Page 77

Idee zu verständigen, die Veränderung in einem definierten Lebensbereich bewirken soll. Dazu lädt die Bürgerstiftung all diejenigen ein, die von einem bestimmten Thema betroffen sind oder ihr Wissen beisteuern können.

Bürgerstiftungen sind Ausdruck ­einer vitalen Bürgergesellschaft Bürgerplattformen konzentrieren sich auf große Städte. Anders verhält es sich mit Bürgerstiftungen, die mittlerweile fast überall in Deutschland zu finden sind. Die prosperierende Bürgerstiftungslandschaft ist die vielleicht wichtigste Entwicklung der letzten 20 Jahre im Engagementsektor. 1996 wurde die erste Bürgerstiftung in Deutschland nach anglo-amerikanischem Vorbild gegründet. Heute existieren mehr als 300 Bürgerstiftungen über ganz Deutschland verstreut. 225 tragen das Gütesiegel des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen. Als Plattformen für Partizipation stehen Bürgerstiftungen allen Bürgern vor Ort offen. Meist reichen auch kleinere Summen, um als Bürgerstifter aktiv zu werden. Nicht weniger wichtig ist aber die Möglichkeit, sich nichtmateriell zu beteiligen: mit guten Ideen, durch die Vermittlung von Kontakten, durch Zeit, die man für bestimmte Projekte aufzuwenden bereit ist.

Wie Runde Tische mehr ­Partizipation ermöglichen Mit teils neuartigen Formaten bringen sich einige Bürgerstiftungen ganz gezielt in den politischen Prozess ein. Diese Experimente bereichern und verändern die politische Kultur, besonders wenn sie zeigen, welche Formen der Bürgerbeteiligung es neben Wahlen gibt. Ein Beispiel sind die Runden Tische der Bürgerstiftung Stuttgart. Sie sind ein interessantes Bottom-up-Format, das Einfluss auf die demokratische Willensbildung nimmt. Im Mittelpunkt der Runden Tische stehen die Zusammenarbeit, der Aufbau von Netzwerken – und die Pflicht, sich auf eine

Seit 2006 fanden in Stuttgart mehrere Runde Tische statt: etwa zum Thema „Alt werden in Stuttgart“. Das Thema wurde bei einem ersten Treffen in drei Aspekte und Arbeitsgruppen unterteilt: Palliative Care, Sterbe- und Trauerbegleitung, Migranten und Ehrenamt. Aus der ersten Arbeitsgruppe heraus ist 2009 das Palliativ-Netz Stuttgart gegründet worden – ein Netzwerk, das sich um Todkranke und Sterbende kümmert und ihnen ein würdiges Sterben zu ermög­lichen versucht. Das PalliativNetz informiert über Themen der letzten Lebensphase, weist den Weg zu einschlägigen betreuenden Einrichtungen und bietet Kranken und Angehörigen Orientierung. Gefördert wird es von der Veronika-Stiftung, der Baden-Württemberg Stiftung und der Stadt Stuttgart. Aus dem Cluster Sterbeund Trauerbegleitung sind Kurse entstanden, die zum Trauerbegleiter qualifizieren. Die dritte Arbeitsgruppe hat sich überlegt, wie sich Migranten besser mit Pflege- und ­Hospizangeboten sowie den kulturellen Gepflogenheiten auseinandersetzen können. Unter anderem haben sie eine Info-Bus-Tour entwickelt, bei der Migranten andere Migranten zu dem Thema informieren. Indem sie Themen wie diese aufgreifen und Menschen in eine aktive Rolle versetzen, tragen Bürgerstiftungen zu einer sozial nachhaltigen Entwicklung bei.

3 – Bürgerbeteiligung als Mittel gegen Politikverdrossenheit

75

StiftungsReport 2012/13  

Auftrag Nachhaltigkeit: Wie Stiftungen den sozialen Zusammenhalt stärken

StiftungsReport 2012/13  

Auftrag Nachhaltigkeit: Wie Stiftungen den sozialen Zusammenhalt stärken

Advertisement