Issuu on Google+

3-08_N+U_web:n+u

07.08.2008

18:35 Uhr

Seite 1

Natur+Umwelt Heft 3-2008 90. Jahrgang 3. Quartal

Bund Naturschutz Magazin www.bund-naturschutz.de

deutlich Die Milch macht’s Gute Landwirtschaft braucht faire Preise Bayern vor der Wahl: Parteien im Öko-Check


3-08_N+U_web:n+u

07.08.2008

18:35 Uhr

Seite 2

Für sie? Für ihn?

Für alle! Aktion „BN-Familienmitgliedschaft“ Die Natur braucht jede Stimme! Mit einer Familienmitgliedschaft tun Sie Ihrer Familie und der Natur viel Gutes. Das Gute für die Natur: Je mehr Menschen Mitglied im BN sind, desto wirkungsvoller können wir uns für Natur und Umwelt einsetzen. Gemeinsam stellen wir uns schützend vor die Kleinode und Schätze unserer Tier- und Pflanzenwelt, vor bedrohte Lebensräume und Landschaften. Die ersten 20 Familien, die uns die beigeheftete Antwortkarte zurückschicken, bekommen als Dankeschön für jedes Kind ein exklusives BN-Plüschtier.

JANDA+ROSCHER, Die WerbeBotschafter

Für jede weitere Familie halten wir ein kleines Überraschungsgeschenk bereit.

Das Gute für Sie: In einer Familienmitgliedschaft sind Eltern und Kinder bis 21 Jahre Mitglied im BN. Für nur 12 € mehr im Jahr als der Beitrag einer Einzelmitgliedschaft. Sie sichern so auch unser umfangreiches und hochwertiges Umweltbildungsprogramm. Deshalb füllen Sie gleich die Antwortkarte aus und… Wandeln Sie Ihre Einzelmitgliedschaft in eine Familienmitgliedschaft um. Oder: Melden Sie uns Ihre Kinder nach, wenn Sie schon eine Familienmitgliedschaft haben. Selbstverständlich ohne Mehrkosten.

Putzige Plüsch-Wildkatze

Frecher Plüsch-Biber

Kuscheliger Plüsch-Luchs

Informationen auch im Internet oder bei Ihrer BN-Kreisgruppe

Oder: Geben Sie diese Karte an Familien weiter, die, so wie Sie, natur verbunden sind.

www.bund-naturschutz.de


EDITOR IAL

3-08_N+U_web:n+u

Foto: Roggenthin

“

07.08.2008

18:35 Uhr

Seite 3

Natur+Umwelt 3-2008

Der Schutz der Lebensgrundlagen steht zur Wahl Der rasante Preisanstieg für Erdöl und Erdgas hat kurz vor der Landtagswahl in Bayern die Diskussion um eine umweltverträgliche Energieversorgung neu entbrennen lassen. Mit einer Angstkampagne, in der vor einer vermeintlichen »Stromlücke« gewarnt wird, und mit dem unhaltbaren Versprechen, durch den Weiterbetrieb der Atomkraftwerke würde der Strom billiger, wird versucht, Wählerstimmen zu gewinnen. Dabei ist das Gegenteil richtig: Je schneller Deutschland aus der schon im Normalbetrieb gefährlichen Atomrisikotechnologie aussteigt, desto eher kann unsere Stromerzeugung auf dezentrale Kraftwerke, die mit hohem Wirkungsgrad Wärme und Strom erzeugen, und auf erneuerbare Energien umgestellt werden. Die Befürworter von Laufzeitverlängerungen wollen stattdessen den Atomkonzernen E.ON, RWE und Co. Milliarden Euro an Gewinnen zuschanzen. Sie verschließen die Augen vor den krebskranken Kindern im engeren Umkreis der Atomkraftwerke. Sie ignorieren die nach wie vor völlig ungelöste Atommüllproblematik. Gerade in Bayern würden strenge Klimaschutzgesetze zur Energieeinsparung durch Wärmedämmung der bestehenden Häuser und Fabrikgebäude zukunftsfähige Arbeitsplätze schaffen. Ausführliche Informationen hierzu finden Sie unter www.bundnaturschutz.de. Ebenso kontraproduktiv für Klima und Umwelt wäre auch die geforderte Rückkehr zur alten Pendlerpauschale. Denn davon würden »Besserverdienende« erheblich stärker als Wenigverdiener profitieren, Geringstverdiener gingen völlig leer aus. Zugleich würden damit Flächenverbrauch, Zersiedelung und Energieverschwendung weiter angekurbelt. Der BN schlägt stattdessen eine Pendlerzulage für Geringverdiener analog zum Wohngeld vor. Gegen Erdölverknappung, hohe Spritpreise und die Klimagefährdung helfen nur eine intelligente Mobilität mit mehr Rad, Bus und Bahn sowie innovative Sparautos. Das würde die Arbeitsplätze bei BMW und Audi mehr sichern als die Werbung für spritfressende Geländewägen. Zu diesen und weiteren Punkten haben wir den Parteien zehn Kernforderungen zur Landtagswahl zugesandt. Denn als parteipolitisch unabhängiger Verband wollen auch wir zur politischen Willensbildung beitragen. Die Antworten der Parteien finden Sie auf Seite 6. Helfen Sie mit, dass im neuen bayerischen Landtag in allen Parteien möglichst viele Abgeordnete sitzen, die dem Natur- und Umweltschutz tatsächlich Priorität bei der ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltigen Entwicklung unseres Landes einräumen.

Titelthema

Inhalt

Fairness für die Bauern Gesunde Lebensmittel, artenreiche Wiesen und Felder, schöne Kulturlandschaften: Wenn die Landwirtschaft viel Gutes bietet, soll sie auch etwas bekommen: faire Preise und gerechte Förderung. Ab Seite 12

BUND-Seiten

Bio boomt Bio-Lebensmittel haben endgültig die Nische verlassen, es gibt sie überall zu kaufen. Doch stimmt auch immer die Qualität? Und was hat Bio-Landbau mit Klimaschutz zu tun? Aufklärung im BUND-Schwerpunkt. www.bund.net/bundmagazin Internet

Parteien im Umwelt-Check Im Heft mussten sich die Parteien kurzfassen, zehn BN-Fragen zur Landtagswahl durften nur mit Ja oder Nein beantwortet werden (Seite 6). Im Internet erläutern sie ihre Positionen zu Atomausstieg, Gentechnikfreiheit und weiteren BN-Kernforderungen. www.bund-naturschutz.de/magazin Mitmachen

Donau retten, Kohlekraftwerke verhindern Die große europaweite Unterschriftenaktion für die frei fließende Donau geht weiter (Seite 23). Schicken Sie uns gleich die Postkarte am Heftende. Stoppt den Kanal! Demonstrieren Sie am 13. September mit uns am E.ON-Kraftwerk Staudinger bei Hanau gegen den klimaschädlichen Ausbau von Kohlekraftwerken. Demo-Flyer in Teil der Auflage Infos für alle unter www.bund-naturschutz.de

Ihr Prof. Dr. Hubert Weiger, Vorsitzender des BN Ihre Doris Tropper, stv. Vorsitzende des BN Ihr Sebastian Schönauer, stv. Vorsitzender des BN

[3-08] Natur + Umwelt BN-Magazin

3

Intern 4 Delegierte setzen Zeichen für Artenvielfalt 6 Vor der Wahl: Es grünt so grün 8 Leserbriefe Portrait 9 Erich Prechtl Ratgeber 10 Umwelt schützen im Büro Titelthema 12 Gute Landwirtschaft braucht faire Bedingungen 16 Interview mit Romuald Schaber 18 Tank oder Teller Kids + Tricks 20 Bio kaufen Aktuell 22 Kurznachrichten 24 Studie gegen 3. Startbahn Fotoseite 25 Halsbandschnäpper Regional 26 Agro-Gentechnik auf dem Rückzug 27 Unterfranken 28 Oberfranken 29 Oberpfalz 30 Mittelfranken 31 Niederbayern 32 Oberbayern 33 Schwaben Bildung 34 Biberführer werden 35 Termine, Impressum B 0 – B 30 BUNDmagazin


3-08_N+U_web:n+u

07.08.2008

18:35 Uhr

Seite 4

Delegiertenversammlung in Bamberg

Zeichen für die Artenvielfalt Einstimmig forderten die Delegierten des Bundes Naturschutz aus ganz Bayern auf ihrer Jahrestagung 2008 die Politik auf, endlich entschlossen für die Erhaltung der Biodiversität zu handeln. Ein wichtiges Signal wäre ein Natio-

Ausgeglichen Der Haushalt 2008 ist ausgeglichen. Ein langjähriges Mitgliederwachstum und Ausgabendisziplin führten zu dieser Situation. Gedankt wird auch den hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die damit gleichbleibende Löhne akzeptiert haben und ihren Beitrag zur finanziellen Konsolidierung leisteten. Während der BN seine Gesamtausgaben leicht zurückführt, steigert er nochmals die im Artenschutz eingesetzten Mittel und festigt so seine Stellung als Bayerns größter Artenschutzverband.

nalpark im nördlichen Steigerwald (siehe auch Seite 23). Der BN geht selbst mit gutem Beispiel voran und erhöht im einstimmig beschlossenen Haushaltsplan 2008 weiter die finanziellen Mittel für seine Artenschutz-Projekte.

Sonstige Einnahmen 51.000 Euro Einnahmen der Umweltbildungs-Einrichtungen 258.000 Euro Zuschüsse für Ankäufe, Artenschutz, Projekte 1.193.000 Euro Erbschaften 485.000 Euro Spenden inkl. Haus- und Straßensammlung 1.265.000 Euro

Gesamt-Einnahmen (abzügl. Rücklagezuführung)

8,7 Mio. Euro

Investitionen, Baumaßnahmen 187.000 Euro Arten- und Biotopschutz 1.437.000 Euro

Verwaltung, Miete und sonstige Ausgaben 1.179.000 Euro Verbandsorgane, Delegiertenversammlung, Naturschutzveranstaltungen 262.000 Euro

Ankauf ökologisch wertvoller Grundstücke 359.000 Euro

Unterstützung der Jugendarbeit 235.000 Euro Deutschlandweiter und internationaler Umweltschutz 567.000 Euro Information, Öffentlichkeitsarbeit, Pressearbeit, Internet, Mitglieder- und Spendenwerbung 1.129.900 Euro

Fotos: Gößwald

Mitgliederservice, »Natur+Umwelt« 559.900 Euro

4

Natur + Umwelt BN-Magazin [3-08]

Gesamt-Ausgaben 8,7 Mio. Euro

Natur- und Umweltschutz 560.000 Euro Unterstützung der Kreis- und Ortsgruppen 1.731.600 Euro Bildungsarbeit 445.700 Euro

Beiträge von Mitgliedern und Förderern 5.595.000 Euro


18:35 Uhr

Seite 5

Zufrieden BN-»Urgestein« Helmut Steininger konnte sich freuen: nicht nur über seine Wiederwahl zum Landesschatzmeister, sondern vor allem über einstimmige Beschlüsse zur Jahresabrechnung 2007 und zum Haushaltsplan 2008.

Ausgezeichnet (linkes Bild) Elementarer Bestandteil jeder Delegiertenversammlung ist die Ehrung besonders verdienter BNAktiver mit der Bayerischen Naturschutzmedaille. Von links: Hubert Weiger, Helmut Korn, Vorsitzender der Kreisgruppe Bayreuth, Doris Tropper, Peter Rottner, Uwe Längenfelder, Vorsitzender der Kreisgruppe Kronach, Else Rausch, langjährige Schatzmeisterin der Kreisgruppe Bayreuth, Richard Mergner, Sebastian Schönauer. Gewählt (rechtes Bild) Alle vier Jahre wählt die BN-Delegiertenversammlung den Landesvorstand. Das neue Vorstandsteam demonstrierte als erstes für einen Nationalpark Nördlicher Steigerwald. Von links: Hubert Weiger, Peter Rottner, Doris Tropper, Christian Hierneis, Ralf Wißmath, Sebastian Schönauer, Carola Belloni, Richard Mergner, Hemut Steininger, Winfried Berner, Dieter Scherf, Martin Geilhufe.

Foto: BN

07.08.2008

Foto: BN

3-08_N+U_web:n+u

Programm 300 000

Sammelwoche für Bayerns Natur

D

K

as Ziel des neuen BN-Landesarbeitskreises »Mitgliedergewinnung und -bindung«, der jüngst seine Arbeit aufgenommen hat, lautet: 300 000 Mitglieder. »Wenn wir die Welt verändern wollen, müssen wir wachsen«, sagt Winfried Berner, Mitglied im BN-Landesvorstand und Sprecher des AK. Denn das politische Gewicht eines Verbandes hängt auch an seiner Mitgliederzahl, genauso wie seine wirtschaftliche Unabhängigkeit. Die Chancen, von derzeit 170 000 Mitgliedern auf 300 000 zu kommen, stehen nicht schlecht. Neue Schätzungen gehen davon aus, dass 30 Prozent der Erwachsenen umweltbewusst oder naturverbunden sind. Mit der Macht, die sie ausüben könnten, hätten Natur und Umwelt eine enorme Lobby. Doch nur als organisierte Gruppe haben sie die Chance, von den Entscheidungsträgern wahrgenommen zu werden, nämlich dann, wenn ein Verband wie der BN ihre Interessen vertritt. Doch wie finden die Menschen zum BN? Was erwarten sie als Mitglied? Das und vieles mehr sind die Themen, mit denen sich der neue AK beschäftigen wird. Längst hat die Wirtschaft eine neue Zielgruppe ausgemacht, nämlich Menschen, die einen nachhaltigen Lebensstil pflegen. Vielleicht liegt auch hier die große Chance des BN. Oder wo sehen Sie, liebe BNMitglieder, Möglichkeiten für ein Wachstum unseres Verbandes? Wie konnten Sie selbst schon jemanden überzeugen, BN-Mitglied zu werden? Schreiben Sie uns Ihre Ideen: christine.stefan@bund-naturschutz.de. Vielen Dank!

röten« sammeln für die gute Sache. Unter diesem Motto waren von 2. bis 8. Juni wieder Tausende von Schülerinnen, Schülern und Erwachsenen unterwegs, um Spenden für den BN zu sammeln. Ohne den unermüdlichen Einsatz der vielen ehrenamtlichen Helfer und ohne die gute Organisation bei den Kreisgruppen wäre die Sammelwoche nicht möglich. Der Landesverband sagt herzlichen Dank an alle, die sich engagiert haben – und natürlich allen Spendern! Etwas Besonderes hatte sich die Landesgeschäftsstelle in Regensburg ausgedacht. Verkleidet als Frosch, Karotte, Paprika und Erdbeere waren BN-Mitarbeiter in der Innenstadt unterwegs und baten die Bevölkerung erfolgreich um Spenden (auf dem Foto mit BN-Landesbeauftragtem Richard Mergner und Regensburgs Kreisvorsitzendem Dr. Peter Streck). Weil gleichzeitig die bayerische Klimawoche stattfand, verschenkten Erdbeere und Co. abschaltbare Stromsteckerleisten zum Energiesparen.

Trauer um Prof. Reichenbach-Klinke Matthias Reichenbach-Klinke verstarb am 19. April im Alter von 62 Jahren. Als Architekt, Wissenschaftler der TU München und Vorstandsmitglied des Landesvereins für Heimatpflege war er tief überzeugt von der Bedeutung der natürlichen Umwelt als Maßstab für das Bauen im ländlichen Raum. Der Bund Naturschutz verliert mit ihm einen engagierten Mitstreiter gegen die Uniformierung ländlicher Siedlungen und den ungezügelten Flächenverbrauch und für den Erhalt und die moderne Weiterentwicklung regionaler Bauidentität. Er setzte sich mit Weitsicht für den Erhalt und die Eigenart unserer Heimat ein. Sein Tod ist für alle, die ihn kannten, und alle, die sein Anliegen teilen, ein schmerzlicher Verlust. Prof. Dr. Hubert Weiger

[3-08] Natur + Umwelt BN-Magazin

5


3-08_N+U_web:n+u

07.08.2008

18:35 Uhr

Seite 6

Sind Sie für den sanften Ausbau der Donau mit ausschließlich flussbaulichen Maßnahmen und ohne jegliche Staustufen?

Foto: Grabe

Setzen Sie sich für die Einrichtung eines ersten fränkischen Nationalparks im Bereich der staatlichen Wälder im nördlichen Steigerwald ein?

Ja zum Nationalpark Ein Nationalpark Nördlicher Steigerwald könnte der Region viele nachhaltige Arbeitsplätze bringen, und er wäre ein großer Schritt bei der Bewahrung unseres Naturerbes Buchenwälder. Die meisten Parteien legten sich auf Nachfrage des BN auf ein Ja zum Nationalpark fest.

Setzen Sie sich für Bayern als gentechnikfreie Region und das Verbot jeglicher gentechnischer Freilandversuche in der Land- und Forstwirtschaft in Bayern ein? Setzen Sie sich für den Sofortausstieg aus der lebensbedrohenden und den Klimaschutz blockierenden Nutzung der Atomkraft ein? Setzen Sie sich für ein bayerisches Klimaschutzgesetz mit einem bayerischen CO2-Minderungsziel ab 2008 »-3 Prozent« pro Jahr bis 2020 ein? Lehnen Sie den Bau von neuen Kraftwerken zur Stromerzeugung in Bayern ohne vollständige Kraft-Wärme-Kopplung ab?

Bayern vor der Wahl

Es grünt so grün Draußen wird’s bald herbstlich, doch vor der Landtagswahl am 28. September färbt sich die politische Landschaft des Freistaats erfreulich »grün«. Viel Zustimmung nämlich erhielt der Bund Naturschutz von den Parteien auf zehn konkrete Fragen zum Umwelt- und Naturschutz.

W

er hätte vor einigen Jahren gedacht, dass viele umweltpolitische Forderungen des Bundes Naturschutz zunehmend in allen Parteien auf Akzeptanz stoßen? Umso notwendiger ist es genau hinzuschauen, ob die Versprechungen auch eingehalten werden. Den BN, streng seiner parteipolitischen Neutralität verpflichtet, freut vor allem die Beobachtung, dass umweltpolitische Themen wie schon bei den Kommunalwahlen im März für viele Menschen bei der Wahlentscheidung eine wichtige Rolle spielen. Naturschützer in ganz Bayern verlangen von einer künftigen Staatsregierung, endlich auf Staustufenpläne an der Donau zu verzichten. Freunde eines ersten fränkischen Nationalparks im Steigerwald wollen von den Parteien ein klares Ja zu diesem Projekt hören. Wer nichts von unnötigen Risiko-Technologien hält, for-

6

Natur + Umwelt BN-Magazin [3-08]

Sind Sie für die Erhöhung der Finanzmittel für den Naturschutz und die Umweltbildung zur Sicherung der Artenvielfalt und Lebensqualität pro Jahr von derzeit 40 auf 100 Millionen Euro? Sind Sie für die Verlagerung großer Teile des Flugverkehrs auf die Schiene und gegen einen Ausbau des Flughafens München mit einer 3. Start- und Landebahn sowie den Ausbau von Regionalflughäfen? Lehnen Sie generell geplante neue Autobahnen durch Bayern wie zum Beispiel die A94 durch das Isental, die A99 Südring München, die Fichtelgebirgsautobahn, die Westumfahrung Würzburg ab? Setzen Sie sich dafür ein, dass der Staatswald ausschließlich nach Gemeinwohlinteressen und nicht gewinnorientiert bewirtschaftet wird?

dert, dass Bayern gentechnik- und atomfreie Zone wird. Konkreter Klimaschutz und vernünftige Verkehrspolitik stehen ebenso auf dem Wunschzettel vieler Wähler. Wer bei der Landtagswahl Erfolg haben will, wird diese Forderungen nicht ignorieren können. Wahlkampfzeit ist Zeit für klare Festlegungen der Parteien, auch wenn sie sich vor manch deutlicher Aussage lieber drücken würden. Der Bund Naturschutz hat deshalb Parteien und Freien Wählern zehn ganz konkrete Fragen gestellt, die nur mit ja oder nein beant-


3-08_N+U_web:n+u

07.08.2008

18:35 Uhr

Grüne

Seite 7

CSU

SPD

Freie Wähler

?

ja

ja

ja

?

ja

ja

?

ja

?

ÖDP

Linke

ja

ja

ja

nein

?

ja

ja

ja

ja

nein

ja

ja

nein

ja

nein

nein

ja

ja

?

ja

ja

ja

nein

ja

ja

?

ja

ja

ja

nein

ja

ja

?

ja

ja

ja

nein

ja

ja

?

?

ja

ja

nein

ja

ja

?

ja

ja

nein

nein

ja

ja

?

ja

ja

ja

nein

ja

ja

wortet werden durften. Die Ergebnisse sehen Sie in unserer tabellarischen Übersicht. Ein insgesamt erfreuliches, aber auch sehr differenziertes Bild, leider ohne klare Aussagen der CSU. Richard Mergner, BN-Landesbeauftragter Manfred Gößwald, leitender Redakteur

FDP

Festgelegt An ihren klaren Aussagen zu den zehn Kernfragen des BN werden sich die Parteien nach der Wahl messen lassen müssen. Nur die CSU wollte sich nicht auf Ja oder Nein festlegen, SPD und FDP waren bei je einer Frage unsicher. Erläuterungen der Parteien lesen Sie unter www.bundnaturschutz.de/ magazin.

Mehr im Web: Kernforderungen Neben den zehn Kurzfragen hat der Bund Naturschutz die Parteien auch mit ausführlichen Forderungen konfrontiert. Ein politisch-ökologisches Kernprogramm, das es in sich hat. Energiewende, Biotopverbund, Gentechnikfreiheit, Gewässerschutz und vieles mehr: Würde die künftige Staatsregierung ernst damit machen, müsste uns um unsere Zukunft nicht mehr bange sein. Lesen Sie die Kernforderungen und die Stellungnahmen der Parteien dazu unter www.bund-naturschutz.de/magazin.

[3-08] Natur + Umwelt BN-Magazin

7


07.08.2008

18:35 Uhr

Seite 8

Elektrosmog: Vorsorge-Tipps Zu Leserbriefen über Mobilfunkstrahlung in N+U 2-08 Wie in einem Leserbrief steht, senden Handys mit einer geregelten Sendeleistung von 1 bis 2 mW (Milliwatt). Ich habe da andere Information. Man kann im Internet wissenschaftlich nachweisbare Berichte finden, und da ist die maximale Sendeleistung für das D-Netz mit 2 Watt und für das E-Netz mit 1 Watt angegeben. Wenn die Empfangssituation (und somit ja auch die Sendesituation) schlecht ist, zum Beispiel im Auto oder in der U-Bahnstation, wird die Regelung auch eine entsprechend hohe Sendeleistung einstellen. Nix mit Milliwatt, das sind satte 1 bis 2 Watt! Martin Schiegl, Pfaffenhofen a. d. Ilm Redaktion: Bei der Angabe »zwischen 2 mW und 1 mW« in dem zitierten Leserbrief handelte es sich tatsächlich um einen Druckfehler, gemeint war »zwischen 2 mW und 1 W«.

Foto: Mirwald

Schreiben Sie uns! Wir freuen uns auf Ihre Meinung: BN-Magazin »Natur+Umwelt«, Dr.-JohannMaier-Str. 4, 93049 Regensburg, Tel. 09 41-2 97 20 22, Fax 2 97 20 31, nu@bundnaturschutz.de

Foto: fotolia

Ihr Manfred Gößwald, leitender Redakteur

Eine neue Studie aus dem Mobilfunkforschungsprogramm des Bundesamtes für Strahlenschutz gibt grundsätzlich Entwarnung; wenigstens für Erwachsene. Hier ein paar Hinweise für den, der trotzdem Vorsicht walten lassen möchte: Handys: Mit Freisprecheinrichtung und Außenantenne kann man die Handystrahlung im Auto wesentlich verringern, den Empfang in schlecht versorgten Gebieten verbessern und eine Strafe wegen Telefonierens während der Fahrt vermeiden. Jedes Handy zeigt grob die Stärke der Versorgung an. Ist diese gut, regeln sowohl Handy als auch Mobilfunkbasisstation die Leistung bis auf 1/1000 herunter. Telefoniert man nur bei guter Versorgung, minimiert man die Strahlung des eigenen Handys signifikant. Ein über Kabel angeschlossenes Headset würde besonders bei Vieltelefonierern die Einstrahlung am Kopf verringern.

8

Natur + Umwelt BN-Magazin [3-08]

Schnurlose Telefone: Die Basisstation der meisten schnurlosen Telefone strahlt immer mit etwa 0,1 Watt, auch wenn das Telefon in der Basis steckt. Möchte man sich davor schützen, sollte man die Basis möglichst weit entfernt von Schlaf-, Kinder- und Wohnzimmer aufstellen. Es werden aber auch schnurlose Telefone angeboten, bei denen die Basis nicht sendet, wenn das Telefon dort abgelegt wurde und die ähnlich dem Mobilfunk entsprechend der räumlichen Gegebenheiten die Sendeleistung anpassen. Gerhard Knobloch, Bayreuth

Bei Wärmepumpen differenzieren Zum Beitrag »Die KlimaSackgassen« in N+U 2-08 Dass Atomkraft keine Lösung darstellt, ist unbestreitbar. Dass der Wasserstoff unsinnig sei, kann man ebenso unterschreiben. Wieso allerdings die Elektrowärmepumpen »bis auf einige geniale Ausnahmen« keine Alternative zu unseren herkömmlichen fossilen Heizungen sind, erschließt sich mir nicht. Wenn man auch vom deutschen Energiemix mit hohem fossilem und atomarem Stromanteil ausgeht, werden diese uneffizienten Energieerzeuger bei weitem durch den Umweltwärmeanteil, den die Wärmepumpe nutzbar macht, ausgeglichen. Die Häuser müssen dabei gar nicht so »genial« sein, sondern nur sehr gut wärmegedämmt. Wirklich »genial« wird es allerdings, zieht man Folgendes in Betracht: Ein modernes, gut gedämmtes Haus mit solarer Wärmeunterstützung kann mit Hilfe einer Wärmepumpe (Erdsonde, Erdkollektor oder Grundwasser) und einer PV-Anlage zum Nullenergiehaus werden. In der Jahresbilanz verbrauchen dieses Haus und seine Bewohner weniger Energie, als vor Ort umweltfreundlich erzeugt wird. Die Wärmepumpen hätten deshalb etwas mehr Differenzierung verdient. Harald Brosi, Schrobenhausen Redaktion: Hintergründe zur Kritik an Wärmepumpen aus ökologischer Sicht bietet die BUND-Info »Die elektrische Wärmepumpe: eine verkappte Kohleheizung«. www. bund.net/publikationen.

In Bezug auf Atomstrom und buchmäßigen Verkauf von Ökostrom und auch bei der Wärmepumpe gehe ich mit dem Verfasser einig. Zum Biosprit ist doch was zu sagen: Bei Verzicht auf Energiepflanzen würden Felder anderweitig genutzt mit nicht weniger Dünger und Pflanzenschutzmitteln. Weiter ist Raps wegen der Fruchtfolge im Ackerbau wertvoll. In der Folgekultur können Düngemittel erheblich gemindert werden. Freiwerden von Lachgas ist bei Nahrungsmittelpflanzen ebenso gegeben. Als Landwirt bin ich froh, neben Grundstoffen für Lebensmittel eine Alternative im Energiepflanzenanbau zu haben. Hermann Schmidt, Geslau

Schmeiser siegt gegen Monsanto Zum Beitrag »Gegen Gen-Maisanbau in Kitzingen« in N+U 2-08 Dass sich Widerstand gegen die Saat-gut(?)-Konzerne, die, welch Zufall, immer auch gleich die passenden Unkrautvernichtungsmittel mitliefern, lohnt, zeigt das Beispiel des kanadischen Landwirts Percy Schmeiser (Portrait in N+U 1-08): Kurz vor der letzten Gerichtsverhandlung gab sich das Unternehmen Monsanto geschlagen. Schmeiser bekommt den ihm entstandenen Schaden erstattet, er darf weiterhin öffentlich berichten. Michael Schropp, Ismaning Foto: Binder

3-08_N+U_web:n+u

Empfehlenswert Zum Ratgeber mit Tauschringen in N+U 2-08 Buchticket.de ist eine reine Büchertauschbörse für gebundene Bücher, Taschenbücher und Hörbücher. Wenn ein Buch eingestellt wird, können es circa 100 000 Mitglieder sehen. Für eine Anforderung bekommt man ein Freiticket, mit diesem kann man sich aus dem Katalog eines aussuchen. Liane Schmid, Wittislingen


07.08.2008

18:35 Uhr

Seite 9

F

ingerspitzengefühl, das würde man diesem Mann auf den ersten Blick gar nicht zutrauen. In grünem Outfit und mit schwerem Schuhwerk kommt er so kernig daher wie die bayerische Bergwacht persönlich, sein Gesicht so knorrig, als sei es aus einer Baumrinde des Bergwaldes geschnitten. Dass Erich Prechtl, 59, ein »Kind« der Alpen ist, das lässt sich weder übersehen noch überhören. Denn er spricht einen Dialekt, den nördlich von München nur die wenigsten verstehen dürften. »Ich bin in Freilassing-Salzburghofen geboren«, sagt er mit dem Stolz eines Menschen, der sich fest in seiner Heimat verwurzelt fühlt, »und da leb ich heute noch«. Kein Wunder also, dass sein jahrzehntelanges Engagement im Bund Naturschutz eng um die typischen Themen der Alpen, also um den Bergwald, die Almwege, den Massentourismus oder den Nationalpark Berchtesgaden kreiste. Und natürlich ging es immer wieder um die Frage der Austragung Olympischer Winterspiele. Zum vierten Mal, so rechnet Prechtl nach, muss er jetzt darum kämpfen, dass die großspurigen Bewerbungs- und vor allem Baupläne am Königssee nicht Realität werden. »Der Unterschied zu früher ist nur, dass es heute auch in den ›klassischen‹ Wintersportgebieten keinen Schnee mehr gibt«, kommentiert er die aktuelle Konfliktlage. Dennoch wäre es falsch, sich vom ersten Eindruck täuschen zu lassen. Trotz der schwierigen Umweltfragen und großen Naturschutzprobleme in der steinernen Welt der Alpen ist der langjährige BN-Kreisvorsitzende kein »harter Brocken« geworden. Im Gegenteil musste er sehr viel Feingefühl und diplomatisches Geschick beweisen, um bei seinem eigentlichen Schwerpunktthema zum Erfolg zu kommen. Es geht um die Salzach, die Lebensader dieser Region. Den Voralpenfluss, der in Bayern auf 60 Kilometer noch nicht durch Staustufen unterbrochen ist, und dessen wertvolle Auenlandschaft hat der frühere Bahnbeamte ins Zentrum seiner ehrenamtlichen Aktivitäten gestellt. Eingebettet in eine internationale Aktionsgemeinschaft (AG) aus Sport-, Naturschutz-, Wald- und Jugendverbänden und gemeinsam mit vielen Umweltfreunden aus Österreich und Deutschland verfolgt er seit über zwanzig Jahren das Ziel, die Salzach in großem Stil zu renaturieren, das Flussbett zu verbreitern sowie Fluss und Aue wieder zu vernetzen.

Erfolge für die Salzach Anfang der 1970er-Jahre drohte die Zerstörung der Salzach, weil entlang des gesamten Flusslaufs neue Kraftwerke entstehen sollten. »Damals«, so erinnert er sich, »waren Alternativen gefragt.« Zwischen 1985 und 1987 erarbeitete die AG »Lebensraum Salzach« deshalb ein Programm zur Renaturierung des Flusses, legte es sämtlichen Entscheidungsträgern vor und ging damit schließlich 1988 an die Öffentlichkeit. Es gelang, die Wasserwirtschaft mit ins Boot zu holen und für eine natürliche Sohlesicherung, Ufergestaltung und Hochwasserregulierung zu interessieren. »Jetzt, nach 20 Jahren, laufen erste Baumaßnahmen«,

Erich Prechtl

Ein Rettungsschwimmer im steinernen Meer

Foto: Markl-Meider

3-08_N+U_web:n+u

Naturschutz lebt – vor allem vom Fingerspitzengefühl der beteiligten Akteure. Das ist die Erfahrung von Erich Prechtl aus dem Berchtesgadener Land. Seit 20 Jahren setzt er sich geschickt und geduldig für die Renaturierung der Salzach ein. Jetzt wird sein Lebenstraum Stück für Stück Wirklichkeit. Von Christoph Markl-Meider freut sich der Berchtesgadener Naturschützer, der einer der vier Sprecher des großen Salzach-Bündnisses ist. »Wenn alles gut geht, erfüllen sich in den nächsten 15 Jahren unsere Vorstellungen«, so ist er überzeugt. Ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur Rettung der Salzach war getan, als sich die Wassergüte des Alpenflusses noch in den 1990er-Jahren spürbar verbesserte. Ein Papier- und Zellstoffwerk musste einschneidende Umweltauflagen erfüllen und Reinigungsanlagen bauen. »Überall dort, wo wir der Natur eine Chance geben, geht es voran«, hat Prechtl daraus gelernt. Er nennt als weiteres Beispiel das benachbarte Ainringer Moor, wo eine Mülldeponie geplant war und sich heute – nach der Wiedervernässung – über 100 verschiedene Vogelarten versammeln, darunter Löffel-, Seiden- und Silberreiher. Vielleicht hat die besondere Hinwendung Prechtls zur Salzach auch damit zu tun, dass er in seinen Jugendjahren erst über die Wasserwacht zum Naturschutz kam. »Ich kenne das Wasser von unten wie von oben«, kann der frühere Rettungsschwimmer von sich behaupten. Auch eine Maxime seiner Naturschutzarbeit lässt sich wahrscheinlich aus dieser Erfahrung ableiten: Weiches Wasser bricht den Stein.

[3-08] Natur + Umwelt BN-Magazin

9

»Glaubwürdig wie ein Pfarrer« Im Berchtesgadener Land genießt der Bund Naturschutz hohes Ansehen. »Die Leute wissen, dass wir keinen Grund zur Lüge haben«, erklärt Erich Prechtl, der dortige Kreisvorsitzende von 1986 bis 2007.

Kontakt BN-Kreisgruppe Berchtesgadener Land, Birkenweg 11, 83395 Freilassing, berchtesgadenerland@bund-naturschutz.de


07.08.2008

18:35 Uhr

Seite 10

Illustrationen: Wesner

3-08_N+U_web:n+u

Büroalltag und Umweltschutz

Arbeiten im Grünen Warum sollte der Umweltgedanke Pause machen, wenn wir schuften? Ökologie ist am Arbeitsplatz mindestens so wichtig wie zu Hause.

Papier und Plastik recyceln Keine Frage: Das klassische Knüll-und-Weg-Ritual tut der Seele manchmal gut. Doch während das Papier dabei oft im Restmüll landet, darbt die Altpapiertonne. Besorgen Sie lieber zwei A4-Ablagen: Eine für einseitig gebrauchte Blätter, die Sie für Notizen oder Testdrucke wiederverwenden; die andere als Zwischenstopp auf dem Weg zum Altpapier. Bei Kunststoffabfällen sind CDs längst Spitzenreiter. Doch das hochwertige CD-Material Polycarbonat landet fast immer im Müll. Dabei kann man die Silberlinge in vielen Kommunen bereits auf dem Wertstoffhof abgeben; auch die BN-Kreisgruppen sammeln oft alte CDs. Zudem nehmen verschiedene Computer-Ketten ausrangierte CDs an. Durch breite radiale Kratzer kann man die Scheiben mit wenig Aufwand unleserlich machen.

Stromdiebe ermitteln und fassen Elektrogeräte mit hoher Wärmeabgabe sind Stromdiebe. Überprüfen Sie gezielt deren Einsatz: Kopierer oder Scanner müssen nicht ständig laufen. Auch die externe Festplatte für den regelmäßigen Backup erfordert keinen Dauerbetrieb. Sie sollte zumindest nachts ruhen. Das gilt auch für fast alle anderen Stromverbraucher wie Telefon- und Faxgeräte, W-LAN-Boxen oder Router. Hilfreich sind hier Steckdosenleisten mit Schalter. Damit lassen sich die Geräte zweckmäßig in Einschalt-Gruppen gliedern und abends komplett stilllegen, eventuell per Zeitschaltuhr. Teure Dauerbrenner sind Monitore, besonders ältere Röhrenmodelle. Bildschirmschoner bringen nichts. Machen Sie sich lieber mit der Energieverwaltung ihres Betriebssystems vertraut: Es stört nicht, wenn der Monitor bei kleineren Unterbrechungen abschaltet. Bei längeren Pausen sollte auch der Rechner in den Ruhezustand (nicht Standby!) wechseln. Dabei wird der komplette Inhalt des Arbeitsspeichers ohne Stromverbrauch auf der Festplatte geparkt. Nach dem raschen Hochfahren können Sie sofort weiterarbeiten.

BN Service GmbH Gut informiert sein, besser reisen: Dieses Mal bietet die BN Service GmbH nützliche Hilfen und Büromaterialien an, die auf jedem Schreibtisch eine gute Figur machen – optisch und ökologisch. Notizhalter Holz Praktischer und schöner Notizhalter aus zweifarbigem Holz, schafft Ordnung und dekoriert den Schreibtisch. Jeder Halter ist ein Unikat. Spiralform 9,20 Euro / Herzform 9,00 Euro

Notizhalter Stein Mit diesen Steinen können Sie Ordnung schaffen, Nachrichten für Ihre Familie hinterlassen oder ein Foto Ihrer Lieben aufstellen. Jeder Stein ist ein Unikat. 3,90 Euro

10

Natur + Umwelt BN-Magazin [3-08]

Lesezeichen Sehr schönes handgestaltetes Lesezeichen aus Holz in Form eines Salamanders, eines Linden-, Ahornoder Eichenblattes. Mit Schlitz, um eine Bücherseite einzuschieben und sicher zu markieren. Jedes Lesezeichen ist ein Unikat. 6,30 Euro

w


3-08_N+U_web:n+u

07.08.2008

18:35 Uhr

Seite 11

Der Königsweg: Gemeinsame Sache machen Egal ob Sie Chef, Manager, Betriebsrat oder Angestellter sind – machen Sie Umweltschutz zum Thema. Sprechen Sie Ihre Kollegen und Vorgesetzten auf mögliche Verbesserungen an. Setzen Sie dabei nicht auf schlechtes Gewissen, sondern auf sportlichen Ehrgeiz. Sie können zum Beispiel eine Teilnahme am Wettbewerb »Büro & Umwelt« anregen (siehe Kasten). Neben einem Geldpreis besteht der Hauptgewinn vor allem darin, dass Umweltbewusstsein ebenso Teil der Unternehmenskultur wird wie Teamgeist oder Qualitätsstandards.

Woher nehmen? Sollten Sie selbst Verantwortung für den Einkauf tragen: Gute Orientierung gibt der Blaue Engel. Egal ob Möbel oder Elektrogeräte, Papier oder Kuverts, Kugelschreiber oder Haftnotizen – das blaue Logo tragen nur Produkte, die hohe Umweltanforderungen erfüllen. Eine Übersicht liefert der Produktwegweiser »Umweltfreundliches Büro – Gesund arbeiten« (siehe Kasten). Vor allem beim Verbrauchsartikel Nummer Eins lohnt die Alternative: Hochwertige Recyclingpapiere sind heute genauso weiß und haltbar wie Normalpapier.

Büttenpapier A5

쮿 Produktwegweiser »Umweltfreundliches Büro – Gesund arbeiten«: www.blauer-engel.de 쮿 Wettbewerb des Bundesdeutschen Arbeitskreises für umweltbewusstes Management (B.A.U.M. e.V.): www.buero-und-umwelt.de

Bürogewohnheiten auf dem Ökoprüfstand Zehn Tipps für den Alltag: 왘 Selten benutzte Geräte nur bei Bedarf einschalten. 왘 Monitore blendfrei platzieren, damit Jalousien und Kunstlicht möglichst selten benötigt werden. 왘 Beim Deckenlicht nur die aktuell nötigen Partien einschalten. 왘 Gelegentliches Stoß- statt Dauerlüften spart Heizenergie. 왘 Fenster in Besprechungsräumen nach dem Meeting schließen. 왘 Luftbefeuchter durch Zimmerpflanzen ersetzen. 왘 Heizleistung reduzieren. 왘 Boiler in der Teeküche nachts und am Wochenende ausschalten. 왘 Kaffee in die Thermoskanne statt Dauerparken auf der Warmhalteplatte. 왘 Fahrstuhl meiden: Pro Fahrt sparen sie Strom für eine Stunde Energiesparlicht.

Buch »Einfach die Welt verändern«

Handgeschöpftes Büttenpapier, DIN A5, in beige, grün oder weiß mit Gras marmoriert. Blatt 0,50 Euro

Fünfzig einfache Ideen, die positiv auf Umwelt, Mitmenschen, Gesundheit und Zufriedenheit wirken – witzig und unideologisch präsentiert. 7,90 Euro

Büttenpapier Briefumschlag Handgeschöpftes Büttenpapier als Briefumschlag in beige, grün oder weiß mit Gras marmoriert. Stück 0,90 Euro

Buch »33 einfache Dinge«

Papiermachset Büttenpapier selbst herstellen! Das Set zum Selbstschöpfen regt zum Probieren und Experimentieren an: Schöpfrahmen, Bretter zum Gautschen und Pressen, Gautschfilze,

Rat holen, nachlesen

Material zum Zerkleinern und Auflösen, Anleitung. 32,00 Euro

In diesem Buch lernen Kinder zusammen mit den Detektiven Tim und Lena, wie man kinderleicht die Umwelt schützen kann. Mit Detektivausweis! 14,90 Euro

Bestellen Sie hier! BN Service GmbH, Bahnhof Lauf (links Pegnitz), Eckertstr. 2, 91207 Lauf a. d. Pegnitz, Tel. 0 91 239 99 57-20, Fax 0 91 23 -9 99 5799, info@ service.bundnaturschutz.de

www.service.bund-naturschutz.de


3-08_N+U_web:n+u

07.08.2008

18:35 Uhr

Seite 12

12

Natur + Umwelt BN-Magazin [3-08]

Foto: Willner

Foto: BN

Von den Landwirten wird einiges erwartet. Wertvolle Lebensmittel sollen sie bereitstellen, nebenbei für schöne Kulturlandschaften mit großer Naturvielfalt und Artenreichtum sorgen, neuerdings noch mit klimafreundlicher Energie die Abhängigkeit vom Öl mindern. Dafür können sie auch etwas verlangen. Gerechte und gezielte Förderung zum Beispiel. Und von uns Verbrauchern die Bereitschaft, für hochwertige, heimische Lebensmittel ein paar Cent mehr auszugeben.

Foto: BN

Gute Landwirtschaft braucht faire Bedingungen

D

ie Landwirte genießen derzeit in der Öffentlichkeit hohes Ansehen. Dies wohl nicht so sehr, weil sie im Fernsehen so sympathisch rüberkommen, in »Bauer sucht Frau«. Der Grund, warum Skandale vom Gammelfleisch bis zur qualvollen Massentierhaltung derzeit dem Ruf der Landwirtschaft kaum etwas anhaben können, liegt wohl, so paradox das klingt, an den steigenden Lebensmittelpreisen. Erst sie machen deutlich: Die Zeiten von Überschüssen und Butterbergen sind vorbei. Im Gegenteil, auf Äckern und Wiesen wird’s eng, unterschiedliche Ansprüche machen einander Konkurrenz. Landschaftspflegende, naturschützende Land- und Energiewirte sind so gefragt wie ihre Produkte. Die Bedrohung der Landwirtschaft und Nahrungserzeugung durch die Gentechnikkonzerne bringt Landwirte und Verbraucher ins Gespräch und führt zu neuer Solidarität. Aber warum müssen die Bauern dann für faire Preise kämpfen, wie im Frühjahr die Milchbauern mit ihrem Lieferboykott?


3-08_N+U_web:n+u

07.08.2008

18:35 Uhr

Seite 13

Foto: Moser

Bäuerliche Kulturlandschaft im Landkreis Regensburg

Fatale Entwicklungen Gute Landwirtschaft war von jeher entscheidend für hohe Lebensqualität und intakte Natur. Um die bayerische Kulturlandschaft beneidet uns die Welt. Generationen von Bauern boten auf ihren Flächen einer großen Zahl an Tier- und Pflanzenarten Lebensraum. »Das Land« war bis vor wenigen Jahrzehnten nicht zu Unrecht der Inbegriff von Natur. Seither hat sich viel verändert. Massentierhaltung ohne Rücksicht auf das Mitgeschöpf, Vergiftung von Böden und Grundwasser mit Pestiziden und Nitrat, Ausräumung der Landschaften durch Flurbereinigung zugunsten technisierter Bewirtschaftungsmethoden, Verlust der Artenvielfalt und vieles mehr: Die Liste der Fehlentwicklungen ist lang und allseits bekannt. Hauptgrund waren falsche agrarpolitische Rahmenbedingungen und eine Subventionspolitik auf Ebene der EU, die Großbetriebe und Intensivierung bevorzugte. Die Landwirtschaft sollte für stets reichliche Lebensmittel sorgen, die Subventionen bewirkten aber Überschüsse und Preisverfall. Landwirtschaft, das heißt vielerorts in Deutschland Massentierhaltung, monotone Äcker, industrielle Produktionsweisen, weite Viehtransporte.

Unfaire Weltmarktpreise Von solchen Strukturen profitieren wenige Großbetriebe und Konzerne, während das Sterben der kleinen

Höfe unaufhörlich weitergeht. Solange von den deutschen Landwirten verlangt wird, dass sie zu Weltmarktpreisen produzieren, also mit den Agrarfabriken etwa in den USA konkurrieren, wird sich daran nichts ändern (die Forderungen des Weltagrarrats lesen Sie auf Seite B 15). Den engagierten Bauern, die bei »Masse statt Klasse« nicht mitmachen wollten und auf ÖkoLandbau umstellten, halfen lange Zeit nur Umweltverbände wie der BN, nicht aber die Politik oder gar der Bauernverband. Das Ergebnis dieser verfehlten Landwirtschaftpolitik – und der speziellen Situation im Osten Deutschlands – ist, dass es »die Landwirtschaft« heute gar nicht mehr gibt, sondern eine extreme Bandbreite von riesigen, industriell arbeitenden Massenbetrieben bis zu kleinen, ums Überleben kämpfenden Höfen. Erst in jüngster Zeit deutet sich ein Umdenken in Brüssel an, das der Bund Naturschutz engagiert unterstützt.

Höfe sterben – und Arten Der Trend vom Bauernhof zur Agrarfabrik macht auch vor Bayern nicht halt, wenngleich es in manchen Regionen noch idyllische Höfe gibt. Doch die Zahl der Betriebe hat sich in den letzten drei Jahrzehnten fast halbiert, um über 120 000 auf heute nur noch 118 000. Mit 190 000 Beschäftigten leben noch drei Prozent der Erwerbstätigen überwiegend von der Landwirtschaft.

[3-08] Natur + Umwelt BN-Magazin

13

Mehr Bio in diesem Heft Gesunde Lebensmittel, Biodiversität, Klimaschutz: Egal welche der zentralen Umwelt-Problemstellungen unserer Zeit man betrachtet, der BioLandbau trägt wesentlich zu ihrer Lösung bei. Lesen Sie dazu den Themenschwerpunkt unseres Bundesverbandes BUND, in diesem Heft ab Seite B 16.


3-08_N+U_web:n+u

07.08.2008

Mehr Info im Web Zukunft für Bayerns Landwirtschaft! Unter diesem Titel sind die agrarpolitische Position des BN und ihre Kurzfassung erschienen. Nachzulesen, neben vielen anderen Infos und Hintergründen, auf den Agrar-Seiten des BN im Internet: www.bund-naturschutz.de/landwirtschaft. Die aktuellen Meldungen und Forderungen des BN finden Sie unter www.bundnaturschutz.de/ presse/landwirtschaft.

18:35 Uhr

Seite 14

Wie die Intensivierung fortschreitet, kann jedermann am Grünland sehen: Wiesen, die früher im Mai weiß, blau, rot und gelb schillerten, sind heute oft schon Anfang Mai zu einer monotonen grünen Einheitsfläche geworden. Auf den Äckern sieht es nicht besser aus: Mohn und Kornblumen sind fast nur noch auf Bio-Feldern zu finden, die einst typische Kornrade ist fast ausgestorben. Auch die Fruchtfolgen haben sich verändert. Maisflächen nehmen insbesondere in der Umgebung von Biogasanlagen stark zu. Dort steigen zum Teil die Pachtpreise ganz enorm und verteuern die Milch- und Fleischproduktion (siehe Seite 18). Auch der Rapsanbau hat stark zugelegt, in der Oberpfalz sind die Grenzen des Erträglichen erreicht, wie jetzt am Auftreten resistenter Rapsglanzkäfer deutlich wird; diese Schädlinge lassen sich mit zugelassenen Insektiziden nicht mehr bekämpfen. Ein Teil der Rapsernte landet, statt in Margarine und Speiseöl oder in der Industrie, jetzt als »Biodiesel« im Straßenverkehr – eine Entwicklung, die der BN wegen der schlechten Energiebilanz sehr kritisch sieht. Früchte, mit denen der Humus im Boden aufgebaut wird, wichtig als Erosionsschutz und Wasserspeicher, sind immer seltener zu finden: Luzerne, Erbsen, Ackerbohnen oder mehrjähriger Kleegrasanbau. Der bayerische Umweltbericht weist nach wie vor negative Stoffbilanzen aus: Der Stickstoffüberschuss liegt, auch wenn seit 1999 um 20 Kilogramm verringert, immer noch bei 76 Kilogramm pro Hektar. Das beeinträchtigt Oberflächen- und Grundwasser und birgt gesundheitliche Risiken. Auch die Bodenerosion ist dramatisch: Im Mittel werden von

jedem Hektar bayerischem Ackerland jährlich unglaubliche 2,7 Tonnen Boden abgetragen.

Öko-Landbau wächst zu langsam Das Wachstum bei den Öko-Betrieben in Bayern hat sich in den letzten zwei Jahren deutlich verlangsamt, es lag 2005 bei nur noch knapp drei Prozent – und das, obwohl die Nachfrage nach Bio-Produkten rasant steigt (siehe Seite B 6). Inzwischen gibt es circa 5000 bayerische Öko-Höfe, das sind erst vier Prozent aller Betriebe. Um ihren Anteil zu erhöhen, fordert der BN von der Staatsregierung eine längst überfällige Imageund Förderoffensive für den Öko-Landbau und ein klares Bekenntnis zu einem gentechnikfreien Bayern, denn Gen-Anbau wäre das Ende der Bio-Landwirtschaft. Neue Chancen für Öko-Bauern liegen gerade im Milchbereich. Bayerns Landwirtschaftsminister Josef Miller hat im April ein neues Förderkonzept für die Umstellung auf Öko-Landbau vorgelegt und damit jüngste Kürzungen im Kulturlandschaftsprogramm wieder ausgeglichen. Ein Erfolg auch der BN-Lobbyarbeit für die Bio-Bauern. Die gestiegene Nachfrage nach Öko-Lebensmitteln wird derzeit besonders bei Milch noch stark von Importen gedeckt. Bio-Molkereien suchen dringend neue heimische Öko-Milchbau-

Schachbrettfalter

Fotos: Willner

Kornrade

14

Natur + Umwelt BN-Magazin [3-08]


18:35 Uhr

Seite 15

ern; die bekommen derzeit etwa elf Cent mehr für den Liter als ihre konventionell erzeugenden Kollegen. Generell landet vom Endpreis für Lebensmittel nur ein kleiner Prozentsatz beim Landwirt. Kauft der Verbraucher eine Semmel, fließen nur 3,8 Prozent des Preises zum Bauern; bei Milch und Molkereiprodukten ist es immerhin noch deutlich mehr (siehe Grafik auf Seite 18). Dennoch brauchen die Milchbauern höhere Preise. Die können auf Dauer nur erreicht werden, wenn europaweit die Überproduktion abgebaut wird. Intensive Milchproduktion auf der Basis von Soja und Mais hält der BN für eine Sackgasse, die auch die Verbraucher nicht mittragen werden. Fairer Preis für faire Milchqualität ist das Motto, mit dem der BN die Milchbauern zur gentechnikfreien Fütterung auf regionaler Futtergrundlage bewegen will (siehe Interview mit Romuald Schaber auf Seite 16).

Weniger Subventionen für Agrarfabriken! Massentierhaltung und Großbetriebe prägen die bayerische Landwirtschaft noch wenig; außer bei der Geflügelhaltung, wo die bundesweit größten industriellen Entenmastbetriebe im Freistaat angesiedelt sind. Doch es entstehen immer mehr Großbetriebe, durch Zupachten, wenn Landwirte keinen Hofnachfolger finden. Mit großem Maschinenpark und Fremdarbeitskräften bewirtschaften sie auch mal 2000 und 3000 Hektar. Solchen Betrieben mit vergleichsweise wenigen Beschäftigten sollen die Subventionen drastisch gekürzt werden, falls die Vorstellungen des BN bei den agrarpolitischen Verhandlungen in Deutschland und der EU Gehör finden. Dann würde es die Bevorzugung ostdeutscher gegenüber bayerischen Bauern nicht mehr geben. Bisher nämlich erhalten zum Beispiel Landwirte aus Mecklenburg-Vorpommern im Schnitt 17 600 Euro pro Arbeitskraft und Jahr, bayerische Bauern dagegen nur 4400 Euro (siehe Tabelle).

Zusammengestellt von Lutz Ribbe, Stiftung Euronatur

BN-Schwerpunkt Landwirtschaft Seit Jahrzehnten arbeitet der BN auf allen Verbandsebenen und gemeinsam mit Partnern für das Ziel einer bäuerlichen und umweltgerechten Landwirtschaft. Unsere Initiativen reichen von der Pressearbeit für gerechte Milchpreise bis zur Einflussnahme auf die bayerischen Agrar-Umweltprogramme; von der Verbraucheraufklärung über gesundheitliche Vorteile von Bio-Lebensmitteln bis zu deren konkreten Einführung in Kantinen und Krankenhäusern. Der Einsatz für ein

Agrar-Direktzahlungen im Vergleich Bayern

MecklenburgVorpommern

Direktzahlungen … je Hektar

258 5

283 5

… je Arbeitskraft

4 415 5

17 649 5

… je Betrieb

6 657 5

74 182 5

20 790 5

63 646 5

Gewinn je Unternehmen

Foto: oekolandbau.de/Stephan

07.08.2008

gentechnikfreies Bayern, ohne das es keine ökologische Landwirtschaft geben kann, ist derzeit ein Arbeitsschwerpunkt des BN. Über die Stiftung Euronatur (www.euronatur.org) sind wir in die agrarpolitische Lobbyarbeit auf Bundes- und EU-Ebene eingebunden. Bereits 1975 hat der BN sein erstes Agrarprogramm vorgelegt und dort den Erhalt der Bauernhöfe und die Umstellung auf ökologischen Landbau gefordert. Diese Ziele erhalten mit der Globalisierung und der Diskussion um knapper werdende Anbauflächen neue Bedeutung. Nur mit einer regionalen Lebensmittelproduktion, ohne Futtermittel aus armen Ländern, und mit nur geringem Einsatz erdölabhängiger Düngemittel und von Pestiziden wird eine krisensichere, gesunde Lebensmittelversorgung in Bayern und Europa, ja weltweit zu sichern sein. Den Ölmultis und Gentechnikkonzernen geht es um das genaue Gegenteil: Abhängigkeit von Erdöl und Saatgut. Der Agrargigant Monsanto zum Beispiel will die Ernährung der gesamten Menschheit kontrollieren, nachzulesen auf der Internetseite www.monsanto.de und dokumentiert in dem Film »Monsanto: Mit Gift und Genen« (siehe Seite 26). Dies ist eine neue Herausforderung für den BN und die Umweltbewegung. Solidarität mit den Bauern, die Kulturlandschaft umweltverträglich gestalten, wenn sie kostendeckende Preise dafür erzielen, die Unterstützung des Mittelstandes in Lebensmittelverarbeitung und Handel und eine Sozialpolitik, die allen Einkommensgruppen eine hochwertige Ernährung sichert, werden ein wichtiges Anliegen des BN bleiben. Am Aufdecken von politischen und wirtschaftlichen Intrigen, die diese Entwicklungen aufhalten und unabhängige Produktions- und Vermarktungsstrukturen zerschlagen wollen, wird der BN weiter dran bleiben. Prof. Dr. Hubert Weiger, Marion Ruppaner

Die Autoren Prof. Dr. Hubert Weiger ist Landesvorsitzender des BN und Bundesvorsitzender des BUND. Marion Ruppaner ist Agrarreferentin des BN.

Fotos: BN

3-08_N+U_web:n+u

[3-08] Natur + Umwelt BN-Magazin

15


3-08_N+U_web:n+u

07.08.2008

18:35 Uhr

Seite 16

Milchbauern-Chef im N+U-Interview

Seit er im Frühjahr den großen Milchstreik ausgelöst hat, kennt Deutschland sein Gesicht: Romuald Schaber, Allgäuer Milchbauer und Chef der deutschen Milchviehhalter. Natur+Umwelt fragte ihn nach Hintergründen und Erfolgsaussichten seines Kampfes für faire Milchpreise.

쮿 Der Bund Naturschutz hat ihren Kampf für höhere Preise unterstützt. Sicher zahlen die meisten unserer Mitglieder gern etwas mehr für die Milch, wenn damit hohe Qualität verbunden ist. Was haben die Milchbauern hier zu bieten? Für uns Milchviehhalter stellt sich erst einmal die Existenzfrage: Wird es künftig überhaupt noch bäuerliche Betriebe geben? Nur dann können die Menschen auch

Foto: BDM

Es wird ein harter Kampf

deren Vorteile bekommen, die Frische und Naturbelassenheit der Milch, die Rücksichtnahme auf die Natur und den Tierschutz. 쮿 Apropos Naturbelassenheit: Unterstützt der BDM die Produktion und Kennzeichnung von Milch ohne Gentechnik? Ja, wir rufen unsere Mitglieder auf, gentechnikfrei zu produzieren und Anbieter von Produkten mit dem neuen Label »ohne Gentechnik« zu unterstützen. Nur müssen wir als erstes den Milchpreis dorthin bringen, wo er hingehört, dann widmen wir uns unserer zweiten großen »Baustelle«, der Gentechnikfreiheit.

Foto: Ammer

쮿 Molkereien, die den Bauern heute schon gute Preise zahlen, etwa »Berchtesgadener Land«, setzen auf gesundheitliche Qualität von Milch, die aus Grünfutter erzeugt wird, wo die Kühe nicht mit Soja und hohem Getreide- oder Maisanteil gefüttert werden. Diese Milch enthält mehr gesunde Omega-3-Fettsäuren. Die Zusammenhänge von Fütterung und gesunder Milch sind uns bekannt, natürlich ist Grünfütterung gut. Auch hier zeigt halt der Preisdruck seine schädliche Wirkung. Er zwingt die Bauern zur Intensivierung mit den Folgen der Stallhaltung und des Futterzukaufs.

Blühende Landschaften Blumenreiche Wiesen und Weiden sind bayernweit selten geworden, die intensivierte Nutzung hat ihre bunte Fülle zurückgedrängt. Mit dem Rückgang der Pflanzenarten verlieren auch Schmetterlinge, Bienen und viele andere Tiere ihre Lebensräume. Um dem entgegenzuwirken, engagiert sich der Bund Naturschutz zum Beispiel im Netzwerk Blühende Landschaft (www.bluehendelandschaft.de) und wird 2009 eine Wiesenmeisterschaft im Bayerischen Wald ausschreiben.

16

Natur + Umwelt BN-Magazin [3-08]

쮿 Für die Artenvielfalt ist der Verlust blumenreicher Wiesen eine der größten Bedrohungen. Von den 870 gefährdeten Pflanzenarten Deutschlands sind fast 500 auf extensivem Grünland zu finden. Alle wiesenbrütenden Vogelarten stehen auf der Roten Liste. Wie stehen Sie zu Wiesen, auf denen die Blumen noch Zeit zum blühen haben? Der wahnsinnige Druck, günstig zu erzeugen, hat zur intensiveren Bewirtschaftung geführt. Ich selber habe zehn Jahre das Kulturlandschaftsprogramm in Anspruch genommen, habe also extensiver bewirtschaf-


3-08_N+U_web:n+u

07.08.2008

18:36 Uhr

Seite 17

Romuald Schaber, Jahrgang 1957, führt im Landkreis Oberallgäu einen reinen Grünlandbetrieb mit 40 Kühen plus Nachzucht. Besonders froh ist er, dass sein 19-jähriger Sohn, jüngstes seiner fünf Kinder, Landwirtschaft gelernt hat und »zu Hause den Laden schmeißt«, wenn er als Vorsitzender des BDM unterwegs ist. Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM), gegründet 1998, hat sich in kurzer Zeit zum wichtigsten Verteter der deutschen Milchbauern entwickelt. Ermöglicht hat das auch die Unzufriedenheit vieler Milchviehhalter mit dem Deutschen Bauernverband, dem sie vorwerfen, vor allem die Interessen weniger Großbetriebe zu vertreten.

tet und die meisten Wiesen nur drei- oder viermal im Jahr gemäht. Bis es jetzt einfach nicht mehr ging. Die Auflagen wurden ständig hochgeschraubt, die Ausgleichszahlungen zurückgefahren. Da haben sich offenbar die Prioritäten der Politik geändert. Ich sehe da schon Widersprüche innerhalb der Gesellschaft. Einerseits will man extensives Grünland, andererseits intensive Tierfütterung. Bei niedrigen Milchpreisen kann der Bauer nicht all diese Dinge bieten. 쮿 Ihre Forderung nach einem kostendeckenden Milchpreis gilt ja für alle Betriebe. Wie wollen sie verhindern, dass Großbetriebe davon am stärksten profitieren, kleine Höfe dennoch auf der Strecke bleiben, sich das »Wachsen oder Weichen« also fortsetzt wie bisher? Das Problem mit den Großbetrieben ist, dass sie mit billigen Arbeitskräften aus dem Osten die kleinen Familienbetriebe unter Druck setzen. Das nenne ich Sozialdumping. Aber die Großbetriebe haben jetzt gemeinsam mit uns gekämpft, weil sie sehen, dass sie bei Niedrigpreisen keine vernünftigen Löhne zahlen können und damit keine Zukunft haben. Unsere erste Forderung ist Gleichbehandlung, also dass alle Betriebe nur mit sozialversicherungspflichtig Beschäftigten arbeiten dürfen. Und zweitens ist die Politik gefordert, kleine Betriebe zu fördern. 쮿 Warum sind eigentlich nicht alle Milchviehhalter Öko-Bauern, die bekommen doch zehn Cent mehr für den Liter? Gott sei Dank sind sie es nicht (lacht). Nein, ich wünsche den Bio-Bauern, dass die Differenz nie kleiner wird. Wenn die konventionellen Milchbauern 43 Cent bekommen, dann sollen die Öko-Bauern 53 oder 55 bekommen. Weil sie es verdient haben und weil sie es auch brauchen. Da gibt es keinen Neid. Aber die Bauern sehen ganz genau, dass nicht alle das Gleiche machen können. Auch der Bio-Preis hängt sehr an Angebot und Nachfrage. Es sind ja in den letzten Jahren Leute aus der Bio-Produktion wieder ausgestiegen, als die Differenz nur drei Cent betragen hat. Da

hat auch die hohe Bio-Produktion in Österreich und Dänemark Druck auf unsere heimischen Bio-Milchbauern ausgeübt. 쮿 Es gibt ja neuerdings bei einem Discounter eine »Bauern-Milch«. Wir Umweltschützer hätten uns gewünscht, dass deren deutlich höherer Preis auch mit Qualitätskriterien wie »Bio« oder »Ohne Gentechnik« verbunden wäre. Das sehe ich genauso. Ich verstehe überhaupt nicht, dass man mit der anspruchlosesten Milch, einer 1,5Prozent-H-Milch, startet. Es ist mir ein Rätsel, was da für ein Marketingkonzept dahinter stehen soll. 쮿 Werfen wir einen Blick in die Zukunft: Werden die höheren Milchpreise Bestand haben? Noch haben wir ja die höheren Preise nicht, wir müssen weiter kämpfen. Aber ich sehe keinen anderen Weg. Es sei denn, die Gesellschaft will die gewachsenen Strukturen opfern und akzeptieren, dass Lohndumping stattfindet, dass Umweltdumping stattfindet, dass massiv Hormone und Arzneimittel eingesetzt werden wie in den USA. Es gibt nur »entweder oder«, und deshalb kämpfen wir für die Variante, an der nach unserer Überzeugung auch die Gesellschaft ein Interesse hat.

Mehr Antworten im Web Was sagt Romuald Schaber zu Förderprogrammen und Weltmarktpreisen, zu Exportsubventionen und Milchquoten? Lesen Sie die Fortsetzung unseres Interviews unter www.bund-naturschutz.de/magazin.

쮿 Wie wird Ihr Kampf ausgehen? Ich bin Optimist. Wir wissen, dass wir in der internationalen Konzern-Lobby einen übermächtigen Gegner haben. Es wird ein weiter Weg und ein harter Kampf. Aber wir haben bäuerliches Denken. Wir wollen nicht alles kampflos aufgeben, was uns die Vorfahren hinterlassen haben und was auch die Gesellschaft will. Die Solidarität der Menschen, die Unterstützung von Verbänden wie dem Bund Naturschutz hat uns sehr in unserer Zuversicht bestärkt, dass wir gewinnen werden. Das Interview führte Manfred Gößwald.

Mitmachen: Keine Gentechnik im Tierfutter! Sie möchten keine Gentechnik im Essen. Auch bei tierischen Produkten soll kein Gen-Futter im Trog gewesen sein. Deshalb kaufen Sie »Bio«. So weit so gut. Und wenn’s bei Milch, Fleisch und Eiern doch mal konventionelle Ware ist? Dann tappen Sie bisher im Dunkeln. Das kann sich jetzt ändern, denn seit 1. Mai können Unternehmen ihre Produkte mit der Kennzeichnung »ohne Gentechnik« versehen. Damit sich das Label durchsetzt, sind Sie gefragt: Fordern Sie Lebensmittel »ohne Gentechnik«. Damit schützen Sie sich vor Gentechnik im Essen, und Sie unterstützen die gentechnikfreie Landwirtschaft. Machen Sie deshalb mit bei der neuen BUND- und BN-Aktion, siehe Seite B 18.

Fürth führt Im Raum Fürth haben Landwirte, Metzger und Bund Naturschutz ein regionales Modell für die gentechnikfreie Schweinemast etabliert. Fragen Sie hier in Ihrer Metzgerei gezielt nach Schweinefleisch »ohne Gentechnik«. Hier – und überall. Denn das Fürther Modell muss bayernweit Schule machen.

[3-08] Natur + Umwelt BN-Magazin

17


07.08.2008

Gefragte Rohstoffe Konkurrenz zwischen Nahrungs- und Energieerzeugung ist auch in Bayern verstärkt zu beobachten. Steigende Pachtpreise verteuern mancherorts die Erzeugung von Fleisch. Steigende Rapspreise verteuern die Produktion sogenannter Bio-Kraftstoffe. Der ausgeweitete Raps- und Maisanbau bringt aber auch ökologische Probleme.

18:36 Uhr

Seite 18

Fotos: Willner

3-08_N+U_web:n+u

Wofür sollen Landwirte produzieren?

lich hat Brotgetreide schon vor 25 Jahren rund 50 DM, also 25 Euro pro Doppelzentner gekostet. Natürlich sind ärmere Einkommensschichten von jeglicher Preissteigerung, sei es bei Nahrungsmitten oder bei Energie, stärker betroffen als wohlhabendere Gruppen. Viel dramatischer stellt sich die Situation in Entwicklungs- und Schwellenländern dar. Zum Beispiel liegen in Mexiko die Ausgaben für Lebensmittel bei 40 Prozent der Gesamtausgaben für die Lebenshaltung. Bei Tortillas beträgt der Anteil des agrarischen Rohstoffs Maismehl etwa 70 Prozent. Eine Steigerung der Rohstoffpreise hat deshalb in diesen Ländern eine ganz andere Wirkung und erklärt, warum dort die Proteste teilweise eskalieren. Insofern muss die Wirkung der Preissteigerung unterschiedlich beurteilt werden. In diesem Zusammenhang ist aber darauf hinzuweisen, dass die in den letzten Jahren doch extrem niedrigen – aus Sicht der Konsumenten extrem günstigen – Preise für die Landwirte weltweit keinen besonderen Anreiz darstellten, mehr zu erzeugen. Die steigenden Preise stellen jetzt also ein Signal dar, die Erzeugung auszuweiten, wenngleich damit wieder andere Probleme einhergehen.

Tank oder Teller Lebensmittel werden teurer, weltweit und auch bei uns. Wie die Energieerzeugung aus Biomasse daran beteiligt ist, und wo deren Potenziale und Probleme liegen, beleuchtet Prof. Alois Heißenhuber.

Der Autor Prof. Dr. Alois Heißenhuber, geboren 1948, ist Ordinarius am Lehrstuhl für Wirtschaftslehre des Landbaues der TU München in Weihenstephan. Er berät unter anderem die Bundesministerien für Landwirtschaft und für Umwelt.

er vor allem bei Getreide, teilweise auch bei Milch zu beobachtende Preisanstieg hat mehrere Ursachen. Die Ausweitung der Biomassenutzung als Energieträger ist dabei nur ein Einflussfaktor unter mehreren. Weitere Faktoren sind die schlechten Ernten in einigen Ländern und die gestiegene Nachfrage nach Lebensmitteln. Allerdings muss man sehen, dass die in Deutschland bis vor kurzem zu erlösenden Erzeugerpreise zum Beispiel für Getreide in der Größenordnung von nur zehn Euro pro Doppelzentner lagen. Dieser Preis war für den Landwirt nur akzeptabel, weil er vom Staat eine mit dem Produkt gekoppelte Direktzahlung in Höhe von rund 300 Euro pro Hektar bekam. Inzwischen wurden die Direktzahlungen entkoppelt, deshalb muss sich die landwirtschaftliche Erzeugung fürs erste allein vom Markterlös her lohnen. Eine Getreideproduktion kann beispielsweise bei einem Erzeugerpreis von zehn Euro pro Doppelzentner auf vielen Standorten nicht aufrechterhalten werden, von einer annehmbaren Entlohnung der eingesetzten Arbeit gar nicht zu reden. Insofern ist die jetzt zu beobachtende Preisentwicklung notwendig.

Wieviel bekommt der Landwirt? Von den Preisen für Brot oder Bier machen die Rohstoffkosten nur verschwindend kleine Anteile aus. Erhält der Bauer etwa für Getreide etwas mehr, wirkt sich das auf die Lebensmittelpreise kaum aus. Anders sieht es bei Fleisch oder »Bio-Kraftstoffen« aus.

Anteil der landwirtschaftlichen Rohstoffkosten am Produktpreis

Probleme bei Tortillas Die Klage der Lebensmittelindustrie über angeblich so hohe Rohstoffpreise muss deshalb sehr kritisch hinterfragt werden. In Deutschland liegt der Anteil der Ausgaben für Nahrungsmittel an den Lebenshaltungskosten im Schnitt unter 15 Prozent. Der Kostenanteil des Getreides am Brotpreis liegt zum Beispiel deutlich unter zehn Prozent. Insofern ist der Hinweis, steigende Rohstoffkosten seien für den Anstieg der Lebensmittelpreise allein verantwortlich, nicht zutreffend. Schließ-

18

Natur + Umwelt BN-Magazin [3-08]

2,5 %

Bier

3,8 % Quelle: TU München

Foto: privat

D

Brötchen 35,9 %

0

20

Ethanol 40

60

80

100 %


3-08_N+U_web:n+u

07.08.2008

18:36 Uhr

Seite 19

Steigende Pachtpreise Die Ausweitung der Produktion nachwachsender Rohstoffe hat also einen mehr oder weniger großen Anteil an der Preissteigerung. Dies gilt nicht zuletzt auch bezüglich des Pachtpreises. Speziell die Biogaserzeugung tritt in direkte Konkurrenz zur Tierhaltung, in erster Linie zur Rinderhaltung. Ein Problem ergibt sich dadurch vor allem bei den Erzeugnissen, bei denen höhere Produktionskosten über den Marktpreis nicht oder noch nicht durchgesetzt werden können. Dies ist zum Beispiel bei der Rind- und Schweinefleischerzeugung, zum Teil auch bei der Milcherzeugung der Fall. Diese Betriebe haben höhere Kosten für Futtermittel und für Pacht zu tragen, können diese Kosten aber (noch) nicht auf den Erzeugerpreis überwälzen. Die jüngste deutliche Steigerung der Getreidepreise hat bereits zu einer Verschiebung in der Wettbewerbskraft geführt. Für die Betreiber von Biogasanlagen ist es schwierig geworden, bei den höheren Substratpreisen noch Gewinne zu erwirtschaften. Ähnlich ergeht es den Herstellern von Biokraftstoffen. Da sowohl Getreide als auch Raps heute deutlich teurer sind als vor einigen Jahren und der Anteil des agrarischen Rohstoffes am Endpreis des Biokraftstoffes bei über 50 Prozent liegt, verteuert sich der Biokraftstoff enorm. Die Abnehmer bevorzugen deshalb teilweise billigere Importware, zum Beispiel Biodiesel aus Palmöl oder Biosprit aus Brasilien. Deshalb sind die Betreiber dieser Anlagen in einer wirtschaftlich sehr schwierigen Situation. Daran ändert auch eine Verpflichtung, den Kraftstoffen einen bestimmten Anteil an Bio-Treibstoffen beizumischen, nichts, denn die Mineralölfirmen sind nicht gezwungen, einheimische Ware zu verwenden.

Begrenzte Chancen Abgesehen davon: Die ab 2009 weiter ansteigende Beimischungsverpflichtung würde für Deutschland eine Fläche von etwa 2,5 Millionen Hektar erfordern – das sind etwa 20 Prozent der bundesdeutschen Ackerfläche. Unter den derzeitigen Preisverhältnissen ist es höchst unwahrscheinlich, dass diese Menge in Deutschland erzeugt wird. Übrigens sind für die Versorgung eines Bundesbürgers mit Lebensmitteln etwa 2000 Quadratmeter Nutzfläche erforderlich. Würde man die gesamte Energiemenge auf Agrarflächen er1 Hektar Silomais bringt … 17 300 Liter Milch; Milchbedarf von 50 Personen

Mehr Info Zu den Themen Landwirtschaft und Ernährung bietet der Bund Naturschutz zahlreiche kostenlose Publikationen an. Anschauen und bestellen im Online-Shop unter www.service.bund-naturschutz.de. Oder fragen Sie unter Tel. 0 91 2399 95 70, zum Beispiel nach unseren praktischen Einkaufsratgebern. Nette Kurzfilme zum Thema finden Sie ebenfalls im Web: 왎 Spot des BUND zu Agrarsubventionen unter www.bund.net/landwirtschaft 왎 Spot des BDM zum Milchpreis mit der Kuh »Faironika« unter www.bdm-verband.org Und für vertiefende Informationen: 왎 www.bund-naturschutz.de/landwirtschaft 왎 www.bund.net/landwirtschaft 왎 www.bauernstimme.de: Abo der Zeitschrift »Unabhängige Bauernstimme« 왎 www.kritischer-agrarbericht.de: Bestellung oder Download des »Kritischen Agrarberichts«

zeugen, wären über 10 000 Quadratmeter pro Kopf erforderlich, das zeigt die Größenordnung unseres Energieverbrauches. Als Fazit bleibt festzuhalten, dass die Landwirtschaft vorrangig für den Lebensmittelmarkt produzieren wird. Darüber hinaus bestehen in begrenztem Maße zusätzliche Einkommenschancen bei der Erzeugung von Energie aus nachwachsenden Rohstoffen. Dabei ist die Erzeugung von Wärme, als Ersatz von Heizöl, wirtschaftlicher als die Erzeugung von Treibstoffen. Deutlich ausgeweitet werden kann die Nutzung von biogenen Reststoffen. Bei einer weltweit langfristig steigenden Nachfrage nach Lebensmitteln und nach Energie auf der einen Seite und begrenzten Möglichkeiten für eine Angebotsausweitung an Lebensmitteln und einem gar sinkenden Angebot an Erdöl auf der anderen Seite, wird sich die Welt langfristig auf steigende Preise sowohl bei Nahrungsmitteln als auch bei Energie einrichten müssen. Wie schnell und in welchem Ausmaß dies erfolgt, lässt sich schwer vorhersagen. Auf jeden Fall führt das zu einer Verschärfung der sozialen Konflikte, zwischen Ländern, aber auch innerhalb von Ländern. Der Markt allein wird dieses Problem nicht lösen können. Für uns besteht die Aufgabe darin, durch Energieeinsparung und durch Ausweitung der Nutzung erneuerbarer Energien einen Beitrag zur Konfliktlösung zu leisten.

16 100 kWh Strom; Strombedarf von 10 Personen

1 Hektar Getreide bringt … 5600 kg Mehl; Mehlbedarf von 60 Personen

1 Hektar Raps bringt … 1500 Liter Rapsöl; Speiseölbedarf von 140 Personen 1900 Liter Biodiesel; Dieselbedarf von 4 Personen

Was bringt ein Hektar Biomasse? Unser Energiebedarf ist durch die Landwirtschaft prozentual weit weniger gut zu decken als unser Bedarf an Lebensmitteln.

Foto: Willner

Quelle: TU München

3300 Liter Ethanol; Benzinbedarf von 6 Personen

[3-08] Natur + Umwelt BN-Magazin

19


07.08.2008

18:36 Uhr

Seite 20

Illustrationen: Schellmoser

3-08_N+U_web:n+u

Bio kaufen für die glückliche Kuh Hallo, hier bin ich wieder: Bibo, der neugierige Biber. Ich bin überall dort, wo uns die Natur mit spannenden Merkwürdigkeiten überrascht. Heute geht es um Landwirtschaft. Es geht um blühende oder langweilige Landschaften. Auch darum, wie gesund Böden und Lebensmittel sind. Das entscheidet jeder von uns mit: mit dem Einkaufskorb! Viel Spaß beim Bio-Bauern wünscht Euch Reinhard Witt.

Nachhaltige Landwirtschaft

Können Kühe glücklich sein?

Fotos: Witt

Saison-Thema

Artenarm oder artenreich

S

tellt Euch mal vor, Ihr hättet die Wahl zwischen einer artenarmen, langweiligen Grünfläche und einer artenreichen, bunten Blumenwiese. Zwischen Grasacker und Schmetterlingen. Öde Wegränder, bis auf das Bankett gepflügt und mit endlosen Reihen Mais besät – oder Blumenstreifen mit Ackerwildkräutern und Heckenelementen? Wenige oder unzählige Tierarten? Wie würdet Ihr entscheiden? Wir alle meinen, die Antwort zu kennen. Aber nur das, was wir nicht nur glauben oder wünschen, sondern auch tun, wirkt sich aus. Der Stimmzettel, auf dem Ihr abstimmt, ist Euer Einkaufszettel. Mit Ware vom ökologischen Landbau fördert ihr eine vielfältige, artenreiche Land(wirt)schaft. Es mag ein bisschen teurer sein, aber gutes Essen zahlt sich aus. Wir schützen mit Bio-Brot Goldammern und mit dem Glas Milch Laufkäfer und Erdkröten. Und letztlich ist Bio-Essen sogar noch gesünder, weil es weniger oder gar nicht mit Giften belastet ist. Wer die Wahl hat, kann entscheiden. Entscheidet selber!

20

Natur + Umwelt BN-Magazin [3-08]

K

ühe können es uns leider nicht sagen. Und lachen tun sie auch nicht. Wer aber spielende Kälber auf einer artgerechten Weide herumtollen hat sehen, wer das Verhalten in einer freilaufenden Herde mit Mutterkuhhaltung beobachtet hat, der weiß: Diese Kühe leben besser, gesünder, sie sind vitaler, nicht so oft krank. Sie bekommen einfach mehr Aufmerksamkeit und Platz. Natürlich machen Bio-Tiere mehr Arbeit. Aber sind Schafe, Schweine, Hühner oder Enten nicht viel mehr als Hochleistungsmaschinen, weitaus mehr als Milch-, Eier-, Käse- oder Fleischlieferanten? Noch was: Wir wissen zwar nicht, ob Kühe glücklich sind, aber wir vermuten gerne, dass Bio-Bauern glücklicher sein müssen. Denn sie gehen so gut mit ihren Tieren um, dass deren Leben ein Leben ist und keine Viecherei.


3-08_N+U_web:n+u

07.08.2008

18:36 Uhr

Seite 21

Kleine Heckenkunde

An jede Ecke gehört ’ne Hecke

N

ehmen wir als Beispiel für Lebensqualität und blühende Landschaften mal die Feldhecke: In den vergangenen Jahrzehnten wurden viele davon gerodet. Sie standen großen Maschinen im Weg. Und wer pflanzt neue? Vor allem Bio-Bauern, oft im Bunde mit den Bund Naturschutz. Das ist vorbildlich. Feldhecken bremsen Wind, schaffen ein günstiges Kleinklima und bringen Leben in öde Feldfluren. Rebhuhn und Goldammer finden hier Schutz und Bruträume, Mauswiesel und Fuchs gehen Patrouille, und über allem kreist der Turmfalke auf Mäusesuche. Wir wandeln im Schatten vom Wildapfel, genießen Blütenpracht von Vogelkirschen und Weißdorn, pflücken Früchte von Wildrosen und Schlehen. Also Leute, pflanzt noch in diesem Jahr mit einem Bio-Bauern eine richtig lange und breite Feldhecke aus heimischen Sträuchern. Auf den zwei Fotos seht ihr, was aus der BN-Aktion nach wenigen Jahren erwachsen kann. Blüten, Früchte und Schönheit für das ganze Jahr. Und alle 15 Jahre liefert die Feldhecke sogar einen richtig großen Haufen Brennholz. Auf geht’s!

Sherlock Holmes auf heißer Spur Rätsel lösen und gewinnen

Spannender Abschluss der Klimaretter- und Essthetik-Wettbewerbe 쏋 27. September 2008 in München Im Münchner Kino »Neues Rottmann« vergibt die JBN zusammen mit Radio Bayern 3 die Preise des Essthetik- und des KlimaretterWettbewerbs an die Gewinner. Ein kultureller Abend voller Spannung! Beginn 19.30 Uhr, Preis 3 Euro, www.klimaretter.jbn.de, www.essthetik.jbn.de

Much and More Das Mooooorwochenende 쏋 31. Oktober bis 2. November 2008 am Oberjoch Wir wollen an diesem Wochenende ein alpines Hochmoor im Allgäu renaturieren. Preis 12 Euro, www.alpen.jbn.de

JBN-Infotag Maßgeschneiderte Fortbildung für JBN-Aktive 쏋 29. November 2008 in Nürnberg Fundraising, Rechtsfragen, Umweltpädagogik, Gruppenspiele, Pressearbeit und vieles mehr. Diese Fortbildung lässt keine Wünsche offen. Du kannst dir selber raussuchen, welche Workshops Du besuchen willst. Anmelden bis 8. 11. 08, Preis 10 Euro (5 Euro für JBN-Mitglieder)

Klimagipfel in Polen

M

al sehen, ob ihr schon für zukünftige blühende Landschaften vorbereitet seid. Also, diese Blume wächst am Wegrand oder auch mitten in der Wiese. Die Blüte ähnelt einem Löwenzahn, ist aber doppelt so groß. Und außerdem hat der Blütenladen nur vormittags für Insekten auf und nachmittags zu. Bemerkenswert ist noch ihr Samenstand, der ebenfalls an Löwenzahn erinnert, aber viel, viel größer ist – nämlich die größte Pusteblume Europas! Früher haben die Leute die Knospen gegessen und Blätter zu Spinat gekocht, sie sind knackig frisch und sehr gesund. Also, was kann das sein?

P.S.: Hier die Auflösung vom letzten Rätselbild: Gezeigt wurden die Gallen der Buchengallmücke. Allen Einsendern vielen Dank für’s Mitmachen und den Gewinnern herzlichen Glückwunsch. Viel Spaß mit der Becherlupe wünschen wir Simon Bernkopf, neun Jahre, Tobias Wedel, neun Jahre und der Familie Reusch mit Susanna, Sabrina und Florian, sechs, neun und elf Jahre.

Die große Preisverleihung

Fahrt zur UN-Weltkilmakonferenz nach Pozna´n 쏋 5. bis 7. Dezember 2008 Wir fahren zur Klimakonferenz nach Polen, machen bei der großen Demo mit und vernetzen uns mit jungen Umweltschützern aus ganz Europa. Anmelden bis 24. 11. 08, Preis 70 Euro (40 Euro für JBN-Mitglieder)

Wer ein guter Natur-Detektiv ist und uns die richtige Lösung schickt, kann diesmal wunderschöne Naturplakate gewinnen. Schreibt bitte an »Natur+Umwelt«, Stichwort Rätselbild, Dr.-Johann-MaierStraße 4, 93049 Regensburg, Fax 09 412 97 20 31, nu@bund-naturschutz.de. Bitte vergesst nicht Eure Adresse und Euer Alter.

Infos und Anmeldung Wo nicht anders angegeben: JBN, Trivastraße 13 80637 München Tel. 0 89-15 98 96-30 Fax 089-15 98 96-33 info@jbn.de, www.jbn.de

[3-08] Natur + Umwelt BN-Magazin

21


3-08_N+U_web:n+u

07.08.2008

18:36 Uhr

Seite 22

Der Bund Naturschutz begrüßt die Entscheidung der bayerischen Staatsregierung, jährlich 250 000 Euro bereitzustellen, um Konflikte zwischen Landnutzern und Bibern zu lösen. Einen entsprechenden Beschluss fasste die Regierung in ihrer Kabinettssitzung am 3. Juni. Der BN-Vorsitzende Prof. Dr. Hubert Weiger zeigte sich erfreut: »Dieser Schritt war überfällig. 15 Jahre hat der BN dafür gekämpft, dass für den mit staatlicher Unterstützung wieder eingebürgerten Biber ein Entschädigungsfonds eingerichtet wird. Damit ist endlich die Voraussetzung geschaffen, unnötige Konflikte mit Bauern und Waldbesitzern zu entschärfen.« Probleme mit

dem Biber werden nicht durch drastische Forderungen nach dem Abschuss der Tiere, sondern durch ein vernünftiges Miteinander vor Ort gelöst. Mit der zur Verfügung gestellten Summe für Ausgleichszahlungen und dem erfolgreichen BN-Bibermanagement stehen Betroffenen im Schadensfall effektive Möglichkeiten offen (im Bild die BN-Biberberater Jens Schlüter und Gerhard Schwab).

Foto: GEO

GEO-Tag der Artenvielfalt im Bayerischen Wald Wo Deutschland am wildesten ist, fand am 14. Juni die Hauptveranstaltung des 10. GEOTags der Artenvielfalt statt: im Nationalpark Bayerischer Wald. Gemeinsam mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und dem Bund Naturschutz (BN) untersuchten rund 100 Experten die Artenvielfalt des Gebiets. Circa 1600 verschiedene Tiere und Pflanzen fanden sie, darunter Glanzlichter wie Weiß-

rückenspecht und Habichtskauz. Eine kleine Sensation war der Fund des Duftenden Feuerschwammes, eines Pilzes, der weltweit bislang nur achtmal nachgewiesen wurde. In Deutschland kommt er nur hier vor, da er ausschließlich an über 300-jährigen Tannen wächst, die sich in der sogenannten Finalphase befinden. Solche Strukturen, an die viele bedrohte Arten gebunden sind, können in Wirtschaftswäldern durch die einseitige Profitmaximierung nicht mehr entstehen. Für den BN forderten der Landesbeauftragte Richard Mergner und der Nationalparkbeirat Helmut Steininger mehr Mut zur Wildnis – zum Beispiel mit einem neuen Nationalpark im Steigerwald.

Bayerische Strategie für Biodiversität Regierung und Ministerien mit der Strategie verpflichtet haben, wesentliche Anliegen des Naturschutzes zu unterstützen. Nachdem die Bundesregierung im November 2007 eine »Nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt« vorgelegt hatte, hatten die bayerischen Naturschutzverbände Ministerpräsident Günther Beckstein Anfang Februar 2008 aufgefordert, Entsprechendes für Bayern zu erstellen. Denn trotz regionaler Erfolge und der Rückkehr prominenter Arten wie Biber

oder Luchs setzen sich die abnehmenden Trends bei den gefährdeten Arten Bayerns insgesamt fort. Jetzt gilt es, die angepeilten Ziele zu erfüllen: mit einer Investitionsoffensive für den Naturschutz und den ländlichen Raum, mehr Fachpersonal und einem Stopp für neue Landschaftszerstörung. Mehr Info: www.stmugv.bayern.de/ umwelt/naturschutz/biodiversitaet Foto: Willner

Den Reichtum der Tier- und Pflanzenarten sowie deren Lebensräume sichern, Wanderbarrieren wie Straßen oder Wehre ökologisch durchlässiger gestalten, verstärkt Umweltwissen vermitteln: So lauten die Ziele der »Bayerischen Biodiversitätsstrategie«, die der Ministerrat am 1. April beschlossen hat. Zudem soll der Artenrückgang in Bayern bis 2020 gestoppt und die Gefährdungssituation für mehr als 50 Prozent der Rote-Liste-Arten um wenigstens eine Stufe verbessert werden. Der Bund Naturschutz begrüßte, dass sich

Anzeige

NEU!

22

Natur + Umwelt BN-Magazin [3-08]

Foto: BN

Erfolg für Ökobaumeister Biber


3-08_N+U_web:n+u

07.08.2008

18:36 Uhr

Seite 23

Über 200 Naturschützer aus ganz Bayern forderten auf der Delegiertenversammlung des BN Ende April in Bamberg einen Nationalpark im Steigerwald. Ihren Appell an die bayerische Staatsregierung unterstrichen sie mit einer Presseaktion unter dem Motto »Ein Herz für den Steigerwald – Ja zum Nationalpark« (Bild). Unterstützung erhielten die Delegierten von Bambergs Landrat Günther Denzler, der in einem eindring-

lichen Plädoyer betonte, der Park sei eine grandiose Chance für die Region, ein Traum, den er gemeinsam mit dem BN verwirklichen wolle. Der erste fränkische Nationalpark wäre ein Signal für den Schutz der Artenvielfalt, insbesondere des deutschen Naturerbes alter Buchenwälder. Den Ministerpräsidenten Günther Beckstein bat der BN-Vorsitzende Prof. Dr. Hubert Weiger, sich hinter diese Schutzidee zu stellen.

Foto: Gößwald

BN-Delegierte fordern Nationalpark Steigerwald

Internationale Donau-Aktion geht weiter Bereits über 60 000 Bürger haben im Rahmen der internationalen Unterschriftensammlung für die frei fließende Donau unterschrieben. Wegen ihres europaweiten Erfolgs läuft die Aktion weiter bis September 2009. Der Einsatz ist nach wie vor notwendig: Mit 33 Millionen Euro Steuergeldern

soll der Donauabschnitt in Niederbayern noch einmal untersucht werden – ausgerechnet von der Rhein-MainDonau-Gesellschaft (RMD), die an einer Kanalisierung das größte Interesse hat (N+U 208). Der Auftrag des Bundesverkehrsministeriums an die RMD würde die Planfeststellung für den Staustufenausbau beinhalten. Damit würde auch der Wille des Bundestags unterlaufen, der im Jahr 2002 die Natur schonende Ausbauvariante

ohne Staustufen beschlossen hatte. Bei einer Informationsfahrt des Bundes Naturschutz Mitte Juli auf der Donau hat die Parlamentariergruppe im deutschen Bundestag »Frei fließende Flüsse« zugesagt, den politischen Druck auf das Verkehrsministerium weiter zu erhöhen: Das Ministerium soll ausschließlich Aufträge für die Planung des sanften Ausbaus vergeben. Die parteiübergreifende Gruppe wurde unter anderem von der langjährigen »Donau-

kämpferin« MdB Bruni Irber (SPD) ins Leben gerufen. Liebe BN-Mitglieder und Freunde der Donau: Ihr Einsatz für die Donau ist großartig. Bitte helfen Sie dem Fluss auch weiterhin, zu überleben. Sammeln Sie bitte noch einmal viele Unterschriften – auf der Postkarte am Ende dieses Heftes oder den Unterschriftenlisten, die Sie im Internet finden: www.bund-naturschutz.de/donau

Energiepolitik: Das Eis ist heiß stein den Energiekonzernen mit dem Atomstrom weiter Milliardengewinne zu Lasten der Verbraucher ermöglichen.« Als Lichtblicke im bayerischen Programm würdigte Weiger das klare Bekenntnis zum Ausbau der Kraft-WärmeKopplung und zur Gebäudesanierung. Das Programm wurde während der Klimawoche vorgestellt, die das bayerische Klimabündnis, dem auch der BN angehört, und Bayern3 veranstalteten. Der BN wies unter anderem in Lichten-

fels mit seiner Aktion »Das Eis ist heiß« auf die Folgen des Klimawandels hin (Bild).

Foto: Kreisgruppe Lichtenfels

In dem Zehn-Punkte-Programm, das die bayerische Staatsregierung am 3. Juni zur Energiepolitik vorstellte, sieht der Bund Naturschutz mehr schwarze Löcher als Lichtblicke. »Das sture Festhalten an der Atompolitik torpediert konkrete Klimaschutzmaßnahmen«, kommentierte der BN-Landesvorsitzende Prof. Dr. Hubert Weiger. »Statt einer klaren Priorität für’s Energiesparen und statt des Verzichts auf den Bau klimaschädlicher Auto- und Flughafenbahnen will Ministerpräsident Beck-

Links rechts unten www.bund-naturschutz.de/ schutzgrundstuecke Der BN sichert 2650 Hektar schutzwürdiger Lebensräume in ganz Bayern. Die OnlineKarte zeigt, wo die BN-Schutzgrundstücke liegen, und stellt Beispiele im Detail vor.

www.bfs.de Das Bundesministerium für Strahlenschutz listet auf, wie hoch die SAR-Werte einzelner Handys liegen. Der Wert gibt an, wie viel Sendeleistung der Körper beim Telefonieren aufnimmt.

www.co2-rechner.bayern.de Auf Basis von Infos zu Wohnen, Ernährung, Konsum und Mobilität erstellt der Rechner eine persönliche CO2-Bilanz. Vergleichswerte und Beurteilung inklusive.

www.nationalparkbayerischer-wald.de Alles rund um den ältesten deutschen Nationalpark: Aktuelles, Besucherinfos, Nationalparkbusse, Bildungsangebote, Naturschutz, Forschung.

[3-08] Natur + Umwelt BN-Magazin

23


3-08_N+U_web:n+u

07.08.2008

18:36 Uhr

Seite 24

Studie gegen Flughafenausbau

Rückendeckung im Kampf gegen den Ausbau des Flughafens München erhält der Bund Naturschutz durch eine neue Luftverkehrsstudie: Das Gutachten des renommierten WuppertalInstituts für Klima, Umwelt und Energie kommt zu dem Schluss, dass kein Bedarf für den Bau der dritten Startbahn besteht.

Mehr Info Die Studie und weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.bund-naturschutz.de/fakten/ verkehr/flughafenmuenchen. Auskunft erhalten Sie auch bei der BN-Fachabteilung München, Tel. 0 89-54 82 98 89, fa@bund-naturschutz.de.

D

ie Studie des Klimaforschers Dr. Karl Otto Schallaböck, die der BN im April gemeinsam mit dem BUND und dem Landesverband der Grünen vorstellte, fordert stattdessen eine effizientere Flugplanung durch ein bundesweites Flughafenkonzept und die Verlagerung von Kurzstreckenflügen auf die Bahn. »Die aus dem geplanten Ausbau des Münchner Flughafens resultierende Zunahme des Flugverkehrs und der Emissionen widerspricht allen Klimaschutzzielen der EU, der Bundesregierung und der bayerischen Staatsregierung«, so Dr. Christine Margraf, Leiterin der BN-Fachabteilung München. Nach Berechnungen der Wuppertaler Studie wurden die Klimalasten des Flugverkehrs bislang dramatisch unterschätzt. Bereits heute tragen Flugzeuge bis zu neun Prozent zur Erderwärmung bei, Tendenz stark steigend. »Diese Wachstumsmanie darf nicht ungebremst weitergehen«, fordert MdL Dr. Christian Magerl, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe im besonders betroffenen Landkreis Freising.

Ölpreis mindert Nachfrage Wie in N+U 4-07 berichtet will die Betreibergesellschaft FMG den Münchner Flughafen zum internationalen Drehkreuz ausbauen und begründet ihre Ausbaupläne mit der prognostizierten Zunahme der Umsteigepassa-

Auf zur Demo am 6. September! Der BN macht seit vergangenem Jahr gemeinsam mit mittlerweile fast 60 Bürgerinitiativen und Mandatsträgern massiv Front gegen die Ausbaupläne der FMG. Vor der Landtagswahl rufen der BN und das Bündnis »aufgeMUCkt« zu einer Großdemo in München auf. Wann und Wo: am 6. September in München, Demozug ab 10.30 Uhr, Marienplatz, Abschlusskundgebung 12.30 Uhr, Odeonsplatz Es rufen auf: BN und aufgeMUCkt, A94Nie, Rettet die Donau, Das Areal, unterstützt von vielen weiteren Initiativen zum Schutz der Heimat vor zerstörerischen Großprojekten.

24

Natur + Umwelt BN-Magazin [3-08]

Foto: Fotolia

Dritte Startbahn in München unnötig

Stopp Für die Ausbaupläne für den Münchner Flughafen besteht kein Bedarf. Das zeigen aktuell eine neue Luftverkehrsstudie und die Entwicklung des Ölpreises.

giere. Deren Zahl soll von gegenwärtig 10,4 auf 25,5 Millionen im Jahr 2020 steigen. Der Region brächte das keinerlei Nutzen, aber mehr Lärm für über 20 000 Bürger. Die letzten Reste des Natur- und Naherholungsraums Erdinger Moos würden zerstört, das Klima nochmals erheblich stärker belastet. Die Bedarfsprognosen der FMG für den Ausbau stehen jedoch auf äußerst wackeligen Füßen, insbesondere weil das Bedarfsgutachten für 2020 einen Ölpreis unterstellt, »der dem des Jahres 2005 entspricht«. 2005 lag der Ölpreis bei maximal 68 Dollar je Barrel (159 Liter) – schon 2008 ist er auf 146 Dollar (Juli 08) gestiegen, ein baldiger Anstieg auf 200 Dollar gilt als wahrscheinlich. Werden die Flüge teurer, die Billigangebote weniger, dann sinkt schnell die Nachfrage. Bereits jetzt sprechen die Wirtschaftsmeldungen von einer Krise einiger Airlines. Das Bedarfsgutachten für die 3. Bahn wird täglich mehr zum Wunschtraum verantwortungsloser Konzerne und Politiker. (asw)

Umstrittene Regionalflughäfen Auch gegen Ausbaupläne für einige der regionalen Flughäfen in Bayern gibt es Protest, den der BN vor Ort mitträgt: 3600 Unterschriften – mehr als genug für ein Bürgerbegehren – sammelten die Gegner der Erweiterung des Flugplatzes Ellermühle in Landshut. Gegen den drohenden Ausbau des Flughafens Oberpfaffenhofen läuft eine Normenkontrollklage von Anliegergemeinden wie Seefeld und Germering. Einziger Lichtblick: Die beschlossene Sanierung des Flughafens Hof-Plauen kommt ohne die umstrittene Verlängerung der Landebahn aus. Insgesamt gibt es der Wuppertal-Studie zufolge 40 gewerbliche Kleinund Kleinstflugplätze in Bayern, was Studienautor Schallaböck von »Wildwuchs« sprechen lässt.


3-08_N+U_web:n+u

07.08.2008

18:36 Uhr

Seite 25

Süddeutsche Rarität

Foto: Sperber

Für den stark gefährdeten Halsbandschnäpper trägt Bayern eine besondere Verantwortung. Der kleine Vogel brütet innerhalb Deutschlands nur im Süden. Er braucht extensiv bewirtschaftete Streuobstflächen, naturnahe Auen oder Laubwälder mit altem Baumbestand. Mit seinem Einsatz für alte Wälder und einen Nationalpark im Steigerwald schützt der BN auch seltene Vogelarten.


3-08_N+U_web:n+u

07.08.2008

18:36 Uhr

Seite 26

Grund zum Jubeln Dank der Zivilcourage von Bauern und Bevölkerung verschwinden die Genmais-Anbauflächen immer mehr. Daran ändert auch die versuchte Desinformation von Genmais-Konzernen wie Monsanto nichts.

Foto: BN

Widerstand wächst weltweit

Agro-Gentechnik auf dem Rückzug

Geplante Anbauflächen in Kitzingen drastisch reduziert Der Landkreis Kitzingen muss jetzt nur noch zehn statt der geplanten 110 Hektar Anbauflächen für Genmais verkraften – ein Riesenerfolg für das örtliche Bündnis gegen Gentechnik. Und auch anderswo wächst der Widerstand gegen die Agro-Gentechnik, in Bayern und weltweit.

D

ie Aufklärungs- und Protestveranstaltungen, mit denen das Kitzinger Bündnis und die Bevölkerung gegen den geplanten Genmaisanbau gekämpft hatten (N+U 2-08), haben letztlich gewirkt. Sogar der Landwirt mit den größten geplanten Anbauflächen hat diese nun zurückgezogen. Zu seinem Entschluss dürfte auch der Druck des Verpächters beigetragen haben, der auf seinen Flächen keinen Gentechnikanbau wünschte.

Weitere Bündnisse im Entstehen Nicht nur in Unterfranken, sondern in allen Regierungsbezirken Bayerns bestehen Bündnisse gegen Gentechnik oder sind im Entstehen Monsanto – Mit Gift und Genen (www.gentechnikfreie-regionen.de). Die kritische Besonders in Oberbayern gibt es Dokumentation derzeit eine regelrechte Gründungsvon Marie-Monique welle, angestiftet von der Bewegung Robin über die »Zivilcourage«, die der seit langem Praktiken von ehrenamtlich für gentechnikfreie Monsanto, die auf Tiernahrung engagierte Futtermit»Arte« ausgestrahlt wurde, ist nun auch telhändler Josef Feilmeier ins Leben als DVD in der »arte gerufen hat und in der die einzelEdition« erhältlich nen Kreisgruppen des Bundes Nabei: Absolut Medien, turschutz mitwirken. Nach Traun10999 Berlin, Tel. 0 30-28 53 98 76, stein, Altötting und Erding in Oberbayern wurde nun mit »Zivilcourage www.absolutmedien.de Landshut« auch in Niederbayern

26

Natur + Umwelt BN-Magazin [3-08]

ein Bündnis gegen Gentechnik gegründet. Im Allgäu koordiniert der regionale Bioring die Veranstaltungen und Aktivitäten in vier Landkreisen und setzt sich gemeinsam mit den dortigen BN-Kreisgruppen bei den Molkereien für die Vermarktung von »Milch ohne Gentechnik« ein, die von gentechnikfrei gefütterten Kühen stammt. Auch in Mittelfranken und den angrenzenden Landkreisen entstanden mehrere neue Initiativen, die sich mit Unterstützung von Nürnbergs Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly zum Bündnis »Metropolregion Nürnberg« zusammengeschlossen haben (www.buendnis-bayerngentechnikfrei.de/metropolregionnuernberg).

Ihre Solidarität mit den weltweit bestehenden Bewegungen gegen die Profitinteressen der Gentechnikkonzerne bekundeten 50 bayerische Naturschützer auf der internationalen Demonstration anlässlich der Konferenz zum Erhalt der biologischen Vielfalt in Bonn im Mai 2008 (großes Bild). Nach wie vor argumentieren Agro-Gentechnikkonzerne wie Monsanto, dass ihre Technik zur Lösung des Hungers auf der Welt beitragen könne, und versuchen diese mit gezielter Desinformation durchzusetzen. Eine weitaus schlüssigere Gegenargumentation arbeiteten die 500 Teilnehmer aus aller Welt beim Bonner Congress »Planet diversity« heraus: Nur mit agrarökologisch ausgerichteten Anbausystemen lassen sich dauerhafte Strategien gegen die weltweiten Sozial- und Hungerprobleme entwickeln, wie mehrere internationale Studien belegen. So wiesen Forscher der Cardiff Universität bei Projekten von Nepal bis Brasilien klare Ertragssteigerungen von durchschnittlich 20 und 30 Prozent bei ökologischer Anbauweise nach. Marion Ruppaner (asw)

Neues Kennzeichen

Das neue Gentechnikgesetz gestattet seit 1. Mai 2008, auch tierische Lebensmittel wie Milch, Fleisch oder Eier mit der Aufschrift »ohne Gentechnik« zu kennzeichnen, sofern sie weitgehend ohne Einsatz gentechnisch veränderter Futtermittel erzeugt wurden. Der BN wertet die neue Kennzeichnungsmöglichkeit als wichtigen Erfolg im Kampf um Transparenz gegen die Agrokonzerne, da derzeit weltweit etwa 80 Prozent der gentechnisch veränderten Pflanzen im Futtertrog landen. Erste Initiativen, die die Regelung in Bayern umsetzen, gibt es im Metzgerhandwerk und bei Allgäuer und oberbayerischen Molkereien. Lesen Sie dazu auch Seite B18.


3-08_N+U_web:n+u

07.08.2008

18:36 Uhr

Seite 27

Kreisgruppen Main-Spessart und Würzburg

Besessen vom Autobahnbau

Foto: Straußberger

er dringend notwendigen Umkehr bei der Verkehrsplanung zum Trotz soll 2009 für das 480 Millionen Euro teure Mammutprojekt das Raumordnungsverfahren eröffnet werden. Die verharmlosend als »Westumgehung Würzburg« etikettierte Westfrankenautobahn würde auf rund 46 Kilometer Länge die A3 und die A7 miteinander verbinden.

Staatsforst fatal: Gefällte Biotopbäume, massive Bodenschäden und sogar vereinzelte Kahlschläge – diese fatalen Auswirkungen der sogenannten Forstreform hat der BN im Spessart bei drei Pressterminen im Frühjahr öffentlich kritisiert. Selbst bei ökologisch eingestellten Förstern kommt es zu diesen Fehlentwicklungen, unter anderem wegen zu hoher Gewinnvorgaben und zu enger Lieferverpflichtungen gegenüber der Holzindustrie.

Die ersten Ideen und Initiativen seitens der Politik stammen schon aus den 70er Jahren. Dabei sprechen aus Sicht des Bundes Naturschutz mehr denn je viele gewichtige Gründe gegen dieses Projekt: 왘 Die B26n ist für den Fernverkehr nicht notwendig. Der ohnehin geplante Ausbau der A3 und gegebenenfalls auch der A7 wäre vollkommen ausreichend. 왘 Das Stadtgebiet Würzburg würde von der B26n nicht wirksam entlastet. Für weniger Verkehr sorgen schon bestehende Lkw-Durchfahrtsverbote.

Ausstellung zum Klimawandel: Wie sich der Klimawandel auswirkt und was man als Privatperson dagegen unternehmen kann – darüber informiert eine neue Wanderausstellung von BN und BUND. Bei der Ausstellungseröffnung Anfang Juni in Kitzingen bedankten sich Landrätin Tamara Bischof und Oberbürgermeister Siegfried Müller ausdrücklich für die Initiative des BN. Auch für Schulklassen ist die Ausstellung bestens geeignet. Kontakt: BN-Energiereferat, 09 515 19 06 09, energie@bund-naturschutz.de

Schoppenexpress: Noch 1995 sollte die zehn Kilometer lange Bahnstrecke der Mainschleifenbahn zwischen Seligenstadt und Volkach im Landkreis Kitzingen stillgelegt werden. Einem Förderverein ist es zu verdanken, dass dort an den Sonn- und Feiertagen zwischen 1. Mai und 28. Oktober ein historischer Schienenbus verkehrt. Die Fahrgäste genießen herrliche Ausblicke und anschließend gerne

Foto: Schramm

D

왘 Eine Erschließungsfunktion für den Landkreis Main-Spessart ist mit der B26n nicht zu erreichen – auch nicht durch teure Zubringerstraßen. 왘 Der Durchgangsverkehr in den Landkreisen Main-Spessart und Würzburg würde massiv zunehmen, auch auf den untergeordneten Straßen vieler Gemeinden. 왘 Eine Fertigstellung ist kaum vor 2020 zu erwarten. Bis dahin ist aber schon heute ein rückläufiges Verkehrsaufkommen prognostiziert. 왘 Unersetzliche Naherholungsgebiete und Lebensräume bedrohter Arten würden zerstört oder massiv entwertet, zum Beispiel das Werntal zwischen Eußenheim und Stetten. 왘 Viele Landwirte würden dringend benötigte Flächen verlieren. 왘 Die Wohn- und Freizeitqualität vieler Gemeinden würde gravierend beeinträchtigt. Der Verein »Bürger und Kommunen gegen die Westumfahrung Würzburg« hat mit dem Bund Naturschutz auf Protestzügen und einem Neujahrsempfang seine Ablehnung der Westfrankenautobahn bekräftigt – und eindrucksvoll gezeigt, dass der Widerstand gegen diese Schneise der Zerstörung längst zu einer breiten Bürgerbewegung geworden ist. Helmut Schultheiß (hl)

… dass man Straßen nicht essen kann Obwohl es bald zu wenig landwirtschaftliche Flächen geben könnte, verringern straßenbaubesessene Politiker diese Flächen weiter, zum Beispiel hier in Westfranken.

einen guten Schoppen Wein. Auch Sonderfahrten kann man zu moderaten Preisen buchen. Kontakt: Mainfrankenbahn, Tel. 01 52-0 24 82 15, www.mainfrankenbahn.de Bewährt und bestätigt: Bei den Neuwahlen der Kreisgruppe Schweinfurt Ende Februar sind Ernst Bohlig als erster Vorsitzender, Erhard Weck als zweiter Vorsitzender und das weitere Vorstandsteam mit großer Mehrheit im Amt bestätigt worden. Natur+Umwelt gratuliert und wünscht weiterhin viel Freude und Erfolg bei der Arbeit.

[3-08] Natur + Umwelt BN-Magazin

27

NATU R NOTIZEN AUS U NTER FRAN KEN

Foto: Rupp

Als gäbe es weder den ungebremsten Flächenverbrauch noch den Klimawandel: Die Planungen für die »Westfrankenautobahn« bei Würzburg werden konkret.


3-08_N+U_web:n+u

07.08.2008

18:36 Uhr

Seite 28

Kreisgruppe Forchheim

Naturschutz: legal, illegal – völlig egal ? Ende April gab es im oberfränkischen Naturschutzgebiet Ehrenbürg einen handfesten Skandal: Der scheidende Kirchehrenbacher Bürgermeister hatte mitten im Schutzgebiet einen Feldweg zur asphaltierten Straße ausbauen lassen – ohne jede Genehmigung.

Foto: Konopka

Grob, vorsätzlich, illegal Landschaftsverschandelung am »Walberla«: Damit setzte sich ein trotziger Lokalpolitiker nach seiner Abwahl noch ein hässliches Denkmal.

A

Foto:Kreisgruppe

Beckstein bei BN-Projekt: Ministerpräsident Günther Beckstein besuchte Mitte April ein Naturschutzprojekt von BN und Kirche im Landkreis Hof. Das Interesse Becksteins galt dem »Biotopverbund auf Kirchengrund«, mit dem das Dekanat Naila und die BNKreisgruppe sechs Jahre lang Lebensräume für bedrohte Tierarten geschaffen hatten. Beckstein betonte, das Projekt sei ein Pilotvorhaben für seine Umweltpolitik (im Bild: Ministerpräsident Günther Beckstein, BN-Vorsitzender Hubert Weiger, Peter Hagen).

28

Trotzdem gingen die Arbeiten kurz darauf weiter – obgleich auch weder ein Bebauungsplan noch ein Planungsfeststellungsbeschluss, weder eine Ausnahme nach der Naturschutzgebietsverordnung, noch eine Befreiung nach Landschaftsschutzgebietsverordnung oder der Wasserschutzgebietsverordnung vorlag. Hinter dem Skandal steht der bei der letzten Kommunalwahl nicht wiedergewählte Kirchehrenbacher

Hier kommt die Bahn: Riesige Maschinen fressen sich in fruchtbaren Boden, Wälder werden gerodet und Böschungen aufgehäuft. So stutzt die Bahn die Landschaft für den Bau ihrer ICE-Trasse Nürnberg – Erfurt nördlich von Coburg zurecht. Bei einer Veranstaltung der Coburger VHS mit 60 Interessierten stellte der DB-Projektleiter

Foto: Konopka

NATU R NOTIZEN AUS OBER FRAN KEN

ufmerksame Bürger hatten die BN-Kreisgruppe davon in Kenntnis gesetzt. Die vom Kreisgruppenvorsitzenden Heinrich Kattenbeck sofort verständigte Wasserschutzpolizei stoppte die Asphaltierung, weil für den Bau der Straße kein Gemeinderatsbeschluss vorlag.

Natur + Umwelt BN-Magazin [3-08]

Bürgermeister Waldemar Hofmann (CSU). Er hatte den Ausbau auf eigene Faust nur wenige Tage vor dem Amtswechsel in Auftrag gegeben und damit einen groben Verstoß gegen seine Amtspflichten begangen, für den er persönlich haften müsste. Seine ihm über Jahre ergebene Gemeinderatsmehrheit sorgte jedoch dafür, dass der Straßenbau per Gemeinderatsbeschluss im Nachhinein genehmigt wurde. Damit muss die Gemeinde möglicherweise nicht nur die Asphaltierung, sondern auch den geforderten Rückbau bezahlen. In der Lokalpresse verteidigte der Ex-Bürgermeister den Bau mit dem Argument »Lückenschluss«: Unter seiner Ägide war schon vor einigen Jahren ein Teilstück illegal asphaltiert worden. »Ein unglaublicher Vorgang«, meint dazu der Kreisgruppenvorsitzende Kattenbeck und fordert harte Sanktionen für die Missachtung geltenden Umweltrechtes. »Es ist notwendig, hier ein Zeichen zu setzen; denn wo sonst kann die Natur noch vor negativen menschlichen Eingriffen geschützt werden, wenn nicht in dafür besonders ausgewiesenen Naturschutzgebieten?« Der BN hat die Regierung von Oberfranken eindringlich aufgefordert, diesen Skandal zu ahnden und den illegalen Bau rückgängig machen zu lassen. Tom Konopka (hl)

die seiner Ansicht nach herrliche Architektur Täler überspannender Brücken heraus, während der BNRegionalreferent Tom Konopka die Neubautrasse grundsätzlich infrage stellte.

träglichere Alternative vorgelegt. »Wir hoffen, mit der Klage das schöne Tal des Kelbachgrunds noch retten zu können«, erklärte Toni Reinhard, der Vorsitzende der Kreisgruppe Lichtenfels.

Kelbachgrund retten: Gegen den Bau einer überdimensionierten Straßenanbindung an die A73 bei Ebensfeld haben der BN und der Markt Ebensfeld im März Klage eingereicht. Die geplante Variante gilt als die umweltschädlichste Trasse; der BN hatte zuvor eine naturver-

Fichtelgebirge: Bereits zum achten Mal fand am 1. Mai die Kundgebung gegen die geplante Fichtelgebirgsautobahn am Waldstein statt. Wieder kamen weit über 1000 Bürger. Der BN-Landesbeauftragte Richard Mergner stellte klar, dass der BN gegen jede Neubautrasse durch die schöne Landschaft, auch eine Nordumfahrung von Bad Berneck bei Gefrees, vorgehen werde.


3-08_N+U_web:n+u

07.08.2008

18:36 Uhr

Seite 29

Vom Todesstreifen zur Lebenslinie Im Schatten der Grenzanlagen des ehemaligen eisernen Vorhangs bekam die Natur eine 30-jährige Atempause. Anfang der 90er-Jahre brachten die Menschen die Grenzzäune zu Fall, heute setzen sie sich für den Erhalt der einmaligen Biotopkette ein.

Klimaschutztage: Mit Infostand, Wanderausstellung und Citybus

»Grünem Band« droht Riss Das »Grüne Band« bei Stadlern droht zu reißen: Nach dem Willen einiger Lokalpolitiker soll der bestehende Radfahrer-Grenzübergang nach Tschechien für Kraftfahrzeuge ausgebaut werden. artigen Rissen immer mehr verloren, bietet doch die Biotopkette entlang des ehemaligen eisernen Vorhangs noch zusammenhängende Lebensräume, die sonst in unserer Kulturlandschaft nicht mehr miteinander verbunden sind. Der Bund Naturschutz hat deshalb Ende April auf einem Pressetermin vor Ort zusammen mit der tschechischen Naturschutzorganisation AMETYST und betroffenen Anwohnern gegen den geplanten

startete die Ortsgruppe Regenstauf im Landkreis Regensburg Mitte April auf dem Bauernmarkt ihre Klimaschutztage. Großes Interesse fanden dort die Infos zu klimafreundlichem Einkaufsverhalten, Fotovoltaikanlagen und Hackschnitzelheizungen. Als Publi-

Foto: Kreisgruppe

Überflüssig wie ein Kropf: So stuft die Kreisgruppe Tirschenreuth die geplante Verlegung der Staatsstraße 2176 bei Heiligenfurt ein. Die zu Redaktionsschluss noch nicht offiziellen Pläne für den Straßenbau hatte die Kreisgruppe aufdecken können. Als Begründung für das Vorhaben wird eine angebliche Gefahrenlage durch eine langgestreckte Kurve genannt. Doch mit der Verlegung würde nur eine neue gefährliche Rennpiste über dem idyllischen Feisnitztal entstehen und ein Stück Kulturlandschaft sinnlos versiegelt werden.

Kreisgruppe Schwandorf

Ausbau des Grenzüberganges Stadlern protestiert. Gemeinsam appellierten die Naturschützer an die Regierungen beider Länder, den irreparablen Schnitt durchs »Grüne Band« zu verhindern und es als unverzichtbaren Teil des gemeinsamen europäischen Naturerbes wirksam zu sichern. Helmut Schultheiß (hl)

kumsmagnet erwies sich das von Rudi Rauh entwickelte und als Hauptpreis der Tombola verloste Insektenhotel. US-Army: Nachdem die US-Army seit 2006 für ihre Siedlung »Netzaberg« 830 Doppelhaushälften bei Eschenbach im Landkreis Neustadt a.d. Waldnaab errichtet hat, sollen beim Ortsteil Hütten weitere 300 Wohneinheiten folgen. Der Stadtrat genehmigte die Pläne dazu im Juni, obwohl das Areal unmittelbar neben einem FFHGebiet liegt. Alle BN-Forderungen in Presse und Fernsehen nach verdichteter Bebauung mit mehrstöckigen Häusern wurden ignoriert.

Neues Faltblatt Alles rund um das »Naturerbe Grünes Band« stellt das gleichnamige BNFaltblatt vor. Auch als Poster verwendbar. Bestellung: BN Service GmbH, Tel. 0 91 23-99 95 70, info@service.bundnaturschutz.de

Unsinniger Flächenverbrauch: 20 Hektar drohen an der A93 bei Windischeschenbach im Landkreis Neustadt a.d. Waldnaab für eine neue Tank- und Rastanlage verbaut zu werden. Das Planfeststellungsverfahren läuft bereits. Dabei ist die Versorgung für Autofahrer durch drei Autohöfe sichergestellt, die genügend Platzreserven für weitere Lkw-Stellplätze haben. Die jetzigen AutohofBetreiber kaufen zudem regionale Produkte und bieten Arbeitsplätze für die strukturschwache Region. Bei der geplanten Tank- und Rastanlage ist das mehr als fraglich.

[3-08] Natur + Umwelt BN-Magazin

29

NATU R NOTIZEN AUS DER OBER PFALZ

er Grenzübergang für Radler und Fußgänger nach Rybnik im Landkreis Pilsen soll asphaltiert werden und künftig für Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen nutzbar sein. Dabei gibt es für den Pkw-Verkehr zwischen Bayern und der Tschechischen Republik bereits 14 Grenzübergänge, die Kfz-Übergänge Eslarn und Waldmünchen liegen keine 20 Kilometer entfernt. Betroffen von den Ausbauplänen im Landkreis Schwandorf ist vor allem die idyllische Oberpfälzer Schwarzach – bis heute ein idealer Lebensraum für den gerade durch Autoverkehr hoch bedrohten Fischotter. Auch Schwarzstorch, Flussperlmuschel und Wanderfalke haben hier ein unersetzliches Refugium gefunden. Bei Einheimischen und naturverbundenen Touristen steht das Naturparadies zudem als Erholungsgebiet hoch im Kurs. Für viele Tierarten stellt ein Einschnitt, wie er bei Stadlern geplant ist, eine Barriere auf ihren Wanderungen und beim Populationsaustausch dar. Der Sinn und der Wert des Grünen Bandes geht mit der-

Foto: Kreutz

D


3-08_N+U_web:n+u

07.08.2008

18:36 Uhr

Seite 30

Kreisgruppe Ansbach

»Kampfansage an die US-Armee«

W

as der Bevölkerung in Erlangen, Herzogenaurach, Nürnberg und vielen anderen Konversionsstandorten nach der Sanierung als Wohnung bestens taugt, sollte auch den US-amerikanischen Soldaten genügen. Zumal das Areal am Urlas als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen ist und durch die geplanten 500 Häuser samt Tankstelle, Hallenbad, Sportanlagen und Umfahrung zerstört würde (N+U 3-07). »Hier leben europaweit bedrohte Vögel wie Bekassine, Rebhuhn und Kiebitz. Hier kommt eine der größten Laubfroschpopulationen des Ansbacher Landkreises vor, der immerhin so groß ist wie das Saarland«, hob Bernd Horbaschek,

Foto: Rahn

Höffner im Knoblauchsland: Derzeit unternimmt die Stadt Fürth den dritten Anlauf, einen Einzelhandelskomplex der Firma Höffner bei Fürth-Steinach zu genehmigen. Insgesamt sollen fast zwölf Hektar Fläche – das entspricht 17 Fußballfeldern – überbaut werden. Zu dem Bebauungsplan nahm der BN Anfang Mai Stellung. Mit einer Bilderrahmenaktion verdeutlichte die Aktionsgemeinschaft zum Schutz der Fürther Innenstadt und des Knoblauchslandes, dass es

30

der Kreisgruppenvorsitzende, bei einem Pressegespräch Anfang Mai hervor. Die Bebauung des Urlas plant das Staatliche Bauamt Nürnberg. In einem ersten Bauabschnitt sollen 138 Wohneinheiten entstehen. Hiergegen richtet sich die Klage des BN. Circa 18 Hektar Fläche – so groß wie 25 Fußballfelder – würden dabei bebaut und weitere 15 Hektar während der Baumaßnahmen zerstört. Die Vorbereitungen, insbesondere der Abriss von Bunkeranlagen und Rodungen, sind bereits im Gange. Einen Baustopp lehnte das Verwaltungsgericht Ansbach Ende Juni ab, wogegen der BN Beschwerde eingereicht hat. »Wir brauchen keine weiteren Splittersiedlungen in unserer frän-

hier auch darum geht, Bayerns Schönheit zu bewahren.

Artenschutzwoche: Bereits zum vierten Mal fand im Landkreis Ansbach vom 7. bis zum 15. Juni die Artenschutzwoche statt. Der Organisator und stellvertretende BN-Kreisgruppenvorsitzende Thomas Joas zeigte sich sehr zufrieden mit dem Besuch bei den 14 Veranstaltungen: »Selbst die Europameisterschaft konnte nicht verhindern, dass bei Wanderungen 50 Personen teilnahmen.«

Natur + Umwelt BN-Magazin [3-08]

Foto: Grau

NATU R NOTIZEN AUS MITTELFRAN KEN

Streitobjekt Im Landschaftsschutzgebiet Urlas blüht noch die Kuckucks-Lichtnelke, eine typische Pflanze extensiv genutzter Feuchtwiesen. Gegen die Zerstörung der naturnahen Flächen durch eine unnötige Wohnbebauung der USArmee klagt der BN.

Foto: Kreisgruppe

So titelte die Nürnberger Zeitung, nachdem der BN gegen die geplante Bebauung des Standortübungsplatzes am Urlas durch die US-Armee geklagt hatte. Der BN plädiert dafür, bestehende Wohnungen zu sanieren.

kischen Landschaft, die das Gegenteil europäischer Baukultur darstellen. Bei absehbar sinkender Bevölkerung und einem möglichen Abzug der US-Armee in den nächsten Jahren sind die Bauten auch langfristig unnötig. Wir wollen Bayerns Schönheit bewahren«, bekräftigte Horbaschek. Die Ansbacher Bürgerinitiative »Etz langts«, die mit dem BN für den Schutz des Urlas kämpft, hat in den letzten zwei Jahren Kundgebungen, Ostermärsche, Gedenkgottesdienste und Sonntagsspaziergänge veranstaltet, zuletzt Anfang Mai mit dem BUND- und BN-Vorsitzenden Prof. Dr. Hubert Weiger. Tom Konopka (hl)

Was wäre, wenn … die Nordanbindung des Nürnberger Flughafens quer durch den Sebalder Reichswald gebaut würde? Die schlimmen Konsequenzen verdeutlichten Anfang Mai Aktive des »Bündnisses gegen die Nordanbindung«, dem auch der Nürnberger BN angehört. Sie kennzeichneten die durch den Bau bedrohten Bäume im Reichswald mit Farbkreuzen. Bereits im November 2007 hatten

rund 10 000 Bürger gegen das Straßenbauvorhaben unterschrieben (N+U 1-08). Unökologische Wasserkraft: In den letzten zwei Jahren wurden etliche Kleinwasserkraftanlagen in Mittelfranken ausgebaut. Was für den Klimaschutz wünschenswert erscheint, schädigt oft das Ökosystem Fließgewässer. Bei einer Besichtigungsfahrt Mitte Juni machten sich BN-Experten, darunter der stellvertretende BN-Landesvorsitzende Sebastian Schönauer und Renate Schwäricke vom BN-Arbeitskreis Wasser, ein Bild von der Lage.


18:36 Uhr

I

Golfplatz als Keimzelle für Bauprojekte? Obwohl die Region über zahlreiche Golfplätze verfügt, entsteht bei Fürstenzell ein weiterer Platz. Hinzu kommen soll ein Hotelkomplex. Für die Landschaft ist dieses Handicap zu hoch, der Bund Naturschutz hat Einspruch eingelegt. Wo der Mohn blühte Statt einer gewachsenen Kulturlandschaft bevorzugen die Golfplatz-Befürworter eine Landschaft vom Reißbrett. Was das für die Natur bedeutet, zeigt das beginnende Zerstörungswerk der Bagger und Planierraupen.

Die Einwendungen des BN zu diesem Bebauungsplan warten seit April 2007 auf eine Behandlung. Auch ein Einspruch bei der Regierung von Niederbayern, den der BN-Ostbayernbeauftragte Helmut Steininger im Februar 2008 eingereicht hatte, brachte nur die Auskunft, dass das Verfahren noch nicht abgeschlossen sei und kein Bauantrag für diese Projekte gestellt wurde. Erich Wurstbauer, der Vorsit-

Mai aus Altersgründen von dem Amt zurück. Als stellvertretender Vorsitzender wird er seine Erfahrung und Kompetenz aber weiterhin einbringen. Zur Nachfolgerin wurde seine bisherige Stellvertreterin, Kathy Mühlebach-Sturm, gewählt (Bildmitte. Hinten v. l.: Landesvorsitzender Hubert Weiger, Landesgeschäftsführer Peter Rottner und Ulrich Kaltenegger, zweiter stellv. Kreisgruppenvorsitzender).

Foto: Inkoferer

Wiesenbrüter statt Legehennen: Mitten im Überschwemmungsgebiet der Vils liegt die ehemalige Hühnerfarm in Hütt bei Eichendorf im Landkreis Dingolfing. Ein Rückbau der Anlage wäre dringend notwendig, auch für das Wiesenbrüterprojekt des »Bayern-Netzes Natur«. Stattdessen gibt es Versuche, die Geflügelfarm wieder in Betrieb zu nehmen. Die BN-Ortsgruppe Eichendorf konnte einen derartigen Versuch im November 2007 stoppen. Wechsel in Landshut: Nach 20-jähriger Amtszeit als Vorsitzender der Kreisgruppe Landshut trat Paul Riederer (im Bild rechts) Anfang

Kreisgruppe Passau

Foto: Wurstbauer

m Rottaler Bäderdreieck, dem Bayerischen Wald und im benachbarten österreichischen Gebiet gibt es zusammen mindestens zwölf Golfanlagen. Trotzdem wird in der Marktgemeinde Fürstenzell derzeit auf einer Fläche von 94 Hektar ein weiterer 18-Loch-Platz gebaut. Die Planungen für dieses Bauvorhaben begannen 2004, eine Teilbaugenehmigung ist bereits erteilt worden, Bagger und Planierraupen haben mittlerweile mit dem Bau begonnen. Angesichts der hohen Golfplatzdichte in diesem Raum hatte sich der Bund Naturschutz im Rahmen des Raumordnungsverfahrens gegen eine weitere dieser »Secondhand-Landschaften« ausgesprochen. Vor allem, weil dadurch landwirtschaftliche Flächen verloren gehen, die jetzt einer naturverträglichen Produktion fehlen. Die Finanzierung des Golfplatzes stand zudem von Anfang an mit anderen Baumaßnahmen in Verbindung. Ein sogenanntes »Golfdorf« mit 70 Wohneinheiten wurde zwar im Marktrat gerade noch abgewehrt, der Bebauungsplan enthält aber nach wie vor einen Hotel- und Pensionskomplex. Das aber widerspricht dem Flächennutzungsplan, der nur ein Sondergebiet »Golfplatz« ausweist. Außerdem sind die Bauprojekte nicht mit dem Landesentwicklungsprogramm zu vereinbaren, das eine Zersiedelung und die Bebauung von Landschaft prägenden Höhenrücken ausschließt.

Seite 31

zende der BN-Ortsgruppe Fürstenzell, befürchtet, »dass die Gesetze großzügig ausgelegt und die Bauprojekte realisiert werden, wenn der Platz fertig ist und Finanzierungsprobleme auftreten – zum Beispiel bei den Betriebskosten. Dagegen«, so Wurstbauer, »werden wir uns aber mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln wehren.« Kurt Schmid (hl)

Picknick für Gentechnikfreiheit: In Niederbayern gibt es heuer nur ein einziges Feld mit GenMais – ein Erfolg auch für den BN. Dennoch ist das Feld bei Wallerdorf im Landkreis Deggendorf eines zuviel. Das »Aktionsbündnis Gentechnikfreie Schöpfung«, dem auch der BN angehört, protestiert deshalb bis September einmal im Monat vor Ort. Die erste Veranstaltung mit rund 80 Teilnehmern fand im Mai statt. Als Abschluss der Aktionen gibt es am 21. September ein Picknick. Kontakt: Biokreis, Tel. 08 51-75 65 00, www.biokreis.de

Wechsel in Deggendorf: Georg Kestel (Bildmitte), der sich seit vielen Jahren als Experte für den Schutz der frei fließenden Donau einsetzt, ist seit Anfang Mai neuer Kreisvorsitzender in Deggendorf. Sein Vorgänger Dieter Scherf (im Bild links), der bei der BN-Delegiertenversammlung im April erneut in den Landesvorstand gewählt wurde, will sich jetzt verstärkt dieser wichtigen Aufgabe widmen. Unter den Gratulanten war auch der Landesvorsitzende Hubert Weiger (im Bild rechts).

[3-08] Natur + Umwelt BN-Magazin

31

NATU R NOTIZEN AUS N I EDER BAYER N

07.08.2008

Foto: Kreisgruppe

3-08_N+U_web:n+u


3-08_N+U_web:n+u

07.08.2008

18:36 Uhr

Seite 32

Kreisgruppe München

Graugans: Kein Gast mehr bei Freunden?

S

Orient in Geretsried: Eine Schweizer Investorengruppe will in Geretsried im Landkreis Bad TölzWolfratshausen das weltgrößte Spaßbad bauen, eine »orientalische Wellness-Oase«. Der Bund Naturschutz hat sich vehement dagegen ausgesprochen. Zudem unterstützt der BN eine Bürgerinitiative, die das »SPA Aladin« getaufte Projekt durch einen Bürgerentscheid verhindern will. Die Unterschriftensammlung für die erste Stufe des Bürgerentscheids lief zu Redaktionsschluss noch. Passivhauskirche: Im April hat die BN-Kreisgruppe Mühldorf am Inn ihren Umwelttaler an die evange-

32

Foto: Kreisgruppe

NATU R NOTIZEN AUS OBER BAYER N

chlösser- und Seenverwaltung, Technische Universität München (TU) und Münchner Kreisverwaltungsreferat (KVR) hatten Graugänse fangen und töten wollen, wie Ende April bekannt geworden war. Geschehen sollte dies in der Zeit des Gefiederwechsels, während der die Tiere flugunfähig sind. Dabei hatte man sich noch Anfang April bei einem Workshop mit dem Bund Naturschutz darauf geeinigt, vor

einer Entscheidung weitere klärende Gespräche über mögliche Probleme mit Wasservögeln zu führen. Dank des massiven Protestes von Bund Naturschutz, Ornithologischer Gesellschaft, Landesbund für Vogelschutz, Tierschutzbund Bayern und aus der Bevölkerung verzichten TU und Schlösserverwaltung jedoch für dieses Jahr auf die Tötungsaktion, wie sie Anfang Mai in einem Brief mitteilten. Die in einem Aktionsbündnis zusammengeschlossenen Naturschützer hatten sich in ihrer Argumentation auf anerkannte Wissenschaftler berufen, nach denen die offizielle Darstellung weit überzogen gewesen war: Eine Überpopulation an Gänsen gibt es in München nicht. Zudem wären von der Tötung sogenannte »Mausergäste« betroffen gewesen, also Gänse, die speziell zur Mauser nach München kommen. Die Zahl der Münchner

lisch-lutherische Immanuelkirche in Ampfing vergeben. Damit ehrte der BN die konsequente ökologische Ausrichtung der ersten Passivhauskirche Bayerns, wie der Kreisvorsitzende Gerd Ruchlinski betonte. Die Auszeichnung nahmen Pfarrerin Andrea Klopfer und Ina Hansemann vom Kirchenbauverein entgegen. Teilerfolg am Auerberg: Der Gemeinderat von Bernbeuren im

Natur + Umwelt BN-Magazin [3-08]

Parkgänse wäre deshalb von der Tötung kaum beeinflusst worden, und eine vom KVR angeführte gesundheitliche Belastung ist in der Praxis viel eher durch Säugetierkot möglich als durch die Gänse. Dass es sich beim Nymphenburger Schlosspark, einem der betroffenen Parks, um ein nach europäischem Recht besonders geschütztes FFHGebiet handelt, hatte das KVR schlicht unter den Tisch fallen lassen, als es behauptete, es ginge hier um Parkanlagen, nicht um Schutzgebiete, und hier stünde der Mensch allein im Mittelpunkt. Ob die Graugans in München auch zukünftig zu Gast bei Freunden ist, werden weitere Gesprächsrunden im Herbst zeigen. Es wird spannend: Das KVR ist nach wie vor der Überzeugung, dass in München kein Platz für ein paar hundert Graugänse ist. Martin Hänsel (hl)

Landkreis WeilheimSchongau hat den Bebauungsplan für den Auerberg im März 2008 aufgehoben. Mit dem Beschluss reagierte die Gemeinde auf ein erfolgreich angelaufenes Bürgerbegehren gegen das Bauvorhaben. Innerhalb kurzer Zeit hatte die Bürgerinitiative 500 Unterschriften gesammelt, 177 wären für das Begehren nötig gewesen. Die Gemeinde wollte am Auerberg zwei Neubauten von jeweils bis zu 300 Quadratmetern Grundfläche errichten. Da es neue Pläne gibt, wertet die Initiative den Stand der Dinge vorerst nur als Teilerfolg.

A94 den Marsch geblasen: Mit Posaunen und Trompeten bliesen Anfang Mai unter Leitung der »Biermösl Blosn« rund 2400 Menschen der Staatsregierung den Marsch. Dirigent des riesigen Freiluft-Protestkonzerts gegen die geplante A94 im Isental bei Erding war der Kabarettist Gerhard Polt. Der BN hat sich im Frühjahr an das Bundesverwaltungsgericht gewandt – die letzte Instanz, die den Autobahnbau durch das Isental noch stoppen könnte. Solange das Gericht nicht entschieden hat, ist das Isental nicht verloren. Foto: Schulte

Foto: Kreisgruppe

Zur Bundesgartenschau 2005 waren sie noch wohlfeile Sympathieträger: Graugänse schmückten die Werbeprospekte des Münchner Tourismusamtes. Doch in diesem Frühjahr wurde jäh ein anderer Ton angeschlagen.


3-08_N+U_web:n+u

07.08.2008

18:36 Uhr

Seite 33

Echter Renner So fühlt sich’s also an, wenn man eine Schnecke ist! Die BN-Naturerfahrungsangebote inklusive hohem Spaßfaktor gehören zu den Rennern der Neu-Ulmer Landesgartenschau.

Kreisgruppe Neu-Ulm

nter diesem Motto nimmt die Kreisgruppe Kinder von vier bis 14 Jahren mit in die Regenwurmröhre, auf die Schneckenrolle, das Grashüpfer-Trampolin und in die Biberburg. Für Schulklassen gibt es zudem die Angebote »Unterwegs mit Grashüpfer und Co.« und »Unter dem Laubdach lockt das Leben«. Der BN setzt dabei auf direkte Naturerfahrung und ein qualifiziertes umweltpädagogisches Programm, das zum Mitmachen einlädt und nicht nur zum Konsumieren von Ausstellungstafeln. Wie schon in früheren Landesgartenschauen – zum Beispiel 2006 in Marktredwitz – gehören die BNAngebote zu den Höhepunkten, was teils seit Wochen ausgebuchte Veranstaltungen zeigen.

Ökostation Schwaben: Seit dem Frühjahr gibt es sie wieder – die BN-Ökostation Schwaben. Mit neuem Schwung bietet die Umweltbildungseinrichtung ein volles Jahresprogramm unter dem Titel »Netzwerk Biodiversität in Schwaben – Vielfalt erleben«. Hinter der Station mit Sitz in Kempten stehen die zehn schwäbischen BN-Kreisgruppen. Die Veranstaltungen der Ökostation finden dezentral überall in Schwaben statt. Ihr Vorsitzender ist Björn Reichelt, der auch der BN-Kreisgruppe Kempten vorsteht. Kontakt: Ökostation Schwaben, Tel. 08 31-1 51 11, www.oekostation-schwaben.de

Die hohen Besucherzahlen und die sehr gute Akzeptanz der BNAngebote auf der seit Ende April laufenden Gartenschau bestätigen, dass es für einen Naturschutzverband sinnvoll ist, diese Plattform zu nutzen. Hier kann der BN seine Umweltthemen an ein breit gefächertes Publikum herantragen und viele Menschen dafür sensibilisieren – auch jene, die weniger zum traditionellen Naturschutzpublikum gehören. Der BN-Vorsitzende Prof. Dr. Hubert Weiger kündigte bei einem Besuch des BN-Landesvorstands Anfang Mai an: »Der BN wird auch bei den kommenden Landesgartenschauen spannende Angebote für die Besucher bieten. Die Vorbereitungen für die Landesgartenschau Rosenheim 2010, wo

Maßlos: Es tut nicht nur einem Landwirt in der Seele weh, wenn bester Ackerboden für ein Gewerbegebiet herhalten soll. 54 Hektar auf Dasinger und Aichacher Flur sollen dafür geopfert werden. Die Kreisgruppe Aichach-Friedberg kämpft gegen den maßlosen Bodenverbrauch. Bei einer Infoveranstaltung Ende März 2008 folgten über 100 Zuhörer den Argumenten der BN-Vertreter. Die Stadtoberhäupter von Dasing und Aichach sehen die Anbindung an die Autobahn A8 und die vorstellbaren Arbeitsplätze indes als ausschlaggebende Gründe für diesen Standort an. Dabei gibt es im Landkreis 95 Hektar freie Gewerbeflächen.

Ausstellungsinhalt die Gewässerrenaturierung und der Biber sein sollen, laufen bereits.« Der BN-Vorstand dankte den Aktiven der Kreisgruppe für ihr Engagement und die ungezählten ehrenamtlichen Arbeitsstunden, die sie bisher für die Gartenschau geleistet haben. Allein für den Aufbau des Kindererlebnisgartens waren 6000 Stunden angefallen. Bernd Kurus-Nägele (hl)

Trinkwasserkrimi: Seit Jahren hatte die Stadt Augsburg Flächen, die der Trinkwassergewinnung dienen, an die Stadtwerke verkauft. Insgesamt waren es bis 2007 rund 1000 Hektar. Der BN und die Bürgerinitiative »Wasserallianz« befürchteten, dass dies nur eine Zwischenstation auf dem Weg zu einer Privatisierung sein könnte. Als die Stadt 2007 weitere 460 Hektar an die Stadtwerke veräußern wollte, entbrannte ein regelrechter Wasserkrimi zwischen Stadt, Bürgerinitiative und BN. Nach einigem Hin und Her inklusive zweier Anläufe zu einem Bürgerbegehren besteht nach dem letzten Streich im Frühjahr 2008 im Prinzip der

Status Quo von 2007 fort: Einerseits bleiben die bereits verkauften 1000 Hektar im Besitz der Stadtwerke und könnten bei einem Verkauf der Werke an einen privaten Investor mitverkauft werden. Andererseits befinden sich die 460 Hektar – der ursprüngliche Stein des Anstoßes – weiterhin im Besitz der Stadt.

[3-08] Natur + Umwelt BN-Magazin

33

NATU R NOTIZEN AUS SCHWABEN

U

Bereits zum siebten Mal seit 1990 ist der Bund Naturschutz auf einer bayerischen Landesgartenschau präsent, dieses Jahr in Neu-Ulm. Ein Besuch lohnt sich: Noch bis 5. Oktober geht es für Kinder zusammen mit dem BN »kunterbunt durchs Wunderland«.

Foto: MEV

Foto: Düffert

Ab geht’s mit der Schneckenrolle


18:36 Uhr

Seite 34

Ausbildungsangebot

Biberführer werden!

S

Noch mehr Tipps Das komplette BNBildungsprogramm gibt es beim BN-Bildungswerk, Tel. 09 41- 2 97 20 42, bw@bundnaturschutz.de, www.bund-naturschutz.de/kontakt/ umweltbildung

eitdem der Bund Naturschutz den Biber 1966 wieder in seine alte Heimat Bayern geholt hat, erobert sich der pelzige Wasserbewohner seinen Lebensraum zurück. Als guter Geist des Wassers schafft er neue Biotope und leistet mit seinen Dammbauten kostenlosen Hochwasserschutz. Weil Bauern und Waldbesitzer das Land aber oft bis direkt an den Gewässerrand nutzen, gibt es auch Konflikte zwischen Mensch und Biber. Manche Politiker nutzen das für Stimmungsmache gegen den pelzigen Bayern. Um dem entgegenzusteuern, gilt es, die Menschen besser über den Wasserbewohner zu informieren. Gesucht sind Naturführer, Umweltpädagogen und Lehrer, die sich zum Thema Biber fachlich und exkursionsdidaktisch weiterbilden wollen. In der eintägigen Ausbildung

Workshop zur Nanotechnologie

Kleine Teilchen – große Wirkung?!

D

ie Nanotechnologie wird oft als Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts bezeichnet. Bekannt ist sie bisher vor allem im Zusammenhang mit selbst reinigenden Oberflächen bei Glas oder Textilien. Dass die Nanopartikel auch in der Lebensmittelproduktion und bei Kosmetika auf dem Vormarsch sind, dringt erst allmäh-

34

Natur + Umwelt BN-Magazin [3-08]

zum Biberführer stellen die BNBiberberater am Vormittag Biologie, Geschichte und Lebensweise des Bibers sowie Konflikte und das BNBibermanagement vor. Nachmittags geht es ins Gelände. Um die künftigen Biberführer für ihre Aufgabe zu rüsten, hat der BN zudem mit Förderung des Umweltministeriums zehn »Biberrucksäcke« zusammengestellt (Bild). Diese werden verliehen und enthalten vom Biberfell bis zum Biberlied alles, was man für einen Vortrag oder eine BiberExkursion braucht. Für jeden der sieben bayerischen Regierungsbezirke gibt es zwischen Mitte Oktober und Mitte November 2008 einen eigenen Ausbildungstermin. Infos und Kontakt: BN-Bildungswerk, Tel. 09 41-2 97 20 42, bw@bund-naturschutz.de lich ins Bewusstsein der Verbraucher. Doch was kann passieren, wenn uns die Miniteilchen aus der Sonnenmilch im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut gehen? Welche Risikoeinschätzungen gibt es bereits? Auf was lassen wir uns ein, wenn Nanopartikel unerkannt auf unserem Teller landen? Zusammen mit dem BUND bietet der BN eine Abendveranstaltung und einen Workshop am folgenden Tag zu diesen Fragen an. Kontakt: BN-Bildungswerk, Tel. 09 41-2 97 20 42, bw@bund-naturschutz.de 왘 Traunstein, 26./27. September 2008

Abenteuer Natur Von Saftkuglern, Springschwänzen und Kräuselspinnen

Seltsame Namen, seltsame Lebewesen, die das Ökohaus Würzburg da aufstöbern will! Dabei werden auch recht ungewöhnliche Gerätschaften helfen: Klopftücher, Insektenstaubsauger, Bodensiebe und Spinnennetzdetektoren. Außerdem probieren die Kinder aus, wie Spinnen ihre Beute erspüren, und basteln selbst ein kunstvolles Netz nebst Bewohnerin. Für Familien mit Kindern ab sechs Jahren besonders geeignet. Kontakt: Ökohaus Würzburg Tel. 09 31 -4 39 72, info@bn-wuerzburg.de 왘 Würzburg, 19. Oktober 2008

Foto: Willner

07.08.2008

BUNTER SEMINARHERBST

3-08_N+U_web:n+u

Herbst im Nationalpark Bayerischer Wald Gemeinsam erleben die Teilnehmer bei einer sechsstündigen Wanderung die neu entstehende Waldwildnis am Lusen. Die kundigen Führer erklären den Wechsel von Wachsen und Vergehen und zeigen, wie sich der Wald im Nationalpark von selbst verjüngt. Kontakt: Ökostation Stelzlhof, Tel. 08 51-9 66 93 66, info@bn-passau.de 왘 Spiegelau, 3. Oktober 2008

Familiensonntag »LandArt« Der Herbst ist ein Landstreicher mit einem bunten Flickenrock. Inspiriert durch bunte Blätter und Früchte schaffen die Seminarteilnehmer vergängliche Kunstwerke aus und in der Natur. Angesprochen sind Familien mit Kindern von sechs bis zwölf Jahren. Kontakt: Ökologische Bildungsstätte Burg Hohenberg, Tel. 0 92 3371 60 55, oekoburg@freenet.de 왘 Burg Hohenberg bei Eger, 5. Oktober 2008


3-08_N+U_web:n+u

07.08.2008

18:36 Uhr

Seite 35

BN-VERANSTALTUNGEN UND WEITERE TERMINE

Seit gut dreißig Jahren bewahrt der BN das Spessarttal vor der Zerstörung durch einen Speichersee. Kontakt: BN-Kreisgruppe Main-Spessart, Tel. 0 93 91- 88 92, bn-msp@t-online.de 앫 Lichtenau, 13.–14. September 2008

Für ein lebenswertes Bayern

Bäuerliche Landwirtschaft ist Zukunft!

Foto: Galm

Öffentlicher Bauerntag zu Globalisierung, fairen Preisen für Milch und mehr. Kontakt: Andreas Remmelberger, Tel. 0 86 79 - 64 74 앫 Wiesmühl bei Traunstein, 7. September 2008

Demo gegen Kohlekraftwerk Große Demonstration der Klimaallianz gegen das Kohlekraftwerk Staudinger. Kontakt: Klimaallianz, info@die-klima-allianz.de

Kontakt: Deutscher Berufsverband der Umweltmediziner, dbu@dbu-online.de 앫 Berlin, 3. – 4. Oktober 2008

Seminar für Libellenkundler, insbesondere im Freiland tätige Kartierer. Kontakt: BN-Referat für Arten- und Biotopschutz, Tel. 09 11- 8 18 78 18, kai.frobel@bund-naturschutz.de 앫 Schloss Mitwitz bei Kronach, 22. November 2008

Tag der Regionen Schauen, staunen, kosten. Dieses Jahr unter dem Motto »Klimaschutz durch kurze Wege«. Aktionsbündnis Tag der Regionen, Tel. 0 98 52 -13 81, bund-sued@ tag-der-regionen.de 앫 Bayernweit, 5. Oktober 2008

Weiße Hänge – kaputte Berge Foto: BN-Archiv

Demo gegen die dritte Startbahn am Münchner Flughafen und andere Großprojekte. Der Protestzug startet um 10:30 Uhr am Marienplatz. Um 12:30 Uhr Kundgebung auf dem Odeonsplatz. Kontakt: BN-Fachabteilung, Tel. 0 89 - 5 48 98 63, fa@bundnaturschutz.de 앫 München, 6. September 2008

Ökologie und Schutz heimischer Libellen

Öko-Erlebnistage Infos und Verkostung auf ÖkoBauernhöfen, bei Naturkosthändlern, Winzern und Gastronomen. In München gibt es ein zentrales Fest vom 20. bis 28. September. Kontakt: Landesvereinigung für den ökologischen Landbau, Tel. 0 89 - 21 02 09 98, info@lvoe.de 앫 Bayernweit, 13. September – 5. Oktober 2008

Auswirkungen des Skitourismus: Exkursion ins Spitzingsee-Gebiet. Kontakt: Naturschutzzentrum Wartaweil, Tel. 0 81 52 - 96 77 08, wartaweil@bund-naturschutz.de 앫 Bayerische Alpen, 25. Oktober 2008

Kindertraum Handy Die mobile Verführung und ihre Folgen. Kontakt: BN-Bildungswerk, Tel. 09 41- 2 97 20 42, bw@bundnaturschutz.de 앫 Nürnberg, 29. November 2008

Wie wohnen, wo leben 17. Internationaler Donaukongress

Seminar über zukünftige Stadtund Ortsentwicklung. Kontakt: BN-Landesfachgeschäftsstelle, Tel. 09 11 - 8 18 78 14, tom.konopka@bundnaturschutz.de 앫 Ansbach, 7. November 2008

Der Kampf um die frei fließende Donau: Was sind aktuelle Entwicklungen? Wie geht es weiter? Kontakt: BN-Kreisgruppe Deggendorf, Tel. 09 91- 3 25 55, bund-naturschutz@degnet.de Niederalteich, 앫 13.–14. Dezember 2008

Alpenkonvention

Hände weg von unserer Nahrung

Die Veranstaltung zeigt die juristische Umsetzung der Konvention in Bayern auf. Kontakt: BN-Fachabteilung, Tel. 0 89 - 54 82 98 63, fa@bund-naturschutz.de 앫 München, 26. September 2008

Multiplikatorenschulung zum Thema Gentechnik. Kontakt: BN-Referat für Landwirtschaft, Tel. 09 11 - 8 18 78 21, marion. ruppaner@bund-naturschutz.de 앫 Sulzbach-Rosenberg, 14. November 2008

BN-STUDIENREISEN | TEL. 0 91 23 - 9 99 57 10 Glacier-Express

Foto: Eisenstein

Foto: Kabel

Über kühn geschwungene Viadukte geht es per Bahn durch die Schweizer Bergwelt. 앫 Schweiz, 7. –13. September 2008

Rügen

Nationalpark Berchtesgaden Wanderungen auf alpinen Steigen mit Blicken auf Königssee und Steinernes Meer. 앫 Bayern, 18. – 21. September 2008

Außerhalb der Badeorte locken naturbelassene Strände, Klippen und wilde Wälder. 앫 Deutschland, 6. – 14. Oktober 2008

Ligurien und Cinque Terre Italien für die Sinne: felsige Küstengebirge, malerische Dörfer, romantische Burgen. 앫 Italien, 22. – 29. September 2008

Herausgeber: Bund Naturschutz in Bayern e.V. (BN), vertreten durch Peter Rottner, Landesgeschäftsführer, Dr.-Johann-Maier-Str. 4, 93049 Regensburg, www.bund-naturschutz.de Leitender Redakteur (verantw.): Manfred Gößwald (göß) Redaktion: Holger Lieber (hl), Christoph MarklMeider (cm), Tel. 09 41 -2 97 20-22, Fax -31, nu@bund-naturschutz.de Mitglieder-Service: Tel. 09 41 -2 97 20-29 und -20 Gestaltung: Gorbach GmbH, Utting a. Ammersee (Layout: Waltraud Hofbauer) Titelbild: Fotolia und Willner, Montage: Janda+Roscher Litho: Fotosatz Amann, Aichstetten Redaktion BUND-Magazin: Severin Zillich (verantw.), Am Köllnischen Park 1, 10179 Berlin, Tel. 0 30 -27 58 64-57, Fax -40 Druck und Versand: Brühlsche Universitätsdruckerei Gießen Anzeigen: BN Service GmbH, Eckertstr. 2, Bahnhof Lauf (links), 91207 Lauf an der Pegnitz, Tel. 0 91 23- 9 99 57- 30, Fax -99, info@service.bund-naturschutz.de Auflage: 101 500 Bezugspreis: Für Mitglieder im Beitrag enthalten, für Nichtmitglieder Versandgebühr ISSN 0721-6807 BN-Konto: Bank für Sozialwirtschaft, Konto 8 885 000, BLZ 700 205 00 BN-Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft, Konto 8 844 000, BLZ 700 205 00 Mit Namen gezeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder des BN wieder. Nachdruck nur mit Genehmigung des BN. Für unverlangt eingesandte Artikel oder Fotos keine Gewähr. Die Redaktion behält sich das Recht vor, Leserbriefe zu kürzen. »Natur+Umwelt« wird auf 100 % Recyclingpapier gedruckt.

[3-08] Natur + Umwelt BN-Magazin

35

IMPR ESSUM

31. Hafenlohrtalfest

8. Umweltmedizinische Jahrestagung

Foto: Willner

Foto: Margraf

앫 Großkrotzenburg, 13. September 2008 Einem Teil dieser Auflage liegt ein Demo-Flyer bei.


3-08_N+U_web:n+u

07.08.2008

18:36 Uhr

Seite 36

Denn Moorschutz = aktiver Klimaschutz! Deshalb wollen wir:

1. Renaturierung

2. Beweidung

=

und durch Flächenankäufe erhalten.

Bitte unterstützen Sie uns mit einer Spende. Spendenkonto 930 00 00 150, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 700 205 00

Design: Breitenbach & Pötschick, Aschaffenburg

Moo

durch Renaturierungsmaßnahmen, Beweidung

hutz

Wir wollen diese einzigartigen Klimaschützer

a

5-10 Prozent droht das gleiche Schicksal.

sc

sind bereits ausgetrocknet. Den restlichen

Klim

90-95 Prozent unserer bayerischen Moore

hutz c s =

r

Moore auf dem Trockenen!

3. Flächenankauf


Natur+Umwelt 3-2008