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07.03.2008

18:45 Uhr

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Bayern unter Bann

Foto: Konopka

Wer Nürnberg auf der Autobahn passiert, mag sich wundern. Immer neue Ausfahrten tauchen auf: Nürnberg hier, Nürnberg dort – offenbar eine riesige Stadt. Riesig ist aber vor allem der Waldgürtel, der sie umschließt. Hier draußen hatten die Autobahnpioniere leichteres Spiel. Übernutzt als wohlfeile Rundum-Ressource war der Reichswald schon früher fast zugrunde gegangen. Seinen ausgelaugten Sandböden konnte die aufkeimende Forstwirtschaft immerhin noch Kiefernwälder abringen. Das Ergebnis waren 25 000 Hektar Monotonie. Doch für Nürnberg war und blieb der Reichswald Grüne Lunge und Erholungsgebiet. So empörten sich viele Bürger, als der Siedlungsdruck in den 60er und 70er Jahren den »Steckerleswald« erneut im Bestand bedrohte. Täglich wurde ein Hektar abgeholzt – innerhalb eines Menschenlebens wäre nichts mehr übrig geblieben. Unterstützt von mehreren Bürgerinitiativen veröffentlichte der Bund Naturschutz 1972 sein Reichswaldprogramm. Darin forderte er strengsten Schutz und naturnahe Waldwirtschaft. Nach sieben Jahren mit zahlreichen Aktionen und jährlichen Reichswaldfesten war das erste Ziel erreicht: Der Reichswald wurde »Bannwald«. Die Rodung war fortan verboten und nahm tatsächlich um 98 Prozent ab. Für den BN heißt es seither: Genau hinsehen, welche Projekte eine Ausnahme vom Bannwaldschutz rechtfertigen. Ob Rangierbahnhof, Mülldeponie oder Autobahnkreuz, Flughafenanbindung, Panzerübungsplatz oder Sandgrube – die Liste der vom BN verhinderten Bannbrüche ist lang. Erfolg hatte auch das Werben für naturnahe Waldwirtschaft. Die Forstverwaltungen haben dank engagierter Forstleute im Reichswald den Kahlschlag abgeschafft und Laubhölzer gesät. Mittlerweile hat sich bei Jungbäumen der Laubholzanteil verfünffacht. Auch seltene Pflanzen und Tiere sind wieder häufiger: Neben Auerhuhn, Haselhuhn und Sperlingskauz ist sogar der Schwarzspecht zu beobachten.

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Natur + Umwelt BN-Magazin [2-03]

90 Jahre BUND Naturschutz  

Sonderausgabe der Natur+Umwelt Mai 2003

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