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Natur+Umwelt www.bund-naturschutz.de Heft 3-2014  96. Jahr  3. Quartal

Wald


MI T GLIE DE R WE RBE N MITG LIED ER

DER WALD BRAUCHT UNSERE HILFE!

JANDA+ROSCHER, Die WerbeBotschafter

Foto: fotolia.de, BN-Archiv

GEWINNEN SIE FREUNDE FÜR DIE NATUR UND HELFEN SIE DEM WALD! Wussten Sie, dass Bayerns Wälder ursprünglich hauptsächlich Buchenwälder waren? Von diesen riesigen uralten Wäldern ist heute nicht mehr viel übrig. Zu intensiv hat der Mensch sie genutzt und durch Nadelforste ersetzt. Fatal für die vielen Tier- und Pflanzenarten, deren Lebensraum die alten Buchenwälder sind. Das wollen wir ändern!

Helfen Sie uns bei unserem Einsatz für naturnahe Wälder und sprechen Sie Ihre Freunde und Bekannten auf eine Mitgliedschaft im BUND Naturschutz an! Jedes Mitglied mehr hilft! Eine Beitrittskarte finden Sie im Heft. Vielen Dank für Ihr Engagement!

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Natur + Umwelt 3-2014

Inhalt BUND Naturschutz Bayern 4/5 Aufbruch in die nächsten 100 Jahre Delegiertenver­ sammlung 2014 in Würzburg

6 Leserbriefe

7 Nachruf  Helmut Steininger

8 Ratgeber

9 Reiseseite

10 Raus in die Natur Den Steigerwald entdecken

11 Stiller Förderer Klaus Fenzl im Interview

12 Titelthema

22 Begleiter des Menschen Der Schwarze Holunder im Pflanzenporträt

Inhalt BUND

23 Fotoseite

B1 Editorial und Inhalt

24/25 Naturschutz Die Schachblume

B2/B3 Magazin Kurznachrichten

26/27 Ökospot

B4/B5 Kommentar EEG-Novelle B6 Titelthema Lebendige Wälder

28 Neue Bücher

29 Aktuell  Welche Folgen hat die 10H-Regelung?

B18 Aktion Vorsicht vor ­Glyphosat

30 Bayern gegen TTIP und mehr Regionales

B20 Biosphärenreservat Berchtesgadener Land

38 Umweltbildung

39 Service

B22 Zur Zeit Atommüll Kommission B23 Zur Zeit Neustart für Neuland

B24 Aktiv

B26 Internationales

B28/B29 Junge Seite 30 Jahre BUNDJugend

Liebe Leser

B30  Persönlich Katharina Ebinger

Es ist noch keine dreieinhalb Jahre her, dass in Fuku­shima eine Reaktorkatastrophe ungekannten ­Aus­maßes einen ganzen Landstrich unbewohnbar ­gemacht hat. Dennoch: die Auswirkungen dieser ­Havarie spielen in der Politik keine Rolle mehr, wohl aber, ob ein p ­ rivater Haushalt im Jahr einen zweistelligen Betrag für Strom mehr bezahlen muss. Unglücke scheinen uns nur zu interessieren, wenn sie präsent sind. Die Energiewirtschaft tut ein Übriges, um mit Pseudodebatten die Gefährlichkeit der AKWs herunterzuspielen. Oder wie lässt sich sonst erklären, dass die Bayerische Staatsregierung sich traut, durch ein übertriebenes Abstandsgesetz die Windenergie in Bayern komplett auszubremsen? Ihr Peter Rottner, BN-Landesgeschäftsführer

Trauer um Helmut Steininger

Mit dem Landesschatzmeister und früheren Landes­ geschäftsführer Helmut Steininger hat der BN einen großen Naturschützer und wunderbaren Menschen verloren. Seite 7

Grüner Bereich?

Unser Schwerpunkt­ thema: ein kritischer Zustandsbericht aus den bayerischen Wäldern ab Seite 12

Ausverkauf

Wir wollen keinen Ausverkauf unserer Umwelt- und Verbraucherschutzstandards. Der BN macht sich stark gegen das geplante Freihandelsabkommen TTIP. Seite 30

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Ehrungen Im Rahmen der DV wurden mit der Naturschutzmedaille ausgezeichnet: BR-Redakteur Delegiertenversammlung in Würzburg Hartmut Stumpf, die Stadträtin und langjährige Vorsitzende der BNKreisgruppe WürzIm 101. Jahr seines Bestehens richtet der BUND Naturschutz den Blick burg, Karin Miethaner-Vent, sowie der nach vorne. Auf der Delegiertenversammlung im unterfränkischen verdiente NaturSonstige Einnahmen Würzburg standen Zukunftsthemen ganz oben auf der Agenda. 108 000 Euro schützer und langjährige Vorsitzende Einnahmen der Umweltbildungseinrichtungen der 320Kreisgruppe 000 Euro urz vor der Wahl eines neuen die natürlichen Lebensgrundlagen ambitionierten Energie- und Ver­ Bad Kissingen, Ulf Zuschüsse für Ankäufe, Zeidler. Europaparlaments bekannten Europas zu bewahren. Das heißt kehrswende voranbringen. Europa

Mit Rückenwind in die Zukunft

Artenschutz, Projekte 1 976 000 Euro Erbschaften 1 121 000 Euro

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sich die rund 200 Delegierten klar konkret: Das Europäische Parla­ zu Europa und forderten die Abge­ ment soll den Atomausstieg und ordneten des EU-Parlaments auf, Gesamteinnahmenden Klimaschutz im Rahmen einer (inkl. Rücklagenzuführung/-entnahme)

11,5 Mio. Euro Sonstige Einnahmen Spenden inkl. Haus- und108 000 Euro Straßensammlung Einnahmen der Umweltbildungseinrichtungen 1 401 000 Euro 320 000 Euro

Beiträge von Mitgliedern und Förderern 6 614 000 Euro

Zuschüsse für Ankäufe, Artenschutz, Projekte 1 976 000 Euro Erbschaften 1 121 000 Euro

soll endlich wieder Vorreiter im Kli­ maschutz werden. Zudem soll die Agrarpolitik der EU eine bäuerliche, ökologische Landwirtschaft fördern statt Agrarindustrie. Eine weitere zentrale Forderung: Das europäi­ sche Naturerbe und das Grüne Band Europa müssen bewahrt und ge­ schützt werden! Ganz oben auf der Tagesordnung des BN-Parlaments

Gesamteinnahmen

(inkl. Rücklagenzuführung/-entnahme)

11,5 Mio. Euro

Spenden inkl. Haus- und Straßensammlung 1 401 000 Euro

Beiträge von Mitgliedern und Förderern 6 614 000 Euro

Investitionen, Baumaßnahmen 210 000 Euro Verwaltung, Miete und sonstige Ausgaben 1 196 000 Euro

Arten- und Biotopschutz 1 876 000 Euro

Verbandsorgane, Delegiertenversammlung, Naturschutzveranstaltungen 309 000 Euro

Ankauf ökologisch wertvoller Grundstücke 721 000 Euro

Unterstützung der Jugendarbeit 255 000 Euro Deutschlandweiter und Gesamtausgaben internationaler Umweltschutz Investitionen, Baumaßnahmen 11,5 Mio. Euro 750 000 Euro 210 000 Euro

Natur- und Umweltschutz 738 000 Euro

Verwaltung, Miete und sonstige Ausgaben Information der Bevölkerung, Öffentlich196 000 Euro keitsarbeit, Pressearbeit,1Internet, Mitglieder- und Spendenwerbung Verbandsorgane, Delegiertenversamm2 409 000 Euro lung, Naturschutzveranstaltungen 309 000 Euro Mitgliederservice, »Natur+Umwelt« 753 000 Euro Unterstützung der Jugendarbeit 255 000 Euro

Unterstützung der Zustimmung Kreis- und OrtsgruppenArten- und Biotopschutz 1 811 000 Euro Die Delegiertenver1 876 000 Euro

Deutschlandweiter und internationaler Umweltschutz 4  Natur + Umwelt BN-Magazin [3-14] 750 000 Euro Information der Bevölkerung, Öffentlich-

Bildungsarbeit 554 000 Euro

Gesamtausgaben 11,5 Mio. Euro

sammlung 2014 war geprägt von EinigAnkauf ökologisch keit in allen Grundwertvoller Grundstücke satzfragen. 721 000 Euro

Natur- und Umweltschutz 738 000 Euro Unterstützung der Kreis- und Ortsgruppen


stand zudem das geplante Freihan­ delsabkommen zwischen EU und USA (TTIP). Die Vertreter des BUND Naturschutz sprachen sich einstim­ mig für einen Stopp der Verhand­ lungen aus. Um Zukunftsthemen ging es auch in den Diskussionen: So wurde das Für und Wider einer Beteiligung des BUND an der Endlager-Such­ kommission abgewogen. Nach einer bewegenden Rede der JBNVertreterin Alina Fuchs sprachen die Delegierten auch über die künf­ tige Rolle der Jugend im Verband. Der BN kann mit soliden Finan­ zen in das zweite Jahrhundert sei­ ner Geschichte aufbrechen. Der Haushalt wurde einstimmig verab­ schiedet. (lf)

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m 17. Juli ist unser Landes­ schatzmeister und langjähriger Landesgeschäftsführer Helmut Stei­ ninger, nur wenige Tage nach seinem 75. Geburtstag, seiner schweren Krankheit erlegen. Sein Tod löste ­Bestürzung, Trauer und Schmerz aus bei allen Naturschützern, die das Glück hatten, mit ihm zusammenar­ beiten zu dürfen. Der BUND Natur­ schutz verlor mit Helmut Steininger nicht nur eine seiner prägenden ­Persönlichkeiten, sondern auch einen bundesweit anerkannten Um­ weltschützer mit Herz und Verstand. Helmut Steininger hatte 34 Jahre lang, von 1969 bis 2003, das Amt des Landesgeschäftsführers inne. Die Ar­ beit, die er in diesen Jahrzehnten für den Verband geleistet hat, kann gar nicht hoch genug eingeschätzt wer­ den. Ohne jede Übertreibung kön­ nen wir sagen, dass Helmut Steinin­ ger den BN zu dem gemacht hat, was er heute ist: ein schlagkräftiger, ­basisdemokratischer und flächen­ deckend in ganz Bayern vertretener Verband. Mit seinem Organisations­ talent und seinem herausragenden Einsatz schuf er aus kleinsten Anfän­ gen die Grundlage für den BUND Naturschutz von heute. Unter seiner Geschäftsführung erlangte der BN seine große Bedeutung und ­seinen dezentralen Aufbau mit Orts- und Kreisgruppen in ganz Bayern. ­In ­dieser bewegten Zeit war Helmut Steininger eine der bedeutendsten Persönlichkeiten im Verband, nicht zuletzt, weil er es verstand, die ­Herzen der Menschen zu erreichen. Helmut Steininger war Natur­ schützer mit Leib und Seele. Er be­ gnügte sich nicht mit Verbandsver­ waltung, sondern war maßgeblich an vielen großen Erfolgen des BN beteiligt, zum Beispiel an der ­Wiedereinbürgerung des Bibers in Bayern oder an der Gründung der beiden bayerischen Nationalparke. Auch der Schutz seiner Heimat ­ vor gigantomanischen Straßenbau­ projekten lag ihm am Herzen. Der Bauernsohn aus dem Rottal hat es nie verlernt, die Sprache der sogenannten kleinen Leute zu spre­ chen. Dadurch hat er dem Natur­ schutz Zugang zu breiten Bevölke­

rungsschichten vermittelt. Gerade diese herzliche Art machte Helmut Steininger so beliebt. Vielen Kreisund Ortsgruppen stand er bei ihren Problemen mit Rat und Tat zur Seite. Legendär wurden seine Erzählkunst und seine mitreißenden Reden. Die zahlreichen Einträge in das virtuelle Kondolenzbuch auf unserer Home­ page beweisen, dass viele BN-Aktive »ihren Helmut« noch in lebendiger und bester Erinnerung haben – von den altgedienten Ehrenamtlichen und KG- und OG-Vorsitzenden bis zur jungen Generation von der JBN. Am 25. Juli haben zahlreiche ehren- und hauptamtliche BN-Weg­ gefährten an der bewegenden Trau­ erfeier in Passau teilgenommen und Helmut Steininger auf seinem letzten Weg begleitet. Hubert Weiger für den Vorstand, Max Walleitner für den ­Beirat, Karl Haberzettl für die Kreis­ gruppe Passau und Martin Gebran­ de, Geschäftsführer des bayerischen Medienrates, würdigten das Wirken des früheren BN-Geschäftsführers. Sie erinnerten an das große Ver­ mächtnis, das er der Natur und uns allen hinterlassen hat. Helmut Steininger war ein Vorbild und ein Freund. Sein Tod ist ein gro­ ßer, schmerzlicher Verlust für den Verband, aber auch für uns ganz per­ sönlich. Der BUND Naturschutz wird Helmut Steiningers herzliche Art und seine Tatkraft sehr vermissen und ihm stets ein ehrendes Anden­ ken ­bewahren.

Foto: Roggenthin

Liebe Mitglieder

Fotos: Toni Mader

Protest Mit einem Tauziehen »Bürger gegen Konzernmacht« demonstrierten die Delegierten gegen das geplante Freihandelsabkommen TTIP.

Ein großer Verlust

Ihr Prof. Dr. Hubert Weiger, Vorsitzender des BN Ihre Doris Tropper, stv. Vorsitzende des BN Ihr Sebastian Schönauer, stv. Vorsitzender des BN

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Fassungslos

Foto: KG Weilheim-Schongau

Zum Artikel »Rabiater Kahlschlag« in N+U 2/2014 erreichte uns diese Zuschrift: »Von allen Schluchten im Münch­ ner Umland ist die unter Natur­ schutz stehende Pähler Schlucht die urtümlichste. Der Wald bleibt am Bach sich selbst überlas­ sen. Er ist ein arten­ reicher Schlucht­ wald mit Esche, Ulme, Ahorn und Linde, während der Wald der Hänge aus der üblichen Baum­ gesellschaft aus Buche, Fichte und Tanne besteht. Efeu umwuchert die Stämme und der Bach windet sich zwischen Felsen und umgestürzten Bäumen hindurch …« so zu lesen in einem Naturwanderführer für das Münchner Alpenvorland. Und genau so war’s – einfach wunder­ schön! Vor wenigen Wochen haben wir die Pähler Schlucht wieder ein­ mal besucht und waren fassungslos mit diesem Kahlschlag konfrontiert. Umso mehr sind wir froh, dass Sie bzw. die Kreisgruppe Weilheim-

Umdenken notwendig

Diese Rückmeldung erreichte uns zum Thema »BN lehnt Stromautobahn ab« (N+U 2/2014) Über das Heft ganz im Zeichen des Grünen Bandes habe ich mich sehr gefreut. Schwierig ist auch ein an­

deres Thema: Einerseits propagie­ ren wir die dezentrale Stromversor­ gung und feiern entsprechend die (hoffentlich mögliche) Verhinde­ rung der Braunkohle-Stromauto­ bahnen (Seite 27 + B17f), anderer­ seits feiern wir genauso (?) die Ver­ hinderung von Windparks (Seite B16). Natürlich sind wir nicht nur Verhinderer – das Heft zeigt viele positive Vorschläge, die auch allge­ mein anerkannt wurden – aber in der Energiepolitik sollten wir doch noch mal genauer nachdenken. Selbst die besten Windräder schaf­ fen »nur« etwa 5 MW (Leistung), ein olles Atomkraftwerk (Isar 2) 1400 MW. Wir müssen also jede Menge Windmühlen aufstellen, um den ­A-Strom und die genauso schlimme Braunkohle abzulösen. Und wenn wir die Mühlen ins Wasser stellen, brauchen wir Stromautobahnen! Wir können es drehen oder wenden, wie wir wollen: Umdenken und ge­ naues Rechnen sind notwendig. Ansonsten sind wir lange beim BN und freuen uns über die Hefte und die Veranstaltungen. Hartmut Heßler, Sauerlach

Symbolfigur Für sein Engagement für eine frei fließende Donau erhielt der Altabt des Benediktinerklosters Niederalteich, Emmanuel Jungclaussen, die Bayerische Naturschutzmedaille aus den Händen von Umweltminister Dr. Marcel Huber (rechts), hier mit dem Niederalteicher Altbürgermeister Hans Thalhammer.

Foto: Heinrich Inkoferer

Schreiben Sie uns! Wir freuen uns auf Ihre Meinung: BN-Magazin »Natur+Umwelt«, Dr.-JohannMaier-Str. 4, 93049 Regensburg, nu@bundnaturschutz.de Leserbriefe können gekürzt werden.

Schongau sich diesem Waldfrevel »unter dem Deckmantel der ord­ nungsgemäßen Forstwirtschaft auf Kosten der Natur« in Ihrem Beitrag gewidmet und Anzeige erstattet haben. Auf den zum Teil völlig abge­ rutschten Wegen und neben den deutlichen Spuren von Erosionen haben wir uns gar nicht mehr sicher gefühlt. Als jahrzehntelange Mitglieder des BUND Naturschutz möchten wir uns bei den Verantwortlichen bedanken, dass Sie die Courage haben, solche Skandale aufzude­ cken, zur Anzeige zu bringen und damit hoffentlich immer wieder auch schlimmeres zu verhindern. Da bekommen Ihre Spendenaufrufe einen ganz neuen Wert und sind für uns Anlass, ordentlich in die Tasche zu greifen. Hermann Hochleitner und Veronika Wild, München

Donaufest: Blick nach vorn

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ie Freude über die Rettung der frei fließenden Donau, aber auch das schreckliche Hochwasser von 2013 waren zentrale Themen beim diesjährigen Donaufest in Niederalteich. Zum ersten Mal war bei dem Fest ein bayerischer Staats­ minister zu Gast: Marcel Huber. Der

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Umweltminister versicherte, dass alles getan werde, damit sich eine Hochwasserkatastrophe wie im letz­ ten Jahr nicht wiederholen könne. Außerdem dankte Huber den Men­ schen aus der Region für ihren Ein­ satz, der zu der »Generationenent­ scheidung« für den frei fließenden

Fluss und gegen eine Staustufen­ kanalisierung geführt habe. Der BNVorsitzende Hubert Weiger lobte die Staatsregierung für ihre Entschei­ dung für den sanften Donauausbau, forderte aber feste Zusagen hierfür, die über die Regierungszeit von Mi­ nisterpräsident Horst Seehofer hin­ ausgingen. Dem Altabt Emmanuel Jungclaussen, der sich stets für den Schutz der frei fließenden Donau engagiert hatte, verlieh Huber die bayerische Naturschutzmedaille und würdigte ihn als »einen der cou­ ragiertesten und wirkmächtigsten Anwälte der Schöpfung«.


Lebensleistung Weit über 40 Jahre hat sich Helmut Steininger mit ganzer Kraft für den BN engagiert, ob bei Demos (links) oder Delegiertenversammlungen (rechts).

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ls Helmut Steininger am 1. April 1969 seinen Dienst beim BUND Naturschutz antrat, hatte die Hauptgeschäftsstelle zwei Mitarbeiter und war in einem Münchner Hinterzimmer untergebracht. Der Verband zählte ganze sechs Kreisgruppen und 12 000 Mitglieder. Mangels eigener Finanzen war er abhängig von den Zuwendungen des bayerischen Innenministe­ riums. Helmut Steininger wollte das ändern: Ihm schwebte eine in ganz Bayern verwurzelte, unabhän­ gige und schlagkräftige Umweltorganisation vor. Ge­ meinsam mit dem langjährigen BN-Vorsitzenden Hu­ bert Weinzierl und mit mir als damaligem Beauftragten für Nordbayern baute er in mühevoller Motivations­ arbeit Kreisgruppe um Kreisgruppe auf. Er schaffte Strukturen, wo es vorher keine gab und etablierte den Verband in ganz Bayern. Als er 34 Jahre später schließ­ lich die Staffel an den heutigen Geschäftsführer Peter Rottner übergab, hatte der BN 165 000 Mitglieder und war mit 77 Kreis- und 700 Ortsgruppen finanziell unab­ hängig und in jedem bayerischen Landkreis sowie in jeder dritten Kommune in Bayern vertreten.

Gewaltige Lebensleistung

Hinter diesen Zahlen steckt eine gewaltige Lebensleis­ tung. Natürlich haben auch viele andere Menschen im BN zu diesem Erfolg beige­tragen, aber Helmut Steinin­ ger war eine der führenden Persönlichkeiten beim Auf­ bau des Verbandes. Er ermöglichte mit seiner Vision und Tatkraft, dass aus dem einstmals eher angepassten BN eine der größten und progressivsten Naturschutz­ organisationen Mitteleuropas wurde. Der waschechte Niederbayer hat bei seiner Arbeit immer das Herz sprechen lassen. Er wusste, dass der verbandliche Naturschutz das Volk erreichen muss. Dem »Rottaler Bauernbub« – wie er sich selbst gerne bezeichnete – kam dabei zugute, dass er die Sprache des Volkes sprach. Mit seinen unvergessenen »Kampf­ ansprachen« hat er unzählige Menschen motiviert sich einzumischen und sich für ihre Heimat einzusetzen. Dabei war es Helmut Steininger immer ein Anlie­ gen, sich nicht im Klein-Klein zu verlieren, sondern den Kampf gegen die großen Strukturen aufzunehmen,

Trauer um Helmut Steininger

Ein ganz Großer des Naturschutzes 34 Jahre lang hat Helmut Steininger als Geschäftsführer den BUND Naturschutz zu seiner heutigen Größe und Stärke aufgebaut. Am 11. Juli hatte er seinen 75. Geburtstag. Es sollte ein Festtag für ihn werden, einer, an dem sich der BN bei ihm für sein Lebenswerk bedankt. Doch es kam anders. Helmut Steiningers Gesundheitszustand verschlechterte sich rapide und am 17. Juli verstarb er nach schwerer Krankheit. sei es gegen die Fernwasserversorgung, gegen Auto­ bahnen wie die Isentalautobahn oder die B 15 neu, gegen Atomkraftwerke oder den Großflughafen im Er­ dinger Moos. Dieser Mut, sich auch gegen Mehrheiten zu wehren, hat Helmut Steininger enorm viel Respekt und Anerkennung eingebracht. Und er ist schließlich auch zu einem zentralen Merkmal des Gesamtverban­ des geworden. Im Widerstand gegen derlei Großpro­ jekte ist der BN selbst groß geworden und hat Natur­ schutz zu einem zentralen politischen Thema gemacht. Helmut Steininger verdient deshalb zu Recht die Aus­ zeichnung, ein Großer des Naturschutzes zu sein.

Ein wichtiger Freund

Über diese gemeinsame Naturschutzarbeit hinaus ist er vielen im Verband ein wichtiger Freund und Ratge­ ber gewesen, eine motivierende, geradlinige, mutige und überzeugende Persönlichkeit, auf die man sich immer verlassen konnte. Einer, mit dem man durch dick und dünn gehen konnte. Wir alle sind für diese Jahre von Herzen dankbar. Es war ein Glück für uns, uns jahrzehntelang Seite an Seite mit Helmut Steinin­ ger für die Natur einsetzen zu können. Für mich per­ sönlich war er der Freund fürs Leben – umso schmerz­ licher sein Tod. Hubert Weiger

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GUT LEBEN

GUT LEBEN

Erdöl vermeiden

Illustration: Frauke Weinholz

Aufruf zum Ölwechsel

Nicht nur AutofahrerInnen brauchen das schwarze Gold. Auch zahllose Alltagsprodukte enthalten Erdöl. Wie lässt sich unser Verbrauch reduzieren? Die wichtigsten Tipps hat die BUNDjugend in einer Broschüre zusammengetragen.

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rdöl deckt über ein Drittel des globalen Energiever­ brauchs und ist damit unser wichtigster Energieträ­ ger. Mit Erdöl verbinden wir in erster Linie Kraftstoffe und Wärmeenergie. Doch in unserer Produktwelt ist Erdöl heute allgegenwärtig. Was können wir tun, um die in vieler Hinsicht problematische Ressource nicht unnötig zu verbrauchen?

Die Autorin Janna Aljets leitet bei der BUNDjugend ein neues Projekt über nachhaltigen Konsum und Gemeingüter.

Riskante Förderung

Nach Erdöl wird fast überall auf der Erde gebohrt: im Nahen Osten, im Regenwald des Amazonas, in den Tie­ fen der Meere oder im deutschen Wattenmeer. Dabei gehen Ölkonzerne und Staaten immer größere Risiken ein. Nicht selten wird Erdöl in sensiblen Ökosystemen mit großer Artenvielfalt gefördert. Die ökologischen und sozialen Probleme sind vie­ lerorts gravierend: Im Amazonas Ecuadors werden ein­ zigartige Urwälder zerstört und Indigene vertrieben. Der Abbau von Teersand in Kanada vergiftet das Grundwasser mit Schwermetallen und krebserregen­ den Kohlenwasserstoffen. In Nigeria verseuchen un­ dichte Pipelines Mangroven und Trinkwasser.

Worin steckt überall Erdöl?

Die Broschüre »Ölwechsel!« gibt es unter: www.bund­ jugend.de/shop

Der Verkehrssektor schluckt am meisten Erdöl: Benzin, Diesel und Kerosin bewegen uns an Land, auf dem Wasser und in der Luft. Außerdem basieren etwa 90 Prozent der deutschen Chemieprodukte auf Erdöl oder Erdgas. Die Petrochemie stellt Kunst- und Farbstoffe her, Waschmittel und vieles mehr. Inhaltsstoffe wie Po­ lyester, Polystyrol, Polycarbonat oder Polyvinylchlorid sind Derivate des Erdöls. Sie finden sich in allen Plas­ tikprodukten, in der Kleidung und in Schuhen; des­ gleichen in vielen Freizeitartikeln, in Möbeln und Fuß­ böden, CDs und elektrischen Geräten, in Dämm- und Baumaterialien sowie vielen Kosmetika. Nicht zuletzt sind die Hersteller von Arzneimitteln heute stark auf Erdölderivate angewiesen.

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Ideen für den Ölwechsel

Wie treiben Sie Ihren »Ölwechsel« im Alltag voran? Das meiste Erdöl sparen Sie, wenn Sie Ihre Wege mit den Öffentlichen oder dem Rad zurücklegen. Beim Kauf von Kleidung greifen Sie am besten zu Baumwolle, Hanf oder Leinen (in Bioqualität). Und vermeiden Sie Verpackungen und Plastiktüten, wo immer es geht! Ansonsten gilt wieder einmal: Weniger (Konsum und Energieverbrauch) ist mehr (Lebensqualität und Umweltschutz). Wer Elektrogeräte repariert und länger nutzt, muss weniger neu kaufen und schont viele Res­ sourcen. Und: Teilen ist das neue Besitzen! Autos und Lastenfahrräder können genauso gemeinsam genutzt werden wie Werkzeug, Waschmaschinen, Drucker oder Scanner. Auch Secondhand, Tauschbörsen und Leih­ portale helfen uns, Dinge nicht immer neu kaufen zu müssen.

Acht praktische Tipps, um Erdöl zu vermeiden

F  ahren Sie Rad: Verzichten Sie möglichst aufs Auto. N  aherholung: Urlaubsziele müssen nicht immer in der Ferne liegen.  J utebeutel und Co: Führen Sie eigene Taschen, Fla­ schen, Brotboxen oder Kaffeebecher mit sich. P  acken Sie aus: Kaufen Sie Lebensmittel besser un­ verpackt und frisch im Bioladen oder auf dem Markt. C  arsharing, Mitfahrgelegenheit, Waschsalon: Nutzen Sie Dinge gemeinsam, statt sie zu besitzen.  Wertschöpfung: Reparieren und richten Sie Elektro­ geräte, Kleider etc. Tauschen oder verschenken Sie, was Sie selbst nicht verwenden. E  s hat sich ausgebrannt: Dateien, Musik und Fotos können online statt auf CDs und DVDs gespeichert werden. K  räuterkur: Greifen Sie soweit möglich auf pflanzlich (statt petrochemisch) basierte Medikamente zurück. Janna Aljets


Kulturwandern in der herbstlichen Alta Maremma

Meer und Pinienwälder

REISEN

REISEN

Bei Wanderungen auf steile Hügel und in tiefen Hohlwegen, durch Olivenhaine und Weinberge lernen die Reisenden die reiche Natur und Kultur der Toskana kennen.

ikaden sägen ihr monotones Lied. Über uns wölben sich die Kronen des Pinienwaldes. Nadelboden fe­ dert unter unseren Schritten. Die Luft riecht würzig. Wir treten aus dem Schatten hinaus, direkt auf den Strand. Wie schön es ist, barfuß über den Sand zu lau­ fen. Links und rechts zieht sich das Meer als blauer Bogen die dunkelgrüne Küste entlang. Lärmendes Trei­ ben gibt es hier nicht, denn der Strand im Parco dell’ Uccellina ist nur durch einen längeren Fußmarsch zu erreichen. Das fast 10 000 Hektar große Naturschutzgebiet des Parks gehört zur Alta Maremma, dem abgeschiedens­ ten Teil der Toskana südlich von Grosseto. Einen hal­ ben Tag lang sind wir durch Maccia und Pinienhaine gewandert. Letztere wurden vor fast 200 Jahren von Menschenhand gepflanzt, um die sumpfige Maremma zu entwässern und von der Malaria zu befreien. Am Nachmittag kurven wir hinauf nach Cosa, eine Ruinen­ stadt aus der Römerzeit. Wir schlendern über das alte Forum und entlang der Stadtmauer. Unter uns glitzert die Lagune um die Halbinsel Monte Argentario. Dort liegt auch unser Wohnort Orbetello. Im Hinterland hin­ gegen hebt und senkt sich ein grünes Hügelmeer. Auf seinen felsigen Wellenspitzen thronen mittelalterliche Städtchen.

Toskana kommt von Tusci

Nicht die Römer haben der Toskana ihren Namen ge­ schenkt, sondern die Etrusker, die Tusci. Die haben nur wenige, dafür beeindruckende Zeugnisse hinterlassen. In der Ausgrabungsstätte Tarquinia – seit 2004 UNESCO Weltkulturerbe – stehen wir vor den Fresken der Grab­ kammern. Erstaunlich, wie leuchtend farbig die Flö­ tenspieler und Tänzerinnen, Bankett- und Jagdszenen noch sind! Später, auf unserem Weg nach Sorano, tre­ ten wir immer wieder hinaus auf offene Flur, wandern

Strandschönheit Am Meeresufer im Parco dell’Uccellina gibt es keinen Badezirkus, dafür jede Menge Platz.

Fotos: Gerd Eisenstein

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durch sonnige Olivenhaine und Weinberge. Auch die zeitgenössische Künstlerin Niki de Saint Phalle hat sich in dieser Landschaft verewigt. In ihrem Giardino dei Tarocchi schuf sie eine Skulpturenwelt aus der Welt der Tarotkarten. Zwischen schattenspendenden Bäumen glitzern Riesenwesen, die mit bunten Keramiksteinen, Spiegelchen und Glas besetzt sind. Tags darauf bringt uns die Fähre auf die Insel Giglio, und wir besuchen Giglio Castello. Wären da nicht Stromleitungen und Satellitenschüsseln, glaubten wir uns ins Mittelalter versetzt, zwischen den eng stehen­ den Häusern, umgürtet von einer intakte Wehrmauer mit Wachtürmen. Kaffeeduft lockt uns in eine Bar. Dann steigen wir zu Fuß zum Strand ab, für einen Sprung ins Wasser. Auf der Rückfahrt sehen wir von Deck aus zu, wie die Sonne orange-rot ins Meer sinkt.

Die »sterbende Stadt«

Eindrucksvoll ist der Gang über die 250 Meter lange, auf hohen Betonpfeilern ruhende Fußgängerbrücke, die nach Civita di Bagnoregio führt – eine Handvoll Häuser rund um eine kleine Piazza und einer Kirche. Die einst blühende und nun »sterbende Stadt« – viele Bewohner sind weggezogen – krallt sich auf einem Tuffzahn fest. Von hier oben blicken wir auf eine un­ wirkliche Landschaft aus weißen Kalkabbrüchen. »Der Tourismus ist eine der wichtigsten Einnahmequellen für uns«, erklärt uns der Besitzer der Bruschetteria ­Antico Frantoio. Auf dieser Reise entdecken wir, wie Mensch und Natur diese Region geformt haben. Die Tage sind dicht gefüllt, aber immer wieder halten wir inne, atmen auf einer Piazza oder an einem Brunnen die südliche Stim­ mung. Und natürlich machen wir an schönen Plätzen Picknick mit frischem Brot und Käse, mit Schinken und Obst und einem Schlückchen Wein. Lucia Vogel

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Auf Bergeshöh’n Das hübsche Civita di Bagnoregio ist nur zu Fuß über eine Brücke erreichbar, die alte Straße ist abgerutscht.

Infos zu Reisepreis und Anmeldung unter BUND-Reisen, ReiseCenter, ­Stresemannplatz 10, 90489 Nürnberg, Tel. 09 11-5 88 88-20, Fax 09 11-5 88 88 22, www.bund-reisen.de Reisetermin 3. bis 12. 10. 2014 Die Durchführung der Reise ist garantiert.


Unterm Blätterdach Durch viele Einkerbungen windet sich der Schlangenweg die Hänge hinauf und hinunter.

Ausgangspunkt: Zell am Ebersberg (bei Knetzgau/ Haßfurt). Kurz vor Ortsende rechts in die Böhlstraße. Kleiner Wanderparkplatz am Ortsrand. Länge/Gehzeit: ca. 10 km/3 Stunden Höhenunterschied: ca. 400 Meter Wegcharakter: Waldwege, die stellenweise morastig sein können; befestigte Forststraßen (nicht geteert) Einkehr: Entlang des Weges keine

Foto: Winfried Berner

Wanderkarte: Nicht erforderlich (Hintergrundinformationen und Karte: BN-Steigerwald-Naturwanderführer, Tour Nr. 8)

Gerettete Landschaften entdecken

Guter erster Eindruck vom Steigerwald

Nicht wegen irgendwelcher Schlangen heißt der Schlangenweg so, sondern weil er sich in vielen Schlangenlinien die tief ­ein­gekerbten Hänge des Steigerwalds hinaufschlängelt. Dabei vermittelt er einen ebenso charakteristischen wie abwechslungsreichen ersten Eindruck vom nördlichen Steigerwald.

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m Prinzip ist der Schlangenweg ein idealer Ganzjah­ resweg – außer, es hat länger geregnet; dann versinkt man stellenweise knöcheltief im Morast. Dafür bietet er im Frühjahr den frischen, leuchtendgrünen Buchen­ austrieb, dazu Maiglöckchen, Bärlauch und Waldmeis­ ter, im Sommer spendet ein dichtes Laubdach Schat­ ten; im Herbst leuchtet und raschelt das Buchenlaub; im Winter ist es ein ruhiger, beinahe meditativer Weg durch die abstrakten Strukturen des hochstämmigen Buchenwalds. Direkt am Wanderparkplatz geht halblinks entlang einer eingezäunten Weide ein Steig den Hang hinauf: der Einstieg in den Schlangenweg. Wer diesen Einstieg gefunden hat, hat das größte Orientierungsproblem des Tages gelöst und kann sich voll dem Weg widmen, der uns »alternativlos« erst in kräftiger, dann immer sanfterer Steigung quer den Hang hinaufführt. Dabei macht er seinem Namen alle Ehre: Ständig geht es mal hinein in einen Dobel, eine von jahrtausen­

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delanger Erosion ausgespülten Einkerbung in den Hang, mal wieder hinaus. Dobel reiht sich an Dobel – erst auf diesem Weg wird einem bewusst, wie zerklüftet unterhalb des dichten Laubdachs die Hangflanken des Steigerwalds sind. Immer wieder liegen umgestürzte Bäume quer über den Weg, in die nur schmale Durch­ gänge eingesägt wurden. Doch diese Lücken reichen nicht nur Wanderern, sondern leider auch den Moun­ tainbikern, die den Weg stellenweise übel zerfurcht haben. Irgendwann erreichen wir eine kleine Lichtung, von der man nach links zu einer Umrundung von Zell am Ebersberg aufbrechen könnte, aber wir folgen gerade­ aus weiter den verschlungenen Linien des Schlangen­ wegs. Bevor wir genug haben von den vielen Ein- und Ausbuchtungen, trifft unser Weg auf eine Forststraße, der wir nach rechts talwärts folgen. Sie führt uns hin­ unter in den Böhlgrund, ein liebliches und abwechs­ lungsreiches Bachtal, in das sich die Böhl noch ein paar Meter tiefer in den weichen Boden eingegraben hat als das Niveau der Talsohle. Wer im Frühsommer unterwegs ist, kann sich auf dem Rückweg daran erfreuen, dass die meisten Wiesen hier spät gemäht werden und deshalb voller Wiesen­ blumen sind, wie sie die Älteren noch aus ihrer Kind­ heit kennen. Samt zugehöriger Insekten: Viele Klein­ hummeln und sogar ein »Widderchen« haben wir dort gesehen. Kurz bevor wir Zell wieder erreichen, entde­ cken wir links am Steilhang auch noch einige alte Streuobstwiesen. Winfried Berner, Ulrike Rohm-Berner

Mehr Steigerwald Der Naturwanderführer »Unterwegs zum Nationalpark Steigerwald« b ­ ietet neben dieser noch weitere ­Wanderungen durch die herr­lichen Buchenwälder. Erhältlich für 5 Euro bei der BN Service GmbH, Tel. 0 91 23-9 99 57 20.


Spender im Interview

»Wissen, was unsere Lebensgrundlagen sind«

Herr Fenzl, sind Sie schon lange umweltbewegt? Ich habe nie Kröten geschleppt, aber ich war immer »grün«. 1980/81 war ich bereits als Atomkraftgegner aktiv und beim BN bin ich schon sehr lange Mitglied. Und auch sonst habe ich eben immer versucht, so um­ weltschonend wie möglich zu leben und das auch in der eigenen Familie, im eigenen Umfeld, zu forcieren. Bei den Grünen bin ich jetzt seit vier oder fünf Jahren aktiv. Was macht den BN für Sie unterstützenswert? Der BN ist einfach eine der glaubwürdigsten Organisa­ tionen im Umweltbereich, das sehe ich an der Art, wie der Verband kommuniziert, was er erreicht und wie er es erreicht. In der Politik kann man schon auch etwas bewegen, aber der BN ist als nicht politische Organisa­ tion unabhängiger. Er kann ganz andere Forderungen stellen als die Politik, weil diese sich immer an irgend­ welche Rahmenbedingungen halten muss. Und natürlich ist es wichtig, dass man die Persön­ lichkeiten vor Ort kennt. Menschen, die glaubwürdig rüberkommen. Ich habe Christian Hierneis, den Vor­ sitzenden der BN-Kreisgruppe München, auf einer ­Versammlung der Grünen kennengelernt. Er ist sehr authentisch und steht hundertprozentig für das, was er macht. Haben Sie schon einmal einen ganz konkreten Erfolg Ihres Engagements gesehen? Na ja, ob das direkt an meinem Geld lag – aber immer­ hin hat der BN letztes Jahr drei Bürgerentscheide ge­ wonnen. Daran sind natürlich viele, viele Menschen beteiligt, die auch bezahlt werden müssen. Man kauft sich ja mit den Spenden nicht von der Verantwortung frei, aber man leistet einen Beitrag, um anderen Leuten zu helfen, etwas zu bewegen. Gibt es Umweltthemen, die Ihnen besonders wichtig sind? Ich bin selbst im Bereich Trinkwasserversorgung tätig und das Thema Wasser ist mir ein Anliegen. Deshalb

habe ich für die Elbe oder die Donau gespendet. Wich­ tig ist mir auch das Thema Ernährung: Ich habe mit ein paar Mitstreitern einen Arbeitskreis Ernährung in München gegründet und bin bei der Regionalinitiative »Unser Land« tätig. Hat sich ihr Umweltengagement auch auf Ihr Leben ausgewirkt? Ich bin früher gerne geflogen, das muss ich ganz ehr­ lich zugeben. Aber seit ich mich mehr mit der Umwelt befasse, habe ich das sehr eingeschränkt. Ich fliege fast nicht mehr. Wenn ich mit meinen Kindern in Urlaub gefahren bin, dann waren wir in Deutschland unter­ wegs. Ich habe ihnen die Natur in Deutschland gezeigt

Foto: BN

Wenn der BN Erfolge feiert, ist das nie nur sein eigenes Verdienst. Unentbehrlich sind die vielen »stillen« Förderer des Verbandes. Klaus Fenzl ist so einer. Bayer aus ganzem Herzen, heimatund naturverbunden und deshalb immer schon umweltbewegt. Von seinem großen finanziellen Engagement für den Naturschutz macht der Münchner nicht viel Aufhebens. Aber er weiß genau, was ihm wichtig ist.

und unsere Heimat Bayern. Wir waren an der Donauund an der Ruhrquelle. Ich möchte, dass sie wissen, wo wir herkommen. Natürlich ist es auch schön und gut zu wissen, dass Gaudí in Barcelona schöne Bauwerke ge­ schaffen hat. Aber ich muss zuerst einmal wissen, wo die Mangfall entspringt. Das ist mir wichtig. Wenn Sie sich einen großen Erfolg des BN wünschen könnten: Was wäre das? Ich wünsche mir, dass die Menschen, und vor allem die Jugendlichen, wieder feststellen, was wirklich wichtig ist. Es ist zum Beispiel nicht wichtig, dass Vodafone jedes Jahr ein neues Handy schickt oder ob es einen Möbel- oder Baumarkt in der Nähe gibt. Wichtig ist, eine Gärtnerei oder einen Bauern in der Nähe zu haben, der Kartoffeln anbaut. Wichtig ist zu wissen, was unsere Lebensgrundlagen sind. Das Interview führte Heidi Tiefenthaler

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Engagement verbindet Klaus Fenzl und Christian Hierneis (v.  li.) bei einer Bergtour im Zugspitzgebiet.


Kreisgruppe Traunstein: Aufforstungsaktion am Geigelstein, 1995

Kreisgruppe München: Aktion zum Volksbegehren »Aus Liebe zum Wald« am Marienplatz, 2004

Fotos: KG Traunstein, Dr. Frank Krönke, Ortsgruppe Wendelstein

Kreisgruppen Roth und Nürnberg: Aktion »Todesanzeigen« für gefällte Bäume, 2013

»Am Brunnen vor dem Tore, da steht ein Lindenbaum.« ­ So beginnt eines der bekanntesten deutschen Volkslieder. Heute ist der Brunnen einer effizienten Wasserversorgung gewichen, das Tor einer vierspurigen Hauptverkehrsader, und wo einst die Linde blühte, wird gerade das dritte ­Ge­werbegebiet erschlossen. Bäume scheinen irgendwie nicht mehr in unsere Zeit zu passen: Sie wachsen langsam, werden aber irgendwann doch zu groß, werfen im Herbst Laub und im Frühling klebrige Pollen ab, und bei Sturm sind abbrechende Äste ein Sicherheitsrisiko. Um den Wert eines Waldes zu bemessen, spricht man nicht von Bäumen, sondern von Fest­ metern Holz. Ist das alles, was von der Beziehung der Deutschen zu ihren Wäldern übriggeblieben ist – dass Bäume entweder als Dreckschleudern oder als Rohstofflieferant gesehen werden? Wir möchten eine Bestandsaufnahme machen, wie es um die Wälder in Bayern steht, vom Spessart in Franken bis zum Bergwald in den Alpen. Wie stehen die Chancen auf einen Nationalpark Steigerwald? Warum ist der Schutz von Waldwildnis so wichtig? Und warum ist der Bergwald in Gefahr? Wir nehmen die Auswirkungen der Forstreform unter die Lupe und zeigen auf, warum in letzter Zeit auffällig oft Bäume an Straßen über Kilometer hinweg »abrasiert« werden. Ab Seite B6 blicken die Kollegen vom BUND auf die Situation der Wälder in ganz Deutschland. (lf)


Foto: Thomas Stephan

Wald


Foto: Thomas Stephan

Buchenwald-Schätze bewahren

Hoffnung auf Nationalpark Steigerwald wächst Urige Buchenwälder, einmalig in Deutschland: Der Steigerwald ist prädestiniert, als erster fränkischer Nationalpark ausgewiesen zu ­werden. Der BUND Naturschutz setzt sich seit Jahren dafür ein. Die Staatsregierung und der Nationalparkgegnerverein haben in den vergangenen sieben Jahren einen Nationalpark verhindert und sich dabei immer auf die große Ablehnung in der Region berufen – zu Unrecht, wie aktuelle Entwicklungen zeigen.

Fotos: Thomas Stephan, Wolfgang Willner, Tuschl Naturfotoarchiv, Kiener, Winfried Berner

Igelstachelbart

A

uf über 11 000 Hektar befinden sich im nördlichen Steigerwald zwischen Ebrach, Gerolzhofen und Eltmann auf großen Bereichen die Laubwälder über­ wiegend in einem ökologisch hochwertigen Zustand. Dies bestätigt ein Gutachten des Bundesamtes für ­Naturschutz. Außerdem sind die Wälder ausschließlich im Staatsbesitz und weitgehend nicht zerschnitten. Ein Nationalpark wäre eine großartige Chance für den

Naturschutz in Deutschland und ein wichtiges Signal Bayerns zur Umsetzung der nationalen und internatio­ nalen Vorgaben im Sinne der Nationalen Biodiversi­ tätsstrategie. Nach langem Stillstand ist jetzt wieder Bewegung in das Thema gekommen. Noch unter dem mittlerweile in Ruhestand gegan­ genen Landrat Günther Denzler (CSU) hat der Kreistag des Landkreises Bamberg im April den Geschützen Landschaftsbestandteil »Der Hohe Buchene Wald im Ebracher Forst« ausgewiesen. In dem mit rund 775 Hektar größten nutzungsfreien Waldschutzgebiet ­Bayerns außerhalb der beiden Nationalparke soll die Holznutzung dauerhaft eingestellt werden, damit sich Naturwälder entwickeln können. Obwohl die Nationalparkgegner massiv Stimmung gegen das geplante Waldschutzgebiet machten, gab es nur sechs private Einwendungen, die im Rahmen der Anhörung von den rund 5000 Einwohnern der drei be­ troffenen Gemeinden vorgebracht wurden. Proteste kamen vor allem aus den nicht betroffenen Landkrei­ sen Haßberge und Schweinfurt, aus dem Forstministe­ rium und von Staatssekretär Gerhard Eck. Feuersalamander

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Mittelspecht


Grafik: BN

Flächenvergleich Die graue Fläche zeigt den Naturpark Steigerwald, grün ist das Vorschlagsgebiet für einen Nationalpark Steigerwald und orange das Schutzgebiet »Hoher Buchener Wald«. Wertvolles Erbe Große, ursprüngliche Buchenwälder wie den Steigerwald gibt es kaum mehr. Höchste Zeit, ihn unter Schutz zu stellen.

Umfrage zeigt Zustimmung

Unmittelbar nach der Kommunalwahl versuchte die bayerische Staatsregierung, obwohl sie von den Schutzgebietsplänen wusste, den neu gewählten Bam­ berger Landrat dazu zu zwingen, das Schutzgebiet außer Vollzug zu setzen. Der BUND Naturschutz kriti­ siert massiv, dass die Regierung hier ein Waldschutzge­ biet mit einem Federstrich außer Vollzug setzen will, obwohl sie überhaupt nicht an dem Verfahren beteiligt ist. Nur um die Holznutzung weiterhin zu sichern, teil­ ten Forst- und Umweltministerium in einer kurzen Pressemitteilung mit, dass das erst vor wenigen Wo­ chen in Kraft getretene Waldschutzgebiet außer Vollzug gesetzt werden soll. Staatliches Handeln führt sich ad absurdum, wenn die Staatsregierung unter Umgehung sämtlicher Verfahrensvorgaben Umweltschutzbestim­ mungen einfach »per ordre de mufti« abschaffen kann. Dies ist eines Rechtsstaates nicht würdig. Der BN hat angekündigt, alle rechtlichen Möglichkeiten auszu­ schöpfen und gegen dieses rechtswidrige Vorgehen zu klagen. Mittlerweile hat das Landratsamt Bamberg ein­ geräumt, dass die ministeriell verkündete »Außer-Voll­ zug-Setzung« rechtlich gar nicht möglich ist. Auch wenn sich die CSU und die Freien Wähler im Landtag für die Holznutzung und gegen das Schutzgebiet aus­ gesprochen haben, ist die Durchführung der Verord­ nung alleinige Sache des Landkreises Bamberg, der sie auch erlassen hat. Diese Wende hat die Rechtsposition des BN klar bestätigt. Eine weitere Wende brachten die – für viele sicher überraschenden – Ergebnisse einer repräsentativen TNS Emnid-Umfra­ ge, die der BN und der WWF Deutschland

Der Autor Ralf Straußberger ist der Waldreferent des BN und Geschäftsführer des Freundeskreises Nationalpark Steigerwald.

Infos zum Bürgerverein unter www.vereinnationalparknordsteigerwald.de

Bürgerverein gegründet

Die Staatsregierung ist nun aufgerufen, endlich eine neutrale Untersuchung über die Auswirkungen eines Nationalparks auf die Region in die Wege zu leiten. Als zweiter Schritt muss ein Prozess mit Bürgerbeteiligung in Gang gesetzt werden. Die Bürger verdienen eine um­ fassende Information, wie dies in anderen Bundeslän­ dern unter ähnlichen Umständen längst geschehen ist. An runden Tischen muss mit den Betroffenen gemein­ sam über Fakten diskutiert werden. Der BUND Naturschutz ist sehr erfreut, dass sich Ende Juni 2014 nun ein Bürgerverein gegründet hat, in dem sich Nationalparkbefürworter aus dem Steiger­ wald zusammengeschlossen haben. Damit wird den Anwohnern in der Steigerwaldregion eine Stimme ge­ geben, die in dem Nationalpark eine Chance für die Region sehen. Die Umfrageergebnisse können den vie­ len Nationalparkbefürwortern vor Ort Mut machen, sich dem Bürgerverein »Nationalpark Nordsteiger­ wald« anzuschließen und für eine offene und faire Dis­ kussion einzutreten. Der BN sieht in den positiven Entwicklun­ gen einen Erfolg seiner anhaltenden inten­ siven Aufklärungs­arbeit für einen National­ park Steigerwald. Herzlichen Dank an alle Unterstützer! Wir engagieren uns weiter! Ralf Straußberger

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Waldmeister

Foto: Mader

im Mai in Auftrag gegeben haben. Danach befürwortet eine deutliche Mehrheit von 61 Prozent der Bewohner in der Region Steigerwald einen Nationalpark. Zwei Drittel der Befragten sind zudem der Meinung, dass der Nationalpark Steigerwald Tiere, Pflanzen und alte Bäume besser schützt als ein Forst. Die Naturschutz­ verbände forderten Ministerpräsident Horst Seehofer daher in einer gemeinsamen Erklärung auf, dem Mehr­ heitswillen der Bevölkerung zu entsprechen, so wie er es mehrfach angekündigt hat. Die Umfrageergebnisse zeigen, dass es in der Steigerwaldregion doppelt so viele Menschen gibt, die den Nationalpark begrüßen (61 Prozent), als Menschen, die ihm noch kritisch ge­ genüberstehen (30 Prozent). Die Umfrage zeigt auch, dass noch ein Gefälle zwi­ schen der Akzeptanz eines Nationalparks in den kreis­ freien Städten Bamberg und Schweinfurt einerseits und den Landkreisen Bamberg, Haßberge und Schweinfurt andererseits besteht. In den Städten gibt es eine sehr deutliche Zustimmung von 77 Prozent, in den Landkreiskommunen eine Zustimmung von rund 38 Prozent. Klar wird durch die Befragung auch, dass in den ländlichen Gemeinden eine deutlich höhere Zu­ stimmung zu erreichen ist, wenn auch in einem Natio­ nalpark die Brennholzversorgung der örtlichen Bevöl­ kerung gesichert wird: Über ein Drittel der National­ parkkritiker würde unter dieser Voraussetzung einem Nationalpark eher zustimmen. Der BN ist überzeugt, dass dann auch in den ländlichen Gemeinden eine Mehrheit einen Nationalpark begrüßen würde, so wie dies in anderen deutschen Nationalparkregionen ebenfalls der Fall ist.

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Großer Schilllerfalter


Foto: Michael Kunkel

Seltenheitswert Alte, ursprüngliche Laubwälder wie hier im Spessart gibt es kaum noch. Zumindest die kleinen Reste ­sollten deshalb unter Schutz gestellt werden.

Laubwaldschätze Bayerns

Foto: Thomas Stephan

Die letzten ihrer Art

Der Autor Sebastian Schön­ auer ist stellver­ tretender Vorsitzender des BUND Naturschutz.

Steinpilz

Bayern hat eine große Verantwortung, Laubmischwälder zu erhalten und zu schützen. Allerdings gibt es nur noch ganz wenige Gebiete, in denen unser Waldnaturerbe überhaupt noch geschützt werden kann: In vielen Regionen wurden die ursprünglichen Laubwälder von naturfernen Forsten abgelöst.

N

ur in den Wuchsgebieten Spessart, Rhön, Fränki­ sche Platte und Rhein-Main-Ebene liegt der Laub­ baumanteil bei über 50 Prozent, bayernweit bei weni­ ger als einem Drittel. Noch problematischer wird es, wenn man sich auf die Suche nach alten Laubwäldern macht, die es besonders zu schützen gilt. Hier beste­ hen die größten Chancen, dass hochbedrohte Tier-,

Pilz- und Pflanzenarten oder gar die wenigen verblie­ benen Urwaldreliktarten noch vorkommen. Von den 18 bayerischen Wuchsgebieten stechen dabei besonders der Spessart und die Rhön hervor, weil es hier mit Ab­ stand die meisten und ältesten Laubwälder gibt. Aber: Es sind traurige Spitzenplätze, die das ganze Dilemma des Waldschutzes in Bayern und Deutschland aufzei­ gen. Nur 6,7 Prozent der Wälder im Spessart und nur 4,2 Prozent der Wälder in der Rhön bestehen aus über 160-jährigen Laubwäldern. Das heißt: Es gibt in Bayern nur noch winzige Reste naturnaher, älterer Laubwäl­ der, auf die sich die Schutzbemühungen des Natur­ schutzes konzentrieren, um die letzten verbliebenen Reste für die Nachwelt zu sichern. Diese Ziele finden auch immer mehr gesellschaftli­ che Unterstützung, so von der Bundesregierung und von Kommunen vor Ort, die erkennen, dass sie von der industriellen Forstwirtschaft à la Bayerische Staatsfors­ ten (BaySF) nicht profitieren. So wurden auf großen Druck der Kommunen in der Rhön fast 4000 Hektar Wald dauerhaft einer natürlichen Entwicklung über­ lassen, weil nur so das Biosphärenreservat Rhön geret­ tet werden konnte. Im Spessart zeigen die langjährigen Schutzbemü­ hungen des BN und anderer Organisationen bislang nur kleine Erfolge. Der BN hatte sich seit Jahren dafür eingesetzt, neue Naturwaldreservate auszuweisen und bestehende deutlich zu erweitern – bislang ohne Er­ folg. Der BN hat vor allem durch die hervorragenden Recherchen von Michael Kunkel, Vorsitzender der BNOrtsgruppe Heigenbrücken, immer wieder Defizite in der Waldwirtschaft und beim Waldschutz aufzeigen können. Diese Schäden wurden Jahr für Jahr als Einzel­ fälle abgetan. Erst nach massiven Protesten hatte die BaySF-Zentrale mitgeteilt, dass die ältesten Laubwäl­ der vorläufig nicht mehr eingeschlagen werden – nur befristet zwar, aber immerhin ein erster Erfolg. Der BN hat mittlerweile ein Konzept »Schützen und Nutzen im Spessart« entwickelt. Neben dem Holznutzen soll damit der dauerhafte Schutz einer Naturwaldentwick­ lung auf mehreren 1000 Hektar verankert werden, damit in den ältesten Laubwaldkomplexen Deutsch­ lands hochbedrohte Arten dauerhaft überleben kön­ nen. Dies ist ein Auftrag für uns im BUND Naturschutz und sollte es auch für die Forstwirtschaft sein: dem ­Artensterben in den bayerischen Wäldern durch mehr Naturwälder zu begegnen. Spessart und Rhön sind dafür hervorragend geeignet. Sebastian Schönauer Vielblütige Weißwurz

Wildkatze

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Foto: Hans Kornprobst

Besorgniserregende Zerfallserscheinungen:

Gelungen Ein Positivbeispiel: die Schutzwaldsanierung Hagnberg oberhalb der Spitzingstraße, Gemeinde Schliersee

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er bayerische Gebirgswald zeigt besorgniserregen­ de Zerfallserscheinungen. Zu diesem Ergebnis kamen die Experten bei der Erstellung des bayerischen Alpenplans. Dieser ist seit 1976 Teil des Bayerischen Landesentwicklungsprogramms, das rund 43 Prozent der bayerischen Alpen vor jeglicher Erschließung be­ wahrt. Es gibt immer weniger Bergwald mit gemisch­ ten Baumarten, dafür immer mehr Fichte. Und es fehlt an Jungwuchs, was zur Folge hat, dass die Waldbestän­ de immer lichter werden. Die Bedeutung des Bergwaldes und besonders die der Schutzwälder wurde durch das Bayerische Waldge­ setz von 1975 und den »Bergwaldbeschluss« des Land­ tags von 1984 manifestiert. Die 1984 ins Leben gerufe­ ne Schutzwaldsanierung ist nicht erfolglos geblieben. Längst haben die Schutzwaldsanierungs-Sektionen die biologischen und technischen Kenntnisse und Fähig­ keiten, um in Auflösung befindliche Schutzwälder zu stabilisieren. Bis die Schutzwälder jedoch endgültig ihre volle Schutzfunktion erfüllen können, dauert es häufig viele Jahrzehnte. Rückschläge gehören dabei zur Regel. Beispiele für gelungene Sanierungsprojekte sind die »Weiswand« im Gemeindebereich Bad Reichenhall, »Hagnberg« in der Gemeinde Schliersee und »Wank« im Gemeindebereich Garmisch-Partenkirchen. Aller­ dings stößt die Schutzwaldsanierung überall dort an Grenzen, wo durch überhöhte Schalenwildbestände (Rot-, Gams- und Rehwild) die gepflanzten oder natür­ lich ankommenden Waldpflanzen abgefressen (verbis­ sen) werden. So kommt es, dass zahlreiche Sanierungs­ projekte stagnieren oder gar nicht erst in Angriff ge­ nommen werden, weil der Wildbestand nicht im An­ satz reguliert ist. Sperlingskauz

Der Gebirgswald braucht mächtige Anwälte Heimat für viele selten gewordene Arten, Schutz vor Wasser- und Bodenerosion und vor Lawinen – Bayerns Gebirgswälder erfüllen wichtige Funktionen. Doch die Zukunft des Bergwaldes sieht ganz und gar nicht rosig aus.

Diese äußerst bedenkliche Situation wirft ein Schlaglicht auf die gesamte Waldwirtschaft im staatli­ chen Gebirgswald. Ein Beispiel: der Forstbetrieb Ober­ ammergau der Bayerischen Staatsforsten. Dort beträgt die Rotwilddichte ca. 6,5 Stück je 100 Hektar Wald. Nach anerkannten wildbiologischen Erkenntnissen verträgt der Bergwald aber höchstens einen Rotwild­ bestand von 1,0 bis 1,5 Stück je 100 Hektar Wald. Die Konsequenz der überhöhten Rotwildbestände ist, dass sich die Tanne nicht ansatzweise im notwendigen Um­ fang verjüngen lässt. In Anbetracht des Klimawandels wäre ein gesicherter Tannenanteil in der Verjüngung von mindestens 30 Prozent nötig.

Der Autor Hans Kornprobst, Forstdirektor i. R., ist der Sprecher des BN-Arbeits­ kreises Wald.

Der Vernichtung preisgegeben

Völlig unverständlich mutet es an, dass 2011 auf Antrag der Bayerischen Staatsregierung durch eine ­Änderung des Bundeswaldgesetzes rund 7000 Hektar lichter Ge­ birgswald zu landwirtschaftlichen Weideflächen umge­ widmet wurden. Diese Waldbestände haben den Be­ standsschutz des Bayerischen Waldgesetzes verloren und sind dadurch langfristig der Waldvernichtung preisgegeben. Gesichtspunkte wie Wasser-, Erosionsund Lawinenschutz blieben unberücksichtigt. Triebfe­ der für dieses Vorgehen war die Lobby-Politik der Baye­ rischen Staatsregierung zugunsten der Almwirtschaft. Nach dem Wegfall des Schutzes durch das Waldgesetz wurden auf Privatalmen bereits »ehemalige« Bergwäl­ der gerodet. Die Hochwasserkatastrophe 2013 an der Donau und am Inn unterstreicht wieder einmal die Bedeutung des Gebirgswaldes als Wasserspeicher. Alle Umweltverbän­ de Bayerns müssen daher als Anwälte für den Wald von der bayerischen Staatsregierung wirksame Initiativen zum Schutz des Gebirgswaldes fordern. Die seit der Forstreform 2005 eingetretene forstpolitische Lethar­ gie darf nicht weiterhin zu Lasten der Umwelt gehen. Hans Kornprobst

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Rothirsch


Sind unsere Wälder fit für die Zukunft?

Waldschutz in Zeiten des Klimawandels

Der Autor Ralf Straußberger ist Waldreferent des BN und selbst Waldbesitzer und Jäger.

Rotmilan

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Foto: Robert Schmitt

Die zwei viel diskutierten Megatrends ­ limawandel und Globalisierung bringen K neue Gefahren für Natur und Mensch und werden die bayerischen Waldlandschaften deutlich verändern. Schon die Begrenzung des Temperaturanstiegs auf + 2 Grad Celsius bis 2100 würde in den Wäldern samt ihren Tier-, Pilz- und Pflanzenarten zu deutlichen Veränderungen führen.

ie Politik unternimmt zu wenig, um den Tempera­ turanstieg zu begrenzen. So erscheint statt der Er­ wärmung um 2 Grad auch ein Anstieg um 3 bis 4 Grad Celsius möglich. Um zu sehen, wohin das führt, ist es hilfreich, in Gebiete Europas zu blicken, in denen heute bereits solche Temperaturen herrschen, zum Beispiel in die Wälder in der Oberrheinebene. Ein Anstieg um 4 Grad würde unsere Wälder sogar in den mediterra­ nen Klimaraum katapultieren. Die Wälder in diesen Regionen sind völlig anders zusammengesetzt. Da diese Veränderungen aber binnen einer Baumgenera­ tion stattfinden werden, bleibt den Baumarten keine Zeit, sich anzupassen. So werden die einstigen »Brot­ bäume« der deutschen Forstwirtschaft, zuerst die Fich­ te und dann auch Kiefer, wohl aus unseren Wäldern verschwinden. Verschärft werden können diese Pro­ zesse durch Arten, die an die Klimaerwärmung ange­ passt sind oder davon profitieren. So wird mit an Si­ cherheit grenzender Wahrscheinlichkeit der Rückgang der Fichten und Kiefern von einem massiven Befall durch Käferarten, vor allem Borken- und Prachtkäfern sowie Schmetterlingsraupen, begleitet und forciert werden. Dies lässt sich aus den forstlichen Katastro­ phen der vergangenen Jahrhunderte nach Trockenund Hitzeperioden gut ableiten. Aber auch die Laubbäume werden vor große Her­ ausforderungen gestellt. Ein glücklicher Umstand ist es, dass die von Natur aus verbreitetste Baumart Bay­ erns, die Buche, auch im Falle einer moderaten Klima­ erwärmung künftig in weiten Teilen Bayerns wachsen kann. Es gibt bisher auch kein flächiges Absterben in Buchenwäldern durch einen Befall von Borkenkäfern und Schmetterlingsraupen. Etwas anders sieht es bei der Eiche aus, die schon heute in den wärmsten Gebie­ ten Bayerns weiter verbreitet ist. Hier gab es in der Ver­ gangenheit immer wieder Massenvermehrungen von Schmetterlingsraupen wie dem Schwammspinner,

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Wälder fit machen für die Zukunft Im bis dato größten Waldumbauprojekt in Bayerns Privatwäldern wurden über 200 000 Buchen in Kiefern- und Fichtenwälder gepflanzt; im Bild eine BN-Pressefahrt in den »Zukunftswald Rohr«.

Frostspanner und neuerdings dem Eichenprozessions­ spinner. Dies wurde von der Forstseite immer wieder mit großflächigen Gifteinsätzen bekämpft, die der BN stets kritisiert hat. Der Temperaturanstieg dürfte diese Situation noch verschärfen, weshalb es zwingend ist, dass die langjährigen BN-Forderungen erfüllt werden: Umbau der Eichenreinbestände zu Laubmischwäl­ dern, großflächige Naturverjüngung anstatt Pflanzung hinter Zaun.

Großflächiges Waldsterben möglich

Hinzu kommen aus fernen Ländern eingeschleppte »Schädlinge« als Folge der Globalisierung. Aktuell ist hier der asiatische Laubholzbock zu nennen, dessen Larven in Verpackungsholz aus Asien eingeschleppt werden. Örtlich kann es zum Befall von Laubbäumen durch den Käfer kommen, der fast alle heimischen Laubbäume zum Absterben bringen kann. Dies war zum Beispiel in Neukirchen a. Inn (Landkreis Passau) oder in Feldkirchen (Landkreis München) der Fall. Als wichtigstes Ziel verbleibt eine Ausbreitung des Käfers zu verhindern. Dazu müssen die befallenen Bäume ge­ fällt und verbrannt bzw. gehäckselt werden. Von entscheidender Bedeutung ist es, zum einen die Wälder fit zu machen für die Zukunft (zum Beispiel durch Waldumbau) und zum anderen die Klimaerwär­ mung auf 2 Grad zu begrenzen. Ansonsten droht ein großflächiges Waldsterben, das selbst die Schadens­ flächen zu Zeiten der Waldsterbensdebatten in der 1980er-Jahren in den Schatten stellen wird, mit ökono­ mischen und ökologischen Folgewirkungen in einem ungeahnten Ausmaß. Ralf Straußberger

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Lindenschwärmer


Rabiate Baumfällaktionen häufen sich

Der Baum – ein Ärgernis? Dort, wo gestern eine Buche oder Eiche stand, finden sich heute nur noch Säge­späne: Immer öfter stehen bayerische Baumfreunde vor dieser Situation. Weil eine bundesweite Richtlinie viele Straßenbäume zum potenziellen Verkehrshindernis erklärt, fallen immer mehr ­Straßen- und Alleebäume. ie Fällungen finden ohne große Ankündigung statt, manchmal im größeren Stil, manchmal einzel­ baumweise. Besorgte Rückmeldungen hierüber aus den BN-Gruppen haben sich in den vergangenen Jah­ ren vervielfacht. Schuld am großen Sägen ist mutmaß­ lich die Richtlinie für passiven Schutz an Straßen (RPS) und die Empfehlungen zum Schutz vor Unfällen mit Aufprall auf Bäume (ESAB). Die Regelungen empfehlen seit 2011 einen Abstand von mindestens 7,5 Metern zwischen Baum und Straßenrand. Wird dieser unter­ schritten, sollen zum Schutz der Autofahrer Leitplan­ ken angebracht werden – die die Kommunen viel Geld kosten. Viele Straßenbauämter greifen da offenbar lie­ ber zur Säge. Gleichzeitig wird es deshalb auch schwie­ riger, neue Bäume an Straßen zu pflanzen. Auf eine schriftliche Anfrage des Landtagsabgeord­ neten Markus Ganserer (Grüne) teilte der bayerische Landtag im Juni mit, dass seit Januar 2010 an 234 un­ fallauffälligen Straßenbereichen (Autobahnen, Bun­ des- und Staatsstraßen) auf einer Länge von 46 Kilome­ tern straßennahe Bäume entfernt wurden. Bis Ende 2015 sollen auf neun Kilometern Länge entlang von Bundes- und Staatsstraßen weitere Bäume entfernt werden. Auch unter Politikern regt sich inzwischen Unbeha­ gen über das rabiate Vorgehen: Der bayerische Bun­ destagsabgeordnete Josef Göppel (CSU) forderte An­ fang Februar in einem Schreiben an Verkehrsminister Alexander Dobrindt: »Leitplanken statt Abholzung«. Nach Meinung Göppels, der 28 Jahre als Förster tätig war, geht die pauschale Durchsetzung der Richtlinie weit über das erforderliche Maß hinaus. Die BN-Kreis­ gruppe Ansbach wollte ebenfalls nicht mehr tatenlos zusehen und forderte Anfang 2014 in einem Positions­ papier, nur noch an tatsächlich erkennbaren Gefah­ renstellen Bäume zu entfernen. Inzwischen gibt es Ge­ spräche mit dem Bauamt vor Ort und die Fällungen wurden fürs Erste eingestellt. Die BN-Aktiven äußern sich zuversichtlich, was eine Einigung für die Zukunft angeht.

Foto: Horst Schunk

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Indes bemüht sich der BUND, das große Fällen auf politischem Wege zu stoppen, denn das Phänomen tritt laut BUND-Experte Christian Hönig bundesweit auf. Dem sei nur durch Abschaffung der fraglichen Richtlinie beizukommen.

Wieviel Ordnung muss sein?

Ein kleinerer, wenngleich symptomatischer Vorfall er­ eignete sich kürzlich im beschaulichen Schönhofen im Landkreis Regensburg. Dort mussten drei gesunde 30bis 40-jährige Linden im Ortskern weichen, weil sie nach Meinung des Nachbarn zu viel Schmutz verur­ sachten. Ein Einspruch der BN-Kreisgruppe und der Grünen war abgelehnt worden. Auch eine Umsiedlung, die Baumfreunde organisieren und finanzieren woll­ ten, lehnte der Marktrat ab. Schließlich habe es im Be­ schluss »Fällen« und nicht »Entfernen« geheißen. Dort, wo die Linden zum Dorfmittelpunkt und kühlen Rast­ platz heranwachsen sollten, wird nun der ordnungs­ liebende Nachbar Buchsbäumchen pflanzen. Ein Ausnahmefall? »Dieses verstärkte Fällen in den Gemeinden oder die Lockerung von Baumschutzver­ ordnungen können wir in ganz Deutschland beobach­ ten«, berichtet Christian Hönig. Weil Gemeinden ihre Baumschutzverordnung selbst festlegten, stünden diese im direkten Verhältnis zur Leistungsfähigkeit der Naturschutzämter. »Wenn diese kaputtgespart und deshalb nicht in der Lage sind, eine harte Baumschutz­ verordnung zu kontrollieren, kann ich Gemeinden halbwegs verstehen, die auf strenge Regelungen ver­ zichten.« Heidi Tiefenthaler

Schuppiger Porling

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Frühlingsknotenblumen

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Das große Sägen Eine neue Verordnung sorgt dafür, dass in ganz Deutschland zahllose Bäume an Straßen (wie hier im Landkreis Coburg) gefällt werden.

Springfrosch


Foto: Horst Schunk

Zwei Generationen Hier wird der Wald fit gemacht für die Zukunft: Unter dem Fichtenbestand wachsen junge ­Buchen nach.

Foto: Michael Kunkel

Zehn Jahre bayerische Forstreform Nachhaltigkeit? Wenn maximaler Gewinn aus dem Staatsforst gepresst werden soll wie hier im Spessart, bleibt die Natur oft auf der Strecke.

Im Staatswald regiert das Geld

Das vom BN initiierte Volksbegehren »Aus Liebe zum Wald« scheiterte 2004 knapp. Die Forst­reform konnte nicht verhindert werden. Was ist seitdem passiert? Neben einigen Lichtblicken leider nicht viel Gutes. Der Staatsforst soll vor allem viel Gewinn abwerfen. Dementsprechend werden, wenn es darauf ankommt, Naturschutz und Gemeinwohl hintenangestellt. Statt Förstern und Waldarbeitern bestimmen zunehmend schwere Maschinen das Bild. Zeit für eine kritische Bilanz.

Bechsteinfledermaus

Fliegenpilz

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Massive Bodenschäden

m Jahr 2004 initiierte der BUND Naturschutz das Volksbegehren »Aus Liebe zum Wald«. Obwohl es mit 9,3 Prozent Eintragungen knapp an der 10-ProzentHürde scheiterte und es somit nicht zum Volksent­ scheid kam, kann dieses Volksbegehren als großer Er­ folg bezeichnet werden, denn es hat in weiten Kreisen der Bevölkerung zu einem neuen Waldbewusstsein ge­ führt und politisch einiges auf den Weg gebracht. So wurden die allgemeinen Ziele des Waldgesetzes ver­ bessert, wie die Aufnahme des Grundsatzes »Wald vor Wild«. Auch auf der umweltpolitischen und gesellschaftli­ chen Ebene konnte einiges erreicht werden. Die öffent­ liche Aufmerksamkeit für den Wald und seine Schutzund Erholungsfunktionen wurden massiv verstärkt. Zum ersten Mal fand eine intensive gesellschaftliche Debatte statt über die Art und Weise der Waldbewirt­ schaftung. Das übereilte Reformtempo der Staatsregie­ rung war gebremst worden und Anhörungen wurden durchgeführt.

Aber trotz dieser Erfolge konnte nicht verhindert wer­ den, dass die bayerische Staatsforstverwaltung aufge­ spalten wurde: in die Bayerischen Staatsforsten (BaySF) zur Bewirtschaftung des Staatswaldes und in die Baye­ rische Forstverwaltung zur Wahrnehmung der hoheit­ lichen Aufgaben und Privatwaldberatung. Zehn Jahre nach dem Volksbegehren ist es nun an der Zeit, eine kritische Bilanz zu ziehen: Welche der damaligen Be­ fürchtungen sind eingetreten? Eine der wesentlichen Befürchtungen war, dass im Staatswald der Ökonomie der Vorrang vor den Gemein­ wohlfunktionen eingeräumt wird. Dies ist so eingetre­ ten, obwohl nach dem Waldgesetz für den Staatswald eine besondere Gemeinwohlverpflichtung besteht. Strebten die BaySF anfangs noch eine »Schwarze Null« an, setzt Vorstandsvorsitzender Rudolf Freidhager in­ zwischen ganz klar auf Gewinnmaximierung. Die Aus­ wirkungen sind im Staatswald deutlich sichtbar: Schon jetzt wird mehr Holz eingeschlagen und werden mehr alte Bäume gefällt, als aus Sicht der Nachhaltigkeit und der Artenvielfalt zu verantworten ist. Immer wieder kommt es zu massiven Bodenschäden durch die immer stärker mechanisierte Holzernte. Holzeinschläge in der Brutzeit sind heute eher die Regel denn die Ausnahme. Waldrodungen werden toleriert, weil am Abbau von Bodenschätzen kräftig verdient wird. Eine Vielzahl von Windkraftanlagen, in geschlossene Waldflächen ge­ baut, soll den Gewinn noch weiter steigern. Aus Ein­ sparungsgründen wurde das Personal in der Fläche re­ duziert und Aufgaben zu zentralen Stellen verlagert. Heute haben die Revierförster fast doppelt so viel Flä­ che wie vor der Forstreform zu betreuen. Diese perso­

Aronstab

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Natur + Umwelt BN-Magazin [3-14]


Keine Transparenz

Die Staatsregierung wollte mit der Forstreform die von ihr kritisierte Eigenkontrolle des Forstes abschaffen, hat aber ein noch wesentlich schlechteres Modell er­ richtet. Heute kann niemand mehr die BaySF ausrei­ chend kontrollieren, außer die BaySF selbst. Und deren Prüfungsergebnisse werden dann als Betriebsgeheim­ nis tituliert. Die versprochene Transparenz ist ins Ge­ genteil verkehrt worden, getreu dem Freidhager-Mot­ to: Wir geben nur das heraus, was wir herausgeben müssen. Als Beispiel hierfür kann die langjährige Ver­ weigerung der Herausgabe von Naturschutzkonzepten der Forstbetriebe gelten. Selbst jetzt, wo sie durch gro­ ßen öffentlichen Druck herausgegeben werden sollen, plant die BaySF, dass selbst Interessierte nur eine zen­ sierte Version erhalten. Außerdem halten sich die BaySF nicht an die eigenen Vorgaben dieser an sich guten Konzepte, wie verschiedene Beispiele zeigen. In der Forstverwaltung wurde ebenfalls am falschen Ende gespart. Angesichts des überfälligen Waldumbaus von großflächigen Nadelholzforsten in Mischwälder im Kommunal- und Privatwald gibt es viel zu wenig Förs­ ter für die Beratung der Waldbesitzer. Nötig ist eine Korrektur der Forstreform. Der BUND Naturschutz fordert:  Durch eine Waldgesetzänderung muss der Vorrang für das Gemeinwohl im öffentlichen Wald festgelegt werden.  Die BaySF müssen als einer der größten Waldbesitzer Mitteleuropas auch im Naturschutz Vorreiter werden und dazu die Fläche der nutzungsfreien Waldschutz­ gebiete verdreifachen.  Bei der Planung und der Kontrolle der Staatswaldbe­ wirtschaftung muss die Stellung der Forstverwaltung und des Landtags deutlich gestärkt werden. Dadurch soll die Eigenkontrolle der BaySF beendet werden und moderate, nachhaltige Nutzungsmengen sicher­ gestellt werden.  Außerdem müssen mehr Transparenz beim Zugang zu Daten für Verbände hergestellt und eine ausrei­ chende Bürgerbeteiligung bei der Forstplanung si­ chergestellt werden.  Der Staatswald soll nach den hochwertigen Stan­ dards von Forest Stewardship Council (FSC) zertifi­ ziert werden.  Gute Konzepte helfen wenig, wenn nicht genug Fachpersonal da ist, um sie im Wald umzusetzen. Die

Anzahl der Revierförster in der BaySF muss deshalb deutlich erhöht werden. Die Alleinverantwortung und die Waldarbeiter für ihr Revier müssen ihnen zu­ rückgegeben werden. In der Forstverwaltung müssen 100 zusätzliche Försterstellen geschaffen werden. Die sogenannte Forstreform hat nicht nur die Verwal­ tung reformiert, sondern den Umgang mit den Staats­ wäldern grundlegend geändert. Statt Bürgerbeteili­ gung herrscht Intransparenz, statt Gemeinwohlerfül­ lung wird mit der Gewinnmaximierung der Ausbeu­ tung der Staatswälder Tür und Tor geöffnet! Dieser »Kahlschlag« bedarf dringend einer Korrektur. Hubert Weiger

Foto: Puder

nelle Ausdünnung ist eine Hauptursache für die Fehl­ entwicklungen im Staatswald. Hinzu kommt die soge­ nannte »Funktionalisierung« der Förster: Die Zustän­ digkeiten wurden aufgespalten, so dass die waldbau­ lichen Maßnahmen (das Auszeichnen der zu entneh­ menden Bäume) und die anschließende Holzernte von unterschiedlichen Personen durchgeführt werden. Damit ist die Erfüllung der Gemeinwohlfunktionen aus Personal- und Zeitmangel sowie vermischten Zustän­ digkeiten gefährdet.

Der Autor Huber Weiger ist Landesvorsitzender des BUND Naturschutz und promovierter Forstwirt.

Termine rund um den Wald

 Grenzübergreifendes Schwammerlsuchen Die tschechischen Naturschützer laden ihre Freunde aus Bayern ein zum gemeinsamen Schwammerl­ suchen. Am 11., 12. und 13. September treffen sich Interessierte jeweils um 7 Uhr am Zentrum Ökologische ­Bildung »Dripatka« in der Rumpalova-Straße 999 in Prachatice und fahren von dort selbstständig in den umliegenden Böhmerwald zum Schwammerlsuchen. Jeweils ab 14 werden die Funde gemeinsam im Alten Rathaus von Prachatice identifiziert. Weitere Informationen: Liselotte Horsch (KG Landshut), liselotte.horsch@gmx.de  Pilzexkursion im Allgäu Mit Pilzexperte Johannes Waibel lernt man, was ein Pilz ist, welche Rolle er im Ökosystem spielt und wie man ihn nutzen und schützen kann. Dabei werden wichtige Pilzarten besprochen. 13. 9. 2014, 14 – 17 Uhr, Treffpunkt: Wanderparkplatz ­Untermaiselstein, Anmeldung bis Vortag, 12 Uhr, beim AlpSeeHaus, tourist-info@immenstadt.de, Tel. 0 83 239 98 87 17  Waldwirtschaft im Mittelalter Die Idee der nachhaltigen Forstwirtschaft ist 300 Jahre alt? Keineswegs! Schon im Mittelalter gab es Ansätze dazu. Der Grund dafür waren Kriege. Zur Zeit ­Kaiser Karls IV. (1314 – 1347) wurden dafür so viele Waffen ­benötigt, dass die Holzkohleproduktion für die ­Schmieden viele bayerische Wälder zu zerstören drohte. Ein ­interessanter Aspekt der bayerischen Landesausstellung »Wir sind Kaiser«. Zu sehen noch bis 2. November in Regensburg, Infos und Öffnungszeiten unter www.hdbg.de/ludwig-der-bayer  BR-Radiotag für Kinder BR Klassik bringt am 18. Oktober einen Radiotag für Kinder zum Thema »Im Wald«. Es gibt Geschichten, Sagen, Märchen und Musik, Rätselstunden, Spiele und mehr. Bis 22. September läuft ein Gedichtwettbewerb für Kinder bis 14 Jahre zum gleichen Thema – die ­besten Gedichte werden gesendet. Samstag, 18. Oktober von 8 bis 20 Uhr auf BR Klassik, Infos unter www.br.de

Ringelnatter

Blauflügel-Prachtlibelle [3-14] Natur + Umwelt BN-Magazin 

Luchs

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Porträt

Zu Herbstbeginn färben sich die kleinen, kugeligen Steinfrüchte des Schwarzen Holunders (Sambucus nigra) dunkel. Die schwarzviolett glänzenden »Beeren« des überhängenden Fruchtstandes locken Vögel und Säugetiere wie den Baummarder zur Verbreitung an. Bereits im Frühsommer hatte der Strauch auf sich aufmerksam gemacht: Dicht an dicht drängten sich kleine weiße Blüten und luden mit ihrem Duft Insekten ein.

Foto: privat

D

Die Autorin Dr. Gertrud Scherf hat mehrere ­Pflanzenbücher verfasst.

en Menschen begleitet der Holunder – sein Name steht vielleicht mit Frau Holle in Verbindung – seit alter Zeit. Jeder Bauernhof hatte seinen Hollerstrauch. Im Volksglauben verkörperte »Herr (Frau) Holler« einen wohlgesinnten Geist, der vor Bösem schützt, freigebig mit Wohltaten ist und an dessen Wohnstätte man nicht Hand anlegen durfte, sollte nicht Unheil über Haus und Hof kommen. Noch heute schätzt man den Holunder als Heil- und Nahrungspflanze. Der Blütentee dient als schweißtrei­ bendes Mittel zur Abwehr von beginnenden grippalen Infekten und zur Vorbeugung. »Hollerkücheln«, die in Teig ausgebackenen Blütendolden, einst Kultspeise zu Johanni, sind ebenso beliebt wie mit den Blüten aro­ matisierte Speisen und Getränke. Zu Saft, Gelee, Mus oder Desserts (siehe Kasten) verarbeitet man die reifen Früchte. Achtung! Keine unreifen oder rohen Früchte verzehren, da sie Beschwerden hervorrufen können. Mit den Blättern und Zweigen vertrieb man Schad­ insekten, mit dem Mark der Zweige wurden empfindli­ che Instrumente und Uhren gereinigt. Die Kinder bas­ telten aus den Zweigen Blasrohre oder Wasserspritzen, aus dem Mark »Hollermännchen«. Das Holz verarbei­

Buchtipp: Alte Nutzpflanzen wieder entdeckt – Traditionelles Wissen für den Alltag

In ihrem neuen Buch beschreibt unsere Autorin Dr. Gertrud Scherf die 60 wichtigsten heimischen Nutzpflanzen. Sie erklärt vielfältige Verwendungsmöglichkeiten: zum Färben, Putzen, Schreiben, Spinnen oder in der Schädlingsabwehr. BLV-Verlag, 19,99 Euro, erhältlich im Buchhandel und bei der BN Service GmbH, Tel. 0 91 23 - 99 95 70 oder per Mail an: info@service.bund-naturschutz.de

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Natur + Umwelt BN-Magazin [3-14]

tete man etwa zu Stricknadeln und Schuhnägeln. Mit dem Beerensaft wurden Wein oder Textilien gefärbt. Der Schwarze Holunder hat sich von seinen ur­ sprünglichen Standorten, insbesondere im Auwald, auf vom Menschen geschaffene, nährstoffreiche Biotope ausgebreitet, etwa auf Brachflächen, an Böschungen oder Gehölzsäumen im Siedlungsbereich. Menschen haben den Strauch gepflanzt – an Ställe und Scheunen, an die Gartenecke oder in den Hausgarten. Das robuste Holzgewächs fordert Platz, kann aber problemlos zu­ rückgeschnitten werden. Moderne Gartengestaltung verzichtet häufig auf solche anspruchslosen, nutzba­ ren und ökologisch wertvollen Holzgewächse zuguns­ ten exotischer Sträucher oder gehölzfreier Gärten. Der BUND Naturschutz wirbt seit Jahrzehnten für eine na­ turnahe Gartengestaltung und -pflege, eine Aufgabe, die angesichts schwindender Lebensräume vieler Arten und mancher lebensfeindlicher Gartenmoden heute wieder besonders dringlich erscheint.

Holunderbeer-Creme Für 2 – 3 Personen

6 Fruchtdolden des Schwarzen Holunders, 2 Äpfel, 30 Zwetschgen, 1 Stückchen Zimtstange, 1 TL VanillePuddingpulver, Zucker oder Honig  Fruchtdolden waschen, vollreife Früchte mit einer Gabel ­abstreifen, verlesen. In einem Topf mit Wasser ­bedeckt zum Kochen bringen.  Etwa 15 Minuten zugedeckt kochen lassen, durch ein Sieb streichen.  Äpfel waschen, vierteln, schälen, Kernhaus ­entfernen, in Stücke schneiden.  Zwetschgen waschen, entsteinen, in Stücke ­schneiden.  Holundermus, Äpfel, Zwetschgen in einen Topf schütten, Zimtstange zugeben, etwa 10 Minuten zugedeckt kochen lassen. Zimtstange entfernen.  Puddingpulver mit wenig Wasser verrühren, unter Rühren der Fruchtmasse zugeben, diese aufkochen lassen.  Holunderbeer-Creme nach Belieben süßen. Die Creme schmeckt warm oder kalt. Dazu passen Hirse- oder Reisbrei; mit Quark oder Joghurt entsteht ein feines Dessert.

Fotos: Fotolia/cut, Fotolia/ExQuisine

Der Schwarze Holunder


Foto: Jörg Schmiedel

Gerettete Landschaften

Tag für Tag verschwindet mehr Natur unter Asphalt und Beton, wird weggebaggert und -gepflügt. S ­ eit seiner Gründung setzt sich der BUND für natürliche Vielfalt ein. So auch auf der Insel Rügen: An der Neuendorfer Wiek bewahrte der BUND das malerische Hügelland vor einem drohenden Kiesabbau. Bunte Magerrasen und stille Meeresufer bleiben nun auf Dauer erhalten.


Die Schöne der Auen Purpurrot, manchmal auch grün-weiß ­gefleckt mit großen, becherförmigen Blüten, gehört die Schachblume ­ wohl zu den prächtigsten Blumen auf Bayerns Frühlingswiesen. Das Beispiel Bayreuth zeigt, wie viele Akteure ­zusammenhelfen müssen, um so eine ­botanische Kostbarkeit zu schützen.

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reude und Enttäuschung lagen nah beieinander als Peter Ille, Geschäftsführer der BN-Kreisgrup­ pe Bayreuth, 2009 rund um seine Heimatstadt unterwegs war, um Schachblumen zu erfassen. Man­ che, vor Jahren dokumentierte Vor­ kommen waren inzwischen erlo­ schen und kein einziges Exemplar mehr auffindbar. An anderen Stand­ orten trafen er und seine Frau, die Biologin Kerstin Löblich-Ille, auf

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Hunderte der prächtigen Blüten. Eine Förderung des Bayerischen Naturschutzfonds hatte das Projekt ermöglicht und der BN die bezahlte Arbeitszeit zur Verfügung gestellt. Doch all das, macht Ille deutlich, wäre ohne das besonnene Handeln vieler Landwirte nicht möglich – oder vielmehr gar nicht mehr nötig gewesen. Sie hätten, trotz finanziel­ ler Einbußen, über mindestens zwei Generationen hinweg ihr Grünland so schonend bewirtschaftet, dass die Schachblume dort überleben konnte. Und auch die Stadtväter und -mütter haben ihr Quäntchen beigetragen: Die Genehmigung für ein Industriegebiet, das wichtige Bestände zerstört hätte, hat die Stadt mit großem finanziellen Auf­ wand rückgängig gemacht.

Liebling der Gärtner

Als »Geophyt« wächst die Schach­ blume aus einer Zwiebel, in der sie im Vorjahr reichlich Nährstoffe ge­ speichert hat. Das sichert ihr den entscheidenden Vorsprung vor der Konkurrenz. Im April oder Mai, bevor das Gras in die Höhe schie­ ßen kann, erblüht die lichthungrige Lilie und legt ihre Samen und den

Die gewöhnliche Schachblume (Fritillaria meleagris) Klasse: Einkeimblättrige (Liliopsida) Ordnung: Lilienartige (Liliales) Familie: Liliengewächse (Liliaceae) Lebensraum: feuchte, nährstoff­ arme Wiesen und Flusstäler Verbreitung: Asien und Europa, dort vor allem im Südosten Schutzstatus: in wild wachsenden Beständen durch die Bundes­ artenschutzverordnung besonders geschützt Gefährdung: in Bayern und Deutschland stark gefährdet Andere Bezeichnungen: Schachbrettblume, Kiebitzei, Marmorlilie, Kuckuckstulpe, Kuhglocke

Nährstoffspeicher für das nächste Jahr an. In Deutschland ist das schöne Gewächs vor allem in den Elbauen bei Hamburg und im hessisch-bay­ erischen Sinntal im Spessart zu fin­ den. Die Bestände in Bayreuth sind nach jenen im Sinntal die wichtigs­ ten in Bayern. 2005 konnte der BN mithilfe von großzügigen Spenden dort vier zusammenhängende Flur­


»Ein wunderschönes Mitgeschöpf«

Peter Ille ist Naturschützer durch und durch. 2009 hat er im Raum Bayreuth die Bestände der Schachblume kartiert und ein Schutzkonzept erstellt. Die ersten Erfolge seiner Arbeit stellen sich bereits ein.

Foto: Wolfgang Willner

N+U: Herr Ille, Ihr Abschlussbericht ­ zum Schachblumen-Projekt ist ähnlich umfang- und detailreich wie eine D­iplomarbeit. Haben Sie sich Naturschutzarbeit früher so vorgestellt?

stücke im Unteren Rotmaintal in seinen Besitz bringen und so wich­ tige Vorkommen sichern. In Bayreuth ist die Schachblume seit 160 Jahren bekannt. Ob sie in der oberfränkischen Stadt immer schon heimisch war oder Menschen nachgeholfen haben, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Ihren Verbreitungsschwerpunkt hat sie in Asien. Ausgebreitet hat sich die Lilie einerseits durch Verwilderung. Gar­ tenliebhaber schätzen sie seit Jahr­ hunderten wegen ihrer auffälligen Blüte. Andererseits spielen die Fluss­auen, ein bevorzugter Lebens­ raum der Schachblume, eine große Rolle bei ihrer Ausbreitung. Die mit Luftkammern versehenen Früchte der Pflanze verteilt das sommer­ liche Hochwasser über weite Ent­ fernungen.

Lebensraum in Gefahr

Leider wird nicht an allen Wuchsor­ ten der Schachblume so umsichtig gehandelt wie in Bayreuth. Im Ver­ lauf des 20. Jahrhunderts sind viele Bestände verschwunden. Laut einer Studie aus den Niederlanden ist das europaweite Vorkommen zwischen 1950 und1994 um 97 Prozent ge­

Foto: Nordbayerischer Kurier/Renate Stiefl

Seltenheit In Bayern kommt die Schachblume nur an zwei Orten vor: rund um ­Bayreuth und im Sinntal.

Peter Ille: Gewünscht, ja. Ich hätte im ­Rahmen meiner Arbeit gerne öfter Zeit für solche Sachen.

Das heißt, Sie empfinden das nicht als Fleißarbeit?

Wenn man so eine Erfassung machen möch­ te, muss einem klar sein, dass man eben auch viel schriftliche Arbeit erledigen muss.

Was hat Ihnen an dem Projekt besonders viel Freude gemacht?

Die Schachblume ist ja ein wunderschönes Mitgeschöpf. Das hat dann schon was, wenn man draußen unterwegs ist und die blühen­ den Bestände kartieren darf.

Gibt es schon einen konkreten Erfolg aus dem Projekt?

Besonders schön ist, dass das größte Vor­ kommen in Bayreuth bald als geschützter Landschaftsbestandteil ausgewiesen und so noch besser geschützt sein wird. Und für die Landwirte, die es überhaupt erst ermöglicht haben, dass die Schachblume im Bayreuther Raum noch zu finden ist, ist es eine kleine

schrumpft. Ein wichtiger Grund dafür ist der seltener werdende Le­ bensraum der Schachblume: Sie liebt feuchte und nährstoffarme Wiesen, oft in Flusstälern gelegen. Werden diese plötzlich gedüngt, entwässert, aufgeforstet oder zu früh gemäht, ist es mit der Blüten­ pracht schnell vorbei. Ebenso, wenn die Flüsse reguliert oder eingedeicht werden und so die regelmäßigen Überschwemmungen ausbleiben. Manchmal sind es aber auch »Naturliebhaber«, die der schönen

Anerkennung, dass diese Arbeit gemacht wurde.

Von wem wünschen Sie sich mehr Einsatz für diese Pflanze?

Das A und O ist, dass dort, wo sie vorkommt die erste Mahd relativ spät erfolgt. Da sind die Landwirte und die Naturschutzbehörden gefragt. Die späte Mahd kann zum Beispiel im Rahmen des Vertragsnaturschutzes ­unterstützt werden. Artenschutz ist halt nicht zum Nulltarif zu haben.

Wie sehen Sie die Zukunft der ­Schachblume in Bayreuth?

Wenn es gelingt, die Bewirtschaftung so ­weiterzuführen wie bislang, sehe ich insge­ samt keine Probleme. Auch nicht, was den Klimawandel angeht. Die Schachblume kommt ursprünglich in Südosteuropa vor und da ist es ja noch um einiges wärmer als hier.

Für alle, die jetzt neugierig sind: Wo kann man Schachblumenwiesen bewundern?

Die Stadt Bayreuth hat die Schachblume mit Erfolg im Röhrenseepark gepflanzt und auch unterhalb vom Festspielhaus gibt es Vorkommen, die man trockenen Fußes und ohne die Pflanzen zu schädigen, besichtigen kann.

Blume zusetzen. Ein Mitarbeiter der Höheren Naturschutzbehörde in Bayreuth bewachte über viele Jahre hinweg in seiner Freizeit die erblüh­ ten Bestände, um sie vor »Natur­ liebhabern« und ihren mitgebrach­ ten Schaufeln zu schützen. Mit viel Geduld und noch mehr Gesprächen konnte er nach und nach alle von ihrem Vorhaben abbringen. Wieder so einer, ohne den die Schachblume wohl an vielen Orten nicht mehr blühen würde. Heidi Tiefenthaler

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Klage gegen S-Bahn durchs Knoblauchsland

Foto: KG Passau

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Naturschutzmedaille für Eva Pongratz

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m Mai wurde Eva Pongratz mit der Bayerischen Naturschutzmedaille ausge­ zeichnet (Bild). Landesvorsitzender Hubert Weiger hob in seiner Laudatio insbesondere ihre Leistungen beim Aufbau eines Netzwerks der Großschutz­ gebiete in Europa und ihren Einsatz zur Verwirklichung der Wildnisidee in ­Nationalparken hervor. Die gebürtige Zwieselerin begann 1986 als Geschäfts­ führerin der Föderation EUROPARC und baute in Grafenau, zunächst im »EinFrau-Betrieb«, die Geschäftsstelle dieser europäischen Dachorganisation für Natur- und Nationalparke auf, die sie bis 2008 mit großem Engagement und sehr erfolgreich leitete. Daneben übernahm sie bereits 1989 die Redaktions­ leitung des Magazins »Nationalpark« und seit 2002 auch der Zeitschrift »Schö­ ner Bayerischer Wald«, die sie zu einem vorbildlichen Modell zur Förderung der regionalen Identität entwickelte. In ihrer Dankesrede betonte Eva Pon­ gratz, dass sich mit dem Preis eine neue Energiequelle erschlossen habe, aus der sie Kraft für ihre Arbeit schöpfen könne.

itte Juni 2014 legte der BUND Naturschutz beim Bundesverwaltungsgericht die Klage­ schrift gegen den geplanten Bau einer S-Bahn-Stre­ cke durch das westliche Knoblauchsland vor. Das Eisenbahn-Bundesamt hatte den Bau des »S-BahnVerschwenks« auf Grundlage einer völlig veralteten Planung aus den 90er-Jahren genehmigt. Auch die Stadt Fürth kämpft seit Jahren gegen die S-BahnStrecke, da die geplante Trasse unsinnig ist. Ge­ meinsam wollen Stadt und BN erreichen, dass die S-Bahn entlang der bestehenden Bahnstrecke zwi­ schen Fürth und Erlangen gebaut wird, wo man weit mehr Menschen an die S-Bahn anbinden könnte. So ließe sich viel landwirtschaftliche Nutz­ fläche und ein Teil des Knoblauchslandes retten. Das Gebiet gilt als der Garten der Städte Nürnberg, Fürth und Erlangen und konnte trotz der Nähe zu den Städten seinen ländlich-dörflichen Charakter bewahren.

Europa: Vorrang für Schutz der Lebensgrundlagen! uropa hat gewählt und zumindest ein Thema kam ver­ stärkt in die politische und öffentliche Diskussion: das Freihandelsabkommen TTIP zwischen den USA und der EU. Sowohl der der alte und neue Parlamentspräsident Martin Schulz als auch der neue Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker äußerten sich angesichts des öffent­ lichen Widerstands kritischer als zuvor zu TTIP. Auch für Bayern haben die Beschlüsse im Europäischen Parlament entscheidende Bedeutung: sei es bei Energiewende, Atom­ ausstieg und Klimaschutz, der Sicherung einer gentech­ nikfreien und umweltverträglichen Landwirtschaft oder der Frage, wie sich die Natur- und Lebensqualität im Frei­ staat insgesamt verbessern lässt. Daher muss der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen wieder an erster Stelle der Europapolitik stehen und gegenüber kurzsichtiger Wachstumsorientierung und Freihandelsinteressen zu Lasten von Mensch und Natur verteidigt werden. Der BUND Naturschutz wird dafür vor allem bei den dreizehn EU-Abgeordneten aus Bayern intensiv werben und ihr ­Abstimmungsverhalten beobachten und veröffentlichen.

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Natur + Umwelt BN-Magazin [3-14]

Foto: Luise Frank

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»Jubiläums-Arche« übergeben

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um 100-jährigen Bestehen hatte der bekannte Zeichner und Karikaturist Horst Haitzinger (im Bild rechts) dem BUND Naturschutz ein schönes Geschenk gemacht: eine Zeichnung mit einer »Jubiläums-Arche«, die 2013 zugunsten der Naturschutzarbeit des BN online versteigert wurde. Ein Spender, der nicht namentlich genannt werden möchte, er­ warb das Kunstwerk für 2100 Euro. Im Mai nahm der BN-Vor­ sitzende Hubert Weiger (links) die »Arche« stellvertretend aus den Händen von Horst Haitzinger (rechts) entgegen. »Das Motiv der Arche Noah begleitet mich schon sehr lange«, er­ zählte der Künstler, der schon mit zahlreichen Zeichnungen und Karikaturen auf Umweltschutzthemen aufmerksam ge­ macht hat. Hubert Weiger bedankte sich im Namen des gan­ zen Verbandes für das schöne Jubiläumsgeschenk.


Ja zur Energiewende, nein zur Stromtrasse

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ich für Natur und Umwelt engagieren und Gutes bewirken – das wollen die vielen Tausend Ehrenamtlichen, die alljährlich bei der BN-Sammelwoche für Bayerns Natur Spenden sammeln. Dieses Jahr lief die Sammlung Mitte Mai. Der Einsatz der Helfer und die Großzü­ gigkeit der vielen Spender sind von unschätzbarem Wert, denn die »Kröten« werden dringend gebraucht. Mit ihrer Hilfe hat der BUND Naturschutz Erfolgsgeschichten wie die Rückkehr des Bibers und der Wildkatze geschrieben. Besonders viel Spaß macht das Sammeln den Schülern der 5. und 6. Klassen, wie zum Beispiel im Gymnasium Do­ nauwörth. Seit vielen Jahren ist die Schule mit ihrem Einsatz für die gute Sache eine der erfolgreichsten in Bayern, neben der Realschule in Waldkraiburg, dem Ernst-Mach-Gymnasium und dem Gymnasium Oberhaching im Landkreis München. Der BN bedankte sich bei den Schülern mit Ausflügen zu seinen Umweltbildungszentren. Im Juli ­erlebten so die Sammler des Donauwörther Gymnasiums einen span­ nenden Tag im Alpseehaus in Immenstadt.

Foto: Gerald Schmid

nen entlang des möglichen Trassenverlaufs zwischen Bad Lobenstein in Thüringen und Meitingen im Land­ kreis Augsburg. Dazu zählten Kundgebungen, eine ökumenische Wallfahrt und Bulldog-Demos. In der Oberpfalz strickten Trassengegner einen über 100 Meter langen Schal, mit der Botschaft, die Betreiberfir­ ma der Stromtrasse, Amprion, müsse sich warm anzie­ hen. Bei der Veranstaltung in Altdorf im Nürnberger Land kritisierte der BN-Vorsitzende Hubert Weiger, dass die Pläne für die Trasse aus dem Jahr 2010 längst überholt seien. Für eine echte dezentrale Energiewen­ de brauche es eine neue Leitungskonzeption. Bereits im Mai hatten in Nürnberg rund 3000 Bürger friedlich und lautstark gezeigt, was sie von der Stromtrasse hal­ ten: nichts. Dabei bezeichnete der stellvertretende BNVorsitzende Sebastian Schönauer die Demonstranten als »Mutbürger«, die sich zu Recht gegen die Kohle­ stromtrasse zur Wehr setzten. Er forderte von der Bun­ desregierung ein »Kohlestrom-Ausstiegsgesetz«.

Foto: Andreas Güthler

Foto: Tom Konopka

on Oberfranken bis Schwaben protestierten am letzten Juni-Sonntag Tausende Menschen gegen die geplante Gleichstromtrasse Süd-Ost quer durch Bayern. Rund 50 Bürgerinitiativen organisierten Aktio­

Kröten sammeln einmal anders

Starkes Zeichen gegen Fracking

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n der Oberpfalz hat sich starker Widerstand gegen die Gasgewinnung durch Fracking formiert. Anfang Juli übergab das Bündnis »Abgefrackt – Weidener Becken gegen Fracking« dem bayerischen Landtag eine Peti­ tion mit 54 000 Unterschriften gegen Fracking. Ende Juni waren zudem rund 100 Bürger in Weiden auf die Straße gegangen, um gegen die umweltschädliche För­ dertechnik zu protestieren. Organisiert hatte die Demo Sonja Schuhmacher, BN-Ortsgruppenvorsitzende und Sprecherin des Bündnisses. Die besorgten Bürger be­ fürchten vor allem eine Verseuchung des Grundwas­ sers, da beim Fracking mit Chemikalien versetztes Wasser in den Boden gepresst wird, um das Gestein aufzusprengen. Durch die Gesteinsöffnungen kann dann auch Gas emporsteigen. Das bayerische Wirt­ schaftsministerium hatte einem Unternehmen eine Erkundungslizenz für das 2600 Quadratkilometer große Gebiet des Weidener Beckens zwischen Bayreuth und Amberg erteilt.

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politische ökologie

Postfossile Mobilität

Kaum ein anderer Fluss in Süd­ deutschland wurde so brutal ver­ baut wie der Lech. Trotzdem ist er für die Autoren von »Lechliebe« die Hauptschlagader ihrer Heimat. Re­ gionalbücher gibt es heute wie Sand am Meer – oder sollte man sagen, wie Kiesel am Lech. Die­ ses hier sticht wohltuend heraus aus der Masse. Zum einen wegen der ­herausragenden Qualität der Bilder. Der Schön­ heit dieser Landschaften kann man sich nicht ver­ schließen. Zum anderen haben die Texte ihren ganz eigenen Charme: Da gibt es Kindheitserinnerungen und lyrische Texte, die den Lech in seinem Lauf begleiten, die Land­ schaften, Kiesbänke und Wasser­ strudel beschreiben. Auch wer hier nicht zu Hause ist, kann mit diesem Buch seine Liebe zu Schwabens großem Fluss entdecken. Hans Schütz, Eberhard Pfeuffer: Lechliebe, mit 131 Fotos, Bauer Verlag, 18 Euro

Zukunftstauglich und vernetzt unterwegs

Denkanstöße

»Allerhand! « sagt man in Bay­ ern, wenn man sich über etwas aufregt oder einem etwas ganz Besonderes auffällt. Besonde­ res, Skurriles und echte Aufreger hat Sepp Rehrl hier zusammengetragen. Der frühere Leiter der Landvolks­ hochschule Niederalteich greift po­ litische Fragen und Zustände auf, begibt sich auch auf das Terrain der Religion und Alltagsphilosophie und spart nicht mit heiteren Kom­ mentaren zum täglichen Leben. Mit viel Esprit formuliert, öffnet er mit diesen kleinen Textjuwelen neue Blickwinkel, lädt zum Nachdenken und Schmunzeln ein – mal auf Hochdeutsch, mal auf Bairisch. Ein Buch zum Immerwiederlesen. Und jedesmal möchte man nicken und sagen: »Ja, genau!« Sepp Rehrl: Allerhand, mit Zeichnungen von Fritz Maier, morgenroth media, Bestellung: Tel. 0 8961 30 48 11 oder bestellungen@­ morgenroth-media.de, 12,50 Euro

Mobilität neu denken

Dass wir unse­ ren Autofeti­ schismus nicht ewig weiter so betreiben kön­ nen wie heute, ist mittlerweile vie­ len klar. Aber was dann? Wie organi­ siert man Mobilität, wenn sich nicht mehr jeder einfach ins Auto setzt und drauflosfährt? Dieses Heft aus der Reihe »Politische Ökologie« ­bietet zu dieser Frage spannende Denkansätze. Bekanntes wie Car­ sharing und der Ausbau der öffent­ lichen Verkehrsmittel, aber auch ganz Neues. Warum nicht die Am­ peln auf Dauergrün für Fußgänger schalten? Grün für Autos gäbe es dann nur noch per Anforderungs­ schleife. Nicht zuletzt geht es um psychologische Aspekte des Mobili­ tätswandels. »Postfossile Mobilität« ist eine gute Anregung zum weite­ ren Nachdenken über dieses zentra­ le Zukunftsthema. Oekom e.V. (Hrsg.): Postfossile Mobilität (Reihe »Politische Ökologie«, Nr. 137), oekom Verlag, 17,95 Euro Juni 2014_32. Jahrgang_ISSN 0933-5722_B 8400 F

Schwabens großer Fluss

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Zurück ins Kohle- und Atomzeitalter?

Foto: Heinz Wraneschitz

Die Bayerische Staatsregierung will ein Gesetz mit einer neuen Regelung für den Abstand von Windkraftanlagen zu Wohnhäusern beschließen. Der Ausbau der Windenergie in Bayern würde damit zum Erliegen kommen.

Energiewende – Rolle rückwärts in Bayern

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er Bayerische Landtag berät derzeit über ein Ge­ setz, mit dem für neue Genehmigungsanträge von Windkraftanlagen obligatorisch ein Abstand von zehn Mal die Höhe des Windrades zum nächsten Wohn­ gebiet eingehalten werden muss (die sogenannte 10HRegel). Da aus Effizienzgründen die Windräder in Bay­ ern etwa 200 Meter hoch sein sollten, bedeutet dies in der Realität einen Abstand eines Windrades von 2 Kilo­ metern zum nächsten Wohngebiet. Dabei spielt es nicht einmal eine Rolle, ob man von dem Wohngebiet aus das Windrad sieht oder nicht. Diese Abstandsregel soll selbst für Gebiete gelten, in denen in der Regional­ planung Vorbehalts- oder Vorrangflächen für Wind­ kraftnutzung festgelegt worden waren. Bisher gab es in Deutschland keine Vorschrift, die einen Abstand von 2 Kilometern zu einer Industrie- oder Infrastruktur­ anlage gefordert hätte.

Regionalplanung Makulatur

Die unter großem Aufwand erstellte Regionalplanung ist damit weitgehend Makulatur, weil die 10H-Regel im dicht besiedelten Bayern kaum einzuhalten ist. Im Er­ gebnis können dann nur noch wenige neue Windkraft­ anlagen auf unter einem halben Prozent der Landesflä­ che gebaut werden, nämlich nur noch in großen Wald­ gebieten und auf schützenswerten Naturflächen. Dies lehnt der BN zum Schutz von Natur und Landschaft entschieden ab. Mit dem neuen Gesetz würde die Energiewende komplett verfehlt, weil mehr Windkraftanlagen nötig sind, um die Energieziele in Bayern für 2020 zu errei­

chen und die Stromversorgung bis zum Jahr 2040 auf 100 Prozent Erneuerbare Energien umzustellen. Dies ist dringend nötig, um die Klimakatastrophe durch die fossile Energienutzung abzuwenden und die lebens­ gefährlichen Atomkraftwerke in Deutschland endlich abzuschalten. Als demokratisches Trostpflaster wurde im dem von Ministerpräsident Horst Seehofer durchgedrückten Gesetzentwurf vorgesehen, dass die Gemeinden durch neue eigene Bebauungspläne von der 10H-Regel ab­ weichen können. Dies bedeutet aber ein aufwändiges Verfahren mit einer durchschnittlichen Dauer von zwei Jahren und mehr und kann schon 2 Kilometer vor den eigenen Gemeindegrenzen enden, weil der Abstand auch zu den Wohngebieten der Nachbargemeinden einzuhalten ist. Außerdem können bei dieser rechtli­ chen Konstruktion über das Instrument des Bürgerent­ scheides Windkraftanlagen verhindert werden. Eine Initiative für einen bestimmten Windkraft­ standort per Bürgerentscheid ist aber nicht möglich, weil damit Bebauungspläne nicht rechtskräftig be­ schlossen werden können. Der BUND Naturschutz for­ dert den Landtag auf, dieses Gesetz nicht zu beschlie­ ßen, sondern wie bisher über eine ordentliche Raum­ planung geeignete Windkraftstandorte zu finden, wie dies in fast allen bayerischen Regionalplänen bereits der Fall ist. Peter Rottner

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Rechtzeitig fertig Die Bürgerwind­ anlage Reuthwind in Mausdorf im Landkreis Neustadt/Aisch war fertig geplant, bevor »10H« durch die bayerische ­Politik geisterte. Andere Planungen kamen durch die angekündigte ­Gesetzesänderung zum Erliegen.

Der Autor Peter Rottner ist der Landesgeschäftsführer des BUND Naturschutz und Verwaltungsjurist.


Freihandelsabkommen massiv in der Kritik

Foto: Toni Mader

Foto: Richard Mergner

Das Chlorhühnchen wurde zum Symbol eines Freihandels­ abkommens, das viele besorgte Bürger auf beiden Seiten des Atlantiks ablehnen. Doch es geht nicht nur um Hühner. Es geht um den Ausverkauf unserer Umwelt- und Verbraucherschutzstandards – und letztlich unserer Demokratie.

Bayern gegen TTIP

Der Autor Richard Mergner ist der Landesbeauftragte des BN.

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ie gute Nachricht vorweg: Der breite Bürgerwiderstand gegen ein Freihandelsabkommen für Kon­ zerne zeigt Wirkung. Gerade durch die vielen Veranstaltungen und De­ monstrationen des BUND Natur­ schutz unterstützt durch ein breites Netzwerk, das von den Imkern über engagierte Milchbauern und Ent­ wicklungsinitiativen bis zu einzel­ nen Gewerkschaften wie der baye­ rischen IG Metall reicht, sind die Befürworter einer transatlantischen Handels- und Investitionspartner­ schaft – kurz TTIP – in die Defensive geraten. Die Geheimverhandlungen zwischen der EU-Kommission und der amerikanischen Regierung sto­ ßen auf massive Kritik. Befürworter wie Bundeskanzlerin Angela Mer­ kel, Wirtschaftsminister Sigmar ­Gabriel und die bayerische Staats­ regierung – in einer Allianz mit den Chefs großer Konzerne wie Mon­

Foto: Doris Schneider

Informations­ besuch in Washington (vo. li.) Staatsministerin Dr. Beate Merk, Trade Re­ presentative Ilana ­Solomon und BN-Landesbe­ auftragter Richard Mergner

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santo, Bayer und Co – versprechen sich mehr Wirtschaftswachstum und Gewinne. Nicht erst die NSASpionage-Affäre, sondern auch die berechtigte Sorge vor dem drohen­ den Abbau von Umwelt- und Ver­ braucherschutzstandards, einem neuen Einfallstor für genmanipu­ lierte Lebensmittel sowie der Kon­ kurrenz durch eine mit Hormon­ einsatz hochgerüstete US-Landwirt­ schaft haben die Protestaktionen vervielfacht. Hunderttausende haben sich inzwischen dem von der BN-Delegiertenversammlung in Würzburg geforderten Stopp der Verhandlungen zu TTIP angeschlos­ sen. Eine europäische Bürgerinitia­ tive ist in Planung. Auch das eben­ falls seit Jahren geheim verhandelte »CETA«-Abkommen zwischen der EU und Kanada und die Verhand­ lungsrunde »TiSA« für die Libera­ lisierung und Privatisierung von Dienstleistungen dürfen sich der ­öffentlichen Diskussion und einer transparenten, demokratischen Kontrolle nicht länger entziehen. CSU und SPD auf Bundesebene wie im bayerischen Landtag wollen allerdings immer noch den »Erfolg des TTIP-Abkommens« nicht ge­ fährden und fordern als »rote Lini­ en« die Einhaltung der »hohen ­europäischen Verbraucherschutz­ standards«, ohne sich der fundier­ ten Kritik an der Intransparenz und

Bürger in Sorge Bei vielen Demos im ganzen Land haben besorgte Bürger den Stopp der TTIP-Verhandlungen gefordert.

Demokratiefeindlichkeit des gesam­ ten Verfahrens zu stellen. Nur die Freien Wähler und die Grünen haben sich der Protestbewegung angeschlossen, die bayerische SPDLandesgruppe im Bundestag hat sich zumindest für ein Aussetzen der Verhandlungen bis zum Novem­ ber ausgesprochen. Doch auch der Widerstand in den USA ist groß bei Umweltver­ bänden wie Friends of the Earth und dem Sierra Club sowie Teilen der Gewerkschaften. Ebenso wächst die Kritik an TTIP in der Demokra­ tischen Partei. Dies konnte der BNLandesbeauftragte Richard Mergner bei vielen Gesprächen im Frühjahr in Washington D.C. im Rahmen einer Delegationsreise mit der zu­ ständigen Staatsministerin für ­Europaangelegenheiten, Beate Merk, feststellen. Der BUND Natur­ schutz wird diese echte transatlan­ tische Partnerschaft zum Schutz von Umwelt und Verbraucherstan­ dards weiter ausbauen. Richard Mergner

Informationen zu TTIP: www.bund-naturschutz.de/ttip


Zerstörerisches Wettrüsten am Sudelfeld

Der Kampf gegen den Ausbau der künstlichen Beschneiung im Skigebiet Sudelfeld geht in die nächste Runde: Nachdem das Verwaltungsgericht München Anfang Juni den Eilantrag des BUND Naturschutz und des Deutschen Alpenvereins (DAV) auf Baustopp abgelehnt hatte, haben die Verbände nun Beschwerde gegen die Entscheidung eingelegt. der Landschaftsschutzverordnung nicht zu vereinbaren. Der BN-Vor­ sitzende Hubert Weiger bezeichnete das Vorhaben am Sudelfeld als »Höhepunkt einer zerstörerischen Aufrüstungsspirale« im Wettrüsten der bayerischen Skigebiete. Die ­Fokussierung auf den Skipisten­ tourismus ist angesichts des Klima­

Freie Fahrt fürs Rad: Dem Radver­ kehr gehört in Städten die Zukunft. Wie Radler jedoch wirklich voran­ kommen, hat die Kreisgruppe München des BN im Juni in einer GPS-gestützten Untersuchung an vier Teststrecken ermittelt. Das

wandels kurzsichtig und behindert die Entwicklung nachhaltiger ­Tourismuskonzepte mit zukunfts­ sicheren Arbeitsplätzen. Kurt Schmid (as)

Fazit: Nicht die eigene Geschwin­ digkeit, sondern die Zahl der Am­ peln auf der Strecke und der unge­ nügende Ausbau der Radverbin­ dungen bestimmen in München die Fortbewegung per Pedal. Dar­ aus leitet die Kreisgruppe zehn Forderungen ab, an erster Stelle eine »Grüne Welle für Radler«. Details gibt es unter: www.bnmuenchen.de/index. php?id=1343&L=0

Gigantische ­Fehlplanung Am Sudelfeld (Foto oben: vor Beginn der Bauarbeiten) sollen rund 250 neue Beschneiungsanlagen entstehen, die über insgesamt 17 Kilometer neue Leitungen im Erdreich aus einem Spei­ cher­becken für 155 000 Kubikmeter Wasser gespeist werden.

Storchenhilfe: Seit 2003 kümmern sich Mitglieder der Kreisgruppe Neuburg-Schrobenhausen des BN um den Schutz der Weißstörche im Landkreis. Anlässlich des zehn­ jährigen Engagements brachte die Kreisgruppe im März mit dem »Storchenbericht« eine anspre­ chende Broschüre heraus, die ­Lebensumstände und Gefährdung des Weißstorchs erläutert. Elf der zwölf im Landkreis bestehenden Storchennester hat der BN erneu­ ert bzw. neu angelegt. 2013 waren bis auf eines alle Nester belegt, der Storchenbestand hat sich deutlich erholt. Weitere Information: www.neuburg-schrobenhausen. bund-naturschutz.de

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NATURNOTIZEN AUS OBERBAYERN

Artenvielfalt: Von 1. bis 13. Juli fanden zum zweiten Mal die »Traunsteiner Wochen der Bio­ diversität« statt, diesmal zum Thema »Leben am und im Was­ ser«. Wie bei der Premiere 2012 zeichnen die Stadt und die BNKreisgruppe Traunstein als Veran­ stalter. Neben einer Ausstellung im Rathaus wurden Exkursionen ins Moor, an Traun und Donau, ein Seminar zur Wasserrahmenricht­ linie der EU und ein Kulturpro­ gramm mit Filmen, Konzert und Lesung geboten. Einer der Höhe­ punkte des Programms war der »GEO-Tag der Artenvielfalt«, an dem über 100 interessante Arten gefunden wurden.

Kreisgruppe Miesbach

Foto: Hänsel

m April hatte das Landratsamt Miesbach das seit 2011 laufende Verfahren abgeschlossen, geneh­ migt und den sofortigen Vollzug der Baumaßnahmen angeordnet. Dar­ aufhin hatten BN und DAV Mitte Mai, unterstützt von fünf weiteren Naturschutz-Organisationen, beim Verwaltungsgericht München Klage eingereicht und zugleich mit einem Eilantrag versucht, die Bauarbeiten zu stoppen. Anfang Juni entschie­ den die Richter dagegen. In ihrer Begründung stuften sie das öffent­ liche Interesse am Pistenbetrieb und die damit verbundenen Ar­ beitsplätze höher ein als die Belan­ ge des Natur- und Landschafts­ schutzes. Daraufhin legten BN und DAV Beschwerde gegen diese Entschei­ dung beim Bayerischen Verwal­ tungsgerichtshof ein. Sie befürch­ ten, dass bei Fortgang der Aushubund Erdarbeiten bis zum Beginn der Hauptverhandlung im Herbst vollendete Tatsachen geschaffen werden und ein Rückbau unmög­ lich wird. Eine Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs stand bei ­Redaktionsschluss im Juli noch aus. Am Sudelfeld soll ein giganti­ sches Speicherbecken für 250 Schneekanonen entstehen. Nach Ansicht der Naturschutzverbände wird mit dem Projekt eine rote Linie überschritten, übertrifft es in seiner Dimension doch alle bishe­rigen ­Beschneiungsanlagen und ist mit dem gesetzlichen Biotopschutz und

Fotos: Doering

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Kreisgruppe Dillingen

Sieg für den Biber

Foto: Horst Schwemmer

Weitschwimmen Biber sind wichtige Verbündete im Kampf um den ­Erhalt der Biodiversität: Keine zweite Tierart schafft­ ­anderen Tieren und Pflanzen soviel ­Lebensraum.

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NATURNOTIZEN AUS SCHWABEN

er BN hatte bereits im Dezem­ ber 2012 Klage wegen Verstoßes gegen europäisches Artenschutz­ recht eingereicht, nachdem das Landratsamt Dillingen per Allge­ meinverfügung 15 Gewässerab­ schnitte im Landkreis zu biberfreien Zonen erklärt hatte. Dort hätten die sonst streng geschützten Tiere ein­ fach abgeschossen werden dürfen. Diese Pauschalausweisung von ­Tötungszonen war 2012 durch das Bayerische Umweltministerium er­

Erhalten: Obwohl Bad Grönenbach bereits über drei Supermärkte im Ort verfügt, wollte die EdekaGruppe auf der »Grünen Wiese« einen neuen Supermarkt bauen. Engagierte Bürger initiierten mit Unterstützung von BN-Aktiven einen Bürgerentscheid. Am 25. Mai votierten 62 Prozent der Grönenbacher für den Erhalt der Freiflächen – ein schöner ­Erfolg für den Naturschutz und den leben­digen Ortskern der ­Unterallgäuer Fremdenverkehrs­ gemeinde. Abgewiesen: Das Verwaltungsge­ richt Augsburg hat Ende April die Klage des BN gegen ein Hochwas­

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möglicht worden, und Dillingen hatte als einer der ersten Landkreise davon Gebrauch gemacht. Ende April hatte das Verwal­ tungsgericht per Eilverfahren den Biberabschuss in acht der 15 Zonen für unzulässig erklärt und festge­ stellt, dass eine Tötung immer nur Ultima Ratio sein dürfe. Wo Präven­ tivmaßnahmen wie beispielsweise die Anlage von Uferrandstreifen möglich seien, müssten zuerst diese umgesetzt werden, so das Gericht.

serrückhaltebecken im Schwarz­ achtal zurückgewiesen. Damit ist der Erhalt des als Naturdenkmal geschützten Hangquellmoores bei Waldberg in Gefahr. Die BN-Orts­ gruppe Gessertshausen pflegte das überregional wertvolle Biotop seit fast 30 Jahren, nun droht es durch das geplante Rückhaltebecken zer­ stört zu werden. Mit der Klage wollten die Naturschützer errei­ chen, dass der Hochwasserzweck­ verband ein alternatives, natur­ verträglicheres Hochwasserschutz­ konzept für Waldberg prüft, wel­ ches der BN bei einem Fachbüro in Auftrag gegeben hatte. Der BUND Naturschutz hat sich dafür entschieden, gegen dieses natur­

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Daraufhin zog der Landkreis seine Pauschalverfügung wie vom BN ­gefordert zurück und einigte sich per Vergleich mit dem Verband. »Letztendlich konnte der BN er­ reichen, dass im Landkreis Dillin­ gen statt 15 pauschaler Tötungs­ zonen ein Abschuss der Biber nur i­n vier Gebieten erlaubt ist, und auch dies nur in begründeten Ein­ zelfällen«, resümiert Dieter Leip­ pert, ­Vorsitzender der BN-Kreis­ gruppe. Damit ist Dillingen der erste baye­rische Landkreis, in dem der BN die geplante Pauschalaus­ weisung von Tötungsgebieten für Biber verhindern konnte. Die neue Regelung dürfte Signal­ wirkung für das Bibermanagement in ganz Bayern haben. Der Biber kann nun an vielen Stellen Feucht­ biotope auch für andere Tier- und Pflanzenarten schaffen, wo ihm vorher der Abschuss gedroht hätte. Thomas Frey (as)

zerstörende Urteil Berufung zu ­beantragen. Appelliert: Fabrikhallen, Straßen und Häuser verschlingen Ähren, Sträucher und Bäume, Hasen und Vögel suchen in rasanter Flucht das Weite – so verarbeitete der Künstler und Biobauer Stefan Kreppold (siehe Foto) den Flächen­ fraß in Bayern. Kreppolds Metall­ plastik wurde am 30. März im R­ahmen des Landeskongresses ­Jugendorganisation Bund Natur­ schutz (JBN) an der B 300 bei Aichach aufgestellt, in der Nähe des interkommunalen Gewerbe­ gebiets Gallenbach. »Beton kann man nicht essen!« und »Macht

Foto: KG Aichach

Im Streit um »biberfreie Zonen« im Landkreis Dillingen hat endlich die Vernunft gesiegt: Vor dem Verwaltungsgericht ­Augsburg erzielte der BUND Naturschutz im April einen Vergleich mit dem Landkreis. Dies hat Signalwirkung für ganz Bayern. Ein pauschaler Abschuss des Bibers wird in Zukunft erschwert.

euch vom Acker!« forderten die JBN-Vertreter auf ihren Transpa­ renten und mahnten einen verant­ wortungsvolleren Umgang mit der Ressource Boden an. Kreppold, zugleich stellvertretender Vor­ sitzender der BN-Kreisgruppe Aichach-Friedberg, appellierte wie auch BN-Landesbeauftragter ­Richard Mergner und Reinhard Herb vom Bayerischen Bauernver­ band an die Politik, den Ausbau des Gewerbegebiets und der B 300 zu stoppen.


Kreisgruppe Cham

Kein Pumpspeicherwerk am Osser!

Der Osser ist einer der noch unverbauten Berge des Bayerischen ­Waldes. Er gehört zu den 100 schönsten Geotopen Bayerns und ist z­ ugleich ein bedeutendes Schutzgebiet für zahlreiche, auch bedrohte Arten. Dessen ungeachtet soll jetzt auf seinem Gipfel ein Pump­speicherkraftwerk errichtet werden.

nter Beteiligung der BN-Kreis­ gruppe Cham hat sich vor Ort ein Aktionsbündnis gegen den gra­ vierenden Eingriff in Naturhaushalt und Landschaftsbild gegründet (siehe N+U 2/2014). Innerhalb kür­ zester Zeit konnte es 6700 Protest­ unterschriften sammeln, die Anfang Juli dem Regierungspräsidenten Axel Bartelt übergeben wurden. Ende Mai waren bereits 5500 Unter­ schriften an Generalvikar Michael Fuchs gegangen. Würde das Bistum Gewonnen? Ende Mai hat die Orts­ gruppe Nittendorf den Bürger­ entscheid gegen einen geplanten ­Supermarkt gewonnen. Dieser sollte in einem artenreichen Bio­ top gebaut werden. Trotzdem kommt in Nittendorf keine Freude auf: Das Biotop ist durch äußerst zweifelhafte und voreilige »Aus­ gleichsmaßnahmen« des Investors bereits fast zerstört worden. Keine Erweiterung: Zusammen mit zahlreichen Bürgern kämpft die Ortsgruppe Parsberg/Lupburg gegen die Erweiterung des Bau­ gebietes »Auf der Breiten«. Die elf geplanten Parzellen sind von ­Heckenbiotopen umgeben und

Regensburg eine in seinem Besitz befindliche Fläche am Osser nicht verpachten, hätte das unsinnige und naturzerstörerische Großpro­ jekt keine Chance. Der BN und viele Naturfreunde in der Region sehen deshalb das Bistum in besonderer Verantwortung zur Bewahrung der Schöpfung. Mittlerweile hat auch die Regie­ rung der Oberpfalz in aller Deut­ lichkeit auf die zu befürchtenden Auswirkungen auf Natur und Land­

grenzen an ein Landschaftsschutz­ gebiet und FFH-Flächen an. Ein Großteil des bestehenden Bau­ gebietes wurde bereits im Land­ schaftsschutzgebiet gebaut – mit weitreichenden Schäden für das Landschaftsbild. Ehrung: Peter Zach (Foto) von der Kreisgruppe Cham wurde Mitte Mai von Hubert Weiger mit der bayerischen Naturschutzmedaille ausgezeichnet. Schon seit Jahr­ zehnten kümmert er sich mit gro­ ßem Einsatz um die Regentalaue. Dort hat er während der Flur­ bereinigungsverfahren wertvolle Feuchtwiesen vor der Entwässe­ rung gerettet und bei den beteilig­

Foto: Winterstetter

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schaft in einem besonders sensiblen Bereich hingewiesen. Die Behörde hat zudem die Notwendigkeit eines umfassenden Raumordnungsver­ fahrens betont und den Investor Vispiron aufgefordert, noch vor Ein­ leitung von Genehmigungsschritten die Öffentlichkeit umfassend über dieses Projekt zu informieren. Würden die verpflichtenden Vor­ gaben des Artikels 141 der Bayeri­ schen Verfassung zum Natur- und Heimatschutz ernst genommen, müsste nach Auffassung des BN dieses Projekt schnellstens gestoppt werden. Mit Nachdruck hat Hubert Weiger deshalb Mitte Mai den ­geballten Widerstand des BN ange­ kündigt. Durch das Pumspeicherwerk würden viele seltene Arten am Osser ihren Lebensraum verlieren. Gefährdet wären auch Quellen und Bäche und damit die Trinkwasser­ versorgung für den Lamer Winkel. Noch völlig unkalkulierbar sind die Auswirkungen der großen Spren­ gungen, des Gesteinabtransports, des Baus neuer Straßen und not­ wendiger Druckleitungen. Helmut Schultheiß (ht)

ten Landwirten viel Überzeu­ gungsarbeit geleistet. Seine um­­f­assenden Bestandskartierungen waren mitentscheidend für die Unterschutzstellung des Rötelsee­ weihergebietes, des größten Na­ turschutzgebietes der Oberpfalz.

Orchideenschutz: Die Gemarkung Lichtenegg ist für ihren reichen Orchideenbestand bekannt. Vor allem die Frauenschuhblüte lockt Interessierte an. Leider werden beim Fotografieren die Blumen oft zertreten und das für Orchideen lebensnotwendige Pilzgeflecht im Boden geschädigt. Im Frühjahr haben Markus Ganserer vom ­Fränkischen Albverein und Horst Schwemmer (BN) mit Baumstäm­ men eine unübersehbare Wege­ abgrenzung geschaffen. So soll eine Totalsperrung des beliebten Orchideen-Wanderweges vermie­ den werden.

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NATURNOTIZEN AUS DER OBERPFALZ

Foto: Bayerisches Landesamt für Umwelt

Noch unverbaut Bis jetzt dürfen sich die Wanderer noch über den ungetrübt schönen ­Ausblick vom Ossergipfel freuen.


Kreisgruppe Weißenburg-Gunzenhausen

Foto: Kreisgruppe

Altmühltal: Naturpark oder Steinbruch?

Die Regionalplanung im Altmühltal sagt der Steinindustrie beste Expansionsmöglichkeiten zu. Weil der Widerstand gegen die Landschaftsverwüstung zunimmt, hat der neue Landrat nun zugestimmt, auf einen Interessenausgleich hinzuwirken.

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Biotoppflege heute: Das älteste Grundstück des BUND Natur­ schutz befindet sich im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim. Der erste Vorsitzende der dama­ ligen Bezirksgruppe Uffenheim hat es 1926 zum Schutz der dort wach­ senden Weinbergstulpe (Tulipa sylvestris) (siehe Foto) erworben. Die Fläche veranschaulicht heute die veränderten Sichtweisen bei der Biotoppflege. Während in den 1950er- und 1960er-Jahren intensi­ ve Pflege mit verschiedenen klein­ räumigen Aufwertungen wie einer Trockenmauer und Gehölzpflan­ zungen erfolgte, entschied der BN jetzt, die Fläche von 0,16 Hektar hauptsächlich freizuhalten. 2012

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schaft nicht mehr aufzuhalten sein. Inzwischen hat der BN die Öffent­ lichkeit mobilisiert. Anhand von ­topografischen Karten und Luftbil­ dern belegten der Verband und das »Aktionsbündnis für maßvollen Steinabbau« die neue Gangart der Steinindustrie. Unter dem Eindruck der seit zehn Monaten andauernden öffent­ lichen Auseinandersetzung hat der neue Landrat Gerhard Wägemann nun in Aussicht gestellt, bei der Re­ gionalplanung auf einen Interessen­ ausgleich zwischen Steinindustrie und Naturschutz hinzuwirken. Denn der Widerspruch zwischen den Zielen dieses Industriezweiges

wurde das Grundstück entbuscht und wird jetzt beweidet.

Foto: Täufer

NATURNOTIZEN AUS MITTELFRANKEN

Spendenkonto Spenden für die Heidefläche erbeten unter Sparkasse Nürnberg, IBAN: DE75 7605 0101 0001 0085 51, BIC: SSKNDE77, Stichwort: Flächenkauf

teinabbau hat im Altmühltal ­Tradition, deshalb muss sich der BUND Naturschutz dort immer wieder mit Erweiterungen von Steinbrüchen befassen. In der Ver­ gangenheit ließen sich die Brüche und Halden oft in Naturschutzkon­ zepte integrieren. Inzwischen be­ schleunigt sich der Abbau allerdings derart, dass die Verwüstungen ­ähnliche Ausmaße wie im Braun­ kohletagebau annehmen. Die geltenden Regionalpläne zum Abbau von Bodenschätzen si­ chern der Steinindustrie enorme Expansionsmöglichkeiten zu. Wenn diese nicht korrigiert werden, wird der Trend zur Rohstoffplünderwirt­

Garzweiler 3? Inzwischen erinnern manche Ecken des Altmühltals, wie diese hier bei Dietfurt, an die Tagebauflächen im Rheinland.

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und jenen des sanften Tourismus, des Klima- und Grundwasserschut­ zes, einer nachhaltigen Wirtschafts­ weise und der Naherholung lässt sich nicht mehr leugnen. Der BUND Naturschutz wird für Interessierte weiterhin Führungen zu bedrohten Naturdenkmälern wie dem Dachsbaufelsen, dem Her­ mannstein oder dem Ziegelschlag anbieten, um die Ortskenntnis und damit eine echte Güterabwägung zu fördern. Richard Schmidt (ht)

Nah dran: Seit etwa zehn Jahren betreibt der BN in Dinkelsbühl die »Storchenkamera«. Sie ermöglicht faszinierende Beobachtungen am und im Nest ohne die Tiere zu stö­ ren. Die Idee hat inzwischen viele Nachahmer gefunden, doch der BN Dinkelsbühl verfügt über ein unschlagbares Alleinstellungmerk­ mal: Der fränkische Storchenex­ perte schlechthin, Thomas Ziegler aus Feuchtwangen, kommentiert im »Storchen-Tagebuch« fundiert und amüsant das Geschehen und liefert wertvolle Hintergrundinfor­ mationen rund um den Storch. Storchenkamera und Tagebuch unter www.bn-ansbach.de/storchcam/storch.htm

Lohnender Kauf: Auf einer Heide­ fläche des BN bei Nürnberg-Korn­ burg ist offenbar die Wiederansied­ lung der Heidelerche gelungen. Sie ist einer der seltensten und ­anspruchsvollsten Vögel der Sand­ lebensräume. Bei einer Ortsbege­ hung wurde dort im vergangenen Mai ein fast flügges Küken ent­ deckt. Über 10 Jahre kontinuierli­ cher Pflege haben sich offenbar ge­ lohnt. Die Kreisgruppe NürnbergStadt bittet nun unter dem Motto »13 für 1 m²« um Spenden für den Kauf weiterer zwei Hektar Magerra­ senfläche. Die Heidefläche geht auf Grundstücks­ankäufe des BN und eine Schenkung im Zuge des Pro­ jektes SandAchse Franken zurück.


Kreisgruppe Deggendorf

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ie Ausstellung im Rahmen der Deggendorfer »Donaugarten­ schau« zeigt die wichtigsten Le­ bensräume und erläutert die öko­ logischen Zusammenhänge, die zum außergewöhnlichen Reichtum des »Bayerischen Amazonas« füh­ ren. Thematisiert wird auch die ­Geschichte der Planungen zum ­Donauausbau und das Vorhaben, die Region als Welterbe von der Feiern für die Wildnis: Mit einem Rockkonzert und einer großen Party setzten rund 500 Menschen am 7. Juni ein eindrucksvolles Zei­ chen für mehr Wildnis im tsche­ chischen Nationalpark Šumava. Die Veranstaltung im 60-Seelen­ dorf Nahoˇrany bei Vimperk im Böhmerwald war in Kooperation zwischen tschechischen und baye­ rischen Naturschützern zustande gekommen. Auf bayerischer Seite engagierte sich die BN-Kreisgrup­ pe Passau um ihren Vorsitzenden Karl Haberzettl für das Fest, das ganz im Zeichen des Aufbruchs stand: Nach Jahren der macht­ losen Kritik gibt es nun, mit einer neuen Führung im tschechischen

UNESCO anerkennen zu lassen. ­Fotografen wie Josef Baumgartner und Christian Sedlmeier stellten kostenlos Bildmaterial für die Tafeln zur Verfügung, es gab Fördermittel des Bayerischen Umweltfonds aus Erträgen der »GlücksSpirale« und örtliche Firmen halfen mit Bau­ stoffen und Maschinenstunden. Möglich wurde der Bau jedoch erst durch einige hundert Stunden

Umweltministerium und an der Spitze des Nationalparks, wieder Hoffnung auf mehr Naturschutz im Nationalpark Šumava, der zu­ sammen mit dem Nationalpark Bayerischer Wald die größte zu­ sammenhängende geschützte Waldfläche Zentraleuropas bildet. »Die Vision eines gemeinsamen Urwalds mit Elch, Luchs, Auer­ huhn und attraktiven Angeboten für den Ökotourismus rückt ­wieder näher«, erklärten Jaromír Bláha, langjähriger Leiter der Waldkampagne des tschechischen Verbands Hnutí Duha, und Karl Haberzettl.

­ hrenamtlicher Eigenleistung der e BN-Aktiven. »Das war schon ein ordentlicher Kraftakt«, so Georg Kestel, Vorsit­ zender der Kreisgruppe, der als Landschaftsarchitekt auch die Pla­ nung entwickelt hatte. Die Stützen des Pavillons bestehen aus leben­ den Silberweidenstämmen. Davor laden Bänke aus Bayerwaldgranit zum Verweilen ein. Der BN-Pavillon ist auch Start­ punkt für die Aktionen der Kreis­ gruppe mit der »Schatzkiste Donau« und mit dem Umweltbildungsschiff Takatuka. Zusätzlich bieten die Ak­ tiven Besuchern und anderen Kreisund Ortsgruppen des BN ökologisch orientierte Exkursionen innerhalb und außerhalb des Gartenschau­ geländes an. Seit kurzem gibt es eine mobile Verleih-Version der Donau-Ausstel­ lung, eine Begleitbroschüre ist in Arbeit. Die Gartenschau läuft noch bis 5. Oktober (www.donaugarten­ schau.de). Aktuelle Informationen zur BN-Ausstellung und dem ­Rahmenprogramm sind unter www.bn-deggendorf.de erhältlich. Kurt Schmid (as)

Lebender Pavillon Sitzbänke aus Granit und Holz umgrenzen symbolisch das Einzugsgebiet der Donau, der Fluss wurde mit einem Band aus Donaukies und blau blühendem Lein markiert. Regen- und Schattendächer werden von auetypischen Silberweiden gestützt, die bereits wieder austreiben.

Foto: Gerbl

Foto: Kestel

Pünktlich zur Eröffnung der Landesgartenschau am 25. April stand auch der Pavillon der Kreisgruppe Deggendorf des BUND Naturschutz. Am Standort nahe der Bogenbachmündung stellen acht Infotafeln den Besuchern die frei fließende, niederbayerische Donau vor.

Brennender Widerstand: Rund 5000 Menschen aus 35 Gemeinden setz­ ten ein flammendes ­Zeichen gegen den ge­ planten autobahnarti­ gen Ausbau der »B 15 neu« zwischen Landshut und Rosenheim. In den Abendstunden des 10. Mai entzündeten sie gut 200 Mahnfeuer entlang der projektierten Trasse durch die Landkreise Landshut, Mühldorf, Ebersberg und Rosenheim. Die ­lodernden Flammen des Wider­ stands waren ein Mahnruf an die Bayerische Staatsregierung und die Bundesregierung, das unnötige

und überdimensionierte Vorhaben südlich der A 92 aufzugeben. Am Mahnfeuer in Wurmsham/Seif­ riedwörth im Landkreis Landshut beteiligten sich auch Mitglieder der BN-Kreisgruppe Landshut mit Transparenten.

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NATURNOTIZEN AUS NIEDERBAYERN

»Lebendige Donau« auf der Gartenschau


Kreisgruppe Bamberg

Bauen für den Leerstand?

Im September 2014 werden in Bamberg durch den Abzug der US-Armee große Flächen frei. Der BN hat bereits 2013 Vorschläge entwickelt, wie diese für Stadt und Natur sinnvoll genutzt werden könnten (s. N+U 3/2013). Doch der Stadtrat setzt auf ein neues Gewerbegebiet.

Foto: Kreisgruppe

NATURNOTIZEN AUS OBERFRANKEN

ie Mitte Mai bekannt wurde, sehen die Planungen ein über 100 Hektar großes, von Er­ schließungsstraßen durchzogenes Gewerbeareal im Bereich der ehe­ maligen Munitionsfabrik »Muna« und des Schießplatzes vor. »Diese Planung bedeutet einen immensen Flächenverlust, isoliert das vorhan­ dene Naturschutzgebiet Muna und zerstört wertvolle Lebensräume«, kritisierte Heinz Jung, Vorsitzender der Kreisgruppe Bamberg. »Die aus­ gewiesenen Gewerbeflächen fressen sich auch in bisher nicht militärisch genutzte Bereiche des Hauptsmoor­ waldes hinein. Deshalb werden wir mit allen Mitteln, die uns zur Ver­ fügung stehen, dagegen kämpfen.« Der Plan gehe weit über den aktuel­ len Bedarf an Gewerbeflächen hin­ aus und berücksichtige weder die demografische Entwicklung noch die Belange einer ökologischen und sozialen Stadtentwicklung. Die Konversionsflächen sind ökologisch äußerst wertvoll. Viele

Exkursion: Im Rahmen der BayernTour-Natur konnte die BN-Kreis­ gruppe Coburg Ende Mai über 30 Teilnehmer zu einer dreistündigen Exkursion in die Muggenbacher Tongruben begrüßen (Foto). Der BN hat das 26 Hektar große Natur­

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Foto: Kreisgruppe

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seltene oder vom Aussterben be­ drohte Tier-, Pilz- und Pflanzenar­ ten sind dort zu Hause, wie etwa der Dünensandlaufkäfer, der PurpurAmpferspanner oder der Pfeilgins­ ter, von dem in ganz Franken kein weiteres Vorkommen bekannt ist. Der BN bekräftigt deshalb seine Forderungen bezüglich des Konver­ sionsprozesses in Bamberg: Wald muss Wald bleiben und versiegelte Flächen im Bereich Hauptsmoor­ wald und »Muna« müssen zurück­

schutzgebiet im Jahr 2000 erwor­ ben und pflegt es seither größten­ teils in ehrenamtlicher Hand­ arbeit. Teils hochgefährdete Haut­ flüglerarten wie die Mohn-, Sandund Blutbiene finden dort eine Heimat. Außerdem beherbergt es das größte Gelbbauchunkenvor­ kommen Oberfrankens. Bestau­ nen konnten die Besucher auch gefährdete Pflanzenarten wie den Echten Flachbärlapp oder das ­seltene Kleine und das gefährdete Rundblättrige Wintergrün. Gewerbegebiet: Ende Mai verdeut­ lichte die Vorstandschaft der BNKreisgruppe Kulmbach bei einem Pressegespräch, dass sie den ge­

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Wegtreten? Noch fühlen sich auf dem ausgedienten Militärgelände in Bamberg seltene Tierarten wie der Dünensandlaufkäfer wohl.

gebaut und entsiegelt werden. Für eine ökologisch und sozial verträg­ liche Stadtentwicklung stehen ebenfalls genug Flächen zur Verfü­ gung. Der Flugplatz Breitenau muss unter Naturschutz gestellt werden, um ihn vor weiteren Eingriffen dau­ erhaft zu schützen. Christine Hertrich (ht)

planten Möbelmarkt des österrei­ chischen Konzerns XXXLutz an der Autobahn bei Himmelkron ab­ lehnt. Das Vorhaben widerspreche allen Zielen des Landesentwick­ lungsplanes. Der Flächenver­ brauch von über zehn Hektar, die Verkehrszunahme und die Gefahr des Ausblutens vieler Ortskerne seien Grund genug, das Vorhaben zu bekämpfen. Das zuständige Heimatministerium prüft derzeit auf Antrag der Gemeinde ein soge­ nanntes Zielabweichungsverfah­ ren. Der BN-Landesvorsitzende Hubert Weiger appellierte deshalb Anfang Juli an Minister Markus Söder, das Vorhaben nicht zuzu­ lassen.

Flächenfraß: Zusammen mit meh­ reren Landwirten hat der BN im April Klage gegen den geplanten Bau der Umfahrung von Leimitz und Haidt bei Hof eingelegt. Die Kreisgruppe Hof protestiert seit Jahren gegen die flächenfressende Planung und hat zusammen mit dem örtlichen Bauernverband ­Alternativen vorgeschlagen (siehe N+U 4/2012). »Unsere Variante ist kürzer, verbraucht weniger Fläche und ist auch kostengünstiger«, so Lars Kummetz, stellvertretender Vorsitzender der Kreisgruppe Hof.


Foto: Nowick/agrar-press

Foto: Schultheiß

Immenses Engagement: Klaus ­Isberner (Foto), Bildungsreferent der KG Würzburg, ist seit stattli­ chen 25 Jahren beim BN aktiv. Er war nicht nur Wegbereiter einer modernen Umweltbildung im Ver­ band, durch sein Fachwissen und sein immenses Engagement wurde

Keine »Highways« in der Feldflur Weil viele Landwirte mit immer schwererem Gerät unterwegs sind, sollen die Wirtschaftswege bayernweit massiv ausgebaut werden. Als Flurbereinigung tituliert, könnte dies genehmigt werden, ohne den Naturschutz zu beteiligen. Dagegen wehrt sich der BN. werden in dem über 70-seitigen Konzept der BBV Landsiedlung mit keinem Wort erwähnt. Ebenso feh­ len Aussagen zur gesetzlich ver­ pflichtenden Eingriffsminimierung und zum naturschutzrechtlichen Ausgleich. Die Genehmigung der Eingriffe soll über sogenannte ver­ einfachte Flurbereinigungsverfah­ ren erfolgen und damit ohne An­ hörung der Naturschutzverbände. Der BN hat sich deshalb mit einem Protestbrief an den zustän­ digen Referenten im bayerischen Landwirtschaftsministerium ge­ wandt und eine verstärkte Beach­ tung der naturschutzrechtlichen

das Ökohaus Würzburg zu einem Bildungszentrum mit überregio­ naler Ausstrahlung. Wo sonst gibt es ein 40-seitiges Programm mit fast 200 Veranstaltungen, deren thematische Vielfalt alle Alters­ gruppen erreicht?

Vorgaben ebenso wie eine Abstim­ mung mit den Naturschutzbehör­ den, den Tourismusvereinigungen sowie mit den Naturschutz- und Landschaftspflegeverbänden gefor­ dert. Der Verlust wertvoller Saum­ strukturen und naturnaher Vernet­ zungselemente (z. B. Grünwege) wird sich nach Ansicht des Verban­ des äußerst negativ auf die ohnehin stark bedrohten Tier- und Pflanzen­ arten der offenen Feldflur auswir­ ken. Einer weiteren Entwertung un­ serer Kulturlandschaft als Lebensund Erholungsraum wird der BN nicht tatenlos zusehen! Helmut Schultheiß (ht)

Ehrungen und Neuwahlen: Am 23. Mai wählte die BN-Kreisgruppe Rhön-Grabfeld Susanne Richter auf den neben Helmut Bär frei ge­ wordenen Platz in die Doppelspit­ ze der Vorstandschaft. Auch AnneRose Denzel, Helga Werner und Karl-Heinz Claaßen stellten sich mit ihrer langen Erfahrung für die­ ses Gremium zur Verfügung. ­Außerdem erhielten bei der Jahres­ hauptversammlung drei beson­ ders aktive Mitglieder die Goldene Nadel: Franziska Burmester, ­Hubert Kornbrust und Jürgen Warnke.

Erfolgreiche Mitgliederwerbung: Gezielte Werbung hat der KG ­Miltenberg mit 2387 Mitgliedern schon Ende 2013 einen Rekord be­ schert. Um den »Neuen« in zwang­ loser Atmosphäre den persönli­ chen Kontakt zur Vorstandschaft, aber auch ein Kennenlernen un­ tereinander zu ermöglichen, wur­ den sie Ende Mai auf den Biobau­ ernhof der Familie Frey eingela­ den. Die Resonanz war ausgespro­ chen positiv. Zudem erklärten sich gleich mehrere Neumitglieder ­bereit, den BN bei künftigen Aktio­ nen zu unterstützen. Ein voller ­Erfolg also, der auch anderen Kreisgruppen Mut machen sollte!

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NATURNOTIZEN AUS UNTERFRANKEN

Neuwahlen: Mit Dagmar Förster und Sabine Burtscher haben die Mitglieder der KG Aschaffenburg Mitte März eine neue Führungs­ spitze gewählt. Als Schriftführer stellte sich Hartmut Haas-Hiero­ nymus zur Verfügung, während die anderen Vorstandsmitglieder in ihren Ämtern einhellig bestätigt wurden.

Kreisgruppe Würzburg

Foto: Kreisgruppe

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nfang des Jahres hat der Baye­ rische Bauernverband (BBV) eine landesweite Offensive zum Ausbau eines sogenannten Kern­ wegenetzes gestartet. Das Pilotpro­ jekt dazu läuft im südlichen Land­ kreis Würzburg. Dort haben sich 14 Gemeinden zur »Allianz Fränkischer Süden« zusammengeschlossen. ­Obwohl diese laut Analyse der Flächen­agentur BBV Landsiedlung bereits über ein dichtes, in weiten Abschnitten auch befestigtes Netz an landwirtschaftlichen Wegen ver­ fügen, sollen dort für über 25 Millio­ nen Euro 127 Kilometer Feldwege mit einer durchgängigen Fahrbahn­ breite von dreieinhalb Metern – das entspricht der Breite von Bundes­ straßen – sowie mit zahlreichen be­ festigten Ausweichstellen versehen werden. Für die »Highways« der Landwirtshaft würden fast 40 Hekt­ ar Boden versiegelt. Die damit ver­ bundenen Eingriffe in den Natur­ haushalt und das Landschaftsbild

Bauwahn Landwirtschaftliche Grünwege sind wertvolle Biotopund Vernetzungselemente. Wegen der immer größeren Fahrzeuge ­sollen sie nun zu breiten Straßen ausgebaut werden.


Herbstarbeiten im Forst

Naturnaher Waldbau

Foto: Fotolia/Antrey

NATUR & RECHT

Foto: Thomas Stephan

ie sich eine naturnahe Waldbewirtschaftung in die Tat umsetzen lässt, können interessierte Waldbesitzer in einem Wald im Allgäu besichtigen und erfahren. Das Naturerlebniszentrum Allgäu setzt die waldbauliche Weiterbildung mit Forstingenieur Ger­ hard Rohrmoser mit zwei weiteren Angeboten fort. Wenn der Wald nach der sommerlichen Vegetationszeit zur Ruhe kommt, stehen forstliche Arbei­ ten an, die das entstandene »Waldka­ pital« sichern und langfristig erhalten sollen. Herbstzeit ist Pflanzzeit – auch im Wald. Was ist zu tun, damit der Wald gut über den Winter kommt? Wie lässt sich Schalenwildverbiss mini­ mieren und was pflanzt man zur Sta­ bilisierung des Bestandes? Die Fort­ bildungstage finden in einem naturnah bewirtschafte­ ten Bergmischwaldbetrieb statt. Im Revier werden Maßnahmen zum Aufbau und zur Pflege eines natur­ nahen Waldbestandes anschaulich erklärt und ge­ meinsam praktisch geübt. Das Angebot richtet sich an Waldbesitzer und Wald­ freunde, die naturnahes Wirtschaften im Wald kennen­ lernen und umsetzen wollen. Außer Informationen und praktischen Hinweisen erhalten alle Teilnehmer Weißtannen-Wildlinge oder einen Bund Tannen­ schmuckreisig. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.  Teil 1: Sa. 18. Oktober, 10 – 16 Uhr; Wie bekomme ich meinen Wald winterfest? Praktische Tipps und Tricks  Teil 2: Sa. 25. Oktober, 10 – 15 Uhr; Was ist mein Wald wert und wie wird er noch wertvoller? Anmeldung bis 15. bzw. 22. Oktober  Kontakt: BUND Naturschutz Naturerlebniszentrum Allgäu (NEZ), Tel. 0 83 23-9 98 87 60, Info@NEZ-Allgaeu. de

Das große Krabbeln

Kaum liegt ein Stückchen Essen am Boden, schon sind sie da – die Ameisen. Meist tauchen sie in großer Zahl auf und manchmal sind sie für uns Menschen ungebetene Besucher. Doch sie werden auch die Polizei des Waldes genannt. Wieso das? Und wie kommt es, dass sie so gut organisiert

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Foto: KG Lindau

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Erfolgreiche Projektwoche

Faszination der Moore

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en Anstoß für eine erfolgreiche Projektwoche zum Thema Moor gab die Wanderausstellung der Ge­ bietsallianz Allgäuer Moore. Was die Grundschüler aus Oberreute auf die Beine stellten, hat allerdings die Ini­ tiatoren ebenso begeistert wie Isolde Miller von der Kreisgruppe Lindau. Nach Exkursionen in die moorige Umgebung war klar, dass es mit dem Baden in einem Moor nicht weit her ist, mit der Artenvielfalt dagegen sehr wohl. So entstanden in der Projektwoche unter Anleitung des Lehrerkollegiums und der Gebietsbetreuerin Maria Lobo-Wiest fantasievolle Moorbewohner aus Keramik und beeindruckende Moorbilder aus Moosen, Zwei­ gen, Gräsern und Blättern. Unvergessliche Eindrücke hinterließen beim Schulfest die Theaterbeiträge aller Jahrgangsstufen, die sich ebenfalls mit dem Thema Moor beschäftigten. Da trat Moorbert ebenso auf wie ein ganzes Kollegium musikalischer Moortiere und -pflanzen. »Sehr positiv überrascht hat uns das große Engage­ ment und Interesse aller Beteiligten«, berichtet Isolde Miller von der gelungenen Projektwoche – »ein vor­ bildliches Beispiel, ein Thema fächerübergreifend auf­ zubereiten und nachhaltig zu behandeln!« Die Moor­ woche kann zur Nachahmung nur empfohlen werden.  Kontakt: Gebietsbetreuung Allgäuer Moore, BN-Kreisgruppe Lindau; Tel. 0 83 82-88 75 64, lindau@bund-naturschutz.de

sind? Antworten darauf bekommen Kinder ab sechs Jahren beim Ameisennachmittag im Ökohaus Würzburg.  Termin: 12. September 2014, Anmeldung bis 10. 9. erforderlich; Kontakt: BUND Naturschutz – Ökohaus Würzburg, Luitpoldstr. 7a, 97082 Würzburg, Tel. 09 31-4 39 72, info@ bn-wuerzburg.de, www.wuerzburg.bund-naturschutz.de

Kreisgruppe haben, sich an diesen und anderen Planungen zu beteiligen und worauf Sie aus Naturschutzsicht achten sollten, stellen Peter Rottner und Christine Margraf beim Fortbildungstag für Aktive am 17. Oktober in Nürnberg vor.  Informationen: www.bundnaturschutz.de/umweltbildung; Kontakt: BN-Bildungswerk, Tel. 09 41-2 97 20 42

Alles, was Recht ist

Ausstellung »ArtenVielfalt«

Ein neues Gewerbegebiet soll kommen, die Ortsumgehung wird neu geplant, eine Kiesgrube soll erschlossen werden? Welche Möglichkeiten Sie als

Natur + Umwelt BN-Magazin [3-14]

Die Biodiversität rund um den Ammersee haben 14 Künstler aus Europa fast ein Jahr lang erkundet und Ideen gesammelt. Entstanden sind daraus

Installationen, die ab dem 20. September auf dem Gelände des Jugend- und Naturschutzzentrums Wartaweil zu bestaunen sind. Das Gelände ist frei zugänglich, die Kunstwerke können jederzeit bei einem Streifzug »erlaufen« werden. Ergänzt wird der Dialog zwischen Kunst und Naturschutz durch Lesungen und Angebote für Kinder.  Informationen: www.bundnaturschutz.de/wartaweil; Kontakt: Naturschutz- und Jugendzentrum Wartaweil, 82211 Herrsching, Tel. 0 81 52 96 77 08, wartaweil@bundnaturschutz.de


Ihre Ansprechpartner beim BN

BN-Studienreisen, Tel. 09 115 88 88 20, www.bund-reisen.de

Mitgliederservice

Watt und Meer erleben

Tel. 09 41-2 97 20-66 spendenservice@bund-naturschutz.de

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Redaktion Natur+Umwelt Referentin: Luise Frank Tel. 09 41-2 97 20-22 natur+umwelt@bund-naturschutz.de

Beratung zu Spenden, Anlassspenden und Vermächtnissen Claudia Ciecior-­Bordonaro Tel. 09 41-2 97 20-34 Claudia.Ciecior@bund-naturschutz.de

Haus- und Straßensammlung Ehrenamtlich aktiv werden

Christine Stefan-­Iberl Tel. 09 41-2 97 20-11 Christine.Stefan@bund-naturschutz.de

BN-Bildungswerk

Referentin: Ulli Sacher-Ley Tel. 09 41-2 97 20-42 ulrike.sacher-ley@bund-naturschutz.de

BN-Stiftung

IMPRESSUM

Christian Hierneis Tel. 09 41-2 97 20-35 Christian.Hierneis@bund-naturschutz.de

Herausgeber: BUND Naturschutz in Bayern e. V. (BN), vertreten durch Peter Rottner, Landes­ geschäfts­führer, Dr.-Johann-Maier-Str. 4, 93049 Regensburg, www.bund-naturschutz.de Leitende Redakteurin (verantw.): Luise Frank (lf), Tel. 09 41-2 97 20-22, Fax -31, natur+umwelt@ bund-naturschutz.de Redaktion: Holger Lieber (hl), Heidi Tiefenthaler (ht), Andrea Siebert (as) Mitglieder-Service: Tel. 09 41-2 97 20-29 und -20 Gestaltung: Gorbach GmbH, Utting a. Ammersee (Layout: Waltraud Hofbauer) Titelgestaltung: Gorbach GmbH Titelfoto: Thomas Stephan Redaktion BUND-Magazin: Severin Zillich (verantw.), Am Köllnischen Park 1, 10179 Berlin, Tel. 0 30-27 58 64-57, Fax -40 Druck und Versand: Brühlsche Universitäts­ druckerei Gießen

Verlag und Anzeigen: BN Service GmbH, Eckertstr. 2, Bahnhof Lauf (links), 91207 Lauf an der Pegnitz, Tel. 0 91 23-9 99 57-30, Fax -99, info@service.bundnaturschutz.de Druckauflage 2-2014: 123.152 Bezugspreis: Für Mitglieder des BN im B ­ eitrag ­ent­­halten, für Nichtmitglieder Versandgebühr ISSN 0721-6807 BN-Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft München, IBAN DE27 7002 0500 0008 8440 00, BIC: BFSWDE33MUE Mit Namen gezeichnete Artikel geben nicht unbedingt die ­Meinung der ­Redaktion oder des BN wieder. Nachdruck nur mit Geneh­migung des BN. Für unverlangt e ­ ingesandte Artikel oder Fotos keine Gewähr. Die Redak­tion behält sich das Recht vor, Leserbriefe zu kürzen. »Natur+Umwelt« wird auf 100 % R ­ ecycling­­­­papier gedruckt.

Wandern am Grünen Band im Nationalpark Harz

Am »Grünen Band«, dem Biotopverbund am ehemaligen Eisernen Vorhang, entwickelten sich einzigartige Busch- und Waldparadie­ se, Sümpfe und Moore zu einem Biotop von mehr als 1393 Kilo­ meter Länge. Ob Fischotter, Luchs, Wildkatze, Seeadler, Eisvogel oder Schwarzstorch: Sie alle kann man am Grünen Band noch ­finden. Neben dem reinen Naturerlebnis bietet diese Reise ein Eintauchen in Harzer Kultur- und deutsche Grenzgeschichten.  Deutschland, 29. September – 4. Oktober 2014

Vorschau: Winterreisen Rund um den Schweizer Nationalpark

Auf Schneeschuhen entdecken die Teilnehmer die wilde Einsam­ keit des Unterengadins im Winter. Sie suchen nach Tierspuren und beobachten Wildtiere aus sicherer Distanz in ihrem Winter­ quartier. Sie genießen die Ruhe und die wilde Natur der im Winter einsamen Täler. Dann geht es ins Val Müstair. Die Winterland­ schaft in diesem Biosphärenreservat an der Grenze zum Schwei­ zerischen Nationalpark zeichnet sich durch eine unverwechsel­ bare Schönheit aus, die man im Pulverschnee entdecken kann.  Schweiz, 3. – 10. Januar 2015

Winterwandern in Südtirol

Das Ultental ist ein noch ur­ sprünglich gebliebenes Tal mit vielen alten Höfen, unberührter Natur und einer fantastischen Bergwelt. Das Tal liegt auf 1200 bis 1500 m Höhe und ist um­ geben von hoch aufragenden Bergen. Auf Schneeschuh- und Winterwanderungen erkunden die Teilnehmer das Tal, die Hoch­ ebenen und die Berge. Sie unternehmen eine Wanderung bei Mondschein sowie eine Gipfeltour und sind mit einem Förster im Nationalpark unterwegs.  Italien, 14. – 21. März 2015

[3-14] Natur + Umwelt BN-Magazin 

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Foto: Sonja Heidtmann

Spendenbescheinigungen

Der Nationalpark »Schleswig-Holstei­ nisches Watten­ meer« ist Teil eines weltweit einzigartigen Naturgebie­ tes, das von der UNESCO zum Welt­ naturerbe ernannt wurde. Weite Watt­ flächen, Sandbänke, Priele, Salzwiesen, Dünen und Strände charakterisieren die ein­ malige Landschaft. Eine seltene Vielfalt von Tieren und Pflanzen hat sich an die wechselvollen Bedingungen angepasst. Zum Zeit­ punkt der Reise ist der Vogelzug in vollem Gange und die Teilneh­ mer haben die Gelegenheit, dieses Naturschauspiel mitzuerleben.  Deutschland, 20. – 27. September 2014

Foto: Adam Schnabler

(allgemeine Fragen zur Mitgliedschaft, Adressänderung) Tel. 09 41-2 97 20-65 mitglied@bund-naturschutz.de


BAYERNS

EINMALIGES WALDNATURERBE SICHERN!

UNSER ZIEL: DER STEIGERWALD SOLL NATIONALPARK WERDEN! Mit Ihrer Hilfe wollen wir bei Anwohnern und Politikern für die NationalparkIdee werben. Wir wollen ... Buchen erfassen und ➜ alte vor dem Fällen schützen erstellen ➜ Gutachten lassen, um Lokal- und Landespolitiker von der Idee zu überzeugen!

und heimische ➜ Anwohner Wirtschaft detailliert informieren und für die Nationalparkpläne gewinnen!

Wert, durch einen Nationalpark geschützt zu werden: rer ie mteitigIherw Heldfee, dnasS ald s der S

Tausende Altbuchen, ökologisch besonders wertvoll!

Heimat für seltene und fast ausgestorbene Tiere

BUND Naturschutz in Bayern e.V. Landesgeschäftsstelle Dr.-Johann-Maier-Str. 4 93049 Regensburg info@bund-naturschutz.de www.bund-naturschutz.de

Refugium für seltene Pilze und Pflanzen

Spen ark wird und zum Nationalp ge Juwel mit dieses einmali , Tieren und rn seinen Wälde ützt wird! h Pflanzen gesc chutz

: BUND Naturs Spendenkonto 30 500 9300 0016 0 2 0 0 7 9 E6 D : IBAN 3MUE BIC: B FS W D E 3

Natur+Umwelt 3 2014  

Wald: grüner Bereich? Ein kritischer Zustandsbericht aus den bayerischen Wäldern.

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