Page 40

07.03.2008

18:45 Uhr

Seite 40

Foto: Seitz-Weinzierl

Foto: Seitz-Weinzierl

25 Jahre BN-Bildungswerk

Eine Bildungsreise in die Zukunft Warum war Casanova so erfolgreich bei den Frauen? Weil er sich um sie bemüht hat, auf sie eingegangen ist. Zugegeben, der Sprung von einem Frauenhelden zur ökologischen Bildungsarbeit ist gewagt, doch das Geheimnis des Erfolgs ist das gleiche: das Bemühen um den Menschen, der persönliche Dialog. Von Beate Seitz-Weinzierl, Leiterin des BN-Bildungswerks.

H

eute steht die Natur des Menschen – mit seinen Bedürfnissen, Sehnsüchten, Ängsten und Hoffnungen – im Mittelpunkt erfolgreicher Umweltbildung. Denn nur wenn wir die Herzen der Menschen erreichen, haben unsere ökologischen Botschaften die Chance, gelebt zu werden. Also auf den Bauch zielen, um den Kopf zu erreichen? Der Mensch ist keine »klappernde Denk- und Rechenmaschine – ohne Leiden und Begehren«, wie es Friedrich Nietzsche einmal formuliert hat. Er funktioniert nicht wie ein Automat, in den man oben die Infos zur nachhaltigen Entwicklung hineinwirft und unten die zukunftsfähigen Verhaltensweisen herauskommen. Unser Verhalten wird vielmehr von unterschwelligen Gefühlen und Motiven gesteuert. 90 Prozent der Prozesse in unserem Hirn laufen unbewusst ab, das haben Hirnforscher längst erkannt. Die Kunst einer erfolgreichen Bildung ist es, gerade diese prägenden Ebenen im Menschen anzusprechen.

Pädagogik der Sinne Der klassische Akademiestil steht aus dieser Sicht auf dem Prüfstand. Während noch vor zwei Jahrzehnten die Wissensvermittlung im Mittelpunkt stand, ist im Zeitalter des Internets das Informationsbedürfnis in der Bildungsarbeit in den Hintergrund getreten. Gefragt sind neue Wege der Kommunikation über Bilder, Literatur, Bewegung, Spiel, Musik – eine Pädagogik der Sinne. Gerade die vernachlässigten Sinne wie Riechen, Schmecken und Tasten lassen die Vielfalt, den Duft und die Schönheit der Naturwelten in ihrer Fülle erblühen. Sie kommen der ungestillten Sehnsucht des Menschen nach Natur in einer entfremdeten Welt entgegen. Denn auch Bildungswillige wollen nicht immer belehrt, sondern verzaubert werden. Lebendigkeit mit allen Sinnen spüren – das ist der Genusswert neuen Lernens. In den siebziger und achtziger Jahren galt es, die Grenzen der Ressourcen und des Wachstums zu erken-

40

Natur + Umwelt BN-Magazin [2-03]

nen. Jetzt ist die Zeit reif, das gesammelte Umweltwissen in politisches Handeln zu übersetzen. Der Nachhaltigkeits-Weltgipfel von Johannesburg hat einen unübersehbaren Bildungsauftrag erteilt, der uns verpflichtet, die im 20. Jahrhundert gesammelte Erkenntnis jetzt am Beginn des 21. Jahrhunderts umzusetzen. Das Bildungskapitel der Agenda 21 (Aktionsprogramm der Umweltkonferenz von Rio 1992) gibt uns dazu gute Tipps: Empfohlen wird beispielsweise, eine »kooperative Beziehung zu den Medien, populären Theatergruppen sowie der Unterhaltungs- und Werbebranche« zu pflegen, um von deren Erfahrungen mit der Beeinflussung von öffentlichen Verhaltens-

Foto: Seitz-Weinzierl

2.03N+U_3-42_sonder

Die Erzählerin Dorothea Streller

Märchenhafter Naturschutz Vom Typus Träumer ist sie nicht, Dorothea Streller aus Murnau, ehemalige Dozentin des GoetheInstituts in London, Dublin, Athen und Murnau. Seit vielen Jahren im Naturschutz engagiert, erzählt sie heute Märchen.

D

er promovierten Philologin und Volkskundlerin schreibt man zunächst eher nüchternen Realitätssinn, Disziplin und andere preußische Tugenden zu. Immer wieder löst sie Erstaunen aus, wenn sie sich als Märchenerzählerin bekennt. Vor allem sieht sich Dorothea Streller in der Tradition der Volksmärchen und beschränkt sich bewusst auf europäische Märchen. Volksmärchen mag sie deshalb, weil sie der Erfahrung entspringen und Lebensweisheiten in

90 Jahre BUND Naturschutz  

Sonderausgabe der Natur+Umwelt Mai 2003

90 Jahre BUND Naturschutz  

Sonderausgabe der Natur+Umwelt Mai 2003