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07.03.2008

18:45 Uhr

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Helmut Steininger im Ruhestand

Fotos: BN-Archiv

Abschied vom Selbstverständlichen Nach genau 34 Jahren als Landesgeschäftsführer des Bundes Naturschutz hat Helmut Steininger sein Amt an Peter Rottner übergeben. Mit ungeheurer Tatkraft hat »VollblutNaturschützer« Steininger diese erfolgreiche Periode der BN-Geschichte so entscheidend geprägt, dass ein Bund Naturschutz ohne ihn vielen kaum vorstellbar scheint.

E

igentlich war Helmut Steininger immer schon da, beim Bund Naturschutz. Als der heutige Landesvorsitzende Hubert Weiger sich 1971 als Zivildienstleistender bewarb, war es Landesgeschäftsführer Helmut Steininger, der ihn zum Vorstellungsgespräch einlud. Selbst als Hubert Weinzierl, BN-Vorsitzender von 1969 bis 2002, sich zu Beginn seiner langen Amtszeit daran machte, den Verband zur schlagkräftigen, bayernweit präsenten Umweltorganisation zu entwickeln, konnte er von Beginn an auf seinen »Motor« Helmut Steininger bauen. So ist es kein Wunder, dass die Begriffe Landesgeschäftsführer und Helmut Steininger im Bund Naturschutz zum Synonym geworden sind. So mancher BNAktive wird sich mühsam daran gewöhnen müssen, dass der akribische Organisator großer Veranstaltungen, der stimmgewaltige Redner der jährlichen Delegiertenversammlung und die letzte Zuflucht in heiklen finanziellen, personellen und organisatorischen Fragen nun nicht mehr Helmut Steininger heißt. »Nur« gut ein Drittel seines 90-jährigen Bestehens wurden die Geschäfte des Bundes Naturschutz von Helmut Steininger geführt. Doch es ist nicht übertrieben zu sagen, dass der Verband wohl 90 Prozent seiner Größe und Kraft in diesen 34 Jahren gewonnen hat. Die Mitgliederzahlen sprechen für sich: 12 500 damals, fast 170 000 heute. Als Meisterleistung Steiningers wird der Aufbau einer bayernweiten Organisationsstruktur in die Geschichtsbücher des BN eingehen. Als der stu-

Generationswechsel

Foto: Kuffer

Seit 1. April dieses Jahres ist Peter Rottner, 47, als Nachfolger von Helmut Steininger Landesgeschäftsführer des Bundes Natur-

dierte Sozialpädagoge und damalige Berufsberater 1969 zum Bund Naturschutz wechselte, war der Begriff Kreisgruppe im Verband noch fast ein Fremdwort. Nur in wenigen Landkreisen hatten sich die aktiven Umweltschützer in regionalen Gruppen organisiert, München war das eindeutige Verbandszentrum.

Naturschutz in Wort und Tat Helmut Steininger startet 1971 für den BN die Wiedereinbürgerung des Bibers in Bayern. Zusammen mit Hubert Weinzierl leitet Steininger 1983 die BNDelegiertenversammlung.

Grüne Karte Der aus dem Rottal stammende Bauernsohn Steininger erkannte die fehlende Flächen-Struktur als entscheidendes Manko auf dem Weg zur schlagkräftigen Lobby für die Natur. Mit ungeheurer Tatkraft und Zähigkeit machte er sich deshalb daran, in den Landkreisen eigenständige Gruppen zu gründen, eine nach der anderen. Bis er es zusammen mit Hubert Weinzierl, Hubert Weiger und engagierten Naturschützern aus allen Teilen des Landes bis 1976 geschafft hatte, den letzten weißen Fleck auf der Landkarte BN-grün einzufärben. Und damit nicht genug: Am 10. Juli 1976 gründete sich unter maßgeblicher Beteiligung des BN der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, BUND; Versammlungsleiter: Helmut Steininger. Wer schon (fast) immer da war, der ist kaum wegzudenken. Gut also, dass Helmut Steininger dem Bund Naturschutz erhalten bleiben könnte. Auf der Delegiertenversammlung im Mai wird er sich als Schatzmeister des Landesverbands zur Wahl stellen. Manfred Gößwald, Leitender Redakteur

schutz. Der Jurist kennt den Verband bestens. Seit 1976 war er ehrenamtlich in der Orts- und Kreisgruppenarbeit tatkräftig engagiert. Fast zehn Jahre gehörte er dem BN-Beirat an, und er leitet den Arbeitskreis Rechtsfragen des BUND. Seit fast zwei Jahrzehnten hat er den BN als Rechtsanwalt in vielen wichtigen Verfahren vor Gericht vertreten und wichtige Erfolge für die Natur erstritten. Beispiele sind die Rettung des

»Naßangers« im Maintal und zuletzt der Baustopp der Autobahn durch den Gottesgarten bei Kloster Banz. Nun sieht er sich im neuen Aufgabenbereich der Basis des Verbands verpflichtet: »Ein guter Service für unsere Mitglieder und Aktiven, die fundierte Beratung und Information über alle Verbands- und Umweltfragen gehören ebenso zu meinen Zielen wie die solide wirtschaftliche Entwicklung des BN.«

[2-03] Natur + Umwelt BN-Magazin

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90 Jahre BUND Naturschutz  

Sonderausgabe der Natur+Umwelt Mai 2003