdotierten privaten Umweltpreis in Deutschland.

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uch die bayerischen Wählerinnen und Wähler haben sich für einen Regierungswechsel in Berlin entschieden, aber dies ist keineswegs eine Entscheidung für Atomkraft und für Agrogentechnik. Union und FDP haben, wie aktuelle Umfragen zeigen, die Bundestagswahl ja nicht wegen, sondern trotz ihrer Position zur Atomenergie und Genmanipulation gewonnen. Denn auch ein großer Teil der Wähler von CSU und FDP will den Ausstieg aus der lebensfeindlichen Atomenergie und keine Gentechnik im Essen. Mit unserem Bundesverband BUND haben wir die Koalitionsverhandlungen intensiv begleitet und versucht, den Umweltpolitikern in CSU/CDU und FDP den »Rücken zu stärken«. Einige der gewählten Abgeordneten haben ihre abweichenden Positionen zur jeweiligen Parteilinie offen vertreten. So hat CSUMdB Josef Göppel aus dem Wahlkreis Ansbach vor der Wahl mutig »Flagge gezeigt« und eine Anzeige des BUND für den Atomausstieg unterzeichnet. Der Bund Naturschutz appelliert an CSU wie FDP, ihren Atomkurs aufzugeben und konkreten Klimaschutz durch Energieeinsparung und naturverträglichen Ausbau der Erneuerbaren Energien zu forcieren. Mehrere 1000 Teilnehmer aus Bayern, darunter viele BN-Aktive, waren bei der mit über 50 000 Teilnehmern größten Anti-Atom-Demonstration seit 20 Jahren in Berlin. Es gibt keine Renaissance der Atomenergie, sondern eine eindrucksvolle Renaissance und Verjüngung der Anti-AtomBewegung. Wir werden der Atomlobby und den profitorientierten Energiekonzernen EON, RWE und Co. das Feld nicht überlassen und bitten Sie um Ihre engagierte Unterstützung. Wechseln Sie zu Ökostrom, und schreiben Sie Ihrem Wahlkreisabgeordneten, dass der Atomausstieg nicht rückgängig gemacht werden darf. Auch der Vorrang der Netzeinspeisung für Erneuerbare Energien

Foto: Mergner

Liebe Mitglieder

Foto: privat

Dr. Georg Meister 80 Jahre

Jetzt ein »Konjunkturprogramm Umweltschutz«

darf nicht gekippt werden. Gerade die CSU werden wir an ihre Wahlversprechen erinnern, sich auch in der neuen Koalition für ein gentechnikanbaufreies Bayern einzusetzen. »Wer Gentechnik sät, wird Widerstand ernten.« Und bei der Rettung der frei fließenden Donau in Niederbayern werden wir das Wahlversprechen der FDP-Bundestagsabgeordneten einfordern, am Bundestagsbeschluss für einen sanften Ausbau ohne Staustufen festzuhalten. Der wiedergewählte FDP-Abgeordnete aus Regensburg Horst Meierhofer, inzwischen auch als Vorsitzender der bayerischen FDP-Landesgruppe bestätigt, hatte auch mit dem Schutz des »bayerischen Amazonas« um Stimmen geworben. Für Deutschland und Bayern fordert der Landesvorstand des Bundes Naturschutz ein »Konjunkturprogramm Umweltschutz«. Dabei müssen vorrangig ökologisch kontraproduktive Subventionen abgebaut, der Atomausstieg beschleunigt und eine ökologische Steuerreform sowie eine ökologische Landwirtschaft vorangebracht werden. Dies entlastet die Umwelt und erspart dem Steuerzahler zig Milliarden Euro. Wir bauen auch in den nächsten vier Jahren auf Ihre aktive Unterstützung für die umweltpolitische und überparteiliche Arbeit zur Bewahrung unserer Lebensgrundlagen. Ihr Prof. Dr. Hubert Weiger, Vorsitzender des BN Ihre Doris Tropper, stv. Vorsitzende des BN Ihr Sebastian Schönauer, stv. Vorsitzender des BN

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Flagge gezeigt Die drei BNVorsitzenden und der Landesbeauftragte Richard Mergner demonstrierten am 5. September mit der bayerischen AntiAtom-Delegation in Berlin, mit im Bild BN-Beiratsmitglied Renate Schwäricke (4. v. r.).


Schreiben Sie uns! Wir freuen uns auf Ihre Meinung: BN-Magazin »Natur+Umwelt«, Dr.-JohannMaier-Str. 4, 93049 Regensburg, Tel. 09 41-2 97 20 22, Fax 2 97 20 31, nu@bundnaturschutz.de

Zur Parteienbefragung in N+U 3-2009 Seit 25 Jahren bin jetzt Mitglied beim BN. Ich habe mich schon öfters über die einseitige Berichterstattung zu Umweltaktivitäten geärgert. Besonders vergessen wurden immer die erfolgreicheren Aktivitäten der ÖDP, Ökologisch Demokratische Partei, gegenüber dem Tun und Lassen von Bündnis 90 / Die Grünen. In Heft 3-2009 vergessen Sie wieder einmal die ÖDP, befragen aber die absolut umweltfeindlichste Partei, die FDP. Ich hoffe, dass Sie endlich merken, dass die ÖDP in Bayern bereits mehr für den Umweltschutz getan hat als alle anderen Parteien zusammen. Horst Feist, ÖDP-Stadtrat Zirndorf Ihr neuestes Heft habe ich mit großem Interesse gelesen, denn es ging ja im Hauptthema um die »Entscheidung über das atomare Risiko bei der Bundestagswahl«. Dabei fiel mir auf, dass bei den von Ihnen verglichenen Parteien die ÖDP fehlte. Sie wurde auch sonst in keinem Text erwähnt. Das fand ich nicht ganz fair, denn die ÖDP ist zwar eine kleine Partei, aber sie ist wirklich ökologisch ausgerichtet, und sie hat ganz bewusst den Slogan »auch ein kleiner Reißnagel kann einen großen Hintern bewegen!«. Karin Wiesinger, Erlangen

Klimakollaps viel näher Zum Beitrag »Klimaschutz funktioniert anders« in N+U 3-2009 »Natur+Umwelt« ist immer wieder interessant und aufschlussreich zu lesen. Ich stimme Ihnen in Ihren Artikeln zu – nur in einem nicht. Das Problem des Klimawandels sehe ich viel näher und drastischer als überall, in Medien, Politik, und Wirtschaft sowieso, dargestellt – und leider auch in sämtlichen Umweltorganisationen. Wie bereits 2007 die IPCC-

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ren überlegt, mit (Leitungs-)Gas zu kochen. Interessant trotzdem der Tipp zum Kochen mit FlüssiggasFlasche. Ich würde allerdings aus Sicherheitsgründen auf Flüssiggas im Haushalt verzichten (ist schwerer als Luft, sammelt sich bei Undichtigkeit in Senken). Die Flasche müsste oft gewechselt werden, außerdem ist sie nicht leicht unterzubekommen. Wir haben auf den Einsatz von Gas verzichtet, weil Fachleute bei der Verwendung ausgerechnet für den Backofen, wo es sich energetisch am meisten lohnen würde, abgeraten haben. Es wäre daher interessant, ob es jetzt gute Geräte für Gas auch beim Backofen gibt. Olaf Tobiasch, Veitsbronn

Heilige Kühe Zum Beitrag »No milk today« in N+U 3-2009 Die Kühe sind auch in Europa und Amerika heilig. Allerdings nicht im religiösen Sinne, sondern als Wirtschaftsfaktor. Bisher galt der Bauer am reichsten, der die meisten Kühe im Stall stehen hatte. Auch unter Zukauf von Milchquoten und Kraftfutter. Das hat sich inzwischen etwas geändert. Der Milchüberschuss hatte zur Folge, dass die Erzeugerpreise sanken. Ich bin nicht für rigorose Maßnahmen, wie den Vorschlag des BauernverbandsPräsidenten Sonnleitner, dass die EU für jede abgeschlachtete Kuh eine Prämie von 500 Euro zahlen solle. Aber eine langfristige Reduzierung der Milchviehbestände ist wohl unumgänglich. Außer ökonomischen Gründen spricht noch anderes dafür: Wiederkäuer wie Rinder und Schafe erzeugen bei ihrer Verdauung Methan, das einen 23-fach höheren Treibhauseffekt hat als CO2. Zur langfristigen Reduzierung der Rinderbestände könnte eine Streichung der Subventionen und gleichzeitige Subventionierung alternativer Wirtschaftsweisen, wie ökologischem Feldbau, dienen. Dr. Helmut Fichtner, Prien

Vorsicht bei Flüssiggas Zum Ratgeber »Energiesparend kochen« in N+U 3-2009 Danke für die Tipps. Allerdings dürften sie ruhig noch etwas detailreicher sein. Weil wir Gasanschluss haben, hatten wir vor einigen Jah-

Illu: Blumenschein

Illu: BUND

ÖDP nicht vergessen!

Berichte aussagten, gibt es in der Natur den »Point of No Return«. Er wurde vor zwei Jahren mit 13 Jahren beziffert. Heute sind es demnach nur noch elf Jahre. Dies dürfte Ihnen bekannt sein als Umweltund Klimaschützer. Aber warum spricht jeder nur von den Jahren 2040 bis 2050? Wenn wir den Lauf der Dinge tatsächlich noch ändern wollen, dann muss ziemlich schnell ziemlich viel in den Köpfen und ganz besonders in den Herzen der Menschen passieren. Ihre Zeitschrift trägt dazu sehr viel bei, aber nicht genug! Doris Martinez, Germering

Es ist wohl ein unausrottbarer Irrglaube, dass Nudeln sprudelnd kochen müssen. 65 Grad reichen! Einfach in kochendes Wasser geben und Wasser knapp unterm Sieden halten reicht völlig! Inge Berner, Ottobrunn

Anglizismenseuche Zum Umgang mit der deutschen Sprache beim BN Frau van Thiel beklagt sich in der letzten N+U über den angeblichen Unsinn der Rechtschreibreform und hier insbesondere des Binnen-I. Ich halte das für ein Nullproblem. Viel schlimmer und gravierender ist die Anglizismenseuche, die den BN an Haupt und Gliedern seit langem erfasst hat. In der N+U wie in allen sonstigen BN-Verlautbarungen wimmelt es nur von Denglisch. Flyer, Highlights, Teams, Homepage, Hotspots, downloaded sind nur einige wenige Beispiele, wie der BN unsere gute deutsche Sprache verwahrlosen lässt. Er versteht es zwar prächtig, die Natur vor Eingriffen zu schützen, aber er tut nichts, um die Schönheit der deutschen Sprache zu bewahren. Erich Jörg, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Lindau


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anchmal träumt Ulrike Geise, 52, davon, die Welt vom Lehnstuhl aus zu retten. Das klingt altbacken, nicht sehr dynamisch und wenig erfolgversprechend. Doch die unterfränkische Naturschützerin hat genau das Gegenteil erlebt. Eines ihrer Vorbildprojekte für angewandte Ökologie ist das kaum auszusprechende Oostvaardersplassen, ein 5600 Hektar großes Gebiet unweit von Amsterdam in den Niederlanden. Die Fläche, die für die Ansiedlung von Öl- und Schwerindustrie vorgesehen war, liegt seit 1972 brach. »Holland hat sich entschieden«, so berichtet Geise, »dort nichts zu tun, sondern nur zu lernen – und das über drei Jahrzehnte lang.« Innerhalb dieser Zeit vollzog sich eine natürliche Entwicklung in einem unglaublichen Ausmaß und Tempo. Es entstand eine »Savanne am Rande einer Großstadt«, schwärmt Ulrike Geise und lobt diesen Mut zum »Lehnstuhlmanagement«. Solch großzügiges Denken vermisst sie heute in Deutschland. »Niemand traut sich mehr, innovativ zu sein«, bilanziert die Biologin nach 25-jähriger Erfahrung mit dem staatlichen Naturschutz und führt das vor allem auf eine Überlastung durch Personalabbau zurück. »Hätten wir allerdings immer nur auf jene gehört, die große Naturschutzideen kleinreden, gäbe es so bedeutende Modellprojekte wie die »SandAchse Franken« oder das Grüne Band nicht«, mahnt sie.

Ulrike Geise

Artenschutz mit Mut und Metaplan Naturschutz lebt davon, die Natur zu bewahren – und sich selbst zu ändern. Das ist das Credo der Biologin Ulrike Geise, die nahe Würzburg ein Büro für Landschaftsökologie und Regionalberatung führt. Ihr Umweltengagement ist aber nicht auf den Beruf beschränkt. Seit 2007 leitet sie, ehrenamtlich und professionell zugleich, den Landesarbeitskreis Artenschutz im BN. Von Christoph Markl-Meider

Gerade angesichts der Herausforderung des Klimawandels fordert sie jedoch mehr Mut statt Kleinmut im Artenschutz. Mit Sorge sieht sie, wie sich die Zusammensetzung der Tier- und Pflanzenwelt verändert. »Unempfindliche Arten nehmen zu, sensible werden seltener«, prophezeit die Expertin. Vor allem solche, die an ganz bestimmte Landschaften angepasst sind, müssten weichen – aber wohin? Abwanderung sei in einer von Straßen zerschnittenen oder von Intensivlandwirtschaft geprägten Umwelt fast unmöglich geworden. »Mir fehlt das vernetzte Denken, wie es Frederic Vester entwickelt hat«, kritisiert sie und fragt: »Wo sind konstruktive Systeme für die Zukunft des Verkehrs, der Energieversorgung oder der Landwirtschaft?«. Ohne diese könne der Artenschwund aber niemals aufgehalten werden, so ihre feste Überzeugung, »jedenfalls nicht auf ganzer Fläche«. Weil Ulrike Geise weiß, wo der amtliche Naturschutz an seine Grenzen stößt, hält sie die Fahne des ehrenamtlichen Öko-Engagements besonders hoch. In Umweltverbänden wie dem Bund Naturschutz werde »ganzheitlich gedacht, interdisziplinär gearbeitet und politisch unabhängig agiert«. Darüber hinaus bündele der BN ehrenamtliche Aktivitäten und gebe ihnen dadurch bei den Fachbehörden das nötige Gewicht. Auch ihr selbst hat der BN nach ihrem Biologiestudium in den USA und in Würzburg übrigens einen Weg des Natur- und Artenschutzes aufgezeigt, der Beruf und Berufung schließlich zusammenführte. Eineinhalb Jahre lang, so erinnert sie sich, war sie Anfang der 1980er-Jahre beim Vorsitzenden der Kreisgruppe Bad Kissingen, Ulf Zeidler, quasi in der Lehre, um prakti-

Foto: Markl-Meider

Mehr Mut!

sche und politische Naturschutzarbeit vor Ort von der Pike auf zu erlernen.

Aufwertung im Ehrenamt Heute aber, argumentiert die Sprecherin des BN-Landesarbeitskreises Artenschutz, genügt der Rückgriff auf frühere Erfolgsrezepte nicht mehr. Professionalisierung ist angesagt, um einer auf EU-Regeln basierenden Naturschutzbürokratie Paroli zu bieten, und Modernisierung, um den Natur- und Artenschutz in unserer Gesellschaft lebendig zu erhalten. Deshalb fordert sie zum Beispiel eine Qualifizierung des Ehrenamts nach englischem Vorbild: Dort bezahlen ökologisch interessierte Menschen für eine Aus- oder Fortbildung in Umweltbereichen, in denen sie nachher freiwillig und unentgeltlich Gutes tun wollen. So steht Ulrike Geise für einen Zeitenwandel nicht nur im (Bund) Naturschutz. Auch in ihrer sogenannten Freizeitbeschäftigung muss sie genauso weltoffen wie systematisch sein, muss zielorientiert und über Fachgrenzen hinweg arbeiten, um erfolgreich zu sein. Anfangs seien ihre neuen Methoden noch auf Skepsis gestoßen, resümiert sie. Heute aber gehören der Online-Austausch, das Monitoring oder der Metaplan so selbstverständlich zum Artenschutz im BN wie der Ankauf von Schutzgrundstücken oder die alljährliche Amphibien-Rettung.

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Lob des Landlebens Nicht nur als Biologin sucht Ulrike Geise die Nähe zur Natur. Mit ihrer Familie wohnt sie in einem unterfränkischen Dorf – »verwurzelt im ländlichen Raum«.

Kontakt Ulrike Geise, Obere Rehwiese 5, 97279 Prosselsheim, ulrike.geise@bundnaturschutz.de


Rat holen, nachlesen

Illu: Blumenschein

쮿 www.bund.net/gift-stoppen 쮿 BUND-Jahrbuch »Ökologisch Bauen und Renovieren«: Tel. 07 11-9 66 95-0, info@ziel-marketing.de 쮿 Adressen von Büros zur Luftraummessung sowie Übersicht über Schadstoffe: www.agoef.de 쮿 Website der »Kinderumwelt gemeinnützige GmbH«: www.allum.de, Suchwort »Innenraumluft«

Innenraumbelastung

Erst mal Luft holen Vom leichten Kopfschmerz bis zur handfesten Allergie: Luftschadstoffe zu Hause, im Büro oder Klassenzimmer verursachen viele Beschwerden. Dagegen hilft vor allem Vorbeugen – und Lüften.

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eschlossene Fenster im Winter sind gut fürs Klima, verschärfen aber ein ganz anderes CO2-Problem: den gemeinen Mief. In Innenräumen atmen wir bis zu dreimal mehr Kohlendioxid als draußen. Als unbedenklich gilt gerade mal das Doppelte des Außenwertes. Die Folgen: Konzentrationsmangel, Müdigkeit und Kopfschmerzen. Regelmäßiges Stoßlüften ist also unverzichtbar, vor allem in dicht belegten Räumen wie Klassenzimmern oder Büros. Noch besser ist eine Lüftung mit Wärmerückgewinnung. Preiswerte schachtfreie Anlagen gibt es auch zum nachträglichen Einbau. Im Sommer genügen meist gekippte Fenster für die Dauerzufuhr von Frischluft. Aber Achtung: An kühlen Bauteilen kann sich Luftfeuchte niederschlagen und zu Schimmel führen. Dessen Sporen können krank machen und besonders Allergien auslösen. Darum besser bei nächtlicher Kühle lüften.

Mit Prüfsiegeln Schadstoffe vermeiden Noch unbekömmlicher als die eigenen »Abgase« ist der alltägliche Schadstoff-Cocktail der Dinge, die uns umgeben – von leicht oder schwer flüchtigen organischen Verbindungen über Formaldehyd und Ozon bis zu Feinstaub, Asbest, Pollen und Schimmelsporen. Risi-

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ken und Nebenwirkungen liegen je nach Material und Nutzung zwischen bedenklich und bedrohlich. Fleißiges Lüften mildert auch hier die Belastung, ersetzt aber nie die Vorbeugung: Bei allen Neubauten, Umgestaltungen und Renovierungen entscheidet die Materialwahl für Jahre oder gar Jahrzehnte über unser lufthygienisches Wohl oder Wehe. Besonderes kritisch sollten Sie großflächige Gegenstände wie Bodenbeläge, Wandanstriche und Möbel checken. Löchern Sie dazu gerne auch den Händler: Er muss Auskunft darüber geben, ob seine Produkte bedenkliche Stoffe wie bestimmte Flammschutzmittel oder Weichmacher enthalten. Zuverlässiger sind bewährte Prüfsiegel wie der Blaue Engel oder »natureplus«. Für Baustoffe empfiehlt sich das Siegel »Eco Institut«. Bei Teppichböden und Verlegeware können Sie den Labels »GUT« oder »EC 1« vertrauen. Leiden Sie unter chronischen Beschwerden, die in bestimmten Räumen verstärkt auftreten? Dann sollten Sie eine Raumluftmessung erwägen. Mit dem Ergebnis lässt sich beim Vermieter oder Arbeitgeber eine Sanierung weit überzeugender einfordern. Qualifizierte Arbeit leisten die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft ökologischer Forschungsinstitute e.V. Billig sind die Messungen aber nicht. Je nach Objekt, Zielsubstanzen und Verdachtslage müssen Sie zwischen 500 und 2000 Euro einkalkulieren. Bei einem Immobilienkauf hilft die Investition aber, ungesunde und teure Überraschungen zu vermeiden.

Zehn Tipps für gesunde Luft 왘 Schaffen Sie sich Lüftrituale – wie Pause machen am offenen Fenster. 왘 Machen Sie das Rauchen in Innenräumen zum Tabu. 왘 Mit Teppichböden vermindern Sie die Belastung durch Feinstaub. 왘 Zimmerpflanzen, vor allem kleinblättrige, binden Staub und verbessern das Raumklima. 왘 Wechseln Sie regelmäßig den Feinstaubfilter im Sauger. 왘 Meiden Sie Böden, Möbel, Tapeten oder Vorhänge aus PVC (»Vinyl«), die Weichmacher abgeben. 왘 Luftbefeuchter und Klimaanlagen nur einsetzen, wenn regelmäßige Reinigung möglich. 왘 Verwenden Sie lösemittelfreie Farben auf Naturbasis. Aber Vorsicht bei Allergien! 왘 Verzichten Sie auf Duftspender wie Toilettensteine oder Sprays mit Lösungsmitteln. 왘 Tonerkartuschen behutsam wechseln und verschütteten Tonerstaub feucht aufnehmen.


Fotos: Ohland

Norwegen bietet unvergessliche Reiseerlebnisse

Natur und Kultur In der kleinen Reisegruppe bleibt viel Zeit, die Weite Norwegens unmittelbar zu spüren. Bergens Hafenviertel Bryggen ist UNESCO-Weltkulturerbe.

Inmitten Unendlichkeit Mit dem Zug durch die größte Hochebene Europas. Gemütlichkeit am Fjord, faszinierende Natur im Nationalpark.

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nglaublich weit ist es, das Hardanger-Gebirgsplateau. Ein Gefühl von Unendlichkeit macht sich unter den Reisenden breit. Gletscher haben in der Eiszeit eine riesige Platte in die Gebirgslandschaft geschliffen. Von flachen Seen und sich sanft erhebenden Gipfeln ist die größte Hochebene Europas durchsetzt. Die Bergenbahn, eine der höchsten Bahnen Europas, die die Städte Oslo und Bergen verbindet, bahnt sich rund hundert Kilometer oberhalb der Baumgrenze ihren Weg durch die grenzenlose Unendlichkeit. Die Reisegruppe des Bundes Naturschutz, die im Juli eine Woche lang das Land der Fjorde bereist, ist ganz still, genießt das Naturerlebnis, die endlose Weite. In Oslo sind die 13 Teilnehmer mit ihren Reiseleitern Thomas Müller und Elke Ohland in die Bahn gestiegen. Angereist waren sie zuvor aus Deutschland mit der Fähre, nicht mit dem Flugzeug, und auch vor Ort setzt die Truppe umweltfreundlich auf öffentliche Verkehrsmittel. Nachdem der Zug sie nach Geilo, etwa auf halbem Weg zwischen Oslo und Bergen, gebracht hat, fahren die Deutschen mit dem Bus weiter durch den größten Nationalpark Norwegens, die Hardangervidda, ein wundervolles Naturparadies. Der Weg ist das Ziel – das trifft in diesen Momenten auf die Reisenden zu. »Diese Landschaft berührt sehr«, zeigt sich Elke Ohland tief beeindruckt.

Geheimtipp Eidfjord Nun geht es weiter nach Eidfjord, vorbei an Voringsfossen, Norwegens bekanntestem Wasserfall, der tosend in die Tiefe donnert. In einer urgemütlichen Pension wird eingecheckt – eine der Entdeckungen der beiden Reiseleiter im vergangenen Herbst. Fünf Tage lang hatten sich Thomas Müller und Elke Ohland 2008 aufge-

Norwegen erwartet Sie Entdecken auch Sie die grandiose Unendlichkeit Norwegens. Das erfahrene Team der BN-Reisen freut sich auf Sie. 쮿 Termin: 25. Mai bis 4. Juni 2010 쮿 Preis auf Anfrage Infos und Anmeldung unter Tel. 0 91 23 - 99 95 70, info@service.bund-naturschutz.de, www.bund-reisen.de

macht ins Land der Wikinger, um die BNReise gründlich vorzubereiten. Das malerische Eidfjord, entdeckt durch reinen Zufall, hatte es ihnen sofort so angetan, dass die BN-Gruppe nun dreimal in dem Ort übernachtet – auch bei den Teilnehmern wird es Liebe auf den ersten Blick zu ihrem Quartier. Faszinierend finden die Reisenden die rund 400 Grabhügel aus der Eisenzeit auf einer Terrasse rund 100 Meter über dem Meeresspiegel. In diesem größten Gräberfeld in Westnorwegen werden Ahnungen von der Wikingerzeit wach. Aber von Eidfjord sind auch wundervolle Touren möglich. Eine ganztägige geführte Wanderung durch die Hardangervidda ermöglicht Einblicke in die einzigartige Flora und Fauna des Nationalparks. Viel Lehrreiches gibt es tags darauf im »Hardangervidda Natursenter« zu erfahren. Mit einem norwegischen Festessen, Bergforellen und Elchbällchen inklusive, feiern die BN-Reisenden Abschied von Eidfjord. In Bergen, Tor zu den Fjorden Norwegens, wartet der kulturelle Teil der Reise. Nach einer Führung erkundet die Gruppe auf eigene Faust die Stadt, lässt das bunte Leben am Fischmarkt auf sich wirken und fährt mit der Seilbahn auf den Aussichtsberg Floye. Zum Abschluss der Reise steht im Jotunheimen Nationalpark dann noch einmal die unvergleichliche Pflanzenund Tierwelt Norwegens auf dem Programm. Bei einer ganztägigen Wanderung im höchsten Gebirge des Landes nehmen die Reisenden Abschied. Und versuchen, ein Stück von der Unendlichkeit mit nach Hause zu nehmen. Melanie Bäumel

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Bestellen, aussuchen, und los … Fordern Sie mit der Postkarte am Ende dieses Heftes gleich den neuen Katalog der BN Reisen an. Viele schöne Angebote warten auf Sie: Neben Klassiker wie die Fahrten mit der Transsibirschen Eisenbahn oder nach Rumänien treten neue attraktive Reiseziele wie Kroatien.


Fotos: Willner

Frauenschuh

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Eisvogel


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ünf Billionen US-Dollar – diese unvorstellbare Summe sind allein die weltweiten Schutzgebiete wert, für Tourismus und für kostenfreie Dienstleistungen der Natur wie sauberes Wasser, Böden und Luft. Die Kosten für ihren Erhalt sind dagegen mit 45 Milliarden US-Dollar pro Jahr verhältnismäßig gering. Diese Zahlen nannte im September eine Studie zu Ökonomie und Ökologie von Ökosystemen und Biodiversität, die unter der Schirmherrschaft des UN-Umweltprogramms (UNEP) durchgeführt wird. »Ökologische Zer-

Foto: Stephan

Kennen Sie die Krise, über die im Wahlkampf keiner sprach? Bei der es um Milliardenwerte geht, ohne dass man je einen Finanzminister darüber reden hörte? Diese wenig beachtete Krise, die gleichwohl dunklere Schatten auf die Zukunft der Menschheit wirft als die dauernd thematisierte Wirtschaftskrise, ist der dramatische Artenschwund, der Verlust der natürlichen Vielfalt, der Biodiversität. 2010 soll das »Jahr der Biodiversität« dem Thema wieder mehr Beachtung bescheren. Man darf gespannt sein. Bei uns im Bund Naturschutz ist eigentlich immer »Jahr der Biodiversität«. Denn wenn es einen Kern, ein Herzensanliegen des BN gibt, dann ist es der Erhalt der natürlichen Vielfalt, der Schutz für bedrohte Arten und Lebensräume. (göß)

Weideprojekt (s. S. 17)


Foto: Roggenthin

störung ist ökonomischer Selbstmord«, folgert der ehemalige UNEP-Direktor Klaus Töpfer. Solche Zahlen sind wichtig, denn sie zeigen, dass jegliches Wirtschaften des Menschen von Artenvielfalt und intakter Natur abhängt. Doch die Faszination der Natur und ihrer Arten lässt sich nicht in Dollar oder Euro messen. Menschen engagieren sich für die Natur nicht aus wirtschaftlichen Gründen, sondern weil sie den Gesang der Nachtigall hören, das Schillern der Azurjungfer und des Eisvogels bewundern oder die strahlenden Blüten des Frauenschuhs sie beeindrucken. Weil die Mähaktion in der im Morgentau glitzernden und nach Erde duftenden Streuwiese ihnen unbezahlbare und einmalige Eindrücke vermittelt. Weil sie fasziniert sind von der Vielfalt des Lebens und auch, weil sie Ehrfurcht haben vor dem Leben und sich in der Verantwortung sehen, dieses Leben zu erhalten.

Artenschwund hat verheerende Auswirkungen Dass heute zum Naturschutz auch Gerichtsprozesse gegen Autobahnen, Öffentlichkeitsarbeit gegen den Flächenverbrauch oder politische Arbeit in Brüssel gehören, ist zwar selbstverständlich, aber keiner wird sich alleine deswegen engagieren. Deshalb sind gerade auch die BN-Grundstücke und die Naturschutzarbeit ein Kern des BN. In ganz Bayern führt der BN große Naturschutzprojekte durch, vom landesweiten Amphibienschutz über Moorrenaturierung bis zur extensiven Beweidung – der Beitrag des BN zum Erhalt der Lebensvielfalt, der Biodiversität (siehe folgende Seiten). »Biodiversität« als biologische Vielfalt der Gene, Arten und Ökosysteme ist sehr komplex. Arten verschwinden heute in einem noch nie dagewesenen Tempo. Bereits heute wissen wir bei etlichen Arten, dass ihr Ausfall ganze Nahrungsketten und Ökosysteme verändert hat. Wir wissen, dass das Aussterben der Korallenriffe unmittelbar bevorsteht und welche verArche Bayern heerenden Wirkungen dies auf andere Arten der Meere Mit der »Bayern hätte. Wir wissen, dass unser Lebensstil und die 40 Arche« will das UmweltministeMillionen in Deutschland lebenden Rinder und rium nach eigener Schweine den Import von jährlich Millionen Tonnen Aussage »neue Maßan Soja und anderen Futtermitteln verursachen und stäbe beim Erhalt damit zum Artensterben und Klimawandel beitragen. der Artenvielfalt und der Lebensräu- Wir wissen, dass Arten ausgestorben sind, bevor die Geheimnisse besonderer Wirkungsstoffe für die Anme« setzen: www. arche.bayern.de. wendung in der Medizin gelüftet werden konnten. Der Autor Hubert Weiger ist Vorsitzender des Bundes Naturschutz in Bayern und des Bundesverbandes BUND.

Hauptverursacher ist der Mensch, der alleine die Möglichkeiten und die Verpflichtung hat, das Artensterben zu stoppen.

Bayerns Strategie: von der Vision zur Umsetzung Die Erkenntnis, dass der Erhalt der biologischen Vielfalt neben dem Klimawandel die größte Herausforderung unserer Menschheit darstellt und wir uns ihren Verlust alleine aus ökonomischen Gründen nicht leisten können, beginnt zu wachsen. Auch die Initiativen hierfür werden mehr, zumindest auf dem Papier. Laubfrosch 왘 Weltweit haben 190 UN-Mitgliedstaaten die »Biodiversitätskonvention« unterschrieben und sich darin verpflichtet, den Rückgang der Artenvielfalt zu verlangsamen. 왘 Die Staats- und Regierungschefs Europas haben sich 2001 dazu verpflichtet, bis 2010 den Rückgang der biologischen Vielfalt in Europa aufzuhalten. 왘 Die Bundesregierung hat 2007 eine Biodiversitätsstrategie verabschiedet. 왘 Und auch das bayerische Kabinett hat im Frühjahr 2008 eine Biodiversitätsstrategie beschlossen. Eine erste Bilanz für die eh schon nicht sehr ambitionierte bayerische Strategie fällt nach einem Jahr nicht sehr positiv aus: Große Ausnahme ist die Tatsache, dass bei den Höheren Naturschutzbehörden je eine halbe Stelle neu geschaffen wurde und ihnen für die Jahre 2009 und 2010 insgesamt drei Millionen Euro zusätzlich für »Biodiversitätsprojekte« zur Verfügung stehen, darunter auch einige Projekte des BN. Auch aus dem bayerischen Klimaschutzprogramm KLIP stehen 2008 bis 2011 je zwei Millionen Euro zur Verfügung, vor allem für Moorschutz. Nicht realisiert wurden aber die ursprünglich geplanten und dringend nötigen zusätzlichen Stellen bei den Unteren Naturschutzbehörden und dem Landesamt für Umwelt.

Und hat sich die bayerische Politik wirklich geändert? Vergleichen wir einige Ziele der Strategie mit der Realität. Ziel: »Minimierung der Inanspruchnahme von Grund und Boden.«

Foto: Hermann (links), BN

Magerrasenpflege

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Küchenschelle


Weißstörche

Realität: Der Flächenverbrauch für Siedlung und Verkehr nimmt in Bayern nicht ab, trotz Wirtschaftskrise hat er von 2007 auf 2008 noch einmal zugenommen, auf 16,4 Hektar pro Tag. In ganz Bayern werden großflächige Zerstörungen realisiert oder unvermindert geplant. Weder die Isental-Autobahn noch die dritte Startbahn am Flughafen München oder der Donauausbau wurden ad acta gelegt. Ziel: »Bis zum Jahre 2020 soll die biologische Vielfalt in Agrarökosystemen wieder deutlich erhöht werden.« Realität: Wiesen wurden gerade im letzten Jahr sogar in europäischen Schutzgebieten in großem Umfang in Äcker umgewandelt. Auch das kein Wunder, denn die Biodiversitätsstrategie des Freistaates soll freiwillig umgesetzt werden. Doch das an sich positive Prinzip der Freiwilligkeit stößt hier an seine Grenzen. Ziel: »Bis zum Jahre 2020 soll sich die Natur auf geeigneten Flächen Bayerns wieder nach ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten und ihrer natürlichen Dynamik ungestört entwickeln.« Realität: Die bayerische Staatsregierung weigert sich immer noch, die Buchenwälder des Steigerwaldes als Nationalpark zu sichern (siehe Seite 18). Ziel: »Maßnahmen zur Sicherung der biologischen Vielfalt werden in allen relevanten Politikbereichen (Wasserwirtschaft, Jagd, Fischerei, Land- und Forstwirtschaft sowie Bodenschutz und Klima) … fest verankert sein.« Realität: Zwar wurden verschiedene Arbeitsgruppen, ein Biodiversitätspreis und ein Biodiversitätsrat eingesetzt und einige »Leuchtturmprojekte« in Angriff genommen, doch ein grundlegender Wandel in anderen Politikbereichen ist nicht wirklich erkennbar. Obwohl zum Beispiel gerade die Wasserwirtschaft viel beitragen könnte, spielt der Naturschutz sowohl im Hochwasserschutz als auch bei der Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie nur eine Nebenrolle. Fazit: Die allgemeinen Ziele der bayerischen Biodiversitätsstrategie müssen dringend konkretisiert werden: mit einer Investitionsoffensive für Naturschutz und ländlichen Raum, mit mehr Fachpersonal für den Naturschutz, mit einer Verpflichtung aller Ressorts und Verwaltungen zur Umsetzung und mit einem Stopp für neue Landschaftszerstörungen in Bayern.

Nächstes Jahr wird alles besser? 2010 ist das Jahr der Biodiversität. Das EU-Ziel, den Rückgang der biologischen Vielfalt bis 2010 zu stoppen beziehungsweise zu verlangsamen, wird jedoch nicht erreicht. Die Gründe für dieses Scheitern müssen 2010 zu einer echten Umorientierung führen. So wie die aktuelle Wirtschaftskrise zeigt, dass unser Finanzsystem nicht mit einem Kurieren an Symptomen geheilt werden kann, so kann auch der Artenschwund nicht mit halbherzigen Versprechungen und einem »Weiter so« aufgehalten werden. Naturschutz lässt sich nicht mit mehr Ausgleichsflächen, formalistischer Abhandlung von Eingriffsbilanzen und etwas mehr lokalen Einzelprojekten umsetzen. Naturschutz braucht Fläche: eine gentechnikfreie, naturschutzverträgliche Land- und Waldbewirtschaftung auf der ganzen Fläche. Und Naturschutz braucht Vorfahrt für eine »grüne Infrastruktur«: zum Beispiel blühende Landschaften statt einer Autobahn mitten durch ein unberührtes Isental, die Sicherung alter, artenreicher Wälder in einem neuen Nationalpark Steigerwald und eine frei fließende Donau statt Staustufen. Naturschutz muss gleichberechtigt Eingang finden in die Verkehrs-, Wasser- und Landwirtschaftspolitik. Und Naturschutz braucht Menschen. Menschen, die sich für den Erhalt ihrer Heimat einsetzen. Und weil das alles und die leider auch nötigen Aktionen gegen Zerstörungen nicht alle ehrenamtlich und umsonst zu leisten sind, braucht Naturschutz auch Geld. Nutzen Sie selbst das Jahr der Biodiversität 2010, und werden Sie aktiv. Unterstützen Sie uns dabei, noch mehr als sonst die Schönheit und Faszination, aber auch die Gefährdung unserer Naturschätze zu zeigen, in Projekten oder der Bildungsarbeit oder einfach mit Spenden. Wir bieten für jeden etwas und setzen so ganz nebenbei schon lange die Ziele der Biodiversitätsstrategien um. Wir wollen das Netz derer, die am »Netz des Lebens« knüpfen, verstärken – machen Sie mit. Und sagen Sie es weiter: Naturschutz ist die beste Lebensversicherung. Prof. Dr. Hubert Weiger

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Mehr Info Bayernkarten mit den ökologisch wertvollen Grundstücken des BN und den BN-Naturschutzprojekten finden Sie unter www.bund-naturschutz.de/projekte.


Mertinger Höll: Größter Flächenkauf der BN-Geschichte

Schutz für Brachvogel und Co Von seinen Gründerjahren bis heute kauft der Bund Naturschutz wertvolle Naturflächen, um sie dauerhaft zu schützen. So wichtig diese Ankäufe sind, sie entlassen den Staat nicht aus seiner Verantwortung, die Natur auf ganzer Fläche zu bewahren.

Foto: privat

Foto: Roggenthin

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Die Autoren Peter Rottner ist Landesgeschäftsführer des BN, Dr. Christine Margraf ist Artenschutzreferentin Südbayern.

eit dem ersten Ankauf im Jahr 1933 im Viehlassmoos im Landkreis Erding hat der BN rund 1850 Hektar erworben. Viele der Flächen waren Keimzellen für Schutzgebiete, wie beispielsweise das Murnauer Moos. Derzeit legt der BN einen Schwerpunkt seiner Ankaufsbemühungen in die »Mertinger Höll« im Landkreis Donau-Ries, wo er bereits circa 90 Hektar besitzt. In den nächsten Jahren sollen 50 Hektar dazukommen, wieder mit Förderung des Bayerischen Naturschutzfonds und auch der Heinz-Sielmann-Stiftung. Der BN will so eines der letzten ursprünglichen Wiesengebiete Bayerns durch Ankauf von Schlüsselflächen erhalten – ein FFH-Gebiet mit so seltenen Arten wie dem Schmetterling »Riedteufel«, dem Moorveilchen oder dem Großen Brachvogel. Insgesamt kommen in dem Gebiet 25 Vogelarten der Roten Liste als Brutvögel vor, dazu eine große Zahl an Durchzüglern und Wintergästen. Die BN-Flächen werden weiterhin bewirtschaftet, gepflegt oder zum Beispiel durch neue Flachmulden aufgewertet. Aktive des BN arbeiten daran genauso mit wie derzeit 22 Landwirte, die hier im Auftrag des BN tätig sind. Die Flächen würden sonst verbuschen und verlören ihren ökologischen Wert. Erste Erfolge zeigen sich bereits jetzt in der Zunahme seltener Arten wie Moorveilchen, Riedteufel, Ameisenbläuling oder Laubfrosch.

Ankauf bringt dauerhafte Verpflichtung Der BN übernimmt mit jedem Ankauf eine große Verantwortung und Verpflichtung, die Flächen auf Jahrzehnte für den Naturschutz zu sichern. Insbesondere

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Foto: Willner

bei hoch bedrohten Lebensräumen wie extensiven Wiesen oder Mooren ist Flächenankauf oft die einzige Möglichkeit, sie vor intensiver landwirtschaftlicher Nutzung zu sichern. Ziel des BN ist es, möglichst größere zusammenhängende Flächen zu kaufen, um echte Gestaltungsmöglichkeiten zu haben. Auch aktuell könnte der BN zahlreiche Flächen kaufen – doch nicht jeder Kauf ist möglich. Es muss bedacht werden, dass zusätzlich zum Kaufpreis jedes Jahr Personal und Geld für die dauerhafte Pflege und die personalaufwändige Kontrolle und Verwaltung bereitgestellt werden muss. Und eines ist klar: Die Natur kann durch Ankauf nur in absoluten Ausnahmefällen geschützt werden. Der BN kann nicht alle gefährdeten Gebiete aufkaufen, auch nicht in der Mertinger Höll. Für den Ankauf von einem Prozent der Landesfläche Bayerns wären schätzungsweise über eine Milliarde Euro nötig. Naturschutz muss Staatsaufgabe bleiben, weil er nur so auf der ganzen Fläche gesichert werden kann. Schwerpunkt der BN-Arbeit ist eine Änderung der Rahmenbedingungen, um die Bedrohungen der Lebensräume und Arten zu reduzieren. Natürlich wird der BN immer wertvolle Flächen als Beispiel für andere ankaufen und pflegen, doch wir können und sollten dem Staat seine Verpflichtung zum Naturschutz nicht abnehmen. Peter Rottner, Dr. Christine Margraf Ehrenamtlicher Einsatz Die BN-Flächen in der Mertinger Höll werden bewirtschaftet und gepflegt, damit ihr ökologischer Wert erhalten bleibt. Dies koordiniert ehrenamtlich ein Team um Alexander Helber, den zweiten Vorsitzenden der BN-Kreisgruppe Donau-Ries (rechts, mit Kreisvorsitzendem Rudolf Schubert).

Foto: Stephan

Foto: Leidorf

Strukturvielfalt bringt Artenreichtum Die Mertinger Höll besticht mit ihrer außergewöhnlichen Strukturvielfalt: Offene, ungestörte Wiesenlandschaften mit landesweitem Wert für Wiesenbrüter wie den Großen Brachvogel (Foto) wechseln sich ab mit kleinparzellierten Busch-Wiesenlandschaften – besonders wertvoll für Insekten und seltene Vögel wie die Nachtigall.


ie Fachhochschule Weihenstephan befragte 2006 über 3000 bayerische Schüler aus vierten und siebten Klassen. Nur jeder dritte erkannte den Spatz! Der Buchfink, eine unserer häufigsten Vogelarten, ist so gut wie unbekannt. Acht Prozent der Teilnehmer kannten nicht eine einzige Vogelart. Am besten wussten noch die Kinder Bescheid, die ihr Wissen von Verwandten hatten – besonders von den Großeltern. Tiefere Einblicke in das Verhältnis von Kindern und Jugendlichen zur Natur geben die »Jugendreports Natur« der Uni Marburg (zuletzt 2006). In den Untersuchungen wurden Jugendliche im Alter zwischen zwölf und 15 Jahre befragt, die Ergebnisse zeigen eine dramatische Naturentfremdung: 왘 Nur jeder dritte Schüler hatte jemals einen Käfer oder Schmetterling auf der Hand. 왘 Jeder Vierte hat noch nie ein Reh in der Natur beobachtet. 왘 In digitalen Fantasiewelten verbringen dieselben Jugendlichen täglich bis zu vier Stunden. Gleichzeitig jedoch messen Jugendliche der Natur einen hohen Wert zu. Sie erscheint ihnen außerordentlich wichtig, gut, harmonisch, auch verletzlich und hilfsbedürftig. Daraus resultiert die nachdrückliche Aufforderung, sie zu schützen und nicht zu stören. Das Jagen von Tieren und das Fällen von Bäumen schaden aus jugendlicher Sicht der Natur. Die Notwendigkeit der Naturnutzung ist den meisten wenig bewusst. Gleichzeitig durchschauen sie nicht, welche drastischen Eingriffe in die Natur notwendig sind, um Massenwaren wie Computer und Handys herzustellen oder mit dem Billigflieger in den Kurzurlaub zu starten. Eigene empirische Untersuchungen mit Münchner Kindergartenkindern haben gezeigt, dass mehr als ein

BN-Angebote wirken Naturentfremdung entgegen

Artenkenntnis mangelhaft »Amsel, Drossel, Fink und Star«, das Lied kennt jedes Kind. Aber die Vogelarten selbst? Laut »Vogel-Pisa-Studie« kennen Schüler im Durchschnitt nur vier der zwölf häufigsten Arten.

Foto: privat

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Viertel dieser Kinder durch einen Naturerlebnistag des BN zum ersten Mal in einen Wald gekommen ist. Sie erreichten beim Naturwissen deutlich geringere Werte als Kinder mit Walderfahrung. Immerhin konnte mehr als die Hälfte aller Kinder nach dem Waldbesuch neben Kieselstein und Schneckenhaus auch Moos, Pilz, Zapfen, Eichel, Gras und Kröte richtig benennen. Umweltbildungsangebote können zu mehr ökologischem Wissen und positiven Einstellungen führen. Die Kreisgruppe München des BN bietet wie andere BNKreisgruppen auch für Schulen und Kindergärten spezielle Naturerlebnistage an. Viele weitere Beispiele aus ganz Bayern finden sich unter www.bund-naturschutz.de/umweltbildung. Den Lebensraum Wiese wählte zum Beispiel die »Stadtoase Kronach«, um Begeisterung zu wecken und möglichst viele Artenschutzinseln in der Stadt zu schaffen. Dr. Rudolf Nützel

Danke Mit unseren Ankäufen sichern wir wertvolle Naturflächen unserer Heimat. Mit unseren Umweltbildungsangeboten ermöglichen wir Kindern und Jugendlichen unvergessliche Erlebnisse in der Natur. Mit Ihrer Weihnachtsspende helfen Sie uns zu helfen. Dafür danken wir Ihnen herzlich. Ihr Bund Naturschutz

Kein Zahlschein mehr da?

Der Autor Dr. Rudolf Nützel ist Geschäftsführer der BN-Kreisgruppe München. Die Naturentfremdung der Stadtkinder zu stoppen, ist ihm ein großes Anliegen, das er mit eigenen Naturerfahrungsangeboten unterstützt.

Mehr Info 앫 Jugendreport Natur der Uni Marburg: www.staff. uni-marburg.de/~ braemer/Report.htm 앫 Zahner u. a.: Studie zur Artenkenntnis bei Vögeln. www.hswt.de/fh/fak ultaet/wf/professoren/zahner 앫 GeißelbrechtTaferner: Die Kräuter-Detektive. Münster 2009 앫 Nützel: Förderung des Umweltbewusstseins von Kindern. Oekom-Verlag

Heimat schenken Ihre Weihnachtsspende Urwüchsige Landschaften, frei fließende Flüsse, bunte Blütenpracht auf wilden Wiesen, lachende Kinder in intakter Natur – das ist Ihr, unser Lohn für den gemeinsamen Einsatz

zum Schutze unserer Heimat. Danke für Ihre Unterstützung. Mit ganzer Kraft und vollem Engagement werden wir auch im neuen Jahr für den Erhalt unserer Lebensgrundlagen arbeiten. Dafür brauchen wir Ihre Hilfe.

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SPENDE

Ihre Spende erreicht uns auch online sicher, alle Infos dazu unter www.bund-naturschutz.de/spenden oder Tel. 09 41-2 97 20-40.


Fotos: Willner

Elementares Nass Ein intakter Wasserhaushalt ist für die Moore, wie das Kematsrieder Moos bei Oberjoch, und ihre Bewohner entscheidend – hier der stark gefährdete HochmoorGelbling und die seltene Sumpfschrecke.

BN im Allgäu schützt Leben in den Mooren

Keine Angst vor nassen Füßen Aktiver Schutz der Moore hat Tradition im BN – und wird aus Gründen des Hochwasser- und Klimaschutzes immer wichtiger. Die neue Gebietsbetreuung im Allgäu trägt dem Rechnung.

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Vielen Dank Die Gebietsbetreuung Allgäuer Moore wird gefördert von der EU mithilfe des Europäischen Sozialfonds und vom Bayerischen Naturschutzfonds aus Zweckerlösen der Glücksspirale.

Foto: BN (links), Stephan (rechts)

Mehr Info Fakten und Fotos zum Moorschutz finden Sie unter www.bund-naturschutz.de/moore. Infos zum Naturschutzgroßprojekt Allgäuer Moorallianz unter www.allgaeuermoorallianz.de.

eit über 30 Jahren schützt der Bund Naturschutz im Allgäu aktiv Moore. Standen dabei zunächst die Wiederherstellung der Lebensräume und der Schutz bedrohter Pflanzen- und Tierarten im Vordergrund, gewinnt in den letzten Jahren der Beitrag zum Klimaund zum Hochwasserschutz stark an Bedeutung. Denn Moore können immense Mengen sowohl an klimaschädlichem CO2 als auch an Niederschlagswasser speichern. Bereits 1978 stauten aktive BN-Mitglieder aus Buchenberg im Breitenmoos Entwässerungsgräben auf, um Bestände der Zwergbirke – ein seltenes Eiszeitrelikt – vor der Austrocknung zu bewahren. Von 1983 bis 2006 renaturierte die BN-Kreisgruppe Oberallgäu das 80 Hektar große Werdensteiner Moos bei Immenstadt. Das Forstamt Kempten und der BN arbeiteten dabei Hand in Hand, mit großem Erfolg: Die Renaturierung bewirkte flächenhafte Vernässungen mit Torfmooswachstum und Verbesserungen für zahlreiche moorgebundene Tierarten, wie beispielsweise die Arktische Smaragdlibelle. Durch Ankauf konnte der BN seit 1982 rund elf Hektar im Hertinger Moos bei Pfronten und zwölf Hektar im Felmer Moos bei Immenstadt sichern. Neueste Projekte sind Ankäufe im Kematsrieder Moos (Foto oben) und Strausbergmoos bei Bad Hindelang, im Dümpfelmoos, Hintermoos und am Korbsee bei Marktoberdorf sowie am Bannwaldsee bei Füssen. Auch hier führen Freiwillige vor allem aus den beteiligten BN-Kreis-

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und -Ortsgruppen Maßnahmen zum Schutz der Moore durch, stauen Entwässerungsgräben an, mähen Feuchtwiesen oder lichten Bewaldung durch Fichten, Birken und Kiefern auf, die die typische Moorvegetation verdrängen würden.

Torfmoose wachsen wieder Mit den flächigen Vernässungen wurde das Torf(moos)wachstum aktiviert, die Klimabilanz und Wasserspeicherfähigkeit der Moore deutlich verbessert, durch die Pflege der Feuchtwiesen die Biotopvernetzung und Artenvielfalt gefördert. Die Erfolge für den Artenschutz sprechen für sich: Zahlreiche Arten der Roten Listen konnten ihren Bestand vermehren oder sich neu ansiedeln, zum Beispiel Kreuzotter, Große Moosjungfer, Hochmoor-Perlmuttfalter, HochmoorGelbling und Sumpfschrecke (Fotos). 2008 haben die BN-Kreisgruppen Ober- und Ostallgäu nun ein neues Kapitel im Moorschutz des BN aufgeschlagen – als Träger der »Gebietsbetreuung Allgäuer Moore«, einer Projektstelle für Öffentlichkeitsarbeit, Akzeptanzsteigerung, Information und fachliche Beratung. Die beiden Gebietsbetreuer Julia Wehnert und Martin Muth beraten seither Grundbesitzer und Verbände, betreiben Pressearbeit, erstellen Infotafeln und Plakate und halten Vorträge und Führungen. Allein rund 1000 Schüler konnten mit den BN-Betreuern schon die Faszination der Moore erleben. Martin Muth, Julia Wehnert Voller Einsatz Aktiv für Moore und Menschen: Die BN-Gebietsbetreuer (und Autoren dieses N+U-Beitrages) Julia Wehnert (Foto links, mit Schulkindern) und Martin Muth (rechts, mit freiwilliger Moorschützerin).


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uf dieser Erkenntnis basiert das BN-Projekt »Weidewelt – Vieh(l)falt im Frankenwald«. Projektgebiet ist der Naturpark Frankenwald mit 102 000 Hektar Gesamtfläche und 139 000 Einwohnern. Das Mittelgebirge zeichnet sich durch eine reich strukturierte Natur- und Kulturlandschaft aus. Die Biodiversität seiner hochwertigen Lebensraumkomplexe war und ist von einer extensiven landwirtschaftlichen Nutzung abhängig. Wie in anderen strukturell, standörtlich und klimatisch benachteiligten Grünlandgebieten vollzog sich jedoch auch im Frankenwald in den letzten vier Jahrzehnten ein gravierender Strukturwandel in der Landwirtschaft mit zwei divergierenden Entwicklungen – der Nutzungsaufgabe in den Ungunstlagen sowie der Intensivierung der gut maschinell bewirtschaftbaren Flächen. Beide Tendenzen führen zu einem anhaltenden Rückgang der für die Biodiversität äußerst bedeutsamen extensiv genutzten GrünlandÖkosysteme. Um diese artenreichen Lebensgemeinschaften, insbesondere Berg-Mähwiesen und Borstgrasrasen, zu sichern, ist die Einbindung alternativer Bewirtschaftungsformen entscheidend. Bei der Entwicklung geeigneter Nutzungskonzepte gibt es zwei Hauptkriterien: möglichst hohe Wertschöpfung und möglichst geringer Kapital- und Arbeitseinsatz. Hier kommen extensive Beweidungsverfahren als Strategie zur Erhaltung der Grünland-Ökosysteme ins Spiel.

Robuste Rinder sichern wertvolle Lebensräume

Vieh(l)falt im Frankenwald

Foto: Willner

Artenreiches Gründland ist ein heute vielerorts gefährdeter Lebensraum. Eine Beweidung mit Rindern in Mutterkuhhaltung, dies ergab eine Studie, kann zu seiner langfristigen Erhaltung beitragen.

Gesunder Hunger Die Beweidung, hier durch Schottische Hochlandrinder, hilft Arten extensiv genutzer Weiden, wie dem stark gefährdeten Holunderknabenkraut.

Im Rahmen des »Weidewelt«-Projektes betreuen die beiden Projektmanager Wolfgang Degelmann und Klaus Schaumberg derzeit 40 Weiderinderhalter. Schon im ersten Jahr entstand eine Vermarktungsinitiative mit dem Namen »Frankenwald Weiderind«, mit eigenem Logo und vier dem Projekt angeschlossenen Metzgereien. Ein Katalog mit Kriterien für Fleischqualität, Naturschutz, Regionalität und Tierökologie wurde in Zusammenarbeit mit Metzgern und Landwirten entwickelt; er bildet das Rückrat des Prädikats »Weiderind

Foto: Stephan

Weidefleisch, Genuss aus der Heimat

Foto: Stephan

Naturschutz und Landwirtschaft im Gespräch Die Landwirte zu unterstützen, gehört zu den wichtigsten Tätigkeiten der Projektmanager Klaus Schaumberg (rechts) und Wolfgang Degelmann (links, der Autor dieses N+U-Beitrages).

Frankenwald«. Eine interaktive Rinderbörse im Internet bringt Metzger und Landwirte zusammen und ermöglicht eine gute Versorgung der Metzgereien mit Weidefleisch. Flyer und Infotafeln informieren den Verbraucher über die Vorzüge des angebotenen Weidefleisches und die zwölf Rinderrassen, die auf den Projektflächen weiden. Neben Schottischen Hochlandrindern, Galloways und Angus sind auch Exoten wie Zebus und Hinterwäldler im Frankenwald heimisch geworden. Um neue Betriebe zu gewinnen und die teilnehmenden Landwirte zu unterstützen, betreiben die Projektmanager Flächenmanagement zur Zusammenlegung und Optimierung von Weideflächen und integrieren den Naturschutzaspekt der extensiven Heugewinnung auf den wertvollen Biotopflächen mit der Beweidung von Flächen in ergiebigeren Lagen des Frankenwaldes. Ziel ist es, nach Abschluss des Projektes 100 Weiderinderhaltern im Naturpark Frankenwald eine echte ökonomisch und ökologisch stabile Alternative auf den sich ständig ändernden Märkten der Landwirtschaft zu bieten und die Begriffe regionale Wertschöpfung und lokale Produktion mit Leben zu erfüllen. Wolfgang Degelmann

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Gefördertes Projekt 2006 erarbeitete der Dipl.-Geoökologe Erich Spranger gemeinsam mit Wolfgang Degelmann im Rahmen eines GlücksspiraleProjektes eine Studie, auf deren Grundlage 2008 das vom Bayerischen Naturschutzfonds geförderte Projekt »Weidewelt« entstand.

Mehr Infos www.bund-naturschutz.com und www.weideweltfrankenwald.de


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lte Buchenwälder gehören weltweit zu den gefährdetsten Waldökosystemen überhaupt. Sie sind stärker bedroht als der Regenwald Brasiliens. Bayern liegt in ihrem Hauptverbreitungsgebiet. Doch selbst hier gibt es nur noch letzte Reste. Nur mit einem Nationalpark ließe sich dieses bayerische Waldnaturerbe dauerhaft schützen. Im Steigerwald bietet sich dafür die einmalige Chance. Doch wir müssen schnell handeln, denn auch hier könnten die alten Baumriesen bald ganz verschwunden sein. Unterstützt von befreundeten Verbänden und Prominenten wie Christian Wolff oder Hardy Krüger Jr. tritt der Bund Naturschutz deshalb für einen Nationalpark Steigerwald ein. Wir sammeln 11 000 Unterschriften für 11 000 Hektar Wald. Bitte helfen Sie uns, machen Sie unsere Aktion bei Ihren Freunden bekannt, und unterschreiben Sie jetzt online für einen Nationalpark Steigerwald: www.Ja-zum-Nationalpark-Steigerwald.de

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Jede Stimme für den Nationalpark hilft, den Baumriesen und seltenen Tieren des Steigerwalds dauerhaft ihr Überleben zu sichern. Mit Ihrer Unterstützung setzen Sie ein Zeichen: für die einmalige Tier- und Pflanzenwelt, für einen Nationalpark Steigerwald. 왘 Wir brauchen mindestens 11 000 Unterschriften für 11 000 Hektar Wald. Damit geben wir der Staatsregierung ein Signal, das sie nicht ignorieren kann. Bitte unterschreiben Sie online! 왘 Auch Ihre Spende trägt dazu bei, Bayerns Waldnaturerbe zu schützen. Bitte helfen Sie uns! 왘 Weitersagen: Emma, STEIGER-MÄN und Co. sind in null Komma nichts auch bei Ihren Freunden und Bekannten: Einfach reinklicken und weitermailen!

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»Hallo, ich bin Emma, eine Buche, über 300 Jahre alt und lebe im Steigerwald. Aber ich bin nicht nur schön anzusehen, sondern übernehme auch lebenswichtige Aufgaben. Tag für Tag. Für die Umwelt und für dich.« Emma stellt sich und ihre Leistungen mit knappen Sätzen und großen Bildern vor – in einer Bildschirmpräsentation, die Sie auch Ihren Freunden und Bekannten schicken sollten.

Foto: Kühmstedt

Foto Mädchen: Grabowska / iStockfoto.com

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-Nationalpark-Steigerwald.de


Zu starke Eingriffe in sensible Naturräume

BN lehnt Olympia 2018 in München ab München will als weltweit erste Stadt nach Olympischen Sommerspielen auch Winterspiele ausrichten. Obwohl die Bewerbung »Grüne Spiele« verspricht, lehnt der Bund Naturschutz sie ab. Die Eingriffe in den sensiblen Alpenraum wären nicht ausgleichbar.

Januar 2009

왘 neben Sportarenen und Tribünen für bis zu 25 000 Zuschauer weitere Flächen für Sponsoren, Werbeanlagen und Medien 왘 und in München eine Eisschnelllauf-Halle anstelle derzeit kostenlos nutzbarer Freizeitsportanlagen in der Zentralen Hochschulsportanlage ZHS. Völlig ungeklärt ist das Verkehrsproblem. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist zum Beispiel Oberammergau für die erwarteten 25 000 Zuschauer überhaupt nicht erreichbar, Garmisch-Partenkirchen nur sehr eingeschränkt. Daher will man für die Spiele den »Bau ohnehin geplanter Infrastrukturen« angehen – die aber bisher nicht umgesetzt wurden oder werden sollten. Dies bedeutete einen überzogenen Ausbau von Infrastrukturen zu Lasten der Umwelt.

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ünchen + 2« lautet der Titel der Bewerbung: Sämtliche Schneesportarten sollen in GarmischPartenkirchen und Oberammergau, die Bob- und Rodelwettbewerbe in Schönau am Königssee, die übrigen in München stattfinden. Der immer schneller laufende Klimawandel wird die Wettbewerbe im niedrig gelegenen Garmisch-Partenkirchen und auf der Sonnenseite von Oberammergau zu einer beispiellosen Schneekanonenschlacht gegen die Wärme machen, mit ungewissem Ausgang! Die künstliche Beschneiung aller Wettkampfstätten, die zum Teil bereits erfolgte Anlage riesiger Speicherseen im alpinen Gelände, das Verlegen von Rohr- und Stromleitungen und das Planieren der Hänge bedingen massive Eingriffe in die sensible Gebirgslandschaft. Der Schneekanonenbetrieb ist mit immensem Wasserbedarf verbunden, der vor allem aus Fließgewässern gedeckt werden muss. Die für neue Skipisten notwendige Rodung wertvollen Bergwalds, wie bereits für die Ski-WM 2011 geschehen (Fotos), widerspricht jeder Bemühung um die Sanierung des Bergwalds. Doch nicht nur für die Wettkampfstätten, auch für die Infrastruktur muss massiv in Landschaft und Natur eingegriffen werden. Geplant sind 왘 16 000 temporäre Parkplätze alleine im Loisachtal, 왘 400 Aus- und Einstiegsmöglichkeiten und Parkplätze für ebenso viele Busse, die circa 20 000 Besucher von Oberau nach Oberammergau transportieren sollen, 왘 Stadien und Loipen für Biathlon und Langlauf an einem sonnigen, schneearmen Südhang in schönster bayerischer Landschaft bei Oberammergau,

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Schneller, weiter, höhere Schulden Alle Erfahrungen zeigen, dass bisher kein Ort, der Olympische Winterspiele ausgerichtet hat, in sozialer,

Foto: Hamberger

Bilder der Zerstörung Im Namen des Sports weichen Wälder und Wiesen für Pisten und Schneekanonen. Wie hier in Garmisch-Partenkirchen an der »Kandahar-Abfahrt« für die Ski-Weltmeisterschaft 2011 würden auch für Olympische Winterspiele 2018 extreme Eingriffe in die sensible Bergnatur vorgenommen.

November 2008

Foto: Roggenthin

Fotos: Doering

Juli 2007

Die Autoren Christian Hierneis ist Vorsitzender der BN-Kreisgruppe München und Mitglied des BN-Landesvorstands. Axel Doering ist Vorsitzender der

BN-Kreisgruppe Garmisch-Partenkirchen und Sprecher des BN-Arbeitskreises Alpen. Beide sind vom BN-Landesvorstand beauftragt, sich mit der Olympia-Bewerbung zu befassen.


Wie sehen Sie die Bewerbung Garmischs zusammen mit München für die Olympischen Winterspiele 2018? Wie wirken sich Wintersport-Großveranstaltungen zum Beispiel aufs Sommergeschäft aus? Bausch: Eine Bewerbung stärkt ganz sicher weiter das Winterimage und zwar das des Wintersport- und nicht des Wintererholungsortes. Derzeit entscheiden sich fast 70 Prozent der längerfristig vorausbuchenden Gäste in den Monaten Januar und Februar für ihren Sommerurlaubsort. Genau in diesen Monaten wird jedoch mit Wintersportgroßveranstaltungen ausschließlich das Thema Schnee, Eis und Kälte zum Verbraucher transportiert. Es ist also auch kein Wunder, dass im Januar der potenzielle Gast beim Namen Garmisch-Partenkirchen keinerlei Sommerassoziationen wie Wandern, Radfahren, Badeseen oder einfach Erholung in der Sommerfrische hat. Das Ergebnis einer solchen Kommunikationsstrategie ist daher fragwürdig: Für den Winter bewirbt man einen schrumpfenden Markt, für den Sommer gerät man in Vergessenheit. Alternativ im Sommer den nachhaltigen Tourismus zu propagieren und im Winter mit Großinfrastruktur und Mega-Events zu arbeiten, ist zudem unglaubwürdig.

ökonomischer oder ökologischer Weise gestärkt wurde. Im Gegenteil, bei vielen dieser Orte haben sich die Schulden drastisch erhöht, unrentable Wettkampfstätten müssen mit hohem finanziellem Aufwand zurückgebaut werden. Die erwarteten Gäste bleiben aus. Garmisch-Partenkirchen ist schon heute durch Investitionen in die Ski-WM 2011 hoch verschuldet; es droht der finanzielle Kollaps (siehe Interview oben). Allein die Bewerbung für die Spiele wird 30 Millionen Euro kosten, die Durchführung dann über eine Milliarde. Nachdem der Deutsche Bundestag die Bewerbung zur »nationalen Aufgabe« erkoren hat, besteht die Gefahr, dass die Kosten der Steuerzahler trägt.

Die Zukunft: stationäre Spiele Der Bund Naturschutz war anfänglich Mitglied einer »Umwelt-Kommission«, in der man alle Punkte ge-

Experte kritisiert Investitionen in Wintersport-Großereignisse

»Mehr Schaden als Nutzen« Klima- und demografischer Wandel entziehen dem Wintersport-Tourismus die Grundlage. Professor Thomas Bausch empfiehlt daher, in Erlebnisangebote abseits des Skifahrens zu investieren – und kritisiert Garmischs Olympia-Bewerbung.

Foto: Werner

Herr Prof. Bausch, hat der Ski-Tourismus in den bayerischen Alpen überhaupt noch große Chancen? Sind einseitige Investitionen in Skisport-Infrastruktur zu rechtfertigen? Bausch: Investitionen in Beschneiungsanlagen und verbesserte Aufstiegsinfrastruktur sind derzeit an mikroklimatisch geeigneten Standorten durchaus noch ökonomisch darstellbar. Allerdings arbeitet der demografische Wandel klar in entgegengesetzte Richtung: Ski-Arenen mit immer größeren Kapazitäten und Pistenflächen konkurrieren um ein nach Zahl und Nutzungsintensität abnehmendes Kundenpotenzial. Gerade hier hat aber Bayern abseits des Skifahrens traditionell sehr gute, oft bessere Wintererlebnisangebote als die Wettbewerber. Wer seine Investitionen heute in diesem Bereich tätigt, ist für die Zukunft langfristig besser aufgestellt.

Insofern erstaunt auch der Wunsch Oberammergaus, die nordischen Wettbewerbe ins Ammertal an einen Sonnenhang zu holen. Dadurch wird das bestehende Profil beschädigt, es entsteht kein neues, dauerhaftes Angebot, und zudem wird eine hochwertige, extensiv bewirtschaftete und daher artenreiche Wiesenlandschaft massiv beschädigt. Auch hier ist mehr Schaden als Nutzen im Tourismus zu erwarten. Ein Tipp für unsere Leser, die mit gutem Gewissen Winterurlaub machen möchten? Bausch: Fahren Sie wenn möglich mit der Bahn, bleiben Sie lieber etwas länger, und verzichten sie dafür auf Kurztripps. Suchen Sie sich lieber kleinere Orte mit guten, klassifizierten Betrieben und einem attraktiven Winterwanderwegenetz. Wollen Sie vor Ort viel unternehmen, suchen Sie sich Orte, bei denen der ÖPNV in die Gästekarte inkludiert ist wie zum Beispiel im Berchtesgadener Land oder Tegernseer Tal. Und für Familien mit Kindern: In Bad Hindelang und Oberstaufen bekommen Sie über die Plus-Cards alle Wintersportinfrastruktur im Preis inkludiert und befinden sich zudem in Orten, die sich schon lange für Nachhaltigkeit engagieren. Interview: Manfred Gößwald

meinsam besprechen wollte. Diese »Partizipation« erschöpfte sich jedoch vorwiegend darin, dass die Verbände über den Stand der Planungen informiert, ihre Zweifel am Bewerbungskonzept zur Kenntnis genommen wurden. Eine Umsetzung der Vorschläge und Forderungen erfolgte nur insoweit, als das, was für ein Gelingen der Bewerbung vorteilhaft erschien, in die Bewerbung übernommen wurde, solange es die grundsätzlichen Planungen nicht veränderte. Deshalb hat der BN die Kommission verlassen und nach intensiver Diskussion in Landesvorstand und Landesbeirat seine Ablehnung der Spiele beschlossen. Der BN fordert, die immer weiter ausufernden Spiele künftig immer am selben Ort durchzuführen, damit die gewaltigen Eingriffe in Natur und Umwelt nicht alle vier Jahre an einem neuen Ort stattfinden! Christian Hierneis, Axel Doering

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Der Experte Prof. Dr. Thomas Bausch ist Professor für Tourismus an der Hochschule München, außerdem Geschäftsführer des Alpenforschungsinstituts Garmisch-Partenkirchen. Er begleitet derzeit ein EU-gefördertes Großprojekt zu Auswirkungen des Klimawandels auf den Tourismus in den Alpen.


Im Vorfeld der Bundestagswahl im September bezogen der Bund Naturschutz in Bayern und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) mit zahlreichen Aktionen Stellung zum Wahlkampfthema »Atomausstieg«: Anfang September setzten in Berlin bei der größten AntiAtom-Demo seit Jahrzehnten rund 50 000 Menschen ein klares Zeichen gegen die Risikotechnologie (siehe auch Seite 5). Im August reiste der BN mit einem riesigen,

tonnenschweren Castor-Modell durch Bayern und machte auf die Gefahren durch Atomkraftwerke aufmerksam. Die Resonanz bei Passanten und Medien war riesig. Um den Bürgern vor der Wahl eine Entscheidungshilfe an die Hand zu geben, veröffentlichten BN und BUND im Internet einen Kandidatencheck, der zeigte, wie die Parteien und Direktkandidaten aus den einzelnen

Foto: Grebe

Zeichen gegen Atomkraft

Wahlkreisen zu Atomausstieg, Gentechnik und weiteren Fragen stehen. Zudem veranstaltete der BN zahlreiche Podiumsdiskussionen mit örtlichen Kandidaten.

Klimawoche 2009: Klimaschutz geht alle an

Foto: Mergner

Unter dem Slogan »Klimaschutz geht uns alle an – auch Sie!« richteten die Partner in der Klima-Allianz, darunter der Bund Naturschutz und das Umweltministerium, Mitte Juli die Bayerische Klimawoche aus. Ziel der über 1000 Veranstaltungen war es, ein Bewusstsein für die

Verantwortung jedes Einzelnen für den Klimawandel zu schaffen und aufzuzeigen, wie sich jeder im Alltag klimafreundlich verhalten kann. Zum Auftakt der Woche wies der stellvertretende BN-Landesvorsitzende Sebastian Schönauer gemeinsam mit Umweltminister Markus

Söder in München vor einem schmelzenden Eisblock (Bild) auf die Gefahren des Klimawandels hin und forderte drastische Maßnahmen gegen die Energieverschwendung. Der BN beteiligte sich in ganz Bayern mit vielen Aktionen an der Klimawoche.

»Let’s talk about Wirtschaft und Ökologie« lautete das Motto der dritten Sommerakademie der Jugendorganisation Bund Naturschutz (JBN). Im Naturschutzzentrum Wartaweil am Ammersee diskutierten 25 junge Erwachsene im August neue Wege aus der Krise, einen »Green New Deal« und den Atomausstieg. Mit dabei war Politprominenz wie Toni Hofreiter, MdB der Grünen, Kathrin Sonnenholzner, MdL der SPD, und

Horst Meierhofer, MdB der FDP. Da sich aber ausschließlich mit politischen Diskussionen nichts bewegen lässt, hieß es bei einem Biotoppflegeeinsatz »Ran an Rechen und Spaten«. In Kleingruppen wurde zudem erfahrbar gemacht, wie jeder einzelne ins Ökosystem eingebunden ist (Bild) und was man für einen nachhaltigen Weg aus der aktuellen Krise tun kann.

Foto: Kreidenweis

JBN-Sommerakademie: Bildung, Baden, Biotoppflege

Aus für Center Parks: kein Bürgerwald für Spekulanten

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jekt ignorierten. Wie unrealistisch diese Haltung war, zeigte sich, als Center Parks nach eigenen Angaben von ursprünglich 18 Pluspunkten für den gewählten Standort elf streichen und das Gelände als ungeeignet einstufen musste. Dabei bestätigte Center Parks genau jene Argumente, die der Bund Naturschutz auch bei zahlreichen Veranstaltungen (Bild) vorge-

Natur + Umwelt BN-Magazin [4-09]

bracht hatte: das zu erwartende enorme Verkehrsaufkommen inklusive Straßenbau, starke Eingriffe in den Wasserhaus-

halt, das Vorkommen seltener Tiere wie des Seeadlers und mehrere hochsensible Biotope.

Foto: Kreisgruppe Ansbach

Der französisch-niederländische Konzern Center Parks verzichtete Anfang August auf den Bau eines 800-BungalowFeriendorfs auf einer Heide im größten zusammenhängenden Waldgebiet des Landkreises Ansbach. Der Konzern war bei seinen Planungen von zahlreichen Kommunalpolitikern unterstützt worden, die sämtliche Argumente gegen das Pro-


Rund 4000 Besucher kamen Mitte Juli zum 37. Nürnberger Reichswaldfest. Viel Applaus erhielt der Festredner, Bayerns Umweltminister Dr. Markus Söder, für seinen Appell, den Reichswald als grüne Lunge der Region zu erhalten, sowie für kritische Äußerungen zur geplanten Südanbindung des Gewerbegebietes Nürnberg-Feucht-Wendelstein. Wesentlich verhaltener wurden Söders Aussagen zur geplanten Nordspange durch den Reichswald zum Nürnberger Flughafen aufge-

nommen. Darin verwies er auf Entscheidungen, den Bau voranzutreiben. Der BN-Vorsitzende Hubert Weiger erinnerte den Umweltminister angesichts des Bannwald-Status des Reichswaldes: »Bannwald heißt Priorität des Walderhaltes vor allen anderen Ansprüchen.« Positiv äußerte sich Söder auch über den nach Bayern zurückgekehrten Biber (Bild, v. l.: BN-Vorsitzender Weiger, BNBibermanager Gerhard Schwab mit Jungbiber, Umweltminister Söder).

Foto: DeGeare

Reichswaldfest: Applaus und Kritik für Söder

Auf dem Pichlsteinerfest in Regen würdigten der Präsident der Landesanstalt für Landwirtschaft Jakob Opperer und BN-Vorstandsmitglied Helmut Steininger Ende Juli

die Gewinner der ersten Wiesenmeisterschaft im Bayerischen Wald. Den ersten Preis bekam Martin Oberneder aus dem Landkreis Passau verliehen. Der zweite und dritte Preis gingen an die Familien Ranzinger und Zitzelsberger aus dem Landkreis Freyung-Grafenau. Mit der Preisverleihung wurden die schönsten artenreichen und

noch landwirtschaftlich genutzten Wiesen prämiert. Ausgerichtet hatten den Wettbewerb der Bund Naturschutz und die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, um für artenreiches Dauergrünland zu werben. Im nächsten Jahr wird die Wiesenmeisterschaft im oberfränkischen Teil der Fränkischen Alb stattfinden.

Erster Grünlandgipfel: Zukunft für Wiesen und Weiden Artenreiche Wiesen und Weiden haben eine besondere Bedeutung für den Naturschutz und das Landschaftsbild. Aufgrund von intensiver Nutzung und Umbruch ist der Grünlandanteil in Bayern in den letzten dreißig Jahren aber um 30 Pro-

zent zurückgegangen. Um dieser Entwicklung entgegenzutreten, lud der Bund Naturschutz Anfang September in Kempten zum ersten Grünlandgipfel ein. Die Teilnehmer – Landwirte, Politiker und Vertreter von Verbänden – diskutierten neue

Wege, wie die Vielfalt von Wiesen und Weiden erhalten werden kann, ohne dass die Wirtschaftlichkeit der Milch- und Fleischerzeugung beeinträchtigt wird. Als eines der Ergebnisse des Gipfels fordert der BN in sechs Punkten ein Umsteu-

ern der bayerischen Landwirtschaftspolitik. Mehr Info: www.bund-naturschutz.de/ presse/archiv, Rubrik Landwirtschaft, Pressemitteilung vom 8. September 2009

Donau: Wirtschaftsminister bekräftigt Ablehnung von Staustufen Im Gespräch mit Vertretern des Bund-Naturschutz-Landesvorstands machte Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil deutlich, dass ein weiterer Staustufenausbau der Donau mit ihm nicht zu machen sei.

Er wolle sich, so Zeil bei dem Treffen Anfang Oktober, vielmehr verstärkt für den Tourismus in der niederbayerischen Donauregion einsetzen und die öffentliche Aufmerksamkeit auf den Wert der

frei fließenden Donau mit ihrem reichen natürlichen und kulturellen Erbe lenken. (Bild v. l.: Helmut Steininger, Prof. Dr. Hubert Weiger, Staatsminister Martin Zeil, Dieter Scherf, Christian Hierneis)

Foto: baystmwivt

Foto: Loefflmann

Wiesenmeister geehrt

Links rechts unten www.bank-geheimnisse.de Welche Banken finanzieren Umweltzerstörungen wie den Bau von Großstaudämmen? Infos und Gelegenheit zum Protestieren gibt die Website mehrerer europäischer Umweltorganisationen.

www.energieagentur.nrw.de Die richtige Energiesparlampe für jeden Raum im Haus: Die Energie-Agentur bietet einen Überblick über die Produkte der fünf größten deutschen Hersteller, inklusive Infos zu Typen und Lichtarten.

www.nachhaltig-einkaufen.de Wer sich für ein nachhaltiges Produkt oder engagiertes Unternehmen entscheiden will, hat es mangels Transparenz oft schwer. Das Portal will mit prägnanten und praxisorientierten Tipps Abhilfe schaffen.

www.alles-und-umsonst.de Wer etwas Funktionstüchtiges übrig hat und kostenlos abgeben möchte, kann hier inserieren. Damit das Abholen einfacher ist, kann nach Regionen sortiert werden.

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Fünf Jahre nach dem Wald-Volksbegehren

Kritisch hinschauen hat sich gelohnt

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Foto: Bayer. Staatsforsten

us Liebe zum Wald« hatten vor genau fünf Jahren mehr als 850 000 Menschen in Bayern das gleichnamige, vom Bund Naturschutz maßgeblich getragene Volksbegehren unterstützt. Es sollte die Forst-»Reform« der Staatsregierung verhindern, durch die der BN große Gefahren auf Bayerns Wälder zukommen sah. Obwohl das Volksbegehren knapp an der Zehn-Prozent-Hürde scheiterte, war – das zeigt die heutige Bilanz – das große Engagement des BN und der Bürger nicht vergebens. Negative Folgen der Forst-»Reform« sind zwar eingetreten, nicht aber in dem anfangs befürchteten Ausmaß. Denn die Staatsregierung hatte unter dem Druck des Volksbegehrens bereits einige Planungen entschärft. Und die Verantwortlichen wissen seither, dass die Bevölkerung und der BN – vertreten auch im Beirat des neu geschaffenen Betriebs »Bayerische Staatsforsten« – ihnen stets kritisch auf die Finger schauen.

Interview im Internet N+U befragte Staatsforsten-Chef Rudolf Freidhager ausführlich zur Kritik an seinem Betrieb, zu seiner eigenen Bilanz und zu seinen Zielen. Lesen Sie das komplette Interview unter www.bundnaturschutz.de/ magazin.

Schwarzbuch Wald Was ist seit 2005 konkret passiert? Mit der ausgeprägten Gewinnorientierung der Staatsforsten nahmen die Fälle rücksichtsloser Holzernte zu. Zwei besonders gravierende Fälle dokumentierte diesen Sommer der BUND in seinem »Schwarzbuch Wald«. So führte 2007 eine völlig überzogene Umsetzung der Verkehrssicherungspflicht im Naabtal im Landkreis Regensburg dazu, dass bis zu 150 Meter entfernt von der betreffenden Straße ein Laubwald nahezu vollständig abgeräumt wurde. Und im Spessart kam es am Winterende 2008 zu Kahlschlägen, massiven Bodenschäden und zur Fällung zahlreicher Bruthöhlenbäume. »Wo so viele Menschen arbeiten wie in den Bayerischen Staatsforsten, werden auch Fehler gemacht«, räumt deren Chef Rudolf Freidhager im N+U-Interview ein.

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Natur + Umwelt BN-Magazin [4-09]

Foto: Stephan

Die Bilanz des BN über die ersten Jahre der »Bayerischen Staatsforsten« fällt dank der kritischen Begleitung der Forst-»Reform« etwas besser aus als anfangs befürchtet. Positiven Ansätzen wie dem neuen Naturschutzkonzept steht aber zum Beispiel der rigide Personalabbau gegenüber, der dringend auf den Prüfstand muss.

Schau mer mal Das auf dem Papier ansehnliche Naturschutzkonzept der Bayerischen Staatsforsten sieht auch den Schutz von höhlenbrütenden Vögeln wie diesem Rauhfußkauz vor. Nun kommt es darauf an, ob die Forsten in der Praxis ebenso großes Augenmerk auf solche Naturschutzvorgaben legen wie auf ihren wirtschaftlichen Erfolg.

Solches Fehlverhalten werde aber etwa in Mitarbeitergesprächen thematisiert, um eine Wiederholung zu verhindern. »Die offene Diskussion derartiger Probleme hat inzwischen zu Konsequenzen und Verbesserungen geführt«, das bestätigt Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND und des BN. »Bayerns Forstminister Helmut Brunner muss aber nun auch als Aufsichtsratsvorsitzender der Bayerischen Staatsforsten dafür sorgen«, so Weiger, »dass der Waldnaturschutz nicht nur auf dem Papier steht, sondern auf ganzer Fläche umgesetzt wird«.

Herausforderung Klimawandel Einen durchaus lobenswerten Schritt in diese Richtung sind die Staatsforsten zumindest in der Theorie mit ihrem neuen Naturschutzkonzept gegangen. Es stellt konkrete Zielmarken etwa für die Mengen des ökologisch wichtigen Totholzes auf, das auf den Waldflächen liegen oder stehen bleiben soll. Eine konsequente Umsetzung solcher Ziele käme der Artenvielfalt in Bayerns Wäldern zugute. Der BN muss aber kritisch feststellen, dass heute, über drei Jahre nach der Ankündi-


gung des Konzeptes, in vielen Forstbetrieben zu wenig davon umgesetzt wird. Bei der Frage, inwieweit die Förster hier ebenso streng kontrolliert würden wie bei der Erfüllung ihrer wirtschaftlichen Zielvorgaben, bleibt Staatsforsten-Chef Freidhager dann auch wenig konkret: »Wenn wir das Konzept nicht umsetzen wollten, hätten wir uns nicht die Arbeit gemacht, es zu schreiben.« Doch es gibt heißere Eisen als das Naturschutzkonzept. Schuld daran trägt auch der Klimawandel. Schon seit Jahren zeigt sich, dass die in Bayern heute dominierende Baumart Fichte mit den steigenden Temperaturen und zunehmenden Stürmen extrem zu kämpfen hat. Auf riesigen Flächen hat ihr der Borkenkäfer bereits den Garaus gemacht, der heute viel leichteres Spiel mit den Fichten hat als noch vor wenigen Jahren. Auf die Förster kommt damit eine Mammutaufgabe zu. Sie müssen in kurzer Zeit riesige Waldflächen in naturnähere, gemischte Wälder mit hohen Anteilen an Laubbäumen und Tannen umbauen. Millionen junger Buchen, Eichen und anderer Bäumchen müssen gepflanzt – und leider immer noch vielerorts vor Wildverbiss geschützt werden. Das kostet Geld und braucht Personal. Und genau da liegt ein Grundproblem, das sich nicht mit marginalen Änderungen lösen lässt, sondern ganz grundsätzlich in der Gewinnorientierung der Staatsforsten begründet liegt. Jährlich einen Gewinn in zweistelliger Millionenhöhe zu erwirtschaften, gehört für Freidhager zum Grundverständnis seiner Arbeit. »Spricht denn etwas dagagen, mit dem Wald Geld zu verdienen«, so seine rhetorische Frage zu diesem Thema.

Foto: Mader

Die Bayerischen Staatsforsten bewirtschaften auch die ökologisch sehr wertvollen Wälder im Steigerwald, die nach Ansicht des BN als Nationalpark geschützt werden sollen. Freiwillig werden die Staatsforsten kaum darauf verzichten, auch die altehrwürdigen Buchen zu fällen und zu vermarkten. Im Wirtschaftswald erreichen Buchen gerade mal ein Drittel bis ein Viertel ihrer natürlichen Lebensspanne. Doch »wenn der Eigentümer, also der Freistaat Bayern, einen Nationalpark will, dann werden wir das umsetzen«, so StaatsforstenChef Rudolf Freidhager im N+U-Interview. Es ist also wieder an uns, dem Wald zu helfen. Jede Unterschrift pro Nationalpark erhöht den Druck auf die Staatsregierung. Machen Sie mit, unterschreiben Sie im Internet. Und laden Sie alle Ihre Freunde, Kollegen, Bekannten zum Mitmachen ein. Alles zu unserer Online-Kampagne auf Seite 18 und unter www.Ja-zum-Nationalpark-Steigerwald.de

558 auf 370 verringert – wobei manche Reviere schon in den Jahren vor der Forst-»Reform« nicht mehr besetzt waren. In einem dramatischen Brief beklagten sich erst letztes Jahr 240 Förster darüber, dass sie angesichts ihrer heutigen Reviergrößen überlastet seien und oft mehr Zeit im Auto als im Wald verbrächten. Wie sollen sie da den notwendigen Waldumbau bewältigen können? Freidhager, dem unterstellt wird, er wolle sein Personal – das im Geschäftsjahr 2009 gegenüber 2008 noch einmal um 1,3 Prozent abnahm – weiter reduzieren, bleibt im Interview auch bei dieser Frage vage. Man müsse sich die Entwicklungen in den kommenden Jahren anschauen und dann entscheiden. Für den Bund Naturschutz sind solche Aussagen angesichts der immensen Bedeutung des Waldes gerade für den Klimaschutz und die Biodiversität natürlich unbefriedigend. Die bayerischen staatlichen Wälder benötigen ausreichend Personal und müssen vor einer übersteigerten Gewinnerwartung bewahrt werden. Der BN begrüßt deshalb, dass die Staatsregierung beschlossen hat, die Forst-»Reform« zu überprüfen. »Dabei darf es allerdings nicht bei kosmetischen Korrekturen in Einzelfragen bleiben, sondern die Gesamtausrichtung der ›Reform‹ muss überprüft werden«, fordert BN-Vorsitzender Hubert Weiger, »denn wir brauchen keinen maschinengerechten, sondern einen zukunftsfähigen Wald«. Gerade die Beschlüsse zum Personalabbau müssten dringend korrigiert werden. Der BN wird als Anwalt der Wälder deshalb auch die weiteren Entwicklungen kritisch und konstruktiv begleiten. Ralf Straußberger, Manfred Gößwald

Foto: Mirwald

Jetzt mitmachen: Für einen Nationalpark Steigerwald!

Die Autoren Ralf Straußberger ist Waldreferent des BN, Manfred Gößwald ist leitender Redakteur der N+U.

Rücksichtslose Holzernte Zu den Natur schädigenden Vorfällen, die nach dem Eindruck des BN seit der Forst»Reform« zugenommen haben, gehört dieser Kahlschlag von 2008 im Spessart, dem auch Bäume mit Bruthöhlen zum Opfer fielen.

Fotos: Kunkel

Gewinne teuer erkauft? Teurer Waldumbau könnte nun seine Gewinne schnell schmälern. Vor allem aber: Um sie zu erwirtschaften, hat er in nur vier Jahren die Zahl der Forstreviere von

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SPD-Fraktions-Chef im N+U-Interview

Bei Großprojekten tut sich gerade die SPD oft schwer, zwischen Wachstumsglauben und Umweltschutz ihren Weg zu finden. Von Franz Maget wollten wir nun klare Aussagen zur dritten Startbahn am Flughafen München hören. (göß)

D

ie Prognosen zur Entwicklung des Flugverkehrs, auf die die Flughafen München GmbH (FMG) ihre Forderung nach einer dritten Start- und Landebahn gründet, waren von Anfang an höchst fragwürdig. Die aktuellen Einbrüche in der Wirtschaftskrise – 8,9 Prozent weniger Flugbewegungen in den ersten neun Monaten 2009 – führen sie endgültig ad absurdum. Doch ganz unabhängig davon, wie stark der Flugverkehr nach der Krise wieder wachsen kann, er darf es nicht, wenn nicht der Klimaschutz auf der Strecke bleiben soll. Der BN kämpft deshalb weiter gegen die dritte Bahn, gemeinsam mit den anderen Ausbaugegnern. Ob zu ihnen auch die bayerische SPD zählt, ist trotz eines Parteitagsbeschlusses gegen die dritte Bahn nicht wirklich klar. Im BN-Interview äußert sich der (seinerzeitige) Vorsitzende der SPD-Fraktion im bayerischen Landtag, Franz Maget.

Foto: Urban

Herr Maget, wenn wir beim Klimawandel noch das Schlimmste verhindern wollen, darf der Flugverkehr nicht weiter wachsen, da sind sich die Forscher einig. Darf Deutschland, darf Bayern da noch auf Wachstum beim Flugverkehr setzen? Maget: Der Flugverkehr der Zukunft muss ohne Subventionen auskommen. Fehlende Subventionen und der Einsatz umweltschonender Luftverkehrstechnologien werden den Flugverkehr auf den notwendigen Bedarf reduzieren. Ein stark wachsender Flugverkehr würde in Deutschland schon in fünf Jahren stärker zum Klimawandel beitragen als der Autoverkehr. Wie stehen Sie vor diesem Hintergrund zur Besteuerung des Flugbenzins und einer Mehrwertsteuer auf Auslands-Flugtickets? Maget: Die SPD fordert seit vielen Jahren eine EUweite Besteuerung des Flugbenzins. Steuerliche Ausnahmetatbestände, wie keine Mehrwertsteuer auf Auslands-Flugtickets, sind einerseits steuersystematisch nicht nachvollziehbar, andererseits ist die Besteuerung

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Natur + Umwelt BN-Magazin [4-09]

Foto: BN

Maget bezweifelt Bedarf für 3. Startbahn Eine Region geht Baden 50 Gegner der dritten Bahn demonstrierten Ende August schwimmend gegen den drohenden Verlust an Lebensqualität ihrer Heimat: Im Pullinger Weiher, einem Naherholungsgebiet bei Freising, forderten sie: »3. Startbahn abwählen!« Mehr Infos unter www.bund-naturschutz.de/fakten/ verkehr/flughafen-muenchen

für den Wettbewerb der Verkehrsträger ökologisch und betriebswirtschaftlich notwendig. Nun zum Flughafen München: Steht die SPD-Landtagsfraktion zum Parteitagsbeschluss gegen die dritte Bahn; wann und wie werden Sie ihn umsetzen? Maget: Aktuell sinkende Fluggastzahlen, rückläufige Luftverkehrsprognosen und noch nicht ausgeschöpfte Kapazitäten auf den beiden Bahnen stellen den Bedarf für den Ausbau deutlich infrage. Ich habe deshalb immer schon gefordert, dass vor einer endgültigen Entscheidung über den Bau einer dritten Startbahn der Bedarf tatsächlich und nachprüfbar belegt wird. Wie stehen Sie zur Forderung des bayerischen Finanzministers, dass der Freistaat auf die Rückzahlung des Gesellschafterdarlehens an die FMG verzichten soll und damit auch die dritte Startbahn mit Steuergeldern subventioniert werden soll, immerhin 251 Millionen Euro? Maget: Angesichts der finanziellen Lage der öffentlichen Haushalte kann ich mir nicht vorstellen, dass der Freistaat genau so wie die beiden anderen Gesellschafter in der Lage ist, auf Verzinsung und spätere Tilgung zu verzichten. Grundsätzlich darf es keine Finanzierung aus Steuergeldern geben. Werden Sie sich für eine bessere Nachtflugregelung am Flughafen München einsetzen; in Frankfurt darf nach einem aktuellen Gerichtsurteil ja zwischen 23.00 und 5.00 Uhr nicht mehr geflogen werden? Maget: Auch die geltende Nachtflugregelung für den Flughafen München ist zeitgemäß zu überprüfen und bei neuen Erfordernissen anzupassen und zu verbessern. Insbesondere ist auf die Einhaltung der weitestgehend bewegungsfreien Kernzeit zu achten. Das Urteil für Frankfurt ist ein Maßstab. Unabhängig davon ist das bestehende Nachtflugkontingent auf den beiden Bahnen vollkommen ausreichend. Interview: Manfred Gößwald


U

nfassbar war die unendlich traurige Nachricht über den viel zu frühen Tod von Bernd Scheuerlein. Er hat als Bildungsreferent der Jugendorganisation Bund Naturschutz und als ehrenamtlich Aktiver im BN seit mehr als zehn Jahren aus voller Überzeugung für die Umweltbildung gearbeitet. Er konnte begeistern, auf seine ganz

eigene Art: niemals sich in den Vordergrund spielend, aber immer authentisch und unermüdlich. Er war für den Naturschutz, für die Kinder, Müpfe und Jugendlichen Tag und Nacht unterwegs. Ob an der Donau als Kapitän der Takatuka, ob im Kindernationalpark bei der Biberrallye, oder als Wüstenscheich in der Sandachse. Dabei war sein Lieblingslebens- und -bildungsraum das Zeltlager. Bernd Scheuerlein stand für eine Pädagogik für Draußen, für »dreckig, aber glück-

Foto: bayern design GmbH

Ihre Spuren bleiben

W

Lisa Franke †

o Kreativität und Kraft in einer Person so zusammenfinden, wie das bei Lisa Franke der Fall war, da hinterlässt auch ein viel zu kurzes Leben große und schöne Spuren. Lisa Franke war Ende der

Ein Pionier des Naturschutzes

A

m 21. September starb Dr. Helmut Karl. Er war Schöpfer des bis heute gültigen Alpenplanes, einer europaweit bahnbrechenden Schutzzonierung des gesamten bayerischen Alpenraumes. Millionen von Menschen, die sich heute an den Alpen erfreuen, verdanken ihm

D

Adolf Zellfelder †

er Bund Naturschutz nimmt in großer Dankbarkeit Abschied von Adolf Zellfelder. Der langjährige Vorsitzende der BN-Kreisgruppe Ansbach (1979–1991) und Träger des Bundesverdienstkreuzes hat

Wegbereiter des Naturschutzes

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er Bund Naturschutz trauert um Hans Schönmann – einen der Wegbereiter des Naturschutzes in Unterfranken. Er war nicht nur an der Gründung und am Aufbau

1990er-Jahre Marketingreferentin beim BN. In dieser Zeit erneuerte der Verband sein Erscheinungsbild. Dass der BN hierin Modernität, Naturnähe und Bodenständigkeit zugleich ausstrahlt, ist auch Lisa Frankes wesentliches Verdienst. Lisa Franke, die am 6. August mit erst 46 Jahren starb, blieb dem BN stets verbunden. In Erinnerung bleiben

die Verhinderung unzähliger Landschaftseingriffe. 1970 wurde er der erste hauptamtliche Beauftragte für Naturschutz bei der Regierung von Unterfranken und schuf mit dem Naturschutzgebiet Lange Rhön mit 3000 Hektar das größte außeralpine Naturschutzgebiet Bayerns. Seit 1969 war Dr. Karl für viele Jahre Mitglied des BN-Landesbeirates, war zehn Jahre Mitglied im Rhönschafbeirat und gab 1973 den Anstoß zur

Ein Vorbild in Zivilcourage

wird uns ihre Offenheit für Neues, ihre Kreativität und die Begeisterungsfähigkeit, mit der sie Menschen für die Ziele des BN gewonnen hat.

Danke

Gründung der ersten unterfränkischen Kreisgruppe in Würzburg. 1986 wurde er mit der Bayerischen Naturschutzmedaille des BN geehrt. Der fachlich hochangesehene und persönlich immer bescheidene Dr. Karl verband wie kaum ein Zweiter behördlichen und ehrenamtlichen Naturschutz und wird für viele von uns immer ein Vorbild bleiben. Dr. Helmut Karl † Prof. Dr. Hubert Weiger, BN-Landesvorsitzender

sich um den Naturschutz in Stadt und Landkreis und weit darüber hinaus in hohem Maße verdient gemacht und trug maßgeblich zur Reputation des BN in der Bevölkerung und bei Behörden bei. Durch seine Fachkompetenz und eine humane Haltung konnte der Gymnasiallehrer auch die Sympathie der

der Kreisgruppe Main-Spessart und mehrerer Ortsgruppen maßgeblich beteiligt, sondern engagierte sich auch als langjähriger Kreisgruppenvorsitzender und als stellvertretender Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Hafenlohrtal. Mit einer eigenen Buchreihe, Exkursionen und

Abschied

lich«. Bernd Scheuerlein mit seiner Menschlichkeit, seinen umweltpädagogischen Fähigkeiten und seiner Bernd Scheuerlein † Leidenschaft wird mit der JBN durch die Kinder und Müpfe, die ihn in ihren Herzen tragen, weiterleben.

Foto: Speer

Ein VollblutPädagoge

Schüler gewinnen. Mit seiner geradlinigen Art, seiner Zivilcourage und seiner Ausstrahlung erreichte er viele Menschen für den Naturschutz. Der BN wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Prof. Dr. Hubert Weiger, BN-Landesvorsitzender

Vorträgen begeisterte er vor allem viele junge Leute für die Naturschönheiten ihrer Heimat. Sein Vorbild wird auch weiterhin für uns Ansporn sein.

Hans Schönmann † [4-09] Natur + Umwelt BN-Magazin

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Wildpflanzen im Portrait

Spätherbst, die Pflanzenpracht verblasst. Doch genau hinschauen lohnt sich, zum Beispiel bei den schönen und nützlichen Schlehen.

Foto: privat

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Die Autorin Dr. Gertrud Scherf hat mehrere Pflanzenbücher verfasst.

er sonst recht unauffällige Schlehdorn hatte im Frühjahr, meist für nur wenige Tage, seinen großen Auftritt: Die dunklen, noch unbelaubten Zweige umhüllten sich mit einem strahlend weißen Schleier aus zart duftenden Blüten, um Fliegen, Schwebfliegen, Bienen- und Käferarten sowie verschiedene Falter einzuladen. Diesem Blütenzauber kann sich auch der Mensch kaum entziehen. »Schlehenzeit« ist für viele Vogel- und Säugerarten jedoch jetzt, vom Herbst bis in den Winter, wenn die blauschwarz bereiften kugeligen Steinfrüchte signalisieren: Hier gibt es noch immer Nahrung. Die Menschen haben Schlehen wahrscheinlich bereits in der Jungsteinzeit gesammelt. Hildegard von Bingen empfiehlt die Früchte gegen Gicht und Magenbeschwerden. Der Kräuterbuchautor Hieronymus Bock (1498–1554) betont den kulinarischen Gewinn: »… würt mehr lusts halben / dann sonnst zu artznei gebraucht.« Die sauer-herben Schlehen – nach dem ersten Frost schmecken sie süßer und milder – sind roh kaum genießbar. Insbesondere Wein, Likör, Essig oder Saft (siehe Kasten) stellt man aus den traditionell als stoffwechselanregend geltenden Früchten her. In Notzeiten »streckten« getrocknete Schlehen das Brotmehl. Mit Schlehen können Textilien bräunlich oder bläulich, mit Rinde und Wurzel rot oder braun gefärbt werden. In mittelalterlichen Klöstern bereitete man aus der Rinde eine haltbare braune Schreibflüssigkeit, die »Dornen-Tinte«. Mit den dornenbesetzten, stark verästelten Zweigen und seinen Wurzelsprossen kann der zwei bis drei Meter hohe Schlehdorn schier undurchdringliche

Buchtipp: Wildpflanzen Mit »Wildpflanzen neu entdecken« hat unsere Autorin Gertrud Scherf im blv-Verlag einen ganz besonderen Naturführer veröffentlicht. 150 Arten stellt sie dort nicht nur mit ihren Merkmalen, sondern vor allem mit ihrer Bedeutung für den Menschen vor: Verwendung und Heilwirkung, Geschichte und Brauchtum, Mythos und Magie. ISBN 978-3-8354-0062-7, Euro 14,95, bestellen unter Tel. 0 91 23-99 95 70, info@service.bund-naturschutz.de

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Natur + Umwelt BN-Magazin [4-09]

Zeichnung: Claus Caspari; BLV Buchverlag

Der Schlehdorn

Dickichte bilden. Das macht ihn zum wertvollen Schutzgehölz für Vögel und andere Tiere. Hecken und Feldgehölze haben unschätzbare Funktionen. So spenden sie Nahrung, bieten Nist- und Ruheplätze, schaffen Kleinlebensräume, bilden Brücken zwischen Lebensräumen, sind für manche Arten letzte Rückzugsgebiete. Hecken gliedern die Landschaft, lassen in ihrem wechselnden Kleid die Jahreszeiten erleben, bieten Windschutz und insbesondere im Siedlungsbereich Sicht-, Lärm- und Staubschutz. Die Vorteile von Hecken auch für die Landwirtschaft – unter anderem

Schlehensaft Es muss nicht immer Likör sein. Köstlicher Schlehensaft gelingt so:  500 g Schlehen waschen, mit 1,5 l kochendem Wasser übergießen. Gefäß zudecken und 24 Stunden kühl stellen.  Saft abgießen, aufkochen, über die Schlehen schütten. Gefäß zudecken und erneut 24 Stunden kühl stellen. Das Verfahren noch zwei- bis dreimal wiederholen.  Verbliebenen Saft mit 150 g Zucker zum Kochen bringen, einige Minuten kochen lassen. Heiß in Gläser füllen, diese verschließen. Mit Wasser verdünnt ist Schlehensaft ein erfrischendes Getränk, unverdünnt schmeckt er zu Grießbrei, Joghurt, Obstsalat oder Pudding. In der Volksmedizin gilt er als lindernd bei Erkältungskrankheiten. Achtung: Die blausäurehaltigen Steinkerne bei der Verarbeitung nicht zerquetschen.

Erosionsschutz und Wasserspeicherung – überwiegen angebliche Nachteile, die immer wieder zu Heckenrodungen führten. Der Bund Naturschutz setzt sich für den Erhalt der Hecken und für Neupflanzungen ein. Schlehenhecken sind ein unverzichtbarer Teil unserer Kulturlandschaft. Dr. Gertrud Scherf


Foto: ALIMDI.NET / Stefan Huwiler

Die Kunst der Tarnung

… lässt den seltenen Alpenschneehasen mit dem Schnee verschmelzen. Doch mit dem Klimawandel wird der Schutz zur Gefahr. Fällt weniger Schnee, ist der weiße Hase umso leichter zu sehen. Auch deshalb kämpft der Bund Naturschutz für einen rasch wirksamen Klimaschutz.


IM PROFIL

Breitwinkel: Der BN hat den Blick für’s Ganze In Zeiten des Klimawandels erfordern Naturund Umweltschutz oft Abwägungen zwischen verschiedenen Zielen. Hier ist die Kompetenz des fachlich breit aufgestellten BN gefragt.

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in Wasserkraftwerk im Naturschutzgebiet, ein Windrad im Naturpark, die Aufforstung artenreicher Wiesmahdflächen als Schutzwald: Der Klimawandel erzeugt neue Konfliktlinien zwischen klassischem Natur- und Artenschutz, Landschafts- und Klimaschutz. Der Bund Naturschutz, der für umfassenden Umwelt- und Naturschutz steht, muss anders als Verbände mit sektoralen Zielen positive und negative Auswirkungen auf die verschiedenen Ziele abwägen. Das ist nicht immer einfach, macht das Urteil des BN für politische Entscheidungsträger aber auch besonders wertvoll. Beispiel eins: Im Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen wird ein neues Wasserkraftwerk an der Stillach beantragt (s. N+U 2-09). Es soll Strom für umgerechnet 2500 Zweipersonen-Haushalte erzeugen, 6500 Tonnen CO2 könnten damit pro Jahr eingespart werden. Trotzdem engagiert sich der BN gegen das Kraftwerk. Warum? Nur noch zehn Prozent der alpinen Flüsse und Bäche sind naturnah. Alpine Fluss-Ökosysteme gehören damit zu den gefährdetsten Lebensräumen. Mit einem Kraftwerk würde der noch weitgehend natürlichen Stillach-

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klamm ein Großteil ihres Wassers entzogen. Die Wildbachdynamik wäre verloren, das Ökosystem zerstört. Nun hat der Marktgemeinderat Oberstdorf ursprüngliche Beschlüsse aufgehoben und gegen das Vorhaben gestimmt. Auch die Regierung von Schwaben ist der Stellungnahme des BN gefolgt. Beispiel zwei: ein geplanter Windpark im Landkreis AichachFriedberg. Ein Teil der lokalen Bevölkerung gründet eine Bürgerinitiative zum Schutz der Landschaft und zur Verhinderung des Windparks. In diesem Fall entscheidet sich der BN aber für die Windkraft. Die Landschaftsbeeinträchtigung bewegt sich im durchschnittlichen Rahmen, und auch aus Artenschutzaspekten gibt es keine unüberwindlichen Hürden. Und um Atomkraftwerke schnellstmöglich abschalten zu können, sind nach der BN-Energievision mindestens 1500 Windräder in Bayern notwendig. In beiden Fällen war für eine gute Entscheidung ein genaues Hinschauen in alle Richtungen notwendig. Hier zeigt sich die Stärke des BN. Nur mit seiner BreitwinkelPerspektive sind die großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts wie die Bekämpfung des Klimawandels, die Sicherung der Biodiversität und der Erhalt der Heimat gleichzeitig zu bewältigen. Thomas Frey

Atomkraft, Verkehrsplanung, Klimawandel, Gewässerökologie oder Naturschutzrecht sind nur einige der Themen, in denen sich ein Regionalreferent beim BN auskennen sollte. Der Geograph Thomas Frey arbeitet seit anderthalb Jahren als BNRegionalreferent für Schwaben. Nach 15 Jahren ehrenamtlicher Arbeit hat er sein Hobby zum Beruf gemacht. Der umfassende Umweltschutzgedanke des BN kommt ihm dabei entgegen. Gerade Themen mit umweltschutzinternen Zielkonflikten haben ihn in den letzten Jahren stark beschäftigt, etwa in der Windkraftdiskussion oder beim Forststraßenbau im Bergwald. Der verkehrspolitisch und ökologisch unsinnige, kürzlich eröffnete Abschnitt der Autobahn A7 zwischen Nesselwang und Füssen hatte Thomas Frey zur BN-Mitgliedschaft getrieben. Zwischen Nesselwang und Seeg, den Wohn-

Foto: privat

Fotos: Waldvogel

Klima-, Landschafts-, Artenschutz

Abwägung Strom aus Wasserkraft ist CO2-frei (rechtes Foto: ein Kraftwerk bei Oberstdorf). Doch die letzten intakten alpinen Fluss-Ökosysteme dürfen nicht für neue Wasserkraftwerke geopfert werden. Dieser Argumentation des BN folgend, haben die Behörden nun das geplante Kraftwerk Buchrain am Iller-Zufluss Stillach (linkes Foto) abgelehnt.

Thomas Frey

orten seiner Großeltern, hatte er die Natur lieben gelernt. Seit über 30 Jahren, seit Freys Geburt, hat sich der BN hier für eine sinnvolle Alternative zur Autobahn eingesetzt, leider ohne Erfolg. Mit seiner halben Stelle betreut Frey die zehn schwäbischen Kreisgruppen. Die Allgäuer Berge kennt er nicht nur als Naturschützer, sondern auch von drei Alpsommern als Hirte und Senn. Seit der Geburt seiner Kinder hat er sich aber auf die Betreuung kleiner Tiere verlegt: Mit Bienen, Frau und zwei kleinen Söhnen wohnt Frey im Allgäu und versucht so möglichst viel bei seinen Kreisgruppen präsent zu sein. Ihr direkter Draht zu Thomas Frey: 0 89-54 82 98-94, thomas.frey@ bund-naturschutz.de


Kreisgruppe Eichstätt

Dem Bläuling auf der Spur Schmetterlinge schützen erfordert manchmal Umwege. Das erfuhren die Teilnehmer einer großen Kartieraktion der Kreisgruppe Eichstätt im Juli beim »GEO-Tag der Artenvielfalt«. Unter der Leitung von Gerhard Dörfler aus Böhmfeld machten sie sich mit Lupen und GPS auf die Spur des Kreuzenzian-Ameisenbläulings.

Foto: Schlagintweit

Füchse für die Falter Die alte Schafsrasse »Coburger Füchse« hilft im Katzental, Magerrasen mit Kreuzenzian (kleines Bild) zu erhalten, auf dem der seltene Ameisenbläuling seine Eier ablegt.

Landessieger: Exakt 11 028 Euro sammelten die Schülerinnen und Schüler der 5. und 6. Klassen der Realschule Waldkraiburg 2009 für den BN – so viel wie keine andere Schule in Bayern. Kreisvorsitzender Gerd Ruchlinski und Landesgeschäftsführer Peter Rottner (s. Foto, mit Lehrer Kurt Weis) bedankten sich mit Urkunden und Geschenken und stellten die Naturschutz-Projekte im Landkreis vor, die durch das Geld unterstützt werden.

Feuersignale: An den Mahnfeuern im Alpenraum Mitte August beteiligten sich heuer erstmals Bürgerinitiativen, BN und LBV, um gegen den geplanten Ausbau der A8 im Chiemgau zu protestieren. Insgesamt gab es entlang der Strecke sieben Feuer, in Bernau, Übersee, Grabenstätt, Bergen, Siegsdorf, Anger und Piding. Zu den Organisatoren zählten die Berchtesgadener Kreisgruppenvorsitzende Rita Poser und Beisitzerin Gertrud Flatscher (s. Foto).

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NATU RNOTIZEN AUS OBERBAYERN

artenreiche Vegetation entwickeln. Davon profitiert nicht nur das Kreuzenzian-Trio, sondern auf Umwegen der Schmetterlingsschutz allgemein. Tino Schlagintweit (asw)

Foto: Grafwallner

thologe habe er sich durch große persönliche Einsatzbereitschaft verdient gemacht, sagte Bayerns Umweltminister Markus Söder, der die Auszeichnung überreichte (Foto links), in seiner Laudatio. Eine weitere Ehrung gab es für Christian Magerl (Foto unten): Bereits im Juli war der langjährige Freisinger BN-Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete von Bündnis 90/ Die Grünen mit dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet worden. Foto: Magerl

Foto: privat

Ausgezeichnet: Manfred Siering, langjähriger Vorsitzender der Ornithologischen Gesellschaft Bayern und der BN-Ortsgruppe Grünwald, erhielt Anfang September das Bundesverdienstkreuz am Bande. Als ehrenamtlicher Orni-

früh und nicht zu spät, nicht zu stark und nicht zu schwach – professionelle Schäfer sind da kaum zu begeistern. Deshalb hat die Ortsgruppe Böhmfeld eine eigene Herde aus 40 Schafen der alten Rasse »Coburger Füchse« aufgebaut. Damit betreibt der nebenberufliche Schäfer Gerhard Halsner eine ausgefuchste Koppelhaltung: Tags dürfen die Schafe auf ausgewählten Flächen grasen; nachts werden sie mittels mobiler Drahtkoppeln am Rand untergebracht. So bleibt der Magerrasen weitgehend frei von Dung und kann seine typische,

Foto: BN

er Name des Falters deutet ein empfindliches ökologisches Trio an: Heikel ist vor allem die Abhängigkeit des Bläulings von einer einzigen Raupenfutterpflanze, dem Kreuzenzian. Der wächst praktisch nur auf Kalkmagerrasen und ist in Bayern vom Aussterben bedroht. Fatal für den Falter ist auch der ansonsten clevere Kuckucks-Trick: Wenn die Raupen groß genug sind, lassen sie sich von Knotenameisen als vermeintliche Königinnen bis zur Verpuppung mästen. Dumm nur, dass auch die Knotenameisen eher selten sind und empfindlich auf Verbuschung reagieren. So fanden die Kartierer nur an jedem zweiten Enzian-Standort auch Eier des Bläulings; manches angebliche Vorkommen des Enzians mussten sie ganz aus ihren Listen streichen. Ergiebiger waren dagegen die Magerrasen im Katzental, einem kleinen Trockental nahe Böhmfeld. Mit Erfolg versucht der Bund Naturschutz hier, allen gerecht zu werden, dem Falter, dem Enzian, den Ameisen. Nötig ist dafür eine maßgeschneiderte Beweidung: Nicht zu

Foto: Dörfler

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Kreisgruppe Landshut

B15 neu: Langer Atem

zumindest an der A92 nördlich von Landshut endgültig zu stoppen«, gibt sich ihr stellvertretender Vorsitzender Paul Riederer kämpferisch. Mit BN-Unterstützung haben sich inzwischen in den betroffenen Gemeinden Adlkofen, Geisenhausen, Vilsbiburg und Velden/Vils süd-

Protestband Eine Menschenkette symbolisierte bei der Demonstration in Geisenhausen gegen die B15 neu die Breite der Trasse und den enormen Landverbrauch. Ausführliche Informationen zum Widerstand gegen die B15 neu finden Sie unter www.landshut.bund-naturschutz.de und www.stop-b15-neu.de.

lich von Landshut Bürgerinitiativen formiert. Am 30. August, einen Tag vor dem Spatenstich für den zweiten Bauabschnitt von Neufahrn nach Ergoldsbach, demonstrierten sie gemeinsam mit dem BN und der »Gemeinschaft der Betroffenen und Gegner der B15 neu« am Kreuzungspunkt der B229 mit der geplanten B15 neu bei Geisenhausen. In einheitlichen T-Shirts und mit Transparenten und Absperrband bildeten die über 250 Teilnehmer eine Menschenkette gegen den Bau der Autobahn und ihren Weiterbau

über die A92 bei Essenbach hinaus in Richtung Süden. Gemeinsam will man alle demokratischen Mittel ausschöpfen, um die lebenswerte Heimat vor der Zerstörung zu bewahren. Kurt Schmid (asw)

Widerstand gegen die geplante »B15 neu« formiert sich nun auch südlich von Landshut: Naturschützer und Autobahnbetroffene protestierten Ende August mit einer Menschenkette gegen den Weiterbau der Straße über die A92 hinaus.

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schaftspflegeverband und Bund Naturschutz jeweils eine entsprechende Urkunde, die für den BN Kreisvorsitzender Peter Forstner entgegennahm. Weitere Informationen: www.schutzaecker.de/? Kelheim GEO-Tag: Auch heuer nutzten viele BN-Gruppen in Niederbayern den 13. Juni, um den Menschen die

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Vielfalt der heimischen Tier- und Pflanzenarten näherzubringen. So veranstaltete die Kreisgruppe Deggendorf eine Muschel- und Schnecken-Exkursion an der Donau bei Metten (s. Foto), bei der fünf Rote-Liste-Arten, darunter auch die stark gefährdete DonauKahnschnecke, gefunden wurden. Die Ortsgruppe Unterer Inn führte gemeinsam mit der Zoologischen Gesellschaft Braunau in der Schanzenanlage in Gstetten bei Kirchdorf eine Bestandsaufnahme der hier vorkommenden Arten durch. Beobachtet wurden viele geschützte Pflanzen, 47 Vogelarten und zahlreiche Nachtfalter wie der Mittlere Weinschwärmer.

Foto: Riederer

Schutzäcker: Unter dem Motto »100 Äcker für die Vielfalt« soll in den kommenden Jahren ein bundesweites Schutzgebietsnetz zur dauerhaften Sicherung selten gewordener Ackerwildkräuter entstehen. Die erste Ackerfläche in Bayern, die dafür ausgezeichnet wurde, ist ein Grundstück der BN-Kreisgruppe Kelheim in der Sandharlander Heide bei Abensberg. Im Juli überreichten Vertreter des Bundesprojekts und des bayerischen Umweltministeriums den lokalen Akteuren von Landkreis, Land-

Foto: Reinhardt

NATU R NOTIZEN AUS N I EDER BAYER N

eit über 30 Jahren kämpft die Kreisgruppe Landshut des Bundes Naturschutz (BN) gegen den Bau der neuen Bundesstraße, die mit vier Fahrstreifen, zwei Standspuren und 27 Meter Trassenbreite praktisch einer Autobahn entspricht. Beginnend südlich von Regensburg (A93) über Landshut (A92) und Schwindegg (geplante A94) soll sie einmal bis westlich von Rosenheim (A8) führen – eine lebensfeindliche Schneise von fast 140 Kilometern Länge, quer durch Südbayern. Obwohl der erste Abschnitt von Saalhaupt bis Neufahrn derzeit im Bau ist, hat die Kreisgruppe nicht aufgegeben: »Unser vorrangiges Ziel ist jetzt, dieses Natur und Landschaft zerstörende Großprojekt

Foto: König

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Atomausstieg: Dafür demonstrierten Anfang September in Berlin rund 50 000 Menschen, darunter auch 60 Atomkraftgegner aus dem Raum Landshut. Die BN-Kreisgruppe hatte die Fahrt in die Bundeshauptstadt organisiert. Auf der Kundgebung am Brandenburger Tor wandten sich die Teilnehmer gegen den von Union und FDP geplanten »Ausstieg aus dem Atomausstieg« und den Weiterbetrieb von alten Atomkraftwerken wie Isar 1 in Ohu. Sie forderten das Ende der Atommüllproduktion und eine sofortige Energiewende.


Kreisgruppen Nürnberg-Stadt und Erlangen

Protest mit Monet

Reichswaldmedaille: Damit wurde Eckhard Schulz, Vorsitzender der BN-Ortsgruppe Feucht und Sprecher des Bannwaldbündnisses Feucht-Wendelstein ausgezeichnet. Sein Einsatz half, eine GoKart-Bahn und Rodungen für ein Sportgelände zu verhindern. Aktuell engagiert er sich gegen die Südanbindung sowie ein im Bannwald geplantes Gewerbegebiet. Die Laudatio hielt BN-Landesvorsitzender Hubert Weiger beim diesjährigen Reichswaldfest Mitte Juli in Nürnberg.

Foto: BN-Kirschenprojekt

Foto: Konopka

enn ganz »abgefrühstückt« ist die heiß umkämpfte Autobahntrasse zum Flughafen Nürnberg noch nicht, und so stellte die Nürnberger Gruppe der JBN das Motiv des Gemäldes in historischen Kostümen nach. Mit der öffentlichkeitswirksamen Aktion, über die die »Nürnberger Nachrichten« berichteten, wollten die Jugendlichen »auf die Schönheit des Reichswaldes, der hier geopfert würde, aufmerksam machen«, so Tanja Meckler von der JBN. Das Aktionsbündnis gegen die Nordanbindung, dem auch der

Bund Naturschutz angehört, wendet sich seit Jahren gegen die geplante zusätzliche Anbindung des Flughafens Nürnberg von der Autobahn A3 durch den Sebalder Reichswald. Nach Ansicht der Gegner ist der Bedarf mehr als fraglich, hat der Flughafen doch vor wenigen Jahren eine eigene U-Bahnlinie erhalten und ist mit dem Auto problemlos über die vierspurige Bundesstraße B4 und die Marienberg- und Flughafenstraße erreichbar. Staus gibt es praktisch nicht, und in einer repräsentativen Umfrage wird der Nürnberger Flughafen bereits heute von Fluggästen als bester deutscher Regionalflughafen bewertet. Der Bau der neuen Trasse würde nicht nur 15 Hektar Reichswald kos-

Kirschenparadies: Zu der vom BN Anfang Juli ausgerichteten »Kerschterkerwa« in Kalchreuth bei Erlangen strömten in diesem Jahr weit über 5000 Gäste. Auf dem Festgelände erwartete sie ein Schlaraffenland mit Kirscheis, Kirsch-Royal, Kirschenmännle und natürlich Kirschen pur in vielfältigen Sorten. Die Kirschkirchweih geht auf den Besuch von König Maximilian II. in Kalchreuth im Jahr 1855 zurück. 2004 wurde sie im Rahmen des BN-Kirschenprojekts wiederbelebt.

Ausgezeichnetes Engagement: Der mit 2000 Euro dotierte Umweltund Naturschutzpreis 2009 der Stadt Schwabach ging im Oktober an Günter Grimm, einen der aktivsten örtlichen Naturschützer, der sich für die Mauerseglerpopulation im Stadtgebiet und den Erhalt alter Obstbaumsorten einsetzt. Im Rahmen des Mauerseglerprojektes erfasste Grimm die Zahl der Brutkolonien, veranstaltete Führungen und schuf mit der städtischen Wohnungsbaugesellschaft, Architekten und Privatleuten über 200 Nisthilfen und Brutplätze. Ein wichtiges Anliegen ist ihm weiter die Kartierung und Rettung alter Obstbäume. Dafür setzte er Reiser

alter Sorten auf 200 Jungbäume, die nun in Privatgärten gepflanzt werden sollen. Neuer Tümpel: Am Rand der ZennTalaue pflegt die BN-Ortsgruppe Langenzenn seit 20 Jahren eine Feuchtwiese. Sie bietet Lebensraum für viele Insekten- und Vogelarten, doch der dort angelegte Amphibientümpel war verlandet. Damit Erdkröte und Grasfrosch auch künftig einen Laichplatz finden, wurde nun unter Leitung des Landschaftspflegeverbands Mittelfranken ein neuer Tümpel ausgebaggert.

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NATU RNOTIZEN AUS MITTELFRAN KEN

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ten und eine weitere Lärmschneise durch den beliebten Naherholungsraum schlagen, sondern auch den Lebensraum des Mittelspechts gefährden, der hier innerhalb des europäischen Vogelschutzgebiets Nürnberger Reichswald schwerpunktmäßig vorkommt. Das Aktionsbündnis hat inzwischen erreicht, dass die Anhörung im Planfeststellungsverfahren neu aufgerollt werden muss. Für die Trassengegner bestätigt sich damit, dass die beim Erörterungstermin im vergangenen Jahr von fast 10 000 Bürgerinnen und Bürgern vorgebrachten Einwände nicht so ohne weiteres vom Tisch gewischt werden können. Tom Konopka (asw)

Foto: Achtnicht

Foto: JBN

»Das Frühstück im Wald« betitelte der impressionistische Maler Claude Monet eines seiner Werke, das Mitte Juli der Jugendorganisation Bund Naturschutz (JBN) als Vorlage für eine Protestaktion gegen die Nordspange durch den Reichswald diente.


Fotos: Pfeuffer

Magerrasen vor dem LfU Seine typische Flora ist auch Heimat für Falter wie den gefährdeten Idas Bläuling, dessen Raupen eng mit Ameisen zusammenleben.

Kreisgruppe Augsburg

Ausgleich für die Ausgleichsfläche Im Streit um eine zehn Jahre alte Ausgleichsfläche, die ausgerechnet einer Erweiterung des Landesamtes für Umwelt zum Opfer fällt, erreichte der Bund Naturschutz zumindest einen Kompromiss: Direkt daneben soll ein neues, viermal größeres Biotop entstehen.

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Binnen kurzer Zeit hatte sich mit Arten wie Kreuzenzian, SteinbrechFelsennelke und Klebrigem Lein eine bemerkenswerte Pflanzenwelt etabliert und seltene Tagfalter wie den Idas Bläuling angelockt (siehe Foto). Nach zehn Jahren steht nun die bauliche Erweiterung des LfU an. Als Standort für den Neubau wurde ausgerechnet das wertvolle Ausgleichsareal auserkoren – obwohl hektarweise staatseigene Brachflächen mit großen betonierten Bereichen an das LfU angrenzen. Mit die-

Klage, konterkariert der geplante Neubau doch alle Strategien zu Abfallvermeidung und Abfallverwertung, für die sich der Verband seit Jahrzehnten einsetzt. Prämierter Saft: Der naturtrübe Apfelsaft aus dem Apfelsaftprojekt der BN-Kreisgruppe Lindau wurde nun von der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft mit dem »Goldenen Preis 2009« für seine herausragende Qualität ausgezeichnet. Das Projekt, für das der

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BN die Apfelernte an über 1500 Hochstammbäumen von 75 Bauern organisiert, gibt es seit 2002; vermarktet wird der Saft von der Lindauer Bodenseefruchtsäfte GmbH. Solarsport: Die 2008 vom Bund Naturschutz und dem Energieund Umweltzentrum Allgäu ausgerufene erste Allgäuer Solarmeisterschaft ging diesen Sommer zu

Foto: Neugebauer

Unnötige MVA: Trotz bundesweiter Überkapazitäten plant die Papierfabrik Gebrüder Lang in Ettringen im Unterallgäu eine neue Müllverbrennungsanlage (MVA), die drittgrößte Bayerns. Bei der Abgasreinigung orientiert sich die geplante Anlage nicht am aktuellen Stand der Technik, sondern am niedrigsten gesetzlich vorgeschriebenen Standard, was die Gesundheit der Bevölkerung im Umland unnötig gefährdet und wirtschaftlichen Druck auf MVAs mit höheren Reinigungsstandards ausübt. Der Bund Naturschutz brachte sich mit Rechtsanwalt Dr. Baumann im Genehmigungsverfahren zu Gehör und erwägt eine

Foto: Lindauer Bodenseefruchtsäfte

NATU RNOTIZEN AUS SCHWABEN

eim Neubau des Landesamtes für Umwelt (LfU) in Augsburg Ende der 90er-Jahre war die Flächenversiegelung durch eine ökologische Gestaltung der Außenanlagen ausgeglichen worden. Kernstück war die Anlage eines vier Hektar großen Magerrasenkomplexes, der die ehemals charakteristischen offenen Heidelandschaften des Lechfeldes zum Vorbild hatte und mit einfachen Mitteln – durch geringen Bodenabtrag und Aufbringen von Heumahd aus den nahen Lechheiden – verwirklicht wurde.

ser Planung demonstrierte der Freistaat Bayern, dass Ausgleichsflächen unabhängig von ihrer Entwicklung offenbar beliebig für neue Eingriffe zur Disposition stehen. Erst nach heftigem Protest der BNKreisgruppe zusammen mit der Augsburger Naturschutzallianz und unter großer Anteilnahme der Medien zeigte sich die LfU-Spitze gesprächsbereit. Der ausgehandelte Kompromiss sieht angrenzend an das bestehende Biotop ein viermal so großes Areal als neue Ausgleichsfläche vor. Ihre Anlage soll von den Umweltverbänden begleitet und wissenschaftlich als Modell für die Entwicklung von Trockenstandorten im Siedlungsbereich untersucht werden. Die neue Fläche soll nun angeblich »dauerhaft gesichert« sein. Bleibt zu hoffen, dass diese Zusage auch bei der nächsten LfU-Erweiterung noch gültig ist. Dr. Eberhard Pfeuffer und Thomas Frey (asw) Ende. Sieger wurde die Gemeinde mit den meisten installierten Solarstrom- und Solarwärmeanlagen. Bei den kleinen Gemeinden gewann Rettenbach vor Lengenwang und Holzgünz. Bei Kommunen über 5000 Einwohnern lag Bad Grönenbach vor Weiler-Simmerberg und Pfronten, und bei Städten über 20 000 Einwohnern siegte Sonthofen. Der interkommunale Wettbewerb ist als Regionalwertung Teil der »Solarbundesliga« und soll auch nächstes Jahr wieder stattfinden. Mehr Infos: www.solarbundesliga.de/allgaeu


Kreisgruppe Kulmbach

Brot für die Kröten Darauf muss man erst einmal kommen: Unter dem Namen »Quakbrot« verkaufen Kulmbacher Bäcker ein Brot aus gentechnikfreiem regionalem Bio-Getreide. Ein Teil des Erlöses fließt in den Amphibienschutz im Landkreis.

Umfahrung 1: Mitte Juli war es amtlich und die Klage des BN gegen die geplante Ortsumfahrung Melkendorf vor dem Verwaltungsgericht Bayreuth gescheitert. Zwar hatte das Staatliche Bauamt im Oktober 2008 Vorgaben zur Klärung der Belange von Weißstorch und Rebhuhn erlassen, doch weil im Dezember das Bundesnaturschutzgesetz in Fragen des Artenschutzes novelliert und damit verschlechtert worden war, hatte die Klage des BN keine Chance mehr. Fragen wie Klimaschutz, Bedarf oder Alternativen wurden vor Gericht gar nicht erst behandelt. Von der geplanten Trasse sind fast 30 Hektar Land betroffen.

Foto: Willner

as Projekt ist eine Gemeinschaftsaktion von Bäckereien, Bund Naturschutz und Landesbund für Vogelschutz (LBV). »Eine tolle Idee«, lobte denn auch BN-Landesvorsitzender Hubert Weiger beim Besuch des Landesvorstands im April in Kulmbach, wo die BN-Vorstände in der Bäckerei Grünwehrbeck von Bäckerinnungsmeister Ralf Groß begrüßt wurden (s. Foto). Erhältlich ist das Quakbrot im Grünwehrbeck in Kulmbach und im Cafe zum Lautengrund in Presseck sowie in der Bäckerei Dummler in

Kupferberg. Es kann aber auch in allen Betrieben der Kulmbacher Bäckerinnung nachgefragt werden. Das Getreide liefert Bio-Bauer Christian Weisath aus Zettlitz, gemahlen wird es in der Hutschdorfer Mühle von Müller Georg Wernlein. Damit ist das »Quakbrot« ein absolutes Regionalprodukt. Von jedem verkauften Laib kommen 50 Cent dem Naturschutz, vor allem dem Schutz heimischer Frösche, Kröten und Molche zugute. Die beiden Organisationen BN und LBV betreuen gemeinsam sechs

Umfahrung 2: Der Forchheimer BN kritisierte Ende September das Fehlen nachvollziehbarer Begründungen für die bei Dormitz geplante Ortsumfahrung und fordert stattdessen die Stadt-UmlandBahn. Zweifel meldeten die Naturschützer vor allem an der zugrunde gelegten Verkehrsbelastung des Ortes an: Während die Planung mit 12 000 durchfahrenden Fahrzeugen pro Tag rechnet, wurden

Krötenübergänge an Straßen im Landkreis Kulmbach. 2008 konnten sie so rund 2000 Amphibien davor bewahren, überfahren zu werden. Außerdem dient das Projekt den Naturschutzverbänden als Werbung für gentechnikfreie, regionale Lebensmittel. Tom Konopka (asw) Foto: Lebensmittelfotos.com

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2005 tatsächlich nur 9547 gezählt, bei sinkender Tendenz. Doch sowohl die Dormitzer Umfahrung als auch die bei Forchheim geplante Umfahrung der Staatsstraße 2243 bedrohen weiter die Feuchtgebiete und Tümpel im Erlanger Oberland, die ein Zuhause für Stockente, Ringelnatter, Laub- und Grasfrosch, Kröten, Libellen und unzählige Käferarten bieten. Tolle Knolle: Unter dem Motto »Gentechnikfrei genießen« warb die Kreisgruppe Lichtenfels beim Kreisgartentag Anfang Juli für Kartoffeln und andere Nahrungsmittel ohne Gentechnik. Am BN-Stand

konnten die Sorten »Linda«, »Laura« und »Bamberger Hörnchen« begutachtet werden. Während sich die Kinder im Kartoffeldruck auf Stofftaschen übten, fanden bei den Besucherinnen besonders Kochrezepte für die Knollenfrüchte großen Anklang. Wer beim Kartoffelquiz die Fragen richtig beantwortete, konnte zudem Radwanderkarten und Becherlupen gewinnen. Noch gibt es keine gentechnisch veränderten Nutzpflanzen auf den landwirtschaftlichen Flächen im Landkreis.

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NATU RNOTIZEN AUS OBERFRAN KEN

Fotos: Konopka

Vorbildlich Großes Lob erntete die Kulmbacher Bäckerinnung vom BN für ihr Regionalbrot-Projekt. Foto: Innungsmeister Ralf Groß (4. v. li.) mit den Vertretern des BN-Landesvorstandes (v. li.) Christian Hierneis, Ralf Wißmath, Sebastian Schönauer, Hubert Weiger, Peter Rottner und Richard Mergner sowie Beiratssprecher Wolfgang Rapp (2. v. re.)


Kreisgruppe Neumarkt

Klimaschutz konkret: Dass man auch im Alltag das Klima schützen kann, verdeutlichten Ende Juli BNBildungsreferentin Ulli Sacher-Ley und Kreisgruppengeschäftsführerin Tina Dorner mit einer symbolischen Wäschetrocknungsaktion auf dem Regensburger Neupfarrplatz (s. Foto). Dabei hängten sie TShirts auf, deren Aufdruck zusammen das Wort »Sonnentrocknen« ergab, um auf die natürliche Alternative zum strombetriebenen Trockner hinzuweisen. Die Passanten bekamen noch viele weitere praktische Energiespartipps mit

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auf den Weg und konnten sogar eine Reise in den Nationalpark Bayerischer Wald gewinnen. Klotz aufs Auge: Der Parkstein bei Weiden gilt als »schönster Basaltkegel Europas« und bietet eine einmalige Aussicht (s. Foto). Doch mit dem Panoramablick könnte es bald vorbei sein, denn am östlichen Ortsrand der Gemeinde Parkstein will die ortsansässige Firma Witron Logistic, angrenzend an ihren ebenfalls geplanten Gewerbekomplex, eine gigantische Halle von 180 Metern Länge und

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Erfreulich: Das von der Mittelbayerischen Zeitung am 5. Juli in Cham veranstaltete »Kinderbürgerfest« bot ein ebenso buntes wie attraktives Programm für Kinder und Eltern. Auch die BN-Kreisgruppe Cham war dort mit einem Infostand vertreten und konnte viele junge Besucher für Naturschutzthemen begeistern. Belohnt wurde das Engagement der BN-Aktiven mit einem Scheck in Höhe von 1000 Euro – dem Erlös aus dem ersten Chamer Entenrennen.

neun Metern Höhe errichten. Die BN-Kreisgruppe Neustadt a. d. Waldnaab/Weiden setzt sich massiv gegen das Vorhaben ein und erinnerte die Gemeinde an ihre verfassungsrechtliche Verpflichtung zum Landschaftsschutz. Lurchi, Kermit & Co: Die heimischen Amphibienarten standen im Mittelpunkt einer Ausstellung im Landratsamt Schwandorf, die im Sommer zu Ende ging. Konzipiert hatte sie die BN-Kreisgruppe mit Mitarbeitern des Naturparkes Oberpfälzer Wald.

Foto: KG Cham

eute ist das Deusmaurer Moor ein wertvolles FFH- und Naturschutzgebiet und wichtiger Rückzugsraum für den Biber. Kaum zu glauben, dass es noch 1970 ausgebaggert und als Jurasee mit Freizeitpark genutzt werden sollte. Der Widerstand dagegen lieferte damals den entscheidenden Anstoß zur Gründung der Neumarkter Kreisgruppe des BN. Das diesjährige Moorfest bot nun die einmalige und

fell und -pfoten, Unterkiefer mit Zähnen, benagten Zweigen, einer Biber-Handpuppe und umfangreichem Informationsmaterial. Strahlende Kinderaugen waren der schönste Lohn für den engagierten Einsatz der Kinderbetreuer und ihr ganz spezielles umweltpädagogisches Angebot. Ordentlich stärken konnten sich Kinder und Erwachsene nach der Moorwanderung dann am ehrenamtlich betreuten Wanderstützpunkt mit Kuchenbüffet und Grillwürstchen vom Biolandhof Gruber. Dort informierten zudem noch mehrere Schautafeln über Entstehung, historische Nutzung und Gefährdung des Moores. Helmut Schultheiß (asw)

Foto: Holl

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von mehr als 200 Naturfreunden genutzte Gelegenheit, sich von ortskundigen Führern auf ausgesuchten Wegen durch besonders interessante Bereiche des Gebiets geleiten zu lassen und dabei den Geheimnissen dieses einzigartigen Lebensraumes nachzuspüren. Dabei war die Biberburg im Moor besonders für die vielen teilnehmenden Kinder ein ebenso überraschendes wie eindrucksvolles Erlebnis. Auch der »Biberrucksack« des BN kam hier zum Einsatz, bestückt unter anderem mit Biber-

Foto: Streck

NATU RNOTIZEN AUS DER OBERPFALZ

Wertvoller Lebensraum Mehr als 200 Naturinteressierte nahmen an den BN-Führungen durchs Deusmaurer Moor teil und begaben sich auf die Fährte des Bibers.

Was man in der Natur schätzen und schützen soll, muss man erst einmal kennen. Dies gilt für den Biber ebenso wie für das Deusmaurer Moor, fand die Kreisgruppe Neumarkt des Bundes Naturschutz und veranstaltete dort am 12. Juli ein großes Fest mit naturkundlichen Führungen und kulinarischen Genüssen.

Foto: KG Neumarkt

Dem Biber auf der Spur


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Naturschützer und Visionär Am 23. Juni feierte Professor Dr. Gerhard Kneitz, der langjährige stellvertretende Vorsitzende des BN, seinen 75. Geburtstag im Würzburger Ökohaus. Zur Gratulation erschienen Oberbürgermeister, Landrat und Vertreter der Regierung von Unterfranken ebenso wie ehemalige Mitarbeiter und natürlich die ganze »BN-Familie« vom Landesvorstand mit Hubert Weiger bis zu den Mitgliedern der 30 Ortsgruppen im Landkreis.

Foto: KG Würzburg

Glückwunsch! Auch Hubert Weiger und das Schäfer-Ehepaar Kolb gratulierten Professor Kneitz (2. v. li.) zum 75. Geburtstag.

zehntelang gekämpft hat. Seine Bescheidenheit spiegelt sich besonders in seinem künstlerischen Schaffen wieder – kleine Bilder, die

Aktionen, die über 1600 Besucher anlockten. Höhepunkt waren die zum Abschluss in den Himmel aufsteigenden 3000 Luftballons (s. Foto) – einer für jede der auf dem 270 Hektar großen Areal vorkommenden Tier- oder Pflanzenarten. Vorbildlich: Die Stadt Bischofsheim im Landkreis Rhön-Grabfeld setzt sich aktiv für die Sanierung und Belebung ihrer Altstadt ein. Bei einem Pressetermin mit Bürgermeister Baumann Mitte Juni lobte der Bund Naturschutz die Initiative der Stadt. Dort gibt es schon seit 2007 ein Leerstandskataster sowie Sanierungs- und Umnutzungskonzepte für Pro-

eine ganz große Ausstrahlung entfalten. Danke, lieber Gerhard und noch auf viele gemeinsame Jahre! Helmut Schultheiß (asw)

blemfälle. Ein Faltblatt zeigt beispielhaft die Finanzierung und Sanierung für ein leerstehendes Gebäude in der Altstadt auf – aufgrund verschiedener Fördermöglichkeiten günstiger als ein Neubau. So entstand in privater Sanierung schon so manches liebevoll restaurierte »Schmuckstück« (s. Foto). Weitere Informationen:

Stadtverwaltung Bischofsheim, Tel. 0 97 7 2 - 91 01-23, Ulla.Schroeder @bischofsheim-rhoen.de Doppeljubiläum: Gleich zweimal Grund zum Feiern gab es Ende Juni in Würzburg. Während die Ortsgruppe Güntersleben ihr 25jähriges Bestehen im Rahmen einer naturkundlichen Wanderung beging, richtete die Ortsgruppe Leinach eine Festveranstaltung aus – unter anderem mit Hubert Weiger und dem »Bienenpapst« Prof. Tautz vom Biozentrum der Universität Würzburg. Ein großes Dankeschön den Aktiven für dieses langjährige Engagement vor Ort und weiterhin viel Erfolg!

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NATU RNOTIZEN AUS U NTERFRAN KEN

Arten statt Allrad: Gegen die geplante Offroad-Nutzung des ehemaligen Bundeswehrstandorts in Ebern setzt die Kreisgruppe Haßberge um ihren Vorsitzenden Dr. Klaus Mandery ein »Haus der Artenvielfalt«, das auf dem Gelände entstehen könnte. Zum GEOTag der Artenvielfalt Ende Juni veranstaltete der BN mit der »Biodiv-Initiative Ebern« (www.biodivebern.de) dort auf einem drei Kilometer langen Parcours zahlreiche

Kreisgruppe Würzburg

Foto: KG Rhön-Grabfeld

Foto: KG Haßberge

eehrt wurde der Jubilar in den Grußworten und Festansprachen unter anderem für seinen Einsatz bei der Gründung der BNKreisgruppe Würzburg 1973 und des Bundesverbandes BUND in Marktheidenfeld 1975, bei der Vorbereitung und Durchführung des ersten deutschen Umwelttages mit fast 100 000 Besuchern 1976, aber auch für sein Engagement, wenn es um die Bewahrung der biologischen Vielfalt in nationalen wie internationalen Gremien geht: Gerhard Kneitz zu verdanken ist die Rettung des Rhönschafes; seiner engagierten Grundlagenarbeit entsprangen die zoologischen Kartierungen für das Naturschutzgebiet Lange Rhön und für das Hafenlohrtal. Gekämpft hat er gegen die Zerstörung seiner fränkischen Heimat durch die großflächigen Weinbergsbereinigungen, genauso aber auch für den Aufbau des Ökohauses als Musterhaus für ökologisches Bauen und Umweltbildungszentrum des BN. Als Wissenschaftler ist ihm bis heute die Verknüpfung zwischen wissenschaftlicher Grundlagenarbeit und praxisorientiertem Artenschutz ein besonderes Anliegen. Das Resümée seines Lebenswerkes kann sich sehen lassen, ist doch vieles im Naturschutz mittlerweile selbstverständlich, wofür er jahr-


Foto: Geiger

n Zeiten des Klimawandels und steigender Preise für Öl und Erdgas bietet die Nutzung der Erdwärme eine von mehreren Alternativen für Hausbesitzer. Erdwärme ist theoretisch überall und nahezu unbegrenzt verfügbar, zudem steht sie unabhängig von Witterung und Tageszeit zur Verfügung. Soweit die verlockenden Aussichten auf eine nachhaltige Wärmegewinnung – aber welches Verfahren eignet sich für welche Immobilie? Das Tagesseminar informiert über die Möglichkeiten des Einsat-

Kalender 2010

Wildkräuter im Hutanger

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er sich ein paar Minuten gönnt, um bewusst die filigrane Gestalt eines Johanniskrauts oder Mädesüß zu betrachten, der wird diese Pflanzen künftig mit anderen Augen sehen: nicht mehr

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Natur + Umwelt BN-Magazin [4-09]

Göttertier und Teufelsbestie In der langen Geschichte des Nebeneinanders von Wolf und Mensch war der Wolf in Mitteleuropa nicht von jeher das Böse. Er wurde lange Zeit bewundert und verehrt. Erst ab dem späten Mittelalter wurde der Wolf als teuflische Bestie verfolgt und vor rund 300 Jahren in seiner bayerischen Heimat ausgerottet. In dem Seminar zur Kulturgeschichte des Wolfs geht es auf Spurensuche in Kapellen, Volkssagen und Legenden.

Foto: von Düren / Fotolia

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zes von Erdwärme bei Neubau und Sanierung, gibt einen Einblick in die Geothermie und bietet Fakten über die Wärmeleitfähigkeit von Gesteinen sowie verschiedene Varianten der Erdwärmenutzung. Neben den Genehmigungsverfahren werden Erdwärmekollektoren, Erdwärmesonden sowie Tiefensonden vorgestellt. Praktische Beispiele ergänzen die Inhalte. 왘 Würzburg, 23. Januar 2010 Kontakt: Ökohaus Würzburg, Tel. 09 31-4 39 72, info@bn-wuerzburg.de

NEUE BILDUNGSATTRAKTIONEN

Erdwärme für das Eigenheim

Foto: Tripod / Fotolia.com

Geld sparen, Klima schonen

Natur und Mensch im Blick

왘 Passau, 26. November 2009 Kontakt: BN-Ökostation Stelzlhof, Tel.09 51-9 66 96 30, info@stelzlhof.de

Gut geplant ist halb gewonnen als »Unkraut«, sondern als Wildkräuter, die ihre Reize oft im Verborgenen entfalten. Eine wunderbare Gelegenheit, seinen Blick das ganze Jahr über immer wieder auf den wilden Schönheiten ruhen zu lassen, bietet der Hutanger-Kalender 2010. Wie bereits in den letzten beiden Jahren portraitiert der Kalender die Hutanger genannten, oft mit uralten Bäumen bestandenen ehemaligen Viehweiden im Nürnberger Land. Die stimmigen Groß- und Detailaufnahmen widmen sich dieses Mal den Wildkräutern der Hutanger. Beim Kauf eines Kalenders geht ein Euro als Spende an das Hutangerprojekt der BN-Ökostation Wengleinpark. Erhältlich im Buchhandel: »Hutanger 2010 – Wildkräuter der Frankenalb«, Verlag Schäfer-Geiger, 19,80 Euro

Das neue Halbjahres-Programm des BN-Bildungswerkes für Januar bis Juni 2010 bietet wieder jede Menge Seminare, Workshops und Fortbildungsangebote. Ergänzt wird das bayernweite Programm des Bildungswerks durch regionale Angebote, über die die Kreisgruppen informieren: Die Tochter erforscht mit der BN-Kindergruppe Gewässer, der Sohn fährt zum Zeltlager der BN-Jugend, die Eltern besuchen ein Seminar zum Thema »Geld und Energie sparen«. Um den Überblick zu behalten, bietet der Bund Naturschutz Service für 2010 einen BN-Familienplaner an: übersichtlich gegliedert in Terminspalten für alle Familienmitglieder, mit Infos zu Tieren und Pflanzen. 왘 Programm: BN-Bildungswerk, Tel. 09 41-2 97 20 42, bildungswerk@ bund-naturschutz.de. Familienplaner: BN-Service, Tel. 0 91 23 - 99 95 70, info@service. bund-naturschutz.de, 8,90 Euro.


JBN-Fahrt zur UN-Weltklimakonferenz

Im Weltsalon dreht sich alles um große soziale und ökologische Themen unserer Zeit. Prominente Persönlichkeiten wie Heiner Geißler, Rufus Beck und Dr. Ruth Manorama setzen sich mit den Themen »Energie und Klimaschutz«, »Evolution – Revolution«, »Füreinander, Nebeneinander, Gegeneinander« und »Die Zukunftsmacherinnen« auseinander. 앫 München, 25. November bis 23. Dezember 2009 Kontakt: www.tollwood.de

Die Folgen des Klimawandels kennen keine Grenzen. Wir auch nicht. Deshalb auf nach Dänemark mit dem weltweiten Netzwerk Young Friends of the Earth! Für jede Menge Ideen für das Aktionswochenende am 12./13. Dezember in Kopenhagen ist gesorgt, Turnhallen-Schlafplätze sind reserviert. Unterkunft und Verpflegung auch auf zwei Klima-Piratenschiffen möglich. Hinfahrt per Schiff Greifswald – Kopenhagen 4. bis 9., Rückfahrt 19. bis 23. Dezember. 앫 Kopenhagen, 7. bis 18. Dezember 2009 Kontakt: Jugendorganisation Bund Naturschutz (JBN), Tel. 0 8915 98 96 30, info@jbn.de. Info auch auf www.bundjugend.de und www.klimapiraten.net 앫 Die JBN-Termine für 2010 sind noch in Planung – aktueller Stand immer auf www.jbn.de

Donaukongress Wie sieht die Zukunft der frei fließenden Donau aus? Was ist der aktuelle Stand nach den hoffnungsvollen Äußerungen des bayerischen Umweltministers Söder? Übersicht und Ausblick gibt der zum 18. Mal stattfindende Donau-Kongress. Hochkarätige Referenten diskutieren unterschiedliche Aspekte und zeigen Wege auf. 앫 Niederalteich, 5./ 6. Dezember 2009 Kontakt: BN-Kreisgruppe Deggendorf, Tel. 09 91-3 25 55, bund-naturschutz@degnet.de

20 Jahre Grünes Band Jubiläumsfeier am Ursprungsort: Vor 20 Jahren fand in Hof auf Einladung des Bundes Naturschutz das erste Treffen deutscher Naturschützer aus Ost und West statt.

Dabei wurde die Idee eines »grünen Bandes« entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze geboren. Heute ist das »Grüne Band Deutschland« Vorbild für die Vision eines entsprechenden Biotopverbundes durch Europa. Bitte bis spätestens 1. Dezember anmelden. 앫 Hof, 13. Dezember 2009 Kontakt: Projektbüro Grünes Band, Tel. 09 11- 8 18 78 26, melanie.kreutz@bund-naturschutz.de

Führung durch die Gewächshäuser des Botanischen Gartens. 앫 Würzburg, 13. Dezember 2009 Kontakt: BN-Ökohaus Würzburg, Tel. 09 31-4 39 72, info@bn-wuerzburg.de

Winterliches und Wärmendes Die BN-Ökostation Stelzlhof lädt ein zum Wintersonnwendfeuer mit Glühmost aus heimischen Äpfeln und Kletzenbrot. 앫 Passau, 19. Dezember 2009 Kontakt: BN-Ökostation Stelzlhof e.V., Tel. 09 51-9 66 96 30, info@stelzlhof.de Foto: Andrushko / fotolia.com

Tollwood-Winterfestival: Weltsalon

Foto: GEO Tag der Artenvielfalt / Stephan

BN-VERANSTALTUNGEN UND WEITERE TERMINE

Rollstuhlgerechtes Energiesparhaus

Sinnliche Genüsse mit Vanille und Zimt

Architekt und Bauherr führen durch ein fast fertiggestelltes, rollstuhlgerechtes und zukunftsfähiges Energiesparhaus aus Kalksandstein. 앫 Würzburg, 27. Februar 2010 Kontakt: BN-Ökohaus Würzburg, Tel. 09 31-4 39 72, info@bn-wuerzburg.de

Warum heißen Muskatnüsse auch »Hausfrauendroge«? Was sind eigentlich »Pfeffersäcke«, und warum rieben sich reiche Römerinnen Safranpuder ins Haar? Gewürze bieten reichlich Stoff für kuriose und außergewöhnliche Geschichten – zu hören bei einer

Foto: Rohrmoser

Mit Schneeschuhen den Zauber der Bergnatur im Winterkleid erleben: Sechs Tage lang führen faszinierende Wanderungen durch Schnee und Eis und zum historischen Bergdorf Gerstruben, das zum UNESCOWeltkulturerbe gehört. 앫 Bayern, 30. Januar bis 5. Februar 2010

Transsibirische Winterreise

Faszination Wattenmeer

Mit der legendären Transsibirischen Eisenbahn quer durchs verschneite Sibirien bis zum Baikalsee: eine Winterreise von märchenhaftem Zauber. 앫 Russland, 23. Februar bis 13. März 2010

»Nicht Meer, nicht Land und doch bewohnt« – das sind die nordfriesischen Halligen. Die Hallig Hooge liegt inmitten des Nationalparks Wattenmeer, einem der vogelreichsten Gebiete der Erde. 앫 Deutschland, 5. bis 11. April 2010

Ligurien und Cinque Terre Felsige Küstengebirge, malerische Dörfer, romantische Burgen – das ist Ligurien. Hier gedeihen Feigen, Palmen, Oliven und Wein. Die Wanderungen erschließen Italien für die Sinne. 앫 Italien, 3. bis 11. April 2010

Foto: Eisenstein

Winterwandern in den Allgäuer Hochalpen

TIPPS FÜR RADIO UND FERNSEHEN Unkraut

Unser Land

ZDF Umwelt

Umwelt- und Naturschutz, ökologische Hintergründe und Umweltsünden. Bayerisches Fernsehen, jeden zweiten Montag, 19:00 bis 19:45 Uhr

Aktuelles aus Landwirtschaft, Umwelt- und Verbraucherschutz, mit Garten- und Freizeittipps. Bayerisches Fernsehen, jeden Freitag, 19:00 bis 19:45 Uhr

Energiesparen, Artenschutz, Essen und Trinken: Hier gibt es »naturnahes Fernsehen«. Zweites Deutsches Fernsehen, jeden Sonntag, 13:15 Uhr

Herausgeber: Bund Naturschutz in Bayern e.V. (BN), vertreten durch Peter Rottner, Landesgeschäftsführer, Dr.-Johann-Maier-Str. 4, 93049 Regensburg, www.bund-naturschutz.de Leitender Redakteur (verantw.): Manfred Gößwald (göß) Redaktion: Holger Lieber (hl), Christoph MarklMeider (cm), Tel. 09 41 -2 97 20-22, Fax -31, nu@bund-naturschutz.de Mitglieder-Service: Tel. 09 41 -2 97 20-29 und -20 Gestaltung: Gorbach GmbH, Utting a. Ammersee (Layout: Waltraud Hofbauer) Titelfoto: Violetter Feuerfalter: Wolfgang Willner Litho: Fotosatz Amann, Aichstetten Redaktion BUND-Magazin: Severin Zillich (verantw.), Am Köllnischen Park 1, 10179 Berlin, Tel. 0 30 -27 58 64-57, Fax -40 Druck und Versand: Brühlsche Universitätsdruckerei Gießen Anzeigen: BN Service GmbH, Eckertstr. 2, Bahnhof Lauf (links), 91207 Lauf an der Pegnitz, Tel. 0 91 23- 9 99 57- 30, Fax -99, info@service.bund-naturschutz.de Auflage: 100 500 Bezugspreis: Für Mitglieder im Beitrag enthalten, für Nichtmitglieder Versandgebühr ISSN 0721-6807 BN-Konto: Bank für Sozialwirtschaft, Konto 8 885 000, BLZ 700 205 00 BN-Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft, Konto 8 844 000, BLZ 700 205 00 Mit Namen gezeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder des BN wieder. Nachdruck nur mit Genehmigung des BN. Für unverlangt eingesandte Artikel oder Fotos keine Gewähr. Die Redaktion behält sich das Recht vor, Leserbriefe zu kürzen. »Natur+Umwelt« wird auf 100 % Recyclingpapier gedruckt.

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ÖKO-L ANDBAU www.b-p-design.de

Urwüchsige Landschaften, frei fließende Flüsse, bunte Blütenpracht auf

Natur+Umwelt 4-2009  

Die Vielfalt braucht unseren Schutz. 2010 ist "Jahr der Biodiversität" – dem Titel müssen Taten folgen

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