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07.03.2008

18:45 Uhr

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ein Name ist – nein, das tut hier und jetzt wirklich nichts zur Sache. Er stellt sich ja auch nicht lässig als James Bond vor, hat kein Martiniglas in der Hand und keine leicht bekleidete Dame im Arm. Er macht ebenfalls nicht mit allerlei Peinlichkeiten als hektischer Johnny English auf sich aufmerksam. Der mysteriöse »Mister X« – so nennen ihn voller Respekt Mitarbeiter und Gegner – hat nun wirklich keine Zeit für solche Spielereien. Er ist wieder einmal unterwegs in geheimer Mission. Und steht jetzt trotz jahrelanger Erfahrung vor einem gewaltigen Problem. Jemand hat ihn verraten, die Deckung ist aufgeflogen, und eine ganze Horde von scharf kombinierenden Detektiven jagt ihn durch die Stadt. Kann er entkommen?

S

gerade aufhält. Sie haben nämlich die deutsche Polizei in Form von Oberwachtmeister Schmorell um Unterstützung gebeten, der sie aus der Zentrale mit Nachrichten versorgt. Diese Zusammenarbeit zahlt sich aus, ihre Ermittlungen führen sie aber trotzdem – auch hier in Nürnberg – selbst. Zwar sind Eva-Maria, Isabella, Eva, Hannah und Bella auf den ersten Blick nicht als Scotland-Yard-Mitarbeiter zu erkennen; Passanten tippen eher auf eine ganz normale Gruppe von Jugendlichen. Doch das Fünfer-Team ermittelt professionell und versucht, sich in den Agenten hineinzuversetzen: In welche Linie wird er wohl als nächstes umsteigen? Wo wird er sich ausruhen? Oder hält er die Detektive zum Narren und ist längst wieder am anderen Ende der Stadt? Schnelligkeit ist

FA N G D E N A G E N T E N !

Fotos: Bendl

Detektive fahnden mit S-Bahn, Bus und Tram nach dem ominösen Mister X: Die Jugendorganisation des BN entdeckt spielerisch den umweltfreundlichen Nahverkehr einer Stadt. Von Helge Bendl

Auffällig unauffällig steht der Spion mit schwarzem Mantel, schwarzem Hut und Sonnenbrille an der U-Bahn-Station im Zentrum Nürnbergs und studiert den Fahrplan. Versteckt sein Gesicht hinter den großen Lettern einer Boulevardzeitung. Hastet die Rolltreppe hinauf. Reiht sich ein in die Schlange am Fahrkartenautomaten. Macht auf dem Weg zur Bushaltestelle kurz Station im Irish Pub – hier werden ihn die Verfolger von Scotland Yard wohl nicht vermuten. Nimmt kurz entschlossen die Tram zum Marientor, um in den Menschenmassen unterzutauchen, die rund um den Hauptbahnhof unterwegs sind. Doch es gibt kein Entkommen: Die Beamten sind ihm dicht auf den Fersen. Denn immer wieder bekommen die Detektive per Telefon einen Tipp, wo sich der Gesuchte

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Natur + Umwelt BN-Magazin [2-03]

Trumpf. Die Jugendlichen erwischen am Rennweg gerade noch die U-Bahn, gondeln mit einem Bus am Rathaus vorbei – und verpassen den Gesuchten am Nordostbahnhof nur knapp. Weiter geht die Suche – vielleicht hat ja ein anderes Ermittler-Team mehr Glück. 1983 wählte eine Jury »Scotland Yard« zum »Spiel des Jahres« – die Jugendorganisation Bund Naturschutz (JBN) hat die Suche nach dem ominösen Agenten Mister X nun schon zum zweiten Mal in die Wirklichkeit des Nürnberger Verkehrsverbunds übertragen. Nach der Premiere in Franken ziehen in diesem Jahr andere Gruppen in Städten wie Ulm, Würzburg, München und Passau nach. »Mister X kann nur mit S-Bahnen, Bussen und der Tram flüchten, und auch seine Verfolger dürfen nur öffentliche

90 Jahre BUND Naturschutz  

Sonderausgabe der Natur+Umwelt Mai 2003