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07.03.2008

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durch das Raster des behördlichen Naturschutzes fallen oder die Zeit drängt, gehen der BN und sein Bundesverband BUND auf eigene Faust vor. Mit Spendengeldern haben sie bereits über 130 Hektar erworben, die fürs Grüne Band unverzichtbar sind.

Große Vision Frischen Wind brachte das neu gefasste Bundesnaturschutzgesetz, das überregionalen Biotopverbund fordert. So konnte der BN im Auftrag des Bundesamts für Naturschutz die erste vollständige Biotopkartierung des Grünen Bandes vornehmen. Demnach sind auch heute noch 85 Prozent unbeeinträchtigt. Und fast die Hälfte der Fläche beherbergt Biotoptypen, die laut

Foto: Schmidl

nitiiert hatte das erste deutsch-deutsche Naturschützertreffen nach der Wende Prof. Hubert Weiger vom Bund Naturschutz (BN). Und auch die Grundidee zum Grünen Band stammte aus den Reihen des Verbands. Schon seit Jahren war der Ornithologe Dr. Kai Frobel Vogel-Seltenheiten hinter den Grenzanlagen auf der Spur, wenn auch nur mit dem Fernglas. Er blickte in eine ökologische Schatzkammer. Feuchtwiesen, Magerrasen, Moore, Wälder, Uferzonen lagen gleich einer Perlenkette aufgereiht an einem Brachestreifen quer durchs Land. Eine historische Chance! An sich war es gewagt, die Grenze, auf welche Weise auch immer, schützen zu wollen. Trotzdem stieß das Grüne Band in Politik und Öffentlichkeit auf offene

Das Grüne Band Foto: Leidorf

Grenzfall im Naturschutz Wendezeit im Dezember ’89. Politisches Tauwetter hat den »Eisteich« erfasst. In der Hofer Gaststätte feilen 400 Naturschützer aus Ost und West an einer Vision: Aus der mörderischen innerdeutschen Grenze soll ein lebendiges Symbol der Einheit werden – und zugleich der größte Biotopverbund Deutschlands. Ohren. Doch der schlüsselfertige Naturkorridor litt unter den Erfordernissen und Wirren der Wendezeit. Bald war er vielfach von Landstraßen, Autobahnen zerschnitten, legal oder illegal beackert oder sogar von Gewerbegebieten angenagt. Ohne Lobby, so zeigte sich, hatte das Grüne Band keine Chance. Deshalb machte es der BN zu einem seiner wichtigsten Projekte.

Spenden retten Leben Doch Naturschutz auf 1400 Kilometer Strecke ist ein Präzedenz- und Grenzfall: Mangelnde gesetzliche Grundlagen, eine Vielzahl von Zuständigkeiten, Akteuren und Hemmnissen bremsten die Ausweisung von Schutzgebieten. Da waren Traktoren und Bagger oft schneller als die Kartierer. Um die Aktivitäten besser abstimmen zu können, gründete der Verband eigens ein Projektbüro. Unter Leitung von Dr. Liana Geidezis und Dr. Kai Frobel koordiniert und plant es bundesweit Pressearbeit, Ausstellungen, Kunstaktionen, Grundstückskäufe und nicht zuletzt die Zusammenarbeit mit Partnern. Mit Erfolg: Das Grüne Band ist als Schutzziel etabliert, ein Drittel steht rechtmäßig unter Schutz. Wo wertvolle Flächen

Roter Liste als gefährdet gelten. 32 Abschnitte gelten nun als bundes- oder landesweit bedeutsame Schwerpunkt- und Entwicklungsgebiete – zusammen über drei Viertel der Fläche. Aber für einen überregionalen Biotopverbund sind im Prinzip alle Flächen relevant, auch die scheinbar wertlosen. Es lohnt sich, die Lücken zu schließen. Ein Quantensprung für alle Schutzbemühungen wäre, wenn sich die Bundesregierung an den Koalitionsvertrag erinnerte. Dort versprach sie, ökologisch besonders wertvolle Bundesliegenschaften wie im Grünen Band zu »sichern«. Sie müsste dazu lediglich die bundeseigenen Flächen den Ländern oder Naturschutzverbänden kostenlos und zweckgebunden übertragen. Knapp zwei Drittel des Grünen Bandes wären auf einen Streich gerettet. Die jüngsten Visionen des BN gehen über die Resolution aus dem »Eisteich« weit hinaus. Seit im vergangenen Sommer Michail Gorbatschow die Schirmherrschaft für das Grüne Band übernommen hat, wird es zusehends international. Der Eiserne Vorhang als Vorlage? Es gibt viel zu tun zwischen Eismeer und Adria. Tino Schlagintweit

[2-03] Natur + Umwelt BN-Magazin

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Spuren im Band Ohne Schutz wäre das Grüne Band, Deutschlands größter Biotopverbund an der ehemaligen Grenze, bald Vergangenheit. Noch 85 Prozent sind heute intakt, aber erst ein Drittel steht unter rechtlichem Schutz. Im Juni 2002 machte Hubert Weiger, hier mit Michail Gorbatschow, BUND-Vorsitzender Angelika Zahrndt und Bundesumweltminister Jürgen Trittin, erstmals die Idee »Grünes Band Europa« publik.

90 Jahre BUND Naturschutz  
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Sonderausgabe der Natur+Umwelt Mai 2003