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07.03.2008

18:45 Uhr

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Naturschutz- und Jugendzentrum Wartaweil

Umweltbildung im Herzen der Natur Das Naturschutz- und Jugendzentrum Wartaweil des Bundes Naturschutz ist nicht nur Bayerns älteste Umweltbildungs-Einrichtung. Es besticht auch durch seine Lage inmitten eines naturnahen Waldes direkt am Ammersee-Ufer. Wasser und Wald sind hier deshalb die großen Themen – vor allem für Kinder und Jugendliche.

B

ereits im Jahre 1947 bot Berta Habersack, die Witwe des königlich bayerischen Generals der Artillerie Ferdinand Habersack, dem Bund Naturschutz in Bayern ihr an den Ufern des Ammersees gelegenes Anwesen für Lehr- und Forschungszwecke an. Seit dieser Zeit diente Wartaweil als Tagungsort für Persönlichkeiten des Naturschutzes aus dem In- und Ausland ebenso wie als Bildungsstätte für Studenten und Lehrer. Aus Freude an dem baum- und vogelreichen Grundstück, das auch botanische Seltenheiten birgt, schenkte Berta Habersack Haus und Grundstück 1957 dem Bund Naturschutz zur Verwendung für Lehr- und Naturschutzzwecke. Ab Juli 2003 präsentiert sich das ehemalige Wohnhaus nach einem großen Umbau als modernes Bildungszentrum mit Wohn-, Aufenthalts-, Seminar- und Arbeitsräumen.

Bildung für Bayerns Jugend

Einladend Die »Villa Habersack« strahlt Ruhe und Gemütlichkeit aus. Das waldund wasserreiche Gelände direkt am Ammersee beschert eindrucksvolle Erlebnisse in der Natur.

Das Naturschutz- und Jugendzentrum Wartaweil ist damit unter dem Dach des BN-Bildungswerks Wiesenfelden die zweite Bildungsstätte des Bundes Naturschutz, die ein Programm mit Tagungen, Seminaren und Workshops für ganz Bayern anbietet. Als BN-Zentrum für Kinder und Jugendliche wendet es sich vor allem an Schulklassen. Da das Naturschutzzentrum zugleich als regionale Ökostation des BN dient, stehen speziell Seminare zum Arten- und Biotopschutz in Südbayern auf dem Plan. Insbesondere das Wasser in Flüssen, Seen und Feuchtgebieten sowie der Wald und die Alpen kommen groß heraus. Die Voraussetzungen hierfür sind ideal: Wartaweil liegt inmitten einer Vielzahl von reizvollen Biotopen. Was lockt die Kleinen und das Kind im Manne am meisten im Wald? – Auf einen Baum zu klettern. Genau das machen die Besucher des Naturschutzzentrums auch, wenn es ums Thema Wald geht. Beim Baumklettern verbessern die Schüler ihre Kondition und Koordination, sie steigern ihr Konzentrationsvermö-

gen, erleben verantwortungsvolle Zusammenarbeit und können Rücksichtnahme, Eigeninitiative und Selbstbewusstsein entwickeln. Den Pädagogen des Jugendzentrums Wartaweil geht es also keineswegs nur um die Vermittlung von naturkundlichem Wissen. Der Mensch steht immer gleichermaßen im Mittelpunkt – und die Erkenntnis, dass Spaß beim Lernen den größten Erfolg bringt. Ziel des Projektes »WasserWeltWartaweil« ist es, die ökologischen Zusammenhänge des Lebensraumes Wasser möglichst anschaulich und dem Alter der Kinder angepasst zu vermitteln. Kinder ab der vierten Klasse fischen nach Kleinstlebewesen in einem Bach und im See. Anschließend bestimmen die Schüler diese Tiere durch den Einsatz von Binokularen oder mit der Becherlupe. Schüler höherer Klassen können zusätzlich physikalische, biologische und chemische Güteindikatoren bestimmen. Mit dem Boot entnehmen die jungen Wissenschaftler dazu Wasserproben aus verschiedenen Tiefen des Ammersees, um sie direkt vor Ort im mobilen Wasserlabor zu analysieren. Mit einer Multiparametersonde und einem PC können zusätzlich Schichttiefendiagramme zu Temperatur und Leitfähigkeit des Wassers erstellt werden.

Ein gastfreundliches Haus Feuer machen, Stockbrot backen, sich bewirten lassen, übernachten – alles ist möglich im Naturschutz- und Jugendzentrum Wartaweil, an Gastlichkeit soll es nicht mangeln. Deshalb stellt das Zentrum seine Räume und das Gelände sowohl BN-Mitgliedern als auch Schulklassen und anderen Gruppen auch für selbst organisierte Veranstaltungen zur Verfügung. Keine Frage: Wer einen oder mehrere Tage auf dem wald- und wasserreichen Gelände der Ökostation Wartaweil verbracht hat, der war im Herzen der Natur. Und nimmt die Natur im Herzen mit nach Hause. Axel Schreiner, Holger Lieber Fotos: Schreiner

90 Jahre BUND Naturschutz  

Sonderausgabe der Natur+Umwelt Mai 2003