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Bildung ist der Schlüssel für Teilhabe Dreh- und Angelpunkt beim Engagement für eine gerechtere Verteilung von Lebens­ chancen – und damit für ein nachhaltiges gesellschaftliches Fundament – ist die Bildung. Sie ist auch der beste Schutz gegen Armut, Ausgrenzung und Diskriminierung. Mehr als 17 Prozent der deutschen Stiftungen sind schwerpunktmäßig auf diesem Feld aktiv. Neben den sozialen Zwecken, deren Erfüllung sich fast ein Drittel der ­Stiftungen in Deutschland verschrieben hat, sind Bildungsstiftungen die zweitgrößte Gruppe.70 In den letzten 20 Jahren ist dieser Bereich den deutschen Stifterinnen und Stiftern immer wichtiger geworden.71 Bei der Suche nach einer Antwort auf die Frage, wie Stiftungen mitwirken, die Gesellschaft ­gerechter zu machen, bietet sich ein Blick auf den Bildungsbereich in besonderer ­Weise an. „Bildung besitzt für die Etablierung einer sozialen Bürgerschaft deshalb höchste Priorität, weil sie die Grundlage einer jeden Politik der Lebenschancen darstellt. Das betrifft die Teilhabe am Erwerbsleben genauso wie die am politischen oder am kulturellen Leben“, meint der Soziologe Heinz Bude.72 Zugleich begünstigt Bildung eine nachhaltige Entwicklung. Je höher der Bildungsstand, desto größer ist die Reflexionsfähigkeit und desto bewusster leben die Menschen. Und umso besser stehen die Chancen, Benachteiligungen und Disparitäten zu mindern beziehungsweise klug mit ihnen umzugehen. Um ein Beispiel zu nennen: Wurden Menschen mit Behinderungen früher weitgehend als für den Arbeitsmarkt ungeeignet

betrachtet und in sogenannten Maßnahmen untergebracht, werden sie heute häufig so qualifiziert, dass sie potenziell auf dem ersten Arbeitsmarkt eine Stelle finden können. Ein Feld, auf dem sich auch Stiftungen betätigen. Zum Beispiel ermöglicht das Stuttgarter Rudolf-Sophien-Stift psychisch Erkrankten in seinen Werkstätten die berufliche Rehabilitation, etwa in der Metallwirtschaft oder der I­ ndustriebuchbinderei.73 Im digitalen Zeitalter hat sich auch der Bildungsanspruch verändert. Die reine Vermittlung von Faktenwissen rückt in den Hintergrund. In der Wissensgesellschaft, die durch hohe Spezialisierung und ständige Abrufbarkeit von Wissen gekennzeichnet ist, sind vor allem methodische Fähigkeiten gefragt. Schüler müssen heute in erster ­Linie wissen, wo sie die Informationen, die sie brauchen, finden. Sie sollen Wissen transferieren und vernetzen können. Von großer Bedeutung ist der Erwerb sogenannter Soft Skills wie Kommunika­ tionsfähigkeit. ­Ferner erzeugt ein moderner Bildungs­ansatz ein naturwissenschaftlichtechnisches Verständnis und fördert ein kulturelles Bewusstsein. All das jeweils entlang der ganzen Bildungskette – von pädagogischer Frühförderung bis ins Studium. Dazu ist ein Mentalitätswandel der im Bildungssektor Tätigen notwendig. Der Blick muss über den eigenen Schulhof, die eigene Ausbildungswerkstatt hinausreichen, die Akteure müssen sich vernetzen. In Anbetracht der Schwerfälligkeit des föderalen Bildungs­systems und einer konservativen Grund­haltung vieler Bildungseinrichtungen, gehen diese neuen Impulse häufig von Stiftungen aus.

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2 – Bessere Chancen für alle

StiftungsReport 2012/13  

Auftrag Nachhaltigkeit: Wie Stiftungen den sozialen Zusammenhalt stärken

StiftungsReport 2012/13  

Auftrag Nachhaltigkeit: Wie Stiftungen den sozialen Zusammenhalt stärken

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