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2. Hypothek: Ressourcenübernutzung und Klimawandel

Die rasant wachsende Bevölkerung stellt den Planeten vor eine unvergleichliche Belastungsprobe. Jährlich verbrauchen die Menschen mehr Ressourcen, als die Erde eigentlich für diesen Zeitraum generieren kann.36 Mit Auswirkungen auch auf das ­Klima. Wenn der Klimawandel sich fortsetzt, gar verstärkt und lebensnotwendige ­Ressourcen knapp werden, drohen Spannungen schnell zu eskalieren: „Die Alloka­ tion von Ressourcen gilt als eines der höchsten Sicherheitsrisiken im 21. Jahrhundert“, heißt es in einer Expertise der Stiftung Wissenschaft und Politik.37 Ganz gleich, ob es um die letzten fruchtbaren Äcker oder sauberen Quellen geht – die daraus resultierenden Konflikte haben Sprengkraft, sowohl heute als auch in Zukunft. Die Erschöpfung der weltweiten Erdöl­ vorkommen Bei den meisten Gütern ist nicht ersichtlich, welche und wie viele Ressourcen verbraucht werden, denn die Berührungspunkte sind häufig marginal. Beim Benzinverbrauch denken die meisten nur an ihr Portemonnaie. Den Ölpreis oder gar den Status der weltweiten Erdölvorkommen verfolgen wohl die wenigsten. Ältere Menschen erinnern sich vielleicht noch an die autofreien Sonntage während der Ölkrisen der 1970er Jahre. Dabei wäre es durchaus wichtig, sich auch heute stärker mit der Ressource Erdöl zu beschäftigen. Der fossile Brennstoff wird eines Tages nicht mehr verfügbar sein – mit erheblichen Konsequenzen für die meisten Lebensbereiche.

Umwelt-Stiftung ebenso wie die HeinrichBöll-Stiftung eine Diskussion über die Zeit nach dem Öl an. Gerade Umweltstiftungen gewinnen der anstehenden Entwicklung – der zwangsläufigen Entkopplung der industriellen Wirtschaftsweise vom Öl – durchaus Positives ab. Denn knapp 40 Prozent der klimaschädlichen Kohlenwasserstoffe sind auf den Erdölverbrauch zurückzuführen, der vor allem im Transport-, Strom- und Wärmesektor eine maßgebliche Rolle spielt.38 Auch wenn die Welt kurzfristig noch nicht ohne Öl auskommen muss, kann man sich Gedanken über Sparmöglichkeiten machen, zum Beispiel durch ein neues Verständnis von Mobilität. In Deutschland orientiert sich die Verkehrsplanung noch stark am Individualverkehr. Dabei gibt es zahlreiche Ansatzpunkte für nachhaltigere Verkehrskonzepte. Diesem Thema hat sich die ­Berliner Stiftung heureka verschrieben. Sie lässt Expertisen erstellen, die sich mit unterschiedlichen Modellen der Finanzierung des öffentlichen Nahverkehrs beschäftigen. So will die Stiftung die Voraussetzungen für „zielgerichtete Planungsprozesse und ­Planungsmethoden im Verkehr“ eruieren. Das Problem des virtuellen Wasser­ verbrauchs Weitere Ressourcen verbrauchen wir in großem Umfang ganz nebenbei – auch die lebenswichtige Ressource Wasser. Das lässt sich am Beispiel Deutschlands eindrücklich zeigen: Zwar hat in den vergangenen Jahren der Wasserverbrauch sowohl in deutschen Haushalten als auch im Bereich der Indus­ trie kontinuierlich abgenommen. Diese ­Wassermenge stellt jedoch nur einen geringen Teil dessen dar, was die Deutschen wirklich pro Tag beanspruchen.

Einige Stiftungen haben das Ende des Erdöls in den letzten Jahren thematisiert. Unter dem Stichwort Peak Oil stieß die Selbach-

1 – Der Zukunft eine Chance geben

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StiftungsReport 2012/13  

Auftrag Nachhaltigkeit: Wie Stiftungen den sozialen Zusammenhalt stärken

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