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07.03.2008

18:45 Uhr

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Kreisgruppen Fürth-Land und Fürth-Stadt

Lokale Lebensqualität Arno Pfeifenbergers Buch über den Natur- und Umweltschutz in Fürth behandelt ein unbeachtetes Kapitel Lokalgeschichte. Der bisherige Vorsitzende der Kreisgruppe Fürth-Land – seit März geführt von Wolfgang Siebert – sieht sein Werk als Beitrag zum 90-jährigen Bestehen des Bundes Naturschutz. Mit dem Autor sprach Tom Konopka.

Eindrucksvoll Die Puschendorfer Eiche (Foto: 1906) gilt als einer der ältesten Bäume im Landkreis Fürth.

scheinlich, um die Anlage auszulasten. Die resultierende höhere Schadstoffbelastung ist unkontrollierbar, wenn der AEV seine Anteile verkauft. Bereits 2001 hatte AEVChef und Oberbürgermeister Ralf Felber damit geliebäugelt (siehe N+U 3/01). Die Geschichte der seit 1998 abwechselnd in Bau und Baustopp befindlichen Anlage füllt

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Natur + Umwelt BN-Magazin [2-03]

habersdorf, beides auch politische Skandale, sind dem Einsatz des BN mit zu verdanken. Wo musste der BN Niederlagen hinnehmen? Pfeifenberger: Eine Niederlage findet quasi permanent statt, allein der fortgesetzte Flächenverbrauch und Strukturen, die nur auf Autoverkehr setzen. Diese Entwicklung von der Schönheit hin zur Unwirtlichkeit wollte ich durch die Gegenüberstellung von Fotos dokumentieren. (asw)

zahllose Aktenordner voll juristischer Auseinandersetzungen, die inzwischen beim Verwaltungsgerichtshof (VGH) angelangt sind. Obwohl dieser noch nicht über die jüngste BN-Klage entschieden hat, wird seit September 2002 wieder mal weitergebaut. Foto: BN

Kein Ende: Seit 15 Jahren tobt die Auseinandersetzung um die Ansbacher Thermoselect-Anlage. Nun will der Abfallentsorgungsverband (AEV) seinen 49-Prozentanteil dem Energiekonzern EnBW verkaufen, der bereits die Anteilsmehrheit an der Betreiberfirma hält. Die Privatisierung würde jegliche demokratische Kontrolle verhindern: Bei einem Müllaufkommen, das bereits heute 50 Prozent unter der kalkulierten Menge liegt, müssen nicht nur die Müllgebühren drastisch steigen. Auch die Verbrennung von Fremdund Giftmüll ist wahrFoto: Hüttinger

NATU R NOTIZEN AUS MITTELFRAN KEN

100 Jahre Naturschutz Arno Pfeifenbergers Buch hat 128 Seiten, ist im Städtebilder-Verlag erschienen und kostet 18 Euro. Nach Deckung der Kosten fließt der Erlös in Natur- und Artenschutzprojekte des BN Fürth. Bezug über die BN-Geschäftsstellen Fürth-Stadt und Fürth-Land, den Buchhandel oder direkt beim Verlag, Schwabacher Str. 17, 90762 Fürth

und Naturschutz: Wie hat sich der Fürther Naturschutz in 100 Jahren verändert ? Pfeifenberger: Am Anfang standen Naturdenkmäler wie alte Bäume und Aussichtspunkte im Blick der Naturschützer. Ästhetik und Ökologie waren eng verknüpft, staatlicher und ehrenamtlicher Naturschutz kaum getrennt. Der Umweltschutz kam erst relativ spät. Welche Rolle spielte der BN dabei? Pfeifenberger: Bis Anfang der 1970er Jahre organisierte der BN in Fürth überwiegend Wanderungen und Vorträge. Seither ist er aber zur herausragenden umweltpolitischen Kraft geworden. Konnten Lebensräume gerettet werden? Pfeifenberger: Manch schlimmer Straßenbauplan, zum Beispiel in den Fürther Talauen, aber auch im Umland, wurde durch den Widerstand engagierter Bürger und des BN verhindert, einiges an Lebensqualität bewahrt. Das unrühmliche Ende der Schwelbrennanlage Fürth und der Reststoffdeponie bei Groß-

Schafe als Gärtner: Zur Plage entwickelten sich Lupinen in einem von der BN-Ortsgruppe Herzogenaurach seit 20 Jahren betreuten Biotop bei Niederndorf. Selbst intensivste mechanische Bekämp-

Nachruf Ihren langjährigen Mitstreiter Werner Gräbner verlor die Kreisgruppe Nürnberg-Stadt im Dezember 2002. Seit 1979 im Vorstand, engagierte er sich für den Artenschutz und gegen Waldsterben und Atomenergie und wurde 1997 mit der Goldenen Vereinsnadel geehrt. Das Knoblauchsland war ihm ebenso ein Herzensanliegen wie das Naturschutzgebiet Ziegellach. Als Mitglied des Naturschutzbeirates setzte er sich für die ökologische Stadtentwicklung ein. Wir verlieren in Werner Gräbner auch einen für seine Geradlinigkeit und Hilfsbereitschaft geschätzten Freund, den wir sehr vermissen werden. Tom Konopka

fungsversuche scheiterten. Nun soll sich, nach dem Vorbild des Rhönschafprojekts, ein Schäfer aus Vach mit seinen Tieren des Problems annehmen.

Foto: Kreisgruppe Nürnberg-Stadt

Foto: Privat

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90 Jahre BUND Naturschutz  
90 Jahre BUND Naturschutz  

Sonderausgabe der Natur+Umwelt Mai 2003