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07.03.2008

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Bürger nach Ansicht des BN ohnehin nicht alle Schuld: Während noch vor fünf Jahren Gartenabfälle kostenlos bei den Wertstoffhöfen im Landkreis abgegeben werden konnten, gibt es seit Einführung der Biokompostieranlage nur noch eine einzige Sammelstelle, und die Abgabe dort ist gebührenpflichtig. Nun will die Stadt ihr Entsor-

Foto: Kreisgruppe Landsberg

ger Stadtrat und dem Landratsamt Neuburg-Schrobenhausen vor. Die dort angesiedelte Untere Naturschutzbehörde überprüfte und bestätigte die gemeldete Liste. Inzwischen hat auch die Stadt positiv reagiert und per Stadtratsbeschluss allein für dieses Jahr 40 000 Euro für die Biotopsanierung bereitgestellt. Für die Säuberung aller betroffenen Gebiete muss eine Gesamtsumme von 130 000 Euro aufgewendet werden – Anlass genug für die von der Stadt ebenfalls beschlossene Öffentlichkeitsarbeit, die das ökologische Bewusstsein der Bevölkerung schärfen soll. Zumindest was das Abladen von Gartenabfällen angeht, trifft die

naturnahe Salzach bis Burghausen stark. Schon 1987 hatten sich Verbände und Initiativen zur grenzüberschreitenden »Aktionsgemeinschaft Lebensraum Salzach« zusammengeschlossen. Einer der Initiatoren war Erich Prechtl, seit 1986 Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Berchtesgadener Land und bis heute einer von drei Sprechern der Aktionsgemeinschaft. Ein Jahr nach ihrer Gründung legte diese mit der Broschüre »Die Zukunft der Salzach« ihre Forderungen für eine umfassende Sanierung des Flusses vor. Sie entsprechen weitest gehend den Ergebnissen der »Wasserwirtschaftlichen Rahmenuntersuchung Salzach« (WRS) aus den 1990er Jahren, der wesentlichen Grundlage für das derzeitige Verfahren. Die Aufweitungsvariante wird darin als die dem ökologischen Leitbild nächstliegende Alternative bewertet. Das Raumordnungsverfahren bietet eine greifbare Chance für eine naturnahe Sanierung der Salzach. Nach Ansicht des BN wäre hierfür, angesichts der europäi-

schen Naturschutzrichtlinien und der EU-Wasserrahmenrichtlinie, des finanziellen Aufwands und der langfristigen Auswirkungen, eine optimierte Aufweitungsvariante die beste Lösung. Zwar ist auch den BN-Aktiven klar, dass die Salzach nicht wieder wie vor der Verbauung 1817 fließen kann, doch ein wenig mehr Courage hätten sie sich von den Planern schon gewünscht: »Wir hätten mehr Mut zu einem naturnahen Fluss und mehr Gelassenheit hinsichtlich der natürlichen dynamischen Prozesse erwartet«, so das Fazit von Erich Prechtl. Kurt Schmid, Andrea Siebert

Foto: Willner

flussabwärts verlagert. Davon, solchermaßen den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben, hat man sich bei der Salzach immerhin verabschiedet; Staustufenlösungen werden nicht weiter verfolgt. Dennoch reichen die Konzepte nach Ansicht des BN nicht aus, um das Entwicklungspotenzial des naturschutzfachlich europaweit bedeutsamen Ökosystems der Fluss-Aue dauerhaft zu sichern. Durch die fortgesetzte Eintiefung wurde die Aue von der für sie existenziellen Gewässerdynamik abgekoppelt und hat bereits gravierende Schäden erlitten. Notwendig sind daher Nachbesserungen. Von Naturschützern favorisiert wird die Realisierung der »Aufweitungsvariante« als bestehender Optimierungsmöglichkeit. Insbesondere die Kreisgruppe Berchtesgaden macht sich seit langem zusammen mit anderen Naturschutzverbänden, dem Österreichischen Naturschutzbund und der »Aktionsgemeinschaft Lebensraum Salzach« für eine frei fließende,

gungsangebot für Grünabfälle verbessern. Doppeljubiläum: Im Februar 2003 feierte die Kreisgruppe Landsberg am Lech ihr 30-jähriges Bestehen im 90. Jahr des Bundes Naturschutz. Ausgezeichnet wurden bei diesem Doppeljubiläum 51 Mitglieder mit der silbernen und drei

Mitglieder mit der goldenen Ehrennadel, feierlich überreicht vom BN-Landesvorsitzenden Hubert Weiger (siehe Foto). Mit ihrem ehrenamtlichen Einsatz unterstützten die Geehrten den Erhalt von wertvollen Flächen wie Egelsee, Ampermoos, Thanner Filz und Hurlacher Heide, wie Kreisvorsitzender Gerhard Breutel in seinem Rückblick anerkennend resümierte. Außerdem zeigten sie politisches Engagement gegenüber dem Pharmakonzern Eli Lilly, aber auch bei Themen wie dem Frauenwald, der Raistinger Schleife und beim noch laufenden Verfahren gegen die Braunkohlestaubverbrennung.

[2-03] Natur + Umwelt BN-Magazin

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NATU R NOTIZEN AUS OBER BAYER N

Foto: Willner

Die Salzach und ihre Anwohner Ziel einer Renaturierung der Unteren Salzach muss die gefährdete Flussaue sein, die Lebensraum für seltene und bedrohte Arten wie Eisvogel und Kammmolch und Geophyten wie das dort in Massen auftretende Schneeglöckchen ist. Weitere Informationen zur Salzach-Sanierung: Kurt Schmid, BN-Fachabteilung München, Tel. 089-54 82 98 63 Fax 089-54 82 98 18, E-Mail fa@bund-naturschutz.de

90 Jahre BUND Naturschutz  

Sonderausgabe der Natur+Umwelt Mai 2003