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Natur+Umwelt BUNDmagazin in Bayern www.bund-naturschutz.de

Schon dunkler?

Warum die Lichter nicht ausgehen

Heft 3-2011 93. Jahrgang 3. Quartal


JANDA+ROSCHER, Die WerbeBotschafter

Freunde für die Natur. Freude für Sie. Sprechen Sie Ihre Familie, Freunde und Bekannten auf eine Mitgliedschaft im BN an. Und sichern Sie sich ein attraktives Geschenk: Milchschäumer mit Sonnenkraft

Mit rund 175.000 Mitgliedern und Förderern setzen wir uns mit Kopf, Herz und Hand für Ihre Heimat und für eine gesunde Zukunft unserer Kinder und Enkel ein. Je mehr Menschen sich mit uns schützend vor die Schätze und Kleinode unserer Heimat stellen, desto wirkungsvoller können wir unsere gemeinsamen Naturschutzinteressen vertreten. Darum: Werben Sie Mitglieder für die gute Sache. Für jedes Mitglied (Mindestbeitrag pro Jahr 48 €), das Sie bis 30.9.2011 gewinnen, schenken wir Ihnen einen hochwertigen Solar-Milchschäumer. Mitmachen lohnt sich! Weitere Prämien finden Sie unter:

Eine Beitrittskarte finden Sie hier beigeheftet. Vielen Dank.

www.bund-naturschutz.de/praemien


Natur + Umwelt 3-2011

Inhalt Bund Naturschutz Bayern 4 Konsens Einstimmigkeit war Trumpf auf der BN-Delegiertenversammlung in Amberg. Und mehr »Intern« 6 Leserbriefe 9 Mütterlich Die Physikerin Karin Wurzbacher engagiert sich schon seit Tschernobyl gegen das Atomrisiko, beim BN und den »Müttern gegen Atomkraft«. ­Portrait 10 Ratgeber 11 Grenzerfahrung Erwandern Sie das Naturparadies »Grünes Band« an der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Ein neues Buch zeigt Ihnen die schönsten Touren.

Inhalt BUND

12 Schon dunkler? Unser Titelthema zur Energiewende in Bayern

B5 Halbherzige Wende Für Atomausstieg und Erneuerbare ­Energien hat der BUND Jahrzehnte gekämpft. Nun, da es endlich nicht mehr ums »ob« geht, geht der Kampf ums »wann« und »wie« weiter. ­ Das BUND-Titelthema

24 Schlaue Sparer Stromexperten und Naturdetektive aufgepasst! Bibo, unser Freund aller Kinder und der Natur, weiß genau, wie die Energiewende funktioniert. 26 NOlympia Die Entscheidung gegen München als Austragungsort für Olympia 2018 war eine gute Entscheidung für Bayerns Natur. Und mehr »Aktuell« 30 Für Herz und Gaumen Der ­Weißdorn wird seit der Antike vielfältig genutzt. 32 Auf geht’s Ein neuer BN-Wanderführer erschließt die schönsten Naturschätze im Steigerwald. Und viel mehr »Regional« 40 Bildung

Liebe Leser

41 Termine, Impressum

B1 BUND-Editorial B2 Magazin Kurznachrichten B4 K  ommentar Sieg für die ­Umweltbewegung

B12 Aktion Stromwechsel – eine Stilfrage B14 Biosphärenreservate ­Schwäbische Alb B20 Zur Zeit Nachhaltige Kommune B21 Aktiv Neues aus dem BUND B26 Die junge Seite Mit »Morgenlande« hat die BUNDjugend eine Plattform geschaffen, auf der junge Leute und nach­ haltige Unternehmen Ideen austauschen.

Schon dunkler?

Die Lichter werden nicht ausgehen, aber die Energiewende wird Bayern verändern. Und zwar erst mal zum Positiven, weil das atomare Risiko abnimmt. Alles Weitere hängt davon ab, dass Politik und Gesellschaft die Weichen richtig stellen – nämlich als erstes in Richtung geringerer Stromverbrauch. Ab Seite 12

Sauber Geld machen

Wie sich Ihr Geld vermehrt und dabei Gutes tut, zeigt Ihnen unser Ratgeber zum nach­ haltigen Investieren. Seite 10

B28 Persönlich Alexander Spangenberg Die alten Mächte wanken. Unter dem Druck der Straße landen menschenverachtende Gesetze im Papierkorb der Geschichte. Die Menschen besinnen sich auf ihre Rechte, es lebe die Demokratie. Nein, liebe Leserinnen und Leser, ich spreche nicht von Ägypten. Auch wir haben unsere Revolution, die Energierevolution. Es ist Ihre Revolution. Sie als Umweltschützer haben durch langen Atem und durch energische Proteste nach Fukushima die Regierungen in Bund und Land zum radikalsten Politikwechsel unserer jüngeren Geschichte gezwungen. Das ist unser Erfolg, auf den wir gemeinsam stolz sein dürfen. Nun kommt es darauf an, dass er nicht im politischen Alltag zerrieben wird, dass die neuen Strukturen bestmöglich gestaltet werden (ganz wie in Ägypten übrigens). Jetzt beginnt die eigentliche Aufgabe, gehen wir sie an. Nur Mut zur Energiewende! Ihr Manfred Gößwald, leitender Redakteur

Schlimmer als Tschernobyl

Er kennt die Folgen der Atomkatastrophe von 1986 wie kaum ein anderer. Wir sollten deshalb sehr ernst nehmen, was Prof. Edmund Lengfelder über die Bedrohungen für Japan – und für Bayern – sagt. Seite 22

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Foto: Wittenzellner

Foto: Doering

Mehr zum LAK im Internet Seit Ausgabe 2-11 stellt Natur+Umwelt je Heft einen Landesarbeitskreis (LAK) des BN vor. Im Interview diesmal Axel Doering, Sprecher des LAK Alpen. Das ausführlichere Interview lesen  Sie unter www. bund-naturschutz. de/magazin.

Mehr zum Thema Alpen lesen Sie  auf Seite 26 und in unserer nächsten Ausgabe.

Arbeitskreise im BN

2. Alpen

N+U: Herr Doering, warum liegen Ihnen die Alpen so am Herzen? Axel Doering: In fast vierzig Jahren als Förster in Garmisch-Parten­ kirchen habe ich die zunehmende Belastung unseres Ortes und des ­gesamten bayerischen Alpenraums hautnah miterlebt und manchmal, wie bei der Vorbereitung der SkiWM in diesem Jahr, auch erlitten. Wo brennt es derzeit am meisten? Noch vor den Problemen durch Tourismus und Sport-Events ist die bedrohlichste »Brandstelle« der laufende Klimawandel. Er wird in den Alpen noch stärker spürbar werden als im übrigen Deutschland, seine Auswirkungen werden noch größer sein. Was ist die wichtigste Zukunfts­ aufgabe des LAKs? Wir müssen versuchen, vom (häufig erstickenden) Tagesgeschäft wegzukommen und uns mit Zukunftsfragen beschäftigen. Was war der größte BN-Erfolg? Ein Riesenerfolg liegt schon einige Zeit zurück, die Unterschutzstellung des Murnauer Mooses. Der Weiterbau der Autobahn 95 durch das Loisachtal wurde abgewendet. Einige Skischaukeln konnten verhindert werden. Was würden Sie als Umweltminister für einen Tag tun? Ich wäre lieber Wirtschaftsminister, um klar zu machen, dass nicht alles, was schnelles Geld verspricht, tatsächlich einen dauerhaften Nutzen für Mensch und Natur bringt. Es macht keinen Sinn, die Täler zunehmend zu versiegeln und zur Spielwiese von Spekulanten zu machen. Damit geht immer mehr Heimat verloren.

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Ein Agrarbündnis für Bayern

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n Brüssel werden derzeit die Agrar-Milliarden neu verteilt. Wenn über die Ausgestaltung der Förderperiode von 2014 bis 2020 gerangelt wird, geht es aber nicht nur darum, welches Land wieviel vom großen Kuchen abbekommt. Die Europa­ politiker treffen auch weitreichende Entscheidungen zu einer umweltpolitischen Kernfrage: Gehen das Höfesterben und der Trend zur industrialisierten Landwirtschaft weiter? Oder setzt sich Agrarkommissar Dacian Ciolos durch, der die Förderpolitik »begrünen« und eine bäuerliche Landwirtschaft erhalten will? Für Bayern mit seinen noch weitgehend kleinbäuerlichen Strukturen, mit seinen noch 113 000 Betrieben, ist es besonders wichtig, wer in Brüssel die Oberhand behält. Um einer bäuerlichen, umweltschonenden und sozial gerechten Landwirtschaft eine starke und einheitliche Stimme zu geben, haben sich Vertreter aus den Bereichen Umweltschutz, Landwirtschaft, Imkerei und

Entwicklungszusammenarbeit am 13. April in München zum »Agrarbündnis Bayern« zusammengeschlossen (Foto: Gründungs-Pressekonferenz). Mit dabei sind neben dem Bund Naturschutz zum Beispiel die Ökolandbau-Verbände und die Berufsimker, die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft und der Bund Deutscher Milchviehhalter, das Diakonische Werk und Misereor. Sie alle und weitere Partner eint ein klares Ziel: Die künftige Landwirtschaft soll nicht auf die Lieferung von billigen Rohstoffen für die agrarindustrielle Nahrungsmittelund Energieerzeugung reduziert werden, sondern weiterhin flächendeckend betrieben werden und ökologisch intakte Kulturlandschaften schützen. Dabei sollen Arbeitsplätze geschaffen und der Tierschutz ebenso ernst genommen werden wie die globalen Entwicklungsfragen, fairer Handel und der Klimaschutz.

Trauer um Ulrich Radons

Völlig unerwartet starb am 3. Mai, kurz nach seinem 73. Geburtstag, der Orts- und Kreisvorsitzende des BN Pfaffenhofen Ulrich Radons. Er hatte den Kreisvorsitz im Jahr 2001 übernommen, von 2000 bis 2007 stand er außerdem der BN-Ortsgruppe vor. Ulrich Radons war ein unermüdlicher Vorkämpfer für den Umweltschutz. Seit Beginn der 1970er-Jahre machte er sich für den Naturschutz, gegen Atomkraft und insbesondere für die Nutzung von neuen, alternativen ­Energieformen stark. Er war bei Anti-Atomkraft-Demos in Wackersdorf dabei, dann wurde Tschernobyl für ihn ein weiteres prägendes Ereignis. Mit seinem großen persönlichen Einsatz wurde er zu einem jener Menschen, die die heutige Energiewende erst möglich gemacht haben. Für diesen Einsatz wird ihm der Bund Naturschutz immer dankbar sein.


A

nfang Juli fand in Bad Steben, direkt an der ehemaligen Grenze zur DDR, der 36. Bayerische Heimattag statt. Passend zum Ort lautete sein Motto »Vom Rand zur Mitte. Grenzerfahrungen im Herzen Deutschlands«. Prominente Gastrednerin war die thüringische Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (Foto). Sie wies auf die Wichtigkeit der regionalen Identität und des Schutzes der Heimat im globalen Zeitalter hin: »Heimatpflege ist ein Gestaltungsauftrag an uns alle, der letztlich im Respekt vor der Schöpfung, vor Natur, Umwelt, Bauten, Mundart, Brauchtum und Muttersprache gründet.« Der Einsatz für die Heimat erfordere bürgerschaft­ liches Engagement; er schaffe Gemeinsinn, Freude und Lebenssinn, so die Ministerpräsidentin. Der Präsidiumsvorsitzende, BN-Landesvorsitzender Hubert Weiger, dankte ihr für den Einsatz für das Grüne Band, dessen Erhaltung ein Stück Heimat gesichert habe. Den Bayerischen Heimattag richten seit 1949 gemeinsam der Baye­ rische Landesverein für Heimat­ pflege, der Verband Bayerischer Geschichtsvereine und der Bund Naturschutz aus. Im Rahmen des diesjährigen Heimattages wurde der BN-Kreisvorsitzende von Lichtenfels, Toni Reinhardt (Foto: 2. v. r.), mit der Bayerischen Naturschutzmedaille geehrt. Er erhielt diese Auszeichnung für seinen aufopferungsvollen Kampf für den Erhalt seiner Heimat, des oberen Maintals zwischen Lichtenfels und Hochstadt, gegen ausufernden Straßenbau.

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Jahre nach der atomaren ­Katastrophe in Tschernobyl hat sich die Politik bewegt. Die maßgeblich vom Bund Naturschutz und dem BUND mitorganisierten Großdemonstrationen, zuletzt am 28. Mai, haben deutlich gemacht, dass es eine neue Generation von umweltbewegten Menschen gibt, die gerade nach Fukushima nicht mehr den Parteien und Energiekonzernen überlassen möchten, wie mit un­ beherrschbaren Risikotechnologien umgegangen wird. Dies ist ein großer Erfolg der Zivilgesellschaft und macht Mut für die Zukunft. Es ist auch ein Sieg für die Demokratie. Mit dem Beschluss zur Beendigung der Atomkraftnutzung im Jahr 2022 sind wir einen für die bayerische Staatsregierung und die Bundestagsmehrheit vermeintlich großen, für uns als BN und viele Atomkraftgegner aber nur halbherzigen Schritt auf dem Weg zu einem ­Bayern ohne Angst vor dem nuklearen GAU vorangekommen. Mit der endgültigen Abschaltung von acht Atomkraftwerken und der Fixierung fester Restlaufzeiten (letzte Abschaltung 2022) hat Schwarz-Gelb einen für ihre Verhältnisse epochalen politischen Wechsel vollzogen. Dazu haben Sie, liebe Mitglieder, mit Ihrer Unterstützung und Teilnahme an den vielfältigen Aktionen für den Atomausstieg und die Energiewende entscheidend beigetragen. Herz­ lichen Dank dafür! Ministerpräsident Horst Seehofer eröffnet inzwischen Solarparks und hat viele unserer jahrelang vertretenen Positionen und Argumente von der Notwendigkeit des drastischen Energiesparens, den positiven Wirkungen für die Arbeitsplatzsicherung und dem Ausbau der Erneuerbaren Energien übernommen. Doch wer die Lehren aus Tschernobyl und Fukushima wirklich ernst nimmt, kann nach diesen ersten Schritten nicht stehen bleiben. Immer noch werden neun von 17 großen Atomkraftwerken in Deutschland ein weiteres Jahrzehnt weiterbetrieben – damit droht weiterhin die tödliche Gefahr eines

Atom­unfalls. So soll das letzte AKW Gundremmingen, Block C erst 2021 abgeschaltet werden (mehr dazu Seite 14 / 15). Wir fordern als BN daher weiterhin den Sofortausstieg, der ohne jedes schuldhafte Zögern vollzogen werden muss. Dafür werden wir uns weiter mit aller Kraft einsetzen. Wir freuen uns aber auch, dass unsere seit Jahrzehnten vertretenen BN-Positionen für energisches Energiesparen und eine dezentrale Stromerzeugung sich nun auch an vielen Stellen der jüngsten bayerischen Regierungserklärung wiederfinden. Wir werden unseren Beitrag leisten, dass aus diesen Ankündigungen zum »Gesellschaftsvertrag für die Energiewende« endlich Taten werden. Die »Energierevolution« muss dabei von unten kommen, durch eigenes energiesparendes Verhalten und den Wechsel zu einem ökologischen Stromanbieter. Mit seinen über 700 Kreis- und Ortsgruppen ist gerade der Bund Naturschutz dafür ein wichtiger Partner. Doch ohne Veränderung der politischen Rahmenbedingungen, von Gesetzen und Steuern, die Energieverschwendung verbieten und verteuern und das Energiesparen und den Umstieg auf Erneuerbare Energien vorschreiben und fördern, wird die Energiewende nicht gelingen. Dafür brauchen wir weiterhin Ihre Unterstützung, damit die letzten Atomkraftwerke in Bayern hoffentlich vor dem nächsten Atom­ unfall und nicht erst in zehn Jahren abgeschaltet werden.

Foto: Roggenthin

Liebe Mitglieder

Foto: Frobel

Heimatschutz stiftet Lebenssinn

Ein Sieg der Demokratie

Ihr Prof. Dr. Hubert Weiger,  Vorsitzender des BN Ihre Doris Tropper,  stv. Vorsitzende des BN Ihr Sebastian Schönauer,  stv. Vorsitzender des BN

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Fotos: Franz

Delegiertenversammlung in Amberg

Im Namen von 175 000: Atomausstieg sofort! Sonstige Einnahmen 120.000 Euro

Ein überwältigendes Votum für einen sofortigen Atomausstieg prägte die Delegiertenversammlung des Bundes Naturschutz Mitte Mai im oberpfälzischen Amberg. Die BNVertreter, die rund 175 000 Mitglieder Gesamt-Einnahmen (abzügl.und Rücklagezuführung) Förderer des BN repräsentieren, Beiträge von 9,7 Mio. Euro forderten einstimmig, »denund SofortMitgliedern Förderern 6.115.000 Euro ausstieg jetzt einzuleiten und die ökologische Energiewende endlich umzusetzen!«

Einnahmen der Umweltbildungs-Einrichtungen 282.000 Euro

Zuschüsse für Ankäufe, Artenschutz, Projekte 1.503.000 Euro Erbschaften 346.000 Euro

Sonstige Einnahmen 120.000 Euro

Spenden inkl. Haus- und Straßensammlung 1.400.000 Euro

Einnahmen der Umweltbildungs-Einrichtungen 282.000 Euro Zuschüsse für Ankäufe, Artenschutz, Projekte 1.503.000 Euro Erbschaften 346.000 Euro Spenden inkl. Haus- und Straßensammlung 1.400.000 Euro

Gesamt-Einnahmen

(abzügl. Rücklagezuführung)

9,7 Mio. Euro

Vielen Dank Von 9,3 auf 9,7 Millionen Euro kann der Bund Naturschutz seine geplanten Einnahmen 2011 gegenüber 2010 steigern. Dank dieses Zuwachses fließt in den Ankauf ökologisch wertvoller Grundstücke ebenso mehr Geld wie in die ­Bildungsarbeit, in den Natur- und Umweltschutz ebenso wie in die Unterstützung der Kreis- und Ortsgruppen. Zu verdanken sind diese Verbesserungen in erster Linie Ihnen, liebe Mitglieder. Sie haben uns auch bei leicht er­ Investitionen, Baumaßnahmen die Treue gehalten. höhten Mitgliedsbeiträgen 116.000 Euro Dafür bedanken wir uns herzlich. Verwaltung, Miete und sonstige Ausgaben Die solide und transparente Haushaltsführung 1.189.000 Euro durch Landesschatzmeister Helmut Steininger Verbandsorgane, Delegiertenversammund Landesgeschäftsführer Peter Rottner lung, Naturschutzveranstaltungen ­q275.000 uittierten Euro die BN-Delegierten durch einstimmige Beschlüsse zum Haushaltsplan 2011 und Unterstützung der Jugendarbeit zum Abschluss 2010. 245.000 Euro

Beiträge von Mitgliedern und Förderern 6.115.000 Euro

Investitionen, Baumaßnahmen 116.000 Euro

Verbandsorgane, Delegiertenversammlung, Naturschutzveranstaltungen 275.000 Euro Unterstützung der Jugendarbeit 245.000 Euro

Deutschlandweiter und internationaler Umweltschutz 625.000 Euro Arten- und Biotopschutz 1.210.000 Euro Information, Öffentlichkeitsarbeit, Pressearbeit, Internet, Mitglieder- und Spendenwerbung 1.675.000 Euro Ankauf ökologisch wertvoller Grundstücke 783.000 Euro Mitgliederservice, »Natur+Umwelt« 587.000 Euro Natur- und Umweltschutz 618.000 Euro Gesamt-Ausgaben

Deutschlandweiter und internationaler Umweltschutz 9,7 Mio. Euro 625.000 Euro 6  Natur + Umwelt BN-Magazin [3-11] Information, Öffentlichkeitsarbeit, Pressearbeit, Internet, Mitglieder- und

Arten- und Biotopschutz 1.210.000 Euro

Verwaltung, Miete und sonstige Ausgaben 1.189.000 Euro

Unterstützung der Kreis- und Ortsgruppen 1.834.000 Euro

Ankauf ökologisch wertvoller Grundstücke 783.000 Euro

Gesamt-Ausgaben 9,7 Mio. Euro

Natur- und Umweltschutz 618.000 Euro

Unterstützung der Kreis- und Ortsgruppen 1.834.000 Euro

Bildungsarbeit 507.000 Euro


Leserbefragung: Ihr Urteil, Ihre Wünsche

44 Minuten für N+U

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ha, liebe Leserinnen und Leser, 44 Minuten lang schmökern Sie also im Durchschnitt in jeder Natur+Umwelt! Dieser sehr gute Wert – ein Ergebnis unserer repräsentativen Mitgliederbefragung vom März (N+U berichtete) – hat uns sehr gefreut, ebenso wie Ihre »Schulnote« 2,2 für unser Magazin. Vielen Dank!

Naturschutz und Ratgeber

Von allen Themen ist Ihnen der Natur- und Artenschutz am wichtigsten, gefolgt von Verkehr und Energie. Mit unseren Schwerpunkten »Wolf«, »Moorschutz« und »Energiewende« in dieser und den beiden letzten Ausgaben lagen wir also goldrichtig. Und wo können wir uns verbessern? Auf unsere Frage, wovon Sie mehr im Heft lesen möchten, lagen Tipps für Ihr umweltgerechtes, nachhaltiges Alltagsverhalten ganz vorne. Wir nehmen uns das zu Herzen. In dieser Aus­ gabe finden Sie Anregungen zur ökologischen Geldanlage (Seite 10), zum Energiesparen (21), zum Wechsel Ihres Stromanbieters (B12) und zu den gefährliche Perfluorverbindungen (B13).

Werbung ist wichtig

Nennenswerte Kritik gab es eigentlich nur am Umfang der Werbung in unserem Heft. Zwölf Prozent von Ihnen sind der Meinung, wir hätten zu viele Anzeigen und Beileger. Das ist einerseits nachvollziehbar, Werbung kann lästig sein. Andererseits bitte ich hier auch um Ihr Verständnis. Immerhin konnten wir zum Beispiel die gesamten Druckkosten der letzten Ausgabe über Werbeeinnahmen finanzieren und mussten dafür nicht Ihre Mitgliedsbeiträge heranziehen. Das ist sehr viel Geld, das der BN somit in konkreten Natur- und Umweltschutz investieren kann. Außerdem muss, wer bei uns werben möchte, bestimmte ­Kriterien erfüllen. So hoffen wir, dass mancher von Ihnen Anzeigen auch schon als hilfreiche Anregung nutzen konnte.

Besuchen Sie uns im Web

Wir haben Sie auch zu unserem Webauftritt www.bund-naturschutz. de befragt. Obwohl diese Seite ­insgesamt sehr gut besucht wird, schaut sich erst jeder vierte N+ULeser auch online bei uns um. Dabei bietet sie nicht nur vertiefen-

de Ergänzungen zu jeder N+U-Ausgabe – diesmal finden Sie zum Beispiel das komplette, hoch interessante Interview mit dem intimen TschernobylKenner Prof. Edmund Lengfelder. Auf unserer Site bieten wir Ihnen auch stets aktuelle Infos und Bewertungen zum umweltpolitischen Geschehen, dazu Hintergründe, die sonst kaum wo zu finden sind, sowie Tipps, ­Ansprechpartner und vieles mehr. Übrigens: Diejenigen von Ihnen, die unseren Onlineauftritt kennen, ­finden ihn gut, auch das hat unsere Befragung ergeben. Über so viel Lob haben wir uns natürlich sehr gefreut. Haben Sie nochmal herzlichen Dank, liebe Leserinnen und Leser, dass Sie so bereitwillig und fundiert an unserer Mitgliederbefragung teilgenommen haben. Ihr Manfred Gößwald,  leitender Redakteur

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Foto: Kurhan / Fotolia.com

Ehrung, wem Ehre gebührt Beide haben sich auf ihre Weise hervorragend um ihre Heimat verdient gemacht und erhielten dafür die Bayerische Naturschutzmedaille. Der bekannte Schriftsteller Harald Grill aus Wald im Landkreis Cham stellt seine literarischen Fähigkeiten seit vielen Jahren in den Dienst des Naturschutzes und arbeitet immer wieder eng mit dem BN zusammen. Hannelore Lanzl, Vorsitzende der BN-Ortsgruppe Pfreimd im Landkreis Schwandorf, baute unter anderem für bedrohte Magerrasen ein bayernweit einmaliges Pflegekonzept mit Ziegenund Schafbeweidung auf – gemeinsam mit einem großen Helferkreis, dem die ­Ehrung ebenfalls gebühre, wie Frau Lanzl betonte. V. l. n. r.: Sebastian Schönauer, Harald Grill, Doris Tropper, Hannelore Lanzl, Richard Mergner, Hubert Weiger


Zu Beiträgen zum Atomausstieg  in N+U 2-11 Ist es nicht traurig, dass erst viele Menschen sterben mussten oder lebensbedrohend krank wurden oder ihre Heimat verlassen mussten? Viele Jahre kämpften wir vergebens, erst jetzt begreifen unsere verantwortlichen Politiker, dass die Atomtechnik letztlich nicht beherrschbar ist. Um den »Unbelehrbaren« das Umdenken zu erleichtern, sei ihnen gesagt: Atomstrom ist die teuerste Schreiben und gefährlichste EnergieerzeuSie uns! gung. Die Betreiber unterschlagen Wir freuen uns  die Nebenkosten wie zum Beispiel auf Ihre Meinung:  für Endlagerung, nötige umfangreiBN-Magazin che Rückstellungen für Haftung, die »Natur+Umwelt«, Kosten für Evakuierung der betrofDr.-JohannMaier-Str. 4,  fenen Menschen, Kosten für Tod 93049 Regensburg, und Krankheit. Weitgehend werden Tel. 09 41-2 97 20 22, diese Kosten der Allgemeinheit aufFax 2 97 20 31,  gebürdet. Eine realitätsbezogene nu@bundKalkulation nach dem Verursachernaturschutz.de prinzip ergibt: Atomstrom wäre ­unbezahlbar. Die Explosion weiterer Diese und weitere Leserbriefe werden AKW, zu befürchten laut Wahrauch im Internet scheinlichkeitsrechnung, würde die veröffentlicht: www. Erde unbewohnbar machen. Über bund-naturschutz. die unendlich hohen Kosten müssde/magazin. ten wir dann nicht mehr nachdenken. Beweis: Keine Versicherung der Welt kann haften, Fukushima ist ­bereits jetzt pleite und Japan erschöpft. Gerhard Achmann, Lindau

Warum »now«?

Zum Titel von N+U 2-11 In Ihrem Heft 2-11 steht oben als Titel »AKWs aus now«. Warum kann man nicht deutsch »sofort« oder »jetzt« schreiben? Muss sich das Heft dem geliebten und gehassten Amerikanismus anpassen, Denglish? Beim Alpenverein ist’s genauso, dort gibt es nur noch Mountains statt Berge. P.S.: Ihr Moos-Thema hat mir sehr gefallen. Wilhelm Weiss, Samerberg

Mulchen statt Torf

Zum Schwerpunkt »Lebendige Moore« in N+U 2-11 Schon vor mehr als 40 Jahren wandten wir uns an die Öffentlichkeit, in Gärten auf Torf zu verzichten, der vor allem in Gegenden mit schwerem Boden zu mehr Leichtigkeit

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verhelfen sollte. Manche meinten, er enthalte Wachstum fördernde Stoffe für den Gemüseanbau. So war es aber nicht. Wer gründlich beobachtete, stellte fest, dass Torf dort sehr schnell ganz einfach wieder verschwand und der Boden wie eh und je hart blieb. Viel gescheiter war da fleißiges Mulchen, Abdecken des Bodens mit Schnittmaterial aller Art, dem, was das Jahr über anfiel, samt Eingraben der Herbstblätter, die auf diese Weise gleichzeitig wunderbar versorgt sind. Was wächst und nicht anderweitig gebraucht wird, lässt sich ­recyceln. Es braucht keine fremden Zusätze im Boden. Die Erfahrung, wie Böden sich durch Mulchen und Kompostgaben unglaublich verbessern, machten wir im Schwäbischen ebenso wie in Oberbayern, wo wir im Garten Nagelfluh antrafen – Steine und den so genannten Baaz, auf dem nur mühsam etwas Essbares zu ziehen war. Nach einiger Zeit hatten wir die schönste, bröselige, fruchtbare Erde und waren Selbstversorger. Gerade dies aber ist zunehmend das Wichtigste: anzubauen und dem vertrauen zu können, was man isst. Leider wird in Gartenzentren und sogenannten Flyern, die sich im Briefkasten finden, auch weiterhin Torf angeboten. E. Zwicker, Arbeitsgemeinschaft  Tier und Umwelt Icking

Hoffnung für die Bauern

Zum Portrait »Wie die Milch wieder weiß wird« in N+U 2-11 Romuald Schaber kam für die deutsche Landwirtschaft spät, aber nicht zu spät. Der deutsche Bauenstand hat ihn, den Rebellen und Visionär, dringend notwendig. Stünden Leute wie er auch beim Deutschen Bauernverband an der Spitze, wären die Sorgen um die bäuerlichen Familienbetriebe, um die artgerechte Tierhaltung und um eine naturverträg­ liche Bewirtschaftung von Grund und Boden sehr viel geringer. Ich wünsche ihm und seinem Bund Deutscher Milchviehhalter viel Er-

folg auf dem eingeschlagenen Weg, den wir als Naturschützer nur begrüßen können. Erich Jörg, BN-Kreisvorsitzender Lindau

Gewilderte Schafe: nicht »akzeptabel«

Zum Titelthema »Der Wolf ist  wieder da« in N+U 1-11 Ich möchte betonen, dass ich eindeutig auf der Seite des Wolfs stehe. Nur hat mich angesichts der sonst angenehm ruhigen Artikel zum Thema ein Ausrutscher mehr als ­erstaunt. Sie schreiben: »Dass jeden Almsommer viele Tiere … umkommen – zum Beispiel durch Hunde, Witterungsextreme und Absturz – ist schließlich auch akzeptiert.« Ich finde, »akzeptieren« ist hier ein höchst unglücklich gewähltes und auch nicht objektiv beschreibendes Verb. Gegen Wetter und Absturz ist sachlich betrachtet kaum etwas auszurichten, eine Akzeptanz ist hier nicht eine von mehreren Lösungsvarianten für einen Betroffenen unter Wahlmöglichkeiten, es ist eine unausweichliche Tatsache, mit der zu leben ist und die hingenommen werden muss. Der Vergleich, finde ich, hinkt stark und wirkt in dieser Hinsicht auch polemisch. Getoppt wird das leider noch dadurch: Eine zugeordnete »Akzeptanz« von zu Tode kommenden Weidetieren durch wildernde Hunde. Diese Aussage war für mich sehr ­erschreckend. So etwas ist niemals ­akzeptabel! Hier ist ganz klar die Aufsichtspflicht des Halters verletzt. Wild- und Weidetiere dürfen dem nicht ausgesetzt werden. Das ist ein sehr diffiziles Thema und Nähr­ boden für endlose Streit- und Abschussfälle durch Jäger von – auch nicht wildernden – Hunden. Sozusagen »prophylaktisch«. Akzeptanz meint gutheißen, billigen, annehmen. Sie meinen nicht wirklich, dass das in den oben genannten Fällen die Wahrheit sein kann. M. Dürrbeck, per E-Mail

Foto: Kopp

Teuer und gefährlich


K

Die unsichtbare Gefahr

Von jetzt an ist Karin Wurzbacher gleichermaßen als Mutter wie als Physikerin gefordert. Denn der atomare GAU führt zu Chaos und Verwirrung. »Meine größte Sorge war, wie wir unsere Kinder vor der unsichtbaren Gefahr schützen«, erinnert sie sich. Mit einer Gruppe gleichgesinnter Mütter aus Starnberg stellt sie sich gegen die Ohnmacht der Unwissenheit. »Wir wollen nicht tatenlos zusehen, wie die Zukunft unserer Kinder zerstört wird!«, so ihr Motiv. Bald sind die »Mütter

Karin Wurzbacher

Der Tag, als der Regen kam

Naturschutz lebt – auch von festen Überzeugungen jenseits politischer Halbwertszeiten. Um aus der Atomkraft auszusteigen, hätte es für Karin Wurzbacher nicht erst der Katastrophe von Fukushima bedurft. Schon vor 25 Jahren hatte sie sich gegen eine Zukunft mit ­radioaktivem »Restrisiko« entschieden. Nach Tschernobyl wurde aus der jungen Mutter eine »Mutter gegen Atomkraft« und aus der gelernten Physikerin eine gefragte Strahlenschutzexpertin. Von Christoph Markl-Meider Eine Mutter der »Mütter« Karin Wurzbacher ist heute Sprecherin des BN-Landesarbeitskreises Energie und Klima. Ihr Engagement begann vor 25 Jahren bei den »Müttern gegen Atomkraft« in München.

Foto: Markl-Meider

arin Wurzbacher, 68, ist ein Beispiel dafür, wie sich in einem Lebenslauf bedeutende Entwicklungen einer Gesellschaft widerspiegeln können. Was eine Epoche prägt, wird dann im Schicksal einer Person sichtbar. In diesem Sinn ist die Physikerin und Umwelttechnikerin aus München zuallererst ein Kind der Bundesrepublik: Noch im Krieg geboren, die Heimat verloren und im Westen aufgewachsen, macht sie sich als junge Frau auf, berufliche Grenzen zu überwinden, um an neue zu stoßen. Ihr Weltbild gründet sie auf physikalische Gewissheiten, die sie später infrage zu stellen lernt. Und aus einer besorgten Mutter wird eine Mutter Courage. Geboren ist Karin Wurzbacher 1943 in Ostpreußen. Ihr Vater, der als Soldat das schreckliche Ende des Dritten Reichs ahnt, bringt die Familie noch rechtzeitig dort in Sicherheit, wo er am wenigsten Bedrohung befürchtet – auf dem Land in Niederbayern. Von da stammt er, wird aber selbst nicht dorthin zurückkehren. Das kleine Mädchen aber genießt das sorgenfreie Landleben im Kreis einer neuen Großfamilie. »Es war ein guter Ausgangspunkt«, erzählt sie. Die Jugend verbringt sie am Ammersee und wählt nach der mittleren Reife eine Ausbildung zur technischen Zeichnerin im Maschinenbau. Dass eine junge Frau Technikerin werden will, ist noch selten. Die Noten sprechen jedoch eher für sie als für ihre männlichen Klassenkameraden. Mit ihrem guten Zeugnis findet sie bei Gummi Metzeler die erste Anstellung. Techniker erhalten dort 350 Mark monatlich, eine Technikerin 300. »Das hat mich geärgert«, empört sich Karin Wurzbacher noch heute. Sie zieht die Konsequenz, sich nicht mit dem zufriedenzugeben, was ihr andere zugestehen – eine weitreichende Entscheidung. Nach längerem Aufenthalt im Ausland besucht sie in München eine Abendschule, um das Abitur nachzuholen. Schließlich studiert sie Physik, gründet Familie, unterbricht das Studium wegen des ersten Kindes und bekommt nach ihrem Hochschulabschluss das zweite. Im Rückblick wirkt dies alles jedoch nur wie die Vorgeschichte in einem Leben, das an dem Tag seine Wende nimmt, da die Nachrichtenagentur DPA meldet: »In einem Atomkraftwerk der ukrainischen Stadt Tschernobyl nördlich von Kiew hat sich ein Unglück ereignet, von dem auch Menschen betroffen worden sind.“ Es ist der 28. April 1986, und schon am nächsten Abend erreicht die radioaktive Wolke Bayern, wo sie abregnet.

gegen Atomkraft« ein eingetragener Verein, der bis heute besteht. Ihn vertritt die Physikerin als Sachverständige bei den großen Auseinandersetzungen über die Atomenergie in Deutschland. So nimmt sie am Erörterungstermin zur WAA in Wackersdorf teil, wehrt sich gegen MOX-Brennelemente, weil die Pluto­nium enthalten, zweifelt Nutzen und Sicherheit des Forschungsreaktors FRM 2 an und warnt vor der wachsenden Zahl atomarer Zwischenlager. Hilfestellung erfahren die »Mütter« von Beginn an beim Bund Naturschutz sowie dem Umweltinstitut München, das ebenfalls unmittelbar nach Tschernobyl entsteht und heute zu den wichtigsten unabhängigen Beratungsstellen Bayerns zählt. Ab 1994 findet Karin Wurzbacher hier nach einem Aufbaustudium zur Umwelttechnikerin ihre berufliche Heimat als Strahlenschutzexpertin. Die Frage, ob mit dem neuerlichen Atomausstieg in Folge von Fukushima wirklich eine Epoche in Deutschland ein für alle Mal zu Ende geht, beantwortet die Energieexpertin vorsichtig. Die letzten 25 Jahre haben bei ihr Zweifel an der Integrität der Politik hinterlassen. Dennoch überwiegt heute die Hoffnung. »Wenn wir zeigen, dass es ohne Atomstrom geht, werden uns andere Länder folgen!«

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Kontakt Karin Wurzbacher, Umweltinstitut München e.V., www. umweltinstitut.org, radioaktivitaet@ umweltinstitut.org, Tel. 0 89-30 77 49-11


Nachhaltige Investitionen

Sauber Geld machen

Rat holen, nachlesen

 BUND-Ratgeber »Bank wechseln«: www.bund. net/besser-leben  Buch »Grüne Geldanlage«, Stiftung Warentest, 2010, 208 S., 16,90 Euro  Grüne Banken online: www.gls.de, www.umweltbank.de, www.ethikbank.de  Infos und Fonds online: www.nachhaltigesinvestment.org, www.ecoreporter.de

G

Illu: Blumenschein

Wollen auch Sie Ihr Erspartes sinnvoll anlegen? »Grüne« Geld­anlagen investieren in eine nachhaltigere Wirtschaft – und können eine adäquate Wertentwicklung bieten.

rüne Geldanlagen stehen für ökologisch, ethisch und sozial sinnvolle oder doch zumindest unbedenkliche Investitionen. An Produkten ist mittlerweile nahezu alles zu haben, was es auch im herkömmlichen Bereich gibt. Und in punkto Rendite und Sicherheit unterscheiden sich die beiden Märkte kaum, urteilte »Finanztest« im September 2010. Grundsätzlich gelten die bekannten Regeln: Anleger müssen sich gut informieren und ihre Situa­ tion richtig einschätzen. Viele Sparer haben weder Zeit noch Lust, sich dauerhaft intensiv um ihre Geldgeschäfte zu kümmern. Sie kaufen deshalb statt einzelner Wertpapiere Anteile an Investmentfonds – auch um ihr Risiko zu streuen. Anleger mit hohem Sicherheitsbedürfnis setzen hier auf Rentenfonds, Risikobereitere hoffen auf eine höhere Rendite und investieren in Aktienfonds. Den goldenen Mittelweg versprechen Mischfonds. Für grüne Fonds sammeln Anbieter Wertpapiere, die sie für sozial und ökologisch unbedenklich erachten. Teils arbeiten sie dabei mit Ausschlusskriterien, nehmen also keine Atom-, Rüstungs- oder Agrogentechnikfirmen auf. Bei der Positivauswahl landen dagegen nur besonders nachhaltig handelnde Unternehmen im Fonds oder die jeweils besten ausgewählter Branchen.

Direkt an Umweltprojekten beteiligen

Im Gegensatz zu den oben beschriebenen offenen Fonds beteiligt sich ein Anleger über geschlossene Fonds oder Genussrechte direkt an einem Umweltpro-

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jekt. Damit hat er Anteil am Gewinn – wie auch am Verlust, meist begrenzt auf die Höhe seiner Einlage. Viele Solar- oder Windparks bieten solche langfristig angelegten Beteiligungen an. Sie sollten über zehn oder 20 Jahre gehalten werden. Denn wer sein Geld früher braucht, wird seine Anteile schwerer veräußern können als bei einem offenen Fonds oder einer Aktie. Bei einer Mindestbeteiligung von 5000 bis meist 10 000 Euro sind geschlossene Fonds für Kleinsparer eher ungeeignet. Sogenannte Ratensparpläne mit geringen monatlichen Einzahlungen von 50 Euro bezeichnet »Finanztest« als teuer und unseriös. Auch mit Anleihen und Genussrechten oder -scheinen können Anleger ökologisch wirtschaftende Unternehmen unterstützen. Bleibt der Erfolg allerdings aus, gilt dies möglicherweise auch für die jährliche Ausschüttung und den Zins für die Einlage. Kommt es zur Insolvenz, verliert der Geldgeber im schlechtesten Fall seine gesamte Einlage. Heidi Tiefenthaler

Zehn Tipps zu sauberer Geldanlage

 Der Berater Ihrer Hausbank hält grüne Geldanlagen für Hokuspokus? Dann wechseln Sie zu einer sozialökologisch orientierten Bank (siehe »Rat holen«).  Überlegen Sie zu allem Anfang, wie viel Geld Sie wie lange investieren wollen, und wozu Ihr Geld dienen – und nicht dienen – soll.  Branchenfonds investieren in Bereiche wie Umwelttechnologie, Erneuerbare Energien oder Wasser. Aber auch hier gilt: geringe Streuung, höheres Risiko.  Genau hinsehen: Längst nicht alle »Nachhaltigkeitsfonds« schließen Atomkraft, Rüstung oder Gentechnik garantiert aus.  Legen Sie Wert darauf, dass der Fonds von einem ­unabhängigen Beirat kontrolliert wird.  Der Begriff Genussrecht ist rechtlich nicht definiert, und die Produkte sind sehr unterschiedlich. Hier lohnt es sich, genau hinzuschauen.  Die private Altersvorsorge lässt sich mit nachhaltiger Kapitalanlage kombinieren. Mehr dazu im BUNDRatgeber (siehe »Rat holen«).  Die betriebliche Altersvorsorge lässt sich ebenfalls »vergrünen«, inklusive staatlicher Fördermodelle wie Riester- und Rüruprente.  Übrigens können sich auch private Investitionen auszahlen: So rechnet sich eine energetische Sanierung oft nach wenigen Jahren durch eingesparte Heizkosten.  Für Hausbesitzer ebenso lohnend: Fotovoltaikanlagen versprechen laut »Finanztest« weiter eine sehr gute Verzinsung.


Wandern zwischen Bayern und Thüringen

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Foto: Cornelius

Wo einst Soldaten entlang der innerdeutschen Grenze patrouillierten, wo Wachtürme und Stacheldraht abschreckten, liegt heute eine Oase der Natur: das »Grüne Band«. In der Buchreihe »Vom ­Todesstreifen zur Lebenslinie« ist soeben der erste Band für den Abschnitt Bayern– Thüringen erschienen.

Naturparadies Niemandsland

eben mir, auf dem ehemaligen Grenzstreifen, blühen Tausende Margeriten. Dazwischen das verhaltene Blau des Salbeis und die knallroten Tupfer vom Feldwachtelweizen. (…) Lerchen, Wiesenpieper und Heu­hüpfer freuen sich über die gemähten und beweideten Flächen, Neuntöter und Goldammer über die Heckenzüge. Und auch an die Schafe hat man gedacht. Die Betonplatten im Kfz-Sperrgraben wurden entsorgt, und so kann der Schäfer von Veilsdorf hier mit seinen Schafen durchziehen. Wenn Reiner Cornelius, der Autor der Grüne-BandBuchreihe, die Natur so kurzweilig beschreibt wie hier auf seinem Streifzug über den Straufhain und die Langen Berge, dann bekommt man noch beim Lesen Lust, die Wanderschuh’ zu schnüren. In sieben Etappen geht es entlang der bayerisch-thüringischen Grenze, von der Rhön bis an den Rand des Thüringer Waldes. Das Schöne dabei: Immer wieder macht Cornelius »rüber« nach Bayern und Thüringen und dort Abstecher zu nahen Dörfern, zu Wiesen, Wäldern und Mooren. So begreift der Leser, wie vernetzt der schmale Streifen Land mit der umgebenden Natur ist. Cornelius sucht auf seinen Wanderungen auch die Menschen auf. Er plaudert mit Schäfern und Bauern, blickt in Braukessel, probiert in Käsereien, betritt Kirchen und Burgruinen. Und er hält inne an Wachtürmen und Gedenktafeln, Zeugnissen einer Zeit, in der ein Schritt zu weit für einen Menschen tödlich endete. Und doch bot gerade die Unzugänglichkeit Tieren und Pflanzen Schutz vor Lärm und Jagd, vor Düngeund Pflanzenschutzmitteln und zu häufiger Mahd. Fischotter, Rotmilan, Uhu oder Schwarzstorch zogen hierher. Trollblumen und Schlangenknöterich breiteten sich felderweise aus. Was diesen Biotopverbund so einzigartig macht, ist, dass er zwar schmal, aber über große Strecken durchgängig ist. Deswegen zählt das

Grüne Band in Deutschland heute zum Nationalen ­Naturerbe.

Erfolg erfordert Wachsamkeit

Nur dem hartnäckigen Einsatz des BN und BUND sofort nach der Wende ist zu verdanken, dass der ökologische Wert weiter Teile dieses Gebiets erhalten blieb. Im südöstlichen Abschnitt der bayerisch-thüringischen Grenze läuft nun seit 2010 das Naturschutzgroßprojekt Rodachtal-Lange-Berge-Steinachtal an, für das der BN seit 2002 gekämpft hat. Um diese Lebensräume zu erhalten, wollen vier Landkreise, das Bundesumweltministerium, Länder und der BUND auf 127 Kilometer Grünes Band über elf Millionen Euro investieren. Doch für die Naturschützer heißt es weiter: wachsam bleiben! In einem fast 20-jährigen Kampf war es gelungen, dass ehemalige Bundesflächen mit der Zweckbestimmung Naturschutz den Ländern übertragen wurden. Damit sind etwa die Hälfte der GrüneBand-Flächen gesichert. Doch von den restlichen circa 1000 Hektar werden immer Flächen auf dem freien Grundstücksmarkt angeboten. BN und BUND kämpfen dafür, diesen Skandal zu unterbinden. Der Todesstreifen hat sich zu einer grünen Naht gewandelt. Wer ihre mannigfaltige Natur selber erwandern will, ist mit dem vorliegenden Band gut beraten, denn der Autor hat nach jedem Kapitel die lohnenden Touren detailliert beschrieben. Margarete Moulin Reiner Cornelius: Vom Todesstreifen zur Lebenslinie. Von der Rhön zum Thüringer Wald. Hrsg.: Bund Natur- schutz in Bayern und BUND Thüringen, Stiftung Naturschutz Thüringen. Auwel Verlag, Niederaula, 2011,  Euro 23,50. Bezug: Dr. Reiner Cornelius, Schützen­weg 9, 36272 Niederaula, Tel. 0 66 25-91 93 44, dr.cornelius@ t-online.de, www.grünes-band-wandern.de

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Schöne Pflanze Freiheit Klatschmohn und Feldrittersporn gedeihen am Feldrand vor dem alten Wachturm am Warthügel.

Ihr Erfolg! Von dort, wo das Grüne Band Deutschland in das Grüne Band Europa übergeht, nämlich an der tschechischen Grenze im Bayerischen Wald, gibt es einen Erfolg zu melden. Mithilfe des Spendenaufrufs an die Mitglieder des BN im vergangenen Jahr konnten dort mit Unterstützung der Regierung von Niederbayern große Moorflächen angekauft werden. Vielen Dank für Ihre Hilfe!


Schon dunkler? Warum die Lichter nicht ausgehen

Kennen Sie Menschen, die schon Kerzen horten, für den Fall des (Stromaus-)Falles? Nach Lektüre dieser Natur+Umwelt können Sie Ihre Freunde beruhigen. Wir werden nicht im Dunklen sitzen. Auch unsere ­Wirtschaft wird nicht an Strommangel ­zugrunde gehen. Und Bayern muss nicht, wie manche behaupten, von Windrädern »verspargelt« oder von Riesenstromleitungen durchschnitten werden. Alles genauso wahr, wie dass Atomkraftwerke sicher seien. Im Gegenteil, die Energiewende ist eine Riesenchance für unser Land, allerdings auch eine Herausforderung, für uns alle. Denn wenn wir Politik und Wirtschaft nicht

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Fotos: Gerd Pfeiffer

genau auf die Finger schauen, werden sie wieder vieles falsch machen – wie sich in den neuen Energiegesetzen leider schon abzeichnet (Seite 14). Die vernachlässigen nämlich den ersten und wichtigsten Schritt, der heißt Stromsparen und -effizienz (Seite 16 und 20). Und sie wollen eine zentralistische Stromversorgung am Leben erhalten, dabei zeigen genügend Gemeinden, wie’s richtig geht, dezentral und kommunal (Seite 18). Ihnen geht ohnehin alles nicht schnell genug? Kein Problem, auf Seite 21 finden Sie Tipps für Ihre persönliche Energiewende. Viel Spaß dabei! Ihr Manfred Gößwald, leitender Redakteur

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Die Wende bleibt halbherzig

Schneller aussteigen, konsequent Bund und Bayern haben in der ­ Atom- und Energiepolitik das Ruder herumgerissen, aber zu einer echten ökologischen Energiewende fehlt noch viel. Ein Kommentar von Hubert Weiger und Richard Mergner.

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ie Bundesregierung hat innerhalb eines halben Jahres eine Kehrtwende in ihrer Atom- und Energiepolitik vollzogen. Ursache war, neben der Erschütterung nach Fukushima, die Renaissance der AntiAtom-Bewegung mit hunderttausenden Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten. Die maßgeblich vom BUND und seinen Landesverbänden mitorganisierten Großdemos und tausende Mahnwachen im ganzen Land haben dazu entscheidend beigetragen. Das Abschalten von acht deutschen Atomkraftwerken (AKW) ist damit ein großer Erfolg der Umweltbewegung, die in den letzten Jahren gesellschaftliche Bündnisse bis hin zu Kirchen und Gewerkschaften geschmiedet hat. Der BUND als basisorientierter Mit­ gliederverband mit deutschlandweit über 2500 Kreisund Ortsgruppen hat maßgeblich die Rücknahme der AKW-Laufzeitverlängerung erzwungen. Diese hatten Bundeskanzlerin Merkel, Ministerpräsident Seehofer und der damalige FDP-Vorsitzende Westerwelle erst im letzten Herbst brachial durchgesetzt. Ein milliardenschweres Wahlgeschenk für die vier großen Atomkonzerne E.on, RWE, ENBW und Vattenfall.

2022: ethisch nicht verantwortbar

Am 28. Juni hat der Bundestag mit Zustimmung auch der SPD und der Mehrheit der grünen Abgeordneten, gegen die Stimmen der Linken, eine Änderung des Atomgesetzes beschlossen mit der Absicht, im Jahr 2022 das letzte AKW abzuschalten. In Anbetracht der wirtschaftlichen Machtverhältnisse ist dies ein riesiger Fortschritt. Angesichts der realen Gefahr einer Atomkatastrophe wie in Tschernobyl oder Fukushima, die deutsche Ballungsräume wie München, Stuttgart oder Hamburg mit Millionen Menschen unbewohnbar machen würde, angesichts der gesundheitsgefährdenden Strahlung im »Normalbetrieb« sowie der völlig ungelösten Atommüllproblematik ist jedoch nur ein sofor­ tiger Atomausstieg ohne schuldhaftes Zögern ethisch verantwortbar. Ein Atomausstieg noch in dieser Legislaturperiode, also bis 2013, wäre technisch machbar – und er wäre die Vorraussetzung für eine echte ökologische Energiewende. Dies haben wir in den letzten Monaten detailliert belegt. Wir sind deshalb sehr enttäuscht, dass aus Furcht vor Schadensersatzforderungen der Atomkonzerne sowie aus wahltaktischen Gründen der Atomausstieg halbherzig geblieben ist. Er ist auch keinesfalls

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unumkehrbar. So steht in der Begründung zum beschlossenen Atomgesetz: »Mit Blick auf diese nunmehr vorgeschlagenen Befristungen und daraus resultierenden Laufzeitenden ist unter Berücksichtigung der möglichen Übertragung von Elektrizitätsmengen eine Regellaufzeit von 32 Jahren, die aus jetziger Sicht eine Amortisation und angemessene Gewinnerzielung ermöglicht, weiterhin gewährleistet.«

Ausstieg ins Grundgesetz

Wir fordern von den Regierungen in Bund und Ländern, dass die AKW-Betreiber endlich gezwungen werden, eine unbegrenzte Haftpflichtversicherung für ihre Reaktoren und die Atommüllzwischenlager abzuschließen und die Sicherheit auch gegen Flugzeug­ abstürze und terroristische Angriffe zu gewährleisten. Spätestens nach der nächsten Wahl 2013 muss der Bundestag das Atomgesetz wieder ändern, den schnellstmöglichen Atomausstieg durchsetzen und in der Verfassung verankern. Dafür wird sich der BUND weiterhin massiv einsetzen. Leider bleiben die von Union und FDP verabschiedeten Gesetze auch bei der Förderung des Energiesparens und dem Ausbau der Erneuerbaren Energien weit hinter den Erfordernissen einer ökologischen Energiewende zurück. Wir kritisieren besonders, dass unsere größte »Energiequelle«, die Verringerung der Energieverbräuche, nur halbherzig angegangen wird. Die Nutzung effizienter Technologien oder der Verzicht auf Stand-by-Betrieb elektrischer Geräte sind nicht wie häufig unterstellt ein »zurück in die Steinzeit«, sondern der sinnvolle Einsatz moderner Technik (mehr auf Seite 20). Immer noch fehlen außerdem eine Energiewende im Verkehr und die Umschichtung von Milliarden Euro vom überflüssigen Straßen- und Flughafenbau in die energetische Gebäudesanierung, wie sie der BUND schon seit über 20 Jahren vorschlägt.

Konzerne fürchten Energieeffizienz

Die Potenziale der Stromeinsparung und effizienteren Nutzung sind mittlerweile mindestens so hoch wie in den letzten Jahren die Atomstromproduktion – nämlich ein Fünftel des Stromverbrauchs von jährlich 550 Milliarden Kilowattstunden. Zugleich könnte die dezentrale Stromerzeugung mit Abwärmenutzung in Blockheizkraftwerken sowie mit Fernwärme kurzfristig um zehn Prozent und langfristig um über 30 Prozent


Illustration: Haitzinger

des Stromverbrauchs ausgebaut werden. Die Atomkonzerne, deren Geschäft auf verschwenderischer Stromnutzung und der billigen Entsorgung von Abwärme in Flüssen und Atmosphäre beruht, fürchten nichts so sehr wie Energieeffizienz, Kraft-Wärme-Kopplung und die Erneuerbaren Energien. Auch bei der Förderung von Sonnen-, Biogas- und Windstrom werden falsche Weichen gestellt. Sie behindern, zugunsten der Energiekonzerne, die nötige »Energierevolution von unten«, getragen von Bürgern und Kommunen. Umso notwendiger ist die Arbeit von BUND und BN vor Ort für intelligente und ganzheitliche Energie- und Klimaschutzkonzepte. Ein Beispiel ist unser Einsatz für eine Qualitätsplanung naturverträglicher Windkraftwerke vor allem im Süden der Republik. Wir werden weiter auf allen Ebenen für eine echte Energiewende kämpfen und bitten Sie um Ihre aktive Mitarbeit.

Bayern bleibt Atomrisikoland …

Die energiepolitische Kurskorrektur der bayerischen Staatsregierung war von massiven inneren Konflikten geprägt. Für die CSU war der Weg von der bedingungslosen Atompartei seit den 1970er-Jahren sicher am weitesten. Daran gemessen sind einige Kernsätze in

Foto: Allianz pro Schiene

Ministerpräsident Seehofers Regierungserklärung ein enormer Fortschritt. Werden doch seit Jahrzehnten vom Bund Naturschutz vertretene Positionen zum Energiesparen, zur dezentralen Stromerzeugung und zu den Erneuerbaren Energien wenigstens ansatzweise aufgegriffen. Wir begrüßen die Einrichtung einer Energie Agentur Bayern, die die lokalen Energieagenturen unterstützen und koordinieren soll. Wir kritisieren aber die Aussage der Regierung, »den Stromverbrauch … in den nächsten zehn Jahren trotz zunehmender Stromanwendungen (z. B. E-Mobilität) auf gegenwärtigem Niveau … halten zu wollen«. Dies ist weder ambitioniert noch akzeptabel. Energiesparen und vor allem Stromsparen muss in Bayern Energiethema Nummer eins werden (siehe folgende Seiten).

Foto: Roggenthin

umsteuern

Die Autoren Hubert Weiger ist Bundesvorsitzender des BUND und Vorsitzender des Bundes Naturschutz in Bayern. Richard Mergner ist Landesbeauftragter des BN.

… statt Atomfrei-Staat

Wir kritisieren außerdem massiv, dass Bayern noch mindestens zehn weitere Jahre Atomrisikoland statt »Atomfrei-Staat« bleiben soll. Nur eines der fünf AKW, Isar 1 bei Landshut, ist und bleibt abgeschaltet. Dagegen sollen das AKW Grafenrheinfeld noch bis Ende 2015, Gundremmingen B bis 2017, Gundremmingen C bis 2021 und Isar 2 bis 2022 Atomstrom und radio­ak­tiven Müll produzieren. Für Bayern ist dies eine dramatische Verschlechterung sogar gegenüber dem rotgrünen Ausstiegsbeschluss von 2001. Demnach hätten die Siedewasserreaktoren Gundremmingen, weitgehend baugleich mit den Unglücksreaktoren von Fukushima, im Jahr 2017 abgeschaltet werden sollen. Wir werden uns weiterhin für den Sofortausstieg aus der tödlichen Atomtechnologie einsetzen und gleichzeitig konstruktiv an der Verwirklichung einer ökologischen Energiewende in Bayern arbeiten.

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Bayern bleibt schön

Mit der richtigen Energiewende Vom führenden Atomstromland

zum Vorbild bei Stromsparen und Effizienz: Wenn Bayern seine Energiezukunft richtig anpackt, hat das Land viel zu gewinnen. Dann drohen auch keine hässlichen Hochspannungsleitungen oder die Verbauung der letzten Flüsse und Bäche.

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Mehr Info im Web Die Energiepositionen des BN: www. bund-naturschutz. de/fakten/energie/ positionspapiere

ir müssen und wir können aus der tödlichen pazitäten fehlen, haben wir bereits heute die ÜbertraAtomenergie aussteigen. Deutschlands Atom- gungsnetze, um Strom aus einer Nachbarregion zu bestromanteil betrug 2010 circa 22 Prozent oder 130 Mil- ziehen. Auch ohne AKW hat Deutschland ausreichend liarden Kilowattstunden (= 130 Terrawattstunden, Strom und muss – im Jahresmittel – keinen Strom aus TWh). Laut Jochen Flasbarth, Präsident des Umwelt- Frankreich oder Tschechien importieren. bundesamts, produzierten in Deutschland Anfang Fazit: Verzicht auf Stromexport, Stromsparen und 2011 neun von 17 AKW für den Export. Schon 2007 der dynamische Ausbau der Erneuerbaren Energien stellte das Bundesamt fest, Deutschland könne durch ermöglichen den sofortigen Ausstieg aus der Atomkonsequentes Sparen 110 TWh Strom (20 % des deut- energie in Deutschland. schen Stromverbrauchs von 550 Wir müssen aber auch aus der TWh) einsparen. Das allein entfossilen Energieversorgung aussteispricht der Leistung von 15 Atomgen. Bis spätestens 2050 müssen wir kraftwerken. unseren CO2-Ausstoß auf nahezu null reduzieren, um einen Anstieg Daraus errechnet sich ein SparStromverbrauch der mittleren Welttemperatur um potenzial für die Verbraucher von zehn Milliarden Euro. Die wichtigsten Beiträge liefern über zwei Grad Celsius zu vermeiden. Zwei Grad mehr, ein optimierter Einsatz von Wasserpumpen (wie zum so die Abschätzungen des »International Panels of CliBeispiel Heizungs- und Warmwasserpumpen im Haus- mate Change«, könnten noch ökologisch und sozial halt, aber auch Pumpen in Gewerbe und Industrie) mit verträglich sein. Schaffen wir die CO2-Reduktion bis 48 TWh, das Vermeiden von Stand-by-Leerlauf elektro- 2050 nicht, dann werden die Entwicklungen möglinischer Geräte mit 25 TWh sowie Einsparungen von cherweise unbeherrschbar! Und wieder sind drei Schritte entscheidend: Energie sparen, effizient nutBeleuchtungen in Gewerbe und Industrie mit 28 TWh. Der Bund Naturschutz hat nun bei der Energieagen- zen, Erneuerbare ausbauen. Dabei muss Sparen – bei tur Nordbayern eine Studie über Bayerns Stromspar- Strom, Wärme und Verkehr – der erste Schritt sein, vor potenziale in Auftrag gegeben. Schon die vorläufigen dem Ausbau neuer Energien. Elektrischer Strom ist die verschwenderischste Ergebnisse zeigen: Wir können in den nächsten Jahren bis zu 40 Prozent des heutigen Verbrauchs von 85 TWh Energieform. Alle thermischen Großkraftwerke arbeieinsparen, und dies wirtschaftlich. Jeder ten mit Dampfturbinen, und die nutzen nur ein Drittel einzelne kann viel beitragen: Ihre Com- der eingesetzten Primärenergie – die restlichen zwei puter zum Beispiel erneuern die Ver- Drittel werden als Abwärme vernichtet, erwärmen braucher nahezu im Jahresrhyth- Flüsse, gehen in die Luft. Effiziente Stromherstellung Strom mus. Würden sie statt Stromfres- mit Kraftwärmekopplung und das Nutzen der Abwäraus sern nur noch sparsame Laptops me als Nah- und Fernwärme zum Heizen ist ein zwinkommunalen kaufen, ließen sich zusätzlich gendes Gebot der Zukunft. und Eine Studie des Umweltbundesamtes mehrere TWh sparen. Bürgervon Juli 2010 zeigt, wie Deutschland bis Der Anteil der Erneuerbaren gesellschaften Energien wird 2011 bereits 20 Pro- zum Jahr 2050 seinen Strom komplett zent und 2020 prognostizierte 50 aus Erneuerbaren Energien erzeugen Prozent der deutschen Stromproduk- kann. Der erste Schritt ist die Reduktion erreichen. In einer Studie von April tion des Stromverbrauchs um 23 dieses Jahres zeigt Prof. Olav Hoymeyer, Prozent. Die 100 Prozent Strom aus Professor für Energiewirtschaft an der Uni Flensburg Erneuerbaren setzen sich dann und Mitglied des Weltklimarats, dass wir in Deutsch- wie folgt zusammen: 33 Prozent Fotovoltaik land 2015 in fast allen Stromregionen auch ohne AKW Windenergie auf dem Meer, 32 in Bayern ausreichend Stromkapazitäten haben werden. Wo Ka- Prozent Windenergie an Land,

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Der Autor Herbert Barthel ist Energie- und Klimaschutz­ referent des BN.

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19 Prozent Fotovoltaik, neun Prozent Geothermie, vier Prozent Wasserkraft, zwei Prozent Abfallbiomasse. Bayerns Stromproduktion besteht heute zu 25 Prozent aus Erneuerbaren Energien, davon stammen über drei Viertel aus Wasserkraft und Biomasse. Diese beiden Quellen sind aber in Bayern ausgeschöpft, mehr geht ökologisch nicht. Bayern braucht Strom aus Wind und Sonne; sie liefern auch um hundertfach höhere Stromausbeuten pro Hektar als Biomasse. Beim Anteil des Windstroms an der gesamten Stromproduktion (73 TWh in Bayern, Verbrauch 85 TWh) ist Bayern mit 0,6 Prozent Schlusslicht, Deutschland hat bereits sieben Prozent. Bayern muss sich hier bis 2050 auf über 20 Prozent steigern. Wichtigste Schritte dazu sind aktive Kommunen und eine politische und wirtschaftliche Bürgerbeteiligung. Heute sind unter acht Prozent der Stromproduktion in Bürgerhand. Wir müssen die Energiewende in Bayern als historische Chance nutzen und 50 Prozent Stromanteil aus kommunalen und Bürgergesellschaften erreichen. Bayern hat ein großes Potenzial für Windenergie. Moderne Anlagen mit Nabenhöhen von 138 Meter erlauben hohe Ausbeuten auch bei mittleren Windgeschwindigkeiten. Günstige Gebiete zeigt der neue Energieatlas Bayern (www. energieatlas-bayern.de). In Bayern stehen heute nur gut 400 Windkraftanlagen, notwendig sind circa 2500. Daher müssen deutlich mehr als zwei Prozent der Landesfläche in den Regionalplänen als Vorranggebiete für Wind ausgewiesen werden. Bayern produziert heute bereits vier Prozent seines Stroms

mit Fotovoltaik (PV). Dieser Anteil muss auf über 20 Prozent wachsen. PV-Technik passt hervorragend zu uns Menschen, denn sie produziert Strom dann, wenn wir am meisten brauchen – mittags! Ein Fünftel der bayerischen Hausdächer ist für PV geeignet. Davon ist heute nur gut ein Zehntel genutzt – wir haben also noch genügend Potenziale auf Bayerns Dächern. Wind- und Sonnenstrom benötigen in Zukunft zur Stabilisierung Stromspeicher. Gefordert wird dafür der Bau neuer Pumpspeicherwerke. Doch diese veraltete Technologie hat eine zu geringe Speicherdauer und -kapazität, um die Erneuerbaren Energien wirksam zu unterstützen. Sinnvoll ist die Umwandlung von Strom in Wasserstoff und Methan, die ins Erdgasnetz eingespeist werden können. Das Erdgasnetz hat heute eine Speicherkapazität von 200 TWh, benötigt werden in Deutschland 50 TWh. Ebenfalls oft gefordert werden derzeit neue Hochspannungsleitungen, sogenannte Stromautobahnen. Doch Bayern benötigt einen Ausbau der Verteilernetze für Haushaltsstrom (400 Volt) und Mittelspannung (20 Kilovolt, kV). Das Haushaltsstromnetz nimmt PVStrom auf, das Mittelspannungsnetz die Leistung von Windrädern, Biogasanlagen und PV-Freiflächenanlagen. Hochspannungsnetze dagegen (110 kV, 220 kV, 380 kV) verteilen den Strom von Großkraftwerken. Wir haben bereits heute Stromautobahnen, um Kohlestrom von der Nordseeküste nach Bayern zu transportieren. Sie sollten reichen, um in Zukunft die Industrie Bayerns mit den Off-Shore-Windparks in der Nordsee zu verbinden. Herbert Barthel

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Windräder für Bayern

Foto: Gößwald

SOFORT

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Energiewende lokal

So haben wir’s geschafft!

Furth: Die Frühstarter

1980 – da haben noch ganz wenige über eine Energiewende nachgedacht. Dieter Gewies (Foto) schon. Gemeinsam mit einem »kleinen Fankreis«, wie er es nennt, organisierte er Baukurse für Sonnenkollektoren. Die Saat ging auf: 1996 wurde der Grüne Politiker Bürgermeister der 3500-Seelen-Kommune im Landkreis Landshut und die Energiewende zur politischen Linie. Drei Jahre später beschloss Furth als erste deutsche Gemeinde, seine Energieversorgung komplett auf Er-

Effelter: Hier wächst der Treibstoff für die Energiewende

»Hier muss man die Bürger nicht zum Jagen tragen«, sagt Wolfgang Degelmann (Bild). Der BN-Geschäftsführer der Kreisgruppe Hof ist Motor der Energiewende in der »Energieregion Frankenwald«. Das Vorzeigedorf Effelter könnte mit dem Strom aus den eigenen Biogasund PV-Anlagen inzwischen zweieinhalb mal den eigenen Bedarf decken. Bis Ende 2013 sollen sich insgesamt 25 Gemeinden in der Region autark mit regenerativer Energie versorgen. Das Erfolgsgeheimnis: Den natürlichen Reichtum aus Land- und Forstwirtschaft nutzen und damit die Kaufkraft in der Region halten. Das schafft ein »WirGefühl« und überzeugt die Bürger.

Wildpoldsried: The wind of change

100 Prozent Erneuerbare? Sind in Wildpoldsried schon längst kein Thema mehr! Mit 321 Prozent Strom

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Foto: Vogl

Foto: BN Hof

Womit sich die große Politik schwer tut, ist auf kommunaler Ebene oft schon weit gediehen: das Umdenken. Die Wege heraus aus dem fossilen Zeitalter sind so unterschiedlich wie die Kommunen selbst. Eins aber zeigt sich immer wieder: Motor der Energiewende sind nicht volle Gemeindesäckel, sondern Menschen mit Überzeugung.

aus regenerativen Energien produziert die 2600-Seelen-Gemeinde im Oberallgäu bereits weit über ihren Bedarf hinaus. Gut die Hälfte des Stroms stammt von Windkraftanlagen – allesamt in Bürgerhand. Eine Bewegung, die Landwirt Wendelin Einsiedler (Bild) 1999 mit der ersten gemeinschaftlichen Anlage angestoßen hat. Auch PV-Anlagen haben mittlerweile Hochkonjunktur. Gemeinsam organisierte Großeinkäufe garantieren gute Preise. Das Geheimnis der Pioniergemeinde? Von Anfang an die Bürger beteiligen.

Wolfgang Degelmann, Effelter

Wendelin Einsiedler, Wildpoldsried

Kempten: Die Energiesparer

neuerbare umzustellen. Heute liest sich die Ernte des frühen Engagements so: 60 Prozent der Stromversorgung stammen aus regenerativen Quellen, der Großteil davon aus Fotovoltaik-(PV-)Dachanlagen. Das Erfolgsrezept der Further: Früh anfangen und durchhalten.

Die 65 000-Einwohner-Kommune im Allgäu will Vorzeigestadt im Klimaschutz werden. Bereits seit zehn Jahren beschäftigt Kempten einen eigenen Energiemanager. Er sorgt dafür, dass die kommunalen Gebäude nach und nach mit Passivhaustechnik saniert werden. Bei den gemeindeeigenen Neubauten ist Passivhausstandard mittlerweile Pflicht. Und auch die Bürger werden geschult: Auf den alljährlichen Altbautagen erfahren Hausbesitzer, wie sie ihr Eigenheim in ein Energiesparhaus verwandeln. Die treibende Kraft: Ein Bürgermeister ­(Ulrich Netzer, CSU) der früh die ­Relevanz des Themas Energiesparen erkannt hat. Bereits 1998 hat er die unabhängige Energieberatung eza! mit angestoßen und arbeitet seither unter der Leitung von Martin ­Sambale eng mit den externen Fachleuten zusammen.

Geisenhausen: Leuchtturm in der Sonnenregion Landshut

Ein Platz in der Bundesliga – davon träumt manch größere Stadt. Geisenhausen hat es geschafft: vierter Platz in der Solarbundesliga (www. solarbundesliga.de) bei den Kleinstädten. Die 6200-Einwohner-Gemeinde in der Sonnenregion Landshut (s. Seite 39) erzeugt 50 Prozent ihres Strombedarfs mit Sonnenenergie und zwei Biogasanlagen. 2020 will Geisenhausen komplett energieautark sein. Treibende Kraft der Energiewende ist seit 20 Jahren die BN-Ortsgruppe Geisenhausen mit ihrem Vorsitzenden Herbert


Jans (Bild). Kreativität bewies die Gemeinde mit der »Abwrackprämie« für alte Heizungspumpen. In kürzester Zeit wechselten 100 Haushalte ihre alten Geräte aus. Der Schlüssel zum Erfolg in Geisenhausen: Menschen mit einer Vision, die vor Ort die Dinge in Bewegung bringen.

Ascha: Ein Ort will unabhängig werden

Mit 127 Prozent produziert der 1500-Einwohner-Ort Ascha längst mehr Strom aus Erneuerbaren, als

München: Metropole mit Mumm

sung von sogenannten Konzentra­ tionszonen für neue Windkraftan­ lagen bringen. Alle Miteigentümer der PV-Bürgeranlage auf dem Schuldach wollen auch hier finan­ ziell einsteigen. Warum es in Pöttmes klappt? Eine starke BN-Mannschaft bringt die Gemeinde auf Energiewendekurs. Der Vorsitzende der Kreisgruppe Aichach-Friedberg, Helmut Schenke, ist gleichzeitig ­Gemeinderat, und der amtierende Bürgermeister Franz Schindele (Bürgerblock) hat die BN-Ortsgruppe Pöttmes gegründet.

Mit couragierten Zielen punktet die bayrische Landeshauptstadt. Die rot-grüne Stadtratsfraktion hat den Münchner Stadtwerken (SWM), dem größten kommunalen Unternehmen Deutschlands, konkrete Zielvorgaben für den Ausbau der ­Erneuerbaren Energien gemacht. Derzeit produziert der Versorger rund acht Prozent seines Strommixes aus erneuerbaren Quellen. Bis 2015 soll er genügend Ökostrom liefern, um alle 800 000 Münchner Privathaushalte zu versorgen; bis spä-

Foto: Gemeinde Ascha

Foto: Gemeinde Furth

Foto: BN Geisenhausen

Voller Energie Stolz dürfen sie sein, die Macher ihrer lokalen Energiewende. Bürgermeister und BNAktive zeigen, wie weit sie auf dem Weg zur Strom­ autarkie schon gekommen sind.

Dieter Gewies, Furth

Herbert Jans, Geisenhausen

Wolfgang Zirngibl, Ascha

er selbst benötigt. Die Energie stammt etwa zu gleichen Teilen aus Biogas- und PV-Anlagen. Das nächste Ziel: Wenn es nach Bürgermeister Wolfgang Zirngibl (CSU, Bild) geht, soll Ascha in vier Jahren heizölfrei und auch bei der Wärmeversorgung völlig autark sein. Die BN-Kreisgruppe Straubing/Bogen warnt allerdings davor, zusätzlich geplante Biogasanlagen mit Sub­ strat aus überregionalem Anbau oder Intensivlandwirtschaft zu betreiben. Was in Ascha wichtig war: Die Politik muss hinter der Energiewende stehen.

Pfronten: Die mit dem ­ganzheitlichen Ansatz

testens 2025 soll sogar der gesamte Strombedarf der Stadt abgedeckt sein. Damit wäre die Isarmetropole nach Angaben der SWM die erste Millionenstadt, die ihre Bürger komplett mit Ökostrom versorgen kann. Weil man das lokale Potenzial an Geothermie, Biomasse, Solar-, Wind- und Wasserkraft nicht für ausreichend hält, um die Energie komplett in der Region zu erzeugen, sollen Beteiligungen an Projekten wie Offshore-Windkraftanlagen in ganz Deutschland und Europa die fehlenden Energiemengen ausgleichen. Vom BN massiv kritisiert, ­wollen die SWM allerdings erst bis 2025 den Atomstromanteil an ihrem Strommix auf Null zurückfahren. Das Unternehmen ist derzeit noch mit 25 Prozent am Atomkraftwerk Isar 2 beteiligt. Das Motto in München: Keine Angst vor großen Zielen! Heidi Tiefenthaler, Volker Eidems

Pöttmes: Kleine Gemeinde, ­starke Mannschaft

Mit einem Anteil von 65 Prozent ­Erneuerbaren bei der Stromversorgung liegt die 6500-Einwohner-­ Gemeinde schon gut im Rennen. Erzeugt wird die Energie mit Sonne, Biomasse und Wasser. Noch mehr frischen Wind soll jetzt die Auswei-

Pfronten ist im Landkreis Ostallgäu Vorreiter und Vorbild in Sachen Energieeffizienz und Gebäude­ management. Bereits 1998 hat die 8000-Einwohner-Gemeinde eine kostenlose und unabhängige Energieberatungsstelle für die Bürger eingerichtet. Als eine der ersten Kommunen in Deutschland belohnte sie künftige Eigenheimbesitzer mit einem Punktesystem für eine energieeffiziente Bauweise. Die Straßenbeleuchtung brachte die Kommune auf Sparkurs. Und auch bei der Mobilität punktet Pfronten: Ein kostenloser Bus chauffiert die Gäste der Fremdenverkehrsgemeinde von A nach B. Wer motiviert die Gemeinde? Der umtriebige Bürgermeister Josef Zeislmeier (SPD) mit seinem ganzheitlichen Blick auf Umweltfragen.

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Wo steht meine Gemeinde? Ist auch Ihre ­Kommune schon ein Vorbild in Sachen Energiesparen oder -selbstversorgung? Dann schreiben  Sie uns das bitte: nu@bund-naturschutz.de. Energiewende, noch kein Thema in Ihrem Ort? Dann freut sich Ihr Bürgermeister sicher, wenn Sie ihn auf das Thema stoßen, am besten mit den tollen Beispielen auf diesen Seiten.


Stromeffizienz

Stiefkind der Energiepolitik Bundeskanzlerin Merkel lässt kaum eine Gelegenheit aus, um die Energieeffizienz als Schlüssel für die Energiewende zu bezeichnen. Doch die ­Bundes­regierung nimmt diesen Schlüssel nicht zur Hand, auch in dem Anfang Juli verabschiedeten ­Gesetzespaket zur Energiewende nicht.

as Potenzial ist gewaltig: Bis zu zehn Atommeiler ließen sich durch eine Verringerung des Stromverbrauchs einsparen – hoch wirtschaftlich, mit bereits verfügbarer Technik und ohne Komfortverlust. Der Netzausbau könnte dann moderater ausfallen, und der Weg zu einer hunderprozentig erneuerbaren Energieversorgung wäre geebnet. Umso unverständlicher ist, warum das Thema Effizienz ein Stiefkind der deutschen Energiepolitik bleibt.

Verbindlichkeit und Anreize

schalter

Um mit der Energiewende ernst zu machen, müsste die Bundesregierung verbindliche Einsparziele definieren. In ihrem Energiekonzept vom Herbst 2010 hat sie zwar ein ambitioniertes Ziel formuliert: Sie will den Stromverbrauch bis 2020 um zehn Prozent senken (im Vergleich zu 2008). Doch ist dieses Ziel weder rechtlich bindend noch mit entsprechenden Maßnahmen hinterlegt. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft werden nicht ernsthaft auf dieses Sparziel ausgerichtet. Mit hoher Effizienz kann viel Energie gespart werden. Effizienz bedeutet, eine Dienstleistung – wie die Kühlung von Lebensmitteln – mit wenig Energieaufwand zu bewerkstelligen. Nun ist ein hocheffizienter Kühlschrank zwar teurer, macht den Aufpreis aber durch die später gesparten Stromkosten schnell wieder wett. Leider wiegt jedoch für die meisten Menschen – ob Privatperson oder Unternehmer – der gesparte Cent im Hier und Jetzt mehr als ein gesparter Euro in der Zukunft. Durch Abwrackprämien für die Stromschlucker unter den Kühlschränken, Heizungspumpen oder Industriemotoren könnte die Bundesregierung die Anschaffung effizienterer Modelle erleichtern. Und je häufiger diese Nischenmodelle nachgefragt werden, desto schneller werden sie zu erschwinglicher Standardware.

stecker

leisten

Mehr Transparenz

Neben einer gesteigerten Effizienz muss auch die absolute Einsparung von Strom attraktiver werden. Denn trotz wachsender Effizienz steigt der Stromverbrauch in Deutschland stetig. Ein Grund ist der Trend zu immer mehr und immer größeren Elektrogeräten im Haushalt.

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Natur + Umwelt BN-Magazin [3-11]

Ein bisher ungenutztes Potenzial für Einsparungen liegt zum Beispiel in mehr Transparenz. Wir alle profitierten, wenn die Händler die Stromkosten anzeigen würden, die ein bestimmtes Gerät im Laufe der Jahre verursacht. Wichtig wäre es auch, die Energieversorger zu verpflichten, die Kunden monatlich über ihren Verbrauch zu informieren. Allein diese regelmäßige Rückmeldung des eigenen Verbrauchs könnte zur Einsparung geschätzter zehn Prozent Energie führen. Auch muss die Stromrechnung verständlich sein. So verdeutlichen Dia­gramme besser als Wertetabellen, wie sich der ­Verbrauch entwickelt hat. Mit der Angabe von Ver-

Stromfressssser

gleichswerten könnten wir Kunden besser einschätzen, ob wir übermäßig viel Energie konsumieren, oder ob die Verbannung eines Stromfressers Früchte getragen hat. Energiesparen ist und bleibt der wichtigste Schritt zum Schutz des Klimas und der Ressourcen. Der BUND fordert seit Jahren, einen Effizienzfonds einzurichten. Damit könnten Maßnahmen wie eine Abwrackprämie finanziert oder Beratungsangebote für bestimmte Zielgruppen entwickelt werden. Doch statt Industrie, Handel und Haushalten endlich den nötigen Schub zu verpassen, belässt es die Bundesregierung bei Lippenbekenntnissen. So verstreicht wertvolle Zeit – Zeit, die wir der Bundesregierung nicht länger geben dürfen. Der BUND bleibt dran. Irmela Benz

Foto: BUND

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Die Autorin Irmela Benz betreut das BUND-Projekt »Energieeffizienz«.

eigren W


Meine persönliche Energiewende

Im Kleinen anfangen!

Die politisch angekündigte Energiewende geht Ihnen zu langsam? Dann starten Sie doch Ihren ganz persönlichen Einstieg in ein neues Energiezeitalter.

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ie Krux mit guten Vorsätzen kennt jeder: Wir nehmen uns zu viel vor und stellen unter der Last des 100-Prozent-Anspruchs schnell wieder alle Aktivitäten ein. Dabei wäre doch ein erster Schritt schon gar nicht schlecht. Die Energiewende im Kleinen findet statt, wo wir damit anfangen. Also vielleicht dort, wo es am leichtesten fällt? Oder doch lieber, wo der größte Erfolg winkt? Suchen Sie sich’s aus, denn auch die persönliche Energiewende ist Typsache.

Einmal handeln, lange sparen

Finden Sie den größten Stromfresser in Ihrem Haushalt, und sparen Sie mit einer Veränderung dauerhaft viel Energie, etwa indem Sie den 15 Jahre alten Kühlschrank gegen ein modernes A++-Modell austauschen. Da sind oft 50 Prozent oder mehr Einsparung drin.

Einfach abhaken: Der 8-Punkte-Plan

Sie lieben klare Vorgaben? Wenn Sie diese acht Grundregeln beherzigen, sind Sie in Küche und Waschkeller schon mal gut unterwegs:  Energiesparprogramm bei Wasch- und Spülmaschine nutzen  Waschen mit 60 Grad nur bei hartnäckigem Schmutz  Wäsche lieber auf die Leine als in den Trockner  Lebensmittel nur kalt in den Kühlschrank stellen  Geschirr und Wäsche nicht vorspülen  Waschmaschine immer voll beladen  Beim Kochen bekommt jeder Topf einen Deckel  Kühl- und Gefrierschränke nicht in die Sonne oder neben die Heizung stellen

Anfangen, wo’s am wenigsten weh tut

Auch in Ihrem Haushalt werden die elektrischen Geräte immer mehr? Fernseher, Stereoanlage, DVD-Player, Receiver, Computer … Mit Schalter-Steckerleisten behalten Sie den Überblick. Ein Druck auf den roten Knopf und der Stand-by-Verbrauch hat Pause.

Umsetzen, was Sie immer schon vorhatten

Eigentlich wollten Sie schon vor zehn Jahren den Strom­anbieter wechseln? So einfach wie heute war es noch nie: Unter www.bund-naturschutz.de/stromwechsel finden Sie die nötigen Informationen und starten mit ein paar Mausklicks in eine atomstromfreie Zukunft.

Wende

Entdecken, was andere übersehen

Unsere acht Stromspartipps befolgen Sie schon seit Ihrer Schulzeit? Sehr gut, aber wussten Sie schon, dass  viele alte Heizungspumpen echte Stromfresser sind?  alte Modelle bis zu 600 Kilowattstunden Strom pro Jahr verbrauchen?  eine geregelte Hocheffizienzpumpe den Verbrauch um bis zu 80 Prozent drosselt?  Sie zusätzlich 40 Prozent des Verbrauchs sparen, wenn Sie die Pumpe außerhalb der Heizperiode abschalten?

Ganz generell etwas ändern

L E I N E

Die Energiewende fängt bei jedem Einzelnen an. Und trotzdem würden Sie gerne mehr Einfluss auf’s große Ganze nehmen? Hier ein paar Anregungen:  Lassen Sie Ihr Geld für die Energiewende arbeiten. Anregungen finden Sie im Ratgeber auf Seite 10.  Stärken Sie die Anti-Atom-Lobby in Bayern, werben Sie ein neues Mitglied für den Bund Naturschutz! Beitrittskarte am Anfang dieses Hefts.  Fordern Sie immer wieder und vernehmbar eine schnelle Energiewende! Aktuelle Demo-Termine und mehr finden Sie unter www.bund-naturschutz. de/projekte/anti-atom-protest.

statt Trockner

Weiterlesen, damit die guten Vorsätze nicht ­ausgehen

 www.bund-naturschutz.de/energiesparen  www.energieeffizienz-jetzt.de  www.klima-sucht-schutz.de  www.dena.de/services/verbraucherinfos  Ratgeber »Gut zu wissen: Energie sparen in Bayern«. PDF kostenlos unter www.verbraucher.org  Das große Energie- und CO2-Sparbuch, B.A.U.M. e. V., 2011. Bezug: www.baumev.de (ht)

Stromanbieter wechseln [3-11] Natur + Umwelt BN-Magazin 

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Strahlenbiologe Lengfelder zu Fukushima-Folgen

Schlimmer als Tschernobyl Er kennt die dramatischen Folgen von Tschernobyl wie kaum ein anderer. Fukushima bestätigte seine schlimmsten Sorgen. Dennoch sieht er die Atomgefahren noch immer verharmlost, auch in Deutschland. Edmund Lengfelder im N+U-Interview

sundheit verantwortlich. Das gilt übrigens nicht nur für Ostbayern, auch Gebiete westlich von Augsburg sind sehr stark belastet. Fukushima ist weitgehend aus den Schlagzeilen verschwunden. Was steht den Menschen dort durch die Verstrahlung bevor? Ich befürchte, dass die Folgen jene von Tschernobyl noch übertreffen. Aus drei Gründen: Japan ist 20-mal dichter besiedelt. In Fukushima enthält jeder der vier betroffenen Reaktoren zehn- bis 40-mal mehr radioaktives Material als Tschernobyl. Die Kernschmelze dauert ja weiter an. Ferner wurde zu spät und zu wenig evakuiert. Japan hat schlechter reagiert als damals die UdSSR.

Foto: privat

Weiß man etwas darüber, wie es den Helfern von Fukushima geht? Leider nein, sie werden von der Öffentlichkeit abgeschirmt. Aber wenn man allein schon ihre mangelhafte Ausrüstung gesehen hat, muss man das Schlimmste befürchten.

Hilfe willkommen Prof. Dr. med. Edmund Lengfelder, 68, ist einer von Deutschlands bekanntesten Strahlenbiologen und Warner vor den Folgen der Atomkraft. Der Bund Naturschutz wird ihn im September mit seiner höchsten Ehrung, dem Bayerischen Naturschutzpreis, auszeichnen. Um den Opfern von Tschernobyl zu helfen, gründete Lengfelder 1991 in der weißrussischen Stadt Gomel ein Schilddrüsenzentrum. Mit Unterstützung der Radioökologin Dr. Christine Frenzel leitet er das Otto-Hug-Strahleninstitut (www.ohsi.de). Helfen auch Sie, dass diese Arbeit fortgesetzt werden kann. Spenden Sie an Otto Hug Strahleninstitut – MHM e. V. Stadtsparkasse München, BLZ 701 500 00, Konto-Nr. 382002

N+U: Die Zahlen über die Todesopfer durch Tschernobyl gehen extrem auseinander. Sie helfen seit vielen Jahren vor Ort. Was stimmt? Lengfelder: Es ist durchaus realistisch, in Europa von mehr als einer Million Todesopfern in 50 Jahren auszugehen. Allein in unserem Schilddrüsenzentrum im weißrussischen Gomel haben wir seit Tschernobyl über 160 000 Patienten behandelt und können aus eigenen Zahlen erkennen, dass im Gebiet Gomel in den ersten 13 Jahren Schilddrüsenkrebs bei Kindern und Jugendlichen um das 58fache angestiegen ist. Aber auch für Bayern gibt es klare Hinweise, dass infolge von Tschernobyl dieser Krebs deutlich erhöht ist.

Müssen wir uns in Bayern wegen der Langzeitfolgen von Tschernobyl immer noch Sorgen machen? Unbedingt! Im Bayerischen Wald sind Wildschweine Das ganze Interview heute zum Teil noch mit mehr als 10 000 Becquerel pro Lesen Sie mehr Kilogramm belastet. Das ist Sondermüll, kein Lebensunter www.bundmittel. Bei privat gesammelten Pilzen ist keine Mesnaturschutz.de/ magazin. sung vorgeschrieben, hier ist jeder selbst für seine Ge-

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Natur + Umwelt BN-Magazin [3-11]

Bei uns gibt es keine Tsunamis. Ist das Risiko bei uns geringer als in Japan? Wer das sagt, wiederholt einen verbreiteten Blödsinn. Ein Beispiels-Szenario: Ein Terrorist besorgt sich in ExJugoslawien eine Panzerabwehrrakete, was nicht schwer sein dürfte. Er zerstört damit die Seitenwand des Abklingbeckens von Isar 1. Allein das genügt, um einen Super-GAU auszulösen. Bei einem Flugzeugabsturz wäre es dasselbe. Auch Erdbeben sind eine reale Gefahr. Das heißt auch, Isar 1 bleibt gefährlich, obwohl es seit Monaten vom Netz ist? Natürlich. Die Brennstäbe sind nach wie vor da und müssen gekühlt werden. Fällt die Kühlung aus, ist die Kernschmelze unausweichlich. Diese Gefahr besteht auf Jahre hinaus, in allen stillgelegten AKW. Die anderen vier bayerischen AKW sollen noch viele Jahre weiterlaufen. Welche Risiken gehen von ihnen aus, vom Super-GAU abgesehen? Es ist ja inzwischen wissenschaftlich eindeutig nachgewiesen, dass im näheren Umkreis von deutschen AKW mehr Kinder an Krebs und Leukämie erkranken. Mit dieser schrecklichen Gewissheit müssen die Menschen dort nun noch viele weitere Jahre leben. Das Interview führte Manfred Gößwald.


25 Jahre nach Tschernobyl

Ein Denkmal für alle Atomopfer Zum Gedenken an die Opfer von Tschernobyl seit langem geplant, erhielt die Enthüllung der »Bamberger Schildkröte« durch die Katastrophe in Fukushima eine fürchterliche Aktualität.

m 26. April, genau 25 Jahre nach dem schrecklichen Unglück in der Ukraine, erinnerte der Bund Naturschutz in Bamberg mit einer eindrucksvollen Gedenkveranstaltung an die unzähligen Toten und gesundheitlich Geschädigten. Das feierlich enthüllte Denkmal, eine hilflos auf dem Rücken liegende Schildkröte, symbolisiert die gegenüber radioaktiver Verseuchung wehrlose Natur. Geschaffen hat sie der international bekannte Bildhauer Jin Mo Kang (rechtes Foto). Auf dem Bauchpanzer der Schildkröte ist eine Weltkarte eingraviert, die die globale Bedeutung der Umweltverschmutzung und besonders der atomaren Verseuchung ausdrückt. »Es war der bis dahin größte Atomunfall, und er leitete die Zeitenwende der Energiepolitik ein«, betonte der BN-Vorsitzende Hubert Weiger bei der Veranstaltung und mahnte die Bundesregierung, »endlich die Zeichen der Zeit zu erkennen und aus der ethisch nicht vertretbaren Atomenergienutzung auszusteigen.« Das Denkmal geht auf eine Initiative der BN-Kreisgruppe Hof zurück, die einen bundesweiten Künstlerwettbewerb »Ein Denkmal für Tschernobyl« ausgeschrieben hatte. Weit über 100 Künstler aus der gesamten Bundesrepublik beteiligten sich mit ihren Entwürfen. Eine fachkundige Jury wählte das Werk von Jin Mo Kang aus. Der Koreaner war Meisterschüler von Professor Leo Kornbrust an der Kunstakademie München und ist mittlerweile international bekannt. Die Berufsschule Marktredwitz/Wunsiedel arbeitete das Denkmal kostenlos aus.

Zwei Kämpfer aus Oberfranken

Die treibenden Kräfte für das Tschernobyl-Denkmal waren über Jahre hinweg Nanne Wienands und Udo Benker-Wienands. Das Paar aus dem Landkreis Hof

Fotos: Müller, Konopka

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verbindet ein jahrzehntelanger ehrenamtlicher Kampf gegen die Atomenergie. Beide waren lange im Vorstand der BN-Kreisgruppe Hof aktiv, Udo Benker-Wienands als Vorsitzender von 1985 bis 2007. Bereits Anfang der 1970er-Jahre gründeten sie den »Arbeitskreis Atomenergie« in Wunsiedel, erarbeiteten eine Wanderausstellung »Gefahren der Atomenergie« und waren besonders beteiligt an der Entscheidung der Landesdelegiertenversammlung, mit der sich der BN 1979 eindeutig gegen die Atomenergie positionierte. Weil in ihrer unmittelbaren Heimat auch der Uranabbau mit allen negativen Folgen für Natur und Umwelt betrieben wurde, organisierten sie 1981 in Bad Alexandersbad eine internationale Konferenz gegen Uranabbau, die mit weiteren Aktionen letztlich zur Schließung des Uranerzstollens Christa in Großschloppen im Fichtelgebirge führte. Beiden genügte aber der Kampf gegen die Atomenergie nicht. Sie wollten auch mitgestalten und wurden zu Pionieren der Energiewende. 1990 arbeiteten sie für die erste Solarinitiative im Landkreis Hof und starteten Initiativen zur kostendeckenden Vergütung für Solarstrom in Oberfranken. 1996 konnte die erste große Windkraftanlage in Bayern in Sellanger, gebaut von einer BN GmbH, eingeweiht werden. Dass heute der Landkreis Hof der Windkraftlandkreis in Bayern ist, dürfte auch auf ihr tolles Engagement zurückgehen. Manfred Gößwald, Tom Konopka

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Zur Mahnung An der Friedensbrücke in Bamberg enthüllte der Landesvorstand des BN gemeinsam mit den Initiatoren Nanne Wienands und Udo BenkerWienands (Bild unten, 4. und 3. von rechts) das Tschernobyl-Denkmal, das der Künstler Jin Mo Kang (Bild oben) geschaffen hat.

Mehr zur Energiewende Lesen Sie auch  unsere Seiten 34–39 und  B5–B10.


Schlaue sparen mit Spaß

Illustrationen: Schellmoser

Hallo, hier bin ich wieder, Bibo, der neugierige Biber. Heute geht’s um Energiesparen. Weil ohne Energie keine Leistung, keine Kraft. Energiesparen ist sogar lustig und schmeckt prima. Wer verbraucht am wenigsten, fragt Euch Bibo.

Saison-Thema

A

Energie sparen

Fotos: Witt

lle sparen Energie! Gemeint sind Pflanzen und Tiere, die Energiesparmodelle der Evolution. Nur wer sorgsam mit der begrenzten (Lebens-) Energie umging, konnte überleben. Bloß der Mensch, wir also, ist ein Vergeuder. Wir hauen es nur so raus. Keine gute Idee. Denn letztlich werden auf dieser Erde nur die überleben, die klug und sorgsam mit ihr umgehen. Also Leute, ran ans Energiesparen, guckt Euch selber und Euren Eltern ruhig genau auf die Finger.

Natürliche Energiesammler

E

Sonnenwärme speichern

idechsen sind Energiesparer. Ihre dunkle Haut fängt Sonnenwärme besonders effektiv ein. Sie fahren zum Anheizen ihre Rippen in eine extra breite Stellung, um die Oberfläche möglichst groß zu machen. Frühmorgens geht es zum Sonnetanken auf Steine, die besonders schnell warm werden. Unglaublich, wie viel technische Erfindungen in so einem Jahrmillionen alten »Saurier« stecken!

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Künstliche Energiesammler

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Sonnenkollektor und Solarzellen

apa, wieso haben wir eigentlich keine Sonnenkollektoren auf dem Dach? Oder Solarzellen? Was, Du weißt nicht, was das ist? Also, Sonnenkollektoren machen Wasser warm, und Solarzellen machen Strom, so einfach ist das!« Alles klar, Kids! Das wäre doch mal eine energietechnisch sehr vernünftige Frage an Eure Eltern! Wer heutzutage die Sonne nicht nutzt, ist ein Vorgestriger/Dummbeutel/Schlafmütze. Sucht Euch das passende Wort raus!


JBN-Sommerakademie

Weniger Mähen

J

a, ich weiß, wir können überall Energie sparen: weniger Auto fahren und mehr Fahrrad, aus der Region einkaufen, den Topfdeckel beim Wasserkochen drauf lassen usw. Aber was die Gemeinde Haar bei München seit 15 Jahren macht, daran habt Ihr vielleicht nicht gedacht: Sie wandelt nämlich ihre Rasenflächen zu Blumenwiesen um. Was das sparen soll? Das viele Mähen natürlich. Denn diese Blumenstreifen werden nur einmal im Jahr geschnitten. Was übrigens auch die Schmetterlinge freut!

Fliegende Erdbeeren

Sparen schmeckt gut

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lar kennt Ihr den Unterschied! Zwischen einer Erdbeere aus dem eigenen Garten oder vom Erdbeerfeld um die Ecke und einer Erdbeere aus … sagen wir mal … Südafrika. Beides sieht nach Erdbeere aus, bloß die afrikanische, die schmeckt nach nichts. Und so sparen wir beim Kauf von heimischen Produkten nicht nur Energie, denn die Bauern-Erdbeere muss nicht so weit fahren wie die im Flieger aus Kapstadt! Sondern wir gewinnen an Geschmack.

Born to be wild

Steigerwaldwärts ins JBN-Müpfe-Camp  4. bis 10. September am Zeltplatz Schornweisach (Naturpark Steigerwald) Die wildeste Woche Deiner Ferien steht fest! Also sofort waldgrün im Kalender markieren: eine Woche mitten im Naturpark Steigerwald, Sommer, Sonne, Lagerfeuer, Leute kennenlernen, dem Geheimnis des Waldes auf der Spur sein. Preis: 120 c (für Mitglieder 100 c)

Landwirtschaft hautnah

Sherlock Holmes auf heißer Spur Rätsel lösen und gewinnen

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enn wir energieschlau sind, dann isolieren wir unser Haus so gut, dass möglichst wenig Wärme verloren geht. Die Natur ist auf diesen Trick schon seit ewig gekommen. Alle Tiere, deren Junge eine Zeitlang allein im Nest bleiben müssen, haben es kuschelig warm. Wolle, Haare, Zeitungschnipsel und Gras hat diese Waldmaus zu einem dicken Wärmepelz gewebt. So bleibt die Bude warm. Auch wir Menschen isolieren Häuser mit …? Oh weh, ich habe vergessen, womit! Aber ihr wisst es bestimmt! Was kann man von den Baustoffen des Mäusenestes zur Wärmedämmung für ein Haus verwenden? Wer draufkommt und uns die richtige Lösung schickt, kann diesmal mit ein bisschen Glück ein tolles Buch mit Experimenten rund um die Umwelt  gewinnen. Schreibt bitte an »Natur+Umwelt«, Stichwort Rätselbild, ­Dr.-Johann-Maier-Straße 4, 93049 Regensburg, Fax 09 41-2 97 20 31, nu@ bund-naturschutz.de. Bitte vergesst nicht Eure Adresse und Euer Alter.

P.S.: Hier die Auflösung vom letzten Rätselbild: Na ja, das war ja wohl keine Eule, aber dafür ein Baumläufer. Allen Einsendern vielen Dank fürs Mitmachen und den Gewinnern herzlichen Glückwunsch. Viel Spaß mit der umweltfreundlichen DynamoTaschenlampe wünschen wir Maximilian Ziegler, vier Jahre, Elias und Michael Büttner, fünf und sieben Jahre sowie Leo Körzendörfer, sieben Jahre.

Der Wald ruft!  22. bis 27. August in Wessobrunn Nähe Ammersee 2011 ist das internationale Jahr der Wälder. Die JBN-Sommerakademie bietet Dir eine Woche voll abwechslungsreicher Exkursionen, politischer Diskussionen und Workshops rund um das Thema Wald. Preis: 140 c (für Mitglieder 100 c)

Erlebe die Herbstarbeiten eines Ökobauern  14. bis 16. Oktober am Seiml-Hof (Nähe Wasserburg) Auf dem Seiml-Hof bei Obing werden wir Saft pressen, Brot backen, Käse machen und als Landwirt/in hautnah die tägliche Arbeit auf einem landwirtschaftlichen Betrieb kennenlernen. Preis: 70 c (für Mitglieder 50 c)

Herbst-JVV 2011

Treffen aller JBN-Aktiven  11. bis 13. November in Nürnberg Die Herbst-JVV ist die zweite ­Jugendvollversammlung (JVV) in diesem Jahr, bei der sich wieder viele JBN-Aktive und Interessierte treffen. Preis: 30 c (für Mitglieder 15 c)

Alle Infos JBN, Trivastr. 13, 80637 München Tel. 0 89-15 98 96-30 Fax 089-15 98 96-33 info@jbn.de, www.jbn.de www.facebook.de/JugendorgBN

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DIE INFOECKE DER JBN | WWW.JBN.DE

Wildblumen am Straßenrand


Keine Olympischen Winterspiele 2018

Eine Entscheidung für Bayern

Der 6. Juli war ein guter Tag für unsere Heimat. An diesem Tag hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) der Bewerbung für »München 2018« eine klare Absage erteilt. Und damit wertvolle Landschaft bewahrt.

… nicht verschandelt wie hier durch einen Speichersee für Schneekanonen.

D

er Bund Naturschutz hatte sich bereits 2009 nach vergeblichen Versuchen, die Münchner Bewerbung ökologischer zu gestalten, aus allen Bewerbungsgremien zurückgezogen und die vielen Ablehnungsgründe deutlich gemacht. Vor allem in und um Garmisch-Partenkirchen wären mehrere hundert Hektar wertvollste, touristisch attraktivste Landschaft zerstört worden. Ungefähr 2000 Bäume wären in München der Säge zum Opfer gefallen. Der viel gepriesene Bahnausbau von München nach Garmisch hätte gerade mal sechs Kilometer betragen, während für Straßenausbau über eine halbe Milliarde Euro vorgesehen waren. Das vom BN intensiv analysierte »Umweltkonzept« hatte seinen Namen nicht verdient, es war nichts anderes als der klägliche Versuch eines »Greenwashing«. Zudem hätte der Steuerzahler die Spiele mit vermutlich mehreren Milliarden Euro sponsern müssen. Der BN hat gemeinsam mit der Gesellschaft für ökologische Forschung, mit »Mountain Wilderness«, dem Deutschen Naturschutzring, weiteren Organisationen, Politikern wie Ludwig Hartmann (Grüne) und unzähligen Einzelakteuren intensiv die Öffentlichkeit informiert. Die Schwachpunkte der Winterspiele im Klimawandel wurden immer wieder dargestellt, und von Woche zu Woche wuchs die Unterstützung in der Bevölkerung. Neue Bündnisse entstanden, etwa mit den Grundeigentümern in Garmisch-Partenkirchen. Dort ging ein Bürgerentscheid gegen die Spiele mit 49,5 Prozent nur knapp verloren. Damit war allerdings der Beweis erbracht, dass die Bewerber mit ihrer Behauptung, 80 Prozent der Bevölkerung seien für die Spiele, von der Wahrheit weit entfernt waren.

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Die Autoren Christian Hierneis ist Vorsitzender der BNKreisgruppe München und Mitglied des BNLandesvorstands. Axel Doering ist Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Garmisch-Partenkirchen und Sprecher des BN-Arbeitskreises Alpen (s. Seite 4). Beide waren vom BN-Landesvorstand beauftragt, sich mit der Olympia­bewerbung zu befassen. Foto: Hamberger

Blumen statt Kanonen Wunderschöne Wiesen vor beeindruckenden Bergen – hier das Zugspitzmassiv: So sollen unsere Alpen ausschauen …

Im Kampf »David gegen Goliath«, gegen die geballte Macht einer Bewerbungsgesellschaft mit 33 Millionen Euro Etat – davon allein elf Millionen für Personalkosten – war unser ehrenamtlicher Einsatz so erfolgreich, dass wir meist die Deutungshoheit hatten. Das änderte sich erst zuletzt, als viele Medien auf einseitige Berichterstattung eingeschworen wurden und in den Jubelchor für die Bewerbung einstimmten. Dies setzt sich leider auch nach der krachenden Niederlage für »München 2018« fort. Einen großen Teil der Bevölkerung konnten wir jedoch mit unseren Sachargumenten überzeugen. Die Homepage www.nolympia.de, viele Pressemeldungen, unzählige Podiumsdiskussionen, eine ausführliche Stellungnahme zum Bewerbungsbuch, ein juristisches Gutachten zu den Verträgen und nicht zuletzt die ­Zusammenarbeit mit anderen Akteuren ließen uns unsere Argumente nach außen tragen. Im Nachhinein ist schwer zu sagen, wie groß unser Anteil an der überdeutlichen IOC-Entscheidung – 63 Stimmen für Pyeongchang, 25 für München – war; dazu beigetragen haben wir sicher. Unsere Freude ist nach unserem jahrelangen und letztlich erfolgreichen Einsatz natürlich groß. Und der wird weitergehen, sollte sich München wider jede Vernunft für 2022 oder später erneut bewerben und dabei wieder Ökologie und Klimawandel vergessen. Die Zeit für derart überzogene Großveranstaltungen ist abgelaufen. In Zukunft müssen die Spiele wieder einen ökologisch und ökonomisch verträglichen Rahmen erhalten. Dafür haben wir ein Zeichen gesetzt, und dafür werden wir uns weiter einsetzen. Christian Hierneis und Axel Doering

Foto: Roggenthin

Fotos: Doering

Engagement toppt Millionenetat


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Foto: Inkoferer

Donaufest: Zehn Jahre für einen freien Fluss Harsche Kritik übte der BN-­ Vorsitzende Hubert Weiger ­anlässlich des diesjährigen Donaufestes an den derzeitigen Untersuchungen zum Ausbau des Flusses. Wieder sei die Rhein-Main-Donau AG – und damit der Nutznießer eines möglichen Ausbaus – maßgeblich an dem Verfahren beteiligt. Die angestrebten objektiven Entscheidungsgrundlagen würden von einem Unternehmen, das seit Jahren einen Staustufenbau anstrebe, sicher nicht geliefert, so der BN-Vorsitzende. Nach nunmehr zehn Jahren ist das Donaufest, das die BNKreisgruppe Deggendorf zusammen mit der Spielvereinigung Niederalteich immer am

Himmelfahrtstag ausrichtet, Tradition. Mit Informationsständen und naturkundlichen Führungen wurden auch heuer Wert und Schönheit der frei fließenden Donau vermittelt; Führungen in die Basilika verdeutlichten die Jahrtausende währende Kultur in der Donauregion. Außerdem diskutierten Kommunalpolitiker mit BN und Publikum über die Ausbaupläne und die Chancen einer Anerkennung der niederbayerischen Donaulandschaft als Weltkultur- und Naturerbe. Weit über 1000 Donaufreunde kamen zu der Kundgebung mit Michal Ziesak (Verkehrsclub Deutschland), Christian Stierstorfer (LBV) und Hubert Weiger.

Der BN fordert einen sofortigen Stopp des Raumordnungsverfahrens zur Main-Spessart-Autobahn bei Würzburg und den Einstieg in eine umfassende Alternativplanung. Anlässlich der öffentlichen Anhörung hat der Verband Anfang Mai zusammen mit der regionalen Bürgerinitiative eine 80-seitige Stellungnahme gegen die autobahnähnlich geplante »B26n« eingereicht. Dazu erläuterte

der BN-Landesbeauftragte Richard Mergner: »Der Bau wäre eine ökologische Todsünde, ein Mil­ lionengrab für den Steuerzahler müsste gegen breiten Bürgerwiderstand durchgesetzt werden.« Kritisiert wurden in der Stellungnahme unter ­anderem der fehlende Verkehrsbedarf des Vorhabens, die unkalkulierbaren und unzumutbaren Belastungen für die ­Anwohner und den Na-

turhaushalt, aber auch die zahlreichen Planungsfehler und -defizite. Aus Sicht des BN sind damit die zentralen Voraussetzungen für eine raumordnerische Genehmigungsfähigkeit des Projekts nicht gegeben. »Wir hoffen, dass sich auch der Bauernverband vehement gegen den ­geplanten Landfraß zur Wehr setzt«, so BN-Regionalreferent Helmut Schultheiß.

Foto: Schultheiß

Main-Spessart Autobahn: Stoppt das Unsinnsprojekt!

JBN: Unterwegs in der Botanik

Foto: Aichholz

Blütenwunder und Hüttenzauber hieß es Anfang Juli wieder beim Arbeitskreis Alpen der Jungendorganisa­ tion Bund Naturschutz (JBN). 14 junge Leute nutzten die einsam im Chiemgau gelegene Sauebene-Hütte als Basislager für ihre Erkundungstouren rund um Heuberg und Kranzhorn. Drei

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Landschaftsplaner und ein Forststudent sorgten dafür, dass den jungen Naturschützern botanische Schönheiten wie die Große Sterndolde oder das Breitblättrige Knabenkraut nicht verborgen blieben. Beim Arbeitseinsatz, den Georg Binder von der BN-Kreisgruppe Nussdorf ­organisiert hatte, übte die

Gruppe praktischen Moorschutz und befreite ein ­kleines Niedermoor vom Fichtenwildwuchs. Das Abend­essen fiel thematisch passend aus: frische Brennnesseln und Giersch als Spinat­ersatz, dazu gab’s in Öl und Salz ausgebackene Stinkwurz-Chips.


Wasserschutz in Unterfranken: nicht nachhaltig

Foto: BN

Anlässlich des 7. Wasserforums der Regierung Unterfranken hat der BN Ende Juni mit einer Mahnwache auf die Wichtigkeit eines konsequenten Wasserschutzes aufmerksam gemacht. »Leider ist der Grundwasserschutz noch lange nicht so nachhaltig wie in der gestrigen Veranstaltung dargestellt«, kritisierte der stellvertretende BNLandesvorsitzende Sebastian Schönauer (Bild: vorne mitte). Gerade in der niederschlags­ armen Region nordöstlich von

Würzburg würden landwirtschaftliche Flächen zunehmend mit Grundwasser bewässert, was in Konkurrenz zur Trinkwassernutzung stehe und den Boden verschlämme. Auch die geplante Main-Spessart-­ Autobahn (B26n, s. Beitrag linke Seite) vertrage sich nicht mit dem Wasserschutz. Die vorgesehene Trasse gefährde 40 Hektar Wasserschutzwald und ­zerschneide wichtige Wasserschutzgebiete.

Geplanter Ausbau der A8: BN will Moratorium Der BN fordert, die Planungen für den Ausbau der A8 zwischen Rosenheim und der Landesgrenze auszusetzen, bis umweltschonendere Varianten objektiv geprüft wurden. Ein entsprechender Ausbauvorschlag

des Verbands und einiger Bürgerinitiativen war frühzeitig abgelehnt worden. Er sieht vier statt sechs Fahrstreifen, zwei Standspuren und ein Tempolimit vor. Ein echter Vergleich mit dem detailliert untersuchten

Maximalausbau sei so nicht möglich, kritisiert der BN-Landesbeauftragte Richard Mergner. Um die beschlossene Energiewende einzuleiten, muss nach Meinung des BN auch beim Verkehr umgedacht wer-

den. Ein maßvoller Ausbau der A8 kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten und hätte Signalfunktion weit über die betroffene Region hinaus.

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Der Weißdorn Gut für Herz und Gaumen: Der Weißdorn wird seit der Antike als Heilpflanze genutzt. Auch Gelee aus seinen Früchten ist sehr geschätzt.

Foto: privat

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Die Autorin Dr. Gertrud Scherf hat mehrere ­Pflanzenbücher verfasst.

ft in verschwenderischer Fülle schmückt der Weißdorn im Mai Hecken und Waldränder mit seinen weißen Blüten. Ihr fast betäubend wirkender Duft wird nicht von allen Menschen als angenehm erlebt, lockt aber Insekten wie Rüsselkäfer, Bockkäfer, Schwebfliegen, Bienen und Schmetterlinge an. Jetzt im Spätsommer röten sich die Weißdorn-Beeren, werden im September reif und bleiben oft noch bis zum Winter an den Zweigen – zur Freude von Vögeln und Säugern, etwa Feldhase oder Fuchs, die gern die kleinen Apfelfrüchte verzehren. Diese enthalten beim etwas später blühenden Eingriffeligen Weißdorn (Crataegus monogyna) einen, beim Zweigriffeligen (C. laevigata) zwei bis drei Steinkerne. Seit alten Zeiten ist der Strauch, der bisweilen auch baumartig werden kann, eng mit dem Menschen verbunden. Eine »Hagdorn«-Hecke galt als ein guter Schutz des Hauses, der durch seine spitzen Dornen

Weißdorn-Birnen-Gelee

Dieses herb-fruchtige Gelee schmeckt auf Semmeln, als Gebäckfüllung und auch zu Fleisch oder Käse.  ­300 g Weißdornfrüchte verlesen, waschen, in einem Topf mit Wasser bedecken und 12 Stunden stehen lassen. Im Einweichwasser zum Kochen bringen.  ­500 g Birnen waschen, vierteln, schälen, Kernhaus entfernen. In Stücke schneiden und zu den Weißdornfrüchten geben.  ­Weißdornfrüchte und Birnenstücke weich kochen. Saft durch ein Tuch abtropfen lassen, dieses am Ende des Abtropfvorgangs nur schwach ausdrücken, damit der Saft nicht trüb wird.  ­Saft abmessen und mit der gleichen Gewichtsmenge Zucker zum Kochen bringen. Einen Teelöffel Zitronensaft zugeben.  ­Flüssigkeit bis zur Gelierprobe (ein Tropfen auf einem kalten Teller erstarrt sofort) kochen. Gelee in vorbereitete Schraubdeckelgläser füllen und diese sofort verschließen.

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Natur + Umwelt BN-Magazin [3-11]

Buchtipp: Wildkräuter & Wildfrüchte

In ihrem neuen Buch zeigt unsere ­Autorin Gertrud Scherf, was die Natur jeden Monat neu an Köstlichem zu bieten hat und wie man daraus leckere Gerichte be­ reitet. BLV-Verlag, ISBN 978-3-8354-0718-3, Euro 14,95. Bestellen unter Tel. 0 91 23 - 99 95 70, info@service.bund-naturschutz.de

Zeichnung: Claus Caspari; BLV Buchverlag

Wildpflanzen im Portrait

wilde Tiere, böse Menschen und Geister abwehren sollte. Seit der Antike ist das Rosengewächs eine geschätzte Heilpflanze. Heute ist die Wirkung belegt und schulmedizinisch anerkannt: Zubereitungen aus Blüten, Blättern und Früchten werden bei Herzbeschwerden wie nachlassender Leistungsfähigkeit des Herzens, Altersherz oder leichten Herzrhythmusstörungen eingesetzt. Die rohen Früchte schmecken mehlig und fad; aus den »Mehlfässchen« entsteht aber, insbesondere gemischt mit Äpfeln, Birnen, Brombeeren oder Himbeeren, schmackhaftes und gesundes Kompott, Mus oder Gelee (siehe Kasten). Die getrockneten Früchte können einer Hausteemischung zugegeben werden. In Notzeiten hat man sie vermahlen unter das Brotmehl gemengt, aus den Steinkernen entstand Kaffee-Ersatz. Die Schösslinge wurden als Spazierstöcke genutzt. Eine christliche Legende erzählt sogar, der Weißdorn sei aus dem Wanderstab des Heiligen Josef entstanden. Im Sagenkreis um den keltischen König Artus versetzt die Fee Nimue den geheimnisvollen Zauberer Merlin unter einem Weißdornstrauch in ewigen Schlaf, nachdem sie ihm seine Geheimnisse entlockt hat. Der anspruchslose Weißdorn wächst an Wegrändern, in Gebüschen, Hecken und Wäldern. Zusammen mit anderen Sträuchern wie Schlehdorn, Hundsrose oder Hasel gehört er auch zu den typischen Arten des Waldrandes. Dieses Saumbiotop bietet Schutz vor Wind und Sturm, bildet Feuerbarrieren, kann als Übergangs- und Grenzbereich zwischen Wald und Offenland unterschiedliche Lebensraumansprüche befrie­ digen, ist deshalb artenreich und bedeutsam für ­wandernde Arten. Naturnahe Waldränder müssen geschützt werden – wie auch die anderen Strukturelemente des Waldes mit ihren je eigenen unverzichtbaren Leistungen und Wohltaten für die Allgemeinheit. Eine nachhaltige Bewirtschaftung und der Erhalt nutzungsfreier Wälder, wie sie der Bund Naturschutz fordert, dient dem Schutz des gesamten Waldnaturerbes.


Zu den gefährdeten Wesen des Moors gehört der fleischfressende Rundblätt­ rige Sonnentau (Drosera ­rotundifolia). Und zum Wesen des Moors ­gehört der Torf. Deshalb: Kein Torf­abbau für Gartenerde! Schützt die Moore und ihre Bewohner! www.bund.net/moore www.bund-naturschutz.de/ moore

Foto: Wolfgang Willner

Wesen des Moors


Neuer BN-Naturführer

Auf geht’s: Wandern im Steigerwald!

Foto: Stephan

Viele N+U-Leser haben mit ihrer Unterschrift »Ja zum Nationalpark Steigerwald« gesagt. Wer diesen herrlichen Wald gerne selbst erleben möchte, bekommt jetzt einen kundigen Wegbegleiter an die Hand: Ein neuer BN-Wanderführer erschließt die schönsten Naturschätze des Steigerwaldes. Wanderschuhe schnüren, losgehen, staunen!

Wald wie zu ­Urzeiten Wanderer sind ­begeistert von den teils uralten, un­ bewirtschafteten Wäldern. Viele haben solche Naturszenerien zuvor noch nie ­gesehen.

Wandertour ­ausgesucht… … aber es sind noch ein paar Tage hin? Wir stimmen Sie ein: mit einem ­virtuellen Waldspaziergang unter www.jazumnationalparksteigerwald. de.

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eun Touren bringen den Wanderer zu uralten Baumriesen, wildromantischen Schluchten, ­Wiesentälern, Burgruinen und Weinlokalen. Dazu gibt es viele Infos über Natur und Kultur der erwanderten Landschaften. Mit dem Naturwanderführer »Unterwegs zum Nationalpark Steigerwald« wirbt der Bund Naturschutz auch für einen besseren Schutz dieses fränkischen Wald­ naturerbes. Der Steigerwald birgt noch Inseln uriger Natur, in der die Bäume groß und mächtig werden, in Würde altern und sterben dürfen. Diese Urwaldreste sind der große Reichtum der Region: Natur zum Entdecken und Staunen. Mit dem neuen BN-Führer können Wanderer und Naturfreunde die Schätze selbst erkunden. Dazu hat der BN mit Unterstützung vieler Aktiver aus dem Freundeskreis Nationalpark Steigerwald neun Wandertouren im Oberen und Nördlichen Steigerwald zusammengestellt. Eine Vielzahl von Bildern und Informationen bringt dem Spaziergänger die

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Schätze am Wegesrand nahe. Ein Kapitel informiert über die Diskussion rund um den Nationalpark Steigerwald. Der BN bietet auch geführte Touren durch den Steigerwald an, die sich großer Beliebtheit erfreuen: Am 22. Mai – dem internationalen Tag der Artenvielfalt – beispielsweise

bestaunten rund 300 Naturfreunde aus ganz Bayern bei einer Reihe von geführten Wanderungen die Baumriesen des Steigerwaldes. Für Kinder gab es ein Familienprogramm mit Rätseln und Spielen. In Rücksprache mit dem Verkehrsverbund des Großraums Nürnberg ist es dem BN zudem gelungen, als neue Buslinie den »Steigerwald-Express« einzurichten. Seit Anfang Mai fährt die VGN-Freizeitlinie 990 in zwei Linien ab Hirschaid beziehungsweise Bamberg in den Steigerwald. Um den Menschen aus der Region konkret erlebbar zu machen, wie sich ein Nationalpark auswirken könnte, lud der BN Anfang Juni zu einer gemeinsamen Exkursion in den Nationalpark Hainich ein. Bei herrlichem Wetter wanderten 62 Teilnehmer zusammen mit dem Nationalparkleiter Manfred Großmann quer durch den Thüringer BuchenNationalpark, der das größte zusammenhängende nutzungsfreie Laubwaldgebiet Deutschlands bildet. Nach der Wanderung diskutierten die Teilnehmer mit Bürgern aus der Hainich-Region über Befürchtungen bezüglich der Ausweisung eines Nationalparks Steigerwald. Wie sich zeigte, bewegten die Menschen im Hainich vor der Einrichtung ihres Nationalparks ganz ähnliche Sorgen. Heute sind die Bewohner stolz auf ihren Nationalpark und wollen ihn nicht mehr missen. Ralf Straußberger (hl)

Steigerwald erleben: Tipps und Touren

Der Naturwanderführer »Unterwegs zum Nationalpark Steigerwald« bietet  neun ausführliche und bebilderte Tourenbeschreibungen  detaillierte Tourenkarten und eine Übersichtskarte  Infos zu kleinen und großen Besonderheiten am Wegesrand  Tipps zu Gastronomie und Übernachtung Jetzt bestellen: Für 5 Euro plus 1,50 Euro Versandkosten beim BN Service, Tel. 0 91 23 - 99 95 70, info@service.bund-naturschutz.de, www.service.bund-naturschutz.de. Wann und wo der BN geführte Wanderungen anbietet, erfahren Sie beim Freundeskreis Nationalpark Steigerwald, Tel. 0 95 53 - 98 90 42, info@freundeskreis-nationalpark-steigerwald.de, www.pro-nationalpark-steigerwald.de. Mehr Infos zu den Bus- und Bahnverbindungen gibt es unter www.vgn.de.


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achdem sich im Herbst 2009 ein Wolf in den bayerischen Alpen angesiedelt und daraufhin die regionale Presse wiederholt mit Überschriften wie »Der Wolf muss weg« Stimmung gemacht hatte, wollte die BN-Kreisgruppe Berchtesgadener Land das Bild des Wildtiers Wolf zurecht rücken. Ihr Anliegen war es, Kinder und Erwachsene über die vielen Vorurteile aufzuklären, die über den Wolf existieren, und zu zeigen, dass er auch in unse-

Foto: Ruchlinski

Bio-Bagger: Seit Anfang Mai 2011 gehören auch drei Wasserbüffel zum »Artenschutz- und Beweidungs-Projekt Jettenbach« der BNKreisgruppe Mühldorf. Sie stammen von einem Biohof bei Leipzig und sollen in Zukunft das rund zehn Hektar umfassende Niedermoor offen halten. Indem sie selbst Suhlen anlegen und sich im Sumpf wälzen, verhindern sie,

re Wälder gehört. Anlässlich des Internationalen Jahrs der Wälder 2011 beteiligte sich die Kreisgruppe im Mai an der Veranstaltung der Bayerischen Staatsforsten in Oberteisendorf mit dem Titel »Der Wald ruft«. Mit Präparaten von Wolf und Luchs – Leihgaben des Nationalparks Bayerischer Wald – informierten die BN-Aktiven die zahlreichen Besucher. Bei einem Quiz rund um Wolf und Luchs zeigten sich die meisten Kinder bestens informiert.

dass die Tümpel immer mehr verlanden. Mit ihrem typischen Verhalten – sozusagen als kleine BioBagger – helfen sie sogar, dass neue Tümpel entstehen. Die bisher eingesetzten Rinder (Galloways, Pinzgauer) haben sich zwar bewährt, doch werden die Tümpel für Amphibien durch ihren Tritt im weichen Boden im Laufe der Jahre immer kleiner. Die Kreisgruppe hofft, dass die Wasserbüffel die ­Tätigkeit der Rinder sinnvoll ergänzen. Weitere Infos: www.muehldorf.bund-naturschutz.de Moorzerstörung: Einer groben ­Naturzerstörung ist die BN-Kreisgruppe Miesbach vor wenigen

Foto: Schneider

Was mache ich, wenn mir ein Wolf im Wald begegnet? Und sind Wölfe wirklich gefährlich? Antworten auf diese Fragen bekamen die Kinder und Erwachsenen, die im Mai bei einer Aktion des Bundes Naturschutz in Oberteisendorf teilnahmen.

Keine Angst vorm Wolf Die Teilnehmer der BN-Veranstaltung waren sich einig, dass der Wolf auch in Bayern zu Hause ist. Gerade Kinder zeigten sich gut ­informiert über das Wildtier Wolf. Am Ende des Tages konnten sie die selbstgetöpferten Trittsiegel (kleines Foto) mit nach Hause nehmen.

­ ochen auf die Spur geW kommen: Die Firma Kathan baut ein Ausstellungsgebäude für Gebrauchtwagen mitten im Wiesseer Moor. Dafür hat sie beim zuständigen Landratsamt beantragt, die Grenzen des Landschaftsschutzgebiets zu verschieben. Die neuen Straßen, die für den Bau notwenig sind, würden dann durch das Hochmoorgebiet führen. Der BN kritisiert dieses Vorgehen, da dadurch wertvoller Naturraum verloren gehen würde. Das Moor ist zwar stark entwässert und locker bewaldet, der Moorkern aber noch typisch aufgewölbt. Um das Hochmoor zu er-

halten, wurde es vor wenigen Jahren renaturiert. Nur etwa zehn Meter westlich des Moorkerns wurde nun eine Spundwand eingelassen (Foto), die bis in sieben Meter Tiefe reicht. Daneben wurden bereits Pflanzen entfernt und der Moorboden abgegraben. Der BN hat sich an die verantwortlichen Stellen gewandt und um ­nähere Auskunft gebeten. Er will gegebenenfalls auch rechtliche Schritte gegen den Bau prüfen.

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NATURNOTIZEN AUS OBERBAYERN

Der Wolf ist Teil der Natur

Foto: Poser

Foto: Möthrath /fotolia.com

Kreisgruppe Berchtesgadener Land

So wussten viele, dass Wölfe sehr scheu sind und dass man sich im Wald sehr leise und vorsichtig bewegen muss, wenn man sie beobachten möchte. Die Kinder wussten aber auch, dass sich der Wolf durch laute Ansprache oder in die Hände Klatschen vertreiben lässt und dass die Körpersprache der Menschen sehr unterschiedlich auf die Tiere wirkt. Das Angebot von BN-Vorstandsmitglied Gertrud Flatscher, ein Trittsiegel von Wolf oder Luchs anzufertigen, nahmen die Kinder mit Freude an. Fast alle wählten dazu den Pfotenabdruck des Wolfs aus und lernten dabei, wie eine echte Wolfsspur aussieht. Besonders freuten sie sich, dass sie das fertige Siegel mit nach Hause nehmen durften. Am Ende nahmen alle noch an einer anonymen Umfrage teil. Dabei standen verschiedene Aussagen zur Auswahl. »Der Wolf ist Teil der Natur«, »er gehört zurück in unsere Wälder« und »er ist die Gesundheitspolizei des Waldes«, waren die häufigsten Meinungen. Besonderes Lob von den Teilnehmern bekamen auch die Infobroschüren des BN zum Thema Wolf und der BN-Ökotipp Wolfs-Begegnungen. Der Ökotipp ist erhältlich beim BN Service, Tel. 0 91 23 - 99 95 70. info@service. bund-naturschutz.de. Rita Poser (jtw)


Kreisgruppe Neumarkt

Heizt Du noch oder sparst Du schon?

Foto: Pfahl

Foto: Pfahl

Passivhäuser? Das sind schachtelförmige, futuristisch anmutende Neubauten – denken viele. Doch auch ältere Wohngebäude haben das Zeug zum Energiesparhaus.

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ass sich gerade bei Altbauten eine energetische Sanierung auch unter finanziellen Gesichtspunkten lohnt und dabei zu bezahlbaren Preisen fast Passivbaustandard erreichbar ist, das hat der Energiereferent und zweite Vorsitzende der BN-Kreisgruppe Neumarkt, ­Hubert Pfahl, eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Appell: Ende März hat die Kreisgruppe Cham die Ausweisung eines etwa 20 Hektar großen Naturschutzgebietes an den Kaitersberg-Felshängen östlich von Bad Kötzting beantragt. Der wertvolle Artenbestand – zu finden sind unter anderem Luchs, Wander­ falke und eines der letzten Vorkommen des Krausen Rollfarns in Deutschland – und der zunehmende Nutzungsdruck durch Sportkletterer machen eine klare Prioritätensetzung erforderlich. Der BN appelliert an die Regierung der Oberpfalz, möglichst bald ein Unterschutzstellungsverfahren einzuleiten.

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Foto: Kimmerl

NATURNOTIZEN AUS DER OBERPFALZ

Gut verpackt Mit einer guten Dämmung und den richtigen Fenstern wird der zugige Altbau zum energieeffizienten ­Gebäude.

Bei der im Jahr 2008 ohnehin ­ nstehenden Sanierung seines Reia henhauses (Baujahr 1965) hat er 35 000 Euro zusätzlich in die Dach-, Wand- und Garagentordämmung investiert. Außerdem wurden Passivhausfenster sowie eine kontrollierte Lüftung mit Wärme- und Feuchterückgewinnung eingebaut und die Heizung auf Wärmepumpe umgestellt. Nach nur acht Jahren wird sich diese Investition durch erhebliche Einsparungen bei den Heizkosten amortisiert haben, da seit der Sanierung nur noch 884 Euro pro Jahr statt bisher 2500 Euro pro Jahr für 170 Quadratmeter Wohnfläche anfallen. Durch den Stromüberschuss der Fotovoltaikanlage mit einer maximalen Leistung von sieben Kilowatt (Kilowatt Peak) und einem Gesamtertrag von 6900 Kilowattstunden pro Jahr ist das Haus ein sogenanntes Energieplushaus. Wesentlich erleichtert wurden die Zusatzinvestitionen durch günstige Kredite der KfW-

Erinnerung: Am Ostermontag versammelten sich auf Einladung der BN-Kreisgruppe Schwandorf und weiterer Organisationen fast 300 Atomkraftgegner beim »Franziskus-Marterl« am ehemaligen Baugelände der Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) Wackersdorf. 25 Jahre nach Tschernobyl und we­ nige Monate nach Fukushima erinnerten sie an den erfolgreichen Widerstand gegen die WAA, ge-

Natur + Umwelt BN-Magazin [3-11]

Bank. Wer heute über eine ähnliche Maßnahme nachdenkt, kann sogar noch zusätzlich von einem Zuschuss der Stadt Neumarkt aus dem Sanierungsprogramm »Faktor 10« profitieren. Verdienter Lohn der beispielgebenden Initiative: der erste Preis in einem Wettbewerb für energetische Sanierung der Sparkasse Neumarkt und die Nominierung in einem bundesweiten Wettbewerb des Bundeswirtschaftsministeriums, beides im Jahr 2010. Das Konzept des »Altbau-Passivhauses« soll im Herbst Altbaube­ sitzern auf einem BN-Seminar im Landkreis Neumarkt vorgestellt werden. Fazit: Die Energiewende ist machbar – auch und gerade bei Altbauten! Interessenten können sich das Haus nach telefonischer Anmeldung anschauen: Hubert Pfahl,  Tel. 0 91 81-4 58 71, hubert.pfahl@ t-online.de.

dachten der Opfer der atomaren GAUs und forderten den konsequenten Ausbau der Erneuerbaren Energien. Wilder Westen: Im westlichen Landkreis Neustadt a. d. Waldnaab erfuhr der BN im April von ille­ galen Bauschuttablagerungen in ausgebeuteten Kiesgruben. Die Ablagerungen zerstörten – nach Ansicht des BN vorsätzlich – geschützte Lebensräume von Kreuzotter, Laubfrosch und Knoblauchkröte. Jürgen Holl, Leiter der BN-Geschäftsstelle Neustadt/ Waldnaab-Weiden, bemühte sich 

mit der Polizei darum, die dreiste Natur­zerstörung aufzuklären. Die Verursacher konnten ermittelt werden. Auftakt: Mit einer musikalischen Reise durch das Gartenjahr ist ein gemeinsames Gartenprojekt von Bildungswerk und BN-Kreisgruppe Regensburg gestartet (s. N+U 2-2011). Bis zum Sommer gibt es im BN-Naturgarten Informationen zur Gartengestaltung, Mitmachaktionen für Kinder und jede Menge Austausch für »Gartler«. Schulungen für Multiplikatoren finden ab September im Garten und auf Anfrage gerne auch in Kindergärten, Horten und Schulen statt.


Foto: Konopka

Einzigartige Teichlandschaften: Die BN-Kreisgruppe Höchstadt-Herzogenaurach setzt sich seit 40 Jahren erfolgreich für den Schutz des Mohrhofgebietes im nördlichen Mittelfranken ein. Anlässlich des Jubiläums besuchte Ende April der BN-Landesvorstand das heutige Naturschutzgebiet (Bild). Das Bestreben, die einzigartigen Teichlandschaften zu schützen, war 1971 der Anlass für den späteren Vorsitzenden Walter Spiegler und einige weitere Naturfreunde, die Kreisgruppe ins Leben zu rufen.

Kreisgruppe Ansbach

InterFranken: Quo Vadis?

Seit 2006 kämpfen der BN und ein lokales Bürgerforum gegen das ­geplante riesige Sondergebiet für Industrie- und Logistikbetriebe im Wörnitztal. Weil die Befürworter des Projekts bisher jeden Dialog ­verweigerten, kommt es nun zur gerichtlichen Auseinandersetzung. verkommen. Die damit vorprogrammierte Eskalation hin zur gerichtlichen Auseinandersetzung ist das Resultat einer jahrelangen Dialogverweigerung. Die lokale Politik hat einfach nicht wahrhaben wollen, dass auch im ruhigen ländlichen Raum Frankens Bürger zum Schutz der Umwelt verantwortlich und konsequent handeln würden. Ende Mai reichte der Bund Naturschutz einen Normenkontrollantrag gegen den Industrie- und Gewerbepark InterFranken beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof ein. Wolfgang Baumann, Fachanwalt für Verwaltungsrecht, beurteilt die

Jubiläum: »Es wird einen wesentlich rascheren Atomausstieg geben, als ihn die ehemalige rot-grüne Regierung festgelegt hat«, verkündete Hubert Weiger Anfang Mai den etwa 200 Festgästen beim 40-jährigen Jubiläum der Kreisgruppe Ansbach. Der BN-Landesvorsitzende war gerade von einem Treffen der Verbände mit der Kanzlerin Angela Merkel zurückgekehrt. Zuvor hatte der BN-Kreisgeschäftsführer ­Helmut Altreuther die Geladenen auf eine Zeitreise mitgenommen, die 40 Jahre Naturschutzarbeit der Kreisgruppe dokumentierte.

Chancen der Kläger als günstig. »Es wurden zahlreiche Abwägungs­ fehler gemacht. Das Projekt InterFranken kann rechtlich keinen Bestand haben!« Ohne den Mut der BN-Mitglieder und vieler lokaler Bürger a ­ llerdings wäre die Schöpfung wieder einmal schutzlos einer sinn­losen Verwüstung preisgegeben worden. Einer Zerstörung, die auf der Basis überholter wirtschaftspolitischer Grundsätze auf Masse und nicht auf Qualität setzt. Dr. Herbert Sirois (ht)

Keine Südumfahrung: Die BNKreisgruppe Erlangen begrüßt das mögliche Aus für die Umfahrung Buckenhof-Uttenreuth-Weiher. Nachdem der Gemeinderat Uttenreuth bezüglich der Planungen zu keinem Beschluss fand, sammelten die Bürger die nötigen Unterschriften für ein Bürgerbegehren zur Ablehnung der Umfahrung. Der BN unterstützt diese Initiative und fordert die Verantwortlichen auf, die Hürden für den Bau einer Stadt-Umlandbahn aus dem Weg zu räumen. Gegen GVO: Das Bündnis »Zivilcourage Roth/Stadt Schwabach« demonstrierte im Mai 2011 am

­ other Marktplatz lautstark gegen R die genetische Verunreinigung von Saatgut (Bild). Weitere Kritikpunkte waren die diesbezügliche europäische Gesetzgebung und der starke Einfluss von GentechnikLobbyisten auf die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Der Landkreis Roth hat sechs seiner Gemeinden und die Stadt Schwabach ihre gemeindeeigenen Flächen zur gentechnikfreien Zone erklärt.

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NATURNOTIZEN AUS MITTELFRANKEN

Foto: Konopka

em Diktum folgend, man müsse nur genügend Fläche zubetonieren, um Arbeitsplätze zu schaffen, sollen im Wörnitztal insgesamt etwa 250 Hektar versiegelt werden. Nachdem Anfang des Jahres ein Bauleitverfahren zum ersten Bauabschnitt gegen eine Flut von Bedenken und mit hohem Druck durchgepeitscht wurde, glaubten sich die InterFranken-Lobbyisten am Ziel ihrer Träume. Dass trotz Planungskosten in Millionenhöhe bis heute weder ein schlüssiger wirtschaftlicher Nutzungsentwurf noch ein verantwortungsvolles Verkehrskonzept, eine zukunftsorientierte Ressourcenpolitik oder ein nachhaltiges Flächenmanagement vorliegen, stört die Befürworter nicht. Das Projekt ist längst zu einem Prestigeobjekt des Rechthabens der politisch Verantwortlichen

Foto: Tschapka

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Ländliche Idylle? Wenn es nach dem Willen der InterFranken-Lobbyisten geht, liegt der Ort Zumhaus bald ­inmitten eines 250 Hektar großen Sondergebietes für Logistikbetriebe.


Kreisgruppen in Schwaben

Führerschein für den Energieverbrauch

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Foto: Kubutsch

NATURNOTIZEN AUS SCHWABEN

ie heutige Kindergeneration wird gezwungen sein, anders mit Energie umzugehen, als das die letzten Generationen der Fall war. Um Kinder für diese große Heraus-

Sofort Abschalten: 10 000 Teilnehmer forderten am Ostermontag in Günzburg auf einer vom BN mitorganisierten Demo die sofortige Abschaltung des Atomkraftwerks in Gundremmingen. Wegen seiner Größe und des Bautyps ist es besonders gefährlich. Um über diese Risiken aufzuklären und um Hintergrundinformationen zu diesem letzten Siedewasserreaktor Deutschlands zu geben, hat der BN einen Flyer erstellt. Erhältlich im Internet unter www.bund-naturschutz.de/energie oder bei der

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forderung des 21. Jahrhunderts zu sensibilisieren, hat die BN-Ökosta­ tion Schwaben zusammen mit dem Energie- und Umweltzentrum Allgäu »eza!« ein Umweltbildungsprojekt gestartet. Im März und April dieses Jahres wurden dafür 15 BNAktive aus den Kreisgruppen

BN-Fachabteilung München,  Tel. 0 89-54 82 98 63, fa@bundnaturschutz.de

penvorsitzende Lothar Büch nahm den Preis von Landwirtschaftsminister Helmut Brunner entgegen.

14 000 Euro Stromkosten. Infos unter: www.klarton.de/nachtabschaltung.pdf

Ökomärkte: Auch 2011 finden in Roggenburg im Landkreis NeuUlm und in Meitingen im Landkreis Augsburg wieder die von BNKreisgruppen organisierten Ökomärkte statt. In Roggenburg werden am 17. September und in Meitingen am 18. September Anbieter mit ihren Bioprodukten aus der Region dabei sein. Den Meitinger Ökomarkt zeichnete die Landesvereinigung für Ökologischen Landbau im vergangenen Jahr als schönste Veranstaltung der ÖkoErlebnistage aus. Der BN-Ortgrup-

Nachtabschaltung: Nach inten­ siver Überzeugungsarbeit beim Gemeinderat in Ottobeuren und bei besorgten Bürgern konnte der stellvertretende BN-Kreisvorsitzende aus dem Unterallgäu und Ottobeurer Umweltreferent Helmut Scharpf die Nachtabschaltung der Straßenlampen im Ort zwischen ein und fünf Uhr erreichen. Die Maßnahme, die in vielen baden-württembergischen Gemeinden üblich ist, spart dem Markt Ottobeuren jährlich etwa 100 000 Kilowattstunden Strom und über

Jahr der Wälder: Die BN-Ortgruppe Kaufbeuren hat zusammen mit der Volkshochschule und dem Stadtjugendring ein umfangreiches Exkursions- und Veranstaltungsprogramm zum Internationalen Jahr der Wälder 2011 zusammengestellt. Erhältlich bei der BNKreisgruppe Ostallgäu / Kaufbeuren, Tel. 0 83 41-1 22 50, bn-kgoal@gmx.de, oder im Web unter www.ostallgaeu-kaufbeuren. bund-naturschutz.de

Natur + Umwelt BN-Magazin [3-11]

Foto: BMELV

Energieerzeugung im Test Beim BN-Umweltbildungsprojekt an schwäbischen Schulen lernen die Kinder einen verantwortungsvollen Umgang mit Energie kennen.

Foto: Kubutsch

In sechs schwäbischen Kreisgruppen machen rund 1000 Kinder der dritten bis fünften Klasse dieses Jahr mit dem Bund Naturschutz ihren Energieführerschein. Dabei lernen die Schüler auch, wie viel Energie sie Tag für Tag selbst verbrauchen.

Aichach-Friedberg, Günzburg, Kaufbeuren-Ostallgäu, KemptenOberallgäu, Lindau und Memmingen-Unterallgäu zu so genannten Umweltbildnern ausgebildet. Gemeinsam mit ihnen können Schulkinder nun einen Energieführerschein machen. Ziel des Projekts ist es, Schul­ kinder in drei Unterrichtseinheiten mit den Themenfeldern Energieund Klimaschutz vertraut zu machen. Die Schüler erfahren dabei, was Energie eigentlich ist, wie sie erzeugt wird und was sie mit dem Klima zu tun hat. Um den Energieführerschein zu bekommen, müssen sie aber auch wissen, wie jeder Einzelne im Alltag Energie sparen kann – ob im Verkehr, beim Heizen oder beim Gebrauch der vielen elektrischen Geräte im Haushalt. Damit das Ganze für die Teilnehmer nicht nur Theorie bleibt, lernen sie während des Projekts ihren eigenen Energieverbrauch zu ermitteln. Und so nimmt beispielsweise beim Messen des Stromverbrauchs an einem Haushaltsgerät oft auch die ganze Familie teil und bekommt Tipps zum Energiesparen. Da der BN mit dem Projekt großes Interesse bei Schulen, Eltern und Kindern wecken konnte, ist geplant, es im nächsten Jahr noch auszuweiten. Thomas Frey (jtw)


Kreisgruppe Kulmbach

Beweg’ Dich mal im Weißmaintal!

Nach zwei Jahren war es wieder so weit: Der Weiße Main zwischen Trebgast und Kauerndorf diente Mitte Mai dem zweiten autofreien Sonntag als prächtige Kulisse. Entlang der Strecke boten Vereine, Verbände und Gewerbetreibende aus der Region und das Landratsamt Kulmbach ein buntes Programm.

Streitpunkt Gewerbegebiet: Geht es nach Planungen des Marktes Ebensfeld, soll nördlich der Ortschaft ein 22,7 Hektar großes Gewerbegebiet ausgewiesen werden. Ebenso geplant ist eine Anbindung an die Staatsstraße 2197 zwischen

Ebensfeld und Unterneuses. Bei einem Ortstermin zeigten Vertreter der BN-Kreisgruppe Lichtenfels Mitte April die Dimension des geplanten Eingriffes auf. Mit einem als Geschenk verpackten Glaskästchen voll Erde und Getreidekeimlingen wiesen die Naturschützer darauf hin, dass der fruchtbare

Foto: Bieg

Mahnwache: In der Hofer Altstadt liegen Menschen regungslos am Boden (Bild). Bei den Passanten macht sich Ratlosigkeit breit: »Was machen die denn da?« Die Auf­ lösung: Die Aktiven der BN-Kreisgruppe Hof demonstrieren, wie viele Tote und Verletzte es durch die Katastrophe in Japan auf der entsprechenden Fläche gab. Das Szenario spielte sich Ende April im Anschluss an eine Mahnwache der BN-Kreisgruppe Hof ab. Diese fanden ab 11. März 2011 bis in den Juli regelmäßig jeden Montag am Kugelbrunnen statt.

Umzug: Strahlende Gesichter gab es Mitte März bei der ­Eröffnung der neuen Geschäftsstelle der BN-Kreisgruppe Bamberg in der Kapuzinerstraße 12. Sie wurde mit einer kleinen Feier eingeweiht und hat sich schon nach wenigen Wochen zu einer zentralen Anlaufstelle für Fragen rund um das Thema Umwelt entwickelt.

Bayreuth die Fränkische Schweiz und das Nürnberger Land erreichen. An diesem einen Tag wird die Lücke zwischen Trebgast und Kauerndorf geschlossen, und dem Radler sind keine Grenzen mehr gesetzt. Wolfgang Schenker (ht)

Brand gelöscht! Ob sportlich oder eher gesellig: Auf den angenehm ­ruhigen Straßen kamen alle Besucher des autofreien Sonntags sichtlich auf ihre Kosten.

Boden ein wertvolles Geschenk ist, das man nicht zerstören darf (Bild). Jetzt umsteigen: Die Tür hin zu einer AKW-freien Zukunft kann jeder Verbraucher selbst öffnen. Wie, darüber informierte die BNKreisgruppe Kronach Ende April zusammen mit anderen Umweltverbänden und politischen Parteien. Gemeinsam erläuterten sie die unkalkulierbaren Risiken der Atomkraft und empfahlen, auf atomstromfreie Angebote umzusteigen. Neben den regelmäßigen Montagsmahnwachen wurde so ein kleiner Grundstein für eine atomenergiefreie Zukunft gelegt.

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NATURNOTIZEN AUS OBERFRANKEN

beitet und gibt der Aktion den stimmigen Rahmen. Und nicht zuletzt heißt es am autofreien Sonntag: »Oberfranken einig Radfahr-Land«. Denn von Kauerndorf aus führen Radwege nach Westen in Richtung Bamberg und weiter bis zum Main, nach Osten ins Fichtelgebirge mit Anschluss an die Tschechische ­Republik und nach Norden in den Frankenwald. Von Trebgast aus ­lassen sich mit dem Fahrrad über

Foto: Scharfenberg

uch der BN sorgte für gute Laune und servierte den Radlern leckere »Weideburger« aus dem Projekt »Weidewelt im Frankenwald«, Bier und Musik. Weiter präsentierte die Kreisgruppe Peter Hofmanns Kinderzirkus und stellte seine Umweltschule »SchlöNZ« vor. Der autofreie Sonntag im Weißmaintal geht zurück auf eine Initiative von Roland Ramming und Wolfgang Schenker von der BN-Kreisgruppe Kulmbach. Sie wurden vor drei Jahren beim Landrat KlausPeter Söllner vorstellig und rannten dort offene Türen ein. Auch die ­Gemeinden Ködnitz und Trebgast konnten ins Boot geholt werden, und nach gut einem Jahr intensiver Vorbereitung startete im Mai 2009 der erste autofreie Sonntag und wurde ein voller Erfolg. Das Gelingen der Initiative beruht auf drei Säulen: Erstens gehört der Tag den Vereinen, den Gewerbetreibenden und den Gastronomen an der Strecke und lebt von deren Engagement. Zum Zweiten steht der Aktionstag unter dem Motto »Bewegung, Gesundheit und Energie«. Das dazu passende Programm wird federführend von Ingrid Flieger aus dem Landratsamt Kulmbach erar-

Foto: Schenker

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Foto: Isberner

Schön nachhaltig Mit seiner modernen Architektur und den 44 Solarmodulen auf dem Dach ist das »Ökohaus« in Würzburg Hingucker und motivierendes Praxisbeispiel zugleich.

Kreisgruppen Würzburg, Rhön-Grabfeld und Bad Kissingen

Unterfranken – Vorbild beim Klimaschutz

Vielerorts wird von der Energiewende geredet – in Unterfranken ist sie bereits im Gange. Beispiele aus den Kreisgruppen zeigen, wie der Anfang in der eigenen Kommune gelingt.

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Ausgezeichneter Ökomarkt: Ende Mai hat die BN-Kreisgruppe Aschaffenburg gemeinsam mit dem Archäologischen Spessart­ projekt e.V. den Agenda-21-Preis der Stadt erhalten. Der Preis würdigt Projekte, die in herausragender Weise den Gedanken der Nach­haltigkeit berücksichtigen. Der Ökomarkt wirbt mit seinem vielfältigen Angebot sehr erfolgreich für umwelt- und klima­ freundlich produzierte Produkte. Vorbildliches Engagement: Mit dem erstmals verliehenen »Grünen Engel« hat der bayrische Umweltminister Markus Söder Ende Mai neben dem stellvertretenden

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kann, zeigte die BN-Kreisgruppe Würzburg bereits 1990 bei der Landesgartenschau in der eigenen Stadt. Das als Niedrigenergiehaus konzipierte »Ökohaus« mit 44 Solarmodulen zur Warmwasser- und Stromerzeugung war nicht nur während der Landesgartenschau der Publikumsmagnet, sondern auch motivierendes Anschauungsobjekt

Foto: StMUG Bayern

NATURNOTIZEN AUS UNTERFRANKEN

ass ein kurzfristiger Ausstieg aus der Atomenergie notwendig, ohne Engpässe in der Stromversorgung möglich und mit einer Förderung der Sonnenenergie koppelbar ist – das haben die deutschen Umweltverbände schon 1986 auf dem ersten Deutschen Umwelttag in Würzburg klar gemacht. Wie die Energiewende konkret aussehen

BN-Landesvorsitzenden Sebastian Schönauer auch den Ersten Vorsitzenden der BN-Ortsgruppe Versbach, Alfred Schäflein (Bild), ausgezeichnet. Er würdigte damit deren jahrelangen ehrenamtlichen Einsatz im Naturschutz. Schäflein engagierte sich über Jahrzehnte in der Naturschutzwacht und im ­Naturschutzbeirat der Stadt Würzburg, hat 1980 die Ortsgruppe Versbach gegründet und im Kreis-

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bei Bildungsveranstaltungen der Kreisgruppe. Es entfaltete damit Initialwirkung weit über Unterfranken hinaus. Ähnlich innovativ und beispielgebend waren die auf Initiative der BN-Kreisgruppe Rhön-Grabfeld ­realisierten Kooperationsprojekte. Schon seit 2001 liefert eine von der Kreisgruppe mitfinanzierte Foto­ voltaikanlage mit einer maximalen Leistung von 2,88 Kilowatt Peak (kWp) auf dem Dach der evangelischen Christuskirche in Bad Neustadt jährlich etwa 2600 Kilowattstunden und erspart so der Umwelt rund 1,4 Tonnen CO2. Über die Einnahmen aus der Einspeisevergütung konnte der BN vor fast fünf Jahren auf dem Dach des Bauhofs in Bad Königshofen eine Bürgersolaranlage mit 12,5 kWp mitfinanzieren. Zudem ist er an einer Genossenschaft beteiligt, die 2009 auf dem Dach des evangelischen Kindergartens in Bad Neustadt eine Anlage mit 8,1 kWp errichtet hat. In diesem Zusammenhang muss auch das bayernweit vorbildliche Projekt »Wärmebildkamera« der Kreisgruppe Bad Kissingen erwähnt werden (siehe N+U 2-2010). In Unterfranken gilt also schon seit über 20 Jahren: Der BN fordert nicht nur die Energiewende, er leistet auch einen aktiven Beitrag dazu. Helmut Schultheiß (ht)

gruppenvorstand mitgearbeitet, sich aber auch 1986 beim ersten Deutschen Umwelttag viele Verdienste erworben. Widerstand: Bei einem gemeinsamen Pressetermin haben die BN-Kreisgruppe Bad Kissingen und Mitglieder einer Bürgerinitiative Anfang Mai wieder gegen die bei Rannungen geplante Schweinemastanlage protestiert. Mit dem Standort im Wasserschutzgebiet und der angestrebten Grundwasserentnahme von 50 000 Kubik­ metern pro Jahr wären unkalkulierbare Risiken auch für die überörtliche Trinkwasserversorgung

verbunden. Zudem müsste auf 219 Hektar Ackerland die Gülle der 4300 Schweine entsorgt werden. Eine »Riesensauerei«, die in einem amtlichen Nitratsanierungsgebiet nichts zu suchen hat. Gegen Dimilin: Auch im Frühjahr 2011 sind vor allem in Unterfranken wieder über 2000 Hektar Wald mit dem Pflanzenschutzmittel D­imilin begiftet worden. Ignoriert wurde damit die Forderung des BN, auf den Gifteinsatz zu verzichten, bis die langfristigen Auswirkungen auf Menschen, Tiere und Umwelt detailliert untersucht sind.


Bund Naturschutz als Motor der Energiewende

Fotos: Jans

Die im Juni von der Bundesregierung beschlossene Energiewende hat in Geisenhausen schon lange zuvor begonnen – dank dem Einsatz des Bundes Naturschutz. In der Solarbundesliga steht die Gemeinde sogar auf einem Spitzenplatz bei den Kleinstädten.

Foto: Veicht

ährend der mit Fotovoltaik erzeugte Stromanteil bundesweit bei etwa drei und bayernweit bei 8,5 Prozent liegt, beträgt er in Niederbayern rund 26 Prozent und liegt damit über dem bundesweiten Anteil an Atomstrom. Dass dies in einzelnen Gemeinden noch weit übertroffen werden kann, zeigt die Gemeinde Geisenhausen im Landkreis Landshut. Der BN hat dazu in den vergangenen zwanzig Jahren verschiedenste Aktionen ­organisiert.

Klimabotschafter: Die BN-Ortsgruppe Kollbachtal hat im April gemeinsam mit der Schülerorganisation »Plant for the Planet« eine ganztägige Schülerakademie an der Haupt- und Realschule Arns­ torf veranstaltet. 52 Schüler aus dem Landkreis RottalInn wurden zu »Kli­ mabotschaftern« ausgebildet. Anlässlich

»Die Fotovoltaikanlagen mit ­ ahezu 8000 Kilowatt und zwei Bion gasanlagen produzieren bereits heute etwa 50 Prozent des gesamten Stromverbrauchs im Gemeindegebiet – ein Meilenstein auf dem Weg, bis 2020 energieautark zu werden«, betont Herbert Jans, der Vorsitzende der BN-Ortsgruppe. Als der Gemeinderat von Geisenhausen einen Mehrheitsbeschluss gegen eine Laufzeitverlängerung des Atomkraftwerks Isar 1 fasste, stellte die Ortsgruppe im Herbst 2010 einen

des internationalen Jahrs der Wälder pflanzten sie auf dem Schul­ gelände 80 Bäume und Sträucher, darunter auch Elsbeeren, den Baum des Jahres 2011. Ihre Botschaft: »Stop talking. Start planting.«. Weitere Infos: www.rottalinn.bund-naturschutz.de Umweltpreis: Der diesjährige Umweltpreis des Landkreises Passau ging an das Projekt »Mobile Saftpresse«, das der BN-Kreisvorsitzende Karl Haberzettl (Bild rechts) zusammen mit mehreren Gemeinden sowie privaten Investoren ­ und Mitteln aus dem Leader-Programm im Herbst 2009 auf die Beine gestellt hat. Ende Mai über-

Energiewende in Geisenhausen Den Kindergarten in Geisenhausen versorgt eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach mit Energie (großes Foto); alte Heizungspumpen wurden durch hoch effiziente ersetzt (im Bild: Installateur Karl Meyer und Herbert Jans) – zwei Beispiele, wie der BN die Energiewende praktisch voranbringt.

bieten, das Obst direkt vor Ort zu verwerten. Die Nachfrage nach der mobilen Saftpresse war enorm.

Foto: Landratsamt Passau

W

Antrag mit dem Titel »Erneuerbare Energien brauchen keine Brücken«. Darin forderte sie unter anderem, dass die Gemeinde schnellstmöglich auf Atomstrom verzichtet, dass alle ab 2012 geplanten öffentlichen Gebäude einen Niedrigenergiestandard haben sollen und dass Standorte für Windkraftanlagen gesucht und ausgewiesen werden. Mit kleinen Änderungen stimmte der Gemeinderat im Frühjahr 2011 diesem Antrag zu, freut sich Jans. Nicht zuletzt seinem mehrjährigen Engagement ist zu verdanken, dass das Geisenhausener Freibad seit 2003 ausschließlich mit Solarenergie beheizt wird. Auch der Bau einer Bürger-Solaranlage auf dem Dach des Kindergartens im Jahr 2006 hat Jans umgesetzt. Sehr erfolgreich war außerdem die von der Ortsgruppe angeregte Pumpenaustauschaktion, bei der in kürzester Zeit mehr als 100 alte Heizungspumpen durch Hocheffizienzpumpen ersetzt wurden. Wie diese Beispiele zeigen, kann der BN vor Ort viel bewegen und die Gemeinden dabei unterstützen, die Energiewende voranzubringen und damit Atomkraftwerke sowie die Stromerzeugung aus fossilen Energien überflüssig zu machen. Kurt Schmid (jtw)

gab Landrat Franz Mayer (Bild links) die Auszeichnung. Ziel des Pro­jektes ist es, den Erhalt von Streuobstwiesen zu fördern und Wiesenbesitzern mit eigenen ­Apfelbäumen eine Möglichkeit zu

Vielfalt erleben: Am 22. Mai, dem bundesweiten Aktionstag zum internationalen Jahr der Wälder hat die BN-Kreisgruppe Straubing eine Exkursion zu den Nagelsteiner Wasserfällen in den Wäldern bei St. Englmar veranstaltet. Die BNAktiven erklärten den Teilnehmern der Exkursion vor Ort die Bedeutung der biologischen Vielfalt für die Stabilität der Waldökosysteme. Sie zeigten unter anderem, welche besondere Rolle dabei die abgestorbenen Bäumen und das Totholz spielen.

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NATURNOTIZEN AUS NIEDERBAYERN

Kreisgruppe Landshut


Gartler aufgepasst! Das BN-Umweltbildungsprojekt »Garten für alle« läuft weiter (vgl. N+U 2-11). Angebote auch für Gruppen, Schulen oder Kindergärten. Kontakt: bildungswerk@ bund-naturschutz. de

nter dem Motto »Bewährtes neu entdecken« präsentiert der Bund Naturschutz auf der Mainfrankenmesse eine Bio-Schauküche. Eine Woche lang wird geschnipselt und geschält, gekocht und gekostet. Zudem lernen die Besucher Lebensmittel kennen, die es zwar schon lange gibt, die aber kaum bekannt sind: altbewährte Gemüsesorten, Äpfel, Birnen und Quitten aus Streuobstanbau, Getreide- und Hülsenfrüchte. Auch die unterfränkischen Streuobstinitiativen stellen ihre Arbeitsweise und ihre Produkte vor. Wer erntefrische Äpfel und Birnen aus dem eigenen Garten mitbringt, kann die Obstsorte von Experten bestimmen lassen oder Rat rund um das Thema Streuobst ­einholen. Für Kinder gibt es eine Naturwerkstatt, bei der Jungen und

Mädchen Naturmaterialien wie Kasta­nien, Blätter, Rinde oder Weinkorken zu Puppenfiguren, Schiffchen und Blätteralben oder einem Naturmemory stecken, flechten, kleben und biegen. Ein Ideenpool für Eltern und Pädagogen! Schauküche und Produktvorstellung sind eine Kooperation des BN mit dem Hotel- und Gaststättenverband, Slow Food, dem Bauernverband und weiteren Partnern. Bei der Bio-Schauküche entstehen eine Rezeptbroschüre und eine Info­ mappe »Streuobst in Unterfranken«. Die Publikationen sind kostenlos zu beziehen bei der BN-Kreisgruppe Würzburg.  Würzburg, 1. bis 9. Oktober 2011 Kontakt: BN-Kreisgruppe Würzburg, Tel. 09 31- 4 39 72, info@bn-wuerzburg.de

Kommunikation für Naturführer

Foto: Stephan

Vom Sprechen, Führen und Verführen

F

ührungen in die Natur gibt es zuhauf, im Angebot sind Nachtigallenwanderungen und Fledermausnächte, Schmetterlingsexkursionen und Kräuterkurse. Aber reichen Arten- und Ortskenntnis aus? – Jede Führung ist mehr als Wissensvermittlung, sie ist immer auch ein Angebot zur Kommunikation.

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Für Natur- und Gästeführer, Freiberufler in der Umweltbildung und alle, die die eigene Präsenzfähigkeit steigern wollen, bietet das BN-Bildungswerk ein Kommunikationstraining mit Storyteller Günter Geisler an. Mit Methoden aus der Theaterarbeit lernen die Teilnehmer spielerisch ihre Körpersprache an die jeweilige Situation anzupassen und die Sicherheit beim Auftreten zu verbessern. Es gilt, das eigene Kommunikationsverhalten und das der anderen zu erkennen und Gespräche bewusst zu gestalten.  Aschaffenburg, 24. September 2011 Kontakt: BN Bildungswerk,  Tel. 09 41 - 2 97 20 42, bildungswerk@ bund-naturschutz.de

Voneinander lernen Z’sammsteh!

Auf der Landshuter Mühleninsel treffen sich Alt und Jung: Bei ­gemeinsamen ­Aktionen wie Sensen-Dengeln und Imkern profitieren die Jungen vom Wissen der Älteren. Am Sonntag ­lernen die alten Hasen von den Jungen, was es mit Twitter, Flashmob und Guerilla Gardening auf sich hat.  Landshut 17./18. September 2011, Kontakt: Netzwerk BN 2.0, philherrmann@persilos.de, www.bn-zweinull.de

Foto: fotolia.com/dundanim

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Foto: fotolia.com/Atkins

Bio-Küche: Bewährtes neu entdecken

DYNAMIK + ERFAHRUNG

BN auf der Mainfrankenmesse

Zukunft des ländlichen Raumes Der Strukturwandel in der Landwirtschaft und die Bevölkerungsfluktuation aus Randgebieten in Metropol- und Aufsteiger-Regionen verändern den ländlichen Raum. Wie wirkt sich diese Entwicklung auf Landgemeinden aus? Wie kann man negativen Auswirkungen gegensteuern?  Passau, 8. Oktober 2010 Kontakt: BN-Ökostation Stelzlhof, Tel. 08 51 - 9 66 96 30, info@stelzlhof.de

Wartaweiler Gespräche

Dieses Jahr ist der vielfach ausgezeichnete Physiker Prof. Dr. HansPeter Dürr zu Gast bei den Wartaweiler Gesprächen des Bundes ­Naturschutz. Sein Vortrag steht unter der Überschrift »Dynamische Nachhaltigkeit – das Lebende lebendiger werden lassen«. Anschließend Diskussion!  Wartaweil, 23. Oktober 2011 Kontakt: Naturschutzzentrum Wartaweil, Tel. 0 81 52 - 96 77 09, wartaweil@bund-naturschutz.de


BN-VERANSTALTUNGEN UND WEITERE TERMINE

Naturerbe Buchenwälder

Chancen und Potenziale des deutschen Waldnaturerbes »Buchenwälder«: Infos für Touristiker, Politiker, Naturschützer, Gastronomen, Waldinteressierte und Bürger aus der Steigerwald-Region.  Ebrach, 22. Oktober 2011 Kontakt: BN-Waldreferat, Tel. 09 11- 8 18 78 21, ursula.erlweinblassl@bund-naturschutz.de

BN-STUDIENREISEN | TEL. 0 91 23 - 9 99 57 10 Perlen Italiens

Wanderparadies Elba

Foto: fotolia.com / nenne

Die drittgrößte Insel Italiens ist ein Naturparadies mit Bergen, Buchten und Wäldern und ein ideales Wanderrevier. Elbas Naturschätze, seine ursprünglichen Berg- und Fischerdörfer, Sonne, Wind und Meer ziehen in den Bann des Inseldaseins.  Italien, 1. – 10. Oktober 2011

Hochmoore prägen das Landschaftsbild von Mitteleuropas größtem geschlossenen Waldgebiet. Das Angebot »Tierisch wilde Safari« umfasst neben sieben Übernachtungen unter anderem geführte Wanderungen und einen Besuch des weltlängsten Baumwipfelpfads.  Bayern, Termine bis 31. Oktober 2011 frei wählbar

Foto: Willner

Foto: Lüst

Verona, Mailand, Bologna, Florenz, Pisa, Rom: Mit der Bahn geht es zu den Perlen Italiens mit ihrer Lebensfreude, den kulturellen ­Höhepunkten und dem dolce vita – eine Genusstour!  Italien, 15. – 24. Oktober 2011

Nationalpark Bayerischer Wald

Grenzenlose Waldwildnis: Eiszeitliche Urwälder und einsame

TIPPS FÜR RADIO UND FERNSEHEN Unkraut

Berichte über Entwicklungen im Umwelt- und Naturschutz, öko­logische Hintergründe und Umweltsünden. Bayerisches Fernsehen, jeden zweiten Montag, 19:00 bis 19:45 Uhr

Unser Land

Aktuelles aus Landwirtschaft, Umwelt- und Verbraucherschutz, mit Garten- und Freizeittipps. Bayerisches Fernsehen, jeden  Freitag, 19:00 bis 19:45 Uhr

Foto: fotolia.com / cachaco

Bündnispartner treffen sich alle zwei Jahre zum Flächensparforum.  Landshut, 5. / 6. Oktober 2011 Kontakt: BN-Landesfachgeschäftsstelle, Tel. 09 11- 8 18 78 14, inge. kremer@bund-naturschutz.de

ZDF Umwelt

Energiesparen, Artenschutz, Essen und Trinken: Hier gibt es »natur­ nahes Fernsehen«. Zweites Deutsches Fernsehen, jeden Sonntag, ab ca. 13:00/13:30 Uhr

Energetische Biomassenutzung

Welche Rolle spielt Biomasse im Energiemix? Wo liegen Potenziale und Grenzen der Biomassenutzung vom Acker oder aus dem Wald? Welche ökologischen Folgen sind zu beachten, und welche ­Alternativen gibt es?  Augsburg, 10. Dezember 2011 Kontakt: BN-Energiereferat,  Tel. 09 11-8 18 78 26, anette.jung@ bund-naturschutz.de

Herausgeber: Bund Naturschutz in Bayern e. V. (BN), vertreten durch Peter Rottner, Landes­ geschäfts­führer, Dr.-Johann-Maier-Str. 4, 93049 Regensburg, www.bund-naturschutz.de Leitender Redakteur (verantw.): Manfred Gößwald (göß) Redaktion: Holger Lieber (hl), Christoph MarklMeider (cm), Ursula Schulte (us), Heidi Tiefenthaler (ht), Tel. 09 41-2 97 20-22, Fax -31, nu@bund-naturschutz.de Mitglieder-Service: Tel. 09 41-2 97 20-29 und -20 Gestaltung: Gorbach GmbH, Utting a. Ammersee (Layout: Waltraud Hofbauer) Titelfoto: Gerd Pfeiffer Litho: Fotosatz Amann, Aichstetten Redaktion BUND-Magazin: Severin Zillich (verantw.), Am Köllnischen Park 1, 10179 Berlin, Tel. 0 30-27 58 64-57, Fax -40 Druck und Versand: Brühlsche Universitätsdruckerei Gießen Verlag und Anzeigen: BN Service GmbH, Eckertstr. 2, Bahnhof Lauf (links), 91207 Lauf an der Pegnitz, Tel. 0 91 23-9 99 57-30, Fax -99, info@service.bund-naturschutz.de Auflage: 103. 000 Bezugspreis: Für Mitglieder des BN im Beitrag ­ent­­halten, für Nichtmitglieder Versandgebühr ISSN 0721-6807 BN-Konto: Bank für Sozialwirtschaft, Konto 8 885 000, BLZ 700 205 00 BN-Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft, Konto 8 844 000, BLZ 700 205 00 Mit Namen gezeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder des BN wieder. Nachdruck nur mit Geneh­migung des BN. Für unverlangt eingesandte Artikel oder Fotos keine Gewähr. Die Redaktion behält sich das Recht vor, Leserbriefe zu kürzen. »Natur+Umwelt« wird auf 100 % ­Recycling­­papier gedruckt.

Aus Landwirtschaft und Umwelt Tipps und Infos zu Lebensmittelpreisen, Gentechnik, Almwirtschaft und vielem mehr. Bayern 5, jeden Sonntag, 7:05 – 7:30 Uhr und 22.35 – 23.00 Uhr

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Den Bayerischen Naturschutzpreis erhält dieses Jahr der Mediziner Prof. Dr. Edmund Lengfelder (s. S. 22). Nach dem Super-GAU von Tschernobyl hatte Lengfelder mit der Hilfeleistung für die betroffenen Regionen begonnen. Er kritisiert immer wieder das GefahrenPostfossile Revolution potenzial der Atomkraftnutzung. Die Ressourcen an fossilen Energie- Der Bayerische Naturschutzpreis ist trägern gehen zur Neige, der Klima- die höchste Auszeichnung des BN. wandel und seine Folgen zwingen  München, 25. September 2011 zum Umdenken. Die Menschheit Kontakt: BN-Landesfachgeschäftssteht am Übergang vom fossilen stelle, Tel. 09 11- 8 18 78 25, gudrun. zum postfossilen Zeitalter. Der Ab- reuss@bund-naturschutz.de schied vom fossilen Kapitalismus ist so epochal, wie es die industrielle Flächen­ Revolution war. Es gilt, die Prägung sparforum der aktuell zu Ende gehenden Wirt- In Bayern schaftsära und ihre fossilen Wurverschwinzeln zu verstehen. det täglich  Tutzing, 23. – 25. September 2011 eine Fläche Kontakt: Evangelische Akademie von über 20 Fußballfeldern unter Tutzung, www.ev-akademie- Beton und Asphalt. Seit 2003 ist der tutzing.de BN Partner des bayerischen Bündnisses zum Flächensparen. Die

Foto: Stephan

Bayerischer Naturschutzpreis


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Für Bauernhöfe und regionale Produkte statt Agrarfabriken

Objektive VerbraucherInformation zu regional und ökologisch erzeugten Lebensmitteln

Die Umstellung auf ökologische Landwirtschaft beschleunigen

Kein Gift und keine Gentechnik im Essen! Dioxin, Acrylamid, Pestizide, Antibiotika – immer wieder beschert uns die Agrarindustrie neue Skandale. Auch die Gentechnik ist nicht vom Tisch: Über die Futtermittel bahnt sie sich den Weg zum Verbraucher. Nicht mit dem Bund Naturschutz. Wir wollen gesundes Essen aus unserer Heimat!

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Agrar- und Gentechnikpolitik beeinflussen

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Energiewende - Schon dunkel? Warum die Lichter nicht ausgehen.

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