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Natur+Umwelt www.bund-naturschutz.de Heft 2-2014  96. Jahr  2. Quartal

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NUR JETZT: Ein Wanderführer für jeden Werber und Geworbenen*

Begeistern Sie Ihre Freunde und Bekannten dafür, Mitglied im BUND Naturschutz zu werden. Jetzt lohnt sich das besonders. Bis zum 31.07.2014 schenken wir sowohl Ihnen als Werber als auch dem neuen Mitglied je ein Exemplar des beliebten BN-Wanderführers.* Darin finden Sie 40

JANDA+ROSCHER, Die WerbeBotschafter

Foto: fotolia.de, BN-Archiv

Freunde für die Natur gewinnen und gerettete bayerische Landschaften erleben Wanderungen zu Landschaften, die es ohne den BUND Naturschutz so nicht mehr gäbe. Sorgfältig recherchiert und mit ansprechenden Texten versehen, macht das Buch sogar ohne Wandern Spaß.

Eine Beitrittskarte finden Sie im Heft. Vielen Dank für Ihr Engagement!

* Die Aktion läuft bis 31.07.2014 und gilt für abgeschlossene Mitgliedschaften.

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Natur + Umwelt 2-2014

Inhalt BUND Naturschutz Bayern 4/5 Alles neu  Der BN-Internetauftritt erstrahlt in neuem Glanz

6 Leserbriefe

7 Porträt  Ruth Heeren

8 Gut leben  Wie Schwangere Schadstoffe vermeiden ­können

9 Reiseseite

10 Raus in die Natur Wandern am Grünen Band zwischen Bayern und Thüringen

11 Die besten Naturtagebücher wurden ausgezeichnet

12 Titelthema

26 Ein Park für München

27 Aktuell

28 Heilpflanze des Jahres  Der Spitzwegerich im ­Pflanzenporträt

Inhalt BUND

B1 Editorial und Inhalt

29 Fotoseite

B2/B3 Magazin Kurznachrichten

30/31 Naturschutz  Der Fischotter

B4 Kommentar

32 Neue Bücher

33 Aktuell  Wie geht’s weiter nach dem Startbahn-Urteil?

B6 Biosphärenreservat Schaalsee

B10 Aktion Energiewende nicht abbremsen!

34/35 Junge Seite 36/37 Ökospot

39 Besserer Schutz für den ­Steigerwald rückt näher und mehr Regionales

46 Umweltbildung

47 Service

BN-Reisen bietet wieder die Fahrt zum Baikalsee mit der Transsibirischen Eisenbahn an. Seite 9

B11–16 Zur Zeit  Gipskarst bedroht – Elbvertiefung – Naturschutz auf ehemaligem Militärgelände

25 Jahre Grünes Band Wo am Eisernen Vorhang einst Grenzen trennten, verbindet heute die Natur. Die Idee dazu kam aus dem BN. ab Seite 12

B17–21 Aktiv  Neues aus dem BUND, national und ­international

Liebe Leser

Eine Legende ist zurück

B22 Persönlich  Ulrike Mehl ­ im Porträt

Die »Natur+Umwelt« darf sich rühmen, ganz be­ sonders aufmerksame Leser zu haben. Nach dem ­Erscheinen von Heft 1/2014 erreichten uns zahlreiche Anfragen, welcher Ort denn auf dem Titel abgebildet sei. Von der ersten bis zur letzten Seite hatten viele von Ihnen das Heft nach einem entsprechenden ­Hinweis durchforstet. Dabei wollten wir bewusst keine Gemeinde in den Mittelpunkt stellen, ging es doch im Titelthema »Kommunalwahlen in Bayern« um alle bayerischen Städte und Gemeinden. Stell­ vertretend dafür stand auf dem Hefttitel – mit Rathaus und Maibaum – die Stadt Pfaffenhofen a.d. Ilm. Dieses Mal lassen wir Sie nicht rätseln: Wenn Sie ­wissen möchten, was auf dem Titelbild zu sehen ist, blättern Sie doch gleich vor auf Seite 12. Ihre Luise Frank, Redakteurin Natur+Umwelt

Braucht’s das?

Der BUND Naturschutz sieht die geplante Gleichstromtrasse Süd-Ost durch Bayern kritisch. Seite 27

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www.bund-naturschutz.de

Informativer, praktischer, schöner: die neuen BN-Internetseiten Im Februar erhielten die BN-Websites eine grundlegende Frisch­ zellenkur: Seither sind sie mit brandneuem Design und vielen ­erweiterten und praktischen Angeboten online. Neben den Seiten des Landesverbandes erstrahlen auch rund 70 Online-Auftritte der Kreisgruppen in neuem Glanz.

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Foto: Stefan

ie komplette Neuauflage der BN-Webseiten – im Fachjargon »Relaunch« genannt – war das größte Projekt, das es bisher im Internetbereich des BUND Naturschutz ­gegeben hat. Es umfasste über 70 eigenständige Websites mit zusammen mehr als 10 000 Seiten, 100 000 Dateien und 300 Redakteuren. Dabei ging es nicht nur um eine grafische Neugestaltung, sondern auch um eine weitgehende Umstrukturierung der Inhalte auf der Landeswebsite und eine RundumErneuerung der technischen Basis. Hier braucht der BN keinen VerHolger Lieber gleich zu scheuen: Der Internet­ koordinierte den Relaunch. Er ist ver- auftritt war zum Zeitpunkt seines antwortlich für die Neustarts Ende Februar die weltweit Internetpräsenz größte Online-Präsenz, die die des Landesverban­neueste Version des Internetredak­ des mit mehreren tionssystems Typo3 nutzte. Websites, FaceInhaltlich warten die Internet­ book, Twitter und YouTube. seiten natürlich weiterhin mit ­aktuellen Infos und Hintergründen zu allen Themen des Natur- und

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Umweltschutzes auf: von Energie und Klima, über Landwirtschaft und Gentechnik, Wald und Wasser bis hin zum Artenschutz, wo zum Beispiel über 100 Tierarten mit ihren Besonderheiten vorgestellt werden. Bei den einzelnen Themen findet der Besucher jetzt unterhalb des Seiteninhalts stets weitere ­Angebote zum Thema der Seite: ­aktuelle Pressemitteilungen und Termine, Bildergalerien und ­Ansprechpartner. Umständliches ­Suchen auf der Website nach diesen Zusatzinfos entfällt dadurch.

Neues aus der ganzen BN-Familie In der neu geschaffenen Rubrik ­»Aktionen« kann man sich online engagieren und der Natur eine Stimme geben. Derzeit laufen Unter­schriften­aktionen für eine kon­sequente Energiewende und gegen das Freihandelsabkommen TTIP zwischen der EU und den USA (siehe S. 37).

Neu hinzugekommen ist eine umfassende Publikationsdatenbank. Ob es um den Schutz von ­Tieren und Pflanzen, ökologisches Einkaufen oder Hilfe beim natur­ge­mäßen Gärtnern geht: Alle gedruckten Veröffentlichungen des BN lassen sich hier nach Interessengebieten durchsuchen und herunterladen. Ein wesentlicher Gedanke bei der Neukonzeption war zudem die Vernetzung der Angebote aus der ganzen BN-Familie: So findet man auf der Landeswebsite nicht nur Pressemeldungen und Termine des Landesverbandes, sondern auch der Kreisgruppen und des Bundesverbandes BUND. Und wer mobil online ist: Eine Darstellung der Website, die sich automatisch an alle Bildschirmgrößen anpasst, gibt’s jetzt ebenfalls – vom Großbildschirm bis zum Handy. Ruft jemand die BN-Website mit einem Smartphone oder Tablet auf, erkennt das die Website und schaltet um auf eine angepasste Version. Die Texte bleiben leserlich, die Navigation ist weiterhin leicht zu bedienen.

Rund 300 Internetbetreuer

Die neuen Funktionen mit Leben zu erfüllen, einer inhaltsstarken Web­ site eine neue Struktur zu verleihen, alle Seiten an das neue Design anzupassen, die Technik auf Vordermann zu bringen – so ein Mammutprojekt fordert vollen Einsatz. Nach zwei Jahren Vorbereitungszeit ging der Relaunch im Februar dieses ­Jahres in die heiße Phase. Rund 300 Internetbetreuer gibt es im Landesverband und den Kreisgruppen, viele von ihnen investierten zig Stunden in die intensive Überarbeitung ihrer Seiten. An dieser Stelle deshalb ein herzlicher Dank an alle Beteiligten für ihren großartigen Einsatz. Letztlich geht es bei all dem um ein möglichst interessantes, nutzerfreundliches und zeitgemäßes Angebot für die Besucher der Seiten. Wer das Ergebnis testen möchte, schaut am besten gleich mal rein: www.bund-naturschutz. de. Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldungen an web@bund-naturschutz.de.


ür seinen jahrzehntelangen, ­unermüdlichen Einsatz für die heimischen Gewässer hat der ­Bezirksverband Unterfranken des Landes­fischereiverbandes Sebastian Schönauer im März mit der Verdienstmedaille in Gold ausgezeichnet. Der stellvertretende Vorsitzende des BUND Naturschutz und Sprecher des BUND-Arbeitskreises Wasser kämpft seit langem für den Erhalt von Flussauen und gegen die Verbauung von Flüssen mit Staustufen und Wasserkraftwerken. Ebenso wie die Fischer trägt Schönauer in die Öffentlichkeit, dass Strom aus Wasserkraft zahllose Fische das Leben kostet, weil sie in den Turbinen zerhäckselt werden. Gerade die Versuche, im Rahmen der Energiewende wieder verstärkt Kleinstwasserkraftwerke zu bauen, ist dem Wasserschützer ein Dorn im Auge. »Der Anteil dieser Kraftwerke an der Stromproduktion ist mit 0,05 Prozent verschwindend gering, der ökologische Schaden hingegen sehr groß«, so Schönauer. Der stellvertretende BN-Vorsitzende lebt im Landkreis Aschaffenburg, in einem der schönsten Flusstäler Bayerns, dem Hafenlohrtal. Jahrzehntelang hatte Schönauer sich hier gegen die Errichtung eines Trinkwasserspeicher eingesetzt – mit Erfolg.

Angriff auf Bürgerrechte

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er Frühling hat Einzug gehalten in Bayern, überall grünt und blüht es. Für viele BN-Aktive ist der Frühling traditionell eine sehr arbeitsreiche Zeit: In zahllosen Stunden ehrenamtlicher Arbeit haben sie in den vergangenen Wochen wieder Amphibienzäune an Straßen errichtet, haben Frösche und Kröten eingesammelt und so Tausenden Tieren das Leben gerettet. Es sind anstrengende Aktionen und doch finden sich Jahr für Jahr wieder zahlreiche Helfer dafür. Für dieses unermüd­ liche Engagement möchten wir Ihnen an dieser Stelle ganz herzlich danken! Bei aller Freude über die neu entfaltete Pracht und Lebensfülle der Natur gibt es aber auch Grund, sich Sorgen zu machen. In unserer oft ausgeräumten, von Intensivlandwirtschaft bestimmten Flur finden Bienen nicht mehr genügend Nahrung. Deshalb setzt sich der BN mit Nachdruck dafür ein, dass auf so­ genannten »ökologischen Vorrangflächen«, welche nach der EU-Agrarreform vorgesehen sind, keine Pestizide gespritzt werden dürfen. Leider wollen der neue Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt aus Bayern und die Spitze des ­Bauernverbandes genau dies ermöglichen. Dabei zeigen viele Protest­ aktionen im Lande überdeutlich: Die Bürger wollen keine Agrarindustrie, keine Giftspritzorgien auf den Feldern und keine Massentierhaltung in Megaställen. Sie wollen das, was auf ihren Tellern liegt, mit gutem ­Gewissen und ohne Sorge um ihre Gesundheit essen können. Damit wir in Europa auch in Zukunft zumindest die Chance dazu haben, kämpft der BN in einem breiten Bündnis gegen das geplante Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU (TTIP). Es kann nicht sein, dass das Profitstreben von Großkonzernen wichtiger für das Gemeinwohl sein soll als urdemokratische Bürgerrechte! Es kann nicht sein, dass Wirtschaftslobbyisten hinter verschlossenen Türen ­Verträge ausmauscheln, bevor demokratisch gewählte Parlamentarier auch nur einen Entwurf davon zu

sehen bekommen! Und es kann schon gar nicht sein, dass Konzerne in Zukunft ein Recht darauf haben sollen, Staaten zu verklagen, wenn sie ihre Gewinnchancen be­ein­ trächtigt sehen! Inzwischen dämmert zum Glück auch einer Reihe von ­Politikern, dass die Gefahren von Öko- und Sozialdumping zu groß sind. Auch in den USA gibt es eine breite Protestbewegung gegen die weitere Liberalisierung und ein Freihandelsabkommen für Konzerne. Weiterhin »dranbleiben« müssen wir beim Thema Energiewende. Die Beratungen im Bundestag für eine Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) sind angelaufen. Wir werden uns mit unserem Dachverband BUND dafür stark machen, dass mit diesem Gesetz eine dezentrale Energiewende von unten nicht abgewürgt wird. Viele Menschen sind dafür am 10. Mai in Berlin wieder auf die Straße gegangen. Wir brauchen den dezentralen Ausbau Erneuerbarer Energien. Dann fällt auch die Notwendigkeit für die Gleichstromtrasse Südost quer durch Bayern weg. Auf dieser Trasse soll Kohlestrom transportiert werden – dem Klimaschutz und der Energiewende wäre das nicht dienlich. Am 25. Mai findet in Deutschland die Wahl des Europaparlaments statt. Wir appellieren an alle Mitglieder: Gehen Sie zur Wahl. Stärken Sie mit Ihrer Stimme diejenigen Kandidaten, die sich einsetzen für mehr Naturund Umweltschutz auf europäischer Ebene, gegen TTIP, gegen Genmais auf den Feldern und gegen Patente auf Leben.

Foto: Roggenthin

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Liebe Mitglieder

Ehrung für Sebastian Schönauer

Ihr Prof. Dr. Hubert Weiger, Vorsitzender des BN Ihre Doris Tropper, stv. Vorsitzende des BN Ihr Sebastian Schönauer, stv. Vorsitzender des BN

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Hochwasser vorbeugen

Foto: Sedlmeier

Zum Artikel »Vor der Flut ist nach der Flut« in N+U 1/2014 ­erreichte uns diese Zuschrift: Bei der ganzen Diskussion um den Hochwasserschutz kommt die primäre Vorbeugung (auch) in Naturschutz- und Ökologiekreisen erheblich zu kurz. Vor einigen Jahrzehnten hatte ich als Gemeinderat gefordert, bei neuen Baugebieten bei uns in der Gemeinde verbindlich festzulegen, dass Zisternen angelegt werden. Ich hatte bei diesem Vorschlag allerdings eher den spar­ samen Umgang mit der Ressource Wasser im Blickpunkt, weniger den Hochwasserschutz. Mein Antrag wurde mit verschiedenen Hinweisen abgelehnt. Wäre aber bayernweit eine entsprechende Auflage eingeführt worden, dann wäre die Katastrophe entweder gar nicht entstanden oder bedeutend harmloser ausgefallen! Für mich ist es unverständlich, dass keine ­nennenswerte Diskussion darüber stattfindet, welche riesigen, ständig mehr werdenden Abwassermengen allein von den Dächern in unseren Flüssen landen. Das Verursacherprinzip gilt hier in keinster Weise! Büßen sollen andere dafür: die Flutopfer auf der einen Seite, die Bauern auf der anderen Seite, und – wie Sie in dem Artikel darstellen – auch der Naturschutz und nicht zuletzt der Steuerzahler, der damit indirekt Bauherren, Baugesellschaften et ­cetera subventioniert! Dr. Heinz Morhard, Haldenwang

Schreiben Sie uns! Wir freuen uns auf Ihre Meinung: BN-Magazin »Natur+Umwelt«, Dr.-JohannMaier-Str. 4, 93049 Regensburg, nu@bundnaturschutz.de Leserbriefe können gekürzt werden.

Trauer um Willy Prölß

Foto: KG Nürnberg

Der Landesverband und die BUND Naturschutz-Kreisgruppe Nürnberg trauern um Willy Prölß, Altbürgermeister der Stadt Nürnberg. Er ist am 17. März 2014 im Alter von 83 Jahren verstorben. Mitglied im BN war Prölß seit 1980. Er hat sich in seiner kommunalpolitischen Tätigkeit häufig für ­Naturschutzziele eingesetzt, so für den Schutz der Straßenbäume, die Begrünung von In­

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Kommunal­ wahlen

Zum Titelthema Kommunalwahlen in N+U 1/2014 nimmt ein Leser Stellung: Der Wahlkampf ist voll im Gange. Die Parteien (CSU/ SPD) überbieten sich gegenseitig mit Forderungen/ Versprechungen von neuen Industriegebieten. Es gibt einen regel­ rechten Wettkampf zwischen den Nachbarkommunen. Einzige Begründung: mehr Steuereinnahmen. Große Flächen werden weiterhin bedenkenlos zubetoniert und versiegelt. Unsere Bundeskanzlerin sagt: Wir werden nichts tun, was das Wirtschaftswachstum gefährdet. Es soll ein zusätzliches Wirtschaftswachstum von 2 Prozent geschaffen werden. Mich ärgert, dass man seitens der Wirtschaft und der Politik die Schuld für Umweltsünden immer wieder den Verbrauchern zuschiebt. Die Hauptschuldigen sind Wirtschaft und Politik. Die globalisierte Welt braucht dringend eine neue Weltwirtschaftsordnung. Eine große Transformation. Alles muss sich ändern, und das ganz schnell. Es ist überhaupt nicht intelligent und klug, die Lebensgrundlagen der kommenden Generationen und der Mitgeschöpfe zu verbrauchen oder zu zerstören. So muss auch unser Lebensstandard bezüglich globaler Gerechtigkeit und Frieden auf den Prüfstand. Die

dustrieflächen, die Entschwefelung des ­Heizkraftwerks Sandreuth, gegen vermehrte Nachtflüge am Flughafen. An der städtischen Zustimmung zur Bannwaldausweisung des Reichswalds war er ­maßgeblich beteiligt. Dieses Engagement ­ hat er noch im Ruhestand fortgesetzt: Das Bündnis »Nein« zur Flughafen-Nordanbindung ­schuldet ihm Dank für höchst wirksame ­Unter­stützung. Der BUND Naturschutz hat den ­Ver­­storbenen mit der Goldenen Ehrennadel ­ausgezeichnet. Wir werden ihm ein ­ehrendes Andenken bewahren. Hubert Weiger für den Landesvorstand

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Herrschaft des Geldes muss abgelöst werden von zukunftsorientiertem, vernünftigem Handeln. In nächster Zeit werden weitreichende politische Entscheidungen gefällt. TTIP, Fracking, Gentechnik, Energiewende, Waffenexporte, Kampf ums Wasser. Wir müssen uns selbst retten, und das können wir nur, wenn wir den Planeten als den ­Lebensspender begreifen, der er ist. Friedrich Meier, Nürnberg

Klimaschutz = Landschaftsschutz

Die Energiewende bewegt weiterhin die Gemüter. Zu Leserbriefen in der N+U erreichte uns diese Zuschrift: Ich kann den Leserbriefen von Frau Julia Riedmann und Herrn Raimund Kamm nur voll und ganz zustimmen. Mit Besorgnis beobachte ich, wie sich die Stimmung in der Be­­ völkerung und ganz besonders in der Politik zunehmend gegen die Erneuerbaren Energien dreht. Die Energiewende kommt dadurch ernsthaft in Gefahr! Dass sich dazu aber immer wieder – normalerweise – informierte N+U-Leser vor den Propaganda­ karren der Energieversorger und ­diverser Großkonzerne spannen lassen, finde ich geradezu beschämend. Kaum zu glauben, dass ­solchen Leuten eine Landschaft mit stinkenden Kohlemeilern und strahlenden AKWs tatsächlich lieber wäre als Windräder, Solarkraftwerke und (Klein-)Wasserkraft. Natürlich gibt es auch hier so manches wenig vorteilhafte Projekt. Auch die Entwicklung in Sachen Biogas innerhalb der letzten zehn, zwölf Jahre sehe ich mit gewissem Unbehagen. Deswegen aber gleich die Energiewende pauschal infrage zu stellen, ist absurd. Wenn wir auf fossile und atomare Energieträger verzichten wollen, brauchen wir die Regenerativenergien, denn der Strom kommt nicht einfach aus der Steckdose. Nach meiner Ansicht gehören Landschafts- und Klimaschutz ­untrennbar zusammen und dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Klimaschutz ist aktiver Arten- und Landschaftsschutz – er erhält unsere Lebensgrundlage. Robert Kiermeier, Oberbergkirchen


Foto: Markl-Meider

Nachrichten« und »Ich wollt, ich wär ein Huhn …« Irgendwann verlässt die Langenzenner Gruppe aber das gemachte Nest und organisiert die weitere Kinder- und Jugendarbeit ganz ohne Hilfe der Eltern. Auch Ruth Heeren wächst aus der Kindergruppe heraus und beginnt, über den Tellerrand ihrer BN-Ortsgruppe hinauszuschauen. In der JBN findet sie die Möglichkeit, den umweltpolitischen Horizont zu erweitern. Sie besucht die überregionalen Jugendvollversammlungen oder die Landestagungen des BN und merkt: »Hier könRuth Heeren nen wir was bewegen!« Auf dem ökumenischen Kirchentag in München 2009 sitzt sie mit Vandana Shiva, der indischen Vorkämpferin einer traditionellen und gentechnikfreien Landwirtschaft, auf einem ­Podium – eine Begegnung, die nachNaturschutz lebt – vom Ehrenamt. Aber ob das eine Zukunft wirkt. Ruth Heeren widmet ihre Facharbeit der sozialen Problematik hat? Die 21-jährige Ruth Heeren ist seit ihrer Kindheit im BUND des Gen-Anbaus in Indien. Und geht Naturschutz zu Hause, engagiert sich heute an der Spitze der im Herbst 2012 nach ihrem Abitur ­Jugendorganisation JBN – und steht für jene Generation, die erst einmal für zweieinhalb Monate sich in heimischen Biotopen ebenso wohl fühlt wie im virtuellen nach Kenia, um dort in einem WaiDschungel des Internets. Und die morgen das Gesicht des BN senhaus zu arbeiten. prägen wird. Von Christoph Markl-Meider »Nicht die Reise, sondern die Rückkehr war für mich der eigent­ liche Kulturschock«, erzählt Ruth uth Heeren ist ein Eigengewächs des BUND Natur- Heeren heute freimütig. Es beginnt eine Phase der schutz, wie es typischer nicht sein könnte. Schon Suche und der Neu-Orientierung, die sie bald »mehr mit fünf Jahren erfährt sie in der von ihrer Mutter ge- oder weniger unabsichtlich« in die Landesfachgegründeten JBN-Kindergruppe in Langenzenn, was es schäftsstelle des BUND Naturschutz nach Nürnberg heißt, Natur und Umwelt mit allen Sinnen zu erleben: führt. Dort leistet sie beim BN-Landesvorsitzenden mit Gummistiefel und Spaten, um eine Wildhecke und Hubert Weiger ein Freiwilliges Ökologisches Jahr – »uneigene Kartoffeln zu pflanzen, oder mit Hammer und glaublich spannend und mit einem großartigen EinNagel, um neue Nistkästen zu bauen. blick in die bayerische Naturschutzarbeit«, schwärmt Sie lernt aber auch, dass guter Wille im Naturschutz Heeren heute. nicht ausreicht, sondern dass darüber hinaus gute Derzeit absolviert sie in München ein LehramtsstuIdeen gefragt sind, wenn es darum geht, Mitmenschen dium, bleibt aber dem BUND Naturschutz treu. Seit auf ökologische Missstände aufmerksam zu machen. einem Jahr gehört Ruth Heeren dem Landesvorstand Zum Beispiel auf den Abfall, der sich entlang der örtli- (»Lavo«) der JBN an. Ihre Aufgabe ist es, die Jugend­ chen Bahnlinie immer wieder ansammelt. Den hängen organisation im Landesvorstand des Erwachsenenverdie JBN-Jungspunde kurzerhand und für alle deutlich bandes zu vertreten. Dort schärft sie den Blick für die sichtbar an eine lange Wäscheleine. besondere Perspektive der Jugend, gerade wenn es um langfristige Themen wie die Gentechnik oder die Ener»Manches gilt es jetzt neu zu überdenken« giewende geht. Und sie fordert GenerationengerechUnd sie merkt bald, dass ökologisches Engagement tigkeit auch in Sachen Klimawandel ein. zwar nicht ohne solides Fachwissen und einen starken Aber die Notwendigkeit, sich auf die Zukunft einzuWillen, aber schon gar nicht ohne gewitztes Auftreten stellen, sieht sie genauso für die Umweltverbände auskommt. Vor allem, um in der Auseinandersetzung selbst. Sorge bereitet ihr etwa, dass viele junge Fami­ mit übergroß erscheinenden Gegnern eine Chance zu lien zwar umweltbewusst leben, aber längst nicht alle haben. Unvergessen ist Ruth Heeren eine spektakuläre den Weg zum BN finden. »Manches«, so ist sich Ruth Aktion im Jahr 2004, als ihre Öko-Kindergruppe zu Os- Heeren sicher, »was in unserer Arbeit jahrzehntelang tern sieben Käfighühner aus einer Legefabrik freikauf- gut gegangen ist, gilt es jetzt aufzubrechen und neu zu te. »Hennen in die Freiheit« titelten die »Nürnberger überdenken.«

»Wir können was bewegen!«

Alles so schön bunt hier! Ruth Heeren, 21, liebt die »bunte Mischung an tollen Menschen« in der Jugendorganisa­tion des BN. »­ Nirgends sonst würden wir uns so je begegnen«, sagt sie.

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Kontakt Ruth Heeren, ­Jugendorganisation Bund Naturschutz, Trivastr. 13, 80637 München, Tel. 0 89-5 98 96 30, E-Mail ruth.heeren @gmx.de, Internet www.jbn.de


GUT LEBEN

Die Weltgesundheitsorganisation vermutet einen Zusammenhang mit Krankheiten, die in den letzten Jahrzehnten weltweit gehäuft auftreten. Dazu gehören hormonbedingte Krebsarten wie Brust-, Hoden- und Prostatakrebs, eine reduzierte Spermienqualität oder Lern- und Gedächtnisprobleme.

GUT LEBEN

Illustration: Frauke Weinholz

Richtig vorbereiten

Schadstoffe meiden

Sorglos durch die Schwangerschaft

Schwangere sollten ganz besonders darauf ­achten, den Kontakt mit Schadstoffen so weit es geht zu vermeiden. Die wichtigsten Tipps hat der BUND in einem Faltblatt zusammengefasst.

W Die Autorin Sarah Häuser ist Mitarbeiterin des BUND-Chemieteams.

erdende Mütter wollen nur das Beste für ihr Baby. Und verzichten daher in der Schwangerschaft auf Alkohol, Zigaretten und bestimmte Lebensmittel. Weniger bekannt ist, dass auch Alltagschemikalien die Entwicklung des Ungeborenen gefährden können. Der BUND informiert in einem neuen Faltblatt* über eine schadstofffreie Schwangerschaft – mit Tipps, die auch Eltern von Kleinkindern beherzigen sollten, sowie Menschen, die sensibel auf Chemikalien reagieren. Das Faltblatt kann auf www.bund.net/schwangerschaft heruntergeladen werden.

Ungeborene besonders sensibel

Föten im Mutterleib reagieren besonders empfindlich auf Schadstoffe. Vor allem Chemikalien, die wie Hormone wirken, sind problematisch – denn das Hormonsystem steuert die gesunde Entwicklung des Körpers. Hormonell wirksame Stoffe können hier »dazwischenfunken«. Gesundheitliche Probleme äußern sich oft erst Jahre oder Jahrzehnte später.

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Die Vorfreude ist groß, ein Kinderzimmer wird eingerichtet, die Wände frisch gestrichen, neue Möbel an­ geschafft. Doch Vorsicht: In Farben, Lacken, Klebern, Möbeln und Baumaterialien lauern Schadstoffe, denen sich eine Schwangere nicht aussetzen sollte. Das Renovieren sollte sie daher anderen überlassen. Perfekt ist, wenn die Arbeiten frühzeitig beendet sind. So kann die Wohnung noch auslüften. Denn auch das Baby sollte nicht in ein frisch renoviertes Zimmer einziehen. Beim Wohnungsputz sollten Sie es ebenfalls nicht übertreiben: Viele Chemikalien in Reinigungsmitteln sind gefährlich für Umwelt und Gesundheit. Sie können Haut und Atemwege reizen sowie Allergien aus­ lösen. Ein milder Allzweckreiniger und ein Essig- oder Zitronenreiniger reichen meist aus. Duftstoffe sowie antibakterielle und bleichende Zusätze sind überflüssig und können der Gesundheit schaden.

Guten Appetit!

Konservendosen enthalten in ihrer Innenbeschichtung meist den hormonellen Schadstoff Bisphenol A, der auf den Inhalt übergehen kann. Besser sind frische, selbst gekochte Speisen und abwechslungsreiche Kost. Obst und Gemüse aus Bio-Anbau ist frei von Pestiziden. Dagegen sollten Sie räuberische und langlebige Meeres­ fische, die am Ende der Nahrungskette stehen, vom Speiseplan streichen: In Heilbutt, Schwert- oder Thunfisch reichert sich Quecksilber an. Auch fette Fische wie Lachs, Hering und Aal sollten Sie nur in Maßen verzehren, da sie langlebige Schadstoffe enthalten ­ können.

Fünf Tipps, wie Sie Schadstoffe vermeiden

M  inimieren Sie den Kontakt mit Chemikalien: Vermeiden Sie Spraydosen, Haarfärbemittel, Farben, Lacke. B  evorzugen Sie Produkte mit Umweltsiegeln wie dem Blauen Engel oder der EU-»Euroblume«. L  üften Sie Ihre Wohnung mehrmals täglich für etwa fünf Minuten und saugen Sie regelmäßig Staub. N  utzen Sie die BUND-ToxFox-App oder unser Online-Formular, um Körperpflegemittel ohne hormonell wirksame Stoffe auszuwählen: > www.bund.net/ toxfox B  ei Babykleidung ist Secondhand eine gute Wahl. Die Kleinen wachsen ohnehin schnell aus allem heraus. Und bei gebrauchten Sachen sind eventuelle Schadstoffe meist schon ausgewaschen.


Mit der Transsibirischen Eisenbahn an den Baikalsee

REISEN

Foto: BN Service GmbH

Eine Reise der Superlative

Der Tiefste, der Älteste, der Wasserreichste. Der Baikalsee ist ein Ort der Superlative. Vor allem aber: Wer ihn gesehen hat, kehrt als besserer Mensch zurück. Sagen die Russen.

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attatata, rattatata … die Räder rattern den Rhythmus zu den Bildern vor unseren Zugfenstern. Birkenwälder fliegen vorüber, Grasland und Kieferngruppen, kleine Rinderherden und Hütten. Dann taucht die Schlange der Waggons erneut in das Weiß-Schwarz lichter Birkenwälder ein. Stundenlang. Vor zwei Tagen haben wir Moskau verlassen. Sibirien, eine Region, so riesig und weitgestreckt, dass Tag und Nacht gleichzeitig in sie hineinpassen. Wenn in ihrem westlichen Ende der Abend kommt, dämmert im Osten der Morgen. Und mittendrin in diesem gewaltigen Land liegt das Hauptziel unserer langen Reise: der Baikalsee, größter und tiefster Süßwasserspeicher unseres Planeten. »Er ist so riesig, dass ein Jahr lang alle Flüsse und Ströme auf der Welt zu­ sammenfließen müssten, um seine Wassermenge zu ergeben«, erklärt Swetlana Haack, unsere russische Reiseleiterin, die uns jeden Tag etwas Landeskunde beibringt. Aber schon die Fahrt ist das Ziel. Die Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn, der längsten Bahnlinie der Welt, ist für uns alle die Erfüllung eines Traumes. Wir durchmessen fast menschenleere Weiten, die im Gegensatz stehen zu Millionenstädten wie Jekaterinburg, Omsk oder Novosibirsk, in denen der Zug hält. Traditionelle Holzhäuser ziehen vorüber. Wir halten in einem größeren Ort. Schnell raus, sich die Füße vertreten. Frauen aus der Umgebung bieten frische Himbeeren und Preiselbeeren, Gurken, Pilze, selbstgemachtes Gebäck und getrockneten Fisch zum Verkauf. Dank Swetlanas täglichem Russisch-Crashkurs wechseln wir mit ihnen sogar ein paar Worte. Im Zug ver-

Blauer Zug Mit voller Dieselkraft geht es in der Transsibirischen ­Eisenbahn gen Osten.

REISEN

Blaues Wunder Überwältigend: Der Baikalsee ist der größte Süß­ wasserspeicher der Erde.

bringen wir die Stunden mit träumendem Schauen, laufen durch die schaukelnden Waggons, besuchen einander. Nach fast 7100 Schienenkilometern ab Berlin kommen wir in Irkutsk an, wohin einst intellektuelle Dissidenten verbannt wurden. Jetzt warten auf uns noch 70 Kilometer Busfahrt durch Wälder. Dann ist endlich der große Augenblick da: Vor uns breitet sich das Tiefblau des Baikalsees aus.

Auf dem tiefsten See der Welt

Ein steifer Wind bläst an Deck unseres Hausboots, unserer Unterkunft für zwei Tage. Vor unsere Augen ziehen Steilküste, Sandstrand, Felsen und Wiesen, Kiefern und birkengrüne Wälder vorüber. Erst hier draußen auf den Wellen begreifen wir die enorme Größe des Baikal. Wir wissen jetzt, dass er an der tiefsten Stelle über 1640 Meter tief ist. Seine Wassermassen sind so gewaltig, dass sie unter dem Einfluss des Mondes sogar Gezeiten haben. »Heiliges Meer« nennen ihn die Russen auch. Im Pribaikalskij Nationalpark, UNESCO-Weltnaturerbe, leben rund 1300 endemische Tier und Pflanzenarten. Azaleen, Orchideen, Edelweiß, Anemonen, sibirische Trollblumen, Lilien und Adonisröschen. Apollofalter und Schwalbenschwanz flattern hier. Acht Tage verbringen wir am Baikalsee. Wir durchstreifen die Natur, besuchen ein Freilichtmuseum, erleben russische Folklore und essen gegrillten Fisch. Sogar die Banja, die russische Sauna, testen wir. Nach einer Woche heißt es wieder Abfahrt! Das Rattern der Räder begleitet uns zurück. Das Bild von den sommergrünen Weiten Sibiriens und ihrem einzigartigen See nehmen wir mit. Lucia Vogel

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Infos zu Reisepreis und Anmeldung unter BUND-Reisen, ReiseCenter am Stresemannplatz, ­Stresemannplatz 10, 90489 Nürnberg, Tel. 09 11-5 88 88-20, Fax 09 11-5 88 88 22, www.bund-reisen.de Geplante Reisezeit: 20. 8. – 8. 9. 2014 Eine frühzeitige ­Buchung ist aufgrund der einzuholenden Visa notwendig!


Foto: Klaus Leidorf

Flusstal mit Charme Einst Eiserner Vorhang, heute ein Teil des »Grünen Bandes« Deutschland: die Saale zwischen Bayern und Thüringen.

Gerettete Landschaften entdecken

An der Saale hellem Strande …

Auch wenn es paradox klingt: Für knapp 20 Kilometer bildet die Sächsische Saale die Grenze zwischen Bayern und Thüringen, bevor sie nach einer schwungvollen Umrundung von Blankenberg nach Norden abbiegt. Hier verläuft das Grüne Band in einem tief eingeschnittenen Flusstal – und hat einen ganz ­eigenen Charme, den es zu erkunden lohnt.

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Die Autoren Winfried Berner, Mitglied des Landesvorstandes, hat mit seiner Frau ­Ulrike Rohm-Berner den Wanderführer »Gerettete Landschaften« ­verfasst. 14,90 Euro, im Buchhandel oder bei der BN Service GmbH, Tel. 0 91 23- 9 99 57 20.

ir verlassen Blankenberg in östlicher Richtung durch die Straße »Anger«, passieren ein Wildgehege und treffen an einer Weggabelung auf den Kolonnenweg. Dort halten wir uns hangaufwärts Richtung Pottiga. Nach einer Weile lockt uns die Markierung »Kamm« mit blauem Querstreifen nach rechts in einen hübschen Waldweg. Von ihm kommen wir nach einer Weile entweder über eine neugebaute Forststraße auf den Kolonnenweg zurück und von dort an einer Aussichtsplattform vorbei nach Pottiga. Oder wir steigen auf einem unmarkierten Steig auf den unteren Kolonnenweg ab, der uns an einem Alaun-Bergwerksstollen und der Brücke zur Blumenaumühle vorbei führt. Kurz danach trifft der Kolonnenweg mit einem von Pottiga herunterkommenden Schotterweg zusammen. Direkt an der Saale lockt dort ein Rastplatz, der zu einem Vorschuss auf die Brotzeit einlädt. Saaleaufwärts geht es weiter, auf dem Kolonnenweg durch Auwälder und Feuchtgebiete hindurch, bis wir schließlich am Ende eines langen Damwildgeheges die Wüstung Saalbach erreichen. An den 1950 geschleiften Ort einnern nur noch eine Gedenktafel und eine Gruft. Dort geht es auf einer Fußgängerbrücke aufs fränkische Saaleufer hinüber und bald halbrechts den Wiesenhang hinauf. Oben streifen wir den Ortsrand von Rudolphstein, halten uns aber rechts und haben nun 200 Meter auf der Kreisstraße HO11 vor uns, bevor wir nach rechts in einen Waldweg einbiegen dürfen (Markierung US 74). Der führt uns mit eindrucksvollen Aus-

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blicken auf halber Hanghöhe die Saale entlang und allmählich etwas von ihr weg. Nach Überqueren eines Fahrwegs, der zur Blumenaumühle führt, geht es geradeaus einen Feldweg entlang. Ab hier wird die Orientierung etwas schwieriger – und die Markierung schlechter. Wir halten uns eher rechts, bis wir in einem Wäldchen unsere Markierung US 74 wiederfinden und kurz danach auf eine Art Wegkreuzung kommen, an der ein Weg nach rechts und zwei im spitzen Winkel nach links gehen. Um auf dem kürzesten Weg nach Blankenberg zurückzukommen, nehmen wir den mittleren linken Weg und kommen an dem Hof »Unterer Kemlas« vorbei zu einem landwirtschaftlichen Anwesen und zur Kreisstraße. Dieser folgen wir nach rechts, bis wir nach einem knappen Kilometer zur Brücke über die Saale kommen. Wer mag, kann auf der anderen Seite noch eine kleine Umrundung der Saaleschleife machen und dann nach etwa 200 Metern einen Steig hinauf in den Ort nehmen. Der Weg lässt sich zu einer abwechslungsreichen größeren Tour über Eisenbühl und die Höhen des Frankenwalds zurück nach Blankenberg erweitern. Eine Wegbeschreibung finden Sie auf der BN-Website unter www.bund-naturschutz.de/gruenesband, Stichwort: Erlebnis Grünes Band. Winfried Berner, Ulrike Rohm-Berner Ausgangspunkt: Blankenberg (Thüringen) Ortsmitte oder Bootsanlegeplatz Länge/Gehzeit: ca. 10 km / 3 Stunden (mit Erweiterung: 15 km / 4,5 Stunden) Höhenunterschied: ca. 300 Meter (Erweiterung: 500 Meter) Wegcharakter: Größtenteils befestigte, teilweise ­geteerte Wege, zwischendurch Waldwege und -steige, ca. 3 km Kolonnenweg Einkehr: Entlang des Weges keine


Auszeichnung für junge Forscher

Kreative Naturdetektive

Fotos: JBN

Zum dritten Mal fand dieses Jahr die Preisver­ leihung für die gelungensten Naturtagebücher in Bayern statt. Viele Kinder hatten am Wett­ bewerb um das schönste, kreativste und aufschlussreichste Naturtagebuch teilgenommen. Eingeladen hatte die Jugendorganisation des BUND Naturschutz.

Der Natur auf der Spur Preisträgerin Charlotte erforschte die Geheimnisse der Raupen. Auch bei einer Museumsrallye und einer Schatzsuche enthüllten die jungen Forscher Rätsel der Natur.

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as Jura-Museum in Eichstätt bot die passende ­Kulisse für die Auszeichnung der kleinen Naturforscherinnen und Naturforscher. Umgeben von urzeit­ lichen Fossilien und bizarren Versteinerungen wurden die Naturtagebücher präsentiert und den Kindern samt Auszeichnung wieder überreicht. Die kreativen und detailgetreuen Naturtagebücher begeisterten Johann Beck (Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Eichstätt) und Günter Krell (Vorstandsmitglied des BUND Naturschutz und Sprecher des Arbeitskreises Umweltbildung). Zusammen mit Ruth Heeren (Vorstand der JBN) und Tobias Grinschgl (Vorstand der JBN) überreichten die Vertreter des BUND Naturschutz die Urkunden. Nach der Ehrung wurde es Zeit, dem ­ ­Be­wegungs- und Wissensdrang der Kinder freien Lauf zu lassen.

Museumsrallye und Schatzsuche

Charlotte hat den deutschlandweiten Naturtagebuchwettbewerb gewonnen. Für ihr tolles, ausführ­ liches Tagebuch voller Fotos, Notizen, Zeichnungen und ­ Collagen wurde sie mit dem ersten Platz in ihrer ­ Altersgruppe ausgezeichnet. Zum Forschungsobjekt ­ für Charlottes Naturtagebuch wurden Raupen auserkoren, die sie beim Spazieren gefunden hatte. In einem speziell angefertigten Beobachtungskasten aus Faserpapier (damit die Raupen auch genügend Luft hatten) verfolgte die Achtjährige deren Metamorphose. Zunächst dachte sie die Raupen würden sich zu »kleinen Füchsen« entwickeln, zu ihrer Überraschung entpuppten sie sich jedoch zu Gespinstmotten. Auch unabhängig von ihrem Naturtagebuch hielt Charlotte die Augen offen und beobachtete ihre Umwelt genau. So wurde sie unter anderem Zeugin des Hochwassers, welches auch vor ihrem Schulweg nicht Halt machte. Welche Kraft Wasser haben kann, sodass nicht mal ein großer Baum dem standhalten kann, beeindruckte sie besonders. Und so hoffen wir, dass Charlotte den Geheimnissen der Natur auf der Spur bleibt – eine verdiente Gewinnerin!

Im Anschluss an die Preisverleihung veranstaltete die Jugendorganisation Bund Naturschutz für die teilnehmenden Kinder eine Museums-Rallye mit einer Schatzsuche. Auf den verschiedenen Stationen durch die Ausstellungsfläche lernten die Kinder eine Menge über Fossilien und die besonderen versteinerte Pflanzen und Tiere aus der Region. Das Ende der Rallye führte zu einem Schatz in den Gewölben des Museums­ geländes. So wurden schließlich alle Kinder für ihr jeweiliges Naturtagebuch belohnt.

Naturtagebuch-Wettbewerb 2014

Auch 2014 findet wieder ein Naturtagebuch-Wettbewerb statt. Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren sind eingeladen, ein Fleckchen Natur ein Jahr lang zu porträtieren! Info dazu unter www.jbn.de. Einsendeschluss für 2014 ist der 31. 10. 2014. Die Preisverleihung für die gelungensten Naturtagebücher findet im Frühling 2015 statt. Bitte sendet eure Naturtagebücher an: Jugendorganisation Bund Naturschutz Landesstelle Trivastr. 13 80637 München

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Wer unsere Natur in all ihrer Vielfalt dauerhaft schützen will, muss in großen Dimensionen denken. Dies taten vor 25 Jahren bayerische Naturschützer mit ihrer Idee, die innerdeutsche Grenze in ein »Grünes Band« des Lebens zu verwandeln – wie hier zwischen Bayern und Thüringen im Landkreis Coburg. Dieses »Grüne Band« ist heute ein Leuchtturm der BUND-Arbeit und eine Säule des ­nationalen Biotopverbunds. Und es hat in Bayern und ganz Deutschland den Weg geebnet für andere große Verbundprojekte.

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ah re Gr ün es Ba nd Foto: Klaus Leidorf

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Kai Frobel ist der »Vater« des Grünen Bandes. Der Naturschutzexperte des BUND Naturschutz erinnert sich an die Anfänge des Projekts – und an schwierige Zeiten.

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n n a g e b s e l l a ie

Am Anfang stand die Begeisterung einiger ehrenamt­ licher Naturschützer, zu denen ich gehörte. Wir erkannten den überragenden Wert des Grünen Bandes seit den 70er-Jahren vom Westen aus mit unseren Ferngläsern. Als die Mauer fiel, haben wir die Chance ergriffen für unsere Idee, ein »Grünes Band« aus der Taufe zu heben. In der Naturschutzszene war dann schnell ein Netzwerk von Mitstreiterinnen und Mit­ streitern geknüpft. Über die Jahre konnten wir entscheidende ­Personen auch in der Politik, in Fachbehörden und ­Medien für das Grüne Band gewinnen. Viele Menschen aus unterschiedlichen Kontexten, die sich für dieselbe Idee begeistern: Das ist das Erfolgsgeheimnis des ­Grünen Bandes. Der Erfolg liegt aber auch im Gehalt des Projekts: Eine fast 1400 Kilometer lange Erinnerungslandschaft für die deutsche Wiedervereinigung, quer durchs Land und von enormem Wert für seltene Tiere und Pflanzen – das spricht einfach für sich.

Was war im Rückblick die größte Herausforderung?

Die schlimmsten Jahre waren 1990 bis etwa 1993. Die Schutzidee war jung, und die Naturschutzbehörden in Ostdeutschland erst im Aufbau. Fast 2000 Hektar Biotope verschwanden im Grünen Band damals unterm Pflug und wurden zu Ackerflächen. 1996 dann die nächste Herausforderung: Der Bundestag beschloss ein »Mauergrundstücksgesetz«, wo­ nach die bundeseigenen Flächen auf dem freien Markt

Foto: Ernst Sammer

Wie begann die Erfolgsgeschichte am Grünen Band?

verscherbelt werden sollten. Und die Hälfte des Grünen Bandes war in Bundesbesitz! Wir forderten damals, diese mit der Zweckbestimmung »Naturschutz« als ­Na­tionales Naturerbe auf die Bundesländer zu über­ tragen. Bis wir die Politik so weit hatten, das zu unterstützen und vor allem umzusetzen, wurden unsere Hartnäckigkeit, Geduld und Kreativität ganz schön auf die Probe gestellt. Zwölf Jahre hat es gedauert, und es ging zeitweise nur sehr zäh vorwärts, bis fast zum Stillstand. Doch die Ausdauer des BN hat sich gelohnt. Denn die Flächen wurden tatsächlich übertragen und sind heute dem Naturschutz gewidmet.

An was erinnern Sie sich besonders gerne?

An die balzenden Braunkehlchen auf dem Grenzzaun! Noch als die Grenze stand, war dies ein hoffnungsvolles Symbol dafür, dass die Natur eben keine Grenzen kennt. sz

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Die Anfänge 1989 in Hof: Geburtsstunde des Grünen Bandes – mit Kai Frobel (2. v. li.) und Hubert Weiger (2. v. re.).


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Grünes Band: Vorbild für den Biotopverbund

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Während der Jahrzehnte dauernden Teilung unseres Landes entwickelte sich entlang der innerdeutschen Grenze ein Refugium für ganze Hundertschaften von Rote-Liste-Arten. Der besondere Wert dieses »Grünen Bandes« liegt in seiner Funktion als Rückzugsraum – und mehr noch in der engen Verzahnung ganz unterschiedlicher ­Lebensräume. So grenzen hier Binnendünen an b ­ lühende Heiden oder Trockenrasen an Niedermoore. Mit seinen 1393 Kilometern Länge ist das Grüne Band der größte länderübergreifende Biotopverbund Deutschlands.

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eiert jemand seinen 25. Geburtstag, gilt diese Person im Allgemeinen als jung. Kann eines der bekanntesten deutschen Naturschutzprojekte auf ein rundes Vierteljahrhundert zurückblicken, so darf es schon beinahe als ehrwürdig gelten. Hat sich doch ein großer Fundus von Wissen und Erfahrungen angesammelt, der es zu einem Vorbild und Modell für andere Projekte macht.

Experten des BN hatten schon früh den Wert des ­außerplanmäßigen »Schutzgebietes« erkannt. Anders als ihre Kollegen aus dem Osten kamen sie dicht an die Grenze heran. Seit 1975 kartierten sie Aug’ in Aug’ mit argwöhnischen Grenzposten per Fernglas die Vogelwelt. Im Dezember 1989 war es dann soweit: Naturschützer aus Ost und West verabschiedeten auf Ini­tia­tive des BUND einstimmig eine Resolution, in der erstmals der Begriff »Grünes Band« geprägt und die bis heute gültigen Ziele des Projekts umrissen wurden. Binnen eines Vierteljahrhunderts entwickelte der BUND diese Idee zu einer Naturschutzinitiative, die alle Verwaltungs-, Ressort- und Parteigrenzen überwand. Und sogar Staatsgrenzen. Auch entlang des ­ehemaligen Eisernen Vorhangs vom Eismeer bis ans Schwarze Meer entstand ein einzigartiger Biotopver-

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Foto: Klaus Leidorf

Grenzen überwunden

Natur verbindet Wo einst der Eiserne Vorhang Menschen trennte wie hier an der früheren innerdeutschen Grenze, verbindet heute die Natur.


bund, ein lebendiges Denkmal der Überwindung der europäischen Teilung: das Grüne Band Europa. Ganz nach dem Motto: Grenzen trennen – Natur verbindet.

Kooperation gefragt

In Deutschland ist das Grüne Band auf höchster politischer Ebene angekommen: Die Biodiversitätsstrategie der Bundesregierung erwähnt es als »Leuchtturmprojekt« und hebt seine Bedeutung als Nationales Natur­ erbe und historisches Denkmal hervor. Seit 2009 ist das Grüne Band auch im Paragraph 21 (Biotopverbund und -vernetzung) des Bundesnaturschutzgesetzes verankert. Seine rechtliche Würdigung als Element des ­nationalen Biotopverbunds stellt einen großen Erfolg unserer Schutzbemühungen dar. Der Biotopverbund kann aber nur gemeinsam rea­ lisiert werden. Länderübergreifende Aktivitäten für ein Schutzvorhaben dieser Größenordnung sind nur erfolgreich, wenn es gelingt, ein Projekt breit in der Gesellschaft und bei vielen Beteiligten zu verankern – als faszinierende Herausforderung. Das Grüne Band ist ein besonders positives Beispiel dafür, wie staatlicher und verbandlicher Naturschutz kooperieren. Gerade diese Zusammenarbeit wird von unseren europäischen Partnern und speziell unseren korea­ nischen Freunden mit großem Interesse verfolgt. Die demilitarisierte Zone zwischen Nord- und Südkorea ist dem Grünen Band sehr ähnlich. Für unsere Partner von »Friends of the Earth (Süd)Korea« sind unsere Aktivitäten und erfolgreichen Bündnisse eine Quelle der Inspiration. Mit gegenseitigen Besuchen und fachlichem Austausch versuchen sie die vielfältige Natur ihres Grenzstreifens auch in Zukunft zu bewahren.

Refugium gesichert

Zahlreiche Kämpfe hat der BUND in den vergangenen 25 Jahren für das Grüne Band gefochten. 177 Quadratkilometer umfasst die Lebenslinie, 87 Prozent davon können als naturnah gelten, zwei Drittel sind als Naturschutz- oder FFH-Gebiet gesichert. Zu verdanken ist dies der guten Zusammenarbeit mit vielen Partnern, den haupt- und ehrenamtlich Aktiven in den Landesverbänden des BUND und nicht zuletzt dem Projektbüro in Nürnberg, das seit 1998 als Anlaufstelle und Koordinationszentrale dient. Über 1200 gefährdete Tier- und Pflanzenarten finden im Grünen Band und seiner Umgebung einen Rückzugsraum. Viele nutzen den Biotopverbund auch für ihre Wanderungen durch die häufig intensiv genutzte Agrarlandschaft. Die jüngste Bestandsaufnahme (gefördert vom Bundesamt für Naturschutz) ermittelte zudem 146 verschiedene Biotoptypen. Fast zwei Drittel gelten bundesweit als gefährdet.

Noch viel zu tun

Noch bleibt viel zu tun, um das Grüne Band als Ganzes zu erhalten. Eine Spenderin aus Österreich fragte kürzlich zu Recht: »Wie ist es möglich, dass der deutsche Staat nicht in der Lage oder willens ist, die Flächen im Grünen Band zu erwerben und damit unter Schutz zu

stellen?« Ja, wie ist es möglich, dass das Grüne Band auf immerhin 180 Kilometer Länge praktisch unkenntlich ist, überprägt von intensiver Landwirtschaft? Unser einziger nationaler Biotopverbund, im Ausland hoch angesehen, eine einmalige Erinnerungslandschaft der jüngeren Zeitgeschichte? Wie kann es sein, dass für Tiere und Pflanzen immer wieder einmal Schluss ist auf ihrer Wanderung und auch Fußgänger und Radfahrer sich ratlos im Maisacker verlieren?

Lücken schließen Für ein lückenloses Grünes Band engagiert sich der BUND gezielt mit dem Projekt »Lückenschluss«. Hier der Auftakt im Sommer 2013 bei Salzwedel.

Lückenlose Lebenslinie

Indem die Bundesregierung ihren Flächenbesitz im Grünen Band den Bundesländern zum Zwecke des Naturschutzes übertrug, hat sie eine langjährige Forderung des BUND erfüllt. Gut die Hälfte des Grünen Bandes ist damit langfristig gesichert. Doch noch gehört viel Grund Privatleuten, Kommunen oder Institutionen wie Stiftungen, der Kirche oder der Bahn. Seit 2000 kauft der BUND – unterstützt von vielen Spenderinnen und Spendern – vornehmlich aus Privatbesitz – Flächen im Grünen Band und setzt hier – Naturschutzmaßnahmen um. Doch das wird immer schwieriger. Immer größer ist der Flächenhunger derer, die das Land intensiv bewirtschaften wollen, etwa für den Maisanbau. Bei allen Landnutzern und bei Politikern jeder Ebene ist hier viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Wir werben für das Grüne Band, um unser pan­ europäisches Naturerbe zu bewahren. Was dem Grünen Band bisher fehlt, ist ein recht­ licher Rahmen, der es endgültig sichert. Hier böte sich eine noch junge Schutzkategorie an, das »Nationale Naturmonument«. Das Grüne Band wäre dafür prädestiniert! Lässt sich ein passenderes Geschenk zum 25. Geburtstag denken? Der BUND bedankt sich bei all seinen Partnern und wird sich gemeinsam mit ihnen in den nächsten Jahren dafür einsetzen, dass das Grüne Band »lückenlos« wird. Auf ganzer Länge wollen wir es durchgängig wiederherstellen. Dafür benötigen wir weiterhin Ihre Hilfe und Unterstützung! Liana Geidezis, Kai Frobel, Hubert Weiger

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Die Autoren Liana Geidezis ist die Projektleiterin, Kai Frobel der Ini­ tiator des Grünen Bandes. Auch der BUND- und BNVorsitzende Hubert Weiger begleitet es seit der ersten Stunde.


25 Jahre Grünes Band – ein Rückblick aus bayerischer Sicht

Das Grüne Band ist eines der bekanntesten und anspruchsvollsten Naturschutzprojekte Deutschlands und ­Europas: Ins Leben gerufen wurde es unmittelbar nach der Wende durch den BUND Naturschutz. Im Raum ­Coburg hatten Kai Frobel und weitere Mitstreiter den unschätzbaren Wert der Grenznatur weit vor dem Fall des Eisernen Vorhangs erkannt und damit die Keimzelle einer heute euro­ päischen Initiative gelegt.

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e r e i r r a K t h rn mac

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ls Schüler begann 1975 Kai Frobel, der heutige BNNaturschutzreferent, mit systematischen Untersuchungen der Vogelwelt im oberfränkischen Steinachtal in den Brachflächen des »vorgelagerten Hoheitsgebiets« der DDR. Er beschrieb bundesweit erstmals den hohen Naturschutzwert des für Artenschützer aus der DDR nicht zugänglichen Grenzstreifens. Ab 1979 führte der »Arbeitskreis Ökologie Coburg« der BN-Kreisgruppe eine ornithologische Rasterkartierung von 1005 Quadratkilometern im Bereich Obermaintal und Landkreis Coburg durch. Dieser Landschaftsraum war auf drei Seiten von der DDR-Grenze umgeben. Gezielt wurde damals auch der Grenzstreifen zu Thüringen auf rund 140 Kilometern Länge erfasst. Der Vergleich zur umliegenden Agrarlandschaft war eindeutig: Seltene und bedrohte Vogelarten wie Braunkehlchen, Raubwürger, Ziegenmelker und Heidelerche brüteten zu weit über 90 Prozent im Grenzstreifen. Hätten die etwa 40 mitwirkenden Ehrenamtlichen nicht Jahre an idealistischer Kartierungsarbeit im Gelände investiert, gäbe es heute wahrscheinlich kein Grünes Band!

Todesstreifen: Lebensader für seltene Arten

Unter diesem provokanten Motto legte der BN bereits Anfang der 80er-Jahre in Publikationen und bei der Pressearbeit den Finger in die Wunde. Das Ziel: Es sollte den für Natur und Landschaft politisch Verantwortli-

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chen peinlich sein, dass eine ganze Reihe von seltenen Arten nur dadurch überlebt, weil es einen menschenverachtenden »Todesstreifen« gibt. Bei diesen Ermahnungen blieb es nicht, der BN und seine Kreisgruppen handelten. 1981 begannen gezielte Biotopneuanlagen und Flächenankäufe der Kreisgruppe Kronach direkt an der Grenze auf bayerischer Seite. Über die innerdeutsche Grenzkommission bemühte sich der BN unter anderem um den Schutz des durch Grenzbefestigungsmaßnahmen gefährdeten Rottenbacher Moores. Als die innerdeutsche Grenze 1989 fiel, war den BNVerantwortlichen klar, dass nun ein Zeichen gesetzt werden musste, um die seit über einem Jahrzehnt bekannten Schätze im Schatten der Grenzanlagen zu sichern. Am 9. Dezember 1989 luden Hubert Weiger, damals BN-Beauftragter für Nordbayern, und Kai Frobel 28 ihnen bekannte Naturschützer aus der DDR zu einem ersten deutsch-deutschen Treffen nach Hof ein: Die Resonanz war überwältigend, knapp 400 Personen aus der gesamten DDR und Nordbayern kamen, um einstimmig eine Resolution, in der erstmals von Kai Frobel der Begriff »Grünes Band« geprägt wurde, zu verabschieden.


Verwandlung Aus dem früheren Grenzgebiet zwischen West und Ost wurde die Lebensader Grünes Band, hier die Grenze BayernTschechien bei Friedrichshäng.

Hier wurde Geschichte geschrieben Schon in den 70er-Jahren entdeckte Kai Frobel, heute BN-Artenschutzreferent, den großen Wert der inner­ deutschen Grenze als Lebensraum für seltene Arten. Bei einem ersten Treffen von Naturschützern aus Ost- und Westdeutschland entstand diese Resolution.

Naturschutzprojekt deutsche Einheit

Es war auch der Anfang einer nun 25-jährigen Lobbyarbeit des BN und BUND. Die Medienaufmerksamkeit half dabei – entgegen der damals verbreiteten Grundstimmung, diese Grenze und alle mit ihr verbundenen Anlagen sofort zu beseitigen – Verständnis und Unterstützung für den Erhalt der dort entstandenen Natur und einmaligen Erinnerungslandschaft zu wecken. Dies mündete in ersten politischen Zielaussagen und konkreten Schritten: So wurden BN und LBV 1990 von den Umweltministerien der Länder Bayern, Thüringen und Sachsen gemeinsam mit einer faunistischen Kartierung des 422 Kilometer langen Südabschnitts beauftragt. Die Kartierung bestätigte eindrucksvoll die früheren Befunde aus dem Coburger Raum und war die Grundlage für zahlreiche neue Schutzgebiete. Besonders in den frühen 90er-Jahren war das Grüne Band massiv gefährdet. Über Jahrzehnte ungenutzte Biotope wurden in wenigen Stunden vor allem durch bayerische Landwirte umgepflügt, begünstigt durch den kurz nach der Wende entstandenen »rechtsfreien Raum« im ehemaligen Grenzbereich. Vor allem in traditionellen Ackerbauregionen, wie dem Grabfeld, kam es zu hohen Verlusten. Im Europäischen Naturschutzjahr 1995 wurde das Grüne Band als modellhaftes Naturschutzprojekt aus-

 22. Juni: Grenzüberschreitende Schmetterlingsexkursion am Grünen Band (Untergrafenried/Nemanice) (BN-Kreisgruppe Cham), Kontakt: cham@bund-naturschutz.de  2 8. Juni: Naturkundliche Wanderung Görsdorfer Heide und Feuchtgebiete um Rottenbach (BN-Kreisgruppe Coburg mit BUND Sonneberg), Kontakt: stefan.beyer@oekologischebildungsstaette.de  2 0. Juli: Grillfest mit Musik am Grenzübergang Haidmühle (BN-Kreisgruppe Freyung-Grafenau), Kontakt: freyung-grafenau@ bund-naturschutz.de  3 . Oktober: Wanderung im Titschengrund – Das Grüne Band im Frankenwald bei Nordhalben (BN-Kreisgruppe Kronach), Kontakt: christine.neubauer@ oekologische-bildungsstaette.de  1 2. Oktober: Familienwanderung bei Neualbenreuth (BN-Kreisgruppe Tirschenreuth), Kontakt: tirschenreuth@bund-naturschutz.de

gezeichnet. Mit einer ersten Wanderausstellung, gefördert durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, konnte erstmals auch außerhalb von Bayern, Thüringen und Sachsen für das Grüne Band geworben werden. Unterstützt von den Ländern Thüringen und Bayern startete 1998 das erste grenzübergreifende Artenund Biotopschutzprojekt »Steinachtal/Linder Ebene« koordiniert durch die Ökologische Bildungsstätte Oberfranken in Mitwitz. Es war Ausgangspunkt für weitere grenzüberschreitende Projekte, wie das aktuell laufende Naturschutzgroßprojekt des Bundes »Rodachtal-Lange Berge-Steinachtal«. Als »Keimzelle« des bundesweiten Projekts sind die BN-Aktivitäten am Grünen Band zugleich eine der Wurzeln der europäischen Initiative, die heute 24 Länder über mehr als 12 000 Kilometer Länge verbindet. Ausgehend von ehrenamtlichen, lokalen Aktivitäten wurde eine verbindende Vision für einen ganzen Kontinent geschaffen, an der heute viele Menschen über Grenzen hinweg zusammenarbeiten. Kai Frobel, Uwe Friedel

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Fotos: privat

Fotos: privat

Die Kreisgruppen am Grünen Band laden ein

Die Autoren Kai Frobel ist Arten- und Naturschutzreferent des BN, Uwe Friedel ist für das Projektbüro Grünes Band tätig.


Fotos: BN

s a p o r u e l e t t i Naturjuwel im Herzen M Grünes Band Bayern-Tschechien

Die BN-Kreisgruppen vor Ort leisten einen wichtigen Beitrag zur grenzüberschreitenden Arbeit für das Grüne Band: Der BN kauft Flächen an, setzt Naturschutzmaßnahmen um und entwickelt zusammen mit den tschechischen Partnern grenzüberschreitende Schutzstrategien. Dies ist bitter nötig, denn die Bilanz entlang der bayerischen Seite ist erschreckend: Gerade mal 32 Prozent des bayerischen Grünen Bandes ­stehen unter Naturschutz.

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er knapp 350 Kilometer lange Abschnitt des Grünen Bandes Europa entlang der bayerisch-tschechischen Grenze verbindet zahlreiche naturschutzfachlich wertvollste Gebiete. Neben den beiden Nationalparken Bayerischer Wald und Šumava und dem ˇ großflächigen Landschaftsschutzgebiet Ceský Les, findet man entlang der Staatsgrenze herausragende Natura 2000- und Vogelschutzgebiete wie das Naturschutzgebiet »Torflohe und Pfrentschwiesen«, Heimat von Fischadler und Bekassine. Es kreuzen wichtige grenzübergreifende Biotopverbundachsen wie das Egerund Wondrebtal im Fichtelgebirge. Für eine Vielzahl von Arten ist das Grüne Band ein letztes Refugium und Ausbreitungskorridor: Schwarzstorch, Wachtelkönig, Fischotter und Luchs sind nur eine kleine Auswahl. An-

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dernorts selten gewordene Lebensräume wie natur­ nahe Fließgewässer und Wälder, Feuchtwiesen und Moore konnten sich erhalten. Doch auch sie sind heute durch Zerstörung bedroht. Im Dreiländereck BayernSachsen-Böhmen hat sich eine ganz besondere Rarität erhalten: Im Schatten des Eisernen Vorhangs konnte die vom Aussterben bedrohte Flussperlmuschel überleben. Mit dem Projekt »Erhalt der Flussperlmuschel im Grünen Band Bayern-Tschechien« setzt sich die Kreisgruppe Hof für deren Schutz und Ausbreitung ein (wir berichteten in N+U 3/2012).

»Ahoj sousede! Hallo Nachbar!«

So heißt es bei der Kreisgruppe Wunsiedel. Bereits seit Juni 1990 besteht die freundschaftliche Zusammenarˇ beit mit dem tschechischen Naturschutzverband CSOP. Immer wieder finden gemeinsame Treffen, Exkursionen und Arbeitseinsätze statt. Im Bereich von Hohenberg schlängelt sich die Eger in Richtung Tschechien. In diesem Gebiet werden unterschiedlichste Biotope, vom Trockenhang bis hin zu Sumpf- und Wiesenarealen gepflegt. Die im Besitz des BN befindlichen Feuchtwiesen bei Fischern wurden im Sinne des Arten- und Biotopschutzes umgestaltet und im Bereich des Zusammenflusses von Eger und Röslau sind Flutmulden und Feuchtsenken entstanden. Dadurch wird eine bes-


Foto: KG Cham

Refugium für seltene Arten ˇ Im Oberpfälzer Wald/ Cesk y´ Les und in unterschiedlichsten Biotopen entlang der bayerisch-tschechischen Grenze finden viele Arten einen letzten Zufluchtsort.

sere Strukturierung des Feuchtgrünlandes und des ökologisch wertvollen Lebensraumes unmittelbar im Grünen Band erreicht. ˇ Das Gebiet Oberpfälzer Wald/ Ceský Les ist eine von sechs Pilotregionen im EU-geförderten Projekt GreenNet. Hier werden im Auftrag des BN/BUND-Projekt­ büros Grünes Band Daten zu Lebensräumen und Arten erhoben und in Zusammenarbeit mit der Kreisgruppe Cham vielfältige, grenzüberschreitende Veranstaltungen und Aktivitäten durchgeführt. Mittels einer zoologischen Erhebung auf nicht geschützten Grüne-BandFlächen bei Waidhaus (Landkreis Neustadt/Waldnaab) wurden 30 gefährdete Arten der Roten Liste Bayerns entdeckt wie die Grüne Keiljungfer und der BaldrianScheckenfalter. Grünes-Band-Familientage, deutschtschechische Schülerworkshops, eine Wanderung »auf den Spuren des Luchses« oder zur Schmetterlingswelt des Grünen Bandes finden viele begeisterte Teilnehmer. Zusammen mit der tschechischen Naturschutz­ organisation Ametyst fanden mehrere grenzüberschreitende Treffen von Akteuren statt, bei denen gemeinsam über Nutzungskonflikte und deren Lösung diskutiert wurde. In enger Kooperation mit der Kreisgruppe FreyungGrafenau kauft der BN-Landesverband besonders wertvolle Flächen an: bisher knapp 34 Hektar, die für insgesamt rund 560 300 Euro angekauft wurden, gefördert im Rahmen des Klimaprogramms Bayern (90-Prozent-Förderung) und durch den Bayerischen Naturschutzfonds (85-Prozent-Förderung). Der Eigenanteil des BN betrug hier 73 000 Euro. Der Ankauf der wertvollen Moorflächen durch den BN ist ein wichtiger

Schritt, der nicht nur dem Erhalt der Artenvielfalt, sondern auch dem Klimaschutz dient. Zusammen mit österreichischen und tschechischen Verbänden wie dem Naturschutzbund Oberösterreich und Hnuti Duha, ist der BN-Landesverband vertreten durch den Landesbeauftragten Richard Mergner und den Passauer Kreisgruppenvorsitzenden Karl Haberzettl im Dreiländereck Deutschland-Tschechien-Österreich aktiv. Hierbei wird das Grüne Band als Herzstück eines gemeinsamen Nationalparks Bayerischer Wald-Šumava angesehen. Die Region verfügt über ein einmaliges Naturpotenzial, insbesondere als Rückzugsraum für Tierarten mit großräumigem Lebens­ raum­anspruch wie Luchs und Fischotter ist sie von europäischer Bedeutung. Aufgrund seiner landschaftlichen Attraktivität ist dieser Bereich am Grünen Band jedoch stark durch touristische Projekte wie den Bau neuer Skianlagen gefährdet. Die »Internationale Arbeitsgruppe Grünes Band Bayerischer Wald-Böhmerwald-Mühlviertel« (IAG) setzt sich grenzüberschreitend für den Erhalt und die nachhaltige, sanfte touristische Nutzung der Region ein. Richard Mergner, Melanie Kreutz

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Fotos: Mader

Entdecker am Werk Für Familien gibt es am Grünen Band eigene Angebote, zum Beispiel einen Ausflug zur bunten Vielfalt der Schmetterlingswelt am Grünen Band.

Die Autoren Richard Mergner ist der BN-Landesbeauftragte, ­Melanie Kreutz ist für das Projektbüro Grünes Band tätig.


Foto: Jörg Schmiedel

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Die Initiative Grünes Band Europa

uropäisc hen Gedank en umsetzen Nicht nur in Bayern fand man früh heraus, welche Naturschätze im Schatten des Eisernen Vorhangs gediehen. Auch in anderen Regionen Europas richteten sich die Blicke auf die Natur an den Grenzen. Heute kümmern sich Menschen aus 24 Ländern, staatlichen und nicht-staatlichen ­Organisationen und den unterschiedlichsten Fachgebieten gemeinsam um den Erhalt des ­europäischen Natur- und Kulturerbes Grünes Band, das sich über 12 500 Kilometer vom Eismeer bis ans Schwarze Meer erstreckt.

nhand von Satellitenbildern wurden Wissenschaftler in Finnland und der Sowjetunion aufmerksam auf riesige dunkelgrüne Urwaldflächen entlang der Grenze. So begann in den 70er-Jahren ein Austausch, der dazu führte, dass mitten im Kalten Krieg sogenannte »Twin Parks« ausgewiesen wurden – grenzüberschreitende Schutzgebiete. Von 1992 bis 1994 erfasste man in einem Kartierungsprojekt die Grenzwälder unter dem Motto »Fennoscandian Green Belt«. In den frühen 90er-Jahren starteten entsprechende Initiativen unseres Partners »Euronatur« auf dem Balkan.

liches Tor im Eichsfeld, bei der auch der ehemalige Staatspräsident der Sowjetunion, Michael Gorbatschow, anwesend war. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) nahm diese Idee auf und organisierte in den ­Folgejahren zusammen mit der Weltnaturschutzorganisation (IUCN) zwei internationale Konferenzen, bei denen die Initiative mit einer Koordinierungsstruktur und einem Arbeitsprogramm ein »Gesicht« bekam. Heute bestehen vier Hauptabschnitte: Fennoskandien, Ostsee, Zentraleuropa und Balkan. Von Nürnberg aus wird durch das Projektbüro Grünes Band der zentraleuropäische Teil koordiniert. Dies heißt, Aktivitäten anzustoßen, wie das EU-geförderte Projekt GreenNet: 22 Partner aus sechs zentraleuropäischen Ländern arbeiten zusammen, um in Pilotregionen Aktivitäten umzusetzen und gemeinsame Zukunftsstrategien zu entwickeln. Mit den anderen Regionalkoordinatoren sowie Vertretern von Verbänden und staatlichen Stellen steuert der BUND in einer Koordinierungsgruppe die gesamteuropäischen Aktivitäten. In Kooperation mit EuroNatur werden Konzepte für eine langfristige Koordinierungs- und Finanzierungsstruktur erarbeitet.

Von der Vision zur Wirklichkeit

»Wir sagen es, Sie tun es«

Foto: privat

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Die Autorin Daniela Leitzbach ist für das Projektbüro Grünes Band tätig.

Die Idee für ein »Grünes Band Europa« stammt von Hubert Weiger, als er 2002 diese Vision ausrief – auf der Einweihungsfeier des BUND-Kunstprojektes WestÖst-

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Mit diesen Worten gratulierte EU-Umweltkommissar Janez Potoˇcnik der Initiative zum zehnjährigen Geburtstag, denn »das Grüne Band überwindet Grenzen und verbindet Natur und Menschen. Das ist die Essenz dessen, für was Europa und nachhaltige Entwicklung stehen«. Die Anerkennung auf politischer Ebene manifestiert sich auch darin, dass es als das pan-europäische Beispielprojekt zur Umsetzung von grüner Infrastruktur von der EU-Kommission ausgewählt wurde. Ein wichtiger Schritt, diesen einzigartigen Lebensraumverbund als Symbol für ein friedliches und zusammenwachsendes Europa zu erhalten. Daniela Leitzbach

www.gruenesband.info


Europäischer Biotopverbund

Modell für Europa Über den ganzen Kontinent hinweg will die ­Europäische Union natürliche Lebensräume ­verbinden. Als Muster dieser grünen Infrastruktur dient ihr das Grüne Band vom Eismeer bis zum Schwarzen Meer.

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ast 30 Prozent der EU sind durch Straßenbau, Verstädterung und technischen Hochwasser- und Lawinenschutz stark zerschnitten. Allein von 1990 bis 2003 wurden rund 15 000 Autobahnkilometer neu gebaut, über 8000 Quadratkilometer in nur einem Jahrzehnt unter Beton begraben. Wichtige Lebensräume sind zwar im Netzwerk »Natura 2000« geschützt, doch die Mitgliedsstaaten erlauben hier immer wieder Ausnahmen. Auch innerhalb der Städte verschwindet mehr und mehr Grün unter Straßen und Häusern. Mit der 2011 verabschiedeten EU-Strategie zur biologischen Vielfalt haben sich die Mitgliedsstaaten verpflichtet, bis 2020 »Ökosysteme und ihre Dienstleistungen zu erhalten und durch grüne Infrastrukturen sowie die Wiederherstellung von mindestens 15 Prozent der verschlechterten Ökosysteme zu verbessern.«

Grünes Netzwerk

»Grüne Infrastruktur« meint den Verbund von Schutzgebieten wie auch der Landschaft zwischen den Schutzgebieten. Miteinbezogen ist zudem städtisches Grün wie Parks, Grünanlagen und sogar begrünte Dächer. Ziel ist es, die vielfältigen Leistungen der Natur zu erhalten und zu nutzen – von ihrer kühlenden, luftreinigenden und wasserspeichernden Wirkung über die Bewahrung von Lebensräumen und Ausbreitungs­ wegen der Tiere und Pflanzen bis zur Hochwasservorsorge oder dem Klimaschutz. Ferner plant die EU als Gegenstück zur europäischen Verkehrsinfrastruktur ein Netzwerk des Biotopverbundes zu schaffen. Es soll zerschnittene Räume wiederverknüpfen und den heu-

ti­gen Biotopverbund dauerhaft vor Zerstörung schützen. Die Europäische Kommission erarbeitet derzeit eine Strategie für das grüne Netzwerk. BUND und Friends of the Earth Europe beteiligen sich intensiv, um diese ­Vision nach der Europawahl zu verwirklichen.

Vom Eismeer… … bis ans Schwarze Meer erstreckt sich das Grüne Band ­Europa, hier eine Küstenlandschaft in Estland.

Grünes Band als Blaupause

Fast 40 Jahre lang teilte der Eiserne Vorhang nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa. Auf über 12 500 Kilometern verknüpft das Grüne Band Europa heute vom arktischen Norden bis in den mediterranen Süden fast alle Naturräume des Kontinents. In 24 Staaten bildet es so die biologische Vielfalt Europas ab. Das Grüne Band ist damit die perfekte Blaupause, um grenzüberschreitend beim Schutz unseres Natur- und Kultur­erbes zu kooperieren. Zum Aufbau einer grünen Infrastruktur bietet es – als Rückgrat eines Biotopverbunds quer über den Kontinent – herausragende Ansatzpunkte. Tatsächlich konnte der BUND die EU-Kommission davon überzeugen, das Grüne Band Europa als das Modellprojekt auszuwählen. Mehrfach präsentierten wir seitdem in Brüssel seine vielfältigen Potenziale. Wir diskutierten mit EU-Parlamentariern und Vertretern der Regionen. Und wir sprachen mit dem Direktor der Generaldirektion Umwelt, Karl Falkenberg, der für die EU zusagte, das Grüne Band Europa politisch umfassend zu unterstützen. Einer seiner Mitarbeiter untermauerte die herausragende Stellung des Projekts für die grüne Infrastruktur auf einer Konferenz des transnationalen »GreenNet«, an dem der BUND maßgeblich beteiligt ist. Schließlich ließ EU-Umweltkommissar Janez Potoˇcnik auf eine aktivere Rolle der EU hoffen, als er sich 2013 auf einer Fachtagung zu »10 Jahre Grünes Band Europa« per Videobotschaft zuschaltete. Auch auf nationaler und regionaler Ebene rückt die »grüne Infrastruktur« in den Fokus. Denn eine Umsetzung hängt entscheidend von den Mitgliedsländern der EU ab, die das Grüne Band als Kernstück dieser ­Infrastruktur in ihre Raumplanung integrieren müssen. Hierfür wird sich der BUND weiter einsetzen. Liana Geidezis und Magnus Wessel

www.europeangreenbelt.org [2-14] Natur + Umwelt BN-Magazin 

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Die Autoren Liana Geidezis ­leitet das BUNDProjekt Grünes Band, Magnus Wessel die Naturschutzpolitik des BUND.


Mehr davon! Mehr »Netze des Lebens« braucht das Land – das Grüne Band, hier zwischen Thüringen und Hessen, zeigt, wie sie aussehen können.

Nationaler Biotopverbund

Ein »länderübergreifender Biotopverbund« auf mindestens 10 Prozent der Landfläche – seit 2002 ist das als Auftrag im Bundesnaturschutzgesetz verankert. Doch die Umsetzung ist ein Trauerspiel. Der einzige in diesem Sinne existierende nationale Biotopverbund ist bisher das Grüne Band. Der BUND plant deshalb, die Vernetzung von Biotopen zu einem Schwerpunkt seiner Arbeit zu machen.

B

iotopverbund bedeutet ein System großer Kernflächen, die über linienhafte Korridore oder Trittsteinbiotope miteinander verbunden sind. Ein solcher Verbund soll gewährleisten, dass sich Arten ausbreiten, wieder ansiedeln und (auch vor dem Hintergrund des Klimawandels) an Veränderungen ihres Lebensraums anpassen können. Ein solcher Biotopverbund ist zwingend, um die biologische Vielfalt in Deutschland zu sichern.

Vorbild Niederlande

Mehr dazu in der BUND-Position »Naturschutz«: www.bund.net/ naturschutz

Daher fordert der BUND in ausgeräumten Agrarlandschaften und naturfernen Forsten kilometerlange Korridore von 100 bis 2000 Meter Breite anzulegen und zu vernetzen. Fließgewässer und Auen ergänzen dies als breite – höchstens extensiv genutzte – Bänder. In der Feldflur ist der Verbund durch Biotope wie vielfältiges Grünland, Raine, Gehölze, naturnahe Waldränder und Kleingewässer an­ zureichern. Im Wald fordert der BUND Korridore und nutzungsfreie Flächen zu ent­ wickeln, die viel Alt- und Totholz aufweisen. Das Bundesamt für Naturschutz hat 2010 in Zusammenarbeit mit den Bundesländern einen sehr guten nationalen Biotopverbund konzipiert. Die fachlich sinnvollen Kernflächen sind meist schon geschützt und umfassen etwa 6,5 Prozent des Bundesgebiets. Neu zu schaffen sind aber die Achsen dazwischen. Dafür sind, so schätzt der BUND, weitere 4,5 Prozent des Bundesgebiets nötig. Etwa die Hälfte kann aus ex-

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Natur + Umwelt BN-Magazin [2-14]

Foto: Klaus Leidorf

Netz des Lebens

tensiv genutzten Biotopen der Agrarlandschaft bestehen. Während deutsche »Flurneuordner« unter Biotopverbund oft nur 2,5 Meter breite Heckensäume verstehen, zeigen die Niederlande, dass es auch anders geht. Dort investierte man Hunderte Millionen Euro in bis zu 30 Kilometer lange und 2 Kilometer breite Verbundachsen. Davon können wir nur träumen!

Moore gerettet

Die Aktiven im BUND und im BN bemühen sich dennoch, das Netz des Lebens zu vergrößern. So soll an der Elbe bei Burg Lenzen der Fluss seine lebendige Aue zurückerhalten. Die Aue »Hohe Garbe«, Teil des Grünen Bandes, ist derzeit noch durch einen alten Deich von der Elbe getrennt. Damit hier die Elbe ungehindert einund ausströmen kann, soll der Deich geschlitzt werden. Auch in Bayern sind die Naturschützer aktiv: So ist es der BN-Kreisgruppe Freyung-Grafenau in den vergangenen Jahren wiederholt gelungen, Flächen am Grünen Band Bayern-Tschechien durch Ankauf zu sichern. 2013 konnten so wertvolle Moore gerettet werden. Hier wartet auf die Ehrenamtlichen noch eine Menge Renaturierungsarbeit. Leider investiert Deutschland noch immer vorrangig in die »graue« Infrastruktur, besonders Straßen. Deshalb fordert der BUND einen rechtsverbindlichen »Bundesnetzplan Biotopverbund« – analog dem »Bundesverkehrswegeplan«. Wir rechnen mit einem jährlichen Investitionsbedarf von etwa 2,5 Milliarden Euro. Der Koalitionsvertrag von Union und SPD enthält als Ziel ein »Bundeskonzept Grüne Infrastruktur«. Hoffentlich der erste überfällige Schritt – für die großartige Herausforderung, ein Netz des Lebens über unser Land zu breiten. Kai Frobel


Foto: Harry Neumann

rn e d n a w e r e i T Wo wilde Rettungsnetz Wildkatze

Was der BUND 2007 als ehrgeiziges Ziel der ­Öffentlichkeit vorstellte, nimmt nach und nach Gestalt an: ein 20 000 Kilometer langes Waldnetz quer durch Deutschland, das bislang isolierte Wälder verbindet. Davon ­profitieren viele Tiere. Zur Leitart seines Rettungsnetzes hat der BUND die Wildkatze gekürt.

A

m Anfang stand ein Wegeplan. Er skizzierte, wie sich bestehende Wildkatzenwälder verknüpfen lassen mit potenziell geeigneten, doch verwaisten ­Lebensräumen. Denn wie so viele wandernde Wald­ bewohner stehen Wildkatzen vor dem Problem: Wie den nächsten Wald erreichen? Breite Straßen und ausgeräumte Feldfluren bilden oft unüberwindbare Hindernisse. Neue grüne Verbindungswege erfüllen ihren Zweck. Dies konnte der BUND bereits zeigen. 2007 schlossen wir in Thüringen mit 20 000 Büschen und Bäumen die größte Lücke zwischen Thüringer Wald und Nationalpark Hainich. Sechs Jahre später konnten wir auf diesem Korridor erstmals Wildkatzen nachweisen. Heute sind die scheuen Tiere im Thüringer Wald angekommen und siedeln sich dort wieder an. Auch in Niedersachsen, Hessen und Rheinland-Pfalz hat der BUND schon grüne Korridore gepflanzt. Bis 2015 sollen in fünf Bundesländern weitere Korridore folgen.

Netzwerke verbinden

Viele Hundert Freiwillige haben die Pflanzaktionen unterstützt und bei Wind und Wetter mit angepackt. Teilweise sind sie aus dem ganzen Bundesgebiet angereist, um sich an lokalen Aktionen zu beteiligen. Sie haben dem Projekt viel Kraft und Zeit gespendet. Andere Katzenfans haben uns mit einer Mitgliedschaft, mit Spenden und Patenschaften geholfen. Nur so gelang es, rund 300 000 Quadratmeter für grüne Waldverbindungen zu sichern und diese mit etwa 37 500 Bäumen und Sträuchern zu bepflanzen. 2014 kann das Rettungsnetz Wildkatze auf zehn erfolgreiche Jahre zurückblicken – ein Anlass zu feiern und allen Beteiligten herzlich zu danken! Das Besondere an diesem Projekt ist: Der BUND verbindet hier nicht nur Lebensräume. In den vergangenen Jahren haben auch viele Menschen, die sich für

Foto: Jörg Farys

Hilfe für einen Rückkehrer Trotz Regenwetter pflanzten im November 2013 über 150 Freiwillige einen Korridor für die ­Wildkatze. Bei Gerzen in Niedersachsen setzten sie dafür 2500 junge Bäume in die Erde.

den Schutz der Wildkatze engagieren, stabile Netzwerke gebildet. Neben BUND-Aktiven sind dies Politiker und Planerinnen, Jägerinnen und Förster, Umweltbildnerinnen, Medienleute, Landwirte, Anwohner, Kinder und Jugend­liche. Viele halten dem Rettungsnetz seit Langem die Treue und springen immer wieder ein, wenn es eng wird für die Wildkatze.

Vielfalt sichern

Das Rettungsnetz Wildkatze ist ein Generationenprojekt. Es wird noch viele Jahrzehnte wachsen müssen, bis wir die größten Lücken in der Landschaft nach und nach geschlossen haben. Auch wird der BUND die kompletten 20 000 Kilometer Waldverbund nicht selbst pflanzen können. Wir versuchen daher vielerorts Pilotprojekte zu initiieren und so viele Menschen wie möglich von unserer Vision zu begeistern. Im besten Fall mündet diese Begeisterung in eigene Aktivitäten, die den Tieren unserer Wälder wieder mehr Bewegungsfreiheit schenken. Eine Freiheit, die für viele Arten überlebensnotwendig ist. Denn eines ist sicher: Wenn wir die biologische Vielfalt unserer Heimat erhalten wollen, müssen wir Tieren und Pflanzen wieder mehr Raum zum Leben geben. Das Rettungsnetz für die Wildkatze wird dabei helfen. Christiane Bohn

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Die Autorin Christiane Bohn koordiniert das BUND-Projekt »Wildkatzensprung«, gefördert vom BfN im Bundesprogramm Biologische Vielfalt (mit Mitteln des Umweltministe­ riums).

Mehr Infos zum Thema unter www. bund.net/wildkatze


25 Jahre – über 70 Feste

Feiern S ie

Das Grüne Band feiert 2014 sein 25-jähriges Bestehen. Nicht nur in Deutschland, in ganz Europa ist dieses Jahr ein besonderes: Denn vor einem Vierteljahrhundert fiel der Eiserne Vorhang, der bis 1989 den Kontinent trennte.

H

eute verbindet das »Grüne Band Europa« 24 Staaten – als einzigartiger ökologischer Korridor und lebendiges Symbol für die Überwindung des Kalten Krieges. Aus einer Vision wurde eine der weltgrößten Naturschutzinitiativen. Das deutsche Grüne Band stand dabei Pate. Das gesamte Jahr über bietet der BUND entlang des Grünen Bandes vielfältige Möglichkeiten, den einzigartigen Lebensraumverbund im Kontext von Natur, Kultur oder Geschichte zu erleben. Wir laden Sie herzlich ein, die Gelegenheit zu nutzen und eines der vielen Feste zu besuchen. Unsere Landesverbände, Kreisgruppen und Aktiven vor Ort haben mit dem Projektbüro in Nürnberg ein umfangreiches Programm zu­ sammengestellt, gemeinsam mit vielen Partnern – von Grenzmuseen bis zum Bundesamt für Naturschutz. Mehr zu den über 70 großen und kleinen Veranstaltungen finden Sie unter www.bund.net/gb-termine; und für die Regionen Elbe, Altmark und Wendland und Thüringen gibt es ein gesonderte Programm unter www.erlebnisgruenesband.de (Service) bzw. www. bund-thueringen.de.

Neue Filme zu Wildkatze und Grünem Band

Ob die eleganten Wildkatzen und die Tatkraft ihrer ­vielen Retter oder die naturbelassene Schönheit und historische Kraft des Grünen Bands – der BUND nimmt Sie mit auf eine Reise in die Natur und zu denen, die sie schützen. Zwei Kurzfilme stellen die BUND-Projekte »Wildkatzensprung« und »Grünes Band« mit einzig­ artigen Bildern vor und lassen ihre vielen Unterstützer zu Wort kommen. Sehen Sie selbst: > www.bund.net/wildkatze und /gruenesband.

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Fotos: Helmut Schlumprecht

Das Grüne Band entdecken Rechts: Naturschutzgebiet bei Frankenheim in der Thüringer Rhön. Unten: blühendes Jakobsgreiskraut vor einem alten Grenzturm bei Bömenzien, Kreis Stendal.

mit !

Den Höhepunkt bildet die große BUND-Jubiläumsfeier am 3. Oktober auf Burg Lenzen an der Elbe (unterstützt vom Bundesamt für Naturschutz im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt). Sie ist der Auftakt zu den jährlichen Naturschutztagen, die diesmal ganz unter dem Motto »Grünes Band« stehen: Vorträge, Diskussionen, Aktionen und Exkursionen bieten am Wochenende die Chance, die vielschichtige Arbeit des BUND für das Grüne Band kennenzulernen. Infos unter www. bund.net/naturschutztage.de

Film ab für Videokünstler

Zum Jubiläum hat der BUND einen Videowettbewerb gestartet. Bitte reichen Sie uns bis Ende Juni Kurzfilme/ -videos ein, die sich mit dem Grünen Band be­ schäftigen. Mit pfiffigen Ideen und Handy oder Digitalkamera können Sie eine Erlebnisreise ans Grüne Band, Grüne-Band-T-Shirts und -Kapuzenpullis gewinnen. Infos unter www.bund.net/videowettbewerb. Liana Geidezis

Reisetipp zum Grünen Band

Anlässlich von »25 Jahren Grünes Band« bietet BUNDReisen im Herbst eine Jubiläumsfahrt in den Harz an. Von der alten Fachwerkstadt Goslar aus geht es auf Wanderschuhen in die Umgebung. Ziele sind der ­Brockengipfel, das Infozentrum des Nationalparks Harz, der ehemalige Grenzstreifen und das Weltkulturerbe Rammelsberg. Noch sind einige Plätze vorhanden! Termin: 29. September bis 4. Oktober. > www.bund-reisen.de


»Je

de Re

Interview mit dem Grünes-Band-Autor Reiner Cornelius

gion h at ihre G lanzlichter«

Sieben Jahre lang war Dr. Reiner Cornelius vom BUND Hessen für das BUND-Projekt Grünes Band an Deutschlands längstem Biotopverbund unterwegs. Das Ergebnis: eine sieben Bände umfassende Buchreihe »Vom Todesstreifen zur Lebenslinie«. Wir haben mit Reiner Cornelius gesprochen.

Wie kamen Sie auf die Idee zu dieser Buchreihe?

Foto: privat

Ich hatte dem BUND Hessen geholfen, ein Grundstück am Grünen Band zu erwerben. Kein leichtes Stück ­Arbeit, aber der Erfolg hat mich so motiviert, dass ich mich weiter für das Grüne Band einsetzen wollte. Ich glaube, das war eine der besten Ideen meines Lebens. Herausgekommen sind sieben Bücher, die helfen sollen, Menschen für das Grüne Band zu gewinnen.

Gab es Schwierigkeiten bei der Umsetzung?

Ja, und zwar wegen der ungeheuren Vielfalt, auf die ich bei meinen Radtouren und Wanderungen am Grünen Band gestoßen bin. Da gab es alleine über 100 verschiedene Biotope wie Moore, Dünen, Bergwiesen, Wildflüsse, selbst subalpine Staudenfluren. Und dazu noch die tollen Unterstützer-Projekte.

Haben Sie bestimmte Lieblingsstellen am Grünen Band?

Ich hatte mal vor, ein Buch über die Highlights am ­Grünen Band zu verfassen. Ich glaube, es wären anstatt einem Buch wieder sieben Bände herausgekommen. Jede der Grünes-Band-Regionen hat ihre Glanzlichter.

Für mich gibt es nicht eine Lieblingsstelle, sondern Dutzende.

Was sehen Sie als größte Gefährdung für das Grünen Band an?

Dass sich immer noch große Teile der Flächen nicht im Besitz von Naturschutzstiftungen oder dem BUND befinden. Die Privateigentümer machen mit den Flächen oft, was sie wollen. Selbst die Ausweisung als Naturschutzgebiet bietet da keinen absoluten Schutz.

Was ist Ihrer Ansicht nach dagegen zu tun?

Erstens müssen wir natürlich mehr Flächen erwerben. Und dabei spielen die Spender des BUND eine ganz wichtige Rolle. Darüber hinaus sollten möglichst viele BUNDler helfen, das Grüne Band bekannt zu machen. Nur wer das Grüne Band richtig kennengelernt hat, der wird sich auch für seinen Schutz einsetzen.

Die beiden Bücher vom bayerischen Grünen Band und die fünf weiteren Wanderführer von Reiner Cornelius gibt es unter Tel. 0 66 25-58 12 oder unter www.grünes-band-wandern. de. Einzelpreis: 22,50 Euro.

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Ein Testament für die Natur Die Münchnerin Liselotte Sepp hat dem BN ein beträchtliches Vermögen vererbt.

Stiftung Liselotte Sepp

Foto: privat

Ein Park für München

Dass nicht nur der Verband, sondern ganze Generationen von Schenkungen an den BN profitieren, zeigt das Naturschutz- und Jugendzentrum Wartaweil. Nun hat die Münchnerin Liselotte Sepp dem BN ihr gesamtes Vermögen vermacht. Das ermöglicht eine neue Dimension des Naturerlebens in Bayern.

M Naturerlebnis So könnte das ­Gelände rund um das BN-Natur- und Jugendzentrum Wartaweil ge­ staltet werden.

agdalenen-Park soll er heißen: Magdalena, nach der gleichnamigen kleinen Dult im Münchner Hirschgarten, die Liselotte Sepp als Kind gerne mit ihrer Mutter Magdalena besucht hat. Und natürlich nach der Mutter selbst, der Liselotte ihre Liebe zur Musik, zu Pflanzen und Tieren zu verdanken hat – aber auch ihren Fleiß, ihre Fähigkeit, mit Geld umzugehen und ihren späteren Reichtum. Liselotte Sepp wuchs als Einzelkind in einem Bürgerhaushalt in München an der Donnersbergerbrücke auf. 1918, am Ende des Ersten Weltkrieges geboren, ermöglichten ihr die Eltern eine gute Ausbildung bei den Englischen Fräulein. Sie erlernte das Klavierspielen, liebte die Literatur und interessierte sich für alles, was

Eingangsbereich Seeufer Süd

Aussichtsturm

Bibergehege Wasserspielplatz

Villa Habersack Lagerfeuerplatz

auf der Welt vor sich ging. Der Vater arbeitete als Oberingenieur, die Mutter führte einen Getränkeladen mit Geschick und Genauigkeit, sodass die Familie bald vier Mietshäuser in München besaß. Als der Vater starb und auch die Mutter erkrankte, führte die junge Frau die Hausverwaltung mit der gleichen Akkuratesse wie die Mutter weiter. Sparsam und unauffällig habe sie ­gelebt, sagt Helmut Wind, der sie jahrzehntelang als Freund begleitete und als Testamentsvollstrecker gemeinsam mit dem BN dafür sorgt, dass ihr Letzter Wille umgesetzt wird. »Die Münchner sollen mit Kind und Kegel auf einem Parkbankerl in der Sonne sitzen und sich’s gut gehen lassen«, so übersetzt er das, was Liselotte Sepp in ihrem Testament bestimmt hat.

Neue Zugänge zur Natur

Vier Mietshäuser und ein beträchtliches Barvermögen hat die Münchnerin dem BUND Naturschutz schließlich vermacht – das größte Erbe, das der Verband je angetreten hat. Ein großes und schönes Geschenk, das auch Verantwortung mit sich bringt. Mit einem Großteil des Vermögens soll der BN Parkflächen im Großraum München schaffen. Die Planungen für den ­Magdalenenpark sind bereits im Gange. Er kann vielleicht im Münchner Westen, in der Nähe der Leienfelsstraße entstehen. Geplant ist ein Erholungsgebiet, das gleichzeitig Vorbildcharakter hat. Als »Klimapark« angelegt, könnte er auch unter veränderten klimatischen Bedingungen den Städtern als grüne Oase dienen. Noch weiter im Westen, am Ammersee, kann mit dem Erbe das riesige Seegrundstück des Naturschutzund Jugendzentrums Wartaweil für die Allgemeinheit zugänglich gemacht werden. Dass dieses Kleinod für Kinder und Jugendliche – sowie künftig auch alle Spaziergänger und Besucher – erlebbar ist, hat der BN übrigens auch einer großzügigen Schenkung zu verdanken: Das Ehepaar Habersack vermachte dem BUND Naturschutz bereits Ende der 1940er-Jahre die Villa am See und das zugehörige 4,2 Hektar große Grundstück. Heidi Tiefenthaler

Erlebnisweg mit Stationen Sitzspirale

Klettereiche Haupteinfahrt

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Alter Fußgängereingang

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Streuwiese mit Zaun Gruppentreffpunkt

Infopoint


Dezentrale Energiewende heißt weniger Leitungsausbau

BN lehnt »Stromautobahn« ab

Foto: Rudis-Fotoseite.de/Pixelio

Zuwenig Planungsgrundlagen führen zu unausgegorenen Plänen – so beurteilt der BUND Naturschutz die sogenannte Gleichstromtrasse Süd-Ost, die durch Franken und die Oberpfalz bis nach Schwaben verlaufen soll. Der BN fordert eine dezentrale Energiewende statt zentraler Stromtrassen.

»Energiewende von unten« retten!

Der Umbau unseres Stromsystems ist erforderlich: weg von zentralen Großkraftwerken hin zu dezentraler Stromproduktion aus Wind und Sonne und elektrischer Leistung aus flexiblen Abfall-Biogasanlagen. Dies erfordert auch einen Umbau der Architektur unserer Stromnetze im Bereich Verteilernetze, aber auch im Bereich Fernübertragungsnetze. Aber die Vehemenz, mit der in den letzten Jahren das Bundeswirtschaftsministerium unter dem ehemaligen FDP-Chef Philipp Rösler und die ihm untergeordnete Bundesnetzagentur den zentralistischen Ausbau der Übertragungsnetze durchpeitschte, war kaum transparent, wenig demokratisch

und devot gegenüber den Lobbyisten der Großindus­ trie – Grund genug, misstrauisch zu sein! Der BN zieht für die Gleichstromtrasse Süd-Ost das Fazit: Unzureichende Grundlagen führen zu unaus­ gewogenen Plänen. Eine Übertragungsleitung aus den Braunkohletagebaugebieten Ostdeutschlands nach Bayern wird vor allem Braunkohlestrom transportieren – und damit den Klimaschutz sabotieren. Es gibt starke Gründe für diese Vermutung, wenn auch keinen letztendlichen Beweis, denn die Daten, auf Grund derer die Bundesnetzagentur entschieden hatte, sind nicht offengelegt, die Situation ist nicht transparent. Dem Klimaschutz wird eine solche »Stromautobahn« für Kohlestrom nicht dienlich sein. Klimaschutz heißt mittelfristiges Abschalten der fossilen Energien Kohle, Erdöl und letztlich auch Erdgas. Zudem fordert der BN den schnellstmöglichen Ausstieg aus der Atomkraft und Gerechtigkeit in der Energiepolitik. Das bedeutet eine dezentrale »Energiewende von unten« sowie eine ReDemokratisierung der Energiewirtschaft mit Bürgerpartizipation statt Konzernlobbyismus. In diesen Tagen beginnen im Bundestag die Beratungen über eine Reform des Erneuerbare-EnergienGesetz (EEG). Nur mit dem Ausbau Erneuerbarer Energien, mit mehr Energiesparen und Energieeffizienz hat ein solches Gesetz Aussicht auf nachhaltigen Erfolg. Tragen auch Sie zu einem solchen Erfolg bei: Schicken Sie die Postkarte mit unseren Forderungen hinten im Heft an Peter Ramsauer, den Vorsitzenden des Ausschusses für Wirtschaft und Energie im deutschen Bundestag. Herbert Barthel, Richard Mergner

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Braucht’s das? Der BN sieht die geplante Gleichstromtrasse SüdOst durch Bayern kritisch.

Fotos: Mader

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ie Wellen der Emotionen schlugen hoch, als die Netzbetreiberfirma Amprion die Bevölkerung in Bayern über die geplante Trassenführung informierte. Die Trasse, in der Presse mittlerweile meist »Strom­ autobahn« genannt, sei unbedingt erforderlich für das Gelingen der Energiewende, hieß es. Doch diese Behauptung sieht der BUND Naturschutz kritisch. Die Bundesnetzagentur hat unsere Fragen nicht beantwortet. Der BUND hat daher im Mai 2013 gemeinsam mit der Gesellschaft für die Prüfung der Umweltverträglichkeit eine Beschwerde bei der EU-Kommission eingereicht, um eine ausreichende Strategische Umweltverträglichkeitsprüfung für das deutsche Strom- und Energiekonzept nach EU-Recht zu erzwingen. Zudem unterstützt der BUND Naturschutz daher die Bürger­ initiativen und Gemeinden, die sich gegen die Strom­ autobahn durch Bayern zur Wehr setzen.

Autoren Dr. Herbert Barthel ist der Energie­ referent, Richard Mergner der Landesbeauftragte des BN.


Der Spitzwegerich Vom späten Frühling bis in den Herbst blüht auf mageren oder nährstoffreichen Wiesen, auf Weiden, Brachland und an Wegrändern der Spitzwegerich (Plantago lanceolata). Seit alten Zeiten ist er als Heilpflanze bekannt. 2014 wurde er sogar zur Arzneipflanze des Jahres gekürt.

Foto: privat

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Die Autorin Dr. Gertrud Scherf hat mehrere ­Pflanzenbücher verfasst.

ie grundständigen, länglichschmalen, parallelnervigen Blätter des Spitzwegerichs werden vom blattlosen Stängel überragt, an dessen Ende in länglicher Ähre die kleinen Blüten stehen. Weil der Spitzwegerich in erster Linie auf den Wind als Bestäuber vertraut, kann er sich unscheinbare Blüten ohne Duft und Nektar leisten. Bis in die frühe Neuzeit hat man meist nicht zwischen den Wegerich-Arten unterschieden. Dioskurides (1. Jh. n. Chr.) bezeichnet Wegerich mit »arnoglosson« (Lammzunge) und schreibt ihm blutstillende Eigenschaften zu. Der römische Autor Plinius (23–79 n. Chr.) hebt die heilende Wirkung des Wegerichsafts bei Stichen oder Bissen giftiger Tiere hervor. Hildegard von Bingen (1098 –1179) empfiehlt den Saft gegen Gicht und Tierstiche, außerdem sei er hilfreich, um von angezauberter Liebe zu befreien. Den Spitzwe-

Wildkräuter-Kopfsalat mit Spitzwegerich Für 4 Personen

1 Kopfsalat 1 Apfel 1 – 2 Handvoll Wildkräuter: junge Spitzwegerichblätter sowie einige Blätter und Blüten anderer Wildkräuter wie Wiesenklee, Gänseblümchen, Gewöhnliche Schafgarbe 1 TL Honig Essig, Öl, Salz   Salat putzen, waschen, Blätter klein zupfen.  Apfel waschen, vierteln, Kernhaus herausschneiden, Viertel in dünne Scheiben schneiden.  Wildkräuterblätter und -blüten verlesen, behutsam waschen und trockentupfen, nach Bedarf zerkleinern.   Honig, Essig, Öl, Salz verrühren.  Salat mit Apfelscheiben, Wildkräuterblättern und -blüten auf Teller verteilen. Mit dem Dressing beträufeln.

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Buchtipp: Wildkräuter & Wildfrüchte für die Küche

In ihrem aktuellen Buch zeigt unsere ­Autorin Gertrud Scherf die wichtigsten heimischen Wildkräuter und Wildfrüchte im Porträt und bringt Rezepte für leckere Gerichte. BLV-Verlag, ISBN 978-3-8354-1210-1, 14,99 Euro, neue Auflage ab März 2014 Bestellung unter Tel. 0 91 23 - 99 95 70, info@service. bund-naturschutz.de

Zeichnung: Claus Caspari; aus »Der BLV Pflanzenführer für unterwegs«, BLV Buchverlag

Porträt

gerich lobt Sebastian Kneipp (1821–1897) vor allem als Wundkraut und als Mittel gegen Katarrhe der Atemwege. Auch in der modernen Phytotherapie konnte der Spitzwegerich – verwendet werden Zubereitungen aus den Blättern – wegen antibakterieller und reizlindernder Eigenschaften seinen Ruf als Mittel gegen Husten sowie Entzündungen von Mund- und Rachenschleimhaut bewahren. In der Volksmedizin schätzt man zudem die Wirkung der frischen Blätter, auch der des Breitwegerichs, nach Insektenstichen. In der Wildkräuterküche gibt man die jungen Blätter an Salate, in Suppen oder Wildgemüse (siehe Kasten). Den Namen des Wegerichs, bereits im Althochdeutschen wegarîh, leitet der Volksbotaniker Heinrich Marzell (1885 – 1970) von rîh (König) ab: Herrscher des Wegs. Diese Rolle trifft besonders für den Breitwegerich zu, der auch in Mythos und Magie stärker beachtet wurde. In Gegenden Frankreichs und Bosniens galt der Spitzwegerich als Heilmittel für Männer, der Breitwegerich für Frauen. Mit Wegerichblättern wurden Orakel befragt, beispielsweise: Wenn zwei Personen ein Wegerichblatt zwischen sich zerreißen, dann wird diejenige mehr Glück haben, bei deren Teil mehr Blattnerven hervorstehen und je länger die Gefäßbündel, desto größer das Glück. Auch wenn der mancherorts massenhaft vorkommende Spitzwegerich als anspruchslose Pflanze des Grünlandes nicht unmittelbar in seinem Bestand bedroht ist: Bebauung und Umwandlung in Ackerland betreffen alle Wiesentypen, auch intensiv genutzte Wiesen. Der BUND Naturschutz weist seit Jahren auf die große Bedeutung von Grünland insbesondere für die Artenvielfalt, den Trinkwasser-, Boden-, Hochwasser- und Klimaschutz hin und fordert, den weiteren Rückgang zu verhindern, etwa durch eine verstärkte Förderung einer umweltgerechten Wiesennutzung.


Foto: Karin Menke

Gerettete Landschaften

Tag für Tag verschwindet mehr Natur unter Asphalt und Beton. Seit seiner Gründung wehrt sich der BUND gegen den unauf­hör­lichen Flächenfraß, vielfach mit Erfolg. Im Bremer Niedervieland, einer reichhal­ tigen Marschlandschaft, rettete der BUND rund 1000 Hektar vor der Bebauung.


Bayern bremst den Fischotter aus

Die Zeichen sind deutlich: Eigentlich will sich der ­Fischotter von Osten her kommend wieder in Bayern ausbreiten. Doch statt als Brücke zwischen den ­verinselten östlichen und westlichen europäischen ­Vorkommen zu fungieren, wirkt der Freistaat momentan eher als ein Art Eiserner Vorhang.

D

er staatlich verordneten Ausrottung entkam der Fischotter im 19. Jahrhundert nur am äußersten Rand des Freistaates. Ganz im Osten, im Bayerischen Wald, überlebten vereinzelte Populationen. Auch im restlichen Europa erging es der Art nicht viel besser, sodass sie Ende der 1960er-Jahre fast ausgerottet war. Flächenversiegelung, ­Begradigung von Gewässern und Trockenlegung von Feuchtgebieten machten ihr weiterhin das Überleben schwer. Heute klafft eine riesige Lücke zwischen dem verbliebenen westlichen und östlichen Vorkommen in Mitteleuropa. Experten setzen große Hoffnung auf Bayern, das hier eine wichtige Brückenfunktion einnehmen könnte. Doch während es in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg heute wieder sta-

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bile Populationen gibt und sich der Fischotter in Niedersachsen und Schleswig-Holstein rasch ausbreitet, kommen die wenigen bayerischen Fischotter in Richtung Westen kaum voran. Es bleibt bei dem relativ kleinen Vorkommen entlang der tschechischen Grenze. Und das, obwohl die Bestände im Nachbarland dank eines sehr guten Ottermanagements prächtig gedeihen und der Zuwanderungsdruck entsprechend groß ist.

Illegale Tötung

Die Fischotterexpertin Katrin Heuer leitete von 2007 bis 2010 das Projekt »Otterbahnen nach Oberfranken«. Es wurde von der Ökolo­gischen Bildungsstätte Oberfranken in Mitwitz getragen und vom BN unterstützt. Die Initiative verbesserte Trittstein-

Eurasischer Fischotter (Lutra lutra)

Ordnung: Raubtiere (Carnivora) Familie: Marder (Mustelidae) Verbreitung: Europa, Nordafrika und Teile Asiens bis zum Polarkreis Status: in Deutschland vom ­Aussterben bedroht Schutzstatus: streng geschützte Art nach FFH-Richtlinie

biotope, um der bayerischen Otterpopulation den Sprung nach Westen zu erleichtern. Die Biologin sieht zwei wesentliche ­Ursachen für die Stagnation an der tschechischen Grenze: Einerseits fehlten dem Fischotter weiterhin ­intakte, fischreiche Lebensräume in Bayern. In den teilweise stark versauerten und wenig naturnahen Gewässern des


Zuwanderungsstopp Der Fischotter will sich in Bayern ­weiter ausbreiten. Illegale Tötungen und der Mangel an fisch­reichen ­Lebensräumen schieben dem einen Riegel vor.

von gemeinschaftlichem Interesse« – und dazu gehört der Fischotter – zu stabilisieren oder zu verbessern. »Tschechien macht das unter anderem durch Ausgleichszahlungen, um zu verhindern, dass die Teichwirte illegal den Otter töten«, erklärt Heuer die einfache Rechnung.

für geschädigte Teichwirte, Beihilfen für Schutzzäune, eine kompetente Beratungsstelle, die in Konfliktsituationen vermittelt sowie ein besseres wissenschaftliches Monitoring. Und vor allem: die langfristige Verbesserung von natürlichen Gewässern. Je mehr geeignete natürliche Lebensräume der Otter findet, desto weniger wird er sich an Fischteichen vergreifen. Und dass die Tiere den Fisch­ bestand auch im freien Gewässer reduzieren könnten, wie derzeit oft behauptet wird, ist wohl eher unter übler Nachrede zu verbuchen.

Bayerischen Waldes finde das Tier nur wenig Nahrung und zu wenig Unterschlupf- und Versteckmöglichkeiten. Als zweiten Grund tippt sie auf illegale Tötung von Fisch­ ottern. »Wie hoch die Zahl ist, kann keiner belegen«, sagt sie. Und auch, dass es tatsächlich passiert, sei meist schwer zu beweisen. Die Situation sei eben nicht immer so offensichtlich, wie beim jüngsten Fall im Landkreis Cham, wo zwei tote Fischotter in einem beschwerten Leinensack gefunden wurden. Die Frage liegt nahe, warum dem Fischotter in Tschechien offenbar deutlich weniger nachgestellt wird. »Dort gibt es Ausgleichszahlungen. Teichwirte bekommen auf Antrag einen Teil der Schäden ausgeglichen«, berichtet Katrin Heuer. »Das heißt, die Tschechen stecken aktiv Geld in die Fischotterpopulation.« Und das aus gutem Grund, wie die Wissenschaftlerin findet. Denn ­eigentlich seien alle EU-Mitgliedsstaaten laut FFH-Richtlinie dazu verpflichtet, die Populationen von »streng zu schützenden Tierarten

Während die Nachbarn also möglichen Konflikten aktiv vorbeugen, sitzt die bayerische Regierung das Problem lieber aus. Zwar hat das zuständige Landwirtschaftsministerium zusammen mit Naturschützern, Teichwirten und anderen Interessensverbänden in einem gemeinsamen Kraftakt einen Fischottermanagementplan erstellt und im Sommer 2013 veröffentlicht. Doch seitdem stehen die Räder im Ministerium offenbar still. Ausgleichs­ zahlungen, Otterbeauftragte? Fehl­ anzeige, moniert der BUND Naturschutz. Der Eindruck entstehe, dass im Ministerium auf Zeit gespielt wird. Denn inzwischen werden sogar Rufe laut, legale Abschüsse des Fischotters zu ermöglichen. Eine Forderung, die Katrin Heuer geradezu absurd findet: »Die Entnahme von Ottern aus der freien Wildbahn soll das Problem jetzt lösen. Das wird sie aber ganz sicher nicht. Es werden immer wieder neue Otter über die Grenze kommen. Unterm Strich hätten wir dann tote Fischotter und das Problem für die Teichwirte bliebe trotzdem.«

Üble Nachrede

Foto: privat

Foto: Willner

Bayern sitzt lieber aus

»Weder in alten, noch in neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen gibt es Hinweise darauf«, sagt Katrin Heuer. Weil der Fischotter Einzelgänger ist und die relativ großen Reviere mit maximal zwei erwachsenen Tier besetzt sind, hält sie einen negativen Einfluss auf die Fischbestände für ausgeschlossen. Vielmehr wirke der Otter als »Gesundheitspolizei«, weil er meist alte oder schwache Fische erbeute. Heidi Tiefenthaler

Dass Bayern das Problem nicht angeht, liegt Heuers Meinung nach schlicht am Geld. Otterschutz ist nicht zum Nulltarif zu haben. Nötig sind laut BN Ausgleichszahlungen

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Einwanderungsbefürworterin Die Fischotter­ expertin Katrin Heuer hofft auf einen baldigen Gesinnungswandel in Bayern. Hier mit einem jungen Tier im Otterzentrum Hankensbüttel.


Lebendiger Boden

Tagtäglich gehen weltweit große Flächen durch Erosion, Versalzung, Verdichtung oder Versiegelung verloren. Der Boden ist nur eine dünne Haut auf der Erdkruste, in der sich Gestein, Luft, Wasser und lebende Organismen gegenseitig durchdringen. »BodenLeben« ruft dazu auf, mit dieser Ressource sorgsam umzugehen, damit wir uns nicht unserer Lebensbasis berauben. Der Band dokumentiert das gleichnamige Symposium, das 2012 in München stattfand. Dabei geht ­»BodenLeben« über eine rein naturwissenschaft­ liche Betrachtung hinaus und bietet auch ökonomische, ökologische und soziale Aspekte eines nachhaltigen Umgangs mit dem »Lebe­ wesen Boden«. Einer der Beiträge stammt vom BN-Vorsitzenden ­Hubert Weiger. Beatrice Voigt Kunst- und Kulturprojekte & Edition (Hsg.): BodenLeben, 252 Seiten, über 300 Farbabbildungen, 48 Euro

Naturabenteuer für Kinder

Klagen über fehlendes Natur­erleben für Kinder hört man überall – dieses kunterbunte, liebevoll gestaltete Buch bietet ­Abhilfe! Ob im Garten, auf der Wiese hinter dem Haus, im Wald, an einem Bach oder sogar in der Nacht oder bei Matschwetter – die Möglichkeiten, auf Entdeckungsreise zu gehen, sind schier unendlich. »Naturabenteuer für Kinder« ist randvoll mit familiengerechten Ideen für Aktivitäten unter freiem Himmel. Eltern erhalten Anleitungen zur ­Planung von Naturabenteuern für Kinder und Jugendliche. Materiallisten und Tipps helfen bei der Umsetzung, spannende Wissensseiten und Naturinfos für Kinder machen Lust auf Abenteuer. Dazu gibt’s eine kostenlose App, die Bilder, weiterführende Infos und Videos bietet. Harald Harazim, Renate Hudak: Naturabenteuer für Kinder, GU-Verlag, 19,99 Euro

Zu Gast im Bienenstock

Der »Superorganismus« Bienenvolk ist eine erstaunliche Leistung der Evolu­ tion: bis zu 60 000 Lebewesen, die in perfekter Arbeitsteilung Nahrung besorgen, putzen, den Nachwuchs betreuen und ihre Heimstatt beschützen. Dieses Buch ermöglicht den ­Lesern sozusagen, Gast im Bienenstock zu sein. Die preisgekrönten Naturfotografen Heidi und Hans-Jürgen Koch zeigen das Leben der fleißigen Bienen in beeindruckenden Nahaufnahmen. So »hautnah« dran am Treiben der faszinierenden Insekten war man bei einer Buchlektüre noch nie! Dazu gibt es kurzweilige Texte des Wissenschaftsjournalisten Claus-Peter Lieckfeld, der schon das Buch zum Film »More Than Honey« verfasst hat. Claus-Peter Lieckfeld, Hans-Jürgen Koch (Fotos): Makrokosmos Honigbiene, Verlag Döllitz und Galing, Großformat, mit zahlreichen Farb­ fotos, 19,90 Euro

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„Ich gehe zum Briefkasten, ohne von der Couch aufzustehen.“ Bequem und sicher im Netz – der

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Kampf gegen dritte Startbahn geht weiter

Alle Klagen abgewiesen

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chon die ersten Sätze der Urteilsverkündung waren so befremdlich, dass sie bei den 300 Menschen im Saal pure Fassungslosigkeit auslösten. Als Zeichen der Verbundenheit mit ihrer Heimat stimmten die Anwesenden spontan die Bayernhymne an – wohl erstmals bei einer bayerischen Urteilsverkündung. Nach weiteren Zwischenrufen ließ Richter Allesch den Saal räumen. Die mündliche Begründung fiel äußerst knapp aus. Mit der Urteilsbegründung ist im Juni zu rechnen, dann wird der BN eine Beschwerde gegen die NichtZulassung der Revision einreichen. In einer kurzen Begründung erklärte der vorsitzende Richter Allesch, dass »nach den geltenden rechtlichen Maßstäbe kein Fehler des Planfeststellungsbeschlusses ersichtlich sei.« Die Belastungen für die Bevölkerung bewegten sich innerhalb der gesetzlichen Grenzen, »unzumutbare Gefahren« seien nicht erkennbar. Auch gegen europäisches Naturschutzrecht werde nicht verstoßen. Zwar bedeute die Startbahn einen erheblichen Eingriff in ein Vogelschutzgebiet, der sei aber ausnahmsweise zulässig, weil »zwingende Gründe des überwiegenden öffentlichen Interesses für das Vorhaben stritten« und die Regierung von Oberbayern ausreichend Ausgleichsmaßnahmen angeordnet habe.

Recht haben und Recht bekommen sind nicht das Gleiche

Dieses nicht nachvollziehbare Urteil hat den Widerstand nicht gebrochen, sondern angestachelt. Denn auch wenn das Gericht offenbar keine Rechtsverstöße gefunden hat, heißt das Urteil nicht, dass die 3. Bahn gebaut werden muss oder Sinn macht. Die Realität gibt nach wie vor den Gegnern Recht – ob es die weiter sinkenden Flugbewegungen, neue Untersuchungen zur Gesundheitsgefährdung durch Lärm und Luftschadstoffe, die neuen dramatischen Berichte zum Rück-

Zeichen der Hoffnung Am 6. April hat der BN auf dem eigenen Grundstück auf der geplanten dritten Startbahn einen Apfelbaum gepflanzt, links Dr. Christian Magerl, Vorsitzender der Kreisgruppe Freising.

gang der Artenvielfalt sind oder die immer dringlichere Notwendigkeit des Klimaschutzes. Aber das Urteil kann nun 15 Jahre wie ein Damoklesschwert über dem Erdinger Moos und den Menschen der Region hängen. Umso wichtiger ist gerade jetzt der Münchner Bürgerentscheid von 2012 gegen die dritte Bahn. Auch der neue Oberbürgermeister der Stadt München, Dieter Reiter (SPD), hat versprochen, sich an das Votum zu halten, solange es keine neuen Rahmenbedingungen gibt. Diese sind nicht absehbar. Die FMG kann somit auch trotz des Urteils nicht mit dem Bau beginnen. In der – unseres Erachtens falschen – Hoffnung auf ein bayernweites »Ja« liebäugelt die bayerische Staatsregierung daher offenbar mit einer Volksbefragung zur dritten Bahn. Nach dem derzeit vorliegenden Gesetzentwurf soll diese Befragung rechtlich unverbindlich sein, im Gegensatz also zum verbindlichen »Nein« der Münchner und des Münchner Stadtrates. Schon seit Juli 2013 liegt zudem der Bürgerwille von 82 000 Bürgern und Bürgerinnen aus ganz Bayern im Bayerischen Landtag vor, in Form von Petitionen gegen die dritte Bahn. Ihre Behandlung im Wirtschaftsausschuss war schon angesetzt, wurde aber vor den Stichwahlen zur Kommunalwahl kurzfristig wieder abgesetzt. Wenn die CSU den Bürgerwillen ernst nimmt, muss sie diesen Petitionen zustimmen. Unverständnis über das Urteil und das Beharren der CSU auf der 3. Bahn erfährt der BN aus ganz Bayern: Ohne Bedarf soll noch mehr Geld und Infrastruktur in die Region München fließen, die bereits heute an die Grenzen des Wachstums stößt und wo Fläche knapp wird, während viele nordbayerische Regionen mit Abwanderung kämpfen. Neben den rechtlichen Möglichkeiten wird der BUND Naturschutz den politischen Druck für ein endgültiges »Aus« der dritten Startbahn verstärken. Christine Margraf

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Foto: privat

Foto: Manfred Drobny

Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hat am 19. Februar alle 17 Klagen gegen den Bau der dritten Startbahn am Münchner Flughafen abgewiesen. Alle Beweisanträge wurden abgelehnt und keine Revision ­zugelassen. Der BN wird auch nach diesem absurden und realitätsfremden Urteil für den Schutz von Eigentum, Natur und ­Gesundheit weiterkämpfen.

Die Autorin Christine Margraf ist die BN-Regionalreferentin für Oberbayern. Sie hat den BN im ­Prozess gegen die dritte Startbahn vertreten.


Foto s: JBN

Naturschutzhelden starten jung Eltern eiher, servieren ihren Sie säubern den Dorfw e: us ha Zu affen Tieren ein regionale Kost und sch eim sh lof eg erpfälzischen Alt Die Kindergruppe im ob ren h schon in jungen Jah macht vor, wie man sic ren kann. für die Natur engagie

ekten summe Im Sommer, wennherhien, ristInsder Wald voller

n

und Vögel zwitsc die Bäume grün sind, Leben. Doch jetzt? Bis d der letzte Schnee un , wird es noch dauern im stillen Forst. »Was dämpft die Geräusche im Winter?«, fragt tun eigentlich die Tiere die mit ihrer RasselChristina Murrmann, adelt ist . Zehn Kinder ger bande in den Wald r re bleiben hier? »Adle überlegen: Welche Tie sen fas l«, Ige d hs un und Eichhörnchen, Fuc und Luisa das Ergebra Lau ter wis sch Ge die men. Und nun ist am zus nis der Beratung einen kratzen Moos »Action« angesagt: Die affen Tannenzweige vom Baum, andere sch ewohnern, die in ldb herbei. Es gilt den Wa rren, ein komforsha au t zei der kalten Jahres Als das geschafft ist, tables Bett zu bauen.

e Pause. brauchen die Kinder ein tobt eine ld Ba ze: kur Aber nur eine cht, bis alle wilde Schneeballschla außer Puste sind … r etwa 20 Hilfe für Wildtiere  Vo Alteglofsin h sic ete nd Jahren grü burg eine ens heim im Landkreis Reg förder t se die d BN-Or tsgruppe. Un uchs. chw Na en ihr seitdem aktiv es gab en pp gru der Kin r Bis zu vie nen sei t mi zeitweise in dem Ort . So wie jetzt rund 3300 Einwohnern ten Mädchen bau pe up die »Rehe«-Tr als den und Jungen schon dam ein paar h lisc bo sym t ers en ­Tier d überlegten ­kuschelige Nester – un den Arfür t kre kon dann, was sie ren die Wa n. nte kon tun utz tensch nt, an ben Probleme erkannt und r zu ife ere Feu t mi griffen die Kinder n. gel Nä d un er Säge, Hamm gezim»Wir haben Holzkästen mäuder Fle mert und ver teilt, um erzählt «, ten bie zu sen ein Quartier ie die Reg en der ter un r, Tina Dorne ofsheim egl Alt von en pp gru Kinder ann fiel gegründet wurden. »D and Notiz jem m uns auf, dass kau Frühling die im nn we , davon nimmt haben wir ­Kröten wandern. Also , damit die alt spontan Schilder gem t nehich cks Rü Autofahrer mehr men.«

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einen Nistkasten in Der Turmfalke bekam ndschule wurden der Kirche, an der Gru elt . Ein alter Trafoturm ­Mauersegler angesied für Gebäudebewohner l« wurde als »Tierhote ungenutzte Teil des umfunktionier t, und der ndelte sich im Laufe Dorfspielplatzes verwa Schmetterlingsgarten einiger Jahre in einen pfbeet, Magerrasen – mit Trockenmauer, Sum tisch beäugten Brenn und einer zunächst kri die ner oh ew Dorfb nesselwildnis. Als einige Kinder Kontra: Sie die en gab en, pft rüm Nase metterlinge zwar Sch s wussten nämlich, das ihre Raupen aber gerne bunte Blumen lieben, nkraut« knabbern. an dem ungeliebten »U chen  Zurzeit ziehen Kochen und sauberma Kindergruppen durch in Alteglofsheim zwei fang des Jahres sind bei Wald und Flur. Seit An – zehn Erstklässler aktiv den »Wildschweinen« n Jungs. Bei den ein Mädchen und neu ehr t: Hier ist Mathis der gek um »Rehen« ist es er neun Mädchen im Alt einzige Junge, neben on sch ben ha ir »W . von acht bis elf Jahren t«, erinnert er sich. viel gemeinsam gemach beim Imker und viele Da gab es den Besuch zu beobachten, was ­Touren in den Wald, um t. da kreucht und fleuch s eine Aktion ge­ Am meisten hat Mathi tig Hand anlegen fallen, bei der man rich er war total vermüllt. musste. »Der Dorfweih Leute da immer ihre Warum schmeißen die g hinein? Wir haben Zeu es Flaschen und ander Bürgermeister fand ihn gesäuber t, und der zum Eis eingeladen das so toll, dass er uns hat!«


er ist . verdreckt der Dorfweih dann fällt ihnen auf, wie n.« kan , was man hier tun Nur dann überlegen sie

nicht t  »Kinder muss man … statt Naturetainmen braucht das , ine alle von sie nen ­bespaßen. Spielen kön felder, gen De ba ringen«, sagt Lio ihnen niemand beizub derKin e sch eri bay JBN für 150 Bildungsreferentin der endJug d un der Kin für htagung gruppen. Bei einer Fac No im ern und Erzieher soll gruppenleiterinnen, Elt Um der in es ier t werden, wie vember darüber diskut n tai ure nat me t »Le r hen soll. Ehe weltbildung weiterge g we – oder provokant betitelt ist you«, wie die Tagung enheit vor nd bu ver tur Na hr me zu vom Konsum und hin ennen, erk me bachten, Proble Ort? »Kinder sollen beo felder. gen De ba Lio ehmen«, so Verantwortung übern (siehe e«. um irä Fre m alle vor »Und dazu brauchen sie Kasten) ndschüler erFreiräume …  Die Gru der ihren le ihrer Trefofsheim werden die Kin innern sich noch an vie Rehe sehen  In Altegl l ren ma gu ein lzfi r Ho nu e n pp nte bu Gru t die fen – obwohl rlingsgarten bald mi tte me Sch d stun n »Er mmt. t viele Flatterwese im Monat zusammenko schönern, die möglichs ver uTer bes r en ihe ein l We ma . Sie werden den klässler haben manch Vögel anlocken sollen Doch en. fzt rei seu bef ll e«, Mü sen minplan wie Erwach nn nötig , wieder vom we d, un n che die mit ihren d sicherlich sein, wenn Christina Murrmann, hepunkt des Jahres wir Hö der den der Kin den äcken für eine Nacht in Mitstreiterinnen die bei im Sommer mit Rucks sie Art fer Tre ein In die . r z ohne ihre Eltern gruppen koordiniert. »Fü Wald aufbrechen, gan einem n großes sie schlafen, mitten in llen wo fen gibt es deshalb kei he hölzernen Arc der es ist Kin Ort die vor nn n we ebe d erl un – tur ck ­Programm. Na ehege. Mit etwas Glü ldg Wi n dan n he« me kom sein – werden die »Re wichtiger. »Viele Kinder schaffen, ganz leise zu zum ld … Wa hten können von selbst nicht in den auch echte Rehe beobac freie Zeit, um Spielen. Sie brauchen Helge Bendl ahren. Nur ihre Umgebung zu erf

Let me naturetain you

JBN-Fachtagung  15. November 2014, Regensburg Die Fachtagung zum Thema ­Umweltbildung für Kinder und ­Jugendliche richtet sich an Hauptamtliche und Ehrenamtliche im Bereich der Gruppenleitung der Kinder- und Jugendarbeit, Lehrer, Erzieher und Eltern. Bei Erfahrungsaustausch und Information wird kritisch die Frage nach der aktuellen Situation der Umweltpädagogik gestellt und überlegt, wie jungen Menschen Zugänge zu ­­ Natur und Wildnis vermittelt werden können, ohne in die Falle der Überpädagogisierung zu tappen. Die Tagung findet in Kooperation mit dem Naturkundemuseum Ostbayern statt. Kosten: 40 Euro (für Mitglieder 30 Euro), Leitung: Lioba Degenfelder

Infos und Anmeldung JBN, Trivastraße 13 80637 München Tel. 089 - 15 98 96 - 30, Fax -33, info@jbn.de, www.jbn.de, www.facebook.com/jugend­ organisation.bund.naturschutz

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DIE INFOECKE DER JBN | WWW.JBN.DE

n auch das Am Dorfteich fand dan »Rehe« Die tt: »perfekte Dinner« sta -Zu­ Bio t mi ern Elt bekochten ihre es gab a »D . ion Reg der taten aus ch fris r wa es nichts aus der Dose. All das ar Sog und selbst gemacht. haben wir Mehl für das Stockbrot len Laura äh erz «, len ah selbst gem enen Sachen und Luisa. »Mit den eig so schwer«, ht zu kochen ist gar nic Kräuterden r »Fü meint Sophie. aus den hen Sac wir quark haben die frid Un lt. me am ges n Gärte t der ech ren schen Erdbeeren wa Hammer!«


Treff der Biobranche

Sonne und Wind statt Kohle und Atom!

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n sieben deutschen Landeshauptstädten gingen am 22. März über 30 000 Menschen für einen schnelleren Atomausstieg und eine konsequente Energie­ wende auf die Straße. Allein in München waren es rund 5000 Bürger. Nach dem Atomunfall von Fukushima hatte die Staatsregierung die Energiewende zunächst zur Chefsache erklärt. Doch das hielt nicht lange: Längst versucht sie, die Energiewende auszubremsen, und nach der Photovoltaik soll es jetzt der Windkraft an den Kragen gehen. »Das ist Energiepolitik gegen die Bürgerinnen und Bürger Bayerns! Das Wirtschaftsministerium ist das Sprachrohr der Industrieinteressen. Wir fordern Staatsministerin Ilse Aigner auf, dass sich das Wirtschaftsministerium aus dem Griff der Energieindustrie löst und zu einem Energieministerium für die Energiewende von unten wird«, forderte der BN-Landesbeauftragte Richard Mergner auf der Demo.

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ie ist zum weltweiten Treff der Biobranche geworden: die Biofach in Nürnberg. Im Februar 2014 fand sie zum 25. Mal statt. Die Zahlen sind beeindruckend: 2235 Aussteller aus 76 Ländern präsentierten sich auf 42 328 Quadratmetern den Einkäufern aus dem Lebensmittel- und Kosmetik-Sektor. 42 445 Fachbesucher aus 135 Ländern kamen zur Jubiläumsmesse. Damit ist die Biofach mittlerweile die Weltleitmesse für Biolebensmittel geworden. Zum achten Mal fand parallel die Fachmesse für Naturkosmetik, Vivaness, statt. An dieser Erfolgsgeschichte ist der BUND Naturschutz nicht ganz unbeteiligt: Es war nicht zuletzt die Initiative des BN, die dazu führte, aus dem einstmals überschaubaren Bio-Angebot auf der Consumenta eine eigene Messe zu machen.

Breitwasser statt Hochwasser

Aus für AKW Grafenrheinfeld

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ls E.on im März 2014 ankündigte, das Atomkraftwerk Grafenrheinfeld früher als geplant abzuschalten, war zunächst der übliche Politikerreflex die Antwort: Es müsse alles getan werden, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Erst die Information der Bundesnetzagentur, dass Grafenrheinfeld für die Stromversorgung schon jetzt nicht mehr benötigt werde, enttarnte das durchsichtige E.on-Manöver, die Brennelementesteuer zu umgehen. Dass das AKW nun früher vom Netz geht, ist aus Sicht des BN eine sehr gute Nachricht. »Der Antrag von E.on, das AKW Grafenrheinfeld schon im Frühjahr stillzulegen, ist ein großer Erfolg der von Anti-Atom-Bürgerinitiativen und dem BUND Naturschutz erkämpften Energiewende«, sagte der BN-Vorsitzende Hubert Weiger. »Die von Ministerpräsident Horst Seehofer und dem Verband der Bayerischen Wirtschaft noch vor kurzem verkündete Warnung vor einem Blackout bei einem schnelleren Atomausstieg hat sich als Märchen erwiesen«, ergänzte der BN-Landesbeauftragte Richard Mergner. Der BN fordert seit langem das Abschalten aller Atomkraftwerke, denn jeder Tag Laufzeit birgt das Risiko eines atomaren Unfalls.

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n einem einstimmigen Beschluss kritisierte der Passauer Kreistag Ende Februar mit deutlichen Worten die Hochwasserschutzpolitik des Freistaats. Gerade der massive Verlust an Überschwemmungsflächen im Zuge der Donaukanalisierung zwischen Regensburg und Straubing wird darin beklagt. Dadurch fließe das Hochwasser schneller Richtung Passau, wodurch es zeitlich enger mit der Hochwasserwelle des Inns zusammenfalle. Um das Donauwasser zu bremsen, brauche es natürliche Rückhalteräume: Deiche müssten zurückverlegt werden, damit Auen entstehen könnten. »Breitwasser statt Hochwasser« müsse aber auch in der Fläche gelten. Anstatt große und kleine Fließgewässer zu verbauen und Flächen mit Gewerbegebieten und Straßen zu versiegeln, sei Renaturierung notwendig. »Man darf nicht länger nur davon reden, sondern muss endlich etwas dafür tun, dass die Flüsse wieder mehr Raum erhalten«, heißt es in dem Beschluss, den der BUND Naturschutz ausdrücklich begrüßt.

Foto: Willner

Foto: BN

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Wolfsland Bayern

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eit Anfang 2014 ist im bayerischen Alpenraum wieder ein einzelner Wolf unterwegs. Für den BUND Naturschutz eine gute Nachricht, denn wie Luchs und Bär ist der Wolf ein Urbayer, der zu diesem Land dazugehört. Für Menschen stellt der Wolf keine Gefahr dar. Weidetiere können aber betroffen sein, vor allem die frei und ungeschützt umherlaufenden Schafe der bayerischen Almwirte. Im Interesse der Almbauern und des Wolfs braucht es deshalb eine gelenkte Beweidung mit andernorts längst bestens bewährten Maßnahmen wie Herdenschutzhunden und Umzäunung. Doch hier stellt sich vor allem das Landwirtschaftsministerium quer, offenbar aufgrund eines tief sitzenden Unwillens, den Wolf in Bayern zu akzeptieren. Da hierzulande jedoch in den letzten Jahren immer wieder Wölfe auftauchten, ist auch in Zukunft mit zuwandernden Tieren vor allem aus den Südalpen zu rechnen. In anderen Bundesländern ist der Wolf längst eine Selbstverständlichkeit: In Deutschland leben heute 25 Wolfsfamilien.

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ach der Landtagswahl in Bayern war der BN-Landesvorstand zu Besuch bei Ministerpräsident Horst Seehofer, Umweltminister Marcel Huber und der neuen bayerischen Wirtschaftsministerin Ilse Aigner. Das Ergebnis der Gespräche: Der BUND Naturschutz wird den kritischkon­struktiven Dialog mit der Staatsregierung zu den Themenfeldern Rettung der Bürgerenergiewende, Schutz der bäuerlichen Landwirtschaft und eines gentechnikfreien Bayerns, Flächenschutz und Straßenbau sowie Hochwasser- und Auenschutz fortsetzen. BN-Landesvorsitzender Hubert Weiger mahnte an, dass die Bürgerenergiewende und der Atomausstieg nicht aufs Spiel gesetzt werden dürften durch Fehlentscheidungen bei der Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes und durch den inakzeptablen Sonderweg Bayerns bei der Windkraft. Einigkeit mit dem Ministerpräsidenten herrschte bei der kritischen Betrachtung der geplanten Stromautobahn durch Bayern sowie bei der Forderung, bestehende Biogasanlagen umweltverträglicher zu gestalten und die Umrüstung auf bessere Abwärmenutzung und Erzeugung von Regelenergie zu fördern. Der BN betonte auch die Gefahren des geplanten Freihandelsabkommens zwischen USA und Europäischer Union und bekräftigte seine Forderung nach einem Ausstieg aus den Verhandlungen.

Foto: BN

Foto: Möthrath / fotolia.com

BN-Vorstand bei neuer bayerischer Regierung

TTIP: unfair-handelbar!

Foto: Mader

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chöne Aussichten: noch mehr Futtermittel aus gentechnisch veränderten Pflanzen und Hormonfleisch aus den USA. Investoren, die für entgangene Gewinn­ erwartungen Schadensersatz von Staaten einfordern können, die sich für Umweltschutz und Verbraucheranliegen einsetzen. Das und vieles andere droht mit dem trans­ atlantischen Freihandelsabkommen TTIP, das zwischen der EU und den USA verhandelt wird. Es würde viele ­mühsam errungene Erfolge im Umwelt- und Verbraucherschutz aushebeln. – Nicht mit uns! Der BUND Naturschutz hat sich deshalb unter dem Motto »TTIP – unfair-handelbar« einem breiten Bündnis gegen das Freihandelsabkommen angeschlossen. Im Rahmen einer Demo Anfang April mit rund 400 Teilnehmern übergab der BN dem Heimatministerium in Nürnberg eine entsprechende Resolution (Bild). Bei einer Online-Aktion waren bis Redaktionsschluss über 50 000 Unterschriften gegen TTIP zusammengekommen, die vor der ­Europawahl an die EU-Parlamentarier übergeben werden sollten.

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Mehr Schutz für den Steigerwald

Die Hoffnung auf einen Nationalpark wächst

Foto: Thomas Stephan

Seit 2007 setzt sich der BUND Naturschutz in Bayern (BN) intensiv für einen Nationalpark Steigerwald ein. Dieses anhaltende Werben für mehr Waldschutz trägt nun erste Früchte, weil die Unterstützung für einen Nationalpark wächst. Der BN begrüßt es sehr, dass das Landratsamt Bamberg ein mittelgroßes Waldschutzgebiet ausgewiesen hat – ein wichtiger erster Schritt auf dem Weg zum Weltnatur­erbe.

Foto: Mader

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Der Autor Dr. Ralf Strauß­ berger ist der Waldreferent des BN.

usammen mit den Partnerverbänden im Freundeskreis Na­ tionalpark Steigerwald hat der BN auf mittlerweile über 500 Veranstaltungen bayernweit und vor allem im Steigerwald für die Nationalparkpläne geworben. Ende 2012 hat der BN mit dem Freundeskreis ­Nationalpark Steigerwald einen ­Verordnungsentwurf zu einem Nationalpark Steigerwald als Diskussionsgrundlage vorgelegt. Auf Basis dieser vorgeschlagenen Regelungen, anhand derer die Menschen die konkreten Auswirkungen eines Nationalparks erkennen können, wirbt der BN im Rahmen einer ­Vortragstour durch die Steigerwald­ dörfer für einen Nationalpark – auch in den »Hochburgen« der ­Nationalparkgegner. Diese Auf­ klärungsarbeit hat bei vielen ­Ein­wohnern im Steigerwald einen

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Naturjuwel Die alten Buchenwälder im Steigerwald hätten in einem Nationalpark optimalen Schutz.

Umdenkprozess ausgelöst. Immer mehr Menschen merken, dass die Argumente der Nationalparkgegner einer ernsthaften Prüfung nicht statthalten, sondern dass ein Nationalpark viele Vorteile für Natur und Menschen im Steigerwald brächte. Sehr positiv stimmt auch, dass das Landratsamt Bamberg Ende April einen 775 Hektar großen Staatswaldbereich im oberfränkischen Steigerwald geschützt hat. In dem Geschützten Landschafts­ bestandteil nach Paragraph 29 des Bundesnaturschutzgesetzes darf sich künftig ein Naturwald ent­ wickeln. Hintergrund dieses Vor­ habens sind eindeutige Beschlüsse

des Kreistages Bamberg und des Marktgemeinderates Ebrach, die sich mit über 90 Prozent Zustimmung dafür ausgesprochen haben im nördlichen Steigerwald die Voraussetzungen für ein Welt­naturerbe zu schaffen. Dazu gehört ein entsprechend großes, nutzungsfreies Waldschutzgebiet. Doch die bayerische Staatsregierung hat diesen ­eindeutigen Bürgerwillen im Landkreis Bamberg bisher schlicht nicht zur Kenntnis genommen. Deshalb ­begrüßt es der BN, dass Landrat Dr. Günther Denzler nun das Heft in die Hand genommen und selbst ­gehandel hat, um diese Beschlüsse zu vollziehen Im Rahmen einer Veranstaltung zum Kommunalwahlkampf hat der BN einen offenen Brief an Ministerpräsident Horst Seehofer und den CSU-Landratskandidaten Wilhelm Schneider übergeben. Dabei appelliert der BN an die Bayerische Staatsregierung sich dafür einzu­ setzen, die Konflikte zu lösen. Dazu müssen die Auswirkungen eines Nationalparks Steigerwald auf Mensch und Natur geprüft und gewürdigt werden, damit eine sach­ liche Diskussion im Steigerwald auf den Weg gebracht werden kann. Ein unvoreingenommener Blick in ­andere Nationalparkregionen Deutschlands zeigt, dass nicht nur die Wälder und die Artenvielfalt profitieren, sondern auch die regionale Wirtschaft. Der BN fordert einen Masterplan »Nationalpark«, von dem alle Landkreise und ­Gemeinden im strukturschwachen Nordsteigerwald gleichermaßen Vorteile haben. Ralf Straußberger


Entlastung? »Ein schwarzer Tag für Oberfranken, denn ein über­ dimensionierter Eingriff in den Naturhaushalt und die Kulturlandschaft wird sehr teuer bezahlt«, so kommentierte Wolfgang Schenker, Vorsitzender der Kreisgruppe

Nix da! Das Schrottflugzeug ist mittlerweile zum beliebten Maskottchen der Flughafen­ gegner avanciert.

Kreisgruppe Coburg

Flugplatz-Irrsinn noch nicht ausgestanden

Der geplante Neubau eines Flughafens bei Coburg sorgt deutschlandweit für Kopfschütteln. Anfang des Jahres berichteten mehrere Medien kritisch über das Vorhaben. Doch die Planungsgemeinschaft hält an dem 30 bis 40 Millionen Euro teuren Projekt fest. worden war, um die Neubauplanung nicht zu stören. Kurz vor Weihnachten vergangenen Jahres hatte die IHK Coburg sogar mit Überrumpelungstaktik versucht, den Coburger Kreistag zu einer Finanzierungszusage zu bringen. Der Kreistag sollte ohne Planungsunterlagen und ohne geneh-

Kulmbach, bei der Jahreshauptversammlung die ­ersten massiven Baumfällungen für den Neubau der Staatsstraße Ortsumfahrung Melkendorf (siehe Foto). Hauptkritikpunkte der Naturschützer sind der Landschaftsverbrauch und massive Eingriffe in den Lebensraum Rotmaintal (vgl. N+U 3/2009 und 2/2010). Insgesamt sollen 4,7 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche unter Asphalt verschwinden. Die in den Auen heimischen Rebhüh-

migte Planung quasi die Katze im Sack kaufen. Die Aktion stellte sich als durchsichtiger Versuch heraus, die Kreisräte unter Druck zu setzen und noch vor der Kommunalwahl eine entscheidende Abstimmung vorzunehmen. Das Bündnis konnte dies aber vereiteln. Tom Konopka (ht)

ner, Bekassinen, Kiebitze sowie Meister Adebar werden von den Baumaßnahmen sowie den ­folgenden Verkehrsströmen be­ einträchtigt. Dr. Bernd Matthes von der Bürgerinitiative Melkendorf appellierte an die Verantwortlichen aus der Kommunalpolitik, die Planungen noch einmal zu überdenken. Erfolg! Der Windpark Steinberg wird nicht gebaut. Dem BN liegen entsprechende gesicherte Informationen vor. Ende letzten Jahres hatte eine richtungsweisende ­Entscheidung des Bezirkstags von Oberfranken bereits bei vielen ­Naturschützern zu ausgelassener

Freude und Jubelstimmung geführt. Der Bezirkstag hatte entschieden, den Steinberg nicht aus dem Landschaftsschutzgebiet Fichtelgebirge herauszunehmen (vgl. N+U 2/2013). Damit ist nicht nur das Kleinod Steinberg gerettet. Es konnte auch ein Dammbruch verhindert werden. Zu befürchten stand, dass auf weiteren »Filet­ stücken« des Naturparks Fichtelgebirge Windkraftanlagen geplant würden. »Ein großer Erfolg des ­Naturschutzes – nicht gegen die Windenergie, sondern gegen kommunalpolitische Sturheit und Kirchturmdenken«, so Karl Paulus, Geschäftsführer der Kreisgruppe Wunsiedel.

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NATURNOTIZEN AUS OBERFRANKEN

Foto: Kreisgruppe

it ganzseitigen Anzeigen in beiden Coburger Zeitungen versucht die Planungsgemeinschaft aus Stadt und Landkreis Coburg, der IHK und den Privatfirmen Brose und Kapp die Bürger der Region bei der Stange zu halten, obwohl sogar die Sendung »quer« Witze über Coburg reißt. Inzwischen rudern die Befürworter zurück und wollen angeblich nur noch einen Flughafen für kleinere Flugzeuge bauen. Der Druck des »Bündnisses für die Region – gegen den Verkehrslandeplatz« war wohl zu groß geworden (vgl. N+U 2/2010, 4/2013 und 1/2014). »Aber wozu dann ein Neubau?«, fragt die Bündnissprecherin Dagmar Escher. Laut einer Studie, die dem Bündnis Anfang März dieses Jahres zugespielt worden war, kann der bestehende Flughafen auf der Brandensteinsebene mit einer Investition von 7,5 Millionen Euro richtlinienkonform für den Instrumentenflugverkehr ertüchtigt werden. Das Bündnis geht davon aus, dass die Studie unter Verschluss gehalten

Foto: Behling

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Kreisgruppe Nürnberg-Stadt

Live dabei am Nistkasten

Nachschub! Bei diesem Anblick kann eine ­Vogelmutter schon mal »ins Schwitzen« kommen.

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NATURNOTIZEN AUS MITTELFRANKEN

ie Idee, ein Tierbeobachtungshaus für Nürnberg zu bauen, kam von Günter Krompholz von der Ortsgruppe Zabo/Gleisshammer/ Dutzendteich. Bis die OG ihr Vor­ haben in die Tat umsetzen konnte, vergingen allerdings noch einige Jahre mit Planungen und Spenden

Zaunabbau: Spät, aber im Ergebnis richtig, so bewertet der BUND ­Naturschutz den Abbau des »Oettinger Wildschweinzauns« im Landkreis Ansbach (vgl. N+U 1/2012 und 4/2012). Offenbar, so BN-Kreisgeschäftsführer Helmut Altreuther, habe man jetzt auch bei der Oettingen-Spielberg’schen Forstverwaltung akzeptiert, dass Gerichtsurteile anzuerkennen sind und man seinen Jagdbetrieb danach ausrichten müsse. Der BN hatte 2010 mit einem Brief an das Landratsamt Ansbach die Zaun­ errichtung aktenkundig gemacht und um Prüfung und Abhilfe ­gebeten, um das Recht die freie Landschaft zu betreten sicher­

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sammeln. Die Bauarbeiten am Metthingweiher begannen schließlich im Sommer 2012. Unter der Regie von Willi Kaiser wurde das Holzhaus in vielen Stunden ehrenamtlicher Arbeit von Dutzenden ­Aktiven aufgebaut. Muskelkater und Blasen an den Händen blieben nicht aus. Im Herbst 2012 bauten Ludwig Wiedenhofer und Walter Siebert nach und nach Nistkästen für unterschiedliche Vogelarten, Insektenund Fledermauskästen und ein Igelhotel ein. Letzteres beherbergte seinen ersten Gast bereits über den Winter. Im Frühling 2013 kamen dann die ersten gefiederten Hotelgäste: Ein Kohlmeisenweibchen legte jeden Tag ein Ei. Die Nistkästen sind so in das Haus integriert, dass die Vögel von außen einfliegen können. Durch eine Glasscheibe können sie beim Brutgeschäft beobachtet und das Wachstum der Jungvögel überwacht werden. Acht von ihnen schlüpften im Mai. Nun folgte für die Vogeleltern die anstrengende

zustellen. Gegen die behördliche Anordnung, den elf Kilometer langen Zaun abzubauen, hatte der Waldbesitzer geklagt und verloren. Nun zog er die Beschwerde vor dem Verwaltungsgerichtshof ­zurück. Im benachbarten Landkreis Donau-Ries steht der Abbau des Wildschweinzauns aber noch aus. Sandabbau: Der 2010 vom BUND Naturschutz und dem Fränkischen Albverein verhinderte Sandabbau am beliebten Birkensee bei Röthenbach an der Pegnitz könnte nun doch genehmigt werden. Am 19. Februar 2014 erließ die Regierung von Mittelfranken eine lan-

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Zeit der Fütterung. Nach drei Wochen waren die Jungen flügge und verließen das gastliche Hotel. Im Herbst 2013 folgten zwei ­Insektenhotels und diesen Sommer sollen noch mehrere Bienenstöcke folgen. Auch die Bienen können dann durch eine Glaswand be­ obachtet werden. Die KG bietet Führungen für Kindergartengruppen, Schulklassen und Erwachsene durch das Tierbeobachtungshaus an. Bettina Uteschil (ht) Kontakt: Kreisgruppe NürnbergStadt, Tel. 09 11-45 76 06

desplanerische Beurteilung, nach welcher der geplante Sandabbau unter Auflagen genehmigt werden könnte. Bei dem betroffenen Gebiet handelt es sich um Bannwald, ein europäisches Vogelschutzgebiet und nach FFH-Richtlinie und Bundesnaturschutzgesetz geschützte Flechtenkiefernwälder (siehe Foto). Die Beurteilung ist das Ergebnis eines Raumordnungs­ verfahrens, das der BN und andere Verbände gefordert hatten. Der BN beabsichtigte damit, eine bergrechtliche Genehmigung durch das Bergamt mit Sitz bei der Regierung von Oberfranken zu erschweren. Dies geschah in der Hoffnung, die Regierung in Ansbach werde

Foto: KG Nürnberger Land

Foto: Krompholz

Bis zu 500-mal am Tag legen Vogeleltern ihren Jungen Insekten oder Würmer in die weit aufgesperrten Schnäbel: ein anstrengendes Geschäft! In Nürnberg kann es jetzt live beobachtet werden.

sich schützend vor die heimatlichen Sandlebensräume stellen.


Kreisgruppe Weilheim-Schongau

Rabiater Kahlschlag

Foto: KG München

Ausgezeichnet: Am 14. Januar erhielt Manfred Siering die Bayerische Naturschutzmedaille des BN (siehe Bild, mit BN-Vorsitzendem Dr. Hubert Weiger). Der ehrenamtliche Ornithologe, der 2009 bereits das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen bekam, hat sich unter großem persönlichem Ein-

Verheerend Im unteren Teil der Schlucht wurde so viel Holz geschlagen, dass sich dies auf das Klima der gesamten westlichen Pähler Schlucht auswirken wird. Die freigeschlagenen Hänge sind zudem von Erosion durch Wind und Regen ­bedroht.

wurden beschädigt. Die schweren Forstmaschinen haben tiefe Bodenschäden hinterlassen, der Burgleitenbach wurde als Fahrtrasse missbraucht. Nach einem Ortstermin räumte selbst die Regierung von Oberbayern gegenüber der Presse ein, dass die Aktion in dieser Form unzulässig war: Zur Schonung des Wald­ bodens war vorgesehen, die Arbeiten nur bei Frost durchzuführen. Sie fanden jedoch bei milder Witterung

satz um den Naturschutz in Bayern verdient gemacht. Seit 1989 steht Siering der BN-Ortsgruppe Grünwald-Straßlach vor, seit 1994 der Ornithologischen Gesellschaft in Bayern. Besonders hervorzu­ heben sind sein Einsatz für das Brutvogel- und Zugvogelrastgebiet »Ismaninger Speichersee« und die vielen Exkursionen, die er für BN und Ornithologische Gesellschaft sowie die Münchner Volkshochschule veranstaltet. Bedroht: Im Februar und März ­legten Landwirte im Achtental im Landkreis Traunstein großflächig Drainagen auf mehreren Hektar Feuchtflächen an – unter anderem

statt, zudem wurde illegal ein zweiter Rückeweg angelegt. Die rabiate Maßnahme wurde von den zuständigen Behörden weder naturschutzfachlich aus­ reichend geprüft noch gestoppt. Wegen der zahlreichen Verstöße gegen geltendes Naturschutzrecht hat der BN Anfang April Anzeige nach Umweltschadensgesetz erstattet. Er drängt auf eine verpflichtende gesetzliche Regelung für forstwirtschaftliche Eingriffe in Schutzgebieten, damit dort nicht weiter unter dem Deckmantel der »ordnungsgemäßen« Forstwirtschaft Kasse auf Kosten der Natur gemacht wird. Christine Margraf (as)

Weitere Informationen unter: www.weilheimschongau.bundnaturschutz.de

Foto: Poser

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ie Weichen für den Kahlschlag wurden am 21. Januar gestellt. Um die Wegeführung in der Schlucht für Besucher »sicherer« zu machen, genehmigte die Regierung von Oberbayern eine »Holzfäll­ aktion« und den Bau eines temporären Rückeweges. Kurz darauf standen Anwohner und Naturschützer fassungslos vor dem Ergebnis: Geschätzt 2700 Festmeter Holz wurden geschlagen, darunter viele über 100 Jahre alte Bergahorne, Eschen und Rotbuchen. Von dem einst urwaldartigen Schluchtwald blieben nur Stümpfe. Der Kahlschlag betrifft 70 Prozent des Gebiets, was das Innen­ klima des Waldes und seine Flora und Fauna massiv verändert. Auch die Kalktuffquellen im Schutzgebiet

nahe der Naturschutzund FFH-Gebiete Bergener Moos, Rottauer Filz, Staudach-Egerndacher Filz und Kendlmühlfilz. Mithilfe von Maschinen wurde in ein bis zwei Meter Tiefe Rohre verlegt und die ausgehobenen Gräben anschließend wieder verfüllt. Der BN befürchtet, dass die un­ genehmigte Entwässerung auch die angrenzenden geschützten Feuchtgebiete schädigt. Die Untere Naturschutzbehörde prüfte zu Redaktionsschluss, inwieweit ein Verstoß gegen Natura-2000-Recht vorliegt. Der BN drängt auf die Entfernung der Drainagen.

Gefällt: Beim Faschingsumzug ­Anfang März in Bad Reichenhall erhielten die vier als Bäume verkleideten Naturschützerinnen der BN-Kreisgruppe Berchtesgaden viel Applaus. Motto des Auftritts: »Wie schön wär’ unser Baum­ bestand ohne Wasserwirtschafts­ amt«. Der Hintergrund ist weniger lustig, hatte das Amt doch im ­Winter massive Abholzungen an Fließgewässern wie der Saalach oder der Bischofswieser Ache durchgeführt.

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NATURNOTIZEN AUS OBERBAYERN

Foto: KG Weilheim-Schongau

Unter dem Deckmantel einer »ordnungsgemäßen Forstwirtschaft« wurden im Februar 2014 große Teile des Naturschutz- und FFH-Gebiets »Pähler Schlucht« zerstört. ­Stellenweise wurden über 50 Prozent des Baumbestands abgeholzt. Das Schutzgebiet ist auf Jahrzehnte schwer geschädigt, ­fürchtet der BUND Naturschutz.


Foto: Kunkel

Wilder Wald Im Naturschutz­ gebiet »Metzgergraben und Krone« bleibt die Natur schon sich selbst überlassen.

Kreisgruppe Aschaffenburg/Main-Spessart

Mehr Urwald wagen!

Mit Alt- und Totholz verschwinden auch spezialisierte Tier-, Pilzund Pflanzenarten aus deutschen Wäldern. Der BN hat deshalb eine Infokampagne für mehr Wildnis im Spessart gestartet. er Spessart war berühmt für seine alten Eichen- und Buchenwälder, zum Beispiel den »Heisterblock« mit seinen mehrere hundert Jahre alten Eichen und Buchen. Doch auch im Spessart forderten kahlschlagartige Nutzungen und Nadelbaumpflanzungen ihren Tribut: Nur sechs Prozent der Wälder sind heute noch über 160 Jahre alt. Besonders traurig: Dies ist der Spitzenplatz unter allen Waldgebie-

Etappensieg: Im Rahmen eines ganztägigen Erörterungstermins konnte der BN zusammen mit Rechtsanwältin Ursula PhilippGerlach Mitte Februar die Fragwürdigkeit der geplanten Ortsumfahrung für Pflaumheim aufzeigen. Verdeutlicht wurden dabei auch die unkalkulierbaren Risiken für die betroffenen Steinkauzreviere. Erster Erfolg: Der Antragsteller muss ein schlüssiges Ausgleichskonzept für diese seltene Eulenart nachliefern. Trauer: Gertrud Illig, die langjährige Vorsitzende der OG Mittelstreu, ist am 4. Januar verstorben. Viele Menschen hat sie mit ihrem Wis-

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ten Bayerns. Mit den alten Wäldern verschwinden auch Urwaldrelikt­ arten und spezielle Fledermäuse, Totholzkäfer und Holzpilze. Die Forstreform 2005 verschärfte die kritische Lage noch. Seitdem beklagen BN-Waldschützer immer wieder Biotopbaumfällungen, massive

sen um die Heilkraft der Pflanzen beschenkt, war zudem eine äußerst einfühlsame Zuhörerin und hochgeschätzte Ratgeberin. In ­unseren Herzen wird sie auch weiterhin lebendig bleiben!

Erfolgreich: Für das vom Umweltministerium geförderte Projekt der Kreisgruppe Bad Kissingen »Schmetterling, du kleines Ding«

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haben im letzten Jahr 40 Schulklassen und Kindergärten 500 Eier und Raupen des Kleinen Nachtpfauenauges geschenkt bekommen. Spannender als ein Krimi waren für die jungen Naturforscher die wochenlange Pflege, Aufzucht und Beobachtung der bunten Tiere (siehe Foto). Die selbst gestalteten Raupentagebücher gerieten zu wahren Kunstwerken und übertrugen die Begeisterung sogar auf viele Eltern und Erzieher. Die ersten Falter sind geschlüpft, haben sich gepaart und Eier gelegt. Als wahrer Selbstläufer geht es 2014 in den Kitas und Schulen weiter. Foto: Redeberger

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Foto: Assmann

NATURNOTIZEN AUS UNTERFRANKEN

Weitere Informationen auf der Webseite der BN-Ortsgruppe Heigenbrücken: www.spessart-wald. de

Holzeinschläge und Bodenschäden, die durch die gewinnorientierte ­Bewirtschaftung der Bayerischen Staatsforsten entstehen. Aktuell ­kritisiert der BN Säuberungshiebe, bei denen viele ökologisch wertvolle Eichen gefällt werden, um den ­Eichenprachtkäfer als vermeintlichen Waldschädling einzudämmen. Obwohl bereits 1925 beim ersten deutschen Naturschutztag nutzungsfreie Waldschutzgebiete im Spessart gefordert wurden, gibt es heute in den etwa 44 000 Hektar großen Staatswäldern nur zwei sehr kleine, seit mehreren Jahrzehnten nutzungsfreie Schutzgebiete. Nur sehr zögerlich wurden seit den 1970er-Jahren Naturwaldreservate neu ausgewiesen. Der BN fordert deshalb schon seit Jahren für die Staatswälder im Spessart eine naturverträglichere Forstwirtschaft und vor allem mehr dauerhaft geschützte Gebiete. Dort sollen sich wieder urwaldartige W­älder entwickeln, wie sie einst für den Spessart so typisch waren. Der BN-Landesverband und die BNKreisgruppe Aschaffenburg haben dazu eine Informationskampagne gestartet und werben mit Vorträgen in den Spessartdörfern für dieses »Schützen-und-Nutzen-Konzept«. Ralf Straußberger (ht)

Wohnungsbau: Einen handfesten Beitrag zum Vogelschutz haben die Schüler der 4. Klasse der Grundschule Theilheim im Landkreis Würzburg geleistet. Im Werkunterricht wurden unter professioneller Anleitung »Vogelvillen« zusammengebaut und gleich am Waldrand montiert (siehe Foto). Damit kann der Jahreszyklus der Vögel jetzt auch im Heimat- und Sachkundeunterricht direkt verfolgt werden.


Kreisgruppe Kempten-Oberallgäu

Kraftwerk bedroht ein Naturjuwel

Ein Wasserkraftwerk am Naturdenkmal Eisenbreche würde einen intakten und geschützten Natur- und Landschaftsraum zerstören. Für den BUND Naturschutz muss die Natur hier Vorrang vor der Energieerzeugung haben.

Demonstriert: Unter dem Motto Pro-Energiewende Schwaben protestierten am 20. Februar etwa 100 Menschen vor der Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwaben, nachdem diese sich für ein Moratorium bei der Energiewende ausgesprochen hatte. Aufgerufen hatten der BUND Naturschutz und die Initiative »FORUM – Gemein-

Foto: Frey

Überdimensioniert: Am Zister­ zienserinnen-Kloster Oberschönenfeld im Landkreis Augsburg soll auf Initiative des Bezirks Schwaben ein Großparkplatz mit Stellflächen für Busse und über 800 Autos entstehen. Das Projekt würde etwa zwei Hektar Fläche verbrauchen und das Ensemble der Klosterabtei sowie das um­ gebende Landschaftsbild massiv beeinträchtigen. Die BN-Kreisgruppe Augsburg hat im Februar bei Bezirkstags­präsident Jürgen Reichert Protest gegen den überzogenen Ausbau eingelegt.

Landschaftsästhetik massiv beeinträchtigt: durch Staudamm und Kraftwerkshaus, besonders aber durch die geplante Wasserableitung vor der Klamm – der alpine Wildbach mit seinem tosendem Wasser wäre dahin. Der BN hat im Rahmen des Genehmigungsverfahrens zunächst eine Stellungnahme erarbeitet, die auch als Grundlage für eine Klage dienen kann. Nach aktueller Gesetzeslage ist das Vorhaben eindeutig nicht genehmigungsfähig. Sollte das Landratsamt dennoch pro Kraftwerk entscheiden, strebt der BN eine gerichtliche Überprüfung an, denn die Eisenbreche ist ein Prä­ zedenzfall für ganz Bayern. Wird hier gebaut, sind die ökologischen Leitplanken der Energiewende aufgegeben. Thomas Frey (as) Weitere Informationen unter www.eisenbreche.de

sam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortbare Energiepolitik«. Diskutiert: Auf einer gemeinsamen Veranstaltung der BN-Kreisgruppe Lindau und der vier Argental-Gemeinden Gestratz, Grünenbach, Maierhöfen und Röthenbach diskutierten am 13. Januar in Gestratz etwa 200 Teilnehmer über ein ­interkommunales Gewerbegebiet. Der BN lehnt die sieben Hektar umfassende Planung ab, da das Areal in einem landschaftlichen Vorbehaltsgebiet liegt, ohne Anbindung an bestehende Bebauung, womit weitere Zersiedelung und mehr Verkehr provoziert wird.

Gegründet: Seit 14. März gibt es die neue BN-Ortsgruppe Iller­ winkel im Landkreis Unterallgäu. Zur Vorsitzenden wurde Rosina ­Konrad (Foto) gewählt. Aktuelle Themen sind die Baupläne eines Supermarktes auf der grünen Wiese, der Neubau einer Brücke über die Iller und Baumfällungen auf Gemeindegrund.

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NATURNOTIZEN AUS SCHWABEN

Naturdenkmal Ein Wasserkraftwerk an der Eisenbreche war zwar schon in den 50er-Jahren in der Diskussion, doch schließlich wurde die Klamm als Naturdenkmal ausgewiesen. Heute ist sie mehrfach geschützt.

ehr Schutzstatus geht nicht: Die Klamm »Eisenbreche« an der Ostrach in den Allgäuer Alpen ist als Naturschutzgebiet, als europäisches Fauna-Flora-Habitat-­ Gebiet, als europäisches Vogelschutzgebiet und als Naturdenkmal geschützt. Dennoch haben die ­Elektrizitätswerke Bad Hindelang nun erneut den Bau eines Wasserkraftwerks beantragt, obgleich die Regierung von Schwaben bereits 2001 einen solchen Antrag abgelehnt hatte. Aktuell liegt die Zuständigkeit für das Verfahren beim Landratsamt Oberallgäu. Geplant sind eine fünf Meter hohe Staumauer, eine etwa 1,25 Kilometer lange Ausleitung und ein Kraftwerkshaus am Flusslauf der Ostrach. Die Aufstauung vor dem Staudamm und die Ausleitung von im Mittel 57 Prozent des Flusswassers gefährden geschützte Arten und Biotope, die als naturnahe alpine Fließgewässer ganz oben auf der Roten Liste der gefährdeten Biotoptypen stehen. Zusätzlich wird die

Foto: KG Memmingen-Unterallgäu

Foto: Hieble

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Kreisgruppe Schwandorf

Keine Naturzerstörung im Eselweihergebiet!

Das Eselweihergebiet bei Teublitz gehört zu den wenigen ökologisch und kulturhistorisch noch weitgehend intakten Teichlandschaften der mittleren Oberpfalz. Eine geplante Umgehungsstraße bedroht diesen wichtigen Lebensraum.

Foto: Baldermann

Pirol & Co. Naturnahe Erlenbruchwälder wie hier im Eselweihergebiet beherbergen seltene Vogelarten wie Pirol oder Eisvogel.

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Entlastend? Es gibt wesentlich billigere und umweltschonendere Lösungen als die geplante Ortsumfahrung Kümmersbruck im Landkreis Amberg-Sulzbach. Das hat der BN im Januar bei einem mehrtägigen Erörterungstermin – auch

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­ ledermäusen. Das Mosaik aus F ­wassergeprägten Lebensraumtypen wird unter anderem durch vielfältige Verlandungsbereiche, naturnahe Erlenbruchwälder (teilweise mit Walzensegge), Flachmoore mit Wollgras, torfmoosüberwucherte Gräben, Großseggenriede und waldfreie Feucht- beziehungsweise Nasswiesen geprägt.

optisch (siehe Foto) – deutlich gemacht. Für die im reizvollen Wiesental geplanten Rückhaltebecken hatte die stellvertretende Kreisvorsitzende Freya Zobel schon vorher einen Ausweichstandort ausfindig gemacht.

Foto: Schultheiß

NATURNOTIZEN AUS DER OBERPFALZ

m Eselweihergebiet im Landkreis Schwandorf brüten Haubentaucher und Eisvogel, Pirol und Kuckuck. Auf die überregionale Bedeutung für Zugvögel lassen Schell- und Kolbenente, Fischadler und Wat­ vögel schließen. Noch längst nicht detailliert erfasst sind die individuen- und artenreichen Vorkommen von Amphibien, Reptilien und

Neuer Vorstand: Die Kreisgruppe Neustadt a. d. Waldnaab hat gewählt. Bei der Jahreshauptversammlung im Februar ist mit großer Mehrheit die bisherige Vorsitzende Sonja Reichold im Amt bestätigt worden. Stellvertreter wurde Hans Babl,

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Höchst gefährdet ist dieses auch für die Naherholung bedeutsame Areal durch eine heftig umstrittene Umgehungsstraße für ­Teublitz. Der daraus resultierende Flächenverlust, vor allem aber der Zerschneidungs- und Isolations­ effekt, würden wertvollste Lebensund Erholungsräume substanziell entwerten. Dagegen wehrt sich der BUND Naturschutz gemeinsam mit den Bürgerinitiativen »BIGTUT« und »Alex sagt Nein«. Im März dieses Jahres hat die Unterschriftensammlung für ein entsprechendes Bürgerbegehren begonnen. Der BN appelliert an Behörden wie Politiker, sich ihrer Verpflichtung aus Artikel 141 (Schutz der ­natürlichen Lebensgrundlagen) der Bayerischen Verfassung zu stellen und diese auch kulturhistorisch bedeutsame Natur- und Erholungslandschaft nicht einer höchst zweifelhaften Umgehungsstraße zu opfern. Für eine wirksame Entlastung der Innenstadt von Teublitz gibt es eine ganze Reihe anderer, zudem auch kostengünstigerer Maßnahmen. Helmut Schultheiß (ht)

Schatzmeisterin Diana Kreuzer, Schriftführerin Gisela Pieper, Delegierter Manfred Wiedermann und Ersatzdelegierte Gabi Fraunholz. Widerstand: Der fast 1300 Meter hohe Osser im Landkreis Cham ist nicht nur herausragendes Wahrzeichen des Lamer Winkels, sondern zählt auch zu den 100 schönsten Geotopen Bayerns. Ausgerechnet auf diesem bisher unverbauten Berg soll ein großes Pumpspeicherkraftwerk errichtet werden. Nicht nur der BN stellt sich gegen die damit verbundene Naturzerstörung. Ein Ende März gemeinsam mit anderen Organisationen gegründetes Aktionsbünd-

nis will Unterschriften gegen das Projekt sammeln. Abschied: Der BN trauert um Franz Schmid von der Kreisgruppe Neumarkt der im Dezember 2013 verstorben ist. Schon in den 1960erJahren konnte der Umweltpionier mittels Bürgerprotesten einen Straßenbau im Tal der Weißen Laaber verhindern. Ebenso engagierte er sich gegen den RheinMain-Donau-Kanal und prognostizierte aufgrund seiner großen Sachkenntnis präzise das Trockenfallen der unersetzlichen Irrlewiesen bei Dietfurt. Seine Zivilcourage wird für uns auch künftig Vorbild und Ansporn sein.


Letzte Chance für das Moor am Schleifmühlbach

In ihrer 2008 beschlossenen Biodiversitätsstrategie sieht die ­Bayerische Staatsregierung unter anderem Straßenbau und Eingriffe in den Wasserhaushalt als Hauptursachen für den ­Verlust an biologischer Vielfalt und die Zerstörung von Lebensräumen. Bis nach Niederbayern scheint diese Erkenntnis nicht vorgedrungen zu sein, denn genau darum geht es bei der ­Ortsumfahrung Reisbach. Der BN hat zur Antwort der ­ egierung Mitte März nochmals R Stellung genommen, ein endgültiger Bescheid steht aus. Wenn nötig, wird der BN auch Rechtsmittel

mit dieser Aktion auf ein akzep­ tables Miteinander für Mensch, Baum und Biber – schließlich bietet ein solch innenstadtnahes Biberrevier auch Gelegenheit zu faszinierenden Naturbeobachtungen. Verdiente Medaille: Im Rahmen der Weihnachtsfeier der Stadt Simbach am Inn wurde im Dezember Marianne Watzenberger, Gründungsmitglied und Vorsitzende der BN-Ortsgruppe Unterer Inn, mit der Verdienstmedaille der Stadt ausgezeichnet. In seiner Laudatio würdigte Bürgermeister Günther Wöhl (rechts) ihr herausragendes ehrenamtliches Engagement und bezeichnete sie als

­ insetzen, um am Schleifmühlbach e zu retten, was noch zu retten ist. Kurt Schmid (as)

»Überzeugungstäterin«, die sich seit vielen Jahren für die Anliegen von Mensch, Umwelt und Natur einsetzt. Als Vorsitzende der Ortsgruppe liegt Watzenberger vor allem die Zusammenarbeit mit Schulen und Kindergärten am Herzen, um Kinder und Jugendliche für die Natur zu sensibilisieren und zu begeistern. Auch im Tierschutz hat sie durch die Pflege kranker oder verletzter Tiere sowie die

Aufzucht eines Biberbabys nach dem Hochwasser 2013 viel geleistet. Zur Auszeichnung gratulierten auch die stellvertretenden Bürgermeister Max Winkler, Mitglied der Kreisgruppe Rottal-Inn, und Thomas Klumbies (v. links).

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NATURNOTIZEN AUS NIEDERBAYERN

Baum und Biber: Nachdem in Straubing Biber auf Nahrungssuche begonnen hatten, Bäume am Donau-Ufer nahe der Innenstadt zu entrinden, wurde im Januar die BN-Kreisgruppe in Zusammen­ arbeit mit der Stadtgärtnerei aktiv. An ausgewählten Bäumen brachten die Aktiven ein Drahtgeflecht zum Schutz vor weiterer Benagung an. Ziel war es, optisch und stadtökologisch bedeutsame Ufer­ bäume zu erhalten, den streng geschützten »Baumeister Biber« dabei aber nicht gänzlich seiner Nahrung zu berauben, die in den Wintermonaten zwangsläufig vor allem aus Rinde und Baumknospen besteht. Die Kreisgruppe hofft

Bedrohte Idylle Der Wasserhalt des Hangquellmoors bei Reisbach könnte durch den Bau der Straße beeinträchtigt werden, fürchtet der BN.

Kreisgruppe Dingolfing-Landau

Foto: Madl

eit Beginn der Planungen vor über zehn Jahren kämpft die Kreisgruppe Dingolfing-Landau des BUND Naturschutz zusammen mit der örtlichen Bürgerinitiative gegen die Südumfahrung des Marktes Reisbach. Durch die 2013 begonnenen Baumaßnahmen ist das Hangquellmoor am Schleifmühlbach akut bedroht, der angrenzende Hangwald wurde bereits im Januar gerodet. Trotzdem ist es nicht zu spät, diesen Lebensraumkomplex vor der völligen Zerstörung zu bewahren. Um irreversible Schäden zu verhindern, müssten die Naturschutzbehörden jedoch so schnell wie möglich vorsorglich tätig werden. Dies beantragte die Kreisgruppe bei der Regierung von Niederbayern im November 2013 und stützte sich dabei auf das Umweltschadensund das Bundesnaturschutzgesetz. Die vorläufige Antwort Ende Januar: Umweltverbände seien erst nach dem Eintritt eines Umweltschadens antragsberechtigt. Trotz fraglicher Wirksamkeit der Ausgleichsmaßnahmen und der sich immer deutlicher abzeichnenden Schäden besteht bei den zuständigen Naturschutzbehörden offensichtlich keine Bereitschaft zum Handeln. Sie sehen tatenlos zu, wie die Straßentrasse die Lebensräume streng geschützter Arten, darunter Kammmolch, Gruben-Großlaufkäfer, Schmale Windelschnecke oder Haselmaus, zunehmend gefährdet.

Foto: Kroehling, BI Reisbach

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5. Bayerisches Kinder-Klima-Camp

Vom Sinn der Vielfalt

NATUR ERLEBEN Foto: Güthler

Foto: BN

um fünften Mal können Kinder beim Klima-Camp in Wartaweil selber forschen, entdecken und dazulernen – heuer zum Thema Biodiversität. Die Ammerseeregion mit ihrer bayernweit herausragenden Artenvielfalt bietet sich dafür besonders an. Los geht es mit dem Kennenlernen einiger Bio­ diversitätsbausteine. Im Mittelpunkt stehen dabei die Besonderheiten des Ammer-Loisach-Hügellands mit seinen Moorlandschaften, artenreichen Streuwiesen, Magerrasen und natürlich dem Ammersee mit seiner ­reichen Vogelwelt. Das handlungsorientierte Programm zeigt, was passiert, wenn Tiere und Pflanzen in Bayern und auf der Welt verschwinden. Danach sind findige Ideen gefragt um eigene Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln. Eine Hilfe sind dabei die praktischen Workshops zu den Themen »Biodiversität und Gerechtigkeit«, »Einfalt und Vielfalt« »Kommunikation und Konsum«. Unterstützung kommt von erfahrenen Referenten ebenso wie vom Clown­ theater. In der abschließenden Kinder-Klima-Konferenz diskutieren die jungen Experten und Expertinnen dann mit Politikern, Vertretern aus Wirtschaft, Kirche und Naturschutzverbänden. Die Ergebnisse der Konferenz werden den Eltern und dem interessierten Publikum im Rahmen einer gemeinsamen öffentlichkeitswirksamen Aktion vorgestellt.  Kinder-Klima-Camp vom 8. – 11. Juli 2014 im BN-Jugend- und Naturschutzzentrum Wartaweil am Ammersee, Anmeldung erforderlich  Kontakt: Naturschutz- und Jugendzentrum Wartaweil, Wartaweil 76/77, 82211 Herrsching, Telefon 0 81 52-96 77 08; wartaweil@bundnaturschutz.de

Kreativ in der Natur

Wer Kopf und Hände gleichermaßen beschäftigen will und die Natur als Lehrmeisterin der Ästhetik und Gestaltung kennenlernen möchte, hat in der dreiteiligen Kreativwerkstatt Gelegenheit seine eigenen Ausdrucksformen zu finden und das pädagogische Potential einer kreativen Annäherung an die Natur zu ergründen. Unter der Anleitung von Andreas Güthler und

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Wiebke Groß entstehen Kunstwerke aus Ästen, Steinen, und Blättern, Himmelszeichen und Lehmskulpturen.  Vom sinnlichen Erleben zum kreativen Tun; 23. – 24. Mai 2014, südliches Oberallgäu  Kreativwerkstatt Landart – Gestalten in und mit der Natur, 27. – 28. Juni 2014, Gunzesrieder Tal, Allgäu  Kreatives Gestalten mit ­Naturfarben & Lehm; 26. –  27. September 2014, Biberhof/ Sonthofen; Kontakt: BUND Naturschutz Naturerlebniszentrum Allgäu (NEZ), Tel. 0 83 239 98 87 60, Info@NEZ-Allgaeu. de; www.nez-allgaeu.de

Natur + Umwelt BN-Magazin [2-14]

Foto: KG Ingolstadt

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Junge Naturforscher in Aktion

Grünes Klassenzimmer

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inder sind von Natur aus neugierig und wollen alles ausprobieren und möglichst selber machen. Die Angebote der Naturakademie für Kinder, die die Kreisgruppe Ingolstadt seit vielen Jahren anbietet, kommen der kindlichen Neugier ebenso entgegen wie dem Spieltrieb. Unter kundiger Anleitung der Fachkräfte sowie mithilfe der Eltern können die aufgeweckten jungen Naturforscher Brennesselchips selber machen, einen Blick in den Bienenstock wagen und Honig schleudern, Kräuter sammeln für den Brotaufstrich oder Fröschen und Kröten über die Straße helfen – und so einen Beitrag zum Artenschutz leisten. Mit dem »Grünen Klassenzimmer« für Schulen und Kindergärten erreichen die Ingolstädter Umwelt- und Naturpädagogen alle Milieus. Die Exkursionen führen in den Wald oder an den Bach, begleiten eine Hecke oder Wiese im Jahreslauf oder stellen den Baumeister Biber und seinen Lebensraum vor. Die Inhalte werden mit den Schulen passend zum Lehrplan abgesprochen. Bei dieser etwas anderen Art von Lernen stehen eigene Erfahrungen und Sinneseindrücke im Mittelpunkt. Die Mitglieder der Gruppe »Kunterbund« wollen bei den Kindern Freude und Interesse an der Natur vor ihrer Haustür wecken.  Kontakt: BN-Kreisgruppe Ingolstadt, Georgine ­Müller / Lena Maly-Wischhof, Telefon 08 41-1 75 10, info@bn-in., www.bn-in.de

Wildbienen

Hier können die Teilnehmer das Institut für Biodiversitätsforschung in Ebern und die bunte Welt der Bienen kennenzulernen. Damit Sie wissen, womit Sie Bienen und Hummeln unterstützen können.  Ebern, 28. Juni 2014, ifbiInstitut für Biodiversitätsinformation; Kontakt: BN-Bildungswerk, Tel. 09 41-2 97 20 42, bildungswerk@bund-naturschutz. de

Wildniscamp

Fünf Tage Sommer, Badespaß, Lagerfeuer und nette Leute in schönster Natur! Ein Zeltlager

für alle, die wissen wollen, wie sie mit einfachsten Mitteln in der Natur zurecht kommen, wie sich Fledermausrufe anhören, wie man Spuren lesen und essbare Kräuter in der Natur finden kann. Und für alle, die einfach gern draußen sind und Abenteuer lieben. (Für Kinder von acht bis 13 Jahren.)  11. – 15. August, Zeltlagerplatz am Schwaltenweiher bei Seeg im Ostallgäu (Treffpunkt am Bahnhof Seeg), Kosten: 130 Euro (JBN-Mitglieder und ab 2. Kind einer Familie: 110 Euro), Infos/ Anmeldung bis 13. Juli 2014 beim NEZ, info@NEZ-Allgaeu. de, Tel. 0 83 23-9 98 87 60


Ihre Ansprechpartner beim BN

BN-Studienreisen, Tel. 09 115 88 88 20, www.bund-reisen.de

Mitgliederservice

In den Urwäldern Polens

(allgemeine Fragen zur Mitgliedschaft, Adressänderung) Tel. 09 41-2 97 20-65 mitglied@bund-naturschutz.de

Spendenbescheinigungen

Tel. 09 41-2 97 20-66 spendenservice@bund-naturschutz.de

Beratung zu Spenden, Anlassspenden und Vermächtnissen Claudia Ciecior Tel. 09 41-2 97 20-34 Claudia.Ciecior@bund-naturschutz.de

Zur Vogelpirsch nach Ungarn

Christine Stefan Tel. 09 41-2 97 20-11 Christine.Stefan@bund-naturschutz.de

Im Osten Ungarns sind die größten kontinentalen Pusztalandschaften Europas zu finden Die Hortobagy Puszta wurde im Jahre 1999 und die Weinregion von Tokaj im Jahre 2002 von der UNESCO in das Verzeichnis »Welterbe der Kulturgüter« aufgenommen. Ende Juni ist eine gute Beobachtungszeit, da viele Jungvögel schon ausgeflogen sind und die Greifvögel aktiv sind, um ihre Jungen zu füttern. Außerdem bietet die Region eine Vielfalt an Pflanzen, Schmetterlings- und Libellenarten.  Ungarn, 20. – 29. Juni 2014

BN-Stiftung

Auf Frankens Premium-Wanderweg

Christian Hierneis Tel. 09 41-2 97 20-35 Christian.Hierneis@bund-naturschutz.de

BN-Bildungswerk

Referentin: Ulli Sacher-Ley Tel. 09 41-2 97 20-42 ulrike.sacher-ley@bund-naturschutz.de

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Redaktion Natur+Umwelt Referentin: Luise Frank Tel. 09 41-2 97 20-22 natur+umwelt@bund-naturschutz.de

Herausgeber: BUND Naturschutz in Bayern e. V. (BN), vertreten durch Peter Rottner, Landes­ geschäfts­führer, Dr.-Johann-Maier-Str. 4, 93049 Regensburg, www.bund-naturschutz.de Leitende Redakteurin (verantw.): Luise Frank (lf), Tel. 09 41-2 97 20-22, Fax -31, natur+umwelt@ bund-naturschutz.de Redaktion: Holger Lieber (hl), Heidi Tiefenthaler (ht), Andrea Siebert (as) Mitglieder-Service: Tel. 09 41-2 97 20-29 und -20 Gestaltung: Gorbach GmbH, Utting a. Ammersee (Layout: Waltraud Hofbauer) Titelgestaltung: Gorbach GmbH Titelfoto: Klaus Leidorf Redaktion BUND-Magazin: Severin Zillich (verantw.), Am Köllnischen Park 1, 10179 Berlin, Tel. 0 30-27 58 64-57, Fax -40 Druck und Versand: Brühlsche Universitäts­ druckerei Gießen

Verlag und Anzeigen: BN Service GmbH, Eckertstr. 2, Bahnhof Lauf (links), 91207 Lauf an der Pegnitz, Tel. 0 91 23-9 99 57-30, Fax -99, info@service.bundnaturschutz.de Druckauflage 1-2014: 121.852 Bezugspreis: Für Mitglieder des BN im B ­ eitrag ­ent­­halten, für Nichtmitglieder Versandgebühr ISSN 0721-6807 BN-Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft München, IBAN DE27 7002 0500 0008 8440 00, BIC: BFSWDE33MUE Mit Namen gezeichnete Artikel geben nicht unbedingt die ­Meinung der ­Redaktion oder des BN wieder. Nachdruck nur mit Geneh­migung des BN. Für unverlangt e ­ ingesandte Artikel oder Fotos keine Gewähr. Die Redak­tion behält sich das Recht vor, Leserbriefe zu kürzen. »Natur+Umwelt« wird auf 100 % R ­ ecycling­­­­papier gedruckt.

Keine andere Wandertour zeigt die Wanderqualität in Franken ­so vielfältig auf wie der »Frankenweg«. Vom Norden Frankens führt er durch den Frankenwald, das grüne Mittelgebirge, in das sanfte Obere Maintal, ins Coburger Land, in die Höhlenlandschaft der Fränkischen Schweiz und in die Burgenwelt der Frankenalb. Nicht nur, aber besonders für aktive Senioren bestens geeignet!  Deutschland, 22. – 26. Juni 2014 und 24. – 28. August 2014

Auf dem Sonnenbalkon über den Dolomiten – Komfort-Trecking auf der Sarntaler Hufeisentour

Die Sarntaler Alpen sind das »sanfte Herz« von Südtirol. ­Rings­herum die Dolomiten, die Gipfel des gletscherbedeckten ­Alpenhauptkamms und der König Ortler – eine fantastische Aussicht! Das Hüttentrekking führt die Teilnehmer rund um das Sarntal. Gämsen, Murmeltiere und Adler leben hier. Es gibt Enzian, Gletscherhahnenfuß und verschiedene Orchideen, die die kundige Reiseleiterin zeigen wird.  Italien, 2. – 9. August 2014 Foto: Georg Herrmann

Haus- und Straßensammlung Ehrenamtlich aktiv werden

IMPRESSUM

Im Nordosten Polens, südlich von Masuren, befinden sich Naturräume von unvorstellbarer Vielfalt. Das riesige Sumpftal der ­Flüsse Biebrza und Narew sowie die Urwälder von Bialowieza und Knyszyn sind Vogelparadiese von internationalem Rang. Nirgendwo sonst in Europa kommen sieben Adlerarten nebeneinander in einem Gebiet vor. Im Herbst geht es auf Streifzügen auf die Suche nach Elchen, Bibern und Fischottern.  Polen, 12. – 21. Juni 2014 und 27. September – 4. Oktober 2014

Urwald, Seen und Dünen an der Bernsteinküste

Die Seen- und Waldlandschaft in Lettland und Litauen ist von einer einzigartigen Naturvielfalt. In Lettland besuchen die Reisenden die Slitere- und Kemeri-Nationalparke und die Hansestadt Riga. In Litauen steht der Besuch des Zemaitijos-Nationalparks und der Kurischen Nehrung auf dem Programm. Eine Bootsfahrt auf dem Haff in den Naturpark Memeldelta beendet die Rundreise.  Litauen und Lettland, 11. – 20. August 2014

[2-14] Natur + Umwelt BN-Magazin 

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BAYERNS MOORE

BRAUCHEN UNSERE HILFE! Über 95 Prozent der bayerischen Moore sind bereits ausgetrocknet.

MOORSCHUTZ IST KLIMASCHUTZ!

• Intakte Moore bieten seltenen Pflanzen und Tieren eine Heimat. • Moore speichern bis zu 6-mal mehr Kohlenstoff als Wälder gleicher Größe! • Moorige Feuchtgebiete leisten wertvollen Hochwasserschutz. 30 Euro reichen für den Kauf von 15 qm Moorgrundstück Manche Flächen müssen gekauft werden, damit Renaturierungs- und Entwicklungsmaßnahmen durchgeführt werden können.

120 Euro kostet die Entfernung von 100 m Entwässerungsrohren Drainagen und Entwässerungsgräben müssen geschlossen werden. Dazu sind oft erhebliche Erdbewegungen nötig.

500 Euro kostet eine kleinere Maßnahme zum Anstauen des Wassers Hierbei helfen Teams von Freiwilligen und bezahlten Arbeitern, teilweise sind Maschinen nötig. Auch Holz für die Stauwerke muss gekauft werden.

BIttE hElFEn SIE mit Ihrer Spende, dass wir trockengelegte Moore renaturieren und intakte Moore und Feuchtgebiete erhalten können. Spendenkonto BUND Naturschutz: IBAn: DE65 7002 0500 9300 0001 50 BIC: BFSWDE33MUE BUND Naturschutz in Bayern e.V. Landesgeschäftsstelle: Dr.-Johann-Maier-Str. 4 · 93049 Regensburg info@bund-naturschutz.de

www.bund-naturschutz.de

Natur+Umwelt 2-2014  

25 Jahre Grünes Band: Wo am Eisernen Vorhang einst Grenzen trennten, verbindet heute die Natur. Die Idee dazu kam aus dem BN.