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Unter dem Blickwinkel „Mit Stiftungsstrategien nachhaltig wirken“ gilt es durchaus kritisch zu prüfen, inwiefern sich Stiftungen als „Weltretter“ eignen und verstehen sollen. Es ist kritisch zu hinterfragen, was aus gut gemeinten Förderungen und Angeboten wird und wem sie dienen! Letzthin habe ich einen angehenden Stifter getroffen, den die Sorge um die Nachhaltigkeit umtrieb. Er würde gerne etwas mit Kindern machen, denn das sei sicher zukunftsträchtig. Ist es denn so? Bedeutet „in Kinder investieren“ an sich schon Nachhaltigkeit? Und ist es wirklich so, dass „in Bildung investieren“ sicherstellt, dass nachfolgende Generationen klüger handeln werden als wir? Als Pädagogin und Psychologin bin ich überzeugt davon, dass Vorbildlernen und Erfahrungslernen in der frühesten Kindheit wichtige Schlüssel für nachhaltige Verbesserung des Aufwachsens und für Chancengerechtigkeit sind. Sie funktionieren aber nur im direkten Zusammenleben, in der Teilhabe und Teilnahme von Menschen. Dies wiede­ rum macht deutlich: Nur wenn es gelingt, die Vision der Stiftung auf die Ebene des zwischenmenschlichen Kontakts runter zu zonen – wie es neudeutsch heißt – gelingt eine Bewusstseins- und Haltungsveränderung. Kein Programm, kein Projekt kann Kommunikation und Dialog, Achtung und Wertschätzung, Respekt und Verantwortung vermitteln, es sei denn, Menschen würden es leben. Stiftungen sind geprägt von einer Haltung des Bewahrens, des Konservierens Stiftungen sind per definitionem konservativ und – hoffentlich – proaktiv, auch wenn sich das wie ein Widerspruch anhört. Gemeint ist damit, dass Stiftungen an einem Thema festhalten, d.h. nicht universell handeln. Im Idealfall haben Stiftungen, längst bevor es zur Katastrophe kommt, Strategien entwickelt, die die Katastrophe zwar nicht verhindern, aber doch zu ihrer Bewältigung beitragen. Es gibt natürlich auch eine Kehrseite der Medaille. Eine Vision zu haben und strategisch danach zu handeln, verhindert nicht, dass auch Stiftungen sich irren können. Denn wer mit der Zukunft Geschäfte macht, kauft oft die Katze im Sack. Sturer Alleingang und Konservativismus sind auch im Stiftungshandeln nicht (mehr) opportun. Stets müssen die Landkarten des eigenen Operierens überprüft, Richtungen justiert und Ziele vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Veränderung neu ausformuliert und interpretiert werden. Insbesondere bei hoher Veränderungsdynamik könnten Stiftungen dazu beitragen, dass das Vertrauen in die tragenden Institutionen des demokratischen Gemeinwesens nicht verloren geht. Sie tragen umso mehr dazu bei, je transparenter sie agieren und je klarer sie sich profilieren. Gerade durch ihre deutliche Ausrichtung, die oft nur einen Teil­ bereich des Lebens erfasst, werden Stiftungen glaubwürdig. Sie kommen nicht wie die eierlegende Wollmilchsau daher, sondern wie der Schuster, der bei seinen Leisten bleibt. 35

1 – Der Zukunft eine Chance geben

StiftungsReport 2012/13  

Auftrag Nachhaltigkeit: Wie Stiftungen den sozialen Zusammenhalt stärken

StiftungsReport 2012/13  

Auftrag Nachhaltigkeit: Wie Stiftungen den sozialen Zusammenhalt stärken

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