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07.03.2008

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Kreisgruppen im Donau-Ried

Beeindruckende Biodiversität

Foto: Werle

Im Verbund: Eines der Umsetzungsprojekte im Rahmen des Gesamtökologischen Gutachtens Donauried ist der Streuwiesenverbund zwischen Donauwörth und Höchstädt (siehe N+U 4/01). Die früher zur Gewinnung von Stalleinstreu genutzten Nasswiesen sind Lebensraum für Arten wie Wollgras und Braunkehlchen (Foto). Das Projekt soll die verbliebenen Streuwiesenoasen zum Verbund erweitern

und so durch genetischen Austausch die Artenbestände überlebensfähig halten. Informationen: BN-Kreisgruppen Dillingen, Tel. 0 90 71-15 89, und Donau-Ries, Tel. 09 06 - 2 36 38, sowie Dipl.-Biol. Martin Königsdorfer, Tel. 0 90 90 -9 22 98 73 Parkplatz Biotop: Der jüngste Konflikt zwischen Golf und Naturschutz im Landkreis Lindau spielte sich am Golfplatz Lindau-Schönbühl ab. Ausgerechnet die benachbarten Fenkwiesen mit Biotop und beträchtlicher Amphibienpopulation hatten sich die Golfer als Parkplatz ausgeguckt. 200 Stellplätze hätten es der inoffiziellen

Kleinod Leipheimer Moos Hier kommt noch die stark bedrohte Uferschnepfe vor. Typisch für Streuwiesen im Ried sind zum Beispiel Sibirische Schwertlilie und Wollgras.

Hintergrund Das 400 Seiten starke DonauriedGutachten ist auch auf CD und auf der Website des Bayerischen Umweltministeriums nachzulesen (www.bayern.de/LFU/natur/ landschaftsentwicklung/donauried/). Weitere Informationen zum BN-Engagement im Donauried: Christine Margraf, Fachabteilung München, Tel. 0 8954 82 98-63, Fax -18

Planung zufolge werden sollen. Bereits 1987 hatte die Regierung von Schwaben dies abgelehnt, was die Golfer dazu veranlasste, von »sklavischem Festhalten an alten Beschlüssen« zu sprechen. Die BN-Kreisgruppe informierte umgehend Stadt, Landratsamt und Bezirksregierung und alarmierte die Öffentlichkeit. Auf einer Bür-

gerversammlung Ende 2002 beantragte Kreisvorsitzender Erich Jörg erfolgreich, die Stadt solle die bedrohten Fenkwiesen von jeglicher Parkplatzplanung ausnehmen und damit den alten Regierungsbeschluss stützen. Der Vorstoß zeigte Wirkung: Die Golfer zogen ihre Pläne zurück und seit Ende Februar bekräftigt ein einstimmiges Stadtratsvotum den Beschluss der Bürgerversammlung. Das Biotop wird nicht angetastet, ein Fleckchen Landschaft ist dem Flächenfraß entrissen.

[2-03] Natur + Umwelt BN-Magazin

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NATU R NOTIZEN AUS SC HWABEN

ntersucht wurde für das »Gesamtökologische Gutachten Donauried« (GÖG) der 75 Kilometer lange Donautalabschnitt von NeuUlm bis Donauwörth. Auf 42 000 Hektar Gesamtfläche finden sich acht Naturschutz- und 19 Landschaftsschutzgebiete; die DonauAuen bis Lauingen sind als Feuchtgebiet internationaler Bedeutung (RAMSAR-Gebiet) eingestuft. Eine entscheidende Rolle spielt das Ried auch für die Donau als europäische Biotopverbundachse, denn es ist noch reich an intakten Lebensräumen: 왘 Auwälder mit Altwässern, Quellen und den Brennen, in denen Trockenpflanzen und Tagfalter heimisch sind, 왘 Niedermoore wie das Leipheimer und das Gundelfinger Moos und die

GÖG-Maßnahmenkatalog an. Dass es mit seiner Realisierung ein wenig hapert, kann man wohl der Bayerischen Staatsregierung, nicht aber den Naturschützern vorwerfen: Der Bund Naturschutz und die Arbeitsgemeinschaft Schwäbisches Donauried bemühen sich seit zwei Jahren intensiv um konkrete Umsetzungsprojekte. Andrea Siebert

Fotos: Willner

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Mertinger Höll, Heimat für Feuchte liebende Stromtalpflanzen, Vögel, Amphibien und Libellen, 왘 extensiv genutzte Grünlandgebiete, wichtig für Brachvogel, Bekassine, Kiebitz und Weißstorch, 왘 wertvolle Einzelstrukturen wie Streuwiesen (siehe Naturnotizen) und Gräben wie der Klosterbach mit dem deutschlandweit größten Bestand der bedrohten Bachmuschel. Die beeindruckende Biodiversität ist jedoch in Gefahr durch die seit 200 Jahren betriebene Verbauung der Donau, durch Kiesabbau und Intensivlandwirtschaft. Altwässer verlanden, Grundwasserabsenkung bedroht die Niedermoore und sinkende Extensivnutzung gefährdet die Wiesenbrüter. Hier setzt der

Foto: Kreisgruppe Lindau

Foto: Werle

Seit Juli 1999 liegt das 1,25 Millionen Euro teure Großgutachten für das Donauried vor. Heute gibt es fünf offizielle Umsetzungsprojekte, an denen der Bund Naturschutz aktiv beteiligt ist. Wiesenbrüter, Weißstorch und weitere Arten haben so eine Überlebenschance.

90 Jahre BUND Naturschutz  

Sonderausgabe der Natur+Umwelt Mai 2003