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07.03.2008

18:45 Uhr

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Fanal Wackersdorf

Foto: BN-Archiv

Anti Atom – pro Solar

Heiße Phase BN-Vorsitzender Hubert Weinzierl und Landrat Hans Schuierer bei einer Kundgebung 1985. Allein die WAAEinwendungen aus den Reihen des Bundes Naturschutz füllten 18 Aktenordner.

W

irtschaftsminister Jaumann wusste es schon 1979: »Falls Bayern ein Zwischenlager akzeptiert, dann in Wackersdorf.« Selbst Umweltminister Dicks Schlagzeile »Wiederaufarbeitung im Raum Schwandorf abwegig« zu Silvester 1980 half nichts. Ministerpräsident Franz Josef Strauß hatte alle Weichen längst gestellt. Die deutschen Stromkonzerne schickten die eigens gegründete Gesellschaft zur Wiederaufbereitung von Kernbrennstoffen (DWK) vor. Der Bund Naturschutz, Bürgerinitiativen und Landrat Hans Schuierer klärten die Bevölkerung in vielen Veranstaltungen auf und hatten die wissenschaftlichen Fakten und die Zustimmung der Bevölkerung auf ihrer Seite. Unzählige BN-Vorträge – allein im Juli 1985 in dreißig Orten der Sicherzeitszone – klärten die Öffentlichkeit auf. 881 000 Einsprüche aus dem In- und Ausland führten 1988 zum Erörterungstermin in Neunburg vorm Wald. Er dauerte über einen Monat und wurde zum wissenschaftlichen Desaster für die DWK.

Aus für WAA: Einstieg in Atomausstieg Am 12. April 1989 ließ der VEBA-Vorsitzende von Bennigsen-Foerder das Projekt WAA Wackersdorf aus Wirtschaftlichkeitsgründen fallen. Einige Milliarden DM aber waren bereits im gerodeten Wald verbaut, darunter ein Zwischenlager für 1500 Tonnen Atommüll. Der Einsatz von CS-Gas und die Überlastung der Polizeiangehörigen hatten vier Menschenleben gekostet. Seit 1989 ging in Deutschland kein neues Atomkraftwerk in Betrieb. Um die vorhandenen weiter zu betreiben, haben Bundesregierung und Stromwirtschaft be-

881 000 Einwendungen waren am Ende stärker als wehrhafte Bauzäune. 1989 wurde der Bau der Atommüll-Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf nach neun Jahren Widerstand gestoppt. Der Bund Naturschutz hatte schon 1979 sein Nein gegen die Atomenergie ausgesprochen und die Alternativen benannt.

schlossen, große Standortzwischenlager zu errichten. Der Kampf gegen den Atommüll hat sich von Wackersdorf nach Grafenrheinfeld, Gundremmingen und Niederaichbach verlagert. Im Frühjahr 1979 untermauerte der Bund Naturschutz sein Nein zur Atomkraft und nannte zwei energiepolitische Auswege: die Energieeinsparung und die Solarenergie. Zur gleichen Zeit zeigten alle handelsüblichen Prognosen zum Energieverbrauch steil nach oben – ein schwerer Stand für die Position des BN. Der tatsächliche Energiebedarf blieb weit unter den Prognosen. Doch die Energiepolitik wurde unnötig lange in falsche Richtungen gelenkt.

Nur erneuerbare Energien machen Sinn Eine Wende hin zu erneuerbaren Energien war erst in den 1990er Jahren in Sicht. Das Einspeisegesetz von 1990 brachte die Windkraft an den Markt heran. Der Solarstrom fasste in einigen fortschrittlichen Städten durch die so genannte kostendeckende Vergütung Fuß. Den Durchbruch für den Solarstrom brachte 2000 das Erneuerbare Energien Gesetz. In Niederbayern machten BN-Kreisgruppen frühzeitig darauf aufmerksam und verhalfen der Photovoltaik zu einem bundesweit einmaligen Boom. Allein im Landkreis Landshut wurden bis Ende 2001 über fünf Megawatt Photovoltaikanlagen installiert. Eine Öffentlichkeitskampagne des Forums Ökologie Rosenheim mit den BN-Kreisgruppen Berchtesgadener Land, Rosenheim und Traunstein vom Watzmann zum Wendelstein brachte ebenfalls über fünf Megawatt auf die Dächer und wurde mit dem Agenda-Preis ausgezeichnet. Ludwig Trautmann-Popp, BN-Energiereferent

Foto: Rubeck

Bürger meisterlich Mit seiner Aufklärungsarbeit hat der BN dazu beigetragen, dass die weitaus meisten deutschen Solaranlagen heute in Bayern stehen. Die BN-Aktion Bürgersolardächer bietet auch Bürgern, die kein eigenes Dach besitzen, die Möglichkeit, an der Entwicklung des Solarstroms aktiv teilzunehmen. Im Jahr 2002 konnten damit in BN-Kreis- und Ortsgruppen über 70 Bürgersolardächer mit zusammen mehr als zwei Megawatt Spitzenleistung in Betrieb genommen werden.

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Natur + Umwelt BN-Magazin [2-03]

90 Jahre BUND Naturschutz  
90 Jahre BUND Naturschutz  

Sonderausgabe der Natur+Umwelt Mai 2003