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Wenn die Demokratien fortbestehen sollen, muss der Staat seine Bürger ernst nehmen. Die Gesellschaft muss sich über die Ausübung positiver Rechte definieren, gesellschaftliche Pluralität und Partizipationsbereitschaft also als Ressource begreifen, die sich nutzen lässt, um das Gemeinwohl zu mehren. Auch wenn die Bürger mitunter andere Akzente setzen als die staatlichen Entscheidungsträger. Um zu verhindern, dass Bürgerproteste ins Negative kippen und zu verhärteten Fronten führen, empfiehlt der Politologe Claus Leggewie „mehr demokratische[…] Teilhabe, die das lokale Wissen einbezieht und den Menschen ‚vor Ort‘ eine aktive Rolle gibt“.113

Indizien für Politikverdrossenheit: sinkende Wahlbeteiligung und Mitgliederschwund der Parteien Immer mehr Menschen werden zu Nichtwählern. Im Osten der Republik gingen bei den letzten Bundestagswahlen nur noch knapp zwei Drittel der Wahlberechtigten zur Urne. Ein Zeichen für abnehmendes politisches Interesse sind auch die sinkenden Mitgliederzahlen der meisten Parteien. Zulauf haben aktuell vor allem die Piraten: Nach eigenen Angaben hat die Piratenpartei in den Landesverbänden insgesamt 25.103 Mitglieder.

Wahlbeteiligung bei Bundestagswahlen (in Prozent der Wahlberechtigten)

76,3 (W:76,9/ O:74,0) 1990

79,6 (W:81,2/ O:73,2) 2002

78,3 (W:79,2/ O:74,7)

71,4 (W:72,9/ O:65,1)

2005

2009

Quelle: Der Bundeswahlleiter (2012)

Mitgliederentwicklung der Parteien in 1.000 (gerundet)

Quelle: Oskar Niedermayer (2011)

StiftungsReport 2012/13

2010

2005

2000

1995

1.000 900 800 700 600 500 400 300 200 100 0 1990

70

SPD CDU Die Linke CSU FDP Grüne

StiftungsReport 2012/13  

Auftrag Nachhaltigkeit: Wie Stiftungen den sozialen Zusammenhalt stärken

StiftungsReport 2012/13  

Auftrag Nachhaltigkeit: Wie Stiftungen den sozialen Zusammenhalt stärken

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