Page 9

2.03N+U_3-42_sonder

07.03.2008

18:45 Uhr

Seite 9

Unbändiges Bayern Manchmal geben 0,96 Prozent den Ausschlag. Wie bei der Donau. Der letzte frei fließende Abschnitt innerhalb Deutschlands nimmt zwar nur 70 von insgesamt 7300 Kilometern deutscher Wasserstraßen ein, doch die haben es in sich: Letzter Engpass für den Schiffsverkehr, wettern die einen, letzte großräumige und naturnahe Auenlandschaft Mitteleuropas, schwärmen die anderen. Konflikt war also programmiert, als die bayerische Staatsregierung 1991 ihre großtechnischen Ausbaupläne für das Prozent-Stück zwischen Straubing und Vilshofen publik machte. Keine sieben Wochen dauerte es, bis sich aus Kreisen des Bundes Naturschutz heraus die erste Bürgerinitiative formiert hatte. Weitere Bündnisse wurden geschmiedet, um den Widerstand möglichst stark in der Bevölkerung zu verankern. Ob Fischer, Bauern, Wanders- oder Kirchenleute – der BN brachte sie zusammen. Bald hatte die Donau Tausende von Fürsprechern entlang der Ufer, aber auch im ganzen Land. Selten hat ein Naturschutzverband ein farbigeres Protestbukett gebunden. Die Aktionen reichten von Kanu-Demos und JugendCamps über Dokumentarfilme, Benefiz- und Open-Air-Festivals bis hin zu Grundstückskäufen, Alternativgutachten und wissenschaftlichen Kongressen. Es stellte sich heraus: Umweltfreundlicher Güterverkehr per Schiff und lebendige Flüsse sind kein Widerspruch. Die Bayerische Staatsregierung und die Binnenschifffahrt beharren zwar noch auf Staustufen, doch der maßgeblichere Projektträger ist der Bund. Im Juni 2002 hat sich der Bundestag mit rotgrüner Mehrheit festgelegt: Als die volkswirtschaftlich und ökologisch sinnvollere Lösung soll nun die sanfte, flussbauliche Ausbauvariante verfolgt werden. Die Aussichten für die Donau sind derzeit gut, wenn auch eine Frage weniger Prozente.

90 Jahre BUND Naturschutz  
90 Jahre BUND Naturschutz  

Sonderausgabe der Natur+Umwelt Mai 2003