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Natur+Umwelt www.bund-naturschutz.de Heft 1-2015  97. Jahr  1. Quartal

Vögel schützen


MI T GL IE DE R WE RBE N M ITG LIED ER

JANDA+ROSCHER, Die WerbeBotschafter

Foto: Selmannberger, BN-Archiv

GEWINNEN SIE FREUNDE FÜR DEN BN UND HELFEN SIE DER NATUR! Dieser Grauschnäpper hat eine Heimat gefunden – auf einem Grundstück des BUND Naturschutz. 3 000 Hektar wertvolle Lebensräume betreut der BUND Naturschutz mittlerweile und sichert sie damit dauerhaft. Und nicht nur das. Bayernweit wenden wir Zerstörungen der Umwelt ab und sind unermüdlicher Anwalt der Natur. Je mehr Menschen uns dabei mit ihrer Mitgliedschaft oder Spende unterstützen,

desto mehr können wir bewegen. Bitte helfen Sie uns dabei. Sprechen Sie Ihre Freunde und Bekannten auf eine Mitgliedschaft im BUND Naturschutz an. Die Natur sagt danke! Eine Beitrittskarte finden Sie im Heft. Vielen Dank für Ihr Engagement!

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Natur + Umwelt 1-2015

Inhalt BUND Naturschutz Bayern 4/5/6 Intern

7 Im Porträt Martha Mertens

8 Gut leben Imkern für ­Anfänger

9 Reiseseite

10– 21 Titelthema

22 Frühlingsbote Das Gänse­ blümchen im Pflanzen­ porträt

23 Fotoseite

24/25 Naturschutz Faszinierende Vielfalt der Wildbienen

26 Raus in die Natur Unterwegs auf der fränkischen SandAchse

27 Aktuell Vor Ort in Fukushima

28/29 Ökospot

30/31 BN vor Ort aktiv Amphibien­ retter im Einsatz

32 Der BN sagt »Danke!«

33 Aktuell Bayerns Zukunft: ver­ bauen, versiegeln, verkaufen?

34–41 Giga-Gewerbegebiet vor ­Gericht gestoppt und mehr Regionales

42 Bildung

43 Service

Inhalt BUND B1 Editorial und Inhalt

B2/B3 Magazin Kurznachrichten

B4 Kommentar Europas ­Naturschutz bedroht

B6/B7 Biosphärenreservat ­Niedersächsisches ­Wattenmeer

Vögel schützen

Über 400 Millionen Vögel hat Europa in den vergangenen 30 Jahren verloren, fast jeden fünften Vogel. Was den Vögeln wie hier dem Kuckuck besonders zu schaffen macht und ­ was wir für sie tun können, lesen Sie in unserem Titelthema. Seiten 10 – 21

B10 Aktion 40 Jahre BUND

B11– B14 Zur Zeit Große Demo »Wir haben es satt!« in Berlin, Schmetterling des Jahres und mehr Aktuelles B15 – B17 Aktiv B18/B19 Internationales B20/B21 Die junge Seite Wo bleibt der Wandel?

B22 Persönlich Torsten Kohl

Liebe Leser

Mut machen Über 1 Million Stunden ehrenamtlicher Arbeit haben BN-Mitglieder auch im Jahr 2014 wieder geleistet. Eine beeindruckende Zahl! Unsere Aktiven pflegen Biotope, retten Amphibien, organisieren Infostände, betreuen Kindergruppen und und und. Genau dieses Herzstück des Verbandes, die ehrenamtliche Arbeit, möchten wir Ihnen ab dieser Ausgabe mit der neuen Rubrik »BN vor Ort aktiv« vorstellen. Unsere Autorin ist jedesmal bei einer anderen Kreis- oder Ortsgruppe »live dabei« und blickt hinter die Kulissen. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen! Und vielleicht bekommt bei der ­Lektüre so manche und mancher selbst Lust, aktiv zu werden. Ihre Luise Frank, Redakteurin Natur+Umwelt

Mutige Menschen einerseits, hilflose Versuche, die Situation zu verharmlosen andererseits: Hubert Weiger und Richard Mergner verschafften sich einen Eindruck von der Lage in der Region Fukushima. Seite 27

BN vor Ort aktiv

BN-Aktive trotzen Kälte und Schneetreiben, um Amphibien während der Frühjahrswande­ rung das Leben zu retten. Seiten 30 / 31

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Fotos: Toni Mader

Bei der Auszeichnung: (von links) stellvertretende BN-Vorsitzende Doris ­Tropper, Preisträger Karl Ludwig Schweisfurth, BN-Vorsitzender Hubert Weiger, stellvertretender BN-Vorsitzender Sebastian Schönauer.

Naturschutzpreis 2014 für Karl Ludwig Schweisfurth

Ehrung für einen Visionär

Sein Name steht für einen achtsamen, würde­ vollen Umgang mit unseren Nutztieren. Karl Ludwig Schweisfurth, Begründer der Herrmanns­ dorfer Landwerkstätten, wurde im November in Glonn mit dem Bayerischen Naturschutzpreis des BUND Naturschutz ausgezeichnet.

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Liebe Mitglieder

er Lebensweg Karl Ludwig Schweisfurths ist geprägt von einer Kehrtwende: Einst war der heute 84-Jährige Besitzer des fleischverarbeitenden Industrie­ unternehmens Herta, heute ist er Biobauer aus Überzeugung. 1986 gründete Schweisfurth die Herr­ mannsdorfer Landwerkstätten und

Nach vorne schauen

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n den vergangenen Jahren hat Deutschland, hat Bayern so man­ chen Schritt in die richtige Richtung getan. Die Energiewende: beschlos­ sene Sache. Bayerns Felder: nach wie vor gentechnikfrei. Das letzte Stück der frei fließenden Donau: vor Staustufe und Kanal bewahrt. Im Rückblick muss man feststellen: 2014 hat sich diese positive Ent­ wicklung leider nicht fortgesetzt – im Gegenteil. Die umweltpoliti­ schen Weichenstellungen des ab­ gelaufenen Jahres sind aus unserer Sicht eine unerfreuliche Liste an Rückschritten und Fehlentschei­ dungen. Auf Bundesebene hat die große Koalition den dezentralen

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baute einen ökologischen Betrieb auf mit Landwirtschaft, Metzgerei, Bäckerei, Käserei, Brauerei, Hof­ markt und Wirtshaus. Seine Ziele waren eine neue Agrar- und Ernäh­ rungskultur und Achtsamkeit im Umgang mit Tieren. Mit der Verleihung des Natur­ schutzpreises, der höchsten Aus­ zeichnung des Verbandes, würdigt der BUND Naturschutz Schweis­ furths große Verdienste für die Fort­ entwicklung des ökologischen Landbaus, für eine artgerechte Tier­ haltung, die Erhaltung ganzheitli­ cher Lebensmittelqualität und die

Ausbau der regenerativen Strom­ erzeugung mit ihrer EEG-Novelle zurückgedrängt. In Bayern hat die Staatsregierung mit der 10H-Rege­ lung eine Mindestabstandsbestim­ mung für Windkraftanlagen zum Gesetz gemacht, die den Ausbau der Windkraft praktisch zum Erliegen bringen wird. Aber wenn der dezen­ trale Ausbau Erneuerbarer Energien nicht vorankommt, wie sollen dann riesige Stromtrassen von Nord nach Süd verhindert werden, wie Minis­ terpräsident Seehofer es vollmundig angekündigt hat? Auch im Bereich Landwirtschaft hat die verantwortliche Politik eine ganze Reihe von Chancen ver­ schenkt, endlich eine ökologische, bäuerliche Landwirtschaft zu för­

Förderung einer tragfähigen Agrar­ kultur. »Sie bekommen den Natur­ schutzpreis auch gerade deshalb, weil wir in Ihnen jemanden ehren, der begonnen hatte, die industrielle Produktion von Lebensmitteln und damit sich selbst infrage zu stellen, und der mit dem Ausscheiden aus seinem Unternehmen die Grund­ lage für seine heutige ökologische Lebensmittelherstellung gelegt hat«, erklärte der BN-Landesvorsitzende Hubert Weiger. »Sie sind damit nicht nur ein erfolgreicher Pionier des In seiner Festansprache betonte Karl Ludwig Schweisfurth, es sei kein ­Naturgesetz, wie heutzutage Lebensmittel zumeist erzeugt würden.

dern und nicht weiterhin einer um­ weltbelastenden Agrarindustrie rie­ sige Steuersummen in den Rachen zu werfen. Dass eine große Zahl von Bürgerinnen und Bürgern diese An­ sicht teilt, zeigte eindrucksvoll die Großdemo »Wir haben es satt« im ­Januar in Berlin, an der auch wieder zahlreiche BN-Aktive teilnahmen. Schauen wir nach vorne: Für alle Umweltschützerinnen und Umwelt­ schützer bleibt in diesem noch ­jungen Jahr 2015 also viel zu tun. »Global denken, lokal handeln« ist dafür ein gutes Leitmotiv, gibt es doch immer mehr Beschlüsse auf ­internationaler Ebene, die uns ganz konkret vor Ort betreffen. Die »Frei­ handelsabkommen für Konzerne« TTIP und Ceta sind nur ein Beispiel.


Zahlreiche Gäste waren zur ­Verleihung des Bayerischen ­Naturschutzpreises gekommen.

ökologischen Landbaus geworden, sondern auch der ökologischen, handwerklichen und regionalen Kreislaufwirtschaft, die wir als die zukunftsfähigste Form unseres Wirtschaftens ansehen«, so Weiger. Karl Ludwig Schweisfurths Ansatz gehe weit über den ökologischen Landbau hinaus, betonte der BNVorsitzende: »Es ist ein Ansatz, der anknüpft an handwerkliche Tradi­ tionen, der als Kreislaufwirtschaft funktioniert und der einen solidari­ schen Umgang nicht nur mit den Tieren, sondern auch mit dem Men­ schen zugrunde legt.« Karl Ludwig Schweisfurth hob in seiner Festansprache hervor, dass es kein Naturgesetz sei, wie Lebens­ mittel heute zumeist erzeugt wür­ den. »Das kann man auch anders machen. Wir haben schließlich in den letzten 50 Jahren das System, so wie es ist, in Gang gesetzt. Und wir können es auch wieder ändern«, so Schweisfurth. »Man kann Lebens­ mittel auch achtsam und kultiviert herstellen. Das ist unser tiefes An­ liegen hier. Wir möchten, dass unser ökologischer Fußabdruck, den wir bei der Nutzung der Natur für unse­ re Lebensmittel hinterlassen, leicht­ füßig ist.« Ökoromantik sei das nicht, sondern das heute Denkbare und Machbare. »Fleisch muss wie­ der kostbar und wertvoll werden. Lieber halb so viel, dafür dreimal so

gut«, erklärte Karl Ludwig Schweis­ furth. Die Ehrung fand in Gut Herr­ mannsdorf im Landkreis Ebersberg statt. Im Rahmen der Verleihung war die Installation »WIR, das Tier« des Künstlers HA Schult zu sehen. Der Bayerische Naturschutzpreis ist die höchste Auszeichnung des BUND Naturschutz. Der BN verleiht den Preis seit über 30 Jahren an

Auch wenn 2014 europaweit über eine Million Menschen mit ihrer Un­ terschrift dagegen protestiert haben, werden wir hier den Druck auf die Verantwortlichen in der P ­ olitik hoch halten müssen, damit diese Abkom­ men nicht zustande kommen. Und es gilt weiterhin, dass wir uns in ganz Bayern einsetzen gegen ­unsinnige Straßenbauprojekte, gegen Flächenfraß und eine kurz­ sichtige Wirtschaftspolitik zulasten von Natur und Umwelt. Wir werden uns weiterhin einsetzen für eine bäuerliche, ökologische Landwirt­ schaft, für den dezentralen Ausbau Erneuerbarer Energien und den Er­ halt von Artenvielfalt. Sie alle, liebe Mitglieder des BUND Naturschutz, können dazu beitragen, indem Sie

Präsenz zeigen: auf Demos sowie bei Ihren Kommunalpolitikern und Abgeordneten. Und natürlich durch den Kauf ökologischer und regiona­ ler Produkte. Nur wer sich äußert, kann gehört werden. Für den Artenschutz leisten viele von Ihnen wertvolle Arbeit. Der ­Mitarbeit zahlreicher Helfer ist es auch zu verdanken, dass die Rück­ kehr der Wildkatze in Bayerns ­Wälder so ­eindrucksvoll dokumen­ tiert wurde. Wenn im Frühling wie­ der die Zeit der Amphibienwande­ rung beginnt, werden Tausende von Ehrenamt­lichen in ganz Bayern viel Schlaf und Freizeit opfern und Tau­ senden von Amphibien bei ihrer Wanderung zu den Laichplätzen das Leben retten. Im Sommer werden

Hier serviert der Chef selbst: Die Gäste durften sich von der Qualität der ­hauseigenen Produkte überzeugen.

hoch verdiente Persönlichkeiten für ihr herausragendes Wirken im Natur- und Umweltschutz. Bisheri­ ge Preisträger waren unter anderem die indische Globalisierungskriti­ kerin Vandana Shiva oder Emmanu­ el Jungclaussen, Altabt des Benedik­ tinerklosters Niederalteich. (lf/hl) Sauwohl fühlen sich die Schweine, die Teil von Schweisfurths neuem Projekt, der Solidarischen Landwirtschaft, sind.

Foto: Roggenthin

fleißige Biotoppfleger zu Sense und Balkenmäher greifen. Mit ihrer Arbeit leisten sie einen wirkungsvollen Bei­ trag zum Erhalt unserer Lebens­ grundlagen. Für Ihr großartiges Engagement, liebe BN-Aktive, möchten wir Ihnen schon jetzt herzlich danken.

Ihr Prof. Dr. Hubert Weiger, Vorsitzender des BN Ihre Doris Tropper, stv. Vorsitzende des BN Ihr Sebastian Schönauer, stv. Vorsitzender des BN

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Büffel statt Bagger

Hierdurch kann bei minimalem Kostenaufwand eine artgerechte Tierhaltung praktiziert und dabei eine größtmögliche Artenvielfalt er­ halten werden. Auch der BN-Vorsit­ zende Prof. Dr. Hubert Weiger be­ zeichnete das Projekt als »absolut innovativ«, beachtenswert seien für ihn des Weiteren die Akzeptanz und das Verständnis der Bürger vor Ort.

Foto: Heimatministerium

Anwalt der Rabenvögel

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ür eine tolle Idee zur Biotoppfle­ ge erhielt die BN-Kreisgruppe Mühldorf den Umweltpreis der Bay­ erischen Landesstiftung von Hei­ matminister Dr. Markus Söder. Die­ ser wird seit 1972 an Personen oder Gruppen mit besonders innovativen Leistungen im Bereich Umwelt­ schutz verliehen. Die Kreisgruppe hat eine ideale Alternative zum Ein­ satz schwereren Geräts zur Bewah­ rung des Lebensraums seltener Arten wie etwa der Gelbbauchunke entwickelt. Bei der ehemaligen ­Weidefläche, die die Mühldorfer seit 1996 betreuen, sorgen Tiere wie etwa Wasserbüffel als eine Art »BioBagger« beim Grasen und Suhlen für eine Offenhaltung der Wiesen und die Entstehung von Tümpeln.

m November wurde der Natur­ schützer Dr. Ulrich Mäck für sein langjähriges Engagement für die Tiergruppe der Rabenvögel mit dem Emmy- und Karl-Kraus-Preis ge­ ehrt. Dieser wird von der KarlKraus-Stiftung in unregelmäßigen Abständen an Menschen mit beson­ deren Verdiensten um den Schutz freilebender Tiere und die Verbesse­ rung ihrer Lebensbedingungen ver­ liehen. Der Biologe ist in verschie­ denen Naturschutzgruppen aktiv, auch beim BN. Mäck konnte durch zahlreiche wissenschaftliche Unter­ suchungen wie etwa einem vielbe­ achteten Gutachten für das Bundes­ amt für Naturschutz mit vielen ­althergebrachten Vorurteilen auf­ räumen und die Verfolgung der Tiere als unbegründet entlarven. Wie Mäck sagte, sei der Preis ein Ansporn für ihn, »in den Bemühun­ gen für eine sachgerechtere Be­ handlung der verfemten Arten nicht nachzulassen«.

Foto: privat

Trauer um Winfried Potrykus

Dr. Winfried Potrykus aus Bamberg, begeisterter Reisender und hervorragender Kenner der ­heimischen Fauna und Flora, ist verstorben. Als Biologielehrer schaffte er es durch seine mitreißende, lebensfrohe Art, viele Schüler für die Natur zu begeistern. Die Buchenwälder im Nordsteigerwald schätzte Winfried Potrykus als das Wert­ vollste, was die Region zu bieten hat. Ihr dauer­ hafter Schutz war ihm ein großes Anliegen, er trug entscheidend zur Gründung des Freundeskreises Nationalpark Steigerwald bei. In seinem Vergleich von »40 Jahren Altnationalpark Bayerischer Wald und 38 Jahren ­Naturpark Steigerwald« werden die positiven Auswirkungen eines Nationalparks auf die Region deutlich sichtbar. 42 Jahre lang war Winfried ­Potrykus Mitglied im BUND Naturschutz Bayern. Mit ihm verliert der Verband einen der engagiertesten Streiter für einen Nationalpark Steigerwald.

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Neuauflage der »Geretteten Landschaften«

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egen des großen Erfolges er­ scheint im Rother Bergverlag eine Neuauflage des Wanderführers »Gerettete Landschaften« von ­Winfried Berner und Ulrike RohmBerner. Kaum gedruckt, wurde das Buch schon ausgezeichnet. Auf der weltgrößten Reisemesse ITB in ­Berlin erhielt es den ITB Buch Award in der Kategorie »Wander­ führer«. Das Buch war zum 100-jäh­ rigen Bestehen des Verbandes er­ schienen. Es ist keine Übertreibung zu sagen: Bayern sähe heute anders aus, wenn es den BN nicht gäbe. Die Weltenburger Enge wäre durch Staustufen zerstört, Moore wie das

Murnauer Moos und die Kendl­ mühlfilzen abgebaut und ausge­ trocknet, das Grüne Band zerpflügt, das Hafenlohr- und das Püttlachtal unter Stauseen verschwunden, die Rhönschafe, die dort heute das Landschaftsbild prägen und zu­ gleich fressend pflegen, längst aus­ gestorben. Dieser Wanderführer lädt ein, 40 gerettete Landschaften wan­ dernd zu erleben, und erzählt ihre oft schon fast vergessene Geschich­ te. Ausführliche Wegbeschreibun­ gen, detaillierte Kartenausschnitte, aussagekräftige Höhenprofile und GPS-Tracks zum Download machen alle Tourenvorschläge leicht nach­ vollziehbar. Zahlreiche Farbfotos wecken die Wanderlust. Eine Bestellkarte finden Sie ­hinten im Heft. Erschienen im Bergverlag Rother ISBN 978-3-7633-4438-3, 14,90 Euro


Martha Mertens

Foto: Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz

Im Marathon gegen Genmanipulation

Naturschutz lebt – auch, wenn es um die grüne Gentechnik geht. Dafür sorgt in Bayern ein breites Bündnis von Öko-Organisationen – und eine starke Frau. Für ihre Verdienste als unermüdliche Mahnerin vor den Risiken der Genmanipulation ­erhielt Martha Mertens jetzt die bayerische ­Umweltmedaille. Von Christoph Markl-Meider

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icht immer waren die CSU und ihre Staatsregie­ rung den Gegnern der Genmanipulation so wohl­ gesonnen wie am 13. November des zurückliegenden Jahres. Es war der Tag, an dem die Münchner Biologin und BN-Aktivistin Dr. Martha Mertens, 67, für ihr En­ gagement gegen grüne Gentechnik und als »Co-Archi­ tektin des gentechnikanbaufreien Bayerns« die Staats­ medaille für besondere Verdienste um die Umwelt er­ hielt – »als Zeichen der höchsten Wertschätzung ihres Wirkens«, wie Umweltministerin Ulrike Scharf bei der Übergabe betonte. Vergessen die blauäugige Grüne-Gentechnik-Eu­ phorie eines Ministerpräsidenten Edmund Stoiber mit seiner Forderung nach passenden Rahmenbedingun­ gen. Verdrängt die bundespolitische Vergangenheit eines Horst Seehofer als Gesundheitsminister, unter dem 1993 erstmals das Gentechnikgesetz dereguliert worden war, und der später als Landwirtschaftsminis­ ter eine Gesetzesnovelle vorlegte, mit der genmanipu­ lierte Pflanzen und Genfood hoffähig gemacht werden sollten. Noch bis 2006 sprach sich die CSU – übrigens Seit an Seit mit dem Bauernverband – gegen »überzogene Risi­ kodiskussionen« aus und förderte den Anbau transge­ ner Pflanzen im Freistaat nach Kräften. Dass das Land dennoch den Absprung geschafft hat und heute sogar ein eigenes Siegel für gentechnikanbaufreie Kommu­ nen bereithält, ist nicht zuletzt der langjährigen Auf­ klärungsarbeit von Martha Mertens sowie ihrer Mit­ streiterinnen und Mitstreiter im BN zu verdanken.

Architektin eines gentechnikanbaufreien Bayerns

Treffend heißt es dazu in der Laudatio der Staatsminis­ terin: »Mit der Ausdauer einer Marathonläuferin« warne Mertens vor den Risiken der Gentechnik, »die schwerer wiegen als die Chancen«. Dieses Fazit, so Scharf bewundernd, »artikuliert sie seit fast 30 Jahren in die Hitze der politischen Diskussion« – und dies in ganz verschiedenen Rollen, etwa als freiberufliche ­Biologin und gefragte Referentin, als Sprecherin der

­ rbeitskreise Gentechnik im BN und BUND oder als A Mitglied im Institut für Biodiversität in Regensburg. Begonnen hatte das Engagement der promovierten Wissenschaftlerin und Mutter dreier Kinder Ende der 1980er-Jahre nach einer Familienphase und mit dem Bericht der Enquetekommission des Bundestags zu Chancen und Risiken der Gentechnik. »Da ich Genetik und Entwicklungsbiologie studiert hatte, war ich grundsätzlich an dem Thema interessiert – vielleicht sogar fasziniert«, erinnert Mertens sich. Doch beim Lesen des Enqueteberichts wuchsen die Zweifel, was diese Technik bringt – vor allem welche Probleme. »So kam ich zum BUND Naturschutz.« In Bayern werden seit 2009 keine gentechnisch ver­ änderten Pflanzen mehr angebaut, auch die staatli­ chen und firmenfinanzierten Freisetzungsversuche wurden beendet. Dass dieses Umdenken ohne den Kampf eines breiten Bündnisses von Umwelt-, Ver­ braucher- und Landbauinitiativen gegen die Risiken der Genmanipulation in Landwirtschaft und Essen niemals erfolgt wäre, ist sich Mertens gewiss. »Mein Motto und meine Motivation ist: Nur wenn wir uns rühren und den Mund aufmachen, haben wir eine Chance.« Deshalb wird sie nicht müde zu mahnen: Nach wie vor setze sich die Bundesregierung auf EU-Ebene nicht konsequent gegen die Neuzulassung von gentechnisch veränderten Organismen ein. »Hier muss Deutschland mit einem klaren Nein stimmen«, fordert sie. Die Grundlage für den ökologischen Marathon-Ein­ satz von Martha Mertens bildet ihre Überzeugung: »Wenn ich eine Fehlentwicklung sehe und mich einset­ zen kann«, so formuliert sie, »dann habe ich eine Ver­ antwortung, das zu tun – für mich, die Kinder und alle Menschen.«

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Herzlichen Glückwunsch! Für ihren Einsatz gegen die Risiken der Gentechnik erhielt Martha Mertens (rechts) die bayerische Umweltmedaille. »Bei ihr kommen nüchterne Wissenschaft und persönliche Überzeugung auf sehr lautere Weise zusammen«, so Staatsministerin Scharf.

Kontakt Dr. Martha Mertens, BN-Arbeitskreis Gentechnik, ­martha.mertens@ t-online.de


GUT LEBEN

Selbst Imkern

GUT LEBEN

Einfach und natürlich Bienen zu halten, das ist ein faszinierendes Hobby – und muss nicht einmal schwierig sein. Am besten, Sie achten neben dem Honigertrag auch auf eine artgerechte Betreuung der Tiere.

Illustration: Frauke Weinholz

Honig aus eigener Ernte

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ür immer mehr Menschen ist die Herkunft und Qua­ lität ihres Essens von großer Bedeutung. Viele zie­ hen und ernten ihr Gemüse wieder selbst. Oder ma­ chen den Jagdschein, um sich mit gutem Fleisch zu versorgen. Marmelade, Saft und andere Köstlichkeiten werden heute häufig in der eigenen Küche hergestellt.

Honigbienen brauchen Imker

Auch die Imkerei erfreut sich immer größerer Beliebt­ heit. Sie wird zunehmend jünger – und weiblicher. Viele Menschen wollen ihren eigenen Honig ernten. Und tun so nicht nur sich selbst etwas Gutes, sondern auch der Natur. 80 Prozent unserer Pflanzen sind auf die Bestäubung durch Honigbienen, Hummeln & Co. angewiesen. Ohne sie wäre unsere Landschaft be­ Die Autorin trächtlich monotoner, die Artenvielfalt geringer, und Sarah Bude betreut wir Menschen müssten auf ein Drittel unserer Lebens­ die Öffentlichmittel verzichten. Zudem sind Bienen faszinierende keitsarbeit von Wesen. Sie zu beobachten und ihr Verhalten zu studie­ Mellifera e.V. ren, lässt einem das Herz höher schlagen. www.mellifera.de Trotz ihrer immensen Bedeutung sind viele Bienen­ arten heute stark gefährdet – so auch die Honigbiene. Sie leidet unter Viren, Krankheiten und der industriel­ len Landwirtschaft mit ihren Pestiziden. In vielen Regi­ onen finden Honigbienen kaum noch Nahrung und würden ohne die Hilfe von Imkern verschwinden.

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Imkern ist nicht schwer und fast überall möglich – selbst in Großstädten. Doch zunächst einmal sollten Sie gut überlegen, wie Sie Ihre Bienen halten wollen: Konventionell oder artgerecht und ökologisch? Inten­ siv oder extensiv? Steht der Honigertrag im Vorder­ grund, oder das Ziel, zum Naturschutz beizutragen? Und wie viel Zeit möchten Sie investieren? Davon ist die Auswahl der Bienenwohnung und damit auch die Imkereitechnik abhängig. Bei der ökologischen Imkerei sind das Wohl der ­Bienen und ihre artgerechte Haltung von großer Be­ deutung. Die Bienen werden hier nicht vorsorglich mit Medikamenten behandelt. Sie bekommen keine künst­ lichen Mittelwände vorgesetzt, sondern dürfen ihre Waben selbst bauen. Auch dürfen sie ihren Schwarm­ trieb ausleben, denn nur so vermehren sich Bienenvöl­ ker natürlicherweise. Auch werden die Bienenvölker nicht allein mit Zucker zugefüttert (den die Tiere ja in der Natur nie fressen würden), sondern erhalten ihn vermischt mit Honig und Kräutertee. All diese Regeln orientieren sich an den natürlichen Bedürfnissen der Bienen. Dadurch erleiden sie weniger Stress und sollten auf Dauer besser gegen Krankheiten und andere schädliche Einflüsse gewappnet sein.

Tipps für Einsteiger

N  ehmen Sie an einem Imkerkurs teil, z. B. beim Ver­ ein Mellifera, dessen Fokus auf der wesensgemäßen, ökologischen Bienenhaltung liegt. S  uchen Sie sich einen »Imkerpaten«, bei dem Sie zu­ schauen, lernen und sich austauschen können. S  ollte sich in der Nachbarschaft kein Imker finden, der Ihnen einen Schwarm abgibt, erhalten Sie hier Schwärme: www.schwarmboerse.de S  ollten Sie keinen eigenen Garten oder Balkon haben, um eine Bienenwohnung aufzustellen, fra­ gen Sie bei anderen Gartenbesitzern oder der Kom­ mune nach. Diese stehen Bienen oft positiv gegen­ über.  Wichtig ist, dass Ihre Bienen die ganze Saison über genug Nahrung finden. Sorgen Sie dafür, dass es in Ihrem Garten oder auf Ihrem Balkon lange und bunt blüht: www.bluehende-landschaft.de N  eben einer Bienenwohnung brauchen Sie als Jung­ imker oder Jungimkerin Stockmeißel, Smoker, Besen und Schleier. Sarah Bude


REISEN

REISEN

Foto: Winfried Berner

Schöne Pflanze Freiheit Im Steigerwald können Bäume ihre volle Lebensspanne lang wachsen. Und als Totholz dienen sie anderen Arten als Lebensraum und Nahrung.

Wandern im Steigerwald

Auf dem Weg zum Nationalpark Die fränkischen Urwälder sind ein Fenster in die Vergangenheit – und vielleicht eines in die Zukunft.

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ilbergraue Baumstämme ragen wie Säulen in den Himmel. In der Luft ein Aroma aus Frische und Er­ digkeit. Unten krallen sich moosige Wurzeln in den Hang. Durch die kirchenhafte Stille zwischen den Bäu­ men plätschert ein Bach. In Serpentinen folgen wir dem sogenannten Schlangenweg durch die schlucht­ artigen Seitentäler des Böhlgrundes im nördlichen Steigerwald. Die Steilhänge sind unrentabel für die moderne Waldwirtschaft. So hat sich mit dem Schlucht­ wald aus Ahornarten, Buchen, Eichen, Eschen und Els­ beeren ein Stück Natur erhalten, in dem sich seltene Vögel wie Habicht und Kolkrabe und auch der Uhu fin­ den. In dem Maiglöckchen, Schwalbenwurz und das Weiße Waldvögelein blühen. Und in dem sich bei uns ein »Waldgefühl« einstellt, eine Mischung aus Idylle, Mystik und leiser Ahnung davon, wie es hierzulande einmal ausgesehen haben mag.

Wo Bäume alt und morsch werden dürfen

Auf über 11 000 Hektar gedeihen zwischen Ebrach, Ge­ rolzhofen und Eltmann Laubwälder in einem ökolo­ gisch hochwertigen und ursprünglichen Zustand. Diese Wälder würden sogar die Standards als UNESCOWeltkulturerbe erfüllen, aber nur, wenn sie den Status eines Nationalparks erhielten. Ein Ziel, für das der BUND Naturschutz seit Jahren zusammen mit lokalen Befürwortern wirbt. Vor dem Hintergrund der heiß geführten »Nationalpark-Debatte« führt uns diese ­ BUND-Reise in die Urwälder hinein, über moosige Steine und umgefallene Baumstämme, an Quellbä­ chen und Waldweihern entlang. So betreten wir an einem Tag das Naturwald­reservat Brunnstube, geführt von Ralf Straußberger, BN-Wald­

referent und Geschäftsführer des Freundeskreises Na­ tionalpark Steigerwald. Viele der bemoosten Buchen haben in »Menschenhöhe« einen Durchmesser von weit über einem Meter. »Die meisten Menschen ken­ nen ja gar keine richtigen Wälder mehr, wo Bäume aller Altersstufen vorkommen«, erklärt Straußberger. »Denn obwohl Buchen 400 Jahre alt werden können, werden sie heutzutage meist mit 120 Jahren gefällt, also in ihren Jugendjahren.« Wir versuchen uns vorzustellen: Um 1700 haben diese Kolosse als grüne Triebe aus dem Boden gespitzt. »Diese Bäume dürfen alt und morsch und damit zu Biotopbäumen werden«, erklärt Strauß­ berger. Also zu einem Paradies für Hummeln, Wildbie­ nen, vielerlei Käfer und andere Insekten, für Waldfle­ dermäuse und für Vögel wie Specht, Kauz, Kolkrabe und den bedrohten schwarz-weißen Halsbandschnäp­ per. In den Aushöhlungen ihrer rissigen Rinde finden all diese Lebewesen Nahrung und Schutz. In fünf Tagen erwandern wir verschiedene Schutz­ zonen, wir staunen über manchen Baum-­Methusalem und begreifen, wie intakte Natur funktioniert. Immer wieder überrascht uns, wie direkt die Wildnis übergeht in historische Kulturlandschaft, in die fränkischen Wein­anbaugebiete. Vom Zabelstein mit seinem Aus­ sichtsturm können wir das Mosaik aus Wäldern, Fel­ dern, Weinbergen und kleinen Dörfern mit Streuobst­ wiesen gut erkennen. Bei Ebrach wandern wir die ­idyllische Weiherkette im Handthalgrund entlang, ein Erbe der Zisterziensermönche, die berühmt für ihre Wassertechnik waren. Auch das nahe Kloster und die Kirche besuchen wir. Wir streifen über die Ruine Stoll­ burg mit ihrem achteckigen Bergfried. Und natürlich kehren wir in Gastwirtschaften und einmal bei einem Bio-Winzer ein. Schließlich laufen wir in diesen fünf Tagen einiges an Kilometern und Höhenmetern. Da haben wir uns ein gutes Essen und ein Gläschen Fran­ kenwein verdient. Lucia Vogel

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Erster Reisetermin 18. bis 23. April 2015 (nur noch wenige Plätze frei) Zweiter Reisetermin 30. September bis 5. Oktober 2015 Infos zu Reisepreis und Anmeldung unter BUND-Reisen, ReiseCenter am ­Stresemannplatz, ­Stresemannplatz 10, 90489 Nürnberg, Tel. 09 11-5 88 88-20, Fax 09 11-5 88 88 22, www.bund-reisen.de


Seltene Schönheit Der Purpurreiher zählt zu den großen Schönhei­ten und Raritäten un­serer Vogelwelt. Er brütet nur sehr lokal in Südwestdeutschland, könnte aber mit steigenden Temperaturen nach Norden wandern.

Über 400 Millionen Vögel hat Europa in den vergan­ genen 30 Jahren verloren, fast jeden fünften Vogel. Das ermittelte kürzlich eine britische Studie. Spür­ bar seltener sind vor allem einstige Allerweltsvögel geworden, wie Star, Haus­ sperling oder Feldlerche. 10 

Foto: Mathias Schäf/birdimagency

Vögel schützen

Vor einem »stummen Frühling« warnte einst die Amerikanerin ­Rachel Carson. In unserer Agrar­ landschaft ist er heute vielerorts Realität. Wie steht es um den Vogelschutz in Deutschland? Was macht unseren

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Vögeln besonders zu schaffen? Bei welchen Arten sind die größten Ver­ luste zu beklagen, welche konnten sich dank gezielter Hilfe erholen? Und was tut der BUND, damit im Frühjahr weiter die Vögel singen? Lesen Sie unser Titelthema!


Rettet die Vögel!

Vom Alpengipfel bis zur Küste, vom tiefsten Wald bis in die Zentren unserer Großstädte: Vögel ­begleiten uns auf Schritt und Tritt. Kaum vorstell­ bar, dass sich das einmal ändern könnte. Doch viele Arten sind heute gefährdet. Ihr Schutz muss uns ein Anliegen sein.

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in Winter vor vielen Jahren: Im tief verschneiten Garten steht ein Futterhaus. Wieder und wieder ­fliegen Meisen, Spatzen, Kleiber und Gimpel he­ran, ­picken rasch ein paar Körner und stieben zurück ins schützende Geäst. Auch Eichelhäher und Buntspecht bedienen sich, die Kleinvögel halten dann Abstand. Plötzlich bemerken wir Kinder einen prächtigen Fin­ ken mit imposantem Schnabel. Ein Glück, das Vogel­ buch weiß Rat: Ein Kernbeißer ist es, mein erster!

Zauber des Vogelkuckens

Wer beginnt, Vögel zu beobachten, betritt ein Reich reizvoller Entdeckungen. Gleich, ob sie niedlich und vertraut wirken wie das Rotkehlchen oder scheu und wild wie der Sperber, der zuweilen unsere Wintergäste attackierte: Vögel sind – zumal aus der Nähe oder mit dem Fernglas betrachtet – ein optischer Genuss. Und mehr als das. Sei es, weil sie fliegen können, sei es ihr Gesang, ihr farbiges Federkleid, ihre Allgegenwart und Vielfalt: Vögel wecken seit jeher Interesse, Bewunde­ rung und Sympathie. Wer in jungen Jahren Feuer fasst, ist ihnen oft lebenslang verbunden. Für nicht wenige Naturschützer im BUND legte die Vogelbeobachtung den Grundstein ihres Engagements. Und auf Schutz sind unsere Vögel angewiesen, heute mehr denn je. Weil sie verfolgt und dezimiert werden wie manche Krähen- und Greifvögel oder der Kormo­ ran. Weil sie weiter in Massen gejagt werden wie Wild­ gänse und Tauben oder unsere Zugvögel auf ihrem gefahrvollen Weg zwischen Brutgebiet und Winter­ ­ quartier. Und schließlich und vor allem, weil ihre Le­ bensräume verschwinden und speziell unsere Kultur­ landschaft im­mer monotoner und lebensfeindlicher wird.

Viel mehr Wissen

Keine Frage: Manche Arten konnten sich in den ver­ gangenen Jahrzehnten deutlich erholen und – wie See­ adler oder Schwarzstorch – von gezielten Schutzmaß­ nahmen profitieren. Die Bilanz des deutschen Vogel­ schutzes ist dennoch negativ. Dabei sind wir über keine heimische Tiergruppe besser im Bild: Wie häufig sind bestimmte Vögel? Welche Ansprüche haben sie, wo

brüten sie? Welche Arten sind gefährdet, welche vom Aussterben bedroht? All dies ist in Deutschland gut be­ kannt, vor allem dank Tausender Hobby-Ornithologen. Seit diese ihre Beobachtungen nicht mehr nur privat aufzeichnen, sondern auf Plattformen wie www.ornitho.de und naturgucker.de veröffentlichen, erweitert sich unser Wissen sprunghaft. Rote Listen für Brut- und Zugvögel und die jährlichen Statusberichte »Vögel in Deutschland« vermitteln detailliert, wie es um unsere Vogelwelt steht. Immer bessere Bestimmungshilfen tun ein Übriges, mit einer Fülle von Spezial­literatur, re­ gionalen Avifaunen, mit CDs und Apps zu Vogelstim­ men sowie brillanten Ferngläsern.

Wer Vögel schützt …

Im BUND hat der Vogelschutz eine lange Tradition. So verhalf die Kampagne »Rettet die Vögel« dem BUND schon in den 70er-Jahren zur nötigen Schlagkraft, um vielfältige Ziele verfolgen zu können. Wie ja der Vogel­ schutz nie allein den Vögeln zugutekommt. Denn wer ihnen nachhaltig helfen will, muss für intakte Lebens­ räume sorgen. Davon profitieren zahllose Tiere und Pflanzen – und natürlich auch wir Menschen. Schließlich spiegeln die Entwicklungen in unserer Vogelwelt den Zustand der Natur als Ganzes. Weil Vögel verbreitet und mobil sind, auch über die Grenzen und Kontinente hinweg. Nicht eben wenig spricht also da­ für, weiter viel für ihren Schutz zu tun – damit Vögel auch in Zukunft unser Leben bereichern. Severin Zillich

Der Autor Severin Zillich ­durfte seine Diplomarbeit über die Verbreitung von Girlitz, Birkenzeisig und Wachol­der­ drossel schreiben.

Süd-Nord-Gefälle Vogelreich ist Deutschland vor allem im Nord­ osten, an Elbe und Oder.

Anzahl der Brutvogelarten (2005 – 2009)* <60 61 – 80 81 – 100 101 – 120 121 – 140 > 140

(aus: ADEBAR)

Vogelschutz

Artenspektrum unvollständig erfasst * ø 126 km2 pro Quader

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Foto: www.5erls-naturfotos.de

Bedrohte Vögel

Wacholderdrossel 60 – 70%

Koloniebrüter an Waldrändern, in Feld- und Ufergehölzen, Baum­ reihen, Obstgärten und Parks. 125 000–250 000 Re­viere vor allem im Mittelgebirge und Alpenvorland, im Tiefland deutlich seltener. Deutschland wurde erst Mitte des 20. Jahrhunderts von Osten her be­ siedelt. Der langfristig positive Trend hat sich seit 1990 umgekehrt. Seitdem ging der Be­stand bundes­ weit stark zurück, was sich (mit ­großen regionalen Schwankungen) abgeschwächt bis heute fortsetzt. Die Ursachen sind unbekannt.

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Rebhuhn >90%

In Deutschland Kulturfolger, bevorzugt in reich ge­ gliederten Ackerlandschaften mit Feldrändern und einem Mix ein- und mehrjähriger Brachen, die ganz­ jährig Nahrung und Deckung bieten. Als Lebens­ räume dienen auch Wiesen, Viehweiden und Abbau­ gebiete. Hauptvorkommen im nordwestdeutschen Tiefland, gen Osten zunehmend lückenhaft verbrei­ tet. Derzeit noch 37 000 – 64 000 Reviere, oberhalb von 500 Metern weitestgehend verschwunden. Die intensive Landwirtschaft führt seit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu großen Verlusten, die sich bis heute fortsetzen. Mit Ausnahme der Kernvor­ kommen im Nordwesten wurden weite Bereiche vollständig geräumt, speziell in Ostdeutschland, das 1985 noch fast geschlossen besiedelt war.

Foto: Peter Hering /birdimagency.com

Foto: blickwinkel /C. Wermter

*Zugunsten der Aussagekraft und Vergleichbarkeit sind nur Arten mit über 1000 Brutpaaren berücksichtigt.

Berichten wir über bedrohte Naturschätze, so ­rücken die immer gleichen Vögel ins Bild. Weiß­ storch, Seeadler oder Eisvogel sind bewährte »Flaggschiffarten«, mit denen Naturschützer – auch im BUND – gerne für ihre Ziele werben. Doch die am schnellsten schwindenden Vogelarten sind weit weniger bekannt. Wir stellen Ihnen die zehn Arten unserer Brutvögel vor, die zwischen 1990 und 2009 die größten Verluste erlitten haben.* Aus ihren Steckbriefen wird deutlich, wel­ che ­Faktoren unserer Vogelwelt heute am meisten z­usetzen. Die Daten zu dieser Übersicht lieferte der neue Brutvogelatlas ADEBAR.

Foto: Holger Dörnhoff/birdimagency.com

Die großen Verlierer

Baumpieper 60 – 70%

Typischer Brutvogel halboffener ­Lebensräume wie Heiden, Moore, Auen und Feldgehölze, lichte Wälder, Waldränder. Mit 250 000–355 000 Re­ vieren im nord­deutschen Tiefland noch relativ häufig, im Süden deut­ lich seltener. Trend seit Langem ne­ gativ, bis heute an­haltend starker Rückgang vor allem im Südwesten. Grund: Verschlechterung der Rastund ­(afrikanischen) Überwinte­ rungsgebiete sowie die ausgeräumte Agrarlandschaft, die Aufgabe exten­ siver Weidehaltung und flächen­ deckende Eutrophierung.

Bluthänfling 60 – 70%

Besiedelt strukturreiches Kultur­ land, Heiden oder Ruderalflächen. Im monotonen Agrarland sind Dorfränder und Siedlungsbrachen letzte Refugien. Noch 125 000 – 235 000 Reviere, deren Dichte nach Süden hin abnimmt. Seit Jahrzehn­ ten starker Rückgang, größte Ver­ luste in Bayern und BaWü. Ursache ist vor allem die flurbereinigte Landwirtschaft, in der Wildkräuter, Ackerrandstreifen und Brachen ­keinen Ort mehr haben. Auch die Versiegelung ruderaler Siedlungs­ flächen trägt zum Rückgang bei.


Feldschwirl 60 – 70%

Brütet bevorzugt in Uferzonen, Mooren, Hochstaudenfluren und Seggenrieden, extensiven Feucht­ wiesen, -weiden und -brachen, aber auch in Windwürfen und Schlagflu­ ren im Wald. Mit 36 000 – 63 000 Re­ vieren bundesweit verbreitet, im Norden nahezu flächendeckend. Bestand entwickelt sich uneinheit­ lich und stark schwankend, doch seit Längerem deutlich rückläufig: wohl durch Verluste seiner Lebens­ räume in Wald und Flur sowie ­Trockenheit im Winterquartier (unter anderem Sahelzone).

Foto: Thomas Hinsche/birdimagency.com

Foto: Rosl Rössner/birdimagency.com

Wiesenpieper 80 – 90%

Besiedelt (halb-)offenes, ex­tensives Feuchtgrünland, auch Moore, ­Salz­wiesen, Dünen und Brachen. 40 000– 64 000 Reviere vor allem im norddeutschen Tiefland. Bis 1950 häufiger Brutvogel, nach großen Ver­lusten heute im Binnenland nur in geringer Dichte, im Süden weit­ gehend auf Bergwiesen be­schränkt. Trend langfristig negativ, seit 1990 weiter (und drastisch) rückläufig. Ursache: die Intensivierung der Landwirtschaft, mit entwässerten Feuchtwiesen, starker Eutrophie­ rung etc.

Kiebitz 70 – 80%

Brütet bevorzugt in Feuchtwiesen und auf Viehweiden, weicht auch auf Ackerflächen aus. War vor allem im norddeutschen Tiefland und ­Alpenvorland großflächig verbreitet. Noch höchstens 100 000 Brutpaare. Schon vor 1990 starker Rückgang vor allem durch die Trocken­legung von Feuchtgebieten und an­ schließende Landnutzung. Wegen der Industrialisierung der Landwirt­ schaft seit 1990 weitere hohe Verlus­ te, die bis heute andauern. Viele einst gut ­be­siedelte Regionen fast völlig verwaist.

Foto: Richard Steel/birdimagency.com

Foto: www.5erls-naturfotos.de

Brütet in halboffenen Landschaften mit Sträuchern, Bäumen und kur­ zer, schütterer Vegetation, wo er seine Hauptnahrung Ameisen fin­ det. Nur noch sehr lückenhaft ver­ breitet, hauptsächlich im Westen des nordostdeutschen Tieflands. Bestand (derzeit 8500 –15 500 Revie­ re) langfristig rückläufig, nahm vor allem 1990 –2000 stark ab. Wesent­ lich ist dafür der Verlust nährstoffar­ mer Grasfluren infolge hoher Eutro­ phierung, verstärkt durch Flurberei­ nigung, Pestizide und die Rodung von Streuobstwiesen.

Foto: blickwinkel /B. Zoller

Foto: Thomas Hinsche/ birdimagency.com

Wendehals 80 – 90%

Uferschnepfe 50 – 60%

Brütete einst in Mooren, Auen und Salz­wiesen; wechselte nach deren Kultivierung in Feuchtwiesen. Heute zumeist auf Marschen/Inseln der Nordsee und Feuchtgrünland in NDS und NRW be­grenzt; Restpos­ ten bis ins Donautal und zum Stet­ tiner Haff. Nahm vor allem im Bin­ nenland drastisch ab, von 20 000 (80er-Jahre) auf heute 3900 – 4400 Brutpaare. Hauptgrund: Umbruch und Entwässerung von Feucht­ wiesen plus intensive Mahd und ­Beweidung. Aufwärtstrend nur in unbeweidetem Deichvorland.

Waldlaubsänger 50 – 60%

Brütet zumeist in mehrschichtigen Laubwäldern, teils auch großen Parks und Friedhöfen mit wenig Unterwuchs und alten Bäumen. ­ Mit 115 000–215 000 Revieren ist Deutschland fast überall besiedelt: in hoher Dichte im nord(ost)­ deutschen Tiefland, dünnt südlich des Mains deutlich aus. Nimmt seit den 90er-Jahren stark ab: nach Ver­ änderungen im afrikanischen Win­ terquartier? Als Bodenbrüter wohl auch beeinträchtigt durch Zunahme der Wildschweine und eutrophierte, vergraste Waldböden.

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Die Stimmen von Rebhuhn, Kiebitz oder auch Kuckuck gibt es als Klingel­ töne zum Download: www.bund. net/klingeltoene


Die Kraft der Aufklärung Herr Bairlein, etlichen Zielarten des deutschen Vogel­ schutzes geht es blendend. Seeadler und Wanderfalke, Uhu oder Kranich sind heute viel häufiger als vor 20, 30 Jahren. Wird Deutschland zum Vogelparadies? Für charismatische Arten, deren Rückgang wir früh er­ kannt haben, hat sich die Situation definitiv gewaltig verbessert, dazu können wir uns nur beglückwün­ schen. Doch durch den Fokus auf diese auffälligen Vögel haben wir lange nicht wirklich wahrgenommen, dass viele einst verbreitete Arten auf dem Rückzug sind.

Neben den Fernziehern scheint eine weitere ­Artengruppe stark gefährdet … Richtig, die Vögel der Normallandschaft. Wir haben un­ sere Landschaft in großem Stil umgebaut, mit dramati­ schen Folgen. So gibt es im Herbst einfach keine Rude­ ralpflanzen mehr. Wie sollen Stieglitz oder Gold­ammer heute ein Fettpols­ter für den Winter anlegen? Gerade für viele Jungvögel stellt der Herbst ein Nadelöhr dar. Natürlich müssen wir die Brutzeit im Blick be­halten. Doch auch der Nachwuchs muss ja überleben. Um diese Nicht-Brutzeit-Lebensräume haben wir uns bis­ her nicht nennenswert gekümmert.

Die Forstwirtschaft baut ihre Holzäcker in Misch­ wälder um, der Anteil des Ökolandbaus wächst, neue Nationalparks entstehen, Flussauen werden renaturiert. Warum macht sich all das nicht positiver bemerkbar? Weil viele Faktoren, die speziell unsere Zugvögel bedrohen, au­ ßerhalb der Brutgebiete liegen. Und die haben wir bisher fast völlig vernachlässigt. Bislang ist ja kaum bekannt, was Arten wie Turteltaube, Kuckuck, Rauchschwalbe oder Waldlaubsänger europa­weit in die Knie zwingt. Auffäl­ lig dabei ist: Vö­gel, die ins tropische Afrika ziehen, sind insgesamt stärker bedroht als die, die innerhalb Euro­ pas bleiben. Gerade in den Durchzugsgebieten und im Winterquartier verlieren wir immer mehr Lebensräu­ me. Unser nationaler Artenschutz bleibt erfolglos, wenn die Schlüsselfaktoren für den Rückgang im Ausland lie­ gen. Warum werden viele Durchzügler im Wattenmeer seltener, obwohl wir im Weltnaturerbe beste Bedingun­ gen bieten? Da müssen wir über den Tellerrand gucken und unserer Verantwortung in Zeiten der Globalisie­ rung auch im Ausland gerecht werden.

Als Gegenmittel empfehlen selbst manch prominente Vogelkundler, Vögel übers ganze Jahr zu füttern. Das ist natürlich keine Lösung. Damit erreichen wir keine der Arten, denen es heute schlecht geht. Man kann doch nicht mit einer Futterhausmentalität hof­ fen, der Rauchschwalbe zu helfen. Nein, gegen die fort­ schreitende Verarmung unserer Kulturlandschaft hilft nur eine andere, ökologischere Agrarpolitik.

Foto: Rolf Nagel

Interview

Der Experte Franz Bairlein bei der Untersuchung von Steinschmätzern in Alaska.

Professor Franz Bairlein zählt zu den führenden Ornithologen ­unserer Zeit. Der Direktor der ­Vogelwarte Helgoland in Wil­ helmshaven gibt seit 1998 das »Journal of Ornithology« heraus und war 2010 – 2014 Präsident der »International Ornithologists’ Union«. Vorrangig erforscht er den Vogelzug. Daneben stellt er sein Fachwissen gerne und regel­ mäßig in den Dienst des globalen Vogelschutzes. Severin Zillich sprach mit dem langjährigen BUND-Mitglied über die Lage der Vögel in Deutschland.

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Welche Entwicklungen machen Ihnen außerdem Sorge? Wir haben einen enormen Nutzungsdruck auf die Flä­ che, nicht zuletzt durch die Energiewende. Ob der Anbau von Biomasse oder die Windkraft – wir müssen sehr aufpassen, dass unser Klimaschutz nicht auf Kos­ ten des Naturschutzes geht. Um beides zu ergänzen, müssen wir gemeinsam Kompromisse finden. Natür­ lich wünsche auch ich mir mehr Erneuerbare Energi­ en. Aber wir sollten die Kehrseite im Auge behalten. Ist der weitere Ausbau der Wind­kraft vereinbar mit unse­rer Verantwortung für bedrohte Arten wie den Rotmilan? Als Institut sind wir intensiv in diese Diskussion einge­ bunden. Bei der Windkraft müssen wir zwei Dinge trennen: Einerseits gibt es verständliche Emotionen, wenn an einem Windrad Vögel zu Tode kommen. Mit wenigen Ausnahmen – siehe Rotmilan – wirkt sich die normale Kollision wohl nicht entscheidend auf Popu­


Li.: Rheinwald (1993): Atlas der Verbreitung u. Häufigkeit der Brutvögel D’s. Re: ADEBAR

Auf dem Rückzug Die Karten zeigen die Verbreitung des Kiebitz’ um 1985 (links) und 2005 – 2009 (rechts). Die weißen Flecken in der Karte rechts verdeut­ lichen die großen Verbreitungslücken.

lationen aus. Aber: Wo Windräder auf Bergrücken ste­ hen, ist die Gefahr des Vogelschlags während der Zug­ zeit groß. Und Windparks wirken wie Barrieren: Arkti­ sche Gänse, die entlang der Küste ziehen, meiden sie weiträumig. Weil sie nur kurz bei uns verweilen, legen sie ihre Scheu auch nicht ab. Wir fordern, und der BUND hat sich dem ja ange­ schlossen: Vor dem Bau einer Windkraftanlage muss jeder Einzelfall analysiert werden. Welche Brut- und vor allem Zugvögel wären betroffen? Und: Wo können breite Korridore als Schlupflöcher offenbleiben? Einige unserer Vogelarten brüten heute (fast) ­ausschließlich in Schutzgebieten. Brauchen wir mehr davon? Nur teilweise. Viel wichtiger ist es, genauer zu prüfen, ob die bestehenden ihren Zweck erfüllen. So sind in NRW heute nahezu alle Brutgebiete der Wiesenvögel geschützt. Trotzdem nehmen Kiebitz, Rotschenkel oder Uferschnepfe weiter ab. Warum? Weil die Schutzgebie­ te nicht das Nötige leisten. Zudem sind sie oft viel zu klein. Lange haben wir völlig unterschätzt, wie wichtig der Austausch zwischen Po­pulationen ist. Wir müssen uns fragen: Wie weit dürfen – funktionierende! – Schutz­ gebiete auseinanderliegen, damit unsere Strategie greift? Das Netz von Vogelschutzgebieten, das die EU seit 1979 knüpft, geht also in die richtige Richtung? Unbedingt, das sichert viele Lebensräume. Biotopver­ bund ist auch für Vögel das A und O. Zugvögel brau­ chen Trittsteine auf ihren Routen, und Standvögel mit­ unter ein Mosaik benachbarter Sommer- und Winter­ lebensräume. Wir benötigen aber mehr Informationen, wie diese Netzwerke zu gestalten sind, damit sie eben funktionieren. Daten gibt es in großer Menge, es fehlen nur oft die Mittel, sie auch auszuwerten. Welche Rolle spielt die Vogeljagd? Im Vogelschutz gibt es eine klare Hierarchie von Ge­ fährdungsursachen. Natürlich diskutieren wir intensiv,

welche Rolle die Vogeljagd auf dem Zug und im Winter­ quartier spielt. Höchste Zeit, die massenhafte Tötung rund ums Mittelmeer zu beenden! Jede Saison sterben allein in Südfrankreich 500 000 rastende und überwin­ ternde Kiebitze, das passt einfach nicht zum immen­ sen Aufwand, den wir hier für brütende Kiebitze trei­ ben. Doch sollte man nicht glauben, unsere Zugvögel durch ein Ende der Verfolgung retten zu können. Von zentraler Bedeutung bleibt der Schutz der Lebens­ räume auf den Zugrouten. Bei Landvögeln haben wir ­Probleme, diese Räume zu identifizieren. Ihnen geht es da­her viel schlechter als den ziehenden Wasservögeln. Was empfehlen Sie BUND-Mitgliedern, die etwas für die heimische Vogelwelt tun wollen? Im Bioladen einzukaufen, um eine vogelfreundlichere Landwirtschaft zu fördern. Den Mut zu haben, in Parks und Gärten flächenhaft mehr Natur zuzulassen. Und in ihrer Umgebung darauf hinzuwirken, dass un­se­re Landschaft weniger ausgeräumt wird. Die Niederlande haben vorgemacht, wie man mit Landwirten Fruchtfolgen vereinbaren kann, die im Herbst stehenbleiben, mit Sämereien und Mäusen. Auch in England haben Partnerschaften mit Landwir­ ten viel Potenzial bewiesen, das wir hier noch nicht ausschöpfen. Ich bin ein unverbesserlicher Optimist und glaube an die Kraft der Aufklärung und den part­ nerschaftlichen Dialog. Das ist allemal fruchtbarer als Verbote, die nur Widerstand auslösen. Finden Sie noch Zeit für eigene Entdeckungstouren? Ab und zu leiste ich es mir, am Rande internationaler Konferenzen auf Vogelexkursion zu gehen. Oder den Urlaub wie diesen Winter in die Antarktis zu verlegen. Denn die Begeisterung hält einen aufrecht. Sonst ver­ gisst man am Ende noch, wofür man so viel Zeit und Geduld aufbringt. Besten Dank für das Gespräch!

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Lange erwartet … Ende März kommt der ADEBAR aus der Druckerei – etwa 5 Kilo schwer, 800 Seiten dick, 24,5  32,5 cm groß und vierfarbig illu­striert. Vorbestellung des neuen Standardwerks bis 28. 2. zum Vorzugspreis von 69,90 b (danach: 98 b) beim Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) e.V., Thomas Thissen, An den Speichern 6, 48157 Münster, Tel. (0251) 210140-0, info@dda-web.de


Wo der BUND

Überall dort, wo der BUND sich für den Schutz seltener Lebensräume und Arten ein­ setzt, erfahren gefährdete ­Vogelarten eine besondere

Wiesenbrüter auf Föhr

Gemeinsam für Kiebitz und Co

Mit einem »Gelege- und Kükenschutzprogramm« sorgt der BUND Bremen seit 2005 für gefährdete Wiesenvögel im 3000 Hektar großen Bremer Blockland. Ihr langjähriger Rückgang konnte so gestoppt werden, seit 2013 weist die Zahl der geschlüpften Jungen deutlich nach oben. Dank enger Kooperation von Bauern und Naturschützern fallen kaum mehr Nester oder Küken den Traktoren zum Opfer. So brüteten in dem Niedermoor zuletzt 247 Kiebitz-, 53 Brach­ vogel-, 45 Uferschnepfen-, 37 Rotschenkel- und 33 Bekassinenpaare – fast doppelt so vie­le wie zu Projektbeginn! Der Brut­erfolg lässt auf weiteren Zuwachs für die stark bedrohten Arten hoffen. www.bund-bremen.net/ wiesenvogelschutz Foto: A. Maywald

Auf der Nordseeinsel Föhr brüten Wiesenvögel wie Austernfischer, Kiebitz und Rotschenkel noch in großer Zahl. Die vom Aussterben bedrohte Uferschnepfe hat hier eines ihrer bundesweit wichtigsten Vorkommen. Seit 2012 betreut die BUND-Inselgruppe Föhr-Amrum das Projekt »Gemeinschaftlicher Wiesenvogelschutz«. ­Ehrenamtliche Gebietsbetreuer versuchen, einen Überblick der Brutplätze zu gewinnen und mit den Landwirten die Wiesennutzung daran anzupassen. 2014 beteiligte sich bereits jeder vierte Inselbauer am Projekt. Auf 45 Hektar wurden so die Gelege der Wiesenvögel geschützt. www.bund-foehr.de

Aufmerksamkeit. Der Schutz von Weißstorch, Kiebitz oder Mauersegler ist vielen BUNDGruppen ein Herzensanliegen. Zugleich eignen sich diese

Obdach für Mauersegler

Foto: T. Kupas

Immer mehr Häuser werden saniert, um Energie zu sparen. So sinnvoll das ist, bringt es doch einige Vogel- und Fleder­mausarten in Schwierigkeiten: Ihre Nistplätze und Quartiere gehen beim Dämmen von Dächern und Fassaden verloren. Wie man Tieren auch an sanierten Gebäuden ein Zuhause bietet, zeigt der BUND Niedersachsen mit dem Projekt »Klimaschutz und biologische Vielfalt unter einem Dach«. Er informiert online über Nisthilfen und ihre Installation, hält Vorträge, bietet Schulungen an und reicht Adressen von Gutachtern weiter. www.artenschutz-am-bau.de

Viele von uns sind schon mal gegen eine Glastüre gelaufen. Das tut vielleicht weh, geht aber meist glimpflich aus. Für Vögel sind die Folgen einer Kollision viel dramatischer. Etwa 250 000 sterben in Europa jeden Tag daran. Der Trend zu Glasfassaden verschärft das Problem. Dem nimmt sich nun der BUND NRW an. Gefördert von der Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW dokumentiert er Vogelopfer und gefährliche ­Glasflächen, spricht mit Politik und Verwaltung, Architekten und Hausbe­sitzern, klärt auf, stellt Lösungen vor und fordert mehr gesetz­ lichen Vogelschutz an Neubauten. www.vogelsicherheit-an-glas.de

Foto: T. Köberle

Niströhren für den Steinkauz

Foto: blickwinkel/J. Fieber

Vogelschlag vermeiden

Bis Ende der 1970er-Jahre war der Steinkauz typisch für die Streuobstwiesen bei Mühlacker im Enzkreis. 1992 war nur noch ein Brutpaar übrig. Seit 1993 montiert der BUND Mühlacker Niströhren für den Steinkauz, über 80 insgesamt. 1998 brütete die kleine Eule erstmals erfolgreich darin, heute sind es zwölf Paare in den Streuobstwiesen. Der Ortsverband bleibt dran, montiert weitere Niströhren, kontrolliert sie und hält sie instand. Auch werden jedes Jahr die Jungvögel beringt. Der BUND verbindet dies mit der Umweltbildung. www.bund-muehlacker.de/artenschutz.shtml


Vögel schützt

Foto: U. Bolm-Audorff (o.)

L­ andschaften, den Biotop­ verbund oder eine umweltge­ rechte Landwirtschaft.

Inseln für die Flussseeschwalbe

Weil der Wasserstand von TollenseSee und Lieps (einem Flachwassersee) reguliert wurde, fehlen rund um Neubrandenburg geeignete Brutplätze für die Flussseeschwalbe. Seit 20 Jahren bietet der BUND daher künstliche Brutinseln für die Art an. Mit Erfolg: 2014 zogen 97 Brutpaare auf drei Nisthilfen 150 Jungvögel groß. Möglich ist die aufwendige Aktion nur durch viel ehrenamtlichen Einsatz. Die Inseln werden im Frühjahr verankert, zur Brutzeit regelmäßig kontrolliert und im Herbst ins Winterlager geschafft. www.bund-neubrandenburg.de (Projekte)

Grünes Band I: Brietzer Teiche

In den 90er-Jahren begann der BUND Sachsen-Anhalt, stillgelegte Tongruben bei Salzwedel zu renaturieren. Mehrere Flachgewässer wurden angelegt, Uferbereiche abgeflacht. So entstand an den Brietzer Teichen ein Mosaik von Feucht­biotopen, mit großen und kleinen Gewässern, Röhrichten, Feuchtwiesen, Erlenbruchwäldchen und Weidengebüschen. Diese Vielfalt lockt be­drohte Brut- und Rastvögel an, wie Drossel- und Schilfrohrsänger, Seeadler (hat sich hier neu ange­ siedelt), Kiebitz und Bekassine, nordische Gänse, Singschwäne und Kraniche. Beobachtungsstände und ­Exkursionen bieten einen Einblick in die reiche Vogelwelt. www.bund-neubrandenburg.de (Projekte)

Storchenschutz

Endlich wieder Nachwuchs beim Weißstorch: Über 60 Jahre nach der letzten Sichtung eines Weißstorchs bei Flörsheim entschied die BUND-Ortsgruppe, ihm die Rückkehr zu ­erleichtern. Bis 2002 errichtete sie fünf Horstplattformen. 2004 brütete das erste Paar und zog drei Junge auf. ­Seitdem können die Aktiven des BUND Flörsheim jedes Jahr Jungstörche beringen – und laden dazu interessierte ­Anwohner ein. www.bund.net/floersheim

Grünes Band II: Birk- und Auerhuhn

In den großen Mooren und Nasswiesen der »Bischofs­ reuter Waldhufen« an der tschechischen Grenze leben noch Auer- und Birkhuhn. Die Kreisgruppe Freyung-­ Grafenau pflegt hier auf knapp tausend Meter Höhe eine Teilfläche – mit Islandpferden, die verhindern, dass die Wiesen wieder zu Wald werden. Davon pro­fitieren viele weitere Vogel­arten, der Fischotter, Reptilien, Amphibien und Insekten. Auch die botanischen Schätze der Heu­ wiesen bleiben so erhalten. www.freyung-grafenau.bund-naturschutz.de

Mertinger Höll

Die Mertinger Höll ist eines der letzten ursprünglichen Wiesengebiete im schwäbischen Donauried, mit überregionaler Bedeutung für Vögel wie Kiebitz, Bekassine, Wachtelkönig, Braun- und Blaukehlchen. Die BN-Kreisgruppe Donau-Ries sorgt auf den etwa 1200 Hektar seit vielen Jahren für die Dynamik und Artenvielfalt der Riedlandschaft. So mäht er die extensiven Wiesen, schützt Feuchtgehölze und legt flache Mulden an, in denen auch der Weißstorch Nahrung sucht. Ein Netz von Trittstein­biotopen soll den Austausch der Arten im Ried gewährleisten. www.donauries.bund-naturschutz.de

Illustration Karte: BUNDmagazin/Marc Venner

­ opulären Vögel gut, um ­ p in den Medien und in der ­Umweltbildung für über­ geordnete Ziele zu werben: die Rettung schutzwürdiger


Vogelschutz im BUND Speziell in den Anfangs­ jahren war der Vogel­ schutz ein besonderes An­ liegen des BUND. Später zielten die Kampagnen stärker auf den Schutz be­ drohter Lebensräume mit­ samt ihrer Artenvielfalt.

Uhu, Braunkehlchen und Co

P

latz 1 der Spiegel-Bestsellerliste! Keiner anderen Publikation des BUND war je ein solcher Erfolg ver­ gönnt. Als der opulente Bildband »Ret­ tet die Vögel« im Sommer 1978 er­ scheint, findet er reißenden Absatz. 180 000 Mark Spenden sammelt der BUND mit der gleichnamigen Kampa­ gne. Sie ermöglichen unter anderem einen Flächenkauf in den vogelreichen Meißendorfer Teichen bei Celle, die damals für den Wassersport erschlos­ sen werden sollen. Sehr hilfreich für die Kampagne war eine Kooperation mit der Zeitschrift »Hörzu«: Über 40 Ausgaben hinweg konnte der BUND jeweils zwei bedrohte Arten vorstellen. Erste große Von Beginn an ist der Vogelschutz ein wichtiger Teil Kampagne unserer Öffentlichkeitsarbeit. Im Gründungsjahr 1975 Ein Bestseller ist startet der da­mals schon etablierte bayerische Landes­ das 1978 erschieneverband eine große Protestaktion ge­gen die »Vernich­ ne Buch zur BUNDtung der Zug­vögel«. Unterstützt vom Mitgründer Bern­ Kampagne. Als hard Grzimek können der italienischen Botschaft über ­Titelheld dient ein 100 000 Postkarten zugestellt werden. Baumpieper. Ab 1977 wird der Vogelschutz zum Schwerpunkt der Na­turschutzpolitik im BUND. Besonders kritisch steht es damals um Arten wie Uhu und Wanderfalke, für deren Schutz der BUND Spenden sammelt. Sie leiden unter Verfolgung und Eierraub, zudem lässt das Insek­ tengift DDT ihre Eier so dünn werden, dass sie beim Brüten zerbrechen. Auch dem »Kesseltreiben« gegen Habicht, Sperber und Mäusebussard widmet der BUND Platz in seiner Mitgliederzeitschrift. Zu dem Beitrag »Vogelmord im Ausland« erreichen die Redak­ tion fast 1500 Protestbriefe.

Schutz der Lebensräume

Der Autor Jörg Nitsch ist stellvertretender BUNDVorsitzender.

Die BUND-Kampagnen der 80er- und 90er-Jahre sind vorrangig den Lebensräumen der Vögel gewidmet: Sie dienen dem Schutz von Mooren und Bächen oder for­ dern »Mehr Natur in Dorf und Stadt«. Verknüpft wer­ den sie regelmäßig mit dem Schutz der Vögel. Gleiches gilt für den Kampf gegen die Flurbereinigung oder die starke Luft- und Wasserverschmutzung.

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Gezielt engagiert sich der BUND dafür, dass be­ stimmte Vögel – Elstern, Krähen, Kormorane – nicht länger verfolgt werden, und startet beispielsweise eine Aktion gegen die Jagd auf Wildgänse. Mit dem Mauerfall wird das Braunkehlchen zum Symbol des »Grünen Bandes«. Es brütet im Grenzstrei­ fen viel häufiger als in der benachbarten Agrarsteppe und zeigt exemplarisch den Wert des einmaligen Bio­ topverbundes. Die Vernetzung von Lebensräumen wird nun zu ei­nem Schwerpunkt unserer Naturschutz­ arbeit. Dies kommt bedrohten Vögeln ebenso zugute wie die Kampagne »Wildnis wagen« im Jahr 2000. Sie veranlasst den BUND zu größeren Flächenkäufen, etwa in der Goitzsche bei Bitterfeld. In der praktischen Arbeit der BUND-Gruppen spielt der Vogelschutz seit jeher eine prägende Rolle, desglei­ chen in vielen Landesverbänden (siehe die Projekt­ karte). Und auch auf Bundesebene ist der Natur- und Artenschutz im letzten Jahrzehnt wieder ins Zentrum der Aktivitäten gerückt. So knüpfte der BUND ein »Netzwerk Naturschutz« mit der Wildkatze als Zug­ pferd. Seit 2008 ist die Rettung der biologischen Vielfalt zudem ein Schwerpunkt unserer Agenda (neben dem Klimaschutz). Den Vögeln wird hierbei auch künftig unser besonderes Augenmerk gelten.

Vogelschutz: noch Fragen?

Das ganze Jahr über erreichen uns Anfragen zum Thema »Vögel«. Derzeit noch populär: Füttern – ja oder nein? Mit den ersten milderen Tagen gilt es den richtigen Nistkasten zu finden und an geeigneter Stelle zu platzieren. Während der Brutzeit dann: Was tun gegen streunende Katzen? Wie kann ich aus dem Nest gefallenen Jungvögeln helfen? Und wie hält es der BUND mit »Nesträubern« wie Krähen und Elstern? Zu den Dauerbrennern schließlich zählt: Wie kann ich verhindern, dass Vögel an Glasflächen verunglücken? Und warum sehe ich bestimmte Arten nicht mehr, die doch früher häufig in meinem Garten waren? Unsere kompakten Antworten finden Sie unter www.bund.net/­ vogelschutz


Internationaler Vogelschutz Vögel sind jenseits unserer Grenzen be­ sonderen Gefahren ausgesetzt. Deutsch­ land und die EU müs­ sen stärker als bisher ihrer Verantwortung für den Schutz zie­ hender Arten gerecht werden.

Forschen und handeln

lle nationalen Anstrengungen, unsere Vögel per Gesetz und durch die Siche­ rung ihrer Lebensräume zu schützen, bleiben bei jenen Arten Stückwerk, die als Zugvögel nur einen Teil des Jahres bei uns verbringen. Doch sind diese nicht wenigs­ tens innerhalb der Europäischen Union sicher? Immerhin verpflichtet ja die Vogel­ schutzrichtlinie der EU die Mitgliedsstaa­ ten mit strengen Vorgaben, für einen effektiven Schutz zu sorgen. Aber weit gefehlt: Denn einige Staaten haben die Richtlinie nicht vollständig in ihr Recht übernommen, andere versäumen es, deren Vollzug zu überwachen. Damit bleiben Verstößen gegen den Vogelschutz Tür und Tor geöffnet. Wichtige Rast­plätze für Durchzügler werden in Mitleidenschaft gezogen oder ganz zerstört. Illegale Jagd ist vor allem am Mittelmeer weit verbrei­ tet, so auf Zypern und auf Malta (wo unser »Friends of the Earth«-Partner Widerstand leistet), auf Sizilien, Sar­ dinien und dem italienischen Festland sowie auf dem Balkan.

Probleme durch Jagd und Tourismus

Völlig unverständlich ist das Unvermögen der EU-Gre­ mien, Länder wie Frankreich zu zwingen, ihr Jagdrecht der EU-Vogelschutzrichtlinie anzugleichen. Noch immer dürfen stark bedrohte Arten beim Überfliegen Frankreichs gejagt werden. Allein geschätzte 75 000 Goldregenpfeifer und 44 000 Große Brachvögel fallen jedes Jahr europäischen Jägern zum Opfer – und das, obwohl man in Deutschland versucht, diese Arten auf­ wändig vor dem Aussterben zu bewahren. Ein trauriges Beispiel für mangelnden Vogelschutz liefert auch EU-Beitrittskandidat Montenegro. Die lan­ desweit größte Saline »Ulcinj« beherbergt den wichtigs­ ten Rastplatz für Zugvögel an der östlichen Adria. Seit 1926 wurde das 1500 Hektar große Feuchtgebiet zur Salzproduktion genutzt. Vor einigen Jahren wechselte der Besitzer. Statt weiter Salz zu gewinnen, will er den Küstenabschnitt touristisch er­schließen, etwa in Form eines Yachthafens. Auf starken internationalen Druck hin hat das Parlament Montenegros die Saline 2012 zum Vorranggebiet für die Natur erklärt.

Foto: Pavel Becka/EuroNatur

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Solange aber die Gemeinde Ulcinj hier kein Naturschutz­gebiet ausweist, kann der Salinenbesitzer den ökologischen Wert der Fläche ungestört mindern oder gar zerstören. So hat er die Pumpen der Salinen abge­ stellt, die für eine Bewässerung der Fläche sorgten. Der BUND-Partner EuroNatur kämpft mit lokalen Verbün­ deten an der Adria darum, dass die Saline weiter be­ trieben wird.

Bedrohte Idylle Die Saline Ulcinj ist der wichtigste Trittstein für Zugvögel in der östlichen Adria. Auch Flamingos brüten hier.

Unbekannte Zugwege

Haben die Zugvögel Europa verlassen, vergrößern sich ihre Probleme eher noch. Denn die außereuropäischen Rastgebiete sind nicht alle bekannt. Auch über viele Winterquartiere wissen wir zu wenig. Dringend sollten wir also mit Forschungsprogrammen die wichtigsten Rast- und Überwinterungs­areale unserer Zugvögel er­ fassen und untersuchen, was diese negativ beeinflusst. Gemeinsam mit örtlichen Behörden und Schutzorga­ nisationen müssen wir diese Faktoren dann minimie­ ren oder beseitigen. Hierfür bieten sich Regionalab­ kommen an, unter dem Dach der Bonner Konvention (zum Schutz wandernder Tier­arten) und ihres Ablegers AEWA (zur Erhaltung der afrikanisch-eurasischen wandernden Wasservögel). Noch unzureichend genutzt wird außerdem die Möglichkeit, Entwicklungshilfe an Vorgaben für den Naturschutz zu knüpfen. Eine Förderung sollte, wo es sinnvoll ist, mit den Bedürfnissen deutscher Zugvögel im Winterquartier verbunden werden. Der BUND hat das Umwelt- und Entwicklungsministerium aufgefor­ dert, hierfür enger zusammenzuarbeiten. Rainer Blanke

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Der Autor Rainer Blanke leitete einen Fachbereich im Bundesamt für Naturschutz und ist im BUND-Arbeitskreis Naturschutz aktiv.


Foto: Wolfgang Willner

BN erhält Lebensräume für heimische Vogelarten

Refugien für Kiebitz, Storch und Blaukehlchen Der BN schützt Tiere, Pflanzen und Landschaften in ganz Bayern. Überall, wo wertvolle Lebensräume be­ wahrt werden, dient dies auch dem Schutz gefährdeter Vogelarten. Einige ausgewählte Projekte, in denen sich BN-Aktive engagieren, stellen wir hier vor.

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Zurück auf den Dächern der Region

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it seinem langen Schnabel und den noch länge­ ren Beinen ist der Storch ein echter Hingucker. Doch wo bekommt man heute überhaupt noch einen zu Gesicht? Bis zum Ende des vorigen Jahrhunderts ging die Zahl der Weißstörche dramatisch zurück, aus vielen Regionen verschwanden die Tiere ganz. Auch im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen blieb ein Nest nach dem anderen leer. Flächenversiegelung, Entwäs­ serung von Feuchtgebieten und Intensivlandwirtschaft hatten »Meister Adebar« immer mehr Lebensraum ge­ nommen. Doch die Kreisgruppe stemmte sich mit viel Engagement gegen diese Entwicklung. Seit 2003 betrei­ ben die Aktiven vor Ort gezielte Weißstorchenhilfe und stiegen dazu buchstäblich dem Landkreis aufs Dach. Sechs alte Nisthilfen für den Weißstorch wurden sa­ niert und sechs neue Nester gebaut. Maßgeblich betei­ ligt: Gunter Weinrich, Storchenbeauftragter und lang­ jähriger Sprecher der Artenschutzgruppe des BN. Neun Weißstorchpaare brüteten 2014 wieder im Landkreis, auf Kirchen-, Haus- und Scheunendächern. Die Kreis­ gruppe setzt sich aktiv für die Erhaltung geeigneter Le­ bensräume ein, zum Beispiel durch Rückvernässung, Wiesenmahd und die Schaffung von kleinen Teichen und Tümpeln. Hier finden die Störche genug von ihrer Lieblingsnahrung: Frösche.


Foto: Kreisgruppe Cham

rüne Wiesen, Gräben, Tümpel und dazwischen kleine Ackerflächen – das Mertinger Ried mit sei­ nem Kerngebiet, der Mertinger Höll, zählt zu den letz­ ten ursprünglichen Wiesengebieten im schwäbischen Donauried. Hier hat der BUND Naturschutz seit den 70er-Jahren rund 120 Hektar Fläche angekauft und vor der Zerstörung bewahrt. Der erste Flächenankauf war ursprünglich ein Sperrgrundstück, um ein geplantes Atomkraftwerk zu verhindern. Es wurde schließlich der größte Flächenankauf der Verbandsgeschichte. Le­ bensraumverbessernde Maßnahmen wie die Neuanla­ ge von Flachmulden für Wiesenbrüter haben Aktive der Kreisgruppe Donau-Ries in den vergangenen Jahren durchgeführt. Erste Erfolge zeigen sich bereits jetzt in der Zunahme seltener Arten wie Moorveilchen, Ried­ teufel, Ameisenbläuling oder Laubfrosch. Die Mertin­ ger Höll ist eines der wenigen verbliebenen Refugien für Vogelarten wie Brachvogel, Bekassine, Braunkehl­ chen, Wachtelkönig,  Blaukehlchen (Foto) oder Kiebitz: Dazu kommen viele Durchzügler wie Kampfläufer oder Rotschenkel, die das Donauried als Rastgebiet nutzen. Es ist einzigartig, dass ein Projekt dieser Größenord­ nung ausschließlich durch ehrenamtlich Aktive umge­ setzt wird. Projektleiter Alexander Helber wird von einem ganzen Team von Helfern unterstützt.

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s begann mit einem Flurbereinigungsverfahren. Im Zuge dessen wurden Flächen für ein Naturschutz­ projekt zur Verfügung gestellt – die Geburtsstunde des heute sogar international beachteten Projekts »Regen­ talaue«. Das Regental mit den Rötelseeweihern im Landkreis Cham zwischen Cham und Pösing bietet auf 15 Quadratkilometern Fläche 1000 Tierarten und 600 Pflanzenarten eine Heimat. Darunter sind zahlreiche geschützte und vom Aussterben bedrohte Arten. Be­ günstigt durch die hohe Lebensraumvielfalt entwickel­ te sich im Laufe der Jahrhunderte eines der arten- und individuenreichsten Vogelbiotope Bayerns. Die Liste der hier vorkommenden seltenen und hoch bedrohten Arten liest sich wie das »Who is who« der bayerischen Vogelwelt, angefangen vom Seeadler über den Schwarzhalstaucher (Foto), die Schwarzkopfmöwe und den Schilfrohrsänger bis hin zum Blaukehlchen. Neben der hohen Bedeutung als Rückzugsgebiet für seltene Brutvögel spielt das Regental eine Schlüsselrolle als Rast- und Durchzugsgebiet für Zugvögel. Hier rasten zum Beispiel Nordische Goldregenpfeifer, Silberreiher und Raritäten wie Brauner Sichler, Arktisches Thorshühnchen und Triel. Sensationelle 75 Prozent der bay­ erischen Rote-Liste-Vogelarten nutzen regelmäßig das Regental und die Rötelseeweiher als Brut-, Durchzugsoder Überwinterungsgebiet. Seit 2010 ist dieses Klein­ od der Artenvielfalt Naturschutzgebiet.

Foto: Peter Zach

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Fotos: Klaus Leidorf/ Wolfgang Willner

Aus der »Höll« wird ein Vogelparadies

Arche Noah im Regental

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Gänseblümchen Kaum ist der Schnee an seinem Platz geschmol­ zen, reckt das Gänseblümchen (Bellis perennis) seinen Blütenkopf – äußere weiße bis rötliche, innere gelbe Blüten – den Sonnenstrahlen ­entgegen. Es gilt als Frühlingsbote, gehört aber zu den wenigen Ganzjahresblühern in ­unserer Pflanzenwelt und zeigt sich während milder Witterungsphasen auch im Winter. In blüten­armen Jahreszeiten bietet es Nahrung für B ­ ienen, Fliegen, Schmetterlinge und Käfer.

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Foto: privat

inst kam die Grünland-Pflanze viel seltener vor. Erst seit es gedüngte, kurz gehaltene Rasen gibt und ­Wiesen stärker gedüngt und häufiger gemäht werden, hat sich das niederwüchsige, lichtbedürftige Blüm­ chen, das von Konkurrenten leicht beschattet und ver­ drängt wird, stark entfaltet und ausgebreitet. Früher konnte sich das Gänseblümchen auf den von Gänsen niedrig gehaltenen Weiden behaupten. Die Rosetten­ pflanze ist mit ihren dicht dem Boden anliegenden Blättern an Schnitt und Tritt angepasst. Ein anderer Name, Maßliebchen, hängt vielleicht mit »Messen«, als tändelndem Fragespiel zusammen, das von Kindern und Verliebten vor allem im deut­ schen Sprachraum seit Jahrhunderten geübt wird. In Goethes »Faust« befragt Margarete das Orakel mit einer »Sternblume« (Gänseblümchen oder Margerite), in­ dem sie die Strahlenblüten auszupft und dabei spricht: »Er liebt mich – liebt mich nicht …«. Seit dem Spätmittelalter ist das Gänseblümchen, auch als gefüllte Zierform, geschätzter Gartenbewoh­ ner. Leonhart Fuchs – er empfiehlt es vor allem als Wundkraut – schreibt in seinem »Kreütterbuch« (1543): »Die zamen Maßlieblin oder Monatblümlin pflantzt man fast in allen gärten.« Das Gänseblümchen gehört

Die Autorin Dr. Gertrud Scherf hat mehrere ­Pflanzenbücher verfasst.

Buchtipp: Wildkräuter & Wildfrüchte. Das Rezeptbuch

In ihrem Wildpflanzen-Rezeptbuch zeigt unsere Autorin Gertrud Scherf köstliche Gerichte mit frisch gesammelten Kräutern und Früchten sowie Steckbriefe der verwendeten Wildpflanzen. Mit Gliederung – Monat für Monat BLV-Verlag, ISBN-Nr. 978-3-8354-0718-3, 14,99 Euro Bestellung unter 0 91 23 - 9 99 57 20, info@service.bundnaturschutz.de

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Gänseblümchen-Suppe Für 4 Personen

2 weiße Zwiebeln 1 Knoblauchzehe 2 – 3 Kartoffeln 1 – 2 Handvoll junge Gänseblümchen- Blütenköpfe

2 EL Butter 1 EL Mehl 800 ml Gemüsebrühe 200 g Crème fraîche Salz, Pfeffer 1 Prise Muskat

 Zwiebeln und Knoblauch schälen, Kartoffeln ­waschen und schälen.  Zwiebeln, Knoblauch, Kartoffeln sehr fein würfeln.  Gänseblümchen-Blütenköpfe waschen, trockentupfen, kleinschneiden. Eventuell einige für die ­Dekoration ganz lassen.  Butter in einem Topf erhitzen, vorbereitete Zutaten darin unter Rühren dünsten. Mit Mehl bestäuben und kurz anschwitzen, Gemüsebrühe langsam unterrühren.  Suppe aufkochen und ca. 7 Minuten köcheln ­lassen.  Crème fraîche in die Suppe rühren. Suppe nochmals erhitzen, aber nicht mehr kochen lassen. Mit Salz, Pfeffer und Muskat abschmecken.  Suppe in Teller füllen, eventuell mit den restlichen Blütenköpfen bestreuen. Achtung! Das als gering giftig geltende Gänseblümchen nicht häufig oder in größeren Mengen verzehren. Bei Korbblütler-Allergie meiden.

Zeichnung: Claus Caspari; aus »Der BLV Pflanzenführer für unterwegs«, BLV Buchverlag

Porträt

zu den Symbolpflanzen der Gottesmutter Maria. Nach einer Legende ist es aus Tränen entstanden, die Maria auf der Flucht nach Ägypten geweint hat. Berühmte Tafelbilder des spä­ ten Mittelalters zeigen in Wie­ sendarstellungen die Pflanze, so das »Paradiesgärtlein« (um 1420) eines namentlich un­ bekannten oberrheinischen Meisters oder der Genter Altar (1432) der Brüder van Eyck. Maß­ liebchen blüht auch in der »Himmelswiese« (um 1520) im Chorgewölbe der Johanneskirche in Saalfeld. In der Volksmedizin verwendet man das Gänse­ blümchen etwa bei Katarrhen der Atemwege oder bei Hauterkrankungen. Die jungen Blätter und Blütenköp­ fe können Salaten, Suppen (siehe Kasten) oder Gemü­ se zugegeben werden. Als »Falsche Kapern« lassen sich die Blütenkopf-Knospen einlegen. Die Kinder basteln Kränze, Ketten und Armbänder aus den Blümchen. Unnachsichtig verfolgen manche Rasenbesitzer die traditionsreiche Nutz- und Symbolpflanze. In natur­ nahen Gärten, für die sich der BUND Naturschutz ­einsetzt, ist auch das liebliche Gänseblümchen will­ kommen.


Gerettete Landschaften Foto: Heiner Werner

Tag für Tag verschwindet mehr Natur im Namen von Wachstum und Fortschritt. Seit seiner ­Gründung wehrt sich der BUND gegen den stetigen F­ lächenfraß. Die Vulkanlandschaft Hegau ­unweit des Bodensees ist von besonderem Reiz. Erfolgreich setzte sich der BUND d ­ afür ein, Bergkegel wie den Hewenegg, Hohenhewen oder Hohenkrähen unter Naturschutz zu stellen. Andernfalls wären ihre Hänge heute bebaut oder Schauplätze der Freizeitindustrie.


Fotos: Roland Günter

Wildbienen: Die unbekannte Vielfalt Ob unsere Landschaften in Zukunft mannig­ fach belebt oder eintönig sein werden, hängt nicht nur von der Politik ab, sondern auch von Menschen wie Klaus Mandery. Der Vorsitzende der BN-Kreisgruppe Haß­ berge gehört zu jener immer seltener ­werdenden Spezies der Artenkenner, die un­ ermüdlich die Vielfalt der bayerischen Natur erforschen, dokumentieren und fördern. Seine größte Leidenschaft: die Wildbienen.

Foto: privat

B Experte Dr. Klaus Mandery, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Haßberge, ist ­mittlerweile eine Koryphäe in Sachen Wildbienen.

ienen, das sind die Insekten mit den gelben Streifen – wenn es sich nicht gerade um Wespen ­handelt. Damit dürfte die Arten­ kenntnis des durchschnittlichen Bundesbürgers bezüglich Bienen ausreichend beschrieben sein. Dass unsere Honigbiene nur eine von 20 000 bisher bekannten Bienen­ arten ist, wissen nur wenige. Sie ist auch die einzige domestizierte Art, weshalb alle anderen 19 999 unter dem Begriff »Wildbienen« zusam­ mengefasst werden. Ihrer Vielfalt wegen werden sie oft nicht als Bie­ nen erkannt, sondern für Fliegen oder andere Insekten gehalten. Nur die Hummel erkennt wohl jeder. Auch sie gehört zu den Wildbienen, die sich allesamt rein vegetarisch von Blütenpollen und Nektar er­ nähren.

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Die Vielfalt vor der Haustüre

Für Klaus Mandery, seit 34 Jahren Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Haßberge, liest sich das alles freilich wie das kleine Einmaleins der Ar­ tenkenntnis. Eingestiegen als Vogel­ beringer, im Studium als Botaniker aktiv, avancierte er später zum Odo­ natologen (Libellenkundler) und ist mittlerweile Spezialist für alles, was im Insektenreich fliegt, hüpft und auf sechs Beinen läuft. Was Wildbie­ nen angeht, gehört er bayernweit zu jenen Koryphäen, die gerne auch einmal von Amts wegen angefragt werden. 1986 hat ihn ein Kollege gebeten, Wildbienenfunde von 1941 in Ebern zu überprüfen. Das war die Ge­ burtsstunde für seine neue Leiden­ schaft. 2001 hat er dann neben sei­ nem Beruf als Lehrer über Wildbie­ nen und Wespen promoviert. An­ schauungs- und Übungsmaterial findet der leidenschaftliche HobbyWissenschaftler direkt vor der Haus­ türe: das frühere Militärgelände der Bundeswehr in Ebern. Wie der ehe­ malige innerdeutsche Grenzstreifen gehören die aufgegeben Übungs­ plätze zu den Biodiversitäts-Hot­ spots Deutschlands. 50 Jahre lang haben dort kaum Eingriffe statt­ gefunden. Mit bisher 6500 nachge­ wiesenen Arten ist das 270 Hektar große Gebiet ein Eldorado für Taxo­

nomen. Und, dank Klaus Mandery und seiner engagierten Mitstreiter, eines der bestuntersuchten Gebiete der Republik. Von den etwa 500 in Bayern vorkommenden Wildbie­ nenarten haben sie auf der Fläche bereits 209 nachgewiesen. Erst vor kurzem konnte sich Klaus Mandery wieder über einen spektakulären Fund freuen: die Sandbiene Andrena rosae. »Blutrot und wunderschön anzusehen«, erzählt der Forscher fast ehrfürchtig. »Wenn ein Wildbie­ nenfreund die in die Hand be­ kommt, ist das ein ganz besonderer Moment!« Kein Wunder, mit dem Fund in Ebern konnte die Art gera­ de einmal an drei Stellen in Bayern nachgewiesen werden. Dass die seltene Sandbienenart dort wieder vorkommt, ist aller­ dings kein Zufall, da ist sich Mande­

Steckbrief Wildbienen

Klasse: Insekten (Insecta) Überfamilie: Wildbienen (Apoidea) Ordnung: Hautflügler (Hymenoptera) Unterordnungen: Pflanzenwespen (Symphyta) und Taillenwespen (Apocrita) Schutzstatus: alle Arten geschützt Gefährdung: 54 % aller in Bayern vorkommenden Arten stehen auf der Roten Liste.


Mehr Infos www.bund.net/themen_und_projekte/aktion_wildbienen www.buw-bayern.de

Naturschauspiel in Farbe Die Mohnbiene hat ihre Lebensweise ganz auf zwei Ackerblumen abgestimmt. Ihr Nest baut sie in den Sandboden und kleidet es mit leuchtend roten Mohnblättern aus. Die Larven füttert sie später ausschließlich mit Kornblumenpollen.

ry sicher. Seit 2009 pflegen Aktive des BN und des von Mandery ge­ gründeten Instituts für Biodiversi­ tätsinformation (IfBI) Flächen auf dem Militärgelände, auf denen auch Fotovoltaikanlagen stehen. Sie mähen nur sparsam und an den Rändern gar nicht, sodass Wilde Möhre, Waldengelwurz oder Bären­ klau prächtig wuchern und blühen können – ein gedeckter Tisch für Andrena rosae, die auf Doldenblüt­ ler angewiesen ist. All das war weniger leicht zu er­ reichen, als es sich heute anhört. Jahrelang kämpfte der BN gegen eine Offroad-Autorennstrecke, die auf dem ehemaligen Militärgelände entstehen sollte. Es war ein langer und zäher Kampf mit gerichtlichen Auseinandersetzungen, der schließ­ lich mit einem Kompromiss endete. Die Stadt Ebern durfte einige Flä­ chen an eine Solarfirma verpachten. Die Pflege übernimmt dort der BUND Naturschutz. Viele andere Bereiche dienen künftig ausschließ­ lich der Forschung, dem Arten­ schutz und der Umweltbildung. Doch nicht nur auf dem Ebener Übungsplatz, überall in den Kom­ munen, auf landwirtschaftlichen Flächen und letztlich auch in den Privatgärten gehe es darum, wieder mehr Blütenvielfalt für die Wildbie­ nen entstehen zu lassen, sagt Klaus Mandery. »In den 1960er- und 1970er-Jahren haben viele Wildbie­ nenarten sehr gelitten. Da kann man einen direkten Zusammen­ hang zur Industrialisierung der Landwirtschaft herstellen.« Ausge­ räumte und zersiedelte Landschaf­

ten, Blütenarmut und Pestizide machen allen Bienen zu schaffen. Wenigstens mit einem Problem müssen sich die Wildbienen im Ver­ gleich zur Honigbiene jedoch nicht herum­ schlagen: Von der ­Varroamilbe haben sie nichts zu befürchten und mit anderen Para­ siten leben die wider­ standsfähigen Tiere in einer Art friedlichen Koexistenz.

Spezialisten sind anfällig

Weil die meisten Wildbienen Einzel­ gänger sind, breiten sich Krankhei­ ten auch nicht so schnell aus wie bei den Honigbienen. Nur die we­ nigsten von ihnen leben in sozialen Gemeinschaften. Meist baut das Weibchen eine eigene Nistanlage in der Erde. Aber es gibt auch Spezia­ listen, die Hohlräume in dürren Stängeln, in Felsen und im Totholz nutzen oder ausschließlich in ver­ lassenen Eichengallen oder Schne­ ckenhäusern nisten. Die Kuckucks­ bienen schließlich machen es ihrem Namensgeber nach und legen ihre Brut in fremden Nestern ab. Gerade diese hochgradige Spezialisierung ist es, die Wildbienen auch sehr ver­ letzlich gegenüber Umweltverände­ rungen macht. Ein Drittel aller hei­ mischen, nestbauenden Arten haben ihre Lebensweise komplett auf bestimmte Blumen abgestimmt. Ohne sie können diese Spezialisten

nicht existieren, wie etwa die Mohn­ biene (Osmia papaveris). Das schö­ ne Tier baut sein Nest in den Sand­ boden und kleidet es mit leuchtend roten Mohnblättern aus. Ihre Lar­ ven füttert es ausschließlich mit Kornblumenpollen. Das gleiche Prinzip gilt natürlich auch andersherum: Über Jahrmilli­ onen hinweg haben sich Blüten an die speziellen Mundwerkzeuge von Insekten angepasst, sodass manche bei der Bestäubung komplett von einer Art abhängig sind. Deswegen sind die Wildbienen für das Wach­ sen und Werden in der Natur auch unentbehrlich: Insgesamt bestäu­ ben sie ein viel breiteres Spektrum von Pflanzen, als dies die Honigbie­ ne alleine vermag. Heidi Tiefenthaler

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Sie wollen selbst etwas für die Wildbienen tun? Auf www.bund.net/ wildbienen finden Sie eine Liste mit wildbienenfreund­ lichen Pflanzen für Ihren Garten und Infos zum Bau von Nisthilfen. Kostenloser Download einer ausführlichen Wildbienenbroschüre unter www.kurzlink.de/wildbienen, Kurzversion unter www.kurzlink.de/ wildbienen-kurz


Gerettete Landschaften entdecken

Wer noch nie eine Blauflügelige Ödland­ schrecke gesehen hat, wird ihr hier kaum ent­ kommen. Aber auch Przewalski-Urwildpferde, Segelfalter und unzählige botanische Kost­ barkeiten lassen sich auf diesem schönen Rundweg durch den Sebalder Reichswald entdecken. Auch für den Spätwinter und Vor­ frühling ein reizvoller Spaziergang.

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u den großen Erfolgen des nordbayerischen Natur­ schutzes zählt, dass es gelungen ist, mehrere Mili­ tärübungsplätze der amerikanischen Armee nach deren Abzug zu Naturschutzgebieten zu machen. Denn so paradox es im ersten Moment klingt, viele sind durch die besondere Nutzungsform – einerseits keine Landwirtschaft, andererseits wiederkehrendes »Zer­ pflügen« durch Panzerketten – zu Juwelen des Arten­ schutzes geworden. Ein besonderes Prachtstück liegt am östlichen Stadt­ rand von Erlangen, nämlich das Naturschutzgebiet Tennenloher Forst mit einer fast 2,5 Kilometer langen und bis zu 500 Meter breiten sandigen Freifläche, die die US-Armee lange als Panzer- und Gefechtsübungs­ platz genutzt hatte. Es gehört zu einer Achse von SandLebensräumen, der fränkischen SandAchse, die sich vom Nürnberger Südosten über Fürth, Erlangen und Forchheim bis nach Bamberg erstreckt und dort, wo sie noch erhalten ist, eine sehr artenreiche Magervegeta­ tion mit einer ganz eigenen Tierwelt bietet. Der Ten­ nenloher Forst ist zugleich der nordwestliche Teil des Nürnberger Reichswalds, eines großflächigen Waldge­ Ausgangspunkt: Wanderparkplatz am Naturschutz­ gebiet Tennenloher Forst (Erlangen, Kreuzung KurtSchumacher-Straße / Weinstraße – etwa 350 Meter von der Bushaltestelle Walderlebniszentrum (leider nicht beschildert; Trampelpfad zur Brücke über die Schnellstraße) Länge/Gehzeit: ca. 8 Kilometer / 2,5 Stunden Höhenunterschied: knapp 100 Meter

Wegcharakter: Befestigte Forststraßen (meist nicht ­geteert), Wald- und Wiesenwege Einkehr: Entlang des Weges keine (Kalchreuth oder E­rlangen) Wanderkarte: Nicht erforderlich (Weg nach Kalchreuth  VGN-Wanderführer »Sandspaziergänge rund um Nürnberg«, Tour Nr. 1 »Quer durch den Sebalder Reichswald«) www.sandachse.de/Wandertipps.html

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Foto: WB/Tom Konopka

Unterwegs auf der SandAchse

Einzigartiger Lebensraum Wo Panzer ein Juwel des Naturschutzes hinterließen: die Sandgebiete im ­Sebalder Reichswald.

biets, das von Roth im Süden Nürnbergs im weiten Bogen bis nach Erlangen im Nordwesten reicht. Nachdem die Amerikaner das Gelände freigegeben hatten, gab es zunächst Überlegungen, die Sandfläche einfach wieder bewalden zu lassen. Doch dagegen er­ hoben die Naturschützer Einspruch. Sie konnten nach­ weisen, dass vor allem die aufgelockerten Waldränder von zahlreichen seltenen Arten besiedelt waren. So entstand die Idee, das Gebiet als Weidefläche für Prze­ walski-Pferde zu nutzen, die die Freiflächen fressend von der Verbuschung freihalten. Diese beinahe ausge­ storbene, nur in Zoos erhalten gebliebene Urwildpfer­ de-Rasse wird dort auf ihre Auswilderung in der Mon­ golei, Kasachstan und China vorbereitet. Vom Parkplatz folgen wir dem großen Wegweiser »Royal Rangers Erlangen« und erreichen nach 300 Me­ tern einen großen Felsblock mit einer vergoldeten Skulptur. Direkt dahinter sehen wir die ehemaligen Schießstände der Panzer. Wir biegen nach links in den »Heuweg« ein, der zwischen einem schönen, aufge­ lockerten Waldrand und dem Zaun der Pferdekoppel in östlicher Richtung verläuft. Informationstafeln erklä­ ren immer wieder, was man dort beobachten kann. Nach einem knappen Kilometer erreichen wir den ehemaligen Kugelfangwall, der dort 35 Meter hoch aus Bauschutt aufgeschüttet wurde, heute aber dicht be­ wachsen ist und einen herrlichen Ausblick sowohl nach Süden über Nürnberg als auch nach Norden Richtung Fränkische Schweiz erlaubt. Bei klarem ­Wetter kann man von dort das »Walberla« sehen, die Ehrenbürg bei Forchheim. Dann gehen wir den Heuweg weiter bis zum Ende der Koppel, der wir auf einem sandigen Weg nach rechts folgen. Wo wir wieder auf einen Forstweg treffen, kehren wir zur Pferdekoppel zurück und folgen ihrer Umzäunung, bis wir die Koppel umrundet und den Skulpturstein wieder erreicht haben. Winfried Berner, Ulrike Rohm-Berner


u Friends of the Earth Japan hat der BN schon vor der Reaktorkatastrophe Kontakte. Hubert Weiger war bereits vor dem Atom-Unfall in Fukushima zu Vor­ tragsreisen in Japan und warb für Energiewende und Atomausstieg. 2012, im Jahr nach dem Atomunfall, haben wir beide bereits die Region besucht. Diesmal waren wir gespannt darauf, uns selbst ein Bild von der Situation vor Ort zu ­machen. Wie geht es den Men­ schen in der Region? ­Darüber hinaus wollten wir politi­ sche Gespräche führen, für die Energiewende werben und der Anti-Atom-Bewegung in Japan durch Öffent­ lichkeitsarbeit mehr Aufmerksamkeit verschaffen. Be­ gleitet haben uns auf ­unserer Reise Akiko Yoshida, eine sehr engagierte, unermüdliche Aktivistin der Partner­ organisation des BUND, Friends of the Earth Japan, und der Japanologe Dr. Hiroomi Fukuzawa aus Berlin. Gleich am ersten Abend treffen wir in einem Bau­ ernhofladen mit Café eine Widerstandsgruppe. Diese Menschen kämpfen dafür, dass sie neutral über die ­Gefahrensituation informiert werden und klagen auf bessere Entschädigung. Die Bauernfamilie ist selbst betroffen: Ein Großteil ihrer Felder wurde radioaktiv verseucht und viele Kunden blieben weg. Jetzt nutzt sie die Felder, die weniger belastet sind, weiter und gibt auf jedem einzelnen Produkt, das verkauft wird, den Strahlenwert an – ein Versuch, sich irgendwie die wirt­ schaftliche Existenz zu bewahren. Schon dieser erste Abend ist für uns erschütternd: Es wird klar, dass der Staat die Menschen mit ihren Nöten völlig allein lässt. Hochrangige Politiker verharmlosen die Gefahren. Umso mehr Respekt empfinden wir für die Menschen, die hier bleiben und zu helfen versuchen. Wie nach Tschernobyl sind es auch diesmal oft die Frauen und Mütter, die sich der Anti-Atomkraft-Arbeit verschrie­ ben haben. Unsere nächste Station ist die Großstadt Fukushima (zu deutsch »Glücksinsel«), rund 50 Kilometer von der Küste entfernt. Die Fahrt dorthin ist gespenstisch: Wir reisen durch eine wunderschöne Landschaft mit herbstlichen Wäldern, kleinen Reisfeldern und Apfel­ plantagen – gleichzeitig haben wir im Hinterkopf den Gedanken, dass diese Region schwer verstrahlt wurde und 150 000 Menschen ihre Heimat verlassen mussten. Wir besuchen eine neue Deponie, in der strahlende Überreste von »Dekontaminierungsarbeiten« gelagert werden: eine Fläche, so groß wie 15 Fußballfelder, mit riesigen Plastiksäcken voller Erde, Laub und Zweigen. Unsere Reaktion ist fassungsloses Entsetzen. Es ist ein ebenso hilfloser wie unwirksamer Versuch, mit der Strahlung fertigzuwerden. Die Säcke werden nur ein paar Jahre dichthalten. Bei der Weiterfahrt sehen wir von einem Hügel aus in wenigen Kilometern Entfernung die vier zerstörten Atomreaktoren. Noch immer versuchen hier Arbeiter unter menschenunwürdigen Bedingungen, Schlimme­ res zu verhindern. Derzeit ist Japan ein atomstrom­ freies Land. Alle 54 Reaktoren sind abgeschaltet. In ­Fukushima selbst empfangen uns Vertreter der Präfek­ tur. Wir bitten sie, die Information und den Schutz der Bevölkerung voranzutreiben.

Vor Ort in Fukushima

»Gegenseitig Mut machen«

Im Oktober vergangenen Jahres reisten der BN-Vorsitzende Hubert Weiger und der Landesbeauftragte Richard Mergner nach Japan in die Region Fukushima. Sie sprachen mit japanischen Umweltschüt­ zern und machten sich selbst ein Bild von der Lage in der Region. Ihr Eindruck: Auch eine Hochtechnologie-Nation wie Japan ist hilf­ los im Umgang mit den Folgen einer Katastrophe dieses Ausmaßes.

Fotos: privat

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In Tokyo erwarten wir mit Spannung das Gespräch mit Naoto Kan, der zur Zeit des Tsunamis Premier­ minister Japans war. Die Begegnung und Diskussion mit diesem Mann, der durch die Reaktorkatastrophe zum Atomkraftgegner wurde, ist bewegend. Er sichert uns zu, auf Einladung des BUND nach Deutschland zu kommen und über seine Erfahrungen mit dieser unbe­ herrschbaren Technologie zu berichten. Am Ende unserer Reise haben wir trotz all der depri­ mierenden Eindrücke ein Gefühl der Bereicherung, weil wir erfahren haben, dass Menschen auch in einer so schlimmen Situation nicht den Mut verlieren. Wir sind überzeugt: Es ist wichtig, sich international zu ver­ netzen und sich gegenseitig Mut zu machen, um den weltweiten Ausstieg aus der Atomenergie voranzutrei­ ben. Hubert Weiger, Richard Mergner

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Bewegende Reise BN-Vorsitzender Hubert Weiger und BN-Landesbeauftragter Richard Mergner trafen sich in Japan mit Umweltschützern (Bild oben) und ­Politikern, um den Ausstieg aus der Atomkraft voranzutreiben. Links ein Blick auf die zerstörten Reaktoren.


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Verwirrung um B 15 neu

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Foto: BN-Archiv

nde November traf sich der Vorstand des BUND Naturschutz (BN) mit der SPD-Landtagsfraktion. Die zentralen Themen waren dabei der überbordende Flächenfraß, die Landesplanung in Bayern, die dezentrale Energiewende in Bürgerhand und die aktuellen Planungen zum Hochwasserschutz. Einig war man sich in der Kritik an der Staatsregierung, die die Regionalplanung schwächt und damit die kommunale Konkurrenz beim Auswei­ sen von neuen Gewerbe­gebieten fördert. Der BN-Landesvor­ stand regte dazu eine ­innerparteiliche Diskussion der SPD mit ihren kommunalen Mandatsträgern an. Auch das Ausbremsen der Windkraft durch die bayerische Abstandsregelung für Wind­ räder und die verschlechterten Rahmenbedingungen für die ­Erneuerbaren Energien auf Bundesebene stießen einhellig auf Ablehnung. Der BN-Vorstand trifft alle Fraktionen des bayeri­ schen Landtags hin und wieder, um umweltpolitische Themen zu besprechen.

ie Freude bei allen Naturschützern war riesengroß: Am 19. Januar verkündete Innenminister Joachim Herrmann, dass die autobahngleiche B 15 neu südlich von Landshut vom Tisch ist. Es wäre nach 40 Jahren endlich das Aus für ein unsinniges Straßenbauprojekt gewesen. Doch Vertreter der bayerischen Wirtschaft liefen Sturm gegen dieses Signal in Richtung einer zu­ kunftsfähigen Verkehrspolitik. Ende Januar verkündete Ministerpräsident Horst Seehofer, dass das umstritte­ ne Straßenbauprojekt nun doch bis Haag fortgesetzt werden solle (Stand bei Redaktionsschluss). »Dennoch zeigt sich«, so BN-Landesbeauftragter Richard Merg­ ner, »dass die bisherige Betonpolitik der Staatsregie­ rung Risse bekommt. Wir hoffen, dass sich auch bei Ministerpräsident Horst Seehofer die Einsicht durch­ setzt.« Ein ausführlicher Bericht folgt in der nächsten Natur+Umwelt.

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Foto: Thomas Stephan

BN-Vorstand trifft SPD-Landtagsfraktion

Steigerwald: ernsthafte Bewerbung als Weltnaturerbe?

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ie Staatsregierung hat sich lange einer Diskussion über einen besseren Waldschutz und einen Nationalpark im Steigerwald verweigert. Vor Ort war man da schon weiter: 2014 wies der Landkreis Bamberg ein Waldschutzgebiet aus und die Zustimmung der Bürger zu einem Nationalpark wächst stetig weiter. Das veranlasste die Regierung im No­ vember, den Steigerwald als UNESCO-Weltnaturerbe vor­ schlagen zu wollen – eine Initiative, die ursprünglich eben­ falls aus der Region stammt. Der BUND Naturschutz (BN) unterstützt diesen Schritt, sofern die Bewerbung glaubwür­ dig vorangetrieben wird. So braucht es dafür zwingend ein großflächiges und von jeglicher Nutzung befreites Schutzge­ biet. Zwar hat sich Umweltministerin Ulrike Scharf klar für ein Weltnaturerbe ausgesprochen, doch auch die Option eines Weltkulturerbes ist im Gespräch. Dadurch soll offen­ sichtlich – wohl auf Druck der Nationalparkgegner – ein ver­ besserter Schutz der Staatswälder im Steigerwald verhindert werden. Für den BN bedeutet das, sich auch künftig tatkräf­ tig für einen Nationalpark Steigerwald einzusetzen.

BN entlarvt strahlendes Schnurtelefon

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or einiger Zeit kam mit dem »Telekom Sinus PA 206+1« ein Schnurlostelefon mit zusätzlichem Schnurhörer auf den Markt – ausgezeichnet mit dem Blauen Engel als strahlungsarm und energiesparend. Tatsächlich handelte es sich aber um einen echten »Dauerstrahler«, wie ein Test des BUND Naturschutz ergab. Ursache dafür war ein Programmierfehler. Die Telekom zog das Modell daraufhin zurück und behob den Fehler. Wer sich bis dahin aber einen der Apparate in gutem Glauben gekauft hatte, weiß zu­ meist bis heute nicht, dass er ein fast ständig strahlendes Telefon zu Hause stehen hat. Eine Information der Telekom an die Öffent­ lichkeit oder gar einen Rückruf bereits verkaufter Geräte hat es nicht gegeben. Um hier Abhilfe zu schaffen, bietet der BN auf sei­ nen Internetseiten die nötigen Infos an, wie sich überprüfen lässt, ob man eines der fehlerhaften Geräte besitzt und wie man dieses gegebenenfalls umtauschen kann. Eine unerfreuliche Eigenschaft weist das Modell aber weiterhin auf: Gleichgültig, welche Aktion man am Basisgerät durchführt – etwa den Anrufbeantworter ab­ hören –, das Telefon fängt erst einmal wieder kurz zu strahlen an. Weitere Infos: www.bund-naturschutz.de/mobilfunk


Umweltministerin zu Gast beim BN

Foto: BN-Archiv

chon kurz nach ihrem Amtsantritt im September 2014 kam die neue bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf zu einem intensiven Aus­ tausch in eine Sitzung des BUND Naturschutz-Landesvorstands. Die stell­ vertretende BN-Landesvorsitzende Doris Tropper appellierte dabei an die Ministerin, den Flächenschutz zu einem ihrer Schwerpunktthemen zu machen. Des Weiteren zeigte sich Tropper erfreut über die Zusage der ­Ministerin zu einem gemeinsamen Pressetermin, bei dem BN und Staats­ regierung auf das positive Wirken des Bibers für einen natürlichen Hoch­ wasser- und Auenschutz aufmerksam machen wollen. Bei einem weiteren Termin will man das Potenzial der natürlichen Wasserrückhaltung im Do­ nauraum thematisieren. Gemeinsamkeiten stellte der Landesvorstand auch bei der Umweltbildung, beim Ziel eines auch künftig gentechnik­ freien Bayerns und beim Schutz des Grund- und Trinkwassers vor Über­ düngung fest. Als Konfliktfall hingegen benannten die BN-Vertreter das Festhalten am Ausbau kleiner Wasserkraftwerke.

Donau-Ausbau ökologisch verbessern!

Foto: Photodisc

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Fünf Jahre ­gentechnikfreies Bayern

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m Herbst 2014 jährte sich der Anbaustopp genetisch veränderter Pflanzen in Bay­ ern zum fünften Mal. Sowohl der Anbau als auch die staatli­ chen und firmenfinanzierten Freisetzungsversuche sind seither beendet – ein großer Erfolg für alle Natur- und Umweltschützer. Der Kampf des BUND Naturschutz (BN) gegen erste bayerische Freilandversuche begann bereits 1993. Vier Jahre darauf scheiterte das Volksbegeh­ ren »Gentechnikfrei aus Bayern« zwar mit 4,9 Pro­ zent Beteiligung, doch konnte es das Thema ins Bewusstsein vieler Bürger rufen. Ab 2003 organi­ sierten der BN und das »Bündnis für gentechnik­ freie Natur und Landwirtschaft« mehrere Großdemon­strationen und leisteten viel Aufklärungsar­ beit. Als in den Folgejahren auch die Politik erkann­ te, dass sich die Risikotechnologie nicht gegen den Willen der Mehrheit durchsetzen konnte, stellte man im Herbst 2009 die Freilandversuche ein. Doch auch künftig bleibt viel zu tun: So sollte sich Deutschland in der EU für ein Verbot gentechnisch veränderter Pflanzen und für die Kennzeichnung von Fleisch, Milch und Eiern einsetzen, die mit gentechnisch modifizierten Futtermitteln erzeugt wurden.

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Foto: Wolfgang Willner

ach jahrzehntelangen Untersuchungen und Ausein­ andersetzungen wird es allmählich ernst mit dem Donau-Ausbau zwischen Straubing und Vilshofen. Am 30. Oktober endete die Frist für Einwendungen zum Planfest­ stellungsverfahren für den Abschnitt Straubing-Deggen­ dorf. Auch die Umweltverbände haben ihre Stellungnah­ men abgegeben. Zwar sind die Staustufenpläne vom Tisch, doch das Potenzial für ökologische Verbesserungen ist auch jetzt noch groß. So sollten aus Sicht des Naturschut­ zes die ursprünglich für die Staustufen und Seitenkanäle angekauften Grundstücke jetzt für den natürlichen Hoch­ wasserschutz eingesetzt werden. »Wir müssen den Flüs­ sen ihre Auen zurückgeben. Nur so lassen sich die in den letzten Jahrzehnten erheblich beschleunigten Hochwas­ serspitzen wieder abbremsen und entzerren und damit die Hochwassergefahr für Unterlieger wie Passau ent­ schärfen«, erklärte der BN-Vorsitzende Hubert Weiger bei einem Pressetermin.

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Klauben und Klammern Die Helferinnen und Helfer klauben unzählige Kröten von den Straßen, während diese versuchen, ihre Laichgewässer zu erreichen – oft als »Klammerpärchen« wie diese beiden Erdkröten.

Ehrenamt im BUND Naturschutz

Fürs Erste gerettet An mehr als 450 AmphibienWanderwegen bringen Aktive des BN jedes Jahr über 700 000 Frösche, Kröten und Molche sicher über die Straße – eine der größten Arten- und Tier­ schutzaktionen Deutschlands. Heidi Tiefenthaler hat sich noch vor dem Morgengrauen unter die Freiwilligen gemischt.

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ünf Grad, Nieselregen: Skiunterwäsche, Thermo­ hose, zwei Paar Socken, dünner Pulli, dicker Pulli, Halstuch, Anorak, Mütze, Handschuhe. In der Ein­ weisung für die Krötenhilfsaktion hieß es, nicht mit warmen Klamotten sparen! Hab’ ich getan. Was der Kleiderschrank hergab und unter den Anorak passte, wurde angezogen. Während wir zu unserem Einsatzort trotten, stelle ich mir immer wieder die Frage, wie um Himmels Willen Kröten bei so einem Wetter an Sex denken können? Doch sie tun es! Gleich beim ersten Tier, das wir im Zwielicht ausmachen können, handelt es sich eigent­ lich um zwei. Ein sogenanntes Klammerpärchen. Die kleinere, männliche Kröte sitzt auf dem weiblichen Tier und lässt sich zum Laichgewässer tragen – oder ließe sich vom Weibchen dorthin tragen, wenn wir nicht schneller wären, beide von der Straße pflücken und per Hand sicher hinüberbringen würden.

Bestes Wanderwetter

Im Gegensatz zu den anderen Helfern vor Ort ist für mich das morgendliche Krötensammeln eine voll­ kommen neue Erfahrung. Beim Zaun angekommen, wissen alle, was zu tun ist: Warnweste und Arbeits­ handschuhe anziehen, Stirnlampe aufsetzen, Block und Stift in die Tasche stecken, dann kann’s losgehen. »Bestes Wanderwetter«, meint Beate Rutkowski noch, dann ist die Biologin auch schon Richtung Zaunende verschwunden. Die Vorsitzende der BN-Kreisgruppe Traunstein managt gemeinsam mit ihren BN-Kollegen seit 25 Jahren ehrenamtlich die Hilfsaktionen während der Amphibienwanderung im Landkreis Traunstein. Und tatsächlich, schon beim ersten Eimer, über den ich mehr oder weniger stolpere, ist der Boden nicht mehr zu sehen. Krötenaugen, -beine und -leiber


schauen mir daraus entgegen. Und während ich noch tief einatme, hat Lukas bereits beherzt zugegriffen. Der Schüler ist dieses Jahr schon zum zweiten Mal dabei und hat keinerlei Berührungsängste. Beate hat uns bei der Einweisung genau erklärt, wie wir Männ­ chen und Weibchen der Erdkröten unterscheiden ­können und welche Arten es sonst noch in den Ei­ mern zu finden gibt: Grasfrösche, mit viel Glück auch einen Springfrosch, Berg- oder Teichmolch. Lukas ­arbeitet sich zügig durch den Eimer, während ich die Strich­liste führe: eine Erdkröte männlich, zwei Erd­ kröten weiblich … Das Dokumentieren der wandernden Tiere verlang­ samt die Rettungsaktion etwas, aber keiner der Helfer möchte darauf verzichten. Gerade diejenigen, die schon seit Jahren dabei sind, kennen »ihren« Über­ gang inzwischen gut und fachsimpeln darüber, ob heuer wohl mehr oder weniger Tiere als im Vorjahr ­ankommen, ob eine Tendenz festzustellen sei oder vielleicht eine Veränderung in der Arten- und Ge­ schlechterzusammensetzung. »Bei fast allen bricht nach einiger Zeit so eine Art Forscherdrang durch«, sagt Lukas. »Alle wollen wissen, wie sich die Bestände über die Jahre hinweg entwickeln.« Und auch, wenn es gute und schlechte Jahre gibt, manchmal sogar er­ nüchternde Einbrüche – eins hat sich laut Beate Rut­ kowski gezeigt: Überall dort, wo nichts getan wird,

Auf der Seite »BN aktiv« berichten wir über unsere Aktiven und ihre vielseitigen Naturschutzaktionen in ganz Bayern. nehmen die Bestände ab. »Wo Helfer unterwegs sind oder es Leiteinrichtungen gibt, bleiben sie dagegen mit einiger Wahrscheinlichkeit stabil«, sagt sie. Ein gutes Gefühl für all jene, die sich Jahr für Jahr um sechs Uhr morgens den Schlaf aus den Augen reiben.

Liegenbleiben ist keine Option

­ iegenbleiben in solchen Nächten keine Option ist. L Wenn die Helfer nicht rechtzeitig auftauchen, müssen die Lurche stundenlang in den Eimern ausharren und werden zur leichten Beute für Krähen und Füchse. Früher gab es bei Bergen sogar einen Übergang mit etwa 10 000 Tieren jährlich. »Dort gibt es mittler­ weile zum Glück Amphibientunnel«, erzählt Beate Rutkowski. Ein Fortschritt, der andernorts trotz ­intensiver Bemühungen der Kreisgruppe noch auf sich warten lässt. Das zähe Ringen mit Behörden und Politikern um dringend nötige Leiteinrichtungen ­beschäftigt Rutkowski und ihre Mitstreiter das ganze Jahr hindurch. Am Weitsee, mit 50 000 Tieren größte Amphibien­übergang in Bayern, kämpfen sie nun schon seit mehr als zehn Jahren um eine vernünftige straßenbauliche Lösung. Wir sind inzwischen am vierten Eimer angelangt und zählen bereits über 60 Striche auf unserem Block. Von Tier zu Tier steigt meine Laune. Und auch Her­ mann Eschenbeck, zweiter Vorsitzender der KG Traun­ stein, ist hochzufrieden: »Es ist halt wirklich aktiver Artenschutz, was wir hier machen. Man weiß definitiv: Die Kröte, die ich eben über die Straße getragen habe, ist für dieses Jahr relativ sicher an den Laichgewässern angekommen. Jedes Tier, das man in der Hand hatte, ist fürs Erste gerettet!« Ein gutes Gefühl, das die Helfer jedes Jahr wiederkommen lässt, meint Beate Rut­ kowski. Wie zum Beispiel Dr. Wolfgang Kneitz. Der 67-Jährige war der Erste, der sich beim BN Traunstein aktiv für den Amphibienschutz einsetzte. Seit über 30 Jahren kümmert er sich nun schon um die Über­ gänge in seiner Heimatgemeinde Vachendorf. Inzwischen hat sich das Wetter gedreht. Ein plötzli­ cher Kälteeinbruch lässt die Helfer frösteln und jagt fiese Schneeschauer über die noch dunkle Landschaft. Beim letzten Kontrollgang graben wir nur noch ver­ einzelt Tiere unter der dünnen Schneeschicht hervor. Zeit, für heute die Zelte abzubrechen. Morgen heißt es dann erneut raus aus den Federn und eben mal die Welt retten – oder fürs erste ein paar Hundert Kröten. Aber irgendwo muss man ja anfangen …

Sobald der Boden auftaut und die Temperaturen über den Gefrierpunkt steigen, machen sich die Amphibien in den Winterquartieren auf und streben auf ihre Ge­ burtsgewässer zu. Gerade bei den Erdkröten findet das mit einer verblüffenden Gleichzeitigkeit statt, sodass die Tiere in ganzen Pulks an den Zäunen eintreffen. Dort laufen sie entlang und fallen über kurz oder lang in die vergrabenen Eimer, in denen sie ausharren müssen, bis ein freiwilliger Helfer sie aus der miss­ lichen Lage befreit. In Nächten wie diesen, nicht zu kalt und schön feucht, können beispielsweise am Übergang Frei­ weidach bei Staudach durchaus zwei- bis dreihundert Tiere ankommen. Über die Wanderzeit hinweg laufen hier an die 1500 Lurche auf. Damit ist unser Einsatz­ gebiet momentan der wichtigste von der Kreisgruppe betreute Übergang. Allen, die sich Jahr für Jahr in Traunstein für die Aktion melden – das Alter variiert zwischen 16 und 81 Jahren – ist klar, dass einfach

Der BN kann immer neue Helfer brauchen! Wenn Sie ­ungeschützte Amphibienübergänge entdecken oder selbst während der Krötenwanderung helfen ­möchten, melden Sie sich gerne bei Ulrike Geise, Tel. 0 93 86- 9 01 61, u.geise@geiseund-partner.de.

Fotos: Hermann Eschenbeck

Lukas im Schnee Temperaturen um den Gefrierpunkt und Schneefall: Als Amphibien­ retter muss man schon mal hart im Nehmen sein.

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Fotos: Friedrich Hartl /Fotolia, BUND

Die Natur sagt »Danke« Urwüchsige Landschaften, scheue Waldbewohner, frei fließende Flüsse, freude­strahlende Kinder in intakter Natur – Bilder, die die Seele berühren. Seit mehr als 100 Jahren setzt sich der BUND Naturschutz erfolgreich für den Erhalt u ­ nserer bayerischen Heimat und der Vielfalt ihrer Arten ein. Zeitgemäßer Umweltschutz, wie ihn ­der BN praktiziert, ist mehr als die Summe einzelner Kampagnen: Er sichert die ­Lebensgrundlagen für uns, unsere Kinder und Enkel. Zahlreiche ­ehrenamtliche Helferinnen und Helfer engagieren sich aktiv für die Bewahrung ­unserer Heimat. Wie eine große Familie tragen Sie als Mitglied, Förderer oder Spender mit Ihren A ­ ktivitäten und finanziellen Beiträgen zu dieser Erfolgsgeschichte bei. Sie ermög­lichten zum Beispiel:  25 Jahre Grünes Band – eine Idee aus Bayern macht Karriere  Steigerwald – das Ziel Nationalpark rückt näher  30 Jahre Wildkatzenschutz  Die Rückkehr des Bibers nach Bayern – das erfolgreichste deutsche Wiedereinbürgerungsprojekt Dass sich dieser lange Atem schließlich auszahlte, haben wir gerade auch Ihnen zu v­erdanken. Erst Ihre Unterstützung ermöglichte es, uns für Bayerns Naturschönheiten ­einzusetzen und unsere Heimatnatur erfolgreich zu beschützen. Mit Ihrem Engagement haben Sie sich für zeitlose Werte stark gemacht. Für eine ­­ gesunde Natur, in der unsere Kinder aufwachsen und das vielfältige Leben um sich herum spielerisch entdecken können. Für tiefe, unberührte Wälder, in Sammelbescheinigungen denen der Luchs seine Spur zieht. Für gewachsene Heimatlandfür Spenden und Mitgliedsschaften, die ihr natürliches G ­ esicht behalten dürfen. beiträge Dafür möchte ich Ihnen meinen herzlichen Dank aussprechen. Um noch mehr Geld in den Naturund Umweltschutz stecken zu Auch in diesem Jahr wollen wir unser Programm der Hoffnung – ­ können, wollen wir unsere Verwalfür eine Welt, in der Mensch und Natur in Harmonie leben können – tungskosten weiter senken. Desmit Beharrlichkeit und Engagement fortführen. Wir werden alles halb stellen wir Spendenbescheinigungen ab einer Höhe von 200 tun, um Euro nur noch einmal im Jahr aus.  wertvolle Flächen durch Ankauf oder Pacht zu schützen und zu Für Zuwendungen bis 200 Euro ­pflegen, gilt der Bankbeleg für das Finanzamt. Im Rahmen der gesetzlichen  bedrohten Tieren und Pflanzen einen Lebensraum zu bieten, Vorgaben des SEPA-Lastschriftver Kinder und Jugendliche für die Schätze der Natur zu begeistern, fahrens müssen wir außerdem  unabhängige Lobbyarbeit für die Natur zu betreiben. eine 8-wöchige Widerspruchsfrist Ohne Ihre wertvolle Hilfe können wir unsere Aufgaben nicht ­bewältigen und unsere Ziele nicht verwirklichen. Vielen Dank für Ihre Unterstützung! Ihr Prof. Dr. Hubert Weiger Landesvorsitzender 32 

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einhalten. Aus diesem Grund erhalten Sie Ihre Sammelbescheinigung über Ihre geleisteten Spenden- und Mitgliedsbeiträge aus dem Vorjahr erst Anfang März. Benötigen Sie nach jeder Einzelspende eine Bescheinigung? Rufen Sie uns an: Tel. 09 41-2 97 20 66. Gerne kommen wir Ihrem Anliegen nach.


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Foto: vvoe/Fotolia

»Heimat Bayern 2020« heißt das neue Strategie­ papier aus dem Heimat­ ministerium von Minister Markus Söder. Es ist eine Weichenstellung in die falsche Richtung: eine Kampfansage an jegliches Bemühen um Flächen­ schutz und ein Freibrief zur Zersiedelung der Landschaft.

Droht eine Welle des Flächenverbrauchs?

Müssen wir ­wirklich alles voll­ bauen? Mit der neuen »Heimatstrategie« könnte es auch in den bayerischen Alpen eines Tages so aussehen wie hier in Frankreich – Hotelburgen statt unberührter Natur.

Verbaut, versiegelt, verkauft

n der Regierungserklärung »Heimat 2020« hatte der Heimatminister im Dezember 2014 eine Reihe von Vorschlägen zur Degradierung der Landesplanung prä­ sentiert, die den Flächenverbrauch in Bayern weiter ansteigen lassen werden. »Söders Heimatstrategie ist dazu geeignet, die Reste intakter bayerischer Kultur­ landschaft dem ruinösen Wettbewerb der Kommunen um Gewerbeansiedlungen zu opfern«, sagt BN-Vorsit­ zender Hubert Weiger zur »Heimatstrategie 2020«. 2008 hatte Söder noch erklärt: »Die Bayerische Staats­regierung hat den Flächenverbrauch als zentra­ les Umweltproblem erkannt.« Mittlerweile ist ihm diese Erkenntnis offenbar abhanden gekommen. Der Heimatminister betonte in der Regierungserklärung, er mache sich keine Sorgen um den Flächenverbrauch, denn die Kommunalpolitiker wüssten schon selbst am besten, »was für ihre Gemeinde notwendig ist«. Wohin dieses vermeintliche Wissen in den vergangenen Jah­ ren geführt hat, kann man überall in Bayern besichti­ gen: Gewerbegebiete auf der grünen Wiese breiten sich aus wie Pestgeschwüre, Bayern hält beim Flächen­ verbrauch eine traurige Spitzenposition unter allen ­Bundesländern. Stellt sich der Heimatminister so die Zukunft des Freistaats vor: verbauen, versiegeln, ver­ kaufen? Konkret sieht die Heimatstrategie eine »Überarbei­ tung« des Landesentwicklungsplans in zwei Bereichen vor. Zum einen soll das sogenannte »Anbindegebot« ge­lockert werden. Dieses hat bislang die Ausweisung von Bau- oder Gewerbegebieten, die sich nicht in di­ rekter Nachbarschaft zu bestehender Bebauung befin­ den würden, eingeschränkt. Man muss kein notori­ scher Schwarzseher sein, um zu ahnen, dass dadurch freie, unberührte Landschaft in Bayern noch massiver zersiedelt würde als bisher.

Ruhezonen in den Alpen gefährdet

Eine weitere geplante Maßnahme: Die sogenannten »Zielabweichungsverfahren« sollen »erleichtert« wer­ den. Diese Verfahren sind notwendig, wenn ein Projekt gegen verbindliche Ziele der Landesentwicklung ver­ stößt und trotzdem realisiert werden soll. Positive Be­ scheide sind bisher nur möglich, wenn ein Projekt einen atypischen Einzelfall darstellt, der die Grund­ züge der Landesplanung nicht berührt. Die vorgesehe­ ne Lockerung würde weitere Bebauung auf der grünen Wiese und Eingriffe in die Ruhezonen der Alpen er­ möglichen. Bisher sind über 40 Prozent des bayeri­ schen Alpenraumes als Ruhezonen vor Verkehrs- und Tourismusinfrastruktur geschützt. Seit dem Inkrafttre­ ten des Alpenplans 1972 wurde noch nie eine Ausnah­ me mittels Zielabweichungsverfahren zugelassen. Mit einer Erleichterung dieses Verfahrens drohen nun auch diese Ruhezonen zu fallen. Aktuell planen Liftbetreiber im Landkreis Oberallgäu ein Zielabweichungsverfah­ ren für eine Liftneuerschließung und einen Skipisten­ neubau am Riedberger Horn. Eine Genehmigung wäre ein Präzedenzfall, der eine Lawine weiterer Anträge nach sich ziehen würde. »Der BUND Naturschutz lehnt diese Fehlplanung ab und fordert die Bayerische Staatsregierung auf, endlich eine wirksame Strategie gegen den horrend hohen Flä­ chenverbrauch vorzulegen«, so der BN-Landesbeauf­ tragte Richard Mergner. Der BN hat dazu gemeinsam mit dem LBV einen 10-Punkte-Plan vorgelegt. Dieser setzt auf eine starke Landesplanung, die den Kommu­ nen einheitliche Regeln bei der Ausweisung von neuen Siedlungsgebieten vorschreibt. Nur so kann das Dum­ ping im Umgang mit der wertvollen Ressource Boden durchbrochen werden. (lf)

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Neue Gewerbegebiete treiben Flächenfraß in die Höhe

Nichts dazugelernt

Obwohl in zahllosen bayerischen Kommunen Gewerbeflächen leer stehen, weisen die Gemeinden riesige neue Gebiete aus – auf Kosten der Natur. Der BN konnte ein gigantomanisches Projekt in Franken vor Gericht stoppen, doch in der Oberpfalz ­sollen hektarweise Wald geopfert werden.

Foto: nedea16/Fotolia

Unnütz? In der Oberpfalz sollen hektarweise wertvoller Kiefernmischwald für ein riesiges Gewerbegebiet geopfert werden – trotz vorhandener Gewerbeflächen, die leer stehen!

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n Bayern hat der Flächenver­ brauch wieder stark zugenom­ men. Nach den im November ver­ gangenen Jahres veröffentlichten Zahlen des bayerischen Landesamts für Statistik wurden im Jahr 2013 für Siedlungs- und Verkehrszwecke täglich 18,1 Hektar oder 26 Fußball­ plätze verbraucht. Eine Steigerung um 6,5 Prozent gegenüber dem ­täglichen Verbrauch von 17 Hektar im Jahr 2012. In vielen Kommunen ist offenbar die Erkenntnis noch nicht angekommen, dass die ­Ausweisung immer neuer Gewerbegebiete keine Lösung von Wirt­ schaftsproblemen sein kann. Ein völlig überdimensioniertes und besonders naturzerstörendes Gewerbegebiet konnte der BN in Franken verhindern – wie so oft aber erst auf dem Gerichtsweg. ­Bereits im Jahr 2001 hatte ein Zweckverband aus mehreren Kom­ munen im Landkreis Ansbach ein 240 Hektar großes Areal wie Sauer­ bier für die damals geplante neue Produktionsstätte von BMW ange­ boten. BMW ging dann aber nach

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Leipzig. Weil man das Gebiet aber schon mal gedanklich verbraucht hatte, blieb das ­Vorhaben als »Inter­ kommunaler Gewerbepark Inter­ franken« in der Planung. Ein ganzer Talraum mit vielen wertvollen Le­ bensräumen sollte zugebaut wer­ den. Der BUND Naturschutz klagte seit Herbst 2011 zusammen mit ­Privatpersonen aus dem eigens ­gegründeten Bürger­forum gegen die Baugenehmigung für die ersten 80 Hektar. Im Oktober 2014 ent­ schied dann der 9. Senat des Bayeri­ schen Verwaltungsgerichtshofes: Die Baugenehmigung ist aufgrund von Mängeln und ­Verstößen rechts­ widrig. Eine Revi­sion gegen das ­Urteil wurde nicht zugelassen. Trotz aller Freude über den juristischen Sieg bedauern Bürgerforum und BN den noch nicht absehbaren gesell­ schaftlichen und finanziellen Scha­ den, der hier ohne Not von einer bürgerfernen Politik angerichtet wurde. Die Region wurde, trotz jah­ relanger Warnungen, in eine tiefe Spaltung geführt und es wurden Millionen Euro S ­ teuergelder für ein

Projekt verschwendet, dessen Wirt­ schaftlichkeit nie gegeben war. In Weiden in der Oberpfalz droht eine Fehlentscheidung ähnlichen Ausmaßes: Am westlichen Stadt­ rand befindet sich ein Erholungs­ wald, der eine Ausweisung als Bannwald verdienen würde. Zurzeit wird der Wald rentabel bewirtschaf­ tet und bietet dabei zahlreichen ge­ schützten Tierarten Lebensraum. In diesem Gebiet will die Stadt Weiden 75 Hektar Wald roden, um ein neues Gewerbegebiet auszuweisen. Weil es sich um Staatswald handelt, möchte die Stadt einzelne, eigens zu diesem Zweck erworbene Wald­ grundstücke in Franken gegen den stadtnahen Wald tauschen. Sobald der Staatswald bei Weiden in den Besitz der Stadt übergeht, hätte die Stadt freie Hand, einen Kahlschlag durchzuführen. Nach einer beispiel­ losen Werbekampagne von SPD und CSU sowie dem persönlichen Einsatz mehrerer CSU-Landtags­ abgeordneter wurde 2014 das Zu­ stimmungsquorum in einer Bürger­ abstimmung (»Sind Sie für neue ­Arbeitsplätze in Weiden?«) knapp erreicht. Dabei stehen auch in Wei­ den 5,5 Hektar Gewerbeflächen leer. ­Besonders zynisch: Das Vorhaben fällt ausgerechnet in das Jahr 2015, das von der Bayerischen Staats­ regierung zum »Aktionsjahr Wald­ naturschutz« ausgerufen wurde. Das Tauschgeschäft müsste von Landwirtschaftsminister Brunner ab­gesegnet werden. Eine Petition, mit der der BN sich an den Baye­rischen Landtag ge­ wandt hatte, wurde Ende Januar aus sachlich nicht nachvollziehbaren Gründen abgelehnt. Landesverband und Kreisgruppe werden sich aber ungeachtet dessen weiter für den Erhalt des Waldes einsetzen.(lf)


Welterbe niederbayerische Donau

Der Donauraum von Straubing bis Vilshofen soll UNESCO-Kulturund Naturerbe werden. Dafür setzt sich der BUND Naturschutz seit Jahren ein, 2014 zuletzt mit Pressefahrten und einer Podiums­ diskussion zum Abschluss des 23. Donaukongresses in Niederaltaich.

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ereits seit 2005 engagiert sich der BN zusammen mit dem Landesverein für Heimatpflege und dem Verband Bayerischer Ge­ schichtsvereine dafür, dass der nie­ derbayerischen Donauregion das UNESCO-Prädikat »Welterbe der Kultur und Natur« zuerkannt wird. Die einzigartige Natur- und Kultur­ landschaft zeichnet sich aus durch ökologische Schutzwürdigkeit,

Foto: Franz Meindl

Fleißige Sammler: Zum sechsten Mal schon sammelten Schülerin­ nen und Schüler der Realschule Vilsbiburg Geldspenden für den BN. Bei der Haus- und Straßen­ sammlung 2014 erreichten sie ein Ergebnis von 4095 Euro. Wie in den vergangenen Jahren erhielten sie im September von der BNOrtsgruppe Vilsbiburg Jungbäume

J­ ahrtausende lange Siedlungskon­ tinuität und kulturhistorische Strahlkraft. Auf dem Podium des Donau­ kongresses Anfang Dezember 2014 zeigte sich, dass viele Kommunal­ politiker die Welterbe-Idee bereits unterstützen. Bereits rund 75 Pro­ zent der Städte und Gemeinden an der niederbayerischen Donau haben sich der »Initiative Welterbe«

und Sträucher zum Einpflanzen in den eigenen Garten als Prämie. Vorsitzender Stefan Englbrecht (2. v. li.) bedankte sich bei den Sammlern für ihre Unterstützung. Die Spenden verwendet die BNOrtsgruppe für Biotoppflege- und Artenschutzmaßnahmen. So leg­ ten die Naturschützer heuer bei ­Jesendorf eine Streuobstwiese an, in Dornau und Maulberg ließen sie wieder eine Feucht- und eine Magerwiese mähen.

Weidenzupfen: Vor vier Jahren wurden im Wallersdorfer Moos im Landkreis Dingolfing-Landau auf den BN-Flächen Mulden, Seigen und Tümpel für Amphibien und wiesenbrütende Vögel angelegt. Weiden und Erlen finden in den feuchten Mulden ideale Wuchsbe­ dingungen und keimen dort zu Tausenden. Damit die Flächen für die Zielarten attraktiv bleiben, müssen sie jedoch von Bäumen und Sträuchern freigehalten wer­ den. Wo es für die Mahd mit grö­ ßeren Maschinen zu feucht ist, müssen die Keimlinge mitsamt Wurzeln von Hand ausgerissen werden. Beim letzten »Weidenzup­ fen« Mitte Oktober wurde die Orts­

gruppe Landau von drei Gymna­ siastinnen tatkräftig unterstützt.

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NATURNOTIZEN AUS NIEDERBAYERN

Kreisgruppen Deggendorf, Passau, Straubing

angeschlossen. Um die Unterstüt­ zung der restlichen Kommunen zu erhalten und die Aufnahme in die nächste Welterbe-Liste zu forcieren, ini­tiierte Dieter Scherf vom BNLandesvorstand einen Arbeitskreis mit Vertretern der Kreisgruppen Passau, Deggendorf und Straubing. Zusammen mit den Spitzen der Heimattag-Verbände warb der BN auf zwei Pressefahrten 2014 für die Idee. Im Juli führte die erste Fahrt nach Künzing, wo Funde aus der Jungsteinzeit bäuerliche Landnut­ zung an der Donau belegen, und zum Kloster Niederalteich. Die zweite Fahrt im November beschäf­ tigte sich mit der Geschichte und Natur Straubings. Stationen waren das historische Zentrum der 1218 gegründeten Stadt, der Friedhof St. Peter mit seiner romanischen Basi­ lika und über 1000 Grabdenkmälern aus sieben Jahrhunderten, sowie das stadtnahe Donauschutzgebiet Pillmoos, wo Auwiesen ein Refu­ gium für bedrohte Tier- und Pflan­ zenarten bilden. Kurt Schmid (as)

Foto: Kreisgruppe Landshut

Foto: Dieter Scherf

Einzigartig Die Kultur- und Naturlandschaft der niederbayerischen Donauregion, hier bei Niederalteich, soll bis 2018 in die nächste Welterbe-Vorschlagsliste aufgenommen werden.


Fotos: Werner Fees

Kreisgruppe Miesbach

Sündenfall Sudelfeld

Innerhalb weniger Monate verwandelte sich die naturnahe Almland­ schaft am Sudelfeld bei Bayrischzell in ein vermeintlich »perfektes« Skigebiet. Höhepunkt des Eingriffs war die Fertigstellung des Speicherbeckens im November 2014. Dafür erhielt die Betreiberge­ sellschaft Mitte Dezember den »Bock des Jahres«.

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NATURNOTIZEN AUS OBERBAYERN

it diesem Preis zeichnet der Verein Mountain Wilderness jährlich die größte Umweltsünde im deutschen Alpenraum aus. An der Veranstaltung in Bayrischzell betei­ ligte sich ein breites Bündnis aus Naturschutzorgani­sationen, darun­ ter auch der BUND Naturschutz. Die Aktion setzte zum Start der Ski­ saison noch einmal ein Zeichen gegen die Zerstörung der bayeri­ schen Bergwelt durch Kunstschnee­ anlagen.

Widerstand: Gegen die Nordum­ fahrung Erding gingen bis Fristen­ de Anfang Dezember über 1600 Einwendungen zum Planfeststel­ lungsverfahren ein, davon mehr als 1000 aus der Gemeinde Bock­ horn. Dazu aufgerufen hatten der BN, die Bürgerinitiative gegen die Nordumfahrung, die Gemeinde Bockhorn und der Verkehrsclub Deutschland VCD. Die Umfahrung »ED 99« soll Erding vom Verkehr entlasten, bringt aber gewaltige neue Belastungen. Die Gemeinde Bockhorn befürchtet Blechlawinen von Schleichverkehr mitten durch den Ort. Eigentlicher Nutznießer ist der Flughafen München, der sich für seine Expansion das Hin­

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Mit horrendem Aufwand waren im Laufe des vergangenen Jahres eine neue Liftanlage und Wege ge­ baut, Skipisten modelliert, Lei­ tungstrassen verlegt und Beschnei­ ungsgeräte installiert worden. Für die Wasserversorgung der Kunst­ schneeanlagen wurde mit einer Tiefe von über 20 Metern und 155 000 Kubikmetern Fassungsver­ mögen das größte Beschneiungs­ becken Deutschlands gegraben. »Damit haben sich die Liftbetriebe

terland erschließen lässt und fünf Millionen Euro zur Finanzierung beisteuert. Die Erdinger wollen jetzt den Klageweg beschreiten. Der BN macht in seiner Einwen­ dung geltend, dass weder für das FFH-Gebiet »Strogn« noch für das Vogelschutzgebiet »Nördliches ­Erdinger Moos« Verträglichkeits­ prüfungen durchgeführt wurden. Flächenfraß: Ende November 2014 veranstaltete die BN-Kreisgruppe Traunstein ein Seminar zum Thema Flächensparen. Neben ­ Dr. Christine Margraf vom BUND Naturschutz referierten Christina von Seckendorff, Ministerialrätin im Umweltministerium, der Direk­

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Sudelfeld den »Bock des Jahres« redlich verdient,« sagte MW-Vor­ standsmitglied Gotlind Blech­ schmidt. Der Widerstand aller für den Schutz des Alpenraums aktiven Ver­ bände und Vereine gegen den Aus­ bau der Beschneiung am Sudelfeld war leider nicht erfolgreich. Auch in zweiter Gerichtsinstanz gab es kei­ nen Baustopp. Der Ausbau des auf nur 800 bis 1500 Metern Höhe gele­ genen Skigebiets könnte allerdings nur von kurzem Erfolg sein: Ange­ sichts des Klimawandels ist es nur eine Frage der Zeit, bis in diesen Lagen die künstliche Beschneiung nicht mehr funktioniert. Dies hin­ dert die Betreiber jedoch nicht daran, staatliche Zuschüsse in Milli­ onenhöhe zu fordern, was einer ­Naturzerstörung mit Steuergeldern gleichkommt. Kurt Schmid (as)

tor des Bayerischen Gemeinde­ tages Dr. Franz Dirnberger und die beiden Bürgermeister Markus Reichart (Markt Heimenkirch) und Hans-Jörg Birner (Gemeinde Kirchanschöring). Etwa 50 Besu­ cher, darunter Kommunalpolitiker, Planer, Vertreter von Behörden und Landwirtschaft und viele BN-

Foto: KG Traunstein

Albtraum auf der Alm Die Bauarbeiten am Oberen Sudelfeld (Foto: September 2014) sind abgeschlossen. Das seit November fertiggestellte Beschneiungsbecken an der Walleralm wird von den ­Liftbetrieben als »Naturspeicherteich« angepriesen.

Aktive diskutierten intensiv mit. Nach 137 Hektar Flächenverbrauch im Jahr 2013 wurden im Landkreis Traunstein bis November 2014 ­bereits über 100 Hektar für neue Wohn- und Gewerbegebiete und den Straßenbau verplant. Während der bayerische Gemeindetag auf Freiwilligkeit setzt, ist es für den BN angesichts dieser Zahlen klar, dass geänderte Rahmen­ bedingungen wie eine Reform der Grund- und Gewer­ besteuer Anreize zum Flächensparen setzen müssen.


Holunderfest: In Thalmassing im Landkreis Regensburg hat BNMitglied Erich Weiß an einem ehe­ maligen Badeweiher ein Feucht­ biotop geschaffen, das heute Frö­ sche, Enten und Libellen anzieht. Genau der richtige Ort für die ­BN-Ortsgruppe, um dort im ver­ gangenen September ein Holun­ derfest zu veranstalten. Die Gäste begeisterten sich an holunderkuli­

Kreisgruppe Schwandorf

Edeka macht Rückzieher

Der Edeka-Konzern wollte im geplanten Gewerbegebiet Teublitz große Mengen Tiefenwasser fördern. Erst kürzlich gab der Konzern seinen ­Rückzieher bekannt. Damit sind die dort geplante Tiefenwasserentnahme und die drohende Waldrodung vom Tisch.

So nicht! Soll es bei Max­ hütte und Teublitz bald so aussehen? Die Städte planen ein 38 Hektar ­großes Gewerbegebiet.

ler vor Ort betroffener Bürgerinnen und Bürger ernst nimmt«, so der BN-Landesbeauftragte Richard Mergner. Bei Klaus Pöhler, Vorsit­ zender der BN-Kreisgruppe Schwandorf, ist die Freude groß: »Die Stadt Teublitz wurde davor be­ wahrt, in einer Ausverkaufsaktion unersetzliche Wasserressourcen

narischen Köstlich­ keiten (Foto), schnitzten ein Ho­ lunderpfeiferl mit den Kindern und nutzten das breit ge­ fächerte Informati­ onsangebot des BN. Flächenverbrauch: Im Weidener Umland gibt es mehr als 200 Hekt­ ar erschlossene Gewerbeflächen. Trotzdem will die Stadt 75 Hektar Staatswald im Tausch gegen Pri­ vatwald für ein neues Gewerbege­ biet opfern. In einem Ratsbegeh­ ren (»Wollen Sie neue Arbeitsplät­ ze…?«) hat sie sich der Zustim­ mung ihrer Bürger versichert. Die

kurzfristigem Profit und die Lebensund Freizeitqualität der Gemeinde einem weiteren flächenfressenden Gewerbegebiet zu opfern.« Der BN appelliert nun an die Stadt Teublitz, alle Planungen für das G ­ ewerbegebiet einzustellen. Klaus Pöhler/ Helmut Schultheiß (ht/lf)

BN-Ortsgruppe hat eine onlinePetition zur Rettung des Waldes gestartet. Widerstand: Die Gegner des ge­ planten Pumpspeicherkraftwerks am Osser (s. N+U 3 /2014) sind weiter aktiv. Edeltraud Winterstet­ ter (BN) und Erwin Molzan (Vor­ sitzender des örtlichen Aktions­ bündnisses) übergaben am 27. No­ vember 2014 fast 8000 Unterschrif­ ten besorgter Natur- und Heimat­ freunde an Wirtschaftsministerin Ilse Aigner. Diese nahm sich fast eine Stunde Zeit, um sich mit den Gegenargumenten und den Sor­ gen der Anwohner vertraut zu ma­ chen.

40 Jahre: Der stellvertretende Landrat Joachim Hanisch, Ober­ bürgermeister Andreas Feller und Hubert Weiger – sie alle würdigten bei der 40-Jahrfeier der Kreisgrup­ pe Schwandorf deren unermüdli­ ches Engagement. Zu den Erfolgen zählen die Unterschutzstellung des Charlottenhofer Weihergebie­ tes, der engagierte Widerstand gegen die WAA und die Müllver­ brennungsanlage Schwandorf. Aber auch der Kampf gegen un­ sinnigen Flächenverbrauch und das beispielhafte Ziegenprojekt waren Arbeitsschwerpunkte der Kreisgruppe.

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NATURNOTIZEN AUS DER OBERPFALZ

Foto: Helmut Roßkopf-Pfreimer

er Landkreis Schwandorf ver­ fügt über jede Menge voll er­ schlossener Gewerbegebiete. Trotz­ dem trieben die Städte Teublitz und Maxhütte-Haidhof gemeinsam die Ausweisung eines insgesamt 38 Hektar g ­ roßen, interkommuna­ len Gewerbegebietes voran. Das dafür gewählte Areal liegt an der A 93. Auf diesem Gelände wollte der Edeka-Konzern eine Abfüllanlage für Getränke bauen und dafür über mindestens 30 Jahre 500 000 Kubik­ meter Tiefenwasser fördern. Dies wäre mit unkalkulierbaren Risiken für die Trinkwasserversorgung weit über Teublitz hinaus verbunden ­gewesen. Die erforderliche Wald­ rodung hätte erhebliche negative Auswirkungen auf die Lebensräume von Tierarten gehabt, die auf grö­ ßere zusammenhängende Wald­ komplexe angewiesen sind. Der BN hatte sich schon im No­ vember mit einem Brandbrief an Landwirtschaftsminister Helmut Brunner gewandt. Auch die örtliche Bürgerinitiative »Schützt unser Was­ ser« kämpfte gegen dieses Projekt. Dieser öffentliche Druck hat offen­ sichtlich den Konzern zu seinem Rückzieher bewogen. »Mit dieser Entscheidung hat der Edeka-Konzern nicht nur einen gro­ ßen Imageschaden von sich abge­ wendet, sondern auch unter Beweis gestellt, dass er die Einsprüche vie­

Fotolia/mw-luftbild.de

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Kreisgruppe Schweinfurt

Wertewandel im Mainbogen

Fotos: Gemeinde Sennfeld

Auch am Mainbogen sind die ­negativen Auswirkungen der inten­ sivierten Landwirtschaft nicht spurlos vorbeigegangen. Doch statt sich damit abzufinden, haben ­Gochsheim, Sennfeld und Schweb­ heim noch in den 80er- und ­90er-Jahren fundierte Gegenkon­ zepte entwickelt. Im Sommer 2014 ist nun die ökologische Wieder­ belebung des Reichelshöfer ­Grabens in Sennfeld abgeschlossen worden.

NATURNOTIZEN AUS UNTERFRANKEN

Bereichert Neue ökologische Nischen und ­Pufferflächen für seltene Arten: Der Biotopverbund Senne ist ein Gewinn für die Natur.

b 1986/1987 investierte die ­Gemeinde Schwebheim fast eine Million Euro unter anderem in den Ankauf von Niedermoorresten und 20 Hektar Fläche für die Neu­ schaffung verschiedenster Lebens­ raumtypen, zur Flurdurchgrünung und in die ökologische Optimierung verbliebener Biotopreste. Realisiert wurde dies im Rahmen einer der landesweit ersten ökologischen Flurbereinigungsmaßnahmen. Der frühere Kreisgruppenvor­ sitzende Ernst Bohlig konnte 1994 auch seine Heimatgemeinde ­Gochsheim für ein solches Verfah­

Abschied von Helga Hartstang: Der BN trauert um Helga Hartstang, die im November 2014 im Alter von 84 Jahren verstorben ist. Mehr als 20 Jahre hat sie mit großem per­ sönlichem Einsatz die Geschäfts­ stelle der Kreisgruppe Kitzingen ehrenamtlich geleitet, dabei jede Menge Veranstaltungen organi­ siert, die sieben Ortsgruppen ebenso wie mehr als ein Dutzend Zivis betreut und zeitweise sogar noch als Schriftführerin fungiert. Ein ganz besonderes Herzensanlie­ gen war ihr dabei die Erhaltung der fränkischen Kulturlandschaft. Ehrung: Mit dem »Tanzenden Schäfer« hat Würzburgs Oberbür­

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ren begeistern. Im Mittelpunkt standen dort eine gezielte Wasser­ rückhaltung, die Optimierung eines noch vorhandenen Ortolanlebens­ raumes, die ökologische Umgestal­ tung des Holzpointsees und die Neuschaffung eines großflächigen Biotopverbundsystems. Einen eigenen Akzent hat die ­Gemeinde Sennfeld durch die öko­ logische Revitalisierung des ehe­ mals begradigten und technisch ausgebauten Reichelshöfer Grabens gesetzt. Gelungen ist dabei nicht nur die Neuschaffung ökologischer Nischen und Pufferflächen für selte­

germeister Christian Schuchardt Anfang November 2014 den lang­ jährigen Vorsitzenden der Orts­ gruppe Versbach, Alfred Schäflein, ausgezeichnet. Gewürdigt wurden damit seine Pionierarbeit im Arten- und Biotopschutz, seine hohe fachliche Kompetenz als langjähriger Berater der Stadt und seine Fähigkeit, eine Brücke vom ehrenamtlichen Naturschutz zur Kommune zu schlagen. Streuobstbestand gerettet: Der Einsatz hat sich gelohnt. Zusam­ men mit einer schon über einem Jahr aktiven Bürgerinitiative konn­ te der BN im November 2014 einen etwa zwei Hektar großen Streu­

Natur + Umwelt BN-Magazin [1-15]

ne Arten. Erfreuliches Ergebnis der fast 40 000 Euro Investitionsvolu­ men sind auch ein weitreichender Biotopverbund, die Verbesserung der Gewässergüte und eine schon heute sichtbare Aufwertung des Landschaftsbildes. Weitere Infos: Flugblätter beziehungsweise Dokumentationen zu den einzelnen Projekten sind bei ­ der jeweiligen Gemeindeverwaltung erhältlich. Edo Günther (ht)

obstbestand am Ortsrand von Oberbessenbach (Landkreis Aschaffenburg) vor einem geplan­ ten Baugebiet retten (siehe N+U 4/2014). Die Natur- und Heimat­ freunde vor Ort hatten sich mit viel Engagement dafür eingesetzt. Feiern: Mitte September 2014 ­feierte die Kreisgruppe Main-Spes­ sart ihr 40-jähriges Bestehen. Zu Foto: Manfred Kleinwechter

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diesem Anlass spendete die KG eine Winterlinde, die auf der Wiese in der Nähe der Raiffeisenbank ihren Platz fand (Foto). Lobende Worte gab es dazu von Landrat Thomas Schiebel für das vorbild­ liche ehrenamtliche Engagement, während der Landesvorsitzende Hubert Weiger den unermüdlichen Einsatz beim Artenschutz und bei der Umweltbildung, aber auch den erfolgreichen Kampf gegen den Hafenlohrtalspeicher und gegen die immer noch geplante Westumfahrung Würzburg (B 26 neu) besonders würdigte.


Foto: Thomas Frey

Renaturierung: Während die Wertach im Oberlauf noch in wei­ ten Teilen frei fließt, ist sie in ihrem Mittellauf weitgehend kanalisiert. Die BN-Ortsgruppe Türkheim setzt sich seit dem Sommer 2014 zusammen mit dem Landesbund für Vogelschutz und den örtlichen Fischereivereinen für eine Renatu­ rierung des mittleren Flussab­ schnitts ein. Zum Maßnahmenka­ talog, den das Bündnis erarbeitet

Kreisgruppe Donau-Ries

Zukunft für die Heide

Die 800 Hektar umfassenden Heiden des Landkreises Donau-Ries sind ­einzigartig in Schwaben. Nur traditionelle Schafbeweidung kann ihren ­Artenreichtum erhalten. Das Projekt »Heide-Allianz«, an dem sich auch der BUND Naturschutz beteiligt, will hierfür die Voraussetzungen schaffen. sammengeschlossen haben, will diese Entwicklung umkehren. Der­ zeit setzt das Bündnis ein von der EU zu 50 Prozent gefördertes LIFE+ Natur-Projekt um, das noch bis 2018 läuft. Der BN beteiligt sich daran finanziell mit 20 000 Euro. Landschaftspflegemaßnahmen sol­ len zugewachsene Riesheiden ent­ buschen und über Triebwege ver­ netzen, so dass sie wieder dauerhaft beweidet werden können. Herbst­ weiden in den geschützten Feucht­ wiesen an der Wörnitz sollen eine

hat, zählt die Abflachung der Ufer, die Schaffung von Kiesbänken und die Anbindung des Auwalds an den Fluss. Die Vorschläge werden jetzt mit dem Wasserwirtschafts­ amt diskutiert. Früher war die Wertach auch im Unterallgäu ein alpiner Wildfluss mit weiten Umla­ gerungsstrecken. Besser dezentral: In den Land­ kreisen Dillingen und Günzburg laufen derzeit Flächennutzungs­ planungen für drei Gas-Großkraft­ werke. In Gundelfingen steht ein Hedgefonds hinter dem Vorhaben, in Gundremmingen der Energie­ riese RWE und in Leipheim die Stadtwerke Ulm. Die BN-Kreis­

ganzjährige Beweidung sicherstel­ len. Nicht nur bedrohte Arten wie Brand-Knabenkraut, Küchenschelle und Thymian-Ameisenbläuling freuen sich über die Heide-Allianz, sondern auch Bewohner und Besu­ cher. Neben dem landschaftlichen Reiz können sie auch die kulinari­ sche Seite der Riesheiden genießen: mit Lammfleisch vom Donau-Rie­ ser Heidelamm, das in der Region direkt vermarktet wird. Thomas Frey (as)

gruppen Dillingen und Günzburg fordern in ihren Stellungnahmen zu den Projekten dagegen dezent­ rale Blockheizkraftwerke, die auch die Abwärme nutzen und so einen wesentlich höheren Wirkungsgrad aufweisen. Wenn die Politik mit der Energiewende wirklich den Klimaschutz berücksichtigen will, sind Großkraftwerke allenfalls als Notreserve vorstellbar. Ausgezeichnete Pflege: Marion Widmann, Vorstandsmitglied der BN-Kreisgruppe Dillingen, organi­ siert seit 2005 ehrenamtlich die Pflege und Mahd von artenreichen Streuwiesen im Landkreis Dillin­ gen. Zuvor war das 2001 vom BN

initiierte Projekt hauptamtlich ­betreut worden. Das Schnittgut wird weitgehend von Pferde- und ­Ziegenhaltern verwertet. Ende ­November 2014 wurde Widmann für ihren Einsatz mit dem Umwelt­ preis des Landkreises Dillingen ausgezeichnet. Die Ehrung ist auch eine Anerkennung für die ­Arbeit des BUND Naturschutz.

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NATURNOTIZEN AUS SCHWABEN

ntstanden durch einen Asteroi­ deneinschlag vor 14,5 Millionen Jahren, ist das Nördlinger Ries eine stark in einzelne Kuppen zerglieder­ te Kraterlandschaft. Während der Kraterkessel intensiv landwirt­ schaftlich genutzt wird, sind auf dem Kraterrand und den Kuppen wertvollste Mager- und Trockenle­ bensräume zu finden: die Rieshei­ den, entstanden in jahrhunderte­ langer Nutzung durch Hüteschaf­ haltung. Doch die noch bestehen­ den Heiden sind oft so vereinzelt und klein, dass eine Beweidung un­ möglich wurde. In der Folge wuch­ sen viele artenreiche Heiden zu. Die »Heide-Allianz«, zu der sich die BN-Kreisgruppe Donau-Ries, der Landkreis Donau-Ries und wei­ tere Rieser Naturschutzvereine zu­

Weitere Informationen: www.heideallianz.de

Foto: Privat

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Foto: Heide-Allianz

Foto: Heide-Allianz/Johannes Ruf

Wertvolle Hilfe Die Beweidung mit Schafen (hier bei der Ruine Niederhaus) hilft, die Heideflächen des Nördlinger Ries wie am Naturdenkmal Rollenberg zu erhalten.


Foto: Martin Bücker

Pelzige Schönheit Auch der Ampfer-Purpurspanner gehört zu den 150 Schmetterlingsarten, die auf dem ehemaligen Militärstandort vorkommen.

Kreisgruppe Bamberg

Wert der Konversionsflächen belegt Seit gut einem Jahr setzt sich der BUND Naturschutz in Bamberg dafür ein, ehemalige US-Militärstandorte unter Schutz zu stellen. Ein Gutachten belegt, dass sich dort seltene Arten angesiedelt haben. Nun steht einerseits die Ausweisung als FFH-Gebiet in Aussicht, andererseits bedrohen Bebauungspläne die wertvollen Lebensräume.

NATURNOTIZEN AUS OBERFRANKEN

ie Auseinandersetzung um die künftige Entwicklung Bambergs im Rahmen des US-Abzugs und der damit einhergehenden Konversion geht weiter (siehe N+U 4 /13 und 3/14). Die Kreisgruppe Bamberg hat Anfang Oktober 2014 bei der Regie­ rung von Oberfranken einen Antrag auf Ausweisung des ehemaligen Schießplatzes als Naturschutzgebiet gestellt und die Nachmeldung als

Gegen TTIP: Bei einem Treffen in Lichtenfels mit Monika Hohlmeier, der CSU-Abgeordneten im Euro­ päischen Parlament, thematisier­ ten Naturschützer der Kreisgruppe unter anderem das umstrittene Freihandelsabkommen TTIP und eine gentechnikfreie Nahrungs­ mittelproduktion. Monika Hohl­ meier meinte dazu: »Das Primat der Politik hat Vorrang vor privat­ wirtschaftlichen Interessen.« Als Beispiele hierfür nannte sie die ­Bereiche Lebensmittelsicherheit, Gesundheits- und Verbraucher­ schutz. Hohlmeier sagte: »Unser Trinkwasser darf niemals in Privat­ hände geraten, die geplanten Schiedsgerichte wären eine Selbst­

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Flora-Fauna-Habitat der EU (FFHGebiet) gefordert. Untermauert wurde die Forderung durch ein um­ fangreiches Fachgutachten des BN und der Bamberger Naturforschen­ den Gesellschaft, in dem die drei Autoren Hermann Bösche, Erich Spranger und Martin Bücker nach­ wiesen, dass der 20 Hektar große Schießplatz mit seinen Sandmager­ rasen, Zwergstrauchheiden und

entmachtung der Politik; die USA wissen, dass die Europäische Union das nicht akzeptieren wird.« Tunnel? Wie im September 2014 bekannt wurde, hat Bayern für den Bundesverkehrswegeplan 2015 für die B 470 in Ebermannstadt eine Ortsumfahrung angemeldet. Sie soll zwei Tunnels sowie giganti­ sche Brückenbauwerke enthalten und 90 Millionen Euro kosten. Eine 200 Meter lange Talbrücke würde das Eschlipper Tal ver­ schandeln, die einzigartigen Sin­ terstufenbrunnen mit den dort ­lebenden Feuersalamandern zer­ stören, einen Naturlehrpfad mit altem Buchenbestand zerschnei­

Natur + Umwelt BN-Magazin [1-15]

den und Fledermauskeller gefähr­ den. Der BN fordert stattdessen ein umweltverträgliches Verkehrs­ konzept für die gesamte Fränki­ sche Schweiz. Kraftquelle Natur: Im September 2014 fand beim Anwesen Schlöß­ lein in Thierstein eine inspirieren­ de Begegnung zwischen den Künstlern der Künstlerkolonie

Foto: Karl Paulus

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Borstgrasrasen für den europäi­ schen Naturschutz von herausra­ gender Bedeutung ist. Arten wie Sandgrasnelke oder Nelken-Hafer­ schmiele und allein 150 Schmetter­ lingsarten, darunter der Kurz­ schwänzige Bläuling und der Ocker­ farbene Steppenheiden-Zwergspan­ ner, verdienen den Schutz des Frei­ staates. In einer ersten Reaktion teilte die Regierung mit, dass sie das Gebiet an die EU als FFH-Gebiet melden will. Die ehemaligen Bereiche der USArmee im Hauptsmoorwald sind nach wie vor höchst bedroht durch Gewerbegebietsausweisungen der Stadt und einer Koalition aus Stadt und Umlandgemeinden. Obwohl in Bamberg 155 Hektar Kasernenflä­ che, Sportanlagen und Ähnliches im Zuge der Konversion frei werden, plant Bamberg die Vernichtung wichtiger Grünräume. Tom Konopka (ht) Fichtelgebirge (KÜKO) und Mit­ gliedern der Kreisgruppe Wun­ siedel statt (Foto). Im Zentrum der Kunstaktion stand ein Elemente­ labyrinth. Unter dem Motto »Feuer, Erde, Wasser, Luft« wurden verschiedene Stationen errichtet, die Besucher zum künstlerischen Schaffen mit Naturmaterialien einluden. Es entstand ein sehr schönes Labyrinth aus Birken­ stämmchen, Ästen, Stauden und anderen ­Naturmaterialien. Im Zentrum wurde ein Steinkreuz aus Feldsteinen gestaltet.


Kreisgruppen Nürnberg Stadt, Nürnberg Land und Roth

Foto: Kazumi Nakayama

Im September vergangenen Jahres wurden etliche Aktive des ­ BUND Naturschutz Mittelfranken mit dem Grünen Engel des bayerischen Umweltministeriums geehrt. Die Auszeichnungen zeigen, wie stark der Naturschutz in der Region verankert ist.

as Engagement freiwilliger Hel­ fer ist eine tragende Säule im Natur- und Umweltschutz. Deshalb soll auch zukünftig intensiv für das Ehrenamt geworben werden«, be­ tonte die bayerische Umweltminis­ terin Ulrike Scharf anlässlich der Verleihung des Grünen Engels. ­»Ehrenamtliche sind das Rückgrat des Naturschutzes in Bayern. Jede helfende Hand vor Ort ist willkom­ men.« Jubiläum: Anlässlich des 40. Grün­ dungsjubiläums feierte die Kreis­ gruppe Nürnberger Land in Kün­ hofen. Kreisgruppenvorsitzende Heide Frobel konnte 130 Gäste be­ grüßen, darunter Robert Ilg, Bür­ germeister in Hersbruck. In seiner Festrede verwies Hubert Weiger auf die »Revolution aus der Müll­ tonne«, die mit dem modellhaften Mülltrennen im Nürnberger Land begonnen habe und heute Stan­ dard sei, auf die Pioniertaten im Bereich Solarenergie und die Kämpfe um den Reichswald. Amphibienschutz gelungen: Bei seinem Besuch westmittelfränki­ scher Projekte besichtigte der BN-

Verdiente Ehrung Die bayerische Umweltministerin ­Ulrike Scharf zeichnet Ingrid Treutter für ihr Engagement in der Umwelt­ bildung aus.

Ingrid Treutter und Rainer Edel­ mann aus der Kreisgruppe Nürn­ berg-Stadt erhielten die Auszeich­ nung für ihren jahrelangen Einsatz in der Umweltbildung. Gerlinde Grün-Harrer und Ruppert Zeiner

Landesvorstand im Oktober 2014 auch die neuen Amphibienschutz­ tunnel an der B 13 südöstlich von Weißenburg (Foto). Seit 1985 hat­ ten ehrenamtlich aktive Natur­ schützer aus der BN-Ortsgruppe Weißenburg dort zusammen mit der Straßenmeisterei jedes Früh­ jahr Hunderte von Amphibien über die Straße getragen. Dabei ­erlebten sie auch etliche gefähr­ liche Situationen. 2012 wurden nun für rund 900 000 Euro Leitein­ richtungen und Tunnels an den entsprechenden Stellen gebaut. »Bis zu 3000 Erdkröten und die be­ sonders gefährdeten Springfrösche können jetzt gefahrlos die B 13 queren«, so Karl Schmidt, Vorsit­

Foto: Tom Konopka

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aus der Kreisgruppe Roth wurden für ihre langjährige Naturschutz­ tätigkeit in der vom BN und LBV ge­ meinsam getragenen Ortsgruppe Heideck geehrt, Wolfgang Scharpf für sein Engagement im »Energie­ bündel Roth-Schwabach« und ­ Elke Küster-Emmer für jahrelanges Engagement als Vorsitzende der BN-Ortsgruppe Schwanstetten. Für seinen langjährigen Einsatz in der Biotoppflege erhielt Robert Gödel, Vorsitzender der Ortsgruppe Red­ nitzhembach, den Grünen Engel (alle Landkreis Roth). Aus dem Nürnberger Land konnten sich ­Norbert Behr und Monika Brand­ mann (erfolgreiche Vorsitzende der Ortsgruppe Burgthann) besonders freuen. Seit 2011 gibt es die Naturschutz­ auszeichnung »Grüner Engel« des bayerischen Umweltministeriums. Markus Söder, der damalige Um­ weltminister, hatte sie 2011 anläss­ lich des Europäischen Jahres der Freiwilligentätigkeit eingeführt. Seine Nachfolger behielten die Möglichkeit bei, für »vorbildliche Leistungen und langjähriges, nach­ haltiges, ehrenamtliches Engage­ ment im Umweltbereich« Urkunde und Ehrennadel zu vergeben. Tom Konopka (ht)

zender der Kreisgruppe Weißen­ burg-Gunzenhausen. Grün erhalten: Anstatt ihm auf den vielen gepflasterten Flächen der Innenstadt einen angemessenen Platz zu geben, soll der Fürther

Wochenmarkt künftig in einer Grünanlage mit altem Baumbe­ stand stattfinden. Klar ist, dass dazu Grünflächen gepflastert wer­ den müssten. Es drohen Wurzel­ schäden, eine Gefährdung der Bäume und der Verlust von Erho­ lungsfläche. Mit anderen Organi­ sationen und Anwohnern hat die BN-Kreisgruppe Fürth-Stadt ein »Bündnis für Innenstadtgrün« ge­ gründet. Unter dem Motto »Kein Grau statt Grün« wurden in relativ kurzer Zeit 2700 Unterschriften für den ungeschmälerten Erhalt der Grünanlage gesammelt und am 5. November 2014 an Oberbürger­ meister Dr. Thomas Jung über­ geben.

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NATURNOTIZEN AUS MITTELFRANKEN

»Grüne Engel« in Mittelfranken geehrt


Foto: Blaustern/Fotolia

Ornithologische Tage für Kinder und Jugendliche

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Biber in der Stadt

Praxisorientiertes, fundiertes Wissen vermittelt unser Seminardauerbrenner allen, die sich als Natur- oder Umweltpädagogen mit unserem heimischen Wasserbaumeister beschäftigen wollen. Was tun, wenn Biber in der Stadt aktiv sind und erholungssuchende Bürger befürchten, dass der Lieblingsbaum gefällt wird? Mit den Ideen des Stadtgartenamtes und umfangreichem

Foto: Horst Schwemmer

NATUR ENTDECKEN

äre es nicht schön, beim nächsten Grillabend beiläufig erklären zu können, dass der metal­ lisch-grüne Geselle ein Rosenkäfer ist und zur Unterfa­ milie der Blatthornkäfer gehört, oder beim Familien­ spaziergang darauf hinzuweisen, dass es sich bei dem schillernden Krabbler auf dem Waldweg um einen Goldlaufkäfer (Foto) handelt, der vermutlich auf der Jagd nach Schnecken und Würmern ist? Wenn Sie dann noch darauf hinweisen, dass am Teich ein Plattbauch zu bewundern ist und daraufhin suchende Blicke ern­ ten, dann hat sich der Besuch eines unserer Einfüh­ rungskurse in die Artenkenntnis schon gelohnt. Nach dem Wildbienenseminar im vergangenen Jahr setzen wir die Bestimmungstage heuer mit der Gruppe der Laufkäfer, Libellen, Tagfalter und Fledermäuse fort. Als Übungsgelände steht der ehemalige Standort­ übungsplatz Ebern im Landkreis Haßberge zur Verfü­ gung und mit Klaus Mandery ein begeisterter Pädago­ ge mit einem umfangreichen Wissen. Die Einführungs­ kurse dauern jeweils einen Tag und können einzeln gebucht werden. Wir starten am 16. Mai mit den Lauf­ käfern. Alle Termine finden im Institut für Biodiversitäts­ information e.V. im Biodiversitätszentrum Ebern/Haß­ berge statt.  Kontakt: BN Bildungswerk Regensburg, Tel. 09 41-2 97 20-42, bildungswerk@bund-naturschutz.de

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Handwerkszeug aus Anke ­Simons Biberbaukasten ist man für jede Biberführung gut gerüstet.  Regensburg, 7. März, Anmeldung erforderlich Kontakt: BN-Bildungswerk, Tel. 09 41 -2 97 20 42, bildungswerk@bund-naturschutz.de

Vogelstimmenwanderungen

Vogelstimmenwanderungen bieten fast alle BN-Gruppen im Frühjahr an. Hier lernen die Teilnehmer, ausgewählte Vogel­arten an ihrem Gesang zu erkennen. Zusatzinforma­ tionen zu bunten Frühjahrsblühern und Informationen zur Waldökologie gibt es z. B. bei der Wanderung durch die

Natur + Umwelt BN-Magazin [1-15]

Foto: Axel Scheiner

Was fliegt und krabbelt denn da?

unge Menschen kennen angeblich mehr Markenbe­ zeichnungen von Smartphones oder Kleidung als Namen von Tieren oder Pflanzen. Wenn es so sein soll­ te, dass wir nur schützen, was wir kennen, dann ist es höchste Zeit, den Kenntnissen etwas auf die Sprünge zu helfen. Die Begeisterung für die Vogelwelt zu wecken und die Grundlagen der Vogelkunde weiterzugeben, hat sich das Naturerlebniszentrum Wartaweil auf die Fahne geschrieben. Seit vier Jahren finden die ornithologi­ schen Tage für Kinder und Jugendliche statt. Immer in den Faschingsferien treffen sich die jungen Natur- und Vogelliebhaber am Ammersee zu drei aktiven Tagen, die ganz den gefiederten Flug- und Tauchkünstlern ge­ widmet sind. Auf dem Programm stehen natürlich Freilandbeobachtungen, Bestimmungsübungen und der richtige Umgang mit Spektiv und Bestimmungs­ literatur. Dazu kommt ein Besuch der ornithologi­ schen Staatssamm­ lung in München und eine Führung im Max-Planck-In­ stitut für Ornitho­ logie in Seewiesen, wo die Teilnehmer auf den Spuren des Verhaltensforschers Konrad Lorenz wandeln können. Informationen zu den ornithologischen Tagen unter www.bund-naturschutz.de/wartaweil.  Kontakt: Naturschutz- und Jugendzentrum Wartaweil, Wartaweil 76/77, 82211 Herrsching, Tel. 0 81 52-96 77 08, wartaweil@bund-naturschutz.de

Starzlachklamm Anfang Mai, die die Kreisgruppe Kempten zusammen mit dem Naturerlebniszentrum und der Bayerischen Staatsforstverwaltung anbietet. Weitere Angebote in Ihrer Nähe finden Sie in der Rubrik Termine unserer Webseite.  Sonthofen, 1. Mai, 9 – 12 Uhr, Treffpunkt: Starzlachklamm an der hinteren Starzlachbrücke Kontakt: BUND Naturschutz Kempten-Oberallgäu, Natur­ erlebniszentrum Allgäu (NEZ), Tel. 0 83 23- ­­99 88 76

Auf dem Weg zur optimalen Exkursion

Exkursionen leben von der Begeisterung und dem Fachwis-

sen der Exkursionsleitung ebenso wie vom pädagogischdidaktischem Geschick. Eine klare methodische Strukturierung schon im Vorfeld und eine Durchführung, die die Zielsetzungen der Teilnehmer erfüllt, ist Grundlage der didaktischen Arbeit. Praxisnah wird hier das Vorgehen auch in problematischen Situationen geübt. Der optimierte Einsatz von Methode und Didaktik soll Sie bei zukünftigen Exkursionen unterstützen.  Nürnberg 28. März 2015 Kontakt: BN Bildungswerk Regensburg, Tel. 09 41 -2 97 20 42, bildungswerk@bund-naturschutz.de


Ihre Ansprechpartner beim BN

BN-Studienreisen, Tel. 09 115 88 88 20, www.bund-reisen.de

Mitgliederservice

Magische Momente im Nationalpark Hohe Tauern

(allgemeine Fragen zur Mitgliedschaft, Adressänderung) Tel. 09 41-2 97 20-65 mitglied@bund-naturschutz.de

Spendenbescheinigungen

Tel. 09 41-2 97 20-66 spenderservice@bund-naturschutz.de

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Redaktion Natur+Umwelt Referentin: Luise Frank Tel. 09 41-2 97 20-22 natur+umwelt@bund-naturschutz.de

Beratung zu Spenden, Anlassspenden und Vermächtnissen Claudia Ciecior-­Bordonaro Tel. 09 41-2 97 20-34 claudia.ciecior@bund-naturschutz.de

Haus- und Straßensammlung Ehrenamtlich aktiv werden

Christine Stefan-­Iberl Tel. 09 41-2 97 20-11 christine.stefan@bund-naturschutz.de

BN-Bildungswerk

Referentin: Ulli Sacher-Ley Tel. 09 41-2 97 20-42 ulrike.sacher-ley@bund-naturschutz.de

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IMPRESSUM

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Herausgeber: BUND Naturschutz in Bayern e. V. (BN), vertreten durch Peter Rottner, Landes­ geschäfts­führer, Dr.-Johann-Maier-Str. 4, 93049 Regensburg, www.bund-naturschutz.de Leitende Redakteurin (verantw.): Luise Frank (lf), Tel. 09 41-2 97 20-22, Fax -31, natur+umwelt@ bund-naturschutz.de Redaktion: Holger Lieber (hl), Heidi Tiefenthaler (ht), Andrea Siebert (as) Mitglieder-Service: Tel. 09 41-2 97 20-29 und -20 Gestaltung: Gorbach GmbH, Utting a. Ammersee (Layout: Waltraud Hofbauer) Titelgestaltung: Gorbach GmbH Titelfoto: Klaus Mehret/ birdimagency.com Redaktion BUND-Magazin: Severin Zillich (verantw.), Am Köllnischen Park 1, 10179 Berlin, Tel. 0 30-27 58 64-57, Fax -40 Druck und Versand: Brühlsche Universitäts­ druckerei Gießen Anzeigenverwaltung: Ruth Hansmann, Runze & Casper Werbeagentur GmbH, Tel. 0 30 - 2 80 18 - 145, Fax -400, hansmann@runze-casper.de. Es gelten die Mediadaten Nr. 23.

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Romantische Bergdörfer, eingebettet in tief verschneite Wälder, über denen die Tauerngipfel und der höchste Gipfel Österreichs, der Großglockner, in der Wintersonne glitzern. Die Teilnehmer ­genießen eine aktive und genussvolle Winterwoche in Kärnten. Auf den Ausflügen werden sie von Nationalpark-Rangern betreut.  Österreich, 21. – 28. März 2015

Der Sonne entgegenwandern in der Provence und Camargue

Die Landschaft der Provence mit dem milden Licht, ihrem Blumenreichtum und den ­malerischen Dörfern hat viele Künstler inspiriert. Wir führen Sie in die franz. Voralpen, auf das Vaucluse-Plateau und besu­ chen Saint-Rémy, Arles, Avig­ non und Saintes-Maries-de-la-Mer. Die Camargue ist eines der bedeutendsten Feuchtgebiete Europas und liegt zwischen den beiden Mündungsarmen der Rhône. Sie begegnen frei laufenden weißen Pferden, auch schwarzen Stieren und sehen die Brut­ gebiete der Rosaflamingos und verschiedener Reiherarten.  Frankreich, 9. – 18. April 2015

Beobachtung des Vogelzuges in der ungarischen Puszta

Im Osten Ungarns ist die größte kontinentale Pusztalandschaft Europas zu finden. Der Hortobagy-Nationalpark zählt zu den wichtigsten Naturlandschaften des Kontinents. Ende April ist die beste Zeit für die Beobachtung des Frühlings-Vogelzuges. Die ­großen Reiherkolonien, die Massen von Entenarten, die Balz der Großtrappe, die Greifvögel und die Eulen und die vielen Gesänge der Singvögel bieten einmalige Erlebnisse.  Ungarn, 18. – 26. April 2015

Faszinierende Natur an Irlands Südwestküste

Diese eindrucksvolle Reise führt zu den Höhepunkten der Süd­ westküste, ihren Inseln und unbekannten, damit noch ursprüng­ lichsten Gebieten Irlands. Sie bietet herrliche Kontraste: raue Küs­ ten und Berge, wildes Meer und weite Sandstrände. Es geht in den Killarney Nationalpark und das UNESCO-Weltkulturerbe Skelling Michael, die Halbinsel Sheeps Head, typische irische Ortschaften, Kultplätze und grandiose Garten- und Parkanlagen.  Irland, 8. – 17. Mai 2015

Mit der Transsibirischen Eisenbahn zum Baikalsee

Mit der Transsibirischen Eisenbahn – 15 000 Kilometer ab und bis Berlin mit der Bahn! Auf der Fahrt lernen die Reisenden Sibirien mit seinen unendlichen Weiten, großen Flüssen, dem Meer von Birken und einsamen Dörfern kennen – ohne eine Minute Lange­ weile! Am Baikalsee erleben die Teilnehmer die Naturschönheiten des größten Süßwasserreservoirs der Erde bei Exkursionen und einer Schifffahrt. In Moskau steht unter anderem eine Stadtexkur­ sion mit Kremlbesuch auf dem Programm.  Russland, 6. – 25. August 2015, Anmeldeschluss: 30. April 2015

[1-15] Natur + Umwelt BN-Magazin 

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Fotos: BN-Archiv, iStock.com

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Ihre Ansprechpartnerin ist Claudia Ciecior-Bordonaro Tel. 0941/29720­34 claudia.ciecior­bordonaro@ bund­naturschutz.de

Natur+Umwelt 1-2015  

Vögel schützen: Was den Vögeln hierzulande zu schaffen macht und was wir für sie tun können.

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