buildup-Magazin Sonderausgabe buildup-Kongress 2021

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Sonderausgabe buildup-Kongress | 2021

Novoferm Schweiz AG Interview: Daniel Scheidegger

buildup Digitalisierung in der Baubranche | Nachhaltigkeit im Bau | Die Zukunft ist digital!


HovalConnect


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EDITORIAL

Liebe Leserinnen Liebe Leser Mit grosser Freude präsentieren wir die Sonderausgabe des buildup-Magazins zum buildup-Kongress 2021 sich im Bereich des digitalen Bauens, Planens und Die buildup AG hat sich für das Jahr 2021 einiges Betreibens auf dem neuesten Stand zu halten. vorgenommen. Einerseits werden wir bereits in wenigen Monaten die buildup-Plattform 2.0 lancieDas Magazin erscheint viermal jährlich, davon ren, andererseits haben wir ein zusätzliches neudrei Mal als gedruckte Print-Ausgabe und viermal es Projekt gestartet. Im Juni 2021 werden wir die Ihr buildup-Team digital. erste Ausgabe des buildup-Magazins publizieren. Uns ist es ein grosses Anliegen, die Digitalisierung Freuen Sie sich in dieser Ausgabe auf spannende in der Baubranche weiter voranzutreiben und unInhalte. Erfahren Sie, welche Innovationen Sie in ser Knowhow mit der gesamten Branche zu teilen. der Baubranche im Jahr 2021 erwarten dürfen, mit Dies hat uns ermutigt, das buildup-Magazin auf die welchem Schlüssel Ihre ganze Firma einen schnelBeine zu stellen. len Übergang zu digitalen Planungsmethoden findet und wie die digitale Transformation dazu In Zusammenarbeit mit namhaften Partnern aus führt, dass das Geschäfts- das Digitalisierungsder gesamten Baubranche werden wir im buildupverständnis schlägt. Magazin die neuesten Entwicklungen in der Digitalisierung der Baubranche besprechen, um so den Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen. Leserinnen und Lesern die Möglichkeit zu bieten,

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Ein Unternehmen stellt sich vor Novoferm ist ein internationales Unternehmen, ein Systemanbieter für Türen und Tore. Wir haben mit Managing Director Daniel Scheidegger gesprochen, um zu erfahren, was hinter der Firma Novoferm steht und wie das Unternehmen so erfolgreich geworden ist.

Digitalisierung in der Baubranche Das Thema der Zukunft heisst Digitalisierung. Dass in der Baubranche das Thema Digitalisierung längst angekommen ist, muss nicht zusätzlich betont werden. Wofür steht der Begriff Digitalisierung und was ist damit eigentlich gemeint? Welche Gefahren und Lösungen gibt es in der Branche?

Nachhaltigkeit in der Baubranche Das Thema Nachhaltigkeit ist in aller Munde, doch wie kann nachhaltig gebaut werden? Welche Möglichkeiten gibt es und wie setzt man diese um? Mit solchen Fragen werden Bauunternehmer und Planer konfrontiert, im Bestreben ein Gebäude nachhaltig zu planen und zu bauen.

Genau diese Themen werden wir in dieser Ausgabe vorstellen und vertieft behandeln.


Inhalt 08

Novoferm – We make your business easier!

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Trends in der Baubranche: Diese Innovationen erwarten uns 2021

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Azado Grill übernimmt ehemalige Ferrari-Location in St.Gallen

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Die Zukunft ist digital

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BIM-Methodik für die ganze Firma

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ESET Threat Report

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Personal Branding für Angestellte – bring dein Unternehmen zum Erfolg!

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Digitale Transformation: Geschäfts- schlägt Digitalisierungsverständnis

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Smart Business: Unaufhaltbarer Trend oder unkalkulierbares Risiko?

48

Digitale Helfer für die Baubranche

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Digitalisierung in der Gebäudetechnik

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Basler & Hofmann

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Nachhaltiges Bauen: Mehr als nur eine Frage der Energieeffizienz

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Wie Bäume das Klima retten könnten

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Führende europäische Universitäten bündeln Kräfte im Kampf gegen den Klimawandel

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Nachhaltiges Zentrum belebt das Dorf

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dämmen. gestalten. schützen.

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Hoch hinaus mit Holz und BIM

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BELIMO

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Impressum


PORTR AIT

Novoferm – We make your business easier! Interview mit Daniel Scheidegger, Managing Director Herr Scheidegger, Novoferm positioniert sich als Lösungsanbieter, vornehmlich bei Tür- und Torsystemen. Welchen Mehrwert bieten Sie damit Ihren Kunden an? Als Lösungsanbieter ist es wichtig ein Problem zu lösen, welches in der Realität auch besteht. Eine der kniffligsten Herausforderungen für die BauleiterInnnen und Projektverantwortlichen, ist das zeitgerechte Zusammenspiel der verschiedenen Gewerke.

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Durch unsere breite, gleichzeitig tiefreichende Produktepalette, in Kombination mit unserem KnowHow und der fachkundigen Montagepower unserer Premium Partner, verstehen wir es, unseren Kunden ein Gesamtpaket aus dem Segment Türen und Tore zu schnüren. Lassen Sie mich bitte diese interessante Frage, anhand eines ausführlichen Beispiels beantworten. Nehmen wir dafür ein Objekt, welches wir alle bestens kennen, ein Einkaufszentrum.


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Wir liefern Einstellhallentore für Parkhäuser mit bis zu 1‘000 Stellplätzen pro Tor, sowie Kipp-/Sektionaltore für Einzelgaragenboxen für Mieter. Parkhäuser in dieser Grösse benötigen Brandschutzschiebetore für die Gewährleistung von Brandabschnitten, sowie Brandschutztüren aus Stahl für die Technik-, Lager- und Toilettenräume. Weiter werden verglaste Rohrrahmentüren im Publikumsbereich benötigt, welche mit Panikdruckstangen ausgestattet werden, falls sich diese innerhalb von Flucht- und Rettungswegen befinden, was beispielsweise in Treppenhäusern oft der Fall ist. Zusätzlich werden Brand- und Schallschutzfestglaselemente zur sicheren und gleichzeitig optisch einladenden Abtrennung von Verkaufs- und Restaurantbereichen nachgefragt. Rollgittertore werden aus versicherungstechnischen Gründen für den sicheren Abschluss von Verkaufsflächen nach Ladenschluss eingesetzt. All dies erfolgt gemäss den Wünschen der Architekten und Bauherren in Punkto Design und unter Einhaltung der entsprechenden Vorschriften zu Brandschutz und unseren Hinweisen zu Themen wie Rauchschutz, Flucht- und Rettungskonzepten. Diese Hinweise werden anhand der Planung der Zutrittskontrolle, wie auch unter Berücksichtigung der Anforderungen der Versicherer und Betreiber in Bezug auf Schallschutz und Einbruchschutz, ausgesprochen. All diese Teillösungen kommen in den öffentlichen Bereichen des Einkaufszentrums zum Einsatz, welche wir beim Shopping tagtäglich erleben. Richtig spannend wird es hinter den Kulissen. Jedes Einkaufszentrum benötigt auch eine performante Logistik. Hierfür sind zuverlässige, je nach Nachbarschaft sehr leise, je nach benötigter Kühlkette isolierte, Verladerampen mit komplettem Zubehör, wie Einfahrtshilfen, Anfahrtspuffer, Ampelsysteme, thermisch isolierte Torabdichtungen, nötig. Gleichzeitig werden die Sektional- oder Rolltore benötigt, welche einen wärmegedämmten und zugleich auch einbruchsicheren Fassadenabschluss bieten. Durch die Verladeschleuse werden jeden Tag viele Tonnen von Gütern für unseren täglichen Bedarf bewegt, was ein hohes Arbeitsrisiko für die Lagermitarbeitenden und die FahrerInnen darstellt. Novoferm bietet hier die iQ Slide, eine Verladerampe mit automatischem Nachschub, welche Verschiebungen des LKW’s kompensiert, und die pneumatischen Radkeilsicherungen Calematic® an. Zwei einzigartige Innovationen zur Unfallprävention am Arbeitsplatz. Sind die Güter sicher in den Lagerbereich gelangt, werden auch dort, genau wie im Parkhaus, Brandschutzschiebetore und Brandschutztüren

für die Einhaltung des Brandschutzkonzepts und Mehrzwecktüren mit Antipanikschlössern für Flucht- und Rettungswege verwendet. Ebenfalls im Lagerbereich, wie auch für die unkomplizierte und schnell passierbare Abtrennung zwischen Lager- und Verkaufsbereich, sind unsere Schnelllauf-Rolltore anzutreffen. Anhand dieses greifbaren Beispiels erschliesst sich der reale Mehrwert, welchen wir unseren Kunden anbieten können: Diese ganze Vielfalt an technisch beratungsintensiven Produkten, angeboten aus einer Hand, geplant von unserem fachkundigen Personal in der Türfachplanung und im Verkaufsaussendienst, auf den Millimeter genau produziert in unseren 19 eigenen, allesamt europäischen, Novoferm-Werken, aufgemessen, montiert und nachhaltig gewartet durch unsere geschulten und erfahrenen Premium Partner, terminlich überwacht und begleitet durch unsere kompetenten und einsatzfreudigen Projektmanager, geliefert von unserem eigenen zuverlässigen und flexiblen Logistikteam, koordiniert durch unseren unermüdlichen Verkaufsinnendienst und formell professionell begleitet durch unser Administrationsteam; die Summe daraus ist kundenorientiertes, ganzheitliches Management des Bereichs Türen und Tore auf dem Kundenbauprojekt „as a Service“. Damit schaffen wir Mehrwerte, getreu unserem Motto: Novoferm – we make your business easier! Digitalisierung ist die treibende Kraft für Innovationen. Welche Rolle spielt sie bei Novoferm – von der Entwicklung der Lösungen über die Produktion bis hin zu Marketing und Kommunikation? Auch hier steht der Ansatz „we make your business easier!“ im Vordergrund. Architekten und Planer können Bauobjekte digital einfacher planen, weil wir mit über 140 Produkten auf der buildup-Plattform, einen digitalen Zwilling unserer Produkte zur Verfügung stellen. Dies ermöglicht eine schnittstellenübergreifende Planung mit Novoferm Produkten in Allplan, Vectorworks, Revit, Sorba und BiG. Natürlich sind wir als Hersteller daran interessiert, dass unsere Produkte den Weg in Ausschreibungen finden. Dafür arbeiten wir mit einem eigenen Extranet, wo man in einem Log-In Bereich Ausschreibungstexte und Planungsunterlagen wie dwg-Zeichnungen, bequem herunterladen kann. Zurzeit arbeiten wir auch daran, unsere Produkte in dem etablierten PRD/CAN Katalog aufzuführen.

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Daneben sind wir präsent auf Plattformen wie Baudokumentation.ch, welche sich als Inspirationsquelle für Architekten einer nach wie vor grossen Beliebtheit erfreut.

zu exportieren, was wiederum unseren Premium Partnern die Zusammenarbeit mit Architekten und Planern erleichtert, womit sich der Kreis an dieser Stelle schliesst.

Wenngleich wir die digitalen Zwillinge auf buildup zur Verfügung stellen, dürfen wir die älteren, simpler gestrickten online Plattformen nicht ausser Acht lassen. Denn auch wenn die Digitalisierung aufgrund der Pandemie grössere Schritte nach vorne meistert, müssen wir der Realität in die Augen schauen. Es ist nach wie vor ein Fakt, dass die Maturität der Digitalisierung, ausser in den Bereichen Agrar- und Forstwirtschaft/Jagd in allen anderen Branchen deutlich weiter fortgeschritten ist als in der Baubranche. Es ist dringend an der Zeit, dass sich mit buildup ein innovativer Player auf dem Markt etabliert, der diesen Missstand bekämpfen kann. Mich als digital afinnen Menschen freut dies natürlich persönlich! In der Kombination aus Baubranche und Digitalisierung sehe ich ein riesiges Potential.

Sie erwähnen oft den Begriff Premium Partner. Was kann ich mir darunter vorstellen? Unsere Premium Partner sind ein schweizweites Netzwerk aus bedacht gewählten Wiederverkäufern, welche mit Novoferm besonders loyal zusammenarbeiten und die Marke durch individuelle, gemeinschaftlich gestaltete Werbeauftritte stützen. Anders als einige Mitbewerber unterhalten wir keine eigenen Montageteams. Wir müssen keine Tore und Türen an Endkunden verkaufen, um unsere Montageteams auszulasten. Wir wachsen gemeinsam mit unseren Partnern, anstatt jenen Projekte zu stehlen, welche uns durch den Vertrieb unserer Produkte aufgebaut haben. Dies unterstreicht unsere Werte. Wir sind eine bodenständige, ehrliche und verlässliche Marke und wir wollen unseren Partnern durch kundenorientierte Entwicklung Erfolgschancen eröffnen.

Obwohl ich bislang vor allem über Projekte mit GU/TU, sowie über die Zusammenarbeit mit Architekten, Planern und Bauherren gesprochen habe, am zentralsten sind für Novoferm nach wie vor unsere Wiederverkäufer, allen voran unsere Premium Partner! Mit unseren treuen, erfahrenen und zuverlässigen Partnern dürfen wir den grössten Teil unserer Geschäfte realisieren, weshalb für uns die Digitalisierung speziell auch auf diesen Absatzkanal ausgerichtet sein muss. Neben Kalkulationstools die es unseren Wiederverkäufern ermöglichen, Angebote unabhängig von unseren Geschäfts- und Durchlaufzeiten selbständig zu erstellen, bietet sich in diesen Tools auch die Möglichkeit, Planungsdateien im effektiven Bestellmass

Novoferm Schweiz AG mit den Premium Partnern HR Huber Metallbau AG und Melita Montagen AG an der Swissbau.

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Die Redewendung «My home is my castle», erlangt in Zeiten der Corona-Pandemie eine besondere Bedeutung. Wie beeinflusst das neue Cocooning Ihr Geschäft und Angebot? Die Schlagwörter an dieser Stelle sind: Smart Home, Sicherheit und Design. Der Anspruch von privaten Bauherren ist in der Schweiz auf einem hohen Standard. Novoferm bietet seit Anfang 2021 alle Produkte auch in den hierzulande sehr beliebten NCS und IGP Farbtönen an. Trends werden rechtzeitig erkannt, unsere Satin-Oberflächen für Garagen-Sektionaltore erfreuen sich seit Jahren grosser Beliebtheit. Nun kommt mit „Satin Black“ eine weitere dekorative Option hinzu. Unsere Strukturoberflächen sind endbeschichtet und zeichnen sich durch eine geringe Verschmutzungsneigung aus. Ob Modern oder Klassisch, Holzoptik, Echtholz, RAL nach Wahl, NCS oder IGP: Novoferm Schweiz AG liefert das Traumtor für (fast) jedes Kundenbedürfnis. Ein Tor soll aber nicht nur schön, sondern auch funktional und vor allem sicher sein. Unsere iso70 Garagen-Sektionaltore mit besonders dicker Dämmung zur Erfüllung des Minergie Standards erreichen die Einbruchschutzklassifizierung RC2 ohne Aufpreis. Auch unsere bewährten iso45 Tore mit 45 mm Dämmung können zu einem geringen Aufpreis auf den RC2 Standard aufgerüstet werden.


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Zumal Garage und Wohnraum immer wie stärker verschmelzen, ist der Einbruchschutz ein zentrales Element, welches das Cocooning nochmal eine Stufe vertrauter gestaltet. Durch die Einbindung des Garagentors in das Smart Home System, wird das Zuhause zusätzlich gemütlicher und effizienter. Stellen Sie sich vor es ist Winter, Sie fahren mit Ihrem Auto in Ihre Garage. Die Reifen sind nass, im Radkasten hängt eisiger Schneematsch, das Dach Ihres Autos ist noch schneebedeckt, die Garage leicht beheizt. Der Schnee schmilzt nach und nach und lässt die Luftfeuchtigkeit in der Garage drastisch ansteigen. Diese warme und feuchte Luft steigt nach oben in die Ecken Ihrer Isolation und verursacht über die Jahre gesundheitsschädlichen Schimmel. Das wollen wir nicht, deswegen hat Novoferm schon vor vielen Jahren die Lüftungsstellung entwickelt, bei welcher die unterste Sektion sich um wenige cm öffnet und die oberste Sektion leicht nach hinten kippt. Dadurch entsteht eine natürliche Zirkulation, die kalte, trockene Luft von draussen strömt in die Garage und drückt die warme, feuchtigkeitsgeschwängerte Luft raus. Diese geniale Lüftungsstellung kann mittels Taste auf der Funkfernbedienung aktiviert werden und wird automatisch nach einer vorprogrammierten Dauer wieder geschlossen. Hierbei verhalte ich mich womöglich kontraproduktiv, denn es kann sein, dass die Luft draussen noch feuchter ist als in der Garage. Durch die Einbindung in ein Smart Home System kann diese Funktion smart gesteuert werden, so dass die Lüftungsstellung nur aktiviert wird, wenn die Luftfeuchtigkeit drinnen einen einfach einstellbaren Schwellwert von beispielsweise 55% übersteigt und die Wetterdaten via Cloud melden, dass es draussen trockener ist. Dies ist eines von vielen Szenarien, welche sich mit der Hilfe von Smart Home Systemen ermöglichen lassen. Wie beeinflussen Internet of Things und Künstliche Intelligenz die Konzeption Ihrer Produktlösungen, als Teil eines übergeordneten Systems? Mit welchen spezialisierten Unternehmen arbeiten Sie zusammen? In Bezug auf die vorhin erwähnten Smart HomeFunktionalitäten sind einerseits die smarten Lautsprecher wie Amazon Echo, Google Home oder Apple HomePod, als übergeordnete Systeme geeignet. Novoferm arbeitet neu weitestgehend systemof-

fen, wichtig ist Novoferm eine All-In-One-Lösung, eine App für alles, diese entsteht durch die Kooperation mit dem Smart Home Integrator Mediola. Stellen Sie sich als negativ Beispiel vor, Sie hätten eine App für Ihr Novoferm Tor, eine weitere für die IKEA Lampen im Home Office, eine für die Phillips Hue Leuchten in der Wohn-/Essküche und im Korridor, die Somfy App für die Storen - man könnte hier mehr Beispiele anführen als es braucht, um nur einen Homescreen auf dem Smartphone zu füllen. Durch die Mediola All-In-One-Lösung lassen sich vielfältige Geräte wie etwa Heizungsthermostate, Tür-/ Fensterkontakte, Thermo- und Hygrometer, Rauchmelder, Sirenen, Storen- /Rolladenaktoren, Schalt-/ Messaktoren, Dimmaktoren, Zeitschaltuhren, Wasser- und Stromzähler und viele weitere Komponenten verschiedenster Smart Home-Hersteller einfach in einem einzigen Smart HomeSystem bündeln, automatisieren und mit einer App bedienen. So entsteht eine intelligente und kundenfreundliche All-in-One-Lösung, die die Techniken verschiedener namhafter Hersteller mit weit verbreiteten Funksystemen und -standards wie Homematic IP, Nuki, Velux, Gardena und Somfy, um nur einige zu nennen, in einer Mediola Smart Home-Zentrale sowie Cloud-Diensten vernetzt. Damit eröffnen sich unzählige Möglichkeiten, das individuelle Smart Home, unabhängig des Herstellers Komponenten, zu gestalten. Von Novoferm wird dazu lediglich unser neues Wi-Fi-Modul benötigt, um unsere Garagentorantriebe einfach ins Mediola Smart Home System zu integrieren. Eine saubere, einfache und vor allem sehr kundenfreundliche Lösung. Türen sind nicht gleich Türen und Tore nicht gleich Tore. Wie unterscheiden sich die Bedürfnisse Ihrer privaten Kunden von denen Ihrer Geschäftskunden? Das lässt sich einfach und kurz am Beispiel eines Sektionaltores erklären. Unsere Privatgaragentore sind ausgelegt auf 25‘000 Zyklen, optional kann eine Ausführung mit 50‘000 Zyklen bestellt werden. Ein Zyklus bedeutet, ein Tor geht auf und schliesst sich wieder. Gehen wir davon aus, Sie haben eine Doppelgarage für zwei Autos, welche beide täglich bewegt werden, geschützt von einem schönen fünf Meter breiten Tor, ohne Aufpreis, also ausgelegt auf 25‘000 Zyklen, so gehen wir von vier Zyklen pro Tag aus. Das bedeutet, Ihr Tor wird etwa 17 Jahre lang treu seinen Dienst verrichten, bis das erste Mal die Torsionsfeder er-

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setzt werden muss. Denken wir nun aber an einen Industriebetrieb, etwa an eine Waschanlage mit rund 50 Zyklen pro Tag. Wenden wir dort die gleiche Rechnung an, müsste die Federwelle alle eineinhalb Jahre ersetzt werden. Daher sind zum Beispiel unsere Federlosen Industrie Sektionaltore auf 100‘000 Zyklen ausgelegt, wodurch sich an der im Beispiel sehr gut laufenden Waschanlage, eine theoretische Lebensdauer von fünfeinhalb Jahren errechnet. Wohlgemerkt, dies ist ein theoretischer Wert, denn selbstverständlich erhöht sich die Lebensdauer der Tore durch eine regelmässige Wartung. Auch hier übrigens ein interessanter Punkt bezüglich IoT (Internet of Things). Denken wir zurück an unser Beispiel vom Einkaufszentrum und gehen wir davon aus, dieses ist sehr gross und benötigt 100 Verladeschleusen, so wäre früher ohne IoT das Facility Management in zeitlich definierten, gleichmässigen Abständen hingegangen und hätte bei jedem Tor und bei jeder Verladerampe manuell aus der Steuerung ausgelesen, wie viele Zyklen das Bauteil absolvierte und hätte die Wartung relativ reaktiv aufgrund der angezeigten Zyklenanzahl hin durchgeführt. Durch IoT sind wir hier einen entscheidenden Schritt weiter - mit LION 4.0 hat Novoferm eine Software zum Überwachen, Darstellen und Optimieren der gesamten Verladesituation entwickelt. Intelligente Assistenten erlauben jederzeit und von überall aus Zugriff auf die Daten aller angeschlossenen Lager. Die moderne Benutzeroberfläche führt den Bediener intuitiv zum Ziel. Dadurch lässt sich frühzeitig erkennen, wenn das Tor oder die Verladerampe der Verladeschleuse gewartet werden muss, wodurch die Wartung proaktiv erfolgt. In der Logistik gilt: Zeit ist Geld und beides soll nach Möglichkeit eingespart werden. Wir helfen unseren Kunden dabei, Einsparpotenziale zu identifizieren und zu nutzen. Mit unserer LION 4.0 Software reduzieren wir Ausfallzeiten auf ein Minimum, erreichen dadurch die in der Logistik über Gewinn oder Verlust entscheidende Effizienz, bestmögliche und komfortable Kontrolle sowie höchstmögliche Betriebssicherheit. Doch nicht nur die Häufigkeit und die Effizienz der Wartung sind für Industriekunden wichtige Faktoren, sondern auch die Effizienzsteigerung am Produkt selbst ist wichtig, dazu zählen etwa Tore die schneller öffnen genauso wie isolierte Ladebrücken, zur Erhöhung der Energieeffizienz bei temperierten Lagern.

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Neben Digitalisierung zählt Nachhaltigkeit zu den Megatrends. Wie bildet Novoferm den Nachhaltigkeitsgedanken über die Wertschöpfungskette hinweg ab? Dies fängt bei kleinen Dingen an, wie saubere Abfalltrennung am Standort oder die Ausstattung von Arbeitsplätzen mit zwei Bildschirmen zur Reduktion von ausgedruckten Arbeitsdokumenten. Generell Paperless Office, aber natürlich auch die sinnvolle Routenplanung von Logistik und der Aussendienstmitarbeitenden. Beispielsweise übernachtet einer unserer Aussendienstmitarbeitenden zwei Mal die Woche fern von zu Hause, mitten im Verkaufsgebiet, um Fahrkilometer einzusparen. Die grossen Sprünge bezüglich Nachhaltigkeit erreichen wir in unseren Werken, beispielsweise verfolgen wir die Vision, 100% recyclebare Materialien zu verwenden. Deshalb wählen wir Materialien und Ressourcen sorgfältig aus und ergänzen sie mit eigenen nachhaltigen Entwicklungen. Das hat uns bereits Spitzenplätze in Nachhaltigkeitswertungen eingebracht. Weiter verfolgen unsere Steuerungen den Ansatz: Energieeinsparung durch neueste Technologie. Dank des aktiven Energiesparmodus bei den i-Vision-Steuerungen sparen wir gegenüber den Produkten anderer Anbieter bis zu 70% Energie ein. Auch bezüglich Korrosionsschutz unternehmen wir viel, um nachhaltig zu sein. Sämtliche Oberflächen werden nach dem Schweissen gestrahlt, um eine bestmögliche Grundlage für die Lackierung zu schaffen. Die verwendeten Lacke erfüllen die DecopaintRichtlinie (VOC). Novoferm Green-Solution-Produkte zeichnen sich durch besonders niedrige Life Cycle Cost aus. Weiterdenken ist für uns gerade beim Thema zertifizierter Umweltschutz naheliegend – mit vielen Vorteilen für Architekten und Planer. Zudem verfolgen wir den Aspekt: Qualität ist immer nachhaltig! Deshalb beschränkt sich unser detaillierter Blick nicht nur auf die Bereiche hinter der eigenen Tür – wir richten ihn auch in die Zukunft und fokussieren dabei, neben der Technik, insbesondere die Umwelt. Das Ergebnis sind ausgetüftelte und umweltorientierte Produkte, die aus unseren fertigungsnah installierten Entwicklungsabteilungen stammen. Ausgezeichnete Produkte – auch unter Umweltaspekten – auch dieses Motto ist uns wichtig. Viele unserer Produkte sind nachhaltig – darunter beispielsweise Multifunktionstüren aus Stahl, Rohrrahmentüren aus Aluminium / Stahl, Feuerschutz-Schiebetore und Industrie-Rolltore sowie Verladesysteme. Von den Nachweisen, die wir durch die Auszeichnung mit EPD-Zertifikaten


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NovoPorta Plano - die erste Brandschutztür auf dem Schweizer Markt mit ETA-Zulassung.

erbracht haben, profitiert nicht nur die Umwelt, sondern auch unsere Partner. Deshalb können Architekten und Planer diese Produkte in die ökologische Bewertung von Gebäuden über den gesamten Lebenszyklus hinweg einbeziehen – denn vom Institut Bauen und Umwelt e. V. wurde ihnen das Siegel „Blaugrüne Öko-Effizienz“ verliehen.

sich bislang wenig bis nichts zu bewegen. Heute haben wir mit unserer stumpfeinschlagenden NovoPorta Plano, als einziger Hersteller in der Schweiz, eine Brandschutztür auf dem Markt, welche mit einem ETA (European Technical Assesment) zertifiziert ist, und somit der Situation der fehlenden Harmonisierung für Brandschutzinnentüren Rechnung trägt.

Novoferm ist ein multinationales Unternehmen, eingebettet in den Konzern Sanwa mit Präsenz in unterschiedlichen Kontinenten. Gibt es hinsichtlich der Anforderungen an Ihre Lösungen regionale und gar kulturelle Unterschiede? Ich stehe regelmässig im Austausch mit meinen Kollegen aus anderen europäischen Novoferm Ländergesellschaften. Es gibt interessanterweise innerhalb Europas von Land zu Land grosse Unterschiede bezüglich der beliebtesten Farben bei Gargentoren. Auch bezüglich Tortypen gibt es Vorlieben. So sind etwa in Skandinavien Drehflügeltore wesentlich beliebter als bei uns, was an der Kultur der Garage als Rückzugsort liegen dürfte. Die Anforderungen an unsere Lösungen selbst sind aber weitestgehend ähnlich, ausser in den Bereichen, wo es heute noch normative Unterschiede zwischen der Schweiz und der EU gibt. Erstaunlich zum Beispiel ist, dass der Rauchschutz in der Schweiz nur stiefmütterlich behandelt und viel weniger rigide normiert ist, als in der EU. Das erachte ich persönlich als sehr gefährlich, denn wenn es zu einem Brandfall kommt, ist es tragischerweise sehr häufig so, dass Menschen aufgrund des Rauchs ersticken. Wenn aber alle Brandschutztüren gemäss der Norm S200 ausgeführt würden, und somit auch rauchdicht wären, könnten sicher einige Menschenleben mehr gerettet werden.

Die Baubranche boomt – von dem Neubau über die Altbausanierung. Der Mangel an Fachkräften spitzt sich zu. Was spricht für Novoferm im „War for Talent“? Wir sind ein starkes Team, welches sich eines schnellen Wachstums erfreut. Über die letzten zweieinhalb Jahre haben wir unseren Personalbestand um zwei Drittel vergrössert. Dadurch ergeben sich für jede und jeden tolle Entwicklungsmöglichkeiten. Dies schafft für kreative Menschen, welche kundenorientiert und unternehmerisch denken, mitanpacken und etwas bewirken wollen, ein sehr inspirierendes und erfüllendes Umfeld. Obwohl wir innerhalb der Novoferm Gruppe 3‘400 Mitarbeitende zählen, sind wir in der Schweiz ein überschaubares, familiäres Team. Dies ermöglicht schnelle und unkomplizierte Entscheidungswege. Meine wichtigsten Grundwerte sind Ehrlichkeit, Respekt und Loyalität. Diese widerspiegeln sich auch in unseren Führungsgrundsätzen. Jeder Mensch muss ehrlich zu sich selbst sein und sich über eigene Stärken und Schwächen im Klaren sein. Wir fördern diese Stärken und verlangen dabei nie mehr Leistung, als wir überzeugt sind, dass die Mitarbeitenden diese auch zu erbringen vermögen. Wachstumspotentiale erschliessen wir durch gezielte Weiterbildungs- und Coachingmassnahmen. Dadurch sind wir nicht nur ein sicherer Arbeitgeber, sondern auch ein Ort an dem man persönlich wachsen kann. Es macht uns Spass, Talente zu fördern und zu fordern und dadurch im Team Dinge zu realisieren, welche nur so lange unmöglich schienen, bis wir diese gemeinsam angepackt und umgesetzt haben. Ich bin stolz auf mein Team und wir werden gemeinsam noch viel erreichen!

Die Normenharmonisierung, also die Übernahme der EU Normen in der Schweiz, für Brand- und Rauchschutzabschlüsse nach EN 16034 wurde bislang erst für Aussentüren durchgeführt, die meisten Brandschutztüren sind aber Innentüren, und hier scheint

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NACHHALTIGES BAUEN

Trends in der Baubranche: Diese Innovationen erwarten uns 2021 Auch wenn die Baubranche nicht gerade zu den wandelbarsten Branchen zählt, hat sich im letzten Jahr einiges getan. Wenn wir uns aktuelle Trends in der Baubranche ansehen, wird schnell klar: Die Digitalisierung schreitet voran. Aber auch andere Themen werden das kommende Jahr massgeblich prägen. Auf welche Trends in der Baubranche wir uns 2021 freuen dürfen. Digitalisierung bestimmt auch 2021 die Baubranche Während digitale Lösungen wie CAD-Modelle oder AVA-Software Prozesse in den Leistungsphasen 0 – 7 bereits digitaler und damit effizienter gemacht haben, wird in Leistungsphase 8 noch fast ausschliesslich mit Papier, Klemmbrett und Faxgeräten gearbeitet. Ein entscheidender Grund dafür ist die bisher noch geringe Verbreitung von mobilen Endgeräten: Über 40 % aller Bauunternehmen geben laut einer Umfrage an, dass weniger als die Hälfte ihrer Belegschaft Zugang zu Baustellen-Smartphones und -Tablets haben. Bei verhältnismässig geringen Anschaffungskosten könnten alle Beteiligten in der Objektüberwachung durch den Einsatz von Smartphones und Tablets viel Zeit und Geld sparen. Eine dänische

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Studie kam beispielsweise kürzlich zum Ergebnis, dass Bauunternehmen allein durch den Einsatz einer Baudokumentationssoftware bis zu 7 % der gesamten Baukosten einsparen können. Der Einsatz von digitalen Technologien kann demnach dabei helfen, Daten schneller zu erfassen, Prozesse sowie Aufgaben zu automatisieren und den Baufortschritt einfach und rechtssicher zu dokumentieren. Kleine Büros stehen genauso wie grössere Bauunternehmen vor der Herausforderung und der Chance, sich auf eine digitale Zukunft vorzubereiten. BIM steht in den Startlöchern Der Top Trend in der Baubranche ist das berühmt berüchtigte BIM. Getrieben durch die öffentliche


HIGHLIGHTS

Hand, ist BIM bereits heute in aller Munde. BIM, kurz für Building Information Modeling, hat das Ziel, die Kollaboration zwischen den verschiedensten Parteien in einem Bauprojekt zu digitalisieren. Dabei schreibt die BIM Methodik vor, mit 3D-Modellen zu arbeiten. Der Einsatz von BIM soll im Wesentlichen die Transparenz und die Planungsgenauigkeit erhöhen. Dass BIM der richtige Weg ist, glauben bereits heute 78 % aller Befragten in der Bauindustrie. «78 % glauben, dass BIM die Zukunft in der Bauindustrie ist» Trotz des allgemeinen Bewusstseins, dass BIM die Zukunft in allen Bauphasen ist, findet die Methode in Deutschland in der Praxis bisher kaum Anwendung. Ganz anders sieht es in Ländern wie den USA, Grossbritannien oder Finnland aus. In Deutschland wird die Thematik vor allem durch Institutionen wie das Leonhard Obermeyer Center der TU München getrieben. Construction Intelligence gewinnt an Fahrt Mindestens genau so viel Potenzial steckt im Bereich «Construction Intelligence». Construction Intelligence betitelt die Idee, Entscheidungen auf der Basis von Daten statt von Bauchgefühl zu treffen. Mit den faktenbasierten Prozessen sollen zukünftige Entwicklungen und Abläufe besser geplant werden können. Damit sind in der Regel SoftwareProgramme verbunden, die Bauprojekte aktiv von A bis Z begleiten. Von der Personal- und Baustoffplanung, bis hin zur tatsächlichen Durchführung und Bauabnahme – eine Construction Intelligence Software hilft bei der gesamten Bauabwicklung. Mixed Reality Anwendungen verbessern das Vorstellungsvermögen Wer sich mit digitalen Zukunftstrends beschäftigt, kommt an Reality-Anwendungen wie der virtuellen oder der erweiterten (augmented) Realität nicht vorbei. Vielleicht hatten Sie sogar schon eine Virtual Reality Brille auf der Nase? In anderen Branchen, wie zum Beispiel der Tourismusindustrie, werden diese Anwendungen schon weitreichend eingesetzt. Jetzt setzt auch die Baubranche auf die visuelle Verschmelzung von Bild und Realität. In der Baubranche werden VR und AR bisher zwar nur vereinzelt eingesetzt, doch sie haben zweifellos das Zeug zum Bau-Trend des 21. Jahrhunderts. Beim Bau von Einfamilienhäusern ist VR bereits eine gängige Praxis. So sind private Bauherren damit in der Lage, ihre Pläne in 3D-Ansicht zu erkunden und sich so einen realen Eindruck ihres zu-

künftigen Domizils verschaffen. In dem Effekt, die menschliche Vorstellungskraft zu erweitern, liegt das grosse Potenzial der Technologien zur erweiterten Realität für die Baubranche. Besonders bei einer grossen Anzahl von Beteiligten an einem Projekt, fällt die Vorstellung des Endergebnisses oft schwer. Virtual Reality Programme könnten hier Abhilfe schaffen und alle Beteiligten von Beginn an ins Boot holen. So können Baumängel frühzeitig entdeckt und Gefahrenquellen identifiziert werden. Auf der Bau 2019 waren erstmals Virtual Reality Programme zu sehen. Bauen 4.0 – here we go Bauen 4.0 ist der Grundstein für die weiteren digi­ napp bedeutalen Trends im neuen Jahr. Kurz und k tet das nämlich: Die Digitalisierung der Baustelle. Auch wenn in manchen Bereichen der Baubranche digitale Trends bereits angekommen sind, hinken die Baustellen selbst noch weit hinterher. Und das obwohl es mittlerweile zahlreiche individuelle Angebote zur Digitalisierung gibt, die speziell für Baustellen entwickelt wurden. Vom planeri­s chen Entwurf, bis hin zur tatsächlichen Begehung – digitale Möglichkeiten gibt es viele. Diese sparen in der Regel nicht nur Zeit und Kosten sondern auch Nerven. Durch die digitalen Tools und Bauen 4.0 können Daten einfacher, schneller und vor allem sicherer gespeichert und auch entsprechend abgerufen werden. Ein weiterer Pluspunkt ist die Mobilität, da viele Programme ganz easy von unterwegs bedient werden können – per Tablet oder Smartphone. Ihr eigenes kleines Büro können Sie also immer mit auf die Baustelle nehmen. Weg vom lokalen Speicher, hin zum Cloud Computing Sie arbeiten bereits mit einer Bauleiter App oder ­einer App für Architekten? Dann ist eine CloudSoftware für Sie womöglich nichts Neues. Sollten Sie diesen Schritt noch nicht gewagt haben: in Zukunft führt kein Weg am Cloud Computing vorbei. Wenn Sie vor einigen Jahren eine Software erworben haben, wurde Ihnen mit grosser Wahrscheinlichkeit eine CD geliefert. Diese haben Sie auf Ihrem PC installiert, mit der Jahreslizenz freigeschaltet und schon ging es los. Bis auf wenige Neuerungen hat sich an der Software im Laufe des Jahres nicht viel geändert. Mit Fehlern und Problemen mussten Sie bis zur nächsten CD warten. Alle Daten, die Sie in dieser Software produziert haben, wurden wie gewohnt auf Ihrem Rechner gespeichert. Freier Speicherplatz hat dabei nahezu den

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HIGHLIGHTS

Stand eines Luxusguts bekommen! Mit Cloud Computing sieht die Welt ganz anders aus: Anstatt einer jährlichen Neuerung in Form eines neuen Datenträgers, erwerben Sie eine monatliche Lizenz, die Sie zur Nutzung des Programms berechtigt. Dieses müssen Sie nicht auf Ihrem Rechner installieren – ein einfacher Log-In über die Website mit Ihren Daten genügt. Die Informationen, die Sie in dem Programm speichern möchten, werden auf externen Servern abgelegt. (Achtung: Achten Sie auf hohe Sicherheitsstandards!) Ihre l­okalen Kapazitäten werden dabei nicht belastet. Der Vorteil von Cloud-Software mit dem monatlichen Lizenzmodell: Das Programm wird regelmässig aktualisiert und immer besser. Fehler können schneller identifiziert und behoben werden, neue Funktionen hinzugefügt und die Software an die Bedürfnisse der Nutzer angepasst werden. Durch das Cloud-Modell bleibt eine Software flexibel und kann jederzeit auf die rasanten Veränderungen der Baubranche reagieren. So geht Bauen 4.0 – definitiv einer der wichtigsten Trends in der Baubranche! Mit Cloud Computing haben Sie Ihre Daten überall griffbereit. Bauprozessmanagement ist auf dem Vormarsch Agil und schlank sind die Stichwörter für den nächsten Trend in der Baubranche. Dabei handelt es sich allerdings nicht um eine neues Diätprogramm, sondern um eine Methode zur Baustellenplanung und -organisation. Das sogenannte Bauprozessmanagement beschäftigt sich in erster Linie mit einem prozessorientierten Baustellenablauf. Das bedeutet, dass nicht die Erfahrungswerte bei der Planung im Vordergrund stehen, sondern die Prozesse an sich. Diese werden langsam und Schritt für Schritt mit allen Beteiligten durchgesprochen und geplant. Ausserdem soll dabei der komplette Lebenszyklus des Bauwerks betrachtet werden und das Bauprojekt von Anfang bis Ende geplant sein. Das hat mehrere Vorteile. Zum einen weiss dadurch jeder Beteiligte genau, was bei welchem Arbeitsschritt ansteht. Durch das schrittweise Planen können Missverständnisse untereinander vermieden und somit auch ein reibungsloser Ablauf herbeigeführt werden. Kurz gesagt: Jeder weiss, was er wann zu tun hat! Durch die aktive und zielgerichtete Planung können mögliche Probleme frühzeitig erkannt – und bestenfalls bereits im Vorfeld gelöst werden. Von Anfang bis Ende kann so eine klare Struktur

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für ein Bauprojekt geschaffen werden. Nachhaltiges Bauen und alternative Baustoffe Die Digitalisierung hat neben den bereits aufgezählten Möglichkeiten noch einen entscheidenden Pluspunkt: Sie fördert nachhaltiges Bauen! Leider hinkt die gesamte Branche auch in Punkto Nachhaltigkeit hinterher – es gibt allerdings Hoffnung zur Besserung. Durch digitale Anwendungen schonen Sie nicht nur Ihre Nerven, sondern auch Ihre Papierreserven und Druckerpatronen. Gleichzeitig reduzieren Sie Baumängel, müssen weniger Restleistungen erbringen und verschwenden so weniger Materialien. So gelingt nachhaltiges Bauen ganz nebenbei. Immer mehr Unternehmen beschäftigen sich mit der Herstellung nachhaltiger Roh- und Baustoffe, wie beispielsweise Fertigteile aus Holz oder Glas. Dazu gehören unter anderem recycelte Kunststoffe, die im Haus- und Wohnungsbau eingesetzt werden können. Aber auch längst in Vergessenheit geratene Rohstoffe sind wieder auf dem Vormarsch und begünstigen nachhaltiges Bauen: Stroh wird mehreren Berichten zufolge erfolgreich als Dämmmaterial im Wohnungs- und Hausbau eingesetzt. Der Rohstoff ist nicht nur 100% natürlich, sondern auch um einiges umweltschonender als beispielsweise Styropor. Ein grosser Vorteil der alternativen Baustoffe: Oftmals schonen diese nicht nur das Klima, sondern auch Ihren Geldbeutel. Natürliche beziehungsweise recycelte Materialien sind häufig um einiges


HIGHLIGHTS

Rohstoffe wie Holz gesetzt. Sowohl in der Industrie, wie auch im privaten Hausbau kann diese effiziente Bauweise angewandt werden. So werden auch 2021 Objekte in Nullkommanix entstehen – wir freuen uns darauf! Künstliche Intelligenz Was vor ein paar Jahren noch unter den Bereich Science-Fiction gefallen ist, hält langsam aber sicher in vielen Branchen Einzug: Künstliche Intelligenz. Auch das Bauwesen springt zunehmend auf diesen Zug auf und integriert KI in täglichen Abläufen auf der Baustelle und im Büro. Künstliche Intelligenz bedeutet, dass Maschinen mit dem Ziel programmiert werden, menschliche kognitive Funktionen nachzuahmen. So können diese beispielsweise aus Erfahrungen lernen oder Gefahrenquellen anhand von Bildmaterial erkennen.

günstiger als herkömmliche Baustoffe. So schlagen Sie zwei Fliegen mit einer Klappe: nachhaltiges und kostengünstiges Bauen. Modulares Bauen Modulares Bauen spielt nicht erst seit gestern eine Rolle, sondern hat sich in den letzten Jahren konstant in der Baubranche gefestigt. Trotzdem sehen wir Modulares Bauen ganz klar als Bautrend 2021 an. Zuerst muss allerdings die Frage geklärt werden, was Modulares Bauen eigentlich ist. Modulares Bauen ist ein Bauverfahren, bei dem überwiegend vorgefertigte Bauteile verwendet werden. Diese Bauweise kann mit einem Baukasten verglichen werden: Fertigbauteile werden auf der Baustelle wie geplant zusammengesetzt und bilden so die Fassade für das Bauobjekt. So kann es schon einmal vorkommen, dass die Fassade innerhalb eines Tages errichtet werden kann. Aber auch im Innenausbau wird immer öfter auf diese Baumethode zurückgegriffen. Die Gründe dafür sind einleuchtend: Durch die extrem schnelle Baustellenabwicklung können Kosten und Ressourcen eingespart werden. Man braucht zum Beispiel deutlich weniger Fachkräfte, um die Bauteile zusammenzusetzen. Vor allem aber reduziert sich die Einsatzzeit von Arbeitskräften. Auch klassische Baumaschinen wie Betonmischer oder Drucklufthämmer werden nicht mehr zwingend benötigt. Der Qualität tun all diese Punkte allerdings keinen Abbruch – ganz im Gegenteil. Bei Fertigbauteilen wird öfter auf nachhaltige und natürliche

Besonders im Bezug auf die Baustellensicherheit birgt die Künstliche Intelligenz viel Potenzial. So können beispielsweise Roboter eingesetzt werden, um unsichere Stellen wie Dächer auf Mängel zu überprüfen. Und auch das Bedienen von Maschinen mit einem gewissen Verletzungsrisiko kann von Robotern mit künstlicher Intelligenz übernommen werden. Bei besonders grossen Bauprojekten kann der Einsatz von Drohnen in Verbindung mit KI viel Zeit und Ressourcen einsparen. Aufnahmen aus der Luft können mit Hilfe der entsprechenden Software automatisch ausgewertet werden. Je nach Programmierung können beispielsweise Schäden und Gefahrenquellen nach Unwettern erkannt werden. So erhalten Sie nicht nur einen weitreichenden Überblick über das Bauareal, sondern auch automatische Markierungen möglicher Risikoquellen. Bei so vielen Vorteilen, ist anzunehmen, dass dieser Trend die Branche noch weit über 2021 begleitet! Zusammenfassend können wir festhalten: Insgesamt gewinnen auch dieses Jahr alle Innovationen an Relevanz, die die Baubranche der Digitalisierung näher bringen – und das ist auch gut so! Denn mit den zahlreichen digitalen Möglichkeiten für Bauprojekte können Sie nicht nur Zeit und Geld, ­s onder auch Nerven sparen. Welche Trends in der Baubranche erwarten Sie für das kommende Jahr? Capmo-Tipp: Woran wir gerade arbeiten und welche Funktionen Sie bei Capmo in Zukunft erwarten, sehen Sie in unserem Productboard. Sie haben eine Idee, wie wir Capmo verbessern können? Über das Portal können Sie uns Ihre Vorschläge mitteilen.

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HIGHLIGHTS

Azado Grill übernimmt ehemalige FerrariLocation in St.Gallen Die St.Galler Grill-Manufaktur azado hat ihre neuen Räumlichkeiten bezogen. In der ehemaligen Ferrari und Aston Martin Garage im Heiligkreuz (St.Gallen) präsentiert sich der neue Showroom, welcher am Freitag, 21. Mai 2021 erstmals seine Türen geöffnet hat. Mit an Bord sind der exklusive Wohnausstatter Möbel Thöny sowie INALCO mit seinen erstklassigen Grossflächenkeramikfliesen. azado bezieht seine neuen Räumlichkeiten In der ehemaligen Aston Martin Garage im Heiligkreuz tut sich was. Im vorbeifahrenden Bus wird getuschelt «Hast du gesehen? Was da hinter den verdeckten Scheiben wohl entsteht?». Aus den vielen Autos, die in der Schlange am Rotlicht warten, folgen neugierige Blicke.

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«Dieser Standort ist der absolute Glücksfall für uns.», meint Jungunternehmer und azado Geschäftsführer Andreas Nöckl. «Unser alter Standort an der Rorschacherstrasse 290 ist aus allen Nähten geplatzt, obwohl wir erst 1 Jahr dort waren. Nun einen Showroom mit solcher Visibilität, einigen Kundenparkplätzen und opatimaler ÖV-


HIGHLIGHTS

Anbindung zu haben, dazu eine Werkstatt sowie Büros unter einem Dach, davon haben wir kaum zu träumen gewagt.» In der Werkstatt, wo früher an Luxusautos geschraubt wurde, trifft heute Schweizer Fertigungsqualität auf argentinische Grill-Kultur. In Handarbeit werden hier innovative Chromstahlgrills mit verstellbarem Rost hergestellt. Es herrscht emsiges Treiben in der Werkstatt. Denn nicht nur das schöne Frühlingswetter weckt das Begehren der Kunden auf einen neuen Grill. Auch der Showroom, der nach dem Lockdown endlich geöffnet werden darf, wartet darauf, bestückt zu werden. Eröffnung des Showrooms – eine Kooperation von azado, Thöny und INALCO Am 21. Mai 2021 feierte der Showroom von azado offiziell Eröffnung. Auf seine Vision angesprochen, äussert sich Andreas Nöckl wie folgt: «Wir möchten den Kunden einen spannenden und abwechslungsreichen Ort bieten, an dem sie nicht nur unsere Grills begutachten können, sondern auch immer wieder Neues und Innovatives entdecken.» So findet der passionierte Grilleur nebst den hochwertigen azado Grillmodellen auch Accessoires und Geschenkideen rund um das Thema BBQ. Speziell zur Eröffnung gesellt sich zum teuersten Grill der Welt – dem azado Dubai Grill – nun auch das wohl teuerste Messer der Welt. Für eine limitierte Zeit zeigt Nesmuk sein Meisterstück im azado Showroom. Ein Unikat mit einzigartiger Damastklinge, einem Griff aus 5’000 Jahre alter Mooreiche, welcher mit Brillanten veredelt wird. Für einen unerwarteten Touch und ein wohn-

liches Ambiente sorgen zudem ausgewählte Designstücke aus der Kollektion des Möbel-Centers Thöny. Als weiterer Partner konnte INALCO für die Ausstattung des Showrooms gewonnen werden eine Erweiterung der bereits bestehenden Kooperation. Denn die grossflächigen Feinsteinzeugfliesen kleiden bereits heute die wetterfesten azado Aussenküchen ein. Für frischen Wind und Abwechslung im neuen Showroom sorgt zudem das Pop-Up Konzept. In einem ausgewählten Bereich werden Handwerk, Kunst oder Produkte von innovativen Start-ups und Partnern aus der Region präsentiert. Dies jeweils für einen limitierten Zeitraum. Somit kommen auch Design- und Kunstliebhaber bei azado auf ihre Kosten. Der Showroom ist jeweils geöffnet von Dienstag bis Freitag von 14:00 – 18:00 Uhr, Samstag von 09:00 – 12:00 Uhr oder gegen Voranmeldung.

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Die Zukunft ist digital Was als Spin-off der ETH Zürich im Jahre 2013 begonnen hat, gilt heute als die grösste und am schnellsten wachsende Bauprodukte-Plattform der Schweiz. Das Ziel, welches die buildup AG seit Beginn verfolgt, ist, jedes auf dem Markt verfügbare Bauprodukt auf einer zentralen Plattform digitalisiert, strukturiert und vernetzt bereit­ zustellen. Um dieses Ziel zu erreichen, unterstützt die buildup AG Produkthersteller bei der Digitalisierung ihres gesamten Produktportfolios. 20


DIGITALISIERUNG

Auf dieser digitalen Bauproduktplattform finden ­A rchitekten, Planer, Bauherren, Unternehmer und andere am Bau Beteiligte, branchenunabhängig, die notwendigen Bauteilinformationen und können diese über eine Schnittstelle direkt in die täglichen Arbeitswerkzeuge und somit in konkrete Bauprojekte übernehmen. Bisher können über 600’000 strukturierte Produktinformationen in über 1’600 Kategorien durchsucht und gefiltert werden. Alles, was digitalisierbar ist, wird digitalisiert Die Digitalisierung betrifft nahezu jedes Unternehmen, auch die Baubranche. Alles, was digitalisierbar ist, wird digitalisiert. Die Bauplanung setzt inzwischen darauf, vor der Bauausführung einen digitalen Zwilling zu erzeugen. Dazu braucht es bessere Informationen, die gut strukturiert und frei verfügbar sowie in die etablierten Prozesse der Beteiligten eingebunden sind. Das detaillierte Wissen über die Produkte liegt bei den Herstellern selbst. Damit BIM integral und durchgängig funktioniert, muss es möglich sein, dieses Wissen phasengerecht und abstrahiert in die Planung einzubringen. Wenn BIM der Informationsstandard ist, dann müssen auch die Bauprodukte «BIM-ready» sein! BIM wird somit vom Informations- zum Baustandard und einem Bauprodukt-Standard. So werden die Herstellerdaten digitalisiert und in die massgeschneiderte Standardstruktur gemappt. Das bedeutet: Produkte stehen zukünftig als standardisierte Produkt-BIM-Daten zur Verfügung. Diese Daten werden damit zum neuen Baumaterial, das der späteren Realität des auszuführenden Baus mehr entspricht, als es in der Planung bisher möglich war. Ein weiterer Vorteil: Sind die Daten erst mal erstellt, lassen sie sich mehrfach einsetzen – in den unterschiedlichen Prozessen, von mehre-

buildup vernetzt Wissen & Akteure und schafft effiziente Lösungen.

ren Beteiligten, an verschiedenen Orten, über den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks hinweg. Dadurch steigt die Planungssicherheit. Der Prozess ändert sich hierbei allerdings grundlegend. Bisher war die Bauindustrie eher «offline» am Planungsprozess beteiligt. Mit diesem Schritt wird sie nun «online» in die Strukturen und Prozessabläufe eingebunden. Dies betrifft im Bauwesen insbesondere die Planung, Ausschreibung und das Facility Management. Bessere Daten führen zu besseren Entscheidungen und somit zu besseren Bauten. Hier kommt buildup ins Spiel Die schon heute hohe und in Zukunft noch steigende Nachfrage nach qualitativ guten BIM-Objekten verlangt nach einem einheitlichen, transparenten und gleichzeitig standardisierten Prozess. Die Innovation führt dazu, dass in Bezug auf die Erstellungsprozesse und Informationsaufbereitung laufend und in kurzer Zeit zunehmend eine Vielzahl von Herstellern ihre Produktinformationen über reale BIM-Objekte, ihre Lösungen, Produkte und Systeme, in einer digitalen Bauproduktbibliothek anbieten werden. Beim Transfer der realen Produkte hin zu digitalen Bauproduktdaten kommt buildup ins Spiel! Unser Ziel ist es, in der digitalen Transformation entlang der Bau-Wertschöpfungskette als Bindeglied für alle Beteiligten zu wirken. Wir stellen die Produktdaten der Hersteller über den ganzen Wertschöpfungsprozess dort zur Verfügung, wo sie relevant sind. Digitalisierung bedeutet – wie erwähnt – Vernetzung von Prozessen und Informationen. Die grösste Herausforderung dabei stellt die Verbindung der Akteure in der Wertschöpfungskette dar: die Durchgängigkeit der Informationen vom Besteller über den Architekten zum Planer bis in die Bauindustrie, die Bauausführung sowie in die Nutzung

buildup macht Produkte und Expertenwissen zur richtigen Zeit am richtigen Ort verfügbar.

buildup strukturiert Wissen und stellt detaillierte Informationen redaktionell unabhängig bereit.

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DIGITALISIERUNG

und den Betrieb. Um die Durchgängigkeit der Informationen zu gewährleisten, ist die buildupPlattform mit verschiedenen Anwendungen über den gesamten Bauprozess verknüpft. Bauteile können damit im Kontext eines virtuellen Modells evaluiert werden, und die Suche nach geeigneten Bauteilen und -produkten wird vereinfacht. Digitale Bauproduktdaten – das neue Baumaterial Digitale Produktdaten stehen als standardisierte und strukturierte Daten zur Verfügung und bilden die Grundlage für Planungs- und Entscheidungsprozesse, vom Beginn der Planung bis hin zum Betrieb und zum Rückbau der Bauwerke. Die Produkteigenschaften definieren die Effektivität und Effizienz von Bauteilen und Systemen, deshalb werden die Hersteller mit ihren Produktdaten zu immer wichtigeren Akteuren in allen Bauphasen. Der Austausch von Artikeldaten hat sich über die letzten Jahre für die gesamte Branche mehr und mehr zum Erfolgsfaktor, aber leider auch zu einem relevanten Aufwandstreiber entwickelt. buildup begleitet Hersteller in ihrem Digitalisierungsprozess, egal in welcher Stufe sich der Hersteller befindet und erarbeitet digitale Daten in hoher Qualität. Als Innovationstreiber in der Digitalisierung ist buildup der Überzeugung, dass professionell gepflegte Artikelstammdaten der Dreh- und Angelpunkt eines gemeinsamen Erfolges sind. Wenn die Daten nicht in einer standardisierten und strukturierten Form zur Verfügung stehen und dadurch

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schnell und effizient verarbeitet werden können, leidet der ganze Bauprozess. buildup beschäftigt sich mit Standards, Datenaustauschformaten und Klassifikationsansätzen und vertritt die Interessen aller Wertschöpfungsstufen, beginnend mit der Industrie, über den Handel, die Planer und die Endverbraucher. buildup fokussiert sich auf Standards im Datenmanagement und -austausch von Bauprodukten, stellt sie digital aufbereitet zur Verfügung und ermöglicht dadurch deutliche Prozess- und Kostenoptimierungen. Ab 2021 ist BIM als Planungsmethode für Bundesund bundesnahe Betriebe im Hochbau verbindlich, Infrastrukturbauten folgen im Jahr 2025. Die heutigen Prozesse werden digitalisiert und vor der definitiven Umsetzung 2021 mit Referenzprojekten und -partnern geprüft. buildup darf Teil davon sein und berät verschiedene Institutionen im Bereich Digitalisierung und BIM sowie bei der Initialisierung und Automatisierung für Material- und Bauproduktdaten. Ziel dieser Projekte ist es, ein vollständiges Liegenschaften-Informationsmodell zu erhalten. Jederzeit soll eruiert werden können, welches Bauteil wo eingebaut wurde, um welches Produkt es sich handelt und wer der Hersteller ist. Dazu müssen die Produktdaten digital, aktuell und vollständig zur Verfügung stehen.


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DIGITALISIERUNG

BIM-Methodik für die ganze Firma Der Schlüssel für einen schnellen Übergang zur digitalen Planungsmethode Seit etwas über 10 Jahren setzen sich Schweizer Unternehmen in der Bauindustrie mit der Digitalisierung des Planungs- und Bauprozesses auseinander. Viele Beteiligte haben die ersten Erfahrungen in Projekten sammeln können und verstehen heute besser, welche Faktoren zu einer erfolgreichen Digitalisierung beitragen, bzw. welche sie daran hindern. Als Schlüsselfaktoren werden unter anderem wiederholt zwei Aspekte genannt: Eine unzureichende Ausbildung, die zu einem Mangel an qualifiziertem Fachpersonal in den Unternehmen führt sowie Probleme in der Zusammenarbeit, herbeigeführt durch fehlende einheitliche Standards.

BIM nicht nur im Sinne neuer Technologien und Anwendungen betrachten und verstehen, sondern vor allem als Veränderung im Denken, Handeln und Zusammenarbeiten. Die «alte» Arbeitsweise ist aber oft sehr tief im täglichen Arbeits- und Entscheidungsprozess verankert.

Diese Konstellation stellt ein zentrales Hemmnis für das Vorankommen der BIM-Einführung dar. Für einen Prozess, der für die gemeinsame Verwendung digitaler Datenmodelle durch möglichst hohe Homogenität geprägt sein muss, ist die Heterogenität derzeit ein massgebliches Merkmal. Diese H eterogenität betrifft einerseits die BIM-Daten­ strukturen und andererseits die BIM-Ausbildungen.

Einen weiteren Trend sehen wir innerhalb des Managements von Firmen. Mitglieder aus dem Management besuchen heute vermehrt BIM Ausbildungen, um die Digitalisierung in der Bauindustrie zu verstehen. Mit dem besseren Verständnis sind sie in der Lage, die notwendigen Veränderungen in Gang zu bringen und kompetente Entscheidungen zu treffen. Meist sind diese Ausbildungen theoretisch, bzw. strategisch. Es ist die Aufgabe der Geschäftsleitung, Prozesse so zu gestalten, dass diese die unternehmensspezifischen Ziele unterstützen. Die Herausforderung besteht darin, dass Veränderungen im Unternehmen oft auf theoretischen Grundlagen basieren, während gleichzeitig in den Projekten praktisch gearbeitet wird. Hier sehen wir oft ein mangelndes Verständnis der Geschäftsleistung für die BIM-Methodik, was dazu führen kann, dass entweder Entscheide über die Prozessveränderung abgegeben werden oder dass Entscheidungen aus der Geschäftsleitung im BIM-Projekt wenig Bestand haben, was wiederum zu Problemen im Projekt führen kann.

Bottom-up vs. Top-down Wir sehen bei den Technologieausbildungen einen wachsenden Trend. Mittlerweile haben die meisten Unternehmen verstanden, dass die korrekte Anwendung von BIM-Technologien eine Grundvoraussetzung ist, um überhaupt ein funktionierendes BIM-­M odell abgeben zu können. Die Herausforderung bei der Schulung von BIM-Technologien besteht darin, dass AnwenderInnen von der planorientierten Arbeitsweise in eine modellbasierte Denk- und Arbeitsweise wechseln müssen. BIM ist eine Arbeitsmethode – noch treffender, eine Zusammenarbeitsmethode. Es ist zentral, dass wir

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Sobald jedoch die AnwenderInnen die BIM-Methodik verstanden haben, begreifen sie, warum Bauteile über den Planungsprozess hinweg unterschiedlich informiert werden, wie sich die Geometrien über die Zeit hinweg entwickeln und wie wichtig gemeinsame Projektstandards sind.


Sobald aber die Geschäftsleitung die BIM-Methodik verstanden hat, kann sie Entscheide treffen, die das BIM-Projekt und zugleich auch die Ziele des Unternehmens stützen. Der Changemanagement-Prozess, der damit einhergeht, braucht Offenheit, Unterstützung, aber auch viel Fokus und ein strukturiertes Vorgehen. Die Geschäftsleitung muss sich daher genauso mit den BIM-Prozessen und BIM-Standards auseinandersetzen, wie die MitarbeiterInnen. Die meisten Firmen steigen über ein BIM-Projekt in die Thematik ein. Sie suchen sich technologisch versierte ProjektleiterInnen, die das erste Projekt nach der BIM-Methode führen sollen. Die ProjektleiterInnen bilden sich oft sehr gut auf Technologien, aber auch auf der BIM-Methodik aus. Sie verstehen, wie sich Modelle über die Projektphasen hinweg entwickeln müssen, welche Standards in welchen Anwendungsfall stabile Prozesse garantieren. Die grösste Herausforderung für die Projektleiter­ Innen liegt meist darin, dass im Unternehmen kein Common Sense, also ein gemeinsames Verständnis in Bezug auf die BIM-Methodiken besteht. Genau dieses gemeinsame Verständnis ist jedoch Voraussetzung für die BIM-Methodik. Wir bei Mensch und Maschine glauben, dass die BIM-Methodik den Kitt im Unternehmen darstellt, der den Übergang zu einer neuen Planungsmethode zusammenhält. Das gemeinsame Verständnis über die BIM-Prozesse, Standards und Anwendungsfälle

ermöglicht erst, dass sich alle im Unternehmen mit den neuen Begriffen vertraut fühlen, diese verstehen und erfolgreich im Projekt anwenden. Unser von der buildingSMART zertifizierter BIMMethodik Kurs ist so aufgebaut, dass wir die BIMMethodik innert kurzer Zeit der gesamten Belegschaft vermitteln können. Darüber hinaus gewährleistet der Kurs dem Unternehmen einen raschen und nachhaltigen Nutzen. Stufengerecht werden die MitarbeiterInnen in 3 Gruppen aufgeteilt. Das erste Modul richtet sich an alle Mitarbeitenden, also auch an das Sekretariat und die Geschäftsleitung. Hier wird das elementare gemeinsame Verständnis für die BIM-Planungsmethode geschaffen, sowie auch die Absicht und Erwartungen der Geschäftsleitung erklärt. Das zweite Modul richtet sich an jene Mitarbeitende, die in Projekten arbeiten. Die Teilnehmer lernen, welche Anwendungsfälle, Prozesse und Standards unternehmensspezifisch im BIM-Projekt angewendet werden, so dass die Veränderungen verstanden und im Projekt umgesetzt werden können. Das letzte Modul zielt darauf ab, dass alle verantwortlichen ProjektleiterInnen das buildingSMART Zertifikat zur BIM-Methodik erwerben können. Durch die international anerkannte Zerti­ fizierung sind die Verantwortlichen kompetent nach openBIM Grundsätzen ausgebildet und setzen ein Zeichen für Qualitätssicherung.

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DIGITALISIERUNG

Firmenspezifische Schulungen bei MuM so individuell wie Ihre Firma Der BIM-Methodik Firmenkurs richtet sich an alle Unternehmen, die ein gemeinsames Verständnis der BIM-Methode über alle Hierarchiestufen hinweg etablieren wollen, um damit den Übergang zur digitalen Planungsmethode zu beschleunigen. Sie schaffen mit einem Firmenkurs eine von allen getragene BIM-Kompetenz, steigern die Qualität in BIM-Projekten, fördern die Innovationskompetenz und transformieren nachhaltig das Unternehmen in das BIM-Zeitalter. Interessiert? Wir beraten Sie gerne, wie ein Firmenkurs zum Thema BIM-Methodik bei Ihnen aussehen könnte. Mensch und Maschine Schweiz AG Baslerstarsse 30 CH-8048 Zürich 043 344 12 12 zurich@mum.ch

Anwenderbericht Alle Mitarbeiter zum Thema BIM auf verschiedenen Stufen bei der Rapp Gruppe ausbilden Die Rapp Gruppe ist eine führende Schweizer Planungs- und Beratungsgruppe, die mit rund 490 Spezialistinnen und Spezialisten aus Ingenieurswesen, Architektur und Fachplanungen Lebensraum und Umwelt integral gestaltet und nachhaltig entwickelt. Die BIM-Methodik in Arbeitsabläufe zu integrieren, Innovations- und Effizienzthemen zu fördern sowie als aktive Partner für digitale Bauvorhaben im Raum Nordwestschweiz verankert zu sein – das hat sich die Rapp Gruppe auf die Fahne geschrieben. Warum alle Mitarbeiter in BIM geschult werden Als Teil der BIM/VDC-Strategie der Rapp Gruppe, wurde nebst dem Aufbau einer internen Wissensplattform zum Thema, mit MuM ein 3-stufiges Schulungsprogramm auf die Beine gestellt, welches die individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten der Mitarbeitenden berücksichtigt. Der Grundlagenkurs ist ausgerichtet auf die gesamte Belegschaft und unterstützt alle Teilnehmenden beim Einstieg in die Themen Digitalisie-

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rung und BIM. Unter Einbezug von Praxisbeispielen werden Kenntnisse im Bereich der wichtigsten Anwendungsfälle, den Arten von Werkzeugen und der Visualisierung der BIM-Methodik aufgebaut. Der Aufbaukurs ist mit detaillierteren Informationen zur Methodik und spezifischeren Themen auf BIM-Anwender ausgerichtet, welche Projekte mit der Unterstützung von BIM realisieren. Darum MuM Die Rapp Gruppe lässt ihre Mitarbeitenden bereits seit längerem, systematisch, für spezifische Anforderungen bei MuM schulen. Als etablierter Schulungsanbieter im Bereich BIM/VDC wurde mit MuM als Partner eine längerfristige Lösung für das Aus- und Weiterbildungsprogramm gefunden. Dies ermöglicht eine ganzheitliche Umsetzung des BIM/VDC-Schulungskonzepts und bedient dabei die Bedürfnisse aller Zielgruppen bzw. Mitarbeitenden der Rapp Gruppe. So hilft MuM BIM zu verstehen – Zitat der Rapp Gruppe «Die professionelle Begleitung bei der Bedürfnisanalyse sowie das daraus resultierende klare Angebot hat die Umsetzung unserer Strategie ermöglicht. Ein systemneutraler Aufbau und Inhalt wurden in diesem Rahmen sichergestellt. Der faire Preis und die professionelle Leistung runden das Gesamtbild von MuM positiv ab. Die detaillierten Schulungsinhalte wurden jeweils in enger Abstimmung mit dem zugeteilten Schulungsleiter von MuM erarbeitet und je nach Rückmeldung der Teilnehmenden für den Folgekurs angepasst. Diese Art der Zusammenarbeit stimmt uns positiv, unseren Mitarbeitenden längerfristig die aktuellen Inhalte und Themen zur BIM-Methodik näherbringen zu können.» Empfehlung der Rapp Gruppe «Wir empfehlen die BIM-Individualausbildung von MuM an Unternehmen, welche eine längerfristige Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeitenden auf verschiedenen Stufen in diesem Bereich anstreben und sicherstellen möchten, dass die Informationen jeweils unter Berücksichtigung des neusten Wissensstandes der Branche übermittelt werden.»

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NACHHALTIGES BAUEN

ESET Threat Report Ransomware wird für gezielte Angriffe genutzt Die Cyberkriminalität hat sich 2020 spezialisiert. Das ist ein Fazit des Threat Reports für das vierte Quartal 2020, den ESET jetzt veröffentlicht hat. Den letzten Bericht des abgelaufenen Jahres nutzen die Experten des europäischen IT-Sicherheitsherstellers auch für einen Rückblick auf das Gesamtjahr sowie einen Ausblick auf 2021. Ein Ergebnis des Reports: Ransomware wird immer stärker für gezielte Angriffe gegen Unternehmen eingesetzt. Hacker setzen hingegen bei breitgefächerten Massen-Attacken immer seltener auf Verschlüsselungstrojaner. Zudem rutschten sogenannte Banking-Malware weiter ins Rampenlicht. Immer mehr Anwender tätigen Finanzgeschäfte vom Smartphone oder Tablet. Kriminelle folgen dem Trend und setzen gerade beim beliebten Android-Betriebssystem verstärkt auf diese Schädlinge. Auch im vierten Quartal gab es zahlreiche Spam- und PhishingMails mit Bezug zur Corona-Pandemie und den startenden Impfungen. Der ESET Threat Report ist auf WeliveSecurity verfügbar. «Cyberkriminalität hat sich 2020, auch beeinflusst durch die Corona-Pandemie, stark gewandelt. Die rasant digitalisierte Arbeits- und Alltagswelt hat auch das Vorgehen vieler Hacker verändert», erklärt Thomas Uhlemann, ESET Security Specialist. «Die grossen Malware-Kampagnen waren 2020 seltener. Vielmehr setzte eine Spezialisierung auf gezielte Angriffe ein, was sonst eher APT-Gruppen ausgezeichnet hat. Wir erwarten, dass sich diese Entwicklung 2021 fortsetzt.»

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Gezielte Angriffe mit Ransomware Vom dritten zum vierten Quartal nahm die Erkennung von Ransomware in der ESET Telemetrie um 3.9 % ab. Cyberkriminelle nutzen Verschlüsselungstrojaner immer weniger für grosse Massenangriffe und sind stärker dazu übergegangen, diese für gezielte Attacken zu nutzen. Insbesondere Unternehmen waren hier betroffen. Ein prominenter Fall war der erfolgreiche Angriff auf ein deutsches Medienhaus Ende letzten Jahres. Banking-Malware wird mobil Digitale Bankgeschäfte und Shopping erfreuen sich auf Smartphones und Tablets grosser Beliebtheit. Laut einer aktuellen Bitkom-Umfrage nutzen 58 % der Privatanwender ihr Smartphone für das Online-Banking – Tendenz steigend. Während Banking-Malware für das Windows-Betriebssystem nachlässt, haben Cyberkriminelle seit dem dritten Quartal ihre Aktivitäten mit Schadcode für das Android-Betriebssystem deutlich gesteigert. Betrüger versprechen Impfmöglichkeit Das Jahr 2020 war von der Corona-Pandemie geprägt. Kriminelle haben massenhaft Spam- und PhishingMails mit Bezug zum grassierenden Virus verschickt. Ging es bis zur Mitte des Jahres zunächst um vermeintliche Angebote über Mund-Nasen-Bedeckungen, waren es im vierten Quartal betrügerische Impfversprechen. Dieses Thema stieg in den E-Mails um rund 50 % an. Ebenfalls fiel in diesem Zusammenhang der Name des Impfstoffherstellers Pfizer-BioNTech mit Betreffzeilen, wie «Pfizer’s Covid Vaccine: 11 Things you need to know».


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DIGITALISIERUNG

Personal Branding für Angestellte – bring dein Unternehmen zum Erfolg! Personal Branding – für einige ist dieser Begriff schon Teil der abgegriffenen Buzzwords der letzten Jahre.

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DIGITALISIERUNG

Tatsächlich ist Personal Branding aber sowohl für Einzelpersonen als auch gesamte Unternehmen relevanter als jemals zuvor. Es geht dabei darum, die eigene Marke oder dein Unternehmen klar zu positionieren und von Konkurrenten abzugrenzen. Das hilft dir dabei, dein Unternehmen in deiner Branche zu etablieren und einen Platz in den Köpfen der Mitmenschen einzunehmen. Wie funktioniert Personal Branding für Unternehmen? Für die eigene Person ist die Erarbeitung einer Personal Branding Strategie nicht schwierig, es bedarf nur etwas Recherche und intensives Brainstorming über eigene Interessen und Fähigkeiten. Hast du aber als Angestellter eines Unternehmens die Aufgabe, eine Personal Branding Strategie für das gesamte Unternehmen zu erstellen, sieht das anders aus. Denn du bist zwar Teil des Unternehmens, doch die eigene Rolle im Unternehmen ist eine andere als die Rolle des Unternehmens in der Branche. Deshalb kann es schwierig sein, sich in das gesamte Unternehmen hineinzudenken.

Um diese Herausforderung zu meistern, macht es Sinn, eine «Persönlichkeit» zu erschaffen, die weder der Angestellte noch das Unternehmen ist. Fängst du als Angestellter gerade erst an, eine Personal Branding Strategie für dein Unternehmen zu entwickeln, kann dir eine solche Persönlichkeit dabei helfen, einen Überblick über dein Unternehmen zu bekommen. Die Persönlichkeit repräsentiert on-line das Unternehmen und ist so der Vermittler zwischen dem Unternehmen und seinen Kontakten auf LinkedIn. Schritt für Schritt zur Unternehmens-Persönlichkeit Du fragst dich, wie man eine solche Persönlichkeit erschafft und worauf dabei geachtet werden muss? Hier findest du eine Vorgehensweise, in 4 Schritte unterteilt, an der du dich orientieren kannst. Schritt 1: Bestandsaufnahme Finde heraus, welche Inhalte auf dem LinkedIn Profil deines Unternehmens bereits vorhanden sind. Um eine Basis für deine Persönlichkeit zu schaffen, kannst du die bisher veröffentlichen Inhalte analysieren: Was für Methoden der Selbstdarstellung werden genutzt? Welchen Eindruck vermitteln Profilbild und die Zusammenfassung? Ist in früheren Beiträgen ein bestimmter Sprachstil, zum Beispiel sehr humorvoll oder eher sachlich, zu erkennen? Hast du das herausgefunden, sind dies deine ersten Anhaltspunkte, wie deine Persönlichkeit am Ende aussehen wird. Hast du das Gefühl, bestimmte Beiträge kommen besser an als andere, versuche herauszufinden, was an diesen Posts besonders ist! Schritt 2: Analyse der früheren Beiträge Welche Themen wurden schon einmal behandelt? Wie gut sind die bisherigen Posts bei den Kontakten des Unternehmens angekommen, bei welchen Inhalten war das Engagement besonders gross? Die Antworten auf diese Fragen sind die Grundlage für dein späteres Vorgehen. Denn jedes Thema, das schon einmal behandelt wurde, wird Teil der erschaffenen Persönlichkeit. Achte darauf, wie sich dein Unternehmen bei den behandelten Themen positioniert. Denn diese Stellungnahme ist Teil der Unternehmenspersönlichkeit. Möchtest du, dass diese vergangenen Positionierungen Teil der Persönlichkeit bleiben, behalte die alten Beiträge bei. Falls nicht, kannst du dich zu veralteten Beiträgen neu positionieren und das zugehörige Thema somit später neu aufarbeiten.

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DIGITALISIERUNG

Schritt 3: Brainstorming zu zukünftigen Themen Auf Grundlage der beiden vorherigen Fragen kannst du dich jetzt daran machen, Themen für deine Persönlichkeit zu sammeln. In die Themensammlung können frühere, veraltete Beiträge einfliessen, die du neu strukturieren willst. Setze dich aber auch damit auseinander, welche Themen für die Zielgruppe interessant sind. Relevante Themen für das LinkedIn Profil deines Unternehmens sind die Produkte, die das Unternehmen vertreibt und andere Informationen für Kunden rund um deine Branche.

vertreten werden sollen. Diese Punkte kannst du dann später in deine Inhalte mit einfliessen lassen.

Beachte, dass diese Themensammlung nur der Rohbau für dein Personal Branding ist. Um dein Unternehmen als Marke zu etablieren, vertrete in deinen Posts immer eine eigene Meinung zu einem Thema und gib den Beiträgen den individuellen Touch deiner Persönlichkeit.

rstelle dir eine Persönlichkeit, die als Sprach–E rohr des Unternehmens dienen wird.

Schritt 4: Abgrenzung deiner Persönlichkeit Oft definieren wir uns im Kontrast zu anderen – also darüber, was wir nicht sind. Mache dir diese menschliche Eigenschaft auch für deine Personal Branding Persönlichkeit zunutze. Brainstorme, welche Meinungen dein Unternehmen nicht vertritt und mit welchen anderen Persönlichkeiten es sich nicht identifiziert. An dieser Stelle kannst du auch noch einmal klar abgrenzen, welche Stellungnahmen aus früheren Beiträgen jetzt nicht mehr

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Alles klar? Dann kannst du jetzt auch schon loslegen, das Personal Branding deines Unternehmens in die Hand zu nehmen. Hier noch mal die Top 3 Punkte zum Thema Personal Branding für Angestellte übersichtlich zusammengefasst: –A nalysiere, falls vorhanden, die bisherige Personal Branding Strategie deines Unternehmens.

–D efiniere diese Persönlichkeit über Stellungnahmen zu verschiedenen Thematiken, aber auch über einen eigenen Schreibstil oder wiederkehrende Postformate. ei dir anfangs bewusst, dass du das Personal –S Branding deines Unternehmens nicht über Nacht revolutionieren kannst. Gehst du aber nach den obigen Punkten vor, kannst du dein Unternehmen Step by Step neu positionieren und definieren. Hast du Fragen? Der Schweizer LinkedIn Experte Baschi Sale unterstützt dich gerne! Happy Social Selling!


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DIGITALISERUNG

Digitale Transformation: Geschäfts- schlägt Digitalisierungsverständnis Wer soll die Unternehmung beim Workshop rund um die Digitalisierung vertreten? Ist es der Digital Native (geb. nach 1980), also eine Person, die bereits in die digitale Welt hinein geboren worden ist? Oder die erfahrene Person (geb. vor 1980), welche die Aufgaben der Unternehmung dem Sinne nach erfasst und begriffen hat und dieses im Folgenden als Geschäftsverständnis genannte Wissen auch weitervermitteln und unter neuem Kontext anwenden kann? Gemäss den folgenden Überlegungen steht die Vermutung im Raume, dass das Geschäftsverständnis massgeblich für eine fachgerechte Vertretung ist. Und vereint eine Person beide Perspektiven, dann ist der Fall sowieso klar. von Dr. Urs Wiederkehr

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– Für den Menschen ist Routine langweilig und führt, je länger sie dauert, zu einer höheren Fehlerquote. Zudem ermüdet er, was den Effekt verstärken kann. – Eine Maschine lebt mit der Routine auf und kann erst unter dieser Prämisse ihre grosse Stärke ausspielen, nämlich eine bestimmte Anweisung auf Zusehen hin immer identisch durchzuführen. Und da eine Maschine programmiert werden muss, sind die Programmierarbeiten in die Kostenrechnungen einfliessen zu lassen. Logischerweise, je häufiger der Algorithmus die delegierte Arbeit vollziehen kann, und damit die delegierende Person entlastet, desto mehr hat sich die ganze digitale Transformation gelohnt.

Beim Digitalisieren werden Tätigkeiten auf den Computer übertragen. Es findet eine Delegation an den Computer und eine Arbeitsteilung zwischen Mensch und Computer statt. Angenommen eine Führungsperson entlastet sich von gewissen Aufgaben, so macht sie hoffentlich eine gewissenhafte Analyse und überlegt sich genau, welche Aufgabenteile delegiert, welche Informationen dabei übergeben, welche Resultate erwartet und wie diese überprüft werden können. Schlussendlich ist in einer gegenseitig gesetzten Einführungszeit ein Gleichgewichtszustand zu erreichen: Führt die Delegation zu mehr Aufwand bei der delegierenden Person, als wenn sie die Aufgabe selbst erledigt, dann lohnt sich dieser Mehraufwand kaum. Selbstverständlich gibt es ein paar Unterschiede, aber über alles betrachtet, besteht eine weitgehende Analogie: Anstatt eines Menschen ist eine programmierbare Maschine in dieser Arbeitsteilung einbezogen. Die Maschine nimmt die zu lösenden Aufgaben in Datenform entgegen, verarbeitet sie gemäss vorgegebenen Regeln über einen Algorithmus und übersetzt die Resultate wieder zurück zu sinnförmigen Informationen in die reale Welt, wie der deutsche Soziologe Armin Nassehi (geb. 1960) in seinem Buch «Muster: Theorie der digitalen Gesellschaft» die Digitalisierung charakterisiert. Der grosse Unterschied besteht darin, dass bei der Gestaltung einer Stelle, also dem Ort der innerhalb einer Rangordnung eingenommen wird, auf den Unterschied zwischen Mensch und Maschine einzugehen ist:

In Ordnung bringen Obwohl der Computer im menschlichen Sinne nicht denken kann, soll über die Begriffskonstel­ lation «Computational Thinking» ein adäquater Zusammenhang hergestellt werden. Vermutlich kann der Begriff als computer-ähnliches Abarbeiten von Regeln übersetzt werden. Eine interessante Verbindung schafft der österreichisch-amerikanische Kybernetiker Heinz von Foerster (1911–2002) in seinem Werk «Wissen und Gewissen, Versuch einer Brücke». Er weist darauf hin, dass Rechnen von einem heute im Hochdeutschen nicht mehr vorhandenen Adjektiv abstammt, das «ordentlich» oder «genau» bedeutet. Somit heisse Rechnen, damit auch «compute», «in Ordnung bringen» oder «ordnen». Und damit der Computer etwas in unserem Sinne ordnen kann, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. Die Amerikanerin Jeannette M. Wing (geb. 1956), Professorin für Informatik an der Carnegie Mellon University, unterscheidet beim Computational Thinking folgende Elemente: –B ei der Zerlegung (Decomposition) werden komplexe Aufgaben in lösbare Teile zerlegt. Es ist darauf zu achten, dass keine Trivialisierung stattfindet, also eine Verflachung der realen Situation, denn diese würde unweigerlich zu einer NichtAkzeptanz durch die späteren Anwender führen. –M it der Abstraktion (Abstraction) soll die Konzentration auf den Hauptteil der Aufgabe gelegt werden. Dabei werden am Anfang die noch nicht relevanten Details ignoriert. Über eine Mustererkennung (Pattern Recogni– tion) sollen ähnliche Bestandteile innerhalb der

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Aufgabe gefunden werden. Nicht umsonst meint Armin Nassehi im Buch «Muster»: «Die Lösung des Digitalen, so habe ich es herausgearbeitet, ist die Visibilisierung von auf den ersten Blick unsichtbaren Strukturen in Datensätzen – und das ist auch die Lösung, die soziologische Praktiken anbieten.» Hier spricht der Soziologe. Unsichtbare Regelmässigkeiten, Muster und Cluster als Zusammenfassungen bilden Strukturen, die Nassehi bei allen Untersuchungen anstrebt. Ohne Abstraktion und Zerlegung funktioniert das nicht. – B eim Algorithmus-Entwurf (Algorithm Design) werden wiederkehrende, also regelmässige auftretende Muster identifiziert, so dass diese in den verschiedenen Schritten verarbeitet und damit geordnet werden können, eben genau so, wie ein arbeitsteiliger Prozess im Detail abläuft. Fehlt die Vorstellung und das Wissen, was man genau digitalisieren und damit auf den Computer delegieren will, sowie welche Folgen davon zu erwarten sind, kann auch das Computational Thinking zu keiner konkreten Anwendung beitragen. Es käme einem Wunder gleich, würde es trotzdem funktionieren. Zwischenbilanz Die Verbindung zwischen der realen Welt und der digitalen, Nassehi nennt sie auch die virtuelle Verdoppelung, erfolgt über Analogieschlüsse, also übertragbare Entsprechungen. Wie es niemandem dient, wenn bei der Delegation von Arbeiten von Mensch zu Mensch Doppelspurigkeiten und Missverständnisse auftreten, so gilt das erst recht für das Digitale. Dabei ist die Bestrafung sogar doppelt: Man unterhält eine kostenintensive Infrastruktur, die aber weder Erleichterung noch qualitativ bessere Resultate liefert, welche wiederum regelmässig auf ihre Gültigkeit überprüft werden müssten. Sechs Fehler der Stellengestaltung nach Fredmund Malik Der österreich-schweizerische Wirtschaftswissenschaftler Fredmund Malik (geb. 1944) unterscheidet in seinem Buch: «Führen Leisten Leben, Wirksames Management für eine neue Welt» folgende sechs Fehler, die bei der Stellengestaltung auftreten können: 1. Der zu kleine Job 2. Der zu grosse Job 3. Der Schein-Job oder Non-Job 4. Der Multipersonen-Job

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5. Jobs mit «ein bisschen von allem» 6. Der Killer-Job oder der unmögliche Job Stellen wir nun die Delegation an den Computer auf die gleiche Ebene wie die Delegation von Aufgaben an eine Person, wie in der Einleitung beschrieben, so spricht aus Analogiegründen nichts dagegen, dass die genannten Fehler auch bei der Digitalisierung auftreten können. Im Weiteren meint Malik «Fehlerhaftes Job-Design ist eine der Hauptquellen für Demotivation, Unzufriedenheit und schlechte Produktivität der Humanressourcen. Das betrifft in erster Linie den Wissensarbeiter.» Und warum soll auch das nicht wiederum bei der Digitalisierung gelten? Thorsten Dirks (geb. 1963), damals CEO von Telefónica Deutschland, hat das am Wirtschaftsgipfel der Süddeutschen Zeitung im Jahre 2015 auf den Punkt gebracht: «Wenn sie einen Scheissprozess digitalisieren, dann haben sie einen scheiss digitalen Prozess». Schlussendlich gilt auch hier, zuerst überlegen, also projektieren, und dann realisieren. Sonst wird nie ein ansprechendes Resultat erzielt. Also gehen wir der Reihe nach und betrachten die von Malik beobachteten Fehler bei der Stellengestaltung im Einzelnen: Der zu kleine Job Malik sieht im zu kleinen Job den häufigsten Fehler. Ständige Unterforderung führe zu Frustration, mangelhafter Produktivität, denn um scheinbar trotzdem wirksam zu Arbeiten, müsse die Arbeit ständig gestreckt werden. Wird bei einer digitalen Lösung mit zu kleinen Einheiten gedacht, so entstehen zu viele Übergänge vom Menschen zur Maschine und wieder zurück, die alle wieder in einen Gesamtprozess integriert werden müssen. Selbstverständlich ist es für Testzwecke von digitalen Lösungen einfacher kleine Prozessschritte beobachten zu können. Nur, das ist eine Frage der Software-Architektur und nicht die der Einbettung in die Mensch-Maschine-Schnittstelle. Vorbehalten bleibt das individuelle Anfertigen von kleinen Jobs für den Eigengebrauch und zu Experimentierzwecken für die Entwicklung von grösse-


ren Lösungen. In diesem Sinne ist der Autor dieser Zeilen sehr froh, programmieren zu können: Ein entsprechendes Makro sucht zwischendurch Füllwörter wie «also», «eben» und «und». Sowieso, der Zeitfaktor spielt beim Delegieren eine grosse Rolle: Ist es eine einmalige Delegation? Erfolgt die Delegation regelmässig? Sind immer die gleichen Personen involviert? Was passiert bei Ferien und Krankheit? Fragen dieser Art können entscheidend sein, wie viel Aufwand in eine digitale Lösung wirklich gesteckt werden soll. Der zu grosse Job Malik sieht den zu grossen Job als weniger schlimm an als den zu kleinen. Er überfordere zwar die Person, diese würden aber die selbst gesetzten Grenzen eher akzeptieren und sie können um einiges mehr leisten als sie selbst für möglich halten. Der zu grosse Job sei ein eher erkennbarer und leicht korrigierbarer Fehler als der zu kleine. Werden zu grosse Jobs digitalisiert, schwindet oft das Vertrauen der Anwender in die Resultate. Sie erhalten eine Art Black-Box, von der sie nicht wissen, was darin passiert. Sonst offen gelegte Zwischenresultate sind nur im Verborgenen zu finden. Auch kann der Testaufwand immens werden. Wiederum entscheidet aber letztendlich die Software-Architektur und zuschaltbare Protokollierungsfunktionen zu den Zwischenresultaten über den Erfolg und die dafür zu investierende Zeitdauer, bis eine akzeptable digitale Lösung vorliegt. Auch hier ist darauf zu achten, die regelmässig auftretenden Fälle in die Betrachtungen einzubeziehen und nicht bei spitzfindigen Situationen,

die nur etwa jedes 7. Schaltjahr zu erwarten sind, zu viel Ressourcen zu investieren. Sonst besteht die Gefahr, dass unwichtige Einzelfälle eine qualitativ hochstehende Realisierung des Ganzen beinträchtigen. Der Schein-Job oder Non-Job Grosser Einfluss bei keiner bis wenig Verantwortung charakterisiert gemäss Malik den Scheinoder Non-Job. Diese grauen Eminenzen können Mentalität und Moral vergiften. Selbstverständlich kann aus jeder Froschpers­ pektive eine digitale Lösung von grossem Interesse sein. Andererseits muss immer das Gesamtinteresse der ganzen Unternehmung als Vergleich zugezogen werden. Ausserordentliche Situationen, nicht nur die Corona-Pandemie, ­können dazu führen, dass temporär besondere Lösungen notwendig sind. Werden sie aber nicht mehr gebraucht, dann muss der Mut aufgebracht werden, diese aus dem produktiven Einsatz zu entfernen. Sonst hat man die «Heureka» neu erfunden, ein Kunstwerk des Eisenplastikers Jean Tinguely (1925–1991), das seit 1967 am Zürichsee installiert ist. Der Name steht für «ich hab’s gefunden!» auf altgriechisch und ist ironisch zu verstehen, denn die Plastik ist eine Maschine ohne Zweck. In der Kunst mag das gehen, aber im Geschäftsumfeld macht etwas, was viel gekostet hat, jedoch ohne regelmässigen Verwendungszweck Ressourcen verbraucht, keinen Sinn. Auch ein Algorithmus

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muss sich als Input-Output-Modell relative zum Geschäftsprozess und dessen Beitrag zur Verbesserung amortisieren. Und wenn einzelne Unternehmenseinheiten Schein-Job-Anwendungen erhalten, andere wichtige Anwendungen jedoch nicht, kann das die Mentalität und Moral vergiften. Der Multipersonen-Job Beim Multipersonen-Job könne keine Person etwas allein zu Ende bringen und Malik warnt auch davor, Tätigkeiten zu vernetzen, nur weil es in Mode sei. Wenn man bedenkt, dass ein Computer rund 500 Milliarden Operation pro Sekunde (FLOPS Floating Point Operations Per Second) ausführen kann, lohnt es sich, genau zu überlegen, wie weit ständige Interaktionen mit diversen mehr oder weniger beteiligten Personen im Modell Platz haben. Selbstverständlich darf man einwenden, dass die Ausnutzung von Synergien nur über Personen möglich ist. Aber Datenauslagerung vom Arbeitsspeicher auf die Festplatte kann einen Prozess um den Faktor 1000 verzögern. So dauert ein Prozess, der im Arbeitsspeicher 1 Sekunde dauert, plötzlich 1000 Sekunden, was in etwa einer Viertelstunde entspricht. Genau zu wissen, was man tut, warum und in welchem Kontext – so wird Synergiepotential entdeckt. Müssen aber immer alle Beteiligten eingreifen und noch zur selben Zeit etwas freigeben, blockiert die zu grosse Vernetzung und die daraus folgende Unzahl an Eingriffen den Betriebsablauf. Zudem sind Benutzerreaktionen in der Regel aufwändiger zu programmieren als Da­ tenberechnungen (gemäss von Foerster das in Ordnung bringen von Daten).

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Jobs mit «ein bisschen von allem» Jobs mit «ein bisschen von allem» führen gemäss Malik zu solchen, die kein Ergebnis liefern, weil sich alles komplett in Teilergebnisse verzettelt. Computerprogramme sind in der Regel fokussiert auf eine Aufgabe, welche sie gut erledigen können. Das spontane Switchen zwischen verschiedenen Tätigkeiten, wie es der Mensch kann, ist einem Computer nur mit grossem Aufwand beizubringen. Deshalb sind Computer stark auf einen vorgedachten Lösungsraum fokussiert. Sie können zum Beispiel spektakulär gut Bilder einer gewissen Gattung (mit Katzen oder Krebstumoren darauf) erkennen, ein taktisches Spiel meisterhaft lösen oder bestimmte Muster in einer grossen Datenbank suchen. Aber bei Dingen, bei denen der Computer unvorbereitet nichts ausrichten kann, erlauben es die analytischen Fähigkeiten des Menschen besser, Synergieschlüsse zu ziehen. Aus diesem Grund sind die Abstraktion und die Zerlegung Voraussetzungen für eine effiziente Mustererkennung und die Definition von schlagkräftigen Algorithmen. Im Weiteren gilt das Paretoprinzip, die 80-zu-20-Regel: 80% der Ergebnisse sind mit 20% des Gesamtaufwandes erreichbar, die restlichen 20% benötigen mit einem Anteil von 80% die meiste der investierten Arbeit (benannt nach Vilfredo Pareto, 1848–1923). Also braucht es einen Entscheid, wie das Paretoprinzip angewendet werden soll. Der Killer-Job oder der unmögliche Job Der letzte von Malik identifizierte Fehler, der Killer-Job oder der unmögliche Job, beinhaltet widersprüchliche und zu verschiedenartige Anforderungen, sodass sie zu einem nicht entwirrbaren Zielkonflikt führt.


DIGITALISIERUNG

Oft ist die Erwartung da, dass wegen universell einsetzbarer Programme wie Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentationssoftware und PDF-Anzeige, der Computer auch ohne genaue Anweisung universell einsetzbar sei. Dabei geht vergessen, dass bis eine Computeranwendung zum regulären Einsatz bei den Anwendern kommt, eine grosse Anzahl Ressourceneinheiten investiert worden sind. Wie viele es wirklich sind, ist von aussen kaum abschätzbar. Zudem macht bei den oben genannten Anwendungen der Mensch die Adaption zwischen seinen Bedürfnissen und den Möglichkeiten der Programme. Wenn sich zeigt, dass eine Aufgabe sich nur schwierig digitalisieren lässt, kann sich ein anderer Ansatz lohnen: Nämlich die Sache von der Datensicht aus anzugehen. Das Auffinden von verborgenen Mustern kann hilfreich sein. Dafür sind aber Daten notwendig, die man analysieren kann. Nicht umsonst meint der deutsche Soziologe und Systemtheoretiker Dirk Baecker (geb. 1955) in seinem Buch «4.0 oder Die Lücke die der Rechner lässt»: «Die sogenannte digitale Transformation (der Gesellschaft) ist rekursiv und nicht-trivial. Sie verändert die Voraussetzungen, unter denen sie stattfindet, und damit auch die Ziele, die sie verfolgt.» Mit anderen Worten muss man immer darauf gefasst sein, dass mit der eigenen Tätigkeit neue Ziele und damit neue Grundlagen geschaffen werden, die auch gelten und in die Überlegungen einzubeziehen sind. In diesem Sinn fliesst alles, «panta rhei». Diese Feststellung geht auf den griechischen Philosophen Heraklit (520–460 v. Chr.) zurück.

Fazit Jede Lösung einer Herausforderung ist ein Kompromiss. Es muss ein Gleichgewicht zwischen verschiedenen Situationen gefunden werden. Und wenn alle Aspekte neutral und klar beschrieben sind, können trotz einer scheinbar auftretenden Kontinuität neue, innovative Ergebnisse abgeleitet werden. «La numérisation pour la numérisation»? Leider ist die Welt auf abenteuerliche Weise in den Computer gekommen, wie David Gugerli (geb. 1961), Professor für Technikgeschichte an der Eidgenössisch Technischen Hochschule Zürich (ETH Zürich) in seinem gleichnamigen Buch beschreibt. Oft ist das zurzeit Machbare auch Motiv für die Umsetzungen gewesen. In Anlehnung an die französische Redewendung «L’art pour l’art», also die Kunst um der Kunst willen, könnte man folgern, dass Digitalisierung oft um der Digitalisierung willen angewendet wird. Wiederum ins französische übertragen etwa als «la numérisation pour la numérisation». Im Kunstbereich ist Provokation ein wichtiges Stilmittel. Die Diskussion, ob dieses Element bei Digitalisierungsprojekten einen vorherrschenden Platz besetzen soll, könnte ein anderes Mal Thema sein. Ausblick Erwin Steiger (geb. 1956), eine langjährige Führungsperson in der schweizerischen Versicherungswirtschaft, deckt in seinem Buch «Mit festem Schritt zum Abgrund» Gründe auf, warum die Fusion von zwei Firmen gescheitert ist. Eine wesentliche Schuld gibt er der Konzernsprache «Englisch». Das hatte zur Folge, «…, dass in Projekten nicht etwa derjenige Mitarbeiter einer Einheit ab-

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Literaturquellen aecker Dirk: 4.0 oder Die Lücke die der Rechner –B lässt, Merve Verlag, Leipzig 2018

gestellt wurde, der von der besprochenen Materie am meisten verstand, sondern derjenige, der am besten Englisch sprach.» Übertragen auf die Digitalisierung würde das heissen, dass diejenigen, die das beste Wissen über die Digitalisierung haben, dabei sind und über Dinge entscheiden, die sie nur vom Hörensagen kennen. Selbstverständlich ist jede Anstrengung, die für die Digitalisierung vorgenommen wird, auch eine optimale Gelegenheit, eigene Prozesse und historisch bedingte Besitzstandswahrungen zu hinterfragen. Im Umfeld von Ökonomie, Ökologie und der vorherrschenden Arbeitsteilung in Wirtschaft und Gesellschaft, ist das Augenmerk auf die Schnittstellen, in erster Linie der Kundenbeziehungen, zu legen. Kundenbeziehungen lassen sich nicht von heute auf morgen hundertprozentig umkrempeln. Die verschiedenen Prozesse müssen bezüglich Qualitäts-, Kosten- und Zeitaspekten aufeinander abgestimmt sein. Neuausrichtungen brauchen Zeit und auf allen Seiten genügend Vorlaufzeit. Das sogenannte Betriebskontinuitätsmanagement (Business Continuity Management BCM) ist in arbeitsteiligen Systemen besonders wichtig, soll aber Notfälle abdecken und nicht Situationen, die durch Unkenntnis der Prozesse, fahrlässig herbeigeführt worden sind. Welchen Zusammenhang gute Führung und Nachhaltigkeit mit Geschäfts-, Daten-, Datenverarbeitungs-, Datenbeziehungs- und Kommunikationsverständnis haben, soll ein anderes Mal beschrieben werden.

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ueck Gunter: Heute schon einen Prozess opti–D miert? Das Management frisst seine Mitarbeiter, Campus, Frankfurt / New York, 2020 oerster, von, Heinz: Wissen und Gewissen, Ver–F such einer Brücke, Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft, Frankfurt am Main 1993 (2016) ugerli David: Wie die Welt in den Computer kam. –G Zur Entstehung digitaler Wirklichkeit, S. Fischer Verlag, 2018 –M alik Fredmund: Führen Leisten Leben, Wirksames Management für eine neue Welt, Campus, Frankfurt / New York 2019 –N assehi Armin: Muster, Theorie der digitalen Gesellschaft, C.H. Beck, München 2019 –S teiger Erwin: Mit festem Schritt zum Abgrund, Buchvertrieb Stansstad, Stansstad 2004 ing Jeannette M.: «Computational Thinking» in –W «COMMUNICATIONS OF THE ACM», March 2006/ Vol. 49, No. 3, https://www.cs.cmu.edu/~15110s13/Wing06-ct.pdf Diverse punktuelle Ergänzungen und Querkontrollen aus Duden, Wikipedia und Archiv Urs Wiederkehr. D r. Urs Wiederkehr (*1961), Dipl. Bau-Ing. ETH/SIA, ist Leiter Fachbereich Digitale Prozesse auf der Geschäftsstelle des Schweizerischen Ingenieurund Architektenvereins SIA.


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Smart Business: Unaufhaltbarer Trend oder unkalkulierbares Risiko? Das Smart Home hat nach und nach alle Bereiche der eigenen Wohnung erobert. Wir unterhalten uns mit Alexa und optimieren unsere Heizungen auf Spar­ samkeit. Auch im unternehmerischen Umfeld gewinnen «Smart Business»-Lösungen immer mehr an Attraktivität. Sie vereinfachen Abläufe und Organisation und geben ein Gefühl der Kontrolle. Wir geben einen Überblick über mögliche Einsatzgebiete und datenschutzrechtliche Problemfelder. 44


DIGITALISIERUNG

Big Brother war erst der Anfang Die zentralen Motive eines Smart Homes sind Komfort und Effizienz. Eine zentrale Verwaltung aller Funktionen und haargenaue Abstimmung des eigenen Zuhauses ist nicht nur bequem, sondern kann beispielsweise auch signifikante Auswirkungen auf Strom- und Heizkosten haben. Doch je mehr Komfort wir nutzen, desto mehr geben wir dabei aus der Hand. Dass dies nicht nur ärgerlich ist, sondern handfeste Gefahren mit sich bringt, zeigt ein kürzlich erkanntes Datenleck des chinesischen Smart Home-Herstellers Orvibo. Sicherheitsexperten deckten hier unlängst eine ungesicherte Datenbank mit über zwei Milliarden Datensätzen auf. Die Datenbank enthielt neben persönlichen Daten wie E-Mail-Adressen, Benutzernamen, Passwörtern und Account-Reset-Codes auch Zugangsdaten für einzelne Smart Home-Geräte des Herstellers. Damit hätten Angreifer potenziell Zugriff auf Videokameras, Standortdaten und Mikrofone. Zudem konnten mit den enthaltenen Daten auch smarte Türschlösser kontrolliert werden. Welche Folgen ein solches Leck haben kann, liegt auf der Hand. Angreifer hätten potenziell nicht nur die Möglichkeit, Türschlösser per Tastendruck zu öffnen, sondern könnten im Vorfeld anhand der Videodaten auch gleich prüfen, wann die Bewohner ausser Haus sind. Die Behörden schiessen immer schärfer Auch wenn es sich hierbei um einen extremen und in diesem Ausmass seltenen Fall handeln dürfte, hat sich der Ton auch bei den europäischen Aufsichtsbehörden merklich verschärft. Hohe Bussgelder im zweistelligen Millionenbereich sind kein Tabu mehr. Die letzte Meldung dieser Art kam aus England und betraf British Airways. Infolge eines Datenlecks muss das Unternehmen nun mit einem Bussgeld in Höhe von 183.39 Millionen Pfund (rund 204.68 Millionen Euro) seitens des britischen Information Commissioner’s Office rechnen. Aus datenschutzrechtlicher Sicht fast noch beeindruckender als die Summe an sich ist, dass es sich hierbei um umgerechnet ca. 1.4 % des Konzernjahresumsatzes handeln dürfte. Die Tatsache, dass dieses stattliche Bussgeld trotz der Meldung durch British Airways und Kooperation mit der Behörde verhängt wurde, zeigt, dass nicht nur das Verhalten des Verantwortlichen nach einem Datenschutzvorfall, sondern bereits die ergriffenen Schutzmassnahmen im Vorfeld enorm an Relevanz gewonnen haben.

Smart Home im gewerblichen Einsatz: «Smart Business» Mit diesem Gedanken im Hinterkopf sollte der Einsatz von Smart Home-Produkten im unternehmerischen Umfeld klar durchdacht und abgewogen werden. Die Vorteile einer zentralen Steuerungsmöglichkeit liegen für ein modernes Unternehmen auf der Hand. Nicht nur Attraktivität, sondern auch Betriebsabläufe können durch ein vernetztes Business verbessert werden. Vernetzung bietet viele Vorteile Unbestritten stellt die Vernetzung der eingesetzten Tools und technischen Lösungen den nächsten Schritt auf dem Weg zur vollständigen Digitalisierung der internen Prozesse dar. Auch die Aussendarstellung kann von smarten Lösungen immens profitieren. Die Systeme, die uns zu Hause Musik auf Zuruf oder stimmungsabhängige Beleuchtung liefern, können ähnliche Effekte auch im gewerblichen Kontext erzeugen. So können Verkaufsräume je nach Themengebiet und Tageszeit optimal ausgeleuchtet werden. Hintergrundmusik kann dynamisch verändert und an die jeweilige Zielgruppe und das Produkt per Knopfdruck zentral angepasst werden. Auch bieten viele Sprachassistenzsysteme die Möglichkeit, grundlegenden Kundensupport ohne Personaleinsatz zu bieten. Auch die internen Abläufe können von digitalen Lösungen enorm profitieren. Wenn Lieferanten durch elektronische Schliessvorrichtungen per App Zutritt gewährt werden kann, gestaltet dies den Betriebsablauf deutlich flexibler und senkt gleichzeitig den Personalaufwand. Auch kann die Überwachung durch vernetzte Videosysteme deutlich effektiver gestaltet werden. Die Vorteile einer smarten Licht- und Heizungssteuerung können in Büro- oder Verkaufsräumen für Einsparungen bei den Energiekosten sorgen, insbesondere durch die Möglichkeit, flexibel auf Anwesenheitszeiten der Mitarbeiter zu reagieren. Datensicherheit im smarten Business Doch wo sich der private Nutzer in den eigenen vier Wänden lediglich um die Gefahren rund um seine Daten und die Integrität des Eigenheims zu sorgen braucht, tritt bei gewerblichem Einsatz ein weiterer Faktor hinzu: Im Gegensatz zum Privatnutzer ist hier nämlich der Anwendungsbereich der DSGVO eröffnet. Die «Haushaltsausnahme» des Art. 2 Abs. 2 lit. c DSGVO greift im unternehmerischen Umfeld

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NACHHALTIGES BAUEN

nicht. Die Risiken des Smart Business werden hier evident, da durch die Anwendbarkeit der DSGVO die Anforderungen an die Datensicherheit im Vergleich zu den eigenen vier Wänden deutlich steigen. Somit hat der Unternehmer als verantwortliche Stelle nicht nur für die Sicherheit der verarbeiteten Daten, sondern auch für die Rechtmässigkeit der Verarbeitung sowie die Einhaltung der sonstigen, datenschutzrechtlichen Pflichten Sorge zu tragen. Beim Einsatz von Smart Home-Technologie werden umfassend Daten verschiedenster Kategorien verarbeitet, betroffen sind neben eigenen Mitarbeitern auch Kunden oder Lieferanten. Dieser Personenkreis ist im Vergleich zum privaten Umfeld deutlich grösser, womit die Anforderungen an eine umfassende Prüfung deutlich ansteigen. Letztlich ist darauf zu achten, dass der überwiegende Teil intelligenter Produkte ihre Daten im Rahmen von Cloud-Lösungen versenden und speichern. Hier ist regelmässig zu prüfen, welche Verträge gem. Art. 28 DSGVO (Auftragsverarbeitungsverträge) abzuschliessen sind. Insbesondere bei Lösungen, deren Anbieter ausserhalb des Europäischen Wirtschaftsraumes beheimatet sind, stellen sich diesbezüglich weitere Folgeprobleme. Das Problem des «privacy by design» bei der Wahl des Dienstleisters Die besondere Herausforderung stellt sich hier allerdings oft weniger im Hinblick auf die Rechtmässigkeit der Verarbeitung, sondern vielmehr in der Gewährleistung eines angemessenen Schutzniveaus. Hierzu gehört nicht nur die ordnungsgemässe Implementierung, die Sicherung durch Massnahmen wie Virenscanner und Firewalls, sondern auch im ersten Schritt die sorgfältige Auswahl des jeweiligen Anbieters. Denn selbst wenn die eigentlichen Tools gut gesichert sind, gegen Datenlecks beim Anbieter selbst ist der jeweilige Verantwortliche selten gefeit.

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Wenn im Vorfeld bekannt war, dass systematische Sicherheitsschwächen bei diesem Anbieter bestanden haben, kann bereits die fehlerhafte Auswahl des Dienstleisters zu einem potenziellen Haftungsrisiko führen. Insbesondere in Zeiten grossen Konkurrenzdrucks, in welchen der Markt der smarten Produkte von vielen Billiganbietern geradezu überflutet wird, bestehen grosse Risiken im Hinblick auf unfertige oder gänzlich fehlende IT-Sicherheitsvorkehrungen. Ein grosses Problem kann beispielsweise darin liegen, dass viele der in Asien produzierten Geräte lediglich mit Standard-Login-Daten versehen sind. Zudem wird selten transparent, woher Geräte unter einem bestimmten Label tatsächlich stammen. Die unternehmerische Entscheidung Die Einführung von Smart Home-Lösungen im unternehmerischen Umfeld sollte genau geplant werden. Dies beginnt bei der gewissenhaften Auswahl des Dienstleisters, setzt sich fort in der Einrichtung ausreichender technischer Sicherungsmassnahmen im eigenen Hause und mündet schliesslich in der datenschutzrechtlichen Prüfung der Zulässigkeit der einzelnen Verarbeitungstätigkeiten. Es ist zudem darauf zu achten, welche Vereinbarungen zusätzlich abzuschliessen sind, insbesondere die nötigen Auftragsverarbeitungsverträge und gegebenenfalls Standardvertragsklauseln für den Datentransfer in Drittstaaten aussehalb des EWR. Nicht zuletzt müssen sämtliche Betroffenen über die sie betreffenden Dateverarbeitungen informiert werden, was insbesondere bei Lieferanten und im Falle von Videoüberwachung und Sprachsteuerungen vor besondere Herausforderungen stellen kann. Letzten Endes birgt die Vision des smarten Büros derzeit zahllose Möglichkeiten, jedoch ebenso viele Probleme. Die Risiken eines Smart Business, insbesondere einer Auslagerung einer Vielzahl von Verarbeitungsvorgängen in die Hände Dritter, müssen deshalb stets mit dem unternehmerischen Nutzen abgewogen werden.



Digitale Helfer für die Baubranche Die Digitalisierung macht auch vor der Bauindustrie nicht halt. Beim Bautechnologiekonzern Hilti wird nicht nur an neuartigen Dübeln und der nächsten Evolutionsstufe der Bohrmaschine gearbeitet. Das Liechtensteiner Vorzeigeunternehmen kombiniert verstärkt seine Hardware- mit Softwarelösungen. Damit die Entwicklungen der Digitalisierung Hilti nicht auf dem falschen Fuss erwischen, hat man in der Zentrale in Schaan den Weg in die digitale Zukunft längst vorgespurt. Im Bereich Software etwa wurden in den vergangenen Jahren die Ressourcen deutlich aus- und eine zusätzliche Digital-Unit aufgebaut. Laut Jahangir Doongaji, der als Mitglied der Konzernleitung für die Konzernforschung verantwortlich ist, führt die Digitalisierung der Baustelle dazu, dass Bauprojekte künftig schneller, effizienter und hochwertiger abgewickelt werden können: «Das Bauen wird in Zukunft noch vernetzter und automatisierter ablaufen.» So werde es permanente Datenabgleiche zwischen Ist- und Sollzustand auf der Baustelle geben und die Interaktion zwischen dem Arbeiter, dem Material und dem Baugerät werde in Zukunft vollautomatisch gesteuert sein. Diese Entwicklung will Hilti massgeblich mitprägen. «Unser Ziel ist es, den Kunden über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg differenzierte Lösungen anzubieten, die einfach anzuwenden sind und ihre Prozesse verbessern», sagt Doongaji. Geräteverwaltung per Smartphone Ein Beispiel hierfür ist Hiltis «ON!Track», eine Software-Lösung, die die Verwaltung von Betriebsmitteln für die Kunden vereinfacht. So können alle Geräte, Werkzeuge und Verbrauchsmaterialien eines

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Bau-Unternehmens mit einem Barcode gekennzeichnet werden, der mit einem Smartphone oder einem Scanner eingelesen und mit den Produktdaten verbunden wird. Mit dieser Cloud-basierten Software kann der Kunde seine Geräte erfassen und hat online stets im Blick, wo ein Gerät im Einsatz steht, wer damit arbeitet und ob es besser ausgelastet werden kann. Zudem können Prüf- und Serviceintervalle hinterlegt werden und sobald diese fällig sind, wird dies im System angezeigt. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass Hilti mit seiner SoftwareLösung bei den Kunden einen Nerv getroffen hat: «ON! Track erhält grossen Zuspruch seit der Markteinführung – nicht zuletzt, weil damit eine Menge Papierkram wegfällt», sagt Doongaji. Investitionen und Partnerschaften Auf den digitalen Bereich fokussiert sich Hilti auch weiterhin und stellt sich damit auf die Anforderungen der Baustelle der Zukunft ein. Viel wird daher in Forschung und Entwicklung und Kompetenz der Mitarbeitenden investiert. Ausserdem pflegt das Unternehmen Technologiepartnerschaften in Joint Ventures oder mit Universitäten. «Wir wollen heute verstehen, was unsere Kunden morgen brauchen. Hierbei spielt auch unser Direktvertrieb eine entscheidende Rolle: Durch den direkten Kundenkontakt können wir die Probleme und Anforderungen unmittelbar erfahren sowie Trends schneller erkennen», erklärt Jahangir Doongaji.


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DIGITALISIERUNG

Digitalisierung in der Gebäudetechnik Digitalisierung gewinnt in allen Lebensbereichen laufend an Bedeutung. Dieser Bericht gibt einen Überblick über die Digitalisierung in der Gebäudetechnik. Der Begriff Gebäudetechnik umfasst in diesem Bericht die Bereiche Heizungsbau, Klima- und Lüftungstechnik, Sanitär sowie elektrotechnische Anlagen, die ein Teil von Gebäuden sind. Im Hinblick auf die Klimakrise wird die interdisziplinäre Betrachtung von Bauprojekten immer wichtiger. Nur so kann die notwendige Energieverbrauchsreduktion und der effiziente Einsatz von erneuerbaren Energien sichergestellt werden. Digitale Werkzeuge und Vorgehensweisen wie die BIM-Methode können dabei entscheidend helfen. Die Integration von neuen erneuerbaren Energien kann auf Ebene der Gebäudetechnik mit digitalen Hilfsmitteln effizienter gestaltet werden, da sich die Möglichkeit bietet, Stromproduktion und -nachfrage sehr lokal aufeinander abzustimmen. Dies bedingt das flexible Zusammenspiel von elektrotechnischen Anlagen und HLKS (Heizung, Lüftung, Klima, Sanitär). In Gesprächen und Diskussionsrunden mit Experten wurden die Chancen, die Risiken

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und die Herausforderungen der Digitalisierung in diesem Bereich, erörtert. Anschliessend wurde unter den Mitgliedern der beiden Verbände suissetec (Schweizerisch-Liechtensteinischer Gebäudetechnikverband) und Swissolar (Schweizerischer Fachverband für Sonnenenergie) eine Umfrage gemacht. Dabei wurde festgestellt, dass die Baubranche im Vergleich zu anderen Branchen (noch) wenig digitale Methoden und Geräte verwendet. Auch im Gebäudetechnikbereich bieten sich noch viele Möglichkeiten, Digitalisierung anzuwenden. Dies bedingt jedoch die stärkere Verbreitung einer interdisziplinären Herangehensweise. Auf Basis der Experteninterviews und der Umfrage haben die Autoren untersucht, wie sich Digitalisierung in den verschiedenen SIA-Phasen eines Bauprojektes auswirkt: In der strategischen Planung und in den Vorstudien werden grundlegende Weichen für ein Bauprojekt erstellt. Digitalisierung spielt insbesondere dort eine Rolle, wo Daten zur Umgebung gesammelt und visualisiert werden.


DIGITALISIERUNG

Normierung auch in internationalen Gremien gearbeitet wird. Auch Visualisierungen spielen in der Projektierung eine Rolle. Möglicherweise werden dazu künftig vermehrt Technologien wie Augmented und Virtual Reality zum Einsatz kommen. Die bessere Koordination, die durch die BIM-Methode ermöglicht wird, erzielt eine bessere Abstimmung von HLKS und Elektroinstallation, was nebst einer effizienteren Arbeitsweise wiederum zu einer besseren Nutzung von erneuerbaren Energien führen kann. Während der Ausschreibungs- und Realisierungsphase kommen neben der BIM-Methode auch andere Aspekte der Digitalisierung zum Einsatz. So kann die Sicherheit der Baustelle per Videoüberwachung und mit Drohneneinsatz aus der Ferne überwacht werden. Lieferketten können per RFID-Chips eingehalten und kontrolliert werden. Vereinzelt kommen auch neue Baumethoden, beispielsweise Roboter und 3D-Druck, zum Einsatz. Die Kommunikation mit digitalen Hilfsmitteln zwischen den verschiedenen am Projekt Beteiligten gewinnt immer mehr an Bedeutung. So werden Termine koordiniert, Sitzungen organisiert und wichtige Informationen an die Zuständigen weitergegeben.

Zum Beispiel können heute sehr viele Informationen den öffentlichen Geoinformationssystemen entnommen werden, die Einfluss auf ein Bauprojekt und damit auch auf die Gebäudetechnik haben können (z.B. Angaben über die Luftqualität, über die Lärmbelastung etc.). Digitalisierung und die Verwertung von Daten tragen hier zu fundamentalen Weichenstellungen bei. Es gilt, die vorhandenen Daten gezielt für Vorstudien, auch vor dem Hintergrund Raum, Umwelt und Klima, einzusetzen. In der Projektierung gewinnt die BIM-Methode (Building Information Modelling) an Bedeutung. Die BIM-Methode wird meist über die gesamte Projektphase angewandt. Dabei werden die Daten eines Bauprojektes zentral gelagert und dargestellt, sodass eine einfachere Koordination zwischen den einzelnen Planern (z. B. Gebäudetechnik-, Elektroplaner etc.) möglich wird. Vor allem bei grossen Bauprojekten werden derzeit die Vorteile dieser Methode genutzt. Deren Anwendung bedingt aber kompatible digitale Schnittstellen, an die Digitalisierung in der Gebäudetechnik, an deren

Ist ein Gebäude fertig gebaut, fängt die Bewirtschaftungsphase an. Hier spielen vernetzte Geräte (Internet of Things) eine immer wichtigere Rolle in der Gebäudetechnik. Ein Hindernis bildet dabei das Abstimmen der Schnittstellen zwischen den einzelnen Geräten. Hier gilt es, über digitale, plattformbasierte Ansätze die Integration der Systeme voranzutreiben. Dies ermöglicht das optimale Zusammenspiel zwischen Stromproduktion (z. B. Photovoltaik) und lokalem Verbrauch. Schliesslich sind Datenschutz und -sicherheit Themen, die über alle Projektphasen, Hierarchiestufen und Anwendungen eine wichtige Rolle spielen und immer berücksichtigt werden sollten. Für die Gebäudetechnikbranche, mit ihren meist sehr kleinen Betrieben, ist die Weiterentwicklung der Digitalisierung eine grosse Herausforderung. Oft wird dabei übersehen, dass es «nur» darum geht, heutige analoge Prozesse in der digitalen Welt abzubilden und Intelligenz richtig zu vernetzen. Eine offene und neugierige Haltung kann helfen, sinnvolle von weniger sinnvollen Anwendungen zu unterscheiden und die digitale Transformation als Chance zu nutzen. Die Verbände können mit Informationen, Weiterbildungsangeboten und Mitarbeit bei der Standardisierung die Branche unterstützen. Es liegt allerdings auch in der Verantwortung jedes einzelnen Unternehmens, die digitale Transformation mitzugestalten. Denn sie kommt sowieso.

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DIGITALISIERUNG

Basler & Hofmann engagiert sich für ein neues Zentrum im Bereich des digitalen Planens und Bauens. ETH Zürich / Gramazio Kohler Research

Visualisierung einer virtuellen Kollaborationsumgebung für das ETH Immersive Design Lab. Das Labor wird 2021 eröffnet und bietet notwendige Forschungsinfrastruktur für das neue Zentrum Design++. 02.02.2021 – Das Ingenieur-, Planungs- und Beratungsunternehmen Basler & Hofmann beteiligt sich als strategischer Partner mit einer grosszügigen Schenkung an die ETH Foundation über sechs Jahre an einem neuen Zentrum der ETH Zürich. Das Zentrum für «Computationally Augmented Design in Architecture, Engineering and Construction» mit dem Namen «Design++» soll der ETH dabei helfen, ihre weltweit führende Stellung im Bereich des digitalen Entwerfens, Planens und Bauens weiter auszubauen.

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Die Schenkung von Basler & Hofmann wird primär in die Neueinrichtung einer Professur für «Augmented Computational Design» im Zentrum Design++ fliessen. Ziel des neuen Zentrums ist, digitale Instrumente und Prozesse zu entwickeln, die gleichzeitig das Design verbessern, die Produktivität im Bauprozess erhöhen, die Qualität der Bauten steigern und deren ökologische Auswirkungen reduzieren. Dazu soll aktuelles Wissen aus den Bereichen Künstliche Intelligenz mit Fokus Maschinelles Lernen und Erweiterte Realität in die Architektur und das Bauingenieurwesen einfliessen. Ganzheitlicher Blick auf die Digitalisierung Das Zentrum und die neue Professur sollen eine Brücke zwischen Architektur, Bauingenieurwesen, Bauwesen und Computerwissenschaften


DIGITALISIERUNG

schlagen. «Wir begrüssen das Bestreben, die Silos einzelner Disziplinen aufzubrechen, sehr. Wir sind überzeugt, dass wir die Vorteile neuer digitaler Technologien nur dann ausschöpfen können, wenn wir unseren Blick fürs Ganze schärfen. Dafür braucht es interdisziplinäre Zusammenarbeit», kommentiert der Vorsitzende der Geschäftsleitung von Basler & Hofmann, Dominik Courtin, die Vision des Zentrums. Langjährige, enge Verbundenheit Mit der beachtlichen Schenkung an die ETH Foundation kommt ein weiteres Mal die enge Verbundenheit zwischen Basler & Hofmann und der ETH Zürich zum Ausdruck. «Für mich ist die Schenkung auch eine persönliche Herzensangelegenheit», betonte Dr. Konrad Basler, Vorsitzender der Gemeinnützigen Stiftung Basler & Hofmann im Rahmen der Unterzeichnung der

Fördervereinbarung: «Als Bauernsohn habe ich in meiner ersten Ausbildung Zimmermann gelernt. Von dort wechselte ich zuerst ans Technikum Winterthur und dann zum Bauingenieurstudium an die ETH Zürich. Das Studium an der ETH hat mir die Welt geöffnet und uns den Aufbau des Unternehmens Basler & Hofmann in den 60er Jahren ermöglicht. Dass wir nun gemeinsam mit der ETH die Zukunft des Planens und Bauens mitgestalten, erfüllt mich mit Stolz und Freude.» Basler & Hofmann hat sich in der Vergangenheit bereits mehrfach für die Forschung und Lehre an der ETH eingesetzt, unter anderem für den Masterstudiengang in Integrated Building Systems. Das neue Zentrum soll im Frühsommer offiziell lanciert werden. Bereits im Frühling wird das Immersive Design Lab als zentrale Forschungsinfrastruktur von Design++ den Betrieb aufnehmen.

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Nachhaltiges Bauen: Mehr als nur eine Frage der Energieeffizienz Die Sektoren Bauen und Wohnen gehören zu den Bereichen, die am meisten Ressourcen erfordern. Entsprechend stark belasten sie die Umwelt und tragen insbesondere zur Klimaerwärmung bei. Wer nachhaltig bauen will, muss nicht nur den Energiebedarf eines Gebäudes berücksichtigen. Mike Sommer

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NACHHALTIGKEIT

Beim Stichwort «nachhaltiges Bauen» denken die meisten Personen vermutlich zuerst an die Energiefresser Heizung, Kühlung und Warmwasseraufbereitung. Im Jahr 2000 entfielen in der Schweiz fast 35 % der Endenergie auf die Erzeugung der Raumwärme. 2015 waren es nur noch gut 31 %. Obschon immer mehr Menschen immer mehr Gebäude bewohnen und darin arbeiten, nimmt der Heizenergiebedarf also ab. Steigende Preise für Energie, die CO 2 -Abgabe auf Brennstoffe, das wachsende Umweltbewusstsein und eine fortschrittliche Baugesetzgebung verhelfen zunehmend Gebäudestandards zum Durchbruch, die den Energieverbrauch massiv reduzieren. Dies zeigt auch eine weitere Kennzahl: Von 1975 bis 2015 reduzierte sich der Wärmebedarf eines neu erstellten Wohnhauses für Heizung und Warmwasseraufbereitung im Durchschnitt um 75 %. Die kontinuierliche Erneuerung des Gebäudebestandes wird weitere Fortschritte bringen, auch wenn die derzeitige Sanierungsrate eher bescheiden ausfällt. Mit dem sinkenden Energiebedarf von Neubauten rücken jedoch zunehmend andere Umweltauswirkungen des Bauens in den Vordergrund. Graue Energie in Baustoffen Dazu gehören etwa die fortschreitende Ausdehnung der Fläche für die Bereiche Wohnen, Arbeiten und Freizeit, was sich auf die Siedlungsstruktur, die Mobilität und den Rohstoffbedarf auswirkt. Entscheidend ist zudem der Verbrauch an Baustoffen und -materialien. In ihnen steckt – neben den eigentlichen Primärrohstoffen wie beispielsweise Kies – sogenannte graue Energie, also die zur ­Rohstoffgewinnung, Herstellung, Verarbeitung und Entsorgung erforderliche, nicht erneuerbare Primärenergie einschliesslich der Transporte. Umgerechnet auf die Fläche und die Lebensdauer eines Gebäudes, lässt sie sich mit dessen Betriebsenergie vergleichen. Das Resultat erstaunt: Selbst in einem Niedrigenergie-Neubau schlägt jeder Quadratmeter Nutzfläche mit 40 bis 50 Kilowattstunden grauer Energie pro Jahr zu Buche. Dies ist mehr als für Heizung und Warmwasser verbraucht wird. Wie viel graue Energie ein Gebäude enthält, lässt sich im Voraus berechnen – und zwar dank dem Bauteilkatalog, der auf den von der Koordinationskonferenz der Bau- und Liegenschaftsorgane öffentlicher Bauherren (KBOB) veröffentlichten «Ökobilanzdaten im Baubereich» aufbaut. Er bemisst umweltrelevante Aspekte von Baustoffen

und Bauteilen wie die graue Energie oder die Treibhausgas-Emissionen in Kohlendioxid-Äquivalenten (CO 2 -Eq.) und bilanziert sie in der Einheit Umweltbelastungspunkte. So lässt sich zum Beispiel beurteilen, wie eine Betondecke punkto Umweltbelastung im Vergleich zu einer Massivholzdecke abschneidet. Bauabfälle besser verwerten Die bewusste Wahl der Baumaterialien macht Gebäude zweifellos nachhaltiger. Was nach dem Abbruch oder Rückbau geschieht, hat ebenfalls Auswirkungen auf die Umwelt. «Das Ziel muss sein, Bauabfälle möglichst gut zu verwerten, um Ressourcen und Deponieraum zu schonen», sagt David Hiltbrunner von der Sektion Rohstoffkreisläufe BAFU. Bei Metallen funktioniert das bereits gut. Auch Betonabbruch findet zunehmend Verwendung als Gesteinskörnung für Recyclingbeton oder als Kiesersatz im Strassenbau. Um die Recyclingquote zu steigern, sollte das Augenmerk vermehrt auf das Design der Bauteile gerichtet werden, erklärt David Hiltbrunner am Beispiel der zur Dämmung eingesetzten Styroporplatten: «Diese dämmen zwar ausgezeichnet, sind aber ein Albtraum bei der Entsorgung, weil sie meistens auf einer Unterlage kleben und kaum wieder von dieser getrennt werden können.» Stecken und schrauben statt kleben müsse deshalb die Devise sein, und Verbundstoffe sowie -konstruktionen sollten beim Bauen vermieden werden. Wichtig sind auch flexible Konstruktionstechniken, die Umbauten und den Austausch von einzelnen Bauteilen erleichtern. Sie verlängern die Lebensdauer von Gebäuden und reduzieren dadurch die Umweltbelastung. Standard gibt Orientierung Konsequent auf Nachhaltigkeit getrimmte Produkte existieren zwar, jedoch haben sie auf dem Markt wegen des oftmals höheren Preises einen schweren Stand. «Fortschritte können wir durch Sensibilisierung und mit guten Vorbildern erreichen», sagt David Hiltbrunner mit Überzeugung. Eine wichtige Rolle kommt dabei dem Netzwerk Nachhaltiges Bauen Schweiz (NNBS) zu, einem Zusammenschluss von Unternehmen, Branchenverbänden, Forschungsinstitutionen, Kantonen, Gemeinden und Bundesämtern. Dieses Netzwerk fördert den Austausch unter allen Akteuren und hat mit dem Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz (SNBS) – vorerst für den Hochbau – eine Orientierungshilfe

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NACHHALTIGKEIT

Nachhaltiges Bauen mit Holz: Die Produktionshalle der BLS in Bönigen (BE) wurde beim Prix Lignum 2018 mit dem Sonderpreis Schweizer Holz ausgezeichnet.

für Bauherrschaften und Investoren geschaffen. Der Bund wendet den SNBS bei eigenen grossen Bauvorhaben bereits weitgehend an. Seit 2016 ist auch eine SNBS-Zertifizierung von Bauwerken möglich. Davon haben bisher zwar noch nicht viele Bauherrschaften Gebrauch gemacht. Doch dies dürfte sich langfristig ändern, denn Nachhaltigkeitszertifikate verbessern die Marktfähigkeit von Objekten. Auch der 2016 veröffentlichte Bericht des Bundesrates zur Grünen Wirtschaft sieht Massnahmen zur Förderung von Sekundärrohstoffen vor. Sie sollen unter anderem die deponierte Menge der Bauabfälle markant reduzieren. 44 Nachhaltigkeitskriterien Der SNBS bewertet Bauwerke anhand von 44 Kriterien. Neben den Aspekten Ressourcenverfügbarkeit, graue Energie, Bauweise und Verwertbarkeit geht es dabei etwa um städtebauliche Anliegen, die Erschliessung, regionale Wertschöpfungsketten, Flora und Fauna, das Mobilitätskonzept sowie soziale Themen. Nur mit dieser breiten Betrachtung ist es möglich, die Nachhaltigkeit eines Bauwerks wirklichkeitsnah zu erfassen. Dabei können einzelne Kriterien miteinander in Konkurrenz stehen und sich sogar widersprechen. Eine dicke Gebäudehülle etwa erfordert einen grösseren Materialeinsatz und erhöht den Anteil der grauen Energie. Dafür ist das Gebäude damit besser wärmeisoliert und seine Lebensdauer unter Umständen länger. Dies macht nachhaltiges Bauen zur komplexen Angelegenheit. Die vom NNBS geförderte gesamtheitliche Betrachtung erachtet David Hiltbrunner als ent-

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scheidend, damit das Bauen und folglich auch der Wohnsektor nachhaltiger werden. Um der Komplexität des Themas gerecht zu werden, tauschen sich die Fachspezialisten des BAFU regelmässig in der internen Koordinationskonferenz Nachhaltiges Bauen aus. Diese Vernetzung verschafft dem Thema Nachhaltiges Bauen die seiner Bedeutung für die Umwelt entsprechende Beachtung. Erhebliche Chancen bietet freilich auch die zunehmende Digitalisierung. Neue Instrumente – wie das Building Information Modeling (BIM) – ermöglichen eine viel detailliertere Planung als heute. Damit lässt sich zum Beispiel der künftige Energieverbrauch eines Gebäudes simulieren oder ein Materialpass der eingesetzten Baumaterialen erstellen. Landschaftsverträglich bauen Jedes Bauwerk verändert die Landschaft, weshalb Aspekte wie Lage und Qualität der Gestaltung von grosser Bedeutung sind. «Das Einfamilienhaus auf der grünen Wiese ist aus ökologischer Sicht nicht nachhaltig, denn es fördert die Zersiedelung, versiegelt den Boden und verursacht unnötige Mobilität», sagt Claudia Moll von der Sektion Ländlicher Raum beim BAFU. In der Koordinationskonferenz «Nachhaltiges Bauen des Amtes» bringt sie die Aspekte der Landschaftsqualität ein. Diese sind gerade in den städtischen Landschaften, wo rund 85 % der Schweizer Bevölkerung leben, für die Lebensqualität von zentraler Bedeutung. Die Anliegen sind vielfältig: Bauten sollen sich gut in die Topografie einfügen sowie regionale Eigenarten eines Ortes aufnehmen: «Damit stärken wir regionale Wertschöpfungsketten sowie die Standortattraktivität und fördern Landschaftsleistungen wie das Gefühl von Identifikation und Heimat, die für unsere Gesundheit wichtige Erholung sowie die Erfüllung ästhetischer Ansprüche», stellt Claudia Moll fest. Nachhaltiges Bauen schliesst zudem Überlegungen zur Gestaltung der Gebäudeumgebung mit ein. Sorgfältig gestaltete Freiflächen fördern die Biodiversität, verbessern das Stadtklima und schaffen soziale Begegnungsräume. «Der transdisziplinäre Ansatz bedeutet eine Herausforderung», sagt die BAFU-Fachfrau. «Unsere Aufgabe ist es, das Verständnis für ein übergreifendes Qualitätsbewusstsein im Interesse einer natur- und menschenverträglichen Landschaft zu fördern.» Diese Perspektive nimmt auch das sich gegenwärtig in Überarbeitung befindende Landschaftskonzept Schweiz (LKS) ein, das verbindliche Ziele für die raumrelevanten Politikfelder des


NACHHALTIGES BAUEN

Bundes formuliert. Im Rahmen des 2017 vom Bundesrat verabschiedeten Aktionsplans zur Strategie Biodiversität Schweiz beschäftigt sich ein Pilotprojekt des BAFU ausserdem mit der Frage, wie man die Artenvielfalt und die Landschaftsqualitäten bei der weiteren Entwicklung der Agglomerationen wirkungsvoll fördern kann. Holz: umfassend nachhaltig Als natürlicher, nachwachsender und einheimischer Rohstoff ist Holz das nachhaltige Baumaterial schlechthin. Es hat die Fähigkeit, das wichtigste Treibhausgas, Kohlendioxid, aus der Atmosphäre aufzunehmen und langfristig in Holzprodukten zu binden. Holz als Baumaterial enthält wenig graue Energie, verursacht nur einen geringen Ausstoss an Treibhausgasen, dämmt gut und lässt sich klimaneutral thermisch verwerten. Wird Holz aus der Region verwendet, kann es aber nicht nur als ökologisches Baumaterial punkten, meint Achim Schafer von der Sektion Holzwirtschaft und Waldwirtschaft im BAFU und präzisiert: «Die Verwendung von Holz für das Bauen stärkt die regionale Wertschöpfung. Der Einsatz von Holz aus einer nachhaltigen Waldwirtschaft leistet einen Beitrag zur Biodiversität, zur Luftreinigung, zum Schutz vor Naturgefahren und bietet Arbeitsplätze in Randregionen.» Diese Leistungen lassen sich nur

schwer beziffern, sie finden aber zum Teil Eingang in die Ökobilanzierung und in den Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz (SNBS). Der Anteil des Holzes am 3.2 Milliarden Tonnen schweren «Bauwerk Schweiz» betrug 2015 37 Millionen Tonnen. Das Potenzial für Baumaterialien, Innenausstattungen, Möbel und die Aussenbereiche wird damit noch nicht ausgeschöpft. Vom jährlich im Schweizer Wald nutzbaren Potenzial werden nur zwei Drittel geerntet. Mit der Ressourcenpolitik Holz will der Bund den Einsatz dieses Rohstoffs für das Bauen fördern. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung sind die neuen Brandschutzanforderungen an Holzbauten. Sie erlauben entsprechende Wohn-, Büro-, Industrie- und Gewerbebauten sowie Schulhäuser mit einer Gesamthöhe von bis zu 30 Metern. Auch bei Hochhäusern sind unter bestimmten Bedingungen tragende und brandabschnittsbildende Bauteile aus Holz erlaubt. In Vorbereitung sind neue Empfehlungen der Koordinationskonferenz der Bau- und Liegenschaftsorgane der öffentlichen Bauherren (KBOB) – unter anderem zur Beschaffung von nachhaltig produziertem Holz und zu Holzbauten in der Immobilienstrategie.

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NACHHALTIGKEIT

Wie Bäume das Klima retten könnten Die weltweite Aufforstung von Wäldern wäre auf einer Fläche von 0,9 Milliarden Hektar möglich und könnte so zwei Drittel der vom Menschen verursachten CO2-Emissionen aufnehmen. Dies wäre die effektivste Massnahme gegen den Klimawandel. Zu diesem Schluss kommt eine aktuell in «Science» publizierte Studie der ETH Zürich. 58


NACHHALTIGKEIT

Das Crowther Lab an der ETH Zürich forscht an naturbasierten Lösungen für den Klimawandel. In der neuen Studie zeigten die Forschenden erstmals auf, wo auf der Welt neue Bäume wachsen könnten und wie viel Kohlenstoff sie speichern würden. Jean-François Bastin, Studienleiter und Postdoc am Crowther Lab erklärt: «Ein Aspekt war für uns bei den Berechnungen besonders wichtig: Wir haben Städte und landwirtschaftliche Flächen von der gesamten Fläche, die das Potenzial zur Wiederaufforstung hat, ausgeschlossen, denn diese Gebiete braucht der Mensch anderweitig.» Ein Gebiet von der Grösse der USA aufforsten Die Forschenden berechneten, dass unter den aktuellen klimatischen Bedingungen die Erde mit rund 4.4 Milliarden Hektar Wald bedeckt sein könnte. Das sind 1.6 Milliarden mehr als die derzeit vorhandenen 2.8 Milliarden Hektar. Von diesen 1,6 Milliarden Hektar erfüllen 0.9 Milliarden Hektar das Kriterium nicht, von Menschen genutzt zu werden. Derzeit stünde also ein Gebiet von der Grösse der USA für die Aufforstung zur Verfügung. Einst herangewachsen könnten diese neuen Wälder 205 Milliarden Tonnen Kohlenstoff speichern. Das sind etwa zwei Drittel der 300 Milliarden Tonnen Kohlenstoff, die seit der industriellen Revolution durch den Menschen verursacht in die Atmosphäre gelangten. ETH-Professor Tom Crowther, Mitautor der Studie und Gründer des Crowther Lab, meint dazu: «Wir alle wussten, dass die Aufforstung der Wälder einen Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels leisten könnte, aber bislang war unklar, wie gross der Effekt wäre. Unsere Studie zeigt deutlich, dass Flächen zu bewalden derzeit die beste verfügbare Lösung gegen den Klimawandel ist. Allerdings müssen wir schnell handeln, denn es wird Jahrzehnte dauern, bis die Wälder reifen und ihr Potenzial als natürliche CO 2 -Speicher ausschöpfen.»

Russland wäre am besten geeignet Die Studie zeigt auch, wo eine Aufforstung am besten möglich wäre. Die grösste Fläche entfällt auf nur sechs Länder: Russland (151 Millionen Hektar), USA (103 Millionen Hektar), Kanada (78.4 Millionen Hektar), Australien (58 Millionen Hektar), Brasilien (49.7 Millionen Hektar) und China (40.2 Millionen Hektar). Die Studie warnt schliesslich davor, dass viele aktuelle Klimamodelle fälschlicherweise erwarten, dass der Klimawandel die globale Baumbedeckung erhöhe. Zwar werden die Flächen der nördlichen Wälder in Regionen wie Sibirien wahrscheinlich zunehmen. Dort beträgt jedoch die Baumdich­ te durchschnittlich nur 30–40 %. Dem gegenüber steht der Verlust von dichten tropischen Wäldern, die typischerweise eine Baumbedeckung von 90– 100 % aufweisen.

Bäume im Blick – auch an der Scientifica. Ein Tool auf der Website des Crowther Lab ermöglicht es Nutzern, einen beliebigen Ort der Welt zu wählen und herauszufinden, wie viele Bäume dort wachsen könnten und wie viel Kohlenstoff sie speichern würden. Zudem bietet es auch Listen von Waldrestaurierungsorganisationen. Das Crowther Lab wird an der diesjährigen Scientifica teilnehmen und das neue Werkzeug vorstellen.Das Crowther Lab setzt auf naturbasierte Lösungen für den Klimawandel. Es will so einerseits die Ressourcen besser zuteilen, indem es Regionen identifiziert, die bei der Aufforstung den grössten Klimaeffekt haben könnten. Andererseits will das Lab realistische und messbare Ziele setzen, um die Wirkung von Sanierungsprojekten zu maximieren. Den Fortschritt will es laufend überprüfen und gegebenenfalls Korrekturmassnahmen einleiten. ETH Zürich, Prof. Tom Crowther Institut für Integrative Biologie +41 44 632 32 01, tom.crowther@usys.ethz.ch

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NACHHALTIGKEIT

Wie Privatmarktanlagen Ihr Portfolio bereichern Privatmarktanlagen versprechen höhere Renditen als Anlagen an öffentlich kotierten Märkten. Aber sie sind illiquide und verlangen daher eine Einbettung in ein langfristiges Anlagekonzept wie UBS Wealth Way. Frédéric Wüthrich, Leiter RTN Region Basel, UBS Wealth Management Schweiz Was sind Privatmarktanlagen? Der Begriff Privatmärkte (auch Private Markets genannt) umschreibt verschiedene Anlagekategorien, die eines gemeinsam haben: Die Investitionen sind illiquid, die Anteile können also nicht über eine öffentliche Börse gehandelt werden. Als Anleger investiert man nicht am Sekundärmarkt, sondern direkt in einzelne Unternehmen oder Projekte. Zu diesen Anlagekategorien zählen wir unter anderem:

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– Private Equity – Investitionen in Firmen, die nicht an einer Börse kotiert sind. – Private Debt – Anleihen, die nicht an einer Börse kotiert sind. – Private Real Estate – nicht kotierte Immobilienprojekte. – Private Infrastructure – Investitionen in nicht öffentlich handelbare Infrastrukturanlagen. Durch den fehlenden geregelten Markt gibt es für


NACHHALTIGKEIT

Privatmarktanlagen keine permanente Kursstellung. Die verfügbaren Informationen sind spärlich, und das Aushandeln und die Ausführung von Transaktionen benötigen Zeit. Doch genau diese Herausforderungen und der exklusive Zugang machen diese Anlageklasse so attraktiv. Unabhängige Renditequellen als Chance Privatanlagen eröffnen den Zugang zu einem breiteren Anlageuniversum, das in traditionellen Anlageklassen nicht verfügbar ist. Sie bieten deshalb die Möglichkeit, neue und in der Regel vom existierenden Portfolio unabhängige Renditequellen zu erschliessen. Für die mehrjährige Kapitalbindung wird der Anleger mit einer Illiquiditätsprämie entschädigt. Diese beruht auf der Fähigkeit des Fondsmanagers, unabhängig von kurzfristigen Marktentwicklungen und dem Druck von Investoren einen langfristigen Wertzuwachs zu erzielen. Zudem mindert der Diversifikationseffekt das Gesamtrisiko des Portfolios. Die Kategorie Private Equity zum Beispiel ist eine wichtige Kapitalquelle für innovative Unternehmen. Deshalb können diese Anlagen für Investoren eine weitere Möglichkeit bieten, auf längerfristige Wachstumsthemen wie 5G, Fintech, Healthtech und Greentech zu setzen. Um die potentiellen Vorteile von Privatmarktanlagen voll zu nutzen, ist es nach wie vor wichtig, über Strategien und Auflegungsjahre hinweg zu diversifizieren. Bei Anlagen in Private-Equity- Fonds müssen Anleger unter Umständen nach einem zuvor vereinbarten Zeitplan Geld bereitstellen. Dies erfordert eine gute Liquiditätsplanung. Worauf muss bei Privatmarktanlagen geachtet werden? Anders als mit Börsen kotierte Wertschriften benötigt der Aufbau eines diversifizierten Privatmarktportfolios mehrere Jahre, weil die Fondsmanager das Kapital über die Zeit in ausgewählte privat gehaltene Unternehmen und Projekte investieren. Mit der langen Laufzeit und der Illiquidität der Anlageklasse sind Risiken verbunden. Die Anleger müssen in der Lage sein, die zusätzlichen Risiken von Privatmarktanlagen zu verkraften. Zudem delegiert der Anleger die Anlageentscheidungen an einen professionellen Portfoliomanager und hat entsprechend weniger Kontrolle und Transparenz. Anleger vertrauen auf die Fähigkeiten des Fondsmanagers

und können die effektive Rendite erst nach mehreren Jahren evaluieren. Wie viele Fondslösungen bieten auch PrivatmarktFondslösungen keinen Kapitalschutz, womit das Restrisiko besteht, den gesamten Wert der Anlage zu verlieren. Sie sind in der Regel auch mit höheren Gebühren und Transaktionskosten verbunden als Anlagen an den öffentlichen Märkten. Wie passen Privatmarktanlagen in mein Portfolio? Heute können langfristig orientierte Privatanleger, die nur einen begrenzten kurzfristigen Liquiditätsbedarf haben, in professionell verwaltete Fondslösungen investieren. Die Risikomerkmale des Gesamtportfolios sollten dabei erhalten bleiben. Das Anlagekonzept UBS Wealth Way hilft Anlegerinnen und Anlegern zu bestimmen, welchen Anteil ihres Anlagevermögens sie den privaten Märkten zuweisen sollen und wie sie robuste Portfolios konstruieren, mit denen sie sowohl ihre eigenen Lebensziele wie auch jene der nächsten Generation erreichen können. Dabei wird das Vermögen in drei Strategien aufgeteilt: Liquidität. Langlebigkeit. Weitergabe. – Die Liquiditätsstrategie ist darauf ausgelegt, kurzfristige Bedürfnisse zu erfüllen und gleichzeitig den Anleger davor zu bewahren, in Zeiten von Marktvolatilität Vermögenswerte zu veräussern und damit vorübergehende Verluste dauerhaft zu realisieren. – Die Langlebigkeitsstrategie soll helfen Lebensziele zu erfüllen. Demnach benötigen Sie ein Portfolio, das den Ausgabenbedarf während Ihrer Lebenszeit abdeckt, um das Risiko zu verringern, später im Leben zur Reduzierung Ihrer Ausgaben gezwungen zu sein. – Die Weitergabestrategie bezieht sich auf das Vermögen, das über diejenigen Mittel hinausgeht, die zur Erfüllung der Lebensziele einer Generation erforderlich sind. Diese Strategie konzentriert sich auf die Maximierung des Vermögens und dessen Weitergabe an nächste Generationen und für wohltätige Zwecke. Wir betrachten Privatmarktanlagen als eine Schlüsselkomponente sowohl in der Langlebigkeits- als auch der Weitergabestrategie.

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NACHHALTIGKEIT

dämmen. gestalten. schützen. Holzwolleprodukte sind nachhaltig und energiesparend.

Die Holzwolleprodukte UNITEX und UNIAKUSTIK sind langlebig, vielseitig einsetzbar und schaffen ein gesundes Innenraumklima zum Wohl und Schutz von Mensch und Umwelt. Im Jahr 2020 hat Dietrich den ersten Recyclingprozess für zementgebundene Holzwolle in Betrieb genommen. Die UNITEX und UNIAKUSTIK Produkte sind gefragter denn je. Die qualitativ hochwertigen Platten bieten hervorragende Eigenschaften für anspruchsvolle Dämmprojekte, sind aber auch ideal, um die Raumakustik zu optimieren und somit das Wohlbefinden in Innenräumen zu erhöhen. Die Produkte sind eco-bau bewertet und unterstützen somit die Umsetzung von Bauprojekten nach Minergie-ECO Standard.

Dienstleistungen mit Mehrwert, offline wie online Dietrich ist ein flexibler und zuverlässiger Partner für Bauherren, Planer, Generalunternehmer und Verarbeiter. Für jedes Objekt haben wir die beste Lösung. Unser komplettes Produktesortiment UNITEX ist auf buildup verfügbar. Die Produkte können direkt in die Planungssoftware integriert werden. Auf unserer Webseite unterstützt Sie zudem der Produkt Finder bei der Wahl des richtigen Produkts. www.dietrich-isol.ch/produkt/

UNITEX Dämmplatten, langlebige Multitalente Die UNITEX Decken- und Wanddämmungen eignen sich für unterschiedliche Montagearten. Sie zeichnen sich durch eine sehr gute Wärmedämmung, Schallabsorption sowie Brand- und Tropfwasserschutz aus. UNITEX spart Energie und bietet viel Raum zur Gestaltung. UNIAKUSTIK Akustikplatten schützen vor Lärmbelastung Mit ihrer hohen Schallabsorption reduzieren UNIAKUSTIK Produkte die Nachhallzeit und führen zu einer Reduktion der Lärmbelastung sowie einer besseren Verständlichkeit von Gesprächen und einem höheren Wohlbefinden. Die Produkte sind in vielen Designs verfügbar. Wirtschaftlichkeit, Ästhetik und Langlebigkeit sind Gründe für den Einsatz in Restaurants, Büros, Schulen, Kindergärten oder Turnhallen.

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Ob Restaurant oder Büro, die UNIAKUSTIKProdukte verbessern die Akustik und werten jeden Raum optisch auf.


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NACHHALTIGKEIT

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Nachhaltiges Zentrum belebt das Dorf Die Gemeinde Eschenbach im Kanton Luzern kann sich seit einigen Monaten über ein neues Dorfzentrum freuen. Das Projekt «Oberhof» wurde nach Nachhaltigkeitskriterien gebaut und zertifiziert. Es berücksichtigt die Aspekte Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt gleichermassen und schafft so nachhaltigen Wohn- und Gewerberaum. Seit einigen Monaten prägt eine markante Überbauung das Dorfbild des luzernischen Eschenbachs: Das Zentrum Oberhof. Eine Zentrumsüberbauung, wie sie genauso gut andernorts stehen könnte, denkt man sich vielleicht. Doch dieses Projekt ist anders. Einer der Hauptgründe: Der private Investor orientierte sich nicht am maximalen Profit, sondern an nachhaltigen Prinzipien. Die Umwelt schonen Die Immobilie ist nach den Kriterien des Standards Nachhaltiges Bauen Schweiz SNBS erbaut und zertifiziert worden, der die drei Nachhaltigkeitsaspekte Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft berücksichtigt. Im Bereich der Umwelt bedeutete dies, dass für die Betonherstellung Kies aus der nahegelegenen Dorfgrube verwendet wurde. «Die Fassade der Überbauung besteht aus Holz aus Schweizer Wäldern, also aus einem nachwachsenden, CO 2 -neutralen Rohstoff», ergänzt SNBS-Experte Joe Luthiger. Auch im Bereich Ener-

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gie überzeugt das Projekt gemäss Luthiger mit umweltfreundlicher Ausrichtung: Geheizt wird mit einer Holzschnitzel-Feuerung. Zudem deckt eine grosse Photovoltaikanlage rund 40 % des Elektrizitätsbedarfs der Überbauung ab. Die Gesellschaft stärken Ein nachhaltiges Gebäude muss auch auf die Bedürfnisse der Gesellschaft ausgerichtet sein. Das Zentrum Oberhof umfasst deshalb neben Wohnungen auch Räumlichkeiten und Flächen, die der Allgemeinheit dienen. So bietet der integrierte Coop-Supermarkt der Bevölkerung eine optimal gelegene Einkaufsmöglichkeit und eine Gemeinschaftspraxis deckt die medizinische Versorgung ab. Daneben gehören auch eine Kita und ein kleines Restaurant zum Angebot. Überdies stehen eine öffentliche Elektroauto-Ladestation und ein Mobility-Angebot zur Verfügung. Das MobilityJahresabo erhalten die Bewohnerinnen und Bewohner des Zentrums kostenlos. «All diese Mass-


NACHHALTIGKEIT

nahmen sorgen für ein lebendiges und attraktives Dorfzentrum mit hoher Aufenthaltsqualität», resümiert Joe Luthiger. Die Wirtschaftlichkeit sichern Wer ökologische und soziale Aspekte beachtet, profitiert auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Zwar hätte die Eigentümerschaft vielleicht kurzfristig mehr verdient, wenn sie nur teure Wohnungen angeboten hätte. Dies hätte aber zu einem gesichtslosen «Schlaf-Zentrum» ohne sozialen Mehrwert geführt. So aber ist das Zentrum Oberhof durch die vielfältigen Angebote und die lebendige Umgebung sowohl für jüngere wie ältere Menschen attraktiv, die viel Wert auf umweltschonende und nachhaltige Konzepte legen. Mit Pre-Check annähern Die erfolgreiche Zertifizierung nach SNBS bezeugt, dass das Projekt Oberhof nachhaltig geplant und umgesetzt wurde – und ist auch für das Marketing ein interessanter Pluspunkt. Der Nutzen des Standards geht aber darüber hinaus: Er lässt sich in verschiedenen Projektphasen als Hilfsmittel nutzen. Das beginnt schon vor dem eigentlichen

Projektstart, wenn der sogenannten «Pre-Check» eine erste Annäherung an das nachhaltige Bauen ermöglicht. «Architekten, Planerinnen und weitere Fachleute können sich damit erste Gedanken zu einem konkreten Projekt machen», erklärt SNBSExperte Luthiger. Der Pre-Check führe mit einfach zu beantwortenden Fragen an das Thema heran und identifiziere mit überschaubarem Aufwand mögliche Stolpersteine auf dem Weg zur nachhaltigen Immobilie. Den Standard nutzen Im weiteren Projektverlauf dient der SNBS nicht nur als Kriterienkatalog, sondern auch als Inspirationsquelle. Luthiger bestätigt: «Gemäss dem Feedback von Nutzenden schätzen diese, dass der Standard sie zum Nachdenken zwingt.» Die Projektbeteiligten müssen sich intensiv austauschen, um geeignete Lösungen für Nachhaltigkeitsaspekte zu finden, die sonst bei der Planung keine Rolle gespielt hätten. Dadurch wird sichergestellt, dass am Ende ein nachhaltiges Gebäude mit hoher Wertschöpfung und Qualität entsteht – wie das Zentrum Oberhof, das seit Sommer 2020 das Dorf Eschenbach belebt.

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NACHHALTIGES BAUEN

Hoch hinaus mit Holz und BIM Licht, Luft und Holz: Bürofläche im Holz-Hybridhochhaus ‹S22› in Rotkreuz. Bild: Corinne Cuendet, Clarens/Lignum

BIM zielt im Zuge der Digitalisierung auf eine Planung unter Einbezug aller Baubeteiligten und über den ganzen Lebenszyklus von Immobilien. Der Holzbau, bereits seit Jahrzehnten in der dreidimensionalen digitalen Welt zu Hause, ist prädestiniert für diese neue Organisationsform des Bauens. In Rotkreuz tritt er den Tatbeweis dafür an – mit hohen Bauten, wie sie der Holzbau hierzulande zuvor noch nicht kannte. Mittlerweile stehen weitere Holz Hochhausprojekte in Zug, Regensdorf und Prilly in Planung. Michael Meuter, Verantwortlicher Information von Lignum, Holzwirtschaft Schweiz, Zürich

Die «Suurstoffi» in Rotkreuz hat es in sich. Auf dem rund 100’000 Quadratmeter grossen Areal entsteht seit einigen Jahren Stück für Stück ein durchmischtes, klimaneutrales Quartier, in dem sich Wohnen, Arbeiten und Freizeitaktivitäten durchdringen. Die Arbeiten sind bald abgeschlossen. Im Endausbau bietet die «Suurstoffi» Raum für rund 1500 Bewohner, an die 2000 Studierende und über 2500 Arbeitsplätze.

Schweiz bezogen worden – ein Zehngeschosser. Doch damit nicht genug. Auf einem anderen Baufeld in der «Suurstoffi» ist im Herbst 2019 der neue Informatik- und Finanzcampus der Hochschule Luzern HSLU in Betrieb gegangen. Zwei der drei Gebäude wurden in Holz-Hybridbauweise erstellt. Das eine, wiederum ein Hochhaus, ist mit 15 Geschossen und 60 Metern Bauhöhe das derzeit höchste Holzgebäude der Schweiz. Der Bau hat In diesem spannenden Umfeld zeigt der Holzbau einen passenden Namen: Er heisst «Arbo», verSpitzenleistungen: Im Sommer 2018 ist mit dem Bü- kürzt aus dem lateinischen «arbor», was so viel rogebäude «S22» das erste Holz-Hybridhochhaus der wie «Baum» bedeutet.

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NACHHALTIGKEIT

Holz bringt Ökologie und Wirtschaftlichkeit zusammen Die Einbindung des Holzbaus ist Teil der Nachhaltigkeitsstrategie der Bauherrin Zug Estates. Diese konzipiert, entwickelt und bewirtschaftet Liegenschaften in der Region Zug mit einem Gesamtwert von 1,65 Milliarden Franken per Ende 2020. Auf dem «Suurstoffii»-Areal ist nicht nur das eingangs erwähnte erste Hybridhochhaus unter Nutzung modernster Holzbautechnologie entstanden, sondern zuvor wurden dort auch bereits neun Wohnhäuser mit 156 Wohnungen in Holz- und Holzhybridbauweise erstellt – die grösste Holzbausiedlung der Zentralschweiz. Der Holzbau unterstützt sowohl die ökologischen als auch die ökonomischen Ziele der Bauherrin. Denn Holz bindet CO2 und vermeidet zugleich Treibhausgasemissionen aus der Herstellung und dem Transport anderer Baumaterialien. Doch für Holz sprechen aus Sicht von Zug Estates auch handfeste wirtschaftliche Aspekte: Die kürzere Bauzeit redu-

ziert die Zinsen und führt zu früheren Mieteinnahmen. Die Vorfabrikation sorgt für höhere Qualität, und Holz schafft ein angenehmeres Raumklima. Der hohe Detaillierungsgrad in der Planung verbessert die Kosten- und Terminsicherheit. Und ausserdem ist der Holzbau BIM-tauglich. Vorteile beim Arbeiten mit einem «digitalen Zwilling» Mit BIM ergeben sich beim Bauen unschätzbare Vorteile. Planerische Fehler, die früher erst auf der Baustelle ersichtlich wurden, sind heute schon im dreidimensionalen Modell ersichtlich und lassen sich korrigieren. Die Planung ist damit zwar aufwendiger – die Ersparnisse durch vermiedene Mängel, Bauunterbrüche und unvorhergesehene Regiearbeiten machen den Mehraufwand aber wett. «BIM schafft Prozesssicherheit», bekräftigt Holzbauingenieur Thomas Rohner, Vorstandsmitglied von Bauen digital Schweiz und seit 2015 Professor für Holzbau und BIM an der Berner Fachhochschule.

Sicht auf die Schmalseite des Holz-Hybridhochhauses «Arbo» im Oktober 2018 (Bauherrschaft: Zug Estates AG, Zug; Architektur: Büro Konstrukt AG, Luzern; Manetsch Meyer Architekten AG, Zürich; Holzbauingenieure/Brandschutzplaner: Pirmin Jung Ingenieure AG, Rain; Holzbau: Erne AG Holzbau, Laufenburg). Die Aufnahme zeigt in den obersten, damals noch nicht geschlossenen Geschossen, wie das Hybridgebäude aufgebaut ist: Der Kern des «Baums» ist aus Beton; Stützen und Unterzüge sowie die Holz-Beton-Verbunddecken steuert der Holzbau bei. Ummantelt wird das Gebäude von einer Glasfassade mit aussenliegenden Metallrippen. Bilder: Michael Meuter, Zürich/Lignum

Impression vom Inneren des Holz-Hybridhochhauses «Arbo» (2020)

Holz-Hybridhochhaus «Arbo» nach der Fertigstellung (Aufnahme 2020).

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formationen an einem Ort gesammelt und verwaltet – für etwa 40 verschiedene beteiligte Firmen mit Hunderten von Beschäftigten. Aus dem Modell wurden unter anderem Werkpläne, Ausschreibungsdokumente und Mengenauswertungen für die Ausführung erstellt – es gab auf der Baustelle keinen Prozess, der nicht modellbasiert ablief.

Zehngeschossiges Holz-Hybridhochhaus «S22» in Rotkreuz, fertiggestellt 2018 (Bauherrschaft: Zug Estates AG, Zug; Architektur und Generalplanung: Burkard Meyer Architekten BSA AG, Baden; Brandschutzkonzept: Makiol Wiederkehr AG, Ingenieure Holzbau Brandschutz, Beinwil am See; Holzbauingenieure, Systementwicklung und Realisierung: Erne AG Holzbau, Laufenburg). Silber-Auszeichnung in der nationalen Wertung beim Prix Lignum 2018. Bild: Corinne Cuendet, Clarens/Lignum

«Waren traditionelle Entwurfsmethoden auf zweidimensionale technische Zeichnungen und Schemata beschränkt, hat die 3D-Modellierung erst einen vollständigen Prozess ermöglicht», erläutert Rohner. Je nach Reifegrad geht BIM noch weiter und bezieht die Zeit als vierte Dimension, die Kosten als die fünfte, die Nachhaltigkeit als sechste und das Facility Management als siebte Dimension mit ein. Der Holzbau, so Rohner, verfüge unter dieser neuen, von der Digitalisierung getriebenen Arbeitsweise über mehrere Startvorteile. «Zum ersten hat er eine dreissigjährige Erfahrung in der 3D-Modellierung, zum zweiten verfügt er über eine ebenso lange Erfahrung in der Vorfertigung, und zum dritten weiss er, wie man Produktionsdaten im 3D-Modell implementieren kann.» Im Austausch der Informationen mit allen anderen Planenden und Ausführenden gebe es auch im Holzbau durchaus noch Entwicklungspotential, sagt Rohner, die Produktion ab BIM-Modell habe die Bauweise jedoch im Griff. Ausgefeilte Planung ermöglicht sportlichen Zeitplan Davon profitierte der Bau des neuen HSLU-Campus in Rotkreuz. Bis die ersten Studierenden dort ein- und ausgehen konnten, musste ein enger Terminplan eingehalten werden. Die Baubewilligung kam im Juli 2017; der Grundstein wurde im Februar 2018 gelegt. Im Zentrum der Planung für den neuen Campus der HSLU stand das BIM-Modell mit Datenbank. Darin wurden alle bauteilrelevanten In-

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Projektbeteilige wussten jederzeit genau, wann was auf die Baustelle angeliefert wurde und wann wo welches Bauteil verbaut wurde. Der Rückfluss von Informationen machte es möglich, dass die Datenbank auch für die Projektkontrolle verwendet werden konnte: Denn die Ausführung wurde laufend gemessen und mit der Planung abgeglichen. Just-in-time-Holzbau als Kernelement im Bauablauf Damit der Bezug wie geplant im Herbst 2019 erfolgen konnte, setzte Zug Estates auf BIM in direkter Verknüpfung mit Lean Construction, einer ausgefeilten Logistikplanung und Holzbau auf der Höhe der Zeit. Zuständig dafür war Erne Holzbau. Die Laufenburger Firma war bereits beim oben erwähnten ersten Holz-Hybridhochhaus «S22» auf dem «Suurstoffi»-Areal – ebenfalls ein BIM-Projekt – als Systemgeber, Holzbauingenieur und Realisierungspartner in führender Rolle beteiligt. Erne produzierte alle Holzelemente im Werk aus dem dreidimensionalen Modell. Die Anlieferung erfolgte im Just-in-Time-Prinzip, was die Bauzeit vor Ort erheblich verkürzte. Pirmin Jung, Holzbauingenieur und Brandschutzplaner für «Arbo», lobt den BIM-Prozess auch in der Brandschutzplanung als hocheffizient: Alle Eigenschaften liessen sich im Modell erfassen, woraus die Pläne für den Holzbau generiert wurden. Kein Zweifel: Das «Suurstoffi»-Areal wird auf Jahre hinaus ein Beispiel für die Leistungsfähigkeit des heutigen Schweizer Holzbaus sein. BIM-Datenbank für den Holzbau Lignum stellt mit Lignumdata eine offene Datenbank mit Baulösungen aus Holz bereit und erweitert das Angebot laufend. Bauprodukte und Bauteile können nach Anforderungen wie Schallschutz, Brandschutz, Ökobilanz usw. gefiltert werden. Über die API-Schnittstelle sind die Daten auf verschiedenen Plattformen vernetzt oder können im offenen ifc-Standard direkt in CADProgramme importiert werden. Lignumdata bietet mit produktneutralen Informationen eine ideale Basis für die Zusammenarbeit in der BIM-Arbeitsmethode. Das Lignum-Holzbulletin 135/2020 ‹Hochhaus› präsentiert aktuelle Hochhausbauten mit Holz in der Schweiz und andernorts in Europa. www.lignumdata.ch


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Management und A b r e c h n u n g vo n Energie – so einfach wie noch nie. Belimo, der weltweit führende Anbieter von Klappenantrieben, Regelventilen und Sensoren für die Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik, vereint die beiden Welten «Energieregelung» und «zertifizierte Energiemessung und -abrechnung». Das neue Sortiment von Belimo Energy Valves™ und thermischen Energiezählern bündelt Energiemessung, Energieregelung und IoT-fähige Abrechnung in einem Gerät. Die Verbindung des zertifizierten Belimo Energy Valve™ mit dem thermischen Energiezähler von Belimo ermöglicht ein transparentes Management thermischer Energie. Die beiden Welten «Energie-

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regelung» und «zertifizierte Energiemessung sowie -abrechnung» werden in einem einzigen Gerät zusammengebracht. Die Produkte des neuen Sortiments messen und überwachen den Durchfluss


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und den Energieverbrauch in Heiz- und Kühlsystemen und bieten direkte IoT-basierte Kostenabrechnung. Die neuen thermischen Energiezähler von Belimo sind nach EN 1434/MID zertifiziert und ermöglichen IoT-basierte Direkt- oder Fernabrechnung. Sie sind nach MID für die Wärmemessung in Reinwasseranlagen zugelassen. Dank der permanenten Glykolüberwachung kann zudem ein Alarm ausgelöst werden, wenn sich Glykol im Wasser befindet, was ansonsten die Genauigkeit der Energiemesswerte beeinträchtigen würde. Bei den Zählern ohne MIDZulassung sorgt Belimos patentierte automatische Glykolüberwachung und -kompensation dafür, dass die Messwerte stets präzise bleiben – unabhängig von Glykolart und -konzentration. Das Belimo Energy Valve™ 4 regelt den Durchfluss (druckunabhängig) und optimiert die Versorgung des Verbrauchers mit Energie. Mit der Verbindung von zertifiziertem thermischen Energiezähler und verbessertem Belimo Energy Valve™ startet Belimo in das Zeitalter des integrierten thermischen Energiemanagements. Dies ermöglicht die nahtlose und direkte Integration in das Gebäudemanagementsystem oder in IoT-basierte Überwachungsplattformen: mit IoT-basierter Überwachung, Tools zur Leistungsverbesserung sowie Abrechnungsdaten. Der im Belimo Energy Valve™ integrierte Delta-TManager misst kontinuierlich die Temperaturspreizung und gleicht sie mit dem benutzerdefinierten fixen Grenzwert ab. Das Messen und Regeln der Temperaturdifferenz zwischen Vor- und Rücklauf an jedem Wärmetauscher ist essenziell, um z.B. möglichst geringe Pumpkosten zu gewährleisten. Unsere integrierte Logik verhindert das Auftreten einer zu kleinen Temperaturspreizung («Low Delta T») am Wärmetauscher ohne Einbussen beim Komfort. Die Integration des Belimo Energy Valve™ und der thermischen Energiezähler lässt sich über PoE durchführen. Damit können die Gerätespeisung und die Datenübertragung gleichzeitig über ein Ethernet-Kabel erfolgen. Dies vereinfacht die Installation, vermeidet Verdrahtungsfehler und macht eine lokale Spannungsversorgung überflüssig. Eine NFC-Schnittstelle (Near Field Communication) ermöglicht eine einfache Parametrierung und Instandhaltung direkt über ein Smartphone. Die Anbindung an die Belimo Cloud bringt nicht nur eine Garantieverlängerung um zwei Jahre auf insgesamt sieben Jahre mit sich, sondern auch eine

ganze Reihe weiterer Vorteile. Durch das Pflegen eines digitalen Zwillings des Energy Valves in der Cloud können autorisierte Benutzer direkt mit den Daten interagieren und Gerätebesitzer einen Drittanbieter mit Abrechnungs- oder gar Analysediensten beauftragen. Die Möglichkeiten sind endlos und werden täglich mehr. www.belimo.com/energy-valve

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Die Belimo-Gruppe ist ein weltweit führender Anbieter für innovative elektrische Antriebs-, Ventilund Sensorlösungen in der Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik. Die Gruppe erzielte 2020 einen Umsatz von CHF 661 Millionen und beschäftigt rund 1900 Mitarbeitende. Informationen zum Unternehmen und zu seinen Produkten sind im Internet unter folgender Adresse verfügbar: www.belimo.com

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Impressum Herausgeber buildup AG Albisriederstrasse 203 a 8047 Zürich Verleger buildup AG Verkauf Mindmaker AG

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