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DU FLASC HE! DEINE V ER GANGENHEIT DEINE ZUK UNFT Historische Bierflaschen Visionäre Entwürfe Neue Funktionen

Annette Baumeister & Anna Karina Hahn Einfach glamourös 2013

Museum Zons


In Zusammenarbeit mit

BKRheinbach

Mit freundlicher Unterst端tzung von


DU FLA S CH E ! D E I NE VE RG A NG E NHE I T DE I NE ZU KU NFT Historische Bierflaschen Vision채re Entw체rfe Neue Funktionen


Z U R AU S S T EL L U N G : Dass es auch beim Bier nicht immer nur auf die „inneren Werte“ ankommt, davon können sich die Besucher der aktuellen Ausstellung überzeugen, die zu der Ausstellungsreihe „Al’tbier. Niederrheinisch-limburgische ALTernativen“ des Museumsnetzwerkes Niederrhein gehört. Das KreisMuseum Zons möchte mit seiner Ausstellung den Blick auf die Form der Bierflasche lenken: Auf das Aussehen historischer und gegenwärtiger Bierbehältnisse, auf visionäre Gestaltungsideen für die Zukunft, die auf ihre Umsetzung warten, und auf das, was aus Bierflaschen werden kann. Sie ist noch recht jung, die Bierflasche aus Glas. Das Aufkommen von Pressglas zu Beginn des 19. Jahrhunderts, die Erfindung des Kronkorkens sowie herausragend wichtige technische Innovationen wie das Linde-Verfahren (beides 1892) machten es möglich, Bier in großen Mengen zu brauen und überregional zu vertreiben. Aber es war nicht einfach, die Glasflasche im Gegensatz zu dem im Fass gelagerten Bier an den Mann oder die Frau zu bringen. Werbe-Emailleschilder, die Bierflaschen zeigen, suggerierten, wer Flaschenbier trinkt ist ein moderner weltoffener Bürger und Trendsetter. Die Veteranen der Ausstellung stammen aus der umfangreichen Sammlung Heinrich Becker, Privatbrauerei Gaffel Köln. Sie umfasst neben wertvollen Werbeplakaten auch hunderte von Bierflaschen aus ganz Deutschland. Die anfänglichen Flaschenformen aus Glas orientieren sich zu Beginn noch an der Weinflasche. Schutz vor UV-Strahlen verbessert die Haltbarkeit wesentlich, weshalb Flaschen aus grünem oder braunem Glas die Regel sind. Neben dem Hinweis „Unverkäufliches Eigentum der Brauerei“ zieren Tiere, Blumen oder Wappen als wunderschöne Reliefs die histori-

schen Bierflaschen und laden zum Entdecken und Schauen im Detail ein. Das Museum Zons dankt dem Leihgeber Heinrich Becker, der Herr einer einzigartigen Sammlung ist, aus der wir mit Unterstützung von Rainer Hennsler M.A. von ConCultura, Bonn aus dem Vollen schöpfen konnten. Welche Vorstellungen junge Erwachsene von der Bierflasche haben, zeigen zweidimensionale, aber real wirkende großformatige Entwürfe von Auszubildenden des Staatlichen Berufskollegs für Glas, Keramik und Gestaltung Rheinbach, Schwerpunkt Grafik und Objektdesign unter der Leitung des Künstlers und Lehrers Volker Leyendecker. In erster Linie sollten die jungen Auszubildenden Flaschen als 3D-Visualisierungen entwerfen ohne technische oder image fördernde Vorgaben von Seiten der Glasindustrie oder Brauereien zu berücksichtigen. Es ging darum, zu völlig neuen Formen und einer völlig neuen Gestaltung zu gelangen – unabhängig von ihrer Realisierbarkeit. Die Entwürfe stehen zur Diskussion, geben Anstöße im doppelten Sinne oder regen zum Überdenken an. Die Entwürfe reichen von „Knallern“ für echte Männer in griffiger Handgranatenform bis hin zur „Pretty in Pink – Flasche im Handtaschenformat für die Dame“. Der Bierstiefel erhält im Zuge der Emanzipation Highheels als Gegenüber. Farbenfrohe Gartenzwerge konterkarieren das „Bierernste“, in dem manches locker begonnene Gespräch enden kann. Einige Beispiele greifen die Bossierungen der alten Flaschen auf und zeigen Wellen oder Hexagone in Anlehnung an den Zusammenhang zwischen Bierfreude und Fußball. Die Entwürfe der Auszubildenden zeigen auf sehr lebendige Weise, wie sie sich Flaschen vorstellen. Zu danken ist Herrn Walter Dernbach, Leiter des


Staatlichen Berufskollegs Glas, Keramik, Gestaltung des Landes NRW Rheinbach, der die Anfrage des Museums sehr offen und konstruktiv aufgegriffen und unterstützt hat. Verantwortlich übernommen hat die sicher nicht alltägliche Anfrage Volker Leyendecker, Lehrer für Audiovisuelle Gestaltung und Gestaltungslehre in Rheinbach. Er hat mit einem hohen Engagement die Aufgabe in den dichten Lehr- und Stundenplan eingebettet und intensiv die Auszubildenden begleitet und unterstützt. Umgekehrt begeisterten sich die Auszubildenden auch über die Unterrichtsstunden hinaus für das Projekt. Volker Leyendecker ist aber nicht nur Lehrer, sondern auch als virtueller Bildhauer tätig und entwarf dementsprechend selbst einige Objekte. Er ließ es bei seiner Lehrtätigkeit nicht bei der bloßen Aufgabenstellung bewenden, 3D-Visualisierungen zu liefern, sondern holte weitere Fachlehrer mit ins Boot: Georg Linden, Abteilungsleiter der Berufsfachschule für Glastechnik und Glasgestaltung und Patrick Roth als Werkstattleiter der Berufsfachschule für Glastechnik und Gestaltung, die sich mit realen Objekten einbringen, sowie die Zeichenlehrerin Astrid Gerhartz. Als Staatspreisträger für das Kunsthandwerk des Landes NRW im Bereich Glas von 1997 ist Georg Linden schon Gast in Zons gewesen. Einen spannungsreichen Bogen schlagen Objekte von Künstlern, Kunsthandwerkern und Designern, die dem Aufruf des KreisMuseums Zons gefolgt sind. Im Rahmen eines Studienaustausches mit einer chinesischen Universität entwickelte Bernhard Elsässer die „Hidden Culture-Bottles“, Bügelflaschen aus Porzellan. Denis Stagnier ließ sich von Siegburger Keramikflaschen des 19. Jahrhunderts inspirieren. Die „Wärmflasche“ von Christina Althaus ist

eine witzige wie doppeldeutige Hommage an Meret Oppenheim, die Einwegflasche verwandelt der Künstler Joachim Conrad mit einer wunderbaren Zeichnung in eine „Ein Weg Flasche“. Glasscherben mutieren bei den Staatspreisträgern für das Kunsthandwerk des Landes NRW (1979), Gerda und Leopold Breuer, zu Flaschensmaragden für edel verarbeitete Broschen. Jyrg Munter zaubert in seiner einzigartigen Technik gefaltete Schiffe in Flaschen. „Einfach Glamourös“ kommt das spontane Gemeinschaftsprojekt von Annette Baumeister und Anna Karina Hahn daher. Wie „leuchtend schön“ und „wahrhaft wohnlich“ Bierflaschen sein können beweist der glanzvolle Kronleuchter von Christina Wachendorff. Die Idee, im Rahmen der Ausstellungen „Al’tbier. Niederrheinisch-limburgische ALTernativen“ des Museumsnetzwerkes Niederrhein, der Gestaltung der Bierflasche in der Vergangenheit, der Zukunft und der Kunst zu widmen, nahm nicht nur jeden Tag mehr und mehr Gestalt an, sondern es setzte auch ein unvorsehbares Feuerwerk an Phantasien ein. Ohne finanzielle und auch ideelle Unterstützung hätte das KreisMuseum Zons diese umfangreiche Präsentation und den Katalog nicht auf den Weg bringen können. Ganz besonderen Dank gilt Frau Dr. Ingrid Misterek-Plagge, Geschäftsführerin Kulturraum Niederrhein und dem Museumsnetzwerk Niederrhein für die überzeugende Beratung und Begleitung der Ausstellung. Ebenso dankt das Museum dem Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, der NRW Stiftung Natur, Heimat und Kultur sowie dem Landschaftsverband Rheinland für die großzügige Förderung. Angelika Riemann


a1 Hirsch-Bräu Köln-Bayenthal, um 1900 Sammlung Heinrich Becker

H ISTO RIS C HE BIERFLA S C HEN

A2 Luyken & Tigler Wesel, nach 1898 Sammlung Heinrich Becker


3 S端ddeutschland (?), um 1900 Sammlung Heinrich Becker


4 Gebr. Waechter, Mรถlln, um 1900 Sammlung Heinrich Becker


Frankfurter B端rgerbrauerei A.G., a5 um 1910 Sammlung Heinrich Becker

B端rgerliches Brauhaus G.m.b.H Havelberg, A6 um 1920 Sammlung Heinrich Becker


7 Bruno Malsky BiergroĂ&#x;handlung Neisse Sammlung Heinrich Becker


8 Actienbrauerei Bรถrsch & Hahn Sammlung Heinrich Becker


a9 Bonner Aktienbrauerei Bonn-Poppelsdorf, um 1900 Sammlung Heinrich Becker

A10 Rhenania-Brauerei Ehrenfeld, um 1900, Sammlung Heinrich Becker


VI S I O NÄRE E NTW ÜRFE


3D DESIGN Eine kurze Erläuterung zum plastischen Gestalten in virtuellen Räumen Es fragen sich manche Betrachter, ob es sich bei den ausgestellten Arbeiten um Photographien eines in der Natur vorkommenden Motivs handelt, welches eventuell mit einer Bildbearbeitungssoftware bearbeitet oder verfremdet wurde. Diese Annahme würde nicht den wahren Charakter des Bildgegenstandes beschreiben. Tatsächlich handelt es sich um die Bildaufnahme eines Gegenstandes, den es zunächst gar nicht gab, sondern erst in einem 3DKonstruktionsprogramm geschaffen wurde. Am Anfang steht dabei sozusagen das Nichts, der schwarze Kosmos. Der Künstler greift in einen virtuellen Handwerkskasten, um etwas nach seinen Vorstellungen zu bauen, Form annehmen zu lassen. Dieses Gebilde besteht aus einer Art engmaschigem Drahtgitter, ein polygonales Netz, welches sich bei der künstlerischen Arbeit stetig verändert. Durch Bewegungen mit der Maus werden Gitterteile gedehnt und gestaucht, verbogen und verdreht. Es werden Bereiche ausgeschnitten oder angeschweißt, scharfe Kanten oder weiche Rundungen erzeugt. Ist die Form fertig gestellt, wird sie mit einer bestimmten Oberfläche ins virtuelle Licht gestellt. Diese Oberfläche wird farbig gestaltet, Eigenschaften wie Transparenz, Reflektion festgelegt. Lichtquellen werden in der Art, wie sie Lichtwellen ausstrahlen, definiert und im virtuellen Raum platziert.

Haben wir es zu Beginn mit einer Art handwerklicher, formprägender Ateliertätigkeit zu tun, sind die folgenden Schritte in ihrer Komplexität und Variabilität eher mit dem Arbeiten in einem Laboratorium vergleichbar. Ist die erarbeitete Form nun in Szene gesetzt, entstehen mit bestimmten Kameraeinstellungen Bildaufnahmen, welche als photographische Abzüge, meist hinter Plexiglas, ausgestellt werden. Das virtuelle, dreidimensionale Modell, welches die Grundlage der Anschauung bildete, verschwindet entweder mit dem Ausschalten des Computers oder dient als Ausgangsdatei für einen realweltlichen 3D Druck. Volker Leyendecker


11 Volker Leyendecker 2014


12 Volker Leyendecker 2013


13 Aileen Gottschalk 2013


14 Franziska BaeĂ&#x;ler 2013


15 Volker Leyendecker 2013


16 Christina Reuter 2013


17 Leonie Schirmer 2013


18 Jennifer Harrer 2013


19 Pierre Schlรถmp 2013


20 Volker Leyendecker 2014


21 Swetlana Schilinski 2013


22 Anna-Lena Warnecke 2013


23 Volker Leyendecker 2013


a 24 25 26 27

Remy Vincent Christian Schneider Luisa Kipphard Volker Leyendecker 2013

Lukas Hillmer 28 2013


29 Lisa Netz 2013


30 Christoph Ziegelberg 2013


Lisa Netz 31 2013


F L ASCH EN TREFFEN

32 Annemone Tonsch Ausgeatmete Fußbälle 2012


33 Tobias Knauth 2013


34 Joachim Conrad Ein Weg Flasche 2013


35 Christina Althaus W채rmflasche 2013


36 Christina Wachendorff Biergarten 2013


37 Gerda und Leopold Breuer Flaschensmaragd 2013


38 Jyrg Munter in jedem hafen eine ‌ oder reif fßr insel 2013


39 Bernhard Els채sser Hidden culture bottles 2010


40 Christina Wachendorff, Feli Lintner, Andrea Weiner Kronleuchter, in Arbeit 2013


41 Saskia Splittgerber 2013


AUSZUBILDENDE DES BERUFSKOLLEGS FÜR GL AS, KERAMIK UND GESTALTUNG RHEINBACH, SCHWERPUNK T GRAFIK UND OBJEK TDESIGN: Rebecca Arnoldy Franziska Baeßler Rajae Sina Cherrat David Dünnebier Nathalie Gemünd Aileen Gottschalk Nicki Carolin Gottschalk Jennifer Harrer Lukas Hilmer Sebastian Jungbluth Alina Kaspers Mona-Christine Kesselheim Erik Kieling Luisa Maria Kiphard Leonie Klauber Tobias Knaut Leon Kottinger Kevin Kranz

LEIHGEBER: · Heinrich Becker Privatbrauerei Gaffel Becker & Co. OHG, Köln · Ulli Hamburg, Radevormwald · Michael Hollmann Privatbrauerei Bolten GmbH & Co.KG, Korschenbroich · Dr. Theo Schillings Schlüssel GmbH & Co. KG, Düsseldorf · Hein Sommer, Düsseldorf

Yasmine Lennartz Amira Madrane Aisha Malik Lisa Mauel Jasmin Metzen Valerie Meyer Milana Mikolajczak Jannik Mrohs Leonhard Müller Niklas Müller Lisa Netz Lukas Odenkirchen Christina Reuter Roman Rudolph Lisa Sander Swetlana Schilinski Leonie Schirmer Pierre Schlömp

Jacqueline Schmitz Christian Schneider Ivo Dustin Schulze Alina Schwind Saskia Splittgerber Patrick Thatje Svenja Thatje Sasikia Tormählen Rémy Vincent Igor Warkentin Anna-Lena Warnecke Thalia Maria Wasserberg Hannah Weber Linda Weimann Elena Wollgarten Christopf Ziegelberg

KÜNSTLER/ INNEN · Christina Althaus, Dormagen · Annette Baumeister (Idee), Herne; Anna Karina Hahn (Realisation), Dormagen · Gerda und Leopold Breuer, Köln · Joachim Conrad, Dormagen · Bernhard Elsässer, Halle a.d. Saale · Volker Leyendecker, Königswinter · Georg Linden, Bonn · Jyrg Munter, Düsseldorf · Christine Möhring, Viersen, · Ursula und John Perry, Düsseldorf · Patrick Roth, Bonn · Denis Stagnier, Düsseldorf, · Anemone Tonsch, Düsseldorf, · Christina Wachendorff, Königswinter in Zusammenarbeit mit Feli Lintner und Andrea Weiner


IMPRESSUM: Der Katalog zur Ausstellung 19. Januar 2014 – 21. April 2014 DU FLASCHE! DEINE VERGANGENHEIT – DEINE ZUKUNFT Historische Bierflaschen, visionäre Entwürfe, neue Funktionen Kreismuseum Zons Schloßstraße 1 41541 Dormagen (Zons) www.kreismuseumzons.de

Ausstellung: Konzeption und Organisation: · Volker Leyendecker BK Rheinbach · Angelika Riemann KreisMuseum Zons Aufbau: · Frank Eidner · Anna Karina Hahn · Volker Leyendecker · Angelika Riemann

Katalog: Herausgeber: · Rhein-Kreis Neuss – Der Landrat Texte: · Volker Leyendecker BK Rheinbach · Angelika Riemann KreisMuseum Zons Fotografen und Bildnachweise: · Jens Howorka, Düsseldorf Abb. 1-10, 34, 35, 37 · Jyrg Munter, Düsseldorf Abb. 38 · Josef Riegger, Schweiz Abb. 32 · Matthias Ritzmann, Halle a.d. Saale Abb. 39 3D-Visualisierung: · Volker Leyendecker, Königswinter Gestaltung · BÜRO211 Bärbel Maxisch, Düsseldorf

© KreisMuseum Zons, 2013, Volker Leyendecker © Fotos, s. Bildnachweise


In Zusammenarbeit mit

BKRheinbach

Mit freundlicher Unterst端tzung von


DU FLASC HE! DEINE V ER GANGENHEIT DEINE ZUK UNFT Historische Bierflaschen Visionäre Entwürfe Neue Funktionen

Annette Baumeister & Anna Karina Hahn Einfach glamourös 2013

Museum Zons


Ausstellungskatalog Kreismuseum Zons  
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