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07.03.2008

18:45 Uhr

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Bayern ohne Stau und Sperre Wassernot in Bayern? Kein Szenario aus dem Öko-Thriller sondern Realität in einigen Gebieten Unterfrankens. Die Wasserwerke hatten es hier noch nie leicht, denn die dürftigen Niederschläge versickern rasch in porösen Böden und Gesteinen. Ein echter Notstand zeichnete sich jedoch ab, als im Grundwasser zunehmend Dünger und Pestizide auftauchten. Seither haben Wasserwirtschaftler die Hafenlohr als potenziellen Stausee im Visier. Das abgelegene Spessart-Flüsschen schlängelt sich 25 Kilometer durch ein kleingliedriges Landschaftsrelief Richtung Main. Nahezu ungestört konnten sich hier vielfältige Lebensgemeinschaften entwickeln: Buchen-Eichen-Wälder an den Hängen, Feuchtwiesen und Bruchwälder in den Talauen. Ein Refugium für über 70 Tierund Pflanzenarten, die in Bayern gefährdet oder vom Aussterben bedroht sind. Beispielsweise brütet an steileren Ufern der Eisvogel. Erste Pläne, das Idyll zu fluten, legten die Wasserbehörden 1977 auf den Tisch, 1982 folgte ein Raumordnungsverfahren. Doch die Planer stießen vor Ort auf hartnäckigen Widerstand. So schmiedete der Bund Naturschutz 1978 die »Aktionsgemeinschaft Hafenlohrtal«. Ein Bündnis kritischer Bürger, Kommunalpolitiker, Fachleute und Umweltverbände, die unter dem Vorsitz Sebastian Schönauers gegen den Stausee kämpften und dabei zu Pionieren einer ökologischen Wasserhaushaltspolitik wurden. Mit Erfolg: Der Oberlauf der Hafenlohr steht heute unter Naturschutz, eine FFH-Gebietsmeldung liegt in Brüssel, und die Talsperre selbst wurde nicht gebaut. Vom Tisch ist sie zwar nicht, steckt aber tief in der Schublade. Die offizielle Linie der Wasserbehörden folgt heute weitgehend den Forderungen des BN. So war der wichtigste Erfolg im Hafenlohrtal die Signalwirkung: Selbst die europäische Wasserpolitik setzt heute nicht mehr auf Beton und Fernleitungen, sondern auf Grundwasserschutz, Ökolandbau und dezentrale kommunale Wasserversorgung.

Foto: Grabe

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[2-03] Natur + Umwelt BN-Magazin

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90 Jahre BUND Naturschutz  
90 Jahre BUND Naturschutz  

Sonderausgabe der Natur+Umwelt Mai 2003