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The Playground Project Outdoor 31. Mai bis 28. Oktober 2018


Rein Wolfs Vorwort 3 Preface 5 Markus Gabriel Das Spiel der Gesellschaft The Game of Society

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Susanne Kleine Ins Spiel gebracht Brought into Play

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Susanne Kleine Zu den Werken On the Works Nevin Aladağ 20 Kristina Buch 24 Ólafur Elíasson 28 Jeppe Hein 32 Carsten Höller 36 Christian Jankowski 40 Llobet & Pons 44 Michel Majerus 48 Andreas Schmitten 52 Thomas Schütte 56 Superflex 60 Rirkrit Tiravanija 64 Alvaro Urbano 68 Ina Weber 72 Liste der ausgestellten Werke / List of exhibited works 76 Künstlerrechte / Artists rights, Fotonachweis /  Photo credits 79 Impressum / Imprint 80


Vorwort

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Im Spiel scheint alles einfach zu sein. Wir erwerben heute spielerisch neues Wissen, werden durch Computer-Game-ähnliche Apps zu mehr Bewegung animiert, und in gesellschaftlichen Experimenten werden bereits Highscores für regelkonformes Verhalten dazu genutzt, um Individuen zu sozial angepassten Wesen zu erziehen. Ist das gemeint, wenn wir vom Spiel sprechen? Ein Paradoxon liegt dem Wesen des Spiels zugrunde. Das Spiel ist Freiraum, unbegrenztes Feld der Möglichkeiten, und gleichzeitig folgt es jeweils strengen – wenn auch immer eigenen – Regeln. Wenn Kinder spielen, ist alles möglich: In der Fantasie werden sie zu Löwen, Piraten, Monstern. Gleichsam definieren sie die Regeln des Spiels, dessen Herrscher sie sind, aufs Genaueste: Der Stuhl ist das Pferd, die Küche die ritterliche Stallung, der Kochlöffel das Schwert. Was das Spiel als solches kennzeichnet, ist also nicht per se die Abwesenheit von Regeln. Vielmehr ist festzuhalten, dass ein Spiel grundsätzlich ohne Zweck stattfindet und nur sich selbst als Sinn hat. Die oben genannten Beispiele suggerieren demnach nur einen Spielcharakter, imitieren spielerische Regelsysteme für Lernanreize und Optimierungsprozesse. Ein verordnetes Spiel ist aber kein Spiel mehr. Es ist eben dieses Charakteristikum des Spiels, von Zweck und Ziel entbunden zu sein, das seine Nähe und Geistesverwandtschaft zur Kunst kennzeichnet. Kunst kann wie das Spiel als Möglichkeitsraum begriffen werden, als Fantasma oder Utopie, als Gegenentwurf zum Leben nach Gesetzen, die die Kunst und das Spiel sich einzig selbst gebieten. Als Freiheit von moralischer und physischer Nötigung beschreibt Friedrich Schiller das Spiel, und man liest


darin eben jene Kunstfreiheit, von der wir auch heute noch sprechen. Das Kunstwerk erscheint uns als ein dem Alltag enthobenes, von gesellschaftlichen Normen, ja mitunter auch von Naturgesetzen befreites Konstrukt. Es folgt nur der eigenen ästhetischen Gesetzmäßigkeit, der eigenen konzeptuellen Logik, die es zu einer kohärenten, sich selbst genügenden Entität werden lassen. Die Ausstellung The Playground Project – Outdoor ist in diesem Sinne eine Spiel­ fläche für Künstlerinnen und Künstler, die sich mit dem Gedanken des Spiels, des Spielens und des Spielerischen auseinandergesetzt haben. Zum Akteur des Spiels wird hier oftmals der Besucher selbst, der eingeladen ist, selbst spielerisch zu agieren – mal den Regeln des Kunstwerks folgend, mal animiert, selbst das freie Spiel zu wählen und gestaltend tätig zu werden. Die Bundeskunsthalle schließt damit einerseits an eine vorangegangene Ausstellung an, bei der unter dem Titel Ärger im Paradies auf dem Dach nach dem Paradiesischen wie dem Abgründigen in der zeitgenössischen Kunst gesucht wurde. Zum anderen flankiert diese Ausstellung auf dem Dach und dem Vorplatz der Bundeskunsthalle die zeitversetzt stattfindende Schau The Playground Project, die in der großen Halle des Hauses zu sehen ist und die sich mit den soziologischen und kulturellen Grundlagen des „Phänomens Spielplatz“ auseinandersetzt. Immer wieder reagiert Kunst, gerade wenn sie im öffentlichen Raum stattfindet, auf die ortsspezifischen Gegebenheiten. Mit der Architektur von Gustav Peichl, dem von ihm konzipierten Museumsplatz und der großzügigen Freifläche auf dem Dach der Bundeskunsthalle sind ideale Voraussetzungen dafür geschaffen, einen Diskurs der Kunst im urbanen Raum stattfinden zu lassen. Gustav Peichl sei vor diesem Hintergrund für seine Weitsicht gedankt, den architektonischen und städtebaulichen Freiraum dafür geschaffen zu haben, aber auch für seine Freimütigkeit der Kunst gegenüber, die immer wieder – so auch hier mit der Slide von Carsten Höller – in seine Architektur einwirken darf. Ein weiterer Dank gilt Markus Gabriel, der mit seinem Beitrag in dieser Publikation ganz entscheidende Impulse liefert und die Fragen, die die Ausstellung aufwirft, in einen philosophischen Diskurs überführt. Ich bedanke mich bei unserer Kuratorin Susanne Kleine, die das Konzept zur Outdoor-Ausstellung gänzlich entwickelt, sämtliche Künstlertexte verfasst und das besonders anspruchsvolle Projekt mit großem Elan und Einsatz umgesetzt hat. Auch in ihrem Namen möchte ich aber vor allem den Künstlerinnen und Künstlern danken, die sich bereit erklärt haben, zum Teil ganz neue Arbeiten zu diesem Gedanken zu entwickeln, frei und spielerisch an diesem Outdoor-Experiment teilzunehmen. Rein Wolfs Intendant der Bundeskunsthalle

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Preface

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When we play, everything seems easy. Today, we playfully acquire new knowledge, are encouraged to become more active by computer-game-like apps, and high scores for compliant behaviour are already being used in social experiments to train individuals to become socially integrated beings. Is this what we mean when we speak of playing? The essence of play is founded upon a paradox. Play is free space, an unlimited field of possibilities, and at the same time it also follows strict rules, albeit always of its own making. When children play, everything is possible: In their fantasy, they become lions, pirates, monsters. They precisely define the rules of play, over which they themselves reign: The chair is a horse, the kitchen a knightly stable, the wooden spoon a sword. What characterises play as such is thus per se not the absence of rules. On the contrary, it should be pointed out that, in principle, play has no purpose, and it derives its meaning solely from itself. The abovementioned examples thus suggest merely a play-like character; they imitate the regulation systems of play as incentives for learning and the optimisation of processes. Prescribed play is, however, no longer play. It is precisely this characteristic of play, namely being exempt from purpose and objective, which marks its proximity to and congeniality with art. Like play, art can be understood as a space of possibilities, as a phantasma or a utopia, as an antithesis to life governed by rules, which art and play dictate only to themselves. Friedrich Schiller describes play as freedom from moral and physical coercion, and one reads into this that artistic freedom, of which we continue to speak today. We see the work of art as a


construct far removed from everyday life, exempt from social norms and indeed at times also from the laws of nature. It follows its own aesthetic laws, its own conceptual logic, which makes it a coherent, self-sufficient entity. In this spirit, the exhibition The Playground Project—Outdoor is a playing field for artists who deal with the concept of play, of playing, and of playfulness. Here, the visitors themselves often become participants in the game; they are invited to act playfully themselves—at times following the rules of the artwork, at other times encouraged to select the free play themselves and become active on a creative level. The Bundekunsthalle thus, on the one hand, picks up the thread of a previous exhibition, Trouble in Paradise, which took place in the institution’s roof garden and which addressed both the paradisiacal and the abysmal in contemporary art. On the other hand, this exhibition in the roof garden and the forecourt of the Bundeskunsthalle flanks the time-delayed show The Playground Project, which takes place in the large hall and deals with the sociologi­ c­al and cultural prerequisites of the ‘phenomenon of the playground’. Time and again, art reacts to the specific conditions of a given site, especially when it takes place in the public realm. With the architecture of Gustav Peichl, the forecourt conceived by him, and the generously-sized open space on the roof of the Bundeskunsthalle, ideal conditions have been provided for the staging of an artistic discourse in the urban space. Against this backdrop, I am grateful to Gustav Peichl for his foresightedness in having created the architectural and urban free space, as well as for his openness towards art, which is permitted—as is the case here with Carsten Höller’s Slide—to intervene in his architecture. Thanks are also due to Markus Gabriel, who, with his contribution to this publication, provides crucial impulses and transfers the questions raised by the exhibition into a philosophical discourse. I would like to thank our curator, Susanne Kleine, who developed the overall concept for the Outdoor exhibition, wrote all artist texts, and implemented this particularly demanding project as whole with great energy and commitment. In her name as well, I also wish to extend our gratitude to all the artists who agreed to develop in some cases new works on this theme and to participate freely and playfully in this outdoor experiment. Rein Wolfs Director, Bundeskunsthalle

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Ins Spiel gebracht Susanne Kleine „Das Spiel (mittel- und althochdeutsch: spil für Tanz(-bewegung)) ist eine Tätigkeitsform; Spielen eine Tätigkeit, die ohne bewussten Zweck zum Vergnügen, zur Entspannung, aus Freude an ihr selbst und an ihrem Resultat ausgeübt wird. Es ist eine Beschäftigung, die oft in Gemeinschaft mit anderen vorgenommen wird. Ein Großteil der kognitiven Entwicklung und der Entwicklung von motorischen Fähigkeiten sowie soziale Kompetenz findet durch Spielen statt. Einem Spiel liegen oft ganz bestimmte Handlungsabläufe zugrunde, aus denen, besonders in Gemeinschaft, verbindliche Regeln hervorgehen können. Die konkreten Handlungsabläufe können sich sowohl aus der Art des Spiels selbst, den Spielregeln oder aber aus dem Wunsch verschiedener Individuen ergeben, gemeinschaftlich zu handeln.“ 1

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Im Zusammenhang mit unserer Indoor-Ausstellung The Playground Project 2 haben wir für das Dach und den Vorplatz – Outdoor – eine Ausstellung zum Thema ‚Spiel‘ konzipiert, die zeitgenössischen Künstlern eine Fläche bietet, künstlerische Entwürfe von Spielangeboten / -formen / -utensilien bzw. interaktive Installationen zu realisieren. Mit den beiden Ausstellungen soll die komplexe Ideenvielfalt, die in der Vergangenheit zur Entstehung von Spielplätzen in der industrialisierten Stadt des 20. Jahrhunderts geführt hat, ebenso dargestellt werden wie die zentrale Bedeutung des Spielens für die menschliche Natur, die Gesellschaft und die Kultur. Den Besucher(inne)n wird damit die Möglichkeit gegeben, Kunst ‚spielend‘, partizipativ und performativ zu erleben. Nach der philosophischen Definition


des ‚spielenden Menschen‘, des Homo ludens, von Johan Huizinga (1938) 3 benötigt der Mensch das ‚Spiel‘ (auch im Sinne von Kommunikations- und Interaktionsprozessen) als elementare Form und als ordnendes Prinzip, da er im Gegensatz zum Homo faber seine Fähigkeiten vor allem über das Spiel – auch als generell kulturbildenden Faktor – entwickelt: Er entdeckt dort seine individuellen Eigenschaften und wird über die dabei gemachten Erfahrungen zu der in ihm angelegten Persönlichkeit; spielen wird dabei mit Handlungsfreiheit gleichgesetzt und eigenes Denken vorausgesetzt. Heutige Spielwissenschaftler sehen im Homo ludens und im Homo faber zwei unterschiedliche Arten der (Welt-)Aneignung durch das Spiel. „Den Homo ludens beschreiben sie als einen Typus, der im selbstgenügsamen, zweckfreien Spiel über Zufälle und Möglichkeiten Sinn findet und dabei nebenbei Weltkenntnis erwirbt, während der Homo faber das zweckgerichtete, in systematischen Spielfolgen aufgebaute Lernen für den Erfahrungsgewinn nutzt.“ 4 Der Medientheoretiker Knut Ebeling erweiterte die unterschiedlichen Homo ludensDefinitionen von Huizinga, Georges Bataille, Roger Caillois und Eric Voegelins noch um sein Verständnis des Homo ludens als ‚play in progress‘.5 Spiel in allen Facetten ist also eine konstante, grundlegende, prägende und auch unverzichtbare menschliche Aktivität, die gesellschaftlich notwendiges ‚Lernen‘ ermöglicht, festgelegte Strukturen durchdenken lässt und innovative Ansätze / Lösungen hervorbringen kann. Diese spielerischen Erfahrungen ermöglichen Künstler(inne)n wie Nevin Aladağ, Kristina Buch, Ólafur Elíasson, Jeppe Hein, Christian Jankowski, Llobet & Pons, Michel Majerus, Andreas Schmitten, Superflex, Thomas Schütte, Rirkrit Tiravanija, Alvaro Urbano und Ina Weber. Der in Stockholm lebende Künstler Carsten Höller hat eine spezielle, ortsbezogene Bonner Rutschbahn / Bonn Slide entwickelt, die das Dach und den Vorplatz verbindet. Die Arbeit wird mit der Ausstellung eröffnet, bleibt aber für mehrere Jahre installiert und ist saisonal nutzbar.

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Teamplayer Die insgesamt 18 Künstler loten das Thema ,Spiel‘ mit interaktiven und räumlichen Installationen aus. Sie alle sind an sozialer (Kunst-)Praxis interessiert, die Erfahrungen anbieten und teilen möchte, die die mögliche Distanz zur Kunst bzw. deren Erleben abbauen und die über das visuelle und / oder das akustische Erlebnis hinaus weitere, auch haptische Sinneserfahrungen ermöglichen will. Die (kindliche) Erinnerung wird ganz bewusst mit einbezogen, Erlerntes ab- oder unbewusst Erlerntes wieder hervorgerufen. Soziale und kognitive Intelligenz und Kompetenz, die jemand als Kind spielerisch entwickelt hat, werden durch die gesellschaftlichen Anforderungen häufig unterdrückt oder umgeformt, aber im Spiel können sie wieder ausgelebt werden, gerade auch im Rahmen des ‚seriösen‘ Feldes der Kunst. Spiel bedeutet Freiraum und Experiment, das Ausloten der individuellen Grenzen und Kompetenzen. Es birgt ein unbegrenztes Feld der Möglichkeiten im freien Spiel und ‚geordnete‘ Strategien bei Spielen mit (festen) Regeln, wie z.B. auch im Wettkampf. „Spiele sind Übungen der Mustererkennung“, schreibt der Philosoph Markus Gabriel (siehe S. 7), und diese sind wiederum notwendig für die individuelle Positionierung innerhalb unserer Gesellschaft. Auch auf Friedrich Schiller ist hier zu verweisen, der in seiner Abhandlung Über die ästhetische Erziehung des Menschen (11.–16. Brief, 1795) die Bedeutung des „Spieltriebs“ hervorhebt. Er ist als verbindendes Element zwischen der Empfindung und dem Leiden des „sinnlichen Triebs“ und zwischen der Selbsttätigkeit und der Freiheit des „Formtriebs“ notwendig zur ganzheitlichen Wesensbildung des Menschen: „Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ Und da laut Schiller die Kunst „eine Tochter der Freiheit“ ist, macht es in diesem Zusammenhang Sinn, sich Künstlern zu widmen, die das (teilweise) freiheitliche Prinzip des Spiels im öffentlichen Raum als Methode oder Strategie in ihr Werk integrieren. Kunst wird hier als dezidiert offenes Konzept verstanden, dass den konzeptuellen und formalen Freiraum nutzt, Narrationen, Imaginationen oder Utopien zu entwerfen, die sich dem Alltag entziehen und dennoch ein Spiegelbild unserer Gesellschaft sein können – so kann auch das Spiel verstanden werden. Kunst ist ein essenzieller Teil unseres Lebens, dies zu empfinden und zu denken gehört zu den demokratischen Möglichkeiten einer Gemeinschaft. Der Betrachter – eigentlich ein inzwischen nicht mehr wirklich zutreffender Begriff –, also der Spieler, Teilnehmer, der Kommunizierende, der interaktiv Partizipierende oder


auch der ,Kollaborateur‘, wird im Spiel (mehr oder weniger unbewusst) aufmerksam und erweitert seine Sinneserfahrungen, die im geschäftigen Alltag oft untergehen. Rollenund Identifikationshinterfragung, Achtsamkeit, Sensibilität und damit soziale Offenheit und Toleranz werden spielerisch gefördert, es wird eine kritische, aber auch kreative Haltung angeregt, und sowohl das individuelle Erleben als auch das kollektive Teamplay lassen (wieder) erlernen, wie das Miteinander in der Gesellschaft positiv funktionieren kann – und zusätzlich erlebt der Spielende Momente des Glücks und der Freude. Hier muss kurz erwähnt werden, dass sich die Ausstellung auf das rein ‚analoge‘ Spiel konzentriert, da aufgrund der Gegebenheiten im Außenraum digitale oder virtuelle Spiele / „Gamings“, Untersuchungen von „Urban Games“ oder „Gamifications“ kaum realisierbar gewesen wären und auch den Rahmen gesprengt hätten. Die Kunstwerke / Spiele der Ausstellung folgen unterschiedlichsten Anliegen: Mal scheinen sie reine Spielstätten zu sein, wie z.B. die Tischtennisplatten von Rirkrit Tiravanija, auch wenn sie ein gesellschaftliches Anliegen andeuten, oder die Tischkicker von Ina Weber; mal handelt es sich um teilweise transformative Kunstwerke, deren Erscheinungsbild sich permanent verändert, etwa bei Ólafur Elíassons Angebot eines Bauens mit LEGO®-Steinen (Stillstand bedeutet hier die Unmöglichkeit von Kunst und Gesellschaft). Sie erzählen, wie bei Andreas Schmitten, von einer realen (?) Begebenheit in der Vergangenheit, deren Geheimnis und morbides Narrativ der Besucher entschlüsseln kann, sie implizieren Geschichte(n), Mythen, wie bei Nevin Aladağ, oder sie schaffen – wie bei Alvaro Urbano – eine Vision von Landschaft, die zum Innehalten einlädt. Andere Werke, wie das von Kristina Buch, deuten Spielsituationen nur an – was letztendlich auch die Gartenzwerge von Thomas Schütte tun – und animieren den Besucher, das Spiel selbst zu gestalten und vielleicht (fiktive) Regeln zu entwickeln. Beiträge wie die Basketballkörbe von Llobet & Pons basieren auf einer sehr konkreten politischen und damit gesellschaftlich relevanten Untersuchung. Carsten Höller, das Künstlerkollektiv Superflex und der viel zu früh verstorbene Michel Majerus bieten Spielgeräte und -möglichkeiten an – Schaukeln, eine riesige Rutsche und eine überdimensionale Skater­ rampe, die den Besucher mental und körperlich herausfordern, aber auch Glücksmomente hervorzaubern. Wie auch die Arbeiten von Jeppe Hein – ein großer Wasser­ pavillon auf dem Vorplatz, Ballons im Foyer und formal ungewöhnliche Sitzbänke auf dem Dach – oder die Karaoke Bar von Christian Jankowski, in der jeder, als vermeintlicher Superstar, herzzerreißend mitsingen kann. Alle Werke verbindet jedoch das grundsätzliche Anliegen der Künstler, durch das Spiel individuelle und soziale Kompetenzen zu entwickeln und zu festigen. Die Bundeskunsthalle hat diese Ausstellung ins Spiel gebracht, die Künstler die verschiedenen Konzepte und die Besucher bringen nun die Werke ins Spiel(en). 1 https://de.wikipedia.org/wiki/Spiel, 5.7.2017. 2 The Playground Project, 13. Juli bis 28. Oktober 2018 in der Bundeskunsthalle, Bonn. 3 https://de.wikipedia.org/wiki/Homo_ludens#cite_note-4: Johan Huizinga (Autor)/ Andreas Flitner (Hrsg.), Homo ludens. Vom Ursprung der Kultur im Spiel („Homo ludens“, 1939), Rowohlt Verlag, Reinbek 2009. 4 Siegbert A. Warwitz/Anita Rudolf, Was Spielen bedeutet und welche Merkmale es kennzeichnen, in: dies., Vom Sinn des Spielens. Reflexionen und Spielideen, Schneider, Baltmannsweiler 20164. 5 Patrick Kilian, textem.de, 23. Mai 2014: Knut Eberling (Hrsg.), Das Spielelement der Kultur, Matthes & Seitz, Berlin 2014.

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Brought into Play Susanne Kleine Play ‘is a range of voluntary, intrinsically motivated activities normally associated with recreational pleas­ure and enjoyment. […] Play is often interpreted as frivolous; yet the player can be intently focused on their objective, particularly when play is structured and goal-oriented, as in a game. Accordingly, play can range from relaxed, free-spirited and spontaneous through frivolous to planned or even compulsive. Play is not just a pastime activity; it has the potential to serve as an important tool in numerous aspects of daily life […]. Not only does play promote and aid in physical development (such as hand-eye coordination), but it also aids in cognitive development and social skills […]. These benefits of play can have cognitive, social and emotional or motivational effects on a person’s life or development.’ 1

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In conjunction with our indoor exhibition The Playground Project 2, we have conceived an exhibition on the theme of ‘play’ to take place on the rooftop garden and the Museum Square—Outdoor—thus providing contemporary artists space to realise artistic projects revolving around offers, forms, and utensils of play, as well as interactive installations. The goal of these two exhibitions is to present the complex diversity of ideas which, in the past, have led to the emergence of playgrounds in the industrialised cities of the twentieth century, as well as the fundamental importance of play for human nature, society, and culture. Visitors will thus be given the opportunity to experience art ‘playfully’, participatorily, and performatively. According to the philosophical definition of the


‘playing human’ (Homo ludens) laid out by Johan Huizinga (1938)3, humans depend on ‘play’ (also in the sense of communication and interaction processes) as an elementary form and regulatory principle, since, unlike Homo faber, man develops his skills above all through play—also as a universally culture-forming factor: Here, he discovers his individual qualities and, through the experiences made in play, becomes the personality manifested within him; in this context, play is equated with freedom of action and presupposes individual thought. Contemporary play researchers differentiate between Homo ludens and Homo faber with regard to their respective different approaches to adapting (to the world) through play. ‘They describe Homo ludens as a type who finds meaning in self-sufficient, purposeless play through coincidences and opportunities and, in doing so, acquires knowledge of the world in passing, while Homo faber gains experience through the use of goal-oriented learning structured by systematic playing sequences.’ 4 The media critic Knut Ebeling expands upon the various definitions of Homo ludens laid out by Huizinga, Georges Bataille, Roger Caillois, and Eric Voegelins with his own understanding of Homo ludens as ‘play in progress’.5 Play in all its facets is thus a constant, fundamental, formative, and also essential human activity, which facilitates socially necessary ‘learning’, allows for the thinking through of established structures, and can lead to innovative approaches / solutions. Such playful experiences are facilitated by artists such as Nevin Aladağ, Kristina Buch, Ólafur Elíasson, Jeppe Hein, Christian Jankowski, Llobet & Pons, Michel Majerus, Andreas Schmitten, Superflex, Thomas Schütte, Rirkrit Tiravanija, Alvaro Urbano, and Ina Weber. The Stockholm-based artist Carsten Höller has developed a special, site-specific Bonn Slide, which connects the rooftop garden and the Museum Square. The work will be inaugurated with the exhibition but will remain installed for several years and can be used during the warmer seasons.

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Team Players The altogether eighteen artists sound out the theme of ‘play’ with the help of interactive and spatial installations. They are all interested in social (artistic) practices which strive to offer and share experiences that break down the potential distance between art and the experience of this and to facilitate haptic sensual experiences beyond the visual and / or acoustic. (Childhood) memory is deliberately incorporated, while that which has been learned is retrieved and that which has been unconsciously absorbed is once again evoked. Social and cognitive intelligence and competence, which have been developed playfully as a child, are often suppressed or reshaped by societal demands, but can once again be lived out in play, especially within the frameworks of the ‘serious’ field of art. Play means freedom and experimentation, the sounding out of individual limits and competences. It reveals an unlimited field of possibilities in free play and ‘ordered’ strategies in playing with (fixed) rules, such as, for example, in competition. ‘Games are exercises of pattern recognition’, the philosopher Markus Gabriel writes (see p. 10), and these are in turn necessary for individual positioning within society. Reference should also be made here to Friedrich Schiller, who, in his treatise Letters Upon the Aesthetic Education of Man (letters 11–16, 1795), emphasised the significance of the ‘play instinct’. As a linking element between the perception of and the suffering under the ‘sensual drive’, as well as between the self-activity and the freedom of the ‘drive to form’, it is essential for the holistic development of character in human beings: “humans play only when they are humans in the full meaning of the word, and they are only wholly human when they play.” And since, according to Schiller, art is ‘a daughter of freedom’, it makes sense in this context to concentrate on artists who integrate the (partially) free principle of play in the public realm as a method or strategy into their work. Here, art is explicitly understood as an open concept, which makes use of conceptual and formal free space to draft narrations, imaginations, or utopias that escape everyday life and can nevertheless be a re‑ flexion of our society—and play can also be understood in the same way. Art is an essential part of our lives, and to perceive or think this belongs to the democratic possibilities of our community. In play, viewers—in the meantime actually no longer a truly accurate term, and thus: players, participants, those who communicate or interactively participate, or ‘collaborators’—become (more or less unconsciously) attentive and expand their sensual experi-


ences, which often get lost in the hustle and bustle of everyday life. The questioning of roles and identities, attentiveness, sensitivity, and with this social openness and toler‑ ance, are trained in a playful manner; a critical but also creative attitude is stimulated, and both individual experience and collective teamplay help to (once again) learn how togetherness can function positively in society—and, what is more, those who play experience moments of happiness and joy. It should be mentioned briefly here that the exhibition concentrates on pure ‘ana­ logue’ play, since, due to the circumstances in the outdoor space, digital or virtual games / ‘gamings’, analyses of ‘urban games’, or ‘gamifications’ would have hardly been possible and would have overloaded the concept behind the exhibition. The artworks / games in the exhibition reflect a wide range of concerns: At times they appear to be actual playing sites, such as Rirkrit Tiravanija’s ping-pong tables, even when they suggest a social concern, or Ina Weber’s football tables; at other times, we are dealing with partially transformative artworks, the physical appearance of which constantly changes, such as Ólafur Elíassons offer of constructing with LEGO® bricks (here, standstill signifies the impossibility of art and society). They speak, as in the case of Andreas Schmitten, of a real (?) past incident, the secret and morbid narrative of which the visitor can decipher; they imply history / stories or myths, as with Nevin Aladağ, or they create— as in the case of Alvaro Urbano—a vision of landscape that invites the visitor to take a break. Other works, such as that by Kristina Buch, merely suggest play situations—which, in the final analysis, is what Thomas Schütte’s garden gnomes also do—and encourage visitors to organise the games themselves and perhaps develop their own (fictive) rules. Contributions such as the basketball hoops of Llobet & Pons are based in a highly concrete political and thus socially relevant investigation. Carsten Höller, the artist collective Superflex, and Michel Majerus, who died much too young, make play equipment available and offer opportunities—swings, an enormous slide, and a monumental skateboard ramp, which challenge the visitor both mentally and physically, but also conjure up moments of happiness. The same is true of the works by Jeppe Hein—a large water pavilion on the Museum Square, balloons in the foyer, and formally unusual benches in the rooftop garden—or the karaoke bar by Christian Jankowski, in which everyone, as supposed superstars, can sing their hearts out. What unites all works, however, is the fundamental concern of the artists to develop and establish individual and social skills through play. The Bundeskunsthalle has brought this exhibition—and the artists the various concepts—into play; and now it is up to the visitors to activate the works by playing with them. 1 https://en.wikipedia.org/wiki/Game (last accessed on 9 April 2018). 2 The Playground Project, Bundeskunsthalle, Bonn, 13 July to 28 October 2018. 3 https://en.wikipedia.org/wiki/Homo_Ludens (last accessed on 9 April 2018); cf.: Johan Huizinga, Homo Ludens. A Study of the Play-Element in Culture (London: Routledge & Kegan Paul, 1949), available online at: art.yale.edu/file_columns/0000/1474/ homo_ludens_johan_huizinga_routledge_1949_.pdf (last accessed on 9 April 2018). 4 Siegbert A. Warwitz and Anita Rudolf, ‘Was Spielen bedeutet und welche Merkmale es kennzeichnen’, in: idem, Vom Sinn des Spielens. Reflexionen und Spielideen (Baltmannsweiler: Schneider, 20164). 5 Patrick Kilian, ‘Play Hard – Kultur als Spielhalle’, in: textem.de, 23 May 2014, URL: http://www.textem.de/index.php?id=2556 (last accessed on 9 April 2018).

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Nevin AladaÄ&#x; * 1972 in Van, TĂźrkei/Turkey Lebt und arbeitet in Berlin/ Lives and works in Berlin

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Bowling Cannonballs, 2014 / 2018


Kristina Buch * 1983, Meerbusch Lebt und arbeitet in DĂźsseldorf/ Lives and works in DĂźsseldorf

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Playing above the snake line, 2018


Ólafur Elíasson * 1967 in Kopenhagen, Dänemark/Copenhagen, Denmark Lebt und arbeitet in Berlin und Kopenhagen, Dänemark/ Lives and works in Berlin and Copenhagen, Denmark

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The collectivity project, New York 2015


Carsten HĂśller * 1961 in BrĂźssel, Belgien/Belgium Lebt und arbeitet in Stockholm, Schweden/ Lives and works in Stockholm, Sweden

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Bonner Rutschbahn/ Bonn Slide, 2018


Profile for Bundeskunsthalle

The Playground Project  

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