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Natur+Umwelt Bund Naturschutz Magazin www.bund-naturschutz.de

Heft 2-2008 90. Jahrgang 2. Quartal

Zur Bayerischen Klimawoche vom 31. Mai bis 8. Juni


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eder i l g t i M n e b r e Mitglieder w Gewinnen Sie Freunde der Natur für den BN ! Sammeln Sie BN-Freundschaftspunkte. Für jedes neu geworbene Mitglied schreiben wir Ihnen einen BN-Freundschaftspunkt gut. Sie haben die Wahl: Sie können die BN-Freundschaftspunkte gleich

„einlösen“ oder mehrere Punkte ein Kalenderjahr lang sammeln. Ihre gesammelten Punkte gehen nicht verloren. Zum jeweiligen Jahresende benachrichtigen wir Sie über Ihren aktuellen Punktestand.

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Foto: Roggenthin

EDITOR IAL

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Blühende Vielfalt im Bund Naturschutz Über 200 BN-Delegierte aus den 76 bayerischen Kreisgruppen haben auf ihrer Versammlung Ende April in Bamberg wichtige Weichenstellungen für den Verband vorgenommen. Einstimmig wurde der Haushaltsplan beschlossen, denn Mitgliederwachstum und Ausgabendisziplin führten zu einer ausgeglichenen Finanzsituation. Ebenso einmütig stimmten die Delegierten für einen Leitantrag des Landesvorstandes zum Schutz der Biodiversität, für die Bewahrung von Bayerns Schönheit und Lebensqualität. Die Erhaltung des Lebendigen um uns in all seinen Facetten ist kein Luxus, sondern auch angesichts des Klimawandels schlicht eine Überlebensaufgabe. Wir setzen uns genauso engagiert für einen ersten fränkischen Buchennationalpark im Steigerwald wie für die Streuobstwiese und das Storchenbiotop in der Stadt oder am Rande des Dorfes ein. Weil Sie, liebe Leserin, lieber Leser, diesen Verband zusammen mit über 171 000 Mitgliedern und Förderern tragen, können wir phantasievoll und engagiert eintreten beispielsweise  für den Schutz der Donau vor der Kanalisierung,  für die Bewahrung des Fichtelgebirges und des Isentales vor neuen Autobahnen,  für die Bewahrung der Alpen vor weiterer Erschließung,  für die Rettung des Grünen Bandes als Symbol für das friedliche Zusammenwachsen mit unseren Nachbarn ebenso wie als Wanderkorridor für die Wildkatze,  für konkrete Klimaschutzmaßnahmen und gentechnikfreie Lebensmittel. Als für weitere vier Jahre gewählte Vorsitzende bedanken wir uns für das Vertrauen und wollen den inzwischen finanziell wieder konsolidierten und fachlich hervorragend positionierten Verband weiter voranbringen. Die Rolle des BN muss es sein,  noch stärker die Ursachen der Umweltzerstörung zu verdeutlichen, seien es Subventionen, weltweite Kapitalspekulationen, Beschlüsse der Bundes- oder Landesregierung,  für menschen- und umweltverträglichere Alternativen des Wirtschaftens mit der Natur zu kämpfen und  für faire und soziale Wettbewerbsbedingungen mit denen zu kooperieren, die noch für das Gemeinwohl und nicht für ihre eigenen wirtschaftlichen oder Machtund Parteiinteressen eintreten. Wir wünschen Ihnen, dass Sie sich über blühende Obstbäume und die Vielfalt der Grüntöne in der wiedererwachten Frühlingsnatur freuen und daraus die nötige Gelassenheit und Ausdauer für die Naturschutzarbeit schöpfen können. Ihr Prof. Dr. Hubert Weiger, Vorsitzender des BN Ihre Doris Tropper, stv. Vorsitzende des BN Ihr Sebastian Schönauer, stv. Vorsitzender des BN

Klimaschutz statt heißer Luft

Inhalt

Das Thema Klimawandel im Jahr 2008: mehr Worte als Taten in der Politik, mehr Lobby-Erfolge der Klimazerstörer, mehr Medienresonanz für Scheinlösungen und Klimaskeptiker als für die wirklichen Probleme und wirksamen Maßnahmen – und immer weniger Zeit für das dringend nötige Umsteuern. Ab Seite 10

Hang zum Herd Maria Kuczera hat mit 18 Jahren schon eine beachtliche Naturschutz-Karriere hinter sich und tritt erst mal ein bisschen kürzer. Aber nicht bei ihrer Leidenschaft, dem Kochen, denn »gutes Essen vermittelt am besten, was Ökologie wirklich bedeutet«. Seite 7

Trennkost und Nulldiät Um das Müllproblem, einst ein beherrschendes Umweltthema, ist es ruhig geworden, viele Fragen bleiben unbeantwortet: Ist Mülltrennung noch nötig, löst der Grüne Punkt alle Probleme, ist Einweg mit Pfand so gut wie Mehrweg? Unser Ratgeber serviert Antworten. Seite 8

RMD: Noch ein Koch verdirbt den Brei Unglaublich aber wahr: Ausgerechnet die RMD AG, die sich Riesengewinne durch Staustufen erhofft, wird jetzt mit der x-ten Untersuchung des Donauausbaus beauftragt. Protestieren Sie gegen solchen Unsinn, sammeln Sie Unterschriften für die frei fließende Donau! Seite 24 und beiliegende Unterschriftenliste

Gen-Food – nicht auf unsere Teller Der Landkreis Kitzingen scheint sich in diesem Jahr zum bayerischen Zentrum des Gen-Anbaus zu entwickeln. Winzer, Gastronomen und die Bevölkerung wollen die Gefahren für Weinbau, Tourismus und Gesundheit nicht hinnehmen und protestieren gemeinsam mit dem BN. Seite 30

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Intern 4 Danke, HansJürgen Buchner 6 Leserbriefe Portrait 7 Maria Kuczera Ratgeber 8 Müll vermeiden Titelthema 10 Klimaschutz statt heißer Luft 14 Sackgassen 16 Interview Hartmut Graßl 18 Transrapid-Aus 19 Ökolandbau 20 »Klimaskeptiker« widerlegt Jugendseiten 22 JBN-Festival DOitNAU Aktuell 24 RMD: der Bock als Gärtner 25 Rindersterben durch Strahlen 26 Kurznachrichten 28 Artenschutz im Landtag Fotoseite 29 Salamander Regional 30 Gen-Widerstand 31 Mittelfranken 32 Oberpfalz 33 Niederbayern 34 Oberbayern 35 Schwaben 36 Oberfranken 37 Unterfranken Bildung 38 WasSerleben 39 Termine, Impressum


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Danke, Hans-Jürgen Buchner Der Bund Naturschutz ehrte den Musiker Hans-Jürgen Buchner, berühmt als Kopf der Gruppe Haindling, mit der Bayerischen Naturschutzmedaille, um sich für dessen Einsatz für die Heimat zu bedanken.

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as würde Hans-Jürgen Buchner wohl selbst zu dieser Ehrung sagen, würde er die Natur in den Vordergrund stellen oder seine Künstlerglück Musik, sich vielleicht sogar musikaHans-Jürgen Buch- lisch bedanken? Buchner, bekannt ner (3. v. l.) freut für seinen »ganz eigenen Kopf«, tat sich mit den Vererst mal nichts von dem, sondern tretern des BN philosophierte über Gott und die über die Bayerische Naturschutz- Welt, im wahrsten Wortsinn. Warum nämlich, so frage er sich, sei denn medaille (von rechts: BN-Vorsitder Mensch so stolz auf seine zender Hubert Errungenschaften wie Handys oder Weiger, BN-Vize auf die Autos, mit denen er die Welt Sebastian Schönkaputt mache? Da spiele wohl bei auer, Buchners Frau vielen die Art und Weise mit, wie Ulrike Böglmüller, früher der Glaube vermittelt wurde; BN-Vize Doris Tropper und DNRdas einprägsame Bild von Gott als Präsident Hubert Mann mit weißem Bart, der sage, Weinzierl mit Ehe»macht Euch die Erde untertan«. frau Beate). Gegen die Auswüchse dieser Einstellung bezieht Buchner seit Jahrzehnten Stellung, in Liedtexten ebenso wie in Fernseh- oder Radiointerviews. Hier stelle er sich, wie Hubert Weinzierl, Präsident des Deutschen Naturschutzrings und langjähriger BN-Vorsitzender, in seiner Ansprache betonte, »vor die Landschaften, welche Basis unserer Kultur und unserer Zukunft sind«. Als »Botschafter unserer Heimat« habe er mit dem BN am Bauzaun von Wackersdorf gestanden, sich gegen Kernkraftwerke und Gentechnik gewandt und mit seinen Liedern »gegen den Schlussverkauf unserer

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Foto: Weigel

Foto: Lieber

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Welt angesungen«. Das Kernthema in Buchners naturschützerischem Engagement ist aber der Erhalt der frei fließenden Donau zwischen Straubing und Vilshofen. Dass dieser Flussabschnitt noch nicht mit Staustufen verbaut ist, daran habe der Musiker »ganz entscheidenden Anteil«, betonte BN-Vorsitzender Hubert Weiger in seiner Laudatio. Der BN sei dankbar, dass Buchner mit seinen künstlerischen Mitteln zusätzliche Akzeptanz für den Schutz der Donau geschaffen habe – gerade bei der jüngeren Generation, die er auf seinen Konzerten erreiche. Er sei sich sicher, so Weiger, dass er gemeinsam mit Buchner das Ende der Staustufenpläne erleben werde. Die Verleihung der Naturschutzmedaillie des BN an Hans-Jürgen Buchner fand am 6. April am Bogenberg nahe Straubing statt; einem Ort mit doppelter Symbolik, wie stellvertretende BN-Vorsitzende Doris Tropper hervorhob: Er erlaube mit seiner wunderbaren Aussicht nicht nur, die Naturschönheit der Donau zu genießen, sondern erinnere auch an ihre Gefährdung durch die immer noch geplante Kanalisierung. Stellvertretender BNVorsitzender Sebastian Schönauer rief dazu auf, Buchners Kraft und Optimismus mitzunehmen, um im Engagement für die Bewahrung der Heimat nicht zu verzweifeln. Buchner selbst jedenfalls, nach eigenen Worten seit 40 Jahren BNMitglied, betonte, wie gern er den Verband unterstütze, und versprach, auch künftig für den Naturschutz »bei jeder Gelegenheit Reklame zu machen«. (göß)

Service für Bildung – neues BN-Referat

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iele Ideen sind in den letzten Jahren in Projekten und Umweltstationen des BN vor Ort erprobt und auf den Weg gebracht worden. Dieses Wissen, die Erfahrungen und Methoden innerhalb und außerhalb des Verbandes weiterzugeben, wird eine der Hauptaufgaben des neuen Umweltbildungsreferates beim BN-Bildungswerk Regensburg sein. Ulli Sacher-Ley, die neue Referentin (im Bild links), kann als ehemalige Geschäftführerin der Kreisgruppe Regensburg, Lehrerin und selbständige Planerin auf vielfältige Erfahrungen im Bereich Bildung und Veranstaltungsorganisation zurückgreifen. Ihr Ziel ist es, den Aktiven vor Ort die Arbeit zu erleichtern, als Anlaufstelle in Fragen rund um das Thema Umwelt und Bildung konkrete Hilfestellung anzubieten und den Austausch unter den Umweltbildnern vor Ort zu verbessern. Mit Bettina Helmholz (im Bild rechts) im Sekretariat ist ebenfalls eine Frau mit BN-Erfahrung für den reibungslosen Ablauf und die Vorbereitung der Veranstaltungen verantwortlich. Das breite Angebot des BN für Kinder und Jugendliche will Ulli Sacher-Ley weiter in die staatlichen Bildungseinrichtungen integrieren, Erwachsenen die faszinierenden Lebensräume vor der Haustüre erschließen. Neben den BN-internen Aufgaben der Vernetzung und Vermittlung bildet die Vertretung nach außen einen weiteren Aufgabenschwerpunkt. Auch der Erfahrungsaustausch zwischen BN und Schule soll weiter intensiviert werden.


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Grüß Gott, hier spricht der BN

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ei Simon S. aus München klingelt das Telefon. Es meldet sich eine freundliche Stimme, sie gehört Stefanie Ruep (Foto) vom »telefonstudio b« aus Linz. Im Auftrag des Bundes Naturschutz telefoniert sie mit Mitgliedern und Förderern. Mehr als 170 000 Menschen sind das mittlerweile. Sie alle machen es möglich, dass sich ihr BN als einziger bayerischer Natur- und Umweltschutzverband seine Unabhängigkeit von staatlicher Förderung und von Geldern aus der Wirtschaft bewahrt hat. Damit das so bleibt, sind viele Mitglieder gerne bereit, sich über ihren Mitgliedsbeitrag hinaus finanziell zu engagieren, etwa mit einer Dauerspende. So wie Simon S., er gibt heute am Telefon den Auftrag für eine jährlich wiederkehrende Spende. Persönliche Daten wie seine Kontonummer muss er dabei nicht angeben. Selbstverständlich kann Simon S. seine Dauerspende jederzeit zum Jahresende kündigen. Auch wer sich eine am Telefon zugesagte Spende anders überlegt hat, kann diese ohne weiteres wieder rückgängig machen. Doch das tun die allerwenigsten. Denn die Mitglieder und Förderer des BN wissen, dass sie mit ihren Spenden viel Gutes für Bayerns Natur und Umwelt bewirken. Herzlichen Dank, Herr S.! Und herzlichen Dank allen anderen, die ihren BN zu dem starken Verband machen, der er heute ist. Gerne beantworten wir Ihre Fragen zu diesem Thema. Ihre Ansprechpartnerin ist Christine Stefan-Iberl, Tel. 09 41-2 97 20-11.

Foto: Bisping

Foto: Firsching

Foto: telefonstudio b

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Beckstein sagt Gebäudesanierung zu

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ie lassen sich Bayerns Schönheit und Zukunft durch integrierten Natur- und Umweltschutz sichern? Diese Frage war der zentrale Inhalt des ersten offiziellen Gesprächs zwischen dem bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Günther Beckstein und den drei Landesvorsitzenden sowie dem Landesbeauftragten des Bundes Naturschutz. Im Bereich der Klimaschutzpolitik gibt es neben dem nicht ausräumbaren Dissens über die Atom- und die Verkehrspolitik zwischen dem BN und der Staatsregierung erfreuliche Übereinstimmungen. So sagte Beckstein die vorbildhafte energetische Sanierung aller staatlichen Gebäude bis 2011 zu. Hierfür würden, wenn nötig, über die im »Klimaprogramm Bayern« zusätzlich veranschlagten 150 Millionen Euro weitere Mittel bereitgestellt. Der BN-Landesvorsitzende Hubert Weiger und seine Stellvertreter Doris Tropper und Sebastian Schönauer sehen darin einen wichtigen Erfolg. Seit Jahren war diese staatliche Vorbildwirkung vom BN ebenso wie von der Landtagsopposition und dem bayerischen Rechnungshof gefordert worden. Weitere Themen des Spitzengesprächs waren der Einsatz für Gentechnikfreiheit, Förderung einer ökologischen Landwirtschaft, Schutz der Biodiversität und Stopp des Flächenverbrauchs. Die detaillierte Position des BN für das Beckstein-Gespräch lesen Sie unter www.bund-naturschutz.de/ magazin.

Bene Bisping ist Bürgermeister

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ie bayerischen Kommunalwahlen im März brachten so manche Überraschung – oft im Zeichen ökologischer Themen, die vielerorts den Wahlkampf beherrschten. In München etwa gewann Oberbürgermeister Christian Ude deutlich hinzu, weil er mit der großen Mehrheit der Wähler den Transrapid eindeutig ablehnte. Im Landkreis Freising war der frühere BN-Artenschutzreferent Christian Magerl nahe dran, mit seinem Kampf gegen eine dritte Startbahn am Flughafen München erster grüner Landrat Bayerns zu werden. In Lauf an der Pegnitz triumphierte Benedikt Bisping, bisher Geschäftsführer der BN Service GmbH, in der Stichwahl mit für einen grünen Kandidaten sensationellen 63 Prozent der Stimmen. Viel Sympathie hatte ihm im Wahlkampf sein lokales Klimaschutzziel gebracht: Bis 2030 sollen alle städtischen Einrichtungen zu 100 Prozent klimaneutral erzeugte Energie nutzen. Außerdem will Bisping als Rathauschef der 27 000 Einwohner großen Pegnitz-Stadt für mehr Bürgerbeteiligung sorgen. »Ich möchte die Menschen in einen Ideenwettbewerb um die gemeinsame Zukunft bringen«, sagte Bisping im dpaInterview. Als Geschäftsführer der BN Service GmbH, die er in zehn Jahren mit aufgebaut hat (N+U 1-08), hört Bisping auf. Dem BN wird der »WAA-Veteran« und frühere Chef der Jugendorganisation JBN aber natürlich treu bleiben. BN und N+U-Redaktion freuen sich darauf, gratulieren herzlich zum großen Wahlerfolg und wünschen viel Glück fürs neue Amt.

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Schönes Plakatmotiv Zur Titelseite »Säulen der Natur« von N+U 1-08 Ich möchte mich für das wunderschöne Titelfoto »Die Säulen der Natur« bedanken und anregen, davon Poster zum Verkauf anzufertigen. Hermann Warth, Landsberg/Lech Anmerkung der Redaktion: Wir haben die Anregung gerne aufgegriffen und die Titelseite (kleines Bild links) als DIN-A2Plakat gedruckt. Einzelexemplare kostenlos bei der BN Service GmbH, Tel. 0 91 23-99 95 70, info@service.bund-naturschutz.de.

Foto: Mirwald

Schreiben Sie uns! Wir freuen uns auf Ihre Meinung: BN-Magazin »Natur+Umwelt«, Dr.-JohannMaier-Str. 4, 93049 Regensburg, Tel. 09 41-2 97 20 22, Fax 2 97 20 31, nu@bundnaturschutz.de

Ihr Manfred Gößwald, leitender Redakteur

Foto: Pöhnl

Die neue Ausgabe der N+U animiert mich bei der Headline »Säulen der Natur«, ein Bild eines Kronen-Pfades aus dem »Urlaubsparadies« Maibrunn im »Herzen des Bayerischen Waldes« zu schicken. Es ist ein weiterer markanter Schritt dessen, was als Natur-Tourismus (miss-)verstanden wird. Herbert Pöhnl, Viechtach

Nicht auf Kosten anderer Zum Beitrag »Schnurlose Telefone. Gefährlich oder nicht?« in N+U 1-08 Warum sollte es in Ordnung sein, vielleicht die Nachbarn gesundheitlich zu schädigen, nur weil jemand ein DECT-Telefon haben möchte? Wenn die Strahlung nur auf die eigenen vier Wände begrenzt wäre, dann könnte man die Menschen selbst entscheiden lassen. Ich jedoch wähle keine Freiheit auf Kosten von anderen. Ganz besonders dann nicht, wenn es um Gesundheit geht! Anke Kern, Kempten Die Sendeleistung liegt bei den ungeregelten schnurlosen Telefo-

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nen wärend des hochfrequenten Sendepulses etwa zwischen 50 und 100 mW. Handys werden entsprechend der Funkversorgung zwischen ungefähr 2 mW und 1 mW immer geregelt; durchschnittlich liegt die Leistung im Puls vergleichbar mit schnurlosen Telefonen – damit wäre die Belastung während eines Gespräches sogar in etwa gleich. Außerhalb der Gesprächsund Umbuchzeiten, die im Vergleich zu den Ruhephasen gering sind, strahlt das Handy jedoch nur äußerst selten, die Basisstation der üblichen schnurlosen Telefone hingegen immer mit 100 Pulsen pro Sekunde. Fazit: Im Schnitt belasten schnurlose, ungeregelte Telefone wesentlich mehr als Handys und wegen der Nähe auch viel mehr als Mobilfunkbasisstationen. Gerhard Knobloch, Bayreuth

Wichtige Jagd im Nationalpark Zum Beitrag »Mehr Schein als Sein?« in N+U 1-08 Volker Hoffmann sollte froh sein, dass im Nationalpark Eifel »mehr geballert wird als je zuvor« und »gar Treibjagden stattfinden«. Ohne eine drastische Dezimierung jahrzehntelang (zum Beispiel durch unnötige Fütterung) überhegter Reh- und Rotwildbestände wird es kaum möglich sein, die Fichtenforste in standortgemäße Buchenwälder umzuwandeln. Dabei ist die Treibjagd (oder besser Drückjagd) eines der wirksamsten Mittel, auch aus naturschutzfachlicher Sicht. Die Beeinträchtigungen des Wildes beschränken sich dabei auf wenige Tage und entsprechen zudem am ehesten der Jagd, wie sie früher durch Wolfsrudel stattgefunden hat. Markus Müller, per E-Mail

Verfassung nicht missbrauchen Zum Beitrag »Volksbegehren erfolgreich gestartet« in N+U 1-08 Der Verweis von Innenminister Joachim Hermann auf Artikel 73 der Verfassung des Freistaates Bayern (»Über den Staatshaushalt findet kein Volksentscheid statt«) ist aus Sicht der Transrapid-Befürworter ver-

ständlich. Sollte sich allerdings diese Einschätzung durchsetzen, würde das eine schwer zu meisternde Hürde für zukünftige Volksbegehren bedeuten. Direkt oder indirekt wirkt sich fast jedes Gesetz auf den Haushalt des Freistaates aus. Die Mitglieder der Staatsregierung und die Vertreter der Landtagsmehrheit müssen sich somit fragen lassen, ob sie zukünftig den Artikel 73 als Volksentscheidverhinderungsartikel missbrauchen wollen. Michael Schropp, Ismaning Redaktion: Mehr zum Aus für den Transrapid und zur inzwischen erfolgten Nichtzulassung des Volksbegehrens lesen Sie auf Seite 18.

Windmühlen sind lebendig Zum Leserbrief »Öko ist nicht immer schön« in N+U 1-08 Gut, dass Sie das Thema immer mal wieder zur Diskussion stellen. Was der Verfasser des Leserbriefs aber vergisst: Die Überlandleitungen, die insbesondere von den Großkraftwerken ausgehen und die deutschen Lande durchziehen, sind in meinen Augen noch weniger schön. Bei den Windmühlen bewegt sich wenigstens was, sie sind lebendig, während die grauen Gittermasten nur hässlich sind und die tiefhängenden Leitungen Smog verbreiten. Hartmut Heßler, Sauerlach

Falsche Fledermaus Vielen Dank für Ihre informativen Artikel zur Bedeutung der Buchenwälder und über den zukünftigen Nationalpark im Steigerwald. Ich möchte hiermit nur anmerken, dass das Fledermaus-Foto auf Seite 11 nicht die Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii) zeigt, sondern vielmehr das Braune Langohr (Plecotus auritus). Matthias Hammer, Koordinationsstelle für den Fledermausschutz in Nordbayern Redaktion: Wir bedanken uns bei den aufmerksamen Lesern, denen der Fehler aufgefallen ist.

Fotos: Stephan, Willner

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Das Braune Langohr

Bechsteinfledermaus


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und 25 000 Mitglieder umfasst die Jugendorganisation Bund Naturschutz (JBN). Und mindestens ebenso zahlreich dürften die Gründe und Anlässe sein, warum sich junge Leute hier engagieren. Bei Maria Kuczera, 18, war es eher ein Zufall, der sie zur JBN führte, ein Zufall wie ihn normalerweise das Kabarett schreibt – oder eben das Leben. Es war vor vier Jahren, als sie mit ihrer Familie gerade nach Erlangen gezogen war, ihr die Stadt noch so fremd vorkam und die Schule sie ebenfalls nicht gerade begeisterte. Um etwas Sinnvolles für sich zu finden, machte sie sich mit einer Freundin auf den Weg zum städtischen »Büro für aktive Bürgerinnen und Bürger«. Just an diesem Nachmittag hatte das »Amt fürs Ehrenamt« jedoch geschlossen. »Macht nichts«, munterte sie die Freundin auf, »schauen wir mal zur JBN!« Anfangs, so erinnert sich Maria Kuczera, habe sie sich auch hier fremd gefühlt. Irgendwann hielt sie ihr Unbehagen nicht mehr aus, kritisierte, was ihr nicht gefiel, wollte dem Bund Naturschutz schon Adieu sagen – und stieß auf unerwartete Resonanz. Das nämlich hatte sie noch nie erlebt: Dass man ihre Kritik ernst nahm und sie sogar darin unterstützte, das zu ändern, was ihr nicht passte. Sie erkannte: »Hier hast Du Deinen Platz!« Die JBN entwickelte sich zu einem »Sprungbrett ihrer Entwicklung«, wie sie es heute nennt. Endlich gab es da eine Jugendorganisation, die nicht nur nach innen wirken, sondern mit ihrem ökologischen Anspruch etwas bewirken wollte. »Das suchen Jugendliche«, ist die ebenso nachdenkliche wie zielstrebige Schülerin überzeugt. »Und die JBN«, so fährt sie fort, »bietet allen einen Zugang .«

Ideenreiche Impulsgeberin Entsprechend ging es auch in ihrem eigenen JBNEngagement Schlag auf Schlag: Sie wird Vorstandsmitglied in der JBN-Erlangen, im Erlanger BN-Kreisvorstand, im Stadtjugendring und im Landesvorstand des BN. Überaus erfolgreich ist ihr Bemühen, Jugendgruppen ins Leben zu rufen oder neu zu aktivieren. In Nürnberg hilft sie, einen mittelalterlichen Turm zum jugendlichen Treffpunkt (N+U 4-07) auszubauen, in Langenzenn führt sie eine von Müttern betreute Kindergruppe über in eine Jugendgruppe, die ohne Erwachsene zurechtzukommen lernt. Bei spektakulären Umweltaktionen ist sie nicht nur so dabei, sondern mit ihren Ideen eine wichtige Impulsgeberin. Sie organisiert mit einem Dritte-WeltLaden eine Recyclingpapieraktion, engagiert sich für umweltverträgliche Mobilität und gegen die Südumgehung von Erlangen. Auf den Verbraucherberatungsta-

gen 2007 zum Thema Ernährung sorgt sie mit ihrer JBN-Gruppe für die öko-kulinarischen Hochgenüsse aus der Region. Dass der jungen Naturschützerin das Thema Essen besonders am Herzen liegt, hat etwas mit ihrer polnischen Herkunft zu tun. »Marysia« Kuczera ist es wichtig, die Tradition der Kochkultur am Leben zu erhalten, wie sie sie von den Großeltern erlernt hat. In ihrem Freundeskreis ist sie bekannt für einzigartige Teigtaschen-Feste, auf denen gemeinsam gekocht und gefeiert wird. »Mit dem Essen«, so weiß sie, » kannst du im Naturschutz unheimlich viel vermitteln.« Irgendwann aber – das Rad ihrer umweltpolitischen Aktivitäten drehte sich immer schneller – befiel Maria Kuczera ein wenig Angst vor der eigenen Courage. Was

»Wissen, was man isst.« Im Freundeskreis ist Maria Kuczera berühmt für ihre Kochkünste. »Gutes Essen vermittelt am besten, was Ökologie wirklich bedeutet«, sagt sie.

Maria Kuczera

Foto: Markl-Meider

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Eine Amazone mit Hang zum Herd

Naturschutz lebt – von guten Ideen und gutem Essen. Davon ist die 18-jährige Maria Kuczera überzeugt. In der Jugendorganisation des BN sieht sie den richtigen Platz, um ihre Ideale zu verwirklichen. Aber auch um gemeinsam zu kochen. Von Christoph Markl-Meider zuerst nur als Ausgleich zur Schule gedacht war, füllte plötzlich ihr ganzes Leben aus. Nach und nach ruderte sie zurück, sortierte sich neu und entdeckte, dass es auch die »Natur des Menschen« zu berücksichtigen gilt. »Ich wollte wieder langsamer leben«, erklärt sie. Auf dem Weg zum Erwachsenwerden ist es nichts Außergewöhnliches, auch andere Richtungen einzuschlagen. Im Schultheater fand Maria Kuczera eine erste Antwort auf die Frage, welche Möglichkeiten es noch gibt, um ihrer Persönlichkeit Ausdruck zu verleihen. Immerhin spielte sie als kämpferische Amazone in Kleists »Penthesilea« eine Rolle, die selbst der erfahrenen Umweltaktivistin ungeahnte Fähigkeiten abverlangte. In diesen Tagen schreibt Maria Kuczera ihr Abitur. Dann beginnt wieder ein neuer Lebensabschnitt. Bevor sie aber wie geplant das Studium der Kulturgeografie aufnimmt, möchte sie zuerst etwas Geld verdienen und eine große Reise unternehmen. »Manchmal haben wir in der JBN über Gott und die Welt geredet und für alles eine Lösung gewusst«, blickt sie zurück. »Jetzt will ich diese Welt selbst kennenlernen.«

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Kontakt JBN Erlangen, Helmstr. 1, 91056 Erlangen, erlangen@jbn.de


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Abfälle vermeiden, sortieren, verwerten

Biomüll, Papier und Verpackungsabfälle zu trennen und zu recyceln, hat sich bewährt. Das oberste Gebot lautet aber immer noch: Müll vermeiden.

Illustrationen: Wesner

Trennkost für die einen – Nulldiät für die anderen Gelbe Tonne richtig nutzen Leider sind Gelbe Tonne und Gelber Sack keine Allesfresser für Wiederverwertbares. Der kaputte Fahrradhelm hat darin ebenso wenig zu suchen wie die Alupfanne oder die Abdeckplane. Das alles sind Kandidaten für den Wertstoffhof. In die gelben Behälter gehören nur Verpackungen, es sei denn, sie bestehen ausschließlich aus Papier oder Pappe ohne Kunststoffbeschichtung. Wo Verpackungsabfälle auf dem Wertstoffhof erfasst werden, nutzen Sie bitte dieses System. Machen Sie sich aber nicht zum Komplizen von Trittbrettfahrern. Manche Drogerie-Ketten betreiben vordergründig ein eigenes Rücknahmesystem. So sparen sie die Lizenzgebühren für den Grünen Punkt – und bauen darauf, dass die meisten Kunden den Abfall doch in die Gelbe Tonne werfen. Boykottieren Sie diese Läden, oder machen Sie ernst und bringen den Müll wirklich wieder hin.

Abschied vom Trennen? Der Trenneifer der Deutschen ist ungebrochen. Doch es kursieren Gerüchte, wonach die Wertstoffe »eh verbrannt oder wieder zusammengekippt werden«. Überdies seien die Bemühungen von Otto Normalsortierer angeblich eher rührend angesichts der Leistungen moderner Abfallfabriken. Lassen Sie sich nicht beirren: Solche Anlagen sind erst vereinzelt im Einsatz, und bei Papier oder Pappe, Altglas und Biomüll geht es sowieso nicht ohne die Mülltrennung im Haushalt. Gewisse Ausrutscher in der Recyclingbranche dürften mit dem Anstieg der Rohstoffpreise selten werden.

BN Service GmbH Gut informiert sein, besser reisen – am besten mit der BN Service GmbH: Dieses Mal gibt es hochwertige Wohnaccessoires aus dauerhaften Stoffen und natürliche Wohlfühlmittel für Körper und Seele.

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Dinkelkatze

Schale Rosenblüte

Schmusekatze mit Kräutern gefüllt, die für tiefen, erholsamen Schlaf sorgen. Der Dinkelspelz stammt aus biologischem Anbau und wurde doppelt entstaubt und gereinigt. 25,00 Euro

Eine Rosenblüte als Blickfang für Garten oder Terrasse: Die Schale ist im Antik-Look aus rostigem Stahlblech gefertigt und eignet sich als Dekoration für jede Jahreszeit. Durchmesser circa 25 Zentimeter, Höhe circa 12 Zentimeter. 24,50 Euro

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Geflochtene Sitzauflage Geflochtene Sitzauflage, wärmend und dekorativ. Ideal auch zum Mitnehmen im Rucksack. Größe: 40 mal 40 Zentimeter. Material: 100 Prozent Wollfilz. Farbe: braun, blau oder rot. 34, 00 Euro


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Wo ein Abfall ist, ist auch ein Weg Trojanischer Sondermüll Knopfzellen und Batterien verstecken sich mittlerweile in einer Unzahl harmloser Gegenstände: sprechende Grußkarten und blinkende Sportschuhe zählen dazu ebenso wie LED-Schlüsselanhänger, Fahrradtachos, Fieberthermometer oder Pulsuhren samt Brustgurt. Die Knopfzellen sind zuweilen sogar fest eingebaut. Sie können sie wie alle Batterien und Akkus im Handel, auf Wertstoffhöfen oder im Giftmobil abgeben. Auch Leuchtstoffröhren oder Energiesparlampen dürfen wegen des eingeschlossenen Quecksilberdampfes keinesfalls in den Restmüll.

Rat holen, nachlesen  Infos zu fairem Handel mit Altkleidern bei Fairwertung e.V., Hüttmannstraße 52, 45143 Essen. Angeschlossen sind in Bayern unter anderen Diakonia, Aktion Hoffnung und Chance eine Welt.  Tauschringe im Internet zum Beispiel bambali.net, tauschrausch.de  Bei Unklarheiten: örtliche Behörden oder Verbraucherzentralen fragen  Bei speziellen Fällen: Entsorgerdatenbank abfallshop.de

Zehn Tipps rund um den Abfall:  Bei Getränken und Milchprodukten Mehrweg bevorzugen (Label rechts oben).  Pfand bedeutet nicht automatisch Mehrweg (zweites Label von oben: Einweg trotz Pfand).  Informieren Sie sich über das System der Abfalltrennung bei der Abfallberatung Ihrer Kommune.  Gelbe-Tonne-Abfälle müssen nur leer, aber nicht ausgespült sein.  Alte Elektrogeräte nimmt die kommunale Sammelstelle an.  CDs und DVDs nehmen viele Computermärkte zurück.  Keine Abfälle und Essensreste in Toilette oder Abfluss!  Altöl und leere Motorölflaschen zum Händler: Die Entsorgung haben Sie dort mitbezahlt.  Medikamente sind Sondermüll.  Altkleider möglichst bei »Fairwertung e.V.« entsorgen (siehe Rat holen, nachlesen).

Der Königsweg: Abfall vermeiden Schon beim Einkauf bestimmen Sie die spätere Abfallmenge. Getränke und Milchprodukte kaufen Sie am besten im Mehrwegbehälter. Bei anderen Nahrungsmitteln können Sie durch Einkauf auf dem Markt Müll vermeiden. Auch die Konsumgüter selbst werden irgendwann zu Abfall. Je später umso besser. Bedroht beispielsweise eine neue Modewelle Ihre Garderobe – ziehen Sie den Änderungsschneider zu Rate. Zuweilen ist Ausmisten aber unvermeidlich. Bevor Sie gleich zum Wertstoffhof fahren: Sehen Sie sich nach Second-Hand-Läden, Flohmärkten oder anderen Möglichkeiten zur Weitergabe um. Auch per Kleinanzeige, über Tauschringe oder Online-Auktionen finden ausgediente Spielwaren, Kinderkleider, Computer oder Elektrogeräte Abnehmer. Das ist ökologisch fast immer sinnvoller als Wegwerfen.

Arnika-Tonikum

Einkaufstasche Greti

Aus der ersten Arnika-Plantage in Bayern: altbewährtes Naturheilmittel zum Einreiben. Pflegt Haut, Gelenke und Muskulatur nach dem Sport oder der Arbeit. Inhalt: 100 Milliliter. 5,90 Euro

Aus reinem Filz, mit Leinen gefüttert. Die Tasche hat zwei Henkelgriffe und ist in den Farben grau, rot und blau erhältlich. 45,00 Euro

Naturseife

Plüschtier Feldhamster

Duftende Seife mit Minzeblättern, Ringelblume oder Kamille. Handgerührt und handgegossen, mit dekorativen Inhaltsstoffen und ätherischen Ölen. 3,90 Euro

Samtig weicher Feldhamster aus hochwertigem Plüsch, CE-zertifiziert. Größe circa 15 Zentimeter. Waschbar bei 30 Grad. 9,90 Euro

Bestellen Sie hier! BN Service GmbH, Bahnhof Lauf (links Pegnitz), Eckertstr. 2, 91207 Lauf a. d. Pegnitz, Tel. 0 91 239 99 57-20, Fax 0 91 23 -9 99 5799, info@ service.bundnaturschutz.de

www.service.bund-naturschutz.de


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Nach den erschütternden Warnungen des UN-Klimarats 2007 haben die Politiker reagiert, zumindest verbal. Bundeskanzlerin Merkel gab die bisher weitest reichenden Reduktionsziele bekannt und machte sich medienwirksam die alte BUND-Forderung nach CO2-Gerechtigkeit zu eigen. Auch Bayerns Regierung signalisierte mit ihrem Klimagipfel auf der Zugspitze Handlungswillen und richtete einen Klimabeirat mit dem renommierten Wissenschaftler Hartmut Graßl ein (Interview Seite 16). Aber jetzt ist 2008 und der Elan vom letzten Jahr vorbei. Automobil-, Strom-

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und Stahlindustrie setzen ihre Interessen nach und nach wieder durch. »Zweifler am Klimawandel« finden trotz ihrer abstrusen Theorien wieder Resonanz in den Medien (Seite 20). Alternativen wie die Atomkraft werden in den Vordergrund gerückt, die nur den Blick auf echten Klimaschutz verstellen (Seite 14).

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eit einigen Monaten ist der Klimaschutz weitgehend wieder aus den Schlagzeilen verschwunden. Doch auf politischer Ebene und in den Energiekonzernen wird intensiv um die Zukunft der Energiepolitik gerungen. Die Erkenntnis, dass Nichthandeln teurer kommt als sofortiges Umsteuern, mit Priorität für Energieeinsparung sowie dezentrale und erneuerbare Energien, stößt auf knallharte wirtschaftliche Interessen der großen Energiekonzerne. E.ON beispielsweise hat kein Geschäftsfeld »energetische Gebäudesanierung«, sondern will seine abgeschriebenen Atomkraftwerke weiter als »Gelddruckmaschinen« laufen lassen. Ein weiteres Beispiel: E.ON plant ein riesiges Kohlekraftwerk in Großkrotzenburg im hessisch-unterfränkischen Grenzgebiet. Es soll sechs Milliarden Kilowattstunden pro Jahr ohne Kraft-Wärme-Kopplung erzeugen. »Wir lehnen diesen ökologisch wie ökonomisch unvertretbaren Anschlag auf den Klimaschutz klar ab«, erklärt dazu der energiepolitische Sprecher des BUND, Dr. Werner Neumann. Die Alternativen des BN und des


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BUND liegen klar auf der Hand: Die Stromversorgung beziehungsweise die Bereitstellung von Energiedienstleistungen könnten mit Maßnahmen zur Stromeffizienz, dem Ausbau lokaler, dezentraler Stromerzeugung in Kraft-Wärme-Kopplung und erneuerbarer Energien in gleichem Umfang sichergestellt werden; dabei wären die CO2- und Schadstoffemissionen um mehr als 80 Prozent geringer als bei dem neuen Kohleblock. Die dadurch vermiedenen Klima-Schadenskosten lägen bei mehr als 500 Millionen Euro im Jahr, legt man die vom Umweltbundesamt bezifferten 100 Euro Folgekosten pro Tonne emittiertes CO2 zugrunde.

CO2-Sünder Bayern Diese volkswirtschaftlichen Schäden und die Gefährdung von Mensch und Natur durch neue Kohlekraftwerke oder den wieder diskutierten Neubau und Weiterbetrieb von Atomkraftwerken müssen verhindert werden, um den Weg für eine ehrliche Energieund Klimaschutzpolitik nicht zu verbauen. Dies gilt

insbesondere für Bayern. Der CO2-Ausstoß des Freistaats stagniert seit 1990, dem Bezugsjahr für die Kyoto-Beschlüsse. Berücksichtigt man Effekte wie den statistisch nicht erfassten Tanktourismus, haben die Emissionen sogar zugenommen. Bayern ist damit meilenweit von dem 40-Prozent-Reduktionsziel bis 2020 entfernt, das die Bundesregierung beschlossen hat. Der bayerische Ministerpräsident Günter Beckstein hat zwar angekündigt, Bayern zum Klimaschutzvorreiter zu machen. Dazu bedarf es jedoch klarer Ziel- und Maßnahmenfestlegungen. Genau davor aber hat man sich im »Klimaprogramm Bayern 2020« in vielen Bereichen »gedrückt«. Der Bund Naturschutz fordert die Staatsregierung auf, endlich »Nägel mit Köpfen« zu machen. Nach jahrelangem falschem Vertrauen auf die Hilfe der Atomkraft muss nun endlich dem aktiven Klimaschutz der Weg bereitet werden. Dabei ist es unabdingbar, selbst mit gutem Beispiel voranzugehen: mit der energetischen Sanierung der öffentlichen Gebäude, mit einer

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Fotos: Roggenthin

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Die Autoren Prof. Dr. Hubert Weiger ist Landesvorsitzender des BN und Bundesvorsitzender des BUND, Richard Mergner ist Landesbeauftragter des BN.


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Mehr Info Die detaillierten Positionen des BN für das Gespräch mit Ministerpräsident Beckstein finden Sie unter www.bund-naturschutz.de/magazin.

energiesparenden Verkehrspolitik, die dem öffentlichen Verkehr Priorität einräumt, beim Tempolimit, mit dem Verzicht auf neue Straßen und Flughäfen sowie der Fortführung der ökologischen Steuerreform und einer Förderpolitik für eine energie- und ressourcensparende Wirtschaft. Ein erster Lichtblick ist die Zusage des Ministerpräsidenten gegenüber den BN-Landesvorsitzenden (Seite 5), dass bis zum Jahr 2011 die energetische Sanierung aller staatlichen Gebäude in Angriff genommen und die hierfür nötigen Mittel bereitgestellt werden. Außerdem will Beckstein die Kraft-Wärme-Kopplung in Bayern ausbauen, ohne sich jedoch auf klare Ziele festzulegen.

Der Bund Naturschutz setzt sich für ein umfassendes bayerisches Klimaschutzprogramm ein, das konkret bei den folgenden Handlungsfeldern ansetzen muss. Energetische Gebäudesanierung Bayern ist unter allen Bundesländern Spitzenreiter bei der Fördermittelvergabe der Kreditanstalt für Wiederaufbau. Im vergangenen Jahr flossen Kredite von rund 1,3 Milliarden Euro zur Gebäudesanierung in den Freistaat. Um jedoch bei der Gebäudeheizung bis 2010 eine Einsparung von 30 Prozent zu erzielen, müssen jährlich vier Prozent aller bayerischen Wohngebäude saniert werden. Das kommt einer Investition von sie-

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ben Milliarden Euro jährlich gleich. Dies wäre ein Konjunkturprogramm für den heimischen Mittelstand: für Maler, Verputzer, Glaser, Installateure, Energieberater und die Dämmstoffwirtschaft.

Strom Sparen und erneuerbare Energien Große Stromspar-Potenziale bieten der Einbau moderner Umwälzpumpen in Heizkreisläufen, sparsame Kühlschränke und andere Haushaltsgeräte sowie die Verhinderung heimlichen »Stand-By-Verbrauchs« von Elektrogeräten. Die Subvention der Elektrowärmepumpe muss abgeschafft werden, da sie zu einem vermehrten Kohlestrombedarf gerade im Winter führt. Im Gegenzug muss der Ausbau der erneuerbaren Energien mit den bisherigen Wachstumsraten fortgeführt werden, die Behinderung von Windkraftanlagen in Bayern muss der Vergangenheit angehören. Die natürlichen Bedingungen für erneuerbare Energien sind in Bayern hervorragend. Bis 2020 können zwei Drittel des Strombedarfs aus Sonne, Wind, Wasser, Biomasse und Geothermie gedeckt werden, den Rest können Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung und Blockheizkraftwerke liefern.

Ökologische Verkehrspolitik Der Straßenverkehr trägt mehr als ein Drittel zu den CO2-Emissionen Bayerns bei, daran hat der PKW-Verkehr den Löwenanteil. Schon mit einfachen Maßnahmen wie Tempolimit, Fahrgemeinschaften und dem Zurücklegen kurzer Strecken mit dem Fahrrad oder zu


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Auf zur Klimawoche! Am 31. Mai beginnt die »Bayerische Klimawoche«, veranstaltet vom Klimabündnis, dem auch der BN angehört, und »Bayern 3«. Bis 8. Juni gibt es bayernweit Ausstellungen, Filmdarbietungen, Führungen, Wettbewerbe, Beratungstage und vieles mehr. Der BN lädt unter anderem zum Rad-Wandertag der Kreisgruppe Kulmbach am 1. Juni und zum Vortrag Energieeinsparen an Alt- und Neubauten der Kreisgruppe Würzburg am 4. Juni. Alle Veranstaltungen finden Sie unter www.klimawoche.bayern.de.

Fuß lassen sich mehr als zehn Prozent des CO2 des Straßenverkehrs einsparen. Die Verlagerung jeder fünften Fahrt auf öffentliche Verkehrsmittel und eine Reduzierung des Spritverbrauchs um einen Liter/100 km bringen zusätzlich mehr als 20 Prozent. Mit der Vermeidung unnützer Leerfahrten, der Abschaffung aller Transportsubventionen und der Verlagerung des Gütertransports auf die Schiene lassen sich auch hier große Einsparungen erzielen. Nach Einschätzung des BN bedarf es der Hilfe einer CO2-basierten Kraftfahrzeugsteuer, um die Innovationsfreudigkeit der deutschen Automobilindustrie anzukurbeln, damit endlich das familientaugliche Zwei- oder Drei-Liter-Auto auf den Markt kommt. Ebenso muss der Spritpreis im Rahmen der Fortführung der ökologischen Steuerreform stufenweise erhöht werden. Das größte Problem stellt wegen seiner gefährlichen Wachstumsraten der Flugverkehr dar, wo im Gegensatz zum PKW technische Optimierungen beim Treibstoffverbrauch kaum noch möglich sind. Um auch diesen Bereich vom hohen Schadstoffausstoß zu entlasten, muss umgehend die Kerosinsteuer eingeführt werden, müssen Inlandsflüge drastisch besteuert und auf die Bahn umgelegt werden. Und es darf keine dritte Münchener Startbahn und keine weiteren Regionalflughäfen geben.

zu fördern, auch aus Gründen des Klimaschutzes. Denn die Öko-Landwirtschaft braucht weniger als die Hälfte der Energie des konventionellen Anbaus (siehe dazu Seite 19).

Stopp klimaschädlicher Subventionen Noch immer wird die Energieverschwendung mit gewaltigen Subventionen gefördert, vor allem im Verkehrssektor. Staatliche Subventionen zum Beispiel für den Autobahn- und Flughafenbau müssen gestrichen, die freiwerdenden Mittel zur Förderung der Gebäudesanierung umgelenkt werden. Alle energieverschwendenden Planungen, etwa die Aufrüstung mit Schneekanonen oder Sommerskihallen wie im Fichtelgebirge, müssen eingestellt werden. Ehrliche Klimaschutzpolitik setzt an der Wurzel an und stoppt die Energieverschwendung jetzt. Für den BN wird dieses Thema einer der wichtigsten Prüfsteine für die Diskussion mit den Parteien vor der Landtagswahl sein. Prof. Dr. Hubert Weiger, Richard Mergner

Ökologische Land- und Forstwirtschaft Der Bund Naturschutz fordert, den ökologischen Landbau sowie die ökologische Waldwirtschaft stärker

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Zu schwarz gesehen? Umweltschützer neigten zu pessimistischen Vorhersagen, heißt es manchmal. Natur+Umwelt gab in Ausgabe 4-05 die Preisprognose von 105 Dollar pro Barrel Rohöl (159 Liter) für das Jahr 2015 wieder. Bereits Anfang Mai 2008 stieg dieser Preis erstmals auf über 120 Dollar.


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Vorsicht vor falschen Fährten

Die Klima-Sackgassen Politik und Wirtschaft rücken Techniken in den Vordergrund, die nur den Blick für echten Klimaschutz verstellen: Biosprit, Wasserstoffautos, Elektrowärmepumpen, »klimaneutrales Fliegen«, zwielichtige »Öko«-Stromangebote und natürlich die Atomkraft.

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Der Autor Dr. Ludwig Trautmann-Popp ist Energiereferent des BN.

ass die Atomkraft beim Klimaschutz nicht hilft, sondern sogar ein Haupthemmnis ist, meldete das Umweltbundesamt (UBA) bereits 1997. Die damalige Umweltministerin Angela Merkel, die sich für die unzensierte Veröffentlichung der einschlägigen Studie stark machte, wurde dafür von der ZEIT als »Ministerin mit Mut« gelobt. UBA und Frau Merkel hatten recht: Trotz Atomkraft ging in den alten Bundesländern der CO2-Ausstoß nicht zurück, was den statistischen Jahresberichten vor und nach 1997 zu entnehmen ist. Mit dem Ausbau der Atomkraft ging in den 1970er-Jahren auch ein Ausbau der Steinkohlekraftwerke einher, Kraftwerke mit Kraftwärmekopplung aber wurden abgebaut. Keine CO2Reduktion, im Gegenteil. Heute ist der Kraftwerkssektor Deutschlands Umweltverschmutzer Nummer Eins: Aus den Kraftwerkskaminen kommt mehr Kohlendioxid als aus den Sektoren Verkehr und Industrie zusammen. Auch weltweit war die Atomkraft keine Hilfe beim Klimaschutz. Bei einem Anteil von aktuell 2,7 Prozent an der Weltenergieversorgung (Deutschland 2007: 4,5

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Prozent) ist auch nicht viel zu erwarten. Fossile Energien – Öl, Gas, Kohle – tragen seit langem fast 90 Prozent bei. Auch der Länder-Vergleich liefert keinen Trend nach dem Motto »je mehr Atom, desto weniger Kohlendioxid«. Es gibt Staaten ohne Atomkraft, die wenig CO2 ausstoßen und solche mit Atomstrom und viel CO2 – wie die USA. Es gibt alle möglichen Kombinationen Atomstrom-CO2, aber keinen Trend. Andere Ursachen sind offenbar für den Klimaschutz wichtiger als die Atomkraft. Beispielsweise stoßen die fast atomstromfreien Niederlande weniger CO2 aus als der Nachbarstaat Belgien mit viel Atomstrom.

Atomkraft – keine Hilfe beim Klimaschutz Auch in Zukunft wird die Atomkraft kaum zum Klimaschutz beitragen können, denn Uran ist die mit Abstand kleinste unter den alten Energiequellen. Die weltweiten Uranlager enthalten nur drei Prozent der Energie der weltweiten fossilen Reserven. Deshalb wird Uran schneller zu Ende sein als Öl oder Gas. Die Europäische Atomgemeinschaft EURATOM befürchtet Uranlieferprobleme schon ab 2015.


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Risiken nicht vergessen Zehn Jahre nach der genannten Studie ist der Präsident des UBA, Andreas Troge, der Überzeugung, längere Laufzeiten für deutsche Atomkraftwerke behinderten die Klimapolitik der Bundesregierung. »Werden die Laufzeiten der abgeschriebenen Atomkraftwerke verlängert, haben es die erneuerbaren Energien schwerer, konkurrenzfähig zu werden. Die Folge wäre, dass die Erneuerbaren länger und stärker gefördert werden müssten«, sagte er der Stuttgarter Zeitung im Januar 2008. Und wer begriffen hat, dass Atomkraft nicht dem Klimaschutz dient, sondern sogar ein Haupthemmnis ist, der hat wieder den Blick frei für die tatsächlichen Gefahren der Atomkraft, den SuperGAU, die ungelöste Entsorgung und, wie inzwischen amtlich bestätigt, den erschreckenden Anstieg von Kinderleukämie im Normalbetrieb der Anlagen.

Falscher Weg Biosprit Kurioserweise war es die Automobilindustrie, die die Pläne stoppte, dem Benzin zehn Prozent Biosprit beizumischen. Man hätte es vorher wissen können: Das ist der falsche Weg für die Mobilität der Zukunft. Einerseits ist der Ertrag der entsprechenden Pflanzen sehr kümmerlich, zum Beispiel 0,14 Liter Rapsöl pro Quadratmeter. Andererseits ist der Energieeinsatz durch Düngung, Herbizideinsatz, Veredelung so hoch, dass der Netto-Energieertrag gehörig schrumpft. Hat der Chemie-Nobelpreisträger Paul Josef Crutzen recht, dass aus dem Dünger für Energiepflanzen jede Menge Lachgas frei wird – das zig-mal klimaschädlicher als CO2 ist – dann fällt der Klimaschutzbeitrag des Biosprit völlig aus.

Unsinniger Wasserstoff Wasserstoffautos geben zwar kein CO2 ab, woher aber der Wasserstoff kommt, steht nicht in der Werbung. Wasserstoff aus Wasser herzustellen, ist so energieaufwändig, wie Kohle aus CO2 herzustellen: eigentlich unsinnig. Ein Auto mit Wasserstoff aus Kohlestrom emittiert mehr CO2 als ein Benzinauto. Wasserstoff aus Windkraft? Dann lieber gleich das Elektroauto, das mit derselben Strommenge dreimal so weit kommt. 200 000 Elektrowärmepumpen wurden in den letzten Jahren zu Unrecht gefördert und als Klimaretter beworben. Denn sie verbrauchen, bis auf wenige genial konzipierte Ausnahmen, so viel Kohlestrom, dass eine gleichgroße Gasbrennwertheizung besser fürs

Klima wäre. Und die Gasheizung ist bestimmt nicht der Weisheit letzter Schluss.

Nutzlose Gewissensberuhigung Klima-Kompensationen sind der letzte Schrei, um das Gewissen zu entlasten. Mit einem Aufpreis aufs Flugticket werden angeblich klimafreundliche Projekte finanziert, die den Schadstoffausstoß wieder wettmachen. Oft eine Milchmädchenrechnung. Denn der Auf-

ThermografieVerfremdungen Die Illustrationen auf den Seiten 10 bis 15 sind keine echten Thermografie-Aufnahmen, wie sie zum Beispiel für die Erfassung von Wärmeverlusten von Gebäuden eingesetzt werden, sondern von solchen Aufnahmen inspirierte Foto-Verfremdungen. Sie wurden, ebenso wie die Titelillustration, exklusiv für diese Natur+Umwelt gestaltet von der Agentur Janda+ Roscher (Fotos: fotolia, iStock, BN).

BN bleibt vorerst im Klimabündnis Mit dem 2004 zwischen Bund Naturschutz und Bayerischer Staatsregierung geschlossenen Klimabündnis sind entscheidende Fortschritte im Bewusstsein großer Teile der Staatsregierung, der Öffentlichkeit und neuer Zielgruppen erreicht worden. Bei Architekten, Handwerkern, Wohnungsbauunternehmen und anderen nimmt die Einsicht zu, dass Energie Sparen die wichtigste Energiequelle ist und auch aktiv »angezapft« werden kann. Die Klimaallianz umfasst inzwischen auch die beiden großen Kirchen und die kommunalen Spitzenverbände. Der BN-Landesvorstand hat nach intensiver Diskussion einstimmig den Verbleib im Klimabündnis und Verhandlungen mit der Staatsregierung für eine schnellere und bessere Umsetzung der Klimavereinbarungen beschlossen (siehe auch Seite 5).

schlag auf ein Ticket nach Sydney müsste zwischen 300 und 1500 Euro kosten, je nach Maßnahme. Wer zahlt das schon? Immer mehr Anbieter von Ökostrom versuchen, das schlechte Gewissen der Bürger zu Geschäften zu nutzen. Meist bestehen die Angebote nur im Umbuchen von Wasserkraftstrom aus anderen Regionen. Das ist aber ein Etikettenschwindel. Denn an der Stromerzeugung insgesamt ändert sich dadurch nichts. Wenn ich ab morgen (auf dem Papier) Strom aus erneuerbaren Energien beziehe, dann bezieht ein anderer entsprechend weniger. Er weiß es nur nicht. Ökostrom macht nur Sinn, wenn mit dem eingesetzten Geld tatsächlich Solarstromanlagen oder zum Beispiel Windräder finanziert werden. Und das geht nicht auf einen Schlag und zu 100 Prozent, sondern ganz langsam. Seriöse Ökostrom-Anbieter erkennt man daran, dass sie ihre entsprechenden Projekte belegen können. Bevor man zum Strom von dubiosen Ökostromern übergeht, die einem nur die Lieferung umgebuchten Wasserkraftstroms versprechen, sollte man sich lieber finanziell an einem Windrad oder anderen zukunftsträchtigen Kraftwerken beteiligen. Da weiß man, was man hat. Und jede eingesparte Kilowattstunde ist garantiert CO2-frei. Dr. Ludwig Trautmann-Popp

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Keine Hilfe von AKW 2007 ging der Anteil des Atomstroms in Deutschland durch den Stillstand von vier Atomkraftwerken deutlich zurück. Gleichzeitig reduzierte Deutschland seinen CO2-Ausstoß um 2,7 Prozent. Die Hilfe der Atomkraft beim Klimaschutz kann so umwerfend nicht sein.


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Chef des bayerischen Klimarats in N+U-Interview

Foto: Markl-Meider

Bayern wird zu konkreten Zielen gezwungen werden Prof. Hartmut Graßl hat der Staatsregierung geraten, sich beim Klimaschutz auf zahlenmäßigen Vorgaben festzulegen – ohne Erfolg. Trotzdem sieht er Bayern zum Teil auf gutem Weg. Der Mann fürs gute Klima Prof. Hartmut Graßl, 68, gilt als einer der führenden Klimaexperten Deutschlands. Der frühere Direktor des Hamburger Max-Planck-Instituts für Meteorologie stammt aus Bayern und kehrte nun als Vorsitzender des Klimarats der Staatsregierung zurück.

Herr Professor Graßl, Sie sind seit gut einem Jahr Vorsitzender des Klimarats der Bayerischen Staatsregierung. Lässt sich die Regierung vom Sachverstand der wissenschaftlichen Berater leiten?  Die Staatsregierung hat anders als viele andere Bundesländer mit dem »Klimaprogramm Bayern 2020« frisches Geld mobilisiert, um Emissionsreduktionen, Anpassungsmaßnahmen und Forschungsprogramme neu einführen oder verstärken zu können. Wie mir Mitarbeiter in Ministerien und Kabinettsmitglieder sagten, wäre das ohne den Klimarat nicht in der Höhe von 350 Millionen Euro für die kommenden vier Jahre möglich gewesen. Wie steht es um Ihre Forderung nach einer zahlenmäßigen Selbstverpflichtung zur Reduzierung der CO2-Emissionen?  Der Vorschlag des Klimarates, für Bayern für das Jahr 2020 eine Reduktion der Emissionen auf fünf Tonnen CO2 pro Bewohner und Jahr zu erreichen, ist von der neuen Staatsregierung nicht explizit aufgenommen worden. Unser Vorschlag ist allerdings von Ministerpräsident Stoiber nach der Kabinettsklausur – in der er umstritten war – auf der Zugspitze im April 2007 öffentlich gemacht worden. Die Regierung Bayerns wird von den Medien wohl daran gemessen werden. Bayern wäre mit diesem Ziel wahrscheinlich zum führenden Bundesland geworden. Im Gegensatz zu Bayern hat sich die EU auf Einsparungsziele für CO2 festgelegt.Wird Bayern auf diese Weise doch noch zu konkreten Zielen gezwungen werden?  Ganz sicher. Nachdem der Klimarat seinen Vorschlag gemacht hatte, sind ja auf europäischer und auf Bundesebene Beschlüsse und Gesetzesinitiativen bekannt geworden, die den Vorschlag des Klimarates fast zum »Mainstream« gemacht haben. Vor allem die Beschlüsse von August 2007 bei der Klausur des Bundes-

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kabinetts in Meseberg werden – jetzt zum Teil schon in Gesetzesvorlagen umgeschrieben – Bayern zu weiteren Maßnahmen zwingen, die an das Fünf-Tonnen-proKopf-und-Jahr-Ziel herankommen sollten. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat die Folgen des Klimawandels für Bayern auf 110 Milliarden Euro in den nächsten 50 Jahren errechnet. Sind die von der Staatsregierung im Rahmen des »Klimaprogramms Bayern 2020« zur Verfügung gestellten 0,35 Milliarden Euro ausreichend, um diese Folgen abzuschwächen?  Hochrechnungen der Kosten bei fehlendem Klimaschutz sind wissenschaftlich noch weit von der Aussagekraft der Klimamodelle entfernt. Mehr, als dass reine Anpassung viel teurer sein wird als Emissionsreduktionen plus unvermeidbare Anpassung ist noch nicht gesichert. Außerdem vermengen Sie in Ihrer Frage Geld für vier Jahre mit Kosten für vier Jahrzehnte. Ein intelligentes Anreizsystem, zum Beispiel bei der energetischen Sanierung von Gebäuden, kann ein Vielfaches von Geldern mobilisieren, und so können auch vergleichsweise geringe Beträge stark wirken. Die richtige Balance zwischen Anreiz und Ordnungsrecht wird auch beim Klimaschutz bestimmend sein für das Mitmachen großer Teile der Bevölkerung. Wie sollte nach Ihrer Ansicht die Gewichtung zwischen Energiesparmaßnahmen, Einsatz erneuerbarer Energien und Strategien zur Anpassung an den Klimawandel sein?  Die geringe Energieflussdichte der erneuerbaren Energiearten mit Ausnahme der Sonne machen nur die Kombination aus Energieeinsparung, Energieeffizienzsteigerung und erhöhtem Anteil erneuerbarer Energieträger zum Erfolgsmodell. Auch Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel sollten immer gleichzeitig zur Verstärkung von Senken für Treibhausgase und Verminderung von Emissionen beitragen. Zwei Beispiele


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sollen das klar machen. Zunächst die völlig verkehrte, also zu verhindernde Anpassung: Zur Rettung einer Biathlon-Weltcup-Veranstaltung in den typisch gewordenen milden Wintern transportiert man im Winter 2006/07 in Lastkraftwagen gemahlenes Eis von Bremerhaven nach Oberhof in Thüringen, um auf einem abstoßend schmutzigen, schmalen Schneestreifen die Einnahmen um den Weltcup zu sichern. Nun eine einfache positive Anpassung: Übergang von konventioneller Landwirtschaft zur biologisch-dynamischen. Senken für Kohlenstoff werden verstärkt, Emissionen von Lachgas werden gesenkt, pro Produktionseinheit schrumpfen die CO2-Emissionen stark, weil Kunstdünger, Pestizide völlig und Treibstoffe teilweise entfallen. Zusätzlich wird die biologische Vielfalt mindestens erhalten, wenn nicht gar erhöht. Bei den erneuerbaren Energien scheint die Staatsregierung vor allem auf Wasserkraft, Biomasse und Geothermie zu setzen. Sind das die richtigen?  Bayern hat von allen Bundesländern den höchsten Anteil an Strom aus Solarzellen, weil es früh unterstützend eingriff. Jetzt sorgt das Erneuerbare-Energien-Gesetz (das EEG) in Deutschland für Zuwachs. Wegen des Alpenanteils im südlichsten Bayern ist Wasserkraft etwa vierfach stärker vertreten als im Bundesdurchschnitt. Die Nachrüstung größerer Wasserkraftwerke sowie wiederbelebte kleine Wasserkraftwerke können noch eine Steigerung um etwa zehn Prozent liefern. Geothermie ist eine für die Stromerzeugung wegen zu geringer Temperaturen nur wenig attraktive erneuerbare Energieart; sie wird wohl zum Heizen von Gebäuden oder für die Industrie regional genutzt, wenn hoher Wärmebedarf längerfristig besteht. Biomasse ist eine attraktive erneuerbare Energieart nur dann, wenn Abfälle aus der Holz- und Landwirtschaft dafür verwendet werden. Großflächiger Anbau von Energiepflanzen ist aus Gründen hoher Treibhausgasemissionen (Lachgas) und geringer Energieflussdichte wohl nur noch vorübergehend eine Option, und auch nur dann, wenn Biogas zur Stromerzeugung bei Abwärmenutzung eingesetzt wird. Die Flächenkonkurrenz mit der Lebensmittelproduktion setzt ihrer Nutzung in den meisten Ländern enge Grenzen. Was sind die entscheidenden Handlungsmöglichkeiten eines Landes wie Bayern? Könnte Bayern theoretisch einen so eigenständigen Weg gehen, dass es zum »Kalifornien Deutschlands« werden könnte?  Ich habe einen Traum: Der bayerische Ministerpräsident definiert die Randbedingungen für eine ökologischere Marktwirtschaft und nicht so sehr der Gouverneur von Kalifornien, der es bisher für Automobile geschafft hat, dass zum Beispiel Audi und BMW bei Teilen ihrer exportierten Produktpalette besonders erfolgreiche Unternehmen sind. Ein einzelnes Bundesland kann sehr wohl emissionsmindernd handeln. Über Initiativen im Bundes-

rat, eigene Gesetzgebung und Anreizsysteme kann jedes Bundesland Anpassung an den Klimawandel und Emissionsminderungen vorantreiben. Erfolgreiche Beispiele sind der Waldumbau und der Hochwasserschutz, die Bayern stärker vorantreibt als andere Bundesländer. Auch ein Anreizsystem für Neubauten mit mindestens Passivhausstandard bei hohen Anteilen erneuerbarer Energien für den verbleibenden Energiebedarf wäre ein solches Mittel; ebenso wie der Druck auf die Bundesregierung, eine stark emissionsbezogene Kraftfahrzeugsteuer einzuführen. Forscher zweier Max-Planck-Institute haben in einer Studie ermittelt, dass nur Angst vor persönlichen negativen Folgen die Menschen dazu bewegen könne, sich im gemeinsamen Klimaschutz zu engagieren. Machen Sie uns doch bitte zum Abschluss nochmal richtig Angst vor dem Klimawandel.  Deutschland ist ein von der christlichen Religion mitgeprägtes Land. Ist es denn nicht ausreichend für persönliche Klimaschutzmaßnahmen, zu wissen, dass Millionen von unschuldigen und meist armen Menschen ihre Heimat verlieren werden, wenn wir Industrieländer als die KLIMARETTER Verursacher die Klimaänderungsrate nicht reduzieren? Ich weigere mich, Angst zu machen. Für mich macht Klimaschutz Spaß, und er wird unsere Wirtschaft (siehe EEG) eher beflügeln als bremsen. Wir wissen, was wir falsch machen, also können wir es auch ändern. Der gerechte Preis für Emissionen wird dabei eine zentrale Rolle spielen. Das Interview führte Manfred Gößwald

Wettbewerb für junge Klimaretter

Werde Klimaretter: Die Jugendorganisation Bund Naturschutz (JBN) und Radio Bayern 3 rufen alle Schüler, Azubis und Studenten auf, beim Klimaretter-Wettbewerb mitzumachen!

Die BN-Jugendorganisation JBN und WWW.KLIMARETTER.JBN.DE Bayern 3 rufen Schüler, Azubis und Studenten auf, für den Klimaschutz aktiv zu werden – egal wie, Hauptsache kreativ. Einsendeschluss ist der 1. September. Es winken attraktive Geldpreise: www.klimaretter.jbn.de. Und das ist bei weitem nicht alles, was die JBN heuer in Sachen Klimaschutz vorhat: Projekt klimaneutraler Landtag: Ist der Landtag ausreichend gedämmt? Wie klimaschädlich ist die Fahrzeugflotte? Eine Gruppe von Studenten nimmt das Maximilianeum unter die Lupe: www.landtagsklima.jbn.de. Klimawandel-Seminar: Auf der JBN-Sommerakademie vom 1. bis 5. September können sich Studenten in Sachen Klimawandel fit machen: www.sommerakademie.jbn.de. Fahrt zum Klimagipfel: Die nächste UN-Weltklimakonferenz findet im polnischen Pozna´n statt. Ein JBN-Bus fährt vom 5. bis 7. Dezember zu den großen Demos: www.jbn.de. Verhandlungen mit der Staatsregierung: Unter Federführung der JBN spricht der Bayerische Jugendring (BJR) über einen Beitritt des BJR zum Klimabündnis. Die JBN fordert ein Klima-Bildungsprogramm, Mittel für die energetische Sanierung von Jugendhäusern und die Einführung eines ermäßigten Bayern-Tickets Jugend: www.bjr.de.

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Den kaufen wir nicht Mit dieser E-Card auf seiner Website www.bund-naturschutz.de brachte der BN die Absurdität des Transrapid-Projektes auf den Punkt. Die Bürger wollten den Milliarden-Fresser nicht, das musste letztlich sogar die bayerische Staatsregierung einsehen.

Transrapid-Aus ist Chance für klimafreundliche Verkehrspolitik

Ein Ende kann ein Anfang sein Diesen Beitrag zum Klimaschutz hatte die Staatsregierung in ihrem »Klimaprogramm 2020« nicht vorgesehen: den Verzicht auf den Transrapid. Jetzt sollen die gesparten Gelder für sinnvolle Bahnprojekte genutzt werden, fordert der BN.

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er Bund Naturschutz würde massiv dagegen vorgehen, dass mit Fahrkartengeld der Bahnkunden und mit Steuergeldern ein unsinniges Milliardenprojekt zu Lasten des Bahnverkehrs durchgesetzt würde – dieses Versprechen gegenüber seinen Mitgliedern und der Öffentlichkeit hat der BN gehalten. Und einmal mehr sind seine ökonomischen und ökologischen Sachargumente – früher als gedacht – bestätigt worden. Die vom alten bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber wie von seinem Nachfolger Günther Beckstein vehement vertretene Kostenschätzung von 1,85 Milliarden Euro für den Transrapid zwischen München Hauptbahnhof und Flughafen war völlig unDer Autor seriös. »Die von der Staatsregierung und CSU-Chef Richard Mergner Erwin Huber gemeinsam mit der Transapid-Baulobby ist BN-Landesbeaufgebaute Pro-Rapid-Kampagne ist wie ein Kartenauftragter und war haus zusammengebrochen«, konstatierte der BN-Lanstellvertretender desvorsitzende Hubert Weiger Ende März, nachdem Beauftragter des Volksbegehrens »Für das Transrapid-Aus bekanntgegeben worden war. Bayern – Nein zum Transrapid«.

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Der BN beurteilt neue Verkehrsprojekte und -technologien danach, ob sie umweltgerecht, effizient und kundenfreundlich sind. Der Transrapid erfüllt keines dieser Kriterien. Im Gegenteil: Er ist eine Dinosauriertechnologie, die weltweit keinen Markt hat. Schon vor fünf Jahren hatte der BN die Verantwortlichen in der Bundesregierung und in Bayern vor einer Fehlplanung gewarnt. »Aber erst das Volksbegehren ›Für Bayern – Nein zum Transrapid‹ hat zum Erfolg geführt«, freut sich stellvertretende BN-Landesvorsitzende Doris Tropper. Eine Allianz aus der Eisenbahnergewerkschaft »transnet«, dem »Aktionkreis Contra Transrapid« sowie SPD, Grünen und Freien Wählern hatte in Expressgeschwindigkeit über 100 000 Unterschriften gesammelt und das Volksbegehren eingeleitet. Die Entscheidung des bayerischen Verfassungsgerichts von Anfang April, das Volksbegehren wegen eines vermeintlichen Eingriffs in das Budgetrecht des Landtags nicht zuzulassen, war enttäuschend. Immerhin ein Richter schloss sich in einem Sondervotum völlig der Argumentation der Volksbegehrensinitiative an. »Wichtig ist die Feststellung, dass Volksbegehren, die Ausgabenminderungen zur Folge haben, zulässig sind. Die Anrufung des Verfassungsgerichtshofs hat daher keinen Rückschlag für die Volksgesetzgebung in Bayern gebracht«, kommentierte die Beauftragte des Volksbegehrens Monika Barzen das Urteil.

Zukunftsbahn Bis zuletzt hatte vor allem der bayerische Finanzminister und CSU-Chef Erwin Huber versucht, das Projekt schönzurechnen, obwohl schon der Bundesrechnungshof im Jahr 2002 massiv vor den Kosten gewarnt hatte. Die Profiteure des Projektes, Thyssen-Krupp, Siemens und neben weiteren der Baukonzern Max Bögl, der schon in Shanghai die Betonstelzen gebaut und am Rhein-Main-Donau-Kanal verdient hatte, hatten auf Milliardenaufträge gehofft. Für die Kampagne gegen das Volksbegehren, für den Transrapid hatte der Geschäftsführer der IHK München-Oberbayern Reinhard Dörfler schon 500 000 Euro an Industriespenden gesammelt und Lobbyisten wie den Präsidenten der TU München Prof. Wolfgang Hermann für eine Werbekampagne eingespannt. Der Bund Naturschutz fordert nun, dass die eingesparten bayerischen Gelder zusammen mit einem Teil der Bundesgelder für den Ausbau und die Modernisierung des bayerischen Schienennetzes eingesetzt werden. Dazu gehören eine Express-S-Bahn zum Münchner Flughafen, der Ausbau der Strecke MünchenMühldorf, eine Regio-S-Bahn für den Raum Augsburg und viele regionale Zukunftsbahnprojekte in allen bayerischen Regionen. Diese Investitionen bringen Vorteile für die Bahnkunden, sie schaffen Güterverkehr von der Straße auf die Schiene und dienen so der Umwelt und dem Klimaschutz. Richard Mergner


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Große Unterschiede je nach Art der Bewirtschaftung

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er landwirtschaftliche Anbau produziert weltweit und so auch in Deutschland Treibhausgase, vor allem durch die energieintensive Düngung mit mineralischem Stickstoffdünger, durch Futtermittelimporte, den Einsatz von Maschinen und durch Verluste bei der Lagerung von organischem Dünger. Auch die Mastrinder werden als Mitschuldige ausgemacht, da sie bei der Verdauung des Futters im Pansen Methan bilden, das 30 mal so klimaschädlich wie CO2 ist. Zwischen den verschiedenen Formen der Landwirtschaft gibt es aber große Unterschiede, was die Klimabilanz betrifft. Der ökologische Landbau kommt mit einem geringeren Energieeinsatz je Fläche aus, die Einsparung beträgt etwa die Hälfte bis zwei Drittel. Da die Erträge im ökologischen Ackerbau je nach angebauter Feldfrucht jedoch um circa zehn bis 30 Prozent niedriger sind, verringert sich dieser Vorteil, bezogen auf die gleiche Menge an Lebensmitteln.

Lachgas aus dem Boden Ein Vergleich von 18 ökologisch bewirtschafteten mit zehn Betrieben des konventionellen, integrierten Anbaus in Bayern ergab, dass die Ökobetriebe im Durchschnitt 25 Prozent weniger Treibhausgase erzeugten. Die Unterschiede erklären sich durch den Verzicht auf energieaufwändig hergestellten Stickstoffmineraldünger und die geringere Lachgasbildung aufgrund geringerer Stickstoffüberschüsse im Boden. Die ökologische Tierhaltung verursacht ebenfalls weniger CO2 als die konventionelle, was hauptsächlich am geringeren Energieverbrauch der ökologischen Futtermittelproduktion liegt. Ökolandbau baut die Bodenfruchtbarkeit auf. Die verbesserte Bodenstruktur und höhere Humusgehalte beugen nicht nur der Bodenabschwemmung vor und tragen zum Hochwasserschutz bei. Die ökologisch bewirtschafteten Böden binden zugleich im Humus Kohlenstoff organisch ein und tragen so zum Klimaschutz bei.

Unter Grünland und Kleegras liegt der Humusgehalt bei circa fünf, auf Ackerstandorten nur zwischen einem und zwei Prozent. Deswegen sind Rinderhalter, die Grünlandaufwuchs als hauptsächliche Futterquelle nutzen, die besseren Klimaschützer. Mastbullen und Milchkühe, die auf Basis von Maissilage und Sojaschrot als Eiweißergänzung gefüttert werden, haben eine schlechte Klimabilanz.

Der Autor Hans Urbauer ist Landwirt und neu gewählter Bürgermeister in Kienberg im Landkreis Traunstein – Natur+ Umwelt gratuliert. Als Sprecher des BN-Arbeitskreises Landwirtschaft ist er stolz, dass der AK unter anderem die Einführung einer Weideprämie für Rinder erreichen konnte.

Seehofers schlechte Idee Derzeit fordern die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft und Agrarminister Seehofer eine weitere, massive Intensivierung der Landbewirtschaftung, vorrangig auf Basis von Chemiedünger, chemischen Spritzmitteln und auch Gentechnik. Dies würde zu einer ausgeräumten »rationellen« Landschaft führen, in der extensiv genutzte Grünlandstandorte und umweltverträgliche Fruchtfolgen nur noch ein Schattendasein führten. Intensivierung der Landwirtschaft bedeutet steigende Lachgasemissionen, CO2-Emissionen und Rinder, die als Nahrungskonkurrenten zum Menschen vom Ackerfutter leben. Dies ist nicht die Landwirtschaft, die sich der Bund Naturschutz vorstellt. Im Arbeitskreis Landwirtschaft des BN werden vor allem drei Ziele, quasi als ökologische »Stabilitätsfaktoren«, verfolgt: die Erhaltung der Vielzahl an Bauernhöfen, die Erhaltung der Landschafts- und Artenvielfalt sowie die Ausstattung der Lebensmittel mit Gesundheits- und ökologischen Zusatzeffekten. Ein Beispiel: Omega-3-Fettsäuren in Milch und Fleisch von Weiderindern können bei der Vorbeugung gegen Herzund Kreislauferkrankungen mithelfen. Milch aus Gras und Klee statt Mais und Kraftfutter enthält besonders viele dieser gesundheitsfördernden Fettsäuren. Hier können Verbraucher ihre Gesundheit unterstützen und gleichzeitig Klimaschutz betreiben. Bezieht man seine Lebensmittel dann noch vorwiegend aus der Region, dann passt alles zusammen. Marion Ruppaner, Hans Urbauer

Foto: Gößwald

Nicht »die Landwirtschaft« schädigt das Klima, sondern die intensive Form, wie Landbau meist betrieben wird. Ökolandbau und Gründlandwirtschaft machen’s besser.

Foto: Ruppaner

Landbau kann Klima schützen

Die Autorin Marion Ruppaner ist Landwirtschaftsreferentin des BN.

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Wissenschaftler widerlegt »Klimaskeptiker«

Die KlimahysterieDurchschauer und die Medien Kaum erkennt sogar die Politik den Klimawandel als ernstes Problem, treten »Klimaskeptiker« auf den Plan, die teils das Problem, teils den Handlungsbedarf bestreiten. Winfried Berner kommentiert den Artikel »Alles nur Klimahysterie?« des renommierten Klimaforschers Stefan Rahmstorf.

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Der Originaltext Der von Winfried Berner besprochene Artikel »Alles nur Klimahysterie?« von Stefan Rahmstorf ist in der Zeitschrift Universitas, Ausgabe 9-2007 erschienen. Nachzulesen unter www.pikpotsdam.de/~stefan/klimahysterie. html. Den neuen Weblog von Rahmstorf lesen Sie unter www. wissenslogs.de/ wblogs/blog/klimalounge.

ls Laie, der unvermeidlich jeder von uns auf den meisten Fachgebieten ist, hat man kaum die Möglichkeit, sich ein belastbares eigenes Urteil zu allen wichtigen Fragen unserer Zeit zu bilden. Auf den meisten Gebieten sind wir darauf angewiesen, auf das zu vertrauen, was uns die Medien als Resultate der Diskussion der jeweiligen Fachwissenschaft widerspiegeln. Wenn Entscheidungen von großer Tragweite anstehen, ist von besonderem Interesse, ob die Fachwelt übereinstimmt, oder ob es zur jeweils »herrschenden Meinung« begründete abweichende Sichtweisen gibt. Der vierhundertste Wissenschaftler, der sich der Mehrheitsmeinung anschließt, ist daher für die Medien und ihre Leser von weit geringerem Interesse als die ersten, die eine Gegenposition vertreten. Genau dies schafft leider einen fatalen Anreiz, dem sowohl viele Journalisten als auch etliche Wissenschaftler erliegen: Es nutzt der eigenen Auflage beziehungsweise Bekanntheit weit mehr, eine »Gegenmeinung« zu vertreten, als sich dem Mainstream anzuschließen – und zwar unabhängig davon, wie eindeutig die jeweilige Beweislage ist.

Inszenierte Scheindebatte Auch in der aktuellen Klimadiskussion scheinen dieser Verführung etliche Wissenschaftler und Journalisten erlegen zu sein. Wie der Potsdamer Physikprofessor Stefan Rahmstorf in diesem Artikel ebenso flüssig wie überzeugend darlegt, handelt es sich bei der momentanen Debatte, ob es einen menschengemachten Klimawandel überhaupt gibt und ob er eingedämmt werden muss, um eine Scheindebatte, die ziemlich wenig mit unterschiedlichen wissenschaftlichen Daten, Ansätzen und Theorien zu tun hat, sondern aus Vermarktungsmechanismen heraus in den Medien, für die Medien und durch die Medien inszeniert wird. Bei wissenschaftlichen Debatten geht es um Daten und Zusammenhänge, um Fakten, die Theorien untermauern oder widerlegen: Sie sind es, die den Fortschritt der

Wissenschaft treiben. Nutzlos bis schädlich hingegen sind Debatten, die entstehen, weil manche der Beteiligten gesicherte Fakten entweder hartnäckig nicht zur Kenntnis nehmen oder sie sogar aktiv so verfälschen, dass sie zu anderen Schlussfolgerungen führen würden, wenn sie denn zuträfen.

Maxeiner suggestiv Rahmstorf nimmt sich in diesem Artikel einige prominente »Klimaskeptiker« vor und zerpflückt ihre Argumente. Der Journalist Dirk Maxeiner zum Beispiel versteht es nach seinen Worten glänzend, Dinge so darzustellen, dass die Aussagen formal korrekt sind, den Leser aber zu falschen Schlussfolgerungen führen: »97 Prozent der jährlichen Kohlendioxidemissionen entstammen der Natur, etwa drei Prozent der Verbrennung fossiler Rohstoffe durch den Menschen.« Die Zahl suggeriert, dass die Öl-, Gas- und Kohleverbrennung nahezu unbedeutend sei gegenüber dem natürlichen CO2-Umschlag. Ist sie aber keineswegs, denn der natürliche Kohlendioxid-Umschlag ist für das Klima ohne Bedeutung, weil er »keine Netto-Emission darstellt, sondern einen geschlossenen Kreislauf«. Doch Maxeiner schreckt auch vor objektiv falschen Aussagen nicht zurück: »Der beobachtete globale Erwärmungstrend (…) bewegt sich damit seit drei Jahrzehnten im unteren Bereich der von Klimamodellen für die Zukunft prognostizierten Werte.« Klingt beruhigend, ist aber leider nicht wahr: Wie Rahmstorf anhand neuester Zahlen zeigt, bewegen sie sich im oberen Bereich der angenommenen Szenarien.

Horx abenteuerlich Ähnlich unbesorgt um die Fakten präsentiert sich der »Zukunftsforscher« Matthias Horx, der das alte Argument wiederholt: »Das Klima hat sich schon immer geändert.« Dazu Rahmstorf: »Das stimmt, aber die Fakten von Horx stimmen großenteils nicht oder sind irreführend dargestellt. So schreibt er, vor 500 Millionen Jahren habe die CO2-Konzentration sensationelle 28 Prozent betragen (tatsächlich waren es 0,7 Prozent), und vor 300 000 Jahren sei die Sauerstoffkonzentration 30 Prozent gewesen (in Wahrheit ist das tausendmal länger her.« Man mag das als Flüchtigkeitsfehler eines Laien milder beurteilen, doch es zeigt nebenbei, wie abenteuerlich der Anspruch mancher selbsternannter Zukunftsforscher ist, auf der Basis eines »soliden Halbwissens« Aussagen über die Zukunft machen zu wollen. Zugespitzt, aber durchaus treffend führt Rahmstorf das »Hat es schon immer gegeben«-Argument ad absurdum: »Wenn die Polizei einen Brand untersucht und Beweise für Brandstiftung vorlegt, könnte man diese auch kaum mit dem Argument entkräften: Feuer hat es auch schon gegeben, bevor es Menschen gab.«

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Reichholf irreführend

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Ein prominentes Mitglied im Club der »KlimahysterieDurchschauer« ist der Biologie-Professor Josef Reichholf von der TU München. Auch ihm weist Rahmstorf einen sehr eigenwilligen Umgang mit Fakten nach,

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etwa, wenn er die bekannte »Baur’sche Reihe«, eine langjährige Zeitreihe über die Klimaentwicklung auf Basis der Wetterstationen Basel, Utrecht, Potsdam und Wien, mit regionalen Daten verlängert und auf diese Weise zu einem grob irreführenden Ergebnis kommt. »Trotz ausführlicher Korrespondenz konnte Reichholf die Entstehung dieser Kurve nicht nachvollziehbar erklären. Sie beruhe auf einer Tabelle aus einem Buch aus dem Jahr 1982, ergänzt durch neuere Daten vom Hohenpeißenberg. Auf meine Frage, wieso Reichholf den Hohenpeißenberg benutze und nicht einfach durchgehend die gleichen Stationen zeige, antwortete er mir, das sei ihm ›zu zeitaufwändig‹ gewesen. Der korrekte Verlauf der Baur’schen Reihe (…) ähnelt in keiner Weise der Reichholf’schen Grafik.« Weiter wirft er Reichholf vor, mit seinen Thesen an die Öffentlichkeit gegangen zu sein, ohne sich zuvor der kritischen Fachdiskussion gestellt zu haben: »Reichholf behauptet nun in den Medien einfach das Gegenteil [zum IPCC-Bericht], ohne jedoch in der Fachliteratur selbst dazu etwas publiziert zu haben. Es gehört zum guten Stil seriöser Wissenschaftler, sich nicht mit Thesen an ein Laienpublikum zu wenden, die man nicht zuvor in der begutachteten Fachliteratur publiziert und damit Fachkollegen zur Diskussion gestellt hat.« Enttäuscht und desillusioniert zeigt sicht Rahmstorf über die »Liebe der Medien zu provokanten, aber haltlosen Behauptungen statt zu solider Arbeit«, die etwa dazu führte, dass Reichholf für seine Thesen mit Interviews in »Spiegel« und »Fokus« belohnt wurde. Seine Bitte an die »Welt«, einige nachprüfbar falsche Aussagen richtigzustellen, löste in der Redaktion »Befremden« aus: »Sie könne sich doch nicht ›von den eigenen Autoren distanzieren‹, schrieb mir die stellvertretende Chefredakteurin Andrea Seibel.« Lediglich die FAZ korrigierte laut Rahmstorf wesentliche Falschaussagen, ohne dies freilich als Korrektur kenntlich zu machen – und gab dem ursprünglichen Autor wenig später die Gelegenheit, weitere Falschaussagen nachzuschieben. »Wenn ein Journalist einen Artikel einreicht, der das Gegenteil dessen behauptet, was Stand der Wissenschaft ist – hat die Redaktion dann nicht die Verantwortung, kritisch zu prüfen, ob die Fakten stimmen?«

Verunsicherung statt Orientierung Rahmstorf macht glasklar, dass es ihm keineswegs darum geht, abweichende Meinungen zu unterdrücken oder eine breite Diskussion zu verhindern: »Kein Wissenschaftler hat etwas gegen kontroverse Diskussionen, sie gehören zum Alltag der Wissenschaft und machen gerade einen guten Teil des Spaßes an der Forschung aus. (…) Doch bringt eine Diskussion nur dann Erkenntnisgewinn, wenn sie intellektuell redlich und auf Basis korrekter Fakten geführt wird. Dies unterscheidet fundamental die in den Medien geführten Scheinkontroversen von den Diskussionen unter seriösen Wissenschaftlern.« Und genau hier liegt für uns Laien das Gespenstische und Beunruhigende solcher Scheindebatten: Sie liefern keine Orientierung, sondern tragen nur zur Ver-

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unsicherung bei, indem sie denjenigen ein pseudowissenschaftliches Alibi liefern, die die Klimaveränderungen nicht wahrhaben und/oder die notwendigen Korrekturen – allen voran massive Energieeinsparungen – verhindern oder verzögern wollen. Man kann und darf von der Wissenschaft sicher nicht erwarten, dass sie der Öffentlichkeit eine einheitliche Meinung präsentiert. Aber man kann und muss von seriösen Wissenschaftlern erwarten, dass sie redlich mit den Fakten umgehen.

Vernachlässigte Sorgfaltspflicht Möglich werden solche Scheindebatten freilich nur, weil auch vermeintlich seriöse Medien wie FAZ, Zeit und Spiegel unter Vernachlässigung ihrer journalistischen Sorgfaltspflicht Behauptungen Raum geben, deren Fehlerhaftigkeit sie mit geringem Rechercheaufwand hätten herausfinden können, und auch wenig Bereitschaft zeigen, nachweisliche Fehler auf der Faktenebene zu korrigieren. Die von Rahmstorf Kritisieren haben sich übrigens zusammengetan und auf seine Kritik geantwortet (www.faz.net/s/RubC5406E1142284FB6BB79CE581A2 0766E/Doc~EAE5A892E63B34A00A0D89F0186EA3247 ~ATpl~Ecommon~Scontent.html). Ihre Replik besteht jedoch im Wesentlichen darin, Rahmstorf persönlich anzugreifen, ihm totalitären Fanatismus zu unterstellen und über »Apokalyptizismus« und »Klimakatastrophe als säkulare Religion« zu schwadronieren. Eine inhaltliche Stellungnahme zu Rahmstorfs Verfälschungsvorwürfen vermisst man indes; auch auf der verlinkten »Seite mit Richtigstellungen« im Internet habe ich lediglich eine patzige Polemik von Maxeiner gefunden, mit der bezeichnenden Überschrift »Herr Rahmstorf bastelt sich eine Verschwörung«. Vermutlich ist es ein naiver Wunsch zu hoffen, dass die Beteiligten ihre beleidigt-aggressive Selbstbehauptungsrhetorik zurückfahren und zu einer inhaltlichen Auseinandersetzung finden. Dennoch würde die Korrektur falscher Darstellungen und Behauptungen den Betreffenden vermutlich mehr Respekt einbringen als aggressive Polemik und beleidigende Unterstellungen.

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Der Experte Stefan Rahmstorf ist Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam und forscht am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Er zählt zu den Leitautoren des 4. IPCC-Berichts (2007) und gehört dem wissenschaftlichen Beirat »Globale Umweltveränderungen« der Bundesregierung an. Kontakt: rahmstorf@ pik-potsdam.de

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Der Autor Winfried Berner ist Unternehmensberater und Mitglied des BN-Landesvorstandes.


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Marion aus Erlangen hat die Myspace-Seite gelayoutet ergünzburg Agnes aus Ob bucht Bands

Hotti aus München ist für jeden Spaß zu habe n

Anna aus München macht Werbung

islava Katka aus Brat teuropa Os in mobilisiert

NGOs Jule aus Berlin vernetzt aus ganz Deutschland

Tom aus Essenbach organisiert die Zelte

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EN DONAU-AU

DER SETZUNG E B 8 0 0 2 mit UST die Donau l il w 4.-10. AUG g n ru omm Staatsregie e Donauretter und k e h c s ri e y Die Ba . Werd en wir analisieren tischen Festival woll en! k n e f u t s u Sta s leb m poli Donau mus AU! Bei de N ie it D O : n D e z m t u e z ns hes Zeiche ein deutlic

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en pflegt Sebb aus Mengkof die Materialliste

berg ist Daniel aus Bam Verkehrspolitik Fachmann für

Oli aus Bayreuth verwaltet die Finanzen

Sandi aus Heidelberg macht die Pressearbeit

er ht am Ufer d te ts n e t s u n 4. Aug klar: Ab dem fbanner der Donaupirate t is ) N B (J p Naturschutz protestieren die Totenko d n n d e u n rt u B o r n e W o d ti n n a e lä nis r Donau it scharf Jugendorga ländern Flaggen alle arettisten m b ie a D K allen Donau d t. Das Ziel der n d s u u ta a s ik d s lt n u e u Z M ben! k e r li e ig b h ries onau muss le anzen Repu D steuropäisc g o r ie Donau eine e it D d : m s n s u e d a h n ic a hes Ze ge Leute Wind. B n ein deutlic r Donau. Jun knattern im e e d tz e g s n d ru n u ie s n anali auf: nau-Aue gegen die K ngen Leute ju erischen Do y e a ll a rb e ft d ru ie n stival. Sie besetzen die olitische Fe p s a d N B J en der pe aus Aktiv p ru G ie d t n n r Donau DOitNAU ne tter! nd Berlin zu re u u a rg n u o b D m e a n rd H e JBN-Aktive Busse aus n DOitNAU! W ie e d rd n e fe w p ü a n D k touren: munity In itNAU-Com eit auf Hoch O rz D e r d e n d nd Belgrad. fe In u u t t. la s ll e n p e te a g s d n e zu u u b B it olen Wien, Journalisten sind bereits Die Vorbere p n e o e lt tr d e e z la m s d u u n k a u n ir o den D n Raum Große Z schützern in Aktionen im öffentliche organisiert. lt e w m U n e jung bversive Kontakte zu ve Köpfe su ti a re k n sehr e n engagieren, rn, München pla zen ein. m a e T U A N ren rhinde en DOit Pressekonfe Vilshofen ve anzigköpfig d w n z u g im in h b ic u s a üler, die chen Str sie den Donau zwis ten und Sch r n e e d d u tu a bezweifeln S b s m ie u e d A ll n a n e r e b o h a V c h li r. t g aufgestellt: atu n je n N e e ll ie g o d n Überhaup w ru in e ie ff S rd ri o : g F lgende rker Ein tellungen n ein zu sta t die JBN fo e a genaue Vors n h ih n e t s is s e A d ariante us. Statt selbst die V eines Ausba n e tz u N n e nau. ch gen sbau der Do u wirtschaftli A m ferverbauun u U z n n CO e te g g n ti u s n la fe an die UNES er be und P d g n a ie re tr w h n o a A s rf n t e e V le aller Kach nen. ird, ein Einstellung e anzuerken traubing und regierung beauftragt w S rb , re g u n li lt u is k e 1. Sofortige G d fen atur- un er Staats der Staustu au als Weltn s, das von d s e s e a it P m 2. Rückbau d o n K u rgensburg ines Bürge wischen Re z 3. Bildung e u a n o D ie en, d lauszuarbeit eg sein. “Vie W r e g n la in dass nte es e tte gedacht, werden, kön ä t h ll r ü e rf e “w , n n e e g en rderun N-Aktiv ist den jung Bis diese Fo einen die JB d il m rb “, o t! V h “ ic t? n uch omm ember leicht aber a Transrapid so schnell k Wien im Dez n o v h c li d n zu ü e s d in Kraftwerk onau-Auen das Aus für e D r r e fü d e g n n lä u P esetz hten die Leuten die B ainburg brac . H in te s te ro Nationalpark in e n e u 1984. Die P A u ind die Dona Fall. Heute s


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Frei fließende Donau

RMD: der Bock als Gärtner

Foto: Willner

Kaum zu glauben, aber wahr: Für 33 Millionen Euro Steuergelder soll der geplante Donau-Ausbau noch einmal untersucht werden. Ausgerechnet von der Rhein-Main-Donau-Gesellschaft (RMD), die an einem Staustufenausbau das größte Interesse hat.

Der Autor Dieter Scherf ist der Vorsitzende der BN-Kreisgruppe Deggendorf und Mitglied des BNLandesvorstands.

Endspurt für die Donau

Mehr Info Alles rund um die Donau gibt es im Web: www.bundnaturschutz.de/ donau

Danke! Sie, liebe N+U-Leser, haben bereits 17 700 Unterschriften für die Donau gesammelt – allein seit der N+U 1-08 über 3500. Jetzt gilt es: Die europaweite Aktion endet Anfang September 2008 und muss ein unübersehbares Signal an Europas Politiker werden. Bitte gewinnen Sie noch einmal möglichst viele Menschen dafür, sich für die Donau einzutragen. Eine Liste finden Sie in dieser N+U. Senden Sie sie bitte an die BN-Landesfachgeschäftsstelle, Bauernfeindstraße 23, 90471 Nürnberg. Mehr Listen gibt es unter www.bund-naturschutz.de/donau.

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Donau-Blau oder Donau-Stau Eine Staustufe würde den Fluss zur grauen Betonrinne degradieren. EU-Koordinatorin Karla Peijs und BN-Vorsitzender Hubert Weiger sprechen über die Zukunft der Donau (kleines Bild unten).

Sanfter Ausbau ist Kompromiss

Foto: Kestel

Foto: Roggenthin

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amit wird der Bock zum Gärtner gemacht. Der Auftrag für diese Untersuchung stammt vom Bundesverkehrsministerium, wahrscheinlich um Zeit zu gewinnen. Konzept und Inhalte der Untersuchungen legt die RMD fest. Wie neutral ein privatwirtschaftliches Unternehmen urteilen wird, das an Planung und Bau verdient, lässt sich leicht ausrechnen – zumal die RMD auch über die Konzession zur Stromgewinnung mit Donau-Staustufen verfügt. Bereits in der Vergangenheit haben RMD-Vertreter keine Gelegenheit versäumt, eindeutig für den vollständigen Staustufenausbau der Donau Position zu beziehen. Hintergrund der jetzigen Situation: Durch einen Bundestagsbeschluss vom Februar 2002 ist die Bundesregierung auf einen naturschonenden Ausbau ohne Staustufen (Variante A) festgelegt. Ungeachtet dessen stellt die Regierung von Niederbayern aber als Ergebnis des Raumordnungsverfahrens von 2006 fest: Nur die von der Bayerischen Staatsregierung und der RMD eingeführte Variante mit einer Staustufe entspreche den Erfordernissen der Raumordnung. Damit besteht eine Pattsituation, denn einen Staustufenausbau kann das Bundesverkehrsministerium nicht in Auftrag geben, einen Ausbau entsprechend Variante A will es ohne Einverständnis Bayerns nicht in Angriff nehmen. In der Hoffnung auf eine Änderung der politischen Mehrheitsverhältnisse in Berlin versuchen die RMD und ihre Helfer, auf Zeit zu spielen und eine Vollkanalisierung des letzten freien Donauabschnitts unter der Hand vorzubereiten.

Bei einem Besuch der EU-Koordinatorin für die Binnenschifffahrt, Karla Peijs, an der niederbayerischen Donau Anfang Februar zeigten sich die Widersprüche zwischen Staustufenfraktion und Verteidigern der frei fließenden Donau noch einmal deutlich. Während RMD-Vertreter die Variante mit einer Staustufe zur einzig denkbaren Lösung erklärten, stellte Hubert Weiger für den Bund Naturschutz klar: Ausschließlich der sanfte Ausbau ohne Staustufen kommt als Kompromiss zwischen den Ansprüchen der Schifffahrt und dem Erhalt des europaweit bedeutenden Naturjuwels infrage. Die Donau besitzt in ihrem oberen und mittleren Lauf eine immense Bedeutung als Natur- und Kulturachse, als Verkehrsträger für den Gütertransport spielt sie hier jedoch nur eine geringe Rolle. Der Versuch, die Donau zu ruinieren, wird an europäischen Gesetzen scheitern: Die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und die Wasser-Rahmenrichtlinie setzen eindeutige Grenzen. Zudem besteht in Deutschland keine Aussicht, dass sich die Bundestagsmehrheit zu Ungunsten der Donau ändern wird. Abgeordnete aus allen Fraktionen außer der CDU/CSU haben sich zur Parlamentariergruppe »Frei fließende Flüsse« zusammengeschlossen, die sich für den Erhalt der letzen naturnahen Flusslandschaften Deutschlands einsetzt, insbesondere für die frei fließende Donau. Dieter Scherf (hl)


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ertreter des Bundes Naturschutz informierten sich vor kurzem auf dem Stengel-Hof über den aktuellen Stand in dem Fall, der vor über zehn Jahren seinen Anfang nahm: Ende 1997 wird neben dem Anwesen, in unmittelbarer Nachbarschaft der Viehweiden, ein Sendemast des Netzbetreibers T-Mobile errichtet. Im Laufe des Jahres 1998 erkranken die ersten Kühe des auf Milchwirtschaft spezialisierten Betriebs, und es häufen sich Fehl- und Totgeburten. Stechmücken und Bremsen, die auf Viehweiden für gewöhnlich anzutreffen sind, meiden den Bereich um den Sendeturm, Schwalben und Singvögel bleiben aus. Zeitgleich treten bei den Stengels selbst – Vater, Mutter und Sohn – Schlafstörungen, Unruhe- und Erschöpfungszustände und chronische Infekte auf.

Mobilfunk

Rindersterben durch Strahlenschäden Strahlenbelastung durch Mobilfunksender birgt ernsthafte Risiken für die Gesundheit von Mensch und Tier. Wer in der Nähe eines Sendemasts leben muss, hat oft eine langjährige Leidensgeschichte hinter sich – wie der Bauer Josef Stengel aus Oettingen im nördlichen Donau-Ries.

»Bis ins Jahr 2001 rätselten wir über die Ursachen«, erinnert sich Josef Stengel. Den Hinweis auf eine mögliche Strahlenbelastung durch den 80 Meter vom Haus und nur 20 Meter von der Weide entfernten Sendemast gibt schließlich der Tierarzt, nachdem im Jahr 2000 kein einziges gesundes Kälbchen zur Welt gekommen ist und die noch lebenden Kühe im nunmehr dritten Jahr unter Verhaltens-, Bewegungs- und Fortpflanzungsstörungen leiden. Blutbilder der Tiere ergeben extrem geringe Werte für weiße Blutkörperchen (Leukozyten), was auf eine geschwächte Immunabwehr hindeutet. Doch weder Infektionen noch andere Krankheiten oder eine durch Ernährungs- und Haltungsfehler verursachte Abwehrschwäche lassen sich nachweisen. Stattdessen bestätigen mehrere Tierärzte, darunter selbst der vom Umweltministerium entsandte Amtstierarzt, unabhängig voneinander, die Blutwerte seien typisch für eine fortgesetzte Strahlenbelastung.

Unliebsame Ergebnisse Davon will man im bayerischen Umweltministerium nichts wissen: Seit nunmehr sieben Jahren ist der Fall Stengel dort bekannt, amtstierärztlich untersucht und dokumentiert; auf Unterstützung wartet die gesundheitlich wie wirtschaftlich geschädigte Familie jedoch bislang vergeblich. Seitens des Bundesumweltministeriums und des Bundesamts für Strahlenschutz gibt es nicht einmal Stellungnahmen, und eine Eingabe beim Petitionsausschuss des Bundestags im Jahr 2003 wurde mit der Auskunft beschieden, die Bearbeitung verzögere sich wegen »der großen Anzahl sachgleicher Eingaben«. Ein Bescheid ist bis heute nicht eingetroffen. Ähnlich wie bei der umstrittenen »Rinderstudie« (Kasten) werden »missliebige Untersuchungsergebnisse unter Verschluss gehalten und totgeschwiegen«, vermutet die BN-Mobilfunkbeauftragte Helga Krause.

Fotos: Stengel

Rätselhaftes Rindersterben

Zwar hat sich die Situation der Stengels leicht gebessert, seit 2003 die Sendeleistung der Antenne reduziert wurde und die Familie ihre Schlafräume auf die senderabgewandte Seite des Hauses verlegte, doch als vorläufige Bilanz bleiben 14 tote Kühe, zwölf tote Kälber, über 50 Fehlgeburten und ein wirtschaftlicher Schaden von rund 60 000 Euro. Helga Krause (asw)

Folgen für die Landwirtschaft Hochfrequenzstrahlung von Mobilfunksendeanlagen kann zu schweren gesundheitlichen Störungen bei Tieren führen. Dafür sprechen nicht nur zahlreiche dokumentierte Fälle aus landwirtschaftlichen Betrieben in Deutschland, Österreich und der Schweiz, sondern auch die Ergebnisse der bayerischen »Rinderstudie«, die einen Zusammenhang zwischen der Strahlenexposition und dem Krankheitsbild der Tiere ergab. Entsprechende Passagen des Abschlussberichts wurden in der Endfassung jedoch »entschärft«, monieren Mobilfunkkritiker. Auch aufgrund ihrer Probandenauswahl ist die Studie umstritten. Dass es auch anders als in Bayern geht, zeigt die Schweiz, wo der Netzbetreiber Orange seinen Sendemast nahe Winterthur 2006 demontierte, nachdem ein benachbarter Landwirt über Jahre Fehl-, Miss- und Totgeburten bei seinen Kälbern zu beklagen hatte. Mehr zum Thema bei Helga Krause, BN-Mobilfunkbeauftragte, helga.krause@bund-naturschutz.de, und unter www.hese-project.org/de/emf/Studien

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Kranke Kühe, kranke Menschen Die Strahlung des benachbarten Mobilfunksenders wurde zur Belastung für Josef Stengel und seinen Betrieb.


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Dritte Startbahn: BN erhöht Druck

Foto: Margraf

Genau 60 527 Einwendungen gingen nach offizieller Zählung bei der Regierung von Oberbayern gegen die geplante dritte Start- und Landebahn am Flughafen München ein. Das gab die Behörde im Februar bekannt. Allen Lesern, die den Aufrufen in der Natur+Umwelt folgten und unterschriebene Einwendungen absendeten, dankt der Bund Naturschutz herzlich. Der BN erwartet, dass die Regierung das überwältigende Signal aus der Bevölkerung gegen den Flughafenausbau ernst nimmt.

Sollte die Regierung die dritte Startbahn dennoch genehmigen, wird der BN alle rechtlichen Möglichkeiten dagegen ausschöpfen. Um den politischen Druck auf die bayerische Staatsregierung zu erhöhen, soll vor der Landtagswahl im September eine Großdemo in München stattfinden. Den genauen Termin gibt Natur+ Umwelt im nächsten Heft bekannt.

Isental: Autobahnbau sofort stoppen Den offiziellen Spatenstich für die Isentaltrasse der A 94 im März bezeichnet der Bund Naturschutz als Skandal – ebenso wie die ersten behördlichen Anträge, betroffenen Grundstückseignern den Besitz an ihren Flächen zugunsten des Autobahnbaus abzusprechen. Mit den ersten Bau-

arbeiten hatte die Autobahndirektion sogar schon im Februar angefangen, ohne die bislang ausstehende Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichtes über die Revisionsanträge von BN und sieben Landwirten abzuwarten (N+U 1-08). In einem Brief an den bayerischen Innenminister Joachim

Herrmann kritisierte der BN im Februar, der Autobahnbau gehe zu Lasten der Isental-Bewohner, die die Autobahn nicht wollten. »Wenn sich die Politik hier nicht weiter vom Volk entfernen will, sollte der Bau umgehend wieder eingestellt werden.«

Das haben Vogelfans seit 2001 rund 2 300 000 Mal getan. Schorsch heißt der Storch, dessen Nest auf dem Alten Rathaus in Dinkelsbühl steht und von dessen Leben sich jeder dank der Webcam der BN-Ortsgruppe Dinkelsbühl live ein Bild machen kann. Im zugehörigen Web-Tagebuch des Storchenexperten Thomas Ziegler finden sich zudem

umfassende und aktuelle Infos über Meister Adebar. Darüber hinaus bietet die Ortsgruppe auch eine Website zu ihrem Schutzprojekt für Schleiereulen. Storchenkamera: www.storch24.de Schleiereulen: www.schleiereulen.de Weitere Infos: www.naturschutztagebuch.de

Foto: Willner

Dem Schorsch ins Nest geschaut

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Alptraum an der Kandahar Trotz eindeutiger Klimaprognosen, die für den Ski-Tourismus in den bayerischen Alpen keine Zukunft sehen, wird hier weiter in Schneekanonen und Infrastruktur für Skigebiete investiert. Das gravierendste Beispiel ist derzeit die Aufrüstung im Garmischer Skigebiet, das für die Ski-Weltmeisterschaft 2011 hergerichtet wird. »Mittlerweile nimmt man überhaupt keine Rücksicht mehr auf Schutzbestimmungen für Natur und Umwelt. Es zählen nur noch

Foto: Doering

die Vorgaben des internationalen Skiverbands FIS, mediengerechte Aufbereitung und Vollbeschneiung«, kritisiert Axel Doering, der Vorsitzende des BN Garmisch-Partenkirchen, das Geschehen an der sogenannten Kandahar-Abfahrt (Bild). Zur Finanzierung der nicht gedeckten Kosten werden in GarmischPartenkirchen mittlerweile Sozialwohnungen verkauft. Der BN fordert verantwor-

tungsvolle Konzepte für einen Alpentourismus, der dem Klimawandel gerecht wird.

Chance für mehr Ökolandbau Der Bund Naturschutz begrüßt das Förderprogramm der bayerischen Regierung für Landwirte, die ihre Betriebe auf ökologischen Landbau umstellen wollen. Das Programm hatte Landwirtschaftsminister Josef Miller im April vorgelegt. Danach erhalten Landwirte, die zum Biolandbau wechseln,

künftig während der zweijährigen Umstellungsphase eine zusätzliche Förderung. Insbesondere in der Milchproduktion war das aus Sicht des BN überfällig, da hier vor allem Importe die Nachfrage decken und die Biomolkereien dringend mehr ÖkoMilchbauern suchen. Das staatliche Pro-

gramm bietet zudem die vom BN seit langem geforderte Weideprämie neu an und unterstützt langfristige ökologische Ausgleichsflächen erstmals auch auf Wiesen. Mit diesen Maßnahmen hat der Minister die Kürzungen vom letzten Jahr wieder korrigiert.

Zecken: Naturfreunde aufgepasst 2008 wird ein Zeckenjahr. Aufgrund des insgesamt wärmeren Klimas steht zu erwarten, dass die Zeckenaktivität zunimmt und sich die kleinen Blutsauger in größere Meereshöhen sowie weiter nach Norden ausbreiten. Damit steigt auch das Risiko, sich mit der durch Zeckenbisse

übertragenen Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) oder der Borreliose zu infizieren. Einen Schutz gegen die gefährliche FSME bietet die entsprechende Impfung; die häufigere Borreliose kann man im Infektionsfall mit Antibiotika behandeln. Jeder, der sich auch nur vorübergehend in

freier Natur aufhält, sollte sich gegen FSME impfen lassen, rät der bayerische Gesundheitsminister Otmar Bernhard. Weitere Infos zu Zecken und zu BorrelienInfektionen gibt es unter www.bundnaturschutz.de/zecken.

Wie Umfragen des Bundes Naturschutz in Münchner Betriebsrestaurants zeigen, wünschen sich die Menschen hier vor allem Bio-Qualität. Dass knapp 15 Prozent der größeren Wirtschaftsunternehmen Münchens diesem Wunsch inzwischen nachkommen, ist ein Erfolg des jetzt abgeschlossenen BN-Projekts »Ökologisch Essen« unter der Leitung der Ernährungswissenschaftlerin Sonja Grundnig. Sie hatte in den vergangenen drei Jahren Betriebsrestaurants und Gastronomie-

Foto: Ruppaner

Voller Erfolg: BN-Großküchenprojekt betriebe beraten. Allein 2007 ließen sich daraufhin 15 Münchner Gastronomiebetriebe bio-zertifizieren. Zu den Wirtschaftsunternehmen, die auf Öko-Mittagsgerichte oder Öko-Komponenten umgestiegen sind, gehören die Versicherungskammer Bayern, die Hypo Vereinsbank und die Allianz Versicherung. Teil des mithilfe der GregorLouisoder-Umweltstiftung eingerichteten Projekts waren auch die Biokochwettbewerbe auf der Consumenta in Nürnberg (im Bild rechts: Sonja Grundnig).

Links rechts unten www.biodiversitaet.info In diesem offenen Wiki-Lexikon bieten die Deutsche Umwelthilfe und der Verein BildungsCent eine fundierte und knappe Einführung in das Thema Biodiversität.

www.daisie.se Rund 10 677 gebietsfremde Arten – sogenannte Neobiota – beinhaltet die englischsprachige Datenbank DAISIE. Sie wurde vom EU-Rahmenforschungsprogramm finanziert.

www.proplanta.de Für Landwirte konzipiert bietet der professionelle Wetterservice allen Interessierten vielerlei Messwerte und Wetterprognosen kostenfrei an.

www.nationalenaturlandschaften.de Nationalparke, Biosphärenreservate und Naturparke – die Website stellt Deutschlands großartige Naturlandschaften vor.

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Artensterben geht weiter »Wie, wie, wie hab ich dich lieb« – so klang der Ruf der Goldammer früher allenthalben über Feld und Flur. Heute steht der einstige »Allerweltsvogel« auf der Roten Liste.

Foto: Willner

Taten sind gefragt

Artenvielfalt in Bayern

Naturschutz braucht Investitionsprogramm

Trotz zahlreicher regionaler Erfolge – insbesondere auch dank des ehrenamtlichen Einsatzes der Naturschützer im BN – und der Rückkehr prominenter Tiere wie Biber oder Luchs dominieren bei den gefährdeten Arten Bayerns ungebrochen die abnehmenden Trends. Verschärft wird dies durch den anhaltend hohen Flächenverbrauch, durch Straßenneubau und Flurbereinigungsverfahren, bei denen der Naturschutz in der Regel der »Abwägung« zum Opfer fällt. Die größten Naturschutzdefizite in Bayern liegen dabei nicht im konzeptionellen Bereich – seit Jahrzehnten gibt es genügend behördliche Programme in den Schubladen. Auch die Instrumente und Methoden sind langjährig erprobt. Bayern hat im Naturschutz kein Erkenntnis-, sondern ein eklatantes Umsetzungsdefizit: Die Kluft zwischen seit Jahrzehnten bekannten Zielen und der Realität vor Ort wird immer größer.

2,65 Euro sind zu wenig

Am Jahresanfang stand der »Arten- und Biotopschutz in der Kulturlandschaft« im Fokus einer Anhörung im bayerischen Landtag. Um die Kluft zwischen Anspruch und Taten des staatlichen Naturschutzes zu verringern, forderte der Bund Naturschutz ein Investitionsprogramm.

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Foto: Mader

Foto: Roggenthin

Nachlesen Auf der BN-Website kann man die Antworten des BN zum Fragenkatalog der Landtagsanhörung sowie Prof. Dr. Hubert Weigers Statement nachlesen: www.bund-naturschutz.de/magazin

in Dutzend Experten, darunter der BN-Vorsitzende Prof. Dr. Hubert Weiger, diskutierte bei der Anhörung mit den Abgeordneten des Landtagsausschusses für Umwelt und Verbraucherschutz die Naturschutzsituation in Bayern. In ihren Statements benannten die Experten unisono die zu intensive Landwirtschaft als eine der Hauptursachen des Artenschwunds. Die Verarmung an Kleinstrukturen, die Monotonie der Nutzflächen und der viel zu hohe Nährstoffeintrag auch auf Grünlandflächen führen in der Agrarlandschaft Bayerns zu alarmierenden Bestandseinbrüchen. Selbst frühere »Allerweltsarten« wie Feldlerche, Goldammer, Rauchschwalbe oder Grasfrosch sind davon betroffen. Im Wald, wo es seit den 90er-Jahren positive Trends bei waldtypischen Arten gegeben hat, gefährden intensivierte Nutzung infolge der Forstreform und erhöhten Holzbedarfs die erzielten Fortschritte.

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Die Autoren Hubert Weiger ist der Landesvorsitzende des Bundes Naturschutz. Kai Frobel ist der BN-Referent für Artenund Biotopschutz.

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Angesichts der Herausforderungen beim Erhalt der Artenvielfalt reichen die 2,65 Euro, die das Umweltministerium pro Jahr und Kopf für konkrete Naturschutzprojekte einsetzt, bei weitem nicht aus. Der BN fordert daher ein »Investitionsprogramm Naturschutz und ländlicher Raum«, mit klaren Zeitvorstellungen und Finanzmitteln. Dazu sollte unter anderem gehören,  den Mitteleinsatz für das bayerische Landschaftspflege- und Vertragsnaturschutzprogramm im nächsten Haushalt des Freistaates zu verdoppeln,  die chronisch unterbesetzten Naturschutzbehörden zu stärken,  hoheitliche Schutzmaßnahmen auszubauen, zum Beispiel durch das Ausweisen neuer Naturschutzgebiete insbesondere für unzureichend gesicherte Natura2000-Flächen,  für das Naturerbe Buchenwälder einen dritten bayerischen Nationalpark im nördlichen Steigerwald zu schaffen,  alle naturschutzschädlichen Subventionen bei EU-Förderprogrammen abzubauen. Bereits seit Ende der 80er-Jahre läuft mit den Artenund Biotopschutzprogrammen in kleinen Teilen der bayerischen Landschaft eine Modell- und Testphase. Eine Investitionsoffensive, die die Schutzprogramme auf die gesamte Landesfläche überträgt und umsetzt, ist längst überfällig. Uns Bayern sollte das Netz des Lebens, die »grüne Infrastruktur«, ebenso viel wert sein wie die über Jahrzehnte einseitig bevorzugte technische Infrastruktur. Dr. Kai Frobel, Prof. Dr. Hubert Weiger (hl)


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Foto: Willner

Wesen aus Feuer und Wasser

Mit den auffälligen gelben Flecken, seinem »Feuer«, schreckt der Feuersalamander Feinde ab. Geboren wird er wie alle Amphibien im Wasser. Später lebt er in feuchten Laub- und Mischwäldern, die von Quellbächen durchzogen sind. Der Bund Naturschutz setzt sich für diese gefährdeten Lebensräume des Feuersalamanders ein.


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Widerstand in den Dörfern wächst

Gegen den Strom

Gegen Gen-Maisanbau in Kitzingen

Josef Göppel, MdB der CDU/CSU im Bundestag, stimmte als einziger seiner Fraktion gegen den Entwurf zur Änderung des Gentechnikgesetzes und die darin enthaltene Lockerung für Freilandversuche. Göppel begründete seine Ablehnung unter anderem damit, dass so »die freie Feldflur (…) zu einem unkontrollierbaren Experimentierfeld« gemacht werde. BN-Landesvorsitzender Hubert Weiger zollte dem CSUPolitiker dafür in einem persönlichen Schreiben seine Anerkennung: Göppels Abstimmungsverhalten gegen die Parteidisziplin sei »ein mutiges Zeichen für die Demokratie«.

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er Fall ist nicht der einzige: In den Landkreisen Kitzingen und Würzburg ist in diesem Jahr der Anbau von 90 Hektar der gentechnisch veränderten Maissorte »MON 810« der Firma Monsanto geplant – gegen erheblichen Widerstand in der Bevölkerung. Aufgrund der wachsenden Proteste wurden von den ursprünglichen 122 inzwischen bereits 26 Hektar Anbaufläche zurückgezogen. BN-Landesvorsitzender Hubert Weiger wertete dies als Erfolg der Bürgerproteste und

Oberfranken

Unterfranken

Mittelfranken

Oberpfalz

Regionen bis 2-2007 Neu gegründete Regionen von 3-2007 bis 1-2008

Niederbayern Schwaben

Gentechnikfreie Anbauregionen in Bayern (Stand 12. 1. 2008)

Oberbayern

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Karte: BN, Daten nach www.gentechnikfreie-regionen.de

Kitzingen protestiert »Wir Winzer möchten nicht, dass Kitzingen zur Gentechnikhauptstadt Bayerns wird. Der gute Ruf unserer Weinbauorte steht auf dem Spiel«, sagt Gerhard Roth (kleines Bild) vom gleichnamigen Weingut. Wie der Winzer protestierten zahlreiche große und kleine Kitzinger Bürger auf einer Demonstration im Februar gegen den GenMaisanbau.

Foto: BN

Foto: Büttner

Klaus Petter, Ortsvorsitzender des Bundes Naturschutz im fränkischen Weinbauort Mainstockheim, ist entsetzt: Direkt neben einer Neubausiedlung des Ortes will ein Schweinegroßmastbetrieb gentechnisch veränderten Mais anbauen.

appellierte an Bayerns Bauern, auf den Anbau von »Gen-Mais« freiwillig zu verzichten. »Jetzt ist die bayerische Staatsregierung gefordert, sich juristisch für regionale Anbauverbote einzusetzen«, so Weiger weiter. Der Bund Naturschutz unterstützt den Protest vor Ort, so zuletzt im Februar die Übergabe von 33 000 Unterschriften an CSUGeneralsekretärin Christine Haderthauer durch das »Bündnis Bayern für gentechnikfreie Natur und Landwirtschaft« und eine Demonstration der Gentechnik-Gegner in Kitzingen (Bild).

Tourismus und Weinbau gefährdet Agrogentechnik schadet dem Landkreis Kitzingen – das finden auch Weinbauern und Gastronomen aus Wiesenbronn, wo bereits vier der ursprünglich geplanten Anbauflächen zurückgezogen wurden: Neben Winzer Gerhard Roth (kleines Bild) fürchtet auch Marion Neubauer, Wirtin des Gasthauses »Schwarzer Adler« in Wiesenbronn, Touristen und Naherholungssuchende könnten von den Genmaisflächen abgeschreckt werden: »Es haben schon Reisegruppen abge-

sagt, als die Pläne bekannt wurden. Wir sind auch direkt betroffen, denn wir verwenden bewusst Lebensmittel aus der Region.« Für die Gastwirtin ist klar: »Die Risiken der Gentechnik sind nicht abschätzbar, deshalb sollte man auf Freilandversuche ganz verzichten.«

Kein GVO-freier Honig Hart trifft es auch die 160 Imker im Landkreis Kitzingen mit ihren rund 1300 Bienenvölkern: Die Hälfte der Betriebe und damit 700 Bienenvölker sind direkt von den geplanten Anbauflächen betroffen. Peter Maske, Bezirksvorsitzender des Imkerverbandes Unterfranken, sieht daher die großteils nebenberuflich betriebene Imkerei in Gefahr: »Um die Bienen und den Honig vor GVO-Eintrag zu schützen, müssen wir unsere Bienenvölker in einen anderen Landkreis bringen. Einige Betriebe haben bereits angekündigt, aufgrund dieser Bedrohung ganz aufzugeben«, so Maske. Wenn aber große Teile des Landkreises nicht mehr von der Honigbiene beflogen werden, wird eine Vielzahl von Blütenpflanzen nicht mehr bestäubt – mit gravierenden ökologischen Folgen. Maske fordert einen mehrjährigen Anbaustopp für gentechnisch veränderte Pflanzen, solange Risiken für die Bienen und den Honigverzehr nicht ausgeschlossen werden können. Marion Ruppaner (asw)


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Circus Maximus in Ellingen Einen Zirkus ganz besonderer Art gedenkt der Ellingener Stadtrat in der Region am antiken Limes zu veranstalten: Er befürwortet einen Freizeitpark, in Anspielung auf die Römerzeit mit »Aquädukt-FamilyRide«, »Neptuns World« und »Circus Maximus«.

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atürlich sprechen sich bei weitem nicht alle Ellingener für den »Limes-Freizeitpark« aus: Eine kritische Stellungnahme, die die BN-Kreisgruppe im Februar 2007 während des Raumordnungsverfahrens abgegeben hatte, war von vielen Bürgern und Kommunen begrüßt und sogar weiterverteilt worden. Für den Freizeitpark, der im Jahr 2011 an der B 2 eröffnen soll, sprechen sich im Stadtrat sowohl SPD als auch CSU aus. Der

Gentechnikfrei: Zusammen mit Bauern, Metzgern, Bäckern und vielen anderen aus dem Landkreis Roth und der Stadt Schwabach haben die beiden dortigen BNKreisgruppen im Oktober 2007 ein Bündnis für Gentechnikfreiheit in der Region gegründet. Prominenteste Unterstützer sind der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke, der Dekan Klaus Stiegler aus Schwabach, der Landrat Herbert Eckstein und Schwabachs AltOberbürgermeister Hartwig Reimann. Biotop gerettet: Die Sandmagerrasen auf dem ehemaligen Flugplatz Atzenhof in Fürth bleiben

Bau sollte eigentlich dieses Jahr beginnen, was sich aber glücklicherweise schwierig gestaltet, da die Investoren fehlen. Banken und Sparkassen wollen von dem Vorhaben nichts wissen, weil das Besucheraufkommen in den deutschen Vergnügungsparks laut einer Studie der Universität Augsburg schon heute an der Grenze der Wirtschaftlichkeit liegt. Zum Unmut der Menschen gegen den »Limespark« trägt bei,

erhalten. Anfang 2008 erklärte die Stadt Fürth die geplante Ansiedlung einer Solarfabrik der österreichischen Firma Ecotec auf dem Areal für gescheitert. Der Widerstand unter anderem des BN war dem Investor, der keinen anderen Standort in Fürth wollte, zu groß geworden. Eine Verwirklichung der Pläne hätte die letzten zehn des mit einst 20 Hektar größten Magerrasenbestandes der Stadt zerstört. Die BN-Kreisgruppe fordert die regierende SPD auf, sich an ihr Versprechen zu halten und den Magerrasen bei einem Scheitern des Solarfabrikprojekts dauerhaft zu sichern.

Wasser contra Stein: Der für Februar angesetzte Erörterungstermin für den geplanten Steinabbau bei Rothenstein wurde verschoben. In einer Stellungnahme hatte der BN Weißenburg-Gunzenhausen im November 2007 darauf hingewiesen, dass der Abbau die Trinkwasserquelle des Weißenburger Ortsteils Suffersheim gefährden und einen nach EU-Recht geschützten OrchideenBuchenwald zerstören würde. Daraufhin lehnte die Stadt Weißenburg das Vorhaben ab. Einen neuen Erörterungstermin gibt es bislang nicht.

Goldenes Kleeblatt: Der BN-Landesvorsitzende Hubert Weiger erhielt im November 2007 vom Oberbürgermeister seiner Wahlheimat Fürth, Dr. Thomas Jung, das »Goldene Kleeblatt«. Damit würdigte das Stadtoberhaupt Weigers jahrzehntelanges außerordentliches Engagement für den Natur- und Umweltschutz in Fürth. Von 1980 bis 1986 war Weiger Vorsitzender der Kreisgruppe Fürth, seit Ende der 70er-Jahre setzte er sich für den Erhalt von Tal-Auen, städtischen Wäldern und des Knoblauchslands ein.

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Foto: Konopka

Kreisgruppe Weißenburg-Gunzenhausen

dass das Areal 60 Hektar umfassen soll, womit das Projekt zwangsläufig Schutzzonen des Naturparks Altmühltal beanspruchen würde. Zudem würden die Fahrgeschäfte das Weltkulturerbe Limes wie auch Anwohner in mehreren Ellingener Ortsteilen mit bis zu 115 dB(A) Schalldruck erheblich beeinträchtigen. Fragwürdig ist auch, dass im derzeit noch laufenden Raumordnungsverfahren eine neue Zufahrt für die B 2 geplant ist. Leitete man pro Sommerhalbjahr die angeblich zu erwartenden 900 000 Freizeitpark-Besucher zusätzlich auf die Bundesstraße, könnte man die Durchgängigkeit des Wirtschaftsgütertransports nicht mehr gewährleisten. Sobald das Raumordnungsverfahren abgeschlossen ist und ein konkreter Bebauungsplan vorliegt, wird der BN genauestens auf die Umweltverträglichkeit achten. Als Thema für den regionalen Landtagswahlkampf eignet sich der »Limes-Freizeitpark« darüber hinaus allemal. Erhard Bendig (hl)

NATU R NOTIZEN AUS MITTELFRAN KEN

Foto: Bendig

Germanendorf geplant Hier am Karlshof soll der »Limes-Freizeitpark« entstehen, inklusive »Leuchtturm-Freefalltower«, »Germanendorf« und Bootsrundfahrt. Bleibt zu hoffen, dass die »Germanen« den Limes dieses Mal verschonen.


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Kreisgruppe Tirschenreuth

Bayernring im Hessenreuther Wald?

ntsprechende Vorplanungen für das »Bayernring« getaufte Projekt konnte die Kreisgruppe Tirschenreuth Ende 2007 aufdecken. Demnach sollen in einem circa 180 Hektar großen Waldareal zwischen den Naturparken Oberpfälzer Wald und Steinwald ein Motorsport- und Fahrsicherheitszentrum, eine Gokart-Bahn, eine Motocross-Strecke und ein Offroad-Park errichtet werden. Neben dem täglichen, 24 Stunden dauernden Übungs- und Testbetrieb würden jährlich mindestens vier Großereignisse wie Auto- und Motorradrennen zehntausende Motorsportfans anlocken und die umliegenden Orte massiv mit Lärm belasten.

Die Schöne aus Pleystein: Die Erhaltung alter Obstsorten ist in der Kreisgruppe Neustadt an der Waldnaab gleich mehreren Ortsgruppen ein besonderes Anliegen. In Waldthurn wurde im Herbst 2007 auf rund 2000 Quadratmetern eine Streuobstwiese mit alten Oberpfälzer Sorten – unter anderem der »Schönen aus Pleystein« – angepflanzt. Die Ortsgruppe Tännesberg beschnitt zusammen mit örtlichen Landwirten alte Bäume, entfernte Gehölzanflug und verbesserte die Standbedingungen für Frühjahrsblüher deutlich. Traktordemo: Auch in der Oberpfalz wehren sich immer mehr

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Der Bayernring wäre das Ende aller naturverträglichen touristischen Entwicklungsmöglichkeiten zwischen Erbendorf, Pressath und Weiden. Bis heute ist der ruhige und weitgehend unberührte Hessenreuther Wald ein von vielen Besuchern hoch geschätztes Erholungsgebiet. Gleichzeitig dient er als unersetzlicher Lebens- und Rückzugsraum für bedrohte Arten, zum Beispiel Schwarzstorch und Fischadler. Schon kurz nach Bekanntwerden des BMW- Vorhabens regte sich vor Ort massiver Widerstand: Ende Januar gründete sich mit Unterstützung der BN-Kreisgruppe die Bürgerinitiative »Keine Motorsportanlage im Hessenreuther Wald«; innerhalb von zwei Wochen wuchs

Umweltschützer gemeinsam mit Landwirten und Verbrauchern gegen den Anbau gentechnisch manipulierter Pflanzen. Anfang Dezember 2007 plädierten in Amberg 21 Landwirte und 150 besorgte Bürger auf einer eindrucksvollen Traktordemo für eine gentechnikfreie Oberpfalz. »Gentechnik ist der Versuch, uns alle in Gefangenschaft zu nehmen«, erklärte Hans Zacharias, der Vorsitzende des Biorings.

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Tierhotel: Der von der Ortsgruppe Floß im Landkreis Neustadt an der Waldnaab umgebaute Trafoturm (N+U 1-2007) entwickelte sich im letzten Jahr bei den Eulen zur ersten Adresse: Nach einer erfolgreichen Waldkauzbrut im zeitigen Frühjahr brachten die Schleiereulen im Frühsommer fünf Junge hoch und wagten sogar eine zweite Brut, von der gleich acht junge Schleiereulen ausflogen. Wenn das Umfeld stimmt, lässt sich auch für bedrohte Arten mit relativ geringem Aufwand das Überleben sichern.

Foto: Ortsgruppe

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Foto: Schwemmer

NATU R NOTIZEN AUS DER OBER PFALZ

Immer mit der Ruhe Die Stille, die dieses Bild ausstrahlt, will sich die Bevölkerung vor Ort nicht nehmen lassen. In kürzester Zeit formierte sich starker Widerstand gegen die Pläne von BMW, im Hessenreuther Wald ein Motorsportzentrum zu errichten.

die Zahl ihrer Unterstützer von 200 auf über 1000 an. In Zeiten des Klimawandels und Artensterbens wertet der Bund Naturschutz die Planung eines Offroad-Zentrums in einem geschlossenen Waldgebiet als ökologische Geisterfahrt und handfeste Provokation. Im Jahr 2006 hatte es BMW bereits im Landschaftsschutzgebiet Vorderer Bayerischer Wald bei Straubing versucht und war am Bund Naturschutz gescheitert (N+U berichtete). Von einem ähnlichen Vorhaben eines Privatinvestors blieb auch der Manteler Forst im Landkreis Neustadt an der Waldnaab verschont; der Widerstand der Bevölkerung war zu groß gewesen (N+U 2-2007). Karl Paulus (hl)

Foto: Murrmann

Foto: Paulus

Vor zwei Jahren scheiterte BMW mit dem Vorhaben, im Bayerischen Wald ein Offroad-Zentrum zu bauen. Jetzt gibt es Planungen, im Hessenreuther Wald bei Erbendorf ein riesiges Motorsportgelände zu realisieren. Steckt wieder BMW dahinter?

Naturoase Pausenhof: An der Grundschule Alteglofsheim im Kreis Regensburg ist der Pausenhof seit Herbst 2007 eine wahre Naturoase. Auf Initiative der BNOrtsgruppe legten Eltern, Kinder, Mitarbeiter des Obst- und Gartenbauvereins sowie BN-Aktive ein Buchenlabyrinth, eine Kräuterspirale, ein Duftstaudenbeet und Hecken an. Die örtlichen BN-Kindergruppen bemalten Stützpfähle und pflanzten über 500 Blumenzwiebeln.


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Blechkarossen oder Fischotter Diese Frage stellt sich angesichts einer geplanten Ortsumgehung bei Kirchberg. Von der Straße wären Lebensräume des Fischotters betroffen, zudem würde der Verkehr in einem bisher ruhigen Teil des Bayerischen Waldes deutlich zunehmen.

Leben lassen Wer hat Vorfahrt bei Kirchberg: ein weiterer Autobahnzubringer oder der vom Aussterben bedrohte Fischotter? Straßen gibt es bereits genug, intakte Lebensräume für den Wassermarder und das Gefleckte Knabenkraut sind äußerst rar.

zubringer keine Notwendigkeit, weil unter anderem mit der B 11 und der Ruselstrecke gut ausgebaute Straßenverbindungen in den Bayerischen Wald bestehen und das Angebot von Bus und Bahn erheblich verbessert werden könnte. Noch besteht die Hoffnung, dass der Landkreis angesichts der enormen Kosten von sechs Millionen

Maisverbot in Auen: Ausdrücklich begrüßt hat der BN das Urteil des Verwaltungsgerichts Regensburg vom 28. Februar 2008 zum Maisanbauverbot im Donau-Deichvorland zwischen Straubing und Vilshofen. Das Urteil bestätigt, dass in diesem Bereich allein Auwiesen

Foto: Kestel

Abgeholzt: Gegen den geplanten Ausbau der Staatsstraße 2132 südlich von Frauenau in den Landkreisen Regen und Freyung-Grafenau hat sich seit Ende März massiver Widerstand in der Bevölkerung entwickelt. Nicht nur wegen der immensen Eingriffe in Natur und Landschaft, sondern auch, weil die Öffentlichkeit an dem Verfahren nicht beteiligt wurde. Die beiden BN-Kreisgruppen organisierten am 20. April einen Protestmarsch zu der bereits abgeholzten Trasse, an dem rund 200 Menschen teilnahmen. Außerdem richtete der BN eine Petition an den Landtag, mit der er die sofortige Einstellung der Baumaßnahmen forderte.

Kreisgruppe Regen

Fotos: Willner

eit den siebziger Jahren vergeht kaum ein Wahljahr, in dem Politiker im Landkreis Regen nicht den Bau eines sogenannten Autobahnzubringers aus dem Raum Zwiesel zur Donau fordern. Vom Lallinger Winkel im Landkreis Deggendorf bis vor Kirchberg besteht bereits seit längerem ein fertig ausgebautes Teilstück, vorwiegend auf Kreisstraßen. Wohl anlässlich des aktuellen Wahljahrs 2008 wird jetzt dessen Fortsetzung mittels einer Ortsumgehung bei Kirchberg forciert, zuletzt im November 2007 mit Änderungen im Rahmen des seit 2002 laufenden Planfeststellungsverfahrens. In der aktuellen Fassung des Bauvorhabens endet die Straße an der Stelle, wo die Trasse bei Unternaglbach auf das FFH-Gebiet Rinchnacher Ohe trifft. Dass man sich genau dieses Stück bis zum Schluss aufgehoben hat, ist reine Salamitaktik. Der BN kritisiert insbesondere die drohende Zerschneidung der Landschaft, die zunehmende Lärmbelastung und die massiven Eingriffe in den Naturhaushalt. So wären beispielsweise Bereiche am Toten- und am Hackenbach betroffen, wo der vom Aussterben bedrohte Fischotter vorkommt. Auch ein kleines Moor östlich von Kirchberg mit Geflecktem Knabenkraut, Breitblättrigem Wollgras und Fieberklee würde zerstört. Nach Ansicht der BN-Kreisgruppe Regen besteht für den Autobahn-

Euro für rund vier Kilometer Ausbaustrecke von dem Vorhaben absieht. »Wir werden jedenfalls in den kommenden Monaten weiter gegen dieses Projekt protestieren«, betont der Kreisgruppen-Vorsitzende Roland Schwab. Horst Rösing (hl)

und Auwälder als »gute fachliche Praxis« anzusehen sowie hochwasser- und naturverträglich sind. Abgesehen davon wirkt sich der Maisanbau negativ auf die Artenvielfalt aus; zudem werden von Maisäckern in besonders hohem Maße Boden, Nährstoffe und Pestizide abgeschwemmt. Rückfragen: Kreisgruppe Deggendorf, 09 913 25 55, bund-naturschutz@degnet.de Grundstück im Vilstal: Die Kreisgruppe Landshut und die Ortsgruppe Vilsbi-

burg erwarben vor kurzem im Tal der Großen Vils eine Biotopfläche von 1,36 Hektar. Das ökologisch wertvolle Grundstück, ein Lebensraum vieler bedrohter Arten, liegt innerhalb der Grenzen des FFHGebiets »Vilstal« und leistet einen wichtigen Beitrag, die überregional bedeutsamen Feuchtgebiete in diesem Landschaftsraum zu sichern (Bild: Brigitte Engelbrecht vom Landshuter BN vor Ort).

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Foto: Riederer

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Kreisgruppe Traunstein

Engagement und Kompetenz Dank des ausdauernden Einsatzes der Bürger und der Schützenhilfe von renommierten Experten bleibt die Luft in Trostberg sauber. Im Bild: Peter Kurz von der Bürgerinitiative, Umweltwissenschaftler Prof. Dr. Michael Braungart, Kreisgruppen-Vorsitzender Herrmann Eschenbeck.

Foto: Rutkowski

Trostberg atmet auf

Die Firma SOTEC verzichtet darauf, mitten in Trostberg eine Müllverbrennungsanlage zu errichten. Mit ihrem erfolgreichen Engagement bewahrten die Bürger den Ort vor einer deutschlandweit neuen Dimension der Umweltverschmutzung.

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Lärm macht krank: Anlässlich der neuen, unzureichenden Lärmkartierung des Landesamtes für Umwelt von Ende 2007 will die BN-Ortsgruppe Raubling (Landkreis Rosenheim) gegen die große Lärmbelastung der Gemeinde aktiv werden. Die offizielle Darstellung unterschlägt beispielsweise Lärm unter 55 Dezibel, Gewerbe- und Industrielärm. Unter diesem leidet die Region jedoch ebenso wie unter dem Krach zweier Autobahnen und einer Bundesstraße. Für geplante Aktionen sucht die Ortsgruppe Mitstreiter: Tel. 0 80 35-59 08.

Foto: Willner

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m Januar gab die Firma SOTEC bekannt, dass sie ihre Pläne für die Müllverbrennungsanlage aufgeben will. Das Kraftwerk für Ersatzbrennstoffe sollte über eine Jahreskapazität von 150 000 Tonnen verfügen, in die Rauchgasreinigung wollte man 23 000 Tonnen Industrieabwässer eindüsen, die bisher als Sondermüll entsorgt werden mussten. Das wäre die erste Anlage dieser Art in Deutschland gewesen –

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eine neue Dimension der Umweltverschmutzung. Für die Gesundheit der Trostberger Bürger hatte es zunächst nicht gut ausgesehen: Der Stadtrat hatte die Pläne im Juni 2006 einstimmig genehmigt; das von der Bürgerinitiative »Saubere Energie für Trostberg« und den lokalen Umweltvereinen initiierte sowie von der BNKreisgruppe Traunstein unterstützte Bürgerbegehren gegen die Anlage

Historische Chance: Es war ein historischer Fehler, das Gelände der »Bayernoil« vor Jahrzehnten direkt in die Donau-Auen östlich von Ingolstadt zu setzen. Jetzt zieht sich die Firma zurück und eröffnet damit die historische Chance, das Areal der Natur zurückzugeben. Der BN setzt sich intensiv dafür ein, das angrenzende Naturschutzgebiet um die gesamte freiwerdende Fläche zu erweitern. Für seltene Pflanzen wie die Pyramiden-Hundswurz wäre das Gelände eine ideale Heimat.

Natur + Umwelt BN-Magazin [2-08]

war im Februar 2007 knapp gescheitert. Die Kraftwerksgegner aber gaben sich nicht geschlagen und starteten eine breit angelegte Informationskampagne. In deren Rahmen kamen Fachleute aus dem ganzen Bundesgebiet nach Trostberg, darunter der Umwelttoxikologe Prof. Hermann Kruse und der Umweltwissenschaftler Prof. Dr. Michael Braungart. Fazit: Die geplante Anlage bleibt weit hinter dem möglichen Stand der Technik zurück; ohnehin gibt es in Deutschland bereits zu viele, nicht ausgelastete Müllverbrennungsanlagen; Kraftwerke wie das in Trostberg geplante verhindern Recycling und die Entwicklung recyclingfähiger Produkte. Die Kampagne zeigte Wirkung: Im Trostberger Stadtrat brach große Nachdenklichkeit aus. Angesichts des verbesserten Informationsstandes war die Zeit für ein zweites Bürgerbegehren gekommen. Während der einleitenden Unterschriftensammlung erreichte die Trostberger die Nachricht vom endgültigen Rückzug des Betreibers. Ein guter Tag für Trostberg, Bayern und ganz Deutschland. Herrmann Eschenbeck (hl)

Jubiläum in Neubeuern: »Herr, gib uns Menschen Achtsamkeit und ein Gespür für die Natur. Nur so können wir deine Schöpfung bewahren.« Mit einem ökumenischen Gottesdienst zum Thema »Schöpfung bewahren« feierte die BN-Ortsgruppe Neubeuern im November 2007 ihr 20-jähriges Bestehen. Beim anschließenden gemütlichen Beisammensein würdigte Ernst Böckler, der Vorsitzende des BN Rosenheim, die Arbeit der Ortsgruppe. Biber willkommen: Im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen weiß man, was man am Biber hat. Der Flussmeister des Wasserwirt-

Foto: Kreisgruppe

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schaftsamtes freut sich über die Hilfe des »freien Mitarbeiters« Biber beim Hochwasserschutz. Seit der Biber in den Landkreis zurückgekehrt ist, begleitet die BN-Kreisgruppe (im Bild die Vorsitzende Carola Belloni) dieses Ereignis zusammen mit der Presse und stets ausgebuchten Exkursionen zu den Biberstellen. Die Menschen sind neugierig und freuen sich, dass ein rares Wildtier seinen Weg zurück in die gemeinsame Heimat gefunden hat.


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Kreisgruppe Memmingen-Unterallgäu

Müllverbrennung – nein danke

ei der Papierproduktion anfallende Reststoffe ja, Müll aus Kunststoffabfällen und Klärschlamm nein – so lässt sich das Ziel des Bundes Naturschutz auf den Punkt bringen. Die Firma Lang, eine Ettringer Papierfabrik, stellte Ende September 2007 den Antrag für Bau und Betrieb des neuen Heizkraftwerks, in dem ein Mix aus Gas und den genannten Stoffen verbrannt werden soll. Mit dem neuen Werk will die Firma ein Jahrzehnte altes Schwerölkraftwerk ersetzen sowie mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: ihren immensen Energiebedarf kostengünstig befriedigen und ihren Abfall aus der Papierherstellung beseitigen. Um den benötigten Heizwert zu errei-

Schüler im Pflegeeinsatz: Unterricht im Freien! Auf einer vom BN gepachteten Fläche der Rainer Lechheiden (Landkreis DonauRies) rechte die Klasse 5a der Gebrüder-Lachner-Hauptschule Mähgut zu großen Haufen zusammen. »Damit Schlangen ihre Eier darin ablegen können«, wussten die bestens informierten und hoch motivierten Fünftklässler. Zur Belohung gab es eine Brotzeit, die der BN spendierte. Die Ortsgruppe Rain hatte die Heide zuvor gemäht, um seltenen Orchideen das Wachstum zu ermöglichen.

chen und zudem die Rentabilität der Anlage zu steigern, soll der Fremdmüll aus 90 000 Tonnen Kunststoffabfällen beziehungsweise 40 000 Tonnen Klärschlamm als Brennmaterial hinzukommen. Da das alte Schwerölkraftwerk längst nicht mehr dem Stand der Technik entspricht und ein neues Werk wesentlich niedrigere Schwefeldioxid-Emissionen aufweisen würde, will niemand einen Neubau verhindern. Auch der Einsatz der Reststoffe aus der Papierfabrik ist für den BN noch akzeptabel, da diese Stoffe Holz und Holzfasern enthalten, welche sich CO 2-neutral verbrennen lassen. Inakzeptabel für den Bund Naturschutz und mehrere Bürgerinitiativen vor Ort ist jedoch

B 300 Teilerfolg: Nach massivem Einwirken des BN legte die Baubehörde des Landkreises AichachFriedberg im Oktober 2007 neue Pläne für den Ausbau der B 300 zwischen Dasing und Aichach vor. Gegenüber den ursprünglichen Plänen wurde der Landverbrauch um 30 Prozent verringert, die Anschlussstelle Aichach-West wurde aus der Hochwasserzone genommen. Der BN freut sich über diesen Erfolg, wenngleich die neue Planung noch immer überdimensioniert ist. Die Kreisgruppe wird sich deshalb weiterhin für eine vernünftigere Lösung einsetzen.

Lichtfest: Energiesparen fängt im Haushalt an, zum Beispiel mit sparsamen Haushaltsgeräten oder Energiesparlampen. Um das Bewusstsein für den Klimaschutz und den Beitrag jedes Einzelnen aufrechtzuerhalten, hat die BNOrtsgruppe Neusäß-Aystetten

Foto: Bößel

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die Erweiterung des Kraftwerks zur Verbrennungsanlage für Fremdmüll, da diese eine zusätzliche Luftbelastung sowie eine gigantische Rohstoffverschwendung darstellen würde. Ressourcen wie Kupfer-Reststoffe müssen wiederverwendet werden; nicht verwertbaren Müll könnten dafür geeignete, spezielle Anlagen mit niedrigeren Schadstofffrachten als das Ettringer Heizwerk verbrennen. Gering belasteten Klärschlamm auf Felder auszubringen stellt aus Sicht des Bundes Naturschutz gegenüber der Verbrennung die ökologischere Variante dar. Der BN, der eine umfangreiche Einwendung gegen das Kraftwerk in der geplanten Form verfasst hat, weiß die meisten Ettringer auf seiner Seite. Seit Januar setzen sich die Menschen in sieben Bürgerinitiativen gegen das Vorhaben der Firma Lang zur Wehr. Barbara Zach, Peter Rottner (hl)

Ettringen stinkt’s Seit circa zwei Jahren herrscht in Deutschlands Abfallwirtschaft Goldgräberstimmung. Immer neue Verbrennungsanlagen sind geplant. Den Ettringern stinkt das: Sie wollen sich ihre Atemluft nicht verpesten lassen.

(Landkreis Augsburg) ihr Lichtfest ins Leben gerufen, das im Oktober 2007 auf dem Gelände einer Gärtnerei zum ersten Mal stattfand. Unzählige Fackeln, Kerzen und Feuerstellen tauchten das Areal in warmes Licht. Mit kunstvoll arrangierten Lichtquellen wurden Momente geschaffen, an die sich alle Beteiligten gerne erinnern werden – und dadurch hoffentlich umso eher auch an die Tatsache, dass schon eine Glühbirne weniger ein Beitrag zum Klimaschutz ist.

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Foto: MEV

So nicht! Ettringens Bürger wehren sich gegen Pläne für ein großes Heizkraftwerk. Dabei geht es nicht um das Werk an sich, sondern um das, was dort verbrannt werden soll.


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Kreisgruppe Forchheim

BN sorgt für Ruhe in der Büg

Fotos: Kreisgruppe

Die Büg ist eines der Filetstücke der SandAchse Franken. Aber nicht nur seltene Tiere schätzen das Terrain, auch Industrie und Motorsportler lockt der Sand: Selbst im Naturschutzgebiet fanden sich Nutzungsspuren. Als Anwalt der Natur verhalf der BN dem Gebiet zu seinem Recht.

ach langem Kampf war im Jahr 2004 durch die Ausweisung eines Naturschutzgebiets ein gut 66 Hektar großes Teilstück der 120 Hektar umfassenden Büg gerettet worden. Aber Sandabbau und zweiwie vierrädrige Geschicklichkeitsfahrer in der direkten Nachbarschaft machten der Natur im Schutzgebiet zu schaffen; zudem kamen immer wieder Verletzungen der Naturschutzgebietsverordnung vor. So vernachlässigte die Firma Dormann, die in der Büg bis vor

Bunte Wiesen in der Stadt: An der Lucas-Cranach-Grundschule in Kronach befassten sich 2007 rund 100 Schüler intensiv mit dem Thema »Wiesen blühen lassen«. Dabei entstanden farbenfrohe Tafeln, die seither extensiv genutzte Flächen im Stadtgebiet kennzeichnen und auf die Beziehung zwischen Schmetterlingen und Blüten hinweisen. Die Aktion war Teil eines Gemeinschaftskonzepts der

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circa zwei Jahren Sand abbaute, aus Gründen »betrieblicher Zweckmäßigkeit« die Auflagen zur Renaturierung. Darüber hinaus plante die Firma auf den Flächen, die der Natur zurückgegeben werden sollten, einen neuerlichen Sandabbau. Nachdem der BN Ende September die Presse vor Ort auf die Missstände aufmerksam gemacht hatte, folgte im Oktober – ebenfalls auf BN-

BN-Kreisgruppe im Rahmen ihres Bildungsprojekts »Stadtoase« sowie Stadt und Schule für mehr Artenvielfalt auf städtischen Grünflächen. Ergebnis: Einige Flächen werden nur noch einmal im Jahr gemäht, so dass Wildkräuter wie Flockenblume, Johanniskraut, Wegwarte und Margeriten Mensch und Tier erfreuen. Mehr noch: Auch in Privatgärten und an öffentlichen Einrichtungen entstanden neue Blüteninseln. Damit erhielten Blüten besuchende Insekten neue Lebenschancen. »Froschek-Airlines«: »Wollt ihr euch vor Froschek ducken, müsst ihr viele Kröten schlucken«. Unter

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Foto: Kreisgruppe

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Foto: Kreisgruppe

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Büg wie Bogen Ursprünglich floss hier die Regnitz in Bögen – daher der Name. Heute ist die Büg geprägt durch Sandmagerrasen, Trockengebüsche und ein Altwasser. Eine der hier vorkommenden Großkäferarten ist der seltene Walker.

Initiative hin – eine Besprechung im Landratsamt. Mit Erfolg: Die Behörde stellte in Anwesenheit von Vertretern der Firma Dormann klar, dass die Auflagen zur Renaturierung zu erfüllen sind. Beim Umsetzen der nötigen Maßnahmen wollen Gewerbe und BN künftig sogar zusammenarbeiten. Leider bedeutete dies noch nicht die verdiente Ruhe für die Natur: Auf einer Ausgleichsfläche neben dem Naturschutzgebiet hatte sich vor zwei Jahren mit Genehmigung des Eggolsheimer Bürgermeisters Claus Schwarzmann ein Motorsport-Übungsplatz etabliert, nachdem die Quad-Freunde das Gelände zuvor bereits illegal genutzt hatten. Auch im Schutzgebiet fanden sich Radspuren. Auf einen Brief unter anderem des Bundes Naturschutz hin beraumte der Bürgermeister einen Lokaltermin zusammen mit Gemeinderäten, BN, Landesbund für Vogelschutz und Quad-Fahrern an. Auch hier verhalf der BN der Natur zum Sieg: Der Bürgermeister verhängte ein striktes Befahrungsverbot für die Fläche – eine gute Nachricht für Sandgrasnelke, Flussregenpfeifer und weitere 102 Arten der Roten Liste, die in der Büg leben. Friedrich Oehme, Ute Gellenthien (hl)

diesem Motto beteiligte sich das Bündnis »Bürger für ihre Region gegen den neuen Verkehrslandeplatz«, dem auch der BN angehört, am diesjährigen Coburger Faschingsumzug. Namensähnlichkeiten mit dem Coburger Unternehmer und vehementen Flugplatz-Forderer Stoschek sind natürlich rein zufällig. Auf dem Faschingswagen der Bürgerinitiative stand ein zusammengeschweißtes Flugzeug mitsamt sei-

nem Piloten »Froschek«; als Frösche verkleidete Aktive verteilten Weingummi-Kröten mit Fähnchen wie »Land-weg-Kröte«, die von den Zuschauern – anders als der Flugplatz – gerne geschluckt wurden. Das Bündnis wird seine Aktionen fortsetzen, damit das Coburger Land von dem Flugplatz verschont bleibt. Im August 2007 hatte die Landesplanungsbehörde sämtliche Standorte für einen neuen Flugplatz im Landkreis Coburg für geeignet befunden. Alle Gegenargumente wurden einer angeblichen Notwendigkeit untergeordnet (N+U 2-07).


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Kreisgruppe Haßberge

Ebern: Umweltminister unterstützt BN Der geplante Offroad-Park auf dem als FFH-Gebiet ausgewiesenen ehemaligen Standortübungsplatz Ebern ist vom Tisch. Jetzt wird heftig über eine andere Nutzung diskutiert. Prominente Unterstützung erhielt der BN dabei von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel. Alleine der FFH-Status sei schon ausreichend, dass eine naturverträgliche Nachnutzung gefunden werden müsse. Nach Auffassung des BN schließt dies einen OffroadBetrieb in jeglicher Form aus. Auch laut Bundesamt für Naturschutz besteht an der überragenden Naturschutzwürdigkeit des Gebiets kein Zweifel, es plädiert sogar dafür, dieses Gebiet in die Liste des Nationa-

Artenschutz mit Füßen getreten: Ohne die zwingend vorgeschriebene artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung begann die Gemeinde Oberstreu im Landkreis Rhön-Grabfeld Anfang des Jahres mit einer großflächigen Rodung für ihre höchst umstrittene Ortsumgehung bei Mittelstreu. Mehr noch: Obwohl die betroffene Streu-Aue als FFH-Gebiet ausgewiesen ist, haben die verantwort-

Heimatschutz: Auf einem Pressetermin im Schweinheimer Wald bei Aschaffenburg hat der BN im Februar gefordert, den ehemaligen Standortübungsplatz als Naturschutzgebiet auszuweisen. Damit will die Kreisgruppe die überragende Artenvielfalt des Gebiets für die Zukunft sichern und gezielte Pflegemaßnahmen zugunsten teils besonders seltener Arten ermöglichen. Das Gelände ist die Heimat

Foto: Schultheiß

Foto: Willner

des Steinschmätzers, der Gelbbauchunke und der Kreuzkröte (Foto). Umweltpreis: Dr. Clemens Kliesch wurde am Tag des Ehrenamtes im Dezember 2007 von der Kreisgruppe Rhön-Grabfeld und der Stadt Bad Neustadt mit dem Umweltpreis ausgezeichnet. Den bereits zum neunten Mal verliehenen Preis erhielt Kliesch für sein herausragendes Engagement im Artenschutz. Beispielsweise ist es sein Verdienst, dass bei Bauarbeiten am Rhön-Gymnasium auch Maßnahmen zum Fledermausschutz realisiert wurden. Natur+ Umwelt gratuliert.

len Naturerbes aufzunehmen. Angesichts der klaren ministeriellen Vorgabe ist es höchste Zeit, den Artenschutz nicht länger als lästiges Investitionshindernis abzuqualifizieren, sondern die Chance zu nutzen, ihn in ein tatsächlich naturschonendes Konzept einzubinden. Dr. Klaus Mandery, Helmut Schultheiß (hl)

Die Natur braucht Ebern Neben dem Purpurknabenkraut kommen auf dem Areal weitere 368 Arten der Roten Liste vor, darunter zwölf vom Aussterben bedrohte wie die Heidelerche. Zudem leben hier neun Arten mit stark begrenztem Verbreitungsgebiet.

lichen Behörden tatenlos zugesehen. Der BN forderte im Beisein der Presse umgehend einen Baustopp und beantragte eine ministerielle Überprüfung. Erfolg im Sinntal gefeiert: Fast zwei Jahre intensiver Arbeit hatte es gebraucht, bis 1984 das idyllische Sinntal mit seinen wertvollen Biotopkomplexen zwischen Burgsinn und Mittelsinn im Landkreis Main-Spessart gerettet werden konnte – vor der Staatsstraße 2304, die dorthin verlegt werden sollte. Im Februar dieses Jahres trafen sich Mitstreiter der damaligen Bürgerinitiative in Burgsinn, um den damaligen Erfolg zu feiern.

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ber drei Jahre hatte der Bund Naturschutz gegen die geplante Nutzung des Geländes als Offroad-Park gekämpft (N+U 3-06). Zwar läuft noch ein Klageverfahren gegen dieses Vorhaben, doch die Investoren des »Rotapark« genannten Projekts machten im Herbst 2007 erfreulicherweise einen Rückzieher. Seither sucht man vor Ort nach einem alternativen Nachnutzungskonzept für den früheren Übungsplatz der Bundeswehr. Mehr als 80 Interessenten mit den unterschiedlichsten Vorstellungen haben sich gemeldet, darunter erneut Befürworter eines Fahrsicherheitstrainings- und Offroad-Zentrums. Für den Motorsport setzen sich die Gesellschaft für Entwicklung, Beschaffung und Betrieb, ein Unternehmen der Bundeswehr, und – wie bereits für den Rotapark – die Stadt Ebern ein. Zusammen mit dem BN versucht die Bürgerinitiative »Kasernennutzung mit Vernunft« weiterhin, einen Offroad-Betrieb zu verhindern, und plädiert für naturverträgliche Alternativen. Dafür erhielt der BN Ende Februar bei einem Besuch von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel in Ebern prominente Unterstützung. Im Rahmen einer politischen Gesprächsrunde verdeutlichte der Kreisvorsitzende Dr. Klaus Mandery die herausragende Bedeutung dieses 300 Hektar großen Areals für den Artenschutz. Die Aussage des Ministers fiel denkbar klar aus:

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TIPPS FÜR AKTIVE

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Naturschutzzentrum Wartaweil

Bildung bayernweit Infos zum BNBildungsprogramm gibt es beim BNBildungswerk, Tel. 09 41-2 97 20 42, bw@bundnaturschutz.de, www.bund-naturschutz.de/kontakt/ umweltbildung

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asSerleben« heißt das Motto der ersten gemeinsamen Initiative aller Bildungseinrichtungen, die die Dachmarke »Umweltbildung.Bayern« führen. Unter der Schirmherrschaft von Bayerns Umweltminister Dr. Otmar Bernhard, dessen Ministerium die Dachmarke an knapp 100 ausgewählte Bildungsstätten verliehen hatte, finden dieses Jahr 450 Veranstaltungen rund ums Wasser statt. Mit dabei ist das Naturschutz- und Jugendzentrum Wartaweil am Ammersee. Hier spielt ein Wochenende lang die Wasser-Musik zum Wasser-Tanz, finden Groß und Klein ein reiches Angebot an Naturerlebnissen. Eine

Ausstellung zeigt das Flusssystem von Ammer, Ammersee und Amper, welches Schulklassen mit Sand und Lehm auf dem Freigelände des Umweltzentrums nachbilden können. Den Höhepunkt bilden ein Wasser-Feuerwerk der freiwilligen Feuerwehr Herrsching sowie die Illumination des Uferwaldes. Das Wasser-Wochenende in der BNÖkostation Wartaweil ist eine von 16 sogenannten Leuchtturmveranstaltungen der bayernweiten Bildungsinitiative, die in der Woche vom 31. Mai bis 8. Juni das Interesse der Menschen auf das Thema Wasser lenken soll.  Wartaweil, 31. Mai bis 1. Juni 2008

Jetzt bewerben

Das FÖJ bietet die Gelegenheit, ein Jahr lang konkret im Umweltschutz mitzuhelfen und unschätzbare Erfahrungen für das spätere Berufsleben zu sammeln. Die Auswahl an Einsatzstellen reicht von der Redaktion des BN-Magazins Natur+ Umwelt bis zum Nationalpark Bayerischer Wald oder zum Zentrum für angewandte Energieforschung in Würzburg, vom Waldkindergarten Pusteblume in Bernried bis zum Wasserwirtschaftsamt Landshut. Wer ab 1. September 2008 dabei sein will, kann sich ab sofort bewerben bei: Jugendorganisation Bund Naturschutz, Tel. 0 89-15 98 96 50, info@jbn.de. Mehr Infos unter www.foej-bayern.de

Freiwillig öko? Logisch!

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ie nächste Blade Night in München planen, Kampagnen für die frei fließende Donau gestalten, gegen Gentechnik im Essen protestieren! Oder für Klimamessungen auf Skitour gehen, Wildschweine im Walderlebniszentrum versorgen, Biber für die Wiedereinbürgerung in Rumänien fangen … Und natürlich neue Freunde finden: Wo gibt’s denn sowas? Nur im Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ) für junge Menschen im Alter von 16 bis 27.

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Nichts für Stubenhocker Biohof-Erlebnistour

Der Ausflug bei Wertheim westlich von Würzburg eröffnet Einblicke in zwei Öko-Betriebe: Eine Führung sowie Anbautipps für Blumen, Gemüse, Rosen, Kübelpflanzen und verschiedenste Balkonpflanzen gibt es in einer Bioland-Gärtnerei. Auf einem Bio-Bauernhof erfahren die Teilnehmer mehr über Lupinenkaffee, Avena-Haferreis, Schweinehaltung und Feldwirtschaft. Kontakt: Ökohaus Würzburg, Tel. 09 31-4 39 72, info@bn-wuerzburg.de  Wertheim, 31. Mai 2008

Foto: BN-Archiv

WasSerleben 2008

Foto: Fotolia / Abegglen

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Naturführerschulung Berge Wandern schien jahrelang etwas aus der Mode gekommen zu sein, doch heute liegt es wieder voll im Trend. Wer eine Bergtour mit einer Gruppe plant, benötigt Wissen und Erfahrung. Das Seminar für Eltern, Lehrer und Naturführer bietet Einblicke in die Ökologie der Alpen, beschäftigt sich mit Mythen und Sagen und gibt Aktionstipps für die Wanderung. Zur Schulung gehört auch eine Tour rund um den Herzogstand. Kontakt: Naturschutzzentrum Wartaweil, Tel. 0 81 52-96 77 08, wartaweil@bund-naturschutz.de  Wartaweil, 27. bis 28. Juni 2008

Weiße Pracht – kaputte Berge Die Exkursion mit Experten des BN-Landesarbeitskreises Alpen führt ins Spitzingsee-Gebiet. Vor Ort erhalten die Teilnehmer Infos zu den negativen Einflüssen des Skitourismus auf das Landschaftsbild, den Bergwald, die Artenvielfalt und den Sommertourismus. Kontakt: Naturschutzzentrum Wartaweil, Tel. 0 81 52-96 77 08, wartaweil@bund-naturschutz.de  Spitzingsee, 19. Juli 2008


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BN-VERANSTALTUNGEN UND WEITERE TERMINE Alte Bäume

GEO-Tag der Artenvielfalt Wie entwickelt sich Artenvielfalt in Schutzgebieten? Dieser Frage widmen sich rund 100 Experten bei der Hauptaktion des GEO-Tages im Nationalpark Bayerischer Wald. Nationalpark Bayerischer Wald (Siehe Seite B5), 14. Juni 2008 Kontakt: GEO-Redaktion, Tel. 0 4037 03 27 32, mueller.tom@geo.de und Jens Schlüter, schlueterjens@gmx.de

Kirschkerwa Familienfest und Informationstag rund um Kirschen und Streuobst. Kalchreuth, 6. Juli 2008 Kontakt: BN-Kreisgruppe Erlangen, Tel. 0 91 31-2 36 68, bn-erlangen@fen-net.de

Reichswaldfest Wald- und Familienfest in Nürnbergs grüner Lunge.

Nordbayerischer Naturschutztag

Nürnberg, 12. bis 13. Juli 2008 Kontakt: BN-Landesfachgeschäftsstelle, Tel. 09 11-8 18 78 -14, inge. kremer@bund-naturschutz.de

Vor 30 Jahren konnte der BN die Tallandschaft der Gumpen retten. Heute feiert die Kreisgruppe Tirschenreuth den Erfolg mit dem Nordbayerischen Naturschutztag inklusive Wanderung. Tirschenreuth, 27. Juli 2008 Kontakt: BN-Landesfachgeschäftsstelle, Tel. 09 11-8 18 78 -14, inge. kremer@bund-naturschutz.de (siehe letzte Heftseite)

Alpenkonvention

Bio-Erlebnistage

Die Veranstaltung stellt den Umsetzungsleitfaden zur Konvention vor. München, 18. Juli 2008 Kontakt: BN-Fachabteilung, Tel. 0 89 - 54 82 98 -63, fa@bund-naturschutz.de

Nürnberg als Bio-Modellstadt. Mit Infoständen, Musik und Schaukochen. Nürnberg, 8. bis 9. August 2008 Kontakt: Umweltamt der Stadt Nürnberg, Tel. 09 11-2 31 59 55

Foto: BN

Foto: Günter

Das Seminar für alle Interessierten informiert über die Bedeutung alter Bäume für die Artenvielfalt in Wäldern und Kulturlandschaft. Bad Staffelstein, 25. Juni 2008 Kontakt: BN-Waldreferat, Tel. 09 11-8 18 78 -21, ursula.erlweinblassl@bund-naturschutz.de

Faszination Seidenstraße Die Bahnreise von Moskau nach Zentralasien bietet unvergessliche Einblicke in die Natur und Kultur Asiens. Asien, 5. bis 25. Juli und 9. bis 29. August 2008

Die Reise führt nach Kaliningrad und weiter durch eine Welt aus Himmel, Sand und Meer. Russland / Litauen, 25. August bis 6. September 2008

Dänische Südsee

Foto: Vollmuth

Rund 15 300 Kilometer mit der Bahn unterwegs. Moskau begeistert mit Glanz, Sibirien mit endloser Weite, der Baikalsee mit tiefem Blau. Russland, 18. August bis 7. September 2008

Reise in eine Welt aus Feuer und Eis, Wasserfällen und Geysiren, offenen Weiten und Landschaften aus erstarrter Lava. Island, 12. bis 27. Juli 2008

Anzeige

Kurische Nehrung

Mit dem Zug geht es über kühn geschwungene Viadukte, durch Tunnel und Galerien, über hohe Alpenpässe und an blühenden Bergwiesen vorbei bis ans Matterhorn. Schweiz, 7. bis 13. September 2008

Transsibirische Eisenbahn

Island und Färöer-Inseln

Georgien Das kaum bereiste Grenzland zwischen Europa und Asien überrascht mit landschaftlicher Vielfalt, Kulturdenkmälern und wenig bekannten Traditionen. Georgien, 16. August bis 4. September 2008

Toskana Foto: TSC

Segeln – der Traum von Freiheit auf dem weiten Meer. Mit einem Einmaster geht’s durch die dänische Ostsee. Für die ganze Familie. Dänemark, 25. bis 31. August 2008

Glacier-Express

Abseits der üblichen Reiserouten entdeckt man auf herrlichen Wanderungen Wälder mit Orchideen,

urige Bergdörfer und zahlreiche Naturreservate. Italien, 20. bis 27. September 2008

Rofangebirge Das Gebirge in Nordtirol zwischen Achensee und Inntal ist wegen seines Reichtums an Pflanzen besonders interessant. Österreich, 21. bis 24. Juli 2008 Herausgeber: Bund Naturschutz in Bayern e.V. (BN), vertreten durch Peter Rottner, Landesgeschäftsführer, Dr.-Johann-Maier-Str. 4, 93049 Regensburg, www.bund-naturschutz.de Leitender Redakteur (verantw.): Manfred Gößwald (göß) Redaktion: Holger Lieber (hl), Christoph MarklMeider (cm), Tel. 09 41 -2 97 20-22, Fax -31, nu@bund-naturschutz.de Mitglieder-Service: Tel. 09 41 -2 97 20-29 und -20 Gestaltung: Gorbach GmbH, Utting a. Ammersee (Layout: Waltraud Hofbauer) Titelillustration: Janda+Roscher (Foto: iStock) Litho: Fotosatz Amann, Aichstetten Redaktion BUND-Magazin: Severin Zillich (verantw.), Am Köllnischen Park 1, 10179 Berlin, Tel. 0 30 -27 58 64-57, Fax -40 Druck und Versand: Brühlsche Universitätsdruckerei Gießen Anzeigen: BN Service GmbH, Eckertstr. 2, Bahnhof Lauf (links), 91207 Lauf an der Pegnitz, Tel. 0 91 23- 9 99 57- 30, Fax -99, info@service.bund-naturschutz.de Auflage: 101 500 Bezugspreis: Für Mitglieder im Beitrag enthalten, für Nichtmitglieder Versandgebühr ISSN 0721-6807 BN-Konto: Bank für Sozialwirtschaft, Konto 8 885 000, BLZ 700 205 00 BN-Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft, Konto 8 844 000, BLZ 700 205 00 Mit Namen gezeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder des BN wieder. Nachdruck nur mit Genehmigung des BN. Für unverlangt eingesandte Artikel oder Fotos keine Gewähr. Die Redaktion behält sich das Recht vor, Leserbriefe zu kürzen. »Natur+Umwelt« wird auf 100 % Recyclingpapier gedruckt.

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IMPR ESSUM

Foto: Bisping

BN-STUDIENREISEN | TEL. 0 91 23 - 9 99 57 10


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-jähriges Jubiläum Rettung des Waldnaabtals

Freunde mitnehmen, gemeinsam feiern

JANDA+ROSCHER, Die WerbeBotschafter

Als Bund-Naturschutz-Mitglied haben Sie doppelten Anlass zum Feiern. Bayerns größter Umweltverband wird heuer 95 Jahre alt, in einem knappen Jahrhundert hat er unzählige wertvolle Landschaften vor der Zerstörung bewahrt. Eine davon ist das Waldnaabtal, und dort feiert der BN ein zweites Jubiläum, denn vor 30 Jahren wurde diese wunderbare Flusslandschaft vor einem gigantischen Stausee-Projekt gerettet.

Zum Beispiel am Sonntag, den 27. Juli 2008. Der BN lädt Sie ein zur gemeinsamen Feier „30 Jahre Sieg über den Gumpenspeicher“: • 13.00 Uhr, Marktplatz Falkenberg: Wanderung durch das herrliche Tal der Waldnaab, mit Prof. Dr. Hubert Weiger, Vorsitzender des BN und des BUND • 16.00 Uhr, Gasthof „Zum roten Ochsen“: Gemütliche Einkehr im ältesten Wirtshaus der Oberpfalz

Ein Stück Ihrer bayerischen Heimat, das Sie dank des BN-Engagements noch heute erleben können.

Genießen Sie einen schönen Tag in ursprünglicher bayerischer Natur mit uns.

Infos und Anmeldung unter : bn.wuntir@gmx.de oder Tel. 0 92 33/48 02

www.bund-naturschutz.de

Natur+Umwelt 2-2008  

Klimaschutz statt heißer Luft Das Thema Klimawandel im Jahr 2008: mehr Worte als Taten in der Politik, mehr Lobby-Erfolge der Klimazerstörer...