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Natur+Umwelt BUNDmagazin in Bayern www.bund-naturschutz.de

Heft 1-2012 94. Jahrgang 1. Quartal

Fleißig, fleißig Wie Bienen unsere gentechnikfreie Ernährung sichern


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Ein Paradies!

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echt nden Steinkauz und Grünsp ebenso Unterin den alten Bäumen und Siebenschlupf wie Fledermäuse der Tisch reichschläfer. Für Bienen ist d-Cocktail. lich gedeckt – ohne Pestizi bedroht ! ist es Paradi das ! Doch sich zu Die Bewirtschaftung lohnt müssen sen wenig. Viele Streuobstwie gen weichen. deshalb Intensivplanta

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Bund Naturschutz in Bayern vice Mitgliederser 15,30,50,,-4 Euro Dr.-Johann-Maier-Straße sburg Bitte in Blockschrift ausfüllen! Die Mitgliedschaft Regen können 93049 Sie jederzeit zum Ende des Beitragsjahres (Selbsteinschätzung, auf Antrag)

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seit Jahrhunderten und Streuobstwiesen sind nd. Mehr als 5.000 TierParadiese aus Menschenha hier leben. Panzenarten können

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Fotos: BN Archiv, Gretler,

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Die Bewirtschaftung lohnt sich zu wenig. Viele Streuobstwiesen müssen deshalb Intensivplantagen weichen. Der BN fördert den Erhalt dieser wunderbaren Kulturlandschaft in zahlreichen Projekten.

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Ein Para dies!

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! Doch das Paradies ist bedroht !

Erzählen Sie Ihren Freunden und Bekannten von den Aktivitäten des BN. Laden Sie sie ein, Mitglied zu werden. Denn: eine Mitgliedschaft im BN kostet nicht viel, bringt aber viel. .indd 2

Steinkauz und Grünspecht finden in den alten Bäumen ebenso Unterschlupf wie Fledermäuse und Siebenschläfer. Für Bienen ist der Tisch reich gedeckt – ohne Pestizid-Cocktail.

Helfen Sie mit, es zu retten.

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Der BN fördert den Erhalt der Streuobstwiesen in zahlreichen Projekten. Unterstützen Sie ihn jetzt dabei. Sprechen Sie Ihre Familie, Freunde und Bekannten auf eine Mitgliedschaft im BN an.

Streuobstwiesen sind seit Jahrhunderten Paradiese aus Menschenhand. Mehr als 5000 Tier- und Pflanzenarten können hier leben.

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Fotos: Gretler, BN-Archiv

Helfen Sie mit, es zu retten.


Natur + Umwelt 1-2012

Inhalt Bund Naturschutz Bayern 4 Eindringlich Opfer der Fukushima-Katastrophe beeindrucken ihre bayerischen Gastgeber mit Kampfgeist. Und mehr »Intern« 6 Leserbriefe 7 Akribisch Die Gentechnik-Expertin Dr. Ruth Tippe wühlt sich durch endlose Akten, damit nicht unbemerkt Pflanzen oder Tiere patentiert werden. Portrait 8 Elektrisiert Wer vom Auto aufs ­E-Fahrrad umsteigt, tut Umwelt und Gesundheit Gutes. Ratgeber

Inhalt BUND

9 Traumhaft Die BN-Reise nach Rumänien garantiert großartige Erlebnisse.

B2 Magazin Kurznachrichten

10 Titelthema

B6 Städtisches Grün Der BUND setzt sich auf vielfältige Weise für mehr Natur in der Stadt ein – und damit für mehr Lebensqualität der Städter. Das BUND-Titelthema

20 Einfach süß Bibo mag Bienen und erklärt, warum sie für uns alle so wichtig sind. Kinderseiten 22 Mitmachen Für die seltene Wildkatze, gegen zerstörerische Profitgier an der Donau. Kämpfen Sie mit uns für ein lebenswertes Bayern. Und mehr »Aktuell« 30 Nachahmenswert Wie aus guten Ideen einzelner Menschen große Taten für die Natur werden. 32 Erfinderisch Bienen und Kinder wissen, wie sie an den süßen Nektar der Taubnessel gelangen. 40 Erfolgreich Der BN wehrt sich dagegen, dass Erholungssuchende aus ganzen Waldgebieten ausgesperrt werden. Und viel mehr »Regional«

B1 BUND-Editorial B4 Kommentar Wissen für mehr Nachhaltigkeit

B18 Biosphärenreservate Reich an Teichen: Die Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft soll eine gute Zukunft bekommen. B20 Zur Zeit Millionen für die ­Wildkatze

An einem Nachlassen des sprichwörtlichen Bienenfleißes liegt es sicher nicht, wenn die Sorge um die ausreichende ­Bestäubung unserer Pflanzen und damit eine sichere Ernährung wächst. Aber die Zahl der Bienenvölker geht zurück, ohne dass die Ursachen ausreichend erforscht werden. Ab Seite 10

B22 Aktion Alle Atomkraftwerke ­abschalten B24 Aktiv Werben Sie für Ihre Ziele im Umwelt- und Naturschutz – mit Aktionen, die praxiserprobt und leicht umzusetzen sind. B26 Internationales Unser Partner von »Friends Of The Earth« in Südamerika

42  Bildung

B28 Die junge Seite

43 Termine, Impressum

B30 Persönlich Caroline Jung

Liebe Leser

Fleißig, fleißig

Deutschland und Bayern stehen doch gut da, oder? Man könnte versucht sein, in den Stolz ob unserer wirtschaftlichen Stärke inmitten eines kriselnden Europa einzustimmen. Wüsste man nicht, mit welchen sozialen Härten und welcher Umweltzerstörung so manches Wachstumspromille teuer erkauft wird. Da weiß die Fluglobby, dass unsere Klimaschutzziele bei weiter steigendem Flugverkehr schlicht unerreichbar werden – und will dem dennoch mit einer dritten Bahn am Flughafen München den Weg ebnen (Seite 26). Und da beabsichtigen manche Kräfte immer noch, die letzten freien Flusskilometer unserer Donau mit Staustufen zu zerstören (Seite 24). Sorgen wir gemeinsam für Vernunft, liebe Leser. U ­ nterschriftenlisten gegen Flughafenwahn und für Natur und Kultur an der Donau liegen diesem Heft bei. Vielen Dank! Ihr Manfred Gößwald, leitender Redakteur

Willkommen daheim

Wie der BN der scheuen Wildkatze hilft, in ihrer alten bayerischen Heimat langsam wieder Fuß zu fassen. Seite 22

Startbahn stoppen

Eine dritte Bahn am Flug­ hafen München würde Menschen aus ihrer Heimat vertreiben, Natur zerstören und Bayerns Klimaschutzziele unerreichbar machen. ­Stoppen wir den Unsinn gemeinsam! Seite 26 und Beileger

[1-12] Natur + Umwelt BN-Magazin 

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Arbeitskreise im BN

4. Energie und Klima

Frau Wurzbacher, warum liegen Ih­nen Energie und Klima so am ­Herzen? Klimaschutz und die Konsequenzen für die Energiepolitik sind nicht nur spannend, es geht darum, den nachfolgenden Generationen keine geplünderte Welt zu hinterlassen. Wo brennt es derzeit am meisten? Die deutsche Energiepolitik hat zwar nach der Atomkatastrophe in Fukushima eine Wende vollzogen, aber noch sind neun Atomkraftwerke und eine große Anzahl Kohlekraftwerke am Netz. So richtig engagiert scheint die Regierung auch nicht zu sein, den Ausbau der Erneuerbaren Energien und der Netze voranzubringen. Was ist die wichtigste Zukunfts­ aufgabe des LAK? Wir müssen die Energiewende voranbringen und gleichzeitig versuchen, mögliche Fehlentwicklungen zu korrigieren. Notwendigkeit, Effi­ zienz und Naturverträglichkeit sind bei allen Vorhaben zu prüfen. Was war der größte BN-Erfolg? Mit unserer konsequenten Haltung für mehr Klimaschutz und gegen den Betrieb von Atomkraftwerken haben wir gemeinsam mit anderen den Druck auf die Bundesregierung so weit erhöht, dass sie ihren Atomkurs aufgeben musste. Was würden Sie als Umweltministerin für einen Tag tun? Ich würde dafür sorgen, dass Gelder aus dem neu geschaffenen Klimafonds nicht in den Neubau von Kohlekraftwerken fließen und dass Industriebetriebe nicht länger von den allgemeinen Lasten, wie Ökosteuer, EEG-Umlage und Netzgebühren, ausgenommen werden.

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Natur + Umwelt BN-Magazin [1-12]

Foto: Scherer

Foto: BayernSPD

Foto: Markl-Meider

Mehr im Internet Seit Ausgabe 2-11 stellt Natur+Umwelt je Heft einen Landesarbeitskreis (LAK) des BN vor. Im Interview diesmal Karin Wurzbacher, Sprecherin des LAK Energie und Klima. Die bisherigen Interviews sowie ein Portrait über Karin Wurzbacher in Ausgabe 3-11 lesen Sie unter www.bundnaturschutz.de/magazin.

BN und SPD einig: Mit Spendengeld Bürger besser Hotel gebaut beteiligen! n Fürth ist mit Spendengeldern

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I

aus der jährlichen Sammelwoche des Bundes Naturschutz das kleinste Hotel der Stadt entstanden. Schülerinnen und Schüler der Hans-Böckler-Schule bauten es im Mai 2011 im Schulhof für winzige Gäste, nämlich für verschiedene Insektenarten. Viele Insekten finden auch in Bayern immer weniger Lebensraum; Agrarwüsten machen ihnen das Leben schwer, Versiegelung und ­Pestizideinsatz zerstören ihre Nahrungsgrundlage. Dabei sind Käfer, Schmetterlinge, Bienen und Co. entscheidend für jedes Ökosystem. Einzeln lebende Bienen zum Beispiel sind wichtige Bestäuber. In Fürth finden sie nun Unterschlupf und Nistmöglichkeiten in den Holzscheiten, Strohhalmen und Ziegeln, aus denen die Schülerinnen und Schüler unter fachkundiger Anleitung ein so genanntes Insektenhotel gebaut haben. Es konnte nur entstehen, weil sich die Hans-Böckler-Schule so erfolgreich an der Sammelwoche für Bayerns Natur beteiligte und der BN zum Dank den Kauf der Materialien bezuschusste. Um seine Arbeit unabhängig von Sponsoren und staatlichen Geldern finanzieren zu können, setzt der BN auf Mitgliedsbeiträge und natürlich auf Spenden, wie zum Beispiel aus der Sammelwoche. Fast 700 000 Euro kamen letztes Frühjahr bayernweit in die Naturschutzkasse. Für die nächste Sammlung stehen Schüche ler und Erwachsene schon wieWer bei der Sammelwo ndet sich der in den Startlöchern. Von 23. mit­machen möchte, we oder an die bis 29. April werden Tausende an seine Kreisgruppe Christine ehrenamtliche Helferinnen und Landesgeschäftsstelle, stefan@ Helfer wieder für die gute Sache Stefan-Iberl, christine. Tel. 0941unterwegs sein. bund-naturschutz.de, gut! 2 97 20 -11. Gutes tun tut

ie Spitzen von Bund Naturschutz und SPD in Bayern sind sich einig: Die Bürgerbeteiligung bei Planungsverfahren muss verbessert werden. Dies war das zentrale Ergebnis eines Gesprächs der beiden Landesvorstände 2011 in Nürnberg. Gerade bei Infrastrukturprojekten müsse die betroffene ­Bevölkerung frühzeitig einbezogen werden und eine Chance bekommen, sowohl über das »Ob« eines Projektes als auch über Projektalternativen mitzubestimmen, betonten SPD-Landes-Chef Florian Pronold und BNVorsitzender Hubert Weiger. Weitere Themen des Spitzengesprächs waren die Energiewende und die Verkehrspolitik. Übereinstimmend forderten dazu die beiden Landesvorstände, dass vor allem Energieeinsparung und Verkehrsvermeidung sowie der Erhalt bestehender Infrastruktur und die Finanzierung des öffentlichen Verkehrs Priorität bekommen sollten. BN und SPD wollen zu diesen Themen in engem Austausch bleiben und vereinbarten weitere Fachgespräche, auch auf Bundesebene. Der Bund Naturschutz als überparteilicher Verband führt regelmäßig Gespräche mit allen im bayerischen Landtag vertretenen Parteien.


uf Einladung des BN besuchten Ende November 2011 drei Atomkraftgegner aus Japan Bayern. Auf mehreren Stationen berichteten sie von der Situation in Fukushima. ­Infolge der Reaktorkatastrophe am 11. März 2011 war auch in Japan der Widerstand gegen die Atomenergie erwacht. Am 19. September sprach der BUND-Vorsitzende Hubert ­Weiger in Tokyo auf einer Anti-AKWDemo vor 70 000 Menschen. Nun kamen Akiko Yoshida, Masako Hashimoto und Kenichii Hasegawa auf Gegenbesuch; sie besichtigten die drei bayerischen AKW-Standorte, machten sich aber auch ein Bild vom Ausbau der Erneuerbaren Energien und erlebten Beispiele für effektives Energiesparen. Ihre deutschen Gastgeber beeindruckten sie vor allem mit der Schilderung ihrer persönlichen Erlebnisse. Kenichii Hasegawa etwa war Landwirt, Milchbauer und Ortsteil-Bürgermeister von Iitate in der Region Fukushima gewesen. Er und das Rathaus wurden nach der Katastrophe umgesiedelt, die Kühe erschossen, die Landwirtschaft ist am Ende. Akiko Yoshida von »Friends oft the Earth« Japan kritisierte die zu hohen Grenzwerte für Evakuierungen, auf deren Grundlage nur 80 000 Menschen umgesiedelt wurden. Hätte Japan die Grenzwerte angewandt wie die Sowjet-Regierung in Tschernobyl vor 25 Jahren, wären mehr als eine Million Menschen zu evakuieren gewesen. Ein Lichtblick: Aktuell laufen von ehedem 54 AKW-Blöcken in Japan nur noch elf. Konsequentes Stromsparen von Gesellschaft und Industrie machen dies möglich. Die Gäste erklärten dazu, Deutschlands Atomausstieg sei ermutigend und ein Vorbild für ihr Land.

ank Ihrer großen Unterstützung und der damit möglichen vielfältigen Aktivitäten des Bundes Naturschutz für das Gemeinwohl können wir für 2011 eine positive Bilanz ziehen. Rund eine Million ehrenamtliche Arbeitsstunden haben unsere Aktiven in den 750 Orts- und Kreisgruppen im ganzen Land für den Schutz von Mensch und Natur geleistet. Ohne den BN gäbe es keine Energiewende in Bayern. Gerade mit unserem jahrzehntelangen Einsatz gegen Atomenergie und für Energiesparen, Energieeffizienz und naturverträgliche Erneuerbare Energien haben wir den Weg für eine zukunftsfähige Energieversorgung bereitet. Deswegen freuen wir uns, dass die Positionen des BN für energisches Energiesparen und eine dezentrale Stromerzeugung nun auch in vielen Gemeinden, Städten und Landkreisen diskutiert werden. Ohne Ihr Engagement vor Ort und ohne Ihre überwältigende Beteiligung an den Atomdemos im letzten Jahr wäre dies nicht gelungen. Nun ist es unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die richtigen Wege für konsequenten Klimaschutz und eine ökologische Energiewende eingeschlagen werden. Dazu gehören der Schutz von Mooren als CO2Speicher genauso wie eine Ökologisierung der Landwirtschaft und die Sicherung unserer Mobilität ohne unnötige Prestigeprojekte wie beispielsweise eine dritte Startbahn am Flughafen München (Seite 26 und Unterschriftenliste). Auch der Schutz des Landschaftsbildes und der letzten unverbauten Flüsse gehören zu den ökologischen Leitplanken, die nur wir als Verband ohne privatwirtschaftliche Interessen glaubwürdig vertreten. Gleichzeitig zeigen die schlimmen Folgen der Atomkatastrophe in Japan, wie wichtig unser Einsatz für den sofortigen Ausstieg aus dieser unbeherrschbaren Technologie ist. Dies unterstrichen jüngst die erschütternden Berichte einer Delegation unserer Partnerorganisation »Friends of the Earth Japan« (Bericht

links), die auf Einladung des BNLandesvorstandes die bayerischen AKW-Standorte besuchte. Ohne Ihre Mitgliedschaft und Ihre Spenden, liebe Mitglieder, könnten wir auch nicht der mächtigen Agrarindustrie und deren Helfern aus Agrarchemie- und Futtermittelkonzernen die Stirn bieten. Die große Demonstration am 21. Januar in Berlin für Bauernhöfe und einen anständigen Umgang mit Nutztieren (Foto) war ein motivierendes Erlebnis. Im Schulterschluss

mit Umweltverbänden, Bauern, Tierschützern und christlichen Entwicklungsorganisationen haben auch hunderte bayerischer BN-Mitglieder Flagge gezeigt. Nun muss Bundesministerin Ilse Aigner endlich die Gesetze so ändern, dass nicht länger Schweine und Hühner in Riesenställen mit Antibiotika dauermedikamentiert werden, weil sie nicht artgerecht gehalten werden. Nur mit Ihren Beiträgen und Spenden können wir uns – solide finanziert, unabhängig und ohne Firmensponsoring – für den Schutz von Mensch, Tier und Umwelt einsetzen. Dafür danken wir Ihnen herzlich.

Foto: Roggenthin

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Foto: Inkoferer

Liebe Mitglieder

Foto: Maucher, LZ

Besuch aus Japan

Agrarindustrie – haben wir satt!

Ihr Prof. Dr. Hubert Weiger, Vorsitzender des BN Ihre Doris Tropper, stv. Vorsitzende des BN Ihr Sebastian Schönauer, stv. Vorsitzender des BN

[1-12] Natur + Umwelt BN-Magazin 

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Schreiben Sie uns! Wir freuen uns auf Ihre Meinung: BN-Magazin »Natur+Umwelt«, Dr.-JohannMaier-Str. 4, 93049 Regensburg, Tel. 09 41-2 97 20 22, Fax 2 97 20 31, nu@bundnaturschutz.de

Zum Titel mit dem Murnauer Moos in N+U 4-11 Zum Titelbild kann man Sie beglückwünschen! Man sieht darauf in seltener Schärfe die Weite, Erhabenheit und Kleinteiligkeit des Alpenrandes. Leider stimmt die Beschriftung nur zum Teil: Hinter dem Murnauer Moos ragt das Estergebirge mit Hoher Kisten und Krottenkopf auf. Wettersteinwand und Mittenwald liegen, davon verdeckt, ein ganzes Stück weiter südlich. Jörg Ewald, München

Zum Foto eines Bachsaiblings Ihren Flyer mit dem Aufruf zur Rettung der Salzach teilen wir inhaltlich voll und ganz, nur leider ist Ihnen bei der Gestaltung ein nicht Diese und weitere Leserbriefe werden ganz ungewichtiger Fehler unterauch im Internet laufen. Bei dem vermeintlichen veröffentlicht: www. ­Huchen handelt es sich in natura bund-naturschutz. nämlich um eine Form des aus de/magazin. Nordamerika stammenden Bachsaiblings, der in der Salzach nie ­heimisch war. Johannes Schnell (Dipl. Ing.), Leiter Referat Fischerei, Gewässerund Naturschutz, Landesfischereiverband Bayern Die Redaktion: Wir bedauern die beiden falschen Bildbeschriftungen und danken den vielen aufmerk­ samen Lesern, die uns darauf hingewiesen haben.

N+U-Fotograf präsentiert neues Buch

Bayern von oben

Seine »überirdischen« Fotos haben schon oft die N+U bereichert und viele Leser begeistert. Klaus Leidorf, einer der besten deutschen Luftbildfotografen, hat seine faszinierendsten Aufnahmen jetzt als Bildband herausgebracht. Lassen Sie sich überraschen, wie schön und oft überraschend Bayern aus der Vogel­ perspektive aussieht. Werfen Sie einen ganz neuen Blick auf Ihre Heimat und deren Veränderung durch den Menschen. Klaus Leidorf: Hoch über Bayern. Volk Verlag, 192 Seiten, 24,90 Euro, ISBN 978-3-86222-047-2

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Natur + Umwelt BN-Magazin [1-12]

Unterschätzter Tabakqualm

Zur Umweltbelastung durchs Rauchen In Deutschland werden täglich mehr als 300 Millionen versteuerte Zigaretten geraucht. Diese Zahl erhöht sich noch, zählt man die unversteuerten Zigaretten sowie andere Rauch-»Genussmittel« dazu. In einem geschlossenen Raum von zehn mal zehn mal zehn Meter ist der Rauch einer einzigen Zigarette zu riechen. Wenn man im Wald unterwegs ist, riecht man oft einen mehrere hundert Meter voran gehenden rauchenden Wanderer. Der Umfang der Kontamination und damit auch der Umweltverschmutzung hat also offensichtlich eine erstaunliche Größenordnung. Interessant wäre es, diese Umweltbelastung global hochzurechnen und zu erfahren, ob und welche Umweltschädigungen durch das Rauchen entstehen. Neben dem reinen Tabakqualm müssen hier auch Anbau und Produktionskette eingerechnet werden. Vielleicht kann eine solche Untersuchung dazu beitragen, Raucher zum Aufhören zu bewegen. Und die Zahlen über eine bislang kaum untersuchte Umweltbelastung sind sicher hochinteressant. Erika und Walter Hübner, Nürnberg

Stromfresser ­Warmwasserbereitung

Zum Beitrag »Weniger Strom = mehr Klimaschutz« in N+U 4-11 Sie schreiben, was ich mir lange gedacht habe: Stromsparen ist das Wichtigste bei der Energiewende. Natürlich muss jeder selbst überlegen, wo er sparen kann. Es ist sicher ein kleiner Schritt, Glühlampen durch Energiesparlampen zu ersetzen, aber insgesamt dürfte das nicht allzu viel bringen. Viel größere Stromfresser sind Geräte, die Strom zur Wärmeerzeugung nutzen, also elektrische Heizöfen, Kochherde und Wassererhitzer. Wir benutzen im Winter den holzbeheizten Küchenherd zum Heizen, Kochen und zur Warmwasserbereitung. Im Sommer kochen wir mir Gas. Es ist klar, dass das für die meisten nicht in Frage kommt, aber das Ersetzen eines Nachtspeicherofens durch eine Gasheizung oder des Elektro-

durch einen Gasherd dürfte Vielen möglich sein. Dr. Helmut Fichtner, Prien

Grün kaputt im Eisacktal

Zum Titelthema »Mensch, Deine Alpen« in N+U 4-11 »Von den lieblichen Mittelgebirgsrücken mit Weinbergen und Kastanienhainen über saftige Bergwiesen und Almmatten …« – so präsentiert sich das Eisacktal in Südtirol auf www.eisacktal.com. Im Gästemagazin ist zu lesen, dass sich »Tourismus und Ökologie nicht ausschlie-

Foto: Schropp

Schöne Fotos, falsche Beschreibung

ßen müssen« und dass mit »Sanfter Mobilität« der Urlaub mit gutem Gewissen genossen werden könne. Was wir dann aber am Rosskopf (Monte Cavallo) nahe Sterzing zu sehen bekamen, hat mit all dem nichts zu tun (Foto). Ich wurde ­äußerst unsanft aus meinen Ur­ laubs­träumereien geweckt und musste an ein fast vergessenes Buch denken: »Grün kaputt«. Michael Schropp, Kempten

Waschmittel sparen

Zu Wasserspartipps des BN Es wird oft vergessen, dass es durch einen zu geringen Wasserverbrauch die Leitungen zusetzt. Die Kanalund Leitungssanierung ist viel teurer als der Nutzen durchs Wassersparen. Viel wichtiger als das Sparen ist, Wasser nicht unnötig zu verschmutzen. Es ist uferlos, wie viel Wasch- und Putzmittel im Wasser landen. Ein paar Tropfen Schmierseife und Obstessig tun es auch. Und statt Sonnencreme: Schatten und Hut, bis sich die Haut an die Sonne gewöhnt hat. Das bayerische Trinkwasser ist einigermaßen ­sauber; was allerdings aus der Kläranlage kommt und was durch Sonnenschutzmittel in die Badeseen gelangt, ist unerfreulich. Bettina Kohler, per E-Mail


R

Detektivin im Dienste des Lebens

Foto: Jochen Schiel

uth Tippe, 67, gehört zu jener Spezies von Natur- natürlich nicht irgendein Job, das ist eine Aufgabe«, erschutzaktivistinnen, die im Verborgenen blüht. klärt sie. Ein Einkommen, das ihre Existenz sichert, »Jeden Mittwoch«, so beschreibt die Züricher Wochen- könne sie daraus nicht erzielen. Deshalb müsse ihr zeitung WOZ die Arbeit der gebürtigen Schweizerin, Mann die Familie und den Haushalt finanziell tragen. »besucht sie das Europäische Patentamt in München. Ruth Tippe ist zwar nicht so bekannt wie die großen Mittwochs um vierzehn Uhr werden die neuen Patent­ Namen in der Gentech-Auseinandersetzung, also etwa anmeldungen veröffentlicht. Die Molekularbiologin der kanadische Landwirt Percy Schmeiser oder der ackert sich durch die Texte und schaut, ob darunter neue Anmeldungen für Patente auf Pflanzen oder Tiere sind.« Tippe beobachtet die Patenterteilungen des Europäischen Patentamtes in der Gen- und Biotechnologie. Jahr für Jahr wertet sie für die Initiative »Kein Patent auf Leben!« einige Ruth Tippe hundert Schriften aus. »Wenn ich auf Wichtiges stoße«, so erläutert sie, »leite ich das sofort an die richtigen Leute weiter.« Aber sich durch knochentrockene Texte zu arbeiten, ist das nicht fürchterlich langweilig? »Im Gegenteil«, antwortet sie, »ich liebe diese Detektivarbeit. Wissen Sie, ich ging schon immer gern in Bibliotheken. Und es ist sehr befriedigend, sich an einer zentralen Schaltstelle zwischen Wissenschaft Naturschutz lebt davon, dass der Umgang mit der Schöpfung nicht und Wirklichkeit einzubringen.« zu einer Art Monopoly verkommt. Multinationale Agro­konzerne Als Ruth Tippe auf das Thema sehen das anders: Saatgut, Pflanzen, Nutztiere, ihre Gene und Patente stieß, war sie schon über die Lebensmittelerzeugung sollen exklusiven Patentrechten unterfünfzig. Sie hatte in Berlin in moleworfen werden. Die Wissenschaftlerin Ruth Tippe wehrt sich kularer Genetik promoviert, war gegen die schleichende Monopolisierung des Lebens. dann mit ihrer Familie nach Bayern Von Christoph Markl-Meider gezogen, hatte hier zwei Kinder großgezogen, sich in der Eine-WeltArbeit engagiert und durch den Kontakt mit Martha französische Gentechfeld-Zertrampler José Bové. »Sie Mertens vom Bund Naturschutz wieder zum Thema ist«, charakterisiert sie die Schweizer WOZ, »klein und Gentechnik zurückgefunden. zierlich, hat auch keine Stimme, mit der sich die MasDie Geschichte der genmanipulierten »Krebsmaus«, sen mobilisieren ließen, aber ihre Arbeit ist mindestens des ersten patentierten Säugetiers in Europa, ließ sie so wichtig wie jene der Bovés und Schmeisers.« dann endgültig nicht mehr los. Das war 1992, und seit Denn die Grenzen der Patentierbarkeit werden nach damals gibt es in München auch das Büro der Kampa- und nach verwischt – immer weiter reichen die Verwergne »Kein Patent auf Leben!«. Die Initiative dient der tungsansprüche der Konzerne, inzwischen sogar bis Vernetzung von über 100 deutschen Organisationen, hin auf die konventionelle Zucht von Pflanzen und Tiedie sich gegen die Patentierung von Lebewesen zusam- ren. Auch diese wird von der Industrie heute als eigene mengeschlossen haben – darunter der BUND und der Erfindung beansprucht. Dagegen verwahrt sich Tippe: Bund Naturschutz in Bayern. Und das Büro ist Teil der »Pflanzen, Tiere und deren Gene können nur entdeckt, europaweiten Kampagne »No Patents on Life!«. nicht aber von Menschen erfunden werden!« Die kritische Wissenschaftlerin möchte mit ihren Eine Aufgabe, nicht ein Job Recherchen den »Irrsinn des Patents auf Leben« doku1996 begann Tippe mit dem Patentexperten Christoph mentieren. Werde der Trend nicht gestoppt, dann beThen in München zusammenzuarbeiten. »Damals«, so fürchtet sie, dass die Konzerne irgendwann allein die erzählt sie, »hatte ich keine Ahnung von Patenten.« Entscheidung darüber treffen, welche Nahrungsmittel Dass der achtzehn Jahre jüngere Then – »für ihn muss auf den Markt kommen und wie sie erzeugt werden. ich ja eine alte Frau gewesen sein!« – sie dennoch ins »Es geht also um die Kontrolle über unsere LebensmitBoot holte und auf ihre Fähigkeiten vertraute, freut sie tel und damit über das Leben selbst«, mahnt Tippe – noch heute. und kämpft dafür, dass diese auch zukünftig demokraSchon drei Jahre später wurde sie die Hauptverant- tischen Spielregeln unterliegt. wortliche für Patentrecherchen, und auch jetzt beschäftigt sie diese Arbeit noch viele Stunden in der Woche – vorwiegend auf ehrenamtlicher Basis. »Das ist

[1-12] Natur + Umwelt BN-Magazin 

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Patenten auf der Spur Ruth Tippe von der Initiative »Kein ­Patent auf Leben!« recherchiert am Europäischen ­Patentamt nach fragwürdigen Biopatenten.

Kontakt Ruth Tippe, »Kein Patent auf Leben!«, Frohschammer Str. 14, 80807 München, E-Mail rtippe@ keinpatent.de


Elektrofahrräder

Mit dem Strom radeln

Illu: Blumenschein

Gefälle und Rückenwind auf Abruf – ein Radlertraum scheint wahr geworden: Aber richtig öko sind Elektrofahrräder nur unter bestimmten Voraussetzungen. Wir sagen Ihnen, worauf es ankommt.

E

s gibt zwei Grundtypen elektrisch aufgerüsteter Fahrräder: die flotten E-Bikes mit »Gasgriff« und Geschwindigkeiten bis 45 km/h. Sie gelten aber als Mofas und erfordern Kennzeichen und Führerschein. Pedelecs dagegen bieten nur Tretkraftverstärkung und gehen als normale Fahrräder durch, sofern der Zusatzschub bei 25 km/h endet. Praxistauglichkeit und Ökobilanz hängen bei beiden Typen stark vom Akku Rat holen, nachlesen ab. Wegen der hohen Energiedichte S  tiftung Warentest 8/2011: kommen meist Lithium-Ionen-Akkus ­Elektrofahrräder: test.de zum Einsatz. Doch nach wenigen HunQ  ualitätsprobleme bei E-Bikes: dert Ladezyklen, im Alltagsbetrieb also spiegel.de E  lektrorad – Energiesparwunnach ein bis zwei Jahren, muss Ersatz der? fahrradzukunft.de her. Das belastet nicht nur das Budget H  erstellernahe Plattform: mit rund drei Cent pro Kilometer, son­extraenergy.org dern auch das Klima: Die Herstellung des P  edelecs, Orientierungshilfen für Akkus schlägt mit etwa so viel Kohlendiden Einkauf: energieinstitut.at oxid zu Buche wie 500 bis 1000 Kilometer Autofahren. Umso sorgfältiger sollte man den Energiespeicher behandeln und Herstellerangaben beachten. Bestehen Sie beim Kauf auf eine garantierte Mindestlebensdauer von zwei Jahren oder mindestens 500 Ladezyklen.

Kinderkrankheiten meiden

Da der Markt relativ jung ist, sind Reklamationen häufig, selbst im hochpreisigen Segment. Da hilft nur: Tests lesen, vergleichen und – für den Ernstfall – das Bike bei einem erfahrenen Händler möglichst in der Nähe kaufen, damit Reparaturen schnell abgewickelt sind. Be-

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Natur + Umwelt BN-Magazin [1-12]

sonders wichtig ist ausgiebiges Probefahren. Der erste Wow-Effekt überdeckt sehr leicht die großen, auch sicherheitsrelevanten Unterschiede. Manche Motoren neigen etwa zum Nachlaufen – was bei plötzlichem Rot ebenso gefährlich werden kann wie unterdimensionierte Bremsen. Eine Gewissensfrage birgt die »Rekuperation«: Die Rückgewinnung von Bremsenergie ist nur bei Nabenmotoren möglich, nicht aber beim fahrtechnisch weit günstiger liegenden Motor am Tretlager. Von Bausätzen zum Nachrüsten normaler Fahrräder ist eher abzuraten: Bremsen und Rahmen könnten durch die höheren Belastungen überfordert werden.

Öko? Kommt drauf an!

Nach zehn oder zwanzig flotten Kilometern erfrischt am Arbeitsplatz ankommen – das hat schon was. Ebenso wie ein entspannter Kindertransport oder eine lockere Einkaufsrunde mit Fahrradanhänger. Umweltfreundlich wird der Spaß aber erst, wenn er tatsächlich Autofahrten oder gar -käufe überflüssig macht. Wer Pedelecs und Co als Bequem-Ersatz fürs Normalrad nutzt oder nur als zusätzliches Genussrad, schadet seiner Umwelt und Gesundheit eher. Zudem sollte man den zuweilen heiklen Geräten mit einer gewissen technik-affinen Neugier und Sorgfalt gegenübertreten. Wer schon bisher streikende Rücklichter als Schicksal hinnimmt, sollte eher die Hände davon lassen. Sonst wird aus dem E-Rad schnell ein Stehrad – mit garantiert negativer Öko-Bilanz.

Zehn Tipps zum Elektro-Radeln

E  -Bike nur vom Fachhändler kaufen D  ynamischer Antrieb: Motor sollte durch die ­Pedalkraft gesteuert werden  Manche Pedelecs eignen sich nicht für stärkere ­Steigungen: nachfragen F  ahrradakkus sind Gefahrgut: auf das BATSO-Sicherheitssiegel achten A  kku sollte auch getrennt vom Fahrrad geladen ­werden können und abschließbar sein Z  um Laden Ökostrom verwenden L  ithium-Ionen-Akku vor Frost und praller Sonne schützen F  ahrrad möglichst bei 10 –15 °C unterstellen – ­verlängert das Akkuleben A  usgediente Akkus nur über den Händler entsorgen U  nd vor allem: E-Fahrräder als Ersatz fürs Auto ­verwenden


Im Reich der offenen Ferne Nur das Boot erlaubt einen Sonnen­ untergang aus Wasservogelperspektive.

aniel Petrescu wirft den Motor an. Unser Boot tuckert in die Morgendämmerung hinaus, Nebelschwaden zerteilend. Kundig lenkt der Bootsführer durch das Labyrinth aus Schilf, Kanälen und Seitenarmen der Donaumündung. Im ersten Licht können wir Nacht-, Silber- und Seidenreiher ausmachen, erkennen den Ruf von Schilfrohrsänger und Bartmeise. 5:15 zeigt die Uhr, wir haben uns gerade erst den Schlaf aus den Augen gewischt. Jetzt stoppt das Boot auf einer Lagune, eine Weile verharren wir sanft schaukelnd. ­ Und werden dann Zeuge eines Kesseltreibens: Unweit von uns schließt sich eine Schar Rosapelikane zu einem Kreis, den sie immer enger ziehen. Mit ihren Flügeln scheuchen die Tiere einen Fischschwarm zusammen – und füllen sich zum Frühstück die Schnabeltaschen. Kormorane und Zwergscharben dürfen nur vom Rand aus die Restfische erhaschen, Seeschwalben stürzen sich kreischend auf Kleinfische im Umfeld. Feurig-rot beleuchtet die Sonne dieses Spektakel. Das Biosphärenreservat Donaudelta ist ein über 5000 Quadratkilometer großes urwüchsiges Land-Wasser-Dreieck. Mitten auf der Nord-Süd-Vogelroute gelegen, bietet es über 300 Vogelarten Lebensraum. Das größte Schilfrohrgebiet der Erde ist für den Menschen eigentlich eine unzugängliche Welt. Nur per Schiff kann er hier zu Gast sein. Deswegen sind auf dieser BUND-Reise unsere Verkehrsmittel auch ein Hausboot sowie Schlepp- und Ausflugsboote. In den ersten Tagen durchstreifen wir diese Wasserwelt, die schwimmende Schilfrohrinseln, die Plauri, ständig verändern. Sandsedimente hingegen bilden die Hartbodeninseln, die Grinduri. Eine davon ist

Wo die Donau sich im Schwarzen Meer verliert

Kommen Sie zur Vogelbeobachtung in das faszinierende Wasserlabyrinth des Donaudeltas  15. bis 24. Juni 2012 oder  31. August bis 9. September 2012 Reisepreis (ab Wien) pro Person im Doppelzimmer 1410 Euro (für Nichtmitglieder 1460 Euro) Weitere Infos und Anmeldung unter BUND-Reisen, Reisecenter am Stresemannplatz, Stresemannplatz 10, 90489 Nürnberg, 09 11 - 5 88 88-20, Fax -22, www.bund-reisen.de

Zwischen Schilfland und Schwarzmeerküste Natur- und Kulturgenuss garantiert: Mit dem BN auf verschlungenen Wasserwegen durch das Donaudelta und auf Wanderpfaden durch die Steppenlandschaft der Dobrogea.

Letea, wo wir zwischen mächtigen Sanddünen wandern. Hier stehen auch die zeitgeschichtlich jüngsten Urwälder Europas, in denen Wildkatze und Marderhund jagen.

Das kantige Gesicht der Dobrogea

Ab dem sechsten Tag begeben wir uns wieder an Land. In der pontisch-sarmatischen Waldsteppe der Dobrogea liegt der Nationalpark Muntii Macinului. Einen halben Tag streifen wir durch die Weiten aus submediterranen Trockenwäldern und grasbespannten Berghängen, deren Kämme schroffe, kantig-bizarre Felsen krönen. So nahe wir dem Donaudelta noch sind, so ganz anders sind Landschaft und Vegetation: Landschildkröten, Ziesel und Smaragdeidechsen leben hier ebenso wie Adonisröschen, Pfingstrosen und Orchideen. Im 7. Jahrhundert v. Chr. gründeten griechische Seefahrer die nahe Handelsstadt Histria. Längst haben Wind und Wetter die Mauern geschleift. Steppengras wiegt sich zwischen den Ruinen. Aber die Überreste der Wohnhäuser, der Tempel, der Therme und der Basilika beeindrucken noch immer. An einem Naturstrand bei Vadu machen wir einen Sprung ins Schwarze Meer. Den Abschluss der Reise bildet Bukarest, Rumäniens quirlige Hauptstadt. Boulevards nach Pariser Vorbild, sozialistische Repräsentationsbauten und verschachtelte Häuserviertel stehen hier nebeneinander. Mitten in dieser Großstadt steht das Dorfmuseum, in dem 300 originale Häuser und Bauernhöfe aus den unterschiedlichen Regionen Rumäniens zusammengestellt sind. Neben hervorragenden örtlichen Ornithologen und Botanikern begleitet diese Reise wieder der Forstökologe, erfahrene Reiseleiter und Landeskenner Dietmar Gross. Seine Kontakte, Landeskenntnis und Ideen machen unsere Rumänienreisen so besonders. Margarete Moulin Foto: Petrescu

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Foto: Siebenbürger

Traumreise zur Vogelwelt Südostrumäniens

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Geschickte Jäger, geniale Segler Wer ins Donau­ delta fährt, trifft garantiert auf Pelikane.

Jetzt entdecken: Das neue Programm Die BUND-Reisen warten 2012 neben Bewährtem auch mit vielen neuen Angeboten auf. Katalog bestellen und über aktuelle Neuerungen informieren: www.bund-reisen. de.


Fleißig, fleißig Bienen und Imker s­ ichern unsere Ernährung. Jetzt schützen sie uns sogar vor ­Gentechnik.

Foto: Spürgin

Man muss weder Berufs­ pessimist noch Weltuntergangsprophet sein, um sich wegen des Rückgangs der Bienen zu sorgen. Man muss auch gar nicht dem Albert Einstein zugeschriebenen Zitat glauben, demzufolge nach einem Aussterben der Honigbiene die Menschheit vier Jahre später folgen würde. Aber es beunruhigt, dass die für die Ernährung der Menschheit so wichtige Tierart leidet, ohne dass ­Wissenschaftler die Rolle verschiedener Ursachen genau einschätzen können (Seite 12). Im Verdacht stehen auch gentechnisch veränderte Pflanzen. Umso mehr freut es, dass gerade die Bienen, genauer die Imker, jetzt ­zurückschlagen. Sie nämlich haben beim Europäischen Gerichtshof ein Urteil erwirkt, das Gen-Anbau in ­weiten Teilen des Kontinents unmöglich machen könnte (Seite 16). (göß)

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Foto: Willner Foto: Schwenkel

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Honigbienen erleiden große Verluste

Bestäuber der Erde in Gefahr

am Schicksal unserer Honigbiene, dem überragenden Bestäuberinsekt, verfolgen.

Foto: Bahmer

Global Player

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Der Autor Der Verhaltensforscher, Soziobiologe und Bienenexperte Prof. Dr. Jürgen Tautz, 62, lehrt am Biozentrum der Universität Würzburg. Seit 2006 entwickelt und ­leitet er das interdisziplinäre Projekt Honey Bee Online Studies (HOBOS, siehe Kasten Seite 14).

in Quantensprung der Evolution des Lebens auf unserer Erde war die »Erfindung« Blüten bestäubender Insekten vor geschätzten 130 Millionen Jahren. Dieser Schritt brachte durch die Entwicklung Insekten anlockender Blüten eine wunderbare Farben- und Duftvielfalt in die Welt der Pflanzen. Und er führte zu einer regelrechten Artenexplosion unter den Blütenpflanzen. Diese ging Hand in Hand mit einer Aufspaltung spezialisierter Bestäuberinsekten-Arten. Es entstand eine unauflösliche Partnerschaft: Die Pflanzen profitieren, indem sie wenig Pollen erzeugen müssen, der dann genau ans Ziel gebracht wird – anders bei der ursprünglichen und heute nur noch bei relativ wenigen Arten vorkommenden Windbestäubung. Diese ist sprichwörtlich unzuverlässig und unberechenbar wie der Wind selbst. Und sogar der Raps als in erster Linie windbestäubte Pflanze erhöht beispielsweise seine Schotenbildung um etwa 20 Prozent, wenn zusätzlich Bestäuberinsekten ins Spiel kommen. Die Insekten erhalten im Gegenzug mit dem Nektar und dem Pollen ihre wichtigsten Lebensgrundlagen. Doch eine unauflösliche Partnerschaft birgt für jeden Beteiligten auch Risiken. Mitgefangen, mitgehangen. Bekommt eine Seite Probleme, ist die andere mitbetroffen, ganz gleich wie herum. Das lässt sich derzeit

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Überirdischer Honig

Honigbienen sind mit der Geschichte der Menschheit enger verbunden als jedes andere Insekt. Das beginnt vor dem eigentlichen Menschsein. Es ist leicht vorstellbar, dass unsere Vorfahren, die Australopithecinen, vor

Foto: Natter

Der Mensch braucht die Biene, um sich zu ernähren. Umso mehr beun­ ruhigt das neuartige Bienensterben in Nordamerika und Europa. Ist eine Milbe aus Asien schuld, oder leiden die Insekten noch unter ganz anderen Belastungen? Auf Spurensuche mit Bienen-Professor Jürgen Tautz.

Blüten können von vielen Insektenarten bestäubt werden, von Schmetterlingen, Fliegen, Käfern, Wanzen, Wespen und Bienen. Die solitär, also als Einzelgänger lebenden Bienen, von denen immer weniger Arten übrig sind – im Moment in Deutschland etwa 300 – sind ebenso wichtig für das Bestäubergeschäft wie die Hummeln (siehe Beitrag Seite 18). All diese Bestäuber können problemlos nebeneinander existieren und verdrängen sich nicht spürbar. Der Globalisierer und Monopolisierer unter den Bestäubern ist die Honigbiene. Eine Kolonie Honigbienen, ein »Bien«, kann täglich bis zu sieben Millionen Blüten bestäuben, und das Spektrum der dabei besuchten Pflanzen umfasst weltweit bis zu 170  000 Arten. Das bedeutet aber umgekehrt, dass Honigbienen ein vielfältiges Angebot an Blüten benötigen, um sich gesund und kräftig entwickeln, halten und vermehren zu können.


vier bis sechs Millionen Jahren in der ostafrikanischen Savanne, der Wiege der Menschheit wie unserer west­ lichen Honigbienen, den Honig als eine ganz besondere Nahrung entdeckten. Wer nur von Käfern, rohem Fleisch und Wurzeln gelebt hat, dem muss der Honig überirdisch vorgekommen sein. Vielleicht liegt schon darin das besondere Verhältnis von Mensch und Biene begründet. Das Summen der Bienen in einem blühenden Obstbaum ist ein Stück Lebensqualität und gehört zum Frühling wie der erwachende Gesang der Vögel. Neben den positiven Reaktionen, die Honigbienen bei vielen Menschen hervorrufen, gibt es einen herausragenden objektiven Grund, sich mit ihnen zu befassen und sich um sie zu sorgen. Mit der Entwicklung des Menschen vom Sammler und Jäger hin zum Ackerbauern ist eine neue Partnerschaft entstanden, die an jene von Biene und Blütenpflanze angehängt ist. Der Mensch und die Honigbiene haben damals einen ge-

Foto: Daniel Etzold, Fotolia

Unter Verdacht Auch der ­Mobilfunk steht im Verdacht, als eine unter mehreren ­Ursachen am Rückgang der Bienen beteiligt zu sein.

Fronten bröckeln

Ohne Imkerei ist eine ertragreiche Landwirtschaft nicht zu betreiben. Es ist deshalb extrem wichtig, dass auf Dauer genügend Menschen, hoch motiviert und

Foto: Schwenkel

Foto: Netzwerk blühende Landschaft /Loritz

Bienenfreies Gebiet Wo die Feldflur so eintönig ist, können Bienen kaum Nahrung finden.

meinsamen Weg betreten, dessen heute erreichtes Stadium sich für unsere Breiten etwa wie folgt charakterisieren lässt: Die Honigbiene spielt die Rolle des Hauptbestäubers der Nutzpflanzen und der Mensch die Rolle des Betreuers der Honigbienen. Ohne die Bestäubungsleistung der Honigbienen würde die Menge an verfügbaren Lebensmitteln um geschätzte 30 Prozent (!) reduziert. Betroffen wären fast alle Obst- und die meisten Gemüsesorten sowie indirekt alle Tiere, die Fleisch produzieren und dabei von diesen Produkten leben. Umgekehrt wäre die Honigbiene ohne die Hilfe des Menschen nicht mehr lebensfähig. Der Mensch bietet den Bienen Behausung und Hilfe bei der Lösung ihrer vielfältigen und zunehmenden Probleme.

unter Opfern an Zeit und Geld, bereit sind Bienen zu halten. Die Zahl der Imker und damit der Bienenvölker ist in Deutschland leider rückläufig. Nach Auskunft des Bayerischen Umweltministeriums nimmt die Zahl der Imker im Freistaat jedes Jahr um 300 bis 400 ab. Rechnet man für einen Imker zehn Bienenvölker, so schwinden Jahr für Jahr mehrere tausend Kolonien (Statistik unter www.deutscherimkerbund.de/index.php?zahlendaten-fakten). Initiativen, auch des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums, Jugendliche zur Bienenhaltung zu bringen, tragen erste erfreuliche Früchte (siehe Interview Seite 16). Auf die Partnerschaft Mensch – Honigbiene fallen zunehmend Schatten. Die Bienenhaltung ist heute in Zeit und Geld deutlich aufwändiger als noch vor wenigen Generationen. Die Kontakte der alten Imker mit den Bienen beschränkten sich auf die Honigernte und das Einfangen von Schwärmen. Heute sind sorgfältige Eingriffe nach genauen Beschreibungen und exaktem Zeitplan nötig. Und selbst das garantiert nicht den Erfolg. Bienenvölker haben Probleme, Bienenvölker sterben. Das beunruhigt, auch angesichts der Tatsache,

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Staatenfeind ­Nummer eins Die aus Asien stammende Varroa-Milbe, hier auf einer Drohnenpuppe, kommt als Hauptursache des Bienensterbens in Amerika und ­Europa in Betracht.


Gefahr aus Asien

Für Organismen ist es immer eine Katastrophe, wenn sie von Krankheitserregern oder Parasiten befallen werden, an die sie sich (noch) nicht anpassen konnten. Das sind bei den Honigbienen (Apis mellifera) heute bestimmte Viren und vor allem Milben der Gattung Varroa (Foto Seite 13). Natürlicherweise kann eine solche Situation nur zwei Wege nehmen: Entweder der Parasit beziehungsweise das Pathogen rottet den Wirt aus. Oder es stellt sich ein Gleichgewicht ein, in dem beide mit­einander existieren können, wie etwa die asiatische Honigbiene Apis cerana und die Varroa-Milbe. Das Einstellen eines solchen Gleichgewichtes übernimmt die natürliche Selektion durch Auslese und durch Anpassung des Wirtes an den Parasiten. Die moderne Imkerei gibt durch die intensive Betreuung der Bienenvölker, auch solcher, die schwächlich sind, der natürlichen Selektion nur noch wenig Raum. Das stellt nur dann kein Problem dar, wenn die ablaufenden Mechanismen verstanden und vom Menschen in Form von Zuchtbemühungen übernommen werden können. Durch Zuchten wird versucht, Populationen zu erzeugen, die das genetische Rüstzeug besitzen, sich besser gegen Krankheiten und Parasiten zu wehren. Für dieses Ziel braucht es aber einen langen Atem, man lässt sich unter Umständen auf eine niemals endende Aufgabe ein.

Bienen-Wissen im Netz

Aufklärung und Bildung fördern bienenfreundliches Verhalten. Diesem Ziel dient HOBOS, eine Non-ProfitInternetplattform der Universität Würzburg. HOBOS wird in erster Linie für Schüler und Studierende ­auf­gebaut. Aber jedermann ist eingeladen, die Aus­ wirkungen von Umweltfaktoren auf das Leben der Honig­bienen direkt am PC, live oder anhand einer Daten­bibliothek zu verfolgen: www.hobos.de. Eine ergiebige Quelle für Daten, Fakten und Hintergründe zu Bienen ist die Homepage von Prof. Ale­ xandra Klein: www.leuphana.de/alexandra-klein.

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Foto: Bigi Moerhle

dass die Honigbienen in 30 Millionen Jahren Evolution »Werkzeuge« entwickeln konnten, die es ihnen erlaubten, sich gegen das große Spektrum an Bedrohungen zu wehren und bis heute zu überleben. Von der Anlage und der Klimatisierung des Nestes bis zum komplexen Immunsystem der einzelnen Bienen haben sie Abwehrfronten errichtet, mit denen sie Krankheiten, Parasiten und andere natürliche Stressfaktoren meist in Schach halten konnten. Diese Fronten bröckeln und erfüllen oft nicht mehr ihre Aufgabe. Wir schätzen die Bienen als wichtige Mitarbeiter im Naturkreislauf. Sie helfen auch am Ernteertrag mit. Stephan Kreppold ist Bio-Bauer in ­Wilpersberg bei Aichach

Die Varroa-Milbe ist nach Untersuchungen der Arbeitsgemeinschaft der Bieneninstitute Deutschlands der Faktor, der den Bienen am meisten zusetzt. Dieser Parasit hat eine deutlich kürzere Generationsdauer als der Wirt, die Varroa-Milbe kann bis zu sieben Generationen in eine einzige Bienengeneration packen. So ist sie prinzipiell in der Lage, auf jede neue, ihre Existenz bedrohende Veränderung im Leben der Bienen rasch zu reagieren und ihr eigenes Erbgut entsprechend anzupassen. Die Bienenzüchtung wird die Milbe nicht zum Verschwinden bringen, kann aber die Lage deutlich entschärfen.

Hunger durch Landwirtschaft

Es wäre schon schwer genug, stabile und gesunde Bienenvölker zu erhalten, wenn Parasiten und Krankheiten ihre einzigen Bedrohungen darstellten. Unsere Kulturlandschaft und die hochtechnisierte Landwirtschaft schaffen aber zusätzliche Belastungen für die Bienen. Das beginnt mit Insektiziden, die Schadinsekten töten sollen. Leider betreffen solche Gifte unterschiedslos auch Nutzinsekten wie die Bienen. Ein völliger Verzicht auf Insektizide ist derzeit – abgesehen von der BioLandwirtschaft – schwer vorstellbar. Wir schaffen leider auch den natürlichen Feinden der Schadinsekten große Probleme und müssen so deren Ausfall ausgleichen. Einen Ausweg kann ein möglichst wenig bienenschädlicher Einsatz der Gifte bieten. Als ein gangbarer Weg erscheint eine Kombination von biologischer Schädlingsbekämpfung mit Agrochemie – und diese nur dann, wenn die biologischen Methoden nicht ausreichen. Als Minimallösung ist eine exakte Planung und Abstimmung des Einsatzes der Agrochemie zwischen Imker und Landwirt unabdingbar. Ein weiteres Problemfeld sind die Monokulturen. Sie bieten den Bienen eine verarmte Nahrungspalette, dazu noch zeitlich sehr eingeengt. Eine früher unvorstellbare Folge dieser Lage ist das Verhungern von Bienenvölkern mitten im Sommer. Verschärft wird das Problem durch moderne Silage-Techniken. Die Pflan-


Foto: privat

Nach dem Honigurteil des EuGH hoffe ich auf echte Koexistenz, und dass meine Bienen in ihrem Flugkreis von mindestens 30 Quadratkilometer auf keine GVO-Pflanze treffen.

Ich mag Bienen, da ich durch sie einen ­intensiveren Zugang zur Natur gefunden habe. Ganz davon abgesehen schmeckt der eigene Honig einfach am besten.

Hobby-Imker Karl-Heinz Bablok erstritt das ­wegweisende EuGH-Urteil gegen den Anbau von Gen-Mais (Seite 16).

Dr. med. Inka Weiger hat das Imkern als Hobby für sich entdeckt.

zen werden bis zu vier Mal pro Jahr vor dem Blühen gemäht und stehen selbst bei ausreichender Artenvielfalt den Bienen nicht zur Verfügung. Auch das Ausschneiden von Weiden im zeitigen Frühjahr, nicht selten im Auftrag von Behörden, nimmt den Bienen den gerade dann wichtigen Polleneintrag zum Aufbau der Völker.

Satte Stadtbienen

Das Verschwinden von Ackerrainen ist nicht nur ein schlimmer Verlust für das Erscheinungsbild einer Landschaft – man versuche nur, im Sommer einen bunten Wildblumenstrauß zu sammeln – sondern nimmt den Bienen und einer Unzahl weiterer Klein­ lebewesen komplett oder zum Großteil die Lebensgrundlage. Auch hier wäre mit recht geringem Aufwand Abhilfe zu schaffen. Dass Landwirte Felder zusammenlegen und die Fruchtfolge verengen, ist zum Teil Kon­ sequenz ihrer finanziellen Nöte. Förderprogramme könnten hier Anreize schaffen, gravierende Fehler rückgängig zu machen; Anfänge sind vielerorts zu sehen. Bienenvölkern in Städten geht es besser als solchen, die in ausgeräumten, langweiligen Kulturlandschaften existieren. Dafür sorgt allein schon das ganzjährige vielfältige Angebot an Blütenpflanzen in Parks, Anlagen, Friedhöfen, aber auch unter privater Obhut. Landwirtschaft und Imkerei sind planbare und gemanagte Bereiche, so dass sich Chancen für ein gemeinsames Vorgehen zu gegenseitigem Nutzen ergeben. Vielerorts ist dafür ein Anfang zu beobachten. Auf dem Wege zu einer Musterregion ist hier die Rhön, in der alle Beteiligten eine kluge, harmonische Entwicklung von Natur- und Landschaftsschutz sowie Landwirtschaft und Imkerei auf den Weg gebracht haben.

einer Reihe von Details von der konventionellen Bienenhaltung. Große Bedeutung haben dabei der Einsatz regional geeigneter Bienenrassen und eine an ökologischen Aspekten festgemachte Wahl des Standorts der Völker: keine Gentechnik, möglichst geringe Belastung durch Agrochemie auf den besuchten Flächen, möglichst viele natürliche Trachtquellen. Weitere Faktoren, die im Verdacht stehen, den Bienen zuzusetzen, sind der Mobilfunk, genetisch veränderte Organismen oder der Klimawandel. Wenn auch für jeden einzelnen dieser Faktoren Auswirkungen auf das Leben der Bienen beobachtet werden können, ist noch immer unklar, wie massiv dadurch die Lebensund Fortpflanzungsfähigkeit der Bienenvölker betroffen ist. Hier besteht Nachholbedarf in der Grundlagenforschung. Prof. Dr. Jürgen Tautz

Foto: Willner

Franz Mages ist Vorsitzender des Zeidlervereins Nürnberg.

Foto: privat

Foto: privat

Honig kann man importieren, Bestäubung nicht. 80 Prozent aller heimischen blühenden Pflanzen sind auf die Bestäubung durch Honigbienen an­ gewiesen.

Besser mit Bio

Der Bio-Imkerei kommt in diesem Zusammenhang eine gewisse Vorreiterrolle zu. Sie unterscheidet sich in

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Interview mit Imkerpräsident Walter Haefeker

Mit Bienen für eine bessere Welt

N+U: Honig gilt als das natürliche Lebensmittel, zu Recht? Haefeker: Am Marktstand macht es mir immer Freude, die Kunden probieren zu lassen. Die geschmackliche Vielfalt, die unsere Bienen in einer Region sammeln, verblüfft viele Verbraucher. Und der Pollen hat große Bedeutung für Vorbeugung und Therapie von Heuschnupfen. Honig aus der Region enthält Pollen aus der Region, in optimaler Dosierung für eine orale ­Hyposensibilisierung.

Foto: Bob Rannells, Fotolia

Ist Honig noch dieses natürliche Lebensmittel? Unsere Bienen sind ein »Filter« gegen Pestizidrückstände, denn eine vergiftete Biene macht keinen Honig. Letztlich ist der Honig aber ein Spiegelbild unserer Kulturlandschaft. Daher sind wir dankbar, dass sich gerade beim Bund Naturschutz so viele Menschen für eine ökologische Landwirtschaft einsetzen. Unsere Kunden wollen keine Rückstände von »gentechnisch veränderten Organismen« (GVO) im Honig. Dies lässt sich nur sicherstellen, wenn es im Flugkreis der Bienen keinen Anbau gibt. Also haben wir Imker uns in die Bündnisse für gentechnikfreie Regionen eingebracht. Gemeinsam mit Naturschützern, Landwirten und Verbrauchern haben wir erreicht, dass Deutschland praktisch gentechnikfrei und somit auch der Honig unbelastet ist. Nachwuchs­ freuden, Nachwuchssorgen Gerade junge Leute entdecken die Imkerei als erfüllendes Hobby. Dennoch geht die Zahl der Bienenvölker in Deutschland zurück. Interessiert? www.­ berufsimker.de, www.deutscher­ imkerbund.de

Wie gefährdet Gentechnik die Bienen? Es gibt gentechnisch veränderte Pflanzen, die selbst ein Insektizid herstellen; dort sind unsere Bienen direkt in der Schusslinie. Aber auch die herbizidtoleranten Pflanzen stellen ein Problem dar, denn dieses Anbausystem hat eine bienenfeindliche Agrarwüste zur Folge. Was bedeutet das jüngste Honig-Urteil des Europäischen Gerichtshofs? Die EU-Kommission hat den Bürgern im Zusammenhang mit GVO drei Dinge versprochen: Null-Toleranz, Wahlfreiheit und Koexistenz. Das heißt, in der EU nicht geprüfte GVO dürfen nicht in Lebensmitteln vorhanden sein. Zugelassene sind ab 0,9 Prozent zu kenn-

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Foto: Markl-Meider

Im Kampf gegen Gentechnik stehen Imker an der Seite der Naturschützer. Im September erstritten sie ein Urteil, das den Gen-Anbau europaweit sehr erschweren dürfte. Der mit den Bienen tanzt Walter Haefeker ist seit 2008 Präsident des ­Europäischen Berufsimkerverbandes. Der frühere IT-Spezialist betreut heute etwa 100 Bienenvölker. Ein Portrait des Weilheimers in N+U 4-08 lesen Sie unter www.bund-naturschutz.de/magazin.

zeichnen. Und die Produktion von gentechnikfreien Lebensmitteln soll weiter möglich sein. Nur beim Honig wurde versucht, den Kunden die Wahlfreiheit und den Imkern die Koexistenz zu verweigern. Wir Imker waren nicht bereit, uns und unsere Kunden für dumm verkaufen zu lassen, und der EuGH hat uns Recht gegeben. Nun sind alle Mitgliedsstaaten gezwungen, Koexistenzmaßnahmen zu ergreifen. Wie groß müssen Sicherheitsabstände zu Gen-Feldern sein? Bienen sammeln in Extremfällen in über zehn Kilometer Entfernung; die ersten drei bis vier Kilometer sind absolute Routine. In Deutschland wird es ein neues Gentechnikgesetz geben. Wir wissen noch nicht, welche Abstandsregeln hier festgelegt werden. Aber sicher wird es nicht wenige Regionen in Deutschland und Europa geben, in denen kein GVO-Anbau möglich sein wird, ohne mit diesen Abstandsregeln in Konflikt zu kommen. Plagen die Imkerei Nachwuchssorgen? Berichte über weltweite Bienenverluste haben bei vielen Menschen Interesse an der Imkerei geweckt. Gerade die großen Städte werden als Refugium für Bienen entdeckt, weil dort nur wenig Pestizide eingesetzt werden und weil Parks, Gärten und Alleebäume für ein vielfältiges Trachtangebot sorgen. Menschen, die um die Bedeutung der Bestäubung wissen, beginnen selbst Bienen in den Garten zu stellen. Die Anfängerkurse sind seit Jahren voll. Die älteren Imker hatten aber in der Regel deutlich mehr Bienenvölker, daher sinkt die Zahl der Völker, obwohl die der Imker steigt. Imker ist man von Herzen, weil die Bienen einen in ihren Bann ziehen. Für einen Berufsimker ist es ein gutes Gefühl, sein Geld auf eine Weise zu verdienen, die die Welt besser macht. Interview: Manfred Gößwald


Indikatoren einer ökologischen Agrarwende

eim Wandern durch unsere bayerische Kulturlandschaft zeigt sich: Das Blütenangebot für unsere Bienen geht immer weiter zurück. Früher blühte es noch auf den Ackerrainen und rechts und links der Feldwege. Doch der Einsatz von Technik und Spritzmitteln und das Pflügen bis an die Feldgrenze sind zur Unsitte geworden. Heute werden selbst Straßenränder früh gemulcht. Extensiv genutzte Wiesen mit 50 oder 60 Blumenarten gehen weiter zurück, auf intensiv genutzten Wiesen finden sich gerade noch 15 bis 20 Arten, vor allem Gräser. Imker beginnen daher meist schon im Juli, ihren Völkern Zucker zu geben, weil das Nektarangebot fehlt. Der BN setzt sich deshalb für mehr Farbe und Melodie in Feld und Wiese ein: Das Summen von Bienen und Hummeln und das Zirpen von Grillen und Heuschrecken soll Wanderer im ganzen Land schon von weitem auf artenreich blühende Standorte hinweisen.

EU-Agrarpolitik »begrünen«

In der EU-Agrarpolitik sollen ab 2014 sieben Prozent ökologische Vorrangflächen in der Landwirtschaft zur Förderbedingung werden. Der BN hat sich für eine solche Weichenstellung seit vielen Jahren eingesetzt und kämpft im bayerischen Agrarbündnis weiter für eine ökologische und soziale Agrarpolitik – damit blühende Ackerraine von der Ausnahme wieder zur Regel werden. Der BN unterstützt auch das von Imkern gegründete »Netzwerk Blühende Landschaft«, in dem Informationen und Projekte rund um das »Wiedererblühen« der Kulturlandschaft angestoßen werden. Notwendig sind aber nicht nur diese Einzelmaßnahmen, sondern eine Änderung der Agrarpolitik und damit der Rahmensetzungen. Auch eine gentechnik-

Freistaat muss Vorbild sein

Es fehlt in Bayern noch massiv an der Vorbildfunktion und an der Aufklärungsarbeit. Der BN fordert, dass in staatlichen Kindergärten, Schulen, Altersheimen und Krankenhäusern sowie in allen öffentlichen Betriebskantinen innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre alle Lebensmittel tierischen Ursprungs aus gentechnikfreier Fütterung stammen. Außerdem darf keinesfalls an der absoluten Freiheit des Saatguts von gentechnischer Verschmutzung gerüttelt werden, und auch bei Lebensmitteln darf es nicht zu Verschmutzungen durch die Hintertüre kommen. Denn die Gesundheit von Verbrauchern, Tieren und unserer Mit- und Umwelt darf nicht den Konzerninteressen der Agrar- und Gentechnikgiganten Monsanto, Bayer/Aventis oder DuPont geopfert werden. Blühende Landschaften werden damit zum Indikator einer ökologischen Agrarwende. Hubert Weiger, Marion Ruppaner

Zum Weiterlesen Das Handbuch »Wege zu einer Blühenden Landschaft« bietet Tipps für mehr Artenvielfalt auf Äckern und Wiesen sowie für öffentliches Grün. Auch Haus- und Balkongärtner finden wertvolle Anregungen. Für 14,80 Euro plus vier Euro Versandgebühr bei Mellifera e.V.: mail@ mellifera.de, Tel. 0 74 28-9 45 24 90

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Foto: Gößwald

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freie Landwirtschaft ist unabdingbar, um die Vielfalt der Kulturlandschaft und eine gesunde Nahrungsmittelerzeugung zu erhalten. Deswegen bedauert der BN, dass Bayern noch immer nicht dem »Europäischen Netzwerk gentechnikfreier Regionen« beigetreten ist. Und der Selbstverpflichtung des Freistaats zum dauerhaft gentechnikfreien Anbau muss die Umorientierung der staatlichen landwirtschaftlichen Fachberatung auf den Einsatz gentechnikfreier Futtermittel folgen.

Foto: Roggenthin

Lebens-Räume Blühende Streifen zwischen landwirtschaftlichen Kulturen bieten ­Lebensraum für Bienen und viele andere Arten.

Foto: Netzwerk blühende Landschaft /Kern

In Brüssel und Bayern müssen jetzt die Weichen für eine endlich wieder artenreichere und dauerhaft gentechnikfreie Landwirtschaft gestellt ­werden. Im Interesse von Mensch und Biene.

Foto: Willner

BN kämpft für blühende Landschaften

Die Autoren Prof. Hubert Weiger ist Vorsitzender des Bundes Naturschutz in Bayern (BN) und des Bundesverbandes BUND. Marion Ruppaner ist BN-Referentin für Landwirtschaft.

Mehr Info im Web Mehr zu den agrarpolitischen Forderungen des BN lesen Sie unter www. bund-naturschutz. de/presse/archiv/ landwirtschaft.


Foto: Roland Günter

Blaue Augen, roter Samt Unter dieser Überschrift zierte die Mohnbiene vor Jahren schon einmal den Titel der »Natur+Umwelt«.

BN kümmert sich um alle Bienenarten

Die wilden Verwandten

Bienenfleißig ist nicht nur die ­Honigbiene. 500 mehr oder weniger pelzige Wildbienenarten stehen ihr als Bestäuber zur Seite.

Foto: Rudolf Hein

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Der Autor Dr. Klaus Mandery engagiert sich als Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Haßberge sowie im BN-Arbeitskreis ­Artenschutz insbesondere für Erfassung und Schutz der Wildbienen.

ildbienen sind nie als Konkurrenten der Honigbiene anzusehen, denn als Einzelgänger können sie die Nektarquellen nicht so systematisch nutzen wie diese. Allen bekannt sind die Hummeln: schwarz mit rotem Hintern meist die Steinhummel, fast durchgehend orangebraun die Ackerhummel, mit gelben Ringen und weißem Hintern die verschiedenen Erdhummeln. Angeblich waren einmal zwölf Hummel­ arten in jeder Feldflur der Standard, heute sind es vielleicht noch die drei genannten. Was sie gegenüber den Honigbienen auszeichnet, ist ihr Pelz, der ihnen eine besondere Kältetoleranz beschert. Damit können sie sowohl bei schlechtem Wetter als auch im Gebirge ihrer Aufgabe als Bestäuber nachgehen.

Allein im Schneckenhaus

Dass dabei alle Bienenarten wie die Honigbiene nur darauf aus sind, Pollen für die Nachzucht zu sammeln, liegt auf der Hand. Die so wichtige Bestäuberleistung ist quasi ein Nebenprodukt. Auch Honig lässt sich bei den Hummeln finden. Ihn sammeln sie in aus Wachs gefertigten »Honigtöpfen« und verfüttern ihn an die Stockgenossen. Damit ist eine weitere Parallele zur ­Honigbiene genannt: Hummeln bilden Staaten, wenn auch kleine.

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Da können die anderen Wildbienenarten nicht mithalten. Sie stehen als einzeln lebende »Solitärbienen« auf einer weniger entwickelten Stufe. Ihre Nester legen zum Beispiel die Sandbienen im Boden, die Holzbiene im Holz, die Schneckenhausbienen in leeren Schneckenhäusern und die kleinen Maskenbienen in ausgenagten Stängeln an. Die Vielfalt der Wildbienen ist so groß wie ihre Bedeutung. Viele Arten sind Generalisten, was die Pollensorte anbelangt; sie besuchen jede verfügbare Blütenart. Andere sind höchst spezialisiert, wie die Mohnbienen (Foto): Ihr Name resultiert aus ihrer Vorliebe für Mohnblätter zum Auskleiden der Nester. Sie schneiden Stückchen von diesen Blütenblättern und bringen sie in das Bodennest, wo sie sie als Schutz vor Verpilzung des eingetragenen Pollenkuchens an die Nestwand drücken. Der blaue Pollen der Mohnbiene stammt von einem anderen »Unkraut« des Getreideackers, der heute seltenen Kornblume. Wer dann noch erfährt, dass die Mohnbiene zur Anlage ihrer Nester Sandboden bevorzugt, kann sich leicht ihre Probleme zusammenreimen: Sie ist als Spezialist – Sandboden, Klatschmohn, Kornblume – über viele Jahre der Intensivierung der Landwirtschaft zum Opfer gefallen. Das Düngen und Spritzen der Felder hat sie auf Gefährdungsstufe 1 der Roten Liste gehoben.

Bund Naturschutz hilft

Dass sich der BN im Vorkommensgebiet der Mohnbiene in Franken mit dem Schwerpunkt im Landkreis Bamberg in vielen Einzelaktionen für diese höchst gefährdete Art einsetzt, liegt auf der Hand. Einen sandigen Acker für das Ackerrandstreifenprogramm zu gewinnen oder eine sandige Brache vom Heckenaufwuchs zu befreien, sind verhältnismäßig leichte, aber äußerst effektive Maßnahmen. Auch mit den vielerorts angebrachten »InsektenHölzern« kann man den gefährdeten Wildbienenarten gut helfen. Ein paar Löcher in ein Holz gebohrt, und schon kann eine spezialisierte Wildbiene drei, vier oder fünf Brutzellen mit Pollen füllen. Den findet sie hoffentlich gleich nebenan im blütenreichen Garten, in dem nicht nur die Garten-Platterbse als Zierpflanze, sondern auch der blaue Natternkopf als Wildkraut seine Daseinsberechtigung hat. Klaus Mandery

Zum Weiterlesen Westrich, Paul: Wildbienen, Die anderen ­Bienen. Verlag Dr. Friedrich Pfeil, 2011, ­ 479 Farbabbildungen, ISBN 978-3-89937-136-9, Euro 19,80 ANL, Laufen: Tiere live, ein Aktionshandbuch für die Umweltbildung. 2010, Ordner, 500 Seiten, Thema Wildbienen bearbeitet von Klaus Mandery, 978-3-931175-95-5, Euro 25,00


Foto: Deutscher Imkerbund e. V. Foto: auremar – Fotolia

Naturschutz macht Spaß, ist gesund und schmeckt gut. Nirgends erleben Sie das besser als beim Einsatz für unsere Bienen. Sechs Tipps von Marion Ruppaner. Heilen mit Honig

Holen Sie sich hochwertigen heimischen Honig, direkt beim Imker in Ihrer Nähe. Damit helfen Sie, seine Existenz zu sichern. Und Sie erhalten ein natürliches, gesundes Lebensmittel, das herrlich schmeckt. Dem naturreinen Honig wird eine antibiotische Wirkung gegen viele Bakterien und Pilzen zugeschrieben. Auch soll er bei entzündlichen Magen-Darm-Erkrankungen helfen und Heuschnupfen-Beschwerden mindern. Wissenswertes rund um den Honig: www.berg-bauerngarten.de/honig

Naturschutz mit dem Einkaufskorb

Auf Biohöfen herrscht Artenvielfalt, schon weil so viele verschiedene Nutzpflanzen angebaut werden – darunter Kleearten, die reichlich Nektar und Pollen für unsere Bienen produzieren. Mit dem Kauf r­egionaler Biolebensmittel fördern Sie also auch die Bienen direkt. ­Übrigens: Auch Streuobstsäfte oder Rinder- und Schafprodukte aus ­speziellen Weideprojekten einzukaufen, ist angewandter Artenschutz. Denn das sichert wertvolle Nahrungsgrund­lagen auch für ­unsere geflügelten Bestäuber.

Keine Gentechnik auf den Tisch

In jedem zweiten Landkreis Bayerns klären aktive Bündnisse zu den Risiken der Gentechnik auf. Nutzen Sie deren Veranstaltungen. Und fragen Sie bei Ihrem Metzger oder im Supermarkt nach Milch und Fleischprodukten mit dem grünen Label »Ohne Gentechnik«. Mehr Infos unter www.buendnisbayern-gentechnikfrei.de und www.keine-gentechnik.de

Paradies im Blumenkasten

Gärtnern in der Stadt kommt immer mehr in Mode. Brachflächen, Gärten, Balkone, selbst Fensterbänke bieten so manches Bienenparadies. Doch nicht alle Zierpflanzen bieten Pollen und Nektar in Hülle und Fülle. Pflanzen Sie keine Blumen wie Geranien mit »gefüllten« Blüten an, denn hier wurde das Staubblatt, das sonst Pollen liefert, in ein Blütenblatt umgezüchtet. Sieht schön aus, doch für Nektarsammler heißt es: Fehlanzeige. Die richtigen Pflanzen für Ihren ­Balkonkasten: www.bluehendelandschaft.de

Helfen Sie Immen und Imkern

Bienenschutz, ein Honigschlecken

Wildwiese statt Einheitsgrün

Auch Hausgärten bieten viele Möglichkeiten, manche Sträucher etwa liefern reichlich Nektar. Oder sparen Sie im Rasen Stellen aus, die Sie nur noch zweimal jährlich mähen, so dass mehr Wildkräuter zum Blühen kommen. Viele Insektenarten danken es Ihnen, und Sie können den schönen Anblick einer Wildwiese genießen. Falls dann Ihr Wunsch nach mehr erwacht, säen Sie doch mal eine Wiesenmischung ein.

Bienenhaltung selbst gewagt

Imkern kann man lernen, am besten beim Kurs an einem Lehrbienenstand. Drei Imkerverbände sind in Bayern für Hobbyimker aktiv: www.lvbi.de; www.v-b-b.net; www.bayerische-imker.de. Wer (Bio-)Imkern lieber im Urlaub lernt, ist beim Verein Mellifera mit seiner Lehrimkerei Fischermühle südlich Stuttgart gut aufgehoben: www.mellifera.de.

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Illustrationen: Schellmoser

Bienenfleißig

Hallo, hier bin ich ­wieder, Bibo, der neugierige Biber. Heute geht’s um Bienen. Ohne Bienen weniger Obst, weniger Klee, w ­ eniger Raps. Honigbienen sind Hausschweine mit Flügeln. Glaubt Ihr nicht? Fragt Bibo!

Saison-Thema

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Wir wollen Blumen

Fotos: Witt

er Bienenfleiß ist sprichwörtlich. Bienen fliegen für ihr Leben gerne. Um ein Kilo des zuckersüßen Honigs herbeizuschleppen, müssen sie sage und schreibe 80 000 Kilometer schaffen. Eine Höchstleistung! Der Bund Naturschutz könnte solche Sammelwut gut brauchen für seine Haus- und Straßensammlung ... Was Bienen dafür brauchen, sind jede Menge Wild- und Kulturpflanzen. Und das ist das Problem: Wo ist für Futterpflanzen noch Platz neben den Maisäckern und Güllewiesen? Noch ein Problem: genverseuchter Honig, denn der Pollen von gentechnisch veränderten Pflanzen mischt sich blöderweise in sauberen Honig. Schlecht für Bio-Imker, denn Bio sollte ja frei von künstlichen Genen sein.

Hausschweine mit Flügeln

Sammelwut

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as glaubt ihr, wie viel Imker es in Deutschland gibt? 800, 8000 oder 80 000? Und wie viele Bienenvölker? 10 000, 100 000 oder 1 000 000? Jeweils die letzte Zahl ist richtig. Imker, so nennen sich die Bienenhalter, gibt es so viele wie Einwohner in Bayreuth. Das bringt einen Ertrag, der Imker nennt ihn Tracht, von 25 000 Tonnen jährlich ein. Nur zur Erinnerung, eine Tonne sind 2000 Gläser Bienenhonig mit 500 Gramm Inhalt. Aber das reicht trotzdem nicht, 75 Prozent des Bienenhonigs holen wir aus anderen Ländern! Wirtschaftlich kommen Honigbienen mit ihren Produkten wie Honig oder noch viel wichtiger Obst gleich nach Rindern und Schweinen an dritter Stelle! Ohne Honigbienen zwei Drittel weniger Obst und außerdem kleinere, weniger lang haltbare Früchte. P.S.: Hier die Auflösung vom letzten Rätselbild: Alles, womit die Maus auf dem Foto ihr Nest isoliert hat, können auch wir Menschen zum Isolieren unserer Häuser verwenden: Tierhaare, Pflanzenstängel, Stofffäden, Papierschnipsel. Allen Einsendern vielen Dank fürs Mitmachen und den Gewinnern herz­ lichen Glückwunsch. Viel Spaß mit den ExperimentierBüchern wünschen wir Nick Scheuplein, neun Jahre, ­Antonia Ort, sechs Jahre und Lucas Krauß, fünf Jahre.

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Gruppenleiter-Ausbildung

Bauen macht Spaß

Für alle von 16 bis 99 Jahre  Modul I von 2. bis 4. März  Modul II am 17. März Im Institut für Jugendarbeit ­Gauting (BJR Bildungshaus) Unsere Gruppenleiter-Ausbildung in zwei getrennten Modulen möchte allen, die mit Kindern in und mit der Natur arbeiten, wirkungsvolles Handwerkszeug vermitteln: Zielsetzungen, Methoden und ­Kompetenzen. Mehr unter jbn.de/gruppenleiter Preis: für beide Module 30 c, einzeln Modul I 25 c, Modul II 15 c

W

ahrscheinlich könnt ihr das Wort schon nicht mehr hören: Wildbienenhotel. Ich wette, dass jede Bund-NaturschutzGruppe schon mindestens einmal im Leben solche Nisthilfen aus Lehm, Schilf und Holz gebastelt hat. Und: Ich wette, dass das immer noch nicht reicht. Denn Wildbienen brauchen einfach ein Zuhause. Dann wette ich noch was: Dass keiner von Euch ein schöneres Wildbienenhotel hinkriegt als das auf dem Bild. Zuschriften bitte an die Redaktion, die muss sich dann den Kopf zerbrechen und entscheiden!

Frühjahrs-JVV

Für alle von 16 bis 27 Jahre  30. März bis 1. April (Osterferien) in Schloss Reimlingen Die Jugendvertreterversammlung der JBN steht für junge, engagierte, aktive, interessierte Leute, die für den Umwelt- und Naturschutz zusammenkommen und gemeinsam Pläne für 2012 schmieden. Wer möchte die Entwicklung und Schwerpunkthemen der JBN mit­ bestimmen und mitgestalten? Preis: 30 c (für Mitglieder 15 c)

Wildbienen

I

Zu Haus im Schneckenhaus

hr kennt Euch doch aus. Also wie viele Wildbienenarten gibt es hierzulande? Richtig, 500! Nicht wenige sind auf die Blüten bestimmter Wildpflanzen festgelegt und besuchen zum Beispiel nur Glockenblumen. Andere nehmen, was sie kriegen. Und längst nicht alle brüten in Wildbienennisthilfen, das macht nur ein Drittel. Die anderen graben Röhren im Sand, kleistern sich Mörtelnester an Felsen oder bauen Schneckenhäuser um. Aber das wisst Ihr ja auch schon längst.

Aufmupf

Sherlock Holmes auf heißer Spur Rätsel lösen und gewinnen

A

lso stellt Euch mal vor, ich stehe gerade auf dem Natur-Erlebnis-Spielplatz Eglfing an einem Blasenstrauch. Es ist Juni, und plötzlich brummt ein dicker Flieger an der Nase vorbei. Ich den Kopf eingezogen vor Schreck, und neugierig wieder ausgefahren. Was war denn das? Nie gesehen? Neu! Nein, kein H ­ubschrauber, keine Hummel, eine Wild…? Genau, schwarzblauglänzend ist sie (es ist eine Sie!), mit drei Zentimeter Länge nur ein bisschen kürzer als ein Streichholz. Aber viel lauter. Diese (noch) seltene Art profitiert von der Klimaerwärmung, sie erobert gerade Bayern. Und sie brütet in morschem Totholz. Mist, jetzt habe ich zu viel verraten, denn jetzt wisst ihr es bestimmt … Wer draufkommt und uns die richtige Lösung schickt, kann diesmal mit ein bisschen Glück tolle WildblumenSamen für Bienen gewinnen. Schreibt bitte an »Natur+Umwelt«, Stichwort Rätselbild, Dr.-Johann-MaierStraße 4, 93049 Regensburg, Fax 0941-2972031, nu@bund-naturschutz.de. Bitte vergesst nicht Eure Adresse und Euer Alter.

Für alle von elf bis 13 Jahre  10. bis 13. April in Wartaweil am Ammersee Aufmüpfig für die Umwelt! Beim Aufmupf gibt’s Survival Training: Naturküche, Feuermachen ohne Streichhölzer, eine spannende ­Wanderung in der Pähler Schlucht und eine Nacht unter freiem ­Himmel. Preis: 110 c (für Mitglieder 90 c)

Infos und Anmeldung

JBN, Trivastr. 13, 80637 München Tel. 0 89-15 98 96-30 Fax 089-15 98 96-33 info@jbn.de, www.jbn.de www.facebook.de/JugendorgBN

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DIE INFOECKE DER JBN | WWW.JBN.DE

Wildbienenhotels


Naturschutz im BN: Die Wildkatze

Der lange Weg nach Hause

Fotos: Stephan

Willkommen ­daheim Nachdem sie in Bayern lange ausgerottet war, kehrt die scheue Wild­ katze nun mithilfe des BN langsam in ihre alte Heimat zurück.

Auf vielen Feldern ist der BN aktiv, ein Kernanliegen bleibt immer der Schutz bedrohter Pflanzen und Tiere. Zum Start unserer neuen Naturschutzserie stellen wir die Wildkatze vor – und die Menschen, die sich für ihre Rückkehr engagieren.

A

nders als die Hauskatze ist die Wildkatze ein echter Europäer. Gemeinsam mit dem Luchs vertritt sie die Familie der Katzen in unseren Wäldern. Und genau wie ihr großer Bruder erobert sie sich erst langsam ihre Lebensräume zurück. Die Wildkatze war, angesichts des Informieren, schönen, scheuen Tiers kaum vor­mitmachen stellbar, in Deutschland förmlich Mehr zum Rettungs»totgeschrieben« worden. Jagdnetz Wildkatze finschriftsteller betitelten sie als den Sie unter www. »Schädling der Wildbahn« und wildkatze.info. »Raubzeug«. Der traurige Erfolg: Sie wollen beim Artenschutz selbst mit Jäger erlegten Hunderte von Wildanpacken? Projekte katzen auf staatliche Anweisung und Mitmachange- und gegen hohe Prämien. bote finden Sie in Anfang des 20. Jahrhunderts war der BUND-Datender Mäusejäger in Bayern ausgerotbank ANNA unter www.projekte.bund. tet. Rückzugsmöglichkeiten fand er nur im Westen und in der Mitte net.

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Deutschlands. Seit einigen Jahrzehnten steht die Wildkatze auch europaweit unter Druck, weil die großen naturnahen Waldgebiete schwinden. Natürliche Feinde hat die Wildkatze heute nicht mehr, aber Mensch, Straßenverkehr und die Zerschneidung ihrer Lebensräume setzen ihr arg zu. Der Bund Naturschutz hat früh erkannt, dass Deutschland als mögliches Bindeglied zwischen den verinselten Vorkommen in West- und Osteuropa künftig eine wichtige Rolle spielen wird. Und so war der Verband bereit, ungewohnte Wege zu gehen: Ein Aufzucht- und Auswilderungsprogramm sollte dafür sorgen, dass die Wildkatze in Bayern wieder Fuß fasst. 1984 startete die Zucht im Bayerischen Wald, später auch im Spessart. Insgesamt wurden bis 2011 über 600 Wildkatzen auf ihr Leben in der Natur vorbereitet.

Brückenschlag für die Wildkatze

Die Auswilderung war erfolgreich: Inzwischen gibt es schätzungsweise

wieder 50 bis 100 Wildkatzen in Bayern. Nun geht es darum, die Lebensräume der scheuen Jägerin vor weiterer Zerschneidung zu bewahren und besser zu vernetzen. Mit ein Grund, warum sich der BN für die großen, geschlossenen Waldgebiete in Bayern einsetzt – und sich zum Beispiel (erfolgreich) gegen die Fichtelgebirgsautobahn gewehrt hat. Große Straßen oder ausgeräumte Agrarlandschaften stellen

Die Europäische Wildkatze (Felis silvestris silvestris)

Verbreitung: Balkan, Iberische Halb­ insel, Schottland, Italien, Ostfrankreich bis Belgien, Teile West- und Mitteldeutschlands Vorkommen in Bayern: Rhön, Spessart, Haßberge, Vorderer Bayerischer Wald (Einzel­funde: Fichtelgebirge, Frankenwald, Oberpfalz) Lebensraum: große, naturnahe Wälder mit geringen Schneehöhen Größe: etwa wie Hauskatze Nahrung: hauptsächlich Mäuse Alter: etwa 7 bis 10 Jahre Unterscheidung zur Hauskatze: Körperbau kräftiger; Schwanz endet stumpf; dunkel abgesetzte Ringe am Schwanzende; verwaschene Fellzeichnung


»Immer wieder aufregend«

Jedes Artenschutzprojekt ist nur so gut wie die Menschen dahinter. Ulrike Geise und Jürgen Thein im N+U-Interview über ihre Arbeit für einen heimlichen Jäger, den selbst sie kaum zu sehen bekommen. N+U: Was fasziniert Sie so an der Wildkatze?

unüberwindbare Hindernisse für die Wildkatze dar. Mit dem »Wildkatzenwegeplan« und dem »Rettungsnetz Wildkatze« wollen BUND (mehr auf Seite B20) und BN gemeinsam der Verinselung der Wildkatzenlebensräume entgegenwirken. So wurden im Herbst 2007 zwischen dem Nationalpark Hainich und dem Thüringer Wald 20 000 Büsche und Bäume gepflanzt – entstanden ist ein neuer Wanderkorridor für die Wildkatze. Analog dazu stellt das Grüne Band in Bayern eine Verbindung zwischen der Rhön, den Haßbergen und dem Coburger Land her.

Haarige Angelegenheit Selbst die Projektbetreuer Ulrike Geise und ­Jürgen Thein bekommen die scheue Wildkatze so gut wie nie zu sehen. Aber dank Haaren auf »Lock­ stöcken« kann deren ­Wiederausbreitung in Deutschland gen­analytisch nachgewiesen werden.

teiligen (Kontakt: wildkatze@bundnaturschutz.de). Auch historische Wildkatzenpräparate oder tot aufgefundene Tiere können für Genanalysen hilfreich sein. Der BN ist für entsprechende Meldungen dankbar. Heidi Tiefenthaler

Mehr Info Bildungspaket Wildkatze: www. bund.net/index. php?id=6636 Infos zur Ausstellung: www.bundnaturschutz.de/projekte/wildkatzen/ austellung

Auf den Leim gegangen

Ob die angebotenen Korridore tatsächlich benutzt werden und wo die Wildkatze neue Lebensräume erobert, das soll ein dreijähriges Lockstockprojekt klären. Dafür werden Holzpflöcke in möglichen bayerischen Wildkatzengebieten ausgebracht und mit Baldrian beködert – womit sie für Katzen nahezu unwiderstehlich sind. Reiben sich die Tiere an den Stöcken, bleiben Haare am Holz hängen und liefern wertvolles Material für Gentests. Freiwillige sind herzlich eingeladen, sich an dieser spannenden Arbeit zu be-

Mit dem LIFE-Projekt »Biotopvernetzung – Netze des L ­ ebens« fördern die EU, die Deutsche Bundesstiftung Umwelt sowie das Bayerische Landwirtschaftsministerium aus der Jagdabgabe die Umweltbildung und Forschung zur Wildkatze.

Jürgen Thein: Die Wildkatze hat von allen großen Raubsäugern die besten Chancen, großflächig nach Deutschland zurückzukommen. Außerdem repräsentiert sie Lebensräume, die bei uns mittlerweile sehr selten geworden sind. Ulrike Geise: Und sie ist ein geheimnisvolles Tier. Obwohl die Art immer schon in Deutschland gelebt hat, weiß man recht wenig über sie.

Wie sieht der Alltag eines Artenschützers aus?

Jürgen Thein: Im Moment bin ich fast jeden Tag draußen in den Wäldern unterwegs und organisiere das Lockstockprojekt. Die Kontrolle ist immer wieder aufregend, weil die Wildkatze eben noch nichts Alltägliches ist. Ulrike Geise: Ich beschäftige mich hauptsächlich mit dem Management. Das Wildkatzenprojekt hat sich mittlerweile zu einem typischen modernen Artenschutzprojekt entwickelt, in dem man sehr viele Menschen mitnehmen muss – von der breiten Bevölkerung über die Presse bis zu den Behörden.

Herr Thein, hatten Sie schon das Glück ­ eine Wildkatze zu sehen?

Jürgen Thein: Glück ist der richtige Ausdruck! Ich mache die Arbeit jetzt seit 2004 und hatte zweimal die Gelegenheit, eine Wildkatze zu sehen. Meine erste Beobachtung werde ich nie vergessen, obwohl sie nur zwei Sekunden gedauert hat. Die Wildkatze wechselte direkt vor mir über den Weg. Ich konnte sie schön von der Breitseite sehen und die wichtigen Merkmale gut erkennen. Ein paar Sekunden, dann ist sie wieder verschwunden.

Frau Geise, was motiviert Sie am meisten?

Ulrike Geise: Dass das Wildkatzenprojekt so erfolgreich ist. Man merkt, dass man wirklich etwas für die Art getan hat. Und ich bekomme viel positives Feedback aus der Bevölkerung.

Wie kann der Einzelne helfen?

Ulrike Geise: Da gibt es einmal das Lockstoffprojekt, an dem sich Menschen dort beteiligen können, wo man Wildkatzen vermutet. Und was überall geht, ist Umweltbildung, beispielsweise mit Kindern. Hier bieten sich das BUND-Bildungspaket Wildkatze oder die Wildkatzenausstellung des BN an.

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Kostbare Schätze an der bayerischen Donau

Kampf für das Erbe der Welt Dass sich einzigartige Naturschätze entlang der niederbayerischen Donau reihen, wissen N+U-Leser seit Langem. Doch auch die Kulturgüter im Gebiet sind einer Auszeichnung als Welterbe würdig. Unterstützen Sie jetzt unseren Appell an die UNESCO.

Ü

Ihre Unterschrift ­ für Ihre Heimat Unterstützen Sie die Initiative des Bayerischen Heimattags, die Natur- und ­Kulturlandschaft niederbayerische Donau als UNESCO-Welterbe auszeichnen zu l­assen. Eine Unterschriftenliste liegt bei. Jede Stimme zählt.

ber Jahrtausende haben Menschen die Welt nach ihren Bedürfnissen geformt. Die dabei entstandenen Kulturlandschaften und -güter haben immer direkten Bezug zur Natur, die sie umgibt, aus der sie hervorgegangen sind und mit der sie in steter Wechselbeziehung stehen. Seit ein paar Jahrzehnten aber werden ursprüngliche Natur, überkommene Kulturlandschaften, oft auch eindrucksvolle Kulturgüter dem technischen »Fortschritt« geopfert, wertvolles Erbe der Welt geht verloren, die Kultur verliert ihre Wurzeln. Unter diesem Eindruck hat die UNESCO das Übereinkommen zum Schutz des Kulturund Naturerbes der Welt beschlossen, das 1975 in Kraft trat. 185 Staaten verpflichten sich darin, das Welterbe ihres Gebietes zu erfassen, zu schützen und zu erhalten. Sie schlagen Stätten, die sie als »einzigartig« und »authentisch« einschätzen, der UNESCO vor, die, wenn ein Vorschlag den definierten Kriterien entspricht, den Titel »Welterbe« verleiht. 2011 waren bei der UNESCO 936 Stätten in 153 Ländern als Welterbe gelistet, 725 als Kultur-, 183 als Naturerbe und 28 Stätten sowohl als Kultur- als auch Naturerbe. Der Bayerische Heimattag, eine 1950 gegründete Arbeitsgemeinschaft von Bund Naturschutz, Landesverein für Heimatpflege und Verband bayerischer Geschichtsvereine, möchte nun alles dafür tun, dass die Donaulandschaft zwischen Straubing und Vilshofen mit dem Isarmündungsgebiet von der UNESCO als nächstes Welterbe der Kultur und Natur ausgezeichnet wird.

Weltweit einmaliger Artenreichtum

Zwischen Regensburg und Passau durchfließt die Donau eine Landschaft, in der sich Natur, Kultur und Geschichte zu einer einzigartigen Symbiose vereinigen. In der Mitte dieser Strecke hat die obere Donau ihren mit 70 Kilometer längsten nicht begradigten Abschnitt. Mit dem Isarmündungsgebiet ist er von größter Bedeutung für die Tier- und Pflanzenvielfalt Mitteleuropas. Manche Arten kommen weltweit ausschließlich hier vor. Die niederbayerische Donauregion ist zudem von größter geschichtlicher und kultureller Bedeutung: als

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eines der ältesten Siedlungsgebiete Mitteleuropas, als Grenzraum des römischen Reichs zu Germanien, als ein Zentrum der Christianisierung des östlichen Mitteleuropas durch Klöster wie Niederaltaich und Metten, als Stätte bedeutender Entwicklungen des Mittelalters und der Neuzeit, dokumentiert durch die Stadtdenkmalensembles von Straubing und Deggendorf.

Gegenwind vom »Fortschritt«

2011 hat der Bayerische Heimattag erstmals vorgeschlagen, die »Natur- und Kulturlandschaft niederbayerische Donau« in eine neue Vorschlagsliste zum UNESCO-Welterbe aufnehmen zu lassen, vorerst leider ohne Erfolg. Doch es gibt keinen Zweifel, dass die niederbayerische Donauregion den Titel »Welterbe« verdient. Erfreulicherweise haben sich inzwischen eine Reihe von Donaukommunen wie Deg­

REGENSBURG

STRAUBING

gendorf, Hengersberg und Niederalteich dieser Initiative angeschlossen. Bis zur offiziellen Anerkennung ist es jedoch ein langer Weg. Er wird erschwert durch Kräfte, denen der hemmungslose »Fortschritt« in Nutzung und Überbauung wichtiger ist als der Erhalt des Kultur- und Naturerbes. Es liegt an uns, deutlich zu machen, dass sich eine große Mehrheit in Bayern des Werts ihrer Kultur- und Naturlandschaft bewusst ist und dass sie den Glanzlichtern ihres Landes die angemessene Anerkennung zukommen lassen will. Fotos: Regensburg: Jasmin /Fotolia.com; Straubing: Otto Durst/Fotolia.com; Bogenberg: Leidorf; Naturschutzgebiet Isarmündung: Scherf; Metten: Christian Tessmer / Fotolia.com; Osterhofen Altenmarkt: Asambasilika.de; Niederalteich: Scherf; Passau: Hendrik Schwartz / Fotolia.com


Ende 2012 soll endgültig über das Schicksal der frei fließenden Donau entschieden werden. Zwei Ausbauvarianten werden derzeit detailliert untersucht – ausgerechnet in Regie der Rhein-MainDonau AG, die an einem Ausbau verdienen will.

D

ie Untersuchungen sollen die Grundlagen für die politische Entscheidung über die Donau zwischen Straubing und Vilshofen liefern. Ende 2012 sollen die Ergebnisse vorliegen und die jahrzehntelange Diskussion um den Ausbau des letzten längeren Freiflussabschnitts der oberen Donau beenden. Von den vielen Planungen, wie die Donau hier zur »modernen« Großschifffahrtsstraße umgebaut werden könnte, sind zwei übrig geblieben:  Variante A mit optimierter Flussregulierung ohne Staustufen und  Variante C280 mit einer Staustufe, einem 2,3 Kilometer langen Schleusenkanal und Abbaggerungen der Flusssohle. Für Variante A, mit der der BN gerade noch leben könnte, hatte sich 2002 der Deutsche Bundestag entschieden, Bayerische Staatsregierung und Rhein-Main-Do-

BOGENBERG METTEN

NIEDERALTEICH

NATURSCHUTZGEBIET ISARMÜNDUNG PASSAU Aufgereiht wie Perlen Baudenkmäler nationalen und ­nternationalen Ranges verknüpfen sich in Niederbayern mit der bedeutenden Flusslandschaft der Donau und der ­Isarmündung – dem ökologisch ­hochwertigsten Mündungsgebiet in Deutschland!

OSTERHOFEN ALTENMARKT [1-12] Natur + Umwelt BN-Magazin 

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Foto: Roggenthin

Der Bock als Gärtner

nau AG (RMD) dagegen setzen sich für Variante C280 ein. 2009 hatte das Bundesverkehrsministerium ein Untersuchungsprogramm aufgelegt, in dem beide Varianten detailliert geplant und die Auswirkungen prognostiziert werden. Dabei sollen sowohl die Effekte für die Binnenschifffahrt als auch die Auswirkungen auf Natur und Umwelt betrachtet werden. Die für die Untersuchungen vorgesehenen 33 Millionen Euro bezahlt zur Hälfte die EU. Sie hat festgelegt, Vertreter aus Wirtschafts- und Umweltorganisationen zu beteiligen, um Transparenz und Unabhängigkeit des Prozesses sicherzustellen. Nach zwei Jahren Mitarbeit in der Monitoring-Gruppe erkennen der BN und die anderen Umweltverbände einerseits an, dass ausführlich über Art und Inhalt der Untersuchungen informiert wird. Andererseits bemängeln sie, dass sie zu wenige Informationen bekommen und kaum Einfluss auf die Untersuchungen selbst nehmen können. Ein Grundproblem ist, dass die Untersuchungen von der RMD gesteuert werden, die selbst vom staugeregelten Donauausbau profitieren will, mit einem großen Bauprojekt und der Möglichkeit, die Wasserkraft zu nutzen. Objektive Entscheidungsgrundlagen sind so nicht zu erwarten. Und tatsächlich vermitteln die bisherigen Untersuchungen den Eindruck, dass auf ein Ergebnis pro Staustufen hingearbeitet wird. Diese hätten aber gravierende Auswirkungen auf die Ökologie der Donauauen und das Isarmündungsgebiet. Es gibt keinen wirtschaftlichen Vorteil, der den Verlust dieser einzigartigen Lebensräume rechtfertigen könnte. Die Umweltvertreter in der Monitoring-Gruppe setzen alles daran, dass ihre Bewertungen integrierter Bestandteil des Abschlussberichts werden, auf dessen Basis dann politisch über die Zukunft der Donau entschieden wird. Eine Entscheidung gegen den Willen der Bürger, die in der frei fließenden Donau und der faszinierenden Artenvielfalt der Donau-Isar-Auen ein wertvolles Stück Heimat sehen, werden der BN und seine Partner nicht hinnehmen. Hubert Weiger, Dieter Scherf

Foto: privat

Zukunft der Donau in Händen der RMD AG?

Die Autoren Hubert Weiger ist Vorsitzender des Bundes Naturschutz in Bayern und des Bundesverbands BUND. Dieter Scherf ist Mitglied des BNLandesvorstands und war lange ­Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Deggendorf.

Zeigen Sie Flagge Das Donaufest, die Schifffahrt auf der Donau und der ­internationale Donaukongress finden auch heuer wieder im Mai, August und Dezember statt. ­Bereits am 15. März befasst sich der ­Bayerische Heimattag erneut mit dem Thema Welterbe Donau. Nehmen auch Sie teil, zeigen wir, dass wir eine Zerstörung der Donau nicht hinnehmen: www. bund-naturschutz. de/kontakt/bn-­ termine.


BN mobilisiert gegen dritte Startbahn Bürger gegen Größenwahn Rund 10 000 Menschen demonstrierten am 29. Oktober in München gegen die dritte Startbahn. Sie machten deutlich, dass ihnen der Schutz von Klima, Natur und Menschen wichtiger ist als die überdimensionierten Wünsche von Lufthansa und Co.

Zerstörte Heimat, Verschwendung von ­Finanzen, enorme Klimalasten – die dritte Startbahn am Flughafen München darf nicht kommen. Deshalb macht der Bund Naturschutz jetzt mobil mit einer Klage gegen den Bau, mit einer Massenpetition und einer neuen Kampagnenwebsite.

N

ach monatelanger intensiver Auswertung des fast 3000 Seiten Text umfassenden Planungsbeschlusses für die dritte Startbahn hat der Bund Naturschutz am 16. Dezember 2011 seine endgültige Klageschrift beim bayerischen Verwaltungsgerichtshof (VGH) eingereicht. Bereits am 4. November 2011 hatte der Bund Naturschutz dem VGH eine erste Begründung für seine Klage geschickt und beantragt, den Sofortvollzug des Startbahnbaus mit einem Eilverfahren zu stoppen. Mit seiner Klage will der Bund Naturschutz Bayerns Bevölkerung wie beim Transrapid vor einer gigantischen Fehlinvestition und einer großen Klima- und Naturzerstörung bewahren.

Rechtswidrig, maßlos, zerstörerisch

Aus BN-Sicht ist der Planfeststellungsbeschluss zudem eindeutig rechtswidrig: Der Bedarf an einer dritten Start- und Landebahn wurde mit fragwürdigen Prognosen zum Flugverkehr hochgerechnet, während man die Kapazität des bestehenden Flughafens herunterrechnete. Ein Bedarf für eine zusätzliche Landebahn, geschweige denn einen Sofortvollzug, ist nicht gegeben. Auch die massiven Schäden für die Natur und die Menschen werden systematisch unterbewertet, obwohl die Flughafenerweiterung eine riesige Fläche wertvollster Feuchtgebiete mit vielen seltenen und bedrohten Tieren und Pflanzen im Erdinger Moos vernichten würde und

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Foto: Lieber

Klage, Massenpetition, Onlinekampagne

damit eine der größten Artenvernichtungsaktionen in Bayern wäre. Doch selbst angesichts dessen werden der Flughafen München Gesellschaft (FMG) nicht die geringsten Abstriche an ihrem Luxus-Ausbau zugemutet.

BN-Erfolg: Sofortvollzug wankt

Die Liste der Mängel, die der Beschluss pro Startbahn aufweist und die ihn stark angreifbar machen, lässt sich in fast allen thematischen Bereichen fortsetzen. Ein erster Erfolg der Klage gegen den Sofortvollzug war zu Redaktionsschluss dieser N+U-Ausgabe bereits absehbar: Der VGH schlug Mitte Dezember vor, das Eilverfahren gegen den Sofortvollzug ruhen zu lassen, wenn die FMG von sich aus bis zum Abschluss des Hauptsacheverfahrens rechtsverbindlich auf den Baubeginn verzichtet. Das würde das Erdinger Moos und die Anwohner zumindest 2012 vor den Baumaßnahmen bewahren. Sollte die FMG nicht verzichten, muss der VGH ein Urteil bezüglich des Baustopps fällen, das nach dieser Aufforderung sehr wahrscheinlich zuungunsten der FMG ausgehen würde.

Startbahn ist politische Entscheidung

Ob die dritte Start- und Landebahn je gebaut wird, ist letztlich aber keine rechtliche, sondern eine politische Entscheidung. Das hier verpulverte Geld würde an anderer Stelle bei dringenden und sinnvollen Projekten fehlen. Der BN-Vorsitzende Hubert Weiger ­appellierte deshalb bei der Großdemo gegen die dritte Startbahn, an der im Oktober vergangenen Jahres in München 10 000 Menschen teilgenommen haben, dafür, das für die dritte Startbahn vorgesehene Geld lieber für eine vernünftige Bürgerbahn in Bayern und ein verbessertes Nahverkehrsangebot in der Region München einzusetzen. Sowohl die Stadt München als auch der Freistaat Bayern als Gesellschafter der FMG können den Ausbau jederzeit politisch stoppen. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer und Münchens Oberbürgermeister Christian Ude müssen sich entscheiden, wem sie einen Dienst erweisen wollen: Bayerns Bürgern oder den


www.dritte-startbahn-stoppen.de

Neu: Online gegen die Startbahn

Wie geht es in der Auseinanderset zung um die dritte Startbahn weiter? Was geschieht im Ger ichtsverfahren? Wann und wo gibt es interessante Term ine und Demos? Wie kann ich helfen? Auf www.dritte-startba hn-stoppen.de finden Sie ab sofort die Antwor ten. Hier können Sie an den Ereignis sen teilhaben und aktiv werden, hier informiert Sie der Bund Naturschutz kurz und prägnant rund um die dritte Startbahn.

In einem Blog hält Sie Dr. Christin e Margraf auf dem Laufenden. Die ­BN-Regionalreferentin für Oberbay ern, langjährige Kämpferin gege n die Startbahn und BN-Beobachterin im ­Gerichtsverfahren b  erichtet von aktuellen Ereignissen, Entwicklungen und Terminen b  egleitet das Gerichtsverfahren und  s orgt so für Transparenz

D  ie Fakten: Stand der Dinge, Pläne, Befürworter und Gegner D  ie Folgen: für Steuerzahler, ­Anwohner, Natur und Klima D  ie Betroffenen: Bürger in der ­Region und ganz Bayern, bedrohte Tiere S  o hilft der BN: Klage gegen die Startbahn, Aktionen, Termine W  ie Sie helfen können: Unterschreiben, Spenden, dabei sein

Unterstützen Sie online mit Ihre r ­ nterschrift oder einer Spende uns U eren Einsatz gegen die dritte Startbahn. Vielen Dank – weitere Akti onen folgen!

www.dritte-startbahn-stoppen.de www.facebook.com/bundnaturschutz

www.dritte-startbahn-stoppen.de rücksichtslosen und scheinbar unendlichen Wachstumswünschen der Lufthansa.

Bürgerbegehren und Massenpetition

Der BN sammelt daher in einem breiten Bündnis seit Ende Oktober 2011 Unterschriften für ein Bürgerbegehren in München. Die Stadt München tritt dem mit einem eigenen Ratsbegehren für die Startbahn entgegen, so dass es in der ersten Jahreshälfte 2012 in München zu einer Abstimmung kommen wird. Ein »Nein« gegen die Bahn würde das Ende der Planungen bedeuten, denn dann muss die Stadt München als Gesellschafter gegen den Bau stimmen. Ein »Ja« zum Flugha-

fenausbau hingegen hieße nur, dass die Stadt München für die dritte Startbahn stimmen kann – aber nicht muss. Der Rest Bayerns kann sich ohnehin nach wie vor anders entscheiden. Um nicht nur die Münchner, sondern alle Betroffenen, das heißt alle bayerischen Bürger, über die dritte Startbahn abstimmen zu lassen, haben der Bund Naturschutz und das Aktionsbündnis aufgeMUCkt eine bayernweite Massenpetition gestartet. Unterschreiben Sie die Massenpetition auf der Unterschriftenliste, die diesem Heft beiliegt, oder auf der neuen Aktionswebsite www.dritte-startbahn-stoppen.de. Dr. Christine Margraf, Richard Mergner (hl)

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Patente auf Leben: Jetzt Druck machen!

Foto: Schmid

Das Europäische Patentamt (EPA) will grundsätzlich klären, ob Pflanzen aus traditioneller Züchtung patentiert werden können. Bereits Ende 2010 hatte die Große Beschwerdekammer des EPA im Falle des Brokkolipatents zwar entschieden, dass solche Verfahren nicht patentierbar sind. Das Verbot bezog sich jedoch nicht auf die damit erzeugten Produkte. Anfang November gab das EPA nun eine entsprechende Entscheidung zum sogenannten Tomatenpatent an

seine Große Beschwerdekammer weiter. Dies könnte zu einem umfassenden Verbot führen. Erst am 26. Oktober hatte ein breites Bündnis, ­darunter der BN, mit über 300 Personen vor dem EPA gegen Patente auf Pflanzen, Tiere und Lebensmittel demonstriert (Bild). Bis zur Grundsatzentscheidung beim Tomatenpatent soll nun der Gesetz­geber zu klaren Verboten im Patentrecht gedrängt werden. Zur Unterschriften­ aktion: www.keinpatent.de.

Starke Partner zum Schutz vor Mobilfunkstrahlung Der BN und Diagnose Funk (DF), eine Organisation zum Schutz vor elektromagnetischer Strahlung, werden in Zukunft enger zusammenarbeiten. Es wird immer deutlicher, dass Mobilfunkstrahlung große gesundheitliche Risiken birgt, vor allem für Kinder. DF und BN wollen gemeinsam aufklären, wie man sich und Kinder schützen kann.

Dazu sollen vor allem Eltern und Lehrkräfte ange­sprochen werden. Hierzu haben mehrere Organisationen gemeinsamen einen InfoFlyer entwickelt. Bei Gesprächen mit Politikern werden BN und DF Vorsorge und gesetzliche Konsequenzen anmahnen. Ein weiterer zukünftiger Arbeitsschwerpunkt wird der geplante Ausbau des digitalen Be-

hördenfunks sein. Es hat sich gezeigt, dass diese Technik den Anforderungen nicht gerecht wird, unkalkulierbare Kosten verursacht und für die Bevölkerung ebenso wie für die Helfer der Blaulichtorganisationen große gesundheitliche Risiken birgt. Weitere Informationen: www. bund-naturschutz.de/ mobilfunk und www. diagnose-funk.org.

Flyer unter www.bund. net/elektrosmog, Link: Kinder & Jugend­liche

Bei einer Exkursion in den Steigerwald hat sich der BN-Beirat im Oktober 2011 erneut für einen Buchennationalpark ausgesprochen. Nur wenige Wochen später bekam er erfreulichen Rückenwind für sein Anliegen: Ein Artikel der Süddeutschen Zeitung (SZ) meldete, der Zukunftsrat der Bayerischen Staatsregierung bekenne sich in seinem noch unveröffentlichten Jahresbericht zu einem Nationalpark im fränkischen Steigerwald. Das Gremium betont laut SZ die besondere Verantwortung des Freistaates für die letzten urtümlichen Buchenwälder. Der BN hofft nun, dass die Regierung ihre eigenen Berater ernst nimmt.

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Natur + Umwelt BN-Magazin [1-12]

Foto: BN

Rückenwind für Steigerwald-Nationalpark


Amphibien- und Reptilienexperten gesucht

Foto: Pivarci

Das Wissen über die Amphibienund Reptilienfauna Bayerns soll in einem Buch dargestellt werden. Das Projekt wird vom BN, dem Landesverband Amphibien- und Reptilienschutz in Bayern (LARS), dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) und dem Landesamt für Umwelt (LfU) gemeinsam gestemmt. Lurche und Kriechtiere sind in Bayern zwar gut erfasst, doch es gibt wesentliche Kenntnislücken und in manchen Regio-

nen liegen nur veraltete Daten vor. Der BN ruft deshalb alle Menschen zur Mitarbeit auf, die entsprechende Biotope betreuen, Amphibien oder Reptilien be­ obachten oder wissen, wo sich welche aufhalten. Weitere Informationen unter www.lars-ev.de/ atlas/aufruf.htm.

Atomausstieg: Nicht bald, sondern jetzt! Am 11. März jährt sich das Atomunglück im japanischen Fukushima. Angesichts der schrecklichen Auswirkungen setzt sich der BN weiterhin für einen sofortigen Atomausstieg ein. Die derzeit festgelegten Abschalt­ termine der bayerischen Atomkraftwerke sind nicht akzeptabel. Dem-

nach gingen Grafenrheinfeld 2015, Gundremmingen B 2017, Gundremmingen C 2021 und Isar 2 erst 2022 vom Netz. Der Bevölkerung weitere zehn Jahre das Risiko eines Atomunfalls aufzubürden, hält der BN für ethisch nicht vertretbar. Als wichtigster Schritt für die Energie-

wende in Bayern muss der Verbrauch von Strom, Wärme und Treibstoff verringert werden. »Wir müssen den Energieverbrauch in Bayern senken, zeitnah um mehr als 20 Prozent und bis 2050 um mehr als 50 Prozent«, so der BN-Vorsitzende Hubert Weiger. Mit neuen Flyern will der

BN die Bevölkerung vor Ort eingehend über die drei bayerischen Atomkraftwerke aufklären und zum weiteren Widerstand aufrufen.

Das Grüne Band Franken-Thüringen entdecken Im sechsten Band der BUNDBuchreihe »Vom Todesstreifen zur Lebenslinie« begibt sich der Leser zwischen Rhön und Thüringer Wald auf eine 140 Kilometer lange Reise entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Dieser Abschnitt hat es in sich: Zu sehen sind beispielsweise die Rhöner Bergwiesen mit ihren

Birkhuhnvorkommen oder die Wanstschrecke im trocken-warmen Grabfeld. Mit spannenden Reportagen, über 300 farbigen Bildern und 30 Tourenvorschlägen führt das auch als Geschenk hervorragend geeignete Buch »Von der Rhön zum Thüringer Wald« zu den schönsten Stellen des Streckenab-

schnitts. Bezug: www.grünesband-wandern.de

Links rechts unten www.umweltbundesamtdaten-zur-umwelt.de Das Umweltbundesamt hat das Rechercheportal »Daten zur Umwelt« komplett aktualisiert. Interessierte finden hier Antworten auf alle wichtigen Umweltfragen.

www.begruener.de/specials/ green-apps/index.html Apps – also kleine Zusatzprogramme für Smartphones – haben sich einen Riesenmarkt erobert. www.begruener.de stellt auf seiner Seite »grüne« Apps vor.

www.deutscheklimafinanzierung.de Auf der neuen Internetseite ­informieren deutsche NGOs ­darüber, wo und wie der deutsche Staat in Entwicklungsländern in Klimaschutz investiert.

www.energie-effizienzexperten.de Die neue Online-Datenbank der Deutschen Energie-Agentur (dena) unterstützt Hausbesitzer bei der Suche nach qualifizierten Energieeffizienz-Experten.

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Nachahmenswerte Geburtstagsidee

Geschenke für die Natur

BN-Mitglied Michael Schauer hat Geburtstag – und eine großartige Idee. Er bittet seine Gäste um Spenden für die Natur. Am Ende kann der BN ein 9500 Quadratmeter großes Grundstück im Grünen Band durch Ankauf bewahren.

Foto: privat

des BN befinden, deren Bewahrung ohne Michael Schauers Einsatz nicht möglich gewesen wäre.

Gutes vervielfacht Der von Michael Schauer und seinen Gästen initiierte Grundstückskauf wurde vom Bayerischen Naturschutzfonds gefördert.

M

ichael Schauers gute Tat hat eine lange Vorgeschichte. Er war einst Schüler der berühmten Dr. Ingeborg Haeckel, einer herausragenden Persönlichkeit des bayerischen Naturschutzes (N+U 2-11). Sie hat sich nicht nur jahrzehntelang und letztlich erfolgreich für die Ausweisung des Murnauer Mooses als Naturschutzgebiet eingesetzt. Sie hat zudem seit den 1940erJahren als Lehrerin in Murnau junge Menschen mit Wissen über Biologie, Erdkunde und Chemie auf das Leben vorbereitet. Einer ihrer Schüler war Michael Schauer, der später in einem Gedicht anlässlich Dr. Haeckels 90. Geburtstag bestätigte, dass sie bei ihm und seinen Mitschülern das Interesse für die Natur geweckt hatte. Die Liebe zur Natur war fortan Bestandteil seines Lebens. Dem Naturschutz und bald auch dem BN eng verbunden, wurde Michael Schauer 1978 zum Schatzmeister der BNKreisgruppe Weilheim-Schongau gewählt und hatte dieses Amt für 20 Jahre inne. In dieser Zeit konnte er viel Geld sammeln, um schützenswerte Grundstücke für den BN zu kaufen und so vor der Zerstörung zu bewahren. Sein Augenmerk galt vor allem den einmaligen Moor- und Feuchtgebieten im Landkreis Weilheim-Schongau. Dabei war er so erfolgreich, dass sich einige einzigartige Gebiete und Biotope heute in der Obhut

Foto: Roggenthin

Reich beschenkt Zu seinem runden Geburtstag wünschte sich ­Michael Schauer von seinen Gästen keine Geschenke für sich, sondern für die Natur. Danke für diese wunderschöne Idee!

Gute Tat sucht Nachahmer

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Der Autor Christian Hierneis ist Mitglied des BN-Landesvorstandes.

Natur + Umwelt BN-Magazin [1-12]

Vergangenen Oktober feierte Michael Schauer runden Geburtstag – und nutzte auch diesen Anlass, um Gutes für die Natur zu tun. Warum, so seine tolle Idee, nicht statt Geschenken um Spenden für den BN bitten? Und zwar konkret für einen Grundstückskauf am »Grünen Band«, dem ehemaligen »Eisernen Vorhang«. Dies schrieb er in die Einladung zu seiner Feier. Die Gäste griffen den Vorschlag gerne auf und spendeten großzügig in die BN-Spendenbox. Über tausend Euro kamen so zusammen, und es fügte sich, dass ein Grundstück im Grünen Band in Niederbayern gekauft werden konnte, bei dem der vom BN zu bezahlende Teil des Kaufpreises exakt der gespendeten Summe entsprach. Und es handelte sich zudem um ein Moor, also genau jene Art von Biotopen, die Michael Schauer immer schon besonders am Herzen lagen. Im persönlichen Gespräch teilte Michael Schauer uns mit, er hoffe, dass seine Aktion viele Nachahmer finden möge. Ob für den Kauf von Grundstücken oder für andere gute Zwecke. Der BN dankt Michael Schauer herzlich für seine gute Idee und dafür, dass die Natur direkt von der Großzügigkeit seiner Gäste profitieren darf! Christian Hierneis

Feste feiern, Freude schenken

Planen auch Sie eine Spendenaktion zu einem besonderen Anlass? Wir unterstützen Sie bei der Vorbereitung mit diesen Materialien:  Textbausteine für Ihr Einladungsschreiben  Spendenbox  Infoblätter für Ihre Gäste  Aufkleber für Ihre Einladungskarten Fordern Sie einfach unser Infopaket mit der Karte am Heftende an.


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Die Gefleckte Taubnessel Lust auf Süßes macht erfinderisch. Bienen und Kinder kennen die Tricks, wie man an den Nektar des »Bienensaug« gelangt.

Foto: privat

M

Die Autorin Dr. Gertrud Scherf hat mehrere ­Pflanzenbücher verfasst.

it purpurfarbenen Blüten schmückt im Frühjahr die Gefleckte Taubnessel (Lamium maculatum) halbschattige Plätze an Waldrändern, Ufern oder in Hecken. Die Blätter ähneln denen der Brennnessel, haben jedoch keine Brennhaare. Leonhart Fuchs schreibt in seinem Kräuterbuch (1543) zu diesem Merkmal der »Taub oder Todtnessel«: »Sie ist aber derhalben also genent/ das jhre bletter gantz todt seind/ vn niemands der sie angreifft/ brennen.« Deutlicher ausgeprägt als bei der Roten Taubnessel sind bei der Gefleckten die dunklen Flecken auf der Unterlippe – so genannte Saftmale, die Insekten den Weg zum Nektar weisen. Dieser liegt am Grund der langen Kronröhre, sodass ihn nur ein langer Rüssel erreicht. Die Bestäubung erfolgt daher überwiegend durch langrüsselige Hummeln. Da die kurzrüsseligen Erdhummeln auf legalem Wege nicht zum Nektar gelangen können, beißen sie oft von außen ein Loch in die Kronröhre: Sie stehlen die Süßigkeit, drücken sich aber um die Gegenleistung der Bestäubung. Der Rüssel der Honigbiene ist kürzer als der Hummelrüssel, sodass sie, auf der Unterlippe sitzend, nur mit einiger Anstrengung erfolgreich saugen kann. Da ist es oft bequemer, den bereits von einer Erdhummel geschaffenen Zugang zu benutzen oder selbst ein Loch in die Kronröhre zu beißen. Auch Kinder wussten, wie man es anstellen muss: Das Ende der Kronröhre in den Mund stecken, saugen – und schon schmeckt man den süßen Nektar. Junge,

Buchtipp: Wildkräuter & Wildfrüchte

In ihrem neuen Buch zeigt unsere ­Autorin Gertrud Scherf, was die Natur jeden Monat neu an Köstlichem zu bieten hat und wie man daraus leckere Gerichte be­reitet. BLV-Verlag, ISBN 978-3-8354-0718-3, Euro 14,95. Bestellen unter Tel. 0 91 23 - 99 95 70, info@ service.bund-naturschutz.de

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Natur + Umwelt BN-Magazin [1-12]

Taubnessel-Wildkräuter-Taschen Für 4 Personen

Quark-Blätterteig 200 g Magerquark 200 g Butter, in Flöckchen 200 g Mehl 1 Prise Salz Füllung 250 g junge Blätter: Gefleckte Taubnessel und andere Kräuter wie Brennnessel, Giersch, Gundermann 2 Zwiebeln 3 Knoblauchzehen 2 EL Olivenöl 60 g Schnittkäse, in Würfeln Salz, Pfeffer  ­Aus Quark, Butter, Mehl und Salz Teig kneten; ­einige Stunden im Kühlschrank ruhen lassen  ­Zwiebeln und Knoblauch abziehen und fein hacken; Blätter von groben Stielen befreien, putzen, waschen, trockentupfen  ­Zwiebeln in Öl glasig dünsten; Blätter und ­Knoblauch zufügen und fünf Minuten dünsten  ­Masse zum Abtropfen auf ein Sieb schütten, ­vorsichtig ausdrücken; auf einem Brett mit dem Messer grob zerteilen  ­Käsewürfel mit Salz und Pfeffer unter das Gemüse mischen  ­Teig ausrollen; Quadrate von zehn Zentimeter ­Kantenlänge schneiden; Gemüsemasse darauf verteilen; Quadrate zusammenklappen, Ränder festdrücken  ­Kräuter-Taschen auf ein mit Backpapier belegtes Backblech setzen; in dem auf 190 °C vorgeheizten Backofen etwa 35 Minuten backen

Zeichnung: Claus Caspari; aus »Der BLV Pflanzenführer für unterwegs«, BLV Buchverlag

Wildpflanzen im Portrait

vor der Blüte gepflückte Blätter und Sprosse bereichern Wildsalate, Suppen, Wildgemüse (siehe Kasten). Die Blüten sind eine essbare Dekoration etwa für Desserts. Geeignet sind auch andere Taubnessel-Arten, insbesondere die Weiße Taubnessel. Der stellenweise massenhaft vorkommende »Bienensaug«, ist kein »Unkraut«, sondern wichtige Nahrungsquelle für Hummeln und andere Wildbienen. Diese leisten unverzichtbare Bestäubungsarbeit, auch an unseren Kulturpflanzen. Trotz des besonderen gesetzlichen Schutzes sind Hummeln vielerorts gefährdet. Sie leiden, weil Lebensräume durch Bebauung verloren gehen und weil Intensivlandwirtschaft die Artenverarmung fördert. Auch moderne versteinte, verkieste und wildkrautfrei gehaltene Gärten bieten Insekten wenig Lebens- und Nahrungsmöglichkeiten. Der Bund Naturschutz weist auf die Bedeutung einer naturverträglichen Landwirtschaft hin und ist überregional, regional und lokal aktiv, um Insektenlebensräume zu erhalten und zu schaffen.


Aufgute Nachbar schaft

Foto: Blickwinkel / Beate Zoellner

Der Bund Naturschutz setzt sich dafür ein, arten­ reiche Stadtbrachen und geeignete Nistplätze unserer Gebäudebrüter zu erhalten – zum Schutz auch des Haussperlings.


Für eine nachhaltigere Landeshauptstadt

Besser essen und fahren in München

Foto: privat

Der Autor Rudi Nützel ist als Geschäftsführer der BN-Kreisgruppe München auch für die Betreuung der Projektstellen zuständig.

Foto: BN-Archiv

Gute Fahrt Dominik Lypp weist Wege zu nach­hal­tiger Mobilität.

B

ekanntlich trägt unser Verkehr erheblich zum Klimawandel bei. Um dies in München zu ändern, versucht Dominik Lypp in ­seiner gleichnamigen Projektstelle »Nachhaltige Mobilität« zu etablieren – mit Auswirkungen auf ganz Bayern. Neben dem Berufsverkehr innerhalb des Ballungsraums München liegt Lypps Augenmerk auch auf dem Freizeitverkehr. In dem Projekt »ZugSpitzen« können Wanderer Touren im Alpenraum mit passendem Fahrplan aussuchen: www.zugspitzen.de. Beim Berufsverkehr liegt Lypps Focus auf der Schaffung neuer ­Tangenten und einer verbesserten Anbindung des Umlands, beispielsweise durch die Tram. Bisher nutzen nur 30 Prozent der Pendler aus dem Umland den Münchner Verkehrsverbund, das Auto bleibt für die meisten erste Wahl. Nur wenn die ­S-Bahn bedarfsgerecht ausgebaut wird, also auf fast allen Ästen eigene Gleise erhält und so vom übrigen Verkehr getrennt wird, werden mehr

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Foto: Projektstelle Ökologisch Essen

Zwei Fachleute arbeiten in der BN-Kreisgruppe München in ­kommunal finanzierten Projektstellen. Dominik Lypp zeigt Wege zu nachhaltiger Mobilität, Elisabeth Peters macht Geschmack auf ökologische Ernährung.

Natur + Umwelt BN-Magazin [1-12]

Deutschland in Betriebsrestaurants, Gastronomie oder Krankenhäusern verzehrt; von 100 000 Großküchen sind bislang nur 2000 bio-zertifiziert. Elisabeth Peters entwickelt für jeden interessierten Küchenleiter eine individuelle Strategie. Sie erläutert Fragen zur Beschaffung und zeigt, wie Mehrkosten aufgefangen werden können. Denn das neue Bio-Angebot soll ja möglichst vielen

Fahrgäste umsteigen. Dieser Ausbau dient auch weiten Teilen Bayerns. Wenn die S-Bahn überall eigene Gleise hat, kann auch der Fern-, ­Regional- und Güterverkehr besser abgewickelt werden. So wäre zum Beispiel die A94 durchs Isental noch unnötiger, wenn die Bahnstrecke von München nach Mühldorf endlich bedarfsgerecht ausgebaut würde. Mehr Pendler und Güter könnten auf die Bahn ausweichen. Manchmal sind es auch spezielle Themen der Stadt München, bei denen Dominik Lypp sich einmischt. Letzten Sommer etwa forderte er die Hauptstädter auf, Bilder von den wahnwitzigsten Radler­ fallen einzusenden. Das Ergebnis: München ist bei Weitem noch nicht die »Radlhauptstadt«, die es vorgibt zu sein.

Große Chancen für große Küchen Bereits seit 1998 berät Elisabeth ­Peters in ihrem Projekt »Ökologisch Essen« Münchner Großküchen bei der Einführung von Bio-Zutaten (www.oekologisch-essen.de). Das Potenzial ist groß, 30 bis 40 Prozent aller Lebensmittel werden in

Guten Appetit Elisabeth Peters weckt in Großküchen Appetit auf Bio.

Gästen »schmecken«, nicht nur von der Speisenauswahl, sondern auch von der Preisgestaltung her. Mit ­einigen großen Unternehmen arbeitet Peters seit der Bio-Einführung kontinuierlich zusammen, sie gibt Anregungen, wie der Betrieb den Bio-Anteil ausweiten kann. Und jedes Jahr kommen neue Kantinen dazu. In einer Bio-Aktionswoche wurden 2011 in zehn beteiligten Unternehmen 30 000 Bio-Essen ausgegeben. Die Projektstelle begleitete die Aktionswoche mit Ankündigungsplakaten, Kostproben und Info­ tischen. Die Gäste nahmen das Angebot sehr gut an, viele informierten sich über den Öko-Landbau und ließen sich Kostproben schmecken. 2012 steht ein neues Modellprojekt auf Elisabeth Peters Plan: In Zusammenarbeit mit der Stadt München will sie den Bio-Anteil in Münchner Kindergärten erhöhen. Dr. Rudolf Nützel (göß)


Foto: Paulus

Die Basalt AG will einen Steinbruch in das bedeutende Wald­ schutzgebiet »Großer Teichelberg« hinein erweitern. Ein Vorhaben, gegen das sich der BN mit allen zur Verfügung stehenden ­Rechtsmitteln wehren wird.

D

ie edellaubholzreichen Buchen- und Blockschuttwälder am Teichelberg bei Pechbrunn im Landkreis Tirschenreuth sind derart wertvoll, dass sie nicht nur als Naturschutzgebiet, sondern auch als FFH-Gebiet und Naturwaldreservat ausgewiesen wurden. Dessen ungeachtet will die Basalt AG dort ihren Steinbruch gleich um 37 Hektar erweitern, obwohl sie auf über 100 Hektar Erweiterungs- beziehungsweise Optionsflächen nördlich von

Teilerfolg: Anfang August vergangenen Jahres hat die Wasserwirtschaftsverwaltung im Landkreis Cham den Abschluss des Schwarzachausbaus gefeiert. Hier hat der

BN in den 1990er-Jahren, beispielsweise durch etliche Pressetermine und Landtagseingaben, entscheidend dazu beigetragen, dass die geplanten massiven Eingriffe reduziert werden mussten. Die ökologischen Belange sind damit nicht völlig einem überzogenen Hochwasserschutzkonzept geopfert worden.

Foto: Kaiser

Klimaschutz zu Fuß: »In die Schule GEH’ ich gern« – unter diesem Motto hat die Kreisgruppe Regensburg im Sommer 2011 an 18 Schulen eine Mitmachaktion gestartet. Einen Monat lang konnten Eltern und Schüler den autolosen Schulweg als eigenen Beitrag zum Klimaschutz erproben. Für jede eingesparte Autofahrt durften die Schüler am großen »Klimabaum« ein neues Blatt abstempeln. Fast 3000 Schüler haben sich beteiligt.

Pechbrunn ausweichen könnte. Bedroht vom Abbauvorhaben ist der Lebensraum höchst seltener Arten wie Wildkatze, Luchs, Hohltaube, Schwarzstorch und Uhu, aber auch ein unersetzliches Naherholungsgebiet. Bereits Anfang der 1990er-Jahre war mit dem Unternehmen ein Kompromiss ausgehandelt worden, der zwar auch zulasten des Naturschutzes ging, dem Gesteinsabbau aber am angrenzenden Natur-

Bibertag: Auch junge Sportler haben Lust auf Natur. Bewiesen hat dies die Kreisgruppe Cham ­Anfang September vergangenen Jahres mit ihrem »Bibertag«. Dort konnten Schüler der Sportschule Bushido nicht nur bei einer spannenden Entdeckungstour im ­Biberrevier, sondern auch beim Gemüseschnippeln für den Mittagseintopf (Bild) und bei der nachmittäglichen ­Bastelrunde ganz unter­ schied­liche Talente an sich entdecken und ihr handwerkliches Geschick er­ proben. Den Kindern hat es einen Riesenspaß gemacht.

Fischen für den Artenschutz: Die Kreisgruppe Amberg-Sulzbach betreut seit 1980 die Kammerweiher im Naturschutzgebiet Pegnitzaue. Um Amphibien und Libellen optimale Entwicklungsmöglichkeiten zu sichern und die für junge Wasservögel gefährlichen Hechte nicht überhand nehmen zu lassen, werden die Weiher regelmäßig abgefischt. Ende Oktober 2011 unterstützte der Auerbacher Sportanglerverein die Kreisgruppe hierbei tatkräftig (Bild).

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NATURNOTIZEN AUS DER OBERPFALZ

Kein fauler Kompromiss am Teichelberg!

»Arche Noah« Teichelberg Den Großteil des Basaltkegels bei Pechbrunn hat die Basalt AG bereits abgebaut. Nun kämpft der BN um die verbliebenen wertvollen Waldflächen.

Foto: Schwemmer

Foto: Paulus

Kreisgruppen Tirschenreuth und Wunsiedel

schutzgebiet eine klare Grenze gesetzt hatte. Die Basalt AG hat diese Festlegung aber offensichtlich nie wirklich akzeptiert. Auf einem Pressetermin am 31.Oktober 2011 haben BN-Aktive der Kreisgruppen Tirschenreuth und Wunsiedel die beantragte Steinbrucherweiterung aufs Schärfste kritisiert. Der BN-Vorsitzende Hubert Weiger machte dabei deutlich, dass es für die geplante Zerstörung der wertvollsten Naturwälder einer ganzen Region keinen Ausgleich geben kann. Der Großteil des Basaltberges ist bereits abgebaut. Für den BN-Kreisvorsitzenden Josef Siller und den BN-Kreisgeschäftsführer Karl Paulus stellt das betroffene Gebiet auf dem Teichelberg eine »Arche Noah der Heimatnatur« dar, die nicht weiter zerstört werden darf. Der BN wird deshalb alle Rechtsmittel ausschöpfen, um den Abbau zu verhindern, und sich auch mit einer Petition an den deutschen Bundestag wenden. Helmut Schultheiß


Fotos: Englbrecht (l.), Willner (r.)

Ausgiebige Verhandlungen zwischen dem damaligen BN-Kreisvorsitzenden Paul Riederer und Oberbürgermeister Josef Deimer führten schließlich zu einem Kompromiss: 20 Hektar erklärte die Stadt als Bauland, als Ausgleich wurden entsprechende Bereiche der Isarleiten Teil des Schutzgebietes. Schon im OktoSchutzgebiet für die Gelbbauchunke Oberbürgermeister a.D. Josef Deimer, ber 2001 trat dann die Verordnung BN-Landesgeschäftsführer Peter Rottner, für das Naturschutzgebiet mit dem Oberbürgermeister Hans Rampf, Regieoffiziellen Namen »Ehemaliger rungspräsident Heinz Grunwald sowie Paul Standortübungsplatz Landshut mit Riederer und Kathy Mühlebach-Sturm von Isarleite« in Kraft. Es umfasst 278,5 der BN-Kreisgruppe (von links) pflanzten Hektar im östlichen Stadtgebiet von gemeinsam eine der Winterlinden zum Landshut und ist mit Einschränkun­Jubiläum des Naturschutzgebiets. Seltene Tiere wie die Gelbbauchunke finden hier gen auch Naherholungsgebiet. einen geschützten Lebensraum. Heute ist der ehemalige Standortübungsplatz der größte und wertKreisgruppe Landshut vollste Lebensraumkomplex von Landshut und stellt ein wichtiges Kerngebiet der Biotopverbundachse Isartal dar. Oder, wie es LandesgeDas zehnjährige Bestehen des Naturschutzgebiets »Ehemaliger Standortschäftsführer Peter Rottner bei der übungsplatz« nahm der Bund Naturschutz im November 2011 zum Anlass Feier am 11. November 2011 ausfür ein ganz besonderes Geburtstagsgeschenk. Gemeinsam mit hoch­ drückte, »ein landschaftliches und rangigen Vertretern der Stadt Landshut und der Regierung von Nieder­ ökologisches Highlight«. Zur Erinbayern pflanzte der BN zehn Linden und spendete einen Gedenkstein. nerung an das zehnjährige Bestehen stiftete der BN einen Gedenkeim Festakt zum Jubiläum des Initiative. Wegen der großen naturstein sowie zehn Linden. Die Stadt Naturschutzgebiets blickten alle schutzfachlichen Bedeutung des übernahm die Kosten für die Begemeinsam auf eine besondere ErGebietes beantragte sie bei der Repflanzung. folgsgeschichte zurück. Denn schon gierung von Niederbayern, das Kurt Schmid (jtw) als sich 1994 abzeichnete, dass mit Areal unter Schutz zu stellen, und der Auflösung der Bundeswehr-­ startete zugleich ein BürgerbegehGarnison Landshut auch das militären, um die Bebauung zu verhinrische Übungsgelände aufgegeben dern. Auf dem Übungsgelände lebwürde und 50 Hektar davon als Bauten seltene Arten wie Wespenbusgebiet ins Gespräch kamen, ergriff sard, Gelbbauchunke oder das Kleidie Kreisgruppe Landshut sofort die ne Tausendgüldenkraut.

Zehn Linden zum zehnten Geburtstag

bieten. Der BN will mit der Aktion zeigen, wie durch verringerten Fleischkonsum das Klima und die eigene Gesundheit geschützt und die negativen Folgen von Massentierhaltung abgemildert werden können. Der BN-Kreisvorsitzende Matthias Schmöller warb auch bei der inzwischen aus dem Amt geschiedenen Landrätin von RottalInn, Bruni Mayer, für die Aktion (Bild).

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Moor renaturiert: Der Schutz der Moore im Bayerischen Wald ist seit langem ein Schwerpunkt der BNKreisgruppe Freyung-Grafenau. Deshalb hat sie im vergangenen Jahr 16 Hektar Moorflächen in

Natur + Umwelt BN-Magazin [1-12]

Grenznähe zu Tschechien erworben und deren Erhalt damit langfristig gesichert. Möglich wurde der Ankauf durch Fördermittel aus dem »Klimaprogramm Bayern 2020« und Geld vom »Grünen Band Deutschland«. Damit ist die Kreisgruppe auch für die notwendigen Pflegemaßnahmen verantwortlich. In einem Hangmoor bei Philippsreut hat sie 2011 beispielsweise den Fichtenaufwuchs entfernt und Entwässerungsgräben geschlossen. »Himmelreich« bald geschützt? Die 20-jährige Auseinandersetzung um den Übungsplatz der Bundespolizei in Deggendorf geht

Foto: Hanschitz-Jandl

Veggie-Tag: Im Februar startet im Landkreis Rottal-Inn die Aktion »Donnerstag ist Veggie-Tag«. Auf Initiative der BN-Kreisgruppe sollen Restaurants, Kantinen oder auch die Lokalzeitung mit einer Rezeptveröffentlichung einmal wöchentlich ein qualitativ hochwertiges vegetarisches Gericht an-

Foto: Kreisgruppe

NATURNOTIZEN AUS NIEDERBAYERN

B

möglicherweise einem guten Ende entgegen: Die Regierung von Niederbayern leitete im Herbst 2011 das Verfahren zur Ausweisung eines gut 100 Hektar großen Naturschutzgebiets ein und der Deg­ gendorfer Stadtrat stimmte mit großer Mehrheit grundsätzlich zu. In dem Gebiet, für das sich der BN seit Langem einsetzt, sollten umfangreiche Baugebiete entstehen, von denen sich ein Teil nicht verhindern ließ. Das »Himmelreich« ist gerade für den Schutz von Wiesenpilzen wie den bunten Saftlingen (Bild) national bedeutsam.


Kreisgruppe Würzburg

Starker Auftritt bei der Mainfrankenmesse

Regionalität ist groß im Kommen – auch beim Essen. Mit ihrer Öko-Schauküche auf der Mainfrankenmesse lag die BN-Kreisgruppe Würzburg voll im Trend.

elch kulinarische Köstlichkeiten sich aus regionalen und saisonalen Zutaten zaubern lassen, hat die Kreisgruppe Würzburg vom 1. bis 9. Oktober 2011 auf der Mainfrankenmesse eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Die in der Halle »Original – Regional« zusammen mit dem Hotel- und Gaststättenverband, der Genießergilde Slow Food und dem Bayerischen Bauernverband betriebene Öko-Schauküche

Foto: Petter

Lebensraum erhalten: Eine Steinbruchfirma aus Kleinrinderfeld will bei Dettelbach im Landkreis Kitzingen einen fast 3000 Quadratmeter großer Steinbruch mit Abraum verfüllen. Dieses Areal hat sich aber über Jahrzehnte hinweg zu einer Arche Noah für seltene Pflanzen- und Tierarten wie Gelbbauchunke, Uhu oder die Rotflüglige Ödlandschrecke entwickelt. Für keine dieser Arten ist nachge-

wiesen, dass ihr Bestand durch Ausgleichs- oder Umsiedelungsmaßnahmen gesichert werden könnte. Zerstört würde auch ein erdkundliches Denkmal; die hoch belasteten Sickerwässer wären ein unkalkulierbares Risiko für das grundwasserleitende Gestein des Trinkwasserbrunnens von Mainstockheim. Der Steinbruch muss für eine Verfüllung tabu sein. Schweinemastanlage gestoppt: Wie Ende Oktober 2011 bekannt wurde, wird die bei Rannungen im Landkreis Bad Kissingen für 4300 Schweine geplante Mastanlage nicht gebaut. Damit sind erhebliche Grundwasserrisiken abgewen-

vitäten unterfränkischer Streuobstinitiativen informieren und den Moritaten der Streuobstballade lauschen. Da passte es gut, dass zwischenzeitlich kleine wie große Kinder ihrer Phantasie beim Basteln mit Naturmaterialien freien Lauf lassen durften. Kein Wunder, dass mehr als 100 000 interessierte Besucher den Weg zum Talaveragelände fanden und die Kreisgruppe Würzburg sich unmittelbar nach der Mainfrankenmesse bei einer Werbeaktion über das 5000. Mitglied freuen durfte. Helmut Schultheiß Foto: Mährlein

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lieferte nicht nur dreimal am Tag leckere Häppchen, auch das von BN-Bildungsreferent Klaus Isberner zusammengestellte Rezeptheft war bei den Gästen heiß begehrt. Norbert Hermann vom BN– Kreisvorstand unterhielt das Publikum mit seinen launigen Kommentaren als Kochshow-Moderator, während Wolfgang Väth, Vorsitzender der Ortsgruppe Eisingen, alle erdenklichen Zutaten für die Köche besorgte – vom Rhönschaf bis zum Bamberger Hörnla. Zudem konnte man sich über die vielfältigen Akti-

det. Sie wären unter anderem durch Gülleausbringung und einen Brunnen entstanden, der die Mastanlage mit 50 000 Kubikmeter Wasser pro Jahr versorgen sollte. Dieser Erfolg ist vor allem dem unermüdlichen Einsatz der örtlichen Bürgerinitiative zu verdanken. Unterstützt wurde sie dabei auch vom BN. Besuchermagnet: Mit einem ­attraktiven Angebot konnte die Kreisgruppe Bad Kissingen im September 2011 wieder fast 1000 Besucher auf das Trimburgfest­ ­locken (Foto). Geboten wurden ­naturkundliche Kurzwanderungen, Infostände, Schnitz- und

­Bastelkurse sowie Köstlich­keiten aus der Bioküche. Mehr wilde Wälder: Bei einem Pressetermin im Riedholz im Landkreis Schweinfurt verdeutlichte der BN im September 2011 die große Bedeutung ungenutzter Wälder. Derzeit machen solche Waldareale ein Prozent der Waldfläche aus. Bundes- und Landesregierung müssen also noch viel unternehmen, um bis 2020 ihr eigenes Ziel wenigstens annähernd zu erreichen und zehn Prozent des öffentlichen Waldes von jeglicher Nutzung frei zu stellen.

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NATURNOTIZEN AUS UNTERFRANKEN

Fotos: Isberner

Regional, vielfältig und mmmmh … Vom Ontarioapfel bis zur Roten Sternrenette – die unterfränkischen Streuobstinitiativen und der BN zeigten, wie lecker Vielfalt sein kann, und als Ohrenschmaus gab es die Streuobstballade.


Kreisgruppen Oberfranken

Keine Energiewende ohne Einsparung

Jeder ist gefragt »Wer Atomausstieg und Energiewende wirklich will, muss mit dem Sparen anfangen«, davon ist Wolfgang Böhm überzeugt. Er ist einer der ­Geschäftsführer der Energieagentur Nordbayern.

N+U: Herr Böhm, gibt es die Energieagentur Oberfranken eigentlich noch? Böhm: Der Verein heißt nach wie vor Energieagentur Oberfranken, und er ist auch weiterhin von Bedeutung. Über ihn läuft die komplette Bürgerberatung in unseren Mitgliedskommunen in Ober-, ­Mittel- und Unterfranken. Mit dem Unternehmen, unserer GmbH, treten wir aber nur noch als Energieagentur Nordbayern auf. Das ist verwirrend, deshalb überlegen wir, den Verein umzubenennen.

Eine WaldZeitReise: Das Kronacher BN-Ferienprogramm »Stadtoase« ist im Sommer 2011 als offizielles Projekt der UN-Dekade »Bildung für nachhaltige Entwicklung« ausgezeichnet worden. 2011 stand unter dem Motto »WaldZeitReise«. Die Kinder lebten wie Waldvölker, arbeiteten mit dem Revierförster, beobachteten die Verarbeitung von Holz und bauten anschließend eigene Werkstücke. Im Jahr 2012 steht das Ferien­ programm unter dem Motto »Küche Open Air«. Fledermäuse belauscht: Das Projekt »Fledermaus-Monitoring Stadt und Landkreis

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Werden die Einsparpotenziale ­unterschätzt? Absolut! Wenn die Menschen wüssten, welche Einsparpotenziale sie allein in ihrem Heizungskeller haben, würden sie sofort loslegen. Wir haben Erfahrung mit Hunderten von Gebäuden. Inzwischen ­behaupte ich: Fast keine Heizungsanlage ist optimal eingestellt!

Natur + Umwelt BN-Magazin [1-12]

Klimaschutzberatung gezeigt: Intensive, neutrale Beratung führt zu besseren Ergebnissen bei der energetischen Sanierung. Das Modell könnte man ohne Probleme auf ganz Oberfranken ausdehnen. Die Bayerische Staatsregierung hat ­unseren Vorschlag seit März 2011 auf dem Tisch.

Was muss passieren, damit das ­Energiesparen besser vorankommt? Aufklärung ist das A und O. In den Landkreisen Kulmbach, Kron­ach und Bayreuth haben wir mit unserer

Forchheim« führt dreimal jährlich Aktive der BN-Kreisgruppe Forchheim, hauptamtliche Naturschützer, Forstleute und Jäger zusammen. Im Juli 2011 »belauschten« wieder elf Aktive an 80 Standorten mit einem Ultraschall-Aufnahmegerät (Bild) jagende Fledermäuse. Die Auswertung zeigte eine erfreuliche Vielfalt: 16 Fledermausarten waren im Landkreis unterwegs. Foto: Kreisgruppe

NATURNOTIZEN AUS OBERFRANKEN

Sie sprechen die Bürgerberatung an. Wie hat sich die Nachfrage seit ­Fukushima verändert? Unsere Telefone standen im Frühjahr und Sommer nicht mehr still.

Aber das waren eher Nachfragen wie »Wo kann ich ein Windrad bauen?« oder »Wie kann ich mich an Solaranlagen beteiligen?«. All das ist wichtig und absolut empfehlenswert, denn wir brauchen den Ausbau der Erneuerbaren. Aber im Energiesparen steckt das eigentliche Potenzial: Die Energiewende wird ohne Sparen nicht funktionieren.

Biotop gesichert: Die BNKreisgruppe Wunsiedel hat im Sommer 2011 den Moosteich in Höchstädt für 20 000 Euro erworben. Die Stiftung Bayerischer Naturschutzfonds förderte den Ankauf des 15 600 Quadrat­ meter großen Flurstücks zu 85 Prozent. Der Rest wurde mit einer Spende der »Community für ­Makrofotografie« und Sammel­ geldern finanziert. Der nicht mehr genutzte Moosteich ist ein schutzwürdiges Feuchtgebiet, das durch Brachfallen gefährdet war. BN-­ Aktive führten im Herbst 2011 Pflegemaßnahmen durch und sicherten das Biotop (Bild). Foto: Paulus

Foto: Energieagentur

1998 hatten die oberfränkischen Landkreise und Kommunen die Energieagentur Oberfranken aus der Taufe gehoben. Durch den Zusammenschluss mit der »Energieregion Nürnberg« ist ein Unternehmen mit 25 Mitarbeitern entstanden – die Energieagentur Nordbayern. Tom Konopka sprach mit dem Geschäftsführer Wolfgang Böhm.

Noch einer? Gegen einen fünften Supermarkt in der 6772-Einwohner-Stadt macht die BN-Ortsgruppe Ebermannstadt/Wiesenttal im Landkreis Forchheim Front. Ein Bürgerbegehren soll den bereits genehmigten Edeka-Einkaufsmarkt im Landschaftsschutzgebiet »Frühgärten« verhindern. 1360 Unterschriften haben die Aktiven der Stadtverwaltung Ende November 2011 überreicht, 800 mehr als nötig. Schließt sich der Stadtrat dem Begehren nicht an, kommt es zum Bürgerentscheid.


Foto: Hastra / Fotolia

Ausverkauf der Alpen geht weiter

Der Bund Naturschutz kritisiert die geplante massive Ausweitung der ­künstlichen Beschneiung am Sudelfeld aufs Schärfste und fordert erneut ein Ende des Wettrüstens mit Schneekanonen in den bayerischen Skigebieten. zentralen Verbotstatbeständen der bestehenden Landschaftsschutz­ gebiete nicht zu vereinbaren. Angesichts der massiven Eingriffe ist auch von erheblichen Verlusten geschützter Biotopflächen und lokaltypischer Pflanzenarten wie verschiedener Enziane auszugehen. Zudem kritisiert der BN den enormen Energie- und Wasserverbrauch. Das geplante Beschneiungskonzept in der relativ niedrigen Höhenstufe des Skigebiets am Sudelfeld ist in Zeiten fortschreitender Klimaerwärmung kurzsichtig und

Händen von Bezirkstagspräsident Josef Mederer (rechts im Bild) die Bezirksmedaille des Bezirks Oberbayern für Naturschutz. Neben vielen anderen Projekten waren es besondere Verdienste von Kneitz, einen Biotopverbund mit hochwertigen Mooren und Feuchtwiesen beim Tüttensee zu schaffen und die Renaturierung des Hochmoors »Ödmoos« bei Traunstein voranzutreiben. Umwelttag: Da es bislang deutschlandweit wenig Umweltprojekte gibt, die gezielt Bürger mit Migrationshintergrund ansprechen, hat der BN einen türkischsprachigen Umwelttag in München organi-

nicht mehr vertretbar. Das Vorhaben widerspricht insgesamt allen Grundsätzen einer nachhaltigen Entwicklung des Alpenraums und ist abzulehnen. Zudem würden eine empfindliche, wertvolle Landschaft dauerhaft entwertet und sinnvolle Maßnahmen für eine zukunfts­ fähige Tourismusentwicklung erschwert. Der BN wird das Thema daher verstärkt in die Öffentlichkeit bringen und zusammen mit anderen Verbänden und Organisationen den Widerstand intensivieren. Kurt Schmid (jtw)

siert. Unter der Schirmherrschaft von Umweltminister Marcel Huber und dem türkischen Generalkonsul Hidayet Eri¸s kamen am 17. Dezember zahlreiche Münchener ins EineWeltHaus. Der Schwerpunkt der Veranstaltung lag auf den Themen Umwelt und Gesundheit. Bedrohtes Geotop: Das bayerische Umweltministerium stuft den Zauberwald am Hintersee in der Ramsau im Landkreis Berchtesgadener Land als eines der 100 schönsten und besonders schutzwürdigen Geotope Bayerns ein. Dennoch will die Wasserkraft Hintersee

GbR dort ein Kleinwasserkraftwerk mit Turbinenhaus errichten. Obwohl der Gemeinderat Ramsau bereits für das Projekt gestimmt hat, haben sich viele Einheimische in einer im Dezember gestarteten Unterschriftenaktion gegen den Bau ausgesprochen. Die BN-Kreisgruppe unterstützt die Aktion.

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NATURNOTIZEN AUS OBERBAYERN

Foto: Kreisgruppe

Ehrung: Ob konzeptionell oder mit praktischer Arbeit – seit über 30 Jahren setzt sich Wolfgang Kneitz im Umkreis von Traunstein aktiv für den Naturschutz ein. Am 14. Oktober 2011 erhielt das langjährige Vorstandsmitglied der Kreisgruppe Traunstein dafür aus den

Kreisgruppen Miesbach und Rosenheim

Foto: Poser

m Jahr 2009 erfuhr der BN zum ersten Mal von den Planungen zur »Modernisierung« des Skigebiets am Sudelfeld im nordöstlichen Mangfallgebirge. Das Vorhaben betrifft mehrere Gemeinden in den Landkreisen Miesbach und Rosenheim. Die Bergbahnen Sudelfeld GmbH plant unter anderem, die Lifte auszubauen und das Beschneiungssystem drastisch zu erweitern. Genaueres wurde bekannt, als Ende September 2011 das wasserrecht­ liche Verfahren für die Beschneiungsmaßnahmen eingeleitet wurde. Die Pläne sehen vor, einen großen, betonierten Speichersee nahe der Walleralm zu errichten, die bestehende Beschneiung von 20 auf insgesamt 71 Hektar auszuweiten, aus dem Auerbach Wasser zu entnehmen, die Pisten entsprechend zu verändern und Erdbewegungen durchzuführen. Der BN hat sich entschieden gegen diese Pläne ausgesprochen und in seiner Stellungnahme ausführlich begründet, warum sie als nicht genehmigungsfähig zu bewerten sind: Die Maßnahmen sind mit

Foto: Fees

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Wettrüsten mit Kunstschnee In dieser Mulde nahe der Walleralm soll der betonierte Speichersee entstehen. Die künst­ liche Beschneiung würde enorme Mengen an Wasser und Energie verbrauchen.


Foto: Altreuther

Foto: vergafoto/ fotolia.com

Kreisgruppe Ansbach

Mit einem Elektrozaun versucht die Oettingen-Spielberg’sche Forstverwaltung den künstlich hoch gehaltenen Wildschweinbestand im eigenen Wald einzusperren. Damit will sie Flurschäden vermeiden. Das Landratsamt Ansbach bestätigte nun die Einschätzung des BN, dass der Zaun unsinnig und rechtswidrig ist.

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er elf Kilometer lange Elek­ trozaun wurde im Frühjahr 2010 am Nordrand des Oettinger Forstes errichtet. Er riegelt ein riesiges Waldgebiet gegen Wildabwanderung ab und soll Wildschweinschäden auf benachbarten Fluren verhindern. Damit handelt es sich nicht um einen Kulturzaun, wie ihn Waldbesitzer zum Schutz der Waldverjüngung für begrenzte Zeit genehmigungsfrei errichten dürfen.

NATURNOTIZEN AUS MITTELFRANKEN

Jubiläum 1: Über 100 Umweltfreunde feierten Mitte Oktober 2011 das 40-jährige Bestehen der Kreisgruppe Höchstadt-Herzogenaurach. Festredner Hubert Weiger würdigte die großen Verdienste der Aktiven, beispielsweise beim Erhalt des Naturschutzgebietes Mohrhof. Zu einem GEO-Tag der Artenvielfalt hatte die Kreisgruppe anlässlich ihres Jubiläums bereits Anfang Juni 2011 nach Adelsdorf eingeladen. Dabei wurden 691 Tier- und Pflanzenarten entdeckt (Bild).

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Angesichts der seit Jahren massiven Schäden hat der BN durchaus Verständnis für die Nöte der Landwirte. Allerdings sind die Ursachen für die Bestandsexplosion zu einem großen Teil hausgemacht: Insbesondere der großflächige Maisanbau schafft traumhafte Nahrungs- und Deckungsbedingungen für Wildschweine. Im vorliegenden Fall wird das Problem durch ganzjährige Fütterung, die einer Mast gleichkommt, verschärft. In Wirklichkeit geht es hier um das Vorhalten eines hohen Wildbestandes aus jagdlichen Gründen. Zu einem verfassungsrechtlichen Problem wird dies, wenn zur

Südspange gestoppt: Riesige Freude beim Bannwaldbündnis Feucht-Wendelstein und beim Bund Naturschutz: Die sogenannte Südspange zum Gewerbegebiet Nürnberg-Feucht-Wendelstein durch den Reichswald ist ­Geschichte. Sie hätte acht Hektar Wald auf Wendelsteiner und Feuchter Gebiet gekostet und den Wald mit einer umzäunten Trasse durchschnitten. Der Zweckverband Gewerbegebiet NürnbergFeucht-Wendelstein hat am 2. November 2011 beschlossen, die Südanbindung vorerst nicht weiterzuverfolgen.

Natur + Umwelt BN-Magazin [1-12]

vermeintlichen Problemlösung die Bevölkerung am freien Betreten des Waldes gehindert wird und zudem massive ökologische Folgeprobleme, etwa durch das Zerschneiden von Wildkorridoren, auftreten. Dass dies der Fall ist, haben das Land­ ratsamt Ansbach und der baye­ rische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner eindeutig festgestellt. Folgerichtig hat das Landratsamt Anfang September 2011 die Besei­ tigung des Zaunes verfügt. Die Entscheidung ist ein Sieg des Allgemeinwohls gegenüber Privatinteressen. Der Bescheid ist bayernweit von grundsätzlicher Bedeutung, weil das hausgemachte Schwarzwildproblem auch in vielen anderen Gebieten besteht. Beseitigt ist das Hindernis indes noch nicht, weil das »fürstliche Haus« Klage eingereicht hat. Begründung und Urteil stehen noch aus. Helmut Altreuther (ht)

Jubiläum 2: Mit einem Sektempfang feierte die Kreisgruppe Erlangen Ende Oktober 2011 ihr 40-jähriges Bestehen. Die seit 22 Jahren amtierende Vorsitzende Doris Tropper konnte nicht nur ihre beiden Vorgänger Ernst Fink und Hans Heinrich begrüßen, sondern auch zahlreiche Ehrengäste des Landkreises und der Stadt Erlangen. Der BN-Landesvorsitzende Hubert Weiger verwies in seiner Festrede auf den Kampfgeist der Erlanger, etwa für den Reichswald oder gegen die Müllverbrennungs­ anlage in Frauenaurach. Flächenverbrauch: Bei einer Aktion gegen den geplanten Neubau einer

Ortsumfahrung von Langenzenn machten BN-Aktive Anfang Oktober 2011 auf den Flächenverbrauch in Bayern aufmerksam. Sie bedeckten eine Wiese innerhalb von drei Minuten mit 300 Quadratmeter schwarzer Folie. Regina Heeren vom BN: »Wir wollen die letzten Naturräume bewahren. Immerhin handelt es sich hier um ein ­euro­päisches Schutzgebiet.«

Foto: Konopka

BN-Erfolg: Der Zaun muss weg!

Foto: Liepelt

Falscher Ansatz Einerseits wollen manche Waldbesitzer aus jagd­ lichen Gründen viele Wildschweine auf ihrem Gebiet. Andererseits sollen diese keinen Schaden auf den benachbarten Feldern anrichten. Dass ein Elektrozaun keine Lösung für dieses hausgemachte Problem sein kann, hat jetzt das Land­ rats­amt Ansbach entschieden.


Die in Ettringen geplante zweitgrößte Müllverbrennungsanlage Bayerns wird nicht gebaut. Nach einer Klage des Bundes Naturschutz hat die Firma Lang-Papier ihren Bauantrag zurückgezogen. Die Anlage hätte einen massiven Rückschritt für die bayerische Abfallwirtschaft bedeutet, da dort recyclebare Wertstoffe verbrannt worden wären. chon seit Jahrzehnten setzt sich der BN für eine stärkere Abfallverwertung ein. Eine aktive Auf­ klärung der Bevölkerung und neue gesetzliche Rahmenbedingungen haben bereits dazu geführt, dass die Recyclingquote in Bayern heute bei rund 70 Prozent liegt. 1988 waren es noch 30 Prozent. Doch trotz dieser Erfolgswerte und obwohl heute bekannt ist, dass die Verbrennung von Gewerbemüll und recyclebaren Keine Umgehung: In einem Bür­ ger­entscheid am 4. Dezember 2011 haben die Bürger von Buttenwiesen im Landkreis Dillingen mit fast 55 Prozent die geplante Umgehungsstraße um mehrere Ortsteile der Gemeinde abgelehnt. Die BNOrtsgruppe Buttenwiesen mit ihrem Vorsitzenden Gernot Hartwig waren die Hauptkämpfer für den Erhalt des Zusamtales. Mit viel Engagement und zahlreichen ­Veranstaltungen konnten die BN-­ Aktiven die Bürger von der Unsinnigkeit der Straßenplanungen überzeugen. Mollusken erforscht: In den Feuchtflächen der Allgäuer Nie-

Wertstoffen eine unverantwortbare Ressourcenverschwendung darstellt, hatte das Landratsamt Unterallgäu die Pläne der Firma LangPapier zum Bau einer Müllverbrennungsanlage im Oktober 2010 genehmigt. Geplant war die zweitgrößte Anlage Bayerns, deren Rauchgasreinigung noch dazu weit hinter dem Stand der Technik zurückgeblieben wäre.

dermoore kommen europaweit bedeutsame Tierarten vor. Doch während viele andere Tier- und Pflanzenarten gut untersucht und dokumentiert sind, fehlt es an Informationen über Weichtiere (Mollusken). In einer von der Glücksspirale und der BN-Kreisgruppe Kempten-Oberallgäu finanzierten Untersuchung konnte dieses Defizit nun behoben werden. Daraus ergeben sich auch neue Kriterien für die Biotoppflege: Die Ergebnis-

Foto: Klemm

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se gibt es ab März unter www.kempten.bund-­ naturschutz.de.

Bürgerprotest Der Protest von Bürgern und BN zeigte Wirkung, die geplante Verbrennung von Wert­ stoffen und Klärschlamm ist vom Tisch.

Neues Agrarbündnis: Auf Initiative der BN-Kreisgruppe gründete sich im Herbst 2011 im Landkreis ­Unterallgäu ein regionales Agrarbündnis. Gemeinsam möchten die Mitglieder des Bündnisses für eine ökologischere und gerechtere ­lokale Agrarpolitik werben. Veranstaltungen zur europäischen ­Agrarreform 2014 haben bereits zu einer lebhaften Debatte über die Neuausrichtung der Agrarförderungen geführt. Eine Erklärung der zehn Bündnis-Mitgliedsverbände aus Landwirtschaft, Naturschutz

und Entwicklungszusammen­ arbeit steht im Web: www.bundnaturschutz.de/landwirtschaft. Erlebnis Apfel: Im Oktober 2011 veranstaltete die BN-Ortsgruppe Holzheim im Landkreis Dillingen wieder ihr traditionelles Apfel-Erlebnisfest. Alle zwei Jahre können sich die Besucher dabei in einem bunten Programm über die Anlage und Pflege von Streuobstwiesen informieren, ihre eigenen Äpfel pressen oder verschiedene Apfel­ sorten probieren.

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NATURNOTIZEN AUS SCHWABEN

Foto: Frey

Erfolg für ökologische ­Abfallwirtschaft

Die BN-Kreisgruppe Memmingen-Unterallgäu setzte sich gemeinsam mit der Bürgerinitiative »Gesundes Wertachtal« seit 2008, als die Pläne bekannt geworden waren, mit zahlreichen Demonstrationen und Kundgebungen vor Ort gegen den Bau ein. Als letztes Mittel reichte der BN mit Unterstützung der Bürgerinitiative im November 2010 Klage gegen das Vorhaben ein, was eine mehrjährige Verzögerung des Baubeginns bewirkte. Nach einem Eigentümerwechsel im Sommer 2011 zog der neue Inhaber der Papierfabrik den Bauantrag zurück – ein großer Erfolg für den BN. »Das Aus für das Ersatzbrennstoffkraftwerk Ettringen ist ein großer Gewinn für eine nachhaltige ressourcenschonende Abfall-Kreislaufwirtschaft in Bayern«, kommentierte der BN-Landesbeauftragte ­Richard Mergner das Einlenken des neuen Besitzers. Jetzt würden die Türen für ein neues ökologisches Energiekonzept in der Ettringer Papierfabrik offen stehen, freute sich auch Armin Weh von der Kreisgruppe Memmingen-Unterallgäu. Thomas Frey (jtw)

Foto: Kraus

Kreisgruppe Memmingen-Unterallgäu


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entechnikfreiheit auf dem Vormarsch: Die meisten Menschen Sommer in lehnen gentechnisch veränderte BeSchwaben standteile in Lebensmitteln ab, die Die BN-Ökostation Schwaben bietet im gentechnikfreien Regionen in BayAugust eine geführte ern nehmen zu – so auch im Allgäu: Radtour sowie ein Hier bildet sich derzeit ein Netzwerk Ferienprogramm für Gentechnikfreiheit, bestehend unter dem Motto aus Landwirten, Imkern, Verbrau»Gscheit essen« für chern und Handel. Grundschulkinder Doch lassen sich gentechnikfreie an: www.oekosta­ Produktionsverfahren angesichts tion-schwaben.de weltweiter Handelsströme und unterschiedlicher Zulassungsverfahren überhaupt garantieren? Auf welchen Wegen können gentechnisch veränderte Bestandteile ins Essen

In Schulen und Museen

Frl. Brehms Tierleben

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lfred Brehms Tierleben kennt fast jeder – heute gibt es Fräulein Brehms Tierleben. Und genau wie Alfred schaut sich Fräulein Brehm die Tiere ganz genau an, vor allem die gerade nach Deutschland zurückkehrenden großen Beutegreifer Luchs, Wolf und Bär. Ihre Erfahrungen gibt Fräulein Brehm in Form eines unterhaltsamen Wissenschaftstheaters weiter: Bei Auftritten in Schulen und Museen erzählt die sympathische Protagonistin, als Naturforscherin verkleidet, lebhaft

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Natur + Umwelt BN-Magazin [1-12]

gelangen, und was kann man selbst mit seinem Einkaufsverhalten erreichen? Aktuelle Informationen rund um diese Fragen bietet der »Gen-Talk für ein gentechnikfreies Allgäu«, den die BN-Ökostation Schwaben und die BN-Kreisgruppe Kempten-Oberallgäu zusammen mit der Initiative »GENial« der Allgäuer Landkreise und Gemeinden, dem Bioring Allgäu und dem Imkerverband Oberallgäu ausrichten. Als Gesprächspartner informieren und diskutieren die Sprecherin des BN-Arbeitskreises Gentechnik Martha Mertens, der Präsident des Europäischen Berufsimkerverbandes Walter Haefeker, Monika Mayer, Kreisbäuerin des Bayerischen Bauernverbands und Biobäuerin, und Alexander Hissting vom Verband »Lebensmittel ohne Gentechnik«. Die Moderation übernimmt der stellvertretende Oberallgäuer Landrat Anton Klotz.  Sulzberg bei Kempten, 27. April 2012 Kontakt: BN-Ökostation Schwaben, Tel. 0 83 23-9 98 87 40, kemptenoberallgaeu@bund-naturschutz.de

und doch wissenschaftlich fundiert von ihren Beobachtungen und Begegnungen mit einheimischen Tieren. Der Inhalt von Fräulein Brehms Koffer – Fotos, Aufnahmen von Tierstimmen, Filme und Exponate wie Sendehalsbänder, Fell und Knochen – garantiert Lernen durch Erleben im Klassenzimmer, der Aula oder im Museum und ergänzt in idealer Weise den Unterricht oder Fachvortrag. Das BN-Bildungswerk bietet die ersten 60 Auftritte von Frl. Brehms Tierleben zum Sonderpreis an.  Termine und Buchungen: BN-Bildungswerk, Tel. 09 412 97 20 42, bildungswerk@bundnaturschutz.de

Botschafter der Wildnis Auf leisen Pfoten durch den Wald

Waltraud muss nicht nur ex­ trem scharfe Augen und Ohren haben, um überleben zu können, sie muss auch sehr schnell sein und eine gute Nase besitzen! Kinder und Eltern schlüpfen in die Rolle von Wildkatze Waltraud und lernen dabei Spannendes über das seltenste Säugetier Deutschlands.  Würzburg, 6. Mai 2012 Kontakt: BN-Ökostation Unterfranken, Tel. 09 31-4 39 72, info@ bn-wuerzburg.de

Foto: BN Würzburg

Foto: Bartussek/ fotolia.com

Gen-Talk für ein gentechnikfreies Allgäu

BN-SEMINARE IM FRÜHLING

Wir wollen wissen, was wir essen

Neues vom Biber

Im Mittelpunkt des Praxisseminars für Umweltpädagogen, Naturführer und Lehrer stehen Spiele und pfiffige Ideen, die den Biber verschiedenen Alters- und Zielgruppen näher bringen sollen.  Regensburg, 3. März, und Würzburg, 21. April 2012 Kontakt: BN-Bildungswerk Regensburg, Tel 09 41-2 97 20 42; bildungswerk@bund-naturschutz.de

Projektentwickler für Energiegenossenschaften

Für eine umweltgerechte dezen­ trale Energiewirtschaft braucht es engagierte Fachleute in der Region. Die Fortbildungsreihe stattet Interessenten mit den Kompetenzen aus, um lokale und regionale Energiegenossenschaften in der Gründungsphase und bei der Konzeptentwicklung zu unterstützen.  Bad Alexandersbad, 12. – 14. März und 16. – 18. Juli, und Feuerstein, 21. – 24. Mai Kontakt: Evangelisches Bildungs­ zentrum, Tel. 0 92 32 -99 39 21, www.ebz-alexandersbad.de


BN-VERANSTALTUNGEN UND WEITERE TERMINE

Kleiner bayerischer Heimattag

Hier treffen sich die drei Verbände, die den Bayerischen Heimattag bilden: Bund Naturschutz, Landesverein für Heimatpflege und Verband der bayerischen Geschichtsvereine. Thema: die Donau und der angestrebte Welterbetitel für die Region zwischen Regensburg und Passau. Der Heimattag steht allen Interessierten offen.  Straubing, 15. März 2012

Gscheit essen

Ob an Biertischen in der Fußgängerzone, Bistrotischen an Umweltstationen, auf der Wiese in Gemeinschaftsgärten, an Freizeitanlagen oder in Kulturzentren: 2012 laden die Akteure der Umweltbildung zum Diskutieren über Wege zur nachhaltigen Ernährung ein. Zum Auftakt gibt es ein Fastenessen, u.a. mit Umweltminister Marcel Huber und dem BN-Vorsitzenden H ­ ubert Weiger.

Energiesparen im Gewerbe

Seminar für Gewerbetreibende und alle Interessierten.  Amberg, 30. März 2012 Kontakt: Landratsamt AmbergSulzbach, Tel. 0 96 21-3 91 70, herrle@amberg-sulzbach.de

GEO-Tag der Artenvielfalt

Alle Naturfreunde sind dazu aufgerufen, möglichst viele verschiedene Tier- und Pflanzenarten zu entdecken – egal ob auf der Wiese, im Feldgehölz, am Flussufer oder in der Kiesgrube.  Deutschlandweit, 16. Juni 2012 Kontakt: GEO, Tom Müller, Tel. 0 40-3 70 327 32, mueller.tom@ geo.de

Donaufest

Beim großen Fest für die Donau gibt es Infostände, Exkursionen in die Auwälder, Kinder-Aktionen, Essen, Trinken und Musik. Die Großdemo am Nachmittag setzt ein Zeichen für die frei fließende Donau.  Niederalteich, 17. Mai 2012 Kontakt: BN-Kreis­gruppe Deggendorf, Tel. 09 91-3 25 55, bund-naturschutz@degnet.de

BN-STUDIENREISEN | TEL. 09 11 -5 88 88 20

Frankenweg

Diese besonders auch für aktive Senioren geeignete Wanderreise führt zu den schönsten Abschnitten des 520 Kilometer langen Frankenweges mit malerischen Tälern und verwunschenen Tropfsteinhöhlen.  Bayern, 9. – 14. April 2012

Wanderparadies Elba

Frühling am Mittelmeer! Die Insel Elba ist ein Naturparadies mit Bergen, Buchten und Wäldern – ein

Foto: BNS

Der Parco Delta del Po ist das größte geschützte Feuchtgebiet Italiens. Er umfasst Land, Küste und Fluss. Wo Salz- und Süßwasser ineinanderfließen, leben über 280 Vogelarten.  Italien, 6. – 12. Mai 2012

Foto: Parco Delta del Po

Foto: Herrmann

Regionalpark Po-Delta

ideales Wanderrevier. Zu Fuß geht es durch die mediterrane Macchia zu kleinen Buchten mit kristallklarem Wasser.  Italien, 26. Mai – 4. Juni 2012

TIPPS FÜR RADIO UND FERNSEHEN Unkraut

Berichte über Entwicklungen im Umwelt- und Naturschutz, ökologische Hintergründe und Umweltsünden.  Bayerisches Fernsehen, jeden zweiten Montag, 19:00 bis 19:45 Uhr

Unser Land

Aktuelles aus Landwirtschaft, Umwelt- und Verbraucherschutz, mit Garten- und Freizeittipps.  Bayerisches Fernsehen, jeden Freitag, 19:00 bis 19:45 Uhr

ZDF Umwelt

Energiesparen, Artenschutz, Essen und Trinken: Hier gibt es »natur­ nahes Fernsehen«.  Zweites Deutsches Fernsehen, jeden Sonntag, ab ca. 13:00 / 13:30 Uhr

Herausgeber: Bund Naturschutz in Bayern e. V. (BN), vertreten durch Peter Rottner, Landes­ geschäfts­führer, Dr.-Johann-Maier-Str. 4, 93049 Regensburg, www.bund-naturschutz.de Leitender Redakteur (verantw.): Manfred Gößwald (göß) Redaktion: Holger Lieber (hl), Christoph MarklMeider (cm), Ursula Schulte (us), Heidi Tiefen­ thaler (ht), Tel. 09 41-2 97 20-22, Fax -31, nu@bund-naturschutz.de Mitglieder-Service: Tel. 09 41-2 97 20-29 und -20 Gestaltung: Gorbach GmbH, Utting a. Ammersee (Layout: Waltraud Hofbauer) Titelfoto: Wolfgang Willner Litho: Fotosatz Amann, Aichstetten Redaktion BUND-Magazin: Severin Zillich (verantw.), Am Köllnischen Park 1, 10179 Berlin, Tel. 0 30-27 58 64-57, Fax -40 Druck und Versand: Brühlsche Universitätsdruckerei Gießen Verlag und Anzeigen: BN Service GmbH, Eckertstr. 2, Bahnhof Lauf (links), 91207 Lauf an der Pegnitz, Tel. 0 91 23-9 99 57-30, Fax -99, info@service.bund-naturschutz.de Auflage: 103. 000 Bezugspreis: Für Mitglieder des BN im Beitrag ­ent­­halten, für Nichtmitglieder Versandgebühr ISSN 0721-6807 BN-Konto: Bank für Sozialwirtschaft, Konto 8 885 000, BLZ 700 205 00 BN-Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft, Konto 8 844 000, BLZ 700 205 00 Mit Namen gezeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder des BN wieder. Nachdruck nur mit Geneh­migung des BN. Für unverlangt eingesandte Artikel oder Fotos keine Gewähr. Die Redaktion behält sich das Recht vor, Leserbriefe zu kürzen. »Natur+Umwelt« wird auf 100 % ­Recycling­­papier gedruckt.

Aus Landwirtschaft und Umwelt Tipps und Infos zu Lebensmittelpreisen, Gentechnik, Almwirtschaft und vielem mehr.  Bayern 5, jeden Sonntag, 7:05 bis 7:30 Uhr und 22:35 bis 23:00 Uhr

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IMPRESSUM

Auf ein Wort! Es gibt klare Ansagen zur Umweltpolitik, außerdem Musik und für das leibliche Wohl ist ebenfalls gesorgt. Herzliche Ein­ ladung an alle!  Plattling, 22. Februar 2012 Kontakt: BN-Kreisgruppe Deggendorf, Tel. 09 91-3 25 55, bundnaturschutz@degnet.de

Kontakt: BN-Kreisgruppe Straubing,  Augsburg, 18. März 2012 Tel. 0 94 21-25 12, straubing@ Kontakt: www.umweltbildungbund-naturschutz.de bayern.de Foto: Monkey Business/fotolia.com

Umweltpolitischer Aschermittwoch


Ein Fest steht an? Sie feiern Geburtstag, Einweihung, Jubiläum, Ihre Pensionierung oder ein Firmenevent? Dann bitten Sie Ihre Gäste doch um ein besonderes Geschenk: Wünschen Sie sich einfach von jedem Gast eine Spende für den BN. Das ist eine außergewöhnliche Idee. Und ein großes Geschenk für die Natur. Es dient dem Erhalt ihrer Schönheit und somit uns allen – heute und morgen.

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Bund Naturschutz in Bayern e.V. Landesgeschäftsstelle Dr.-Johann-Maier-Straße 4 93049 Regensburg

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Claudia Ciecior-Bordonaro Tel. 0941/29720-34 Fax 0941/29720-31 claudia.ciecior-bordonaro@ bund-naturschutz.de

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