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Unter uns

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Endlich ist er im Containerhafen der Ehe 16 Jahre ließen sie sich Zeit - jetzt haben sie geheiratet! Unternehmer Steffen Haak aus Elisabethfehn (Container-Haak) und seine Carmen (geborene Decker) aus dem Saterland. Dabei war der Termin lange ein Geheimnis. Erst als Steffen drei Tage vor seinem 40. Geburtstag (am 30. Juni) Verwandtschaft und Mitarbeiter zur Geburtstagsfeier einlud, einem 40. Geburtstag, bemerkte er trocken: „Ach ja, und einen Tag vorher heiraten Carmen und

ich standesamtlich.“ Alle waren perplex. Aber Steffen Haak, das wissen Insider, liebt solche Überraschungen. So wurde innerhalb von 48 Stunden die Hochzeit organisiert. Aber Steffen weiß: Auf seine Mitarbeiter ist Verlass - wie auch die Fotos beweisen. Nach dem Ja-Wort lief auch vor dem Rathaus alles perfekt ab. Auch für die Schützendamen aus E‘fehn war es ein großer Moment: „Endlich ist Steffen im Hafen der Ehe angelangt.“


Gerichtsprozess

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Ehepaar aus dem Saterland wegen Betrugs vor Gericht! Urteil wird im Herbst erwartet

Haben die beiden 500.000 Euro bei Krankenversicherungen abgezockt? Von HENRIE LAIB

beim Urlaub auf den Kanaren in der Dusche ausgerutscht. Nun fragt sich jeder einigermaßen intelligente Bürger: Wenn das so abgelaufen ist, wie konnten eigentlich bei den betroffenen Versicherungen alle Kontrollmechanismen versagen? Wurden denn die Gehaltsnachweise nicht ordentlich gecheckt? Was sind dass denn für Schlaumeier, die sich um eine halbe Million prellen lassen? Und um da Licht ins Dunkel zu bringen, lädt das Landgericht jetzt jeden einzelnen Versicherungsmitarbeiter, der mit dem Fall zu tun hatte, als Zeuge nach Oldenburg ein. Marcel A. sitzt seit seiner Verhaftung im vergangenen Jahr in U-Haft. Der 46-Jährige lässt sich mit dem Rollstuhl in den Gerichtssaal schieben. Vor seiner Verhaftung war er noch quietschfidel, so erzählen Saterländer Bekannte und Nachbarn. Da habe er sich in der Öffentlichkeit mit seinem

dicken Audo A 8 und sündhaft teuren Uhren am Handgelenk präsentiert und herumerzählt, er sei Journalist und auch im Filmgeschäft. Doch die Leute auf dem Lande sind nicht so naiv, wie viele Großstädter glauben. Einige suchten die Nähe zu dem Neubürger, der sich im Dorf für etwa 170.000 Euro ein schickes Einfamilienhaus gekauft hatte, in das das Ehepaar am 1. November 2010 einzog. Aber es gab auch welche im Dorf, die sich von dem „Großkotz“, wie er von einigen genannt wird, haben nicht blenden lassen. Einige aber halfen ihm beim Bau seiner teuren NatursteinTerrasse, umgrenzt von einer hohen Wand, die von außen nicht einsehbar ist. Oder nicht einsehbar sein sollte, vermuten heute andere, die davon gehört haben, dass er unter anderem mit Pornofilmen sein Geld verdient haben will. Ein Pornofilmer im Saterland? Wer hätte das gedacht. Auch

im Innenbereich wurde aufwendig renoviert, obgleich das Haus vorher schon toll ausgesehen hatte - aber es musste für den Filmemacher alles aus Naturstein sein. Auffallend ist auch seine zehn Jahre jüngere Ehefrau Olga, die nicht in U-Haft ist, sondern meist zu Hause sitzt und weint. Sie ist eine sehr attraktive, charmante Frau, die sich rührend um ihre zehnjährige Tochter kümmert, die bald das

Nirgendwo anders liegen Dichtung und Wahrheit so nah beieinander wie vor Gericht. Nun gibt es Prozesse, bei denen erfahrene Gerichtsreporter schon von Beginn an ungefähr einschätzen können, wie das Urteil ausfallen wird. Nicht so bei diesem Prozess, der derzeit vor dem Landgericht Oldenburg geführt wird. Es kann alles dabei herauskommen. Verurteilung oder Freispruch. Knast oder Bewährungsstrafe. Der Hauptangeklagte Marcel A. und seine Ehefrau Olga B. (Namen von der Redaktion verändert) müssen sich wegen Betrugs in großem Stil verantworten. Das im Saterland lebende Ehepaar soll in der Zeit von Mai 2009 bis Januar vergangenen Jahres mehreGymnasium im Saterland bere namhafte Versicherungen suchen wird. In was ist diese um eine halbe Million Euro Frau da eigentlich hineingerabetrogen haben. Wie das? ten, fragt man sich, wenn man Indem sie Krankentagegeldeinige Hintergründe kennt. Versicherungen abgeschlossen und bei der Angabe der Höhe ihrer Einkommen gelogen haben sollen, so die Staatsanwaltschaft. In seinen Anträgen habe der Saterländer angegeben, mit Filmprojekten in Thailand und der Ukraine monatlich 12.500 Euro zu verdienen. Tatsächlich aber habe er offiziell von Arbeitslosengeld gelebt. Nach dem hohen Einkommen wurde dann die Höhe des Krankentagegeldes berechnet: 250 Euro am Tag. Kurz nach Abschluss der Verträge erkrankten Marcel A. und seine Ehefrau Olga B.. Er, so erzählte er der Versicherung, sei in der Schweiz eine Treppe heruntergefallen, sie Der Natursteingarten hinter dem schmucken Haus des Ehepaares. Von außen nicht einsehbar


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Trägt sie eine Mitschuld oder ist sie nur Opfer eines Aufschneiders, eines modernen Felix Krull gewesen, der sie mit seinem Auftreten locker um den Finger gewickelt hat? Kurze Zeit nach dem ersten Kennenlernen haben die beiden geheiratet. Im Interview mit dem BÜRGERBLICK, das Dank einer Kollegin aus dem Heimatland von Olga B. auch in ihrer Muttersprache geführt wurde, erzählte sie ihre Lebensgeschichte. Sie habe in ihrem Heimatland Jura studiert. Ihr Studium werde aber in Deutschland nicht anerkannt. Sie sei 2007 mit ihrer Tochter nach Deutschland gekommen, nach Frankfurt. Dort habe sie auf einer Party ihren heutigen Mann kennengelernt. „Er hat mich sehr beeindruckt. Er war weltgewandt, spricht mehrere Fremdsprachen - auch Russisch. Er war als Journalist, Kameramann und Filmemacher tätig. Zuletzt haben wir in Ortenberg, 70 Kilometer von Frankfurt entfernt gewohnt. Mein Mann ist viel alleine gereist. Nach Thailand, in die Ukraine und ich weiß nicht sonstwohin...“. Aber auch zu zweit seien sie oft auf Reisen gewesen - quer durch Europa. Das seien Jobs gewesen. Man habe Fotos gemacht für Firmen, für die man Internetseiten gestaltet habe. Es scheint, als habe Olga B. zum damaligen Zeitpunkt einen Ersatzvater für ihre Tochter gesucht, sich aber auch von dem mondänen Leben, das sie in der Zeit wohl geführt hat, blenden lassen. Die letzten Jahre allerdings, vor allem, seit sie im Saterland wohnen, seien der Horror gewesen. Ihr Mann habe sie wie eine Sklavin behandelt. Er habe nur noch getrunken, auch Drogen genommen und sie geschlagen. Sie zeigt dem Reporter eingeschlagene Fensterscheiben in der Gästetoilette, die notdürftig mit Klebeband geflickt sind. Nach außen hin war alles „hui“ - nach dem Motto

Gerichtsprozess

„Hoppla, jetzt komm ich, der große Journalist und Filmemacher.“ Aber in Wirklichkeit war alles „pfui“. Olga B. hat eine gute Anwältin an ihrer Seite. Eine, die für ihre Mandantin kämpft, damit sie zumindest eine milde Strafe erhält oder einen Freispruch. Olga B. habe seinerzeit in einer psychischen Abhängigkeit zu ihrem Ehemann gestanden. Es fehle bei den angeklagten Taten an einem Vorsatz. Dem Antrag auf Einholung eines Gutachtens, ob die 36-Jährige zur Tatzeit einen freien Willen gehabt hatte, gab das Gericht statt. Wer ein wenig recherchiert, findet im Internet tatsächlich Spuren, die Marcel A. hinterlassen hat. Auf einer Webseite, auf der Kunst gekauft und verkauft werden kann, präsentiert er sich mit folgendem Lebenslauf: 1994 Studium an der Filmhochschule Mainz/ Wiesbaden. 1998 Freie Filmproduktion und Fotodesign (3tv), 2002 Art-Shop Sankt-Petersburg, Artimitage Moscow, 2003 verschiedene Einzelausstellungen Fotodesign, Aquarelle, Ölmalerei in der Ukraine und Russland, N.Y., Madrid. 2007 Atelier in Leipzig und Frankfurt. Ob der Lebenslauf fingiert oder echt ist wissen nur er selbst und die Götter. Vor Gericht schweigt der Angeklagte. „Er wartet in Ruhe ab, ob ihm die Staatsanwaltschaft in dem Indizienprozess die Anklagepunkte nachweisen kann,“ schrieb der NWZGerichtsreporter Franz-Josef Hoffmann. Warum aber ist das Pärchen ins Saterland gezogen, weg von Ortenberg, einer Kleinstadt im Wetteraukreis, zirka 70 Kilometer von der Metropole Frankfurt entfernt? Ein Kommunalpolitiker erinnert sich zwar nicht an das Paar, aber daran, dass es vor einigen Jahren Gerüchte gegeben habe, dass in Ortenberg Pornos gedreht worden seien. Der CDU-Politiker: „Einige Bürger haben in Frankfurt

Olga B. zeigt ein Gemälde ihres Mannes. Es soll ein Selbstbildnis sein

Pornofilme gekauft und dabei im Hintergrund Gebäude und Plätze unseres Städtchens Ortenberg erkannt.“ Sind Marcel A. und seine Ehefrau aus Ortenberg weggezogen, weil das Geschwätz zu groß wurde? Es gibt noch eine andere Adresse, unter der Marcel A. gemeldet war. Eine in Frankfurt. Aber es ist nicht seine. Es ist die einer renommierten Anwaltskanzlei. Und dieser Anwalt kennt Marcel A. gut. Er habe ihn einmal vertreten. Aber dazu dürfe er nichts sagen. Anwaltliche Schweigepflicht. Nur soviel: Er sei ein halbseidener Typ. Einer, den man, wenn man ihn sieht, sofort dem Milieu zuordnen würde. Marcel A. habe mal als „rasender Reporter“ für einen Privatsender in Hessen gearbeitet. Er sei ständig auf der Suche nach Skandalgeschichten gewesen: Unfälle, Brände usw.. „Ein Blender vor dem Herrn. Er zog immer in tolle Häuser auf dem Lande, aber nie in die Großstadt. das konnte er sich wohl nicht leisten. Aber nach außen hin, wollte er immer den großen Macker spielen.“ Marcel A. sei schon einmal in Haft gewesen wegen Betrugs.

Damals sei es unter anderem um eine teure Kamera gegangen, die angeblich kaputtgegangen sei. Den Schaden habe er bei der Versicherung eingereicht. „Er wurde damals vom Landgericht Frankfurt zu einer längeren Haftstrafe verurteilt.“ Wie hoch die Strafe gewesen sei, wisse er nicht mehr. „Aber es war sicherlich keine milde Strafe, weil der Vorsitzende Richter in Anwaltskreisen als harter Hund bekannt ist. Sein Spitzname unter uns Anwälten: ‚Das lachende Fallbeil‘“. Da kann Marcel A. jetzt nur froh sein, das die Vorsitzende Richterin am Landgericht Oldenburg beim jetzigen Prozess ganz akribisch vorgeht und nach und nach jeden Zeugen vorlädt. Bis in den September hinein. Erst dann wird das Urteil gesprochen.


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Sport

Fußballtalent Marcel Zakrzewski sagt: „Tschüss, Hansa-Friesoythe! Hallo Blau-Weiß!“

„Er ist wieder hier, in seinem Revier!“ Ramsloh – Sechs Jahre lang spielte er bei Hansa Friesoythe, zuletzt bei den A-Junioren in der Landesliga. Jetzt hat er sein Herz wieder für seinen Heimatverein BlauWeiß-Ramsloh entdeckt und kehrte zurück. Marcel Zakrzewski: „Ich möchte BlauWeiß unterstützen und freue mich schon auf die neue Saison.“

Marcels Wunschposition? „Ich gehe fest davon aus, dass ich im Sturm spielen werde.“ Der angehende Industriekaufmann (derzeit Azubi beim Torfwerk Moorkultur Ramsloh) hat fußballerisch zwei Wünsche, die er dem BÜRGERBLICK verriet: „Zum einen hoffe ich, mit Ramsloh den Aufstieg feiern zu können. Zum anderen würde ich gerne mal ein Probetraining bei meinem Lieblingsclub,

dem 1. FC Nürnberg, machen.“ Der 19-Jährige ist wahrscheinlich der größte und vielleicht sogar einzigste „Cluberer“ weit und breit im hiesigen Werder-BremenLand. Er ist sogar Mitglied beim 1. FC Nürnberg, hat die Mitgliedsnummer 37479. Warum ausgerechnet der FCN? Marcel: „Es sind Spieler wie Albert Bunjaku, Alex Esswein oder Hiroshi Kiyotake, die mich auf Grund ihrer Spielweise faszinieren. Sie sind ein großes Vorbild für mich, weil sie mit wenig Mitteln das Maximale erreichen.“ Vor allem der Japaner Hiroshi Kiyotake, Spielmacher beim 1. FC Nürnberg, hat es ihm angetan. Stolz präsentiert Marcel seine neueste Errungenschaft, ein Trikot mit der Nummer 13 – der Nummer seines Vorbilds Kiyotake. Ein Spiel seines Lieblingsclubs FCN hat der Saterländer im Nürnberger Grundig-Stadion schon gesehen: „Es war eine bombastische Stimmung. Ich bekam richtig Gänsehaut.“ Vielleicht, so sagt er, mache er sich und seiner Freundin Lea zu Weihnachten eine Freude und besuche mit ihr den Nürnberger Christkindlesmarkt. Für einen Cluberer ein absolutes Muss. Und wenn Lea und Marcel ein wenig Glück haben, treffen sie auf dem diesjährigen Christkindlesmarkt vielleicht auch Marcels Lieblingsspieler, den Japaner Hiroshi Kiyotake. Denn wie jedes Jahr grillen die Spieler vom 1. FCN auf dem Christkindlesmarkt Nürnberger Rostbratwürste. Auch Kiyotake, wie das Foto rechts beweist. (Fotos: Bayernpress / Laib)


Sport

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Neue Trikots für die Tischtennisabteilung des SV BW Ramsloh! Mit neuen Trikots und altem Kampfgeist geht’s jetzt für die Herren-Jugendmannschaft des SV Blau-Weiß Ramsloh in die neue Saison. Und in der noch stärker besetzten 2. Kreisklasse heißt es dann, möglichst alles zu geben, um nicht in den Abstiegsstrudel zu geraten. Aber mit diesen schicken blauen Trikots, die Uwe Drees, Firmenchef der gleichnamigen Firma (Heizung-Lüftung-Sanitär-Photovoltaik), gesponsort hat, kann eigentlich nichts schiefgehen. So sehen nämlich Sieger aus! Von links nach rechts: Sponsor Uwe Drees, David Schmitz, Abteilungsleiter Willi Berssen, Thomas Gisbrecht, Martin Saßen, Yasen Kanagarajah, Thomas Stammermann, Ralf Beckmann, Jan Luca Evers.

Sport- und Familienwochenende vom 9. bis 11. August in Ramsloh! Der Sportverein BW Ramsloh veranstaltet auch in diesem Jahr wieder ein Sport- und Familienwochenende - und zwar von 9. bis 11. August. Dazu lädt der Verein auswärtige Mannschaften ein. Folgende Turniere werden am Freitag, 9. August gespielt: D-Jugend (16-19 Uhr), AlteHerren, Kleinfeld-Turnier (19-21 Uhr), BWR internes Kunstrasen-Turnier (19-21 Uhr). Samstag, 10. August:

B-,C- und D-Mädchen (alle 9.30-13 Uhr). E-Jugend und E-Mädchen (14-17 Uhr), Damen-Mannschaft (17-19 Uhr), Hobby + Firmen (17-20 Uhr), Überraschungs-Veranstaltung (19-21 Uhr). Sonntag, 11. August: G-Jugend (9.30-13 Uhr), F-Jugend (1417 Uhr). Für die Verpflegung ist bestens gesorgt. Anmeldungen telefonisch, schriftlich oder per E-Mail. Die teilnehmen-

den Mannschaften werden gendobmann Harald Grosser, im Vorfeld auf der Home- Tel: 04498/2118 oder 707079. Mobil: 0162/7378930. E-Mail: h.grosser@ewetel.net Noch ein Hinweis: Am Sonntag, 21. Juli veranstaltet die Jugendabteilung ein C-Jugendturnier - u.a. mit den U15-Mannschaften von Werder Bremen, Bremerhaven, Kickers Emden, SV Meppen, Hansa Friesoythe, BV Cloppage www.bwramsloh.de be- penburg und einer Saterkanntgegeben. Kontakt: Ju- landauswahl.

Lange Straße 12, 26676 Barßel Tel. 0 44 99 / 922 167


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Schicksale

Der tragische Tod des Jens Martin Kock (19) und das Leid der Familie!

Hast Du heute schon jemandem vergeben? Von Henrie Laib Als ich ihn vor ein, zwei Monaten an der Tankstelle von Heinrich Schütte in Scharrel traf, war er noch voller Hoffnung. Er trug ein Käppi, um zu verbergen, dass ihm die Chemotherapie die Haare vom Kopf gefressen hatte. Aber er lachte. „Es geht mir wieder gut, Henrie. Danke.“ Ein paar Jahre zuvor hatte er den BÜRGERBLICK ausgetragen. Wir konnten uns immer auf ihn verlassen. Ab und an sah man sich im Saterland, winkte sich zu. Bis ich ihn lange Zeit nicht mehr sah und erfuhr, dass er schwer krank sei. Krebs! Lymphdrüsenkrebs! Mein Gott, in dem Alter, schoss es mir durch den Kopf. ‚Er wird es schaffen’, sagte mir sein bester Freund Wladimir, ‚Jens ist stark’. Ich spürte aber, wie nah es Wladi ging, dass sein bester Freund, mit dem er zusammen die Schulbank gedrückt hatte, plötzlich mit dem Unaussprechlichen konfrontiert war. Wladimir hatte Jahre zuvor seinen Vater verloren – ebenfalls durch Krebs. Beide, Wladi und Jens, waren in der Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker bei Heinrich Schütte. Und ich sage frei heraus: Zum Glück bei Schütte. Denn Heinrich Schütte ist nicht nur ein Kfz-Meister vom alten Schlag: Aufrichtig, ehrlich, gewissenhaft. Er ist vor allem eines: Ein Mensch mit einem großen Herz! Einer, der immer ein offenes Ohr für die Sorgen seiner Mitarbeiter hat. Der Verständnis dafür aufbringt. Der hilft, wenn jemand in Not ist. Und der jungen Leuten eine Chance gibt, auch wenn sie sich nicht mit einem glänzenden Zeugnis bei ihm bewerben. Aber auch einer, der schon so oft reingefallen ist, weil eini-

Jens Freundin Jessica mit der Mutter des Verstorbenen an dessen Grab

ge jener, denen er die Chance ihres Lebens gegeben hat, ihn bitterböse enttäuscht haben. Er wurde schon beklaut, betrogen, angelogen. Aber Heinrich Schütte weiß auch ganz genau: Undank ist der Welten Lohn. Er hilft trotzdem immer wieder. Weil er verzeihen kann. Und weiß: Wenn es einen gibt, der die Hilfe nicht zu schätzen weiß, dann gibt es mindestens zwei, die das tun. Jens und Wladimir gehören zu den Letzteren. Es sind keine ungetrübten Familienverhältnisse zu Hause bei Kocks. Die Mutter schwer gehbehindert, die Schwester sucht immer noch nach einer Lehrstelle als Verkäuferin, hat sich Dutzende Mal beworben. Das Geld sitzt nicht locker. Und jetzt, nach dem Tod des Jungen, kämpfen sie mit den Versicherungen, den Behörden - das übliche Drama nach so einer Tragödie. Wer aber hilft ihnen? In dieser psychischen Ausnahmesituation? Wer von uns kann das unendliche Leid, sein Kind so früh verloren zu haben, nachvollziehen? Keiner, der es nicht selbst schon erlebt hat. Aber es gibt zum

Glück Menschen wie Heinrich Schütte oder Nachbarn wie die Familie Schander, die den Kocks eine große Stütze sind. Als Reporter bekommt man schnell mit, was sich hinter den Kulissen einer solchen Tragödie abspielt. Auch oder gerade im ländlichen Gebiet ist manchmal nicht jeder dem anderen wohlgesonnen. Weil man sich gut kennt und schon lange, jahrzehntelang in ein und derselben Straße in ein und demselben Ort zusammenlebt. Da wird viel geredet, getuschelt, der Stab gebrochen. Obgleich gerade nach einem solchen Schicksalsschlag jedes aufrichtige Wort, jeder tröstende Satz doppelt und zehnfach gut tut. Aber jeder dumme Spruch, der hinter vorgehaltener Hand die Runde macht, tausendfach schmerzt. Viele von uns, auch viele Christen, so las ich kürzlich in einer Zeitschrift, können nicht verzeihen. Wer aber seinen Zorn und seine Wut mit sich herumträgt und nicht verzeihen kann, schadet vor allem sich selbst. Dabei kennen wir alle den Bibelspruch: „Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.“ Der Tod

des Jungen sollte uns allen eine Mahnung sein, näher zusammenzurücken. Auch wenn es in der Nachbarschaft in der Vergangenheit vielleicht zu Differenzen gekommen ist. Jetzt ist der Zeitpunkt da, zu vergeben. Selbst das „Vater unser“ beschäftigt sich mit der Vergebungsbereitschaft: „Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen nicht vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.“ Heinrich Schütte ist beispielsweise so einer, der vergeben kann. Sonst würde er ja an sich verzweifeln. Er steht der Familie von Jens zur Seite. „Alle Bitterkeit und Wut und Zorn und Geschrei und Lästerung sei von euch weggetan, samt aller Bosheit. Seid aber gegeneinander gütig, mitleidig, einander vergebend, gleichwie auch Gott in Christus euch vergeben hat.“ So steht es in Epheser 4. Der Maßstab unseres Vergebens ist also Gott. Kann man da noch eine Wurzel der Bitterkeit gegen jemanden bestehen lassen, der mir weh getan hat? Haben Sie heute schon vergeben?


Schicksale

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Familie und Freunde trauern um Jens, der noch soviel in seinem Leben vorhatte!

„Er war in unserer Clique der Sonnenschein“ Jessica Lau aus Barßel war die Freundin von Jens Kock. Die 18-Jährige erzählt uns, was für ein Mensch der Verstorbene gewesen ist und welche Pläne er noch für seine Zukunft hatte, die er gemeinsam mit ihr gestalten wollte. Hier schreibt sie, was sie unbedingt über ihren verstorbenen Freund noch sagen wollte. „Jens war ein so toller Mensch. Immer hilfsbereit, immer gut gelaunt – auch während seiner Krankheit, als es ihm richtig schlecht ging. Er hat sich nie unterkriegen lassen. Aber vor allem hat er andere immer unterstützt. Wenn jemand aus unserer Clique Hilfe brauchte, Jens war immer für andere da. Auch während seiner Chemotherapie, die ihm so viel Schmerzen bereitet hat. Als aber Freunde anriefen und fragten, ob er beim Umzug helfen könne, da hat Jens nicht ‚Nein“ gesagt. Selbst während seiner schlimmen Zeit hat er immer nur an andere gedacht. Wenn jemand traurig war, Jens hat ihn wieder aufgebaut. Dabei war er es doch eigentlich, der aufgebaut werden musste. Jens hat nach außen hin nie gezeigt, wie dreckig es ihm ging, wie viel Schmerzen er hatte, Es war Anfang April. Jens hatte immer darüber geklagt, so niedergeschlagen, so müde zu sein – und das er zu wenig Luft bekomme. Sein Hausarzt hat ihm ein Asthmamittel verschrieben und gesagt: „Das wird schon wieder“. Heute wissen wir, das war eine absolute Fehleinschätzung. Er hätte ihm unbedingt eine Überweisung zu einem Facharzt schreiben sollen. Ich habe immer gesagt, ‚Jens, geh’ noch zu einem anderen Arzt. Am bes-

ten zu einem Facharzt.‘ Aber er hat nicht auf mich gehört. Er hat seinem Hausarzt vertraut. Dann, ein paar Tage vor Ostern, hat er nachts unglaublich starke Schmerzen bekommen im Lungenbereich. Wir haben ihn mit dem Auto ins Kankenhaus gefahren. Erst nach Friesoythe, dann nach Westerstede in die Ammerlandklinik. Dort wollte Jens behandelt werden. Er hat gestöhnt vor lauter Schmerzen. Er hat mir so leid getan. Dann die Diagnose, die uns alle umgehauen hat. Von wegen Asthma. Es war Lymphdrüsenkrebs. Jens hatte einen faustdicken Tumor über der Lunge, ganz in der Nähe des Herzens. Sie haben ihn dann ins Klinikum nach Oldenburg verlegt. Für mich und Jens Familie ist eine Welt zusammengebrochen. Als wir im Krankenhaus angekommen sind, lag er in seinem Bett. Wir haben ihn umarmt, wir haben geweint, wir waren alle geschockt. Aber er war voller Hoffnung, hat mir einen Kuss auf den Mund gegeben und gesagt ‚Mein Schatz, mach Dir keine Sorgen, es wird alles wieder gut’. Doch es wurde nicht wieder gut. Jens kam dann ins Pius-Hospital. Irgendwann nahm er mich in den Arm und sagte: ‚Jessica, ich habe Angst, dass ich es nicht schaffe.‘ Ich habe den Kopf geschüttelt und geantwortet ‚Mein Schatz, sag so etwas nicht. Wir werden das beide durchstehen. Du bist noch so jung und so stark.’ Und dann begann die ganze Tortur. Eine OP nach der anderen. Klinik rein, Klinik wieder raus, Chemotherapie. Er durfte zwischendurch wieder nach Hause, aber seine Ausbildung bei Kfz-Schütte in Scharrel konnte er in seinem Zustand nicht

weitermachen. Er hat immer wieder seine Arbeitskollegen besucht, die ihm auch Mut zugesprochen haben. Alle haben sich rührend um Jens gekümmert. Langsam fielen im die Haare aus. Ich habe ihm noch ein Käppi gekauft, weil er nicht mit einer Glatze herumlaufen wollte. Es ging ihm dann langsam wieder besser. Er hatte sich sein Traumauto gekauft, einen weißen Kia. Wir haben Pläne für die Zukunft geschmiedet, wollten zusammenziehen. Er wollte nach seiner Lehre irgendwann eine eigene Kfz-Werkstatt mit seinem besten Kumpel Wladimir aufmachen. Die Ärzte haben ihm Hoffnung gemacht und gesagt ‚Jens, du schafft das schon’. Und dann ging es ihm plötzlich wieder

schlechter. Dann ging alles sehr schnell. Die Ärzte stellten bei ihm eine Blutvergiftung fest. Offenbar war bei einer der OP`s etwas schief gegangen und es gelangte Darmflüssigkeit ins Blut. Von da an gab es nur noch wenig Hoffnung. Mein Jens wurde ins künstliche Koma versetzt. Ich habe Tag und Nacht gebetet, dass er das überleben wird. Aber er hatte keine Chance. Am Donnerstag, 13. Juni starb er. Er hatte einfach keine Kraft mehr. Eineinhalb Jahre hat mein Jens gekämpft. Jetzt ist er tot. Und mein Herz zerreißt es fvor Schmerz. Jens, hab Dank für Deine Liebe. Ich werde immer an Dich denken. Und ich verspreche Dir: Ich kümmere mich um Deine Familie. Das bin ich Dir schuldig.“


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Vorschau

Demnächst wieder unterweg, um das Barßeler Hafenfest noch bekannter zu machen!

Fienchen und Fietje rühren die Werbetrommel Barßel - Fienchen und Fietje alias Anita Pastoor und Ferdinand Werner - gehen wieder rechtzeitig auf große Tour, um für das Barßeler Hafenfest zu werben. Am Freitag, 26. Juli und Samstag, 27. Juli sind sie in Augustfehn beim „Fest der 1000 Laternen“. Auch beim Friesoyther Schützenfest (4. August ab 13:00 Uhr) rühren sie wieder

die Werbetrommel. Wenn sie dann am 15. August um 19 Uhr bei der Zwischenahner Woche auftauchen, werden die Besucher sicherlich begeistert sein. So auch einen Tag später, am 16. August (ab 18 Uhr) beim Stoppelmarkt in Vechta, den sie auch noch einen Tag später, am 19. August (ab 8 Uhr) beehren werden. Die offizielle Eröffnung des Hafenfestes in Barßel wird am Freitag, 23. August um 16.45 Uhr sein. Um 17.30 Uhr fällt dann der

Startschuss zum 6. Hafenfestlauf. Abends um 19 Uhr beginnt dann die Schlager- und Oldieparty auf der Festplatzbühne mit DJ Matthias Bruns Auch im Festzelt geht es richtig zur Sache. Ab 20 Uhr findet dort die CHARTS Revival Party statt. 21.30 Uhr sind dann die Siegerehrungen der Läufe auf der Festplatzbühne. Samstag, 24. August: 14.30 Uhr „Nachmittag der Senioren“ im Festzelt, für Unterhaltung sorgen das Caritasorchester und die Volkstanzgruppe Saterland. 15 Uhr Konzert auf der Festplatzbühne. 16 Uhr Start des Drachenbootrennens in Detern. 16.45/17 Uhr ist dann die Zieleinfahrt der Drachenboote. 17.30 Uhr: Siegerehrung für das DrachenbootLangstreckenrennen (10km). Und dann, ab 20 Uhr einer der Höhepunkte: Wiesn-Gaudi im Festzelt unter dem Motto „Aus den Bergen in den hohen Norden“. Livemusik vom Original KAISERBLICK QUINTETT aus Ruhpolding. Um 21 Uhr ist die Gruppe STURMFLUT wieder zu Gast auf dem Barßeler Hafenfest. Sonntag, 25. August ab 11.00 Uhr: Floh- und Trödelmarkt (Infos/Anm.: TF-Promotion, 04943-912121). Ebenfalls ab 11 Uhr: Zünftiger Frühschoppen

Sind bald wieder unterwegs: Fienchen und Fietje, die Repräsentanten des Barßeler Hafenfestes

auf der Festplatzbühne 13 Uhr: Shanty Chor Treffen im Festzelt mit dem Shanty Chor Nordgeorgsfehn, „Dei Binnenschippers“ aus Lohne, „De Freesen ut Varel“ und dem Shanty Chor Barßel 14.30 Uhr: Miniplaybackshow/ Kinderunterhaltung auf der Festplatzbühne mit Anita +

Ewald. 15 Uhr: HafenfestKanu-Cup 2013. Um 16 Uhr: Auftritt der Tanzgruppe des Jugendzentrums Barßel. 18 Uhr: Partymusik auf der Festplatzbühne mit Partykanone DJ Matthias Bruns von MusikApen.de. 22.15 Uhr: Höhenfeuerwerk der Norddeutschen Kunstfeuerwerkerei.

Auch in diesem Jahr werden sicherlich Tausende von Besuchern von Nah und Fern den Weg zum Barßeler Hafenfest finden. Ein Highlight wird auf jeden Fall die Wies‘n-Gaudi mit dem Original Kaiserblick Quintett aus dem bayerischen Ruhpolding sein


Sonderthema

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Buergerblick 2013 07  
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